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Chaco #61: Der Silber-König

2019 109 Seiten

Zusammenfassung


Cam Bleeker setzt seinen Mittelsmann Hank Worden ein, der dafür zu sorgen hat, dass ihm alle Claims der Silberminen überschrieben werden. Worden hat eine ganze Mannschaft von Banditen unter sich, die die Stadt unter Kontrolle halten und Druck auf die Claimbesitzer ausüben.
Rufus T. Gores bittet Chaco, das Halbblut, ihn und den jungen Sheriff zu unterstützen, gegen die Bande vorzugehen. Chaco erklärt sich bereit, doch seine Hilfsbereitschaft bringt ihn wiederholt in tödliche Gefahr.

Leseprobe

Table of Contents

Der Silber-König

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Silber-König

Chaco #61

Western von Carson Thau

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

 

Cam Bleeker setzt seinen Mittelsmann Hank Worden ein, der dafür zu sorgen hat, dass ihm alle Claims der Silberminen überschrieben werden. Worden hat eine ganze Mannschaft von Banditen unter sich, die die Stadt unter Kontrolle halten und Druck auf die Claimbesitzer ausüben.

Rufus T. Gores bittet Chaco, das Halbblut, ihn und den jungen Sheriff zu unterstützen, gegen die Bande vorzugehen. Chaco erklärt sich bereit, doch seine Hilfsbereitschaft bringt ihn wiederholt in tödliche Gefahr.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Tony Masero

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Cam Bleeker — Er ruht und rastet nicht, bis er alle Claims in seinem Besitz hat.

Hank Worden — Setzt alle Mittel ein, um die Stadt unter seine Kontrolle zu bringen.

Red Zimmer — Den jungen Town-Marshal lässt seine Eifersucht oft den Gesetzesauftrag vergessen.

Rufus T. Gores — Er zieht Chaco in ein Unternehmen, dessen Ausgang niemand vorhersehen kann.

Chaco — Seine Hilfsbereitschaft bringt ihn wiederholt in tödliche Gefahr.

 

1

Früher war Couffignal mal eine Minenstadt gewesen. Jeder, der hier wohnte, war mit dem ununterbrochenen Hämmern der Quetschmühlen vertraut gewesen. Eines Tages dann waren die Minen erschöpft. Güterzüge fuhren im Bahnhof ein und transportierten die Silbererzhalden, die sich noch im Hof der Mühlen befanden, nach Virginia City. Die Teile der Mühlen, die beweglich waren, wurden von den Männern, die an den Mühlen gearbeitet hatten, verladen. Die Güterzüge fuhren weiter nach Norden - und mit sich nahmen sie alles, was Couffignal zu einer Minenstadt gemacht hatte.

Die Arbeiterbaracken, die Kantine und der Laden der Minengesellschaft standen verlassen; die Verwaltungsbüros und die große Steinhalle, in der die Hauptmühle gestanden hatte, waren leer. Feiner Steinstaub lag wie ein grauer Schleier über dem Gelände, und wild schoss das Unkraut zwischen den zerfallenen Gebäuden hervor.

Im Red Carnation Saloon war nicht viel los. Chaco lehnte an der Theke - ein Glas Bier neben sich - und döste über die Flügeltüren hinweg ins wirbelnde Graublau der anbrechenden Nacht. Er war der einzige Gast. Der Wirt hielt sich im Hintergrund - also herrschte Ruhe. Nur einmal, kurz bevor es völlig dunkel wurde, kam der Wirt hinter seiner Theke hervor und entzündete ein Petroleumlicht, dann zog er sich wieder zurück. Die Lampe flackerte erst, wurde mit der Zeit aber ruhiger. Sie tauchte den Raum in gelbliches Licht.

Draußen waren Geräusche zu hören. Ein Wagen fuhr vor. Man konnte hören, wie die Zugpferde behelfsmäßig festgemacht wurden. Zwei Männer redeten miteinander.

„Spätestens jetzt werden wir merken, ob sie uns verfolgen“, sagte der eine.

„Jawohl, Señor Gores“, sagte der andere. Er sprach mit mexikanischem Akzent.

Ein älterer Mann mit eisgrauem Backenbart stieß die Türflügel auseinander und hielt sie für einen Moment mit gespreizten Fingern fest. Er musterte den Schankraum und trat dann ein, gefolgt von einem Mexikaner, der ein kleines Jackett trug und Hosen, die sich um seine hochhackigen, silberverzierten Stiefel weiteten. Beide waren sie bewaffnet.

Der Mann musterte Chaco nur oberflächlich.

„’n Abend“, brummte er und gab dann beim hinzugekommenen Wirt seine Bestellung auf. „Zwei Bier.“

Der Mexikaner stellte sich neben ihn, den Rücken zur Theke - wie Chaco. Seine Augen bohrten sich in die Finsternis über den Türflügeln, und die Fingerspitzen schwebten über den Griffen der Peacemaker, die angriffslustig aus den beiden Holstern des Buscadero Gurts ragten. Noch bevor der Wirt die beiden Biere hinstellte, zuckte der Mexikaner leicht zusammen und warf dem Mann einen kurzen, bedeutungsvollen Blick zu.

Draußen wurde Hufgetrappel laut. Auch der Mann drehte sich jetzt herum. Beider Augen hefteten sich auf die Tür. Vor dem Saloon schnaubten die Pferde, während sie festgemacht wurden. Dann flogen die Türflügel auseinander, und zwei bärtige Gesellen tauchten in der schwach beleuchteten Öffnung auf. Ihre Zähne entblößten sich beim Anblick des Mannes und des Mexikaners. Der links gab dem rechten ein Zeichen mit dem Kopf, und sie schritten auf den Tresen zu. Den Mexikaner und den Mann ließen sie dabei nicht aus den Augen.

„Zwei Bier“, sagte der Längere von beiden. „So wie Mister Gores und Monco, sein treuer Diener.“

„Woher kennen Sie meinen Namen?“, fragte der Mann mit dem Backenbart.

Der Mann, der zuvor gesprochen hatte, blickte gelangweilt weg.

„Ihr verfolgt uns schon den ganzen Tag“, fuhr Gores fort. „Wer hat euch den Auftrag dazu gegeben? Torn?“

Die beiden Männer sahen sich an.

„Torn?“, sagte der eine zum anderen. „Hast du den Namen schon mal gehört?“

„Nein“, erwiderte der andere. „Noch nie in meinem Leben. Wer soll das denn sein, Mister?“ Mit den letzten Worten hatte er sich an den Mann mit dem Backenbart gewandt.

„Ihr wisst es ganz genau. Hören wir mit dem Versteckspielen auf! Was hat er euch aufgetragen? Sollt ihr mich umbringen? Seid ihr deswegen hier?“

„Wir wollen hier nur unser Bier trinken, nicht wahr, Ron?“, sagte der Längere zu seinem Kumpan.

„Jawohl, Sid“, erwiderte dieser.

„Und warum habt ihr uns den ganzen Tag verfolgt?“, fragte der Mexikaner erneut.

„Wir haben euch nicht verfolgt“, meinte Sid. „Wir wollten nur auf dem schnellsten Weg nach Couffignal reiten.“

„Dafür habt ihr aber verdammt viele Umwege gemacht. Wir sind nämlich extra ein paar Mal vom Trail abgewichen, um herauszufinden, ob ihr uns folgt oder ob wir uns darin irren. Ich glaube, wir haben uns nicht geirrt.“ Monco nahm einen Schluck Bier. „Also, was sollen diese Ausreden?“

„Was hättet ihr sonst auch gerade in Couffignal verloren?“, meinte Gores. „In diesem gottverlassenen Nest?“

„Wir ... wir ...“ Sids Augen irrten im Saloon umher, denn so schnell wollte er sich nicht geschlagen geben. Schließlich erfassten sie Chaco. „... wir haben diesen Indianer da gesucht. Er hat unser Pferd gestohlen.“

„Jawohl.“ Ron nickte kurz.

„Welches denn?“, fragte Monco. „Ihr seid doch mit zwei gekommen. Ich habe es gehört.“

„Dann hast du dich eben verhört“, gab Ron bissig zurück.

„Und was wollt ihr jetzt mit ihm machen?“, fragte Gores.

„Ja“, schaltete sich Chaco ein. „Was wollt ihr mit mir machen?“

Die beiden blickten ihn blöd an.

„Lasst ihn in Ruhe!“, sagte Gores. „Er hat nichts mit der Sache zu tun.“

„Halt du dich da ’raus!“, schnappte Ron.

„Ich warne dich“, sagte Monco ruhig. „Wenn du ziehst ...“

Aber es war schon zu spät. Sid und Ron hielten bereits die Colts in ihren Händen. Wie der Blitz wandten sie sich von Chaco ab. Gores und Monco hechteten zu Boden. Die Waffen bellten auf, doch die Kugeln verfehlten ihr Ziel.

„Schluss jetzt!“, schrie Chaco, den Army Colt in der Hand.

Sid und Ron fuhren verblüfft zu ihm herum. Sie erweckten nicht den Eindruck, als ob sie aufgeben wollten.

Chaco schoss. Die Kugel fetzte Ron den Peacemaker aus der Schusshand. Wimmernd hob er sie zum Mund.

„Wirf ihn weg, Sid! Sofort! Oder du bist ein toter Mann!“ Es war die Stimme Moncos. „Ich ziele auf deinen Rücken!“

Sid warf seinen Colt auf Chacos Gesicht zu. Das Halbblut wich aus, verfing sich mit dem Stiefel zwischen Fußstange und Tresen und fiel nach hinten. Sids Waffe sauste scheppernd zwischen die Flaschen in der Anrichte. Chaco schlug auf den Rücken, fing das Schlimmste mit den Ellbogen ab. In seinem rechten Fußgelenk zog es, ein stechender Schmerz jagte ihm durch die Wade. Für einen Moment fühlte er sich so hilflos wie eine Schildkröte, die man umgedreht hatte.

Er sah Sid über sich hängen wie einen drohenden Schatten, doch Monco riss ihn zurück und schlug zu.

„So, Herrschaften! Keine Bewegung!“ Gores hatte seinen Colt gezogen.

Ron beugte sich über Sid und half ihm wieder auf die Beine.

„Das wird euch noch leidtun“, presste er hervor.

„Besser später, als schon jetzt“, sagte Gores grimmig.

„Was wollen wir jetzt mit ihnen machen?“, fragte Monco, der neben Chaco kniete.

Zum ersten Mal sagte der Barkeeper etwas: „Ich hole den Sheriff!“

Schon war er durch die Flügeltüren verschwunden. Chaco stand jetzt wieder aufrecht, aber er humpelte.

„Was ist mit Ihrem Fuß?“, fragte Gores.

„Verstaucht“, erwiderte das Halbblut. „In ein paar Tagen ist das wieder in Ordnung. Wer ist Torn?“

Gores musterte ihn aus zusammengekniffenen Augen.

„Sie sind nicht schlecht, Mister. Ich hätte vielleicht ’nen Job für Sie.“

Danach erzählte er ihm in wenigen Worten von Rip Torn, der mit seiner Bande die Gegend um Venice, Nevada, terrorisierte. Anscheinend war Gores einer der Letzten, die sich widersetzten. Zusammen mit seinem Angestellten Monco hatte er einige Einkäufe für seinen Laden auf dem Großmarkt in Carson City getätigt. Sid und Ron waren ihnen seit Verlassen dieser Stadt gefolgt, vermutlich im Auftrag Torns, um sie einzuschüchtern oder umzubringen.

Der Sheriff traf kurze Zeit später ein und nahm die beiden Banditen in Gewahrsam. Gores entschloss sich, noch am selben Abend weiter nach Venice zu fahren, da sich verderbliche Ware auf seinem Wagen befand. Monco blieb in Couffignal, um am nächsten Tag oder am übernächsten - das hing vom Alkoholpegel des Friedensrichters ab - gegen Sid und Ron aussagen zu können.

„Ruhen Sie sich etwas aus!“, richtete Gores seine letzten Worte an Chaco. „Und wenn es Ihnen dann besser geht, kommen Sie mit Monco nach Venice. Sie sind mein Gast. Und vielleicht wollen Sie sich auch ein paar Dollar verdienen ... Aber darüber werden wir uns unterhalten, wenn Sie sich entschlossen haben, zu kommen.“ Er verabschiedete sich.

Monco folgte dem Sheriff mit den Banditen.

Nachdenklich stieg Chaco auf einen Barhocker und trank von seinem Bier. Ein paar Dollar konnte er gut gebrauchen - weiß Gott, er war fast völlig pleite. Er entnahm den Worten Gores’, dass dieser ihn in einen Bandenkrieg verwickeln wollte. Er sollte die Bürger sozusagen „von einem Übel befreien“ - gegen Geld natürlich. Chaco beschloss, sich die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Sein verstauchtes Bein würde ihn für ein oder zwei Tage in Couffignal festhalten - Zeit genug, um über das Angebot gründlich nachzudenken. Er nahm einen weiteren Schluck von seinem mittlerweile lauwarmen Bier und verfluchte die pochenden Schmerzen in seinem leicht angeschwollenen Knöchel.

 

 

2

Durch das geöffnete Fenster drang das nie enden wollende Stampfen der Gesteinsmühlen und vermischte sich mit den Geräuschen der Straße: dem Peitschenkrachen über den Maultiergespannen, dem Rumpeln der schweren Frachtwagen, den Flüchen der Fahrer und dem ständigen Auf und Ab der Füße auf den Stepwalks. Es war ein Tag wie jeder andere in Virginia City.

Zwei Männer saßen in dem Raum, der eine hinter seinem Schreibtisch. Der andere saß in einem Sessel und hatte seine großen Füße mit zufriedenem Grinsen von sich gestreckt. Ein gut bestückter Patronengurt umfing seinen beträchtlichen Bauch, und an seine breiten Hüften schmiegte sich ein gut geölter Sechsschüsser. Die dicken Daumen hatte er in der blumenbestickten Weste festgehakt. Seine Gesichtsknochen waren breit, das Kinn eckig und vorstoßend. Die grauen, leicht schräg stehenden Augen glitzerten gierig unter zottigen Brauen hervor.

„Bis jetzt ist alles großartig gelaufen, Cam“, sagte er. „Wenn du willst, kann ich dir Venice bald auf einem goldenen Teller präsentieren.“

Der Mann hinter dem Schreibtisch winkte ab.

„Die Stadt kannst du haben, Hank“, sagte er kalt. „Reiß sie ab, bau sie wieder auf, verkauf sie oder tausch sie gegen irgendwas ein! Es ist mir egal. Ich will die Minen.“

Hank Worden nickte.

„Die meisten hast du schon, Cam. Wenn ich zurück bin, kriegst du den Rest.“

Cam Bleeker trommelte ein nervöses Stakkato mit den Fingern auf den Schreibtisch. Er hatte es zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht, hier in Virginia City. Aber sein Besitzhunger war damit bei weitem nicht gestillt. Jetzt streckte er seine Hände nach Venice aus. Den sanften, weißen Fingern war es egal, woher das Geld kam, das sie täglich zählten, Hauptsache es war da und wurde mehr - immer mehr!

„Es ist mir verdächtig, wenn die Dinge so glatt laufen, wie du es immer wieder berichtest“, sagte er zu Hank Worden.

„Glaub mir“, sagte dieser, „ich habe alles im Griff. Rip Torn und seine Jungs sorgen dafür, dass keiner sich traut, das Maul aufzumachen.“

„Und wie sieht’s mit dem Gesetz aus?“

„Die Hände sind ihm gebunden. Der Kleine, der den Marshalstern trägt, ist noch nicht ganz trocken hinter den Ohren. Toms Männer ist er noch lange nicht gewachsen.“

„Und der Rest? Der Bürgermeister? Die Honoratioren?“

Worden zögerte mit der Antwort.

„Was soll ich sagen - natürlich sind sie so hilflos wie ihr Marshal. Das hindert sie aber nicht am Pläneschmieden. Man munkelte, das sie jemand anheuern wollen, der ihre Probleme für sie löst - ein Gerücht, nichts Genaues.“

„Nichts Genaues - mir reicht das!“, meinte Bleeker gereizt. „Ich will die Minen, Hank. Es ist mir egal, ob Silber drin ist oder nicht. Wenn ich sie erst mal alle habe, kann ich die Preise diktieren. Es geht hier um Millionen, Hank, verstehst du? Da kann ich mir keine Pfuscharbeit leisten.“

„Was soll ich tun?“

„Du kehrst zurück nach Venice - noch heute. Mach Stimmung für den Marshal! Es muss den Leuten in den Kopf, dass jeder zusätzliche Gesetzesvertreter - und wenn er nur halboffiziell ist - nur Ärger bringen kann. Und wenn du einen Mann hast, der dir nur im Weg steht: Bring ihn für den Posten ins Gespräch!“

„Ich verstehe, was du meinst“, sagte Worden und grinste.

„Dann handle jetzt danach.“ Bleeker erhob sich von seinem Schreibtisch. „Und berichte mir über deine Fortschritte!“

 

 

3

Der Mann stand am Fenster und blickte auf die Mainstreet von Venice. Mit einer eckigen Handbewegung fuhr er sich durch die silberne Haarmähne.

„Torn treibt sich immer noch ’rum“, sagte er zu dem großen Mann, der hinter einem abgenutzten Schreibtisch saß. „Rufus, es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um sich einen neuen Marshal anzuheuern, der mit dem Pack aufräumt. Worden ist schon über eine Woche außerhalb der Stadt.“

Rufus T. Gores nickte gewichtig.

„Hast du Vorschläge, Richard?“

Richard Eyer zupfte an seinem rechten Ohrläppchen.

„Wenn wir uns in unseren Vermutungen über Worden nicht irren“, sagte er, „wird es mehr zu tun geben, als ein einzelner bewältigen könnte.“

„Das hängt von dem einzelnen ab“, meinte Gores nachdenklich.

„Kann sein.“ Eyer fummelte noch immer an seinem Ohrläppchen. „Was wäre, wenn wir ein kleines Verwirrspiel mit Worden veranstalteten?“

„Wie meinst du das?“

„Ganz einfach: Wir heuern uns zwei Mann an, verbreiten aber gleichzeitig das Gerücht von nur einem. Torn wird versuchen, sich auf diesen einen einzuschießen, während der zweite ungestört, da unerkannt, vorgehen kann.“

Gores starrte von seinem Stuhl aus durchs Fenster.

„Ich kenne da einen Lee Gallagher, ein tapferer Kerl und zuverlässig. Er weiß, wie man mit Colts und Fäusten umgeht, der treibt das Gesindel sicherlich aus der Stadt.“

„So könnten wir wahrscheinlich das Problem Torn lösen“, meinte Eyer. „Aber Worden ist von anderem Kaliber.“

„Ich weiß.“ Gores nickte. „Er hat irgendjemand im Rücken, in dessen Interesse er handelt. Worden hat nie was mit Bergbau zu tun gehabt, und doch hat er letzten Monat zwei oder drei Minen gekauft. Warum?“

„Weiß der Himmel. Aber glaubst du, dass dein Lee Gallagher dieses Verwirrspiel lösen könnte?“

Gores schüttelte nachdenklich den Kopf.

„Was ist, Rufus? Kennst du noch jemand?“

„Ich weiß nicht.“ Gores griff zur Feder und begann, auf ein Blatt Papier zu schreiben. „Der Brief an Gallagher geht jedenfalls noch heute ab. Der Rest wird sich finden ...“

 

 

4

Wenige Tage später hielten zwei Reiter auf einem Grat inne und blickten auf Venice hinunter. Die Stadt lag am Fuß eines bewaldeten Hügels, Fortune Hill genannt, der in seinem Inneren riesige Silbererzvorkommen barg. Eine große Anzahl von Zelten und Hütten lag in einem Ring um die Holzhäuser des Zentrums. Allein vom Grat aus waren gut zwei Dutzend Saloons zu erkennen.

„Da liegt es“, sagte Monco zu Chaco. „Venice. Ich hoffe, Sie haben sich nicht zu viel davon versprochen.“

„Wir werden sehen.“ Chaco gab dem Morgan-Hengst die Fersen. Ruhig trabte das Tier den Hang hinunter.

In Couffignal war alles glatt gelaufen. Die beiden Banditen waren wegen versuchtem Mord für zwei Jahre ins Distriktgefängnis nach Carson City verschickt worden. Die Verstauchung hatte weniger Zeit zum Ausheilen gebraucht, als Chaco anfänglich vermutet hatte.

Die Straßen von Venice waren verstopft. Mühsam bahnten sich die beiden Männer ihren Weg durch Plan- und Frachtwagen, Buggys und Reiter. Auf den flankierenden Stepwalks eilten die Menschen hin und her, als könne es keiner von ihnen erwarten, der Silberschätze des Fortune Hill teilhaftig zu werden. Wenn eins der Häuser am Straßenrand nicht irgendeine Art Geschäft darstellte, war es todsicher ein Saloon und dazwischen drängten sich winzige Büros, die Ansprüche auf ein Stück Land und Grundstücke verkauften.

An einem zweistöckigen Gebäude hing ein rotes Schild, auf dem in goldenen Lettern stand: Rufus T. Gores, Ausrüstungsgegenstände, Eisenwaren und Lebensmittel. Chaco und Monco bugsierten ihre Pferde durch die Menschenmenge zum Haltebalken dieses Hauses.

Im Laden herrschte das gleiche Gedränge wie auf der Straße. Männer in Stiefeln drängten sich langsam an den Verkaufsständen vorbei. Jeder verfügbare Platz schien mit Fässern und Kisten vollgestellt. Verkäufer rannten herum, und die Stimmen aller Anwesenden vermischten sich zu einem lauten Gebrummel.

Monco arbeitete sich zum hinteren Teil des Ladens vor, wo ein kleiner Bezirk vom restlichen Raum abgetrennt war. Ein dünner, gequält aussehender Mann saß dort hinter einem Schalter und nahm das Geld der Verkäufer entgegen.

„Ist Mister Gores im Geschäft?“, fragte Monco.

„Nein“, näselte das Männlein. „Vor ’ner Stunde kommt er auch nicht wieder zurück.“

„Muchas gracias“, sagte Monco höflich und ging zurück zu Chaco, der am Eingang auf ihn wartete. „Er kommt später. Gucken wir uns erst mal die Stadt an.“

Sie mischten sich unter die Menschenmenge auf den Stepwalks. Sie setzte sich aus Bergarbeitern, Spielern, Cowboys, Frachtwagenfahrern und Herumtreibern zusammen - wie in jeder durchschnittlichen Minenstadt. Jeder von ihnen trug eine Waffe, und ihre Augen glänzten gierig dem Reichtum, den sie erhofften, entgegen.

Ein schreiend bunt gekleideter Mann zupfte Chaco am Ärmel.

„Wie wär’s mit einem Claim, Partner? Spottbillig!“

„Warum behalten Sie’s dann nicht?“, erwiderte Chaco. „Oder bereitet es Ihnen zu viel Schweißvergießen, das ganze Silber selbst ’rauszuhacken?!“ Er drängte weiter, bevor der Spekulant ihm antworten konnte.

Langsam passierten sie einen Büroeingang, über dem das Schild Consolidated Venice Co. angebracht war. Eine Gruppe schwer bewaffneter Nichtstuer drückte sich davor herum.

Ein wütender Aufschrei ließ Chaco herumfahren. Die drängende Menge hatte zwei Männern, die sich gegenüber standen, Platz gemacht. Der eine war schlaksig, und seine Handgelenke ragten um mehrere Inches aus den verwaschenen Ärmeln seines fadenscheinigen Hemds. Das schüttere Haar hing in vereinzelten Strähnen unter dem zerbeulten Hut hervor. Die grauen Augen funkelten wütend aus dem bleichen, abgehärmten Gesicht.

„Ullmann, bei mir beißt du auf Granit!“, schrie er. „Wenn ich jetzt ’nen Colt hätte, ich würde dir ’n paar blaue Bohnen zu essen geben!“

Sein Gegenüber grinste und zeigte fleckige Zähne. Er war groß und ungeschlacht mit dicken Armen und Beinen. Seine schmutzfarbenen Augen glitzerten. Die stummligen Finger spreizten sich über dem Griff eines Sechsschüssers, der aus einem völlig abgenutzten Holster ragte. Mit seiner Kleidung versuchte er den Eindruck zu erwecken, er sei ein Cowboy; aber ein jeder erkannte sofort, wen er vor sich hatte: einen ganz gewöhnlichen Revolverschwinger, der für Geld seine eigene Schwester verkaufen würde.

„Harvey“, sagte er kalt. „Du bist ein Dieb. Der Claim gehörte deinem Partner, und du hast ihn zur Aufgabe gezwungen. Und jetzt schreist du wie ein Indianer, wenn dasselbe dir passiert.“

„Lügner!“, würgte Harvey hervor.

Er trat einen Schritt vor, und Ullmann knickte leicht in den Hüften ein, die Finger nun ganz nahe am Colt. Mehrere der bewaffneten Nichtstuer sammelten sich jetzt um ihn, und er begann, Harvey mit Flüchen und Beleidigungen einzudecken.

Das Gesicht des Schlaksigen wurde rot vor Ärger. Er hob seine Fäuste. Schließlich explodierte er. Schreiend sprang er vor, die Fäuste in der Luft wirbelnd. Ullmann machte einen Schritt zur Seite und griff nach seinem Colt. Ein Schuss krachte, und Ullmann schrie auf. Der Sechsschüsser flog ihm aus den blutenden Fingern. Harvey verharrte mitten in der Bewegung und wandte sich erstaunt herum zu dem kräftig gebauten Halbblut, das einen rauchenden Army Colt in seiner Rechten hielt. Die dunkelbraunen Augen waren auf Ullmann gerichtet.

„Du willst dich an einem unbewaffneten Mann vergreifen?“, fragte Chaco kalt. „Bitte - aber ohne Colt.“

Ullmann nuckelte an seinen Fingern und blickte Chaco mit einer Mischung aus Wut und Angst ins Gesicht. Das Halbblut wandte sich an Harvey.

„Von mir aus könnt ihr jetzt weitermachen.“

„Nicht Ullmann“, brummte der schlaksige Mann. „Er spielt nicht, wenn die Karten nicht gezinkt sind. So ist es eben mit Torns Männern. Sie ...“

„Entschuldigt, wenn ich unterbreche, Amigos“, sagte Monco. Und dann zu Chaco: „Es wäre besser, wenn Sie sich mal um die Vorgänge in Ihrem Rücken kümmern würden.“

Chaco wirbelte herum. Torns Revolverschwinger hatten sich ihren Weg durch die Menge gebahnt und standen jetzt in einem lautlosen, tödlichen Ring um ihn herum. Ihre Fingerspitzen zitterten über den Holstern. Mordlust entstellte ein halbes Dutzend Gesichter.

Ullmanns Angst war auf einmal wie weggeblasen.

„Gebt’s ihm, Jungs! Macht den dreckigen Indianer fertig!“

Ohne dass man gesehen hätte, wie er sich bewegte, stand Chaco auf einmal geduckt da. Sein Gesicht war ausdruckslos. Monco stand ihm zur Seite.

Chacos Blick - verachtungsvoll und wachsam - zuckte wie das Ende einer Peitschenschnur über die Gesichter der Kerle. Er bemerkte nur am Rande, dass die Straße nun wie leergefegt war.

Ullmann wich weiter zurück, wobei seine Flüche immer direkter und unverschämter wurden. Der Rest der Männer blieb ruhig und angespannt, bereit, auf den kleinsten Vorfall mit einem gezogenen Colt zu reagieren.

Chaco erkannte, dass er sich in einer tödlichen Falle befand. Nur die äußere Ruhe, die er bewahrte, hatte die Männer bis jetzt in Schach gehalten. Doch schon passierte, was er im Stillen befürchtet hatte: Die Banditen begannen, sich auf die Seiten zu verteilen. Gleich würde die Schießerei losgehen, und Chaco fragte sich, wie viele von ihnen er wohl mitnehmen könnte, bevor er zu Boden ging.

Plötzlich bemerkte er eine Veränderung in den Gesichtern der Angreifer. Der Grund dafür schien sich hinter seinem Rücken zu befinden, doch er wandte sich nicht um und wartete ab. Ein junger Mann ging an ihm vorbei. Er trug schwarze Kleidung, und seine Hosen steckten in hochglänzenden schwarzen Stiefeln. Er trug einen Stern auf der Brust, und um seine schlanken Hüften hing ein gut bestückter Waffengurt.

„Schluss jetzt“, sagte er ruhig.

Einer der Kerle flüchte und zog. Aber eine Kugel aus Chacos Army Colt riss ihm die Waffe aus der Hand. Der Marshal war schnell im Ziehen - hochsausende Hand und Colt verwischten sich vor dem Auge des Betrachters. Die Halsabschneider starrten in den Lauf seines Peacemakers.

Die Galgenvögel kratzten aus Protest noch ein wenig mit den Stiefelspitzen im Staub, dann verzogen sie sich einer nach dem anderen.

Der junge Marshal wandte sich an Chaco. Er war lang und auf den ersten Blick dünn. Doch seine Bewegungen verrieten einen durchtrainierten, muskulösen Körper. Sein Lächeln war breit und freundlich, und die haselnussbraunen Augen zwinkerten ein wenig, als er den Peacemaker zurück ins Holster schob.

„Mein Name ist Zimmer.“ Er reichte Chaco die Hand. „Red Zimmer. Townmarshal von Venice. Was war hier los?“

Harvey trat wütend vor.

„Ullmann hat mich zum Kampf provoziert. Ich war unbewaffnet, und er glaubte, ein leichtes Spiel zu haben. Dann schritt der da ein.“ Er zeigte auf Chaco. „So fing alles an.“

Zimmers freundlicher Gesichtsausdruck veränderte sich leicht.

„Ich vertrete das Gesetz in Venice, Fremder. Wenn Sie länger bleiben wollen, halten Sie sich daran.“

„Ich verstehe, was Sie meinen“, erwiderte Chaco. Der Junge war unerfahren, aber er gab sich Mühe, was man ihm anrechnen musste.

Red nickte freundlich und ging dann zum Büroeingang der Consolidated Venice hinüber. Langsam strömten die Menschen zurück auf die Straße und umringten Chaco, Harvey und Monco.

„Guckt ihn euch an!“, sagte der Schlaksige. „Kommt hier nach Venice und legt sich sofort mit Torns Männern an! Vielen Dank, Hombre.“ Die letzten Worte waren zu Chaco gesprochen.

Chaco wollte gerade abwehren, als Aufruhr in der Tür der Consolidated Venice Co. entstand. Red Zimmer sprang vom Stepwalk auf die Straße, gefolgt von einem großen, ärgerlich wirkenden Mann. Das Lächeln war aus dem Gesicht des Marshals verschwunden, als dieser auf Chaco zuschritt.

„Ist er das, Worden?“, fragte er den Mann.

Worden nickte.

„Ullmann hat’s mir erzählt, und ein halbes Dutzend meiner Jungs können seine Geschichte bestätigen. Ich zeige ihn an, Marshal. Wir müssen endlich mal ein Exempel statuieren an diesen ... diesen Rumtreibern und Indianern.“

„Ich glaube, Sie irren sich, Worden“, meinte Zimmer. „Aber wenn Sie ihn anzeigen, bleibt mir nichts anders übrig.“

„Richter Filb wird sich schon um das Weitere kümmern.“ Worden grinste. „In Venice muss endlich Ruhe und Ordnung herrschen, und wenn das Gefängnis aus allen Nähten platzt.“

„Hank Worden klagt Sie an, die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört zu haben“, sagte Zimmer zu Chaco. „Ich persönlich denke, dass Ullmann dahintersteckt. Aber als Marshal ist mir im Moment das Denken verboten, ich muss dem Gesetz genügen. Leider muss ich Sie einsperren, Sir.“

Chaco musterte Worden sorgfältig von oben bis unten - das schwere Gesicht, die verschlagenen Augen und die polierten Stiefel.

„In Ordnung“, sagte er zum Marshal. „Ich komme mit.“

Worden kehrte kalt lächelnd in sein Büro zurück. Harvey versuchte, mit Zimmer zu reden, aber es war zwecklos.

„Vielleicht haben Sie recht, Harvey“, sagte der Marshal. „Ich kann das nicht entscheiden. Sie können Ihre Geschichte ja Richter Filb erzählen.“

„Jack Filb“, meinte Harvey voller Verachtung. „Ausgerechnet ihm. Er ist doch Wordens Mann!“

Der Marshal nahm Chaco den Army Colt ab. Monco folgte Chaco und Zimmer zum Town Jail, einem kräftigen Bau aus groben Holzschwellen mit kleinen Fenstern und tief eingelassenen Gitterstäben.

„Es ist mir äußerst unangenehm“, sagte der Marshal, während er die Zellentür hinter Chaco abschloss. „Aber ich werde sehen, dass die Sache so schnell wie möglich vor den Richter kommt.“

„Ich werde Mister Gores holen“, sagte Monco und wandte sich zum Gehen.

„Sie kennen Rufus T. Gores?“, fragte der Marshal Chaco erstaunt. „Warten Sie“, sagte er dann zu Monco. „Ich gehe mit.“

 

 

5

Wenig später betrat Gores das Jail.

„Mister ... äh ... Gates; das war doch Ihr Name ...“

„Chaco.“

„Richtig. Freut mich, Sie wiederzusehen. Die Umstände allerdings ...“ Er wandte sich an Zimmer. „Was gegen Chaco vorgebracht wird, ist nicht schwerwiegend genug, um ihn nicht gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen - verstanden, Marshal?“ Kommentarlos schloss Zimmer die Zelle auf, und Gores trat ein. „Bestimmt ist dies im Moment das ungestörteste Plätzchen in Venice, wo wir uns unterhalten können. Ich möchte Ihnen jemand vorstellen: Lee Gallagher.“

Er zeigte auf einen schmalgesichtigen Mann, den er mitgebracht hatte. Seine Augen zwinkerten unter dicken, schwarzen Brauen, die lange Nase war mehrmals gebrochen gewesen und das Kinn ähnelte einem vorstoßenden Felsstück. Auf den ersten Blick wirkte er staksig, trotzdem sprach eine nicht zu unterschätzende Geschmeidigkeit aus seinen Bewegungen. Der Colt lag eng an der Hüfte, aus tief geschnalltem Holster ragend. Er trug einen flachen Hut mit silberziseliertem Hutband.

Chaco reichte ihm die Hand. Der Mann nahm sie, sagte aber kein Wort.

Gores lachte, wie um die Situation ein wenig zu entspannen.

„Meine Herren, ich habe Sie beide aus einem bestimmten Grund nach Venice gebeten. Gallaghers Job wird die Straße sein. Er kriegt einen Special-Marshalstern angesteckt und soll sich darum kümmern, dass jeder Revolverschwinger, jeder kleine Gauner und jeder Mietkiller in Zukunft Ruhe gibt.“

„Und ich?“, fragte Chaco. „Was habe ich mit der ganzen Sache zu tun?“

Gores blickte kurz zu ihm auf.

„Bis jetzt noch nichts, Mister. Es sei denn ...“ Er legte eine kleine Pause ein. „Kurz und gut: Als ich Sie in Couffignal kämpfen sah, da wusste ich, Sie sind unser Mann. Der Rest hängt jetzt von Ihnen ab.“

„Weichen Sie nicht aus, Gores! Was soll ich tun?“

„In Ordnung. Während Gallagher eine Menge Wirbel veranstaltet, werden Sie hinter den Kulissen operieren - ohne Marshalstern natürlich und ohne das Gesetz im Rücken. Ihre Aufgabe wird Worden sein. Monco hat Ihnen doch erzählt, was die Probleme der kleinen Minenbesitzer von Venice sind, oder?“

Chaco nickte. „Was ist mit Worden?“

„Er tauchte hier vor einiger Zeit mit zahlreichen Revolverschwingern auf. Ein rotköpfiger Riese namens Torn führt sie an. Er erhält seine Befehle von Hank Worden. Wir wissen aber nicht, von wem Worden selbst sie erhält. Auf jeden Fall kauft er alle erreichbaren Minen auf. Wenn’s Schwierigkeiten gibt, helfen Torn und seine Bande nach. Kaum besitzt Worden dann eine Mine, überschreibt er sie der Consolidated Venice.“

„Und wer steckt hinter dieser Gesellschaft?“

„Da tappen wir im Dunkeln. Was die Sache noch rätselhafter macht, ist, dass die Gesellschaft alles kauft, auch Claims, an denen kein Silbersucher Interesse zeigt.“

„Merkwürdig“, meinte Chaco. „Wie groß sind die Silberfunde hier in Venice?“

„Eine Comstock Lode ist es nicht“, erwiderte Gores. „Die Funde dürften bald erschöpft sein, so wie damals in Couffignal. Trotzdem wird Venice weiterbestehen, auch wenn es mal kein Silber mehr gibt. Es liegt am Haupttrail von Osten nach Westen. In dieser Gegend kauft man gerne Land.“

„Aber, was Silber angeht, gibt Venice nicht viel her?“

„Das meinen zumindest die Geologen, mit denen ich gesprochen habe - und die Bergbaufachleute.“

„Mit anderen Worten: Wir haben hier eine Boomstadt, die auf falschen Hoffnungen aufbaut. Silber ist hier nicht viel zu holen. Trotzdem versucht es Worden, jeder Mine und jedes Claims habhaft zu werden, um sie dann der Consolidated Venice zu überschreiben. Und Sie wollen wissen, warum, und wer hinter dieser Gesellschaft steckt.“

Details

Seiten
109
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738935417
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Dezember)
Schlagworte
chaco silber-könig

Autor

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Titel: Chaco #61: Der Silber-König