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Keine Gnade für Sitting Bull

2019 200 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Keine Gnade für Sitting Bull

Klappentext:

Roman:

John F. Beck

 

Keine Gnade für Sitting Bull

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/Titelbild: Werner Öckl, 2019

Korrektorat: Dr. Frank Roßnagel

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Sommer 1876: In einem letzten, verzweifelten Aufbäumen gelingt es den vereinten Stämmen der Sioux, der US-Armee unter General Custer am Little Big Horn eine vernichtende Niederlage zuzufügen. Diese Niederlage schürt grenzenlosen Hass unter den Weißen. Soldaten und grausame Skalpjäger machen erbarmungslos Jagd auf alle Menschen mit roter Haut. Auch der Fährtensucher Clay Willard hasst die Indianer, seit sie seinen Freund getötet und skalpiert haben. Auf der Flucht vor mordgierigen Sioux trifft Willard auf den Verleger Rutledge und seine Truppe von Skalpjägern. Rutledge hat eine Kopfprämie von 10.000 Dollar ausgesetzt für Sitting Bull, weil er am Little Big Horn seinen einzigen Sohn verlor. Als Willard Zeuge eines gnadenlosen Massakers an Alten, Frauen und Kindern wird, wechselt er die Seiten und hilft den Indianern um Sitting Bull zur Flucht nach Kanada. Doch weder Rutledge noch die US-Armee sind mit den Sioux fertig. Ein abscheuliches Verbrechen lässt die verzweifelten Indianer wie skrupellose Mörder erscheinen. Es gibt keine Gnade für Sitting Bull

 

 

 

 

 

Roman:

Geisterhaft bleiches Mondlicht lag über dem Camp. Kein Laut drang zu den Reitern herauf, die ihre Pferde im tintigen Schatten hochragender Douglasfichten zügelten. Schweiß glänzte auf ihren Gesichtern. Hart schlossen sich ihre Fäuste um die schussbereiten Gewehre. Die Erinnerung an die peitschenden Schüsse, die sie hierhergelockt hatten, erfüllte die kalte Oktobernacht mit einer tödlichen Drohung.

„Zu spät!“, murmelte einer der reglos im Sattel kauernden Kavalleristen. Clay Willard, der große, ganz in Hirschleder gekleidete Mann, schwang sich geschmeidig vom Pferd und warf einem Soldaten die Zügel zu. „Ich muss es genau wissen. Ich gehe hinab.“

Major Greg Hatfields Kopf ruckte zu ihm herum. „Wahnsinn!“, stieß der schlanke schnurrbärtige Offizier gepresst hervor. „Wenn die Sioux noch immer hier herumschleichen, ist Ihr Leben keinen Cent mehr wert, Willard.“ Clay blickte ihn ruhig und entschlossen an. „Mein Freund Tom Talbot ist dort unten, Major. Geben Sie mir mit Ihren Männern Feuerschutz, das ist alles, was ich verlange.“ Im nächsten Augenblick hatte ihn schon die Dunkelheit verschluckt. Gebannt starrten die blauuniformierten Reiter auf den zerklüfteten, mit spärlichem Gestrüpp bedeckten Hang. Aber nicht einmal mehr der Schatten einer Bewegung war zu erkennen,

Clay war wie vom Erdboden verschluckt – ein Mann, der in der Wildnis zu Hause war, fast selber ein Teil dieses rauen, gefährlichen Landes. Er hatte es gelernt, sich wie ein Puma

zu bewegen, lautlos, kraftvoll, geschmeidig.

*

 

Die Stille in der Senke war beklemmend. Das Feuer im Schatten des großen Planwagens war nur noch ein matt glühender roter Fleck. Dunkle Bündel lagen daneben. Aus der Schwärze des gegenüberliegenden Hanges wehte der klagende Ruf eines Käuzchens. Ein paar Sekunden vertropften, dann kam Antwort von rechts. Plötzlich schien ein eisiger Hauch durchs stille Camp zu streichen. Clay presste sich hinter einen bemoosten Felsklotz. Jetzt wusste er es bestimmt. Die Indianer waren noch immer da!

Er spähte zum Wagen hinüber. Irrte er sich, oder hatte sich dort tatsächlich etwas bewegt? Vorsichtig zog er den Colt. Sechs Schuss in der Trommel – zum Nachladen würde bestimmt keine Zeit bleiben, wenn die Rothäute ihn angriffen. Sechs Schuss und das Bowiemesser in der Lederscheide am Gürtel! Vielleicht war es wirklich verrückt, was er vorhatte. Aber er würde nicht eher von hier weggehen, bis er wusste, was aus Tom geworden war.

Geduldig, als Schatten, der mit der Dunkelheit verschmolz, wartete Clay, bis eine träge dahinschwimmende Wolke den Mond verdeckte. Die Dunkelheit fiel wie ein Vorhang auf die Senke. Schnell und schlangengleich kroch Clay auf den verblassenden Fleck des Lagerfeuers zu. Das erste Bündel, das er mit ausgestreckter Hand berührte, war ein Mann, der auf dem Gesicht lag. Ein Messer steckte in seiner Seite. Clays Finger wurden nass von Blut. Sein Herz schlug plötzlich zum Zerspringen. Aber es war nicht Tom, und es war auch nicht der erste Tote, den er fand, seit er als Jäger und Fallensteller in diesem Land lebte.

Im Sommer und Herbst dieses Jahres 1876 hatte der Tod schon reichlich Ernte gehalten zwischen dem Powder River und dem Missouri. Am 25. Juni hatte die Armee den bisher schwärzesten Tag ihrer Geschichte erlebt. Custers 7. Kavallerie war am Little Big Horn River von den vereinigten Stämmen der Sioux bis auf den letzten Mann aufgerieben worden. Seitdem machten die Generale Crook, Miles und Terry gnadenlose Jagd auf alles, was rote Haut besaß. Und genauso wenig Mitleid kannten die gehetzten Indianer, wenn ihnen ein verlorener Haufen verhasster Weißer in die Hände fiel.

Clay verdammte die Stunde, in der er und Tom Talbot sich von ein paar Goldsuchern als Scouts hatten anwerben lassen, um sie aus dem Indianergebiet heraus in die Sicherheit von Miles City zu führen. Seit Tagen waren die Roten hinter ihnen hergewesen. Schließlich war Clay auf der Fährte einer der vielen durchs Land streifenden Kavalleriepatrouillen losgeritten, um Hilfe herbeizuholen. Zu spät! Hatfield und seine Soldaten würden nur noch Gräber schaufeln können!

Bitterkeit schnürte Clays Kehle zu. Er robbte zum nächsten am Boden liegenden Mann. Ihm war ein Pfeil durch die Kehle gedrungen. Es war wieder nicht Tom. Aber dann sah Clay die Gestalt, die zusammengesunken, wie zu Tode erschöpft, am Hinterrad des Conestoga-Wagens lehnte, mit einem Gewehr schräg auf den Knien. Talbots gedrungene Umrisse! Der spitzkronige Hut mit der vorn hochgebogenen Krempe war unverkennbar.

Lautlos und geduckt richtete sich der sehnige Kundschafter auf. „Tom?“, flüsterte er rau.

Die Gestalt am Wagen bewegte sich leicht. Ein unterdrücktes Stöhnen drang zu Clay. Die Wolke zog am Mond vorbei, und jäh fiel das bleiche Licht auf den Karabinerlauf, der sich auf Clay Willard richtete. Das Gesicht unter Toms Hut war dunkel, breitknochig, von einem grausamen Grinsen entstellt.

„Hohahe – willkommen, Bleichgesicht!“

 

*

 

Ein Feuerstrahl peitschte aus dem Gewehr. Gedankenschnell schleuderte sich Clay zur Seite. Der Luftzug einer Kugel glühte an seinem kantigen Gesicht vorbei. Im Sturz schoss Clay zurück. Er kam hart auf, sah die hochschnellende Gestalt des Indianers durch den vom Mond versilberten Pulverqualm und feuerte erneut. Der Sioux neigte sich nach vorn und sackte über dem Karabiner zusammen. Toms Hut rollte über den Lagerplatz. Echos grollten durch die Senke. Dazwischen waren andere Geräusche: rollende Steine, knackende Zweige, malmender Sand unter katzenhaften Tritten.

Clay federte hoch. Ein Pfeil zupfte an seinem rechten Ärmel und klatschte in die Bordwand des Conestogas. Lautlos wie Wölfe tauchten die Indianer ringsum aus dem Schatten auf. Clay schoss. Mit zwei, drei Sätzen erreichte er den Planwagen und warf sich darunter. Bogensehnen surrten, das Fauchen von Pfeilen erfüllte die Luft.

„Major, zum Teufel, worauf warten Sie noch?“, brüllte Clay verzweifelt.

Von der fichtenbestandenen Höhe fiel kein Schuss. Kein Kommando gellte. Die Sioux verharrten an der Grenze zwischen Mondlicht und Schatten, undeutliche, verwischte Ziele für Clays Colt. Da und dort blinkten ein Gewehrlauf oder eine Pfeilspitze. Kein Kriegsgeschrei, kein blindwütiger Angriff, nur immer wieder das kurze scharfe Zischen der heransausenden gefiederten Todesboten! Es war eine Szene wie in einem Alptraum.

Clay jagte die vierte Kugel aus dem Lauf. „Major!“, schrie er wieder. „Geben Sie mir endlich Feuerschutz, verdammt noch mal!“

Er durfte nicht mehr warten. Jede Sekunde war kostbar, wenn er aus der Senke herauskommen wollte, ehe sich der Umzingelungsring schloss. Er rollte unter dem Wagen hervor, wollte aufspringen und zum Hang rennen. Der jähe wuchtige Aufprall eines schweren Körpers presste ihn nieder. Keuchend wälzte sich Clay halb herum. Die Klinge eines Tomahawks fuhr eine Handbreit neben seinem Kopf knirschend in die Erde. Über Clay war ein mondbeschienenes, mit schwarzen und weißen Streifen wild bemaltes Indianergesicht. Die Augen darin funkelten wie Raubtierlichter. Der Krieger musste auf dem Conestoga versteckt gewesen sein. Clay hatte jetzt keine Zeit, darüber nachzudenken. Er reagierte instinktiv, vom verzweifelten Willen zum Überleben getrieben. Er bäumte sich auf, sein Coltlauf zuckte hoch. Aber der Rote fing den Hieb ab, seine Faust umschloss Clays Handgelenk. Gleichzeitig packte Clay die Rechte des Sioux, um einen neuen Hieb mit dem Tomahawk abzuwehren. Ringend wälzten sie sich auf der Erde.

Die Geräusche der näher kommenden übrigen Meute spornte den großen Weißen zu einer verzweifelten Kraftanstrengung. Er rammte dem Gegner ein Knie in den Leib, riss sich los und schlug mit dem Colt zu. Schlaff rollte der Indianer auf den Rücken. Clay taumelte hoch. Gepresstes Atmen und schleichende Tritte waren hinter ihm. Er wirbelte herum. Da traf ihn der Schlag mit einem Gewehr zwischen Schulter und Hals und schleuderte ihn wie ein Stoffbündel zu Boden. Sein Colt wirbelte davon. Für einige Sekunden war alles vom wilden Schmerz ausgelöscht.

Dann kam ein kehliges Lachen wie aus weiter Ferne. Weichsohlige, mit gefärbten Stachelschweinborsten geschmückte Mokassins bewegten sich um Clay herum. Mühsam zwang er den Kopf hoch – und plötzlich waren Schmerz und Schwäche wie weggewischt. Tom Talbot lag nur wenige Schritte von ihm entfernt mit ausgebreiteten Armen auf dem Rücken, skalpiert, mit blutbesudelter Kleidung. Ein schrecklicher Anblick! Es war ein Moment, in dem alles andere versank, in dem die Zeit stillstand. Bilder aus der Vergangenheit jagten durch Clays Kopf. Er und Tom waren wie Brüder gewesen. Sie hatten von der Jagd, vom Fallenstellen gelebt, hatten miteinander gestritten, gelacht und auch Schulter an Schulter um ihr Leben gekämpft. Und nun? Aus und vorbei für immer!

Das kehlige höhnische Lachen wiederholte sich. Es riss Clay herum. Seine Rechte zuckte zum Messer am Gürtel. Vor ihm stand ein geschmeidiger, kräftiger Indianer mit einer schussbereiten Winchester in den braunen Fäusten. Sein eingefetteter bloßer Oberkörper glänzte im Mondlicht. Ein wölfisches Lächeln war auf seinem scharflinigen, von rabenschwarzem Haar umrahmten Gesicht eingemeißelt.

„Niemand da, der dir helfen wird, Wasicun“, sagte er in hartem Englisch, Er spuckte aus. „Die Blauröcke reiten um ihr Leben. Umsonst! Ihre Skalps gehören schon jetzt den Kriegern der Dakotas – wie deiner.“

Clay lauschte. Ferner wirbelnder Huf-schlag kam aus der Nacht, wurde leiser und verebbte bald. Ein jäher brennender Hass erfüllte Clay. Hass auf den Major, der ihn so feige im Stich gelassen hatte, und Hass auf den höhnisch lächelnden Sioux, dessen Gewehr ihn bedrohte. „Schieß doch!“, stieß er wütend und verzweifelt hervor. „Du wartest umsonst darauf, dass ich um Gnade winsle. Ihr Hundesöhne würdet mir ja doch keine Chance geben.“

Das Lächeln des Indianers wurde härter, kälter. „Du bist ein tapferer Mann, Wasicun. Dein Skalp wird Grauwolf viel Ehre bringen – vor allem, wenn du zuvor den langen, ruhmvollen Tod am Pfahl stirbst. Steh auf! Du bist Grauwolfs Gefangener.“

Der drohend ruckende Gewehrlauf unterstrich die Aufforderung. Aber Clay Willard rührte sich nicht. Der lange Tod am Pfahl! Das war ein Gedanke, der den härtesten Mann frösteln ließ. Clays Faust krampfte sich fester um den Messerknauf. Tom war tot, und er selber hatte nichts mehr zu verlieren. Der verhängnisvolle Fehler war nicht gewesen, ins Camp hinabzuschleichen, sondern sich auf Major Greg Hatfield zu verlassen. Hatfields schneidiges Auftreten mochte auf dem Exerzierplatz eines Forts Eindruck schinden, im Indianerland war er keinen Schuss Pulver wert, wenn es darauf ankam. Zum Teufel mit ihm!

Grauwolf rief seinen Begleitern einige Worte im Dakotadialekt zu. Mehrere Krieger näherten sich Clay von der Seite. Bevor sie ihn ergreifen konnten, schnellte der Weiße wie eine Raubkatze hoch. Sein großer Körper schien nur aus Muskeln und Sehnen zu bestehen, eine geballte Ladung Kraft und Geschmeidigkeit. Das Bowiemesser blitzte. Clay

stürzte vor und wollte Grauwolfs Winchester zur Seite schlagen. Doch der Sioux duckte sich schnell zur Seite, als hätte er nur auf Clays Angriff gewartet. Der eigene Schwung riss Clay an ihm vorbei. Das Gewehr sauste wieder durch die Luft, und diesmal stürzte Clay in einen bodenlosen schwarzen Abgrund.

 

*

 

Fremde, gutturale Wortfetzen drangen an sein Ohr. Sein Kopf schmerzte heftig, aber das vergaß er, als er vorsichtig die Augen öffnete. Zuerst blendete ihn grelles Sonnenlicht, dann sah er die Szene klar, fast überdeutlich wie durch eine unsichtbare Kristallwand. Die Indianer lagerten um ein niedriges rauchloses Feuer. Neun kräftige Krieger, keiner älter als dreißig, alle in Kriegsbemalung, mit Federn im strähnigen, zu Zöpfen geflochtenem Haar, Neben ihnen lagen Gewehre, Kriegsbogen, pfeilgefüllte Köcher und federgeschmückte Lanzen. Die struppigen kurzbeinigen Pferde standen in einem Seilkorral. Dahinter senkte sich das Gelände zu einem unüberschaubaren Gewoge herbstlich gefärbter Bergwälder. Mächtige graue Felsmassive ragten wie Inseln daraus hervor. In der glasklaren kühlen Morgenluft wirkten sie zum Greifen nahe.

Clay schloss hastig wieder die Augen, als einer der in Decken gehüllten Sioux plötzlich aufstand und sich zu ihm umdrehte. Er lag auf felsigem, hartem Boden. Seine Hände waren mit Lederriemen vorn zusammengebunden. Das Rauschen eines Flusses drang zu ihm herauf. Das musste der Yellowstone sein, dessen Bett tief in das Labyrinth der Wälder und Gebirgszüge eingekerbt war.

Schritte kamen auf Clay zu. Er rührte sich nicht. Seine Gedanken rasten. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn. Aber die Erinnerung an seinen toten, skalpierten Freund erfüllte ihn mit neuer verbissener Entschlossenheit. Er lebte. Und solange ein Mann atmete, gab es immer noch Hoffnung auf eine Chance. Wie oft hatte Tom, der um Jahre ältere Freund, ihm diesen Grundsatz eingeschärft! Clay spannte insgeheim alle Muskeln.

Die Tritte erreichten ihn. Eine Hand krallte sich in sein dichtes sandfarbenes Haar und zerrte seinen Kopf hoch. Der Sioux knurrte etwas, was Clay nicht verstand. Die Krieger am Feuer lachten. Da zuckte der Gefangene plötzlich hoch. Das ging so schnell und wild, dass der Sioux von dem Anprall umgeworfen wurde. Wie der Blitz war der Weiße über ihm, zog ihm mit den vorn zusammengeschnürten Händen das Messer aus dem Gürtel und sprang schon wieder katzenhaft geschmeidig zurück.

Die Indianer am Feuer hatten ihre Waffen gepackt und waren emporgeschnellt. Ihre Augen glühten. Nur einer saß gelassen an seinem Platz: Grauwolf. Er hielt die Winchester 73 schräg über den Knien und lächelte genauso höhnisch und überlegen wie in der vergangenen Nacht. „Du wünschst dir einen schnellen Tod, Wasicun, nicht wahr? Du verrechnest dich. Mein Gewehr wird nicht sprechen.“

Dann sagte er leise etwas zu seinen Gefährten. Ihre Haltung entspannte sich. Ein finsteres Grinsen kroch über ihre bronzenen, wettergegerbten Gesichter. Clay duckte sich. Sein Blick zuckte brennend von einem zum andern, als wolle er sich jedes Gesicht unauslöschlich einprägen. Mit einer heftigen, ruckartigen Bewegung zerschnitt er seine Fesseln.

„Wenn ihr mich an den Pfahl stellen wollt, dann kommt doch und holt mich!“ Langsam, mit der blitzenden Klinge in der Faust, wich er zwischen die schartigen mannshohen Felsblöcke zurück. Das Rauschen des Flusses wurde lauter, drohender. Noch warteten die Indianer darauf, wie sich ihr Anführer entscheiden würde.

Grauwolf erhob sich ohne Hast. Der Büffelhautumhang glitt von seinen braunen Schultern. Eine Kette aus Grislyzähnen glänzte an seinem Hals. Über dem linken Ohr hing eine ins Haar geflochtene Adlerfeder bis auf die Schulter herab. Ein blonder und ein brauner Skalp baumelten an seinem Gürtel. Ruhig, ohne das Gewehr zu heben, ging Grauwolf auf den Weißen zu. Seine Krieger schlossen zu einer locker auseinandergezogenen Linie auf. Der Mann, den Clay vorhin angesprungen hatte, war auch dabei.

Clay wich weiter zurück. Dann war das dumpfe Tosen des Flusses auf einmal so nahe, dass er unwillkürlich den Kopf wandte. Jetzt begriff er, was die Sioux so sicher machte. Die felsige Anhöhe war hinter ihm plötzlich wie abgeschnitten. Tief unten, eingezwängt zwischen glitschigen Steilwänden, wälzte sich der Yellowstone schäumend und grollend durch die Enge. An dieser Stelle war der Fluss ein kochender, brodelnder Hexenkessel. Ein kalter, feuchter Lufthauch strömte zu Clay herauf. Er biss die Zähne zusammen. Als er wieder den Kopf drehte, sah er die lauernden, höhnischen Gesichter der Indianer. Sie waren bis auf sieben Schritte heran. Grauwolf war stehengeblieben.

„Komm her, weißer Hund! Du entkommst uns ja doch nicht!“ Der Hass, der plötzlich in seiner Stimme durchbrach und aus seinen dunklen Augen flammte, passte nicht zu der eben noch gezeigten Lässigkeit. Es war der Hass eines Mannes, der von den weißen Soldaten seit Monaten wie ein Stück Wild gehetzt wurde. Sein Gewehr hob sich. Die Waffen der anderen Krieger wanderten ebenfalls hoch.

Clay atmete heftig. Das unheimliche Brausen des Yellowstone füllte seine Ohren. Grauwolfs Winchestermündung starrte ihn wie das Auge des Todes an. Clays Schultern sanken ein. Das Messer rutschte aus seiner Hand und klirrte auf den Steinen.

Grauwolfs Mundwinkel zuckten triumphierend. „Komm her!“, wiederholte er kehlig.

Da ließ sich Clay nach hinten fallen. Es sah grotesk aus, wie er plötzlich wie eine Stoffpuppe ins Leere kippte.

 

*

 

Sein Herz krampfte sich zusammen. Er hörte nicht mehr das Krachen von Grauwolfs Gewehr und den Wutschrei aus den Kehlen der Sioux. Wie ein Stein sauste er in die Tiefe. Es gab nur noch das Brüllen der schäumenden, zwischen den Felsen eingezwängten Wassermassen. So rasend schnell alles passierte – die Sekunden des Sturzes schienen kein Ende zu nehmen.

Dann schlug das Wasser über ihm zusammen. Die reißende Strömung packte ihn wie mit hundert gierigen Händen, wirbelte, drehte und schleuderte ihn herum. Er bekam keine Luft mehr, stieß gegen Fels, wurde hochgeworfen und wieder untergetaucht. Er wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Überall war nur wild dahinschießendes, brodelndes Nass, nirgends Luft, nirgends Helligkeit.

Clay ruderte wie wahnsinnig mit Armen und Beinen. Luft!, war sein einziger Gedanke. Seine Lungen drohten zu platzen. Es war, als kämpfte er ohne die geringste Chance gegen ein tausendarmiges Ungeheuer. Er schrammte an einer Felswand entlang, wurde plötzlich nach oben gerissen, mitten in eine Wolke schäumender Gischt hinein. Und da war plötzlich die Sonne, da war Luft, die er gierig einsog, ehe er wieder von einem Wirbel hinabgezogen wurde. Dann, nach einer halben Ewigkeit, ließ das Zerren und Toben endlich nach. Die Fluten glätteten sich. Clay tauchte prustend auf, hielt sich schwimmend an der Oberfläche, war aber noch immer machtlos gegen die starke Strömung, die ihn einfach wie ein Stück Treibholz mitriss. Die donnernde, gischtgefüllte Felsenge lag hinter ihm. Der Fluss verbreiterte sich zu einem in der Herbstsonne silbern gleißenden Band. Die Uferhöhen wurden niedriger. Aus Felsdurchbrüchen schob sich verfilztes Gestrüpp ans eiskalte Wasser heran.

Dann sah Clay die Reiter. Sie hoben sich auf einem parallel zum Fluss laufenden Höhenrücken scharf gegen den blauen Himmel ab. Federn und Skalps flatterten an ihren Lanzen und Gewehren. Bunte Decken leuchteten. Grauwolf jagte auf einem braun-weiß gefleckten Mustang voraus. Seine Winchester wanderte mit dem im Fluss treibenden Mann

mit. Plötzlich zügelte der hochgewachsene Sioux sein Pferd. Ein Feuerstrahl stach aus seinem Gewehr. Clay tauchte. Wo er eben noch geschwommen war, klatschten Kugeln und Pfeile ins Wasser.

Clay versuchte, das gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Aber als er hochkam, um Luft zu holen, stellte er fest, dass die Strömung ihn zur Flussmitte zurückgedrängt hatte. Die Verfolger waren noch immer auf gleicher Höhe mit ihm. Clay hörte nur für einen Augenblick ihr schrilles Kriegsgeschrei und das Hämmern der unbeschlagenen Hufe. Dann war er schon wieder untergetaucht. Abermals ging ein Hagel von Geschossen auf die Oberfläche des Yellowstone nieder.

Langsam erlahmten Clays Kräfte. Seine Muskeln schmerzten. Die vollgesogene Lederkleidung behinderte ihn. Er musste wieder hoch. Die Uferhöhe rechts von ihm war jetzt leer, als hätte es die wild dahin jagenden indianischen Reiter nur in seiner Einbildung gegeben. Clays Blick flog nach vorn, wo der Yellowstone eine scharfe Krümmung beschrieb. Es sah aus, als würde der Fluss dort an einer dunkelgrünen Waldmauer enden. Dreißig oder vierzig Yard davor schob sich eine in der Sonne weiß schimmernde Kiesbank in den Fluss hinein; die Strömung trieb Clay mit unwiderstehlicher Gewalt genau auf ihre Spitze zu. Und dort warteten sie, Grauwolf und seine Krieger.

Triumphierend schwenkten sie ihre Waffen, schrien und lachten. Mit zusammengebissenen Zähnen nahm der Scout nochmals den Kampf gegen die Strömung auf. Er musste zum Ufer, weg von der näher und näher rückenden Kiesbank, weg von den Gewehren und Pfeilen, die ihm entgegenstarrten! Doch der Fluss trug ihn viel zu schnell voran. Clays Schwimmstöße wurden langsamer, schwächer. Er würde an der Spitze der Kiesbank vorbeikommen, aber nicht an den Waffen der Dakotahorde.

Die Reiter auf den hin und her trabenden Ponys waren schon so nahe, dass Clay jede Einzelheit ihrer wilden Gesichter und ihres farbigen Kriegsschmuckes deutlich erkannte. Sie schossen nicht. Sie wollten ihn noch immer lebend. Ein nur mit Lendenschurz, Leggins und Mokassins bekleideter Krieger trieb seinen Gaul ins Wasser. Eine federgeschmückte Lanze zielte auf Clay. Der Sioux überschüttete den unaufhaltsam Herantreibenden mit einem kehligen Wortschwall. Seine Gefährten auf dem Kiesstreifen lachten. Clay ruderte nur noch mechanisch. Der Fluss schob ihn direkt auf das halb im Wasser stehende Pferd und die silbrig glänzende Lanzenspitze zu.

Dann krachten die Schüsse.

 

*

 

Das Gesicht des Lanzenkriegers bekam einen maßlos ungläubigen Ausdruck, ehe der Mann nach vorn kippte und am Mustanghals vorbei ins Wasser stürzte. Blut quirlte hoch. Auf der Kiesbank herrschte wildes Durcheinander. Pferde und Indianer wälzten sich am Boden. Reiterlose Gäule sprengten in Richtung Ufer davon. Schreie gellten.

Clay erwischte die schwimmende Siouxlanze, bekam festen Grund unter die Füße und richtete sich schwankend und nässetriefend im Wasser auf. Ein Indianer rollte vor ihm in den Yellowstone, dem eine schwerkalibrige Kugel das halbe Gesicht weggerissen hatte. Die zweite schmetternde Salve galt den Flüchtenden, die, tief auf ihre Pferde geduckt, bereits das Ufer erreicht hatten. Es waren nur noch drei Mann. Zwei wurden vom mörderischen Bleihagel gepackt, durchgerüttelt und von den weiterjagenden Gäulen gerissen. Auch der Fellsattel des dritten Mustangs war leer, aber sein Reiter erreichte, wie hingeklebt an der Pferdeflanke hängend, eine Buschreihe. Es war Grauwolf. Sein gellender Racheschrei hallte über den sonnenbeschienenen Fluss, ehe er hinter den Sträuchern verschwand.

Clay starrte ungläubig auf die etwa dreißig Yard entfernte Waldmauer, wo der Fluss scharf nach links abbog. Eine milchige Pulverdampfwolke schwebte dort über dem Wasser. Schatten bewegten sich hinter dem dichtbelaubten Zweigwerk. Clay watete mühsam auf die Kiesbank, die Lanze noch immer wie zum Stoß erhoben. Tote Indianer lagen verkrümmt auf dem blutbespritzten Gestein. Alles hatte nur Sekunden gedauert.

Clays Kniekehlen wurden plötzlich weich. Es war, als schwanke der Boden unter ihm. Er hörte die heiseren Stimmen von Weißen, Hufgetrappel, das Knirschen von Rädern, und da wehrte er sich nicht mehr gegen die Schwäche. Er fiel.

Als er erwachte, waren Schritte neben ihm. Ein Mann sagte: „Gib ihm einen Schluck Brandy, Jane. Der wird ihm helfen.“

Clay spürte eine Flasche am Mund. Er trank gierig. Es brannte wie Feuer in seiner Kehle, aber dann breitete sich vom Magen wohlige, entspannende Wärme durch seinen Körper aus. Jetzt erst öffnete er die Augen. Das schmale, hübsche Gesicht einer jungen Frau lächelte ihn an. In ihren grünen Augen schien sich der Fluss zu spiegeln. Das hochgesteckte blonde Haar wirkte im Sonnenschein wie vergoldet.

„Hallo, Mister, da sind Sie ja wieder! Wie fühlen Sie sich?“

„Es geht“, murmelte Clay benommen. Eine solche Frau mitten in der Wildnis! Das war nicht zu fassen. Sie trug ein Reitkostüm aus weichem Wildleder, wirkte aber wie eine Lady aus dem Osten. Ihre Hände waren weich und schmal. Ein Ring glitzerte an ihrer Rechten. Clay hatte bisher drei Sorten von Frauen westlich des Missouri kennengelernt: die billigen Flittchen in den Saloons, die hart zupackenden, früh alternden Siedlerfrauen und die Frauen der Offiziere in den Forts. Die junge blonde Fremde gehörte zu keiner dieser Kategorien. Sie erhob sich und reichte dem neben ihr stehenden, hageren dunkelgekleideten Mann die Flasche zurück. Dabei blickte sie noch immer lächelnd auf Clay.

„Ich denke, jetzt bist du dran, Dad.“

Kalte graue Augen musterten Clay aus dem Schatten eines flachkronigen schwarzen Hutes. Das Gesicht war knochig und so fahl, als hätte es nie ein Sonnenstrahl berührt. In dem schwarzen zerknitterten Anzug sah der Hagere wie ein quer durch den Westen trailender Wanderprediger aus. Aber nichts Sanftes war an ihm. Seine Stimme klang verbissen, fast schroff.

„Ziemlich leichtsinnig für ’nen Weißen, sich allein ins Siouxgebiet zu wagen. Die roten Teufel hätten Sie um ein Haar erwischt, Mister.“

Clay setzte sich auf. „Ich war nicht allein. Mein Freund und ich begleiteten als Scouts einen Goldsuchertrupp, der nach Miles City wollte. Die Roten haben uns erwischt. Ich allein blieb übrig. Mein Name ist Willard, Clay Willard.“ In den eben noch kühlen, ausdruckslosen Augen des Schwarzgekleideten blitzte es. „Diese verdammten Mörder! Da haben wir wieder einen Beweis dafür, dass erst Ruhe und Frieden in diesem Land herrschen werden, wenn keiner von diesen Teufeln mehr lebt. Scout, sagten Sie, Mister? Das heißt, Sie kennen dieses Land?“

„Ich lebe seit fast zehn Jahren hier. Mein Freund und ich waren Jäger und Fallensteller.“

Der Hagere trat näher. In seinen Augen flackerte es. „Dann sind Sie genau der richtige Mann für mich, Willard!“, stieß er abgehackt hervor.

„Der richtige Mann … wofür?“

„Indianer zu jagen, Sioux!“

 

*

 

Der Blick des Hageren glühte fanatisch. In seinem fahlen Gesicht zuckte es. „Ich zahle gut. Fragen Sie meine Männer.“

Clay erhob sich. Nun sah er auch die anderen. Sie standen bei einem hochrädrigen Planwagen, vor den vier kräftige Pferde gespannt waren. Zehn oder zwölf Mann, derb gekleidet, alle mit Gewehren, Revolvern und Messern bis an die Zähne bewaffnet. Einige trugen Patronengurte über den Schultern. Ihre Gesichter waren roh, hart, brutal. Gesichter, die man sich gut auf Steckbriefen vorstellen konnte. Sie starrten Clay lauernd, feindselig und misstrauisch an. Ein breitschultriger schwarzhaariger Kerl mit einer pelzgefütterten Lederjacke spuckte einen braunen Strahl Tabaksaft auf die Erde.

„Sieht nicht gerade begeistert aus der Mann, Mr. Rutledge. Ich glaube fast, er hat Angst um seinen Skalp.“

Clay beachtete ihn nicht. „Ich habe nie für Geld gekämpft“, sagte er kopfschüttelnd. „Ich werde es auch nie tun.“

„Zum Teufel, dann tun Sie es für Ihren Freund, den die Sioux umgebracht haben!“, keuchte der Schwarzgekleidete. Seine knochige Rechte griff nach Clays Ärmel. „Führen Sie uns auf die Fährte dieser roten Banditen. Ich kenne den Kerl, der uns vorhin entwischte. Er heißt Grauwolf. Er gehört zu Sitting Bulls Leuten, und Sitting Bull, dieser verdammte Oberhalunke, ist genau der Kerl, den ich um jeden Preis erwischen will!“

„Ist das nicht Sache der Armee?“

„Zum Teufel mit der Armee, wenn sie es nicht schafft, endlich reinen Tisch mit diesen Schurken zu machen! Crook hat American Horse vor einem Monat geschnappt, gut und schön. Aber Sitting Bull und Crazy Horse, auf die es ankommt, sind mit ihren Banden noch immer irgendwo in der Wildnis unterwegs. Verdammt will ich sein, wenn ich nicht alles unternehme, um diesen Mördern endlich das Handwerk zu legen. Seit Custers Regiment am Little Big Horn ausgelöscht wurde, kenne ich nur noch ein Ziel: Ich will Sitting Bull tot sehen!“

„Die Armee hat mehr Leute als Sie, und trotzdem …“

Der Breitschultrige schlenderte, mit den Händen in den Hosentaschen, heran. „Der Unterschied zwischen uns und den Blauröcken ist, dass wir Profis sind, auf Menschenjagd spezialisiert“, erklärte er grinsend und spuckte wieder. „Ich bin Scott Dawson. Meine Jungs und ich sind im Süden als Kopfgeldjäger geritten, ehe uns Mr. Rutledge diesen Job anbot, Scott Dawson, das ist ein Name, der in Kansas und Texas ’nen verdammt gefährlichen Klang hat, Freund Willard, Mr. Rutledge hat ’nen guten Griff getan. Er ist der Herausgeber der einzigen Zeitung in Miles City. Was denkst du, Willard, wie sich alle Leute um sein Blatt reißen, wenn er es anstelle der Armee fertigbringt, den Oberanstifter der Indsmen aufs Kreuz zu legen! Stell dir vor, er hat meinen Jungs und mir zehntausend Dollar für Sitting Bulls Kopf versprochen. Das hab’ ich Schwarz auf Weiß. Und für zehntausend Dollar holt Scott Dawsons Crew den Teufel aus der Hölle, wenn es sein muss!“ Er lachte rau.

Clay starrte Rutledge halb überrascht, halb betroffen an. Das hohlwangige Gesicht des Zeitungsmannes war grau und fleckig. „Es geht um mehr, als um meine Zeitung“, sagte er hastig. „Ich will mehr als Ruhm und Erfolg. Ich will Rache. Mein einziger Sohn war Soldat bei Custer. Er wurde von Sitting Bulls Kriegern am Little Big Horn massakriert. Jetzt wissen Sie Bescheid, Willard. Entscheiden Sie sich. Alles, was uns fehlt, ist ein Mann, der diese Gegend kennt. Denken Sie an die Rechnung, die Sie mit Grauwolf zu begleichen haben. Und denken Sie dran, dass Sie ohne Pferd und ohne Waffen niemals lebend aus dieser gottverdammten Wildnis rauskommen werden!“

Clays Gedanken wirbelten. Dreizehn Mann und eine junge Frau auf Sitting Bulls Fährte! Es war Wahnsinn, wenn er sich ihnen anschloss. Aber hatte er überhaupt eine andere Wahl? Er besaß nur, was er auf dem Körper trug, und das war zu wenig, um in diesem Land zu überleben. Und außerdem war da wieder die Erinnerung an Tom und an die anderen Toten in dem überfallenen Camp, die Erinnerung an alles, was er selber ausgestanden hatte. Grauwolf! Der Name überschwemmte sein Gehirn mit einer Welle von Hass.

Er streckte Rutledge die Hand hin, „All right, geben Sie mir ein Pferd und Waffen – ich komme mit.“

 

*

 

Ein leises Rascheln in der Dunkelheit riss Clay hoch. Der Repetierbügel seiner Winchester knackte. Die Mündung richtete sich auf die schattenhafte Gestalt zwischen den Felsen und Sträuchern am Rand des Camps, wo Clay Wache hielt. Erst als er das atemlose Flüstern hörte, sank Clays Waffe herab. „Nicht schießen, Willard, ich bin’s, Jane …“

Gleich darauf war sie nahe bei ihm, sie atmete schnell. Zum Schutz gegen die beißende Nachtkälte hatte sie eine Decke umgehängt. Sie warf einen ängstlichen Blick zum Wagen hinüber, aber dort rührte sich nichts. Tiefe Stille herrschte. Die Sterne zwischen den Fichtenwipfeln funkelten fern und kalt. Clay versuchte im Gesicht der jungen Frau zu lesen, aber es war nur ein schmaler blasser Fleck in der Finsternis.

„Etwas nicht in Ordnung?“, fragte er rau.

„Da fragen Sie noch?“, murmelte sie bitter. „Sie wissen doch jetzt, was Dad vorhat. Wir stecken mitten im Indianerland. Was soll da schon in Ordnung sein! Bei Gott, ich wünschte, wir hätten Miles City nie verlassen.“

„Warum sind Sie mitgekommen? Dieses Land ist nichts für eine Frau wie Sie.“

Jane Rutledge seufzte. „Dad will, dass ich den Bericht seiner Jagd auf Sitting Bull schreibe. Er ist wie besessen von dieser Idee, seit er die Nachricht von Custers Untergang und Jims Tod erhielt. Es ist furchtbar, Clay, er hat sich seitdem total verändert. Manchmal habe ich fast Angst, dass er …“ Sie brach ab, klammerte sich plötzlich an Clays fransenverzierte Hirschlederjacke und keuchte: „Helfen Sie mir, Clay! Sie sind anders als Dawson und seine Männer, die nur an das versprochene Geld denken. Sie dürfen diesen Wahnsinn nicht mitmachen.“

„Und was soll ich Ihrer Meinung nach tun? Mein Wort brechen und mich heimlich aus dem Staub machen? Sie nach Miles City zurückbringen?“

In der Nacht wirkten ihre großen Augen dunkel. Ihr Atem streifte sein Gesicht. Sie lehnte sich an ihn, so dass er die Wärme ihres schlanken, biegsamen Körpers spürte. Die Decke glitt von ihren Schultern. „Dawson und seine Freunde sind rücksichtslose Killer, aber sie haben bisher nur weiße Desperados und Deserteure gejagt. Sie kennen dieses Land nicht. Clay, tun Sie einfach so, als hätten Sie Grauwolfs Spur verloren, als seien die Sioux längst über alle Berge. Führen Sie Dad, Dawson und die anderen einfach ins Leere, bis sie es satt haben, bis sie von selber aufgeben.“,

„Ich fürchte, Sie unterschätzen diese Männer, Jane“, murmelte er heiser.

„Versuchen Sie es wenigstens, Clay“, flüsterte sie und presste sich fester an ihn. „Für mich! Sie werden es bestimmt nicht bereuen.“ Ihre Hände streichelten sanft über seine Schultern, glitten hinter seinen Nacken, und plötzlich pressten sich ihre heißen Lippen auf seinen Mund. Ihre Augen schimmerten seltsam, als sie schnell zurücktrat. Ihre Brüste hoben und senkten sich. „Werden Sie es tun, Clay?“

Er lehnte das Gewehr neben sich an einen Felsblock und packte Jane hart an den weich gerundeten Schultern. „Sie vergessen, warum ich hier bin, Jane. Nicht für Geld und auch nicht nur für das Pferd und die Waffen, die mir Ihr Vater überließ! Die Sioux haben meinen besten Freund auf dem Gewissen. Ich will Grauwolf. Und wenn ich ihn nur in Sitting Bulls Lager finde, dann schnappe ich ihn mir eben dort!“

Ihre Haltung versteifte sich vor Schreck. Clay merkte einen Augenblick zu spät, dass dieser Schreck nicht ihm galt.

Leise Tritte waren hinter ihm. Eine gepresste, hasserfüllte Stimme befahl: „Lass sie los, Willard, sonst blase ich dir eine Kugel durch den Kopf!“

 

*

 

Clay fuhr herum. Im matten Glanz der Sterne, der durch die Bäume sickerte, erkannte er Scott Dawsons breitflächiges Gesicht. Dawson hielt einen Revolver in der Faust. Clays Gewehr lag am Boden, und der Kopfgeldjägerboss hatte einen Fuß daraufgestellt. Hass glitzerte in seinen eng beisammenstehenden Augen.

„Es hat mir von Anfang an nicht gepasst, dass Rutledge dich unbedingt dabei haben wollte, Willard. Ich bin nämlich überzeugt, dass wir die verdammten Rothäute auch ohne dich finden. Aber noch weniger passt es mir, dass du mit Rutledges Tochter rumtändelst. Damit es ein für allemal klar ist, Willard: Rühr sie nie mehr an! Sie gehört mir!“

„Dawson, was fällt dir ein?“, keuchte Jane. „Du hast kein Recht, so zu reden.“

Der Breitschultrige grinste wütend. „Mach kein Theater, Süße. Jeder von uns weiß, dass du eine bist, die auf Männer fliegt – vor allem auf solche großen, kräftigen Burschen wie Willard. Das ist doch in Wahrheit der Grund, warum dein Alter dich nicht allein in Miles City zurücklassen wollte. Du hast ihm da schon genug Ärger gemacht. Well, Schätzchen, spiel also nicht die Beleidigte. Ich werd’ dich schon zähmen, wenn wir unsern Job erledigt haben. Ich bin schließlich nicht nur wegen der zehntausend Bucks mitgeritten. Rechne nicht mehr mit Willard. Dem werde ich schon beibringen, dass es besser ist, wenn er dich vergisst.“

Drohend kam er näher.

„Na, was ist, Willard? Machst du dich freiwillig aus dem Staub, oder muss ich nachhelfen?“

Kalte Wut stieg in Clay auf. „Brauchst du dazu den Revolver?“, fragte er verächtlich.

Dawson schaute auf die Waffe in seiner Faust, lachte und sprang plötzlich vorwärts, um Clay mit einem mörderischen Hieb niederzustrecken. Jane schrie leise auf. Aber da hatte Clay sich schon blitzschnell gedreht. Der niedersausende Coltlauf wischte an ihm vorbei, und der eigene Schwung trieb Dawson in Clays hochzuckende Faust hinein. Dawson prallte zurück, taumelte und verlor die Waffe. Bevor er begriff, was passierte, traf ihn Clay wieder. Der Schwinger warf Dawson gegen den Felsblock. Ächzend rutschte er an ihm nieder, sank auf die Knie und krümmte sich nach vorn. Clay drehte sich zu Jane.

„Besser, Sie gehen ins Camp zurück und legen sich wieder hin, Madam“, meinte er kühl. „Morgen werden wir früh unterwegs sein.“

Sie machte eine Bewegung, als wollte sie zu ihm laufen. Da war das Schnappen eines Repetierhebels hinter Clay.

 

*

Dawson knirschte: „Jetzt bist du fällig, Willard!“

Er kniete noch immer. Clays Winchester ruhte in seinen derben Fäusten. Der schwankende Lauf richtete sich auf den großen ledergekleideten Scout. Clay las den Willen zum Töten in Dawsons Augen. Ihm war, als greife eine kalte Faust nach seinem Herzen. Aber er ließ sich nichts anmerken. Sein Gesicht war hart und kantig.

„So hab’ ich dich von Anfang an eingeschätzt, Dawson“, sagte er beißend, während seine Muskeln sich wie Stahlfedern spannten. „Du bist ein armseliger Schießer, der ohne Kugelspritze nicht das Schwarze unterm Daumennagel wert ist!“,

Dawson sprang fluchend, mit wutverzerrter Miene auf. Der Schuss aus der Winchester zerfetzte die Stille der Herbstnacht. Die Kugel hieb in die Sträucher. Clay war wie ein Puma auf Dawson zugeschnellt. Seine Fäuste umklammerten nun ebenfalls die Winchester. Sein Anprall presste den Kopfgeldjäger gegen den Felsen. Sie rangen um das Gewehr.

Vom Camp wehten aufgeregte schlaftrunkene Stimmen. Die Pferde wieherten und stampften. Hinter dem Planwagen, auf dem Rutledge den Proviant und die Ausrüstung für seine Indianerjägercrew transportierte, sprang gelbroter Lichtschein auf. Ein Mann mit einer Pechfackel stolperte um das Fahrzeug herum.

„Hölle und Verdammnis, was ist denn hier eigentlich los?“

Wieder peitschte ein Schuss. Der Mann mit der Fackel blieb ruckartig stehen, drehte sich halb, und bevor er brettsteif umkippte, sahen alle das hässliche runde Einschussloch zwischen seinen Augen. Die Fackel brannte am Boden weiter.

Ein Augenblick entsetzter Leere verstrich. Dann brüllte einer von Dawsons Männern: „Indianer! Die Sioux sind da! Deckung, Leute!“,

Der Platz um den Wagen war plötzlich wie leergefegt. Die Schwärze, die dicht überm Boden lagerte, verschluckte die Menschenjäger. Sie warfen sich hin, wo sie gerade standen. Jetzt bewiesen sie, dass sie glänzend aufeinander eingespielt waren. Kein Laut war mehr zu hören. Niemand schoss, um die eigene Position nicht zu verraten.

Clay und Dawson waren auseinander gewichen. Der Kopfgeldjäger kauerte mit der Winchester im Anschlag hinterm Felsblock. Clay hetzte geduckt zu Jane, die vor Schreck wie gelähmt dastand. Ein Feuerpfeil zuckte unter einer Gruppe Hemlocktannen hervor. Clay hörte das Pfeifen der Kugel dicht am rechten Ohr, erreichte die junge Frau und riss sie mit sich zu Boden. Er rollte mit Jane in eine von Felsbrocken umsäumte Senke. Der Colt glitt ihm wie von selber in die Faust.

Drüben auf dem Lagerplatz dröhnte und krachte es jetzt, als würde der Wagen mit einer Pulverladung in die Luft gesprengt. Dawsons Männer feuerten aus allen Rohren auf die Stelle, wo eben das Mündungsfeuer aufgeblitzt war.

Gleich darauf war es wieder still. Nur ein leichtes Scharren und Rascheln verriet, dass die Kopfgeldjäger hastig ihre Stellungen wechselten. Jane schmiegte sich zitternd an Clay. Ihre zuckenden weichen Lippen berührten seinen Hals.

„Bring mich hier fort! Bring mich nach Miles City!“

Ein hartes Lachen schlug aus der Dunkelheit. „Grauwolf grüßt die weißen Männer. Er wird wiederkommen und sich ihre Skalps holen.“

Clays Kopf zuckte wie elektrisiert empor. Die Revolver und Gewehre der Dawson-Crew erfüllten die Nacht mit ohrenbetäubendem Krachen, so dass Clay sich an keinem Geräusch orientieren konnte. Er biss die Zähne zusammen und wollte aufspringen. Jane hielt ihn verzweifelt fest. „Bleib hier! Mein Gott, hast du denn noch immer nicht genug? Sie werden dich töten. Wenn es die Sioux nicht tun, dann Dawson …“

Clay starrte auf ihr bleiches Gesicht hinab. War ihre Angst um ihn echt, oder dachte sie nur an sich selbst?

Ihre Worte jagten sich: „Alles, was wir jetzt brauchen, ist ein Pferd, um nach Miles City durchzukommen, Wir …“

Er riss sich los. „Grauwolf ist allein, und mit Dawson werde ich schon fertig.“ Die Schüsse waren verstummt. Geduckt richtete er sich auf.

Janes Hände sanken herab. Das fahle Sternenlicht reichte aus, dass Clay erkannte, wie sich ihre Miene veränderte. „Du Narr!“, zischte sie. „Du bist genauso verrückt wie die andern. Geh nur! Es wird dir noch leid tun, dass du nicht mit mir geflohen bist!“

 

*

 

Ehe Clay etwas erwidern konnte, knallten auf der anderen Seite des Lagerplatzes wieder Schüsse. Rutledge kreischte: „Verdammt, wofür bezahle ich euch eigentlich? Schnappt euch den Bastard! Bringt ihn mir tot oder lebendig!“

Hufschlag trommelte plötzlich in der Dunkelheit los, vermischt mit Grauwolfs erneutem wilden Gelächter. Clay sprang aus der Mulde. Vor ihm rannte Rutledge mit wehenden Rockschößen über den Lagerplatz zum Seilkorral mit den Pferden.

„Ihm nach! Lasst ihn nicht entkommen!“ Rutledge war wie rasend. Er kümmerte sich nicht darum, ob ihm jemand folgte oder nicht. Die Gäule wichen erschreckt schnaubend vor ihm zurück. Clay holte den hageren Zeitungsmann ein und riss ihn hart herum.

„Es hat keinen Zweck mehr. Wir müssen warten, bis es Tag ist.“

Rutledge starrte ihn mit wild flackernden Augen an. Seine knochige Rechte schraubte sich um den Revolverkolben, der vorn aus seinem Hosenbund ragte. „Zum Teufel, hier bin noch immer ich der Boss!“

Clay ließ ihn los. „Wenn Sie in Ihr Verderben reiten wollen, meinetwegen …“

Rutledge biss sich auf die Unterlippe und lauschte auf das schwächer werdende Hufgetrappel des fliehenden Indianerpferdes. Es schien noch immer wie ein Magnet auf ihn zu wirken. Schweißperlen glänzten auf Rutledges Stirn.

Ein krankhafter Hass auf alle Sioux fraß in diesem seltsamen Mann.

Dawsons raue Stimme meldete sich hinter Clay. „Zum Teufel mit der verdammten Rothaut! Willard hat recht. In der Dunkelheit erwischen wir den Hundesohn ja doch nicht mehr. Aber zum Teufel auch mit Willard! Mr. Rutledge, wir haben uns auf den falschen Mann verlassen. Hätte der Kerl auf der Wache besser aufgepasst, dann würde Larkin jetzt noch leben. Willards Schuld, dass Larkin ’ne Siouxkugel in den Kopf bekommen hat. Wenn Sie mich fragen, Mr. Rutledge, gibt es dafür nur eine Antwort: den Strick!“

Clay drehte sich langsam und vorsichtig um. Er hatte es nicht anders erwartet: Scott Dawson zielte mit der Winchester auf ihn. Ein hämisches Grinsen zuckte über Dawsons schmale Lippen. Wahrscheinlich war der Kopfgeldjäger überzeugt, dass er seinen Rivalen jetzt genau da hatte, wo er ihn haben wollte. Neben und hinter Dawson kamen die anderen heran, ebenfalls mit Gewehren und Revolvern in den Fäusten. Eine Pechfackel warf wieder rot flackerndes Licht auf den Lagerplatz, den Prärieschoner und die verkniffenen, feindseligen Gesichter. Clay blickte zu Jane, die ein wenig abseits stand.

Ihr schmales, rassiges Gesicht wirkte kühl und ablehnend. Clay lächelte bitter, als er begriff, dass er von ihr keine Unterstützung zu erwarten hatte. Dawson konnte sich die Wahrheit zurechtzimmern, wie es ihm passte. Alle würden ihm und nicht Clay glauben.

Clay beherrschte seine aufkeimende Wut. Gespielt lässig zuckte er die Achseln. „Dawson lügt. Jetzt fehlt nur noch, dass er behauptet, ich hätte gemeinsame Sache mit Grauwolf gemacht. Well, ich hab’ mich nicht nach diesem Job gedrängt. Ich finde meinen Weg recht gut allein …“ Er wollte sich abwenden, Dawsons schnappender Repetierhebel bannte ihn an den Fleck.

„Vom Abhauen war nicht die Rede, sondern vom Sterben!“, knirschte Dawson hasserfüllt. „Hier draußen gilt das Gesetz der Wildnis. Und nach diesem Gesetz hast du Larkin auf dem Gewissen. Larkin war ein guter Kamerad, was, Jungs? Der Teufel soll uns holen, wenn wir seinen Tod nicht rächen.“

Beifälliges heiseres Gemurmel brandete auf. Diese finsteren, kaltäugigen Burschen hielten felsenfest zu Dawson. Sie waren eine wilde verschworene Crew, in der für einen Mann wie Clay kein Platz war. Sie fühlten nur zu deutlich, dass er anders war, dass er es verurteilte, wenn sie für Geld kämpften und töteten. Dafür hassten sie ihn von Anfang an, genau wie Dawson.

Clay trat zurück und senkte die Hand auf das Holster.

„Gibst du hier jetzt die Befehle, Dawson?“, fragte er mit einem Seitenblick auf Rutledge.

Die Kopfgeldjäger zögerten. Dawson war ihr Boss, aber Rutledge war der Mann, der sie bezahlen würde.

Dawson knurrte: „Halt’s Maul, Willard! Niemand nimmt Mr, Rutledge die Entscheidung ab,“

Der hagere Zeitungsmann räusperte sich. „Entwaffnet ihn!“, befahl er schroff. „Ich gebe ihm eine Frist von zehn Tagen. Wenn er es bis dahin nicht schafft, Grauwolf zu schnappen und Sitting Bulls Camp aufzuspüren, dann überlasse ich ihn dir, Dawson.“

 

*

 

Am dritten Tag nach Grauwolfs nächtlichem Überfall schlug das Wetter um. Die Sonne blieb hinter einer bleigrauen, niedrig hängenden Wolkendecke verborgen. Ein kalter Wind fegte durch die Täler und Schluchten und rüttelte das bunte Laub von den Bäumen. Eisige Regenböen peitschten nieder. Der harte Boden verwandelte sich in Morast, in den die Räder von Rutledges Proviantwagen tief einsanken. Unter den Bäumen und zwischen den steilen Felsen herrschte auch um die Mittagsstunde triste Dämmerung. Grauwolfs Spur war wie ausgelöscht, aber Clay Willard, der Mann aus der Wildnis, gab nicht auf. Schweigend und verbissen führte er den Indianerjägertrupp weiter nach Norden, in Richtung Musselshell River, immer tiefer in das wilde Herz von Montana hinein.

Unermüdlich saß er im Sattel, den Stetson tief in die Stirn gezogen, den Jackenkragen zum Schutz gegen den beißenden Wind hochgeschlagen. So ritt er dem schwerfällig rumpelnden Wagen voraus. Dawson war stets mit der Winchester in den Fäusten in seiner Nähe. Doch Clay beachtete ihn nicht. Das Jagdfieber hatte ihn erfasst. Die Erinnerung

an Tom Talbot ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Hier und da ein geknickter Zweig, ein paar Pferdehaare an einem Busch oder ein von Hufen losgetretener Zweig – das waren seine einzigen Anhaltspunkte. Doch bald war auch davon nichts mehr übrig.

„Du schaffst es nicht, Willard“, höhnte Dawson, als sie am Morgen des siebten Tages ihre Pferde sattelten. „Du bist schon so gut wie tot.“ Grinsend wies er auf das zusammengerollte Seil an seinem Sattelknauf, dessen Ende zu einer fachgerechten Schlinge geknotet war.

In der Nacht hatte eine hauchdünne nasse Schneedecke die Erde überzogen.

Jetzt fielen keine Flocke und kein Tropfen mehr. Der Wind jammerte noch immer, und die hohen, schlanken Fichten am Rand des Lagerplatzes wiegten sich knarrend. Rutledge und Jane saßen, in Mäntel und Decken gehüllt, auf dem Planwagenbock und blickten bleich und durchfroren zu Clay und Dawson herüber. Stumm schwang sich der große Scout aufs Pferd, ritt an, und hinter ihm setzte sich der Trupp schweigend und mürrisch in Bewegung.

Tagsüber taute der Schnee. Die Erde schmatzte unter den stampfenden Hufen. Am Spätnachmittag zügelte Clay plötzlich sein Pferd und stellte sich in den Bügeln auf. Er witterte wie ein Raubtier, während Dawson ihn von der Seite misstrauisch musterte.

„Rauch!“, sagte Clay nur, aber alle wussten, was das bedeutete. Die unrasierten, rauen Gesichter der Kopfgeldjäger spannten sich. Rutledges knochigen Fäuste packten die Zügel fester.

Nach Einbruch der Dunkelheit war es so weit. Sie kauerten, mit den Karabinern in den Fäusten, auf einem felsigen Höhenrücken. Unter ihnen, zwischen rauschenden, windumtosten Fichten und Kiefern, standen vier, fünf buntbemalte Büffelhautzelte dicht beisammen. Hinter einer aus Zweigen geflochtenen Schutzwand flackerte ein Feuer, in dessen glutrotem Schein sich schemenhafte Gestalten bewegten. Ab und zu, wenn sich der Wind kurz drehte, wehten leise fremdartige Stimmen zu den versteckten Beobachtern herauf.

„Sioux!“, flüsterte Rutledge heiser. Als Clay den hageren, in einen schwarzen Mantel gehüllten Mann anblickte, loderten wieder jene krankhafte Gier und Ungeduld in seinen Augen.

Dawson lachte leise. „Sie sind ahnungslos. Sie haben nicht mal Wachen aufgestellt. Mit den paar Figuren dort unten werden wir im Handumdrehen fertig. Der Teufel soll mich holen, wenn unser alter Freund Grauwolf nicht auch dort unten steckt. Na, Willard, was ist? Willst du dir seinen Skalp holen?“

Clay fühlte sich wie in einem Wolfsrudel. Spöttische, grausam glitzernde Augen starrten ihn an. Die Gewehre in den Fäusten dieser Männer waren bereit, Tod und Verderben zu speien – ohne vorherige Warnung. Zweifel befielen ihn. Die Indianer dort unten würden keine Chance haben. Aber welche Chance hatte Tom besessen? Clays Miene verhärtete sich.

„Gebt mir meine Waffen zurück!“, forderte er rau. Dawson machte schmale Augen. Aber dann winkte er einem der Kerle hinter Clay, und der Scout erhielt einen langläufigen 45er-Colt und ein Bowiemesser.

Rutledge atmete stoßweise. Die seltsamen grauen Flecken waren wieder auf seinem eingefallenen Gesicht. „Verdammt, worauf warten wir noch? Bringt die Pferde her! Wir reiten diese Hundesöhne dort unten glatt über den Haufen!“

Scott Dawson erhob sich geschmeidig. Der Wind zerrte an den langen schwarzen Strähnen, die unter seinem Hut hervorhingen. „Bragg, Jones, her mit den Gäulen! Duff, du gehst zum Wagen zurück und bleibst bei Miss Jane! Los, los! Beeilung, Jungs!“

Clay starrte mit brennenden Augen in die Senke. Er suchte Grauwolf. Aber er sah nur die Schatten der am Feuer Lagernden. Die Pferde standen dicht dabei, doch die Beleuchtung war zu unsicher, um Grauwolfs braunweißen Mustang zu erkennen.

„Keine Gefangenen!“, knirschte Rutledge hasserfüllt. „Denkt an Little Big Horn, wo die Roten ebenfalls keinen von Custers Männern am Leben ließen. Es genügt, wenn nur einer von den Halunken so lange lebt, um uns zu sagen, wo wir Sitting Bull finden. Los jetzt, Männer, in die Sättel!“

„Wartet!“, zischte Clay. Er beugte sich angespannt vor. Das Herz schlug ihm plötzlich bis in die Kehle.

„Mach bloß keine neuen Mätzchen!“, drohte Dawson heiser durch das an- und abschwellende Raunen des Windes. „Du bist deine Waffen und dein Leben schneller los, als du denkst. Larkins Tod ist nicht vergessen. Dass du dieses Camp aufgestöbert hast, ändert daran nichts.“ Clay wies schweigend auf eins der Büffelhautzelte. Dessen Klappe war aufgeschlagen worden, ein in Felle gemummter Indianer trat geduckt heraus und kauerte davor nieder. Bevor die Lederklappe hinter ihm wieder herabfiel, zuckte der Flammenschein ins Innere des Tipis. Es war nur ein Augenblick, aber er genügte: Die Männer auf der felsigen Höhe sahen den mit Stricken verschnürten Gefangenen. Es war ein Weißer, ein Mann in zerschlissener blauer Uniform.

„Verdammt, da haben wir ja genau die richtigen roten Vögel aufgelesen!“, schimpfte einer der Kerle, die die gesattelten Pferde heranführten. „Denen werden wir das Marterpfahlfest gründlich vermasseln.“

Im Nu waren alle bei den Gäulen. Wilde Entschlossenheit spannte ihre Gesichter. Clay sprang auf und hielt Rutledge am Mantelärmel fest. Er starrte ihn beschwörend an. „Wenn wir jetzt angreifen, haben die Sioux zehnmal Zeit, ihrem Gefangenen die Kehle durchzuschneiden!“

 

*

Rutledges Lider flatterten. Seine Stimme klang blechern. „Und? Sollen wir deshalb einen Bogen um das Lager dieser roten Banditen schlagen und weiterziehen, als sei nichts passiert?“

Dawson spuckte in den Wind. „Jetzt, wo’s ernst wird, hat Willard die Hose voll und will sich verdrücken. Daraus wird nichts, Freundchen. Ich passe auf.“ Die drohende Gewehrmündung irritierte Clay nicht mehr. Er zuckte die Achseln. „Wenn du willst, kannst du mich ja begleiten.“ Er wies mit einer Kopfbewegung auf das kleine Siouxcamp unter den Fichten. „Ich gehe nämlich hinab und hole den Blaurock heraus. Wartet solange mit eurem Angriff.“

„Du bist verrückt, Mann!“

„Sagst du das nur, damit du nicht mitzukommen brauchst, Dawson?“ Clay lächelte höhnisch. „Keine Sorge, ich bin nicht scharf auf deine Begleitung.“ Er blickte Rutledge an, „Geben Sie mir eine Stunde.“

Der Zeitungsmann aus Miles City zögerte. Er brannte vor Ungeduld. Es war wie ein Fieber. „Ich riskiere nicht, dass Sie die Sache im letzten Augenblick noch verpfuschen, Willard.“

„Dann verurteilen Sie nicht nur die Sioux, sondern auch deren Gefangenen zum Tod.“

Rutledge kämpfte mit, sich. Er ballte und öffnete nervös die Hände. „Also, gut, eine halbe Stunde, keine Minute mehr.“

Clay nickte und wandte sich sofort ab. Von jetzt an war jede Sekunde kostbar. „Grüß Grauwolf von mir!“, rief Dawson ihm hämisch nach. Die Schwärze zwischen den Felsen verschluckte Clay.

Wie eine große Raubkatze schlich er den Hang hinab. Die Senke war vom Rauschen und Ächzen der Bäume und Sträucher erfüllt. Es gab genug Deckung, und außerdem fühlten sich die Indianer tatsächlich vollkommen sicher. Clay kam rasch voran. Er schlug einen Bogen, damit die Sioux-Mustangs keine Witterung von ihm bekamen. Der Colt lag schwer und kühl in seiner rechten Faust, als er sich den Tipis von hinten näherte. Ein weicher Moos- und Fichtennadelteppich war unter seinen Stiefeln. Der Lichtschein vor ihm blähte sich auf, sank wieder zusammen und griff manchmal wie mit roten Geisterfingern zu den schwankenden Fichtenwipfeln hinauf. Der eisige Wind war wie ein Vorbote des nahenden Winters, und die dunklen deckenverhüllten Indianergestalten rückten dichter an die Flammen.

Clay hatte sich das Tipi mit dem Gefangenen genau eingeprägt. Die letzte, Strecke kroch er auf dem Bauch. Die kehligen Stimmen wurden deutlicher. Es waren Frauenstimmen. Ein Kind weinte plötzlich, und eine der am Feuer kauernden Gestalten erhob sich und lief, gegen den Wind gebeugt, zu einem Zelt.

Es war eine Squaw mit faltenzerfurchtem, abgemagertem Gesicht. Für einen Moment vergaß Clay, was er vorhatte.. Dies war nicht das Camp einer streifenden Kriegsbande. Die Gestalten am Feuer waren Squaws, Kinder und alte Männer. Im ganzen waren vielleicht nur fünf waffenfähige Krieger im Lager. Einer von ihnen war der Wachtposten vor dem Zelt, neben dem Clay jetzt flach auf dem Boden lag und zu den Flammen hinüberstarrte. Grauwolf war nicht dabei. Vielleicht war er hiergewesen und gleich wieder weitergeritten. Clay dachte jetzt nicht darüber nach. Ein jäher heißer Schock durchpulste ihn. Ein grausiges Bild stand wie eine Vision vor seinen Augen: Wild heranjagende Reiter, die blindlings auf das Feuer und die Zelte schossen, ohne zu ahnen, wem ihre Kugeln galten.

Clay verfluchte plötzlich seinen eigenen blinden Jagdeifer, seinen Wunsch nach Vergeltung. Er war noch immer bereit, gegen Grauwolf zu kämpfen, aber nicht gegen Greise, Frauen und Kinder. Eine halbe Stunde hatte Rutledge ihm gesetzt. Wie viele Minuten waren davon noch übrig, um den Gefangenen herauszuholen und den blindwütigen, sinnlosen Überfall zu verhindern?

Clay stieß den Colt in das Holster, zog das Bowiemesser und schnitt die Rückwand des Tipis auf. Ein Geräusch war vor ihm im stockdunklen Zelt. „Still!“, flüsterte Clay. „Ich bin ein Weißer und hier, um Sie zu befreien.“

Der Mann in der Finsternis atmete flach und gepresst. Clay kroch zu ihm, tastete nach den Fesseln und zerschnitt sie. „Können Sie laufen? Sind Sie verletzt?“

„Ich bin in Ordnung.“ Der Mann setzte sich auf und massierte seine Hand- und Fußgelenke. Diese Stimme! Clay kannte sie.

Aber bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, waren andere Stimmen vor dem Zelt. Die Lederklappe wurde wieder geöffnet. Im jäh hereinflutenden gelbroten Licht sah Clay, dass er sich nicht geirrt hatte. Der Mann in der zerfetzten blauen Uniform, der neben ihm auf dem Boden kauerte, war kein anderer als Major Greg Hatfield, der ihn damals bei dem überfallenen Goldsuchercamp so feige im Stich gelassen hatte!

Im Zelteingang stand eine junge Indianerin mit einer dampfenden Tonschüssel in den schmalen Händen. Ihre dunklen Augen waren schreckgeweitet. Mit einem erstickt klingenden Aufschrei prallte sie zurück. Im nächsten Augenblick verdunkelte die fellvermummte Gestalt des Wachtpostens die Zeltöffnung. Der Stahl eines kurzläufigen Henry-Gewehrs blinkte.

 

*

 

Clay reagierte instinktiv. Er ließ sich fallen, zog den Colt und schoss auf den ins Tipi zuckenden Mündungsblitz. Ein langgezogener dumpfer Schrei vermischte sich mit den Detonationen. Der Sioux sank vor dem Hintergrund des flackernden Feuers zu Boden.

„Weg hier!“, zischte Clay. Er kroch durch den Schlitz in der Rückwand des Tipis. Hatfield folgte ihm.

Aufgeregte Stimmen schwirrten durchs Lager. Clay und der Major sprangen auf und rannten unter den Bäumen davon. Niedrig hängende Zweige peitschten ihre Gesichter. Hinter ihnen gellten Wutschreie, blitzten Schüsse. Hatfield taumelte und stürzte. Clay, der ein paar Schritte voraus war, kehrte um. Der 45er-Colt bäumte sich krachend in seiner Faust. Clay schoss ohne zu zielen. Die waffenschwingenden Gestalten bei den Zelten fuhren auseinander und verschwanden im Dunkel. Clay bückte sich zu Hatfield.

„Mein Bein!“, keuchte der Major. „Es hat mich erwischt! Willard, um Himmels willen, helfen Sie mir hoch!“

„Wo sind Ihre Soldaten, Major?“

„Tot!“, krächzte Hatfield. „Alle tot! Die Sioux haben uns überfallen, nachdem wir …“ Er brach ab und starrte Clay plötzlich erschrocken an. „Großer Himmel! Sie werden mich doch nicht hier einfach liegen lassen, nur weil …“

Clays steinernes Gesicht kam in der winddurchtosten Dunkelheit näher an ihn heran. „Nur … was, Major? Warum reden Sie nicht weiter?“

Hatfield packte ihn am Arm. „Ich erkläre Ihnen später alles, Willard! Helfen Sie mir! Mein Gott, wir müssen zu den Pferden!“

Clay zog ihn hoch. Kalte Leere war in ihm. Hatfields panische Furcht widerte ihn an. Dann hörte er das Stampfen der vielen Hufe durch den Wind und das Rauschen der Äste. Schwarze gespenstische Reitergestalten jagten geduckt unter den Bäumen heran.

„Drauf auf sie!“, gellte Rutledges hassverzerrter Schrei. „Knallt sie nieder! Kein Pardon! Rache für Little Big Horn!“

Mündungsfeuer glühten zwischen den Bäumen. Das Hämmern der Hufe ließ die Erde zittern. Rutledge und seine Menschenjäger brausten heran, als wollten sie das Camp in Grund und Boden stampfen. Clay riss sich von Hatfield los und lief den Reitern entgegen. Er winkte verzweifelt.

„Halt!“, brüllte er. „Um Himmels willen, haltet an! Grauwolf ist nicht hier! Hier sind Squaws und Kinder! Ihr dürft nicht …“

Schießende Reiter donnerten an ihm vorbei, unter den Fichten hervor auf die von den Flammen angestrahlten Tipis zu. Im Blitzen der Mündungsfeuer wirkten die Gesichter wie Teufelsfratzen. Markdurchdringendes Entsetzensgeschrei scholl aus dem Indianerlager. Clay stürzte zu Rutledge, der in der Nähe seinen Gaul auf die Hanken riss und wild sein Gewehr schwenkte. Rutledges langer schwarzer Mantel flatterte im eisigen Wind.

„Macht sie nieder!“, kreischte er am Rand des Wahnsinns. „Holt euch ihre Skalps!“ Als er sein Pferd weiterjagen wollte, fiel ihm Clay in die Zügel.

Trotz der Kälte war Clays Gesicht schweißbedeckt. „Rutledge, rufen Sie die Männer zurück! Alles war ein Irrtum! Das ist kein Kriegslager, Hier sind …“

„Aus dem Weg!“, heulte Rutledge und schlug mit dem Karabiner nach ihm. Clay duckte sich unter dem Hieb weg. Das vorschnellende Pferd stieß ihn zur Seite. Er taumelte gegen einen Baumstamm.

„Zur Hölle mit allen Rothäuten!“, schrie Rutledge. „Tötet sie, Jungs! Rächt Custers 7. Kavallerie!“

Dawson und seine Reiter waren bereits bei den Tipis. Die wirbelnden Pferdehufe rissen die Glut des Campfeuers auseinander. Die Schutzwand aus Zweigen und ein Zelt begannen zu brennen. Pulverdampf brodelte. Fliehende Indianer versuchten, in der Dunkelheit zu entkommen. Aber der Lichtkreis dehnte sich. Strahlenbündel leckten unter die Bäume. Und die Reiter auf den kreiselnden, tänzelnden, hin und her jagenden Pferden schossen auf alles, was sich bewegte. Ein wahnsinniger Vernichtungsrausch hatte sie gepackt. Die Schüsse und das schrille Geschrei der Squaws und Kinder vermischten sich zu einem furchtbaren Lärm, der den Wind übertönte und den ganzen Raum zwischen Himmel und Erde zu erfüllen schien. Die fichtenbestandene Senke hatte sich in einen tobenden, grausigen Hexenkessel verwandelt. Alles, was Clay Willard je zuvor an Grausamkeit und Schrecken erlebt hatte, verblasste gegen diese Minuten.

Clay packte seinen Colt, stieß sich vom Baum ab und rannte hinter Rutledge her. Sein sonst so kühles, beherrschtes Gesicht war vor Grauen und Wut verzerrt. Er hatte noch nie einen Mann in den Rücken geschossen. Diesmal war er nahe daran, es zu tun.

„Rutledge!“, brüllte er. „Sagen Sie diesen Teufeln, sie sollen aufhören, sonst schieße ich Sie vom Pferd!“

Rutledge hörte ihn gar nicht. Er raste mit vom Wind aufgebauschtem Mantel auf den Feuerschein, auf die pausenlos schießenden Reiter und die vor Entsetzen wie blind hin und her rennenden Squaws, Kinder und Greise zu. Keuchend blieb Clay stehen und hob den Colt.

„Rutledge!“, versuchte er es nochmals, obwohl es nichts mehr gab, was diesen unvorstellbar grausigen Wahn noch stoppen konnte.

Die Indianer wurden wie wilde Tiere niedergeschossen, egal, ob es sich um Männer, Frauen oder Kinder handelte. Taumelnde, blutüberströmt niedersinkende Menschen gerieten unter die Hufe der wie verrückt hin und her preschenden Pferde. Squaws warfen sich über ihre wimmernden Kleinen, um sie mit dem eigenen Körper zu schützen. Doch die Kugeln aus den schwerkalibrigen Colts und Gewehren hieben sie alle nieder.

Clay feuerte auf Rutledges Gaul, aber seine Hand zitterte so heftig, dass die Kugel danebenging. Er packte den langläufigen 45er mit beiden Fäusten. Ehe er wieder abdrücken konnte, traf ihn von hinten ein Schlag ins Genick, der ihn zu Boden schleuderte.

Details

Seiten
200
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738935356
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v510988
Schlagworte
keine gnade sitting bull

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Titel: Keine Gnade für Sitting Bull