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Dreimal falsch verbunden

©2019 214 Seiten

Zusammenfassung


Eine kurvenreiche Dame engagierte mich für eine Expedition nach Mexico, was dazu führte, dass ich unter Mordverdacht festgenommen wurde. Nachdem ich die mexikanischen Gefängnisse zur Genüge inspiziert hatte, durfte ich mich in amerikanischen umtun. Denn inzwischen war man drauf und dran, eine Anklage wegen Landesverrat gegen mich zu erheben, weil ich Pläne weitergegeben haben sollte. Ja, Sie lächeln. Ich zunächst auch, aber die Sache war blutiger Ernst.

Leseprobe

Table of Contents

Dreimal falsch verbunden

Copyright

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

XIII

XIV

XV

XVI

XVII

XVIII

XIX

XX

Dreimal falsch verbunden

Krimi von Theodor Horschelt

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 216 Taschenbuchseiten.

 

Eine kurvenreiche Dame engagierte mich für eine Expedition nach Mexico, was dazu führte, dass ich unter Mordverdacht festgenommen wurde. Nachdem ich die mexikanischen Gefängnisse zur Genüge inspiziert hatte, durfte ich mich in amerikanischen umtun. Denn inzwischen war man drauf und dran, eine Anklage wegen Landesverrat gegen mich zu erheben, weil ich Pläne weitergegeben haben sollte. Ja, Sie lächeln. Ich zunächst auch, aber die Sache war blutiger Ernst.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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I

Ich erwachte, um es präzis zu sagen, mitten in der Nacht.

Im Allgemeinen hab’ ich einen guten Schlaf, das wissen Sie ja. Ich verfüge nämlich über ein gutes Gewissen und eine fast noch bessere Verdauung. Aber an jenem Abend hatte ich mit Felipe Pizarro aus lauter Verzweiflung eine Buddel Rum geleert, und der Nachdurst piesackte mich jetzt gewaltig.

Felipe Pizarro war der unsympathischste Mensch unter der Sonne, und ich hätte ihn ohne Weiteres erstechen können. Auf Ehre!

Und das schlimmste war, dass ich ein Dach mit ihm teilen musste. Dach ist Dach, ein vielleicht etwas zu hochtrabender Ausdruck für ein typisches Camping-Zelt, das lauf Prospekt einer vierköpfigen Familie Unterschlupf gewähren sollte, aber offenbar für Rekruten meines Gardemaßes nicht gebaut war.

Verwirrt wischte ich mir den Sandmann aus den Augen und überlegte krampfhaft, wie ich es anstellen könne, dass das Mineralwasser aus dem LKW zu mir gelaufen komme und nicht umgekehrt. In solch einer Situation haben wir uns schließlich alle schon einmal befunden.

Ich stützte mich langsam auf und horchte. Irgendwo ertönte ein röchelnder Laut, den ich für das Rülpsen eines Krokodils hielt.

Naturkundige Fachleute haben mir indessen später versichert, dass in Mexiko die Krokodile Jacares heißen, und dass das Röcheln von einem Vogel hergerührt haben müsse.

Von mir aus.

Ich muss mich wohl ein klein wenig zu temperamentvoll aufgerichtet haben, denn ich schlug mir die Nase empfindlich an einer Zeltstange an. Das trug ganz erheblich zu meiner guten Laune bei.

Plötzlich fiel mir etwas auf. Ich hatte ja noch einen Mitbewohner im Zelt. Eben jenen Felipe Pizarro. Aber das habe ich, glaub’ ich, schon einmal erwähnt. Und dieser unsympathische Bursche pflegte vierundzwanzig Stunden am Tage zu atmen, wie alle Menschen. Aber im Augenblick atmete er nicht. Aber er war trotzdem anwesend, das spürte ich. Warum, zum Donnerwetter, hatte der Bursche plötzlich zu schnaufen aufgehört? Vermutlich, um mich wieder zu ärgern!

Ich griff nach links und fischte mit der Hand nach meinem Flashlight. Das dauerte eine ganze Reihe von Minuten, denn Sie wissen ja, dass ich anständig gebechert hatte. Nach vorsichtiger Schätzung hatte ich noch bestenfalls zwanzig Prozent Alkohol im Blut.

Aber da ich von Natur aus ein ungewöhnlich geschickter und begabter Mensch bin, gelang es mir tatsächlich, meine Taschenlampe zu besehen und sie anzuknipsen.

Nun richtete ich den Strahl auf das Gesicht meines Kampfgenossen.

Es atmete eine gewisse stille, ruhige Würde. Aber was nützt mich ein Gesicht, das in übertragener Bedeutung atmet, wenn der ganze Kerl nicht mehr schnauft? Langsam wanderte der Strahl meiner Laterne nach unten, und da sah ich die Bescherung: Eines unserer Küchenmesser steckte Pizarro bis zum Heft im Herzen.

Und ich musste dem Betreffenden noch Dank dafür sagen, dass er mich am Leben gelassen hatte. Denn in meinem beleckten Zustand wäre mir die Tatsache meiner soeben vollzogenen Ermordung vermutlich nicht einmal aufgefallen.

 

*

 

Es gibt Situationen, in denen wird der besoffenste Mensch außerordentlich schnell wach. In einer solchen Situation befand ich mich jetzt eben.

Ich kroch ganz langsam aus dem Zelt heraus, und ich muss sagen, es war mir speiübel. Ich wandte mich nach links, vom Felsplateau weg, und dann kotzte ich wie ein mit Olivenöl gereizter Reiher.

Und falls Sie das unfein finden sollten, dann gebe ich Ihnen den guten Rat, sich mal eine ganze Nacht in ein Zelt neben ’ne Leiche zu legen. Ob Sie das gut überstehen werden?

Aber ich schweife schon wieder vom eigentlichen Thema ab. Das ist eine meiner alten Untugenden. Ich geb’ mir immer die größte Mühe, sie endlich aufzugeben, aber der alte Adam kommt eben doch immer wieder bei mir durch.

Als ich alles, was in meinem Magen gewesen war, und noch einiges darüber ausgespuckt hatte, wandte ich mich um und ging zu der Zeltstadt zurück, die im Wesentlichen aus zwei Zelten und einem uralten Ford BB-Lkw bestand.

Zur Rechten sah ich die im matten Mondlicht schimmernde Lagune de Tetuhantepec, und sie schien mich höhnisch anzugrinsen, als wenn sie sagen wollte: Siehst du, alter Freund, das hast du nun davon. Aber das ist ja alles Unsinn, denn tote Gegenstände, Seen und Felsen, können ja im Allgemeinen nicht reden. Aber ich bin ein Sonntagskind, ich höre manchmal das Gras wachsen, und das nicht immer zu meinem Vorteil.

Das zweite Zelt, das in etwa zwanzig Schritt Entfernung von unserem Zelt lag, war wesentlich größer und dafür nur mit einer Person gefüllt. So was nennen die Menschen Gerechtigkeit. Aber ich will Sie nicht mit soziologischen Episteln langweilen, sondern bei der Sache bleiben.

Ich lüftete mit sanfter Grandezza den Zeltvorhang wie die Jungfrau das Hemd und flüsterte vernehmlich: „Hallo, Miss Keegan, hallo, Miss Keegan, wachen Sie bitte auf!“

Aber Gloria Keegan dachte gar nicht daran aufzuwachen.

 

*

 

Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Strahl meiner Taschenlampe in das Innere des leinwandigen Damenboudoirs zu schicken, einzutreten verbot mir mein natürlicher Sinn für Würde und Schicklichkeit.

Im mexikanischen Gebirge gibt es zwar zu dieser Jahreszeit keine Moskitos, aber Gloria Keegan gehört zu den Leuten, die mindestens auf drei verschiedenen Wegen sicher gehen wollen, und deshalb hatte sie das Netz beibehalten.

Wie gesagt, sie wirkte wie ein orientalisches Kebsweib aus einem MGM-Film, und ich hätte beinahe meinen Schmerz vergessen. Aber in diesem Augenblick wachte Gloria auf, und ihre Stimme klang weder zärtlich noch leise.

„Verdammt noch eins, nehmen Sie die saudumme Taschenlampe weg!“, grollte sie. „Wenn Sie eine nackte Frau sehen wollen, dann suchen Sie sich gefälligst nicht gerade mich aus. Ich glaube, bei Ihrer Anstellung ist gerade dieser Punkt weitgehend besprochen worden. Wer sind Sie, und was wollen Sie?“

„Wenn Sie nicht wissen, wer ich bin, dann können Sie auch nicht von einer Anstellung reden“, erwiderte ich bekümmert. „Ich bin es, Tabs, natürlich, wer denn sonst?“

„So natürlich ist das ganz und gar nicht. Felipe Pizarro ist derselbe Typ wie Sie. Er hätte es genau so gut sein können.“

„Nein, er hätte es nicht sein können“, beharrte ich auf meinem Standpunkt.

„Und warum nicht, bitte?“

„Weil er tot ist!“

Für einen Augenblick blieb alles still zwischen uns. Nur irgendwo in der Ferne zirpte ein exotischer Vogel im Schlaf.

„Sie haben wahrhaftig eine charmante Art, einem so kleine Neuigkeiten beizubringen“, nahm Gloria endlich wieder ironisch das Wort. „Lassen Sie den Vorhang zufallen, warten Sie ein paar Minuten, ich zieh mir nur schnell was an und komm’ dann zu Ihnen hinaus.“

Es dauerte tatsächlich keine drei Minuten, und dann stand Gloria Keegan in einem schlichten Trainingsanzug vor mir. Sie war totenbleich, und ihre Hand, die die Zigarette hielt, flatterte leise. Ich konnte es ihr nicht verdenken. Mir selbst war immer noch flau im Magen, und das nicht nur von dem genossenen Alkohol. Dabei bin ich ein harter Brocken, und sie ist immerhin eine Dame. Eine echte Dame, damit wir uns hier keinerlei Täuschungen hingeben.

 

*

 

Ich zeigte Gloria die Leiche, das heißt, ich lüftete den Zeltvorhang meines Zeltes und leuchtete es mit der Taschenlampe aus.

Gloria musste sich auf mich stützen, als sie den Toten sah. An sich lag Felipe Pizarro ganz still und friedlich auf seiner Luftmatratze, nur das Messer, das aus seiner Brust ragte, störte die schöne Frau gewaltig. Mich störte es übrigens auch.

„Das hat uns zum Donnerwetter zu unserem Glück noch gefehlt!“, sagte Gloria. „Das Beste wäre, wir würden die Leiche liegen lassen und türmen. Aber angesichts meiner Aufgabe hier kann ich das nicht tun. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Wagen in Betrieb zu nehmen und nach San Luis Cavanilles hinunterzufahren. Prost Mahlzeit, ein Vergnügen in dieser Nacht.“

„Sie wollen also unbedingt die Polizei zuziehen?“

Gloria Keegan lachte trocken. „Sie armer Irrer. Haben Sie vielleicht gedacht, das Gesundheitsamt? Los, Tabs, machen Sie den Wagen fahrbereit, und dann sehen Sie zu, dass wir aus diesem verdammten Loch herauskommen!“

Unser Lkw, der alte treue Ford BB, stand direkt am Wasser und war nicht allzu schwer mit etlichen großen Kisten beladen, über deren Inhalt Gloria Keegan hartnäckig schwieg. Und da ich in einem von Not und Entbehrung gezeichneten Leben schon sehr früh gelernt hatte, mich nicht um ungelegte Eier zu kümmern, fragte ich das Mädchen auch gar nicht, sondern wartete geduldig, bis es eines Tages mit der Wahrheit herausrücken würde.

Ich schlich missmutig zu dem Ford BB, setzte mich ans Steuer und steckte den Zündschlüssel ins Schloss. Dann betätigte ich versuchsweise den Anlasser.

Ausnahmsweise tat uns der Motor den Gefallen und sprang knatternd an. Etliche Fehlzündungen rauschten wie Maschinengewehrschüsse durch das Auspuffrohr in die Nacht, und dann lief der Motor ruhig und gleichmäßig. Aber das Schlimmste war Zweifelsohne noch nicht überstanden. Gloria Keegan setzte sich zu mir in den Führersitz, dann schaltete ich mit einem eleganten Krach den ersten Gang und ließ die Kupplung langsam kommen.

 

*

 

Ich wendete den Wagen vorsichtig zwischen den beiden Zelten, fuhr dann hart an der linken Felssteinwand vorbei, um nicht nach rechts in den See zu stürzen und gab dann einfach auf Verdacht Vollgas.

„Hoffentlich hat der Regen auch die heruntergespülte Tonerde weggewaschen“, sagte Gloria gemütlich und zündete sich eine Zigarette an. „Sonst könnte es sein, dass unser Lkw zum Unterseeboot wird.“

„Ihre Worte entbehren nicht eines gewissen gewählten Humors“, erwiderte ich. „Sie haben Ihren Beruf verfehlt, Miss Gloria. Sie hätten Fernsehstar werden sollen.“

Gloria gab überhaupt keine Antwort mehr.

Wir waren in das fatale Steilstück des Zugangs zum Gebirgspfad eingefahren. Die Schnauze des Ford hob sich, und der Wagen legte sich sofort quer. Links und rechts ragten die Felsen, vom See war im Augenblick nichts zu sehen.

Die Felsbarre selbst, die uns als Straße diente, war in ihrem Profil leider nicht horizontal, sondern fiel gemein seewärts ab. Das machte im Augenblick noch nicht allzu viel, aber Sekunden später verließen wir den Schutz der Felsen zur Rechten. Nun hatten wir links einen ragenden Stein, dazwischen lag die schiefe Ebene der Straße, und zur Rechten ging es etwa zwanzig Meter zum See hinunter.

Nun lag auf der Straße normalerweise klebriger Ton, und wir hätten überhaupt nicht hinauffahren können, wenn nicht kurz vorher ein gewaltiger Gewitterregen diesen Ton weggewaschen hätte. Ob er ihn indessen vollständig weggespült hatte, das war eben die Frage.

Aber ich pflege nicht über Dinge nachzugrübeln, die sich von alleine lösen. Die Antwort auf unsere bange Frage wurde uns sofort gegeben, denn Sekunden später schmierte die Hinterachse meines Ford rettungslos ab, der Wagen stellte sich fast quer und musste Sekunden später mit dem Hinterteil voraus in die Tiefe stürzen. Bremsen oder Anhalten hatte gerade jetzt keinen Sinn mehr. Ich biss die Zähne zusammen, dass sie beinahe in ihren Halterungen gewackelt hätten, trat den Gashebel bis zur Goldplombe durch und wartete auf die sich nun entwickelnde Situation.

Diese entwickelte sich dahingehend, dass sich der rechte Zwillingsreifen gerade noch im letzten Moment fing, der Wagen schleuderte plötzlich wieder nach links, röchelte geradezu furchtbar und befand sich gleich darauf auf dem ungefährlichen Teil der Straße, der nach einer heftigen Steigung in den eigentlichen Gebirgspfad nach San Luis Cavanilles mündete.

Es war eine relativ kühle Nacht, aber wir hatten beide schweißnasse Stirnen, als wir endlich wieder auf der sicheren Erde angekommen waren.

 

*

 

Es war eine Höllenfahrt durch das mexikanische Gebirge. Im Gegensatz zu den Tagen zuvor war die Nacht nicht mondhell, sondern Wolken verbargen die Gestirne, und wir konnten im Licht der schwachen Scheinwerfer kaum die Straße sehen. So war es kein Wunder, dass wir bis nach San Luis Cavanilles, das von unserem Lagerplatz nur etwa fünfzig Kilometer entfernt war, über zwei Stunden brauchten.

San Luis liegt nordostwärts des Tales des Rio Grande de Santiago in der Provinz Zacatecas und ist ein ödes Nest mit blöden Bewohnern. Ein Engländer sagte mir einmal wörtlich, San Luis Cavanilles ist halb so groß wie der Friedhof von Chicago, aber doppelt so tot. Treffender kann man es nicht schildern.

Gegen vier Uhr morgens hielten wir unseren triumphalen Einzug in das Bergstädtchen. Das wütende Gekläff von vielen Kötern begleitete uns auf unserer Fahrt vom Felsentor bis zum Marktplatz, wo die Polizeistation lag.

Dort stellte ich den Ford BB ab, und dann half ich Gloria Keegan auf die Straße.

Das heftige Rütteln und Schütteln des alten Fahrzeugs hatte ihr nicht weniger weh getan als mir, und sie behauptete in schöner Offenheit, dass sie kaum mehr auf ihrer charmanten Kehrseite sitzen könne.

Die charmante Kehrseite der jungen Frau hätte mich unter anderen Umständen gegebenenfalls zu jubelnden Ovationen veranlasst, in der augenblicklichen Situation jedoch ließ sie mich kalt und platonisch. Und das will bei mir etwas heißen.

Während meine Chefin Lockerungsübungen und Morgengymnastik machte, versuchte ich, Eingang in die Polizeistation des Ortes zu finden. Das war aber leichter gesagt als getan. Ich glaube, ich hätte in jener Nacht den Bürgermeister samt allen weisen Stadtvätern ermorden und das Rathaus persönlich anzünden können, und die Polizei hätte es nicht gemerkt. Das soll indessen auch anderwärts und nicht nur in Mittelamerika auch schon vorgekommen sein.

Am Ende nahm ich einen zufällig am Boden liegenden Stein auf und warf eine Scheibe der Polizeistation ein.

Vermutlich fiel der Stein einem der wackeren Polizisten direkt auf den Bauch, denn ich hörte plötzlich mit meinem geschärften Luchsohr eine Serie spanischer Flüche, die selbst einen amerikanischen Zuhälter zu holdem Erröten gebracht hätte.

Gleich darauf steckte ein dicker Polizist mit einem furchterregenden Schnurrbart sein Vollmondgesicht zum Fenster heraus und fragte augenrollend, was zum Donnerwetter es gebe.

Ich ließ den Kerl sich ausschleimen und erwiderte dann lakonisch: „Ein Mordfall ist passiert.“

Diese lapidare Feststellung schien der Polyp als Beleidigung zu nehmen, denn er zog ein wütendes Gesicht und sagte, ich solle, zum Teufel, hereinkommen. Ich kam also, zum Teufel, herein, das heißt, nachdem er die Türe aufgesperrt hatte, und stand gleich darauf in einer überfüllten Wachstube, in der acht Personen um die Wette schliefen und allerlei Dünste eines seit Jahren nicht mehr gewaschenen Körpers in der Luft zirkulieren ließen.

An dieser Stelle wäre es mir beinahe zum zweiten Male in dieser Nacht schlecht geworden. Ich erinnerte mich aber dann zum guten Glück noch dessen, was ein berühmter amerikanischer Detektiv sich selbst schuldig ist und beherrschte mannhaft meine Lust, im großen Bogen an die Wand zu kotzen, dass es nur so herunterlief.

Fünf Minuten später kam ein Mann herein, der höchstwahrscheinlich seine Füße schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Er war mittelgroß, ungeheuer dick und hatte nicht ein Doppel-, sondern ein Tripelkinn. Gekleidet war der bedauernswerte Fettkloß in eine typische Operettenuniform mit Generalepauletten, um den Leib hatte er einen riesigen Riemen geschnallt, an welchem ein Schleppsäbel ein etwas deplatziertes Dasein führte.

Bedenkt man, dass die militärische Erscheinung keine Mütze und an den Füßen große Filzpantoffel trug, dann kann man die Wirkung auf mich leicht ermessen.

„Ich bin Leutnant Ramirez!“, sagte der Mann mit tiefer, rollender Stimme. „Und wer sind Sie?“

„Ich heiße Rex Thyle, genannt Tabs“, erwiderte ich. „Amerikanischer Staatsbürger, Besitzer eines gültigen Passes.“

„Warum schlagen Sie mich mitten in der Nacht aus meiner wohlverdienten Ruhe?“

„Entschuldigen Sie, Leutnant“, erwiderte ich, schon etwas grantiger. „Selbstverständlich nicht, um Sie am Bein zu ziehen. Es ist ein Mord passiert!“

Leutnant Ramirez nickte mehrere Male nachdrücklich mit dem Kopfe. „Aha! Ein Mord ist passiert. Und Sie sind der Mörder, wie?“

Ich hätte dem fetten Nilpferd am liebsten aus der Hose geholfen, aber ich wusste mich zu beherrschen.

„Ihre geistvollen Deduktionen nötigen mir ein müdes Röcheln ab“, sagte ich. „Wenn ich der Mörder wäre, wäre ich bestimmt nicht mitten in der Nacht gekommen, um Sie zu alarmieren!“

„Nun gut, ich bin in zwei Minuten fertig. Ich muss noch die Mordkommission und den Amtsarzt wecken. Dann können wir sofort zur Mordstelle fahren. Wo ist der Mord denn geschehen?“

„Sie werden schrecklich lachen, Leutnant, fünfzig Kilometer im Gebirge droben. Und die Leute, die Sie mitnehmen, können Sie gleich auf ihr Leben versichern lassen, es ist durchaus möglich, dass wir unterwegs abstürzen.“

Ramirez hätte beinahe dreimal kurz in die Hose gemacht, dann aber besann er sich doch auf die Würde des Augenblicks und ließ mich einfach stehen.

Aus den paar Minuten, die die Alarmierung der Mordkommission dauern sollte, wurden übrigens fast zwei Stunden.

 

 

II

Am hellen Tag war die Mordkommission endlich so weit, dass sie ein uraltes, klappriges Auto undefinierbarer Herkunft besteigen konnte. Es handelte sich um Leutnant Ramirez selbst, dann den Arzt, der wie ein bereits einmal gehängter Pferdedieb aussah, einem Schreiber mit dicken Trauerrändern an den Fingernägeln und drei Polizisten, die der Kunst des Lesens und Schreibens unter absoluter Garantie nicht kundig waren.

Ramirez stürzte sich wörtlich genommen auf Gloria Keegan und küsste ihr schmatzend beide Hände. Ich hatte schon gefürchtet, der dicke Mexikaner werde die kühle Amerikanerin ganz auffressen, aber er ließ, sie dann doch noch am Leben. Am Ende nötigte man Gloria in den klapprigen Wagen der Polizisten, und meine Chefin mochte einsehen, dass der alte Wagen des Polizeichefs tausendmal besser war als unser Ford BB.

Sie kiekste mich todernst in die Nieren – so was mag ich unerhört gern – und sagte dazu neckisch: „So, Tabs, zeigen Sie, was Sie können und fahren Sie, so schnell es geht, zum Lager.“

Dass es inzwischen heller Tag geworden war, werden Sie mit Ihrer angeborenen Intelligenz vermutlich selbst längst gemerkt haben, verehrter Leser. Ich brauche Ihnen also nicht weiter zu begründen, weshalb wir diesmal innerhalb einer Stunde an Ort und Stelle waren.

Angesichts der Tüchtigkeit der dortigen Polizei hielt ich einen Hinweis auf unsere steile Abfahrt zum Lager nicht für angebracht. Ich sagte kein Wort, schaltete auf den ersten Gang und ließ den Ford BB einfach nach unten kreiseln.

Der Chauffeur des Polizeiwagens wollte seine eigene Masche häkeln, verhäkelte sich aber dabei, rutschte beinahe über den Abgrund, und der offene Wagen fiel um.

Gloria Keegan kollerte in Begleitung der Polizisten in den Dreck, und sie sah hinterher illustriert genug aus.

Ich sah dem Ganzen unschuldig zu und hörte Leutnant Ramirez vernehmlich flüstern, dass er in so reizender Gesellschaft noch nie in die Soße gefallen sei. Das nenne ich eine philosophische Einstellung!

„Zurücktreten bitte!“, sagte der Leutnant, als er einigermaßen wieder seine Kontenance gewonnen hatte. „Wo befindet sich die Leiche?“

„Wenn Sie bitte mitkommen wollten?“, bat ich. Und dann nahm ich den Fettkloß an der Hand und führte ihn zum Zelt und lüftete den Vorhang.

Und dann wäre mir beinahe das Porzellan in der Vitrine zersprungen.

Die Leiche Felipe Pizarros war weg!

 

*

„Ich will nicht hoffen, dass Sie sich mit den berufenen Vertretern der Staatsgewalt einen faulen Witz geleistet haben, Sie komischer Nordamerikaner, Siel“, brüllte der Leutnant, als er sich nach einer gewissen Weile wieder gefasst hatte.

„Ich rufe Miss Keegan dafür als Zeuge an“, sagte ich, „dass unser Mitarbeiter Felipe Pizarro heute Nacht tatsächlich erstochen worden ist. Ich habe die Leiche gefunden, und Miss Keegan hat die Leiche gesehen. Dann hat sie angeordnet, sofort nach San Luis Cavanilles zu fahren und die Polizei zu alarmieren, um unseren Bürgerpflichten zu genügen.“

„Ausgezeichnet, Mr. äh, äh, wie heißen Sie doch gleich? Ach so, richtig, Tabs! Sie haben also die Leiche gefunden? Wo haben Sie sie gefunden und in welchem Zustand?“

„Felipe Pizarro lag in seinem Zelt, und ein Messer steckte in seiner Brust.“

„Und bei welcher Gelegenheit haben Sie die Leiche gefunden?“

Ich wusste nun, was kommen musste, und ich hielt mich streng an die Wahrheit. „Nun, ich bin aufgewacht, und dann ist mir plötzlich aufgefallen, dass Felipe Pizarro nicht mehr atmete; daraufhin fischte ich nach meinem Flashlight und leuchtete ihm ins Gesicht. Das war wachsbleich, und in der Brust steckte ein Messer.“

„Soll das etwa“, fragte Leutnant Ramirez ahnungsvoll, „soll das etwa heißen, dass dieser Pizarro erstochen worden ist, während Sie Seite an Seite mit ihm in seinem Zelt schliefen?“

„Ich weiß, was Sie sagen wollen, Leutnant, und ich bin sicher, dass Sie sich wundern werden. Aber ich habe gestern Abend maßlos einen gehoben. Ich habe es rauschen lassen im Blätterwald und war die ganze Nacht über so besoffen, dass ich nichts sah und hörte, was um mich her vorging.

Als ich aufwachte, war das Unglück tatsächlich schon geschehen.“

„Ich weiß, dass Ihr Amerikaner von uns Mexikanern nicht viel haltet“, erwiderte Leutnant Ramirez verdächtig freundlich. „Ihr haltet uns für blöd, geschlechtskrank, verbohrt, ungebildet und dumm. Ich sehe zu meiner tiefsten Bekümmernis, Mr. Thyle, dass Sie jene hassenswerten Vorurteile Ihrer oberflächlichen Landsleute durchaus teilen. Nur so kann ich es mir erklären, dass Sie es tatsächlich wagen“, hier donnerte er plötzlich los, dass ein Elefant von seiner Lautstärke umgefallen wäre, „dass Sie es wagen, uns einen derartigen Bären aufzubinden.“

„Ich habe Ihnen keinen Bären aufgebunden, ich habe Felipe Pizarro tatsächlich tot gesehen, Miss Keegan hat ihn auch tot gesehen. Wir sind nur zu dritt gewesen. Wir beide sind fortgefahren, wir sind also für die Beseitigung der Leiche nicht verantwortlich.“

„Sie verstehen mich vollkommen falsch. Die Leiche werden wir schon noch finden. Im Übrigen verhafte ich Sie hiermit im Namen des Gesetzes unter dem dringenden Verdacht, den noch nicht näher bezeichneten Felipe Pizarro umgebracht zu haben!“

Für ’ne kleine Weile war Ruhe im Bau, das kann ich Ihnen versichern.

Ich fühlte mich ganz kurz zwischen die Beine getrommelt, denn ich wusste genau, dass meine Position mehr als schwach war. Hätte ich mich in den Vereinigten Staaten befunden, dann wäre es nicht so ohne Weiteres möglich gewesen, mich wegen Mordes zu verhaften.

Oder vielleicht doch? Denn ein Privatdetektiv ist den Polizeibehörden aller Länder verdächtig.

Trotzdem versuchte ich, mit der lauen Tour durchzuschlüpfen.

„Ich glaube, Ihnen hat der violette Affe in die Senfsoße geschielt, Leutnant“, sagte ich. „Wie kommen Sie auf die gloriose Idee, mich wegen Mordes verhaften zu wollen? Im Übrigen kenne ich die Gesetze ein kleines bisschen. Wenn Sie jemanden als Mörder verhaften wollen, müssen Sie ihn einer Leiche gegenüberstellen, die er krummgebogen hat. Versuchen Sie das mal mit mir. Los, Leutnant Ramirez!“

Ich hatte fest gedacht, dass er nun explodieren würde, aber er blieb merkwürdig sanft. Das ist bei derlei südamerikanischen Beamten immer ein ungewöhnlich schlechtes Zeichen.

„Mein lieber Mr. Thyle“, sagte er fast zärtlich, so wie eine Mutter mit ihrem Kind redet. „Sie haben vollkommen recht: Ohne Ermordeten kann man keinen Mörder fangen, das steht im Gesetz. Wenn Sie nun zu uns nach San Luis Cavanilles kamen, um uns den Tod eines Mannes zu melden, der eben nicht tot war, oder den es vielleicht nicht gibt, dann hätte ich Sie jederzeit wegen groben Unfuges den Gerichten vorstellen und bestrafen lassen können. Der Kopf wäre Ihnen aber keineswegs heruntergekommen. Im Fall Felipe Pizarro ist die Sache aber ein klein wenig anders. Sie sagen ja selbst, dass Sie Miss Keegan die Leiche gezeigt haben, und Miss Keegan hat Ihre Aussage bestätigt. Damit können Sie sich nicht darauf hinausreden, dass Sie gar niemand ermordet hätten, oder dass man Ihnen erst die Leiche zeigen müsse, bevor man Sie verhaften könne. Die Leiche ist vorhanden, eine unbescholtene Zeugin wird das notfalls vor Gericht beschwören, und Ihnen kommt der Kopf herunter. Das ist Ihnen hoffentlich klar!“

„Ich hoffe, dass mein Kopf wesentlich fester sitzt als der Ihre, Sie dicke Wanze! Ich möchte ganz kurz auf folgendes hinweisen: Ich bin amerikanischer Staatsbürger, ich bin im Besitze eines gültigen Passes, ich sage keinen Ton ohne meinen Rechtsanwalt und will außerdem den nächst erreichbaren Konsul meines Landes zugezogen wissen.“

Leutnant Ramirez verneigte sich mit südländischer Grandezza.

„Ich habe Ihre Monierung zur Kenntnis genommen, Mr. Thyle, und werde Ihnen alle Erleichterungen des Gesetzes zuteilwerden lassen. Trotzdem muss ich Sie bitten, Ihre Hände jetzt auszustrecken, ich muss Sie in Fesseln legen.“

Einer der analphabetischen Polizeisklaven brachte ein paar stählerne Handfesseln zum Vorschein. Er grinste dabei über sein ganzes minderwertiges Gesicht und entblößte eine Reihe schadhafter Zähne.

Was blieb mir anderes übrig? Hilfeflehend sah ich Gloria Keegan an. Sie erschien mir im Augenblick wie eine Mutter, obwohl sie jünger war als ich.

Gloria zuckte die Achseln und nickte unmerklich mit dem Kopf.

Es blieb mir nichts anderes übrig. Ich streckte die Hände aus, und der Polizist legte mir die Handschellen mit komisch anmutender Feierlichkeit um die Gelenke. Klacks sagte der Stahl, und ich war gefangen.

Diesmal saß ich gewissermaßen bis zur Halskrause in der Tinte!

Die würdigen Vertreter der Staatsgewalt brachten mit vieler Mühe ihren Klapperkasten auf die feste Straße und luden mich dann ein. Dann ging es in sausender Fahrt in das kleine Bergstädtchen zurück.

Unterwegs hatte ich genügend Gelegenheit, über meine Lage im Allgemeinen und mein Unglück im Besonderen nachzudenken. Ich nehme an, dass Sie die Vorgeschichte des geheimnisvollen Mordes an Felipe Pizarro auch interessiert, und deswegen will ich sie Ihnen jetzt kurz erklären.

 

 

 

III

San Diego ist ein feines Städtchen, wenn man eine Menge Moos am Bankkonto, ein paar Hunderter in der Brieftasche und eine reputierliche Stellung in der Welt hat. Sitzt man aber ohne einen Cent in der Tasche in diesem Lustort für Millionäre, dann kommt man sich vor wie der Schwanz vom Pferd, und man kann stehenden Fußes verhungern, ohne dass es einem der begüterten Leute überhaupt auffällt.

Kurz und gut, ich saß also an einem zum Krachen heißen Tag in San Diego und war wieder einmal vollkommen abgebrannt.

Wenn mich jemand auf den Kopf gestellt hätte, wäre bestenfalls ein abgebranntes Streichholz aus meiner schadhaften Hosentasche herausgefallen. Aber sonst nichts.

Wie ich in diese scheußliche Lage gekommen war, ist eine scheußliche Geschichte und gehört nicht hierher. Sie aber, der Sie mich kennen, werden mir ohne Weiteres glauben, dass ich restlos am Ende war.

Ich bin nun einmal nicht der Mensch, der an der Sonnenseite des Lebens schwimmt, und was ich so verdiene, zerrinnt mir meist unter den Händen. Sie wissen ja: Karten, Weibchen und ähnliche Laster. Reden wir nicht mehr darüber!

Ich lungerte also an diesem fürchterlich heißen Tag in der Ocean Avenue in San Diego herum, und der Magen knurrte mir in zweierlei Hinsicht. Ich hatte einen Durst, der war schon nicht mehr menschlich, und ich hatte recht wenig Lust, diesen an einem der vielen öffentlichen Wasserbrunnen zu stillen. Schließlich weiß ich, was ich mir selbst schuldig bin!

Ich schlenderte mit geschwollenen Füßen und geschwollener Zunge eben an einem großartigen Etablissement vorbei. Es hieß Red Bongo Bar und war um diese Tageszeit selbstverständlich geschlossen. Weil ich so hundemüde war, stoppte ich meine torkelnden Schritte und setzte mich auf ein paar Steinstufen, um auszuruhen. Aber ruhen Sie mal in der glühenden Sonne Kaliforniens aus!

Ich stierte ziemlich lustlos und verzweifelt vor mich hin, plötzlich hörte ich das helle Singen von Autoreifen, und mit einem kurzen Ruck hielt eine Packard-Limousine am Bordstein.

Gleich darauf öffnete sich die hintere Türe und der süßeste Käfer beider Hemisphären stieg aus.

Trotz meines seelischen Tiefstandes konnte ich mich der belebenden Wirkung, die die junge Dame auf mich hatte, nicht entziehen. Sie war keineswegs eine Sexbombe. Sie war mittelgroß, außerordentlich schlank und dort, wo man als Mann gern Fülle sieht, keineswegs füllig, aber auch nicht gerade hager. Kurzum, sie war eine Frau fürs Leben für einen reichen Mann!

So schönes goldblondes Haar hatte ich übrigens in den letzten sieben Monaten bestimmt nicht mehr gesehen. Darunter lag ein gut geschnittenes, kühnes Gesicht von eigenartig pikantem Reiz. Die Frau war nicht gerade schön, aber sie wirkte unter den vielen Flittchen und Schnepfen, die in San Diego frei und ohne Beißkorb umherlaufen, wie eine Offenbarung aus einer anderen Welt.

Die junge Dame wollte offenbar durch einen Seiteneingang die Red Bongo Bar betreten. Für ein verkommenes Individuum meines Schlages hatte sie selbstverständlich keinen Blick.

Ich seufzte abgrundtief, als sie an mir vorbeitrippelte.

Als sie eben den Eingang erreicht hatte, schlängelte sich plötzlich ein großer Mann mit einer vom Zahn der Zeit zernagten Visage an sie heran.

„Hallo, Miss Keegan!“, sagte der Bursche. „Auf ein Wort!“

Die Goldblonde wandte sich unwillig um und erwiderte: „Ich kenne Sie nicht. Ich möchte mit Ihnen nichts zu tun haben. Ist das vielleicht eine Art, eine Dame am hellen Tag anzusprechen? Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!“

„Hast du dir gedacht, Zuckerschätzchen!“, erwiderte der andere mit breitem Munde. „Du wirst mich schon anhören müssen, sonst zieh ich dir die Hosen stramm!“

Die mit Miss Keegan angeredete junge Dame wurde vor Zorn rot und blass. „Sehen Sie zu, dass Sie sich verziehen, aber schleunigst!“, zischte sie eisig. „Oder ich hole die Polizei! Mit Gelichter Ihres Schlages macht man in San Diego kurzen Prozess!“

„Ach, die Polizei wollen Sie holen? Das ist ja ausgezeichnet. Ich warte hier. Gehen Sie und holen Sie einen Beamten!“

Die junge Frau wusste im Augenblick offenbar nicht recht, was sie tun sollte, und war ratlos. Das grobschlächtige Individuum trat vertraulich näher und zwickte sie blitzschnell in ihre Kehrseite.

Das war um zehn Prozent mehr, als ein Gentleman meiner Figur auszuhalten bereit war.

Ich erhob mich von meinen Steinstufen und schlenderte zu den beiden hin.

„Hallo, junge Miss“, sagte ich. „Ich habe den typischen Eindruck, dass Sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Belästigt Sie dieser Herr vielleicht?“

Der Bursche ließ die junge Dame überhaupt nicht zu Wort kommen. Er schnellte sich wie eine Raubkatze zu mir herum, und ich erkannte sofort, dass er trotz seines etwas gedrungenen Körperbaues ein geschmeidiger und durchaus ernstzunehmender Gegner war.

Er packte mich ungeniert am Hemdkragen und sagte gemütlich: „Halt du dich da mal raus, du saudummer Hosenscheißer! Wenn du’s nicht machst wie Gummi und dich ziehst, dann bring ich dir kostenlos das Fliegen bei. Für eine gute Landung kann ich allerdings nicht garantieren.“

 

*

 

Ich blieb so höflich und wohlerzogen, wie es mir meine Mutter beigebracht hat.

„Würden Sie die große Güte besitzen, Sir, und Ihre Hand von meinem Jackett nehmen, Sir?“

„Ah, wohl kalte Füße gekriegt, junger Freund? So was hör’ ich gern!“

Die Augen Miss Keegans, die bei meiner Intervention etwas hoffnungsvoller dreingeblickt hatten, zogen sich verächtlich zusammen. Sie glaubte tatsächlich, ich hätte mich von dem Schlagetot einschüchtern lassen.

„Ich stelle fest, dass Sie ihre fein manikürte Hand immer noch auf meinem Rockaufschlag haben!“, sagte ich so sanft wie möglich. „Vielleicht sollten Sie sich doch entschließen, diese Hand wegzunehmen!“

Er ließ los und knallte mir blitzschnell eine, dass mir die rechte Backe wie ein gut gefüllter Luftballon anschwoll. Das Ganze war derart blitzschnell gegangen, dass ich mich nicht mehr dagegen hatte wehren können.

Ich sprang einen halben Meter zurück, hob die Linke und wollte mit der Rechten einen gemeinen K.o.-Schlag anbringen.

In dem Augenblick hatte er mich aber bereits unterlaufen, mir seinen massigen Schädel in den Leib gerannt, und da lag ich nun auf dem Hintern.

Er hob den Fuß, um mich mit der Stiefelspitze aufs Kinn zu schlagen, und wenn ihm das gelungen wäre, dann wäre ich für längere Zeit in das Land des Lächelns eingegangen und hätte für etliche Wochen einen Zahnarzt gebraucht.

Ich wälzte mich im Straßenstaub zur Seite, packte ihn blitzschnell am Fuß und riss ihn zu Boden. Bis ich auf war, war er aber auch auf, raste auf mich zu und wollte einen Schlag auf meiner Nase landen.

Ich war noch nicht ganz fest auf meinen Beinchen, und ich hatte außerdem einen ganzen Tag nichts gegessen. Kurzum, ich konnte dem Schlag nur unvollkommen ausweichen und bekam ihn statt auf die Nase auf die Schulter.

Peng, da lag ich schon wieder.

Der zu allem entschlossene Bursche sprang mit beiden Beinen ab und wollte auf meinem Brustkorb landen. Ich wälzte mich wieder zur Seite, schaffte es aber nicht, ihn an den Beinen niederzureißen, sondern musste einen fürchterlichen Schlag in die Rippen einstecken.

Für den Augenblick blieben mir die Luft und der Herzschlag weg, und ich stieß einen brüllenden Schrei aus. Da hatte ich aber bereits die nächste gefangen, und ich wusste genau, wenn ich jetzt nicht etwas Verzweifeltes tat, dann wurde ich am helllichten Tag in San Diego so fertig gemacht, dass ich mich für die nächsten zwanzig Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr sehen zu lassen brauchte.

Ich nahm meine ganze Energie und meine ganze Kraft zusammen, wälzte mich wie eine Mülltonne zur Seite, federte auf und rannte gegen den Burschen los, der mich in blendender Deckung erwartete.

Im letzten Augenblick stoppte ich, fintierte, wich zur Seite und schlug ihm eine Gewaltige unters Kinn, ehe er meinen Schlag mit einem Aufwärtshaken hatte auffangen können.

Aber der Bursche hatte die Standfestigkeit eines Reiterstandbildes aus Erz. Der Schlag schien ihm gar nichts zu machen, und den Bruchteil einer Sekunde später hatte ich selbst einen am Hals, dass mir erneut der Atem weg blieb.

Ich blieb aber trotzdem fair, hielt den Burschen kurz hin und konnte dann eine Fürchterliche auf seiner Nase landen. Das Nasenbein barst krachend und ein Blutstrom ergoss sich über den schönen weißen Anzug meines Gegners.

Für einen Augenblick war er vollkommen von den Socken. Ich benützte die Verwirrung des Mannes dazu, ihm einen heftigen Schlag gegen das Kinn zu landen. Ich tänzelte nämlich eine Sekunde zurück, verlegte meine ganze Kraft in Arm und Standbein und schlug ihm dann von unten her eine Gedrehte gegen den Punkt, dass er tatsächlich wankte. Er dachte gar nicht mehr daran, sich zu decken, und so hatte ich Gelegenheit, ihm die Linke derart gekonnt in den Solarplexus zu setzen, dass er wie ein vom Schnellzug gestreiftes Kleinauto zusammenfiel.

Seine Benommenheit dauerte indessen nur einige Sekunden, dann wälzte er sich stöhnend zur Seite, spuckte Blut und drei Zähne sorgfältig aus und erhob sich langsam.

Ich hob die Fäuste, um ihn endgültig fertig zu machen, da sagte eine stahlharte Stimme neben mir: „Stopp, Mann, lassen Sie den elenden Menschen laufen! Ich will es so!“

Ich federte herum und sah in die ernsten Blauaugen von Miss Keegan.

„Ich hatte Sie im ersten Augenblick für einen Prahlhans und Trau-mich-nicht gehalten“, sagte die junge Dame. „Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Unterstützung. Ich weiß nicht, wie ich mich dafür revanchieren kann.“

„Es ist nicht meine Art, mich in Dinge zu mischen, denen ich nicht gewachsen bin, Mylady“, erwiderte ich. „Ich darf mich Ihnen vorstellen, ich bin Rex Thyle. Meine Freunde nennen mich Tabs. Ich bin Privatdetektiv. Und wenn ich den rüden Burschen nicht gleich beim ersten Schlag aufs Parkett streckte, dann liegt das daran, dass ich vierundzwanzig Stunden nichts gegessen habe. Es freut mich, Ihnen dienlich gewesen zu sein; so long!“

Und dann drehte ich mich auf dem Absatz um und ging davon. Ich bin nämlich kein Trinkgeldempfänger und habe auch meinen Stolz. Und wenn ich einer Dame, die in Bedrängnis ist, meine Hilfe anbiete, geschieht das grundsätzlich umsonst.

Da wurde ich aber durch eine feste Hand zurückgerissen.

„Laufen Sie doch nicht gleich weg, lieber Mann! Seien Sie nicht so lachhaft stolz. Kommen Sie, ich lade Sie zum Essen ein. Etwas zu trinken werden wir hier auch bekommen.“

„Heißen Dank, ich nehme keine Almosen. Ich bin bisher immer noch selbst durchgekommen und hoffe, dass das auch weiter so bleibt.“

„Reden Sie keinen Stuss, Mann, ich möchte Ihnen ja einen geschäftlichen Vorschlag unterbreiten. Sie sind Privatdetektiv, wie Sie eben erklärten? Sie sind kein schlechter, sonst hätten Sie diesen Bullen nicht so schön zusammengeschlagen, und Sie haben seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen. Hieraus folgere ich, dass Sie frei sind. Wohlan, ich bin bereit, Sie zu engagieren. Kommen Sie mit!“

Wenig später saßen wir im Wohnzimmer des Barbesitzers und wurden von einem Filipino mit einem eingefrorenen Lächeln auf den entgleisten Gesichtszügen mit außerordentlich guten Sachen zum Essen und Trinken bedient.

Ich nahm den Rest meiner guten Erziehung zusammen, wusste es zu verhindern, dass ich wie ein Schwein fraß, und kam auf diese Weise ganz gut auch über diese Runden.

Miss Keegan saß mir gegenüber, trank Coca Cola mit Cognac und sah mir mit viel Interesse bei meiner Schwerarbeit zu.

 

*

 

„Well“, sagte sie, als ich endlich fertig war. „Damit wir uns recht verstehen, ich heiße Gloria Keegan und bin unabhängig. Ich beabsichtige einen Trip nach Mexiko und brauche dazu einen männlichen Begleiter. Ich habe mir sagen lassen, dass eine Frau allein dort unten sehr leicht unter die Räder kommt.“

„Ausgezeichnet“, war meine Antwort. „Ich akzeptiere. Im Übrigen würde es mich natürlich interessieren, welcher Art Kriminalfall Sie da unten nachjagen?“

Gloria Keegan lachte. Sie lachte bezaubernd. Es ging mir bis an die Magennerven, kann ich Ihnen sagen. Aber im positiven Sinne.

„Machen Sie sich keine falschen Vorstellungen über mich. Ich bin eine absolut uninteressante Frauensperson und weder in geheimnisvolle Mordfälle noch in Rauschgiftschmuggel verwickelt. Ich bin ganz einfach Wissenschaftlerin und möchte in Mexiko einige sehr seltene Schmetterlinge fangen. Ich habe durch einen Kollegen gehört, dass diese Arten dort unten noch zu haben sind, aber ich habe, mich bisher vergebens bemüht, ihrer habhaft zu werden. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als persönlich hinzureisen und diese Tiere zu fangen.“

Sie setzte noch etliche Erklärungen hinzu und warf großspurig mit lateinischen Namen herum, die ich noch nie gehört hatte, kurzum, ich war nach wenigen Minuten Feuer und Flamme.

Wenn ich schon an sich lieber ein kriminalistisches Problem löste, und mich gleichermaßen mit Verbrechern und meinen Freunden von der Polizei herumschlage, so war ich im Augenblick doch abgebrannt und am Ende genug, um diese einmalige Chance, die nächsten Wochen gut zu überstehen, nicht auszuschlagen.

„Darf ich erfahren, wo unser Jagdgebiet sein wird?“, fragte ich.

„Furchtbar einfach“, erwiderte Gloria Keegan. „Wir fliegen morgen früh von San Diego nach Mexiko City, dort werden wir von einem Privatflugzeug erwartet, das uns nach Guadalajara bringt. Von dort müssen wir mit dem Wagen in ein kleines Bergstädtchen namens San Luis Cavanilles und zu einem kleinen See weiterfahren, den Sie also noch kennenlernen werden, ich will mich im Augenblick nicht weiter darüber verbreiten. Haben wir uns verstanden, Mr. Thyle?“

„Wir haben uns durchaus verstanden. Auf gute Zusammenarbeit. Aber einen Punkt müssen wir nun doch noch kurz durchsprechen. Was hätten Sie denn gern für ihren smarten Begleiter angelegt? Sie wissen ja, auch das Geld spielt bei einem Mann eine Rolle, der ständig bemüht sein muss, die Linsen für die Plinsen zu verdienen.“

Gloria Keegan lachte und nannte mir eine durchaus akzeptable Summe. Sie gab mir einen kleinen Vorschuss, ich konnte endlich meinen Koffer in meiner drittrangigen Pension einlösen, mir frische Wäsche beschaffen und alle Vorbereitungen für die Reise in ein noch heißeres Land treffen.

 

*

 

Am nächsten Morgen flogen wir tatsächlich von San Diego nach Mexiko City ab. Gloria Keegan machte ganz den Eindruck, als sei eine Luftreise für sie nichts Ungewöhnliches. Sie trug einen praktischen hellen Rock und eine dünne Nylonbluse.

Wenn man ein anständiges Frühstück im Magen und einen passablen Job in der Tasche hat, sieht man das Leben gleich anders an. Miss Keegan begann mich rein menschlich zu interessieren, auch wenn Sie darüber lachen sollten!

Ich machte mich ihr so nützlich und angenehm wie möglich und rückte millimeterweise näher. Es gibt nun eben einmal Angriffsziele, die man nicht im Sturm nimmt.

Der Saum ihres Rockes war ein klein wenig übers Knie zurückgeglitten, und ich ließ meine Pupillen freigiebig spazieren gehen. Was ich so zu sehen bekam, war ganz bestimmt nicht von schlechten Eltern.

Miss Keegan bemerkte meinen hungrigen Blick und streifte ohne jede Verlegenheit den Rock wieder zurecht.

Nun wurde ich doch ein klein wenig kühner und versuchte mit ihr zu turteln. Mit Händchenhalten und so. Aber da erlitt ich eine klare Abfuhr. Sie sagte nämlich:

„Mr. Thyle, ich bin Ihnen für Ihre Intervention gestern außerordentlich dankbar, und ich werde nicht kleinlich sein. Aber ich habe Sie tatsächlich nur als Reisebegleiter engagiert und nicht als Betthasen, um das gleich klarzustellen. Ich halte Sie für einen halbwegs anständigen Menschen und möchte Ihnen sagen, dass ich vor nicht allzu langer Zeit auf tragische Weise meinen Bräutigam verloren habe. Seien Sie deshalb so freundlich und benehmen Sie sich korrekt.“

Ich murmelte eine Entschuldigung und fühlte mich maßlos unters Netzhemd geschlagen. So etwas lasse ich mir nämlich nicht gern sagen. Dann versuchte ich, einer reinblütigen Spanierin zur Linken, die schon etwas aus den Fugen gegangen war, schöne Kulleraugen hinzudrehen, aber das war Miss Keegan auch wieder nicht recht. Sie ergriff mich nämlich ziemlich schmerzhaft am Oberarmmuskel, riss mich zurück und flüsterte: „Vergessen Sie nicht, dass Sie bei mir engagiert sind, Mr. Tabs!“

Ich grinste sie unschuldig an, hielt meine Pupillen fortan im Zaum und dachte amüsiert: Pass nur auf, mein Schätzchen, wenn wir erst allein in Mexiko sind, dann wirst du noch andere Töne singen!

Ich hatte durchaus nicht die Absicht, meine kochende Volksseele ausgerechnet von Gloria Keegan unterdrücken zu lassen.

 

*

 

Die Reise dauerte einen ganzen Tag. In Mexiko City wollte ich mir ein klein wenig die Beine vertreten, hatte aber keine Gelegenheit dazu. Wir waren nämlich kaum als letzte aus dem Clipper ausgestiegen, als sich ein großer, braungebrannter Germane an Gloria heranschlängelte und sich als Benson vorstellte.

Benson führte uns zu einem kleinen, dreisitzigen Sportflugzeug deutscher Herkunft. Der Motor lief bereits, wir brauchten nur einzusteigen, dann setzte sich Benson auf den Pilotensitz, befahl uns freundlich, uns anzuschnallen und gab Gas. Wenige Minuten später waren wir in der Luft.

Der Flug über die etwa vierhundert Kilometer lange Strecke ging ohne weitere Zwischenfälle vonstatten. Endlich kam die Stadt Guadalajara und ihr mikroskopisch kleines Flugfeld in Sicht. Benson zog an einem Hebel und grinste uns freundlich an.

Plötzlich erstarb ihm das Grinsen im Gesicht, und er bemühte sich wenigstens fünf Minuten, irgend etwas in Ordnung zu bringen, während er den Platz überflog.

Dann gab er es verzweifelt auf, zuckte mit den Schultern und wandte sich zu uns um.

„Wer von Ihnen ist schon mal mit einem Fallschirm abgesprungen?“, fragte er freundlich.

Gloria Keegan wechselte die Farbe, und ich verdachte ihr das ganz und gar nicht.

„Ich bin schon etliche Male mit dem Fallschirm abgesprungen“, sagte ich, „und habe mich außerordentlich wohl dabei befunden. Es fragt sich nur, wie viele Fallschirme Sie bei sich haben?“

Benson zog eine wütende Grimasse. „Die Sache ist die“, sagte er, „dass sich das einziehbare Fahrgestell verklemmt hat. Ich bin völlig außerstande, es auszufahren. Ich muss eine Bauchlandung wagen. Dabei kann es natürlich Kleinholz geben. Es wäre mir eine Beruhigung, wenn meinen Gästen nichts passieren würde. Allerdings habe ich leider nur einen einzigen Fallschirm bei mir. Ich selbst scheide als Pilot selbstverständlich aus, Sie beide müssen sich schon darüber einigen, wer springt.“

„Dann ist die Sache schon entschieden“, antwortete ich. „Dann springt Miss Keegan. Hallo, Gloria, sind Sie schon einmal mit einem Fallschirm abgesprungen?“

Gloria schüttelte verbissen den Kopf. „Um Himmelswillen nein, das bringe ich nie im Leben fertig.“

„Die Sache ist maßlos einfach“, sagte ich. „Wir ziehen Ihnen den Fallschirm an, befestigen die Reißleine am Flugzeug, und Sie brauchen dann nur zu springen. Alles andere geht von alleine. Wenn Sie die Erde näherkommen fühlen, dann ziehen Sie die Beine an den Leib und fangen den Sprung federnd ab. Anschließend machen Sie eine Rolle und laufen sofort in den Fallschirm hinein, damit diesem gewissermaßen der Wind aus den Segeln genommen wird. Sonst kann es nämlich passieren, dass die Brise Sie über den ganzen Flugplatz und noch ein wenig weiter treibt, und das soll kein angenehmes Gefühl sein.“

„Aber ich wage es nicht abzuspringen“, hauchte das Mädchen verlegen.

Ich lachte. „Sie brauchen überhaupt nicht zu springen. Sie kriegen von mir einen Tritt in Ihre charmante Kehrseite, dann fliegen Sie von allein aus dem Flugzeug raus.“

Benson schnallte sich verbissen ab und hob sich etwas im Sitz. Ich riss ihm den Fallschirm unter dem Hintern weg und schnallte Gloria Keegan los. Dann befestigte ich den Fallschirm unter ihren entzückenden vier Buchstaben und überzeugte mich davon, dass nichts verkehrt gemacht wurde. Benson kontrollierte mich dabei mit besorgten Blicken.

Inzwischen war man am Flugplatz auf unser sonderbares Gebaren aufmerksam geworden. Mit heulender Sirene lösten sich ein Feuerlöschfahrzeug und ein Krankenwagen von den Hangars, und diese Vorsichtsmaßnahme trug nicht gerade sehr zur Beruhigung der Dame bei.

„Sind wir so weit?“, fragte Benson. „Ich kann bestenfalls noch fünf Minuten über dem Platz kreisen, dann ist das Benzin alle – alle.“

„O.k.“, sagte ich, „gehen Sie auf fünfhundert Meter Höhe, und dann werden wir unsere kostbare Luftfracht in den Abgrund werfen.“

Die Keegan hätte mir über diese frivole Rede am liebsten eine gestrampelt, aber sie war im Augenblick doch zu sehr vor den Rollen, als dass sie aufmüpfig hätte werden wollen.

Benson gab Vollgas, zog am Knüppel, und die Maschine bohrte sich in die glasklare Tropenluft.

Als wir fünfhundert Meter Höhe hatten, nickte mir Benson zu.

Ich öffnete mit vieler Mühe die Kabinentüre.

Gloria Keegan hatte inzwischen den letzten Rest an Farbe verloren. Ich packte sie fest um die Taille, sie stemmte sich mit den Fäusten gegen den Türrahmen, und ich schlug ihr mit der flachen Hand darauf. Sie schrie erschrocken auf, und in dem Augenblick gab ich ihr einen gewaltigen Stoß in den Rücken. Zack, da fiel sie bereits wie ein Stein in die Tiefe.

Die Reißleine, die ich vorsichtshalber am Rohr des Passagiersitzes befestigt hatte, zog den Fallschirm auf und im Bruchteil einer Sekunde später schwebte die hell gekleidete Gestalt zur Erde.

Wir zogen einige kühne Schleifen und sahen, dass Gloria tatsächlich die Beine anzog, auf der Erde ankam und umfiel. Aber sie rappelte sich tapfer wieder auf und sprang in den Fallschirm hinein. Da waren aber auch schon die Sanitäter und Feuerwehrleute bei ihr und befreiten sie aus dem Netzwerk.

„Ich lande jetzt!“, sagte Benson. „Schnallen Sie sich wieder fest, Mr. Thyle, und sehen Sie zu, dass Sie Ihr Hemd anbehalten. Falls die Maschine brennt, müssen Sie sich blitzschnell losschnallen und in volle Deckung gehen.“

Ich nickte verbissen. Mir war selbst ein klein wenig flau im Magen, denn niemand befindet sich gern in einer derart vertrackten Situation.

Benson ging nun langsam tiefer, flog über das Quadrat des Flugplatzes hinaus, legte die Maschine in eine enge Kurve und fuhr die Landeklappen aus.

„Die Sache ist gar nicht so schlimm“, sagte er. „Wir können mit einer Mindestgeschwindigkeit von achtzig Kilometern landen. Nach menschlichem Ermessen wird nichts passieren.“

Unendlich vorsichtig legte er die Maschine tiefer und tiefer, bis wir zum Schluss nur noch einen halben Meter über der Grasnarbe schwebten. Dann richtete er sie ein klein wenig auf und ließ sie durchsacken.

Im gleichen Moment barst der Propeller splitternd, die Maschine setzte mit ihrer relativ glatten Unterseite auf die Grasnarbe auf, machte noch ein paar Sprünge und kam mit dem Schwanz hinten hoch. Ich wartete schon auf einen Überschlag, aber die Maschine fing sich wieder und krachte ziemlich schwer auf den Boden zurück. Gleich darauf stand sie.

Es hatte mich nun doch nach vorn gerissen, und meine Birne war mit der Frontseite in unangenehme Berührung gekommen. Ich fühlte jedenfalls an meiner Stirn eine ganz schöne Beule wachsen, und meine Gedanken wirbelten durcheinander wie die Buchstaben eines umgestürzten Setzkastens.

Aber wir standen und waren gut auf die Erde gekommen.

 

IV

„Mein lieber Benson, Ihr Vogel sieht aber nicht mehr ganz neu aus“, waren meine ersten Worte.

Der Schwede nickte etwas bleich. „Halb so schlimm. Ich bin ausreichend versichert und weiß schon, wo ich ein neues Flugzeug herbekomme. Machen Sie sich nur um mich keine Sorgen.“

Etwas benommen kletterten wir aus der Maschine und wurden vom Flughafenpersonal von Guadalajara in Empfang genommen. Gloria Keegan war auch schon wieder auf den Beinen, aber sie hinkte etwas. Offenbar hatte sie sich beim Aufkommen den Knöchel verstaucht.

Während sich einige Mexikaner um unser spärliches Gepäck kümmerten, gingen wir drei wie auf Verabredung in die Flughafenbar, um unsere wunderbare Rettung zu feiern.

Miss Keegan wurde angesichts der eben überstandenen Gefahr nahezu menschlich. Sie hakte sich bei uns beiden unter und ließ sich in das Gebäude hineinführen, dabei presste sie meinen Arm fest an sich.

So was freut einen denn auch.

Wir gingen also in die Flughafenbar, und dann ließen wir es auf der Theke donnern. Geburtstag feiert man schließlich nicht jeden Tag.

Eine Viertelstunde später wurde indessen Benson abberufen; er musste sich mit der Flughafenpolizei in Verbindung setzen, um Unfallursache und so weiter und so fort aufnehmen zu lassen.

 

*

 

„Nun, Miss Gloria“, sagte ich, „Sie sehen, es ist noch niemand am Himmel geblieben. Runtergekommen sind sie alle, fragt sich nur, wie. Sie sind immer noch verhältnismäßig ordentlich heruntergekommen. Was fangen wir zwei Hübschen jetzt an?“

In diesem Augenblick öffnete sich die Türe, und ein Mann trat ein. Er blickte sich suchend um.

Ich muss Ihnen sagen, ich bin im Allgemeinen kein Mensch von Vorurteilen, aber der Ankömmling war mir vom ersten Moment an unsympathisch. Er war nur mittelgroß, eher dick als schlank, sah aber muskulös und trainiert aus und war auf widerliche Weise ein schöner Mann. Er hatte ein breitflächiges aber trotzdem gut gegliedertes Gesicht, trug das Haar nach amerikanischer Sitte zu einem borstigen Rasierpinsel verschnitten und hatte außerdem einen pechschwarzen Schnurrbart auf der Oberlippe.

Er mochte vielleicht fünf Jahre älter sein, als ich und machte einen ungeheuer selbstsicheren Eindruck.

Er trat auf uns zu, beachtete mich überhaupt nicht und verbeugte sich vor Gloria Keegan tief.

„Miss Keegan, wie ich vermute?“, sagte er in fehlerhaftem Amerikanisch. „Ich bin untröstlich. Ich habe, eben gehört, dass eine Dame vom Himmel gefallen sei und war der Überzeugung, dass es sich um Sie handeln müsse.“

Gloria Keegan gab ihm die Hand und antwortete: „Guten Tag, Mr. Pizarro. Mr. Pizarro, ich darf Ihnen meinen Reisebegleiter vorstellen. Mr. Thyle, das hier ist Felipe Pizarro, ein genauer Kenner des Landes, der uns begleiten wird.“

 

*

 

Pizarro sah ganz wie ein Mensch aus, der allein in der Lage ist, seine Interessen und die seiner Freunde zu vertreten, und ich fragte mich insgeheim, was wohl Gloria Keegan bewogen haben könne, auch noch mich zu engagieren. Aber in der mexikanischen Wildnis mochten drei Leute besser die Chance des Durchkommens haben als zwei, und mit diesem Gedanken gab ich mich wieder zufrieden.

Felipe Pizarro setzte sich auf den Barhocker neben Gloria Keegan und begann mit der schönen Frau sofort auf unverschämte Weise zu flirten. Aber nicht etwa so, dass er ihr auf den Leib gerückt wäre und sie bedrängt hätte, nein, er hatte eine wunderbar altspanisch-höfliche Art an sich. Was er sagte, und wie er handelte, war eine unverschämte Dreistigkeit; ich hätte ihm am liebsten in die Schnauze geschlagen, aber er überschritt nie die Grenzen von Konvention und gutem Ton, und ich hatte effektiv keine Möglichkeit einzugreifen.

Gloria ließ sich die Art des Mannes übrigens sehr gerne gefallen, und ich sah mit einer jäh aufkeimenden Eifersucht im Herzen, dass sich meine Chancen zugunsten des attraktiven Mexikaners von Minute zu Minute verkleinerten. Und so was verträgt ein Mann auf nüchternen Magen nicht gerne.

Wir blieben noch etwa eine halbe Stunde, verabschiedeten uns dann von dem armen Benson, der seinen müden Vogel auf so tragische Weise losgeworden war, und traten dann auf den kleinen Parkplatz des Flugplatzes hinaus.

Eine ganze Menge Wagen stand dort. Vom amerikanischen Straßenkreuzer bis zum uralten Ford BB-Modell.

Pizarro schritt auf einen alten Ford BB-Lkw zu, dem kundige Hände eine verdeckte Pritsche mit Fensterchen aufgesetzt hatten. Auf diese Weise war der ganze Wagen geschlossen und ähnelte einem Omnibus.

Gloria Keegan setzte sich neben Pizarro auf den Führersitz, und ich durfte hinten einsteigen. Auf der Pritsche befand sich eine einzige ledergepolsterte Bank, der übrige Platz wurde durch allerlei Ausrüstungsgegenstände, Luftmatratzen, Zelte und etliche große Kisten eingenommen, die sehr sorgfältig durch Schlösser verschlossen waren.

Ich fragte Pizarro sofort, was sich denn in den Kisten befinde, und er gab mir zur Antwort: „Das werden Sie noch bald genug erfahren, Mr. Thyle, seien Sie doch nicht so verdammt neugierig! Sind Sie ein Weib oder ein Mann?“

Durch diese rücksichtsvolle Rede trug Pizarro sehr zu seiner Popularität bei mir bei. Das können Sie sich denken!

Der Weg senkte sich nach etwa dreißig Kilometern auf das Tal des Rio Grande de Santiago in geradezu lebensgefährlicher Weise zu. Links und rechts sah ich eine starre Felsenlandschaft, wie ich sie selbst im Grand Canyon in Arizona noch nicht gesehen hatte, und die wenigen sandigen Strecken waren mit mannshohen Kakteen und seltsamen Bäumen bestand den.

Felipe Pizarro hatte wie die meisten Mexikaner eine unerhört charmante Fahrweise am Leibe. Als er endlich ratternd den vierten Gang geschaltet hatte, blieb er mit der Bleisohle auf dem Gashebel stehen und raste rücksichtslos durch die Gegend. Sie wissen, dass ich im Autofahren selbst einiges leiste und alles andere als ein Girl bin, aber mir drohten einige Male fast die Sinne zu schwinden, wenn Pizarro wie ein frisch geölter Blitz um die Haarnadelkurven des Gebirgsweges schlitterte, dabei links die schroffe Felswand fast berührend und mit den Hinterrädern sich schon fast beinahe am Rande des Hunderte von Metern tiefen Abgrundes bewegend. So etwas mag ich gern! Besonders, wenn ich nicht selbst am Steuer sitze!

Gloria Keegan schien den Fahrstil ihres Angestellten auch nicht gerade sehr beruhigend zu finden, und sie bat Pizarro des öfteren, sich doch ein klein wenig zurückzuhalten. Aber der Mexikaner konnte oder wollte auf diesen Wunsch nicht eingehen; im Gegenteil, er gab noch mehr Gas, und ich war der festen Überzeugung, dass noch vor Einbruch der Dunkelheit eine Tripelbeerdigung fällig werden würde.

Endlich senkte sich der Weg so tief, dass sich selbst Pizarro bewogen fühlte zu bremsen. Wir erreichten das Ufer des Rio Grande de Santiago, und ich muss Ihnen sagen, der Name war das einzig Großartige an diesem Fluss.

Über ihn führte eine Holzbrücke, die vermutlich bereits Adam und Eva zu Verdauungsspaziergängen gedient hatte.

Mit wenig geminderter Geschwindigkeit raste der Mexikaner auf die Brücke hinauf und schien sich gar nicht daran zu stören, dass auf ihr oft meterlange Bohlen fehlten und man mit bloßem Auge durch die Lücken hindurch das Wasser erkennen konnte.

Er kurvte so über die knatternden und knarrenden Holzbohlen, dass er nach Möglichkeit immer mit allen vier Rädern auf dem Festen blieb, krachte aber zum Schluss mit dem hinteren linken Zwillingsrad doch noch in eine Lücke. Ein Krach, Gloria fiel mit dem Kopf gegen die Scheibe – warum sollte es ihr auch besser gehen als mir vorher – und der Wagen stand.

„Das haben Sie nun davon, Sie Zuchthauskomiker!“, fuhr ich den Mexikaner an. „Sind Sie eigentlich als Mörder engagiert oder wozu sonst?“

„Wozu ich engagiert bin, werden Sie bald genug merken, junger Freund“, war die hochnäsige Antwort. „Labern Sie keinen Unsinn, kommen Sie wieder heraus und helfen Sie mir, den Wagen flott zu machen.“

„Mr. Pizarro“, sagte Gloria Keegan eisig. „Wem gehört der Wagen eigentlich?“

Pizarro wieherte fröhlich. „Selbstverständlich Ihnen, schönste aller Frauen.“

„O.k.“, erwiderte Miss Keegan kalt. „Dann wird ab sofort Mr. Thyle das Steuer übernehmen. Sie setzen sich hinten hin. Wenn ich nämlich Selbstmord hätte verüben wollen, dann hätte ich mich in Los Angeles erschossen oder in New York von einem Wolkenkratzer gestürzt. Die Art und Weise jedenfalls, mit der Sie versuchen, uns alle ins Unglück zu stürzen, findet meine Billigung ganz und gar nicht.“

Jetzt kochte Pizarro, und ich freute mich. Trotzdem sprang ich eilfertig aus dem Wagen. Dann holten wir eine alte Winde aus dem Werkzeugkasten, und ich versuchte, den Wagen hochzuwinden. Pizarro ging über die Brücke auf das Nordufer des Flusses und kehrte nach einer Viertelstunde mit einer sehr langen Holzbohle zurück. Ich hatte ihn im dringenden Verdacht, dass er sie auf der anderen Fahrbahn einfach losgerissen hatte, aber ich wollte nichts sagen, die Hauptsache war, wir kamen selbst vorwärts.

Glücklicherweise war um diese Tageszeit auf der Brücke kaum Verkehr, und nur hin und wieder fuhr ein altes Auto hupend an uns vorbei, oder eine Horde Mauleseltreiber überholte uns und streifte uns mit neugierigen Bücken.

Am Spätnachmittag war es dann so weit. Wir zogen die Bohle unter die Räder des Lkw. Ich setzte mich ans Steuer, und Pizarro leierte die Winde wieder zurück.

Als beide Räder wieder Bodenschluss hatten, schaltete ich den ersten Gang, gab langsam Gas und ließ die Kupplung gefühlvoll kommen. Sekunden später hatten wir die gefährliche Stelle überwunden.

Gloria setzte sich wieder neben mich, Pizarro stieg murrend hinten auf, und dann fuhr ich an.

Ich fuhr keineswegs vorsichtig, ich fuhr keineswegs langsam, aber mein Stil schien Gloria Keegan doch wesentlich besser zuzusagen.

Am jenseitigen Ufer führte der Weg wieder steil nach oben ins Gebirge. Der Weg war eng und nicht sonderlich gut instand gehalten, aber er war immerhin keineswegs gefährlich. Auf diese Weise erreichten wir nach etwa einer Stunde ein gottverlassenes kleines Nest, das den hochtrabenden Namen San Luis Cavanilles führte.

Wir fuhren durch die Stadt mit ihren meist bungalowähnlichen Stein- und vielen Holzhäusern, und Pizarro wies mich dann nach Westsüdwest weiter hinauf in das Gebirge ein.

Jetzt konnte von einer ordentlichen Straße nicht mehr die Rede sein. Die Vegetationsgrenze blieb nach etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt hinter uns zurück, und wir bewegten uns im nackten, schroffen Gebirge. Allerdings hatte ich bei jedem Halt einen großartigen Ausblick auf das Tal des Rio Grande de Santiago, und die Luft war von einer Klarheit und Reinheit, wie ich sie in meinem Leben noch nicht oft spürte.

Nach einer weiteren halben Stunde wurde ich von Pizarro nach links eingewiesen. Hier begann jener berühmte Weg, den ich Ihnen schon beschrieben habe. Im ersten Drittel, von oben an gerechnet, verlief er mit geradezu lebensgefährlicher Seitenneigung und war nach der Laguna de Tetuhantepec hin vollkommen offen. Ein ungeschickter Autofahrer konnte da ohne Weiteres etwa fünfzig bis siebzig Meter tief ins Wasser stürzen.

Dann kam der beiderseits von Felsen gesäumte Teil, der war schon erheblich besser befahrbar, und es konnte dem Auto bestenfalls geschehen, dass es wie ein müder Kaugummi an die Wand geklatscht wurde.

Von da an war der Weg ein klein wenig manierlicher und führte in ein tiefes Tal von ganz geringem Ausmaß. Diese Steinfläche war von nackten Felsen umgeben und öffnete sich nur dem See zu. Wir hatten dort gerade so viel Platz, um den Lkw abzustellen und gegebenenfalls zu wenden, die Vorräte auszuladen und zwei Zelte aufzustellen.

Als wir endlich so weit waren, wollte ich in Entzückensrufe ausbrechen, aber Gloria Keegan ließ das gar nicht zu. Ich musste den Lkw auf ganz besondere Weise abstellen, und dann bat sie uns zwei Männer, Verschiedenes der mitgebrachten Ladung des Lkw abzuladen.

Fürs erste stellten wir zwei Zelte auf, ein großes und ein kleines. Demokratischerweise wollte die Keegan das große Zelt allein bewohnen, und das kleinere wies sie uns als Aufenthalt zu. Das konnte ja schön werden! Wo mir dieser Felipe Pizarro so besonders sympathisch war, und er meine freundlichen Gefühle für ihn durchaus im gleichen Sinne erwiderte!

Wir luden also die Zelte aus, dazu Luftmatratzen, verschiedene Spiritus- und Benzinkocher und Vorräte für einige Zeit. Zurück blieben auf dem Lkw einige große Kisten, die mit kombinierten Schlössern versehen waren und über deren Inhalt sich sowohl Felipe Pizarro als auch Gloria Keegan ausschwiegen.

Es hätte mich außerordentlich interessiert, in welchem Zusammenhang die Keegan mit dem Mexikaner stand. Offenbar in einem rein geschäftlichen.

Details

Seiten
214
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738935349
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Dezember)
Schlagworte
dreimal
Zurück

Titel: Dreimal falsch verbunden