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Die sündige Falle

2019 113 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Die sündige Falle

Copyright

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

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15

16

17

18

Die sündige Falle

Western von Jasper P. Morgan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

Stella hat die Nachricht bekommen, dass der Mann, den sie zu lieben glaubt, sich mit einer anderen Frau im Hotelzimmer vergnügt. Wütend will sie ihn zur Rede stellen. Als sie fortläuft ist der Mann tot. In der Stadt hat man die Schüsse gehört, und jeder glaubt, dass sie die Schüsse abgefeuert hat. Also ist sie auf der Flucht. Sie weiß nicht einmal in welche Richtung sie flieht, den es ist dunkel und die Sterne spenden nicht genug Licht um die Umgebung erkennen zu können. Das Pferd kann genau so wenig sehen wie Stella. Es strauchelt und stürzt über die Klippe. Stella kann sich nicht festhalten und fällt ebenfalls in den dunklen Schlund. Sie fällt, bis eine Hand nach ihr greift...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Prolog

Stella Kane holte alles aus dem Pferd heraus. Krampfhaft hielt sie sich im Sattel, warf immer wieder furchtsame Blicke zurück. Lange konnte die Stute nicht mehr durchhalten. Rasselnd stob der Atem aus den Nüstern. Schaumfetzen troffen von der Gebissstange.

Zu spät sah die Reiterin das Hindernis aus der Dunkelheit auftauchen. Es war ein niedriger Weidezaun. Sie stieß einen wilden Schrei aus und wollte die Stute herum reißen, aber das Pferd war viel zu schnell.

Holz splitterte. Die Stute wieherte schrill und strauchelte. Stella wurde über den Kopf des Tieres geschleudert, prallte hart auf und rutschte weiter. Der Boden war abschüssig. Stella grub ihre Finger ins Erdreich, riss Grasbüschel aus, um im nächsten Augenblick schreiend über den Rand eines Steilhangs hinweg in die Tiefe zu sausen...

 

 

1

Die Rinderstadt Sun Mountain befand sich in heller Aufregung!

Kerosinlampen schaukelten an Vorbaudächern und flackerten an Hauswänden. Ihre Flammen erhellten die Main Street, deren Boden von unzähligen Pferdehufen aufgewühlt war.

Ein feuriger Schein lag über der Stadt.

Es war kurz nach Mitternacht.

Menschen drängten sich zu dieser späten Stunde vor dem Pine-Tree-Hotel und unterhielten sich aufgeregt.

Der Hotelier wieselte zwischen dem Zimmer im zweiten Obergeschoss und der Eingangshalle hin und her. Sein Gesicht glänzte vom Schweiß, und sein Hemd klebte an der schmalen Brust.

»Stimmt es? Ist Kenny Hollis wirklich hinüber?«, wollte einer der Neugierigen wissen.

»Ich sag nichts dazu«, entgegnete Fritz Steiner, ein deutscher Einwanderer, der in Sun Mountain eine neue Heimat gefunden und ein Hotel eröffnet hatte.

»Seit wann bist du so zurückhaltend, German?«, schrie jemand auf der Straße. »Sonst quatschst du doch auch sämtliche Neuigkeiten aus.«

»Glaubst du, ich bin stolz darauf, was in meinem Hotel geschehen ist? Es kostet mich ein Vermögen, das Zimmer wieder herrichten zu lassen. Himmelhergottsapperment«, fügte er einen Fluch in breitestem Alpenländisch hinzu!

Die Leute auf der Straße verfielen in Schweigen, als Doc Brent auf dem Treppenabsatz erschien.

»Und? Was ist mit Kenny?«, wollte jemand wissen.

Der Doc schüttelte den Kopf.

Nacheinander drängten die Menschen in die Halle, um selbst nach Kenny Hollis zu schauen.

Sie wurden rau beiseite geschoben.

Ein großer, breitschultriger Mann bahnte sich einen Weg durch die Menge. Er war wie ein Rindermann gekleidet. Ein Oberlippenbart zierte das von Wind und Wetter zerfurchte Gesicht. Die dunklen Augen lagen unter buschigen Brauen.

Er eilte die Treppe empor.

Achtlos stieß er die Männer, die im Korridor Schlange standen, aus dem Weg und stand mit wenigen Schritten an der Zimmertür.

Die Blutspritzer sah er zuerst.

Der halbe Kopf eines Mannes war über die Wand am Kopfende des Bettes verteilt.

Auch die Laken und die Matratze war vom Blut getränkt.

Auf dem Bett lagen zwei Tote.

Einer von ihnen war Kenny Hollis.

Neben ihm lag Annie Baker. Die Tochter des Ladenbesitzers.

Auf dem Boden neben dem Bett lag ein langläufiger Revolver. Ein großes, schweres Schießeisen.

Der breitschultrige Mann ging davor in die Hocke, betrachtete es genau.

Am Lauf waren Buchstaben eingraviert worden, klein und verschnörkelt.

H.W.

Harvey Woods.

Der Rindermann wollte ganz sicher gehen. Er nahm die Waffe hoch, untersuchte die Trommel und schnupperte am Lauf.

»Wo ist Cromwell?«, wandte er sich an die Gaffer. »Warum ist dieser nichtsnutzige Halunke nicht hier und waltet seines Amtes?«

»Aber... das tut er doch, Cap. Er stellt eine Posse zusammen.«

Cap Gallagher warf einen letzten Blick auf Kenny Hollis, dem die Todesangst noch ins Gesicht geschrieben war. Die Kugel aus dem Dragoon-Colt hatte ein hässliches, blutrotes drittes Auge in seine Stirn gestanzt. Seine Brust war ebenfalls von zwei Kugeln zerfetzt worden.

Zwei Projektile hatten Annie Baker zwischen die prallen Brüste getroffen und ihr junges Leben ausgelöscht.

»So long, Sonny«, murmelte Gallagher und tippte sich an den Hut. »Machs gut.«

Er eilte auf die Straße und zum Sheriffs Office, wo er den dicken Sheriff Cromwell fand.

»Wie lange ist sie schon weg?«, fragte er ohne Begrüßung.

»Halbe Stunde. Oder auch etwas länger.«

»Sie wollen doch nicht sagen, dass die Lady zwei Leute abknallt und seelenruhig aus der Stadt spaziert, während Sie mal wieder Ihren Rausch ausgeschlafen haben?«

»In der Stadt wird doch andauernd geballert, Cap. Wenn ich jedem Schuss nachgehe, komme ich überhaupt nicht zum Schlafen. Erst als Fritz Steiner zu mir kam, hab ich mir die Schweinerei angesehen und versucht, ein paar Männer zusammenzutrommeln. Sie haben ja keine Ahnung, wie schwierig es ist, Männer für eine Posse zu bekommen, die sich für zwei Dollar den Arsch wund reiten.«

»Sie bemühen sich nicht genügend«, sagte Gallagher. Er trat zum Gewehrregal und nahm eine Schrotflinte herunter. Wortlos verließ er das Sheriff’s Office.

Seine Sporen klingelten, als er die Main Street überquerte.

Im Saloon herrschte Hochbetrieb. Der Keeper kam mit dem Ausschenken der Drinks kaum nach. Die Saloongirls, alle dem Namen des Saloons entsprechend in rote Samtkleider gehüllt, hatten alle Hände voll zu tun.

Über das Getöse im Schankraum konnte man kaum sein eigenes Wort verstehen.

Cap Gallagher verschaffte sich Gehör.

Er richtete den Doppellauf der Schrotspritze auf das Flaschenregal und drückte ab!

Dröhnend lösten sich die Schüsse!

Glas splitterte. Die Flaschen im Regal explodierten. Schnaps ergoss sich über den Keeper.

Schlagartig war es still im Raum.

Nur das Gluckern des Fusels war zu hören.

»Der Sheriff braucht Männer für ein Aufgebot«, sagte Gallagher ruhig. »Ihr seht mir alle so aus, als wolltet ihr ihn liebend gerne begleiten.«

»Hör mal, Cap, ich werde nicht für einen Hungerlohn meilenweit durch die Nacht reiten und mir den Hintern abfrieren! Da bleib ich lieber in den warmen Armen meines süßen Täubchens hier«, rief einer der Gäste.

Gallaghers Hand krallte sich in die Hemdbrust des Mannes. »Kenny Hollis ist tot. Wie oft hast du dich auf seine Kosten betrunken?«

Der Mann bewegte die Lippen, brachte aber keinen Ton heraus.

»Du wirst deinen Arsch in den Sattel schwingen, Mister, und an der Spitze der Posse reiten. Du wirst es gern tun und ohne dafür auch nur einen Cent zu verlangen. Denn wenn du es nicht tust, mein Junge, werde ich dich auseinander nehmen. Knochen für Knochen. Haben wir uns verstanden?«

»Yeah, Cap. Klar, ich reite mit.«

»Kenny wird es dir danken.«

Mehr als ein Dutzend Männer meldeten sich für das Aufgebot. Sie redeten sich in Rage, während sie ihre Pferde vor das Sheriffs Office führten.

Die meisten von ihnen waren nicht etwa wütend darüber, dass Kenny Hollis nicht mehr lebte.

Sie waren stinksauer, weil Stella Kane ihnen das Vergnügen und den Schlaf geraubt hatte.

Gallagher löste sich von dem Vorbaubalken, an dem er gelehnt und sich eine Zigarette gedreht hatte, als zwei Reiter die Main Street entlang kamen.

Sie waren fremd in Sun Mountain.

Gallaghers Augen taxierten sie. Er verstellte ihnen den Weg, die Daumen hinter den Revolvergurt gehakt. »Ihr habt euch einen denkbar schlechten Zeitpunkt für einen Besuch in Sun Mountain ausgesucht, Gents«, sagte er.

»Scheint mir auch so«, gab der Jüngere der beiden Neuankömmlinge zurück. »Was ist denn los? Vorbereitungen für ein Volksfest? Oder habt ihr Angst, dass die Indianer am Morgen angreifen?«

»Aufgebot«, sagte Gallagher. »Wollt ihr mitreiten?«

»Worum gehts denn? Hat jemand die Schwiegermutter des Bürgermeisters umgelegt?«

»Zwei Tote. Eine Frau und ein Mann. Ein sehr angesehener Mann. Stella Kane hat sie erschossen. Drüben im Hotel. Das Aufgebot wird sie finden. Und dann wird sie gehängt.«

»Ohne Prozess?«

»Sie war es, daran gibt es keinen Zweifel. Aber sie soll ihren Prozess haben, damit alles seine Richtigkeit hat.«

Der jüngere Reiter schob den flachkronigen Hut in den Nacken. »Was meinst du, Randy?«, stellte er die Frage an seinen Begleiter.

Der Angesprochene hatte sich lässig mit den Unterarmen auf sein Sattelhorn gestützt. Er hob gemächlich die Schultern und ließ sie ebenso gemächlich wieder fallen, ohne eine Antwort zu geben.

»Randy hat nichts dagegen«, erklärte der Jüngere. »Bin auf ’ne Lady gespannt, die zwei Leute über den Haufen schießt. Du nicht auch, Randy?«

Sein Begleiter kratzte sich am Hinterkopf.

»Er auch«, sagte der Jüngere. »Wir reiten mit, Mister...«

»Cap Gallagher. Vormann der Doppel-H-Ranch.«

»Ich bin Dan Taylor. Mein Partner ist Randy Mills. Wir wollten hier eigentlich auf einer Ranch anheuern. Sie brauchen nicht zufällig Reiter?«

»Sie können überall anheuern. Nur nicht auf der Triple-Pine.«

Taylor hob eine Augenbraue. »Es gibt also mehr als eine Ranch?«

»Yeah. Drei große, vier kleinere. Alle auf dieser Seite von der Sun Mountain Gebirgskette. Aber Die Doppel-H zahlt die höchsten Löhne. Vielleicht kann ich Sie ja bald auf die Lohnliste setzen, obwohl der Boss im Augenblick wohl andere Sorgen hat.«

»Wir lassen es uns durch den Kopf gehen«, sagte Taylor. »Nicht wahr, Randy?«

Wieder das Schulterzucken.

»Er auch«, sagte Taylor und trieb seinen Schecken an.

Als sie sich zu den anderen Mitgliedern des Aufgebotes gesellten, drehte er sich im Sattel um. »Reiten Sie nicht mit?«

Gallagher schüttelte den Kopf. Er ging zu seinem Pferd und schob den Fuß in den Steigbügel.

Die Aufgabe, die auf ihn wartete, war alles andere als angenehm.

 

 

2

Angela Grant hatte zum Dinner geladen.

Die Gäste hatten sich in ihren besten Zwirn geworfen und saßen um die große Tafel im Speisezimmer der Mountain-Laurel-Ranch versammelt.

Angela Grant hatte die Ranch nach ihrer Lieblingsblume, dem Berglorbeer, benannt.

Dem entsprechend war auch der Speisetisch mit den Blüten dekoriert worden.

Die Köchinnen hatten sich selbst übertroffen. Es gab knusprig gebratenes Spanferkel, Steaks, Brathuhn in Honig, Wild, Kartoffeln gekocht und gebraten, diverse Salate, selbstgebackenes Brot.

Dazu wurden Weine kredenzt, die Angela Grant eigens aus Kalifornien hatte liefern lassen.

»Ausgezeichnet, meine Liebe«, komplimentierte der grauhaarige Phil Higgins, der eine kleinere Ranch im Südwesten des Countys bewirtschaftete. »Hab schon lange nicht mehr so vorzüglich gespeist.«

Seine Frau erteilte ihm einen Tritt gegen das Schienbein.

Mary Higgins konnte es nicht ausstehen, wenn ihr Gatte einer anderen Frau Komplimente machte. Noch dazu, wenn diese Frau eine solch strahlende Schönheit wie Angela Grant war.

Die Herrin der Mountain-Laurel-Ranch war knapp dreißig. Sie hatte die Augenbrauen mit einem Stift scharf nachkonturiert. Unter ihnen blickten strahlend grüne Augen, die jeden Mann betören konnten. Eine gerade Nase und volle, sinnliche Lippen rundeten dieses bildschöne Antlitz ab, das von einer rostroten Haarflut umrahmt wurde.

Angela Grant trug ein tief ausgeschnittenes Abendkleid aus blassblauem Tüll, das ihre atemberaubende Figur an den entsprechenden Stellen zur Geltung brachte.

»Danke, mein lieber Phil«, entgegnete Angela. Ihre Stimme jagte den Männern Eiswasser über den Rücken und glühende Lava durch die Adern. »Sie machen mich so verlegen.«

»Dass ich nicht lache«, murmelte Mary Higgins so leise, dass nur ihr Mann es hören konnte.

»Wie ich sehe, fühlen Sie alle sich ausgesprochen wohl«, fuhr die Gastgeberin fort. »Ich freue mich auch, dass Sie so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind. Um so mehr bedaure ich, dass zwei Plätze an dieser Tafel leer blieben.«

Alle Augen richteten sich auf ein verwaistes Stuhlpaar, das man von der Tafel entfernt und neben einer Kredenz an die Wand gestellt hatte.

»Nun, ich bin sicher, dass Stella und Kenny ihre Gründe haben, diesen Abend nicht mit uns zu verbringen.«

»Sie wissen doch, Angela, dass Stella sich den meisten Partys ferngehalten hat«, warf Niles Sorensen ein. Er war groß, blond, und gutaussehend. Sorensen stammte von norwegischen Einwanderern ab, deren Stammbaum, wie er selbst behauptete, bis zu Erik dem Roten zurück reichte.

»Stimmt, mein lieber Niles. Aber ich hatte fest damit gerechnet, sie hier zu empfangen. Nehmen Sie doch nur mal an, wir würden hier Entscheidungen treffen wollen, die unsere Ranches betreffen. Ohne Stella sind uns die Hände gebunden.«

»Ich bin ja auch noch da«, meldete sich ein junger Mann zu Wort. Er war der jüngste Gast und errötete, als er sich unversehens im Mittelpunkt des Interesses fand.

»Ja, Parker, wir würden Sie auch niemals übergehen. Ich fürchte nur, Ihr Votum wäre im Falle einer Abstimmung nicht Ausschlag gebend. Die Ranch wird nun mal von Stella Kane verwaltet, seit Ihre Schwester verschwunden ist. Und so lange dies so ist, liegen sämtliche Befugnisse die Triple-Pine-Ranch betreffend in Stellas Händen.«

»Das kann sich bald ändern!«, rief Parker Woods erregt.

Angela Grant hob eine Augenbraue. »Was meinen Sie damit, Parker? Wollen Sie etwa behaupten, Ihre Schwester käme zurück?«

Das Gesicht des jungen Mannes rötete sich stärker. Die abstehenden Ohren glühten förmlich. »Nein«, sagte er hastig. »Ich...« Er räusperte sich und trank einen Schluck Wein. »Ich werde bald die Geschäftsführung der Triple-Pine übernehmen.« ,

Schweigen folgte auf seine Worte. Man hätte ein Maiskorn fallen hören können.

Alle Anwesenden zuckten zusammen, als ein Messer zu Boden klirrte.

Mary Higgins stieß ihrem ungeschickten Gatten den Ellbogen in die Rippen. Der alternde Rancher hob das Messer auf und schaute Vergebung heischend zu Angela Grant hin.

»Wann haben Sie sich denn dazu entschlossen, Parker?«, fragte die Gastgeberin.

Parker Woods bewegte die Lippen, konnte aber keine Antwort formulieren.

Angela bewahrte Haltung. »Sie wissen doch, dass Sie jederzeit mit unserer Unterstützung rechnen können, Parker, nicht wahr?«

»Äh... yeah, Ma’am.«

»Was ist eigentlich der Grund für diese Zusammenkunft, Werteste?«, mischte sich der Rancher Hank Downes in das Gespräch. Er war der Eigentümer der Circle-D-Ranch, einer mittelgroßen Ranch.

»Wenn wir erreichen wollen, dass dieses Tal, ja das gesamte County zu einem der blühendsten und wohlhabendsten Fleckchen in diesem Land wird, müssen wir zusammenstehen, Hank. Wie eine große Familie. Clyde und ich dachten uns, dass es allmählich Zeit wird, unsere nachbarschaftlichen Beziehungen in Freundschaft und Partnerschaft umzuwandeln. Wir alle würden davon profitieren, wenn wir Hand in Hand arbeiten. Nicht wahr, Clyde?«

Angela Grant wandte sich an den vierschrötigen Mann zu ihrer Rechten und schenkte ihm ihr warmherzigstes Lächeln.

Der Mann war untersetzt, mit langem, dunklem Haar, das von grauen Strähnen durchsetzt war. Sein kantiges Kinn war mit Bartstoppeln bedeckt. Das Haar fiel ihm auf die Schultern.

»Das klingt sehr vernünftig, Angela«, sagte Niles Sorensen. »Aber wenn wir Profit erwirtschaften, wären auch Sie Nutznießerin. Oder irre ich mich?«

»Wir alle, Niles. Jede Ranch, die zu unserem Verband gehört, wird Nutzen davontragen. Sie dürfen mir glauben, dass wir alle mit diesem Valley und dem ganzen County wachsen und aufblühen werden!«

»Im Augenblick sehe ich nur, dass wir schuften, ohne dass etwas für uns dabei abfällt. Das Wetter hat uns in den vergangenen Jahren nicht gerade verwöhnt, und Rustler und Indianer treiben unsere Rinder ab. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dabei ein rentables Ergebnis für Ihre große Familie zu erzielen ist.«

Angela lächelte. »Lassen Sie uns später darüber sprechen, Niles. Wir langweilen die Frauen. Lassen Sie es sich schmecken, Herrschaften. Greifen Sie zu, bevor die Speisen kalt werden. Phil hat ja schon gekostet, und seinem Urteil dürfen Sie getrost vertrauen. Verschieben wir die Geschäfte auf nachher. Satt und zufrieden fällt es leichter, gewisse wichtige Entscheidungen zu treffen«, sagte sie und klatschte in die Hände.

Eine Riege von Hausangestellten eilte herbei, um den Gästen Wein und Speisen zu kredenzen. Phil Higgins fing sich einen tadelnden Seitenhieb ein, als er nach einem Hähnchenschenkel griff.

Man sprach den aufgetischten Köstlichkeiten munter zu. Die Männer zogen sich anschließend zu Kaffee und französischem Brandy in einen Rauchsalon zurück, während Angela Grant sich um die Ranchersfrauen kümmerte. Aber bald verlor sie den Spaß am Tratsch und dem Austauschen von Rezepten oder Tipps zur Kindererziehung.

Sie begab sich in den Rauchsalon. Die hitzigen Debatten der Rancher verstummten, als sie sich zu ihnen gesellte. »Gentlemen, ich denke, wir sollten zum Geschäftlichen kommen«, sagte sie und wollte sich zwischen den Männern auf einem Ledersofa niederlassen. »Zu vorgerückter Stunde möchte ich etwas mit Ihnen besprechen, was Sie ganz sicher interessieren wird...«

Die Eingangstür öffnete sich. Ein großer Mann eilte sporenklirrend in die Halle, schaute sich um und fand die Männer im Salon.

Der langhaarige Rancher blickte zur Tür, in der Cap Gallagher erschienen war. Der Vormann wirkte abgehetzt und müde.

»Cap? Was, zum Teufel...?«, entfuhr es dem Rancher. Er hievte sich schwerfällig aus dem Sessel.

»Es ist Kenny«, sagte Gallagher rau.

Der Rancher wartete ab.

»Er ist tot.«

Clyde Hollis sank in den Sessel zurück und stierte vor sich hin. Seine starken, sehnigen Hände zitterten.

Ein fahler Zug lag um seine Lippen.

»Ich hab dem Jungen tausendmal gesagt, er solle nicht den wilden Mann spielen. Hat er in der Stadt wieder rumgeballert? Hat er sich auf ein Duell eingelassen?«

»Nein, Boss.«

»Rothäute? Viehdiebe? Verdammt, Cap, machs Maul auf!«

»Er wurde im Hotel erschossen, Boss. Im Bett.«

Hollis’ Kopf ruckte hoch. »Was hatte er denn im Hotel zu suchen, verflucht? Er war hier eingeladen! Hier! Wieso treibt sich dieser Bengel dann im Hotel rum?«

»Er war nicht allein, Boss. Annie Baker war bei ihm.«

»Ausgerechnet dieses Flittchen! Hat sie gesagt, wer Kenny auf dem Gewissen hat?«

»Sie hat es auch erwischt, Boss.«

Hollis schloss die Augen. Lange saß er so, reglos, ohne sich um die anderen Anwesenden zu kümmern.

Angela Grant setzte sich auf eine breite Sessellehne und legte die Hand auf seinen Arm. »Es tut mir so unendlich Leid, Clyde«, hauchte sie und drückte einen zärtlichen Kuss auf die Stirn des Ranchers. »Wenn ich etwas für dich tun kann...«

»Danke, Angie. Aber das muss ich allein erledigen.« Er stand auf und ging vor Gallagher aus dem Haus.

Gleich darauf preschte er an der Seite des Vormannes in die Nacht.

Die Gastgeberin hatte Tränen in den Augen, als sie sich an die Gäste wandte. »Es ist so traurig, Gentlemen. Ich fürchte, damit geht dieser wunderbare Abend, der so schön begonnen hatte, zu Ende. Wir werden das Dinner zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen und unsere Unterredung fortsetzen, wenn Clyde sich von seinem Schmerz erholt hat.«

Die Gäste verabschiedeten sich. Sie fuhren in Ein und Zweispännern zu ihren Ranches zurück.

Das Hauspersonal räumte die Tafel ab.

»Ihr könnt morgen weitermachen«, sagte Angela Grant und nahm eine Zigarette aus einem silbernen Kästchen. »Geht schlafen. Ich will allein sein.«

Minuten später war Ruhe eingekehrt. Nachdenklich trat Angela auf die Veranda des großen Ranchhauses. Die Glut ihrer Zigarette glomm in der Dunkelheit auf.

Angela schlenderte über den Ranchhof. In einem Corral schnaubten ein paar Pferde.

Nur kurz blieb Angela am Gatter stehen, um ihre Lieblingsstute zu begrüßen und sanft ihre Blesse zu streicheln, ehe sie sich der Scheune näherte.

Ein leises Knarren ließ Angela innehalten.

War sie nicht mehr allein im Hof? War einer der Gäste zurück geblieben, um hier auf sie zu warten? Oder lauerte eine Gefahr im Dunkeln?

»Hallo?«, rief sie. »Ist da jemand?«

Keine Antwort.

»Kommen Sie raus, wenn Sie etwas von mir wollen. Kommen Sie freiwillig, oder ich wecke meine Mannschaft!«

Alles blieb ruhig.

Angela ging auf die Scheune zu, als das Knarren abermals ertönte.

Ihre Schritte verlangsamten sich.

Sie vergaß, an ihrer Zigarette zu ziehen.

Erst als sie dicht vor der Scheune stand und die leise im Nachtwind schwingende Scheunentür bemerkte, atmete sie erleichtert auf.

Sie wollte die Tür verriegeln, beschloss aber doch, einen raschen Blick in die Scheune zu werfen.

Diese Entscheidung bereute sie, denn als sie sich vorbeugte, um einen Blick in das dunkle Innere des Gebäudes zu werfen, schoss eine Hand aus der Finsternis und legte sich auf ihren Mund!

 

 

3

Stella Kanes Schrei verstummte.

Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sandkörner und Erde waren in ihr Gesicht gespritzt, waren in ihren Mund gedrungen. Knirschend biss sie darauf herum, spuckte angewidert aus und versuchte die ganze Zeit verzweifelt, irgendwo Halt zu finden.

Unter ihren tastenden Händen fühlte sie nur Geröll und lockeres Erdreich.

Sie hatte die Orientierung verloren. Blindlings war sie in die Nacht geritten, ohne zu wissen, wohin sie ihre Flucht führte.

Auf die Ranch konnte sie nicht zurück. Dort würde man zuerst nach ihr suchen.

In der Town konnte sie auch nicht bleiben. Sheriff Cromwell würde ihr niemals glauben, und Männer, die Kenny Hollis gemocht hatten, gab es zu viele in der Stadt.

Angst beschlich sie.

Ratschend zerriss Stoff.

Ihr Kleid platzte an den Nähten auf. Das Gewebe war nicht dazu geschaffen, damit Steilhänge hinab zu schlittern.

Stellas linker Fuß prallte gegen ein Hindernis.

Ein Wurzelstrunk!

Sofort tastete sie danach, doch das in Bewegung geratene Geröll riss sie mit.

Nur einen winzigen Moment erhaschte sie die knorrige Wurzel, wollte ihre Finger darum schließen und nicht mehr loslassen, als sie auch schon weitergerissen wurde.

Sie überschlug sich mehrmals, blieb diesmal auf dem Rücken liegen und rutschte immer schneller.

Gesteinsbrocken schlugen gegen ihren Kopf. So gut sie dies vermochte, schützte sie sich mit den Armen vor dem Steinschlag.

Ein Weidezaun!

Sie war durch einen Weidezaun gebrochen!

Das konnte nur bedeuten, dass sie nach Norden, geritten war. Entweder war sie hier am No- Chance-Gulch, einer Schlucht, die von den Cowboys der umliegenden Ranches gemieden wurde, oder sie war dabei, in eine ihr unbekannte Schlucht am Sun Mountain Massiv zu stürzen.

Wie auch immer, sie sah sich bereits verloren.

Ein furchtbarer Schlag traf ihr linkes Bein.

Der brennende Schmerz breitete sich sofort aus und strahlte vom Schenkel auf ihren Unterleib aus. Instinktiv drückte Stella ihre Hand gegen die Stelle und spürte die feuchte klebrige Wärme.

Blut!

O Gott!, raste es durch ihren Kopf. Ich hab mir das Bein aufgerissen. Ich verblute!

Aber das Schlimmste stand ihr noch bevor.

Sie prallte gegen ein weiteres Hindernis. Sie wusste nicht, dass es eine Felsnase war, die weit aus dem Steilhang herausragte.

Das Geröll bahnte sich einen Weg zu beiden Seiten der Nase oder sprang darüber hinweg, aber Stella landete hart auf dem rauen Fels.

Sie tastete herum, fand die Kante, konnte ihren Schwung aber nicht aufhalten.

Sie rollte über die vordere Kante des Überhangs, rutschte ab und hing nur noch mit den Händen am Fels.

Ihre Finger krallten sich an dem rauen, scharfkantigen Gestein fest.

Stella wollte nach unten schauen, aber das war sinnlos. Sie würde ohnehin nichts erkennen.

Sie strampelte mit den Beinen. Warm rann das Blut aus der langen Risswunde.

»Bitte...«, flüsterte sie. »Hilf, mir! Wenn dir was an mir liegt, dann hilf mir! Und zwar schnell!«

Sie hatte die Worte zum nächtlichen, sternenübersäten Himmel geschickt.

Ihr Flehen wurde nicht erhört.

Die Kraft schwand aus ihren Fingern!

»O Shit!«, stieß Stella hervor. Eine Hand rutschte ab, dann die andere.

Und Stella fiel ins Bodenlose!

Sie hätte nicht sagen können, wie tief sie gestürzt war oder wie lange. Irgendwann berührten ihre Füße einen Grund, der unter dem Aufprall nachgab. Wieder rutschte sie inmitten von Gesteinsbrocken und Erdbällen dahin.

Sie ruderte mit den Armen. Sie berührte Zweige und belaubte Äste, die ihre Arme und das Gesicht peitschten.

Sie konnte sich nicht rasch genug festhalten.

Aber wenn es hier Äste und Zweige gab, hatte sie möglicherweise doch eine Chance!

Sie warf sich herum, rollte sich im Abwärtsgleiten seitlich und griff zu.

Daneben!

Sie riss sich nur die Handkanten an spitzen Astenden auf.

Sie wurde schneller, immer schneller!

Und dann kam der Ruck!

Stella konnte ihr Glück nicht fassen. Es war ihr tatsächlich gelungen, sich mit beiden Händen in einem Astgewirr festzuklammern, das stark genug war, ihr Gewicht zu tragen.

Keuchend hing sie da und bemühte sich, ihren Atem zu kontrollieren.

Sie lauschte. Das dröhnende Klackern und Poltern drang an ihr Ohr. Sie konnte es nicht zuordnen.

Doch! Das waren Gesteinsbrocken! Geröll, das in die Tiefe stürzte!

In einen Abgrund!

Stella verfluchte ihr Schicksal, das ihr an einem Abend so viel Pech bescherte.

Kaum hatte sie dies getan, gaben die Äste auch schon nach!

»Onein! Oneinoneinonein...«, schrie Stella und fasste nach.

Das ganze Wurzelwerk des Bäumchens löste sich aus dem Boden!

»O neeeiiinnn...!«, hallte Stellas Schrei durch die Nacht, und wieder ging es abwärts.

Dem sicheren Tod entgegen!

 

 

4

Volle Lippen suchten ihren Mund.

Starke Hände drückten sie gegen eine breite Brust.

»Du hast mich aber erschreckt!«, protestierte Angela Grant. »Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte dir tatsächlich meine Mannschaft auf den Hals gehetzt.«

»Da hättest du aber eine Menge zu erklären gehabt«, murmelte Niles Sorensen unter glühenden Küssen.

»Es wäre mir sicherlich leichter gefallen, als dir die Entschuldigungen bei deiner Lucy.«

»Du machst mich verrückt, Angie! Du machst mich rasend. Du weißt ja gar nicht, wie sehr ich dich begehre. Lucy ist krank und hütet seit Monaten das Bett. Sie würde verstehen, dass ich auch Bedürfnisse habe. Ich bin schließlich kein Mönch, sondern ein Nachfahre der Wikinger! Und die haben sich genommen, was sie wollten!«

»Da haben wir etwas gemeinsam«, flüsterte Angela.

»Hm?«

»Ach, nichts. Wollen wir nicht lieber ins Haus gehen? Hier draußen wird es mir zu ungemütlich. Zudem hab ich was mit dir zu besprechen.«

»Keine Geschäfte heute Nacht«, sagte Sorensen und verschloss ihren Mund mit leidenschaftlichen Küssen.

Eines musste sie ihm lassen, er konnte küssen!

Raschen Schrittes gingen sie ins Ranchhaus.

»Schenkst du mir einen Drink ein, Niles, Darling?«, bat Angela. »Mir ist doch ein wenig kalt geworden. Ich möchte mich aufwärmen.«

»Da gibt es ein besseres Mittel als Alkohol«, meinte Sorensen.

»Ich trinke Sherry«, ignorierte sie seinen Einwand, begab sich zum offenen Kamin, stocherte in der feurigen Holzkohle herum.

Sorensen goss Brandy in ein Glas und Sherry in ein kleineres. Er drehte sich langsam um und glaubte, sein Herz würde aufhören zu schlagen!

Sie trug ein sehr knappes Miederhemd, das sie bereits bis auf den letzten Knopf geöffnet hatte, und weiße Miederhosen, die dicht über dem Knie endeten.

Das rostrote Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern.

Die smaragdgrünen Augen leuchteten verführerisch.

Fasziniert stierte Sorensen auf die beiden festen Brüste, die sich danach sehnten, aus dem Mieder befreit zu werden. Dunkel zeichneten sich die großen Brustwarzen unter dem Stoff ab.

»Lass uns das Geschäftliche zuerst regeln«, gurrte Angela.

»Alles, was du willst, Liebste«, krächzte Sorensen.

»Deine Ranch.«

Der Norweger meinte, sich verhört zu haben. »Das ist nicht dein Ernst.«

Angela stand am Kamin und ließ einen Zeigefinger zwischen ihren Brüsten entlang gleiten.

Hastig nahm Sorensen einen Schluck Brandy. »Ausgeschlossen. Ich würde wirklich alles für dich tun, Angie, aber das geht zu weit. Ich kann doch nicht einfach alles, was ich besitze, für dich aufgeben!«

»Das sollst du ja auch nicht, mein Lieber. Du vereinigst dich mit der Mountain-Laurel-Ranch, natürlich wird das ganze Gebiet dann unter dem Laurel Brand geführt. Du kannst in deinem Haus wohnen bleiben, so lange du willst. Du kannst dich aber auch auszahlen lassen und ein paar Meilen weiter westlich neu beginnen...«

»Aber... Lucy wird das nicht gefallen! Sie hat sich in dieses Fleckchen Erde, wo unser Haus steht, verliebt. Du weißt doch, mit dem Birkenwald hinter dem Haus, dem Blick auf die Berge und den kleinen See...«

»Du wirst sie überreden müssen, Darling.«

»Ich... kann nicht!«

Nur mühsam brachte Sorensen die letzten Worte über die Lippen. Angies Finger fanden den Knopf, der ihr Mieder geschlossen hielt, spielten mit ihm und ließen ihn unendlich langsam durch das Knopfloch gleiten.

Sorensen wandte sich mit einem gequälten Ausdruck auf dem Gesicht ab, als die beiden Hälften des Mieders auseinander sprangen.

Er füllte sein Glas noch einmal, drehte sich zu Angie um und wollte ihr den Sherry reichen.

Mit ausgestrecktem Arm blieb er stehen.

Sie war nackt!

Sorensen konnte es nicht fassen.

Was ihm hier geboten wurde, war die Erfüllung all seiner Träume.

Nachdem seine Lucy, dieses bildschöne, blonde, zierliche Geschöpf, schwer erkrankt war, hatte er sich vernachlässigt gefühlt. Er hatte keinen Dank für die Schwerarbeit bekommen, die er täglich auf der Ranch leistete. Die Unwetter der letzten Monate hatten schließlich einen Teil der Ernte vernichtet.

Er hatte sich wie ein Versager gefühlt. Und Lucy, die ihm jede Zärtlichkeit verweigerte, trug ihr Teil dazu bei, dass er sich nach Bestätigung und Anerkennung umsah.

Angie nahm ihm das Sherryglas ab und schlürfte den tiefroten Likör. Ein Tropfen kullerte über ihre Lippe, über das Kinn.

Sie bog den Kopf nach hinten.

Der Sherrytropfen fiel auf eine volle runde Brust, rann weiter bis zur harten Brustwarze.

Ein Wimmern löste sich aus Sorensens Kehle.

Angela durchbrach seine letzten Barrieren, indem sie den Mittelfinger in das Glas tauchte, ihn langsam zwischen den vollen Halbkugeln ihrer Brüste nach unten führte, am Nabel vorbei und in das dichte Gewirr ihrer rostroten Scham.

Dort ließ sie den Finger verschwinden, genau in der feuchten warmen Spalte zwischen den strammen Schenkeln.

»Willst du warten, bis ich keine Lust mehr hab? Ich dachte, ihr Wikinger schmiedet das Eisen, so lange das Feuer brennt...«, hauchte sie und bot ihm damit alles, was sie ihm bisher versagt hatte.

»Oja, und es brennt verdammt heiß, Angie!«

Er stürzte sich auf sie und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Seine Hände lagen auf diesen wunderbaren Brüsten, die Daumen spielten mit den Nippeln. Er spürte, wie sich die zarte Haut der Aureolen unter seiner Berührung zusammenzog.

Nie war Lucy so begehrenswert gewesen...

Oder machte er sich da nur etwas vor?

Schuldgefühle wallten in ihm hoch. Sein Körper versteifte sich. Die Erregung schien abebben zu wollen, als er an seine Frau dachte.

Aber Angela verstand ihr Handwerk.

Sie öffnete sein Hemd, drückte ihre Brüste gegen seinen breiten, dicht behaarten Brustkorb. Ihre Nippel lagen auf seiner Haut und schickten heiße Stöße der Leidenschaft durch seinen Körper.

Sie öffnete seine Hose, streifte sie ab und ließ die Baumwollunterhosen, an die sich Sorensen nur widerwillig gewöhnt hatte, folgen.

Sein geschwollener Schwengel sprang ihr schier ins Gesicht.

Angela nahm ihn in die Hand, rieb und streichelte ihn. Sie kniete vor Sorensen und strich mit der Eichel über ihre Brustwarzen.

Endlich nahm sie ihn zwischen ihren warmen Lippen auf, liebkoste und verwöhnte ihn mit einem ausgiebigen Zungenspiel, während sie ihre Hände in Sorensens Hinterbacken krallte.

Der Rancher atmete schwer.

Tief stieß er in ihren Rachen hinein. Jeder Stoß brachte ihm neue Wonnen.

Er hatte seine Hände in ihrem Haar vergraben und wünschte nichts sehnlicher, als sich in ihr zu verströmen.

Sie unterband den Orgasmus, und beide sanken auf das Fell eines Bergschafes, das Angie vor dem Kamin hatte ausbreiten lassen.

Die zuckenden Flammen tanzten wild über den nackten Frauenkörper. Sorensen genoss das Spiel der Feuerzungen auf der seidenweichen Haut. Er knetete die vollen Brüste, erforschte jeden Zoll von Angies Körper.

»Zeig mir, wie ein Wikinger liebt«, forderte Angie.

»Wild und ungestüm, Liebes«, gab Sorensen zurück und glitt zwischen ihre Schenkel.

Tief drang er in sie ein, hielt mit seinen Stößen nicht hinterm Berg und brachte sie einem Höhepunkt nahe.

Kurz bevor sie über den Gipfel der Lust hinaus schoss und ihre Fingernägel tief in seinen Rücken graben konnte, unterbrach er sein Liebesspiel, ließ sie vor sich knien und nahm sie von hinten.

Angela schrie ihre Lust hinaus, als er sie mit immer wilderen und ungeduldigeren Stößen dem Höhepunkt entgegen trieb. Sein Bauch klatschte gegen ihre Hinterbacken, und endlich begleitete ein gellender Schrei ihren Orgasmus.

Nur zwei oder drei Stöße später fand auch Sorensen seine Erleichterung und brach schweißgebadet über ihr zusammen.

Lange lagen sie eng umschlungen nebeneinander, ließen sich vom Kaminfeuer wärmen und streichelten sich gegenseitig.

»Das könntest du oft haben«, flüsterte Angela. Sie hatte ihren Kopf auf seine Brust gebettet.

»Ich weiß.«

»Den Preis dafür kennst du.«

»Ich glaube, er ist mir zu hoch, Liebes«, sagte er nach längerem Schweigen.

»Nicht so hoch wie der Preis, den du zahlen musst, wenn Lucy von deinem kleinen Geheimnis erfährt.«

Sorensen setzte sich erschrocken auf. »Das würdest du nicht tun!«, rief er.

Ein Blick in Angelas Augen und auf ihre lächelnden Lippen genügte.

»Mein Gott!«, stöhnte Sorensen und ließ sich zurückfallen. »Das würde Lucy umbringen.«

»Überleg dir meinen Vorschlag, Liebster«, flüsterte Angela und zeichnete mit dem Finger kleine Muster auf seine Brust. »Du musst dich nicht sofort entscheiden. Aber lass mich nicht zu lange warten. Ich kann sehr ungeduldig sein.«

Ich hab mich wie ein Anfänger benommen, dachte Sorensen. Wie ein unerfahrenes Greenhorn bin ich ihr in die Falle getappt...

»Woran denkst du?«, wollte sie wissen.

»An dich«, sagte er, und es war nicht mal gelogen.

»Ich sorge dafür, dass du noch lange an mich denken wirst, Darling«, versprach Angela und massierte sein bestes Stück zu neuer Größe.

Viel später, als ein völlig erschöpfter und zitternder Niles Sorensen davon geritten war, trat Angela an einen Safe, öffnete ihn, zog eine zusammengerollte Landkarte heraus und breitete sie auf einem Schreibtisch in der Ecke des Raumes aus. Sie beschwerte die Enden der Rolle mit Büchern und strich sanft über das Pergament.

Das ganze Sun Mountain Valley lag vor ihr. Bis zu den Grenzen des Countys.

Man sah sogar im Osten die breite Kette der Clearwater Mountain Range, darunter den Ort Clearwater.

Dort lag der Ausgangspunkt einer vielversprechenden Zukunft und eines unermesslichen Reichtums.

Angela spreizte die Finger und freute sich, als ihre Hand das gesamte Valley bedeckte.

Langsam nahm sie die Hand von der Karte und legte sie auf das noch feuchte Dreieck ihrer Scham. Niles Sorensen hatte ihr Lust bereitet, aber es genügte ihr nicht.

Sie wollte mehr.

Sie wollte alles!

Sie schloss genüsslich die Augen, als ihre Finger zwischen die Schenkel glitten.

Vor ihr lag eine lange, schlaflose Nacht.

 

 

5

Stellas Füße furchten durch Geröll und Erdreich und baumelten ins Leere, als etwas aus der Dunkelheit heranklatschte und sich um ihren Arm schlang.

Sie wurde zur Seite gerissen, schrammte über das raue Gestein und drehte sich dabei auf den Rücken.

Was wie die Zunge eines überdimensionalen Frosches wirkte, ließ nicht locker. Eisern hielt es ihren Arm gepackt. Stetig wurde Stella nach rechts gezogen.

Eine Hand griff nach ihr, ein Arm umschlang sie, und sie wurde gegen einen breiten Brustkorb gedrückt.

»Leg sie zum Feuer«, sagte jemand. Die Stimme klang hell und irgendwie vertraut.

Stella sah die zuckenden Flammen eines kleinen Lagerfeuers, wurde auf ein weiches Lager gebettet und verlor das Bewusstsein.

Unruhig warf sie den Kopf hin und her. Sie wurde von den Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse gequält, die sich erst vor wenigen Stunden zugetragen hatten...

Sie hatte sich in der Auswahl ihres Kleides zurückgehalten. Schließlich wollte sie mit Angela Grant nicht um die Gunst der anwesenden Männer buhlen.

Das wäre ihr ohnehin nicht gelungen.

Im Spiegel betrachtete sie sich. Sie hatte ebenfalls rotes Haar, wenn auch nicht so dunkel und feurig wie Angela. Sie schob sich eine widerspenstige Strähne aus der Stirn und steckte sie hoch.

Sie konnte mit ihrem Aussehen zufrieden sein.

Sie strich über die Schatten, die sich unter ihren Augen gebildet hatten. Sie würde Makeup auflegen müssen. Nicht zu viel, aber sie wollte auch nicht wie ein kränkelndes Nachtschattengewächs erscheinen.

Langsam führte sie die Hände abwärts. Die Fingerspitzen berührten sanft die schmalen Lippen unter der geraden Nase. Grübchen waren in den Mundwinkeln zu erkennen. Das Kinn war energisch vorgeschoben.

Sie legte die Hände auf die Brust. Mit dieser Figur ging sie fast als junges Mädchen durch.

Stella seufzte. »Es kann nicht jeder wie Angela Grant sein«, flüsterte sie.

Dabei gab es einen jungen Mann, dem sie zu gefallen schien und der sich stetig bemühte, ihre Liebe zu wecken.

Kenny Hollis.

Das wiederum missfiel seinem Vater Clyde. Der alte Rancher sah es gar nicht gern, dass Kenny sich öfters auf der Triple-Pine-Ranch aufhielt.

Kenny Hollis war ein rauer, wilder Junge, der schnell mit dem Colt zur Hand war. Er fehlte bei keiner Prügelei, und wenn geschossen wurde, dann hatte Kenny meist den Finger am Abzug.

Aber Stella fühlte sich irgendwie geschmeichelt. Kenny war zwar um einige Jahre jünger, und wohl gerade deshalb ließ sie sich auf Kennys Avancen ein.

Noch hatte sie sich ihm nicht geschenkt, aber lange würde es nicht mehr dauern. Insgeheim befürchtete sie, dass er sie nur als Herausforderung betrachtete. Nachdem er mit ihr geschlafen hatte, würde er sich wohl vor seinen Freunden damit brüsten.

Möglicherweise hatte er es auch nur auf die Ranch abgesehen. Seit Diane Woods von einem Tag auf den anderen verschwunden war, lag die Triple-Pine-Ranch beinahe herrenlos. Ihr Bruder Parker war zu jung und unerfahren, um eine solch große Ranch zu leiten. Die Cowboys sahen in ihm einen grünen Jungen, der noch feucht hinter den Ohren war, und respektierten ihn nicht.

Parker hatte sich Hilfe suchend an Stella, die beste und einzige Freundin seiner Schwester, gewandt. Stella und Diane hatten eine Schule im Osten besucht. Später war Stella, die auf der Ranch von Verwandten aufgewachsen war und dort das Ranchleben eingehend kennen gelernt hatte, im Osten hängen geblieben.

Diane hatte die väterliche Ranch übernommen. Nicht lange, nachdem ihr Vater gestorben war, hatte sie Stella besucht, um Trost und Rat zu suchen.

Die Heimreise hatte sie nicht zuhause beendet. Sie war unterwegs verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Natürlich hatte Stella nicht lange gezögert, Parker Woods’ Hilferuf nachzukommen.

Ihr war rasch klar geworden, dass die Triple-Pine-Ranch den anderen Ranchern ein Dorn im Auge war. Das Anwesen bildete die Spitze eines Dreiecks und verwehrte den Zugang zu den saftigen Weiden im Schatten der Gebirgskette, zu Bergquellen und Canyons, die sich für Mustangjagd und Pferdezucht hervorragend eigneten.

Dianes Vater hatte sich für jenes Land entschieden, das seine Nachbarn als wertlos empfunden hatten. Er hatte ihnen das Gegenteil bewiesen.

Nun war es zu spät, etwas daran zu ändern. Die Ranch bildete ein Bollwerk und schirmte das Land im Nordteil des Countys vor den südlicheren Weiden ab.

Selbst der Zugang zu den Bergen wurde erschwert, denn der alte Woods hatte auch die diesseitigen Hänge der Sun Mountain Kette in seinem Namen registrieren lassen.

Stella freute sich, dass sie über eine solch wunderbare Ranch gebieten durfte, wenn auch nur stellvertretend. Sie war ein wenig wehmütig, dass Diane sie nicht zu Angela Grant begleiten konnte. Stella mochte diese Empfänge nicht und vermisste ihre Freundin, mit der sie so viel Spaß gehabt hatte. Diane war so natürlich. Sie hatten auf der Schule viel gelacht und sich Streiche einfallen lassen, die man jungen, wohl erzogenen Ladys nicht zutraute.

Ein leises Geräusch hatte Stella aus ihren Gedanken gerissen. Sie schaute sich um, konnte aber nichts Außergewöhnliches entdecken.

Sie legte ihre Unterwäsche ab, goss Wasser in eine Porzellanschüssel und wusch sich.

Als sie das nasse Tuch zwischen ihre Brüste führte, deren knospige Warzen aufblühten, und langsam abwärts gleiten ließ, ertönte ein dumpfer Knall.

Stella fuhr herum. Aus weit aufgerissenen Augen sah sie, wie die Zimmertür nach innen gedrückt wurde.

Im nächsten Moment fiel Parker Woods in den Raum und krabbelte auf allen Vieren vor ihr herum.

Stella drückte ein Handtuch gegen ihre Blößen und lachte. »Wenn du mir schon hinterher spionierst, Parker, solltest du es gescheiter anstellen. Du hast dich bestimmt am Türknauf festgehalten, nicht?«

Parker nickte betreten.

»So was Ähnliches ist einer meiner Mitschülerinnen passiert, die unseren Gymnastiklehrer beobachten wollte. Du solltest dich lieber umziehen. Miss Grant hat es nicht gern, wenn man sich verspätet.«

»Yeah, Ma’am.«

»Nenn mich nicht Ma’am«, sagte Stella. »Ich möchte auch nicht so etwas wie eine Erzieherin für dich sein. Ich möchte doch nur, dass wir Freunde sind.«

»Yeah, Ma’am.«

Stella ließ das Handtuch sinken und ging zum Bett. Parker Woods stierte sie fasziniert an.

»Ich nehme dir nicht übel, dass du mir nachspionierst. Gefalle ich dir?«

Details

Seiten
113
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738935035
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v510064
Schlagworte
falle

Autor

Zurück

Titel: Die sündige Falle