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Katastrophe am Mount Liberty

©2019 115 Seiten

Zusammenfassung


Bei einem Tunnelbau kommt es auf Grund von mangelnden Sicherheitsvorkehrungen zu einer Katastrophe und Bauarbeiter werden verschüttet. Mit der Technik, die Hank Stone, dem Vorarbeiter, zur Verfügung steht, kommen sie nicht voran, um die Männer zu retten. Ein spezieller Bohrer muss her. Die Hoffnung liegt bei den beiden Truckern Jim Sherman und Bob Washburn, die dieses neuartige Gerät mit ihrem Truck zu der Unglücksstelle bringen wollen. Doch das schwere Unwetter und schlechte Straßen erfordern ihr ganzes Können, um noch rechtzeitig ihr Ziel zu erreichen, denn es gilt Menschenleben zu retten.

Leseprobe

Table of Contents

Katastrophe am Mount Liberty

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Katastrophe am Mount Liberty

Roman von Frank Rehfeld

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Bei einem Tunnelbau kommt es auf Grund von mangelnden Sicherheitsvorkehrungen zu einer Katastrophe und Bauarbeiter werden verschüttet. Mit der Technik, die Hank Stone, dem Vorarbeiter, zur Verfügung steht, kommen sie nicht voran, um die Männer zu retten. Ein spezieller Bohrer muss her. Die Hoffnung liegt bei den beiden Truckern Jim Sherman und Bob Washburn, die dieses neuartige Gerät mit ihrem Truck zu der Unglücksstelle bringen wollen. Doch das schwere Unwetter und schlechte Straßen erfordern ihr ganzes Können, um noch rechtzeitig ihr Ziel zu erreichen, denn es gilt Menschenleben zu retten.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Jim Sherman und Bob Washburn - Die beiden Trucker wissen, dass der Auftrag kaum zu schaffen ist. Trotzdem übernehmen sie ihn, denn es geht um Menschenleben.

Hank Stone - Der Vorarbeiter des Tunnelbautrupps am Mount Liberty bewahrt einen kühlen Kopf, als die Katastrophe eintritt. Das ist wichtig, denn Buster Brooks - der Bauleiter, hat das Unglück erst verschuldet durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und minderwertige Materialien. Nun versucht er seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

David Hurley - Stones Freund und der Erfahrenste unter den Bauarbeitern, die im Tunnel verschüttet werden. Er ahnt, dass die Chancen, sie rechtzeitig zu retten, eins zu tausend stehen.

Kimberly Anderson - Die Konstrukteurin eines neuen Bohrers, der fast vibrationsfrei arbeitet. Sie begleitet die beiden Trucker auf ihrer Fahrt gegen die Zeit ...

 

 

 

1

„Halsabschneider“, flüsterte Hank Stone voller Wut, als er aus der Tür der Baracke getreten war. Mit Mühe widerstand er dem Impuls, die Tür hinter sich zuzuknallen, sondern schloss sie halbwegs sanft.

Der Sturm schlug wie mit unsichtbaren Fäusten nach ihm und trieb ihm Regenschauer entgegen. Hank zog den Kragen seiner Jacke hoch. Das Unwetter wurde immer heftiger. Obwohl es erst Vormittag war, schien die Nacht bereits hereingebrochen zu sein.

Sein Blick tastete über die ein Stück vor ihm aufragende Bergflanke des Mount Liberty und blieb an dem Stolleneingang hängen, der wie das Maul eines gewaltigen Ungeheuers in dem Fels klaffte. Die Bauarbeiter, für die Hank als Vorarbeiter die Verantwortung trug, eilten geschäftig hin und her. Es sah fast aus, als würden sie von dem Felsmaul verschluckt.

„Das ist Wahnsinn“, murmelte Hank Stone verbittert. „Das kann nicht gutgehen. Das gibt eine Katastrophe!“

Er befand sich in einem Gewissenskonflikt. Bislang waren ihm nicht die geringsten Zweifel an der Integrität von Buster Brooks gekommen. Er hatte Brooks von Anfang an nicht besonders gemocht, aber das war nur eine ganz persönliche Abneigung gewesen, die nichts zu bedeuten hatte.

Hank hatte noch nie sonderliche Sympathie für Leute gehabt, die mit teuren Anzügen und Krawatten herumliefen, sich dabei ungeheuer wichtig vorkamen und ihre Geschäfte nur vom Schreibtisch aus erledigten, weil sie offenbar panische Angst davor hatten, selbst einmal zuzupacken und sich bei ehrlicher Arbeit die Finger schmutzig zu machen. Darüber hinaus hatte Brooks jedoch einen ehrlichen Eindruck gemacht. Er schikanierte die Arbeiter nicht. Zwar verlangte er viel von ihnen, aber nichts Unmögliches, wie Hank es bei anderen Bauherrn oft erlebt hatte. Die Sicherheit der Menschen schien ihm etwas zu bedeuten, und auch mit den Konstruktionsplänen schien alles in Ordnung zu sein.

Schien!

Das war das Zauberwort, wie Hank Stone nun wusste. Alles war nur eine Farce. Den Unterschied zwischen Papier, das bekanntlich geduldig ist, und der Realität kannte er schon lange, aber noch nie war ihm dieser in den fünfundvierzig Jahren seines Lebens so deutlich zu Bewusstsein gekommen. So schmerzhaft. Er begriff nicht, wie er so lange auf Brooks hatte hereinfallen können, auf das arrogante, etwas schmierige Getue des Mannes. Ihm war schleierhaft, wie er den verschlagenen, kalten Glanz in dessen Augen hatte übersehen können.

„Mistkerl!“, presste Hank zwischen den Zähnen hervor. Unschlüssig drehte er seinen Schutzhelm in den Händen, setzte ihn schließlich auf. Donner grollte wie Kanonenfeuer über das Land, und der Himmel schien vor lauter Blitzen in Flammen zu stehen.

Immer noch starrte Hank zu den Arbeitern hinüber. Was sollte er tun? Konnte er es verantworten, alles wie bisher weiterlaufen zu lassen, so zu tun, als ob nichts gewesen wäre? Hank Stone fühlte sich ratlos wie selten zuvor. Es war im Grunde nur Zufall gewesen, dass er herausgefunden hatte, was wirklich vorging. Brooks hatte an der letzten Lieferung von Stahlträgern einen der Kontrollzettel abzureißen vergessen, hatte ihn wohl übersehen. Hank hatte sich den Schein genauer angeschaut und entdeckt, dass es sich um eine minderwertigere - und dadurch natürlich billigere - Stahlsorte handelte, als den Plänen nach eigentlich verwendet werden sollte. Da war er noch so naiv gewesen, an einen Irrtum zu glauben, vielleicht ein Versehen.

Er war in die Baracke gegangen, die Brooks als Büro diente, um diesen darauf aufmerksam zu machen. Brooks war nicht da gewesen, aber auf seinem Schreibtisch hatten ausgebreitet einige der Konstruktionspläne gelegen. Hank hatte sie sich noch einmal genauer angesehen und rasch festgestellt, dass die Pläne in einigen bedeutenden Details von denen abwichen, die er in den letzten Wochen ein paarmal gesehen hatte. Einem bösen Verdacht folgend hatte Hank kurzerhand die Schreibtischschubladen aufgebrochen und darin eine Korrespondenz gefunden, die teilweise höchst aufschlussreich war. Die Veränderungen waren wirklich nur Kleinigkeiten, jedoch solche Kleinigkeiten, die Hunderttausende von Dollars, vielleicht sogar Millionen wert waren. Möglicherweise aber auch das Leben zahlreicher Menschen.

Er hatte Brooks zur Rede gestellt. Der Kerl hatte abzuwiegeln versucht, hatte darauf gepocht, dass die Sicherheitsvorschriften immer noch der Norm entsprächen, dass er gegen kein Gesetz verstieße. Das Schlimmste daran war, dass er damit auch noch recht hatte. War der Tunnel erst einmal fertiggestellt, entsprach er den gesetzlich geregelten Sicherheitsrichtlinien, die jedoch längst überholt und in vielen Punkten sehr schwammig waren. Den ursprünglichen Plänen nach hätten sie weit über der Norm liegen sollen.

Viel schlimmer aber noch war, dass gerade während der Bauarbeiten die Sicherheit der beteiligten Arbeiter nicht annähernd so gewährleistet war, wie es die von ihm selbst mit ausgearbeiteten Konzepte vorsahen. Und das ausgerechnet angesichts des heftigsten Unwetters seit Jahren, das gegenwärtig über Colorado hinwegzog.

Das Allerschlimmste für Hank jedoch war, dass ihm die Hände gebunden waren. Er konnte nichts ausrichten. Das hatte ihm Brooks sehr deutlich zu verstehen gegeben. Schließlich entsprachen die Sicherheitsvorkehrungen immer noch der gesetzlichen Norm, wenn auch nur gerade so. Gerade dadurch befand sich Hank in so einem Konflikt. Er könnte mit den Arbeitern sprechen, ihnen die Situation erklären. Vermutlich würden sie sich daraufhin weigern, weiterzuarbeiten. Aber das würde er dann ausbaden müssen. Brooks würde ihn und alle anderen im Falle einer Arbeitsniederlegung entlassen und zweifelsohne gegen ihn als Rädelsführer prozessieren. Egal, wie die Gerichte letztendlich entscheiden würden, es würde ein langes, teures Verfahren geben, das ihn, Hank Stone, ruinieren würde. Aber konnte er es mit sich vereinbaren, einfach zu schweigen und damit zum Mitverantwortlichen an den möglichen Folgen zu werden?

„He, was ist denn dir für eine Laus über die Leber gelaufen?“, riss ihn eine Stimme aus seinen düsteren Gedanken. „Glaubst du, der Regen hört auf, wenn du ihn nur lange genug finster anstarrst?“

Hank schaute auf und blickte direkt in das Gesicht David Hurleys, der sich ihm unbemerkt von der Seite genähert hatte. Hurley war ein großer, breitschultriger Bursche mit einem kantigen Gesicht und dunklem Haar. Hank kannte ihn schon seit vielen Jahren. Sie hatten an mehreren Projekten zusammengearbeitet und sich im Laufe der Zeit locker angefreundet.

„Was ist los?“, bohrte Hurley nach, als er auch nach ein paar Sekunden noch keine Antwort bekommen hatte,

Für einen Moment war Hank nahe dran, ihm alles zu erzählen. Dann aber zuckte er stattdessen mit den Schultern.

„Nichts“, behauptete er. „Ist nur nicht ganz das richtige Wetter, um vor Fröhlichkeit überzusprudeln.“

Wie zur Bestätigung seiner Worte zuckte erneut ein greller Blitz vom Himmel, dem kaum eine Sekunde später ein gewaltiger Donnerschlag folgte.

„Unsinn“, entgegnete Hurley. „Irgend etwas bedrückt dich doch. Du siehst aus, als wäre dir ein Gespenst begegnet. Mir kannst du nichts vormachen, dafür kenne ich dich schon zu lange. Ärger?“ Hank zögerte. „Ich ... ich kann jetzt nicht darüber sprechen“, sagte er. „Vielleicht später.“

„Wie du meinst. Ich muss ohnehin los. Meine Schicht hat schon vor ein paar Minuten begonnen. Wir wollen heute noch mindestens zehn Meter schaffen.“ Er wandte sich ab, doch Hank griff rasch nach seinem Arm und hielt ihn zurück. Mit dem Kopf deutete er in Richtung des Tunnels. „Sei vorsichtig da drin, okay?!“

Hurley lachte.

„Heute bin ich zum ersten Mal richtig froh, da drin zu arbeiten. Da ist es wenigstens trocken.“

Er eilte durch die vom Sturm quer über das Areal gepeitschten Regenschleier davon.

Hank Stone blickte ihm mit gemischten Gefühlen nach. Dumpfe Vorahnungen quälten ihn und verließen ihn auch während der folgenden zwei Stunden nicht.

Nachträglich wusste Hank kaum noch, was er in diesen Stunden getan hatte. Er war ziellos umhergestapft und hatte so getan, als kontrollierte er die Arbeiten, wie es seine Pflicht war. Wurde er etwas gefragt oder aus anderen Gründen angesprochen, gab er gedankenverloren Antwort. In Wahrheit jedoch hatte er kaum etwas um sich herum wahrgenommen. In Gedanken beschäftigte er sich mit dem, was er in Brooks’ Büro erfahren hatte. Es war eine wahre Flut von Informationen über die Änderungen gegenüber den ursprünglichen Plänen gewesen, die er gar nicht alle auf einmal hatte verarbeiten können. Das holte er nun nach, versuchte sich an möglichst viele Details zu erinnern und sie in seinem Kopf zu einem einigermaßen vollständigen Bild zusammenzusetzen.

Das einzige, was er mit halbwegs klarem Verstand um sich herum registrierte, war die zunehmende Heftigkeit des Unwetters. Obwohl es kaum vorstellbar erschien, nahm der Regen immer noch zu. Einige Male hatten Blitze in den umliegenden Wäldern eingeschlagen, und der Donner grollte fast ohne Unterlass. Die Orkanfront staute sich an den Jim Mountains, wie es der Wetterbericht vorausgesagt hatte. Es hing irgendwie mit besonderen Aufwinden zusammen. Hank verstand nicht viel von diesen Dingen, hatte sich nie sonderlich dafür interessiert.

Seitlich des Tunnelausgangs verliefen dicke Rohre. Durch sie wurde das Wasser abgepumpt, das in den Stollen eindrang, und angesichts der Wetterverhältnisse war es sehr viel Wasser. Auch an den Pumpen war gespart worden. Es gab zwei weniger als eigentlich vorgesehen, was nicht an Schwierigkeiten mit der verantwortlichen Firma lag, wie Brooks behauptet hatte, sondern von Anfang an so geplant gewesen war. Eine weitere Pumpe war defekt. Die übrigen wurden mit den Wassermassen kaum fertig.

Innerhalb des Berges gab es einige Wasseradern, zudem drang Regen durch den Stolleneingang ein. Bereits mehrfach innerhalb der letzten Stunden hatte es Beschwerden gegeben. Das Wasser behinderte den Fortgang der Arbeiten.

Als sich schließlich die Katastrophe ereignete, deren Ausbruch Hank die ganze Zeit über befürchtet hatte, wurde sie von einem lodernden Fanal eingeleitet.

Ein ungeheuer greller Blitz zuckte vom Himmel, noch im gleichen Moment gefolgt von einem urgewaltigen Donnerschlag. Der Blitz traf eine vereinzelte Fichte am Berghang und ließ sie trotz des Regens wie eine Fackel auflodern. Der Baum wurde gespalten und brach auseinander. Zwar verlöschte das Feuer fast sofort wieder, aber der größte Teil des Baumstammes rollte träge den Berghang hinab, riss dabei Gestrüpp und kleinere Felsbrocken mit sich. Auch wenn die Fichte schon nach wenigen Metern von anderen Bäumen aufgehalten wurde, hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits wie bei einem Dominospiel eine Kettenreaktion in Gang gesetzt.

Der heftige Regen hatte Erdreich fortgespült. Felsen, die am vergangenen Tag noch fest im Boden verankert gewesen waren, hatten sich gelockert und kugelten in die Tiefe. Sie stießen andere, größere Felsen an, die ebenfalls ihren Halt verloren, und rissen sie mit sich, wuchsen zu einer regelrechten Gesteinslawine an.

Plötzlich sah Hank alles wie in Zeitlupe, gleichzeitig jedoch mit fast übernatürlicher Klarheit.

Schreie brandeten auf. Arbeiter starrten entsetzt nach oben und begannen zu rennen, um sich in Sicherheit zu bringen. Hank Stone befand sich außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs, und wahrscheinlich rettete nur das ihm das Leben. Er war außerstande, sich zu bewegen, beobachtete nur mit fassungslosem Entsetzen, was geschah.

Die ersten Gesteinsbrocken schlugen auf dem Platz vor dem Tunneleingang auf. Ein grüner Freightliner Conventional, auf dessen flachem Auflieger sich eine Planierraupe befand, rangierte gerade vor dem hiesigen Loch im Fels, um rückwärts hineinzusetzen. Nun gab der Fahrer geistesgegenwärtig Gas. Einige Felsbrocken trafen die Planierraupe. Die Achsen des Aufliegers brachen, dennoch schaffte es der Fahrer des Trucks, weit genug mit dem Fahrzeug vorzusetzen, dass er nicht unter der Lawine begraben wurde. Die Abwasserrohre brachen. Eine Flut schmutzigen Wassers ergoss sich aus ihnen. Einer der Stahlträger am Stolleneingang wurde von einem Felsbrocken getroffen und knickte weg. Auch andere brachen. Der billige Stahl war der Belastung nicht gewachsen. Während von oben herab immer noch Steine prasselten und sich vor dem Eingang türmten, stürzte mit ohrenbetäubendem Krachen der gesamte vordere Teil des Stollens ein.

Ungerührt tobte das Unwetter weiter.

 

 

2

„Du siehst nicht gerade besonders fröhlich aus“, stellte Bob Washburn fest, während er den „Thunder“ über die Interstate 35 in nördlicher Richtung steuerte. Der 450 PS starke Caterpillar Motor des feuerroten Kenworth W 900 Conventionals brummte ruhig und gleichmäßig. Das Lichtermeer San Antonios versank allmählich hinter dem Truck in der abendlichen Dunkelheit. „Was ist los mit dir?“

Jim zuckte stumm mit den Schultern und starrte durch die Frontscheibe. Bob ließ nicht locker. „He, Erde an Jim Sherman, hörst du mich? Bitte Empfang bestätigen, oder sprichst du nicht mehr mit Normalsterblichen?“, scherzte er. „So viel Begeisterung, wieder mit mir auf Achse zu sein, kenne ich ja noch gar nicht von dir.“

Jim verzog nicht einmal das Gesicht.

„Bitte, Bob, ich möchte nicht darüber sprechen“, murmelte er ausweichend, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Damit war er bei Bob genau an die richtige Adresse geraten.

„O nein, so nicht, mein Lieber“, polterte der schwarze Hüne los und schaltete in einen höheren Gang. „Wir haben eine ziemlich gemütliche Tour vor uns, auf die ich mich gefreut habe, vor allem, weil wir übermorgen schon wieder zu Hause sein können. Ich habe keine Lust, mir die Tour versauen zu lassen, nur weil du schlechte Laune hast. Es macht nämlich wenig Spaß, mit jemandem unterwegs zu sein, dessen Gesicht fast bis zum Boden hängt, und der darüber hinaus den Taubstummen spielt. Wenn du beleidigt bist und unbedingt schmollen willst, dann verdirb mir nicht auch noch die Stimmung, sondern hau dich im Sleeper ein paar Stunden auf’s Ohr. Vielleicht hast du anschließend etwas bessere Laune.“

Jim nahm ihm die harschen Worte nicht übel.

„Ich bin nicht beleidigt und schmolle auch nicht“, erklärte er. „Es ist nur ... Ach, vergiss es! Mir gehen nur gerade ein paar Sachen durch den Kopf.“

„Trippel, trappel“, erwiderte Bob. „Ich kann sie hören, und wenn sie in meinem Kopf herumspazieren würden, würde ich sie möglichst schnell herauslassen. Also erzähle schon, was dich bedrückt! Vielleicht kann ich dir helfen. Schließlich sind wir über unsere geschäftliche Partnerschaft hinaus auch Freunde.“

Jim schwieg noch einige Sekunden lang, dann gab er sich einen Ruck.

„Es geht um Carla Sue.“

„Dachte ich mir. Und was ist mit ihr?“

„Ich ... ich komme in letzter Zeit einfach nicht richtig mit ihr klar“, brach es aus Jim heraus. „Ich weiß nie, woran ich mit ihr bin. Seit dem Attentat ist unsere Bekanntschaft so ungeheuer schwierig geworden.“

Vor einigen Monaten war bei einem Familienfest auf der Farm der Rylands in Riomedina eine Bombe detoniert. Terence B. Douglas, der den Trucker King Luke Ryland entführt und unbemerkt an dessen Stelle eine ganze Zeitlang bis zu seiner Entlarvung die Geschäfte der RTC geleitet hatte, steckte dahinter. Wie durch ein Wunder war außer Carla Sue, der ältesten Tochter des Truckerkings, bei dem Anschlag niemand ernsthaft verletzt worden. Auch die Verbrennungen, die Jims frühere Frau erlitten hatte, waren nicht besonders schwerwiegend, aber seit diesem Vorfall war Carla Sue an den Rollstuhl gefesselt.

„Auf mich hat sie in letzter Zeit eigentlich einen ganz normalen Eindruck gemacht“, sagte Bob „Sie führt ihre Boutique schon seit langem wieder selbst und wirkt auch ziemlich ausgeglichen. Carla Sue ist eine Kämpfernatur. Mir kommt es vor, als hätte sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden und würde versuchen, das Beste daraus zu machen.“

„Nach außen hin wirkt es so“, bestätigte Jim. „Aber ich kenne sie nun mal besser als die meisten anderen. In ihr drin sieht es ganz anders aus. Sie ist bei weitem nicht so ausgeglichen, wie es scheint, sondern gerät immer wieder in depressive Phasen. Du weißt ja, dass sie noch immer in mich verliebt ist.“

Bob nickte. „Und du auch immer noch in sie. Zumindest ein bisschen.“

„Gerade das macht alles ja so kompliziert. Die meiste Zeit über ist Carla Sue ganz vernünftig, aber manchmal, wenn wir San Antonio verlassen, um eine Fracht auszuliefern, wirft sie mir vor, ich würde sie im Stich lassen, und es wäre mir völlig egal, was aus ihr würde. Sind wir hingegen ein paar Tage in der Stadt und ich unternehme etwas mit ihr, bringt sie zum Ausdruck, dass ich mich nur um sie kümmern würde, weil sie ein Krüppel wäre, und dass sie kein Mitleid will. Natürlich würde sie beides nie offen sagen, aber sie zeigt deutlich, dass sie so empfindet. Es ist einfach unmöglich, es ihr recht zu machen.“

„Das ist allerdings ein Problem“, stimmte Bob zu. „Aber ich bin sicher, dass es nur eine vorübergehende Phase ist. Am besten verhältst du dich ihr gegenüber ganz normal wie immer. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber es ist der einzige Weg.“

„Genau das versuche ich ja seit Monaten. Aber wenn sie in eine dieser depressiven Phasen gerät, sorgt sie selbst dafür, dass es fast unmöglich wird.“

„Hast du mal mit Luke darüber gesprochen? Er und Carla Sue haben doch ein besonders inniges Verhältnis.“ Jim winkte ab. „Der King hat momentan genug damit zu tun, den Schaden zu begrenzen, den Douglas mit dem Ausverkauf der RTC angerichtet hat. Und Takayashi Kiomoto schäumt natürlich, weil die Verträge über den Kauf der Firma nicht rechtswirksam sind. Er rollt dem King bei der Rückgabe der Unternehmensanteile Steine in den Weg, wo er nur kann. Da will ich Luke nicht auch noch mit privaten Problemen belasten.“

„Kann ich verstehen.“

„Aber das ist noch nicht alles“, fuhr Jim nach einer kurzen Pause fort. „Alle Ärzte, bei denen Carla Sue bislang war, sind zu dem Schluss gekommen, dass ihre Lähmung nicht körperlich, sondern nur psychosomatisch bedingt ist. Ein Trauma, das durch den Schock ausgelöst wurde. Die einzige, die davon noch nicht so richtig überzeugt ist, ist Carla Sue selbst.“

Bob kam nicht sofort zum Antworten. Er trat auf die Bremse.

Die Lichtkegel der Scheinwerfer hatten einen blauen Mack erfasst, der ein Stück vor ihnen am Straßenrand stand. Es war Ehrensache unter Truckern, sich zumindest zu erkundigen, ob eventuell Hilfe gebraucht würde. Da die beiden anderen Trucker bereits ausgestiegen waren und neben einem der Räder niederknieten, hatte es keinen Sinn, dies über Funk zu versuchen. Der Kenworth kam hinter dem Mack zum Stehen, und Bob beugte sich aus dem Fenster.

„Was habt ihr für Probleme?“, rief er. „Können wir euch helfen?“

Einer der beiden Trucker hatte sich bereits aufgerichtet.

„Nicht nötig“, antwortete er. „Uns ist nur ein Reifen geplatzt. Den wechseln wir selbst schnell aus. Trotzdem schönen Dank für das Angebot.“

„Okay. Dann noch gute Fahrt.“

Bob gab wieder Gas und scherte auf die Fahrspur zurück. Vor ihnen lag noch eine beachtliche Strecke. Fort Worth, Oklahoma City und schließlich ihr Ziel Kansas City. Das waren fast achthundert Meilen. Keine wirklich lange Tour, aber sie wollten ihr Ziel am nächsten Vormittag erreichen und würden sich am Steuer ablösen, um, von kurzen Zwischenstopps abgesehen, ohne längere Pause durchfahren zu können. Ein großer Vorteil war es, dass sie kein einziges Mal den Highway wechseln mussten. Die Interstate 35 führte direkt von San Antonio nach Kansas City.

Jim und Bob hoben grüßend die Hand, als der „Thunder“ an dem Mack vorbeirollte und an Geschwindigkeit gewann.

„Was ist nun mit Carla Sue?“, nahm Bob das Gespräch wieder auf. „Wenn die Lähmung nur durch den Schock verursacht wurde, ist die Chance einer Heilung doch sehr viel größer, als wenn eine körperliche Verletzung dafür verantwortlich wäre. Warum also sträubt sie sich dagegen?“

Jim seufzte: „Wenn ich das wüsste, wäre ich schon ein ganzes Stück weiter. Einerseits akzeptiert sie diese Diagnose natürlich, aber sie fürchtet wohl unterschwellig, dass ihre Lähmung nicht richtig ernst genommen wird, wenn diese nur seelische Ursachen hat. Manche Leute könnten sich falsche Vorstellungen machen und psychosomatische Störungen als eine Art von Verrücktheit betrachten, oder sie könnten glauben, sie bilde sich die Lähmung nur ein. Auf jeden Fall steht sie dieser Diagnose insgeheim zwiespältig gegenüber.“

„Sie wird anders darüber denken, wenn sie erst einmal geheilt ist. Und bei ihrer robusten Natur glaube ich nicht, dass es allzu lange dauern wird.“

„Unter Umständen mehrere Jahre“, widersprach Jim. „Möglicherweise wird diese Heilung sogar nur durch einen Gegenschock ausgelöst werden können, und der lässt sich nicht künstlich herbeiführen. Ich habe mich etwas umgehört und von einem Arzt in New York erfahren, der sich auf solche Krankheitsfälle spezialisiert hat. Er soll sehr erfolgreich sein. Aber als ich dieses Thema Carla Sue gegenüber heute Mittag behutsam zur Sprache brachte, blockte sie sofort ab. Sie sagte, sie wäre nicht verrückt und dächte deshalb nicht im Traum daran, zu einem Nervenarzt zu gehen. Ein Seelenklempner könnte ihr bestimmt nicht dabei helfen, die Beine wieder zu bewegen. Es war unmöglich, vernünftig mit ihr darüber zu reden.“

„Hm“, machte Bob nachdenklich. „So ein Verhalten kenne ich von Carla Sue gar nicht.“

„Ich glaube, gerade weil sie so stark und kämpferisch veranlagt ist, hat sie Angst vor Psychotherapeuten“, mutmaßte Jim. „In der Öffentlichkeit herrscht ein bisschen die Ansicht, alles, was mit Psychiatrie zusammenhängt, wäre nur etwas für überdrehte Spinner oder sensible Schwächlinge, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, ihr Leben zu ordnen. Und Carla Sue hat Angst, auch in diese Schublade gesteckt zu werden.“

„Damit hast du allerdings ein Problem am Hals, bei dem ich dir kaum helfen kann. Aber da Carla Sue ein vernünftiger Mensch ist, wird sie über kurz oder lang einsehen, dass du recht hast. Im Augenblick kannst du in dieser Hinsicht ohnehin nichts tun. Also lass nicht den Kopf hängen, sondern genieße lieber die Fahrt und stelle dich seelisch auf die mittelalterliche Welt von Kansas ein.“

Jim rang sich ein Lächeln ab.

„Ich werde es versuchen“, versprach er.

 

 

3

Im ersten Moment glaubte David Hurley, bei dem Grollen handelte es sich nur um einen besonders lauten Donnerschlag. Vereinzelt, wenn die Gesteinsbohrer gerade nicht mit voller Lautstärke rumorten, war der Donner sogar bis in die Tiefen des Stollens zu vernehmen. Dann, als der Boden plötzlich zu beben begann, kam ihm flüchtig der Gedanke an ein Erdbeben, obwohl er es bereits besser wusste.

Das elektrische Licht begann zu flackern, ging aus und gleich darauf für einen kurzen Moment noch einmal an, bevor es vollends erlosch. Dunkelheit breitete sich aus. Stimmen riefen wild durcheinander. Immer noch bebte die Erde. Staub rieselte von der Decke, gefolgt von kleinen Steinchen.

Schreckliche Erinnerungen stiegen in David Hurley hoch. Erinnerungen an ein Unglück, das sich vor rund zehn Jahren ereignet hatte. Auch damals war er am Bau eines Tunnels beteiligt gewesen. Der Stollen war eingebrochen. Nun schien sich dieses schreckliche Erlebnis detailgetreu zu wiederholen. Damals war Hurley zusammen mit einigen Kollegen rund acht Stunden lang verschüttet gewesen. Glücklicherweise hatte man sie schnell und relativ problemlos befreien können. Es hätte aber auch die doppelte oder dreifache Zeit dauern können. Oder ewig.

Er war damals zunächst unbeirrbar entschlossen gewesen, seinen Beruf aufzugeben und sich einen anderen Job zu suchen, und sei es in irgendeiner Fabrik am Fließband, wenn er nichts anderes finden sollte. Alles, nur nichts mehr, wo er unter der Erde arbeiten musste.

Dann jedoch hatte er es sich anders überlegt, hatte sich an die alte Regel erinnert, dass man sofort wieder in den Sattel steigen sollte, wenn man vom Pferd gestürzt war. Hurley hatte eine neue Arbeit unter Tage angenommen und seine Furcht auf diese Art erfolgreich bekämpft.

Jetzt aber kamen all die alten Ängste wieder hoch und überschwemmten sein Bewusstsein. Die Dunkelheit, das Grollen, das Beben der Erde, dem ein Moment fast unnatürlicher Ruhe folgte ... Es schien, als wäre die Vergangenheit wieder zum Leben erwacht und hätte ihn eingeholt.

Schreie gellten auf, und erst nach Sekunden wurde sich Hurley bewusst, dass er selbst ebenfalls schrie.

Irgendwo glomm ein schwaches Licht auf, huschte wild und geisterhaft über die Maschinen, die Menschen und die Stollenwände. Jemand hatte eine Taschenlampe eingeschaltet. Andere folgten seinem Beispiel. Das Licht half Hurley, gegen seine Ängste anzukämpfen, die in ihm aufwallende Panik wenigstens ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Das Beben des Bodens und Poltern der Felsen hatten inzwischen ganz aufgehört. Fast ohne sich dessen bewusst zu sein, eilte Hurley ebenso wie die anderen in Richtung des Stollenausgangs. Wider besseres Wissen klammerte er sich an die Hoffnung, dass alles nicht so schlimm wäre, wie es sich angehört hatte. Aber das war es.

Vor ihnen im Tunnel erhob sich vom Boden bis zur Decke eine massive Wand aus herabgebrochenem Felsgestein. Überreste der stählernen Träger und Stützbalken ragten wie zersplitterte Knochen daraus hervor. Einige der Bergleute stießen Flüche aus, einer begann laut zu beten. Andere, so wie auch David Hurley, waren noch viel zu schockiert, um etwas zu sagen.

Aber Hurley merkte trotzdem, wie sich mehr und mehr Blicke ihm zuwandten. Er war mit seinen sechsundvierzig Jahren der Älteste und Erfahrenste unter ihnen. Außerdem kannten die anderen freilich seine Geschichte. Sie wussten, dass er sich schon einmal in einer solchen Situation befunden hatte, schließlich hatte er selbst, wenn sie nach Schichtende zusammensaßen und ein paar Bier tranken, oft genug davon erzählt.

Jetzt erhofften sie sich von ihm Rat. Sie dachten nicht daran, dass gerade er aufgrund seiner schrecklichen Erinnerungen von dem Unglück am schlimmsten betroffen war. Aber Hurley spürte auch, dass diese auf ihn gerichteten Hoffnungen, die Verantwortung, die man ihm ungefragt übertrug, ihm halfen, mit seiner eigenen Angst fertig zu werden. Wie wichtig es war, in einer solchen Situation nicht durchzudrehen, hatte er damals gelernt. Gerade er musste jetzt einen klaren Kopf bewahren.

Kurzerhand nahm er dem Mann neben sich die Taschenlampe aus der Hand und leuchtete damit herum. Einige der meterlangen Stahlträger und Stützbalken, die direkt hinter der Unglücksstelle die Decke absicherten, waren angeknackst und einige sogar aus ihrer Halterung verrutscht. Viel konnten sie nicht mehr aushalten. Bei der geringsten Erschütterung würden auch sie brechen oder einfach wegrutschen.

Hurley leuchtete die Männer um ihn herum an. Es waren elf. Wenigstens von seinem Bautrupp war niemand unter dem Gestein begraben worden. Aber an der Baustelle hatte ein ständiges Kommen und Gehen geherrscht, Material war heran transportiert und abgetragenes Geröll ins Freie geschafft worden. Es war also nicht auszuschließen, dass es dennoch Opfer gegeben hatte.

„Ist jemand verwundet?“, erkundigte er sich.

Zwei der Männer hatten durch die auch im hinteren Teil des Stollens herabgeprasselten Gesteinssplitter Verletzungen erlitten, doch waren diese glücklicherweise nicht schwerwiegend.

„Wir sollten unsere Maschinen herholen und versuchen, uns den Weg nach draußen freizubohren“, schlug einer der Männer vor. Es handelte sich um Jeff Carner, einen ziemlich jungen Burschen, der sich einen Ruf als Draufgänger und Angeber verschafft hatte.

Hurley schüttelte den Kopf.

„Auf gar keinen Fall“, stieß er nachdrücklich hervor und deutete auf die Stahlträger. „Wenn wir hier zu bohren anfangen, stürzt alles über uns zusammen. Das wäre purer Selbstmord.“

„Aber irgendetwas müssen wir doch tun!“ In Carners Augen flackerte Panik. „Wir können doch nicht einfach nur herumstehen und darauf warten, dass ...“

„O doch, genau das werden wir tun, weil uns gar nichts anderes übrigbleibt“, fiel Hurley ihm scharf ins Wort. „Wir können nur auf Hilfe von außen hoffen, wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen.“ Er schaute sich um. Seine scharfen Worte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Niemand widersprach ihm mehr. Zumindest im Moment hatte er die Männer fest im Griff, wie er erleichtert feststellte. „Man weiß, dass wir hier sind, und wird versuchen, uns herauszuholen“, sprach er weiter. „Dann ist es besser, wenn wir nicht mehr hier vorne stehen. Das hier sieht alles nicht mehr besonders vertrauenserweckend aus. Besser, wir ziehen uns ein Stück zurück.“ Er kehrte mit seinen Begleitern an das hintere Ende des bereits gut eine halbe Meile langen Stollens zurück. „Pete, such alle Lampen zusammen, die du finden kannst!“, befahl er. Dann trat er an das Telefon, über das vom Stollen aus eine Direktleitung zum Büro von Brooks bestand. Als er jedoch den Hörer abnahm, musste er feststellen, dass der Apparat tot war. Vermutlich war das Kabel bei dem Erdrutsch zerrissen. Mit einem Fluch schleuderte er den Hörer gegen die Wand.

Ein paar Meter von den Planierraupen und den riesigen Gesteinsbohrern entfernt stand ein offener Jeep, den sie manchmal benutzten, um irgendwelche benötigten Ausrüstungsstücke zu holen. Das Fahrzeug war mit einem CB-Funk gerät ausgestattet. Es war zwar nicht besonders leistungsstark, und Hurley bezweifelte, dass die Funkwellen durch das Gestein dringen würden, aber es war zumindest einen Versuch wert. Hurley schaltete den Sender an. Mehr als fünf Minuten lang bemühte er sich erfolglos, Kontakt zu bekommen, dann sah er resigniert ein, dass seine Bemühungen nutzlos waren.

 

 

4

„Kansas“, brummte Bob verdrossen. „Wirklich der Arsch der Welt. Bitte, stellen Sie die Datumsanzeige Ihrer Uhren beim Überqueren der Grenzen um hundert Jahre zurück.“

Jim, der es sich auf dem Shotgunsitz so bequem wie möglich gemacht hatte, antwortete nicht, was Bob jedoch nicht zu stören schien.

„Kennst du den schon, wo jemand aus Kansas nach New York kommt und sich bei einem großen Konzern bewirbt, woraufhin ...“, begann er, wurde aber von Jim unterbrochen.

„Den hast du schon ein paarmal erzählt“, sagte der blonde Texaner. „Und der ist so schlecht, dass er auch vom wiederholten Erzählen nicht besser wird.“ Nach einer kurzen Pause fügte er grinsend hinzu: „Außerdem mag ich keine ausländerfeindlichen Witze.“

„Na also, wir verstehen uns“, erwiderte Bob prustend. „Aber ich habe gerüchteweise gehört, dass demnächst auch hier der elektrische Strom eingeführt werden soll.“

Details

Seiten
115
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738934984
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (November)
Schlagworte
katastrophe mount liberty
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Titel: Katastrophe am Mount Liberty