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Wer den Killer-Boss betrügt: N.Y.D. – New York Detectives

2019 99 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Wer den Killer-Boss betrügt: N.Y.D. – New York Detectives

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Wer den Killer-Boss betrügt: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 99 Taschenbuchseiten.

 

Fall abgeschlossen, sagt sich Bount Reiniger, der Privatdetektiv. Doch er irrt sich, denn der Mörder ist aufgrund eines gestellten Alibis wieder auf freiem Fuß.

Als June während ihres Friseurbesuchs Bekanntschaft mit zwei schießwütigen Kerlen macht und Bount einen ihn warnenden Anruf erhält, hat er nur noch eines im Sinn - diese Verbrecher aufzuspüren und hinter Gitter zubringen.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Guy Pitts — Er dreht durch, als er merkt, dass nicht alles so läuft, wie er es geplant hat.

Frank Pitts — Er verflucht den Tag, an dem er von seinem Bruder um einen Gefallen gebeten wurde.

Horace Rampling — Seine Aussage bringt zwar einen Gangster hinter Gitter, aber sie kostet ihm auch das Leben.

Zasu Kibbee — Als der Gangsterboss sich um sein Geld betrogen sieht, setzt er sich mit seinen Schießern in Marsch.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

Es war Guy Pitts’ Nacht. Er wollte das größte Ding in seiner Verbrecherlaufbahn drehen. Allein.

Er hatte sich gut darauf vorbereitet, hatte alles gründlich ausbaldowert. Er hatte die Firma - die Heizungen und sanitäre Anlagen herstellte und die er bestehlen wollte - wochenlang beobachtet. Er hatte Pläne gezeichnet, sie studiert, jedes Detail auswendig gelernt. Er kannte die Betriebsgepflogenheiten und wusste über die Fabrik so gut Bescheid, wie vielleicht nicht einmal ihr Besitzer. Und nun war die Nacht gekommen, in der Guy Pitts das große Ding im Alleingang drehen wollte. Er war von der Überlegung ausgegangen, dass man keinen Ärger bekam, wenn man allein arbeitete, und dass man hinterher mit niemandem zu teilen brauchte. Außerdem wollte sich der junge Ganove - er war Mitte zwanzig - beweisen, was für ein toller Kerl er war.

In der Unterwelt würde er mit diesem Verbrechen eine Menge Anerkennung erringen. Er war sehr ehrgeizig. Es lag ihm nicht, einer von vielen zu sein. Er wollte aus der Masse hervorstechen. Bei allem, was er tat.

Die Fabrik befand sich in Süd-Manhattan, nahe der Brooklyn Bridge. Pitts stoppte den gestohlenen Wagen etwa fünfhundert Yards vom Stacheldrahtzaun entfernt, der das Firmengelände umgab. Er trug einen grauen Overall, schwarze Handschuhe, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, und auf dem Beifahrersitz lagen eine Drahtschere mit langen isolierten Schenkeln und eine Bernadelli-Maschinenpistole.

Bevor der Verbrecher ausstieg, peilte er vorsichtig die Lage. Alles war ruhig. Kein Mensch weit und breit. Nicht einmal ein herrenloser Hund verirrte sich in diese Gegend. Pitts öffnete den Wagenschlag. Er schulterte die MPi und griff nach der Drahtschere. Nachdem er ausgestiegen war, versetzte er der Tür einen sanften Stoß. Sie fiel mit einem schmatzenden Geräusch ins Schloss. Der Gangster trabte los.

Es war eine klare, kühle Februarnacht. Es roch nach Schnee, obwohl es vor ein paar Tagen noch danach ausgesehen hatte, als würde sich der Frühling verfrüht einstellen. Guy Pitts hatte den Wetterbericht aufmerksam verfolgt und erfahren, dass eine Wolkenfront von Norden her über die Ostküste ziehen würde. Mit dem sternenklaren Himmel würde es wohl bald vorbei sein, aber das störte den Verbrecher nicht.

Er erreichte den Zaun, blickte sich prüfend um. Alles war zufriedenstellend. Genau, wie er es vorhergesehen hatte. Eigentlich wäre die MPi nicht nötig gewesen. Pitts hatte sich nur deshalb für sie entschieden, weil sie mehr Radau machte als ein Revolver. Die Fabrik wurde von zwei Nachtwächtern bewacht. Sollten sie wider Erwarten spitz kriegen, was er hier trieb, dann würde er die Knarre rattern lassen, eine Garbe in die Luft jagen und die Wächter damit garantiert verscheuchen. Das Hämmern einer Maschinenpistole jagt fast jedem Menschen einen Mordsschrecken ein. Deshalb hatte Pitts diese Waffe mitgenommen. Er setzte die Drahtschere an und schnitt den Zaun so weit auf, dass er mühelos durch die Öffnung kriechen konnte. Sobald er sich innerhalb der Umzäunung befand, lief er mit langen Sätzen auf die langgezogene Lagerhalle zu. Mit einem Spezialschlüssel schloss er eine Tür auf. Er gelangte in einen finsteren Gang, eilte entlang und erreichte das Büro des Fuhrparkleiters. Er knackte den Schrank, in dem die Truckschlüssel hingen, brach den Schreibtisch auf und nahm auch die Fahrzeugpapiere an sich. Danach verließ er das Büro und begab sich hinter die Lagerhalle, wo auf gelb markierten und nummerierten Feldern die schweren Brummer abgestellt waren. Militärisch ausgerichtet. Eine schnurgerade Front.

Pitts schwang sich in „seinen“ Truck. Er startete die Maschine, fuhr bis zur nächsten Laderampe, dort stoppte er das Schwerfahrzeug. Er wusste, dass die Nachtwächter das Motorengeräusch nicht gehört hatten, denn sie befanden sich in einer Hütte am Haupttor und hatten die ganze Nacht das Radio laufen. Ihre nächste Runde würden sie in einer Stunde drehen. Bis dahin wollte Pitts den Truck vollgeladen haben.

Er schuftete wie ein Akkordarbeiter. Der Schweiß rann ihm über das Gesicht. Alles musste schnell gehen, und jeder Handgriff musste sitzen. Nachdem er das Rolltor geöffnet hatte, bestieg er einen Gabelstapler und flitzte damit durch die große Lagerhalle. Er wusste genau, was er sich holen wollte: Kupfer und Heizkessel. Alles noch in Holzkisten verpackt. Der Gabelstapler hob die Kisten hoch und transportierte sie in den Truck. Bis zur Decke hinauf belud Guy Pitts den Brummer. Nach jeder Fahrt mit dem Gabelstapler warf er einen Blick auf seine Digitaluhr.

Bis jetzt hielt er sich hundertprozentig an den Zeitplan. Er war stolz auf sich. Das sollte ihm erst mal einer nachmachen. Ganz allein drehte er das Ding. Fünfundvierzig Minuten arbeitete er pausenlos. Der Truck war schon zum Bersten voll.

Pitts hievte noch eine letzte Kiste in das Fahrzeug. Dann sprang er vom Gabelstapler und schloss den Truck. Das Ladetor ließ er offen. Er wollte keine Minute unnütz verschwenden.

Bis jetzt war alles gutgegangen.

Doch nun begann Guy Pitts Pechsträhne ...

Sechs Nächte hindurch hatte er die Nachtwächter aufmerksam beobachtet. Sie hatten ihre Runde niemals vorzeitig angetreten. Der Zufall wollte es, dass sie es ausgerechnet in dieser Nacht taten.

Der Grund dafür war, dass Horace Rampling, einer der beiden Nachtwächter, in der zwischen dreiundzwanzig und vierundzwanzig Uhr ausgestrahlten Radio-Wunschsendung seine Verwandten in Boston grüßen ließ, und das wollte er sich anhören.

Sie traten aus ihrem warmen Glaskasten. Horace Rampling schüttelte sich: „Mistkälte! Was ist nur daran schuld, dass ich immer so leicht friere?“

Ezra Mitchell, sein Kollege, grinste.

„Du solltest eben lange Unterhosen tragen, wie es deinem Alter zukommt.“

„Alter. Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt.“

„Dann bin ich heute hundert geworden“, sagte Ezra Mitchell. „Mich plagt das Rheuma, die gebackenen Champignons, die ich heute Abend gegessen habe, liegen mir wie ein Stein im Magen, und meine Füße sind schwer wie Blei.“

„Kriegst nachher ein Schnäpschen von mir“, sagte Rampling.

Mitchell schüttelte entschieden den Kopf.

„Du weißt, dass ich im Dienst keinen Tropfen Alkohol trinke.“

„Ist doch Medizin.“

„Nicht während der Arbeit“, sagte Ezra Mitchell bestimmt.

Die beiden grauhaarigen alten Herrn schritten das Areal routinemäßig ab. Sie erwarteten keine Sensation, rechneten damit, dass dieser Rundgang genauso ereignislos verlaufen würde wie alle anderen. Als sie um die Ecke der Lagerhalle bogen, stutzte Ezra Mitchell plötzlich.

„Sieh mal da, Horace!“

Rampling nickte.

„Verdammt, wie kommt der Truck denn an die Laderampe?“

„Jemand hat ihn hingefahren.“

„So schlau bin ich auch. Aber wer? Und wieso?“

„Da stimmt was nicht, Horace. Ruf die Polizei an! Da will uns jemand das Lager ausräumen.“

„Mensch, ich werd’ verrückt!“, stieß Rampling aufgeregt hervor.

„Nun mach schon!“, drängte Mitchell. „Ruf die Bullen zu Hilfe!“ Er zog seinen Dienstrevolver aus der Gürtelholster.

Rampling riss die Augen auf.

„Ezra, was hast du vor?“

„Ich halte die Kerle einstweilen in Schach. Die kommen hier nicht ungeschoren weg.“

„Riskier’ nicht zu viel, hörst du? Die Sache ist es trotz allem nicht wert, dass du dein Leben aufs Spiel setzt.“

Mitchell dachte darüber jedoch anders. Er war Nachtwächter. Man hatte ihm die Fabrik anvertraut, und er hatte versichert, dass er gut auf das Unternehmen aufpassen würde. Wenn hier etwas geklaut wurde, dann bestahl man ihn. So sah Ezra Mitchell das. Er war zwar nicht mehr der Jüngste, aber er war der Ansicht, dass er sich noch recht gut zur Wehr setzen konnte, wenn man ihn beklauen wollte.

„Die kommen hier nicht weg“, knurrte er.

Rampling zögerte. Er ließ Mitchell nicht gern allein. Der Kollege konnte sich durch seinen Ehrgeiz zu einer Unbesonnenheit hinreißen lassen. Vielleicht würde er versuchen, den Helden zu spielen, und Gangster sind in den wenigsten Fällen zart besaitet. Wenn man sie in die Enge treibt, nehmen sie auf ein Menschenleben keine Rücksicht.

„Verschwinde endlich!“, zischte Mitchell. „Worauf wartest du? Dass die Kerle mit dem Truck abhauen?“

Rampling wandte sich um.

„Sei vorsichtig!“, raunte er dem Kollegen noch zu, dann lief er zum Glaskäfig zurück, um die Polizei zu alarmieren.

Mitchell pirschte sich indessen näher an den Truck heran. Sein faltiges Gesicht wirkte so hart, als wäre es aus Granit gemeißelt. Er hatte etwas gegen dieses lichtscheue Gesindel, das sich nachts heimlich am Eigentum anderer vergriff. Von ehrlicher Arbeit hielten diese Kerle nichts. Für die waren alle anderen, die einem geregelten Job nachgingen, Idioten. Bei einem Einbruch war ja viel mehr Geld zu verdienen. Aber durch diese Rechnung wollte Ezra Mitchell den Ganoven einen dicken Strich machen.

Er entdeckte einen Mann im Overall auf der Laderampe.

„Stopp!“, rief er mit harter Stimme. „Hände hoch!“

Guy Pitts zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen. Er hatte sich in den Truck setzen und losfahren wollen. Das unverhoffte Auftauchen des Nachtwächters brachte ihn aus der Fassung. Er riss die Bernadelli von der Schulter, richtete den Lauf zum Himmel und ließ die automatische Waffe rattern. Aber er täuschte sich in dem sturen Ezra Mitchell gewaltig. Der Mann ließ sich nicht erschrecken. Mit einer in den Nachthimmel geballerten Salve konnte man ihn nicht verscheuchen.

Hinzu kam, dass Mitchell der Ansicht war, der Gangster habe gezielt auf ihn geschossen. Dieses Missverständnis bewirkte, dass Ezra Mitchell gezielt zurückschoss.

Er war früher mal ein ganz passabler Schütze gewesen. Heute jedoch, fehlte ihm die Übung, deshalb verfehlten seine beiden Kugeln den Verbrecher um Haaresbreite. Die Geschosse pfiffen Guy Pitts aber so knapp um die Ohren, dass er in Panik geriet und die Bernadelli auf den alten Mann richtete. Wenn schon einer auf der Strecke bleiben sollte, dann wollte das nicht Pitts sein. Er drückte ab. Die MPi hämmerte und stieß den Verbrecher mit jedem Rückschlag.

Pitts wurde kräftig geschüttelt. Er presste die Kiefer zusammen und umklammerte die Waffe fest mit beiden Händen.

Die Schussserie raste auf Mitchell zu. Der Nachtwächter sah es und wollte zur Seite springen, doch ehe er diese Absicht ausführen konnte, erwischten ihn die Kugeln des Gangsters. Er wurde mit ungeheurer Kraft herumgerissen. Seine Arme flogen hoch, der Revolver entglitt seinen Fingern. Der Nachtwächter vollführte für wenige Augenblicke einen verrückten, grotesken Tanz. Dann brach er blutüberströmt zusammen.

„Verdammter Idiot!“, knirschte Guy Pitts.

Er hatte noch nie einen Menschen getötet, und er hätte es auch diesmal nicht getan, wenn der Nachtwächter ihn nicht dazu gezwungen hätte.

Du bist zum Mörder geworden!, hämmerte es in seinem Kopf, und er konnte damit nicht so schnell fertigwerden. Wie hatte ihm nur so etwas passieren können?

Hastig kletterte er in den Truck. Er startete den Motor und ließ das schwere Fahrzeug anrollen. Ein Zurück gab es für ihn jetzt nicht mehr. Es gab nur noch die Flucht nach vorn. Er musste so schnell wie möglich von hier weg, musste das Diebesgut in Sicherheit bringen. Ohne dieses wäre er nicht abgehauen. Was er getan hatte, musste sich schließlich auch lohnen.

Pitts trat das Gaspedal kräftig durch. Der Truck nahm Direktkurs auf das geschlossene Haupttor. Der schwere Brummer wurde immer schneller.

Guy Pitts sah den zweiten Nachtwächter. Der Mann stand starr in seinem Glaskäfig. Rampling unternahm nicht den geringsten Versuch, den Gangster an der Flucht zu hindern. Er kam nicht aus dem Gebäude, ließ seinen Dienstrevolver stecken, starrte nur den Mann an, der hinter dem Truck-Lenkrad saß und auf das Tor zuraste. Die Distanz verringerte sich innerhalb weniger Sekunden auf null.

Es gab einen ohrenbetäubenden Krach. Der schwere Laster durchstieß das Tor, rammte die beiden Flügel zur Seite. Eine ungeheure Kraft riss sie aus den Angeln, sie fielen auf den Asphalt und schlitterten mehrere Meter weit über den Boden.

Der Truck war einen Herzschlag später nicht mehr auf dem Gelände. Das Dröhnen des Motors wurde rasch schwächer, und jetzt erst eilte Horace Rampling hinaus, um nach seinem Kollegen zu sehen.

 

 

2

June March trug an diesem Morgen ein auberginefarbenes Strickkostüm, das ihre makellose Figur wunderbar modellierte. Ihr langes blondes Haar war hochgesteckt. Dadurch kam ihr schlanker Hals hervorragend zur Geltung.

„Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich zugeben, dass du eigentlich viel zu schade dafür bist, Tag für Tag den Vorzimmerdrachen zu spielen“, sagte Bount Reiniger, der Privatdetektiv.

June schoss einen leidenschaftlichen Blick aus ihren veilchenblauen Augen ab.

„Soll das heißen, dass du mich von nun an mehr im Außendienst einsetzen wirst, Chef?“

Sie war ganz versessen darauf, mehr an vorderster Front eingesetzt zu werden. Die elektrische Schreibmaschine entwickelte sich mehr und mehr zu ihrer persönlichen Feindin. Sie liebte das Abenteuer, von dem Bount Reiniger sie tunlichst fernhielt, weil er sie nicht verlieren wollte.

Er lächelte.

„Du kriegst deinen Job im Außendienst, sobald irgendeiner reichen Matrone ihr Schoßhündchen entlaufen ist.“

„Unterdrücker des weiblichen Geschlechts!“, sagte June und schmollte.

„Ich halte es mit Herbert von Karajan. Willst du hören, was er anlässlich einer Pressekonferenz gesagt hat?“

„Was?“

„Es genügt, wenn eine Frau kochen kann. Und das kannst du. Vor allem im Zubereiten von Kaffee bist du einsame Spitze. Würdest du diese Behauptung bitte gleich mal wieder unter Beweis stellen?“

„Man sollte euch überheblichen Männern ...“

„Brich bitte kein emanzipatorisches Streitgespräch vom Zaun“, fiel Bount dem blonden Mädchen grinsend ins Wort, „sonst kommen wir den ganzen Tag nicht zum Arbeiten.“

„Scheusal!“, sagte June, und es blitzte in ihren Augen.

„Wie bitte?“

„Du hast schon richtig gehört.“

„Dann kann ich mir den Weg zum Ohrenarzt ja sparen.“

June verließ Bounts Arbeitszimmer. Er lächelte belustigt. June war ein bildhübsches Girl, aber wenn sie sich ärgerte, war sie noch hübscher.

Sie meldete sich zwei Minuten später über die Gegensprechanlage. Bount war gerade dabei, sich eine Pall Mall anzuzünden.

„Ein Mister David Mitchell ist hier, Bount. Er möchte dich sprechen.“

„In welcher Angelegenheit?“

„Mord.“

„Schick ihn rein, und bring auch für ihn eine Tasse Kaffee mit!“

Als sich die Tür öffnete, erhob sich Bount und lächelte höflich. Ein schlanker junger Mann trat ein. Bount schätzte ihn auf zweiundzwanzig. Der Eintretende war korrekt und elegant gekleidet. Seine schwarzen Schuhe waren auf Hochglanz poliert. Bount reichte ihm die Hand.

„Mister Mitchell.“

„Guten Tag.“

„Was kann ich für Sie tun?“

„Gestern Nacht wurde mein Vater ermordet. Ich möchte, dass Sie seinen Mörder finden.“

Bount bot David Mitchell Platz an und setzte sich ebenfalls. June brachte den Kaffee und zog sich gleich wieder zurück. Mitchell machte auf Bount einen traurigen Eindruck. Er schien an seinem Vater sehr gehangen zu haben.

„Erzählen Sie mir, was passiert ist“, bat Bount Reiniger.

„Ich bin der Public Relations Manager einer Firma, die Heizungen und sanitäre Anlagen herstellt, Mister Reiniger. Mein Vater, Ezra Mitchell, war in derselben Firma tätig. Als Nachtwächter.“

Bount blickte ihn erstaunt an. Mitchell sah es und nickte.

„Ich weiß, was Sie denken. Es ist richtig, dass ich meinen Vater einen besseren Posten hätte beschaffen können. Ich hätte ihn zum Beispiel in meine Abteilung nehmen können, aber das wollte er nicht. Er lehnte jede Protegierung strikt ab. Ich musste seine Einstellung akzeptieren. Ich hätte seinen Stolz verletzt, wenn ich mich darüber hinweggesetzt hätte. Und er hatte eine ganze Menge Stolz.“

Bount nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Er zog noch einmal an der Pall Mall, dann drückte er sie im Aschenbecher aus.

„Wie ist Ihr Vater gestorben, Mister Mitchell?“

David Mitchell betrachtete seine Hände.

„Ich mache mir heute natürlich bittere Vorwürfe, weil ich diesem Dickkopf seinen Willen gelassen habe. Wenn ich ihn zu mir in die PR-Abteilung genommen hätte, wäre er jetzt noch am Leben. Irgendeine Arbeit hätte sich für ihn schon gefunden. Er war ein intelligenter Mann. Aber so verdammt starrsinnig. Er und Horace Rampling hatten gestern Nacht Dienst. Ein Kerl klaute einen der Trucks, belud ihn mit einer Menge Ware und verschwand damit. Ein Mann allein. Diese Verbrecher werden immer dreister. Der Gangster trug eine Maschinenpistole bei sich. Mein Vater versuchte ihn zu stellen, es kam zu einem Feuerwechsel, in dessen Verlauf mein Vater sein Leben verlor.“

„Hat Horace Rampling den Gangster gesehen?“

„Ja.“

„Kann er ihn beschreiben?“

„Ja.“

„Wurde der Truck mit dem Diebesgut wiedergefunden?“

David Mitchell schüttelte den Kopf.

„Der Laster ist in der Versenkung verschwunden. Genau wie der Mann, der meinen Vater auf dem Gewissen hat. Ich möchte, dass Sie diesen Fall übernehmen, Mister Reiniger. Bringen Sie diesen gemeinen Killer ins Zuchthaus. Es genügt mir nicht, dass die Polizei den Kerl sucht. Ich will, dass sich der beste Mann mit diesem Fall beschäftigt, und das sind Sie.“

Bount nickte.

„Okay. Ich übernehme den Fall, Mister Mitchell.“

„Wieviel kriegen Sie?“

„Hundert Dollar pro Tag. Spesen extra.“

„Einverstanden.“

„Sie können das später mit meiner Sekretärin, Miss June March, regeln.“

„Gut.“

„Wo wohnt Horace Rampling, Mister Mitchell? Wissen Sie zufällig seine Adresse?“

„Er ist in der Nord-Bronx zu Hause. In Mount St. Vincent. Delafield Avenue Nummer 7.“

Bount notierte die Anschrift und versprach David Mitchell, alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, um den Mörder Ezra Mitchells zu finden.

 

 

3

Zwei dreckige Buben spielten mit einer Konservendose Fußball. Bount stieg aus seinen silbernen Mercedes. Die Dose kreiselte auf ihn zu. Er stoppte sie und kickte sie zurück. Die Jungs übernahmen sie und zogen damit die Delafield Avenue weiter.

Bount Reiniger betrat ein altes, schäbiges Haus. Es hatte keine Nummer, aber da es zwischen 5 und 9 lag, musste es sich um die Nummer 7 handeln.

An Hand der Postkasten fand Bount heraus, dass Horace Rampling im dritten Stock wohnte. Er machte sich an den Aufstieg. Hinter einer der Türen im ersten Stock trällerte eine Hausfrau. Die Töne waren zwar falsch, dafür aber laut. Im zweiten Stock wummerte der Bass einer überlaut aufgedrehten Stereoanlage, dass alles dröhnte.

Im dritten Stock gab es drei Türen mit Namensschildern. Bount läutete bei Horace Rampling. Niemand öffnete. Bount Reiniger versuchte es noch einmal, denn es konnte sein, dass Rampling nach den Aufregungen der vergangenen Nacht eine Schlaftablette geschluckt hatte. Als dann immer noch niemand die Tür aufmachte, konnte Bount sicher sein, dass der Mann nicht zu Hause war.

Die Nachbartür ging auf. Eine schlanke hässliche Frau tat sehr geschäftig. Sie putzte den Türrahmen mit einem Lappen. Aber sie nahm es mit dieser Arbeit nicht ernst. Ihre Aufmerksamkeit galt dem Fremden, der bei Horace Rampling klingelte.

„Wenn Sie zu Mister Rampling wollen, der ist nicht zu Hause“, sagte die Frau.

„Das habe ich leider schon bemerkt“, erwiderte Bount. „Haben Sie eine Ahnung, wann er heimkommt?“

„Tut mir leid, das weiß ich nicht.“

„Wann ist er weggegangen?“

„Vor etwas mehr als einer Stunde.“

„Dann werde ich auf ihn warten.“

„Möchten Sie hereinkommen?“ Die Frau schien sich irgendwelche Hoffnungen zu machen. Bount sah immerhin recht gut aus. „Auf einen Drink?“

Bount Reiniger fiel es nicht schwer, standhaft zu bleiben.

„Vielen Dank für das Angebot, aber ich will Ihnen nicht zur Last fallen“, sagte er, und die Nachbarin des Nachtwächters schloss enttäuscht die Tür.

 

 

4

„Sie waren uns eine große Hilfe, Mister Rampling“, meinte Captain Toby P. Rogers, der gewichtige Leiter der Mordkommission Manhattan C/II. „Ohne Sie wäre es uns nicht so schnell gelungen, den Burschen zu kassieren. Ihre Beschreibung des Gangsters war so perfekt, dass wir ihn im Handumdrehen aus der Kartei fischen konnten.“

„Was ist das für ein Mann?“, wollte Rampling wissen.

„Sein Vorstrafenregister ist so lang wie mein Arm. Er kennt eine Menge Leute in der Unterwelt, hat überall schon ein bisschen mitgemischt, ohne jedoch einer bestimmten Gang anzugehören. In der vergangenen Nacht wollte er wohl ein Meisterstück liefern, aber die Sache ging schief.“

„Und kostete Ezra Mitchell das Leben.“

„Es war Guy Pitts’ erster Mord“, sagte der Captain. „In wenigen Minuten werden Sie ihn bei der Gegenüberstellung festnageln. Dann sorge ich dafür, dass er lebenslang ins Zuchthaus kommt.“

Die Officetür öffnete sich. Der schlaksige Stellvertreter des Captain, Lieutenant Ron Myers, trat ein. Sommersprossen zierten sein Gesicht.

„Wir sind soweit, Toby.“

Rogers nickte. Er blickte Rampling an.

„Sind Sie auch soweit?“

Der Nachtwächter erhob sich seufzend.

„Ich hoffe, ich kann Ihre Erwartungen erfüllen, Captain.“

Toby lachte.

„Ganz bestimmt. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Sie haben ein gutes Auge. Sie werden den Burschen wiedererkennen, davon bin ich überzeugt.“

Sie verließen das Büro des Captain zu dritt und betraten wenig später einen fensterlosen Raum, an dessen Stirnseite sich eine schmale Bühne befand, die mit starken Scheinwerfern angestrahlt wurde.

„Lass sie aufmarschieren!“, sagte Toby zu Ron.

Kurz darauf reihten sich sechs Männer auf der Bühne auf. Toby neigte sich Rampling zu.

„Sie haben soviel Zeit, wie Sie wollen. Sehen Sie sich die Knaben in aller Ruhe an, und sagen Sie mir, ob der Mann, der Ezra Mitchell erschossen hat, dabei ist!“

Der Nachtwächter sah sich die sechs Männer gründlich an. Er versuchte zu rekapitulieren, was sich in der vergangenen Nacht abgespielt hatte. Er rief sich die Szene noch einmal ins Gedächtnis, als der Truck auf das Tor zugerast kam. Das Licht war aus der Glaskugel auf das Gesicht des Verbrechers gefallen. Für kurze Zeit war es erhellt gewesen. Die Züge des Mannes hatten sich in Ramplings Gedächtnis eingeprägt, er hatte geglaubt, dieses Gesicht nie mehr zu vergessen.

Doch heute - zehn Stunden später - stellte sich die erste Unsicherheit ein. Die sechs Männer unterschieden sich nicht viel voneinander.

Rampling ging die Reihe noch einmal durch. Er legte die Finger auf seine Lippen und war unschlüssig, ob er auf die Nummer drei oder auf die Nummer fünf zeigen sollte.

Er seufzte.

„Ich will Sie nicht drängen“, sagte der Captain. „Ist der Mann dabei?“

„Es ist sehr schwierig, Captain. Ich sehe zwei Männer, die es gewesen sein könnten.“

„Sie müssen sich für einen entscheiden“, sagte Toby.

„Nummer fünf“, sagte Horace Rampling leise. „Aber ich bin nur zu neunzig Prozent sicher.“

„Wollen Sie sich die Männer noch einmal ansehen?“

„Das nützt nichts.“

„Ist gut“, sagte Toby zu Ron, „dann kannst du die Figuren abmarschieren lassen.“

Der Captain verließ mit dem Nachtwächter den fensterlosen Gegenüberstellungsraum. Er bot Rampling eine Zigarette an. Sie rauchten, während sie den Gang entlanggingen.

„Es passierte alles so schnell gestern Nacht“, sagte Rampling.

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, sagte Toby. „Neunzig Prozent müssten reichen, um den Mann festzuleimen.“

„Als ich die Schüsse hörte, war ich wie vom Donner gerührt. Ich weiß nicht, wieso, aber ich wusste sofort, dass es Ezra erwischt hatte, dass er tot war. Und dann raste der Truck auf das Tor zu ...“

„Darf ich Ihnen etwas verraten, Mister Rampling? Fünf der sechs Männer, die Sie vorhin gesehen haben, waren Polizeibeamte. Nur einer war ein Ganove: Guy Pitts. Die Nummer fünf, und auf die haben Sie gezeigt. Wir werden den Knaben so lange durch die Mangel drehen, bis er ein Geständnis ablegt. Unsere Verhörspezialisten sind ausgesucht gute Leute. Die bringen sogar Steine zum Reden. Das dauert nur etwas länger. Er wird gestehen, dass er Ezra Mitchell erschossen hat, und er wird uns sagen, wo der Truck mit der Sore versteckt ist. Das ist alles nur noch eine Frage der Zeit.“

„Dann brauchen Sie mich nicht mehr?“

„Nein. Sie können nach Hause gehen und den Schlaf nachholen, auf den Sie unseretwegen verzichtet haben. Gute Nacht. Oder guten Tag. Wie sagt man eigentlich zu einem Nachtwächter, wenn er zu Bett geht?“

Rampling zuckte mit den Schultern.

„Das weiß ich selbst nicht.“

Er verließ das Police Headquarters am Crotona Park und fuhr mit dem Bus nach Hause. Vor seiner Wohnungstür stand ein großer dunkelhaariger Mann. Schlank, breitschultrig, durchtrainiert. Schmales Gesicht, helle, durchdringende Augen. Er hätte ein eleganter, gepflegter Top-Manager sein können, aber er war Privatdetektiv und hieß Bount Reiniger, das erfuhr der Nachtwächter, als er den Ausweis des Fremden sah. Bount steckte die Lizenzkopie wieder ein und betrat mit Rampling dessen Wohnung.

„Seit gestern Nacht geht es in meinem Leben drunter und drüber“, seufzte der Nachtwächter. „Entschuldigen Sie die Unordnung in meiner Wohnung. Normalerweise sieht es bei mir nicht so aus.“

„Ich bin nicht hier, um Ihre Lebensgewohnheiten zu kritisieren, Mister Rampling“, sagte Bount Reiniger versteckt lächelnd.

Rampling fegte ein paar Kleidungsstücke von einem Sessel und bot dem Detektiv Platz an.

„Was führt Sie zu mir, Mister Reiniger?“

„Der Mord an Ezra Mitchell. Sein Sohn hat mich engagiert. Ich soll den Mörder seines Vaters finden.“

„Der sitzt bereits hinter Schloss und Riegel.“

Bount sah den Nachtwächter erstaunt an. „Tatsächlich?“

Rampling nickte. „Ich komme soeben vom Police Headquarters. Captain Rogers hat mich zu einer Gegenüberstellung gebeten. Ich habe gestern Nacht den Gangster beschrieben, und die Polizei hat ihn heute Morgen festgenommen.“

„Wie heißt er?“

„Guy Pitts.“

„Und Sie haben ihn einwandfrei wiedererkannt?“

„Ich war nur zu neunzig Prozent sicher, aber der Captain sagte, das würde reichen.“

Bount nickte.

„Der Ansicht bin ich auch.“ Er schlug sich auf die Schenkel und erhob sich. „Tja, dann will ich Ihnen nicht länger auf die Nerven fallen. Ich sehe Ihnen an, dass Sie müde sind. Sie werden sicherlich schlafen wollen. Also dann. Gute Nacht. Oder guten Tag ...“

„Seltsam“, sagte Horace Rampling. „dasselbe hat auch Captain Rogers zu mir gesagt.“

„Das wundert mich nicht. Wir sind Freunde, und wir hatten schon öfter mal dieselben Ideen.“

Bount kehrte zu seinem 450 SEL zurück, verließ Mount St. Vincent und suchte das Police Headquarters auf. Als Toby Rogers von ihm erfuhr, dass er heute Morgen in den Fall eingestiegen war, lächelte er schadenfroh.

„Diesmal gibt’s nicht viel Geld für dich bei der Sache zu verdienen, was? Der Gangster sitzt, und du kannst deinem Klienten lediglich hundert Dollar verrechnen. Mit schlechtem Gewissen, denn beigetragen hast du nichts dazu, dass Guy Pitts geschnappt wurde.“

Bount zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„Man hat auch mal schwächere Tage. Hauptsache Pitts kriegt seine Strafe. Wie ich dabei aussteige ist nicht so wichtig. Diesmal habt ihr mir meinen Fall gelöst. Normalerweise ist es umgekehrt.“

„Nimm nicht schon wieder den Mund so voll, bloß weil du uns ab und zu mal um eine Nasenlänge voraus bist“, brummte Toby. „Was wirst du jetzt tun? In dein Büro zurückkehren und Däumchen drehen? Falls du Langeweile haben solltest, könntest du dich kostenlos an der Suche nach dem Truck und dem Diebesgut beteiligen.“

Bount tippte sich an die Stirn.

„Für wie behämmert hältst du mich eigentlich? Ich erledige doch nicht deine Arbeit. Drehen deine Leute Pitts schon durch die Mangel?“

„Sie haben vor einer halben Stunde damit angefangen.“

Zusammenfassung


Fall abgeschlossen, sagt sich Bount Reiniger, der Privatdetektiv. Doch er irrt sich, denn der Mörder ist aufgrund eines gestellten Alibis wieder auf freiem Fuß.
Als June während ihres Friseurbesuchs Bekanntschaft mit zwei schießwütigen Kerlen macht und Bount einen ihn warnenden Anruf erhält, hat er nur noch eines im Sinn - diese Verbrecher aufzuspüren und hinter Gitter zubringen.

Details

Seiten
99
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738934861
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (November)
Schlagworte
killer-boss york detectives

Autor

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Titel: Wer den Killer-Boss betrügt: N.Y.D. – New York Detectives