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Debbie bläst zur Mörderjagd

©2019 122 Seiten

Zusammenfassung


Marcy Danning wird brutal ermordet – und mit ihr ihre Familie: Ehemann und Sohn. Die mörderische Bande von Hud Colby macht auch in der Zukunft durch Bluttaten von sich reden, bis eine Frau auftaucht, die ihn gnadenlos hetzt, auf der Suche nach Rache für ihre tote Schwester.

Leseprobe

Table of Contents

Debbie bläst zur Mörderjagd

Copyright

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

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12

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20

Debbie bläst zur Mörderjagd

Western von Jasper P. Morgan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Marcy Danning wird brutal ermordet – und mit ihr ihre Familie: Ehemann und Sohn. Die mörderische Bande von Hud Colby macht auch in der Zukunft durch Bluttaten von sich reden, bis eine Frau auftaucht, die ihn gnadenlos hetzt, auf der Suche nach Rache für ihre tote Schwester.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Prolog

»Howdy, ihr im Haus!« Der Ruf verklang in der Nacht. Dean Weller drehte sich zu seinen beiden Sattelpartnern um und hob die Schultern. Die Antwort vom Blockhaus blieb aus. Die drei Männer wollten nicht riskieren, von heißen Kugeln empfangen zu werden, indem sie unaufgefordert hinritten. Aber die Pferde konnten nicht mehr. Und den Reitern waren eine Tasse heißen Kaffees und ein wärmendes Feuer mehr als willkommen.

Deshalb riefen sie erneut, und als keine Einladung erfolgte, wagten sie es. Mit hängenden Köpfen trabten die Pferde dem flachen, robusten Gebäude entgegen.

Als Weller vor der Veranda aus dem Sattel gleiten wollte, ließ ihn das metallische Schnarren einer Winchester in der Bewegung erstarren. Kalter Stahl drückte gegen seinen Wangenknochen.

»Niemand hat Ihnen erlaubt abzusteigen, Mister«, zischte eine kalte Stimme …

 

 

1

Einige Wochen zuvor

Shamrock war eine kleine friedliche Stadt.

Zwei Häuserreihen säumten die Main Street. Die Gebäude waren sorgfältig gestrichen worden, wirkten gepflegt, und manche Bewohner hatten sogar Gärten angelegt.

Das größte Haus am Ort war der Saloon, der lediglich von ein paar Cowboys und Farmhelfern aus der näheren Umgebung besucht wurde.

Das Leben in Shamrock war angenehm. Sheriff Ben Mallory hatte wenig zu tun. Sein Deputy, der alte Crumpy, betrieb gleichzeitig den Mietstall und übernahm sämtliche Botengänge für seinen Vorgesetzten.

Shamrock war ein Ort, an dem sich jeder Mann, der rastlos durch den Westen zog, verweilen und erholen konnte.

Shamrock war ein kleines Paradies.

Der Mann, der zwischen den Felsen auf den Hügeln oberhalb der Stadt stand und auf die Main Street niederschaute, sah das genau so. »Ein richtiges kleines Paradies«, sagte er und spuckte einen Strahl widerlich braunen Tabaksaftes seinem Nebenmann vor die Stiefelspitzen.

»Kannst gleich drin die Harfe spielen, wenn du nicht aufpasst, wo du hin spuckst!«, kam die barsche Antwort.

»Nun reg dich nicht gleich auf, Jesse!«, beschwichtigte Hudson Colby und schob seinen Priem in die rechte Backe. »Deine Stiefel sind doch sowieso im Eimer.«

Jesse Fox, dessen Gesicht seinem Namen alle Ehre machte, stellte seinen Fuß auf einen Felsen neben Colby. Die Stiefelspitze klaffte weit auseinander.

»Diese Stiefel, Mister, haben mich einige Jahre meines Lebens begleitet! Ich lasse nicht zu, dass du sie bespuckst oder über ihren Zustand lästerst!«, sagte der Mann mit dem Fuchsgesicht.

Seine Wangen waren eingefallen. Die spitze Nase zwischen den hoch angesetzten, ausgeprägten Wangenknochen und die zu schmalen Schlitzen verengten, hinterhältig blickenden Augen verrieten, dass dieser Mann unberechenbar und eiskalt war.

»Ich weiß, Fox«, beschwichtigte Hud Colby. »Du ziehst die Dinger nicht mal aus, wenn du zu ’ner Frau ins Bett steigst oder badest.«

»Ich bade nicht«, gab Fox ruhig zurück.

»Deshalb sperren deine Stiefel wohl auch das Maul so weit auf«, murmelte Colby. »Können den Gestank nicht mehr ertragen.« Colby spuckte zielsicher auf einen faustgroßen Stein. »Wirklich ein kleines Paradies«, wiederholte er. »Nur schade, dass einer dieser Engel so quer schießen muss.«

»Lass den Schmierfink in Ruhe«, riet Fox. »Es lohnt die Mühe nicht, sich mit Marcy Danning anzulegen. In dem Nest ist nichts zu holen, und wenn du dem Luder auf die Finger klopfst, wird sie nur noch lauter gegen dich schimpfen.«

Colby fuhr herum. Die eisgrauen Augen in dem kantigen Gesicht funkelten kalt. »Vorher reiß ich ihr die Zunge aus ihrem verdammten Schandmaul, Fox!«, zischte er.

»Du kommst nicht mehr an sie ran, Hud. Sie hat dich entlarvt und zieht seit Wochen in ihrem Käseblatt über dich her. Aber nicht nur das, sie hat ihre Informationen auch an andere Zeitungen geschickt. Was hast du dem Weibsbild nur angetan, dass sie dich so niedermacht?«

»Nichts. Rein gar nichts, Fox! Ich hab sie nur zum Abendessen eingeladen. So, wie du das mit deinen Weibern immer machst. Sie wollte nicht. Da hab ich versucht, sie zu überreden.«

»Und?«

Colby zog sein Halstuch herunter und rieb sich die schmerzende Haut, durch die sich mehrere blutige Striemen zogen. »Ich hab ihr eine gescheuert, als sie mir an den Hals ging. Ich musste mich doch wehren, oder? Hättest du dich an meiner Stelle nicht auch gewehrt? Na los, sag schon, dass du auch nicht anders reagiert hättest!«

Fox schüttelte den Kopf. »Nicht bei solch einer Katze, Colby.«

»Du hättest zugelassen, dass sie über dich herfällt und dir die Augen auskratzt?«, fragte Colby ungläubig.

»Ich hätte sie geküsst.«

»Angeber! Du hättest es nicht mal geschafft, sie anzufassen, geschweige denn zu knutschen. Sie hätte dir jeden Finger einzeln gebrochen und dir die Lippen blutig gebissen. Aber sie wird teuer dafür bezahlen, Fox.«

»Lass sie mir, Hud. Frauen wie sie machen das Leben doch erst interessant.«

»Niemals. Sie gehört mir. Ich nehmt sie mir vor, und dann …«

Fox drehte sich um und zog sein Rauchzeug aus der Tasche. An den Felsen gelehnt, drehte er sich eine Zigarette und beobachtete dabei die anderen Boys aus der Mannschaft.

Da war der große Syd Doyle, der in einer Menschenmenge kaum auffiel. Er fand sich in jeder Stadt zurecht und machte sich niemals als Fremder bemerkbar. Er hatte ein Durchschnittsgesicht mit breiter Nase und einem dünnen Oberlippenbart und war einfach nur freundlich. Damit kam er am weitesten.

Er war sogar dann noch nett, wenn er einem Mann das Lebenslicht auspustete. Aber er hatte auch eine sehr unbeherrschte Art und konnte leicht ausrasten. Dann war er am gefährlichsten.

Der muskelbepackte Barney Dunne, den sie nur Muscles nannten, ritt schon seit ein paar Jahren mit Colby. Sein kahler Schädel glänzte in der Sonne, und die Nackenmuskeln traten wie Seilstränge unter der Haut hervor, als er sich bückte und einen Pferdehuf untersuchte. Muscles konnte gut mit Tieren umgehen und kümmerte sich deshalb um die Pferde.

Genauso gut konnte er mit Messer und Beil umgehen. Das Töten bereitete ihm Freude. Je grausamer ein Mord war, desto wohler fühlte sich Muscles.

Schließlich gab es noch Kid Rendall, den Benjamin in der Mannschaft. Er war gerade mal Neunzehn, noch grün hinter den Ohren und wirkte wie die Unschuld vom Lande. Er war wie ein Enkel, den sich jede Großmutter von Herzen gewünscht hätte. Er war lieb und nett und konnte noch richtig bis über beide abstehenden Ohren erröten.

Und er würde seiner eigenen Großmutter kalt lächelnd die Gurgel durchschneiden, wenn er davon einen Vorteil hätte.

Aber Kid Rendall, dessen Vornamen niemand kannte, hatte noch eine Fähigkeit, die ihm einen Platz in der Mannschaft sicherte.

Er war ein ausgezeichneter Scharfschütze!

Das war Hud Colbys berüchtigte Killerhorde, und gemeinsam zogen sie selbst dem Teufel sämtliche Zähne.

»Wie willst du es anstellen?«, fragte Fox unvermittelt und steckte sich den Glimmstängel an. »Wie willst du an den Schmierfink ’rankommen?«

Colby griente breit. »Ganz einfach, Jesse.« Er erläuterte Fox seinen Plan, und das listige Gesicht des Revolvermannes erhellte sich. Es war, als leckte sich der Fuchs die Schnauze angesichts einer fetten Beute.

Die Frau, von der Colby und Fox gesprochen hatten, legte zur gleichen Zeit die Arme um den Hals ihres Mannes. »Wie wäre es, wenn du den Laden für heute schließt?«, flüsterte sie und strich mit ihrer Nasenspitze sanft über sein Gesicht. »Wir gehen nach Hause, verriegeln die Tür und …«

Tom Danning hob eine Augenbraue und betrachtete seine schöne, blonde Frau. »Und?«, fragte er.

»Ich koche uns einen Kaffee, und du bekommst etwas Süßes dazu.«

»Klingt verlockend.«

Marcy schmiegte sich an ihn. »Ich wusste, dass dir das gefallen würde.«

»Welchem Mann würde es nicht gefallen?«, gab Tom zurück und streichelte das seidenweiche Blondhaar. »Wenn es da nicht einen gewissen Wildfang in Shamrock gäbe, der bestimmt genau in dem Moment an die Tür klopft oder durch eines der Fenster steigt, wenn wir ungestört sein wollen.«

»Wie der Vater, so der Sohn.«

»Was willst du denn damit sagen? Die schlechten Eigenschaften hat er garantiert von dir vererbt bekommen.«

Marcy knuffte ihren Mann in die Seite und löste sich aus seinen Armen. »Danny wird uns etwas Entspannung gönnen. Schließt du den Laden?«

»Ich weiß nicht recht …«, zögerte Tom Danning, der den General Store von Shamrock betrieb. Unschlüssig stand er am Tresen.

»Hm«, machte Marcy. »Dann werden wir wohl stärkeres Geschütz auffahren müssen.«

Sie knöpfte langsam ihre Bluse auf. Verführerisch ließ sie die Zungenspitze über die Lippen gleiten.

»Was … tust du?«, fragte Tom, aber die Frage war eigentlich überflüssig.

Marcy löste nacheinander die Knöpfe an ihrer blütenweißen Bluse, schob die zwei Hälften des Kleidungsstückes auseinander und entblößte ein Mieder, unter dessen dünnem Stoff die rosige Haut ihrer vollen Brüste und ihrer Brustwarzen deutlich zu erkennen war.

»Marcy, das kannst du nicht tun!«, widersprach Tom Danning halbherzig. »Wenn jemand kommt …«

»Dann kriegt er ein besonderes Schauspiel geboten.«

Die Frau, die vor einiger Zeit den Shamrock Centinel aus der Taufe gehoben und sich mit der Wochenzeitung einen Namen gemacht hatte, löste die Schnüre an ihrem Mieder und legte eine der beiden festen Halbkugeln frei.

»Oh, Marcy …«, stöhnte Tom Danning.

Er hatte keinen Tag bereut, dass er dieses bezaubernde Geschöpf geheiratet hatte. Rasch nahm er sie in die Arme, küsste sie leidenschaftlich und zog sie in den hinteren Teil des Verkaufsraumes.

Kichern und heftiges Atmen erfüllte den Raum. Marcy befreite sich aus Toms Armen und verschloss die Ladentür. Durch das anschließende Lager schlichen beide nach draußen, durch eine Gasse und zu dem kleinen Haus, das sie bewohnten.

Marcy nestelte an Toms Kleidung, als er die Tür verriegelte. Sie streifte ihm die Hosen ab, als er zur Treppe ging.

Sie spürte seine Erregung, als sie vor ihm die Stufen empor stieg und sich dabei ebenfalls aus ihren Kleidern schälte.

Nackt wie ein frisch geschlüpfter Vogel stand sie vor ihm auf dem obersten Treppenabsatz. Sie hatte die Fäuste in die Hüften gestemmt und die Beine gespreizt.

Tom hielt sich am Geländer fest. Er stierte die vollen Brüste an, den straffen Bauch und den zarten, blonden Flaum zwischen den Beinen.

Sie genoss, dass er ihre Beine streichelte und sein Gesicht in ihrer Scham vergrub. Er liebkoste sie und entlockte auch ihr heisere Stöhnlaute, als er sie mit seiner Zunge stimulierte.

Marcy Danning war seit der Geburt ihres Sohnes vor sieben Jahren für die Liebe noch empfänglicher geworden. Sie erlebte einen Orgasmus, der ihre Knie zittern ließ.

Marcy ergriff Toms Hand und zog ihn lachend zum Schlafzimmer, warf sich auf das Bett und wartete, bis Tom sich neben sie legte.

Nun war sie an der Reihe und setzte bald zu einem Blaskonzert an, dass Tom hören und sehen verging.

»Schön?«, flüsterte sie.

»Mmmmhhh!«, machte er.

»Genieße es. Bald wirst du darauf verzichten müssen. Zumindest für einige Zeit.«

Tom bäumte sich auf. Seine heißen Säfte drängten der lustvollen Entladung entgegen.

»Wie meinst du das?«, fragte er und setzte sich ruckartig auf. Er unterbrach Marcys Liebkosungen und schaute ihr tief in die Augen. »Du bist doch nicht etwa?«

Sie nickte lächelnd. »Danny sollte doch nicht ohne Geschwister aufwachsen.«

Tom Danning war überglücklich. »Dann wollen wir uns zur Feier des Tages mal richtig Mühe geben.«

Es dauerte nicht lange, bis er in sie eindrang. Tief bewegte er sich in ihr, spürte ihre Wärme und entfachte eine Glut in ihr, die sie völlig zu verzehren schien.

Marcy schlang die Schenkel um seine Hüften und zog ihn tiefer zu sich heran.

Jeder seiner kraftvollen und doch zärtlichen Stöße brachte sie dem Höhepunkt näher.

Das Bett knarrte und ächzte unter ihnen, als Marcy ihre Fingernägel in Toms Rücken bohrte und mit einem schrillen »Jaaaa!« die Wogen der Lust über sich zusammenschlagen ließ. Gleichzeitig spürte sie Toms heiße Entladung in sich.

Verschwitzt lagen sie nebeneinander, streichelten sich und küssten sich zärtlich.

»Ich liebe dich«, flüsterte Tom.

»Mhm.«

»Ich möchte immer so bei dir liegen«, .sagte Tom. »Bis in alle Ewigkeit.«

»Ja. Bis in alle Ewigkeit«, wiederholte Marcy.

Und doch musste es enden. Marcy stand auf und ging zur Tür. »Ich muss noch mal rüber zum Centinel.«

»Du arbeitest zu viel. Aber ich werde auch noch etwas im Laden aufräumen. Was hältst du davon, wenn wir heute bei Greta Hansen zu Abend essen?«

»Großartige Idee. Du bist ein Schatz.«

»Na, so wertvoll bin ich nun auch wieder nicht.«

»Du vielleicht nicht, mein Lieber. Aber dein bestes Stück umso mehr.«

Marcy lachte glockenhell und wieselte zur Treppe, kleidete sich hastig an, warf Tom eine Kusshand zu und verließ das Haus.

Sie grüßte einige Passanten. Aus einer Seitenstraße sausten einige Jungen, die ein Wagenrad vor sich her trieben. Ein kläffender Hund jagte zwischen ihren Beinen herum.

Marcy winkte ihrem Sohn Danny und ihrem Mann, der eben den General Store wieder öffnete.

Sie betrat das Büro der Zeitung, in dem bereits der Text für die neue Titelseite im Setzkasten vorbereitet war. Marcy las die Überschrift des Leitartikels. Wann wird Hud Colbys blutiger Terror ein Ende finden? Sie kannte die Antwort. Niemals! Die Colby-Mannschaft hielt den gesamten Südwesten unter ihrer grausamen Knute, und nur Shamrock war bislang verschont geblieben.

Doch das würde sich wohl bald ändern.

Marcy weigerte sich, daran zu denken, dass Colby die Stadt nur ungeschoren gelassen hatte, weil er Marcy den Hof machen wollte. Obwohl er wusste, dass sie verheiratet war.

Sie hatte ihm einen Korb gegeben und würde es wieder tun.

Mitten in Marcys Gedanken hinein belferte ein Schuss, und die junge Frau schrak zusammen. Ihre Erstarrung löste sich, und Marcy stürzte zur Tür.

Als sie auf den Bohlensteig trat, fand sie sich mitten in einer Hölle aus Blei, Blut und Tod wieder!

 

 

2

Niemand beachtete den großen Mann, der vor einem Restaurant an einem Vorbaupfosten lehnte, mit dem Zeigefinger seinen dünnen Schnurrbart streichelte, und die Passanten beobachtete.

Niemandem fiel der fuchsgesichtige Mann auf, der zwischen dem Saloon und der Bank über den Gehsteig schlenderte.

Nicht einmal der glatzköpfige Hüne weckte die Aufmerksamkeit der Passanten, als er sich neben ein paar Pferden den Schweiß vom Schädel wischte.

Es war ein ruhiger, friedlicher Nachmittag in Shamrock, Kansas.

Tom Danning pfiff eine fröhliche Melodie und begann die Bohlen vor dem Laden zu fegen.

Sheriff Mallory döste in seinem Büro vor sich hin.

Im Mietstall schimpfte der alte Crumpy mit einem störrischen Maultier.

In der Cattlemens Bank drückte Mister Epstein die schwere, gusseiserne Tür des mannshohen Tresors zu und ließ das Zahlenschloss wirbeln. »Das dürfte es für heute gewesen sein, Michael«, sagte er zu dem Kassierer. »Wie ich Sie kenne, werden Sie Lucy zum Essen ausführen wollen?«

Der Kassierer errötete verlegen. »Wenn Sie es erlauben, Sir«, murmelte er.

Der Bankier schob die Nickelbrille auf seiner dünnen Nase etwas höher. Ein listiger Ausdruck lag in seinen Augen. »Ich bitte Sie, mein Junge, Lucy lässt sich von mir doch keine Vorschriften mehr machen. Ich freue mich für euch beide. Sie sind tüchtig, und Lucy mag Sie. Warum sollte ich euch also Steine in den Weg legen?«

»Sir, das ist … also, ich weiß nicht, was ich sagen soll«, brachte der Kassierer mühsam hervor.

»Nun, sagen Sie es Lucy. Sie wird Ihre Freude teilen, Michael.« Der alte Bankier kicherte und begab sich zur Tür, die in sein Büro führte. »Sie werden hier sicherlich allein fertig, Michael. Wenn Sie mich dennoch brauchen, finden Sie mich bei Mister Carter im Hotel. Es ist Zeit für die wöchentliche Schachpartie. Ich werde dem alten Griesgram mal wieder zeigen, dass ich nicht nur Zahlen im Kopf habe! Für heute dürften wir den letzten Kunden gesehen haben.«

»Noch nicht ganz, Mister«, sagte Hud Colby von der Tür her. Er betrat den Schalterraum, dicht gefolgt von dem wieselflinken Jesse Fox, der zu den beiden Fenstern ging und die Lederrollos vor die Scheiben zog.

»Ah, Gentlemen, Sie haben Glück. Wir wollten heute früher schließen.« Epstein strahlte über das ganze Gesicht und rieb sich geschäftig die Hände. »Wir stehen Ihnen selbstverständlich gerne zu Diensten. Was können wir für Sie tun?«

»Wir möchten einen größeren Betrag abheben«, sagte Colby.

Jesse Fox lächelte süffisant.

»Aber gem. Ich benötige dann die Auszahlungsanweisung Ihrer Bank, Sir«, bat Epstein.

»Das erledigt mein Partner, Mister Fox.«

Epstein wandte sich an den fuchsgesichtigen Revolvermann und prallte zurück, als dieser seinen Colt zog und Epstein damit vor der Nase herumfuchtelte.

»Ich fürchte, ich verstehe nicht …«, murmelte der Bankier.

»Sie sind doch nicht auf den Kopf gefallen, Mister. Sie werden Ihren hübschen, großen Geldschrank dort drüben leer machen und mir das Geld überreichen. Das ist alles.«

»Bitte … schießen Sie nicht!«

»Aber sicher. Man soll Hud Colby nicht nachsagen, dass er überall ein Blutbad anrichtet.«

Der Kassierer wurde blass, als Colby seinen Namen nannte. Auch er hatte Marcy Dannings Berichte gelesen.

»Geben Sie ihm das Geld nicht, Sir«, flüsterte er dem Bankier ins Ohr. »Er wird uns trotzdem erschießen. Halten Sie ihn hin. Ich hole den Sheriff.«

»Das würde ich hübsch bleiben lassen, Söhnchen«, riet Colby. »Ich hab nicht vor, euch beide kaltzumachen. Aber wenn ihr nicht pariert, lasst ihr mir keine Wahl.«

Der Kassierer kehrte zu seinem Platz hinter dem Schalter zurück.

Epstein wandte sich dem Tresor zu. Er drehte am Zahlenschloss, zog die schwere Tür auf und ließ den Inhalt des Geldschrankes sehen.

Jesse Fox bekam große Augen. »Du hattest Recht, Hud«, sagte er. »Dieses Nest ist ein Paradies!«

»Yeah. Und das werden wir feiern. Mit einem richtig schönen Feuerwerk, wenn ich die Zeitungsschlampe besucht habe!«

»Was habe ich Ihnen gesagt, Sir?«, schrie der Kassierer. »Sie werden hier ein Gemetzel veranstalten!«

Er sauste hinter seinem Schalter hervor, flankte über die Absperrung und hetzte zur Tür, als aus den hinteren Räumen eine Stimme ertönte.

»Daddy? Mister Carter lässt fragen, ob du eure Schachpartie vergessen hast!«, rief in diesem Moment Lucy Epstein, betrat den Schalterraum durch das Büro ihres Vaters, erfasste die Situation und schrie.

Der Kassierer warf sich auf Colby, als dessen Colt sich auf die Bankierstochter richtete.

»Schwachkopf!«, zischte Colby und griff nach seinem Messer, weil der Kassierer seine Revolverhand umklammerte.

Ein Ruck ging durch den schmächtigen Körper des jungen Mannes, als sich die breite Klinge tief in seinen Leib bohrte.

»Michael! Oh Gott!«, schrie Lucy.

Immer wieder stieß Colby zu. Die Hemdbrust des Kassierers färbte sich rot. Der junge Mann hustete und spuckte Blut.

Er riss sich von Colby los, wankte zur Tür, zog sie auf und stolperte auf den Vorbau.

»Ich wollte es zwar erst später krachen lassen, aber was soll’s?«, zischte Colby und zerrte Lucy Epstein an den langen, braunen Locken zur Tür.

Weiter oben in der Straße sah Syd Doyle den blutüberströmten Kassierer aus dem Bankgebäude wanken. Ein freudiges Lächeln huschte über seine Lippen. Er zog den Colt und jagte einem Mann, der mit seiner Frau vorüber kam, eine Kugel durch die Brust.

»Was zum Henker?« Sheriff Mallory schreckte beim Klang des Schusses aus seinem Nickerchen hoch, und hetzte auf den Vorbau.

Er hörte weder das Donnern des Schusses, noch sah er das Mündungslicht aufblitzen, als Kid Rendall auf der Anhöhe oberhalb der Stadt den Stecher des Büffelgewehrs durchzog.

Eine unsichtbare Faust rammte gegen Mallorys Brust und stieß ihn gegen die Wand des Sheriffs Office. Mallory wollte nach Luft schnappen, aber etwas hatte ihm die Brust zerrissen. Seine Lungen waren zerfetzt, und sein Herz pumpte das Blut in Strömen aus dem großen Kugelloch.

Er drehte sich halb um. Der riesige Blutfleck, den er auf der Hauswand hinterlassen hatte, war das Letzte, was Sheriff Mallory wahrnahm, bevor er in den Abgrund des Todes stürzte.

Beim General Store war Tom Danning stehen geblieben und starrte die Straße entlang.

Die Tür des Zeitungsbüros öffnete sich, und Marcy Danning trat auf den Vorbau.

Und das war der Moment, als Hud Colby mit seiner Geisel aus der Bank kam und wild um sich feuerte.

Syd Doyle lachte laut, als er seine Kugeln in die Leiber der Passanten jagte. Er schoss auf alles, was sich bewegte.

Auch Kid Rendall suchte sich seine Ziele aus. Ein Mann wurde von den Beinen gerissen und stürzte durch eine Schaufensterscheibe.

Ein Farmer, der mit seinem Wagen durch die Main Street rollte, wurde von einem halben Dutzend Kugeln getroffen und wie eine Strohpuppe durchgeschüttelt.

Die Banditen nahmen keinerlei Rücksicht. Eine Frau kreischte, als sie mitten in ihrem Lauf von zwei Kugeln gestoppt wurde.

Der alte Crumpy wieselte zeternd aus dem Mietstall und schwenkte eine Schrotflinte.

»Colby!«, schrie Marcy Danning, als sie den Bandenchef erkannte.

Dieses eine Wort löste die Panik vollends aus. Schreiende Menschen hasteten durch die Straße. Schüsse belferten. Fensterscheiben klirrten.

»Ich werde euch die Haut vom Hintern schießen, ihr Kanaillen!«, zeterte Crumpy und schwenkte seine Bleispritze auf Colby.

Er kam nicht mehr zum Schuss.

Als er hinter sich ein Knurren hörte, wirbelte er herum und sah sich dem glatzköpfigen Hünen gegenüber. Muscles nahm ihm die Flinte ab, als sei sie ein Kinderspielzeug, und dann schlossen sich seine riesigen Fäuste wie Schraubstöcke um die Hüften des kleinen Deputy.

Crumpy schrie. Die Pfeife fiel ihm aus dem Mund. Sein Mund öffnete sich weit. Ein hässliches Knacken war zu hören.

Ein breiter Blutschwall ergoss sich aus Crumpys Mund über das Gesicht des Hünen. Muscles lachte nur und schleuderte den leblosen Körper von sich.

Jesse Fox schlenderte gemächlich durch die Straße und feuerte auf jeden, der ihm begegnete. Er hatte zwei prall gefüllte Leinenbeutel über eine Schulter geschlungen und ließ sich Zeit.

Colby stieß Lucy Epstein zur Seite und stiefelte zu Marcy Danning hinüber. Die Zeitungsfrau schrie gellend.

»Tom! Pass auf Danny auf!«

Der Ladenbesitzer schnappte sich eine Axt, als könnte er damit etwas gegen Revolver und Gewehre ausrichten.

Sein Weg in die Main Street wurde von Sterbenden gesäumt, die Kid Rendall mit seinen wohl gezielten Schüssen erwischt hatte.

Das Gesicht des Hoteliers explodierte in einer Fontäne aus Blut und Knochen dicht neben Tom Danning, aber er hatte nur Augen für seine Frau. Er durfte nicht zulassen, dass Colby seine schmutzigen Finger an sie legte.

Sie trug sein zweites Kind, und er würde sie beschützen!

»Daddy, pass auf!«, hörte er seinen Sohn Danny schreien.

Er drehte sich um, sah den kahlköpfigen Riesen vom Mietstall herübereilen. Muscles hielt die Schrotflinte in der Rechten, eine zweischneidige rostige Axt in der Linken.

Lucy Epstein rannte auf den Jungen zu, um ihn aus der Schusslinie zu ziehen, als Colby kalt grinsend feuerte.

Für Marcy Danning brach eine Welt zusammen. Ein stechender Schmerz raste durch ihre Brust. Wie durch einen Schleier sah sie den leblosen Körper ihres Sohnes im Straßenstaub liegen.

Dass Muscles sich ein Vergnügen daraus machte, die Schrotflinte abzufeuern und Lucy Epstein als blutiges, zerfetztes Bündel über dem Jungen zusammenbrechen zu lassen, bekam sie kaum mit.

Tom!

Er war am Leben, und er durfte nicht sterben!

Als Tom mit erhobener Axt auf den riesenhaften Gegner losging, wusste Marcy, dass ihr Glück zu Ende war.

Mit Leichtigkeit wehrte Muscles das heransausende Beil ab, wand es Tom Danning aus den Händen und trieb ihn seinerseits mit wuchtigen Hieben über die Straße.

Als Danning einen weiteren, verzweifelten Angriff wagte, wich Muscles spielerisch zur Seite weg, wartete, bis Danning sich zu ihm umgedreht hatte, und …

Tom Danning hatte keinen Blick mehr für seine schöne Frau. Er sah das rostige Axtblatt heranrasen und wollte schreien, aber es war zu spät.

Den dumpfen Schlag spürte er kaum. Er krümmte sich zusammen, hob den Kopf, die bluttriefende Axt wirbelte durch die Luft, und der nächste Hieb traf Tom Dannings Hals.

Tränen schossen über Marcys Wangen. Sie wich in ihr Büro zurück, schlug die Tür zu und wartete.

Sie konnte nichts anderes tun als warten.

Auf den Tod!

 

 

3

Hud Colby stand vor der Tür. Er schaute sich zu seinen Kumpanen um, die ihm aufmunternd zunickten. »Hol dir die Schlampe, Hud!«, rief Jesse Fox herüber.

Colby stieß die Tür auf und betrat den düsteren Raum.

Sein Instinkt warnte ihn. Er flirrte herum, duckte sich, und die Petroleumlampe traf nur seine Schulter.

Der Glaszylinder zersplitterte.

Colby konnte dem brennenden Petroleum ausweichen. Nur wenige Flämmchen tanzten über sein Hemd. Er klopfte sie aus und setzte aus der Bewegung heraus zu einem gemeinen Hieb an.

Sein Handrücken klatschte in Marcys Gesicht und fegte sie von den Beinen.

Colby wurde ungemein brutal. Er trieb Marcy mit wuchtigen Schlägen durch den Raum, schleuderte Gerätschaften, Möbel und Druckutensilien durch die Luft und gegen die Wand.

Marcy stürzte und kroch über den Boden. Hinter dem Schreibtisch kam sie hoch und schüttete Colby Druckerfarbe entgegen.

Der Bandit wischte sich die Tinte aus dem Gesicht und zerrte Marcy auf den Tisch. Ihre Bluse zerriss ratschend unter seinen gierigen Händen, und Marcy erschlaffte in seinem Griff.

Was Colby auch mit ihr vorhatte, es würde ihm kein Vergnügen bereiten!

»Beweg dich, du Miststück! Lieg’ nicht da wie ein Brett! Bei deinem Alten hast du das machen können, aber nicht bei Hud Colby. Verdammt, du weißt ja nicht, was du an mir hast!«, schrie der Bandit und mühte sich auf Marcys schlankem Körper ab.

Das Leben der jungen Frau hatte jeglichen Sinn verloren. Sie spürte nicht, was Colby mit ihr anstellte. Es waren nicht die körperlichen Schmerzen, die unerträglich geworden waren, sondern jene Pein, die ihre Seele zerfraß. Vor ihren tränenverschleierten Augen sah sie ihren Sohn Danny unter Colbys tödlichem Blei fallen. Sie sah die Klinge, die auf ihren geliebten Mann herabfuhr und seinen Kopf, der durch den Staub kullerte.

Tom war ein guter Mann gewesen. Der Beste.

»Du trägst die Schuld, dass hier so viele Leute gestorben sind!«, presste Colby zwischen den Zähnen hervor. »Du hättest mich nicht abweisen dürfen. Und du hättest nicht all diese verdammten Lügen in deinem Drecksblättchen verbreiten dürfen. Verstehst du? Niemand glaubt deine Lügen und Verleumdungen! Es haben schon andere vor dir versucht, mir in die Suppe zu spucken, und sie haben es nicht geschafft. Du miese, kleine Schlampe bist nicht halb so gut wie sie.«

Colby grapschte nach Marcys Brüsten, rutschte auf ihr herum und fand keine Befriedigung.

»Miststück! Wieso tust du das? Warum machst du nicht mit? Du wirst mir dankbar sein, dass ich dir die beste Nummer schenke, die du jemals gehabt hast! Verflucht, wirst du endlich mitmachen?«

Marcy reagierte nicht.

Der Bandit tobte und spuckte Gift und Galle. Er rollte sich von Marcy herunter und verwandelte den Raum in ein Trümmerfeld.

Als er an der Tür stand und sein Hemd in die Hose stopfte, richtete sich Marcy auf. Sie war zerschunden und immer noch schön.

»Es ist noch nicht vorbei, Colby«, sagte sie ruhig. »Du wirst bezahlen!«

»Du irrst dich!«, erwiderte Colby und wandte sich zu ihr um, den Colt im Anschlag.

Er zielte auf ihr schönes Gesicht und zögerte.

»Du wirst mich nicht töten. Niemals. Du kannst es nicht!«

Colby bog den Hammer zurück. Sein Finger krümmte sich um den Anzug. Schweiß tropfte von seinem Kinn. Das Atmen fiel ihm schwer. Diese Frau brachte ihn an den Rand der Weißglut.

Ruhig stand sie da. Stolz hatte sie den Kopf erhoben. »Drück ab, Colby!«

Der Bandit spannte sämtliche Muskeln an. Aber er zog den Stecher nicht durch.

»Dieses Land wird erfahren, wie es war, als der brutale Bandit Hud Colby Angst hatte«, sagte Marcy ruhig. »Die Leute sollen lesen, wie es war, als sich Hud Colby vor einer Frau in die Hosen machte!«

Ein Ruck ging durch Colbys Körper. Langsam trat er ganz dich an Marcy heran. Sie konnte seinen Schweiß riechen und den Tabakgeruch, der aus seinem Mund drang.

»Du wirst niemals wieder etwas über mich schreiben, Schmierfink«, flüsterte er. »Du bist tot. Und du weißt es. Du hast alles verloren. Restlos alles. Und warum? Weil du es nicht unterlassen konntest, dich mit mir anzulegen. Nicht ich habe deinen Alten und dein Balg umgelegt. Du warst es. Du allein. Und mit dieser Schuld wirst du jeden Tag ein Stückchen mehr sterben! Ich glaube nicht, dass du noch mehr über mich schreibst, Schmierfink. Denn mit jedem Wort von dir werden noch mehr Menschen ins Gras beißen! Du lebst bereits in einer Geisterstadt ! Und all die Toten klagen dich an!«

Colby drückte den kalten Stahl des Colts gegen Marcys Wange. Sie konnte den säuerlichen Geruch des Metalls und das ranzige Waffenöl riechen.

»Du möchtest sterben, nicht wahr? Du wünschst es dir so sehr, dass es dich fast zerreißt. Aber selbst wenn du splitternackt vor mir ’rumhüpfen und dich mir an den Hals werfen würdest, ich würde dich nicht abknallen. Du hast mich als brutalen Menschen beschrieben. Du hast keine Vorstellung davon, wie brutal ich wirklich sein kann!«

Colby führte den Colt abwärts, über Marcys Hals bis zu den Brüsten. Er stieß die Frau zurück, schob die Waffe ins Leder und verließ lachend das Büro.

»Lasst uns verschwinden, Boys!«, rief er draußen. »Dieses Kaff wird bald ausgestorben sein. Es wird dann nur noch den Schmierfink geben, und die Krähen und Coyoten werden ihr Käseblatt lesen!«

Die Killer stapften durch die Straße. Ein kalter Wind fegte Staubfahnen um sie herum, ließ sie wie Gespenster erscheinen. Er bedeckte auch die Toten mit Staub und Sand, die trauriges Zeugnis von der Grausamkeit der Banditen ablegten.

»Willst du sie wirklich hier lassen?«, fragte Jesse Fox.

»Sie ist erledigt«, sagte Colby nur.

Hinter ihm, unter dem Heulen des Windes, knallte die Tür des Zeitungsbüros gegen die Wand. Marcys Danning wankte auf die Straße.

Sie hielt ein großes Blatt Papier in der Hand. »Dies ist erst der Anfang, Colby!«, brüllte sie. Ihr Blick fiel auf die Buchstaben, die sie eben erst auf das Blatt gedruckt hatte. »Der ganze Westen soll wissen, welch ein feiger, hinterhältiger Bastard du bist, Colby! Und wenn ich jede Zeitung einzeln verteilen muss!«

Colby war stehen geblieben. Er schaute halb über die Schulter zu ihr hin. Der Wind zerrte an ihrem Rock, wie eine unheimliche Gestalt aus dem Jenseits stand sie dort, umgeben von den Leichen ihrer Liebsten.

In der Hand hielt sie das zerknüllte Zeitungsblatt.

»Der Teufel soll mich holen, wenn ich vor diesem Schmierfink klein beigebe!«, presste Colby heraus, stapfte zurück und riss den Colt aus dem Holster.

In dem winzigen Augenblick, der ihr blieb, starrte Marcy Danning zwischen der dunklen Mündung des 45ers und Colbys wutentbranntem Gesicht hin und her.

Angst ergriff sie für einen flüchtigen Moment.

Aber sie sah noch etwas anderes.

Sie sah ihren Mann und ihren Sohn, wie sie ihr lächelnd winkten. Sie hörte ihre Stimmen und sah eine andere Gestalt, die weit entfernt auf einem Pferd saß und aufmunternd nickte.

Es war eine Frau, deren Haar im Wind flatterte.

Und Marcy wusste, dass sie das Versprechen, das sie vor wenigen Stunden ihrem Mann gegeben hatte, einlösen würde.

»Bis in alle Ewigkeit, Tom«, formten ihre Lippen die Worte in das grelle Aufblitzen des Mündungslichtes und das Belfern des Schusses hinein!

Der kalte Wind trieb auch dann noch Staubfahnen vor sich her, als längst Ruhe in dem kleinen Ort Shamrock eingekehrt war.

 

 

4

Der Schock über das blutige Massaker saß tief. Nichts würde mehr so sein wie früher.

Der alte Bankier Epstein stolperte mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern aus dem Saloon auf die nächtliche Main Street und brabbelte vor sich hin. Er hatte keine Tränen mehr. Sein Schmerz war auch nicht mit Whiskey zu betäuben.

Er glaubte sich geirrt zu haben, als er hinter dem Fenster des Zeitungsbüros einen Lichtschein entdeckte. Schwerfällig näherte er sich dem Büro.

Das Licht erlosch.

Epstein rüttelte an der verschlossenen Tür.

Er plapperte unverständliches Zeug vor sich hin und setzte seinen Weg fort. Aber er folgte einer inneren Eingebung, und eine halbe Stunde später trat er durch das kleine, von Wildrosen umrankte Tor des Friedhofs.

Staub umwehte die schiefen Kreuze und Grabsteine. Eine ganze Reihe Grabhügel war noch geschmückt.

Epstein blinzelte hinter seinem Zwicker und traute seinen Augen nicht, als er die Gestalt vor den drei Gräbern stehen sah.

Auf dem Grab des Jungen lag ein liebevoll geschnitztes Pferd. Auf Tom Dannings Grabstätte lag eine reich verzierte Satteldecke, die bestimmt ein kleines Vermögen wert gewesen war. Epstein sah, wie die Gestalt sich niederbeugte. Sie hielt ein langes Bowie-Messer in der Hand.

Die Klinge grub sich tief in die Erde von Marcys Grab.

Leises Schluchzen ertönte.

Epstein kam langsam näher. Erst, als er hinter der Gestalt stand, sah er, dass Blut von ihrem linken Arm auf das Grab tropfte.

Details

Seiten
122
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738934854
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (November)
Schlagworte
debbie mörderjagd
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Titel: Debbie bläst zur Mörderjagd