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In Frisco rollt dein Kopf: N.Y.D. – New York Detectives

©2019 104 Seiten

Zusammenfassung

Bount Reiniger, der Privatdetektiv, begibt sich nach San Francisco mit seiner hübschen Angestellten June. Dort will er Frank Mockey im Auftrag seines Vaters finden, der sich um seinen Sohn berechtigte Sorgen macht. Bount findet heraus, dass der Junge beim Gangsterboss Nick McFay untergekommen ist. Als Zero Hordern, Bount Reinigers einstiger Freund, von McFays Killern ermordet wird, wagt sich Bount in die Höhle des Löwen. Aber auch June ist nicht untätig …

Leseprobe

Table of Contents

In Frisco rollt dein Kopf: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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In Frisco rollt dein Kopf: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 104 Taschenbuchseiten.

 

Bount Reiniger, der Privatdetektiv, begibt sich nach San Francisco mit seiner hübschen Angestellten June. Dort will er Frank Mockey im Auftrag seines Vaters finden, der sich um seinen Sohn berechtigte Sorgen macht. Bount findet heraus, dass der Junge beim Gangsterboss Nick McFay untergekommen ist. Als Zero Hordern, Bount Reinigers einstiger Freund, von McFays Killern ermordet wird, wagt sich Bount in die Höhle des Löwen. Aber auch June ist nicht untätig …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Frank Mockey - Der junge Mann möchte gern auf eigenen Füßen stehen, wählt aber den falschen Weg.

Zero Hordern - Bount Reinigers einstiger Freund kommt einer Sache auf die Spur, die eine Nummer zu groß für ihn ist.

Nick McFay - Ihm war kein Geschäft zu dreckig, um Geld zu verdienen, aber seine Skrupellosigkeit wurde ihm zum Verhängnis.

Patricia Powell, Billy Silver - Wo sie auftauchen, ist der Tod ihr Begleiter.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

Der graue Thunderbird hielt hinter dem Flachbau, in dem die Funkzentrale der „San Francisco Truck Inc.“ untergebracht war. Ein unauffälliger Wagen mit einem auffälligen Mädchen am Steuer.

Sie hieß Patricia Powell, und man sagte ihr nach, sie hätte ein Herz aus Granit. Gefühle waren in den Kreisen, denen sie sich angeschlossen hatte, ein Luxus, den man sich nicht leisten durfte, denn er konnte geradewegs ins Zuchthaus führen.

Patricia war eine Wildkatze. Bildhübsch, mit pechschwarzem Haar. Das schwarze, ärmellose Kleid mit dem gelben Blumenaufdruck in Schenkelhöhe modellierte ihre Traumfigur und ließ erkennen, dass sie mit Reizen reich gesegnet war. Neben ihr saß William „Billy“ Silver, ein Gangster, der sehr auf seriöse Kleidung achtete. Er trug einen blauen Anzug und einen dünnen hellblauen Rollkragenpulli - und zwischen Pulli und Sakko steckte seine Waffe in dem weichen Ziegenlederholster, Billy Silvers Arbeitsgerät.

Früher schnitten sich die Westernhelden Kerben in den Kolben ihrer Waffe, wenn sie einen Gegner umgelegt hatten. Wenn das heute noch Mode gewesen wäre, hätte Silvers Pistole ein ziemlich langes Kerbenmuster geziert.

Patricia und er waren ein bestens aufeinander eingespieltes Team. Sie arbeiteten häufig zusammen, und ihr Boss konnte sich auf sie verlassen. Es kam nur ganz selten vor, dass sie einen Job nicht zur vollsten Zufriedenheit ihres Auftraggebers erledigten. Zumeist war dann höhere Gewalt am Misslingen einer Aktion schuld.

Diesmal rechneten Patricia Powell - von ihren Freunden auch häufig P.P. genannt - und William Silver mit keinen Schwierigkeiten. Der Plan war gut. Die Fäden waren gezogen. Sämtliche Gangster, die an diesem Coup teilnahmen, hatten Posten bezogen. P.P. und Billy Silver stellten das letzte Rädchen im Getriebe dar. Wenn es griff, würde das Verbrechen mit der Präzision eines Uhrwerks ablaufen.

Patricia warf einen Blick in den Außenspiegel, ehe sie ausstieg. Es war später Nachmittag. Dennoch war die Straße so leer, als wüsste niemand, dass es sie gab.

Das schwarzhaarige Mädchen griff unter den Fahrersitz und holte eine Pistole hervor. Sie ließ den Schlitten schnappen - für sie keine außergewöhnliche Handlung. Sie konnte seit ihrer Kindheit mit Faustfeuerwaffen umgehen. Ihr Bruder hatte einer Jugendgang angehört. Er hatte sie häufig zu Schießübungen mitgenommen und sich immer darüber geärgert, dass sie besser traf als er. Sie hatte schneller geschossen als alle Freunde ihres Bruders, und ihre Trefferquote war von keinem einzuholen gewesen.

Heute lebte Patricias Bruder nicht mehr. Die Polizei hatte ihn nach einem Raubüberfall in einem Hinterhof gestellt und ihn aufgefordert, sich zu ergeben. Doch er schätzte seine Situation falsch ein und griff zur Waffe. In dieser Lage hätte nicht einmal Patricia, die schneller und besser schießen konnte als ihr Bruder, eine Chance gehabt. Mehrere Kugeln bereiteten seinem jungen Leben ein Ende.

So etwas passierte öfter in SanFrancisco, jener Stadt, die als Finanzhochburg des Westens in eifrigem Wettbewerb mit New York steht. Aber auch die Zahl der Verbrechen wetteifert mit der von New York City.

Als sie Patricias Bruder begruben, fühlte sie sich zwar elend, aber es gab niemanden, der behaupten konnte, er hätte sie weinen sehen. Sie konnte keine Tränen vergießen. Das hatte Billy Silver schon einmal zu der scherzhaften Behauptung veranlasst, sie sehe nur aus wie ein bildschönes Mädchen, wäre in Wirklichkeit aber ein Mann.

Silver verließ den grauen Thunderbird und drückte die Tür zu. Unauffällig sah er sich um.

„Beste Arbeitsbedingungen“, sagte er über das Wagendach hinweg zu Patricia. „Warum sollen wir nicht auch mal einen leichten Job haben?“

„Richtig. Wenn ich an den Coup vom letzten Monat denke ... Meine Güte, da war vielleicht was gefällig. Erinnerst du dich?“

Vor einem Monat hatten sie einen stadtbekannten Hehler überfallen. Sie wollten ihn ausplündern, als er sich in dem kleinen Lagerschuppen in der Nähe von Fisherman’s Wharf befand, in dem er seine unsauberen Geschäfte abwickelte. Die Sache wäre beinahe ins Auge gegangen, weil der Hehler unerwartete Schützenhilfe bekommen hatte. Es war zu einer mörderischen Schießerei gekommen, in die sich zu allem Überfluss auch noch die Polizei einmischte. Patricia und ihr Komplize hatten es nicht leicht gehabt, mit heiler Haut davonzukommen, aber sie hatten es mit Müh und Not doch geschafft.

„Dagegen wird das, was wir heute vorhaben, ein Spaziergang“, behauptete das Mädchen.

„Du sagst es.“

Patricia ging um das Fahrzeug herum. Billy Silver betrat mit ihr gleich darauf das Gebäude. Vor ihnen lag ein schummriger Gang, dessen Boden mit dunkelgrauen Terrazzoplatten ausgelegt war.

P.P. und Silver huschten den Gang entlang. Sie erreichten eine Treppe. Billy Silver ließ seiner Begleiterin den Vortritt. Während sie vor ihm die Stufen hinaufschlich, betrachtete er fasziniert ihre attraktive Kehrseite.

Er hatte noch nie den Versuch unternommen, ihr näherzukommen, denn er wusste, dass sie ihn hätte abblitzen lassen. Er war nicht ihr Typ, das hatte sie ihm schon vor zwei Jahren gesagt. Damals hätte er’s vielleicht bei ihr auch probiert, wenn sie ihn nicht gleich zu Beginn ihrer Bekanntschaft diesbezüglich kaltgestellt hätte.

Er gab sich damit zufrieden, dass man im Leben nicht alles haben kann. Man muss auch mal verzichten können. Vor allem auf Patricia. Das fiel ihm jedoch nicht sonderlich schwer, denn in seinem Notizbuch standen gut ein Dutzend Telefonnummern von Mädchen, die sich darüber freuten, wenn er mal vorbeikam, um mit ihnen sowohl das Abendessen als auch das Frühstück einzunehmen.

P.P. erreichte das obere Ende der Treppe. Sie stand vor einer Tür, an der ein Messingschild glänzte: „San Francisco Truck Inc.“ Das Mädchen wandte sich zu Silver um.

„Bist du bereit, Billy?“

Er grinste. „Wozu?“

„Scherzbold“, sagte Patricia kalt.

Er angelte seine Waffe aus dem Schulterholster.

„Von mir aus kann’s losgehen, Baby.“

„Wir lassen’s so ablaufen, wie besprochen.“

„Klar, Baby.“

„Zuerst gehe ich allein hinein.“

„Und ich folge dir, sobald du die Jungs im Griff hast.“

Patricia nickte, griff nach dem Türknauf, zog die Tür auf und trat ein.

 

 

2

Die Funkzentrale der „San Francisco Truck Inc.“ war mit zwei Mann besetzt: George Wheeler und Buster Toncer. Sie konnten sich jederzeit mit jedem Truck des Unternehmens in Verbindung setzen, konnten aber auch von den Truck Drivern stets kontaktiert werden, wenn es Schwierigkeiten gab. Sei es, dass eine Achse am Wagen brach oder dass der Motor streikte, oder dass einer der Fahrer plötzlich erkrankte. Alle Meldungen wurden umgehend an die Firmenleitung weitergegeben, und dort wurde innerhalb kürzester Zeit entschieden, welche Maßnahmen getroffen werden mussten. Manchmal wurden Trucks auf ihrer Fahrt umdirigiert. Dies konnte aus wirtschaftlichen Gründen geschehen oder deshalb, weil Hochwasser, ein Erdrutsch oder sonst eine Katastrophe die vorgesehene Route vorübergehend unpassierbar machte. Was für Probleme es auch immer zu bewältigen galt, sie liefen über diese Funkzentrale.

Soeben jammerte einer der Fahrer: „Das hat man nun von seinem guten Herzen. Da nimmt man so ein junges Ding mit und denkt an nichts Böses, und nun kriegt die in meinem Wagen ein Baby.“

George Wheeler grinste.

„Nun mach dir deswegen doch nicht gleich ins Hemd, Junge. Du wirst der Kleinen doch noch helfen können.“

„Bin ich ’ne Hebamme?“

„Ich erinnere mich, dass du einen Erste-Hilfe-Kursus besucht hast, Howard.“

„Verdammt noch mal, die Praxis sieht aber ganz anders aus!“

„Gib deinen Standort bekannt!“

„Ich befinde mich etwa in der Mitte der Strecke, die zwischen Bakersfield und Mojave liegt. Ringsherum nur Gegend, und hinter mir dieses schwitzende und stöhnende Mädchen.“

„Hast du denn nicht gesehen, dass sie hochschwanger ist?“

„Ich schwör’s, es war nicht zu sehen. Sie trug so ’ne Art Poncho. Darunter versteckte sie ihren Bauch ... Baby, das war verdammt unfair von dir ...“ Der letzte Satz war vorwurfsvoll an die Schwangere gerichtet.

„Versuch, der Kleinen zu helfen, so gut du kannst!“, sagte Wheeler.

„Du gefällst mir. Sitzt in San Francisco und lachst dich schief über mich, während ich hier Blut und Wasser schwitze.“

„Wenigstens büßt du mal deine Sünden ab.“

„Hör zu, wenn du nicht dafür sorgst, dass ich Hilfe kriege, mache ich dir die Hölle heiß, sobald ich wieder zu Hause bin.“

„Keine Sorge, ich setze mich sofort mit dem Medical Center in Bakersfield in Verbindung. Vielleicht kannst du die Kleine überreden, das Baby noch ein bisschen zurückzuhalten.“

„Spar dir deine saudummen Ratschläge, verflucht noch mal! Tu endlich etwas, sonst drehe ich durch! Over!“

Wheeler lachte und sagte zu seinem Kollegen: „Howard flippt ganz schön aus, was?“

„Würde ich auch, wenn ich mich an seiner Stelle befände“, erwiderte Buster Toncer.

George Wheeler schnappte sich eines der Telefonbücher. Im selben Moment öffnete sich die Tür, und ein bildhübsches schwarzhaariges Mädchen trat ein.

Toncer ließ seinen Blick an ihr rauf und runter wieseln.

„Hallo“, sagte er bewundernd und erhob sich. „Sie scheinen sich verlaufen zu haben, macht aber nichts. Wir können Ihnen bestimmt helfen.“

„Davon bin ich überzeugt“, erwiderte Patricia Powell und kam mit wiegenden Hüften näher. Die Pistole verbarg sie hinter ihrem Rücken.

„Wohin möchten Sie?“, fragte Toncer.

„In die Funkzentrale der ,San Francisco Truck Inc.““

„Das ist sie“, sagte Toncer schmunzelnd. „Eigentlich ist Unbefugten der Zutritt ja verboten ...“

„Ich bin nicht unbefugt“, sagte Patricia.

„Ach so - nicht? Nun, was haben Sie denn auf dem Herzen?“

Statt zu antworten, ließ Patricia Powell den Mann in die Mündung ihrer Pistole blicken, die sie mit beiden Händen in Anschlag brachte.

„Um Himmels willen, eine Verrückte!“, stöhnte Buster Toncer.

„Hände hoch!“, sagte Patricia eisig. Wheeler ließ das Telefonbuch fallen und sprang wütend auf. „Zum Teufel, was soll das?“

„Halt’s Maul, sonst blase ich dir das Hirn aus dem Schädel“, sagte Patricia gleichmütig. Ihr Ton stand nicht im Einklang mit ihrem Aussehen. Das verwirrte Wheeler und Toncer.

„Pfoten hoch!“, befahl sie, und die Männer gehorchten.

„He!“, rief sie mit zur Seite gewandtem Kopf, ohne die Funker aus den Augen zu lassen. „Du kannst kommen!“

Das galt Billy Silver, der mit schussbereiter Pistole eintrat und zufrieden feststellte, dass P.P. die beiden Kerle wunderbar getäuscht hatte.

„Alles hört auf mein Kommando!“, knurrte Silver. „Umdrehen!“

Toncer und Wheeler gehorchten nicht sofort.

„Wird’s bald? Oder soll ich euch Beine machen?“, schrie Billy Silver.

Die beiden wandten sich um.

„An die Wand!“, befahl Silver.

Toncer und Wheeler gingen zwei Schritte vorwärts. Patricia hielt ihre Waffe immer noch im Beidhandanschlag. Es hätte ihr nichts ausgemacht, abzudrücken.

„Hören Sie, einer unserer Fahrer ist in Schwierigkeiten“, sagte George Wheeler.

„Interessiert mich nicht!“, erwiderte William Silver.

„Ein Mädchen kriegt in seinem Truck ein Kind.“

„Na und?“

„Die beiden brauchen Hilfe!“

„Wenn’s nicht anders geht, bringen Frauen ihre Kinder auch ohne Hilfe zur Welt.“

„Verdammt noch mal, hast du denn kein Herz im Leibe?“, schrie Buster Toncer. Er konnte sich nicht beherrschen. Blitzschnell fuhr er herum, schlug Silvers Pistole zur Seite und versetzte dem Gangster einen gewaltigen Kinnhaken. Silver hatte mit einem solchen Wutausbruch nicht gerechnet. Er hatte geglaubt, zwei Pistolen würden die Funker genügend einschüchtern. Doch nun spielte einer den Helden.

Billy Silver torkelte zurück. Toncer wollte nachsetzen, doch das ließ Patricia Powell nicht zu. Sie schoss.

Krachend entlud sich ihre Waffe. Die Kugel stoppte den Funker. Buster Toncer starrte ungläubig auf das Loch in seinem Hemd. Er konnte es nicht fassen, dass er tödlich getroffen war - aber es stimmte ...

 

 

3

June March - blond, blauäugig und ungemein sexy - lachte.

„Nein, Mister Jessel. Wie oft soll ich es Ihnen noch sagen? Ich bin an dem Job nicht interessiert.“

„Das kann ich nicht glauben, Miss March“, sagte Phil Jessel am anderen Ende der Leitung. „Ein Mädchen, das so aussieht wie Sie ... Ich meine, es ist beinahe ein Verbrechen, dass Sie sich hinter einem Schreibtisch verstecken.“

„Also von ,verstecken‘ kann wirklich nicht die Rede sein.“

„Sie wissen schon, was ich damit sagen will.“

„Natürlich, aber meine Antwort bleibt nein.“

„Ich bin sicher, dass das nicht Ihr letztes Wort ist, Miss March.“

Sie lachte wieder. „Da kennen Sie mich aber schlecht.“

„Ich würde Sie gern zum Essen einladen.“

„Hinausgeworfenes Geld, Mister Jessel.“

„Wer weiß. Ich kann sehr hartnäckig sein.“

„Ich auch.“

„Wollen wir testen, wer von uns beiden das bessere Stehvermögen hat, Miss March?“

„Sie verschwenden Ihre Zeit.“

„Ich habe noch nicht alle Trümpfe ausgespielt.“

„Warum sehen Sie nicht endlich ein, dass es keinen Zweck hat, Mister Jessel?“

„Nun, einfach aus dem Grund, weil ich davon nicht so überzeugt bin wie Sie. Ich werde mir erlauben, in einer Stunde zu Ihnen ins Büro zu kommen.“

„Den Weg können Sie sich sparen.“

„Mein Angebot wird Sie bestimmt interessieren“, sagte Phil Jessel überzeugt und hängte ein.

June March legte den Hörer in die Gabel und schüttelte lächelnd den Kopf. Sie konnte sich vorstellen, dass es nicht viele Menschen gab, die Jessel nicht weich kriegte.

Aber auch er hatte seine Grenzen, und die zeigte sie ihm derzeit auf. Jetzt erst bemerkte sie, dass Bount Reiniger in der offenen Tür stand. Er schien das Telefonat mitgehört zu haben.

„Wer war das?“, fragte er.

„Phil Jessel.“

„Ein hartnäckiger Verehrer von dir? Soll ich ihn dir vom Hals schaffen?“

June räkelte sich.

„Eifersüchtig, Chef?“

„Wie kommst du denn darauf?“, fragte Bount Reiniger lächelnd.

„Ich dachte es aus deiner Stimme herausgehört zu haben.“

„Unsinn. Wer ist Phil Jessel? Was will er von dir?“

„Er hat eine Agentur, die Top Mannequins vermittelt.“

„Und?“

„Wie du weißt, habe ich mal die Mannequinschule besucht. Das war noch in Minneapolis. Danach ging ich nach New York.“

„Ja, und? Das ist alles lange her.“

„Ich begegnete damals dir, du hast mir einen Job als Detektiv-Volontärin angeboten ...“

„Ist mir noch alles in bester Erinnerung“, sagte Bount. „Was hat das mit Mister Phil Jessel zu tun?“

„Nun, er sucht attraktive Mädchen für seine Agentur. Irgendjemand muss ihm einen Tipp gegeben haben. Er war heute Morgen bei mir, und bot mir eine gut bezahlte Stellung an.“

Bount staunte.

„Davon hast du mir ja gar nichts erzählt.“

„Ich sagte ihm, ich hätte kein Interesse und dachte, damit wäre die Sache erledigt. Aber Jessel lässt nicht locker. Er will mich um jeden Preis engagieren.“

„Du bleibst doch hoffentlich bei deinem Nein.“

„Jessel würde eine Traumgage bezahlen.“

„Ich habe dein Gehalt erst im vergangenen Monat beträchtlich erhöht.“

June schmunzelte.

„Tatsächlich? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“

„Jetzt werd bloß nicht unverschämt ...“

June erhob sich und war mit ein paar Schritten bei ihm. Sie schlang ihm die Arme um den Hals und sah ihn lächelnd an.

„Keine Sorge, Bount, ich bleibe dir erhalten. Aber nicht wegen der überdurchschnittlichen Bezahlung, sondern weil ich dich mag. Jessel kommt übrigens in einer Stunde hierher.“

„Kann er fliegen?“, erkundigte sich Bount Reiniger grimmig.

„Ich weiß es nicht“, antwortete seine Mitarbeiterin amüsiert. „Wir werden es sehen.“

Eine Stunde später traf tatsächlich Phil Jessel ein. Er brachte einen riesigen Blumenstrauß mit.

„Oh, die herrlichen Blumen“, sagte Bount Reiniger. „Sind die für mich?“

Bount hatte June fortgeschickt und saß an ihrem gläsernen Schreibtisch. Er erhob sich.

Phil Jessel war ein kleines, öliges Männchen mit wulstigen Lippen und falschen Zähnen. Seine angenehm klingende Stimme passte eigentlich nicht zu ihm.

„Ich möchte zu Miss March“, sagte er. „Mein Name ist Phil Jessel.“

„Ich weiß. Miss March hat Sie mir beschrieben“, sagte Bount. „Ich bin untröstlich, Ihnen sagen zu müssen, dass Miss March leider nicht hier ist.“

„Aber ich habe doch vor einer Stunde mit ihr telefoniert.“

„Richtig, aber gleich danach musste sie dringend weg.“

„Zu dumm. Wohin denn?“

„Alaska“, sagte Bount, ohne mit der Wimper zu zucken.

„Ach, jetzt verstehe ich“, sagte Jessel.

„Das freut mich, Mister Jessel“, meinte Bount. „Miss March gehört hierher, und ich bin froh, dass ich sie habe. Natürlich kann ich ihr nicht so viel Geld bieten wie Sie, aber dafür findet sie hier ein Arbeitsklima vor, das ihr zusagt und in dem sie sich wohlfühlt. Ich möchte Ihnen dringend raten, nicht weiterhin zu versuchen, sie abzuwerben. Wenn Sie wollen, können Sie die Blumen dalassen. Ich werde sie Miss March mit den besten Grüßen von Ihnen übergeben. Und ich werde ihr sagen, dass Sie es bedauern, sich die ganze Geschichte nun doch anders überlegt zu haben. Ist das in Ihrem Sinn, Mister Jessel?“

„Ja“, antwortete Phil Jessel, ein bisschen eingeschüchtert und verwirrt. „Ich glaube, das ist es.“

„Dann wünsche ich Ihnen alles Gute. Hoffentlich finden Sie einen Ersatz für June.“

„Das wird sehr schwierig sein.“

„Das glaube ich Ihnen, und es tut mir aufrichtig leid für Sie“, sagte Bount und nahm Jessel die Blumen aus der Hand. Ehe der Mann zur Besinnung kam, hatte ihn Bount Reiniger aus dem Vorzimmer seines Büros manövriert.

Zwanzig Minuten später kehrte June zurück. Sie steckte den Kopf zur Tür herein.

„Ist die Luft rein?“

„Ja“, sagte Bount.

„Oh, die wunderschönen Blumen.“ Junes veilchenblaue Augen strahlten.

„Die sind von mir“, behauptete Bount Reiniger.

„Schwindler!“

„Na schön, dann sind sie eben von Jessel, der dir bestellen lässt, dass er verzichtet.“

June lachte.

„Wie hast du ihn dazu gekriegt? Du bist doch hoffentlich nicht handgreiflich geworden.“

„Das war nicht nötig. Mister Jessel ist ein sehr vernünftiger Mann. Er war meinen Argumenten sehr zugänglich.“

„Der arme Mister Jessel. Er tut mir beinahe leid.“

„Keine Sentimentalitäten, June. Ich finde, es ist an der Zeit, mal wieder was zu arbeiten.“

Sie seufzte.

„Vielleicht hätte ich mir doch ein kleines Hintertürchen offenlassen sollen.“

Bount zog sich in sein Allerheiligstes zurück und zündete sich eine Pall Mall an. Er hatte viele Jahre allein gearbeitet, doch heute konnte er sich ein Leben ohne June March nicht mehr vorstellen. Sie war ein sehr tüchtiges Mädchen, eine wertvolle Mitarbeiterin, die ihm viel Arbeit abnahm. Leider entwickelte sie manchmal einen falschen Ehrgeiz und wollte ihm beweisen, dass sie mehr konnte, als nur Schreibtischarbeit verrichten. Damit hatte sie sich schon einige Male in Teufels Küche gebracht, und Bount hatte sie unter Einsatz seines Lebens aus der Klemme holen müssen.

Aber wem unterliefen keine Fehler ... Bount war bereit, auch weiterhin jederzeit sein Leben für June einzusetzen. Sie war für ihn unentbehrlich geworden. Er konnte und wollte nicht mehr auf sie verzichten.

Während ihm durch den Kopf ging, was er mit diesem bezaubernden Mädchen schon alles erlebt hatte, klopfte.es.

„Ja.“

June trat ein.

„Mister Michael Mockey möchte dich sprechen, Bount.“

Mockey war der größte Limonadenhersteller der Ostküste. Geld wie Heu, dennoch nicht glücklich, wie Bount gehört hatte, denn der Mann hatte einen schwierigen Sohn.

„Ich lasse bitten“, sagte Bount Reiniger.

Und Michael Mockey trat ein.

 

 

4

Fassungslosigkeit spiegelte sich in George Wheelers Gesicht, als er Buster Toncer tödlich getroffen zusammenbrechen sah. Dicke Schweißperlen traten auf seine Stirn.

Das Mädchen hatte geschossen! Diese Teufelin! Eiskalt hatte sie seinen Kollegen abgeknallt! Wie konnte ein Mädchen nur so hart sein? Brutalität bis hin zum Mord - war für gewöhnlich eine Domäne der Männer.

Wheeler spürte, wie seine Knie zitterten. Toncer lag auf dem grauen PVC-Boden, und unter seinem Körper sickerte dunkles Blut hervor.

„Ihr seid wahnsinnig!“, presste Wheeler hervor. „Warum habt ihr das getan?“

„Schnauze!“, brummte Billy Silver.

„Was wollt ihr hier?“

„Wirst du gleich sehen“, sagte Silver. Er massierte sein Kinn, das gerötet war. Wenn Patricia den Kerl nicht erschossen hätte, hätte er ihn umgelegt. Niemand durfte sich ungestraft an ihm vergreifen.

Silver trat neben den Funker. Er stieß ihm den Lauf seiner Pistole in die Seite. Wheeler erstarrte. Er glaubte, nun würde es auch ihm ans Leben gehen.

„Bitte“, ächzte er. „Nicht ... Ich habe eine Frau und zwei Kinder ...“

„Sie werden Daddy wiedersehen, wenn er tut, was ich ihm sage“, bemerkte Billy Silver.

„Alles, was Sie wollen ...“

„Das ist sehr vernünftig. Du siehst, wohin es führt, wenn man den Helden spielt. Man stirbt den Heldentod.“

„Ich werde gehorchen.“

„Okay, setz dich ans Funkgerät! Aber keine Tricks!“

„Bestimmt nicht.“

„Deine Familie kann stolz auf dich sein.“

Wheeler nahm Platz. Der Drehstuhl ächzte leise. Patricia Powell ließ ihre Pistole sinken. Den Toten beachtete sie nicht. Er belastete ihr Gewissen nicht im Geringsten. Der Mann war ihrer Meinung nach ein Idiot gewesen. Wie konnte er sich zu einem Angriff gegen zwei Pistolen entschließen? Das hatte ja ins Auge gehen müssen.

Das Mädchen begab sich zu Wheeler, dem ihre Nähe Angst machte. Er hielt Patricia für gefährlicher als Silver. So viel Eiseskälte hatte er noch bei keinem Mädchen erlebt.

„Setz dich mit Henry Jordans Truck in Verbindung!“, verlangte Billy Silver.

„Was soll ich Henry sagen?“, fragte Wheeler gepreßt.

William Silver gab ihm den Text. Wort für Wort sagte er dem Funker, was er Jordan erzählen sollte.

„Wenn ich merke, dass du mogelst, drücke ich ab!“, warnte der Gangster den zitternden Mann.

„Ich ... ich bin nicht lebensmüde.“

„Dann ist es gut. Also los!“

George Wheeler schaltete das Funkgerät ein und rief Henry Jordan, der um diese Zeit etwa dreihundert Kilometer von San Francisco entfernt sein musste.

 

 

5

Der reiche Michael Mockey ließ sich ächzend in den Besuchersessel fallen. Er war ein geplagter Mann. Seine Geschäfte gingen gut, hätten nicht besser gehen können, das hatte Bount Reiniger erst kürzlich im Wirtschaftsteil einer Zeitung gelesen. Doch privat wollte bei Mockey so gut wie nichts mehr klappen. Vor zwei Monaten war ihm seine Frau mit einem bisexuellen Sänger davongelaufen. Man hatte seinen Sohn Frank wegen unerlaubten Waffenbesitzes eingelocht, und gesundheitlich schien der dicke Michael Mockey auch nicht ganz auf der Höhe zu sein, wie Bount Reiniger jetzt feststellte. Der Mann schwitzte, japste wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft, und seine Hände zitterten leicht. Mockey war der lebende Beweis dafür, dass Geld allein auch nicht glücklich macht.

„Kaffee? Fruchtsaft? Irgendetwas Alkoholisches, Mister Mockey?“, fragte Bount Reiniger.

„Vielen Dank, Mister Reiniger, ich möchte nichts.“

„Was kann ich für Sie tun?“, erkundigte sich Bount.

„Ich möchte, dass Sie für mich arbeiten, Mister Reiniger. Ich brauche den besten Detektiv, den ich für mein Geld kriegen kann.“

„Was für ein Problem haben Sie? Geht es um Ihre Frau?“

Mockey winkte ab.

„Serena habe ich abgeschrieben. Sie wird wohl bei diesem widerlichen Schlagerstar bleiben. Wenn nicht, ist es mir auch egal. Serena existiert für mich nicht mehr.“

„Ist sie nicht immer noch Ihre Frau?“

„Das schon, aber nicht mehr lange. Ich habe meine Anwälte mit der Scheidung beauftragt. Böswilliges Verlassen des Ehegatten ... Eine glatte Sache.“

„Angenommen, Ihre Frau würde zu Ihnen zurückkehren wollen.“

Mockey schüttelte den Kopf und hob die Hände, als wollte er etwas abwehren.

„Tut mir leid, daraus kann nichts werden. Ich habe schließlich meinen Stolz. Serena hat mich zu sehr erniedrigt, Mister Reiniger. Ich kann ihr nicht mehr verzeihen.“

Bount nahm das nickend zur Kenntnis.

„Und aus welchem anderen Grund möchten Sie mich engagieren, Mister Mockey?“

„Sie wissen sicher, dass ich einen Sohn habe.“

„Frank“, sagte Bount Reiniger.

„Ja, Frank. Ich kann nicht gerade stolz auf ihn sein.“ Der Limonadenhersteller fuhr sich seufzend über die Augen. „Manchmal frage ich mich, was ich wohl falsch gemacht haben mag. Ist es falsch für einen Mann, wie ein Tier zu arbeiten, damit es seiner Familie gutgeht? Sie kennen bestimmt meine Lebensgeschichte. Schon oft stand sie in allen möglichen Zeitungen. Ich komme von ganz unten, und mein Vater sagte immer: ,Junge, wenn aus dir etwas werden will, musst du hart an dir arbeiten. Du darfst dich nicht schonen. Wer etwas im Leben erreichen will, muss schwerer schuften als alle anderen.‘ Das sagte er, und diese Richtlinie befolgte er auch selbst. Aber ihm blieb der Erfolg versagt. Nach seinem Tod machte ich da weiter, wo er aufgehört hatte, und ich hatte mehr Glück als er. Es hat mich sehr viel Blut und Schweiß gekostet, die Position zu erreichen, die ich heute innehabe. Aber der Erfolg ist mir nicht in den Kopf gestiegen.“

„Ich kenne Ihren Werdegang“, sagte Bount.

„Verdorben hat mein Erfolg nicht mich, sondern meine Familie. Serena hatte ein Verhältnis nach dem anderen, und mein Sohn verkehrt in schlechten Kreisen. Erst kürzlich erwischte ihn die Polizei mit einer Waffe.“

„Ich hab’s gelesen.“

„Es war nicht leicht, ihn wieder freizubekommen. Vielleicht hätte ich keinen Finger für ihn rühren sollen. Er hat es mir nicht gedankt. Er ist es eigentlich nicht wert, dass ich mich um ihn kümmere. Aber was soll ich tun? Er ist ja trotzdem mein Sohn, und ich bin sein Vater, der - wie jeder Vater - an seinem Jungen hängt. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Franks wilde Jahre bald vorüber sind und er doch noch vernünftig wird. Ich möchte ihn in meiner Firma haben. Ich würde gern mit ihm zusammenarbeiten. Wir könnten gemeinsam Großartiges leisten. Eines Tages könnte ich ihm das Unternehmen dann mit der Gewissheit übergeben, dass es sich gelohnt hat, ein Leben lang so hart zu schuften. Aber Frank will von mir und von der Firma nichts wissen. Auf eigenen Füßen will er stehen. An und für sich wäre das nichts Schlechtes. Es ist nur falsch, wie Frank es anpackt.“

„Soll ich Ihrem Sohn ins Gewissen reden?“, fragte Bount Reiniger.

Details

Seiten
104
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738934762
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (November)
Schlagworte
frisco kopf york detectives

Autor

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Titel: In Frisco rollt dein Kopf: N.Y.D. – New York Detectives