Lade Inhalt...

HK GREIFF - Wer dem Tod ins Handwerk pfuscht

2019 88 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

HK GREIFF – WER DEM TOD INS HANDWERK PFUSCHT

Copyright

Verzweifelter Ausweg

Gift für die Ratten

Ein Mann lässt keine Rechnung offen

Aus dem Weg geräumt

In den sauren Apfel gebissen

Wie ein Ei dem anderen

Millionen für Schnuckelchen

So ein guter Junge!

Wie bringt man eine Leiche um?

Wer dem Tod ins Handwerk pfuscht

Ein völlig neuer Anfang

Knut zieht einen Schlussstrich

Fürchte eine Frau, die liebt

Kein Mitleid mit armen Schluckern

Die Chance seines Lebens

HK GREIFF – WER DEM TOD INS HANDWERK PFUSCHT

15 Kriminalerzählungen von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 88 Taschenbuchseiten.

 

Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen.

 

– Kurz vor der Trauung mit der Fabrikantentochter Rita Bietig wird Kurt Lange mit kompromittierenden Fotos aus seiner bewegten Vergangenheit erpresst. Er ist sicher, den Täter zu kennen und ist zu wirkungsvollen Maßnahmen entschlossen.

– Bruno kümmert sich um die alte, kranke Adele – und gelegentlich stiehlt er ihr etwas. Nicht viel. Das reicht niemals, um seine Schulden bei seinem ehemaligen Kumpel zu bezahlen. Die törichte Alte bringt ihn auf die rettende Idee. Sie bildet sich ein, in ihrem Haus seien Ratten. Bruno muss Gift besorgen. Für die angeblichen Ratten viel zu schade, und Adele hätte doch ohnehin nicht mehr lange zu leben …

– Als der Ehemann seiner ehemaligen Geliebten verreist, sieht Harry die Chance, sich durch einen Einbruch an dem reichen Typ zu rächen, der ihm seine Gespielin ausgespannt hatte. Aber auch Cynthia soll ihre Treulosigkeit büßen …

Und zwölf weitere spannende Kurzkrimis ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Verzweifelter Ausweg

„... gebe ich die Verlobung meiner Tochter Rita mit Herrn Kurt Lange bekannt und erhebe mein Glas ...“

Direktor Erwin Bietigs Rede wurde durch Beifall unterbrochen, das in der Nähe des Fabrikanten stehende Paar mit Glückwünschen überschüttet.

Viele missgönnten dem durch eine überraschende Erbschaft zu Vermögen gekommenen Kurt Lange die Liebe der zauberhaften Rita und die Einheirat in den angesehenen Bietig-Clan. Manch einer der männlichen Partygäste hatte sich selbst Hoffnungen gemacht.

Dies berührte Kurt Lange wenig. Er sah sich am Ziel seiner Wünsche. Vor kurzem noch ein Niemand, der sich kaum Aussichten auf einen Job in der Bietigschen Firma ausrechnen konnte, würde er ein Wörtchen bei wichtigen Entscheidungen mitzureden haben.

„Telefon für Sie, Herr Lange!“, raunte ihm ein Bediensteter ins Ohr.

„Entschuldige mich einen Moment, Liebling“, bat er.

„Ich gratuliere Ihnen, Herr Lange“, vernahm er eine gepresste Stimme aus dem Telefonhörer. „Sie sind zu beneiden. Hoffentlich platzt Ihre Verlobung mit der Bietig-Tochter nicht wieder.“

„Warum sollte sie? Wir lieben uns schließlich.“

„Sie haben schon andere Frauen vor ihr geliebt. Frauen, die Direktor Bietig niemals zu einer seiner Partys einladen würde. Und wenn er erst gewisse Fotos zu sehen bekäme ...“

Kurt Lange wurde es siedend heiß. Schlagartig wurde ihm klar, dass das Weibsbild am anderen Ende der Leitung aus seinem Erfolg Kapital zu schlagen hoffte.

„Ist das eine Erpressung?“, fragte er.

„Nur die Bitte um hunderttausend Euro. Das ist ausgesprochen preiswert, wenn Sie berücksichtigen, dass Sie dafür auch den Speicherchip erhalten.“

„Vergessen Sie's!“ Wenn er jetzt nicht hart blieb, wurde er diese Blutsaugerin nie wieder los.

„Wie Sie meinen, Herr Lange. Wenn Sie dann nur so freundlich wären, Ihren zukünftigen Schwiegervater an den Apparat zu holen? Er bekommt die Bilder selbstverständlich umsonst.“

Das Biest meinte es ernst. Er würde mehr verlieren als nur hunderttausend. Er war in früheren Jahren kein Waisenknabe gewesen, hatte in fragwürdigen Kneipen verkehrt und zweifelhafte Frauen gekannt.

Wenn er nur an die wilde Lissy dachte, die er sogar beinahe geheiratet hätte, wäre nicht Rita in sein Leben getreten.

Ob die verstellte Stimme Lissy gehörte? Zuzutrauen wäre es ihr.

„Wohin soll ich das Geld bringen?“ erkundigte er sich resignierend ...

Die Party dauerte bis in die Nacht hinein. Nur Direktor Bietig zog sich früher zurück, was bei seinen zahllosen Verpflichtungen keinen wunderte.

Niemand ahnte, mit wem er diesmal verabredet war.

„Wird er zahlen?“, fragte er sein Gegenüber nervös.

„Er wird“, versicherte die attraktive Lissy. „Für den Anfang habe ich hunderttausend verlangt.“

„Ihre fünfzig Prozent können Sie gleich abziehen“, erklärte der Mann erleichtert. „Ob er Ihre Stimme erkannt hat?“

„Ich habe sie verstellt. Kurt kannte viele Frauen. Er wird sich kaum an jede Stimme erinnern.“

Erwin Bietig war froh, dass sein Plan so gut funktionierte. „Sie überlassen ihm einige Fotos und setzen Ihre Forderungen fort. Ich brauche wesentlich mehr Geld, will ich die Firma retten. Nicht einmal meine Tochter ahnt, dass ich praktisch bankrott bin.“

Lissy lächelte. „Ich hatte mir eingebildet, Sie, eine im Licht der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeit, mit dem Vorleben Ihres Schwiegersohns in spe erpressen zu können. Aber Ihre Idee war prima, zumal Kurt eine Rechnung bei mir offen hat. Der Lump hatte mir die Ehe versprochen, aber nach seiner Erbschaft wollte er höher hinaus. Dafür soll er bluten.“

„Damit ist uns beiden geholfen“, frohlockte ihr Partner, bevor sie die nächsten Schritte besprachen.

Erwin Bietig pries den Tag, an dem dieses raffinierte Luder gedroht hatte, ihn bei seinen Geschäftspartnern unmöglich zu machen. Kurt hatte stattliche zwei Millionen geerbt. Sicher war damit zu rechnen, dass er sie in die Firma einbrachte. Doch dafür erwartete er entsprechende Investitionen. Dabei wurde das Geld dringendst zur Deckung zahlreicher Verbindlichkeiten benötigt. Sobald der Ahnungslose die Wahrheit erfuhr, würde er zweifellos das Interesse an Rita und deren bettelarmem Vater verlieren.

Erwin Bietig blieb also nichts anderes übrig, als sich mit einer Million zu begnügen, da Lissy die zweite für sich beanspruchte. Dafür aber war er Kurt in keiner Weise verpflichtet. Ja, es bot sich sogar die Chance, nach einem anderen Ehemann für Rita Ausschau zu halten, der nicht nur in finanzieller, sondern auch in fachlicher und charakterlicher Hinsicht als Geschäftspartner zu akzeptieren wäre.

Dass Lissy seinen Namen preisgab, war nicht zu befürchten. Sie hatte zu viel zu verlieren. Wenn Kurt aber doch irgendwann ihre Stimme erkannte, würde er alles tun, um sich vor weiteren Erpressungen zu schützen. Vielleicht brachte er sie sogar um!

Mit diesem Gedanken spielte Kurt Lange bereits nach der zweiten Geldforderung. Um sicher zu gehen, stellte er der Erpresserin am Telefon eine Frage, deren Antwort nur Lissy wissen konnte. Ahnungslos ging sie ihm in die Falle. Jetzt war er entschlossen, seiner ehemaligen Geliebten keinen einzigen Euro mehr in den gierigen Rachen zu werfen.

Das Einfachste wäre gewesen, zur Polizei zu gehen. Allerdings auch das Dümmste. Er müsste zugeben, dass seine Vergangenheit nur schwer mit dem Status eines seriösen Firmenteilhabers in Einklang zu bringen war. Bietig würde ihn vor die Tür setzen.

Er rechnete nicht damit, sich mit Lissy gütlich zu einigen. Dass er ihr wegen einer Fabrikantentochter den Laufpass gegeben hatte, verzieh sie ihm nie.

Was blieb ihm also übrig, wollte er ein für alle Mal die Gefahr bannen?

Der Hochzeitstermin wurde festgelegt, doch in drei Monaten konnte noch viel geschehen. Kurt Lange musste schnell handeln, zumal Lissy diesmal die doppelte Summe verlangte.

„Da sind überraschend weitere Fotos aufgetaucht“, behauptete sie lauernd. „Direktor Bietig wäre zweifellos entsetzt, bekäme er sie zu sehen.“

„Soll ich die Tasche mit dem Geld wieder in den gleichen Müllcontainer stecken?“, erkundigte sich der Erpresste mit verhaltenem Zorn.

„Und danach fahren Sie schleunigst davon. Auf irgendwelche Tricks reagiere ich unberechenbar.“

Vor der Verzweiflungstat, zu der sich Kurt Lange gezwungen sah, dachte er noch an die Möglichkeit, sich Erwin Bietig zu offenbaren. Diesen Gedanken verwarf er jedoch. Rita würde zweifellos für seinen früheren Lebenswandel Verständnis aufbringen, aber niemals ihr konservativer Vater.

Erwin Bietig amüsierte sich über die deutlich spürbare Unruhe jenes Mannes, dessen Vermögen seinen Betrieb sanieren sollte. Wohlweislich hatte er einer rascheren Heirat nicht zugestimmt. Was sollte er mit einem Habenichts als Schwiegersohn? In ein paar Wochen würde Kurt mit leeren Taschen dastehen.

Jovial klopfte er dem Jüngeren auf die Schulter, bevor er in seine Limousine stieg, um nach einem kurzen Abstecher bei seiner Komplizin einen seiner zahlreichen Geschäftsfreunde aufzusuchen.

Er erreichte aber weder diesen Mann, dem er Geld schuldete, noch Lissy, die bis vor kurzem als Striptease-Tänzerin gearbeitet hatte. Vor einer Kurve versagten die Bremsen seines Autos. Mit hohem Tempo schoss es über eine Böschung, überschlug sich und brannte völlig aus. Erwin Bietig war sofort tot.

Kurz darauf erhielt Kurt Lange zwei Anrufe. Zunächst teilte ihm Rita unter Tränen mit, dass ihr Vater tödlich verunglückt sei.

„Unter diesen traurigen Umständen wird es das Beste sein, wenn wir unverzüglich heiraten“, schlug er vor. „Die Firma braucht wieder eine leitende Hand.“

Kaum hatte er den Hörer aufgelegt, als der Apparat erneut läutete.

„Sie haben vergessen, etwas in den Container zu legen“, wurde er zornig erinnert. „Falls Sie das nicht bis Mitternacht nachholen, wird Herr Bietig ...“

„Spar dir den Rest, Lissy“, unterbrach Kurt Lange sie hämisch. „Ich habe Rita meine Jugendsünden gebeichtet, und ihr Vater ist tot.“

„Tot?“, wiederholte die Erpresserin ungläubig. „Woran soll er denn so plötzlich gestorben sein?“

Er erzählte es ihr und schlug vor, sich in aller Freundschaft irgendwo zu treffen und auszusprechen.

Lissy glaubte, eine würgende Hand an ihrer Kehle zu spüren. Hatte Kurt etwas mit dem Ableben seines Beinahe-Schwiegervaters zu tun? Sicher hatte er Gelegenheit, die Bremsen des Unglücksfahrzeuges zu manipulieren, um ihr damit die Grundlage für ihre Erpressung zu nehmen. Wollte er jetzt auch sie umbringen?

„Furchtbar gern“, säuselte sie. „Leider fliege ich noch heute ins Ausland und werde wohl so bald nicht zurückkommen.“

„Gute Idee!“, höhnte Kurt Lange.

Der Befragung durch die Polizei sah er gelassen entgegen. Warum sollte man ihn des Mordes verdächtigen. Niemand ahnte etwas von der Erpressung. In den Akten würde der Tod des Fabrikanten als Unglücksfall erscheinen.

Als Kurt Lange von der hohen Lebensversicherung erfuhr, die Erwin Bietig zu Gunsten seiner Tochter abgeschlossen hatte, drängte er erst recht auf eine sofortige Eheschließung.

Beim Verlassen des Standesamtes nahm ihn Kommissar Studer beiseite. „Wir sind sicher, dass es kein Unfall war“, erklärte er. „Der Wagen kam gerade von der Inspektion, aber es gab nicht die geringste Bremsspur. Wussten Sie übrigens, dass Ihr Schwiegervater total verschuldet war? Alles deutet daraufhin, dass er seinem Leben freiwillig ein Ende setzte.“

„Schulden?“, wiederholte Kurt Lange betroffen. „Selbstmord? Aber in diesem Falle würde ja nicht einmal die Versicherung zahlen.“

„In der Tat. Die Gläubiger würden sich an die Tochter des Toten halten, beziehungsweise an Sie als deren Ehemann. Sie haben alle schon auf Ihre Hochzeit gewartet, Sie Ärmster.“

„Das ist ja entsetzlich“, stöhnte Kurt Lange.

„Es kommt noch schlimmer“, fuhr der Kommissar ungerührt fort, „oder hatten Sie sich tatsächlich eingebildet, wir würden nicht herausfinden, dass sich jemand an den Bremsen des Unglücksfahrzeuges zu schaffen gemacht hat? Jetzt interessiert uns nur noch Ihr Motiv für diesen Mord, aber das werden Sie uns sicher auch noch verraten, oder?“

 

 

 

Gift für die Ratten

Adele Korfs wässrig blaue Augen funkelten ihr Gegenüber an. „Ich fasse es nicht“, stieß sie mühsam hervor. „Es gibt keine Ehrlichkeit mehr.“

Bruno Böge hatte nicht damit gerechnet, dass sie den Diebstahl bemerken würde. Es stand so viel Plunder in den Zimmern herum, und er kannte Leute, die dafür gern einen Hunderter locker machten.

Er könnte noch mehr von dem Zeug zu Geld machen. Geld, das er dringend benötigte, seit er wegen der Schlägerei seinen Job verloren hatte.

Mehrmals wöchentlich kam er zu der asthmakranken Witwe, um ihren Garten in Ordnung zu halten, den Oldtimer ihres verstorbenen Mannes in der Garage zu pflegen oder einige erforderliche Reparaturen im Haus durchzuführen. Die Alte bezahlte ihn dafür. Vor allem aber genoss er ihr Vertrauen.

„Vielleicht kann ich Ihnen das erklären“, begann er zögernd, wurde aber von der alten Frau unterbrochen: „Dafür gibt es keine Erklärung. Nichts kann einen Banküberfall rechtfertigen. Denken Sie nur an die vielen kleinen Sparer.“

Bruno wurde bewusst, dass Adele Korf keineswegs über die verschwundene Porzellanfigur in Rage geraten war. Sie meinte das Verbrechen, über das die Zeitungen berichtet hatten. Sie besaß ihr Konto bei dem betroffenen Geldinstitut, in dem die maskierten Täter weit über eine Million Euro erbeutet hatten.

Erleichtert beruhigte er sie: „Sie brauchen keine Angst zu haben, deshalb auch nur einen Euro zu verlieren. Die Banken sind doch versichert.“

Immer noch zweifelnd, wechselte Adele Korf schließlich zu einem anderen Thema, das sie ebenfalls ärgerte. „Sie müssen Rattengift besorgen, Böge“, verlangte sie. „Heute Nacht habe ich so unheimliche Geräusche gehört. Und im Garten huschten gespenstische Schatten entlang.“

Bruno Böge grinste. Die Korf hörte überall unheimliche Geräusche. Sie wurde eben wunderlich. Ratten? Im Garten gab es Wühlmäuse, aber doch keine Ratten. Vielleicht war sie vor ihrem eigenen pfeifenden Atem erschreckt. Manchmal war es mit ihrem Asthma schon ziemlich schlimm.

Da die Frau aber auf ihrem Willen bestand, besorgte er das Gift und las nachdenklich die Beschreibung auf der Packung.

Er dachte an ein Wochen zurückliegendes Gespräch mit Adele Korf, in dem sie ihm versichert hatte, ihn in ihrem Testament berücksichtigt zu haben. „Treue Dienste müssen belohnt werden“, waren ihre Worte gewesen. „Es kümmert sich ja sonst niemand um mich.“

Wie lange hatte sie wohl noch zu leben? Ihr Hausarzt wollte sich nicht festlegen. „Diese Krankheit“, pflegte er zu sagen, „quält ihre Opfer und macht ihnen wieder Hoffnung. Manchmal dauert das Jahrzehnte, manchmal ist innerhalb weniger Augenblicke alles vorbei.“

Wie würde er auf den plötzlichen Tod seiner Patientin reagieren? Würde er die Polizei einschalten? Wohl kaum.

Bruno Böge starrte das Paket mit dem Rattengift an. Was würde er wohl erben? Sie machte ein Geheimnis daraus, aber er wusste, dass sie ihr Haus der Asthmaforschung vermachte hatte und den Oldtimer ein entfernter Verwandter erhalten sollte. Was blieb da noch? Geld?

Seines Wissens lebte Adele Korf von keiner Rente, sondern von den Zinsen eines Bankguthabens. Es musste beträchtlich sein. Wenn sie ihm davon zehntausend Euro vererbte, blieb immer noch genug für die anderen übrig. Ein Jammer, dass er auf Spekulationen angewiesen blieb!

Unmutig erhob er sich von seinem Stuhl, als das Telefon läutete. Er verscheuchte seine Gedanken. Sie führten zu nichts. Er brachte allenfalls den Mut auf, ihr eine Porzellanfigur zu stehlen, nicht aber, ihren Tod gewaltsam zu beschleunigen.

„Böge?“, klang es aus dem Telefonhörer. Die Stimme weckte unangenehme Erinnerungen in ihm.

„Patzek?“, fragte er zurück.

„Du hast mich also nicht vergessen“, bestätigte der Anrufer. „Dann wirst du dich auch der Schulden erinnern, die du mir noch nicht zurückgezahlt hast.“

„Du warst nicht da“, verteidigte sich Bruno.

„Meine drei Jahre Knast hätten dich nicht zu hindern brauchen, den Betrag auf mein Konto einzuzahlen“, kam es hämisch. „Dadurch wären dir die Zinsen erspart geblieben.“

„Zinsen?“, fragte Bruno Böge bestürzt.

„Logo. Wir sind doch ehrenwerte Geschäftsmänner und halten uns an die üblichen Gepflogenheiten. Alles in allem bekomme ich jetzt fünfundzwanzigtausend von dir. Kann ich mir die Mäuse gleich abholen? Ich brauche sie für eine vielversprechende Investition.“

„Ich habe das Geld nicht. Du musst mir Zeit lassen.“

„Wieviel Zeit?“

„Ich bin arbeitslos.“

„Du hast einen Monat, Böge. Dann schicke ich dir meinen Kassierer. Hoffentlich geht es dir nicht so wie Stiedecke. Er wurde damals übel zugerichtet, der Ärmste. Soll ja heute noch im Rollstuhl sitzen.“

Bruno Böge bekam eine trockene Kehle. Er erinnerte sich an Stiedecke, und er wusste, dass Patzek keine leeren Drohungen aus-sprach. Der meinte es immer ernst.

Sie hätten ihn für den Rest des Lebens einsperren sollen. Aber er war wieder draußen und verlangte sein Geld. Ein derartiger Betrag ließ sich nicht so kurzfristig auftreiben. Nicht durch gelegentliches Verkaufen von Nippes-Figuren.

Er kehrte an den Tisch zurück, auf dem das Päckchen mit dem Rattengift lag. Wenn die Korf tot wäre, könnte er einiges aus ihrem Haus zu Geld machen. Niemand würde danach suchen. Zusammen mit der zu erwartenden Erbschaft könnte es reichen.

Er schreckte vor dem Gedanken zurück und verbrachte eine schlaflose Nacht mit der Suche nach anderen Möglichkeiten. Es gab keine ...

„Haben Sie das Rattengift ausgelegt, Böge?“, erinnerte ihn Adele Korf einige Tage darauf. „Heute Nacht habe ich sie wieder gehört.“

Bruno Böge zeigte ihr die Stellen, an denen er das weiße Pulver gestreut hatte. „Seien Sie nur vorsichtig“, warnte er sie. „Das Zeug ist hochgiftig.“

„Das will ich hoffen. Wenn man die Biester erst im Haus hat, wird man sie nur schwer wieder los.“

Sie sah nicht das böse Lächeln des Mannes. Bei dem Pulver handelte es sich um harmloses Mehl. Für das Gift hatte er eine bessere Verwendung. Er brachte es Adele Korf bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei. Im Tee, in ihrer Arznei oder auch in ihrer Marmelade, mit der sie fingerdick ihre Brote bestrich.

Die Frau war beruhigt. Sie aß ein Marmeladenbrot und erlitt kurz darauf einen Erstickungsanfall. Noch Stunden danach fühlte sie sich schwach und elend.

Tags darauf verständigte Bruno Böge ihren Arzt. „Ich mache mir Sorgen. Ihre Anfälle häufen sich. Kann man denn gar nichts tun?“

„Nimmt sie ihre Medizin?“

„Darauf achte ich, wenn ich hier bin. Sie scheint aber auch geistig nachzulassen. Ständig phantasiert sie von Ratten. Ich habe schon Gift streuen müssen. Könnte das eine Art Verfolgungswahn sein?“

Der Arzt hob seinen Blick zum Himmel. „Sie ist alt“, meinte er, „und hat den Tod ihres Mannes bis heute nicht verwunden. Wissen Sie, dass Sie sie ein wenig an ihn erinnern? Sie sehen ihm ähnlich und sind so fürsorglich.“

Adele Korf überlebte die folgende Nacht nicht. Im Todeskampf rief sie mit letzter Kraft Bruno Böge an und röchelte in den Hörer: „Ratten! Alles voller Ratten!“ Dann war nur noch ein Japsen zu vernehmen. Danach Stille.

Wie erwartet, zweifelte niemand am natürlichen Ableben der Greisin. Bruno Böge fieberte der Testamentseröffnung entgegen. Würde es reichen, um sich Patzek und dessen brutale Schuldeneintreiber vom Hals zu schaffen?

Der Notar blickte ihn freundlich an, während er las: „... erhält als Dank, dass er sich so vorbildlich um mich kümmerte, mein gesamtes Barvermögen ...“

Bruno Böges Augen weiteten sich. „Wieviel ist das?“, wollte er wissen.

Darüber konnte der Jurist keine Auskunft geben. „Gehen Sie zur Bank. Sie sind über sämtliche Konten der Verblichenen verfügungsberechtigt.“

Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Er wollte gleich 25.000 Euro abheben, um sich von Patzek freizukaufen. Danach würde er wohl eine Weile sorgenfrei leben können.

Der Bankdirektor bedauerte. „Frau Korf hat ihre Konten bei uns aufgelöst. Nach dem Überfall glaubte sie ihr Vermögen bei uns nicht mehr sicher. Es handelte sich um fast dreihunderttausend Euro.“

Bruno Böge traute seinen Ohren nicht. Er war reich. „Wissen Sie, für welches Institut sie sich entschieden hat?“

Der Bankier seufzte. „Ich habe wie ein Buch geredet und sie an die zahlreichen Einbrüche erinnert, aber ich fürchte, es hat nichts genützt. Alte Menschen können recht eigensinnig sein. Sie behauptete, ein Versteck zu haben, an dem bestimmt kein Einbrecher ein Vermögen vermuten würde. Sie wollte sogar auf die laufenden Zinsen verzichten, weil sie nach ihrer Einschätzung ohnehin nicht mehr lange zu leben hatte.“

Bruno Böge suchte im ganzen Haus nach dem Geld. Er musste es finden, denn das Gebäude würde demnächst versteigert werden.

Im Keller entdeckte er schließlich zwischen dem ganzen wertlosen Gerümpel einen alten Karton, in dem einmal Schmelzkäse transportiert worden war. Jetzt war er an einer Seite offen und leer. Leer bis auf ein paar blaue Papierschnipsel. Er hielt die kümmerlichen Reste von Hunderteuroscheinen in der Hand.

Aus einer der dunklen Ecken vernahm er ein merkwürdiges Pfeifen. Er begann hysterisch zu lachen. Ratten! Das ganze schöne Geld war diesen nimmersatten Biestern zum Opfer gefallen. Es wäre doch klüger gewesen, ihnen das Gift zu geben. Aber wie sollte er das Patzek beibringen?

 

 

 

Ein Mann lässt keine Rechnung offen

Ludwig Kösters Protzschlitten glitt aus der Garage. Das Tor schloss sich automatisch. Der Fahrer winkte aus dem Fenster, bevor sein Wagen um die Ecke verschwand.

Im oberen Stockwerk der Villa schloss eine attraktive Frau das Fenster. Kurz darauf flammte daneben Licht auf. Der Mann, der im Schatten der nahen Büsche verbogen lag, verzog zufrieden die Mundwinkel. Alles war genau wie jeden Dienstag.

Direktor Köster fuhr pünktlich um neun Uhr abends zum Flughafen, um sich um seine Filiale in Bremen zu kümmern, und würde am Freitag wieder zurückkehren. Drei Tage war seine hübsche Cynthia also allein im Haus. Allein mit ihrem wertvollen Schmuck, allein mit den kostbaren Gemälden, allein mit dem Wandsafe im Arbeitszimmer, der zweifellos einige Papiere enthielt, für die gewisse Leute tief in die Tasche zu greifen bereit waren.

Harry Jaeckel tastete nach dem kräftigen Messer in seiner Jacke. Schusswaffen verabscheute er, seit ihn damals eine Ladehemmung für vier Jahre ins Gefängnis gebracht hatte. So eine stabile Klinge war etwas Zuverlässiges. Vor allem verursachte sie keinen Lärm.

Dass er die Frau würde töten müssen, war eine unabänderliche Notwendigkeit. Sie könnte ihn nicht nur beschreiben, sie wusste auch seinen Namen. Vor Jahren hatte sie sogar seine intimsten Empfindungen gekannt. Bis zu jenem Tag, an dem der wohlhabende Firmenboss aufgetaucht war und Cynthia ihm, dem leidenschaftlichen Geliebten ohne das geringste Vermögen, einen Fußtritt versetzt hatte. Das verzieh er ihr nie.

Schon damals hätte er sie am liebsten erwürgt, doch zog er es vor, seinen Verstand zu gebrauchen. Schließlich war es klüger, mit der Rache eine Weile zu warten, dann aber tüchtig abzukassieren. Dafür, dass Ludwig Köster ihm seine Gespielin ausgespannt hatte, sollte er nun bezahlen.

Harry Jaeckel huschte durch die Dunkelheit. Cynthia befand sich jetzt oben im Bad. Er erinnerte sich noch, dass sie sehr lange zu duschen pflegte. Sie würde nicht hören, wenn er sich Einlass ins Haus verschaffte.

Die Haustür war noch nicht verschlossen. Er benötigte nur wenige Augenblicke, dann stand er in der Diele.

Von oben vernahm er das Plätschern des Wassers und Cynthias Stimme. Sie trällerte einen der neuesten Hits. Gleich würde ihre blendende Stimmung in kaltes Entsetzen umschlagen.

Der Eindringling schlich die Treppe nach oben, während er sein Messer zog und die Klinge durch einen Knopfdruck hervorschnellen ließ.

Die Geräusche aus dem Badezimmer wiesen ihm den Weg. Zum Glück hielten sich die Kösters keine Hunde, die seine Anwesenheit vorzeitig verraten hätten.

Vor der Tür verharrte er kurz, bevor er die Klinke lautlos herunterdrückte.

Dampf quoll ihm entgegen. Harry Jaeckels Blick fiel auf die Spiegelablage. Ein pikanter Einfall durchzuckte ihn, als er das Rasiermesser entdeckte. Er könnte es als Mordwaffe benutzen und damit den verhassten Köster belasten.

Noch zögerte er. Hinter dem milchigen Glas der Duschkabine hob sich Cynthias Silhouette ab. Sie war noch immer eine bildschöne Frau, die dieser fette Geldsack nicht verdiente.

Noch ahnte sie nicht, wie nahe ihr der Tod war. Noch summte sie den Schlager, der von fernen Palmenstränden und der großen Liebe handelte.

Harry Jaeckel streckte die Hand nach dem Rasiermesser aus - und zuckte im selben Augenblick zurück. In der Diele schlug der Türgong an.

Cynthias Gesang brach jäh ab. Auch der Wasserstrahl verstummte.

Der Eindringling zog sich blitzschnell in den Gang zurück und flüchtete durch die benachbarte Tür. Hier wartete er im Dunkeln ab, wie sich Cynthia verhalten würde. Am besten wäre es, wenn sie auf den Störenfried gar nicht reagierte. Immerhin war ihre momentane Garderobe nicht geeignet, unangemeldete Besucher zu empfangen.

Durch den schmalen Türschlitz beobachtete er, wie die Frau das Bad verließ. Sie hatte sich flüchtig einen flauschigen Morgenrock übergeworfen. Ihre bloßen Füße hinterließen auf dem Läufer feuchte Spuren.

Wenig später klang von unten eine unterdrückte Männerstimme. Cynthia kicherte. Dann war Stille.

„Ich habe es vor Sehnsucht nach dir kaum noch ausgehalten, Liebes“, sagte der Fremde nun, worauf die Frau ihm seufzend beipflichtete.

„Du ahnst ja nicht, wie mich Ludwig langweilt. Ständig denkt er nur daran, wie er sein Vermögen vergrößern kann. Dass er eine junge Frau hat, deren Sehnsüchte nicht mit Diamantringen und Pelzen zu stillen sind, vergisst er dabei.

„Du hast ja mich“, tröstete sie der Besucher, den die Hausherrin offensichtlich erwartet hatte. Sie kamen engumschlungen die breite Treppe nach oben, und Harry Jaeckel erkannte Olaf Janisch, von dem er wusste, dass er in Ludwig Kösters Betrieb einen mäßig bezahlten Posten bekleidete.

Jetzt galt es, schnell und richtig zu handeln. So lästig dieser Bursche auch war, ließ sich doch vielleicht der Mordverdacht auf ihn lenken.

Da die beiden genau auf die Tür zuhielten, hinter der Harry Jaeckel lauerte, hielt dieser nach einem sicheren Versteck Ausschau, in dem er in Ruhe die nächsten Schritte planen konnten. Zweifellos war das Pärchen mindestens während der nächsten Stunde mit sich beschäftigt. Ihm blieb also jede Menge Zeit.

Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er sich im Schlafzimmer der Kösters befand. Durch Fenster und Balkontür fiel ausreichend Licht, um sich zu orientieren.

Der Balkon war als Zufluchtsort ungeeignet. Hier konnte er von der Straße her entdeckt werden. Also rasch in den Kleiderschrank!

Er kauerte sich zwischen seidige Kleider und duftige Partygarderoben. Durch ein paar Ritzen schimmerte das nun aufflammende Licht der Nachttischbeleuchtung.

Heiße Wut entbrannte in dem Einbrecher, der das Liebesgeflüster der sich unbeobachtet Glaubenden anhören musste. Die behandschuhte Faust krampfte sich um das Sprungmesser. Es drängte ihn, sich auf die Schamlosen zu stürzen und ihrem Treiben ein jähes Ende zu bereiten.

Doch das wäre töricht. Er wollte warten, bis Olaf Janisch wieder verschwunden war. Wegen der Nachbarn würde er kaum bis zum Morgen bleiben. Die Polizei würde neben der Toten überall seine Fingerabdrücke finden. Wie wollte er da noch seinen Kopf aus der Schlinge ziehen?

Harry Jaeckels Überlegungen wurden durch den misstrauischen Ausruf des Mannes im Bett gestört: „Was war denn das für ein Geräusch?“

„Ich habe nichts gehört?“, erklärte Cynthia.

„Es war ganz deutlich“, beharrte Olaf Janisch.

Der Einbrecher hielt den Atem an. Verflixt! Er hatte sich doch überhaupt nicht in seinem engen Versteck gerührt. Hoffentlich ließ sich der Kerl beruhigen.

„Vielleicht habe ich in der Eile die Dusche nicht richtig zugedreht“, hielt Cynthia für möglich. „Ich schaue einmal nach.“

„Bringst du mir bei der Gelegenheit etwas zu trinken mit?“, bat ihr Liebhaber.

Harry Jaeckel frohlockte. Ein Glas auf dem Nachttisch mit Janischs Prints würden die Bullen nicht lange nach Cynthias Mörder suchen lassen. Dieser Narr passte ausgezeichnet in seinen Plan.

Die Frau verließ das Zimmer, kehrte aber sekundenschnell wieder zurück. „Um Himmels willen, mein Mann!“, zischte sie erregt. „Du musst von hier verschwinden.“

„Aber ich denke ...“

„Nun beeile dich doch!“, drängte Cynthia. „Oder willst du, dass er dich in seinem Bett erwischt? Vielleicht ist seine Maschine ausgefallen.“

„Soll ich etwa aus dem Fenster springen?“, jammerte Olaf Janisch. „In diesem Aufzug?“

Harry Jaeckel konnte sich lebhaft vorstellen, wie der Überrumpelte in Panik seine Sachen zusammenraffte und verzweifelt nach einem Schlupfloch suchte. Hoffentlich kam er nicht auf die Idee, sich hier im Schrank zu verstecken.

„Auf den Balkon!“, fauchte Cynthia gereizt und flötete im nächsten Augenblick honigsüß: „Bist du's, Schatz? Ich habe deinen Wagen gar nicht gehört. Wieso bist du nicht in Bremen?“

Ludwig Köster riss die Schlafzimmertür auf und knallte sie hinter sich zu. „Das will ich dir sagen, du falsche Schlange. Ich weiß, dass du mir Hörner aufsetzt, während ich geschäftlich unterwegs bin. Diesmal bin ich nur zum Schein weggefahren und bin zu Fuß zurückgekehrt. Wo ist der Strolch, mit dem du mich betrügst?“

„Aber, Schatz!“ Cynthias Stimme vibrierte. Durch Lautstärke hoffte sie ihre Unsicherheit zu überspielen. „Wie kannst du nur so etwas glauben. Ich liebe doch nur dich und bin dir treu. Ehrlich!“

„Tatsächlich?“, höhnte ihr Mann. „Und der Kerl, dem du die Tür geöffnet hast? War das vielleicht der Gasmann? Wenn ich ihn erwische, bringe ich ihn um. Und dich dazu.“

Offensichtlich drang er auf Cynthia ein, denn diese schrie entsetzt auf und warf im Zurückweichen eine Bodenvase um.

„Schau doch nach!“, forderte sie den Rasenden auf. „Liegt er vielleicht unterm Bett, dein eingebildeter Nebenbuhler? Bediene dich! Ich habe nichts zu verbergen.“

„Das werden wir ja sehen“, brüllte Ludwig Köster und stürmte zur Balkontür.

Cynthia presste vor Schreck die Hand vor den Mund. Gleich musste Ludwig Olaf gegenüberstehen.

Zu ihrer Erleichterung kehrte ihr Mann ins Zimmer zurück. Olaf war also gesprungen. Gott sei Dank!

„Ich weiß, dass er hier irgendwo steckt“, blieb Ludwig giftig. Er wurde gefährlich leise, als er fragte: „Wem gehört denn dieser Schuh dort?“

„Das – das ist doch dein eigener Schuh, Schatz.“ Cynthia bemühte sich um ein amüsiertes Lachen, das aber eher wie ein bestürztes Krächzen klang.

Harry Jaeckel packte das Messer fester. Er war zu allem entschlossen, wenn Köster ihm keine andere Wahl ließ. Notfalls musste eben auch er dran glauben.

Die Schranktür wurde aufgerissen. Der betrogene Ehemann stutzte nur flüchtig, bevor er höhnte: „Also Jaeckel ist es, dein Geliebter aus früheren Tagen. Ihr habt euch wohl mächtig über mich amüsiert, wie? Aber ich bin es, der zuletzt lacht. Was mir gehört, lasse ich mir von keinem wegnehmen.“

Harry Jaeckel bemerkte die Pistole in der Hand seines aufgebrachten Gegenübers zu spät. Als er zustechen wollte, warf ihn die Kugel zurück. Zwischen Taft und Satin sackte er zusammen und nahm das Bild einer schönen, entsetzt aufschreienden Frau mit in den Tod.

Cynthia brachte sich durch einen verzweifelten Sprung vom Balkon vor ihrem Mann in Sicherheit. Sie stürzte auf ihren stöhnenden Geliebten und brach ihm auch noch das andere Bein.

Der völlig verstörte Todesschütze starrte vom Balkon aus fassungslos auf den leblosen Mann im Schrank und begann einfältig zu lachen. Selbst Monate später in der Zelle glaubte er noch nicht, dass seine Cynthia von Harry Jaeckels Anwesenheit angeblich nichts gewusst haben wollte.

 

 

 

Details

Seiten
88
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738933765
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505106
Schlagworte
greiff handwerk

Autor

Zurück

Titel: HK GREIFF - Wer dem Tod ins Handwerk pfuscht