Lade Inhalt...

Schicksale im Haus an der Ecke #14: Die Hochzeit

2019 89 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Die Hochzeit

Copyright

Die Hauptpersonen:

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

Die Hochzeit

Schicksale im Haus an der Ecke #14

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 89 Taschenbuchseiten.

 

Es ist eine große Aufregung im Haus an der Ecke. Marek will seine Deike heiraten. Die Mädchen möchten natürlich, dass dieser eine Tag für Deike etwas ganz Besonderes wird und zwar im positiven Sinn. So machen sie sich also an die Vorbereitungen für die Hochzeit, dabei wollte Deike doch eine kleine, ganz unkomplizierte Feier.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Die Hauptpersonen:

Deike Borg - Bordellchefin, kommt beinahe wieder nicht zum Standesamt.

Marek - Ludenking, gibt sein Junggesellendasein auf.

Georg Kaiser - junger Mann aus dem Milieu, möchte eine Frau sein.

Dazu die Bewohner vom Haus an der Ecke.

 

 

Prolog

Zwischen den parkenden Autos sprang plötzlich ein Mann hervor. Deike erschrak so mächtig, dass sie leise aufschrie. Imka drehte sich sofort um und sah zu ihrem blanken Entsetzen, wie Deike mit einer Waffe bedroht wurde. »Steig wieder in den Wagen, und mach keine Zicken«, sagte der Mann. Imka sah, wie Deike alles tat, was der Mann sagte.

 

 

1

»Das eine sage ich euch, wenn eine von euch lacht, dann kriegt sie es mit mir zu tun!«

Lotte hatte funkelnde Augen.

Einige der Dirnen standen auf der Terrasse und blickten angespannt zu dem kleinen Zelt.

»Im Leben würden wir das nicht tun«, sagte Eva-Maria grinsend. »Wir sind doch nicht lebensmüde! Ida kann nämlich ganz schön fies werden, weißt du?«

»So was kann jedem einmal passieren«, fuhr Lotte fort.

Doc kam aus der Villa und gesellte sich zu den Dirnen. Er lachte auch. »Ist sie noch immer nicht wach?«, fragte er.

Alfred kam in diesem Augenblick von den Gewächshäusern her und hatte einen entsetzten Ausdruck im Gesicht. Erschrocken fragte Lotte: »Hast du vielleicht eine Leiche entdeckt?«

»Viel schlimmer«, jammerte der alte Mann und ließ sich auf einen Gartenstuhl fallen. Er vergrub sein Gesicht in den Händen und stöhnte auf. »Oh, oh, das halte ich nicht aus!«

»Doc, nun tu doch was!«, baten die Dirnen. »Er hat bestimmt Schmerzen!«

»Dann hat er sich höchstens überfressen und soll zusehen, dass er sich übergibt«, sagte der Tüllenarzt seelenruhig. »Ich habe ihm gesagt, er soll nicht so viele Würste essen. Dieser Polterabend hat uns wohl alle ein wenig angesägt, nicht wahr?«

»Mir ist nicht schlecht«, trumpfte Alfred auf. »Aber wenn wir das gewusst hätten, dann wäre die Feier hier nicht gelaufen. Mein schöner Garten!«

Lotte sah ihn streng an. »Jetzt erzähl mal, was los ist, Alfred!«

»Fast alle Scheiben sind aus dem Gewächshaus verschwunden! Und wo früher meine schönen Kohlköpfe standen, sind nur noch tiefe Krater. Ich verstehe gar nicht, wo der Kohl hingekommen ist.«

»Das müssen wir sehen!«, riefen die Dirnen und rannten auch schon los. Für den Augenblick hatten sie Ida vollkommen vergessen.

Doc besah sich den Schaden und fand die Lösung. Hatten sie nicht die gasgefüllten Ballons in der Nähe platzen lassen? Der Druck musste dafür verantwortlich sein, dass die Scheiben aus der Fassung gesprungen waren, und dass die Kohlköpfe sich in Luft aufgelöst hatten. Später fanden sie vereinzelte Reste vom Kohl in den umstehenden Bäumen.

Alfreds ganzer Stolz war nun mal der Garten. Er versorgte die Familie das ganze Jahr über mit biologisch angebautem Gemüse. Alfred war total geknickt.

»Wir helfen dir alle«, boten sich die Mädchen an. »Wir bringen den Garten wieder in Ordnung! Wo hast du die Geräte, Alfred? Wir fangen sofort an!«

Alfred hielt die Dirnen mühsam davon ab, sein Gartenhaus zu betreten. Das würde nur mit einem Chaos enden.

»Nein, nein, das hat noch Zeit! Lassen wir erst mal die Hochzeit stattfinden! Vielleicht geht dabei noch mehr zu Bruch. Nein, vorher rühre ich keinen Finger!«, erklärte er.

»Du tust ja, als wären wir Wilde«, rügte Marion. »So schlimm sind wir nun auch wieder nicht.«

»Ich spreche von den anderen Gästen! Ich bin ja bass erstaunt, dass die Villa überhaupt noch steht!«

»Du meinst wegen der vielen Großluden?«, wollte Renate wissen.

»Klar! Alle waren sie hier, und es gab trotzdem keinen Kleinkrieg, das wundert mich wirklich.«

»Gehen wir zum Haus zurück! Ich glaube, wir können alle jetzt eine Tasse Kaffee vertragen, bevor wir uns wieder an die Arbeit machen. Kommt schon!«

Den Dirnen fiel wieder ein, dass sie ja auf Ida gewartet hatten. Als die Köchin gegen Morgen vermisst wurde, waren alle sie suchen gegangen. Sie hatten sie dann tatsächlich im Ausnüchterungszelt entdeckt. Eng umschlungen lag sie mit einem Mann auf einer dicken Lage Stroh.

Die Dirnen wollten sich das dämliche Gesicht von Ida nicht entgehen lassen, wenn sie aufwachte und aus dem Zelt gekrochen kam.

Martha, die Angestellte von Mareks Mutter Lotte, kam gerade mit einer riesigen Kanne duftenden Kaffees.

»Wieso Arbeit?«, wollte Dorle wissen. »Wir haben keine Zeit! Wir müssen in die Stadt!«

»Und ob ihr das müsst«, bekräftigte die alte Dame. »Ich habe Marek versprochen dafür zu sorgen, dass ihr pünktlich euren Dienst antretet.«

Hanna schüttelte den Kopf.

»O nein! So meinen wir das nicht, Lotte! Wir müssen noch etwas erledigen!«

Lotte war verdutzt.

»Alle?«, fragte sie.

»Alle!«, sagte Hanna. »Heute wird noch mal geschwänzt! In der Nacht sind wir dann alle wieder flott bei der Arbeit.«

»Soll das heißen, dass den ganzen Tag im Haus an der Ecke keine Kunden bedient werden sollen.«

»So ist es!«

»Aber Hanna, das kannst du dir nicht leisten!«

»Wir können es uns alle leisten! Die Mädchen auf der Straße werden dafür um so glücklicher sein. Dann machen sie das Geschäft!«

»Und eure Luden?«, fragte Lotte besorgt.

»Die lass nur unsere Sorge sein, Lotte!«

Hanna grinste vergnügt und dachte, die Zeiten haben sich wirklich geändert. Wenn ich da an früher denke! Damals war Lotte plötzlich in Hamburg aufgetaucht und ahnte nicht, was ihr Sohn von Beruf war. Marek, der Großlude, der seine Mutter über alles liebte, wollte nicht, dass sie erfuhr, dass er Zuhälter war. Damals hatte er jedem angedroht, ihm das Genick zu brechen, wenn Lotte erführe, was in Hamburg lief. Das waren harte Zeiten gewesen! Hanna konnte sich noch sehr gut daran erinnern, was für Anstrengungen sie gemacht hatten, um die alte Dame hinters Licht zu führen. Anfangs hatte es ja geheißen, sie bliebe nur ein paar Tage. Also hatten alle mitgespielt.

Als Lotte aber merkte, dass Marek und Deike noch immer nicht gewillt waren zu heiraten, hatte sie sich in den Kopf gesetzt erst wieder heimzureisen, wenn das Paar verheiratet war.

Marek hatte bis dahin seine Mutter nicht richtig eingeschätzt. Sie zeigte ihm, aus welchem Holz sie geschnitzt war. Der Großlude musste sich fügen. Es blieb auch nicht aus, dass die achtzigjährige Dame alles erfuhr. Marek fürchtete, sie würde auf der Stelle tot umfallen und hatte schon schreckliche Gewissensbisse.

Das Gegenteil war aber der Fall, als Lotte merkte, dass ihr Sohn ein anständiges Haus führte. Das Haus an der Ecke war das beste Bordell in der ganzen Stadt. Sie hatte bald alle Mädchen in ihr Herz geschlossen und versuchte sie immer ein wenig zu bemuttern. Sie nahm sich eines Aidskranken an und hatte auch eine kranke junge Frau bei sich, der es im Augenblick jedoch sehr gut ging. Lotte hatte beschlossen, eine Art Zuflucht für Kranke zu schaffen. Man musste mit Lotte rechnen. Sie verkaufte ihr kleines Haus und erstand im Namen von Marek eine Jugendstilvilla am Rande von Hamburg. Marek hatte graue Haare darüber bekommen. Lotte und Ida hatten bald dicke Freundschaft geschlossen.

Hanna blickte auf die Uhr.

»Wir müssen uns langsam sputen! Viel Zeit haben wir nicht mehr!«

Die Mädchen machten lange Gesichter.

»Och, können wir noch ein wenig warten? Ich möchte Idas Auftauchen um alles in der Welt nicht versäumen«, sagte Eva-Maria.

Rita bot sich an: »Ich werde ein wenig nachhelfen!«

»Wie denn?«, fragte Hanna.

»Ich gehe zum Zelt rüber und mache ein wenig Krach.«

Hanna konnte sie nicht davon abhalten. Schon sprang Rita die breiten Stufen hinunter und rannte über den Kiesweg. Alle blickten ihr nach. Doc rieb sich die Hände und fühlte sich sehr glücklich. Ida würde für geraume Zeit kleine Brötchen backen, nach der Blamage.

Um so größer war für alle der Schock, als sie plötzlich eine wohl bekannte Stimme in ihrem Rücken vernahmen.

»Kann mir mal einer sagen, warum alle auf das Zelt starren? Sind vielleicht Marsmenschen darin?«

Lotte, Alfred und die Dirnen saßen wie zu Stein erstarrt. Rita war inzwischen am Zelt und machte Krach. Es schien aber nicht zu helfen, deshalb versuchte sie ins Zelt zu gelangen, um dort ein wenig Lärm zu machen. Verblüfft sah sie nun, dass Ida nicht in dem Zelt lag. Sollten sie alle einer Fata Morgana aufgesessen sein? Rita kam aus dem Zelt und wollte gerade zur Terrasse brüllen: »Sie ist nicht mehr da!«, als sie Ida hinter den Wartenden entdeckte.

Ritas Mund klappte auf.

Doc hatte sich als erster gefangen. Er stand auf und umarmte Ida. Die ließ es sich sogar gefallen. »Wir betrachten alle das Gewächshaus! Die Böllerschüsse haben es ein wenig ramponiert«, sagte er geistesgegenwärtig.

Jetzt kam auch wieder Leben in die Anderen. Lotte erhob sich und rief Ida zu: »Warte, ich bringe dir auch ein Gedeck! Sicher hast du Kaffeedurst.«

»Lass man«, sagte Ida ganz munter. »Das mach ich schon alleine! Ich habe ja noch junge Beine!«

Schon war sie im Haus verschwunden.

Die Dirnen machten lange Gesichter.

»So ein Mist! Jetzt hat sie uns mal wieder um Längen geschlagen! «

»Musste sie ausgerechnet in dem Augenblick rauskommen, als wir im Park waren«, schimpfte Eva-Maria. »Sie gönnt uns aber auch keinen Spaß!«

»Still«, rief der Doc. »Ich weiß es, sie hört die Flöhe husten! Ich will euch mal was sagen. Seien wir doch froh, dass es so gekommen ist! Für Ida wäre es nicht leicht gewesen, wenn wir alle gesehen hätten, wie sie verkatert aus dem Zelt kriecht.«

Die Mädchen mussten unwillkürlich lachen.

»Recht hast du! Wir kennen ja die Wahrheit. Das ist doch auch schon etwas. Lassen wir ihr die Freude!«

Ida kam zurück.

»Will denn keiner an die Arbeit? Wie ist das mit der Tagesschicht?«

»Die fällt heute ins Wasser«, sagte Hanna.

»Na, das wird ja eine schöne Wirtschaft, wenn ich mal nicht mehr im Haus an der Ecke aufpasse! Du hast überhaupt keine Arbeitsmoral, Hanna!«

Hanna nahm die Rüge gelassen hin. Im Augenblick hatte Ida zwar noch das Sagen, aber nur noch für ein paar Tage. Dann würde sie aus dem Haus an der Ecke aus und in die Villa einziehen.

»Keine Panik«, sagte Shiva lachend. »Wir wissen schon, was wir tun. Das holen wir alles nach. Aber wegen der Hochzeit müssen wir nochmals in die Stadt.«

Ida war sofort weicher gestimmt.

Wenn Deike im Spiel war, drückte sie beide Augen zu. Sie hatte eine große Schwäche für sie. Für Deike hätte sie den letzten Blutstropfen hergegeben.

»Darf man vielleicht fragen, um was es sich dabei handelt?«

Die Dirnen schüttelten alle den Kopf.

»Dann soll es wohl eine Überraschung werden?«, fragte Ida.

»Jaaaa!«, erklang es wie aus einem Munde.

»Geht es um das Geschenk?«, wollte Ida wissen.

»Auch«, gab Hanna zu.

»Wie kommt ihr denn in die Stadt?«

»Wir werden Taxen kommen lassen.«

Listig fragte Ida: »Könnt ihr mich mitnehmen? «

Die Mädchen blickten sich an. Sie kannten Idas Hintergedanken. Sie hatten so ihre Erfahrungen.

»Aber sicher«, sagten sie fröhlich. »Soviel Platz werden wir noch haben. Vier passen in eine Taxe, also brauchen wir sechs. Ich werde mal die Zentrale anrufen«, meinte Hanna.

Ida dachte, na die werden sich wundern. Denen werde ich ein Schnippchen schlagen. Ich komm schon dahinter, was sie in der Stadt machen. Nur gut, dass sie mich nicht im Zelt gesehen haben. Nicht auszudenken, wie sie sich über mich lustig gemacht hätten. Ida war noch ein wenig verwirrt und wusste noch immer nicht genau, wie sie ins Zelt gekommen war. Sie konnte sich an nichts mehr erinnern.

In diesem Augenblick schellte die Glocke unten am Tor. Über einen Monitor konnte man den Besucher erkennen.

Martha kam und meldete: »Der Kommissar ist am Tor!«

»Dann lass ihn doch rein!«

Wenig später fuhr der Kommissar vor. Wegener stieg aus und begrüßte die Damen. Lotte erhob sich.

»Schon so früh unterwegs?«, fragte sie.

»Ich wollte mich erkundigen, ob alles ruhig ist.«

»Was soll das heißen?«

»Bei so gefährlichen Leuten in der Stadt bin ich vorsichtig. Ich möchte es nicht zu einem Krieg kommen lassen, also sorge ich ein wenig vor.«

»Gestern hat ja alles gut geklappt«, sagte Ida. »Ich hätte nicht gedacht, dass die Polizei auch mal was Gescheites zuwege bringt.«

Wegener kannte Ida, und Ida kannte den Kommissar. Sie mussten sich immer ein wenig necken.

Hanna erhob sich und sagte: »Die Großluden sind alle in ihren Hotels. Es hat hier wirklich keinen Ärger gegeben!«

Wegener freute sich darüber.

»Die sind bestimmt so müde, dass sie die nächsten Stunden verschlafen. Bin ich froh, wenn die Hochzeit vorbei ist! Dann kehrt wieder Ruhe ein in unserer Stadt!«

Er bekam eine Tasse Kaffee und lächelte Ida fröhlich zu. Die Mädchen waren schon in Aufbruchstimmung. Hanna hatte plötzlich eine gute Idee. Sie ging ins Haus und bestellte die Taxen. Sie sprach ziemlich lange mit der Zentrale und legte danach vergnügt den Hörer auf die Gabel. Dann stellte sie sich an die große Terrassentür, so dass der Kommissar sie sehen musste. Sie machte ihm ein Zeichen, doch mal ins Haus zu kommen. Wegener wusste schon, dass Hanna demnächst das Haus an der Ecke leiten würde, also war es klug, sich sie warm zu halten.

Er murmelte etwas von Toilette und verschwand.

»Was gibt es denn? Ist was nicht in Ordnung?«, fragte er.

»Alles ist okay, sonst hätte ich dich sofort verständigt. Aber du kannst mir einen großen Gefallen erweisen, Kommissar.«

Er grinste. »Um wen handelt es sich denn?«

»Um Ida!«

Er seufzte. Er hatte auch Angst vor Ida, zeigte es aber nicht.

Hanna machte dem Kommissar klar, dass sie in die Stadt wollten, und zwar ohne Ida. Sonst würde es wieder zu einem Chaos kommen. Sie wollten sie partout nicht. Ida wolle aber mitfahren. Hanna habe zwar zugesagt, er wisse ja, wie Ida reagiere, wenn man nein sagte.

»Ich habe mit der Zentrale gesprochen. Gegen ein Aufgeld haben sie mir eine Taxe weniger zugesagt. Die Mädchen sind schlank und können sich reinquetschen. Wenn die Taxen kommen, ist für Ida kein Platz mehr. Dann sollst du einspringen und dich anbieten, sie in die Stadt mitzunehmen!«

Wegener machte ein entsetztes Gesicht.

»Das kannst du mir nicht antun, Hanna!«

»Sind doch nur ein paar Kilometer! Du bist doch ein Mann! Du kannst dich wehren. Den Gefallen musst du uns erweisen! Schließlich geht es um Deike und ihr Hochzeitsgeschenk! Wir können Ida nicht brauchen!«

Der Kommissar seufzte.

»Ablehnen ist wohl nicht drin, wie?«

»Du hast es erraten, mein Lieber!«

Hanna grinste fröhlich. Hinter ihrer lustigen Miene stand aber ein eiserner Wille.

»Ich werde mich fügen! Hoffentlich lässt sie mich heil!«

»Na, dann geh mal wieder raus! Sonst riecht sie vielleicht noch Lunte.«

»Bin ich froh, dass sie bald nicht mehr im Haus an der Ecke ist!«

»Du wirst sie noch vermissen«, prophezeite Hanna.

Wegener ging auf die Terrasse zurück und dachte, Hanna hat recht, ich werde das alte Mädchen tatsächlich vermissen, obwohl sie einem die Hölle. heißmachen kann. Aber irgendwie hat man sich an sie gewöhnt. Sie ist sozusagen das Salz in der Suppe.

Als er wieder draußen bei den Mädchen saß, meldete Martha, dass ein paar Taxen vor dem Tor stünden.

Als erste auf den Beinen war Ida. Hanna hatte aber inzwischen die Mädchen unterrichtet. Sie kicherten vergnügt.

Sie verabschiedeten sich von Lotte und versprachen ihr, pünktlich bei der Trauung zu sein.

Sie stürmten den Weg hinunter und waren schnell in den Taxen verschwunden. Wegener und Ida kamen gemächlich näher. Dann erst merkte Ida, dass kein Platz mehr für sie vorhanden war. Sie blickte Hanna an, diese sah den Fahrer an, und der sagte treuherzig: »Das nächste Taxi kommt in zwanzig Minuten! Wir haben im Augenblick verdammt viel zu tun!«

»Natürlich bezahle ich das«, sagte Hanna freundlich. »Du kannst also auf Eckhauskosten in die Stadt fahren, Ida! Du musst nur ein wenig warten.«

Bevor Ida losschimpfen, oder ein Mädchen zwingen konnte, ihr den Platz zu räumen, spulte Wegener sein Sprüchlein ab. Also wurde Ida total abgelenkt. »Mit einem Bullenauto soll ich fahren?«

»Manch einer würde sich darum reißen«, sagte Hanna lachend.

Ida stieg ein. »Dann brauchen wir ja das Taxi nicht mehr! Vielen Dank, Kommissar! Du bist wirklich eine Perle.«

 

 

2

Hamburg ist eine schöne Stadt mit vielen Geschäften. Jede Dirne hatte zwar »ihr« Geschäft, in dem sie gewöhnlich einkaufen ging. Doch diesmal war es ja keine Berufskleidung, die sie brauchten, sondern etwas für eine Hochzeit. So standen sie ein wenig hilflos in der Innenstadt herum und wussten nicht was anfangen, was machen.

Hanna sagte dann: »Wir wollen doch alle elegant erscheinen, nicht wahr? Niemand soll merken, dass wir Nutten sind. Schließlich treten wir in der Öffentlichkeit auf! Das Standesamt liegt mitten in der Stadt.«

»Das ist doch selbstverständlich. Deike soll sich unseretwegen nicht schämen. Wir werden uns so schön wie möglich machen!«

»Ich liebe Hochzeiten«, sagte Eva-Maria und verdrehte schwärmerisch die Augen.

»Glaubst du, nur du alleine?«, fauchten die anderen Mädchen. »Wir sind auch ganz heiß darauf! Deikes Hochzeit soll jeden Rahmen sprengen!«

»In der Mönkebergstraße finden wir bestimmt etwas«, schlug Hanna vor. Sie wollte nicht, dass sich die Mädchen noch in die Haare gerieten.

»Dort haben wir viele Möglichkeiten. Es ist eine der besten Einkaufsstraßen der Stadt!«

»Und die teuerste dazu«, ergänzte Renate.

Die Mädchen zuckten nur die Schultern.

»Gehen wir doch mal los! Sehen wir uns ein wenig die Geschäfte an!«

Es dauerte nicht lange, da standen sie doch tatsächlich vor einem Brautgeschäft und drückten sich die Nasen an der Schaufensterscheibe platt. Hanna schmunzelte und dachte, wenn der Besitzer wüsste, wer wir sind, würde er uns durch die Polizei verjagen lassen.

Die Dirnen seufzten. Ach ja, eine Hochzeit war eine feine Sache.

»Deike heiratet nicht im Hochzeitskleid«, berichtete Hanna.

»Nicht? Das ist aber wirklich zu blöde. Ich würde es tun, ehrlich! Wann kommt man denn schon mal dazu, so einen Fummel zu tragen!«, flüsterte Dorle.

»Kannst ja mal als Braut auf die Rampe kommen«, kicherte Kony. »Vielleicht macht das die Kunden an.«

»Vielleicht mache ich das auch. Ich bin dann die Unschuld vom Lande.«

Alle Dirnen brachen in Gelächter aus.

»Wenn wir so weitermachen, sind wir abends noch in der Stadt und haben noch immer nichts gekauft! «

»Halten wir doch erst einmal Kriegsrat ab! Bevor wir uns die Füße wundlaufen, sprechen wir alles gründlich durch.«

»Das ist keine schlechte Idee.«

Das nächste Cafe wurde angesteuert, einige Tischchen zusammengeschoben, und dann wurde beraten.

Kony hatte die beste Idee. Sie erzählte: »Neulich habe ich mal eine Hochzeit gesehen, da haben die Freundinnen der Braut ein Spalier gebildet. Als das Paar aus dem Standesamt kam, musste es durchgehen. Das sah echt toll aus. Sie hatten sich alle dieselben Kleider gekauft. Ich fand es einfach himmlisch! Hinter den jungen Mädchen standen ihre Freunde, die hatten alle einen Frack an. Ich glaube, wenn ich mal heirate, möchte ich das auch.«

Für Sekunden waren alle Dirnen sprachlos. Dann ging es hektisch zu. Die Idee schlug wie eine Bombe ein. »Das ist der Hammer! Das machen wir! Darüber wird sich Deike bestimmt freuen! Du, das ist eine gute Idee!«

»Das waren wohl die Brautjungfern«, erklärte Hanna. Hanna war schon mal verheiratet gewesen, sie erinnerte sich aber nicht gern daran.

»Brautjungfern?«

»Früher mussten das unschuldige Mädchen sein«, erklärte Hanna. »Doch heute würde man das wohl nicht mehr bringen, wenn man das als Maßstab nehmen würde.«

Anita kicherte: »Dann dürfte schon längst niemand mehr in Weiß heiraten! Weiß ist doch die Farbe der Unschuld, nicht wahr?«

»So ist es!«

»Die Mädchen hatten alle lange Kleider an. Toll sah das aus, wie ein Traum! Ich sehe es noch vor mir. Vielleicht finden wir etwas Ähnliches.« Kony geriet direkt ins Träumen.

»Wer sagt es denn? Kony ist also diejenige, die weiß, was man zu diesem Anlass trägt. Also wird sie der Leithammel, und wenn sie sagt, so ähnlich sah es aus, dann kaufen wir es!«

»Ja, so machen wir das!«

Hanna schmunzelte und sah schon im Geiste die festlich gekleideten Dirnen. Sie ahnte nicht, was noch alles passieren würde.

Sie bezahlten die Rechnung, dann zogen sie wieder los. Es war schon ein lustiges Bild: Fünfundzwanzig Dirnen gingen im Gänsemarsch durch die Mönkebergstraße, allen voran Kony, als Abschluss Hanna. Sie wollte aufpassen, dass sie keines ihrer Schäfchen verlor.

Es wurden viele Schaufenster begutachtet, in ein paar Geschäften wurde auch anprobiert, aber es fand sich nichts, was Konys Traum entsprach.

Die Zeit verging, sie hatten schon die halbe Innenstadt abgegrast, als sie seltsamerweise wieder vor dem ersten Brautgeschäft landeten.

Erschöpft blickten sich die Dirnen an.

»Ich geh mal rein«, sagte Kony. »Vielleicht finde ich drinnen etwas. Die können ja nicht alle Klamotten ausstellen.«

»Na schön! Mach aber nicht zu lange! Wir müssen bald wieder zurück.«

»Was? Hanna, du tickst doch wohl nicht richtig! Wir fahren erst ins Haus an der Ecke zurück, wenn wir unsere Klamotten gekauft haben! Heute ist der letzte Tag, an dem wir das machen können!«

Kony hatte das Geschäft betreten, die anderen Tüllen blieben draußen stehen. Kony wurde von einer ganz in Schwarz gekleideten Verkäuferin angesprochen. Die blickte Kony hochmütig an, als wollte sie zum Ausdruck bringen: Kannst du dir eigentlich unsere Preise leisten? Wenn es darauf ankam, konnte Kony auch sehr hochmütig blicken. Die Verkäuferin wurde immer eisiger. Aber die Dirnen waren mit allen Wassern gewaschen und wussten sich zu behaupten. Kony dachte nur, du alte blöde Kuh, du stehst doch hier, weil du Geld verdienen musst. Kannst selbst hier nicht die Kundin spielen!

Laut trug Kony dann ihren Wunsch vor.

Die Verkäuferin hatte sofort begriffen und plante eine kleine Rache. Ich werde ihr ein Kleid zeigen, unser teuerstes, dann wird sie beschämt etwas stammeln und abhauen, dachte sie. Der werde ich die Suppe versalzen, und wenn ich heute keinen Bonus bekomme. Ich zeige ihr kein billiges Kleid!

Sie tat also, als höre sie aufmerksam und geduldig die Wünsche der Kundin an. Obwohl ihr Chef im Hintergrund lauerte, wollte sie wie geplant vorgehen. Sie konnte ja noch immer sagen, die Kundin habe ein ganz bestimmtes Kleid verlangt.

»Haben Sie kapiert, was ich meine?«, fragte Kony.

»Sicher! Ich glaube, wir haben so etwas vorrätig, meine Dame. Wenn Sie mitkommen würden, dann zeige ich Ihnen das Kleid. Sie haben wirklich einen ausgezeichneten Geschmack! Es ist unser schönstes Kleid! Ein Traum von einem Kleid! Bitte kommen Sie doch hierher!«

Eifrig zog sie eine Schranktür auf. Wertvolle Kleider hingen hier hinter Glas. Mit einem Griff zog sie ein herrliches Kleid aus dem Schrank. Es war ein Traum!

Die Verkäuferin schaute hämisch zu Kony. Diese hatte inzwischen Stielaugen bekommen. Sie glotzte und hatte für Sekunden die Welt um sich vergessen. Sie hörte nichts, auch nicht den Preis des Kleides. Sie starrte es nur an.

Dann wachte sie endlich aus ihrer Versunkenheit wieder auf und hörte noch: »Es wird wohl ein Traum für Sie bleiben, nicht wahr?«

Kony starrte die Verkäuferin an. Die hatte schon mit einem Gefühl der Rache das Kleid wieder an seinem Platz verstaut. Sie drehte sich um und wollte, wie es nun mal in diesem Geschäft üblich war, die Kundin zur Tür begleiten.

Kony erwachte wieder, und ein tierischer Schrei kam von ihren Lippen. Dann drehte sich das Mädchen um die eigene Achse und rannte zur Tür. Für Sekunden war die Verkäuferin wie erstarrt.

Bestürzt dachte sie, vielleicht bin ich doch zu weit gegangen. Hoffentlich ist sie nicht verrückt geworden.

Doch dann konnte sie nichts mehr denken, sie ruderte nur noch mit den Armen in der Luft umher. Sie hatte nämlich in den nächsten Minuten das Gefühl, erdrückt zu werden. Wie eine Lawine ergossen sich plötzlich fünfundzwanzig Frauen in den Laden. Wo man hinsah, Frauen, Frauen, nichts als Frauen.

Kony war mit einem Schrei auf die Straße gestürzt und schrie: »Ich habe es gefunden! Ich hab es gefunden!«

»Juchhuuu«, schrien die Dirnen und stürmten den Laden. »Das Kleid müssen wir sehen! Los, zeig es uns!«

Kony rannte zum Glasschrank und zog das Kleid heraus. Es war ein Chiffonkleid, ganz duftig. Auf weißem Grund waren lauter kleine Röschen gestickt. Es war unheimlich weit und sah einfach wie ein Sommertraum aus.

Die Mädchen umstanden andächtig dieses Wunderwerk.

Inzwischen war der Inhaber des vornehmen Geschäftes zu der Runde getreten. Er fürchtete um das teure Stück und glaubte, sie wollten es anstarren und möglicherweise auch anprobieren, nur um einmal so ein Kleid anziehen zu können.

Die Verkäuferin kam langsam wieder zu Kräften und wollte ihrem Chef beistehen.

Hanna hatte inzwischen die Regie übernommen.

»Hört mal, Mädchen! Ihr seid doch verrückt! So ein Kleid trägt man bei ganz großen Anlässen, Hochzeit in der Kirche und Kutsche und so. Macht keinen Ärger! Das geht nun wirklich zu weit! Das ist ein Kleid, das man sogar auf einer Fürstenhochzeit tragen könnte.«

»Deike ist unsere Fürstin«, fauchte Eva-Maria.

Alle Mädchen waren sofort in das Kleid vernarrt. Auf die Verkäufer achteten sie gar nicht. Sie hatten jetzt das Sagen.

»Ich will es haben!«, flüsterte Marion. »Ich will es auf der Stelle haben!«

»Quatsch nicht so dumm! Du kriegst es bestimmt nicht!«

Kony schrie: »Ich habe es entdeckt! Es ist mein Kleid! Ihr könnt euch ein anderes Kleid aussuchen!«

Vielleicht hätten sie es noch zerrissen, wenn Hanna nicht dazwischengetreten wäre.

Sie nahm das Kleid an sich und scheuchte die Mädchen auseinander.

»Hört mir mal zu, verdammt noch mal! Hört mir zu!«

Endlich war Stille.

»Wenn eine dieses Kleid trägt, dann sehen die anderen wie Aschenputtel aus! Das geht einfach nicht!«

»Das stimmt«, schrie Renate.

»Also seid ihr wieder vernünftig?«, fragte Hanna.

Kony wollte sterben, wenn sie das Kleid nicht bekam.

»Wieso?«, rief sie wütend. »Wir waren uns doch einig, dass wir alle gleich gekleidet sein wollten. Das haben wir doch abgemacht. Ich bin noch immer dafür!«

Die Mädchen blickten sich an. Alle sollten sie so einen Traum tragen?

»Meine Güte«, sagte Shiva erschüttert. »Ganz Hamburg wird von uns reden.«

»Das fehlt noch«, murmelte Hanna.

»Ja, wir machen es«, schrien die Tüllen. »Das machen wir! Dann braucht keine neidisch zu sein!«

Dem Besitzer schwoll langsam der Kamm. Er wollte sich durch die Menge zum Kleid durchboxen, wurde aber wie ein lästiges Insekt zur Seite gescheucht.

»Warte, bis du an der Reihe bist«, sagte Ivette, das Mischlingsmädchen, ärgerlich und rollte mit ihren großen Augen.

»Aber ich ...«, keuchte er.

»Ich ziehe es an und führe es euch vor! Wenn es dann noch immer ein Traum ist, dann machen wir das«, flüsterte Kony und drückte zärtlich das Kleid an sich.

Die Mädchen waren einverstanden. Wenn sie alle so einen Traum bekamen, hatten sie nichts einzuwenden.

Inzwischen hatte sich die Verkäuferin zum Chef durchgearbeitet und flüsterte ihm ins Ohr: »Ich gehe zum Büro und rufe die Polizei! Die ruinieren uns doch alles!«

Der Chef nickte.

Sie entfernte sich und rief die Polizei an. Wie es nun mal der berühmte Zufall wollte, befand sich Wegener gerade in der Zentrale, als der Hilferuf aus der Mönkebergstraße eintraf.

»Ja, wir schicken eine Streife«, sagte der Beamte.

Wegener fragte: »Wie viel Frauen sollen das sein?«

»Fünfundzwanzig! Die nehmen eine Brautboutique in der Innenstadt auseinander!«

»Fünfundzwanzig? Brautboutique?« Wegener lachte auf. »Ich glaube, das Problem kann ich allein lösen.«

Die Beamten sahen ihn erschrocken an. »Herr Kommissar! Gegen fünfundzwanzig wild gewordene Frauen kommen nur fünfzig Männer an!«

»Ich kenne die Frauen! Nur keine Panik! Ich fahre los! Sollte ich in der nächsten Stunde nicht zurück sein, könnt ihr schon mal an meinem Nachruf basteln«, sagte er schmunzelnd.

Als er fort war, sagte ein jüngerer Kollege: »Der hat aber wirklich Schneid! Ich bin froh, dass ich nicht raus muss.«

Die Verkäuferin flüsterte ihrem Chef zu: »Es wird gleich ein Streifenwagen auftauchen!«

Kony kam gerade aus der Kabine.

Das Kleid stand ihr, als hätte man es eigens für sie geschneidert.

Sie trippelte auf und ab, und alle standen staunend um sie herum.

»Mein Gott, ist das schön! Ist das schön! So etwas habe ich mir schon immer gewünscht! Ich könnte schreien, so happy bin ich«, flüsterte Tina. »Ich bin schon ganz heiß darauf!«

Der Besitzer merkte langsam, dass niemand dem Kleid Schaden zufügen wollte. Im Gegenteil, er hatte noch nie bei einer Kundin soviel Vorsicht und Rücksichtnahme erlebt. Noch nie war ein Kleid vom ersten Augenblick an so bewundert worden.

Die Kundinnen, die sonst seinen Laden beehrten, kamen, weil sie mal wieder ein Kleid haben mussten. Sie wollten zu einem Fest und konnten nicht im alten Abendkleid auftreten. Meist war es ihnen lästig, schon wieder ein Kleid aussuchen zu müssen.

Der Boutiquenbesitzer liebte seine Kleider über alles. Deswegen hatte er ja auch dieses Geschäft eröffnet. Besonders dieses eine Kleid hatte es ihm angetan. Es hing seit über einem Monat im Geschäft, und er träumte von einem wunderhübschen Mädchen, das in den Laden kommen würde, um gerade diesen Traum zu kaufen. Auch als hartgesottener Geschäftsmann konnte man Träume haben.

Jetzt erst kam er dazu, sich die Frauen näher anzusehen. Nicht eine dachte daran, seinen Laden zu ruinieren. Sie standen mit verklärten Gesichtern da und lächelten entzückt.

Er schluckte und war gerührt.

In die Stille hinein klingelte die Ladenglocke. Eine wohlbekannte Stimme sagte: »Ihr wollt den Laden auseinandernehmen?«

Die Mädchen erwachten aus ihrer Verzückung und blickten den Kommissar an.

Hanna fing sich zuerst. Sie runzelte die Stirn.

»Sag mal, hast du ein paar Schrauben locker, oder was ist mit dir? Du läufst uns doch wohl nicht wie ein Hündchen nach?«

Wegener lachte leise auf. »Hab ich es doch gewusst, dass ihr es seid!«

»Wieso? Wer schickt dich? Ida?«

»Nein, die Polizei! Normalerweise sollte eine Streife hier erscheinen. In der Zentrale kam nämlich ein Notruf an. Wild gewordene Frauengruppe will einen Brautladen auseinandernehmen. Was gibt es für Schwierigkeiten?«

Alle Augen richtete sich auf die Verkäuferin.

»Die alte Schachtel hat das bestimmt angezettelt! Die hat wohl nicht alle Tassen im Schrank! Wir sind als Kundinnen hier, Wegener!«

Fast hätten sie jetzt die Verkäuferin auseinandergenommen. Diese schrie hysterisch: »Aber der Chef war damit einverstanden!«

Dieser verzog sich geistesgegenwärtig ins Büro und zischte ihr ins Ohr: »Verhalten Sie sich still! Ich mache das schon!«

Dann ging er in den Laden zurück, entschuldigte sich und sagte: »Sie ist manchmal etwas voreilig. Ich habe gar nicht gewusst, um was es sich handelt.«

Wegener bemerkte jetzt Kony. »Donnerwetter, ich hab dich erst gar nicht erkannt!«

Kony strahlte ihn an. »Dann klappt es also tatsächlich! Man erkennt uns nicht!«

Wegener lachte auf. »Wer soll denn das Kleid tragen?«

»Wir alle!«

Wegener blickte verdutzt Hanna an. »Na ja«, sagte diese seufzend. »Sie wollen Spalier stehen! Ich kann sie nicht davon abbringen.«

Wegener lachte leise. »Weiß Deike etwas davon?«

»Wenn du es ihr sagst, reißen wir dir ein Ei ab«, fauchte Renate.

Details

Seiten
89
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738933222
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503698
Schlagworte
schicksale haus ecke hochzeit

Autor

Zurück

Titel: Schicksale im Haus an der Ecke #14: Die Hochzeit