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Schicksale im Haus an der Ecke #13: Der Weg aus dem Dunkel

2019 99 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Weg aus dem Dunkel

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Die Hauptpersonen:

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Der Weg aus dem Dunkel

Schicksale im Haus an der Ecke #13

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 86 Taschenbuchseiten.

 

Marita war am Ende. Mit ihren neunzehn Jahren fühlte sie sich wie eine alte Frau – schließlich geht sie auf den Straßenstrich, das war harte Knochenarbeit. Lude Bertram kannte kein Pardon, ließ seine Tüllen windelweich prügelten, wenn sie ihr Soll nicht erfüllten. So wird Marita von Charly zwischen den Mülltonnen gefunden. Der informiert sogleich Ida, die Köchin vom Haus an der Ecke. Die resolute Eckhausköchin, die selbst mal aus der Gosse kam, nimmt sogleich den Kampf gegen Bertram auf. Gut, dass Bordellmutter Deike Borg auf Idas Seite ist und Ludenkönig Marek sie unterstützt – Bertram ist der Innung schon lange ein Dorn im Auge ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Die Hauptpersonen:

Marita Böhme - Straßendirne, ist völlig auf den Hund gekommen.

Maren Schuster - ihre Kollegin, kümmert sich um das Mädchen.

Bertram - ihr Zuhälter, hält sich nicht an die Spielregeln der Innung.

Dazu die Bewohner vom Haus an der Ecke.

 

 

1

»Warum gehst du schon? Du wirst wieder Schwierigkeiten bekommen, Marita! Mensch, sei doch nicht blöde! Die machen doch Kleinholz aus dir!«

Die so angesprochene Dirne blieb stehen und drehte sich um.

»Ich bin fix und fertig! Ich kann nicht mehr stehen. Kapier das doch endlich, Maren!«, rief sie aus.

»Wie viel fehlt dir noch an deinem Soll?«, fragte Maren.

Marita starrte Maren an.

»Warum willst du das wissen?«, fragte sie lauernd.

»Also wie viel?«

Marita lachte schrill auf. »Wenn du denkst, du kannst es mir vorstrecken, dann irrst du dich, mein Schätzchen. Ich würde es nämlich nicht annehmen.«

»Verdammt, wenn es nur die paar Mäuse sind, dann kannst du es doch. Ich bin heute gut drauf. Ich packe das schon. Du kannst sie mir ja wiedergeben.«

Marita starrte zum nachtdunklen Himmel.

»Hast du eine Ahnung«, murmelte sie leise. »Dann wird doch alles noch viel schlimmer.«

Maren stöckelte zu Marita hinüber. Die stand unter einer Laterne, war müde, erschöpft und ein wenig lebensüberdrüssig. Marita mit ihren neunzehn Jahren fühlte sich wie eine uralte Frau.

»Hör zu, ich kann es dir nicht wiedergeben. Es gibt doch immer wieder ein neues Soll zu erfüllen. Ich pack das nicht mehr! Ich bin fertig. Die Kerle spüren das. Ich krieg nur noch ganz miese Typen. Die sind so geizig, ich könnte gleich meinen Standplatz verhökern.«

»Seine Leute machen dich fertig!«, erklärte Maren.

»Was soll das? Ich weiß es. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.«

Maren blickte Marita erschrocken an.

»Du hast keine Angst davor?«

»Angst kenne ich schon lange nicht mehr. Angst, Freude, Liebe, das sind für mich nur noch leere Worte, und sonst nichts.«

Maren streichelte Maritas Arm.

»Du musst ausspannen, das ist alles! Dann packst du es wieder. Wann nimmst du denn deinen Urlaub?«

»Ich? Gar nicht! Ich sei faul, sagen sie, und deswegen müsste ich auf den Urlaub verzichten.«

Maren fluchte nicht schlecht. »Der hat doch wohl nicht alle Tassen im Schrank! Das geht doch gegen die Verordnung! Hast du das nicht gewusst? Dir steht ein Urlaub zu! Wenn du den nicht antreten kannst, dann ist es doch aus mit dir! Mensch, Marita, warum beschwerst du dich denn nicht?«

»Bei Bertram? Geh, der lacht sich doch tot.«

»Nein, bei der Innung! Er ist Lude in Hamburg und hat sich an die Gesetze zu halten.«

Marita lächelte müde.

»Das glaubst du doch wohl selber nicht, dass die Innung für mich eintritt. Die haben doch die Gesetze nur zum Schein gemacht. Da zählen doch wieder nur die Luden, und sonst niemand. Nein, Maren, so lebensmüde bin ich auch wieder nicht. Wenn ich wirklich versuchte, mich bei der Innung zu beschweren und über Bertram herziehen würde, würde ich nur mein eigenes Grab schaufeln.«

Maren blickte Marita an und dachte, das wirst du ohnehin müssen, wenn nicht bald etwas passiert.

»Willst du mir immer noch nicht sagen, wie viel an deinem Soll noch fehlt?«

»Zwei Blaue! Und jetzt lass mich zufrieden! Irgendwie krieg ich das schon wieder hin. Vielleicht treff ich noch einen Kerl bei Charly. Dorthin geh ich jetzt, um mich ein wenig aufzumuntern. Ich habe Hunger.«

Maren sah Marita nach. Sie biss sich auf die Lippen. So etwas wie Liebe gab es in der Regel nicht unter den Mädchen auf dem Strich. Man kannte sich, stand zusammen, vertrödelte die Wartezeit miteinander. Doch wenn ein Kunde kam, dann war man die Konkurrenz. Dann versuchte man der Freundin den Kunden wegzuschnappen. Oftmals kamen mehrere, dann schob man ihr schon mal einen zu. Doch wirklich tiefe, echte Freundschaft fand man hier höchst selten. Seit einiger Zeit war in dieser Hinsicht zwar so etwas wie ein Umbruch im Gange. Er machte sich erst ganz behutsam bemerkbar. Ausgegangen war es von einem gewissen Bordell in der Stadt. Dort lebten die Mädchen so traumhaft und verdienten viel Geld, sie lebten dort wie in einer kleinen Familie.

Das war das Haus an der Ecke.

Jede Tülle kannte es. Alle blickten neidisch auf die Supermädchen. Ach ja, der Neid konnte einem schon das Leben vergällen. Vor allen Dingen wenn man wusste, dass man nie dort würde arbeiten können. Mädchen aus der Gosse wurden grundsätzlich nicht genommen. Das hatten sie nicht nötig. Ging ein Mädchen fort, dann war sofort wieder ein anderes Supermädchen zur Stelle. Auch jetzt war eine tolle Frau dort aufgekreuzt. Beatrice nannte sie sich. Man sah sie nur selten. Mit ihr schienen sie einiges vorzuhaben. Sie wurde oft mit teuren Wagen abgeholt.

Zögernd kam gerade ein Wagen durch die Straße gefahren.

Der Fahrer hielt an.

»Bist du das Schlusslicht?«, fragte er frech.

»Was soll das?« Maren fühlte Ärger in sich hochsteigen.

»Na ja, das Ende der Preistabelle meine ich!«

»Ach so ist das, dann hast du dich verfahren. Im Hafen stehen genug, die es dir für ein paar Pfennige machen und sich auch noch bedanken.«

»Nein, die will ich nicht!«, sagte der Freier.

»Ich verlange den üblichen Preis«, erklärte Maren.

»Ich kenne mich aus. Wer ganz unten auf der Straße steht, der hat nicht mehr viel zu melden.«

»Noch nichts davon gehört, dass die anderen Mädchen unterwegs sind?«

Er blickte Maren herausfordernd an.

»Nicht frech werden, Kleine!«, drohte der Freier.

Maren kam langsam näher, lehnte sich an das Auto und sah den Kerl spöttisch an.

»Was würdest du machen, wenn ich dir mit einem scharfkantigen Ring ein paar Macken am Wagen verpasse?«

Der Fahrer schluckte unwillkürlich, dann schrie er: »Den Schaden müsstest du mir bezahlen! Darauf kannst du Gift nehmen, Kleine! Ich bin kein Tölpel vom Lande!«

Maren lachte kehlig auf.

»Vom Lande bist du wirklich nicht. Da wärst du nämlich netter. Die Jungs vom Dorf sind sauber, frisch und ehrlich. Sie zahlen und haben ihren Spaß. Du bist nur eine ganz miese Kanalratte, die angibt.«

»Hör auf, oder ich werde wütend!«, schrie der Mann.

Maren kam jetzt erst richtig in Fahrt.

»Du kleiner Scheißer! Willst du mir vielleicht Angst einjagen? Da lachen ja die Hühner! Weißt du was? Ich würde jetzt nicht mal mehr mit dir gehen, wenn du den Preis verdoppeln würdest, so eine miese Type wie du. Die da oben haben dich wohl fortgejagt, wie? Und jetzt glaubst du doch tatsächlich, du könntest bei mir landen? Ich denke nicht daran, dich Stinktier zu beglücken. Und wenn ich dir einen Schaden mache, hältst du still. Dich möchte ich mal sehen, wie du zu den Bullen läufst und ihnen was vorflennst!«

Der Mann bekam einen Riesenschreck.

Woher wusste diese Schlampe, dass das Auto sein ein und alles war? Er flippte fast aus, wenn mal ein Vogel darauf schiss. In der Firma machten sie sich schon lustig darüber. Er hatte doch nichts anderes.

Maren zog sich zurück und lachte ihn an.

»Zieh ab, bevor du dir die Hosen vollpisst! Ich will nichts von dir. Deine lahme Mühle reizt mich auch nicht. Lass dich aber nicht mehr hier blicken, verstanden?«

Der Freier sauste davon.

Maren biss sich auf die Lippen und war wütend auf sich selber. Wieso hatte sie so aggressiv gehandelt? Wieso hatte sie ihn nicht eingeseift? Bei dem hätte sie doch spielend das Doppelte ziehen können.

»Verdammt, was ist denn mit mir los? Ich brauche doch den Zaster. Ich will mir morgen einen neuen Fummel kaufen, sonst krieg ich einen Koller. Ich muss mal wieder eine Sause machen.«

Seit Wochen sparte sie sich schon das Geld für diese Einkaufsorgie. Damit betäubte sie sich immer wieder. Dann hatte sie nicht mehr das Gefühl, ihr Leben in der Gosse zu vergeuden. Dann tat sie als sei sie reich und könne sich alles leisten. Sie blickte verächtlich auf die Frauen mit den schmalen Geldbörsen. Es war ein billiger Triumph. Sie wusste es, heulte anschließend ziemlich lange in ihrer Bude herum und schwor sich, es nie wieder zu tun.

»Der nächste Kerl wird frisch abgesahnt, das wäre doch gelacht«, murmelte sie wütend vor sich hin.

Maren wartete aber noch sehr lange, bis sich endlich wieder ein Auto in ihrer Nähe zeigte. Es war ein schrulliges Männchen. Sie taxierte es kurz und nickte dann.

»Du wirst zufrieden sein«, versprach sie lachend.

Der Mann blickte sie ein wenig ängstlich an. »Ach ja?«

Maren stieg in sein Auto ein und lächelte ihn zuversichtlich an. »Bist wohl noch nie bei einem Mädchen gewesen, was?«

Er errötete leicht. »Nein, merkt man das denn?«

»O ja!« Maren fixierte ihn von der Seite und schätzte sein Alter auf fünfzig.

»Wer hat dich denn angespitzt? Jemand muss es dir doch gesteckt haben, dass es uns gibt. Sag mal, du weißt doch hoffentlich, was ich bin?«

»Ja, ein käufliches Mädchen!«, erklärte das Männlein.

»Na, wunderbar! Also, dann sage mir doch mal, wer dir diesen Gefallen erwiesen hat?«

»Meine Mutter!«, sagte der Freier.

Maren wollte losplatzen. Ein Fünfzigjähriger, der noch alles tat, was seine Mutti wollte!

»Ich sitze immer über meinen Büchern, wissen Sie? Ich kann mit Frauen nichts anfangen. Sie flößen mir Angst ein. Deswegen habe ich nie den Mut gehabt zu heiraten. Meine Mutter meint aber, ich soll nicht mehr Tabletten schlucken, sondern mir lieber eine Frau nehmen.«

»Tabletten? Mensch, was ist denn eigentlich mit dir los?« Maren wurde es ein wenig unheimlich zumute. Vielleicht war er aus einer Anstalt entwichen.

»Wegen meiner Kopfschmerzen! Scheußlich, ehrlich! Sie nennt es einen Stau. Meine Mutter ist sehr klug, müssen Sie wissen!«

Maren nahm es gelassen hin und sagte: »Hat Mami dir auch gesagt, wie viel du zahlen musst?«

»Natürlich! Hier!«

Der Preis war in Ordnung. Inzwischen hatten sie Marens Standplatz erreicht. Ganz so einfach, wie Maren es sich zu Anfang vorgestellt hatte, war es dann auch wirklich nicht. Es war kein sehr großes Auto, und der Mann hatte wirklich keine Ahnung. Maren kämpfte tapfer mit ihm und schaffte ihn dann endlich. Er war sehr glücklich und plötzlich auch ganz locker. Er hatte Tränen in den Augen und konnte sich gar nicht genug bei Maren bedanken.

»Du bist einfach wunderbar, Maren! Darf ich dich so nennen?«

»Klar doch, junger Mann!«

»Darf ich wiederkommen?«, fragte er entzückt.

»Sicher! Ich freue mich schon jetzt darauf. Du bist wirklich ein netter Bursche, ehrlich. Wenn alle so nett wären wie du, dann bräuchte ich keine Sorgen zu haben.«

»Ist es so schwer? Ich meine dein Leben?«

»Was glaubst du denn?«

Er blickte sie naiv an und sagte dann leise: »Ja, warum tust du es denn dann überhaupt? Ich kann mir vorstellen, dass die Männer dich mögen. Du kannst doch einen Freund finden!«

Maren verdrehte die Augen.

»Weißt du, das ist mein Job. Ich stehe nicht auf der Straße, weil ich einen Kerl zum Spaß haben will!«

»Aber eben hast du mir doch noch gesagt, du würdest dich auf mich freuen.«

O nein, dachte die Dirne, ich muss bei dem Kerl ja jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich bin ja irre glücklich wenn ich auch mal einen guten Stammkunden bekomme. Vielleicht kann ich dann darauf aufbauen.

»Ich sage es dir noch einmal, bei dir ist es wirklich anders. Das darfst du mir getrost glauben.«

Er tat das und versprach Maren, recht bald wiederzukommen.

Maren stieg aus dem Auto aus.

»Sollte ich nicht gleich zu finden sein, wartest du dann auf mich? Es könnte ja sein, dass ich gerade unterwegs bin.«

Der Mann nickte.

Maren baute sich wieder an ihrem Standplatz auf.

 

 

2

Marita schleppte sich inzwischen durch die Straßen. Sie fühlte sich wirklich sehr schlecht. Das Gespräch mit Maren hatte sie auch nicht viel weitergebracht. Im Augenblick wollte sie eigentlich gar nicht mehr nachdenken. So trübsinnig war sie schon lange nicht mehr gewesen. Mit letzter Kraft erreichte sie ihre Kneipe.

Von weit her kamen die Kunden zu Charly. Er war dafür berühmt, dass er eine gute Küche hatte und preiswert war. Bei ihm verkehrten nur Luden, Hilus und Tüllen.

Marita stieß die Schwingtür auf und trat ein. Um diese Zeit war hier noch nicht viel los. Die Mädchen standen noch ihre erste Schicht ab, und die Luden waren noch nicht unterwegs. Bis auf eine versoffene Alte war der Laden leer.

Charly stand hinter dem Tresen und wirkte irgendwie schlaff.

»Kann ich was zu essen haben?«, fragte Marita.

»Sie hat gesagt, ich täte Sägespäne in meine Klöße«, bemerkte Charly.

»Wer sagt denn, dass ich Klöße haben will?«, fragte Marita.

Charly blickte auf. »Wer sagt denn, dass ich sie dir gebe? Ich denke nicht daran! Verhungern sollen sie alle! Eine Gemeinheit ist das! Sägespäne! Das zahle ich ihr heim! Sie wird noch ihr blaues Wunder erleben! Das geht einfach zu weit!«

»Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen, Charly?« Marita hatte das Gefühl, als würde Charly sie jetzt erst erkennen.

»Ach du bist es! Was willst du? Essen? Trinken? Du bist heute aber früh dran. Die anderen Mädels haben sich noch nicht blicken lassen. Die Nachtkarte muss geändert werden!«

»Wegen der Klöße?«, fragte Marita.

»Was weißt du denn darüber?«

»Du sprichst doch die ganze Zeit davon, Charly. Wer hat dir denn deine Klöße so madig gemacht?«

»Ida!«, stieß Charly zwischen den Zähnen hervor.

Marita runzelte die Stirn. »Ida? Die berühmte Eckhausköchin? Meinst du die?«

»Gibt es vielleicht noch eine zweite Ida hier im Viertel, die einem so den Nerv ziehen kann?«

Die Dirne lachte auf. Plötzlich waren ihre Sorgen für einen Augenblick nicht mehr so wichtig.

»Ich kenne sie nicht persönlich, habe aber schon eine Menge von ihr gehört. Sie soll ein richtiger Drachen sein. Man muss sich vor ihr in Acht nehmen.«

»Sie ist Beelzebub persönlich«, schnaufte der Wirt wütend. »Und wenn es nach mir ginge, dann bekäme sie Hausverbot!«

»Oje, das scheint ja ein ganz schlimmer Krieg zu sein, Charly. Ich kenne dich ja gar nicht wieder. So wütend bist du schon lange nicht mehr gewesen. Warum lässt du dir das überhaupt gefallen? Du bist doch ein Mann!«

Die Dirne konnte nicht wissen, dass Charly und Ida ohne diesen Krieg nicht leben konnten. Es war sozusagen ihr Lebenselixier. Aber das mit den Sägespänen war schon schlimm. Charly hatte es heute im Großmarkt eilig gehabt, Ida auch. Also hatte sie ihm an den Kopf geworfen: »Wozu kaufst du hier bloß ein? Deine Klöße kann man vor lauter Sägespänen ja gar nicht essen! Du vergiftest doch die Mädchen! Deswegen brauchen die Luden ja auch immer wieder neue Ware.«

Die Klöße waren Charlys Spezialität. Mit jedem Gericht hätte Ida Schindluder treiben dürfen, aber nicht mit den Klößen.

Marita wollte jetzt endlich essen und entschied sich für die Klöße. Sie schmeckten vorzüglich und Marita lobte sie aus ehrlichem Herzen. Charly war so glücklich darüber, dass die Tülle die Mahlzeit nicht zu bezahlen brauchte.

Darüber war die Dirne so fassungslos, dass sie in Tränen ausbrach.

Der Wirt erschrak.

»Kein Lude ist so nett zu mir, Charly! Verdammt, das haut den stärksten Mann um!«

»Nimm das Leben doch ein wenig leichter! Für dich wird auch mal wieder die Sonne scheinen«, tröstete Charly die Kleine.

Marita kippte sich das Bier in den Rachen und schüttelte den Kopf.

»Nein, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Die Welt ist wie verhext. Wo ich hinschaue, nur Ärger. Verflucht, Charly, ich möchte am liebsten sterben.«

»Damit solltest du doch noch ein wenig warten!«, riet der Wirt.

Er räumte den schmutzigen Teller weg und kam dann wieder zu ihr zurück. »Müsstest du nicht draußen stehen? Ich will ja nichts gesagt haben, aber du kriegst Ärger, wie ich die Luden kenne. Geh jetzt lieber, Marita!«

Sie schüttelte den Kopf. »Für heute habe ich Schluss gemacht. Ich bin doch keine Sklavin! Wir befinden uns in Deutschland. Ich kann tun was ich will! Und jetzt gehe ich heim und penne ein paar Stunden. Ich bin fix und fertig.«

Charly blickte Marita von der Seite an. Er hatte Mitleid mit der Kleinen, wusste er doch, dass sie sich selbst etwas vormachte.

»Warum willst du dir Ärger auf den Hals holen?«, fragte er.

Marita rutschte vom Barhocker. Sie war jetzt satt und fühlte sich ein bisschen wohler. Jetzt wollte sie keine Predigt mehr hören.

»Bis morgen! Wenn mich einer sucht, du hast mich nicht gesehen! Und grüß Ida von mir, wenn du sie mal wieder triffst! Ich möchte sie liebend gern mal kennenlernen!«

Sofort wurde Charly wieder böse.

Marita schlenderte bereits die Straße entlang. Sie hatte wirklich Glück. Im Augenblick traf sie weder einen Hilu noch einen Stricher, der sie hätte verraten können. Nach gut einer Viertelstunde hatte sie die Mietskaserne erreicht, in der sie ihr Zimmer hatte. Sie schloss die Wohnung auf. Widerliche Luft stieg ihr in die Nase. Marita riss das Fenster auf. Dadurch wurde es aber auch nicht besser. Die Tapeten waren verschimmelt, der Fußboden war morsch und stank auch, das Bett war ungemacht, in einer Ecke auf einem wackeligen Tisch standen Reste von einem schnell gekauften und hastig hinuntergeschlungenen Essen. Sie ekelte sich plötzlich vor ihrem Zimmer. Eine Scheuerbürste hatte der Raum schon lange nicht mehr gesehen.

Marita ließ sich auf ihr Bett fallen und blickte sich um. Dabei stiegen Bilder in ihr hoch. Liebenswerte, helle Bilder, doch das Mädchen verdrängte sie sogleich. Jede Tülle hat ihr Schicksal, ihr kleines Stückchen Himmel. Viele hatten sogar eine reizende Jugend, ein gutes Zuhause, nette Eltern. Neugierde und Langeweile hatten sie dann nach Hamburg getrieben.

Sie hielten sich ja für stark und klug.

Marita lag auf dem Rücken und starrte zur Decke.

»Ich gehe heim«, murmelte sie vor sich hin und fühlte, wie ihr die Tränen über das Gesicht liefen. »Ich pack es einfach nicht mehr! Ich mach mich davon. Dort werden sie mich nicht finden!«

Würde ihr Geld reichen?

Sie zählte nach. Für die Bahnfahrt würde es allemal reichen. Marita blickte in den blinden Spiegel und erschrak heftig, als sie ihr Gesicht sah. Für ihre neunzehn Jahre wirkte sie uralt. Mit dem Handrücken wischte sie die Tränen fort. Marita sah ein, dass sie im Augenblick nicht heimfahren konnte. Sie hatte so viele prahlerische Briefe geschrieben! Zuerst musste sie mal wieder in Schuss sein, dann konnte sie heimfahren zu den Eltern und Geschwistern. Marita begriff nicht, dass dies nie der Fall sein würde, dass sie ihre Idee sofort in die Tat umsetzen musste, wenn sie noch eine kleine Chance haben wollte. Die Eltern würden sie auch so aufnehmen, ja sie würden sich sogar freuen, wenn sie endlich heimkäme.

Laut aufweinend warf Marita sich auf das schmuddelige Bett und fühlte sich sterbenselend.

 

 

3

Im berühmten Haus an der Ecke war alles wie eh und je. Ein Mädchen namens Beatrice war eingezogen und erzog jetzt die Dirnen. Beatrice hatte früher ein Internat besucht und wollte jetzt den Mädchen gute Manieren beibringen. Die Mädchen waren ganz wild darauf. Sie hatten für eine Schiffsreise schon mal fleißig geübt. Die Tüllen stellten zu ihrer Verwunderung immer wieder fest, dass die Kunden überrascht und erfreut auf ihre guten Umgangsformen reagierten.

»Das habe ich wirklich nicht erwartet! So eine liebenswürdige kleine Dame! Das macht ja direkt Spaß hier!«, erklärte ein Kunde.

Dorle war baff und blickte ihren Feier an. »Das ist doch übertrieben, nicht wahr?«

Der Mann legte den Arm um ihre Schultern.

»Du bist reizend! Mit den guten Manieren kannst du dich überall sehen lassen. Sie sind wie ein Licht in der Dunkelheit.«

Die kleine Dirne war fassungslos. »Was für ein Licht? Das schnalle ich jetzt wirklich nicht. Bloß weil ich weiß, wie man die Treppe raufgeht, sich bedankt und all das?«

»Fühlst du dich denn nicht so viel besser?«

Dorle musste zu ihrer grenzenlosen Verblüffung zugeben, dass sie sich in der Tat nicht schlecht fühlte. Es war wirklich ein ganz neues Gefühl.

»Na ja, ich dachte nur, weil wir uns jetzt nicht mehr zanken und so. Man kann nämlich nicht nett sein und sich mit jemandem zanken, das geht einfach nicht gleichzeitig. Nicht mal mit Ida«, setzte Dorle grinsend hinzu.

Der Stammkunde kannte Ida zur Genüge und lachte herzlich auf.

»Wie nimmt sie es denn auf?«

»Was?«, fragte Dorle.

»Dass sie nicht mehr zanken kann!«

»Sie ist sauer! Na ja, hier tut sie ja so, als wäre sie verrückt drauf. Aber ich glaube, sie reagiert sich draußen ab.«

»Na so was!«

Dorle grinste. »Du müsstest sie mal sehen, wenn ich zu ihr sage: Vielen Dank, liebste Ida! Ich möchte keinen Kaffee mehr. Er ist zwar ausgezeichnet, aber ich bin wirklich nicht mehr durstig.«

Der Mann kicherte vergnügt vor sich hin und kniff die Dirne in den Po.

»Hee, das ist aber kein guter Stil«, tat sie ärgerlich.

»Ein wenig muss ich doch merken, dass ich bei dir bin!«

»Du meinst wohl, in einem Bordell, nicht wahr?«

»Nun, dass dies ein ganz besonderes Haus ist, das wissen wir ja schon lange. Keine Schwülstigkeit, keine schmuddeligen Zimmer, klar und heiter die Mädchen, kein Schmu mit den Getränken, kein Diebstahl, rundum sind wir glücklich. Und jetzt werden wir sogar noch mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt. Was verlangen wir mehr?«

»Dann bezahl mal einfach, und dann machen wir es uns gemütlich!«

»Das habe ich auch vorgehabt«, sagte der Mann lachend. »Sieh mal, ich freu mich die ganze Zeit darauf, dich wiederzusehen. Ich habe das verdammte Gefühl, dass du der einzige Mensch bist, der mich wirklich versteht.«

Dorle sagte trocken: »Du hast aber auch ein paar gute Sprüche auf Lager!«

»Ich meine es ernst! Selbst große Männer sind schon im Bett gestolpert. Wenn ich mich zufrieden fühle, dann plaudere ich, dann will ich einfach netten Kontakt, verstehst du mich?«

»Und deine Frau? Berätst du dich denn nie mit ihr?«

»Sie gibt mir das verdammte Gefühl, dass sie sehr zufrieden ist, wenn ich nicht mit ihr schlafe. Es war eine Geldheirat, verstehst du? Daheim muss alles stimmen, die Tischdecke passt zu den Kerzen, die Freunde und Bekannten zum Haus und zum Auto, alles passt. Aber der Sex ist so vulgär! Meine Frau möchte mit geschäftlichen Dingen nicht belästigt werden. Sie hat es an den Nerven, sagt sie.«

»Macht Geld denn wirklich glücklich?«, fragte Dorle.

»Verdammt noch mal, es reizt einen, man fühlt sich gut, wenn man es anhäuft. Ehrlich, es ist bescheuert, aber man rennt diesen Scheinen nach, als hinge der Himmel davon ab. Dabei ist es nur die Hölle. Hat man genug gerafft, kann man schon nicht mehr ruhig schlafen, weil man Angst wegen der Aktienkurse hat. Hat man zu wenig, hat man Angst, dass man morgen arm ist und nicht mehr mit den anderen mithalten kann.«

Dorle strich ihm über die Haare.

»Dann ist das ja ein verdammt mieses Leben«, sagte sie.

»Ja, Dorle, so ist es. Darum bin ich froh, bei dir sein zu dürfen. Du bist wie eine Mutter zu mir.«

»Oje, ich glaube, das ist kein guter Vergleich. Sie war bestimmt keine Tülle.«

Der Mann umschlang Dorle heftig mit seinen Armen.

»Verwöhne mich! Hab mich einfach lieb! Halt mich fest! Ich bin ein kleiner dummer Junge, der einfach gestreichelt werden möchte!«

Dorle dachte, je kälter da draußen die Welt wird, umso größer ist der Zulauf zu den Dirnen. Verrückt! Nicht mal die Krankheit Aids hält sie davon ab. Sie wollen alle Liebe, und sei sie gekauft. Sie sind mit diesen Brosamen zufrieden. Arme Männer! Sie könnten es ändern, tun es aber nicht. Dorle blickte den Mann an. »Ist dir nun wohler?«, fragte sie.

»Und wie! Ich bin wirklich froh, dass ich dich kennengelernt habe, und überhaupt, dass es dieses Haus gibt. Warum gibt es in anderen Städten nicht solche guten Freudenhäuser?«

Dorle lachte. »Weil wir dann nicht mehr einmalig wären, deswegen wohl. Oder weil die Luden noch immer glauben, mit Prügel und Zwang gute Nutten zu bekommen. Die Luden begreifen es wohl nie.«

»Warum lehnt ihr euch nicht auf?«, fragte der Mann.

»Das ist leichter gesagt als getan, weil es keine Einigkeit unter den Mädchen gibt. Wir haben hier ziemlich lange gebraucht, um zu begreifen, dass wir zusammenhalten müssen, wenn wir Erfolg haben wollen. Dabei hat uns Deike geholfen, unsere Bordellmutter.«

»Die kenne ich. Eine tolle Frau! Die hat es doch nicht mehr nötig, hier zu arbeiten, stimmt das?«

»Nein, sie schwimmt in Geld! Das ist richtig. Und doch bleibt sie bei uns. Wir sind nämlich so etwas wie eine große Familie geworden. Und ich bin stolz darauf, hier arbeiten zu dürfen. Ja, ich werde bis zum letzten Augenblick eine gute Nutte sein.«

»Also wirst du auch eines Tages gehen müssen?«

»Das kommt darauf an. Wenn das Soll stimmt, kann ich so lange bleiben, wie ich will.«

»Also habt ihr auch hier Grenzen. Ich meine, ihr müsst jede Nacht ein Soll erbringen?«

»Wir müssen die Miete zahlen, den Beitrag für die Innung, uns anständig kleiden. Und dann noch das Geld für das Essen. Wenn wir das alles erbringen, können wir bleiben.«

»Du verdienst aber sicher mehr?«, fragte der Kunde.

Dorle fragte: »Sehe ich vielleicht so aus, als würde ich aus dem letzten Loch pfeifen?«

»Nein, bestimmt nicht! So kann ich also damit rechnen, dass du noch hier bist, wenn du vierzig bist?«

»Warum nicht? Viele Kunden mögen reife Frauen. Sogar die jungen Männer sind zum Teil ganz wild darauf. Die alten schwachen Freier wiederum faseln nur davon, ganz junge Mädchen zu bekommen. Sie glauben in der Tat, sie könnten bei ihnen auftanken.«

»Also nehmt ihr nur das Geld und lasst sie laufen?«

»So ungefähr. Der Kunde muss aber zufrieden sein. Kein unzufriedener Gast darf unser Haus verlassen. Das ist bei uns oberstes Gesetz.«

»Ach, wirklich? Und wenn ich jetzt sagen würde, ich sei bei dir nicht auf meine Kosten gekommen, was dann, Dorle?«

Die Tülle lachte ihn strahlend an. »Du kannst es ja mal versuchen! Du würdest dich wundern, was dann passiert.«

Der Mann lachte fröhlich auf. »Das will ich jetzt wissen! Nachher bin ich also ein unzufriedener Kunde. Ich werde das spielen. Das wäre vielleicht mal was Neues. Mal sehen, wie du dich herausredest.«

Dorle kraulte ihn. Sie nahm das nicht für bare Münze. Er war immer für Späße gut. Jetzt wollte sie langsam zur Sache kommen. Die Zeit verstrich, und ein neuer Kunde hatte sich angesagt. Bis dahin wollte sie wieder frisch und munter sein. Das war sie dem nächsten Freier schuldig.

Sie liebte den Mann mit aller Inbrunst und verausgabte sich dabei total. Dorle war heute in guter Stimmung, also zeigte sie hemmungslos ihre Gefühle. Schließlich waren beide erschöpft. Wenig später stieg der Mann frisch geduscht und geschniegelt neben Dorle wieder die Treppe hinunter.

Wie der Zufall wollte, stand Deike Borg, die Bordellmutter, unten in der Halle. Der Kunde von Dorle blickte sie bewundernd an. Sie war wirklich eine sehr schöne und aparte Frau. Sie strahlte etwas Gewisses aus, er konnte es nicht in Worte fassen.

Deike, wie es so ihre Art war, wenn sie zufällig ein Mädchen mit einem Kunden antraf, fragte freundlich: »Sind Sie zufrieden gewesen? War alles nach Ihren Wünschen?«

Deike wusste schon von vornherein die Antwort, sie drehte sich auch jetzt schon wieder halb um. Sie wollte ihr Büro betreten.

»Ganz und gar nicht«, hörte sie da den Kunden sagen.

Deike blieb auf der Schwelle stehen. Mit unbewegtem Gesicht blickte sie Dorle an. Diese stand hinter dem Kunden. Im gleichen Augenblick, als sie den Satz hörte, erinnerte sie sich an die Worte, die er vorhin gesagt hatte. Nur eine winzige Regung an Dorle zeigte Deike, dass er log, dass er nur ein Spielchen treiben wollte. Deike wusste aber auch, dass dies kein gewöhnlicher Kunde war. Sie musste sich also etwas einfallen lassen.

Liebenswürdig bis zum Äußersten wandte Deike sich wieder an den Gast. »Ich verstehe! Sie suchen also etwas Reiferes?«

Der Mann blickte Deike tief in die Augen. Ihn ritten tausend kleine Teufel. Würde er jetzt ein kostenloses Schäferstündchen mit der Chefin bekommen? Nicht auszudenken wäre das! Das wäre der Gipfel, zumal er genau wusste, dass Deike keine Kunden mehr bediente. War das der Service des Hauses? Donnerwetter, dachte er bei sich, auf die Idee hätte ich schon früher kommen können.

»Sie haben es erraten, meine Liebe. Ich will Dorle nicht verärgern. Sie ist ein nettes Mädchen, in der Tat. Aber reife Früchte schmecken doch süßer.«

»Aber, aber! Sie brauchen sich wirklich nicht zu rechtfertigen. Dorle ist bestimmt nicht ärgerlich, nicht wahr?«

Deike hatte eine unmerkliche Geste in eine bestimmte Richtung gemacht. Dorle hatte gleich verstanden und machte den Spaß mit. Der Mann sollte sich noch wundern!

»Aber nein, wirklich nicht! Es tut mir nur leid, ich habe mich wirklich angestrengt. Deike, ich gebe das Geld wieder zurück!«

»Ihr könntet es euch doch teilen«, sagte der Mann munter und bekam schon blanke Augen. »Ich werde nicht darüber reden, meine Damen, bestimmt nicht!«

»Sie sind wirklich ein Kavalier! Das findet man nur noch selten. Und Sie wollen sich wirklich mit einem älteren Semester abgeben, sozusagen als Trostpflaster? Sie wissen doch, bei uns verlässt kein Kunde das Haus, bevor er nicht wirklich zufrieden ist. Das ist unser Prinzip. Und Sie sind doch noch nicht befriedigt. Das haben Sie eben klar und deutlich gesagt, nicht wahr, mein Herr?«

»Ja, das habe ich geäußert. Ich bin Ihnen von Herzen dankbar, dass Sie sich meiner Nöte annehmen. Ich weiß gar nicht, wie ich mich dankbar erweisen soll. Darf ich Ihnen vielleicht noch Geld anbieten, ich meine ...« Die rätselhaften Augen der Frau machten ihn nervös.

»Äh, ich weiß ja nicht ..., ich dachte ..., Sie sollen nicht denken, ich würde Ihnen etwas vorspielen, nur um einmal mit Ihnen schlafen zu dürfen! Nein, ganz und gar nicht! Das ist nicht mein Stil«, stammelte er.

»Meiner auch nicht«, sagte Deike Borg trocken.

»Wie? Was? Ich verstehe nicht! Haben Sie denn eben nicht gesagt, dass ...«

»Dass Sie zufrieden sein werden. Sie bekommen Ihr älteres Semester und werden voll auf Ihre Kosten kommen!«, versprach Deike.

Der Freier hatte nicht bemerkt, dass Dorle und Deike ihn ganz diskret zu einer Tür gedrängt hatten. Während sie plauderten, waren sie Schritt für Schritt weitergegangen. Dorle hätte platzen können vor Vergnügen.

Deike öffnete jetzt die Tür und rief laut in die Küche: »Hallo, Ida, wir haben hier wieder einen unzufriedenen Kunden! Du weißt Bescheid!«

Ida, die berühmte Köchin des Eckhauses, der Drachen und Schrecken aller Mädchen unter den Laternen und aller Luden im Umkreis von 50 Kilometern stand am Tisch und belegte Brötchen.

Idas Haare waren zerzaust, ihre Schürze war auch nicht mehr blütenweiß. Sie wirkte wie ein Küchendragoner. Ihre Laune war auch nicht besonders. Charly hatte sich nämlich noch nicht bei ihr gemeldet. Sie würde schlecht schlafen, weil sie sich mit Charly, dem Mistkerl und Frikadellenschänder, nicht wieder ausgesöhnt hatte. Streit und Zank ja, aber nur für kurze Zeit, dann musste wieder eine Versöhnung stattfinden.

In dieser Stimmung stieß Dorles Kunde also auf Ida.

Der Mann stand erst einmal wie zur Salzsäule erstarrt auf der Schwelle und brauchte ein paar Minuten, um zu begreifen, dass man ihm einen Streich gespielt hatte.

Er wusste, ihn würde der Schlag treffen, wenn dieses Weib ihn nur berühren würde.

Details

Seiten
99
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738932942
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503215
Schlagworte
schicksale haus ecke dunkel

Autor

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Titel: Schicksale im Haus an der Ecke #13: Der Weg aus dem Dunkel