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SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 7: Rotes Gambit

2019 80 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Rotes Gambit

Copyright

1

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3

4

5

6

7

8

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23

Epilog

Rotes Gambit

SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 7

von Stefan Hensch

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 71 Taschenbuchseiten.

 

Die Maxwell-Gunter Air Force Base fängt einen mysteriösen Funkspruch auf. Jack Kincaid wird mit seiner Gruppe Überlebender losgeschickt, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. Doch innerhalb kürzester Zeit spitzt sich die Situation zu und das Team befindet sich plötzlich zwischen den Fronten. Doch dann betritt eine weitere Macht die Bildfläche, mit der niemand gerechnet hat und der absolut nichts entgegenzusetzen ist.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Titelbild: Nach Motiven von 123RF und Steve Mayer, 2019

Sezessionskrieg 2.0 – die Serie nach einer Idee von Marten Munsonius, 2019

Serienausführung - Created by Wilfried A.Hary, Stefan Hensch & Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Situation kam Hugh Kincaid völlig irreal vor. Er saß im Büro von Captain Larson und erzählte von seinen Träumen. Gleichzeitig herrschten Chaos und Anarchie außerhalb des Stützpunkts. Die öffentlich Ordnung war seit der Wahlnacht völlig zusammengebrochen. Internet, Fernsehen, Telefonate außerhalb örtlicher Telefonnetz und Radio gehörten der Vergangenheit an. Außerdem kämpften Teile des Militärs abwechselnd gegen die Zivilbevölkerung, oder gegeneinander.

Captain Larson war neben seiner Funktion als Leiter der Flugsicherheit ausgebildeter Psychotherapeut. Hugh war durchaus dankbar für die Möglichkeit, mit einem Fachmann über das zu sprechen, was in Holly Pond passiert war. Zusammen mit einigen anderen Soldaten hatte der ehemalige Abgeordnete der Demokraten einen abgestürzt Piloten zur Maxwell-Gunter Air Force Base bringen wollen. Dabei hatte ihm seine Zeit beim Militär natürlich gute Dienste geleistet.

Doch die Mission hatte sich in ein Desaster verwandelt. Die Einheit war in die Hände einer Hinterwäldler-Sippe gefallen. Einige Männer waren gestorben, während Hugh zum Opfer einer Massenvergewaltigung geworden war.

Seine Freunde waren unter der Führung seines Vaters Jack zu einer Rettungsmission aufgebrochen. Sie hatten Erfolg gehabt und auch der Pilot konnte zurück gebracht werden, doch jetzt musste Hugh mit der Situation klarkommen.

"Haben Sie in der letzter Nacht wieder geträumt?", wollte Captain Larson wissen.

Hugh schüttelte den Kopf. "Letzte Nacht war die erste Nacht, in der ich seit langem keinen Traum mehr gehabt habe. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern."

Larson nickte und machte sich eine Notiz in seiner Kladde. Hugh sah die Diplome an der Wand des Captains. Die Hälfte davon hatten eine zivile Provenienz, die andere Hälfte stammte von Institutionen des Militärs.

"Wie lange wollten Sie noch bei der Air Force bleiben, Captain?"

Der Offizier lächelte. "Meine Dienstzeit sollte im kommenden März enden. Ich wollte in Boston eine Praxis für Psychotherapie eröffnen." Er zuckte mit den Schultern. "So wie es aussieht, werde ich das aber wohl oder übel noch etwas verschieben müssen.

Hugh nickte. Vielleicht auf ein anderes Leben, dachte er.

"Was ist mit den Panikattacken?", lenkte Larson das Gespräch wieder in therapeutische Bahnen.

"Die sind nicht mehr vorgekommen." Hugh dachte nach, während Larson erneut eine Notiz machte. "Aber ich denke noch sehr oft an das, was in dieser verfluchten Schlucht passiert ist."

"Was sind das für Gedanken?"

Der ehemalige Abgeordnete faltet seine Hände auf der Tischplatte. "Minderwertigkeit. Scham. Wut."

Larson notierte jetzt eine ganze Reihe von Bemerkungen. Anscheinend war seine Antwort in irgendeiner Weise bemerkenswert gewesen. Ob das positiv oder negativ war, wusste Hugh jedoch nicht zu sagen.

Als er fertig war, blickte Captain Larson wieder auf. "Auf wen richtet sich dabei Ihrer Wut?"

Hugh begann an dem ledernen Band seiner Uhr herumzunesteln, blickte stur auf die Tischplatte vor sich.

"Auf diese Kerle, die mir das angetan haben!" Seine Stimme hatte einen scheidenden Unterton und sein Blick flackerte, als er den Psychotherapeuten vor sich ansah.

"Sind da nur diese Typen, oder richtet sich Ihre Wut auch noch auf jemand anderes?"

Das Gesicht von Hugh zeigte rote Flecken, in ihm tobte ein Kampf. "Wer soll denn da noch sein? Schließlich waren es diese Schweine, die mir ihre Schwänze bis zum Anschlag in den Arsch geschoben haben!"

Larson blieb äußerlich völlig gelassen, denn er hatte diese Reaktion schon erwartet. Das Verhalten seines Patienten zeigte dem Psychotherapeuten, dass er einen Wunden Punkt erwischt hatte. Nur so funktionierte Therapie und konnte schlussendlich zur Heilung führen. Dazu musste die Komfortzone aber definitiv verlassen werden.

"Schließen Sie bitte einmal Ihre Augen", bat Larson.

Hugh befolgt die Anweisungen des Therapeuten, atmete aber scharf dabei aus.

"Und jetzt gehen Sie bitte nochmal gedanklich zu den Geschehnissen zurück."

Hugh nickte und wartete.

"Da sind die Täter, auf die Sie völlig zurecht wütend sind. Aber wer ist da noch?"

Larson betrachtete aufmerksam das Gesicht seines Klienten. Es arbeitete darin. Die Augen bewegten sich hektisch hinter den geschlossenen Lidern, einzelne Muskeln verhärteten sich in seiner Miene.

"Wen sehen Sie, Hugh?"

Ein Seufzen entfuhr ihm und er atmete betont tief ein. "Meinen Vater, er hätte früher kommen müssen." Hugh begann zu schluchzen. "Dann wäre das doch alles gar nicht passiert."

Erneut notierte Larson etwas in der Kladde vor ihm. Heute machte sein Patient sehr große Fortschritte. Aber er musste noch einen Schritt weiter gehen, vielleicht würde das einen Quantensprung in ihrer Therapie darstellen.

"Ich will, dass Sie noch genauer hinsehen. Ist da vielleicht noch jemand?"

Hugh schluckte heftig, dann riss er die Augen auf. Tränen rannte ihm nun in Strömen über sein Gesicht, aber er nickte. "Ja, verdammt. Da ist noch jemand!"

Larson nickte anerkennend. "Wer ist das?"

Hugh fiel die Antwort schwer. Er schluckte erneut, dann räusperte er sich. "Ich bin wütend auf mich selbst!"

Hätte es der Respekt von Larson vor der Situation nicht verhindert, hätte der Psychotherapeut dem Mann vor sich gerne einen Highfive gegeben.

"Das hätte mir einfach nicht passieren dürfen, ich bin doch kein Freshman."

Larson legte den Kopf schief. "Es ist Ihnen aber passiert, Hugh. Die Frage lautet jetzt eigentlich nur: Wie wollen Sie damit umgehen?"

Der ehemalige Abgeordnete schwieg eine Weile. Dann zuckte er mit den Schultern. "Wie soll ich damit schon umgehen? Was passiert ist, ist passiert. Ich kann es nicht ungeschehen machen."

Widerstand, dachte Larson. Aber das war völlig normal. Dennoch hatte der Psychotherapeut kein Interesse an sinnlosem Smalltalk. Hier sollte es um Essenzielles gehen. "Hassen Sie sich dafür?"

Hugh runzelte die Stirn, dann antwortete er nach ein paar Sekunden. "Nein, ich habe einen Fehler gemacht. Das ist aber nichts, was Hass rechtfertigen würde."

Larson deutete ein Nicken an. "Wenn Sie in den Spiegel sehen, was sehen Sie dann?"

"Mich selbst. Nicht mehr, nicht weniger."

Larson schrieb etwas in seine Kladde. "Wir sind heute sehr, sehr weit gekommen. Vielleicht war das auch der Durchbruch!"

Hugh starrte den Psychotherapeuten an, der sich seine Notizen machte. Ich werde diese Schweine töten, dachte er. Insgesamt wunderte er sich über diesen angeblichen Durchbruch. Ja, er war wütend auf Jack und auf sich. Aber am meisten wollte er es den Überlebenden dieser verdammten Sippe heimzahlen. An diesem Wunsch hatte sich in der letzten Zeit rein gar nichts geändert, wie könnte das dann der Durchbruch sein?

"Ich werde Major Vaughn meine Empfehlung aussprechen, Sie wieder am aktiven Dienst teilnehmen zu lassen. Aus meiner Sicht spricht nichts mehr dagegen."

Hugh gefiel das durchaus. Nur so konnte er irgendwann seine Rache bekommen. Eher würde er nicht ruhen!

 

 

2

Jack stand mit verschränkten Armen vor einer großen Karte der Umgebung. Mit farbigen Fähnchen waren die Ortschaften in der Nähe des Stützpunkts markiert. Die meisten Fahnen waren grün, einige wenige waren gelb und nur eines davon war rot. Rot bedeutete, dass die Bewohner der Ortschaft dem Air Force Stützpunkt gegenüber feindlich eingestellt waren. Woodsboro, las Jack. Er hatte noch nie von der Ortschaft gehört, bevor ihm Major Vaughn ein paar Details verraten hatte. Reverend Peck hatte nach dem Blackout die Kontrolle in Woodsboro übernommen. Er hatte seine Schäfchen glauben gemacht, dass die Apokalypse kurz bevorstünde und nur er selbst sie davor bewahren könnte. Die Wurzeln seiner Herrschaft in dem kleinen Städtchen mussten aber tiefer in die Zeit vor den Blackout reichen.

Der Blackout. Wie selbstverständlich Jack diesen Begriff mittlerweile benutzte, obwohl er nicht ganz zutreffend war. Die Stromnetze waren ja glücklicherweise noch nicht zusammengebrochen, aber dies war letztlich auch nur eine Frage der Zeit. Kein Kraftwerk konnte über längere Zeit autark weiterlaufen. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern von außerhalb der jeweiligen Region existierte praktisch nicht mehr, so sehr hatte sie der Ausfall der Kommunikationssysteme also getroffen. Der Blackout hatte das Fundament der USA ins Wanken gebracht und scheinbar schien momentan niemand in der Lage zu sein, in dieses komplizierte System wieder Ordnung bringen zu können.

Jack musste an den Angriff auf das Krankenhaus in Holly Pond denken. Es konnte kein Zweifel geben, es waren definitiv die Streitkräfte der USA dafür verantwortlich, also eigentlich das Rückgrat ihrer Gesellschaft. Ebenso hatten Nick Collins und seine Freundin von den Angriffen der Air Force auf das Weiße Haus berichtet. In der gleichen Nacht war der Nachrichtendienst der Army unwissentlich verantwortlich für die Sprengung des Capitols. Wie hatte das nur alles passieren können? Waren Militär, Polizei und andere Dienste am Ende wirklich von einer fremden Macht unterwandert worden? Jack konnte darauf keine Antwort finden.

In Gedanken versunken trat er an das Fenster des Büros, das er von Major Vaughn zugewiesen bekommen hatte. Er hatte einen direkten Blick auf das Haupttor der Maxwell-Gunter Base. Dort hatte gerade ein Pritschenwagen gehalten und wurde von den Wachen kontrolliert .Von seiner Position am Fenster konnte Jack erkennen, dass die Ladefläche mit Obst und Gemüse beladen war. Vaughn hatte sich ausdauernd um einen guten Kontakt zu den umliegenden Gemeinden bemüht. Das Angebot des Majors war so einfach, wie unschlagbar. Wenn die Kommunen die Basis unterstützten, bot ihnen die Maxwell-Gunter Base im Gegenzug Schutz an.

Mittlerweile waren auch regelmäßig Männer und Frauen aus den Städten zu Trainings auf dem Gelände des Stützpunkts anwesend. Waffen waren hier im Süden der USA keine Mangelware, aber leider konnten die Leute nur schlecht damit umgehen. Deshalb hatte sich auch Jack freiwillig gemeldet, um die zukünftigen Mitglieder der Bürgerwehren auszubilden. Seine Dienstzeit bei den Army Rangern war mehr als nur eine Empfehlung für diese Tätigkeit.

Bürgerwehren. Bis vor kurzem war das Land vollkommen stabil gewesen, nun zogen Plünderer und andere Verbrecher über die Straßen. Auf ihrer Reise von Texas nach Montgomery hatten die Gefährten eine Vorstellung davon bekommen, zu welchen Taten Menschen in Chaos und Anarchie fähig waren. Wer in diesen Zeiten bestehen wollte, musste fit sein. Zumindest fitter, als ein durchschnittlicher Plünderer. Das Prinzip des Stärkeren war zur obersten Maxime geworden, und das in Rekordzeit!

Jacks Blick wanderte zum Himmel. Zuerst hatte er den abgestürzten Piloten Jim Rezo aus seinem Jet gezogen und ihn dann ins Krankenhaus von Holly Pond gebracht. Da hatte der Pilot ihnen dann von seinem letzten Einsatz erzählt. Seine Staffel war von völlig unbekannten Flugzeugen angegriffen worden. Laut den Aussagen des Piloten hatte es sich um hochmoderne Jets gehandelt, die keinesfalls in der Air Force eingesetzt würden. Rezo hatte als einziger Pilot schwerverletzt überlebt.

Seitdem hatte aber niemand mehr diese mysteriösen Jets gesehen und nicht nur Jack hatte zu zweifeln begonnen, ob diese Geschichte wirklich stimmte. Aber weshalb sollte Captain Jim Rezo lügen? Aber wenn Rezo die Wahrheit sagte, wo waren dann die Jets abgeblieben?

 

 

3

Earl, Andy, Tom und Al hatten es sich im Partykeller gemütlich gemacht. Aus den Boxen der Stereoanlage dröhnte Kid Rock. Earl gab den Barkeeper, schließlich gehörte ihm auch das Haus. Heute Abend war Party angesagt. Die Freunde hatten einen Lieferwagen dieses größenwahnsinnigen Predigers aus Woodsboro abgefangen. Der Fahrer hatte eine Kugel verpasst bekommen und war im Straßengraben gelandet. Da der Van bis zum Dach mit Alkohol und Delikatessen vollgestopft war, hatten sie ihn einfach mitgenommen. Danach hatten sie dann Station bei den Häusern der Freunde gemacht und die Beute gerecht aufgeteilt. Earl hatte etwas mehr vom Alkohol bekommen, da sie sich heute Abend so richtig gepflegt den einen oder auch anderen Bourbon hinter die Binde schütten wollten. Doch damit war es jetzt vorbei.

Mit einem Knall wurde die Tür des Partykeller aufgetreten und prallte gegen die Wand. Wie aus dem Boden gewachsen stand Steve Rogan im Türrechteck und giftete sie mit gefährlich glänzenden Augen an. "Habt ihr vergessen, mich einzuladen?"

Earl schüttelte nervös den Kopf. "Das war eine spontane Sache. Wie haben ein paar Kisten Fusel gefunden und wollten die nicht schlecht werden lassen!"

Rogan nickte verständnisvoll. "Gefunden in einem verdammten Wagen dieses fanatischen Reverends aus Woodsboro, verstehe."

Earl sah einen verächtlichen Blick von Rogan in Richtung der Stereoanlage wandern. Im vorauseilenden Gehorsam wandt sich der schlaksige Mann hinter der Bar hervor und schaltete die Anlage aus.

"Was haben wir wegen dieses verdammten Pfaffens aus Woodsboro beschlossen?"

Al hatte schon etwas zu viel getrunken, deshalb lächelte er dauerhaft vor sich hin. "Wir wollen ihn abknallen. Deshalb können wir uns doch auch jetzt schon bei ihm bedienen", kicherte der hauptberuflich Waldarbeiter.

"Du bist ein verfluchte Vollidiot, Al. Diese Sektentypen haben wesentlich mehr Leute als wir und sie sind auch besser ausgerüstet." Rogan verstummte und ging auf Al zu. "Richtig ist, dass wir ihm eine Kugel verpassen werden, aber noch nicht jetzt. Deshalb sollten wir uns ruhig verhalten und warten, bis wir schlagkräftiger sind. Niemand hat aber jemals was davon gesagt, dass ihr dieses verdammte Schwein auch noch provozieren sollt!" Die letzten Worte hatte der durchtrainierte Mann geschrien. Es wurde still im Partykeller. Aber Rogan war noch nicht fertig.

"Ihr habt jetzt genau dreißig Sekunden. Ich will, dass ihr diesen verschissenen Van im Wald verschwinden lasst. Nehmt einen Benzinkanister mit. Das Ding muss brennen, dann hinterlasst ihr wenigstens keine Spuren mehr."

"Wird gemacht Boss. Was ist mit den Hubschraubern? Hat der alte Bert nochmal welche gesehen?", fragte Earl.

Rogan nickte. "Deshalb bin ich eigentlich hierher gekommen. Bert sagt, dass die Hubschrauber mittlerweile jede Nacht über seine Felder fliegen. Das werden wir uns ansehen."

"Aber doch nicht heute Nacht?", maulte Andy.

"Natürlich heute Nacht. Ich habe eine Überraschung dabei, etwas, das euch Spaß machen wird!"

 

*

 

Die Männer hatten es sich auf der überdachten Terrasse von Bert Lancaster gemütlich gemacht. Bert war zwar schon recht alt, galt aber immer noch als vollkommen klar im Kopf. Diese Story über Hubschrauber war zwar abgefahren, konnte aber durchaus stimmen. Wer wusste schon, was das Militär hier veranstalte?

Earl machte sich nur Sorgen um Rogan. Der Mann war ihr Anführer, da gab es absolut keinen Zweifel. Aber warum zum Teufel hatte er die RPG mitgebracht und woher hatte er sie? Earl hatte mal einen Bericht darüber gelesen. Die mobilen Raketenwerfer waren eine echte Gefahr für Kampfhubschrauber. Aus der Nähe abgefeuert, bestand eine hohe Trefferquote. Aber warum wollte Rogan überhaupt einen Helikopter abschießen?

Der Boss sah den Blick von Earl auf der RPG ruhen. Dann grinste er und entblößt seine strahlendweißen Zähne. "Wir von der Miliz haben doch immer gesagt, dass diese Schweine von der Bundesregierung und vom Militär auf uns scheißen. Seit Monaten leben wir im Ungewissen, das ganze Land geht vor die Hunde. Niemand kümmert sich um uns. Ich will Antworten, Earl!"

Earl wollte etwas dazu sagen, aber er kam nicht mehr dazu. Tom federt von seinem Stuhl hoch und deutete auf eine Stelle über dem Wald. Alle sahen nun dorthin und alle waren sich sicher, was das für ein blinkende Objekt war. Das war ein Helikopter, und er kam direkt auf die Farm des alten Bert zu. Rogan nickte gelassen. Tom und Al fummelten an ihren Remington-Gewehren herum, während ihr Boss den Koffer der RPG öffnete und die Waffe mit dem langen Schaft herausnahm.

Earl schluckte hart. Nun passierten zwei Dinge gleichzeitig. Der Hubschrauber kam herangerast, blieb auf seinem Kurs. Rogan schritt dem Hubschrauber entgegen, setzte sich die RPG auf die rechte Schulter. Dann ging alles ganz schnell.

Anscheinend hatte der Pilot des Helikopters die Gefahr erkannt und wollte etwas dagegen tun. Die Nase der Maschine zirkelte herum, doch zu spät!

Rogan drückte ab und die Rakete raste mit einem mörderischen Kreischen auf den Helikopter zu. Dem Piloten blieb keine Reaktionszeit mehr. Mit einem lauten Knall wurde der Hubschrauber am Hauptrotor getroffen und geriet augenblicklich ins Trudeln. Der Pilot schaffte es, die Maschine herumzureißen und in Richtung des Walds zu steuern. Doch das Triebwerksgeräusch klang heiser und die Maschine konnte nicht mehr geradeaus fliegen, verlor außerdem permanent an Höhe. Dann geriet der Helikopter aus Sichtweite der Männer und stürzte mit einem lauten Krachen ab.

 

 

4

Der zweisitzige Kamow Ka-52 Alligator war nicht mehr zu retten gewesen. Das Geschoss aus einer RPG war aus nächster Nähe abgefeuert worden und schlug mit einem harten Schlag ein. Der Helikopter war zu tief, um mittels Eigenrotation sicher gelandet werden zu können. Sergej schluckte. Der Aufschlag würde zu hart werden.
Vadim Zaysen reagierte nach Lehrbuch, während unzählige Warntöne im Cockpit die starke Beschädigung der Hydraulik kundtaten und der Alligator wie ein wildes Pferd bockte. Der erfahrene Pilot stabilisiert den Alligator mit seinem ganzen fliegerischen Können und steuerte ihn weg von diesem verdammten Bauernhof, in dem sich die Männer versteckt hatten. Wenn sie hier vor Ort abstürzten, würden ihnen diese Kerle den Rest geben. Deshalb galt es Distanz aufzubauen.
Doch dann ging alles furchtbar schnell. Der Hubschrauber begann um die eigene Achse zu rotieren, ein hohes Sirren war zu hören. Sekunden später erfolgte der Aufschlag.
Sergej hörte einen Schrei. War ich das? Dann schlug etwas hart gegen seinen Helm und unergründlich Schwärze ergoss sich über ihn.
Doch dann öffnete er die Augen. Irgendetwas stank bestialisch und beißender Rauch stieg im Cockpit auf. Öl das auf die heißen Bleche der Ausfuffanlage tropft. Gehetzt sah Sergej zu Vadim, der auf dem Sitz neben sich saß. Grauen packte den jungen russischen Offizier, denn ein Ast ragte aus der Brust seines Kameraden. Der Oberkörper des Piloten war in Herzhöhe durchbohrt. Mit zitternden Händen tastete Sergej den Puls seines Freundes. Nichts.

In Sekundenschnelle realisierte der Copilot die Situation. Er hatte sich lediglich den Kopf gestoßen, ansonsten war er in Ordnung, noch. Er musste schnellstens aus der Maschine heraus, sonst waren die Angreifer gleich bei ihm. Fieberhaft griff er zur Konsole vor sich, aktivierte die Funkverbindung zum Hauptquartier. "Einheit Blau 3. Wir wurden angegriffen und sind abgestürzt. Melde mich später, Ende!"

Ohne eine Antwort abzuwarten, griff Sergej unter seinen Sitz und zerrte den Notfallkoffer hervor. Medizin, Proviant, Funkgerät. Entschlossen hämmerte er dann auf die Notentriegelung der Cockpitkanzel. Synchron wurden im Rahmen drei Sprengladungen gezündet und schossen das Verdeck weg.

Geschickt öffnete er seinen Gurt und kletterte aus dem Cockpit. Da hörte er ihre Stimmen. Die Männer waren nah. Verdammt nah!
Sergej hüpfte auf den Waldboden und sprintet los. Äste schlugen ihm ins Gesicht, hinterließen blutige Kratzer. Er kümmerte sich nicht darum, er musste weg. Nur fort von der Absturzstelle. Innerlich verfluchte er die verdammten Amerikaner. Sie waren hier schließlich nicht auf einer Kampfmission, sondern wollten helfen. Und was fiel dieser Bande von Hinterwäldlern ein? Sie schossen einfach mal wild drauf los. Verdammte Cowboys, die würden sich wohl niemals ändern!
Sein Atem ging Stoßweise und seine Füße hämmerten über den Waldboden. Sergej liebte Sport, das kam ihm nun zugute. Er lief erst langsamer, als es steil bergauf ging.
Anfänglich befürchtete er, dass der den falschen Weg eingeschlagen hatte. Einige Momente später wurde die Vegetation spärlicher und er konnte auf eine Bergkuppe treten. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er hatte sich nicht verlaufen, ganz im Gegenteil. Vor ihm im Tal sah er die Straßenbeleuchtung einer kleinen Stadt. Also hatte ihn seine Orientierung doch nicht im Stich gelassen. Der Copilot hatte keine Zeit zu verschwenden, also lief er los. In der kleinen Ortschaft gab es Autos. Es war mitten in der Nacht, die Bewohner der Stadt schliefen. Er musste es also nur bis in die Ansiedlung schaffen, um mit einem Wagen verschwinden zu können. Eigentlich …

 

 

5

Rogan kam zuerst an dem abgestürzten Helikopter an. Er hielt eine Stabtaschenlampe in der einen und einen Revolver in der anderen Hand. Der Strahl der Taschenlampe glitt über das qualmende Wrack. Aus der Ferne hatte der Milizchef den Helikopter für einen Apache gehalten, doch es war ein völlig andere Helikoptertyp. Rogan hatte etwas Ähnliches bisher noch nicht gesehen. "So eine abgefuckte Scheiße!" Die Stimme des Anführer gellte auf.
Neben Rogan tauchte Earl auf. Er verengte seine Augen zu Schlitzen. Sein Blick folgte dem Leuchtkegel der Taschenlampe, der über den Helikopter glitt. Seitlich an den Turbinen erkannte er eine zweistellige Nummer. 42. Dann wanderte der Strahl der Maglite zum Heckrotor. Jetzt verstand Earl, was Rogan so aus der Fassung gebracht hatte. Etwas in ihm zog sich zusammen. Gut sichtbar prankte dort ein roter Stern. Ein Sowjetstern, dachte Earl. "Ist das etwa eine russische Maschine?"

Rogan nickte betont langsam. "Definitiv. Aber was machen diese Dreckskerle in unserem Land?" Wütend schob er sein Kinn nach vorne. "Am Ende ist diese ganze Krise von Moskau aus initiiert worden!"

"Mein Dad hat immer gesagt, dass das irgendwann passiert", meinte Andy im Brustton der Überzeugung. Doch keiner achtete auf ihn.

Rogan leuchtete das Cockpit an. "Der ist mausetot", kommentierte er trocken, als er den Piloten in den Gurten hängen sah. Der Ast in der Brust des Mannes sprach eine deutliche Sprache. Aber irgendjemand musste das Cockpit aufgesprengt haben - von innen. Die Kanzel lag einige Meter entfernt auf der Erde. Außerdem wirkte der Platz neben dem Piloten so, als wäre er noch vor kurzer Zeit benutzt worden. Der Gurt hing über dem Sitz und sah ziemlich verdreht aus. Da wusste Rogan, was hier passiert war. "Einer von den Piloten hat den Absturz überlebt", zischte er und sah sich die Erde an. Es hatte heute stark geregnet, deshalb war der Boden weich. Der schlaksige Mann grinste, denn direkt neben dem Kampfhubschrauber sah er zwei tiefe Fußabdrücke im morastigen Boden. Dann führten die Spuren in Richtung Osten. "Das Schwein will zur Stadt. Kommt Jungs, den kaufen wir uns!"

Der Anführer der Miliz rannte los. Earl hielt den Anschluss, während Tom und Andy fluchen abreißen lassen mussten. Jetzt forderte ihr Übergewicht und die Zigaretten ihren Tribut. Alles hatte eben sein Preis, heute bestand er aus Kurzatmigkeit und der roten Laterne.

Andy musste Husten und hörte auf zu laufen. Wäre er doch nur mit Al im Wagen geblieben. Tom tat es ihm gleich und gemeinsam trotteten die beiden Freunde den Anhang hinauf. "Wir hätten den verdammten Wagen nehmen sollen", maulte Tom. "War doch klar, wo dieser Russe hinwill!"

Andy zuckte mit den Schultern. "Was denkst du eigentlich über die Sache?"

Tom blieb stehen und sah Andy stirnrunzelnd an. "Was meinst Du?"

"Naja, erst dieser Blackout. Jetzt soll sich sogar russisches Militär hier herumtreiben. Ist die Sache nicht ein paar Nummern zu groß für uns?"

Tom schüttelte energisch den Kopf. "Wenn es damals nur mehr Männer wie dich gegeben hätte, dann wären wir auch heute noch eine Kolonie von Großbritannien." Er lachte kehlig. "Nein, dies ist unser Land und wir müssen diese Arschlöcher wieder herausjagen. Die USA sind doch kein Shithole Country irgendwo in der Dritte Welt. Wir sind stolze Patrioten!"

Details

Seiten
80
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738932379
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v501496
Schlagworte
sezessionskrieg band rotes gambit

Autor

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Titel: SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 7: Rotes Gambit