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Gier nach heißer Beute

2019 128 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Gier nach heißer Beute

Copyright

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Gier nach heißer Beute

Western von John F. Beck

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 128 Taschenbuchseiten.

 

Indianer greifen den kleinen Trupp Soldaten an, den Leutnant Frank Deering anführt. Nur er kann sich vor ihnen in Sicherheit bringen, jedoch schwerverletzt. Der Scout Hank Waynard, der dem Trupp vom Fort Fillmore aus entgegenreitet, findet ihn. Als sich beide zum sicheren Fort aufmachen, entdeckt Waynard in der Ferne eine Rauchsäule. Ihm ist klar, wenn er die Leute nicht warnt, werden die Yampa-Utes auch sie überfallen und töten. Doch mit dieser Entscheidung bringt er sich und den verletzten Deering in große Gefahr ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

In Deerings Ohren dröhnte wieder das Krachen der Schüsse, das sich mit Hufgetrommel und Pferdegewieher vermischte. Und über allem stand dieser andere Laut, der für ihn am schrecklichsten war: das trillernde markdurchdringende Kriegsgeschrei der angreifenden Indianer. Er sah noch immer das Bild der schreienden, bronzehäutigen, federgeschmückten Reiter vor sich, wie sie unverhofft über seine kleine Patrouille hergefallen waren. Das Entsetzen in den Augen seiner fallenden Kameraden stand deutlich vor ihm. Er schüttelte sich. Er wollte die Erinnerung zurückbannen — aber es gelang nicht. Solange er lebte, würde er diese furchtbaren Minuten niemals vergessen. Aber er war nicht sicher, ob er überhaupt am Leben bleiben würde, ob er den nächsten Tag noch sehen würde.

Ganz nahe schnaubte ein Pferd. Frank Deering zuckte zusammen. Seine Augen weiteten sich, er hielt den Atem an. Vorsichtige Schritte kamen auf das Strauchwerk zu. Nur leise hörte er den Sand knirschen. Seine Finger krampften sich um den Kolben des Revolvers. Doch er zog die Waffe nicht hervor. Er war wie gelähmt. Eisige Schauer rieselten über seinen Rücken. Die Schritte verstummten. Die Stille war unheimlich. Deerings Gesicht war grau und eingefallen. Dann hörte er die gedämpfte Stimme: „Leutnant! Wo stecken Sie, Leutnant?“

Deerings Erstarrung wich. Er fuhr halb in die Höhe und unterdrückte ein Stöhnen, als von der linken Schulter aus ein stechender Schmerz durch seinen ganzen Körper zuckte. Er öffnete die trockenen rissigen Lippen. Doch dann hielt er in letzter Sekunde die Antwort zurück. Zweifel stiegen in ihm auf. Er hörte irgendwo das Rascheln von Blättern und dann wieder die leise, ein wenig raue Stimme: „Hören Sie mich, Leutnant? Wo haben Sie sich versteckt?“

Vielleicht war das nur ein Trick. Vielleicht suchten die Indianer nach ihm, die skalplüsternen Rothäute! Es gab genug Ute-Indianer, die ein perfektes Englisch sprachen. Deering leckte nervös über die Lippen. Sein Herz pochte in harten schnellen Stößen. Die Angst kam wieder, die Erinnerung an die weit aufgerissenen, entsetzten Augen der Soldaten, die neben ihm von den Pferden gestürzt waren. In seinen Ohren gellte wieder das schreckliche Kriegsgeschrei.

Deering horchte angespannt. In seinen Ohren rauschte es. Er glaubte wieder Schritte zu hören. Er schluckte, wollte fort von hier. Er ließ sich zurücksinken und stemmte die Hände in den Sand. Sein Körper war kraftlos und wie ausgehöhlt. Auf Händen und Knien wollte er tiefer in das Gebüsch hineinkriechen. Da knackte dicht neben ihm ein Zweig. Der Schatten eines Mannes fiel über ihn. Deering sah zwei lange Beine, die in einer hirschledernen fransenverzierten Hose steckten, vor sich. Die Füße waren mit bestickten Mokassins bekleidet. Der Verwundete prallte zurück, warf sich zur Seite und riss verzweifelt den Armeecolt heraus.

„Nein!“, keuchte er. „Nein, ihr sollt mich nicht ...“

Leutnant Deerings Hand fiel herab, die Finger lösten sich vom Revolverkolben, dann wusste er von nichts mehr ...

 

 

2

Hank Waynard richtete sich auf und schraubte den Verschluss der Wasserflasche zu, aus der er den verwundeten Leutnant hatte trinken lassen. Leutnant Deering schlug die Augen auf. Sein Blick wurde nur langsam klar. Zuerst drückte seine Miene tiefes Erstaunen aus, dann lief ein nervöses Zucken über sein graues Gesicht, und seine Rechte tastete zum Gürtel hoch.

Hank Waynard schüttelte den Kopf.

„Alles in Ordnung, Leutnant. Es hält sich keine Rothaut mehr in der Nähe auf.“

Aufseufzend lehnte sich Deering gegen den rotrindigen Stamm der verkrüppelten Kiefer zurück. „Wer sind Sie?“ Seine Stimme war ein heiseres Krächzen.

„Hank Wavnard. Zivil-Scout aus Fort Fillmore.“

„Fort Fillmore?“

„Ja, wir sind zwei Tagesritte davon entfernt. Der Kommandant erhielt Nachricht, dass Sie, Leutnant, mit Ihrer Patrouille aus Fort Garrick die Strecke nach Fillmore abreiten sollten. Well, die Leute in Fort Garrick schienen keine Ahnung zu haben, dass die Yampa-Utes wieder unruhig geworden sind. Also wurde ich losgeschickt, um Ihre Abteilung auf Schleichpfaden sicher nach Fort Fillmore zu bringen.“ Waynard zuckte bitter mit den breiten Schultern. „Leider bin ich zu spät gekommen.“

Deering nickte matt. Sein Blick glitt an der hochgewachsenen Gestalt des Scouts vorbei zu dem dunklen frischen Erdhügel. Er schloss sekundenlang die Augen. Er konnte es sich kaum vorstellen, dass die fünf Männer, die ihn begleitet hatten, unter diesem braunen Wall ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Die Stimme Waynards riss ihn aus seiner bitteren Versunkenheit.

„Ich habe Ihre verletzte Schulter verarztet, so gut es ging, Leutnant. An der Hüfte haben Sie nur einen Streifschuss, der ist nicht weiter schlimm. Werden Sie reiten können?“

„Dazu müsste ich ein Pferd haben.“

„Ich habe ein Ersatztier bei mir. Sie können es nehmen.“

„Gut, dann werde ich es wohl schaffen.“

Hank Waynard hörte, dass die Stimme Leutnant Deerings nicht sehr überzeugt klang. Er presste die Lippen zusammen. Er ahnte, was ihm bevorstand. Mit einem jungen verwundeten Offizier zwei Tagesritte vom nächsten Fort entfernt — das war keine einfache Angelegenheit in diesen Tagen, da man stündlich auf eine Horde der aufständischen Yampa-Utes stoßen konnte. Das ganze südliche Utah-Territorium hatte sich für weiße Männer in eine Todeszone verwandelt.

Deering schaute ihn forschend an.

„Woran denken Sie jetzt, Waynard? Denken Sie, es wäre besser gewesen, sechs US-Kavalleristen hätten den Tod gefunden als nur fünf?“ Er verzog die rissigen Lippen zu einem bitteren Lächeln. „Vielleicht haben Sie sogar recht damit.“

Der Scout runzelte die Stirn.

„Reden Sie keinen Unsinn, Leutnant!“, sagte er schroff. Er wandte sich ab und ging auf eine Baumgruppe zu. Deering drehte den Kopf und sah, dass dort zwei gesattelte Pferde standen. Es war genau die Stelle, wo sein eigener Gaul unter den Schüssen der angreifenden Indianer zusammengebrochen war. Die Rinde der Kiefer war von Kugeln zerfetzt, einige befiederte Pfeile steckten im Holz. Zum ersten Mal wurde sich Frank Deering bewusst, wie seltsam es war, dass gerade ihm die Flucht gelungen war — ihm ganz allein. Er wusste nicht recht, ob er froh darüber sein sollte. Die Erinnerung an das grauenvolle Geschehen war noch zu frisch, und Leutnant Frank Deering hielt sich noch nicht lange an der sogenannten „blutigen Grenze“ auf.

Hank Waynard band die Pferde los. Deering wunderte sich, wie ein Mann so ruhig und lässig sein konnte, nachdem er fünf weiße Soldaten beerdigt hatte. Irgendwie fühlte er deshalb eine leichte Abneigung dem Scout gegenüber. Andererseits aber merkte er, dass der Strom von Gelassenheit, der von Waynard ausging, seine aufgepeitschten Nerven beruhigte.

Hank kam mit den Pferden heran — struppige braune Tiere, die mehr zäh und kräftig waren als schön. Plötzlich stutzte der Scout und blieb stehen. Deering sah deutlich, wie sich seine Haltung versteifte. Eine Falte erschien zwischen Hank Waynards Augenbrauen. Er spähte angespannt in eine ganz bestimmte Richtung. Frank Deering fühlte heiße Erregung in sich hochsteigen.

„Waynard, was gibt es? Indianer?“

„Nein! Rauch!“

„Signalfeuer?“

Der Scout blickte noch immer zur selben Stelle. Er schüttelte langsam den Kopf.

„Das sind keine Indsmen! Ich wette, dass dies das Lagerfeuer weißer Männer ist.“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Der Rauch ist dunkel und deutlich sichtbar. Kein Roter würde feuchtes Holz für ein Lagerfeuer verwenden — und auch kein erfahrener Weißer. Die Leute, die dort lagern, scheinen nicht zu wissen, dass sie sich mitten in einem Hornissennest befinden.“

„Ist es weit entfernt?“

„Vielleicht fünf Meilen“, antwortete Waynard. „Es muss bei Redstone-Caves sein.“ Er wandte den Kopf ab und zog die Pferde hinter sich her. Als er bei Deering anlangte, sah der junge Leutnant, dass verhaltene Unruhe in den grauen Augen des Scouts brannte.

„Wir müssen hinreiten und sie warnen, nicht wahr?“, fragte er, während Hank ihm hoch half.

Der Scout nickte.

„Yeah, das müssen wir wohl.“ Und plötzlich schaute er dann den Leutnant voll und sehr durchdringend an. „Leutnant, wenn sich weiße Männer in dieser Gegend aufhalten, dann müssen sie einen ganz bestimmten Grund dafür haben. Es kann sehr gut möglich sein, dass der Überfall der Utes für sie nicht die einzige unangenehme Überraschung bleiben wird. Das möchte ich Ihnen nur klarlegen.“

Leutnant Frank Deering war zu sehr damit beschäftigt, seine Schwäche niederzuringen und seine Schmerzen zu verbeißen, als dass er über Hank Waynards Worte nachgedacht hätte. Trotzdem saß ein kleines Misstrauen in ihm, als er sich eine Minute später mühsam in den Sattel zog und den dunklen Rauch über den fernen Höhenrücken mit eigenen Augen sah ...

 

 

3

Die letzte Strecke hatten sie langsam und vorsichtig zurückgelegt. Bei einem hohen Katzenkrallegebüsch hielt Hank an.

„Sie bleiben am besten vorerst hier, Leutnant. Ich will mir die Leute erst ansehen, ehe ich mit ihnen spreche.“

„Na schön“, entgegnete der Leutnant. „Bin einverstanden.“ Es schien ihm nicht sonderlich gut zu gehen.

Hank schwang sich geschmeidig vom Pferd und half Deering aus dem Sattel. Der Verwundete wankte leicht. Hank führte ihn ins Strauchwerk hinein und holte dann die Pferde nach.

„Ich werde bald zurück sein“, versprach er. Und dann war er bereits verschwunden - lautlos wie eine geschmeidige Raubkatze.

Felstürme und Klippen wuchsen empor. Das nackte Gestein reflektierte die Sonnenstrahlen. Es war heiß. Kein Lufthauch regte sich. Einige Wolken hingen wie zerrissene weiße Schleier am Firmament. Hank kannte die Gegend von früheren Kundschafterritten. Er bewegte sich selbstsicher und zielstrebig voran. Es dauerte nicht lange, bis er den Rand eines schräg abfallenden Hanges erreichte. Die Luft flimmerte über spärlichen Grasbüscheln und niedrigem Strauchwerk. Riesige Felsbastionen säumten den Hang. Unten dehnte sich eine freie Sandfläche, die von senkrechten rotschimmernden Felswänden begrenzt wurde. Dort befanden sich die Redstone-Caves, die Rotsteinhöhlen. Es waren ungefähr ein halbes Dutzend riesiger pechschwarzer Löcher in den steilen Felsmauern. Und vor einer dieser Höhlen brannte das Lagerfeuer, dessen Rauch Hank Waynard gesehen hatte.

Kein Mensch war zu entdecken. Trotz der Entfernung erkannte der Scout aber die Fußspuren im rötlichen Sand. Und gleich darauf bemerkte er die drei Pferde, die in einem schattigen Winkel zwischen den Felsen standen. Jedes hatte einen Futtersack umgehängt und knabberte an dessen Inhalt.

Hank kauerte hinter einem Felsklotz und wartete. Unten regte sich nichts. Das Feuer brannte herab, die Rauchsäule wurde dünner. Der Geruch von Bohnen trieb sacht den Hang herauf. Hank schaute zur Sonne hoch. Sie stand direkt im Zenit. Plötzlich verstand er: Es war Mittag, und die Männer, denen die drei Gäule gehörten, saßen in einer Höhle beim Essen. Gewiss war es die Höhle, vor der das Feuer brannte.

Hank zögerte nicht länger. Er überprüfte den Sitz des Colts, dessen Kolben unter der weit geschnürten Wildlederjacke hervorragte, und verließ seine Deckung. Er ging nicht geradewegs den Hang hinab. Er schlug einen Bogen, bis er in den Schatten der hohen Felsbastionen gelangte, und eilte erst dann geduckt und lautlos hangabwärts. Er hielt seinen Blick fortwährend auf den Höhleneingang gerichtet. Aber dort blieb alles still und reglos. Er kam nur wenige Yard an den Pferden vorbei. Eines der Tiere schnaubte. Und Hank blieb sofort stehen, den rechten Arm zum Ziehen bereit. Erst als drei Sekunden ruhig verstrichen, setzte er seinen Weg fort. Als er näher an die Höhle herankam, hörte er dumpfes Stimmengemurmel aus dem Eingang dringen. Er überlegte, was diese Männer hier wohl zu suchen hatten. Hier gab es nichts, was einen weißen Mann reizen konnte — weder jagdbares Wild noch irgendwelche Bodenschätze, nur Sand, Fels, Hitze und streifende Indianerhorden. Er dachte an Leutnant Deering, den er verwundet zurückgelassen hatte, und wollte sich beeilen. Die nächsten Sekunden würden schon zeigen, von welcher Sorte die Männer drinnen in der Höhle waren.

Er spannte seine Muskeln. Das Leben in diesem Lande hatte ihn hart und misstrauisch gemacht. Es war immer gut, wenn man selber der Mann war, der andere überrumpelte und der die Hand zuerst am Drücker hatte.

Er hatte diesen Gedanken kaum zu Ende geführt, da hörte er hinter sich ein kurzes metallisches Knacken. Und dieser Laut traf ihn wie ein Messerstich im Nacken. Er erstarrte. Er wusste, dass es keinen Sinn mehr hatte, sich herumzuwerfen und den Colt herauszureißen. Denn da war schon ganz bestimmt der Lauf einer Waffe auf ihn gerichtet. Nach der ersten Überraschung wallte eisiger Grimm in ihm hoch. Er war sich seiner Sache so sicher gewesen und nun ...

„Rühren Sie sich nicht von der Stelle!“, sagte jemand hinter ihm.

Der Klang dieser Stimme ließ ihn zusammenzucken. Er drehte sich betont langsam um und hielt die Hände gespreizt vom Körper ab. Ein Mädchen stand vor ihm - schlank, schwarzhaarig und mit furchtlosen Augen. Sie trug Männerkleidung: ein kariertes Hemd, verwaschene Hosen und derbe Stiefel. Trotzdem verlor ihre Gestalt nichts von der anziehenden Anmut. Sie wich seinem Blick nicht aus und sagte fest: „Denken Sie nur nicht, dass Sie mich überlisten können! Ich warne Sie: Wenn Sie sich bewegen, drücke ich ab!“

Sie hielt einen Spencer-Karabiner im Anschlag, und der Lauf der Waffe zitterte kein bisschen. Hank wusste nicht, ob er lächeln oder wütend sein sollte.

„Sie beschämen mich, Madam“, sagte er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass man mich so festnagelt.“

„Ich hatte die Pferde gefüttert und sah Sie oben auf dem Hang auftauchen. Sie entdeckten mich nicht, da ich mich hinter den Tieren versteckte, und Sie hauptsächlich die Höhlen im Auge behielten.“ Das Mädchen war ganz ruhig und gab ihre Erklärung auf eine sachliche Art. Hank schätzte, dass sie nicht älter als zweiundzwanzig Jahre war. Ihr Auftreten imponierte ihm. Sie war bestimmt an der Grenze aufgewachsen, und Frauen in ihrer Art waren es, die den weiten wilden Westen allmählich kultivierten.

Hank sagte achselzuckend: „Vielleicht könnten wir uns besser unterhalten, Madam, wenn Sie das Gewehr weglegen.“

„Sie sollten erst gar nicht versuchen, mich abzulenken“, erwiderte sie fest. „Bleiben Sie nur ganz ruhig stehen!“ Und dann hob sie ihre Stimme und rief: „Jeff, Old Bill - kommt einmal her!“

Im nächsten Moment traten zwei Männer aus der Höhle. Einer war jung, kräftig gebaut und besaß ein gutgeschnittenes, etwas glattes Gesicht mit dunklen Augen. Der andere war alt und hager. Die dünnen Schnurrbartenden hingen zu beiden Seiten seines Mundes herab. Er kaute mit vollen Backen, und als er den Fremden sah, und das Mädchen mit dem Gewehr, begann er zu husten. Seine Stirnader schwoll an. Sein Gefährte zog hastig den Revolver und richtete ihn auf Hank.

„Du kannst das Gewehr wegnehmen, June!“, sagte er finster, während er auf den Scout zuging.

Das Mädchen trat zur Seite.

„Ich war bei den Pferden, als er den Hang herabkam. Er wollte sich anschleichen, und ich ...“

„Schon gut, June! Wer sind Sie, Mister?“

„Mein Name ist Hank Waynard. Zivil-Scout für Fort Fillmore. Sie sollten jetzt Ihren Revolver ruhig wegstecken, junger Mann.“

„Fällt mir nicht ein. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass Sie alles andere sind als ein Armee-Scout.“

„Ich verstehe nicht. Ich bin ...“

„Sie gehören zu Sinclar und seiner Mannschaft, nicht wahr?“

„Mann“, sagte Hank ärgerlich, „das ist ein Irrtum. Ich kenne keinen Sinclar. Hören Sie, ich ...“

Wieder ließ ihn der andere nicht zu Ende sprechen.

„Sinclar hat Sie als Kundschafter vorgeschickt, was? Sie sehen, ich durchschaue Ihre Absicht. Es hat keinen Sinn, uns weiter etwas vorzumachen.“

Hank ballte die Fäuste.

„Jetzt hören Sie mir doch endlich einmal zu! Die Utes haben das Kriegsbeil ausgegraben. Vor ein paar Stunden wurde fünf Meilen von hier eine Kavallerie-Patrouille niedergemetzelt. Ich bin gekommen, um Sie zu warnen, verstehen Sie? Wenn Sie länger hierbleiben, können Sie jede Minute Ihre Skalps verlieren.“

Der Mann mit dem Revolver lächelte grimmig.

„Da haben wir es! Sie wollen uns also zum Abzug bewegen, was? Besser könnten Sie uns gar nicht sagen, dass Sie einer von Sinclars Männern sind.“

„Hören Sie endlich mit diesem Sinclar auf! Ich kenne ihn nicht, das sagte ich doch schon. Ich weiß nicht, was Sie hier planen und was sie von Sinclar zu befürchten haben. Aber eines weiß ich: Die Utes schlafen nicht, wenn sie auf dem Kriegspfad reiten, und sie werden ...“

„Schluss damit, Waynard! Ich habe genug von Ihren Lügenmärchen! Reiten Sie zu Sinclar zurück und sagen Sie ihm, dass wir nicht so leicht aufgeben! Er soll nur kommen — wir sind bereit!“

„Vielleicht hat er doch nicht gelogen“, mischte sich das Mädchen ein. Sie wandte sich an den alten hageren Mann. „Du kennst doch die Sinclar-Crew, Old Bill, nicht wahr? Gehört dieser Mann dazu?“

Der Hagere legte den Kopf schief.

„Nein!“, erwiderte er bedächtig. „Ich sehe ihn heute zum ersten Mal. Aber das ist kein Beweis, Miss June. Er kann auch nachträglich zur Sinclar-Mannschaft gestoßen sein.“

„Jawohl!“, nickte der Dunkeläugige sofort. „So ist es!“

Hank schüttelte den Kopf.

„Ich fürchte, Ihnen ist nicht zu helfen. Es ist nur schlimm, dass sich eine Lady bei Ihnen befindet.“

„Nun fangen Sie bloß nicht auf diese Tour an!“

Hank fiel der Leutnant ein. Er beugte sich ein wenig vor und schien den Revolver, der auf ihn gerichtet war, völlig zu übersehen.

„Hören Sie, ich habe einen Beweis dafür, dass ich die Wahrheit gesagt habe.“

„So? Da bin ich aber gespannt.“

„In meiner Begleitung befindet sich ein verwundeter Offizier. Ich habe ihn zurückgelassen. Wenn ich euch zu ihm führe, kann er euch bestätigen, dass ich ...“

„Eine Falle! Sie wollen uns in eine Falle führen, was? Ist Sinclar also schon so nahe? Well, das ging schneller, als ich dachte.“

„Zum Donner! Das ist keine Falle!“ Hank verlor allmählich die Geduld. Er dachte an die Gefahr, in der sie alle schwebten. Gleichzeitig ahnte er auch, dass er in etwas hineingeraten war, dass vielleicht bedeutungsvoller war, als er bis jetzt erkennen konnte. „Vielleicht haben Sie wirklichen Grund, vorsichtig zu sein. Doch Sie sollten sich von Ihrem Misstrauen nicht verblenden lassen. Wenn Sie wollen, lege ich sogar meinen Colt ab.“

Der Alte räusperte sich.

„Jeff, wir sollten es riskieren. Schließlich können wir ihn als Geisel benutzen, falls Sinclar wirklich in der Nähe ist.“

Der Jüngere zögerte. Dann nickte er.

„Also, sehen wir nach. June, du bleibst in der Höhle zurück. Halte die Augen offen und schieß sofort, wenn du etwas Verdächtiges bemerkst! Waynard, Sie gehen voran und nehmen die Arme hoch. Versuchen Sie keine Dummheiten! Und denken Sie daran, dass Sie ein toter Mann sind, wenn Sie uns in einen Hinterhalt führen! Los, gehen Sie schon!“

Hank bemühte sich, ruhig zu bleiben. Er unterdrückte seinen Groll und machte sich mit einem Schulterzucken wortlos auf den Weg.

„Da drinnen soll er also stecken?“, fragte der Dunkelhäutige argwöhnisch, als Hank vor dem Katzenkrallegebüsch anhielt.

Der Scout nickte. Er rief gedämpft: „Hallo, Leutnant! Kommen Sie heraus! Es ist alles in Ordnung.“

Sie warteten schweigend. Drinnen rührte sich nichts. Der Mann mit dem Revolver trat näher an Hank heran.

„Und Sie wollen immer noch behaupten, dass Sie nicht bluffen? Mann, ich sage Ihnen, treiben Sie es nicht zu weit! Sie könnten es sonst bitter bereuen!“

Hank achtete kaum auf die drohenden Worte. Die Reglosigkeit im Gebüsch rief ein wachsendes Unbehagen in ihm wach. Er rief diesmal lauter: „Leutnant Deering, Sie können herauskommen! Hallo, Leutnant!“

„Zum Teufel!“, knurrte der Dunkeläugige. „Gehen wir ins Camp zurück! Und Sie gehen mit, Waynard. Ich möchte vermeiden, dass plötzlich Kugeln von allen Seiten auf uns niederprasseln.“ Er spähte mit zusammengekniffenen Augen in die Runde.

Hank sagte rasch: „Der Leutnant ist verwundet. Vielleicht ist er bewusstlos geworden.“ Er klammerte sich selber an diesen Gedanken. Seine Mundhöhle war plötzlich wie ausgetrocknet, und der Anblick der toten Kavalleristen, die er vor wenigen Stunden begraben hatte, stand vor seinen Augen.

Der Dunkeläugige stieß ihm seine Revolvermündung in die Seite.

„Wir sind nicht närrisch, Mann! Los, kehren wir um! Ich habe Sie gewarnt!“

„Warte, Jeff!“, murmelte der Hagere und zupfte an seinen Schnurrbartenden.

Der Angesprochene schaute ihn fragend an.

„Ich gehe hinein und sehe nach!“, erklärte der Alte entschieden. Du kannst einstweilen mit diesem Mister hier draußen bleiben.“

„Sei vorsichtig, Bill!“, warnte der Jüngere.

„Darauf kannst du dich verlassen.“ Der Alte zog seinen Revolver, bog die grünbelaubten Zweige zur Seite und war gleich darauf verschwunden. Rascheln und Knacken war zu hören. Hank und der Mann, der ihn im Schach hielt, rührten sich nicht. Nach einer Weile kam der Hagere zurück und zog zwei braune Pferde hinter sich her.

„Und?“, fragte der Dunkle knapp.

Der Alte schüttelte den Kopf.

„Die beiden Gäule sind alles, was da drinnen war.“

Hanks sonnenbraunes Gesicht verhärtete sich.

„Haben Sie das gehört, Waynard?“, fragte sein Gegenüber. „Geben Sie jetzt endlich zu, dass Sie gelogen haben?“

In diesem Augenblick riskierte es der Scout. Die Sorge um das überraschende Verschwinden des Verwundeten ließ nicht zu, dass er anders handelte. Es hatte keinen Sinn, diesen beiden Männern alles erklären zu wollen. Und außerdem konnte vielleicht jetzt jede Sekunde von Bedeutung sein.

Er machte eine blitzschnelle Bewegung und riss gleichzeitig mit voller Wucht seine erhobenen Arme herab. Seine Handkante schmetterte gegen das Handgelenk des Dunkeläugigen. Der Mann schimpfte, als ihm der Revolver aus der Hand geprellt wurde. Ehe er zurückweichen konnte, hatte Hank ihn gepackt und herumgewirbelt. Der Alte, der seinen Colt hochgerissen hatte, konnte nicht feuern, weil sich sein Gefährte nunmehr in der Schusslinie befand. Mit einer flüssigen Bewegung zog Hank seine Waffe.

„Keine Bewegung, Gents! Das Blatt hat sich gewendet!“

Jetzt war er es, der dem Dunklen den Coltlauf in die Seite drückte.

„Donnerwetter! Sind Sie aber schnell!“, knurrte der Hagere in einer Mischung aus Wut und Anerkennung.

„Weg mit dem Eisen!“, befahl Hank hart.

Der Colt klatschte in den Sand. Hank sagte rau: „Und jetzt bringen Sie die Pferde heran! Los, beeilen Sie sich!“

„Ja!“, knirschte der Dunkle. „Ja, reiten Sie nur, Waynard! Aber glauben Sie nur nicht, dass Sie es ein zweites Mal schaffen. Wenn Sie mir nochmals unter die Augen kommen, werde ich ohne Anruf schießen, verlassen Sie sich darauf! Und das gilt auch für Ihre Kumpane!“

„Ich habe keine Kumpane. Wenn Sie das endlich einsehen wollten!“

„Zum Teufel, hören Sie auf damit!“ Der Hagere brachte langsam die beiden Pferde heran. Hank trat zur Seite. In dem Moment, da er nach den Zügeln griff, wirbelte der Dunkeläugige herum und warf sich gegen ihn. Seine Augen glitzerten vor Wut.

Hank besaß kein Recht, auf ihn zu schießen, da alles ja nur ein Irrtum war. Und deshalb wollte er seinen Colt zum Schlag hochreißen und somit den Angriff abwehren.

Der Moment des Zögerns sollte entscheidend sein!

Der junge dunkeläugige Mann handelte schneller und gefährlicher, als es der Scout erwartet hatte. Als er den Coltlauf niedersausen ließ, wurde er bereits vom harten Anprall zurückgeworfen und stieß gegen eines der Pferde. Ein erschrecktes Wiehern stand in der Luft. Der Gaul wich zurück. Hank stolperte und merkte, dass sein Hieb gefehlt hatte. Sein Gegner war dicht vor ihm und holte zu einem weiteren Schlag aus. Hank duckte sich blitzschnell unter der vorschnellenden Faust weg und kam neben dem Angreifer wieder hoch. Diesmal schien sein Coltlauf nicht ins Leere zu sausen. Da wurde im letzten Moment sein Arm zurückgerissen. Der schnurrbärtige Alte hatte eingegriffen, und in seinen nervigen Fäusten steckte eine stählerne Kraft.

Hank rammte seine Schulter gegen den neuen Gegner. Der Mann verlor das Gleichgewicht und ließ ihn los. Da war der Dunkle erneut heran. Er umklammerte Hank und riss ihn zu Boden. Die Pferde wichen schnaubend und hufestampfend gegen den Rand des Strauchwerks zurück.

„Mann“, brachte Hank heiser hervor, „Sie wissen ja gar nicht, wie unsinnig das alles ...“

Ein Fausthieb erwischte ihn im Gesicht. Einen Augenblick verschwamm alles vor seinen Augen. Er zog die Beine an und wollte sich von seinem Gegner losreißen. Der bekam den Revolver zu fassen, den ihm Hank vorher aus der Hand geschlagen hatte. Er ließ den Scout los und holte mit der Waffe aus. Hank rollte zur Seite, kam auf die Knie — und da wuchs die hagere Gestalt des Alten neben ihm hoch. Zwei gegen einen — das war ein ungleiches Verhältnis. Diesmal war Hank Waynard nicht schnell genug, um dem niedersausenden Revolverlauf auszuweichen. Er hörte noch eine heisere Stimme knurren: „Du wolltest es nicht anders, Mister!“ Dann hüllte ihn tintige Schwärze ein.

 

 

4

Als er erwachte, schmerzte sein Kopf zum Zerspringen. Er öffnete die Augen und sah im Halbdunkel der Höhle betretene Gesichter vor sich. Der hagere Alte brummte verlegen: „Es tut uns leid, Mister Waynard! Wir haben Ihnen tatsächlich unrecht getan! Hoffentlich tragen Sie es uns nicht nach.“

Ächzend setzte sich Hank auf und lehnte sich gegen das kühle Gestein. Er befand sich dicht neben dem Höhleneingang. Draußen war das Feuer herabgebrannt. Der rote Sand gleißte im Sonnenlicht, und Hank wandte die Augen ab, um nicht geblendet zu werden.

„Ich glaube“, hörte er jetzt die helle Stimme des Mädchens, „es ist an der Zeit, dass wir uns vorstellen.“ Sie wies auf den Hageren. „Das ist Bill Lennox, ich nenne ihn Old Bill. Er ist ein ehemaliger Freund meines Vaters.“ Sie drehte sich halb zu dem Dunkeläugigen. „Und das ist Jeff Morrill.“ Ihre Stimme wurde weich, als sie hinzufügte: „Er ist mein Verlobter.“ Und dann schaute sie Hank wieder voll an und sagte: „Mein Name ist June Balfour. Der Einfachheit halber können Sie mich ruhig June nennen. Jeff wird schon nichts dagegen haben.“ Sie lächelte leicht. Und in diesen Sekunden schien dem Scout ihr schmales Gesicht noch hübscher als in den Minuten, da er sie kennengelernt hatte.

„Vielleicht“, sagte er trocken, „können Sie mir auch noch den plötzlichen Stimmungsumschwung erklären, Miss June. Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar dafür.“

„Ich denke, die Antwort liegt dort drüben an der Felswand“, erwiderte das Mädchen ernst.

Er drehte den Kopf und beugte sich vor. An der gegenüberliegenden Höhlenwand lag eine reglose ausgestreckte Gestalt auf einer dicken Wolldecke. Uniformknöpfe glänzten matt in der Dämmerung. Hank vergaß seine Kopfschmerzen sprang auf.

„Der Leutnant!“

Mit langen Schritten durchquerte er die geräumige Höhle und kniete neben ihm nieder. Hank sah sofort, dass der Offizier bewusstlos war. Seine Wunde war aufgebrochen gewesen, und seine Uniformjacke war mit frischem Blut beschmiert.

„Ich habe seinen Verband erneuert“, sagte June Balfour ruhig hinter Hank. „Sie brauchen sich um ihn nicht zu sorgen.“

Wieder wurde er sich ihrer Festigkeit bewusst. Er fragte hastig: „Wo haben Sie ihn gefunden?“

„Wir haben ihn gar nicht gefunden. Er kam von alleine hierher.“

Bill Lennox mischte sieh ein: „June sagte, er sei hier aufgetaucht, als sie uns zu dem Gebüsch führten. Wir hätten uns also den Weg dorthin und alles andere sparen können.“

Er blickte unbehaglich zur Seite.

Hank biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf.

„Ich verstehe das nicht. Er wollte auf mich warten. Er muss einen guten Grund gehabt haben, das Versteck vorzeitig zu verlassen und hierher zu kommen.“

„Fragen Sie ihn doch selber!“, warf Jeff Morrill ein. „Er schlägt eben die Augen auf.“

Hank blickte auf den Verwundeten nieder. Frank Deerings blaue Augen flackerten. Er stöhnte leise. Dann ging plötzlich ein Ruck durch seinen Körper.

„Die Utes kommen!“, flüsterte er heiser. „Mein Gott! Zu den Waffen, Leute, die Roten kommen!“

Lennox und Morrill rissen unwillkürlich die Köpfe herum und blickten zum Höhleneingang hin. „Er fiebert“, sagte Hank ernst. „Und er hat ziemlich Schlimmes mitgemacht.“

June Balfour kniete sich mit einer Wasserflasche neben Hank nieder. Sie träufelte einige Tropfen auf Deerings zerfurchte Stirn.

„Wie alt ist er?“, fragte sie Hank.

Hank schaute sie erstaunt an. Dann begriff er. Die Falten und dunklen Linien, die Deerings eingefallenes Gesicht durchschnitten, boten einen seltsamen Kontrast zu seinem vollen blonden Haar und seinen großen jungenhaften Augen.

„Ich weiß nicht“, murmelte er. „Es hieß nur, es sei ein sehr junger Leutnant, der die Patrouille führte.“

„Ich glaube“, sagte das Mädchen nachdenklich, „man wird ihn nie mehr einen jungen Leutnant nennen.“

Deerings Blick wurde ruhiger. Er schien jetzt die Gesichter über sich zu erkennen.

„Bleiben Sie ruhig liegen, Leutnant!“, sagte Hank fest. „Sie haben viel Blut verloren und sind etwas schwach. Sie werden es schon überstehen.“

Deering atmete tief ein. Dann zogen sich plötzlich seine Augenbrauen zusammen.

„Waynard, hören Sie, ich muss Ihnen etwas sagen.“

„Den Grund, warum Sie das Versteck verließen?“

Deering nickte matt.

„Hufschläge!“, flüsterte er rau. „Ich hörte Hufschläge, kaum, dass Sie fort waren. Ich ... ich dachte an die Utes und ... wollte nachsehen. Es war ... ein einzelner Reiter.“

„Ein Weißer?“, fragte Jeff Morrill rasch.

„Ja, ein Weißer. Waynard, er hatte unsere Spuren entdeckt und untersuchte sie. Sein Verhalten kam mir verdächtig vor. Als er den Rauch bei den Redstone-Caves sah, riss er sein Pferd herum und galoppierte den Weg zurück, den er gekommen war. Ich ... ich wollte Ihnen sofort Bescheid sagen, Waynard. Als ich hier unten ankam, waren Sie fort. Anscheinend haben wir uns verfehlt, da ich das Gebüsch auf der anderen Seite verließ und erst ...“

„Schon gut, Leutnant, schon gut!“, unterbrach ihn Hank. „Strengen Sie sich nicht weiter an!“

Erschöpft schloss der Verwundete die Augen. Schweiß glänzte auf seinem Gesicht.

„Er brach zusammen, als er vor der Höhle auftauchte“, erklärte June Balfour. „Ich brachte ihn herein und verband ihn.“

Morrill drängte sich näher.

„Leutnant, haben Sie den Reiter genau gesehen? Wie sah er aus?“

Deering schlug wieder die Augen auf.

„Wie er aussah?“ Er runzelte die Stirn und überlegte. „Groß, sehnig und fast so dunkelhäutig wie ein Indianer oder Mexikaner. Er trug Weidereitertracht und einen riesigen Sombrero. Ich glaube, der Hut ist mit silbernen Zierknöpfen besetzt, denn ich sah das Blinken im Sonnenlicht.“

Morrill warf Bill Lennox einen fragenden Blick zu. Der Alte nickte heftig.

„Ja, ich kenne ihn. Das ist Al Peringo. Er trägt immer diese mexikanischen Sombreros mit den Silberknöpfen am Hutband. Können Sie mir sagen, Leutnant, auf welchem Pferd er saß?“

„Ein Rappe mit einer weißen Blesse auf der Stirn“, murmelte Deering matt und schloss wieder die Augen. Es sah aus, als sei er in einen tiefen Schlaf gefallen.

Lennox drehte sich dem dunkeläugigen Morrill zu.

„Dann gibt es keinen Zweifel mehr, Jeff. Ich denke, von jetzt an müssen wir auf der Hut sein. Ich schlage vor, wir halten abwechselnd Wache. Den Anfang mache ich, einverstanden?“

„Einverstanden, Old Bill!“, nickte Morrill düster.

Lennox rückte seinen Revolvergurt zurecht, zog den verbeulten Hut tiefer in die Stirn und verließ mit steifen Schritten die dämmrige Höhle. Morrill schaute Hank Waynard bedeutsam an und murmelte: „Es wäre für Sie und den Leutnant besser, wenn Sie die Rotstein-Höhlen so bald wie möglich verließen. Es wird hier nämlich schon ziemlich bald sehr rau zugehen.“ Als sei dies Erklärung genug, wandte er sich ab, setzte sich neben dem Höhleneingang auf eine Kiste und begann mit zusammengepressten Lippen seinen Revolver zu reinigen.

 

 

5

Bill Lennox stieg eilig den Hang hinauf. Als er oben eine Gruppe kantiger Felsblöcke erreichte, hielt er an, schob den Hut ins Genick und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Hitze hatte sich noch gesteigert. Luftwellen waberten vor den nackten Felswänden. Nirgends zeigte sich ein Lebewesen. Das Gelände, das Lennox von seinem Standpunkt aus beobachten konnte, dehnte sich wie ausgestorben vor ihm.

Ein leises Schaben, das deutlich das heiße Schweigen durchbrach, ließ ihn zusammenzucken. Seine Hand fuhr zum Holster nieder. Da schoben sich bereits zwei Schatten hinter den Felsblöcken hervor - lässig und selbstsicher. Sie hatten sich keine drei Yard von ihm entfernt aufgehalten.

„Hallo, Bill!“, sagte einer der Männer. „Wir haben dich kommen sehen und auf dich gewartet.“

Lennox wich einen Schritt zurück. Seine Rechte krampfte sich um den Revolverkolben. In seinem hageren faltigen Gesicht arbeitete es.

„Sinclar!“, keuchte er. „Peringo!“

Die beiden Männer lächelten ihn spöttisch an. Keiner von ihnen machte Anstalten, nach der Waffe zu greifen. Bill Lennox schluckte. Sein Adamsapfel ruckte auf und ab.

„Ihr seid schneller hier, als wir erwartet haben“, stieß Lennox hervor, nur um etwas zu sagen. Seinem Gesicht war anzusehen, dass seine Gedanken fieberhaft arbeiteten. Er nahm nicht die Hand vom Revolver. Brack Sinclar zuckte die Schultern.

„Wir haben euren Aufbruch zu den Redstone-Caves rechtzeitig bemerkt, das ist alles. Du kannst dir doch denken, dass wir nicht langsam sind, wenn es um einen solchen Riesengewinn geht.“

„Seid ihr allein?“ Lennox’ Blick tastete von einem zum anderen.

Sinclar verzog die Mundwinkel.

„Mach dir keine Hoffnungen, Bill! Wir sind nicht allein. Die anderen halten sich in der Nähe auf. Wir sind nur gekommen, um ein wenig zu beobachten, verstehst du? Und als du so mutterseelenallein den Hang heraufkamst, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mit dir zu reden.“

„Mit mir zu reden?“, wiederholte Lennox fahrig.

Sinclar nickte. Sein silberweißes Haar glänzte im Sonnenschein, da er den Stetson weit zurückgeschoben hatte. Sein Gesicht war faltig und hager wie das von Bill Lennox. Das Alter hatte jedoch den bösartigen, tückischen Ausdruck nicht aus seinen stechenden Augen verwischen können. Sein dünner Mund schien noch grausamer geworden zu sein. Die mittelgroße Gestalt wirkte sehnig und rüstig.

„Ich wüsste nicht, was es zwischen uns zu reden gäbe“, sagte jetzt Lennox heftig.

„Aber, Bill, du wirst doch nicht unvernünftig sein“, lachte Sinclar leise.

Al Peringos Miene jedoch zeigte einen finsteren Ausdruck. Er war ein großer drahtiger Mann mit dunkelbrauner Hautfarbe, scharfgeschnittenem Gesicht und wilden Augen. Die silbernen Zierknöpfe an seinem Sombreroband reflektierten zuckend die Sonnenstrahlen.

Sinclar wollte näher an Lennox herantreten und ihm die Hand auf die Schulter legen. Doch der schnurrbärtige Alte wich einen Schritt zurück.

„Bleib stehen, Sinclar! Ich lasse mich von dir nicht einwickeln. Was willst du eigentlich?“

„Ich will dir ein Angebot machen, Bill“, erklärte Brack Sinclar ruhig. „Arbeite mit uns zusammen, und du wirst es nicht bereuen.“

„Du weißt, dass dies nicht in Frage kommt.“

„Sei nicht voreilig, Bill! Du weißt doch, was auf dem Spiel steht.“

„Ich bin kein Verräter!“

„Ach, geh! Wie kannst du nur so daherreden, Bill! Ich kenne dich gar nicht mehr. Hast du schon vergessen, welche Dinge wir gemeinsam drehten?“

„Es ist lange her, dass ich in deiner Mannschaft ritt.“

„Das stimmt! Aber vergessen solltest du es nicht, Bill.“

Lennox sog scharf den Atem ein und zog den Revolver.

„Es hat keinen Sinn, wenn wir uns länger unterhalten“, erklärte er drohend.

Al Peringo machte eine schnelle Bewegung zum Gürtel hin, doch Sinclar winkte ab. Er blieb völlig ruhig, lächelte dünn und meinte: „Du wirst mich nicht am Reden hindern können, Bill!“

Lennox knurrte heiser: „Übersieh bloß nicht die Waffe in meiner Faust, Sinclar! Du sollst wissen, dass ich damit umzugehen verstehe.“

„Ich weiß, Bill, ich weiß! Doch ich weiß auch, dass du auf keinen alten Sattelgefährten abdrücken wirst, nicht wahr?“

„Zum Donner, Sinclar! Hör auf damit!“

„Er wird nicht gerne an die Vergangenheit erinnert“, murrte Peringo. „Wir sollten uns mit ihm nicht länger aufhalten.“

„Lass mich nur, Al“, entgegnete Sinclar schulterzuckend. „Es wäre doch schade um den guten Bill, wenn er nicht ...“

„Verdammt!“, unterbrach ihn Lennox in wilder Wut. „Deine salbungsvollen Sprüche kannst du dir sparen, Sinclar! Ich werde mit dir keine gemeinsame Sache machen, und dabei bleibt es! Ich stehe fest auf der Seite von Miss June und Morrill!“

„So? Dann wäre es aber wohl deine Pflicht, uns jetzt die Waffen abzunehmen und uns zu deinen Freunden hinabzuschaffen, was? Du weißt doch genau, was wir wollen, Amigo. Na, was meinst du dazu?“

Lennox knirschte mit den Zähnen.

„Ich sollte es wahrhaftig tun, Sinclar. Aber du hattest recht: Ich kämpfe nicht gern gegen ehemalige Partner. Ich hoffe, du wirst doch noch vernünftig. Verschwindet jetzt! Ich warne euch: Wenn ihr es zu weit treibt, werde ich vergessen, dass wir Seite an Seite geritten sind! Ich könnt euch darauf verlassen!“

Die falsche Freundlichkeit und Gelassenheit verschwand aus Sinclars Gesicht. Sein Blick bohrte sich fest in Lennox‘ unruhige Augen.

„Wir gehen gleich, Bill. Doch zuerst wirst du mir gut zuhören. Ihr habt keine Chance gegen uns. Und wir denken gar nicht daran, unverrichteter Dinge abzuziehen. Wir brauchen uns ja keine Mühe zu machen. Wir werden ganz einfach warten, bis ihr die Sache erledigt habt. Und dann möchte ich sehen, ob ihr verschwinden könnt, ohne dass wir es merken. Verstehst du, Bill? Für einen wie dich gibt es gar nichts Besseres, als sich auf unsere Seite zu stellen. Überleg dir das, alter Freund! Wenn du klug bist, dann verständigst du uns, wenn es so weit ist. Das vereinfacht die ganze Sache. Hörst du jedoch nicht auf meinen Rat, Bill, dann geht es dir bestimmt nicht besser als den anderen.“

„Ich glaube, du vergeudest deine Worte“, brummte Peringo.

„Wir werden sehen“, sagte Sinclar drohend und schaute noch immer Lennox an. „Ich hoffe zu deinen Gunsten, Bill, dass du dich richtig entscheidest.“ Er drehte sich abrupt ab, gab Peringo einen knappen Wink, und beide entfernten sich ohne Eile. Gleich darauf waren sie hinter einigen roten Felsklippen verschwunden.

Bill Lennox stand ganz steif. Dann wurde er sich bewusst, dass er noch immer den Revolver in der nervigen Faust hielt. Er blickte auf die Waffe nieder und presste die Lippen zusammen. Dunkle Schweißflecken zeichneten sich unter seinen Achseln ab. Er hörte noch immer das leise Knirschen von Sinclars und Peringos Stiefeltritten. In seinem Gesicht arbeitete es. Er machte zwei Schritte vorwärts, als wolle er den beiden Banditen nacheilen. Dann schüttelte er resignierend den Kopf, wischte sich mit dem Handrücken über die schweißglänzende Stirn und steckte nervös die Waffe ins Holster zurück. Die Schritte waren verklungen. Tiefe Stille hüllte ihn wieder ein.

 

 

6

Jeff Morrill hatte seinen Colt gereinigt und überprüfte sorgfältig die Ladung, als Hank Waynard neben ihn trat. Morrill schaute stirnrunzelnd auf. Trotz des Halbdunkels in der Höhle war der angespannte Ernst auf dem Gesicht des großen Scouts deutlich zu erkennen.

„Was gibt es, Waynard?“

Hank sprach leise und eindringlich: „Morrill, Sie und Lennox haben vorher nur von diesem Sinclar und seiner Mannschaft gesprochen. Ich weiß nicht, warum diese Männer Ihre Feinde sind, und ich verlange auch nicht, dass Sie mich darüber aufklären. Aber an eines möchte ich Sie dringend erinnern: An die Utes, die auf dem Kriegspfad reiten!“

Morrill hob kurz die breiten Schultern.

„Wir haben keine Angst vor ein paar räuberischen Rothäuten.“

Hanks Mine blieb unbewegt.

„Morrill, Sie haben vielleicht noch nie gegen Indianer kämpfen müssen — aber ich habe es oft getan. Ich kenne die Indsmen. Ich kann Ihnen nur sagen, nehmen Sie es nicht auf die leichte Schulter!“

„Und was würden Sie uns raten?“, fragte eine helle Stimme hinter Hank.

Er drehte sich um und sah in das schmale gebräunte Gesicht der jungen June Balfour. Das Mädchen trat neben Jeff Morrill und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Die braunen Augen waren fragend auf den Scout gerichtet.

Hank sagte knapp: „Wenn ihr nicht eure Skalps riskieren wollt, dann müsst ihr von hier abziehen. Zwei Tagesritte von hier entfernt liegt Fort Fillmore. Dort allein seid ihr sicher, bis sich die Indianerunruhen gelegt haben.“

„Und eine andere Möglichkeit gibt es Ihrer Meinung nach nicht?“

„Wenn ihr am Leben bleiben wollt: Nein!“

Das Mädchen lächelte flüchtig.

„Sie brauchen sich uns gegenüber natürlich nicht verpflichtet zu fühlen, Mister Waynard. Sie und der Leutnant können Ihren Weg ruhig fortsetzen. Wir werden das Risiko auf uns nehmen und bleiben.“

Eine scharfe Falte erschien zwischen Hanks Augenbrauen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihnen Ihr Leben so wenig bedeutet, Miss June.“

„Wer sagt Ihnen denn“, warf Morrill unwillig ein, „dass die Utes gerade bei den Redstone-Caves auftauchen?“

Hank verzog die Mundwinkel.

„Darf ich Sie daran erinnern, dass der Leutnant und ich durch den Rauch Ihres Lagerfeuers hierhergeführt wurden? Glauben Sie nur nicht, dass die Utes weniger scharfe Augen haben! Ihre Späher sind überall. Und Sie kennen dieses Land wie kein Weißer.“

„Wir bleiben trotzdem!“, sagte June Balfour fest.

Anfangs hatte Hank ihre ruhige Entschiedenheit und ihr festes Auftreten bewundert. Jetzt rief ihre Haltung einen heißen Grimm in ihm hervor. Er sagte ärgerlich: „Ich kann Sie nicht dazu zwingen, von hier fortzugehen, Madam. Aber vielleicht sollten Sie diese Entscheidung doch lieber Ihren Begleitern überlassen.“

In den Augen des Mädchens flammte es auf. Ihre Wangen färbten sich rot. Morrill sprang auf und stieß wütend hervor: „June sagt nur, was Bill und ich ebenfalls denken. Wir bleiben hier! Und das braucht nicht Ihre Sache zu sein.“

„In einem einsamen Land wie diesem fällt es einem Weißen nicht leicht, andere Weiße starrköpfig in den Tod rennen zu sehen“, sagte Hank grimmig. „Ich verstehe Sie nicht. Was hält Sie denn hier?“

„Ich sagte schon, dass Sie das nicht kümmern soll!“, rief Jeff Morrill scharf.

„Vielleicht würde er uns besser begreifen, wenn wir ihm alles sagten“, überlegte June Balfour und schaute ihren Verlobten an.

Morrill schüttelte heftig den Kopf.

„Nein, auf keinen Fall! Du weißt, was auf dem Spiel steht.“

„Er sieht wie ein ehrlicher Mann aus, Jeff. Ich glaube schon, dass wir ...“

„Danke, Madam!“, unterbrach Hank sie kühl. „Ich bin gar nicht so neugierig auf Ihr Geheimnis. Ich habe den Auftrag, die Patrouille, die Leutnant Deering führte, ins Fort zu bringen. Da nur noch der Leutnant am Leben ist, betrifft mein Auftrag lediglich noch ihn. Ich werde mit ihm bei Einbruch der Dunkelheit weiterziehen. Vielleicht treffen Sie bis dahin eine andere Entscheidung.“

„Das ist bestimmt nicht der Fall.“

„Well, ich habe Sie gewarnt. Mehr kann ich leider nicht tun.“ Es kostete ihm Mühe, seine äußerliche Ruhe zu bewahren. Er kannte die Indianer. Er wusste ganz genau, in welcher Gefahr sich dieses Mädchen und ihre beiden Begleiter befanden. Er spürte ein flaues Gefühl in der Magengrube, wenn er sich vorstellte, was June Balfour vielleicht bevorstand. Er begriff ihre starre Haltung nicht. Er ahnte nur, dass es irgendwie mit dieser ihm unbekannten Sinclar-Crew zusammenhing, von der sich diese Menschen mehr als von den Indianern bedroht fühlten. Er wollte sich abwenden.

„Warten Sie!“, sagte Morrill. Wortlos zog Hank die Augenbrauen hoch. Der junge dunkelhäutige Mann starrte ihn feindselig an. „Vielleicht wäre es besser, Waynard, Sie und der Leutnant machten sich sofort auf den Weg.“

„Jeff!“, sagte das Mädchen rasch. „Du solltest nicht ...“

„Lass nur, June, wenn dieser Gent ohnehin weiterreiten will, warum sollte er es nicht gleich tun?“ Er warf ihr einen bedeutsamen Blick zu, schaute dann den Scout scharf an und sagte herausfordernd: „Haben Sie gehört, Waynard?“

„Ich bin nicht taub, Morrill! Aber ich muss Sie leider enttäuschen. Ich werde nicht gleich reiten, ich werde die Dunkelheit abwarten.“

Jeff Morrill ballte die Fäuste. Er und Hank standen sich nur zwei Schritte entfernt gegenüber. „Waynard, dies ist unser Camp! Sie wollen doch nicht gegen unseren Willen ...“

„Haben Sie die Redstone-Caves etwa gepachtet oder gekauft?“, fragte Hank in grimmigem Spott. „Ich schätze, dieses Land ist freies Gebiet. Sie werden mir das Gegenteil erst beweisen müssen.“

„Zum Geier! Ich hätte Ihnen mehr Stolz zugetraut, Waynard!“, entgegnete Morrill beißend. „Wollen Sie sich wirklich so sehr aufdrängen — oder wollen Sie nur schnüffeln? Interessiert Sie unser Vorhaben vielleicht doch mehr, als Sie zugeben wollen?“ Seine Augen blitzten. Misstrauen und Feindseligkeit standen offen in sein Gesicht geschrieben.

Hank machte einen langen Schritt vorwärts und stand so dicht vor ihm, dass sich ihre Körper fast berührten. Der Scout war ein wenig größer als Morrill, dafür war der breiter gebaut und wirkte wie ein starrer Fels.

„Hören Sie gut zu, Morrill“, sagte Hank gefährlich leise. „Ich will Ihnen sagen, warum ich bleibe, bis es dunkel wird. Weil ich für den verwundeten Leutnant verantwortlich bin, klar? Nachts habe ich bessere Chancen, mit ihm ungehindert weiterzukommen. Das ist es! Und jetzt will ich nichts mehr hören! Denken Sie lieber darüber nach, wie närrisch es ist, nicht mit ins Fort zu kommen!“ Er drehte sich ab. Morrill packte ihn an der Schulter und riss ihn herum. Seine Lippen standen halb offen. Sein männlich hübsches Gesicht war leicht verzerrt.

„So können Sie mit mir nicht sprechen!“, keuchte er. „Sie kommen sich wohl mächtig groß und erfahren vor, was? Aber ich bin kein kleiner Junge mehr, Waynard! Ich werde ...“

„Machen Sie sich doch nicht lächerlich!“, sagte Hank schroff. „Vergessen Sie nicht, dass eine Lady anwesend ist!“

Aber gerade diese Worte gaben den Ausschlag!

Morrill ließ Hanks Schulter los und schmetterte ihm die Faust mit voller Wucht unters Kinn ...

Details

Seiten
128
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738932331
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v501427
Schlagworte
gier beute

Autor

Zurück

Titel: Gier nach heißer Beute