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Chaco #59: Die blutige Fährte der Todesengel

2019 120 Seiten

Zusammenfassung


Eigentlich ist Chaco auf dem Weg nach Canyon City, um Lou Partridge wiederzusehen, die Frau, die er liebt. Doch unterwegs trifft er auf zwei Frauen, die von mehreren Männern verfolgt werden. Eigentlich geht ihn die Geschichte nichts an, die von beiden Seiten unterschiedlich erzählt wird, doch dann kommt es in Canyon City zu einer schicksalhaften Begegnung, die dazu führt, dass Chaco eine heiße Spur verfolgt.

Leseprobe

Table of Contents

Die blutige Fährte der Todesengel

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Die Hauptpersonen des Romans:

1

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Die blutige Fährte der Todesengel

Chaco #59

Western von Joachim Honnef

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

Eigentlich ist Chaco auf dem Weg nach Canyon City, um Lou Partridge wiederzusehen, die Frau, die er liebt. Doch unterwegs trifft er auf zwei Frauen, die von mehreren Männern verfolgt werden. Eigentlich geht ihn die Geschichte nichts an, die von beiden Seiten unterschiedlich erzählt wird, doch dann kommt es in Canyon City zu einer schicksalhaften Begegnung, die dazu führt, dass Chaco eine heiße Spur verfolgt.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Tony Masero

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Chaco – Er weiß zunächst nicht, wer gefährlicher ist: die Banditen oder die Frauen, die ihnen Rache geschworen haben.

Liza Carnell – Die „Lady“ mit der rauchigen Stimme liebt Whisky und kann meisterhaft schießen.

Pat Carnell – Die Frau mit dem Madonnengesicht erweist sich als impulsiv und unberechenbar.

Lester Grant – Er gibt sich als Gentleman und stellt sich als Rancher aus Elk City vor.

 

1

Es war ein friedlicher Anblick.

Ein Campfeuer an einer Quelle in einer Felsmulde. Zwei Frauen. Die eine jung, die andere älter, fast wie Mutter und Tochter.

Die jüngere saß am Wasser, hatte sich offensichtlich gewaschen und kämmte ihr langes hellblondes Haar, auf dem der rötliche Schein der untergehenden Sonne funkelte.

Chacos Blick glitt von der schlanken blonden Frau zu der älteren. Sie saß am Feuer und rührte in einem Topf, der an einem Dreibein über dem Feuer hing. Dabei sang sie „Home on the Range“ vor sich hin.

Ein sanfter Wind trieb den verlockenden Duft von Fleisch und Bohnen zu den Felsen, zwischen denen Chaco den Morgan-Hengst gezügelt hatte, um zu dem Camp zu spähen.

Ein langer Ritt lag hinter Chaco, und er verspürte Hunger und Durst. Ein appetitliches Abendessen, serviert von den Ladies, ist genau das Richtige, dachte Chaco.

So friedlich das Bild auch war, Chaco blieb wachsam und misstrauisch. Ein Halbblut wie Chaco, ein Einzelgänger, der sich immer wieder aufs Neue in einer gnadenlosen Wildnis behaupten musste, hatte ein Gespür für mögliche Gefahren, eine Art sechsten Sinn.

Zwei Frauen allein?

Er hielt die Rechte auf dem Kolben seines Army-Colts und ließ seinen Blick durch das Camp gleiten.

Zwei Pferde waren am Rande der Mulde unter einem schützenden Felsvorsprung angebunden.

Die Frau am Feuer unterbrach ihr Lied und wandte den Kopf, um der anderen etwas zuzurufen. Chaco verstand nicht, was sie sagte, doch die jüngere warf den Kopf zurück, dass ihr langes blondes Haar flog, und lachte hell.

Chaco nahm die Hand vom Griff des Army-Colts, nachdem er sich noch einmal sichernd umgeblickt hatte.

Die Frauen schienen tatsächlich allein zu sein.

„Seltsam“, murmelte er und tätschelte den Hals des Hengstes. „Zwei Ladies, mutterseelenallein in der Wildnis. Entweder sind sie sehr mutig oder verrückt. Na, fragen wir sie mal.“

Der Morgan-Hengst schnaubte wie zustimmend.

Chaco trieb das Tier mit leichtem Schenkeldruck an.

„Stopp!“, sagte da eine Männerstimme seitlich von Chaco. „Oder du reitest mitten in die Hölle.“

Die Stimme klang gepresst und nervös, und Chaco hielt sofort an.

Ein nervöser Mann mit dem Finger am Abzug war gefährlich und unberechenbar. Er konnte leicht in Panik geraten und abdrücken, wenn etwas für ihn Unerwartetes geschah.

Er hatte nicht geschossen, sondern geredet. Das zeigte, dass er nicht auf Menschenjagd war. Wahrscheinlich gehörte er zu den beiden Frauen, hatte Wache gehalten, und es war nur verständlich, dass er einen fremden Reiter, der sich dem Camp näherte, mit einer Waffe im Anschlag begrüßte.

Warum ein Risiko eingehen und etwas versuchen?

Chaco stemmte die Hände aufs Sattelhorn und wandte langsam den Kopf.

Der Mann stand zwischen den Felsen.

Ein mittelgroßer, schlanker Mann in Levishosen und einem schwarzen Hemd. Er stand breitbeinig und angespannt da und hielt eine Winchester im Anschlag. Er trug einen Kreuzgurt mit zwei tief geschnallten Holstern, aus denen abgegriffene Griffe von Colts ragten.

„Wo kommst du her, wer hat dich geschickt, und was willst du?“ Die Stimme klang jetzt nicht mehr so aufgeregt, sondern etwas sicherer.

„Könnte ich dich auch fragen, mein Freund“, erwiderte Chaco ruhig.

„Aber ich hab zuerst gefragt.“ Die wässrig-blauen Augen des Mannes musterten das Halbblut abschätzend. „Und wir beide“, er ruckte mit dem Gewehrlauf, „wollen verdammt schnell ’ne Antwort!“

Chaco nickte. „Okay. Ich komme von Amarillo, hab mich selbst geschickt und hatte gerade vor, die beiden Ladies zu begrüßen.“

„Kann ich mir denken, du Hurensohn“, sagte der Mann grimmig. „Aber daraus wird nichts.“

Chaco zuckte mit den Schultern und lächelte verständnisvoll. „An der Quelle saß der Knabe, wie? Gut, dann will ich dir nicht ins Gehege kommen. Aber tu mir und dir einen Gefallen und nimm die Knarre weg. Ich kann es nicht leiden, wenn man mich mit einer Waffe bedroht.“

Seine Stimme klang beinahe sanft, doch in seinen Augen stand plötzlich ein kaltes Leuchten.

Der Mann mit der Winchester schien es nicht zu bemerken. Immer noch war seine Haltung angespannt. „Hat Grant dich beauftragt?“, fragte er lauernd.

„Meinst du den guten Ulysses Simpson Grant?“, fragte Chaco zurück.

„Ich meine den dreckigen Lester Grant“, sagte der Mann und starrte das Halbblut forschend an. Seine Haltung schien sich noch mehr zu spannen, und Chaco wusste, dass der Mann atemlos auf eine Reaktion wartete.

„Ich kenne weder einen dreckigen noch einen sauberen Lester Grant“, sagte Chaco gleichmütig.

Der Mann schien erleichtert zu sein. Er stieß die angestaute Luft aus und ließ die Winchester etwas sinken.

Doch das Misstrauen in seinen Augen blieb. „Du kommst also ganz zufällig hier vorbei?“

„So ist es, mein Freund.“

„Wohin willst du?“

„Du bist ziemlich neugierig.“

Chacos Miene war ausdruckslos, verriet nichts von seinen Gedanken. Er hatte sich inzwischen ein Bild von dem Mann gemacht. Er kannte die Sorte. Ein Mann vom schnellen Eisen.. Aber keiner von der ersten Garde. Noch jung, vielleicht Mitte zwanzig. Nicht kalt genug, zu unruhig und nervös. Kein Pokerface. Ein offenes Gesicht, nicht unsympathisch, doch etwas weichlich. Ein Gesicht, das Gedanken und Gefühle deutlich widerspiegelte. Er hatte sich nicht unter Kontrolle. Bei allem großspurigen Gehabe verriet er Unsicherheit, und bei der Frage nach Lester Grant war ihm sogar so etwas wie Furcht anzumerken gewesen.

„Antworte!“

Trotz des harten Tonfalls hörte Chaco wieder eine Spur von angespannter Nervosität heraus.

Chaco lächelte. „Wenn du’s unbedingt wissen willst: Ich bin auf dem Weg nach Canyon City. Will dort ’ne Freundin besuchen.“

Er hätte alles mögliche erfinden können, doch warum sollte er sich nicht an die Wahrheit halten? Er wollte tatsächlich in Canyon City eine Frau besuchen. Sie hieß Lou Partridge und war Sängerin. Seit zwei Monaten trat sie im größten Saloon von Canyon City auf.

Die Antwort schien den Mann zufriedenzustellen. Noch ein prüfender Blick, dann nickte er. „Okay, du kannst reiten. Hau ab!“

Chaco grinste ihn an. „Moment noch, mein großzügiger Freund. Auch ich bin ein neugieriger Mensch. Jetzt bist du mit den Auskünften an der Reihe. Was machst du hier, wer sind die Ladies, und wer ist Lester Grant?“

Die Miene des Mannes hellte sich etwas auf. „Deine Fragen verraten mir, dass du wirklich nichts mit Grant zu tun hast. Ich kann mich eben doch auf meine Menschenkenntnisse verlassen …“

Er sprach wie ein Blinder, der sich rühmte, Adleraugen zu besitzen. Mit seiner Menschenkenntnis konnte es nicht allzu weit her sein, denn er unterschätzte das Halbblut.

Chaco war kein Mann, der sich ungestraft mit einer Waffe bedrohen und als Hurensohn bezeichnen ließ.

„Ich arbeite für die Ladies“, sagte der Mann.

„Als Babysitter?“

Jetzt zeigten die weichlich anmutenden Lippen des Mannes die Andeutung eines Grinsens.

„Sagen wir besser als Ladysitter.“ Sofort wurde er wieder ernst.

„Und wer ist Lester Grant?“, fragte Chaco. „Ein enttäuschter Liebhaber?“

„Nein, ein Hundesohn, der …“ Er brach ab. „Das geht dich einen Dreck an. Mein Job ist es, für die Sicherheit der Ladies zu sorgen, und du siehst, ich tue was für mein Geld. Also scher dich davon und reite einen weiten Bogen um das Camp, damit die Ladies nicht von deinem Gestank belästigt werden.“

Er trat näher, mit dem Gewehr im Anschlag, und baute sich nur drei Schritte von dem Reiter entfernt am Rande des Trails auf, um das Halbblut beim Weiterritt beobachten zu können.

„Na los, worauf wartest du noch? Hau schon ab, oder …“

„Oder?“, fragte Chaco mit sanfter Stimme.

„Oder ich brenne dir eine Kugel in deinen lausigen Pelz.“

Das Maß war längst voll, doch Chaco lächelte.

Er zuckte scheinbar resigniert mit den Schultern und nahm die Zügel auf. Er sah aus den Augenwinkeln, wie der Mann sich entspannte.

Und er handelte blitzschnell.

Pferd und Reiter waren aufeinander eingespielt wie alte Kameraden. Während Chaco den Hengst antrieb, zog er schon die Füße aus den Steigbügeln und warf sich aus dem Sattel.

Der Ladysitter stieß einen überraschten Laut aus und riss die Winchester hoch. Doch im nächsten Augenblick rammte ihn schon das Pferd, das, von Chaco dirigiert, einen mächtigen Satz auf ihn zu gemacht hatte.

Chaco zog noch im Fallen seinen Army-Colt. Dann rollte er sich geschickt ab.

Der Ladysitter verlor die Balance. Der Morgan-Hengst, der ihn hart gestreift hatte, galoppierte noch ein paar Längen weiter und blieb dann stehen.

Das Tier drehte den Kopf, als ob es sich davon überzeugen wollte, dass es seinen Teil gut erledigt hatte und jetzt sein Herr den Rest übernahm.

Chaco riss den Hammer des Colts zurück.

Der Ladysitter sah durch den aufgewirbelten Staub in die Mündung der Waffe und erstarrte.

„Lass das Gewehr fallen!“, sagte Chaco, und diesmal klang seine Stimme hart.

Der Mann gehorchte.

Chaco erhob sich und trat auf ihn zu. Die Mündung seines schussbereiten Army-Colts zielte immer noch auf den am Boden Liegenden.

„Deine Eisen!“, befahl Chaco. „Langsam und vorsichtig.“

Der Ladysitter starrte zu dem großen Halbblut empor, und was er in dessen Augen las, warnte ihn.

Mit zwei Fingern zog er die Colts aus den Holstern des Kreuzgurtes. Es waren Remington-Revolver. Er ließ sie in den Staub fallen.

Chaco trat die Waffen mit der Stiefelspitze aus der Reichweite des Mannes, in dessen Augen plötzlich Furcht flackerte.

„Wie heißt du?“, fragte Chaco ruhig.

„John.“ Die Antwort kam hastig.

„Ein schöner Name für ein Stinktier“, sagte Chaco.

Er entspannte den Army-Colt und stieß ihn ins Leder zurück. Mit der Linken packte er John an der Hemdbrust und zog ihn hoch. Das schwarze Hemd war wohl schon alt und verwaschen, denn der Stoff riss, und ein paar Knöpfe sprangen ab.

Chaco schlug mit der geballten Rechten zu. Die Faust traf John am Kinn. Sein Kopf ruckte zurück, der Hut segelte davon.

John hatte dichtes schwarzes Haar.

Chaco packte mit der Linken den Haarschopf und hielt den zurücktaumelnden Mann fest. Mit der Rechten schlug er John links und rechts ins Gesicht.

„Ich sagte, ich kann es nicht leiden, mit einer Waffe bedroht zu werden. Das tun die meisten Leute nur einmal und nie wieder.“

John riss die Arme hoch, um sein Gesicht zu schützen, doch Chaco fand eine Lücke und hieb an Johns Unterarm vorbei. Seine Faust traf John auf den Mund. Die Oberlippe platzte.

Chaco ließ den Haarschopf des Mannes los. John taumelte zurück, ruderte haltsuchend mit den Armen und präsentierte Chaco das ungeschützte Kinn.

„Das ist für den Hurensohn“, sagte Chaco und schlug zu.

John landete hintenüber im Staub.

In diesem Augenblick krachte ein Schuss.

 

 

2

Die Kugel fetzte Chaco den Hut vom Kopf.

Das Halbblut verharrte mitten in der Bewegung.

Wer immer da gefeuert hatte, er war offensichtlich ein guter Schütze. Denn Chaco bezweifelte, dass es sich um einen Glückstreffer gehandelt hatte.

Auch John wirkte wie versteinert. Dann ging sein Blick an dem Halbblut vorbei, und er atmete auf.

„Nimm die Pfoten hoch, oder das nächste Blei sitzt tiefer. Nämlich genau in deiner Rübe!“

Eine rauchige Frauenstimme. Dialekt aus Kentucky.

Wieder knallte es, und eine Kugel pfiff so dicht an Chacos Ohr vorbei, dass er den Luftzug zu spüren glaubte.

Er hob die Hände.

Die Frau lachte. „Das war nur eine Kostprobe, Buddy. Damit du siehst, was Liza mit der Knarre kann. John!“

„Ja, Ma’am?“

„Steh auf, du Pfeife, und entwaffne den Kerl.“

John kaltes Grinsen erstarb. Die Bemerkung der Frau hatte anscheinend seinen Stolz verletzt. Hass funkelte in seinen Augen. Tödlicher Hass auf Chaco, der ihn vor den Augen seiner Auftraggeberin geschlagen hatte.

Er kroch zur Sicherheit noch ein Stück von dem Halbblut fort und rappelte sich dann auf, um zu seinen Waffen zu gehen. Er hob beide Remington-Revolver auf und schob sie in die Holster des Kreuzgurts. Er wischte sich mit dem Handrücken Blut aus dem Mundwinkel.

Dann nahm er die Pose eines Revolvermannes vor dem Kampf ein, suchte breitbeinig festen Stand, und spreizte die Hände vom Körper ab.

„Du Bastard!“, sagte er mit hasserfüllter Stimme. „Du hattest Glück, mich überrumpeln zu können. Aber dafür hast du jetzt das Pech, zur Hölle zu fahren. Los, zieh!“

„Stopp!“, rief die rauchige Frauenstimme. „Lass den Blödsinn, John. Du wirst noch gebraucht. Und Sie, Fremder, halten die Pfoten oben.“

„Noch niemand hat John Callahan mit den Colts besiegen können!“, begehrte John auf.

„Aber mit den Fäusten“, konterte die Frau. „Ich hab gesehen, wie er dir eine gelangt hat. Wenn ich nicht den Hufschlag gehört und gleich geschaltet hätte, wärst du jetzt für einige Zeit zu nichts zu gebrauchen. Also halt den Mund und tu, was ich dir sage.“

„Er hatte nur Glück, weil ich stolperte“, verteidigte sich John, und sein Gesicht verriet wieder sämtliche Gefühle, die ihn beherrschten: Zorn, Hass, gekränkte Eitelkeit. „Lassen Sie es mich mit dem Bastard ausschießen, Ma’am!“

„Ich sagte, du sollst ihn entwaffnen!“ Die Stimme der Frau klang jetzt schneidend. „Solange ich zahle, hast du zu gehorchen.“

John schien eine bissige Antwort auf der Zunge zu haben, doch dann presste er die Lippen aufeinander und sagte nichts.

Er zog den Colt aus dem linken Holster, spannte ihn und hielt ihn auf das Halbblut gerichtet. Er näherte sich Chaco im Bogen, um der Frau nicht in die Schusslinie zu geraten.

Er ging geschickt und vorsichtig vor, und Chaco hatte keinerlei Chance, den Mann mit einem Angriff zu überraschen.

Außerdem war da noch die Frau mit dem Gewehr.

John trat, nachdem er Chaco den Army-Colt abgenommen hatte, ein paar Schritte zur Seite.

„Die Lady hat dir Bastard das Leben gerettet“, sagte er grimmig.

„Oder dir“, konterte Chaco.

„Klopf keine Sprüche“, rief die rauchige Frauenstimme, „sondern dreh dich um! Ich sehe mir die Kerle immer von allen Seiten an.“

Sie kicherte.

Langsam wandte sich Chaco um.

Es war die ältere der beiden Frauen. Sie stand etwa zwanzig Yards entfernt zwischen zwei bizarren Felsklötzen. Die Winchester lag ruhig in ihrer Hand. Sie hielt sie im Hüftanschlag, und wenn sie aus dieser Position gefeuert hatte, dann musste sie wirklich gut mit der Waffe umgehen können.

Sie mochte an die Vierzig sein. Sie war vollschlank. Die Reithose und die rüschenbesetzte Bluse schienen unter ihren üppigen Formen fast zu platzen. Sie hatte braunes, welliges Haar, das zerzaust von ihrem Kopf abstand.

Ihr Gesicht mit großen, dunklen Augen und einem aufgeworfenen Mund war interessant und strahlte einen gewissen Reiz aus. Sie war sicher sehr attraktiv gewesen, bevor die Jahre und allzu vieles Essen und Trinken ihre Figur verändert hatten.

Die andere Frau, die Chaco im Camp gesehen hatte, die jüngere, tauchte jetzt zwischen den Felsen auf und starrte das Halbblut ebenso an.

„Alles in Ordnung, Liza?“, fragte sie atemlos mit heller Stimme.

„Na klar, Pat“, antwortete Liza.

Pat war das genaue Gegenstück zu Liza. Sie war halb so alt – Chaco schätzte sie auf zwanzig, einundzwanzig, und alles, was an Liza rund und prall war, wirkte bei ihr fast knabenhaft. Sie war groß, einen Kopf größer als Liza, langbeinig und sehr schlank.

Das schmale Gesicht mit sanft blickenden hellblauen Augen, einer kleinen Nase und feingeschwungenen Lippen hatte etwas Madonnenhaftes. Die langen strohblonden Haare fielen über ihre Schultern und reichten fast bis zum Ansatz ihres kleinen Busens, der sich unter der etwas zu weit fallenden Bluse nur erahnen ließ.

Sie trug ebenfalls eine knapp sitzende Reithose, doch ihr stand sie gut, während sie bei der üppigen Liza unvorteilhaft wirkte.

Eine Mischung aus beiden, und es käme eine atemberaubende Schönheit heraus, dachte Chaco. Aber so ist das im Leben: Was dem einen fehlt, hat der andere zu viel und umgekehrt.

Als Pat den Mund zum zweiten Mal aufmachte, verlor sich der Eindruck des Madonnenhaften schlagartig.

„Eh, das ist ja ’ne halbe Rothaut!“

„Ein dreckiger Bastard!“, rief John Callahan.

„John was ist mit dir?“, rief Pat. „Du blutest ja!“

„Der gute John hat von ihm eine auf die Schnauze gekriegt“, sagte Liza mit der rauchigen Stimme und lachte, dass ihre Bluse wogte.

„John“, sagte Chaco ruhig über die Schulter, „du bist doch kein Ladysitter.“ Er blickte von Liza zu Pat.

„Wieso?“, fragte John verdutzt.

„Erstens passen sie auf dich auf und nicht du auf sie, und zweitens sind es keine Ladies.“

„Aaah.“ Der wütende Ausruf kam von beiden gleichzeitig. Zornig funkelten sie ihn an.

„Soll ich ihn umlegen?“, fragte John Callahan begierig.

„Du bist immer so schnell, John“, sagte Liza tadelnd. „Du solltest uns auch einmal ein kleines Vorspiel gönnen. Okay, du kriegst deinen Kampf. Wir haben lange keine Abwechslung mehr gehabt.“ Sie warf Pat einen Seitenblick zu. „Was meinst du, Pat, traust du John zu, dass er mit diesem halben Indianer fertig wird?“

Sie legte es offensichtlich darauf an, ihren Leibwächter anzustacheln.

Pat maß Chaco noch einmal von oben bis unten und zurück. „Ich weiß nicht …“

„Aber ich“, sagte John wütend. „Ich werde euch beweisen, dass ich das schnellste Eisen von Oklahoma bin.“ Er ballte die Hände und öffnete sie wieder, als wolle er die Geschmeidigkeit seiner Muskeln prüfen.

„Von Oklahoma vielleicht.“ Liza schüttelte den Kopf. „Ich sagte es schon, wir brauchen dich noch. Du kannst deinen Kampf haben. Aber nur mit den Fäusten. Davon haben wir beide auch mehr, nicht wahr, Pat?“ Sie lachte. „Also, was ist, John? Tu etwas für dein Geld. Es ist dein Job, uns zu beschützen. Also, halt uns den Kerl vom Leib.“

Chaco grinste. „Und ich dachte schon, Sie wollten das Gegenteil.“

„Aaah“, wieder dieser Wutlaut beider Frauen wie aus einem Munde.

So verschieden sie auch aussahen, sie hatten anscheinend doch vieles gemeinsam. Beide blickten ihn wütend an. Und noch etwas lag in ihren Blicken: fiebrige Erwartung. Sie freuten sich auf ein Schauspiel. Entweder überschätzten sie ihren Leibwächter, oder sie unterschätzten das Halbblut.

Liza hatte etwas von dem kurzen Kampf vorher mitbekommen. Sie hätte gewarnt sein müssen.

„Ich freue mich schon, zuzusehen, wie John Sie auf die richtige Größe zurechtstutzt, Fremder“, sagte Liza. „Los, los, John. Schnall ab und zeig’s ihm, dass die Fetzen fliegen. Und keine Sorge, ich pass schon auf, dass nichts passiert. Wenn du ihn schlägst, geben wir dir fünf Dollar als Siegprämie. Und wenn nicht“, sie ruckte bedeutungsvoll mit dem Gewehr, „dann kriegt er …“

Der Rest ging im Peitschen eines Schusses unter.

Alle zuckten zusammen.

„Waffen weg!“, rief eine Männerstimme aus den Felsen von der anderen Seite des Trails. „Ihr habt keine Chance!“ Die Stimme klang hart, aber dennoch kultiviert.

„Grant!“, schrien Liza und Pat wie aus einem Munde.

John Callahans Hände stießen zu den Colts hinab. Er war mit den Waffen sicherlich besser als mit den Fäusten. Er zog glatt und wirklich sehr schnell, doch er hätte dem Mann mit der kultivierten Stimme glauben sollen.

Er hatte nicht den Hauch einer Chance.

Chaco ließ sich geistesgegenwärtig fallen, denn er stand, immer noch mit erhobenen Händen, in einer etwaigen Schusslinie.

Er sah, wie John Callahan herumfuhr und feuerte.

Fast gleichzeitig krachten Gewehre.

John Callahan brach, von mehreren Geschossen getroffen, zusammen. Wie ein Stoffpuppe wurde er zurückgeschleudert und fiel. Er starb lautlos.

Liza und Pat schrien auf.

Dann polterte Lizas Gewehr zu Boden.

Einen Augenblick lang herrschte Totenstille.

Schließlich waren Schritte zwischen den Felsen zu hören. Männer tauchten auf.

„So sieht man sich wieder“, sagte der Mann mit der kultivierten Stimme. „Hallo, Liza, du Flintenweib!“

 

 

3

Mit Lester Grant waren es sechs Männer.

Lester Grant war Ende vierzig, groß und von untersetzter Statur. Im Gegensatz zu den anderen, die wie Weidereiter gekleidet waren, trug er den Anzug eines Städters, grau, gut geschnitten. Dazu einen fast neuen Stetson, eine dunkelrote Weste, ein graues Hemd und hochhackige Stiefel.

Lester Grant wirkte sehr gepflegt. Sein schwarzer Bart war gestutzt, die bis zum Mundwinkel reichenden Koteletten sorgsam ausrasiert.

Er hatte ein rundliches Gesicht mit einer breiten Nase, dünnen Lippen und traurig blickenden braunen Augen.

Hundeaugen, dachte Chaco.

Der Mann strahlte Gelassenheit und Selbstsicherheit aus. Chaco konnte keine Waffe bei ihm entdecken. Lester Grant verließ sich anscheinend ganz auf seine Leute.

Die Männer machten den Eindruck eines eingespielten Teams. Lester Grant brauchte ihnen keine Anweisungen zu geben. Zwei der Männer hielten die Frauen in Schach, zwei andere richteten ihre Gewehre auf das Halbblut, der fünfte sammelte die Waffen ein. Auch Chacos Army Colt.

Chaco hatte sich aufgerichtet und den Staub abgeklopft. Er ging zu seinem Hut und hob ihn auf. Er betrachtete das Ein- und Ausschussloch von Lizas Kugel, dann setzte er den Hut auf.

Lester Grant hatte das Halbblut mit einem abschätzenden Blick betrachtet, jetzt lächelte er und trat ein paar Schritte näher.

„Entschuldigen Sie, Mister, dass Sie zufällig hier Zeuge einer unangenehmen Angelegenheit wurden. Ich hörte, dass Sie nichts mit diesen beiden Weibern zu schaffen haben …“

„Lester, du verdammter Drecksack!“, kreischte Liza.

Der gutmütige Ausdruck verschwand schlagartig aus Grants Gesicht. Ein harter Zug kerbte sich um seinen Mund, und plötzlich schimmerte es kalt in den braunen Augen. „Du hältst den Mund, Liza. Wir unterhalten uns gleich. Dann kannst du schreien. Und wie.“ Sein Tonfall war drohend geworden.

Sein Blick kehrte wieder zu dem Halbblut zurück, und er lächelte von Neuem.

„Ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig, Mister. Darf ich bitte Ihren Namen wissen?“

„Chaco Gates.“

„Mister Gates, meinen Namen haben Sie ja schon gehört. Lester Grant. Ich bin Rancher und komme aus Elk City, Oklahoma“

„Rancher?“, kreischte Pat. „Verdammter Mörder!“

Lester Grant reagierte unglaublich gelassen auf diese Anschuldigung. Er wandte sich um und sagte mit beherrschter Stimme: „Mrs. Carnell, ich bin ein geduldiger Mensch. Deshalb lasse ich Ihnen das durchgehen. Ich kann Sie sogar irgendwie verstehen, schließlich haben Sie Ihren Mann unter tragischen Umständen verloren …“

„Tragische Umstände? Sie haben ihn abgeknallt!“

„Mrs. Carnell“, fuhr Lester Grant geduldig fort, „wie es zum Tod Ihres Mannes kam, wissen Sie, ich und wir alle – das heißt mit Ausnahme dieses Fremden. Sie kennen den Richterspruch, und Sie werden sich damit abfinden müssen. Deshalb bitte ich Sie in aller Form, nicht noch einmal solche haltlosen Beschuldigungen zu erheben. Außerdem sagte ich bereits, Sie sollen den Mund halten. Wir unterhalten uns gleich in aller Ruhe. Wir wollen doch Mister Gates nicht mit unseren Problemen langweilen, oder?“

Liza öffnete den Mund zu einer Erwiderung, doch dann presste sie die vollen Lippen aufeinander.

Stattdessen sagte Pat Carnell: „Der Bastard kann uns auch nicht helfen, Liza.“ Es klang resigniert.

Lester Grant schüttelte missbilligend den Kopf. Er blickte Chaco wieder an. „So sind die beiden. Unverschämt, rachsüchtig und gierig. Aber ich wollte Ihnen doch eine Erklärung geben. Die beiden Ladies“, er gab dem Wort eine spöttische Betonung, „haben mich bestohlen …“

Chaco erwartete einen Widerspruch der Frauen, doch beide schwiegen.

Ein stilles Eingeständnis.

„… und ich habe den weiten Weg mit meinen Reitern auf mich nehmen müssen, um mir mein Eigentum zurückzuholen.“ Er warf einen Blick zu John Callahans Leiche und sagte bedauernd: „Der könnte noch leben, wenn er nicht so dumm gewesen wäre, auf mich zu schießen. Sie haben gehört, dass ich ihn gewarnt hatte. Warum konnte er nicht so vernünftig sein wie Sie?“ Er gab gleich die Antwort. „Weil er kein Außenstehender ist wie Sie. Die beiden Frauen haben ihn angeheuert, seine Eisen gemietet. Er ist ihr Komplize geworden.“

Chaco stand entspannt und ruhig da. Seine Miene war ausdruckslos.

Lester Grant blickte Chaco forschend an. „Wir haben gehört, dass Sie nur zufällig hier sind, und ich bedaure sehr, dass Sie in die Sache verwickelt wurden. Noch einmal, diese beiden Ladies“, wieder der spöttische Unterton, „haben mich bestohlen, und ich will mir zurückholen, was mir gehört. Einzelheiten dürften Sie wohl nicht interessieren.“

Wieder kein Wort von den Frauen.

Für Chaco war der Fall klar.

Nach allem, was er gehört und gesehen hatte, schien Lester Grant im Recht zu sein.

Was ging ihn die Sache an?

Das Halbblut war kein Mann, der sich in anderer Leute Angelegenheiten mischte. Und das Verhalten der Frauen ihm gegenüber war nicht dazu angetan, Sympathien für sie zu empfinden.

„Okay, dann will ich mal weiter“, sagte Chaco. Er schritt auf den Mann zu, der seinen Colt an sich genommen hatte, streckte die Hand aus und sagte ruhig: „Gib mir meinen Army-Colt zurück, mein Freund.“

Es war ein junger Bursche mit einem schmalen Gesicht. Er hatte eine Messernarbe an der Wange. Die hagere Gestalt spannte sich. Er warf einen fragenden Blick aus tiefliegenden, schwarzen Augen an dem Halbblut vorbei zu Lester Grant, wobei seine Rechte griffbereit über dem Kolben seines eigenen Colts schwebte.

Er hatte Hände mit langen, schmalen Fingern. Gepflegte Finger ohne Lassonarben und Schwielen. Das ist kein Cowboy, dachte Chaco, und zum ersten Mal stiegen Zweifel in ihm auf, ob es richtig war, sich aus allem herauszuhalten.

Aber was konnte er auch tun?

Weiterhin waren Gewehre auf ihn gerichtet.

„Gib Mister Gates seine Waffe, Joe.“ Lester Grants Stimme verriet eine Spur von Ungeduld. „Dann kann er reiten, und wir können endlich zur Sache kommen.“

Joe zögerte nur kurz, dann zuckte er mit den Schultern und reichte Chaco widerwillig den Army-Colt.

Chaco steckte den Colt ins Holster.

„Mister!“, rief Liza in flehendem Tonfall.

Chaco blickte zu den Frauen. Beiden stand jetzt die Angst im Gesicht. Lizas dunkle Augen schienen ihm eine stumme Botschaft übermitteln zu wollen. Pats Madonnengesicht war blass.

„Ja, Ma’am?“

„Es tut mir leid, das von vorhin. Es war nicht so gemeint.“

Chaco nickte langsam. „In Ordnung. Ich bin nicht nachtragend.“

„Bleiben Sie!“, sprudelte Liza hervor. „Bitte! Lassen Sie uns nicht von diesen Dreckskerlen …“

Lester Grant unterbrach sie hart. „Halt’s Maul, Liza. Du hast gehört, dass dieser Fremde sich heraushält. Warum sollte er sich unnötig Ärger einhandeln? Warum sollte es ihm so gehen wie dem da?“ Er zeigte mit dem Daumen zu John Callahans regloser Gestalt. Fliegen, vom Blut angelockt, krabbelten über die Leiche.

Dann blickte Grant zu Chaco, und diesmal wirkte seine Miene nicht mehr gutmütig. In seinen braunen Augen tanzten Funken.

Seine Worte waren eine Drohung gewesen, und Chacos Entscheidung war gefallen. So einfach wollte er es Lester Grant und seinen Reitern nicht machen. Selbst, wenn er das Recht auf seiner Seite hatte – er war kein Richter. Was immer die beiden Frauen auch ausgefressen haben mochten, sie hatten zumindest einen Anspruch auf einen fairen Prozess.

Aber wie sollten sie hier in der Wildnis einen Richter finden? Die nächste Stadt war weit. Und Lester Grant war offensichtlich ein Mann, der das Gesetz in eigene Hände nahm.

Chacos Miene verriet nichts von seinen Gedanken. Er zuckte mit den Schultern und sagte zu Grant: „Warum sollte ich mir wohl Ärger einhandeln?“

„Sehen Sie, ich wusste, dass Sie vernünftig sind.“ Grants Worte klangen selbstgefällig.

Chaco grinste ihn an. „Sie werden den Ladies doch nichts tun?“

Grant zögerte mit der Antwort. Dann grinste auch er und zwinkerte dem Halbblut zu. „Nicht das, was Sie vielleicht denken.“

„Bitte, Mister …“, rief Liza von Neuem.

„Es hat doch keinen Sinn, Liza“, warf Pat mutlos ein.

Doch Liza versuchte es weiter. „Gehen Sie nur zu unserem Camp. Pat hat das Essen schon zubereitet. Wenn es inzwischen nicht angebrannt ist, dürfen Sie sich bedienen. Bitte …“

Sie wollte, dass er in der Nähe blieb. Vielleicht erhoffte sie sich von ihm Hilfe, falls Lester Grant doch gewalttätig werden würde.

„Danke, Ma’am“, sagte Chaco. „Vorhin hatte ich Appetit, aber jetzt ist er mir vergangen.“

Lester Grant lachte. „Kann ich mir denken.“

„Dann hau doch ab!“, rief Pat zornig. Sie war jünger und impulsiver als Liza, die sicherlich schon manche Erfahrung hinter sich hatte.

Chaco grinste. „Genau das habe ich vor.“

Er warf Lester Grant noch einen Blick zu, dann ging er davon zu seinem Pferd.

Lester Grant blickte ihm mit einem selbstzufriedenen Lächeln nach.

Einen Augenblick lang waren nur Chacos Schritte zu hören. Dann wandte Grant sich wieder den Frauen zu, und sein Lächeln erstarb.

„Und nun zu euch“, sagte er hart. „Wo ist es? Kein langes Palaver. Rückt es freiwillig raus, oder es wird schlimm für euch.“

Chaco erreichte den Hengst und schwang sich in den Sattel.

„Wir – wir haben sie nicht mehr“, hörte er Liza antworten. „Du hast Pech gehabt.“

Chaco blickte scheinbar gelangweilt zurück. Lester Grant schritt auf die Frauen zu.

„Ich spreche nicht von eurer Unschuld“, sagte Grant spöttisch. „Ihr wisst, wovon die Rede ist. Also, wo ist es?“

Chaco nahm die Zügel auf und ritt an.

Liza begann wild zu fluchen. Ein Maultiertreiber hätte seine helle Freude daran gehabt. Pat stand ihr in diesem Punkt in nichts nach. Auch sie beschimpfte Lester Grant in allen Tonlagen.

Chaco schaute noch einmal über die Schulter zurück.

Die Sicht auf Grant und das Geschehen war jetzt von einem Felsen verdeckt. Zwei von Lester Grants Männern blickten dem Halbblut nach, als wollten sie sich davon überzeugen, dass es auch wirklich verschwand.

Ein klatschendes Geräusch, ein unterdrückter Aufschrei.

Ein heftiges Wortgefecht, von dem Chaco nur noch Bruchstücke mitbekam. Wieder ein Klatschen wie von einer Ohrfeige. Ein schriller Schrei, der Stimmlage nach von Pat, dann wurde es still.

Chaco überlegte, was die beiden Frauen gestohlen haben mochten. Ob sie Grants Safe ausgeräumt hatten?

Zuzutrauen wäre es ihnen, dachte er.

Es musste sich jedenfalls um etwas Wertvolles handeln, denn sonst hätte der Rancher kaum den weiten Weg von Elk City auf sich genommen, und die Frauen hätten wohl kaum einen Revolvermann zu ihrem Schutz angeheuert. Sie hatten anscheinend mit einer Verfolgung gerechnet. Das war aus John Callahans Worten hervorgegangen.

Chaco war entschlossen, sich Klarheit zu verschaffen.

Er ritt in versammeltem Galopp weiter, bis er außer Sicht- und Hörweite war. Dann orientierte er sich kurz und bog vom Trail ab.

Ein paar Minuten später ließ er sein Pferd zurück, zog die Winchester aus dem Sattelschuh und schlich lautlos etwa zweihundert Yards parallel zum Trail zurück.

Bald darauf konnte er Stimmen hören. Vorsichtig schlich er weiter, bis er deutlich verstehen konnte, was gesprochen wurde. Er lauschte mit angehaltenem Atem hinter einem Felsen.

Ein Peitschenknall, ein wimmernder Laut.

Dann Lizas Aufschrei: „Es ist in den Satteltaschen! Hört auf!“

Ein schluchzender Laut, dann herrschte Stille.

Schließlich sagte Lester Grant mit schwerer Stimme: „Seht nach!“

Schritte entfernten sich. Zwei Männer liefen zu den Pferden im Camp.

Chaco wartete gespannt.

„Ich habe mich in dir getäuscht“, ertönte wieder Lester Grants Stimme. „Verdammt getäuscht, Liza. Ich dachte tatsächlich, wir beide …“ Er brach ab. „Ach was“, fügte er ärgerlich hinzu. „Ich war ein Narr. Wie konnte ich nur so blind sein. Du bist nichts als eine schlampige, fette, verkommene Kuh!“

„Aaah!“ Diesmal schrie nur Liza zornig auf. „Hätte ich doch nur eine Waffe!“

„Es ist da!“, rief eine Männerstimme vom Camp her.

„Alles?“, fragte Grant angespannt. Eine kurze Pause, dann: „Verdammt, nein!“

„Hast du genau nachgesehen?“

„Verdammt, ja!“

Stille folgte.

Details

Seiten
120
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931532
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (August)
Schlagworte
chaco fährte todesengel

Autor

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Titel: Chaco #59: Die blutige Fährte der Todesengel