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Wer zuletzt mordet…

©2019 208 Seiten

Zusammenfassung


Können Sie sich Mac Dolan als Bandenführer vorstellen? Mac findet ausgerechnet auf der Toilette einen Mann. Und der hat im Herzen ein Messer sitzen, das Opfer eines Bandenkriegs, wie sich herausstellt. Mac Dolan wählt eine sehr gefährliche Methode, um den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Er will die eine Bande mit Hilfe der anderen besiegen. Dolans Rechnung geht nicht auf. Statt die fremde Bande zu besiegen, wird seine eigene Mannschaft aus der Wäsche gestoßen, aber schon kräftig.
Mac Dolan gibt selbst in der extremsten Situation nicht auf. Die Abenteuer, die er als Sam Underwood in Boston erlebt, sind hart und spannend und manchmal mit Humor gewürzt. Wird es ihm gelingen, seinen Auftrag doch noch auszuführen?

Leseprobe

Table of Contents

Wer zuletzt mordet…

Copyright

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Wer zuletzt mordet…

Krimi von Theodor Horschelt

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 207 Taschenbuchseiten.

 

Können Sie sich Mac Dolan als Bandenführer vorstellen? Mac findet ausgerechnet auf der Toilette einen Mann. Und der hat im Herzen ein Messer sitzen, das Opfer eines Bandenkriegs, wie sich herausstellt. Mac Dolan wählt eine sehr gefährliche Methode, um den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Er will die eine Bande mit Hilfe der anderen besiegen. Dolans Rechnung geht nicht auf. Statt die fremde Bande zu besiegen, wird seine eigene Mannschaft aus der Wäsche gestoßen, aber schon kräftig.

Mac Dolan gibt selbst in der extremsten Situation nicht auf. Die Abenteuer, die er als Sam Underwood in Boston erlebt, sind hart und spannend und manchmal mit Humor gewürzt. Wird es ihm gelingen, seinen Auftrag doch noch auszuführen?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Mac Dolan schlich träge durch die Chiquita-Bar.

Das Bar-Trio intonierte den Chihuahua-Rag; ein einsamer Mann bohrte versonnen in der Nase.

Maßlos trauriger Laden, dachte Mac. Solche Dinger kenn’ ich bis zum Erbrechen. Mal sehen, ob ich Monje treffe. Und wenn, ob er was rausgefummelt hat.

Er trat einer Dame versehentlich auf die Schleppe des Abendkleides. Ihr Verehrer wollte sich aufregen. Mac trat ihm – ebenfalls versehentlich – auf die Hühneraugen, da wurde ein schauerliches Gebrüll draus.

„Wie man sich bettet, so schallt es heraus!“, sagte der hünenhafte FBI-Agent höflich.

An der rechten Ecke der Theke saß ein eleganter Scheich von vielleicht fünfundzwanzig und spießte die Bardame mit seinen Blicken auf. Als Mac vorbeiging, drehte er sich langsam um. Der Mann war vollgetankt wie ein Düsenjäger-Stützpunkt in der Arktis und nahm fortgesetzt übel.

Er maß Mac mit einem Blick. „He, du, Herr Kamerad!“

Mac wandte sich um.

Der Scheich lachte meckernd. „He du, dein Gesicht passt mir nicht, schau, dass du dich moppelst. Sonst muss ich dich mit dem Sessellift aus dem Anzug heben.“

Dolan sagte ihm kurz und kalt, was er ihn könne, und wandte sich zum Weiterschlendern. Als er sich wieder vom Parkett erhob, wackelten seine Zähne. Der Scheich hatte ihn heimtückisch am Boden zerstört.

Mac stand sofort in einem Kreis von Gaffern, denen jede Sensation recht war, die nicht auf eigene Kosten ging.

„Würd’ ich mir nicht gefallen lassen!“, murmelte eine mittelalterliche Dame, deren Kleid im Sinne des Lastenausgleichs oben zu wenig hatte, was unten zu viel war.

Dolan machte ihr eine Verbeugung. „Tu ich auch nicht, gnädige Frau!“

Er wandte sich ruhig wieder um und wischte dem Scheich eine, dass der nach hinten aus sämtlichen Pantinen kippte und mit dem Hinterkopf aus drei grundsoliden Barhockern Kleinholz machte.

Ehe die Rausschmeißer des Nachtklubs eingreifen konnten, war die schönste Holzerei im Gange. Dolan kochte den jungen Mann streng steril ab, der hinwiederum versuchte unablässig, Dolans Zahnarzt zu einem einträglichen Sonderverdienst zu verhelfen. Am Ende versetzte der FBI-Agent dem Burschen einen Kinnhaken, der 102,95 Dollars vernichtete (wie später auf der Rechnung zu lesen stand), weil der Geschlagene sein wackliges Haupt ausgerechnet auf echte englische Schnäpse in Flaschen gebettet hatte. Leider war Macs Schwung aus der Hüfte etwas zu kräftig gewesen. Er gewann das Gleichgewicht nicht zurück, stürzte mit dem Kinn in das Barhocker-Kleinholz (siehe oben) und verschwand für einige Zeit im Land des Lächelns.

Inzwischen tauchte der Geschäftsführer des teuren Lokals auf und rang seelisch und körperlich die Hände. Hinter ihm standen drohend drei Männer, die man unter Anlegung eines großherzigen Maßstabes gerade noch als Menschen bezeichnen konnte, wenn man wollte.

„Was ist hier los?“, fragte der Geschäftsführer schwach.

„Wenn Sie das noch nicht gemerkt haben, dann sind Sie für Ihren Posten völlig ungeeignet!“, konterte der Scheich, der mit Mac Streit gesucht hatte. „Ich habe festgestellt, dass dieser Herr hier ein toller Hecht ist, und ich lasse ihn jetzt auf meine Kosten schwimmen!“

Nun hielt es auch Mac für nötig, ein schwaches Lebenszeichen von sich zu geben. Er erhob sich etwas taumelnd und klopfte dem Geschäftsführer auf die Schulter. „Linksum – marsch! Machen Sie über die zerdepperten Klopse ’ne Rechnung fertig. Onkel Otto bezahlt alles!“

Über die Frage, wer wen zahlen lassen dürfe, wäre es beinahe zu einer revidierten Neuauflage der Holzerei gekommen, aber die Herren einigten sich dahingehend, den Schaden, Fifty-fifty zu tragen.

Sie ließen sich lärmend an der Theke nieder und bestellten Gift in Flaschen. Außer dem Mixer wagte sich niemand in die Nähe. Die beiden hätten ja wieder bissig werden können.

Nach außen hin begann Mac mit dem Unbekannten ein besoffenes Gespräch, in Wirklichkeit sagte er kalt: „Haben Sie gut gemacht, Monje! Aus Ihnen kann noch was werden. Wie weit sind Sie gekommen?“

Der andere FBI-Agent, der schon vorher in der Bar gewesen war und unter keinen Umständen mit Mac Dolan in Verbindung gebracht werden sollte, rapportierte knapp: „Unser Chef hat uns völlig richtig ins Bild gesetzt, Officer. Der Bostoner Hafen ist wirklich ein Ableger des New Yorkers geworden. Hier ist der Teufel los: Schmuggel, Rauschgift, Falschgeld, Mord. Dazwischen manchmal Mädchenhandel. Niemand schreitet dagegen ein. Wenn jemand mit einem Messer im Rücken früh aufwacht, kommt er unauffällig ins Schauhaus und dann Schwamm drüber.“

„Die Polizei …“

„… hat den besten Willen, kommt aber einfach nicht durch. Wenn vor zweitausend Augen einer abgenabelt wird, dann gibt es hinterher keine Zeugen. Sie verstehen!“

„Ich verstehe. Nackter Terror. Was macht die Hafenarbeitergewerkschaft?“

„Mit ihren Schützlingen und damit ihrer Kasse macht keiner was. Und wenn doch jemand gegen den Strom schwimmt, dann verdampft er in alle Ewigkeit. Sie verstehen!“

Dolan verstand erneut. „Mit einem Wort, wir haben jetzt glücklich in Boston Zustände wie im New Yorker Hafen. Sind die Polizeibehörden dicht?“

Monje zuckte die Achseln. „Die eigentliche Stadtpolizei mischt sich nicht ein. Die Hafenpolizei steht unter der Leitung von Major Corble. Der soll sehr tüchtig sein. Aber Berge versetzen kann er auch nicht. Und niemanden überführen, für dessen Tat es keine Zeugen und kein Geständnis gibt. Und setzt er mal jemanden fest, dann findet sich ein guter Opa und stellt Kaution in jeder beliebigen Höhe. Ich glaube, wenn wir hier weitergekommen sind, dann sind wir sanatoriumsreif. – Wollen Sie mit der regulären Polizei zusammenarbeiten.?“

„Um Gottes willen, nein. Das ist streng verboten. In der Hafenpolizei, ist bestimmt wenigstens ein Beamter, der auf sämtlichen Schultern trägt. Würden wir die Polizei mit reinziehen, dann könnten wir gleich ne Anzeige im Boston Dispatch aufziehen und das Eintreffen des FBI-Spezialagenten Mac Dolan melden lassen.“

„Also müssen wir allein weiterkommen?“

„Das walte Hugo!“

„Hoffentlich waltet er wirklich!“

„Sie sind also keinen Schritt weitergekommen, Monje. Nein, fahren Sie nicht auf, das ist kein Vorwurf. Vermutlich werde ich nicht mehr erreichen als Sie. Haben Sie wenigstens von Bert Davies was gehört oder erfahren, der vor vier Wochen hier verschwunden ist?“

Monje klatschte sich kichernd vor die Stirn. Das gehörte zu seiner Rolle. „Großer Gott, das hätte ich bald vergessen. Nein, ich habe von Davies noch nichts gehört. Aber ich soll mich um zweiundzwanzig Uhr zehn mit ner Dame treffen …“

„Jetzt ist es zweiundzwanzig Uhr neun. Eilen Sie! Damen lässt man nicht warten!“

„Heißen Dank für die Belehrung, Dolan!“

Mac fuhr auf. „Sind Sie toll geworden? Ich kenne keinen Dolan, ich heiße SAM UNDERWOOD, und damit basta!“

„Werd mir’s merken, Mr. Underwood!“

„Well, wie heißt die Frau, mit der Sie sich jetzt treffen?“

„Baby Phipps!“

„Schon mal gesehen?“

„Nein!“

„Aber sie weiß was über Davies?“

„Vermutlich.“

„Wie kennengelernt?“

„Das ist eine lange Geschichte. Erzähl ich Ihnen später. Ich muss jetzt eilen!“

Monje, der so vorzüglich getarnte FBI-Agent, zu dessen Unterstützung Dolan nach Boston gekommen war, entfernte sich.

Mac alias Sam Underwood blieb nachdenklich an der Theke sitzen.

Boston hat runde achthunderttausend Einwohner, dachte Mac unbehaglich, und eine alte Tradition. Wie können hier nur New Yorker Verhältnisse eingerissen sein? Himmel, ich muss alles tun, um den New Yorker Zirkus hier nicht in zweiter Auflage zu erleben. Meine Vorgesetzten in Washington haben auch nen Knall. In Boston fängt’s an zu stinken, da schicken sie einen Mann hin, Davies, Der ist plötzlich weg. Dann wird der eifrige, aber unerfahrene Monje zugesetzt, und zum Schluss soll Dolan die Suppe auslöffeln. Verdammt, hier muss ein ganzes Kommando her.

„So versonnen?“, fragte eine verhangene Stimme. Mac sah auf. Er sah eine guterhaltene Frau von vierzig Jahren hinter der Theke. Sie hatte schwarze Haare und war einstmals sicher flott gewesen.

Die Frau trug ein trägerloses Abendkleid. Ansonsten hatte sie intelligente, etwas harte Gesichtszüge.

Eine Bardame, die nicht hart ist, kann sich gleich nen Grabstein auf Raten kaufen, dachte Mac.

„Schenk dir einen auf meine Rechnung ein!“, sagte er. „Und mir auch einen. Und dann erzähl mir ne schöne Geschichte. Von der Millionärstochter, die durch den verruchten Sekretär ihres Vaters in Schande gekommen ist und jetzt als Sherry-Brandy-Maus ihr Dasein fristet, obwohl sie zu Höherem geboren ist!“

„Ich heiße Muriel“, erwiderte die Frau höflich. „Mein Vater war Bankprokurist. Ich bin zur Aushilfe hier, gewissermaßen zum Spaß. Ich lebe von einem kleinen Vermögen. Als Bardame fungiere ich einmal in der Woche. Ich schriftstellere. Ich sammle hier nur Eindrücke für mein neues Buch!“

„So ist das also! Wie viele Bücher aus Ihrer Feder sind denn schon erschienen?“

Auf Muriels Stirn erschien ein Schatten. „Noch keines. Wissen Sie, die Leute kaufen heute lieber Schmutz und Schund.“

Dolan lachte. „Sie sagen es. Bücher, die gekauft werden und Auflagen erreichen, sind Schmutz und Schund; Manuskripte, die kein Verleger bringen will, Marksteine der Kultur und echte Kunst!“

Muriel nickte eifrig. Sie merkte nicht, dass sie am Bein gezogen wurde.

„Ich komme gleich wieder!“, sagte Mac. „Im Übrigen – Sam Underwood, mein Name. Warten Sie hier auf mich, wir müssen unbedingt noch plaudern!“

Im Abgehen beugte sich Muriel vor. Ihr Hals erschien im hellen Licht. Er hatte eine blassrosa Narbe unterm Kehlkopf. Schönheitsoperation.

Man hat sie geliftet, dachte Mac schadenfroh. Man hat sie so geliftet, dass ihr jedes Mal die Knie schlackern, wenn sie die Augenbrauen hebt.

Mac suchte die Toilette auf, was ja auch mal sein muss.

Die Herrentoilette der Chiquita-Bar war eine traurige Sache. Der Toilettenmann schlief den Schlaf des Gerechten. Er war so alt, er hatte vermutlich schon unter dem alten Attila in der Schlacht auf den: Katalaunischen Feldern gedient.

Mac rüttelte den Mann etwas. Der öffnete den Mund und röchelte wie eine schlecht reparierte Turmuhr. Seine Alkoholfahne hatte sicher viel Geld gekostet.

Dolan gab seine Bemühungen auf. Er wandte sich um. Aus einer der Kabinen sickerte eine dunkle Flüssigkeit raus.

Der FBI-Agent riss die Tür auf. Auf der Klobrille saß völlig angekleidet Monje und starrte Mac aus weit aufgerissenen Augen an.

Sein Date mit Baby Phipps hatte ihm nicht zum Segen gereicht. In seiner Brust steckte ein Küchenmesser. Er war tot.

Mac schloss blitzschnell die Türe hinter sich zu. Dann streifte er feine Seidenhandschuhe über und unterzog die Leiche seines jungen Kameraden einer eingehenden Untersuchung. Sein Herz war in diesem Augenblick so hart wie bester Kanonenstahl. Eines Tages würde er den Mörder Monjes überführen. Bis dahin sollte ihm jedes Mittel recht sein.

Monje besaß Brieftasche, Pistole, Geld und FBI-Ausweis. Man hatte den Toten nicht beraubt, also darauf verzichtet, einen Raubmord vorzutäuschen oder die Beamteneigenschaft des Toten zu vertuschen.

Der FBI-Agent wandte sich erschüttert ab. Hier hatte er nichts mehr zu suchen. Er musste sich von seinem toten Kameraden distanzieren, um keinen Ärger mit der Polizei zu haben. Er hatte nur seinen Auftrag auszuführen. Private Gefühle hatten hier keinen Platz.

Der wackere Toiletten-Besorger schlief immer noch.

Mac wischte nach draußen. Im Gang wartete Muriel. Sie winkte ihm neckisch zu.

„Wie komme ich zu Baby Phipps?“, fragte Mac.

Die immer noch schöne Frau lachte ausdruckslos und zündete sich eine süßliche Zigarette an. Marihuana, dachte Mac. Kleiner Fisch. Was kümmert mich der Endverbraucher. Wichtig ist nur der Drahtzieher.

Muriel tat einen tiefen Zug. „Baby Phipps? Nie gehört! Im Übrigen würden Sie gut daran tun, sich an mich zu halten. Wer Muriel Easter kennt, braucht keine Baby Phipps!“

Mac drang in die tiefsten Geheimnisse der legitimierten Lasterhöhle ein. Er sprach mit Zigarettenmädchen, mit Garderobenfrauen, die unter der Last des Kampfes seufzten, mit Kellnern, Mixern und Musikanten. Drei oder vier Leute hatten schon mal von einer Baby Phipps was gehört, konnten sich aber gar nichts darunter vorstellen; die anderen standen Macs Frage völlig verständnislos gegenüber.

Gegen dreiundzwanzig Uhr dreißig entstand im Gang ein aufgeregtes Raunen. Einige hysterische Frauen schrien rein auf Verdacht gellend.

Man hatte offensichtlich die Leiche Monjes gefunden.

Mac hielt es für geraten, Leine zu ziehen.

Er trat auf die Summer Street hinaus und ging zu einem Taxiplatz. Aus der Einmündung Broadway raste plötzlich ein schwerer Wagen in irrsinnigem Tempo heran und nahm die Kurve ohne Rücksicht auf Verluste. Mac erkannte die Gefahr im letzten Augenblick. Er machte einen varietéreifen Luftsprung, denn er lebte trotz allem auch ganz gem.

Der Fahrer des Wagens gab sich Mühe, ihn doch noch zu killen. Mac fühlte einen eisigen Luftzug im Rücken und fürchtete, jeden Augenblick seine eigenen Knochen krachen zu hören.

Aber seine Stunde war noch nicht gekommen. Der Wagen raste weiter.

Unter normalen Umständen hätte Mac seine Pistole gezogen und ein Brillantfeuerwerk veranstaltet. Da er aber im Geheimen arbeiten musste, konnte er sich beherrschen.

Er schritt zu einer Taxe, die gerade frei war, und stieg nonchalant ein.

„Fahren Sie mich zur Chelsea Street“, sagte er dem Fahrer. „Ich wohne im Belmont Plaza!“

Der Fahrer, der den Vorfall mitangesehen hatte, nickte. Er konnte den Gleichmut seines Fahrgastes nicht begreifen. Hätte er indessen Mac Dolans Laufbahn und Beruf gekannt, dann wäre ihm einiges klar geworden.

„Fahren Sie scharf rechts!“, befahl Mac plötzlich bei der Einmündung der Hannover Street in die Atlantic Avenue.

Der Chauffeur gehorchte. Im gleichen Augenblick überholte ein Wagen in hoher Geschwindigkeit, bremste und setzte zum Wenden an.

Dolan hatte für diesen Abend genug Volksbelustigung gehabt.

„Gas!“, rief er. „Links ab!“

Der Taxidriver zitterte, gehorchte aber natürlich.

Schon bei der Einmündung Cambridge Street war der Verfolger wieder dichtauf.

Mac zog seine Pistole und entsicherte knackend. In diesem Augenblick ließ der Verfolgerwagen eine Polizeisirene ertönen.

Gehorsam fuhr der Fahrer rechts ran und hielt. Der Polizeicar raste rasiermesserscharf an der Taxe vorbei und hätte dabei um ein Haar sämtliche Kotflügel der linken Seite amputiert.

Drei. Polypen verließen dem Radioflitzer. Einer davon riss Mac Dolans Tür auf. Er war ein junger Bursche von vielleicht dreiundzwanzig Jahren, und er trug die Uniform eines Polizeileutnants.

„Ich bin Leutnant Beagle“, schnarrte der Junge.

„Ich habe nichts dagegen!“ erwiderte Mac freundlich. „Warum belästigen Sie mich?“

„Sir!“, kreischte Beagle, „Sir! Für Sie bin ich Sir!“

Dolan lächelte. „Wenn Sie wüssten, was Sie für mich wirklich sind, fiele Ihnen das neckische Grübchen im Kinn in den Kohlenkasten. Doch genug der spaßigen Reden. Was wollen Sie von mir?“

Der Leutnant straffte sich. „Sie sind doch Underwood aus Philadelphia?“

„Bin ich!“, nickte Mac.

„Dann kommen Sie mit, Underwood. Major Corble von der Hafenpolizei wünscht Ihren Typ!“

„Was seinen exquisiten Geschmack beweist. Und wenn ich der freundlichen Aufforderung keine Folge leiste?“

„Dann schlag ich Sie pfundweise in die Fresse und lege Ihnen Handschellen an.“

„Soweit will ich’s natürlich nicht kommen lassen!“, sagte Dolan erschrocken. Er lohnte seinen Fahrer ab.

„Tut mir leid, dass Sie bei mir nicht mehr verdienen konnten!“, flüsterte er zum Abschied.

Der Driver war anderer Meinung. „Um Sie loszukriegen, hätt ich noch zehn Dollar zugegeben, Mann!“

 

2

Wenn sich der falsche Sam Underwood dem Leutnant gegenüber zu erkennen gegeben hätte, hätte sich der unbeleckte Knabe für ihn die Bandscheiben verbogen. Aber gerade das war nicht im Sinne der guten Sache.

Dolan ließ sich seufzend in den Polizeiflitzer einladen und dann ging es wie die Feuerwehr zum Kommando der Hafenpolizei an der Ferry Street. Das Polizeigebäude lag direkt an der Bucht in herrlicher Lage. Dias konnte Mac sogar bei Nacht erkennen.

Beagle führte den FBI-Agenten im Triumph in ein großes Vorzimmer, wo eine ganze Reihe von Polizeibeamten herumlungerte.

Fünf Minuten sprach keiner ein Wort, dann quäkte ein Lautsprecher: „Rein mit dem Bullen Underwood!“

Zehn eifrige Hände schoben Mac in das Büro Major Corbles.

Der Major stand allein vor dem Schreibtisch und hatte das Mikrophon eines Bandgerätes vor sich stehen.

Corble entpuppte sich als ein muskulöser Glatzkopf von massiver Figur. In seinem Gesicht stand so viel Güte wie im Herzen eines bengalischen Tigers, der einundzwanzig Tage schlecht gefrühstückt hat.

Corble versuchte seinen Gefangenen mit wilden Blicken einzuschüchtern. Mac musste sich auf die Lippen beißen, um nicht herauszuplatzen.

Endlich brach Corbles mit grollender Stimme das Schweigen. „Sie heißen?“

Mac lächelte unschuldig. „Bulle Underwood, Major!“

Corble lief krebsrot an. „Sie wollen sich wohl über mich lustig machen, wie?“

„Keineswegs, Sir, aber Sie haben mich doch vor Zeugen selbst so bezeichnet!“

„Lassen wir das. Underwood, ich liebe keine Umschweife. In der Chiquita-Bar ist vorhin ein FBI-Agent namens Monje ermordet auf gefunden worden. Auf der Toilette. Etwa zur Zeit des Mordes waren Sie auf der Toilette. Eine Frau hat Sie gesehen …“

„Vermutlich heißt sie Muriel Easter“, warf Mac ein.

„Sie kombinieren schnell, wie?“

„Ich bin Pokerspieler, Sir!“

„Von mir aus. Warum haben Sie den Mord nicht gemeldet?“

„Woher sollte ich von dem Mord wissen, ich habe eben erst von Ihnen davon gehört.“

„Und das soll ich Ihnen glauben?“

„Das steht ganz bei Ihnen!“

Der Major hätte Mac liebend gern am Boden zerstört, aber er wusste nicht, wie.

„Werden Sie bloß nicht frech!“, brummte er. „Ich beschuldige Sie des Mordes an Monje!“

„Ich nehms mit gebührender Hochachtung zur Kenntnis. Verhaften Sie mich. Die Geschworenen werden Darmkrämpfe kriegen vor Lachen, wenn Sie mir in der Verhandlung den Mord ans Bein binden wollen. Well, überführen Sie mich!“

„Sie haben zehn Minuten vor dem Verschwinden des Agenten mit ihm eine Schlägerei angefangen.“

„Wie – was, das war Monje?“

„Das wollen Sie nicht gewusst haben?“

„Mein Wort! Der arme Kerl! Übrigens hab nicht ich die Schlägerei angerührt, sondern er, von dem Sie behaupten, er sei Monje. Wir haben uns nach rauer Kriegersitte gegenseitig die Schnauze poliert und anschließend konstatiert, dass wir beide famose Jungens sind. Großer Gott, wenn ich gewusst hätte …“

„Sie haben also auf der Toilette Monjes Leiche nicht gefunden?“

„Nein. Ich bin nur ausgetreten. Der Toiletten-Mann ist mein Zeuge!“

„Der war sternhagelvoll und weiß von nichts.“

„Pech für Sie und mich. Ich frage Sie jetzt, ob ich mich verhaftet fühlen soll. Wenn nein, dann wollen Sie mich sofort auf freien Fuß setzen; wenn ja, dann sperren Sie mich bitte ein. Ich sage gerne weiter in Anwesenheit meines Anwaltes aus. Haftprüfungstermin innerhalb vierundzwanzig Stunden. Ich kenne die Regularien!“

„Sie halten sich wohl für sehr schlau, wie?“

„Meine Mutter hat in mir stets den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten gesehen, Sir. Verzeihen Sie einer alten Frau diese Überheblichkeit!“

Major Corble sah ein, dass er den Kürzeren gezogen hatte.

Er häkelte eine neue Masche. „Geben Sie mir Ihren Pass oder Ausweis, Underwood!“

Mac griff in die Tasche und brachte einen Pass zum Vorschein. Das FBI hatte ihn bestens ausstaffiert.

Der Major schlug den Pass auf. „Sie heißen Sam Underwood, sind am 5. September 192 in Oklahoma City geboren und wohnen Buffalo, 1369 Losson Road?“

„Stimmt wie gezählt!“

„Von Beruf sind Sie Journalist, aber derzeit ohne feste Beschäftigung.“

„Gebe ich zu.“

„Zu weichem Zwecke halten Sie sich in Boston auf?“

„Ich versuche Hafenreportagen zu schreiben und an große Zeitungen des mittleren Westens abzusetzen.“

Ein listiges Lächeln glitt über Corbles brutales Gesicht. „Aber setzen Sie sich doch, Underwood. Drink gefällig?“

„Immer zu, Sir. Mir ist heute ohnehin einer mit dem Schneidebrenner durch die Speiseröhre gejagt und hat mir die Drossel zugelötet!”

Corble holte eine Flasche und zwei Gläser und goss ein. Dolan setzte sich in einen abgewetzten Ledersessel.

Die beiden Herren nahmen zeremoniell einen Doppelten.

„Was steht auf dem Sheridan Square?“, fragte der Major wie aus der Pistole geschossen.

Mac lächelte. „Keine Ahnung, Sir, ich kenne mich hier in Boston nicht sehr gut aus.“

„Wer redet denn von Boston? Ich spreche von Buffalo.“

„Jetzt begreife ich, Sie wollen bei mir Zahnarzt spielen, wie? Auf dem Sheridan Square steht das Denkmal von General Pershing. Außerdem ein Springbrunnen, der aber jetzt außer Betrieb ist.“

„Nennen Sie mir das Hauptgeschäft auf der Irving Road.“

„In Buffalo gibts keine Irving Road.“

„Stimmt. Aber Sie kennen den reichsten Mann der Stadt?“

„Man hält einen gewissen Gordon de Witt dafür. Das Finanzamt wird es vielleicht besser wissen.“

Corble war am Ende mit seinem Latein.

„Wieso kümmern Sie sich um den Mord an diesem Wie-heißt-er-doch-gleich?“, ging nun Dolan zum Angriff über. „Das ist doch nicht Sache der Hafenpolizei!“

„Die Chiquita-Bar liegt auf dem Terrain der Hafenpolizei !“

„Ach so! – Well, ich bin müde“, Dolan gähnte herzhaft. „Ich lasse Sie jetzt wählen, Sir: entweder Zelle oder Freilassung!“

Der Major schleuderte Mac den falschen Pass hin. „Scheren Sie sich zum Teufel, Mann. Aber Sie bleiben die nächsten Tage zu meiner Verfügung, wie?“

„Ich wohne im Hotel Belmont Plaza. Sofern man dort allerdings erfährt, dass sich die Polizei für mich interessiert, fliege ich raus.“

„Von uns erfährt keiner was. Gehen Sie!“

Dolan erhob sich. „Eine letzte Frage, Sir: Wie teuer wirds, wenn ich beim Weggehen Ihren Vorzimmerzwergen die Zunge rausstrecke?“

Auch der Major hatte manchmal eine Anwandlung von Humor.

„Das kommt ganz drauf an“, gab er sehr ernsthaft zur Antwort. „Die Skala reicht von der geringsten Geldstrafe bis zum Schädelbruch!

„Dann lass ichs lieber sein. Auf Wiedersehen, Major. Schade, dass der Termin unseres Kennenlernens nicht mit Ihrem Rasiertag zusammengefallen ist!“

Dolan schob ab und ließ Major Corble in der fatalen Überzeugung zurück, zweiter Sieger geworden zu sein.

Die Vorzimmerreptile starrten Dolan wie einen Geist an.

Mac winkte mit der Hand. „Huhu, ihr Lieben, jetzt gehts ins Bettchen!“

Mac trat auf den Gang. Der war menschenleer bis auf zwei Beamte, die einen schwer gefesselten Mann vorbeiführten.

Der brach plötzlich mit einem gellenden Schrei in die Knie und riss die beiden Bewacher mit zu Boden. Sein Körper verkrümmte sich und zuckte.

Epileptischer Anfall!, wusste der Spezialbeamte sofort. Er kniete nieder und suchte dem Mann mit seinem Taschenmesser die Zähne zu lösen.

Der spuckte blitzschnell eine Papierkugel aus und grinste sekundenlang.

Mac schaltete sofort. Er nahm die Kugel in die Hand.

Da war der Anfall aber auch schon vorüber. Der Mann entspannte sich und sagte leise: „Tut mir leid, dass ich Ihnen solche Mühe machte, Gentlemen, aber ich kann wirklich nichts dafür. Sie sollten vielleicht einen Arzt für mich kommen lassen!“

Mac erhob sich und sah den Mann an. Er war vielleicht dreißig Jahre alt, und sein Gesicht hatte einen Zug geschulter Intelligenz. Mac hätte gern gewusst, was der Mann verbrochen habe.

„Was hat denn der da ausgefressen?“, fragte er die Wächter.

„Das geht dich einen feuchten Gartenkompost an!“, sagte einer der beiden wütend. „Hau ab, ehe wir dich wohin treten!“

Mac lächelte sonnig und machte sich davon.

Im Erdgeschoss entrollte er vorsichtig die Papierkugel, die ihm der geniale Simulant gegeben hatte, und hielt den Zettel ins Licht. „Ich bin Archer! Muriel verständigen!“, stand da in sauberen Buchstaben.

„Entweder heißen hier alle Frauen Muriel, oder es handelt sich um die Easter!“, knurrte Mac vergnügt.

 

*

 

In der Nähe der Hafenpolizei gab es eine Kneipe, die offensichtlich von Schiffsoffizieren frequentiert wurde.

Mac trat ein und ließ sich vom Wirt einen Daiquiri mixen.

„Eigentlich dürfte ich jetzt nichts mehr ausschenken!“, brummte der Wirt. „Aber ich will mal nicht so sein.“

Mac bedankte sich mit schmeichelhaften Worten.

Gleich darauf hatte er seinen Daiquiri. Der tat gut.

Als er das Glas absetzte, ließ sich ein Betrunkener bei ihm nieder.

„Verzeihung“, sagte er, „Kamerad, ich habe – hick! – einen sitzen. Aber das ist – hick! – kein Verbrechen!“

Dolan gab das unumwunden zu und verlangte vom Wirt das Telefonbuch.

Der brachte das Buch, und Mac sah nach der Nummer von Muriel Easter. Die schien aber keinen Fernsprechanschluss zu haben. Sie war im Buch nicht aufgeführt.

„Kann ich Ihnen helfen, Kamerad?“, fragte der Betrunkene und stand etwas schwankend auf. „Ich kenne mich hier aus.“

Der FBI-Agent kannte das Sprichwort von der blinden Henne, die auch mal ein Korn findet.

Er hob den Kopf. „Ich suche eine Miss Muriel Easter, vielleicht vierzig Jahre alt, aber ziemlich wuchtig!“

Der Trunkene kicherte. „Ei-ei, die schöne Muriel! Ein heißes Eisen! Kann teuer werden!“

„Wie viel schätzen Sie?“

„Kann unter Umständen den Kopf kosten!“

„Das beruhigt mich ungemein. Wenn Sie zehntausend Dollar gesagt hätten, wärs schlimmer gewesen!“

Der Beleckte holte ein Taschenbuch heraus und malte eine Anschrift auf ein Blatt. Das riss er ab und schob es Mac hin: Muriel Easter 15 Pancrace Street

„Die Frauen sind nun mal mein Schicksal!“, lächelte der FBI-Agent. „Wo ist die Pancrace Street?“

Der Trunkene wurde falsch. „Bin ich Ihr Kindermädchen?“

„Fragen Sie mich mal!“, schlug Dolan fröhlich vor. Dann brach er auf. Im Vorbeigehen warf er dem Wirt einen Dollar hin.

Auf der Straße wehte von See her ein schneidender Wind.

Dolan zog fröstelnd seinen Regenmantel enger um den Leib. Er peilte einen patrouillierenden Polizisten an. „Hallo, Freund, wie komm ich zur Pancrace Street?“

Der Beamte beschrieb es ihm umständlich und meinte am Ende. „Können Sie leicht zu Fuß schaffen. Sie sind fremd hier?“

„Könnte man sagen!“

„Well, dann lassen Sie sich warnen. Die Straße gehört zu einer schon bei Tag verrufenen Gegend. Bei Nacht brächten mich keine zehn Pferde freiwillig dorthin!“

„Was beweist, dass Sie die nationale Bedeutung des Pferdesports nicht unerheblich unterschätzen!“, behielt Dolan das letzte Wort.

Er machte sich pfeifend auf, die Wohnung Muriel Easters zu suchen. Aber es war kein fröhliches Pfeifen.

Mac wusste genau, dass er unter Umständen höchst unerfreulichen Zeiten entgegenging.

Gegen drei Uhr morgens erreichte Mac die Pancrace Street. Es handelt sich um eine Art Sackgasse mit düsteren, schmalbrüstigen Häusern. Mac hatte etwas gegen Sackgassen.

Er leuchtete mit seiner Taschenlampe die Hausnummer an und kam bis Nummer dreizehn.

Im gleichen Augenblick heulte plötzlich ein Automotor auf, und ein Car ohne Lichter fuhr Mac entgegen.

Mac warf sich blitzschnell hinter einer Mülltonne nieder und knipste seine Lampe aus.

Den Bruchteil einer Sekunde später fuhr der Wagen an ihm vorbei. Gleichzeitig flog Mac ein schwerer Brocken auf den Rücken.

Dolan warf sich wie eine Katze herum und ergriff instinktiv den schweren Brocken. Der Schweiß brach auf seiner Stirn aus.

Das Ding war eine Stielhandgranate und konnte jeden Moment losgehen.

Mac wusste sich nicht anders zu helfen. Aus dem Liegen heraus warf er den Sprengkörper über das Dach des davonfahrenden Wagens. Der hatte plötzlich Licht.

Wie es im einzelnen geschah, hätte Mac später nicht anzugeben vermocht. Auf jeden Fall flog die Handgranate dem Wagen unter die Vorderräder und detonierte.

Der Wagen stoppte. Er brannte sofort lichterloh.

Zornige Stimmen brüllten.

Nichts wie weg, dachte Mac. Er schlich gebückt zum nächsten Haus und warf sich mit einer Rolle vorwärts durch die offene Tür in den Flur. Das rettete ihm das Leben. Dicht hinter ihm rollte eine MP-Salve in die Türfüllung. In der Ferne ertönten Polizeisirenen.

„Warum haben Sies denn so eilig?“, fragte eine tiefe Stimme aus dem Dunkel.

Mac schlug das Herz bis zum Hals. Er hatte die Stimme Muriel Easters erkannt.

Er richtete sich auf. „Ich bin es, Underwood“, erwiderte er atemlos. „Mir ist eine schöne Story für nen Roman eingefallen. Die will ich Ihnen erzählen. Los, Muriel, verstecken Sie mich!“

Dolan fühlte sich an der Hand gepackt. Muriel zerrte ihn über eine Treppe in die Höhe und betrat mit ihm einen finsteren Raum. Dort landete Dolan auf einem weichen Bett.

Muriel verschloss die Tür und machte Licht.

Sie trug einen chinesischen Morgenrock und im Haar Lockenwickel.

„Sie sehen zum Anbeißen aus, Zuckerstück!“, sagte Mac gepresst.

„Ich hoffe, Sie sind ein wahrhafter Gentleman und und nützen die Situation nicht aus!“, erwiderte Muriel ernst. „Kommen Sie raus mit Ihrer Geschichte!“

Mac griff nach einer Zigarette und rauchte sie an.

„In der Bar, wo wir uns kennenlernten, Muriel, geschah ein Mord. Ein FBI-Agent wurde erstochen. Eine Frau namens Muriel Easter zeigte mich als Mörder bei der Polente an …“

„Als Zeugen!“, korrigierte Muriel sehr sanft.

„So kam es dann auch. Major Corble konnte mir nichts und musste mich auf freien Fuß setzen. Im Gang des Hauptquartiers der Hafenpolizei begegnete mir ein gefesselter Gefangener. Der wurde von zwei Cops flankiert. Der Mann simulierte meisterhaft einen epileptischen Anfall und warf sich zu Boden. Ich sprang natürlich sofort zu Hilfe, und da brachte der Bursche zwischen den Zähnen eine Papierkugel heraus. Die nahm ich ihm ab. Daraufhin wurde ihm besser.“

Mac entnahm den sorgfältig geglätteten Zettel seiner Brieftasche und gab ihn Muriel.

Die las. Kein Muskel ihres Gesichtes zuckte. Dann lächelte sie Mac Dolan freundlich an.

„Eine hochinteressante Geschichte. Die könnte man tatsächlich schriftstellerisch verwerten. Ich errate auch Ihre Gedankengänge, lieber Underwood. Sie vermuten jene Muriel, die von Archers Inhaftierung informiert werden soll, in mir.“

„Und, habe ich mich da getäuscht?“, fragte Mac gespannt.

Muriel versank in tiefes Nachdenken. Dann sagte sie fest: „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen vertrauen kann, Mr. Underwood.“

 

3

„Das Beste wird sein“, sagte Muriel, „Sie bleiben die Nacht über bei mir. Angst haben Sie doch hoffentlich nicht?“

„Durchaus nicht. Aber ich hätte mich gerne einmal nach dem brennenden Wagen umgesehen.“

„Richtig, der brennende Wagen. Wie der zustande kam, weiß ich ja noch gar nicht.“

Mac Dolan fühlte keine Veranlassung, der immer noch schönen Frau die weiteren Vorgänge vorzuenthalten.

Muriel hatte gespannt zugehört. Dann sagte sie abrupt: „Eines steht fest: Hier in Boston hat Sie jemand von Herzen lieb, Underwood.“

In das Heulen der Polizeisirenen mischte sich nun das Klingeln der Feuerwehr.

„Wenn ich alles richtig deute“, sagte die schöne Frau versonnen, „dann sind die Insassen des Autos, aus dem die Handgranate gegen Sie flog, bei Ihrer Retourkutsche nicht umgekommen. Eigentlich jammerschade. Ein Zufall können die Zusammenhänge nicht sein. Wie sah denn der Mann aus, der Ihnen meine Adresse gab?“

Mac Dolan beschrieb den Bullen von etwa fünfzig Jahren schlecht und recht.

Die Frau schüttelte am Ende den Kopf. „Den Mann habe ich noch nie gesehen. Aber ich kann mir die Dinge nur so zusammenreimen: Der Bursche hat Sie zu mir eingewiesen, ist nach Ihrem Weggehen aus der Kneipe ans Telefon gegangen und hat Ihre Mörder bestellt. Wie gefällt Ihnen das?“

„Das gefällt mir ganz und gar nicht, dürfte aber vermutlich den Nagel auf den Kopf treffen.“

„Hören Sie, Underwood, wer sind Sie, was sind Sie? Weshalb trachtet man Ihnen hier nach dem Leben?“

„Ich bin Journalist und mache in Hafenreportagen!“, berichtete Mac Dolan sein altes Märchen.

Muriel nickte. „Da haben wirs schon. Vermutlich haben Sie irgendwas entdeckt, was jemandem nicht passt. Nehmen Sie sich nur in acht, sonst verlieren Sie eines Tages den Kopf. Und so ein Verlust ist ein wahrhaft unersetzlicher!“

„Ich bin zwar erst einen Tag hier in Boston“, sprach Mac nach einer kleinen Pause weiter. Er hatte sich an die veränderte Situation gewöhnt. „Aber ich glaube, hier ist wirklich der Teufel los.“

Muriel zuckte die Achseln. „Man kann so sagen. Verbrecherbanden, kleinere Teams, gibt es in jedem besseren Hafen. Aber in Boston scheinen sich die Verbrecher in letzter Zeit auf eine ganz bestimmte Weise organisiert und stark gemacht zu haben. Menschen verschwinden, Morde geschehen, die nicht aufgeklärt werden, Falschgeld wird in Umlauf gesetzt, außerdem hat der Rauschgiftkonsum in letzter Zeit beängstigend zugenommen. Man spricht sogar von Menschenhandel. Es werden nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu vermutlich höchst dunklen Zwecken verschachert. “

„Sie sind aber glänzend unterrichtet, Muriel. Woher wissen Sie denn das alles?“

„Sie sollten nicht vergessen, dass ich Schriftstellerin bin und nach dem Leben schreibe. Man erfährt so allerhand, wenn man gewisse Beziehungen hat.“

„Sie wohnen hier in einem schon sehr verrufenen Viertel?“

„Das kann man sagen. Aber die Bewohner dieses Hauses hier sind verhältnismäßig anständige Leute. Wissen Sie, übermäßig viel Geld habe ich nicht, und da bleibe ich ruhig hier wohnen. Die Leute wissen, dass ich ihnen nichts tue, und da tut mir auch keiner was.“

„Das wird anders, sobald Ihr erster Roman nach dem Leben erscheint, liebes Kind.“

„Solche Worte höre ich gern von einem Mann, der fast mein Sohn sein könnte.“

„Jetzt machen Sies aber halblang, Muriel. So viel älter als ich sind Sie nicht.“

„Sofern ich das als Kompliment auffassen darf, bedanke ich mich feierlich.“

„Fassen Sies auf, wie Sie wollen.“

„Ich glaube, ich habe Sie gerettet, Underwood!“

„Man kann so sagen. Sie können meiner Dankbarkeit sicher sein.“

„Sind Sie bereit, mir morgen früh einen Gefallen zu tun?“

„Aber natürlich, sofern das in meiner Macht steht?“

„Das dürfte wohl der Fall sein. Bei der Zollstation ist für mich ein Päckchen aus England angekommen. Würden Sie bereit sein, das zu holen?“

„Wenn Sie mir die Papiere anvertrauen wollen, recht gem.“

„Um es kurz zu machen, der Inhalt ist recht kostbar. Und ich bin nun doch etwas besorgt, dieses kostbare Stück selbst abzuholen. Sie als Mann haben vielleicht eher eine Chance, ungerupft davonzukommen.“

„Man wird mich nicht gleich am offenen Tag überfallen.“

„Seien Sie nicht zu sicher!“

Muriel holte eine Flasche und. zwei Gläser und zum vierten oder fünften Mal in dieser Nacht wurde Mac Dolan mit ausgezeichneten alkoholischen Getränken traktiert.

„In Anbetracht der zu erwartenden Schwierigkeiten schlafen Sie jetzt am besten schnellstens ein“, empfahl ihm die Frau.

Mac legte sich zurück, streifte die Schuhe ab und war wenig später sanft eingeschlafen.

Gegen sieben Uhr weckte Muriel Mac Dolan.

„Stehen Sie bitte auf und machen Sie sich fertig“, sagte sie. „Dort, die Tapetentüre, führt zu meinem Badezimmer. Sie werden alles finden, was Sie brauchen. Elektrischen Rasierapparat, eine Zahnbürste und die nötigen Toilettenartikel.“

„Sie sind wohl komplett eingerichtet, wie?“

„Man muss im Leben für alles gewappnet sein!“

Gegen halb acht war Mac Dolan wieder landfein. Muriel kredenzte ihm einen ausgezeichneten Kaffee und übergab ihm dann einen Zollempfangsschein und fünfzig Dollar.

„Seien Sie so freundlich und holen Sie das Päckchen jetzt ab. Die fünfzig Dollar werden für den Zoll ausreichen.“

Mac Dolan machte sich selbstverständlich sofort auf den Weg.

Er kam kurz vor acht in der Zollstation am Hafen an und musste eine ganze Weile am Schalter warten, bis es dem Beamten gefällig war, ihn abzufertigen.

Er unterschrieb einige Vordrucke, zahlte dreiunddreißig Dollar fünfzig an Zoll, und nahm dann ein kleines Päckchen in Empfang.

Anschließend wandte er sich zum Gehen.

„Wenn Muriel dicht ist“, sagte er im Dahinschlendern leise vor sich hin, „dann bin ich ein Häuptling der Zulukaffern.“

Irgendwo hatte ein Drugstore gerade aufgemacht. Der FBI-Agent lenkte seine Schritte dorthin.

Im Drugstore zog er eine Tasse Tee an Land und kaufte einige Klebestreifen. Anschließend ging er schamlos daran, das fremde Päckchen zu öffnen. Er hatte sofort erkannt, dass es nicht besonders gesiegelt und gekennzeichnet war, und traute sich schon zu, nach Einsichtnahme den alten Zustand wieder her zustellen.

Dolan löste vorsichtig die Umhüllung.

Eine flache, mit Watte ausgepolsterte Schachtel kam zum Vorschein.

Diese Schachtel enthielt einen vielleicht zehn Zentimeter langen Schmuckschlüssel aus purem Gold.

Mac sah sich den Schlüssel misstrauisch an, aber er konnte nichts Verdächtiges an ihm finden.

Also ging er daran, das Paket wieder unauffällig einzupacken.

Als er die Klebestreifen befestigt hatte, ließ er vom Barmann eine Heizsonne einstellen und trocknete die Feuchtigkeitsspuren auf dem Klebepapier sorgfältig.

Muriel Easter war nicht von vorgestern. Sie sollte von der kleinen Indiskretion nichts merken.

Als Mac Dolan endlich die Türe des Drugstores passierte, wurde die von zwei großen Männern in gutsitzenden Maßanzügen flankiert.

Die beiden trugen einen echten Ausdruck kindlicher Güte in den Augen.

In ihren Taschen bauschte es sich verdächtig.

Leider erkannte der FBI-Agent die Situation ein klein wenig zu spät.

Ehe er irgendwelche Anstalten zur Abwehr machen konnte, drückten sich ihm von beiden Seiten durch die Anzugtaschen der beiden Mobster Pistolenläufe in den Bauch und eine freundliche Stimme sagte: „Guten Morgen, Mr. Underwood. Auf Sie warten wir schon lange! Ich glaube, wir können ein kleines Geschäft miteinander machen.“

Die beiden schleppten Dolan um mehrere Ecken zu einem großen Packard.

Jetzt fand Mac endlich seine Sprache wieder.

„Ein Geschäft wollt ihr mit mir machen, Jungens?“, fragte er. „Da bin ich immer dabei. Vor allen Dingen, wenn ich anständig was dabei verdiene.“

„Das einzige, was Sie verdienen, Mr. Underwood“, war die etwas bissige Erwiderung, „ist eine gehörige Tracht Prügel. Weil Sie sich von uns so bildschön haben übertölpeln lassen.“

„Ihr Benehmen, meine Herren“, erwiderte Mac Dolan feierlich, „ist nicht das anständiger Menschen.“

„Bisher hat auch keiner von uns behauptet, ein anständiger Mensch zu sein. Im Übrigen brauchen Sie gar nicht nach der Nummer unseres Wagens zu schielen, der ist ohnehin gestohlen. Der wahre Besitzer hat mit unserem kleinen Coup nicht das Geringste zu tun.“

Mac Dolan dachte gar nicht daran, so gutgläubig zu sein und merkte sich die Nummer des Packards trotzdem.

Die beiden Mobster schoben Mac Dolan wie ein Postpaket auf den Hintersitz des Wagens und setzten sich neben ihn.

Ein dritter Gangster, der das Steuer führte, startete den Wagen und fuhr fast lautlos an.

„Ein wundervoller Wagen“, sagte Mac Dolan versonnen. „Schade, dass er Ihnen nicht gehört und nur geklaut ist.“

„An Ihrer Stelle würde ich mir um den Wagen keine Sorgen machen“, erwiderte der Wortführer ernsthaft. „Noch viel mehr schade ist es, von Ihrem Standpunkt aus wenigstens, dass Ihre Tage gezählt sind, Mr. Underwood, oder wie Sie sonst heißen.“

„Mord ist ein großes Risiko“, sagte Dolan, während der Wagen durch eine ihm unbekannte Gegend schnurrte. „Vielleicht verwechseln Sie mich mit Hilton junior oder sonst so einem Millionärsableger? Der bin ich aber nicht. Ich bin ein Mann, der von seinen Einnahmen als freier Journalist lebt.“

„Wir nehmen das gebührend zur Kenntnis, Underwood. Wir wollen ja auch kein Lösegeld für Sie. Wir wollen Sie nur unschädlich machen. Sie haben in Boston schon genug Wirbel angerichtet. Sie haben gestern Abend mit dem verdammten Polizeispitzel in der Chiquita-Bar konferiert, und der Gedanke liegt nahe, dass Sie auch so ein verdammter Spitzel sind.“

Das Herz des FBI-Agenten führte in der Hosentasche eine vereinsamte Koexistenz. Er war sich des Ernstes seiner Lage durchaus bewusst. Trotzdem dachte er nicht daran, klein beizugeben und eine Schwäche zu zeigen.

„Sie reden noch dümmer als ein Hafenpolizist mit dreißig Dienstjahren“, knurrte er. „Gewiss, ich habe mit dem ermordeten FBI-Agenten eine kleine Keilerei gehabt. Die Polizei hat mich anschließend verhaftet und geglaubt, ich hätte den Mann ermordet. Das ergab wenigstens noch einen Sinn. Sie aber wollen mir jetzt unterstellen, ich sei der Freund des Mannes gewesen, dem ich die Mundwinkel so sauber abgewischt habe!“

„Mit Worten können Sie uns nicht besoffen machen, Underwood.“

„Woher wissen Sie denn überhaupt meinen Namen?“

Der andere lachte rau auf. „Man hat so seine kleinen Beziehungen. Aber ich glaube, wir haben jetzt genug Tacheles geredet. Sie haben für eine Miss Muriel Easter ein Päckchen bei der Zollbehörde geholt. Das kommt uns gerade recht. Dieses Päckchen werden Sie uns aushändigen.“

Mac lachte bitter auf. „In dem Päckchen ist doch weiter nichts als ein goldener Schlüssel. Wenn der fünfzig Dollar wert ist, dann kommt es hoch.“

„Zerbrechen Sie sich bloß nicht unseren Kopf. Los, geben Sie das Päckchen her. Oder sollen wir Sie ein klein wenig bearbeiten? Ich habe mir sagen lassen, dass das ein außerordentlich unangenehmes Gefühl ist!“

Mac Dolan griff vorsichtig in die Tasche und holte das Päckchen heraus.

Es wechselte seinen Besitzer.

Für einen Augenblick hatte er mit dem Gedanken gespielt, blitzschnell seine Pistole zu ziehen und die beiden Gangster neben sich unschädlich zu machen. Aber angesichts der Tatsache, dass der Packard inzwischen mit etwa achtzig Meilen Geschwindigkeit auf der Landstraße dahinbrummte, wäre ein derartiges Vorgehen Selbstmord gewesen.

Eine ganze Weile sprach niemand ein Wort.

„Habt Ihr mich also doch noch gekriegt, ihr Bullen!“, brach der FBI-Agent plötzlich das Schweigen. „Die Handgranate gestern Abend war ja auch ein ganz schönes Ding. Aber ich sage euch eines: Der Krug geht so lange zum Brunnen bis, der Henkel bricht.“

„Sie scheinen Experte für Sprichwörter zu sein, Mr. Underwood. Trösten Sie sich. Die Handgranatengeschichte von gestern Abend kommt nicht auf unser Konto. Wenn wir die Leute zu fassen bekämen, die die Handgranate gegen Sie geworfen haben, dann wäre uns um hundertfünfundzwanzig Prozent wohler.“

„Dann mache ich euch einen Vorschlag auf rein geschäftlicher Basis. Ihr lasst mich am Leben, und ich unterstütze euch bei dem Versuch, die Leute ausfindig zu machen. Ich habe schließlich mit denen auch noch ein Hühnchen zu rupfen, verdammt und dicke Tinte!“

Der Wortführer grinste. Er hatte ein narbiges Gesicht. „Sie können uns nicht leimen!“, sagte er sachlich. „Sofern es ein Fortleben nach dem Tode gibt, werden Sie bald das Vergnügen haben, aus dem Jenseits heraus zu beobachten, wie wir Ihre verhinderten Mörder abknallen. Ich werde ihnen einen schönen Gruß von Ihnen sagen. Ist das ein Vorschlag?“

„Ich habe selten einen faireren gehört“, grinste Mac Dolan. Im Innersten seines Herzens war ihn nicht zum Lachen zumute.

Du hast restlos versagt, du alter Affe, sagte er zu sich selbst. Das FBI schickt dich nach Boston, um das Verschwinden Davies und die geheimnisvollen Verbrechen zu klären, in Wirklichkeit tappst du bereits schon am zweiten Tag in eine Falle wie ein Schuljunge, dem der Hintern verhauen gehört.

Der Mann, der immer das Wort führte, entnahm seiner Aktentasche plötzlich eine Schwammdose.

Er öffnete sie, brachte einen Schwamm zum Vorschein und drückte ihn unvermittelt gegen Mac Dolans Gesicht.

Dem schwanden die Sinne.

 

 

4

Mac Dolan träumte, er säße im Garten seine Eltern auf der Schaukel und wiege sich. Er konnte deutlich den schwermütigen Gesang seiner Mutter hören.

Verwirrt schlug er die Augen auf. Ihm war sterbensübel. Von dem Traumidyll war nichts als das sanfte Schaukeln übriggeblieben.

Ich liege in einem Motorboot, durchfuhr es Mac. Er lag auf einer weichen bequemen Couch, und ihn störte nur, dass er an Händen und Fußen gefesselt war.

Unter seiner linken Achsel spürte er den Druck seiner Pistole.

In diesem Augenblick wusste er schon, was die Verbrecher mit ihm vorhatten.

Man hatte ihm Waffen, vermutlich auch Ausweise und Geld belassen und wollte ihn ertränken. Wurde die Leiche später an Land gespült, dann deutete alles auf einen Unfalltod durch Ertrinken hin.

Dolan hatte eine entsetzliche Wut. Seine Wut war größer als die Sorge um die Zukunft.

Er hörte nach einer kleinen Ewigkeit trappelnde Schritte an Deck des Bootes, die entfernten sich aber wieder.

Dolan wartete noch zehn Minuten.

Ich muss irgend etwas zu meiner Befreiung unternehmen, dachte er.

Dolan versuchte seine Hände zu heben. Das gelang ihm auch.

Er prüfte mit den Lippen seine Fesseln. Diese bestanden aus Gardinenschnüren.

„Meine Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“, überlegte Dolan laut in einem Anflug von Galgenhumor. „Hätte man mir stählerne Armbänder umgelegt, könnte ich sie nicht aufnagen. Mit Gardinenschnüren ist das was anderes.

„Schön, alter Freund, worauf wartest du noch? Spielen wir Nagetier!“

Mac Dolan quälte sich Stunden damit ab, seine Handfesseln zu lösen. Seine Kiefermuskeln drohten zu erlahmen, und seine Zähne schmerzten. Aber er ließ nicht locker.

Lieber fünf Minuten Angst im Stuhl des Zahnarztes, dachte er, als eine Ewigkeit tot.

Nach einer langen Zeitspanne gab endlich der erste Strick nach.

Der Rest war ein Kinderspiel.

Sekunden später war der FBI-Agent frei.

Arbeit macht frei!, dachte er. Das ist irgendson Bonmot aus Europa. Heute sehe ich ein, dass es seine Berechtigung hat.

Mac sah auf seine Uhr. Siebzehn Uhr.

Er legte seine Pistole neben sich auf das Bett und machte sich daran, die Fußfesseln zu lösen. Wenig später stand Dolan auf.

Er steckte seine Pistole wieder gesichert ins Achselhalfter und schritt sein kleines Gefängnis ab.

Es war nicht sehr groß und schien außer der Couch überhaupt nichts an Mobiler zu haben.

Dolan fand keinerlei Werkzeug, um sich die Freiheit endgültig erkämpfen zu können.

Macht nichts, schieße ich eben das Türschloss auf, dachte er fast fröhlich.

Aber das war tatsächlich nur eine gedachte Linie. Die Tür bestand aus einer soliden Stahlkonstruktion und ohne eine Hafthohlladung war hier nichts zu machen.

Enttäuscht wandte sich Mac zu dem einzigen Bullauge um und sah, ob er hier entfliehen könne.

Aber das Bullauge war viel zu klein, um seinen Körper durchzulassen.

Mac versuchte, wenigstens mit dem Pistolengriff das Bullauge einzuschlagen. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, um Hilfe zu rufen.

Aber das ging auch nicht. Das Bullauge war aus Panzerglas und widerstand seinen Bemühungen.

„Dann muss man das Ding da eben herausschießen“, dachte er laut. Er zog seine Pistole und entsicherte.

In diesem Augenblick hörte er an Deck wieder Schritte.

Mac Dolan federte herum, entsicherte knackend seine Pistole und wartete regungslos auf die weiteren Dinge.

Es wird mir ein Vergnügen sein, Sie meine Herren Gangster, mit einem Reißverschluss aus Blei zu versehen, dachte er fast vergnügt.

Sekunden dauerte es, dann wurde die Stahltür seines Gefängnisses aufgeschlossen. Die Tür selbst öffnete sich. Eine Flut von Licht drang herein.

Im Schein der Abendsonne konnte Mac Dolan das reizende Gesicht des Pockennarbigen erkennen.

Mac hob blitzschnell und trotzdem genussreich die Pistole und ließ fliegen.

„Klick“ machte der Schlagbolzen. Das war alles.

Der Mann mit dem narbigen Gesicht brach in ein wieherndes Gelächter aus.

„Nein, das ist zu köstlich“, lachte er. „Mr. Underwood, wo haben Sie so viel Trottelei gelernt? Sie sind der größte Trottel des Jahrhunderts!“

Mac hätte sich vor rasender Wut auf den Kerl stürzen mögen, aber es hatte alles keinen Sinn. Der Lauf einer Maschinenpistole richtete sich auf ihn, und gegen eine Maschinenpistole kann man mit der größten Intelligenz nicht angehen.

Pockengesicht wurde weiter von einem Lachkrampf geschüttelt.

„Sie treten nach Einbruch der Dunkelheit eine Seereise an, Mr. Underwood“, sagte der Mann gluckernd. „Bis dahin wünsche ich Ihnen gute Unterhaltung. Ich würde Ihnen gerne eine Henkersmahlzeit gönnen, aber darauf sind wir an Bord unseres Bootes nicht eingerichtet. Diesen Fehler bitte ich zu entschuldigen.“

Er schloss die Türe von draußen wieder ab und verschwand nach oben.

In den folgenden Stunden wälzte Mac Dolan noch viele Pläne zu seiner Befreiung, aber die krankten alle daran, dass sie undurchführbar waren.

Gegen zwanzig Uhr begann der Dieselmotor des Bootes plötzlich z:u tuckern.

Fünf Minuten später setzte sich die kleine Jacht in Bewegung. Mac Dolan konnte die Lichter des Hafens erkennen. Kein Zweifel, die Barkasse stach tatsächlich in See.

Die großen Docks schoben sich zur Rechten vorüber, der Wellengang wurde größer und größer, Mac Dolan saß lethargisch auf seinem Bett. Er hatte nun selbst jede Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang seines Abenteuers verloren.

Gegen einundzwanzig Uhr hörte er trappelnde Schritte an Bord. Von rechts sah er einen schwarzen Schatten in hoher Fahrt näherkommen. Ein Scheinwerfer flammte auf.

Kein Zweifel, ein Polizeiboot hatte die Barkasse aufs Korn genommen.

Dolan war im Verlauf eines harten Lebens ein harter Brocken geworden, aber jetzt wollte ihn doch die Verzweiflung übermannen. Die Rettung lag auf Rufweite vor ihm, und er konnte seine letzte Chance nicht wahrnehmen.

Verzweifelt krallten sich seine Hände in die Jacketttasche. Zwischen den Fingern spürte der FBI-Agent einen Taschenspiegel.

Da hatte er die erlösende Idee. „Siehst du, Bursche, deine Mutter hat wieder einmal recht gehabt, als sie sagte, du sollst alles lernen, was du nur lernen kannst. Irgendwann im Leben kann mans wirklich brauchen!“

Der Scheinwerferstrahl des immer näher kommenden Bootes richtete sich genau auf das Bullauge des Gefangenen.

Dolan brachte den kleinen Spiegel in Position und versuchte durch Drehen des kleinen Instruments um seine vertikale Achse die Aufmerksamkeit der Beamten auf sich zu lenken.

SOS, morste er. Hilfe! Hilfe! SOS! Hilfe! Hilfe!

Dolan setzte das Signalisieren so lange fort, so lange der Scheinwerferstrahl auf sein Bullauge gerichtet blieb.

Plötzlich glitt der Strahl ab und verlor sich im Leeren.

Am Deck erhob sich ein Geschrei. Jemand nahm durch ein Megaphon die Verbindung mit dem Polizeiboot auf.

Leider konnte Mac Dolan nicht verstehen, welche Lügen seine Mörder der Polizei zuriefen.

Untätig, mit hängenden Schultern, musste Dolan abwarten, ob sich sein Geschick doch noch einmal zum Guten wenden würde.

Das Polizeiboot nahm wieder größere Fahrt auf und versuchte, sich mit rauschender Bugwelle längsseits zu legen.

Im gleichen Augenblick drehte die Motorbarkasse ab. Der Diesel begann plötzlich zu donnern, das Boot nahm zweifellos Fahrt auf und versuchte zu entkommen.

Ein hämmerndes Stakkato dröhnte an das Ohr des Gefangenen. Die Verbrecher schossen aus einem Maschinengewehr mit Leuchtspurmunition auf das Polizeiboot und dieses erwiderte den Beschuss auf die gleiche Weise.

Eine ganze Weile ging die Schießerei hin und her, dann holte das Polizeiboot wieder auf.

Plötzlich hörte Dolan einen dumpfen Abschuss, ein Heulen und Jaulen in der Luft, und gleich darauf eine schmetternde Detonation vor dem Bug des Verbrecherbootes.

Jetzt kommen die schweren Koffer, dachte Mac.

Er hatte kaum zu Ende gedacht, da krachte der nächste Schuss. Blitze durchbrachen den Raum. Dolan wurde zu seinem Glück von der Couch geschmissen. Die Bordwand hatte ein großes Loch, leider aber nicht groß genug, um Mac durchzulassen.

Sofort drang ein Schwall von Wasser in die Kajüte ein.

Dabei soll ich mich doch vor Schnupfen hüten, hat der Arzt gesagt, und jetzt habe ich schon nasse Füße, dachte Mac kläglich.

Das Verbrecherboot bekam sofort Schlagseite. Aber die Gangster wussten offensichtlich, was ihnen bevorstand, und wollten ihr Leben so teuer wie möglich verkaufen.

Noch fünf Artillerieschüsse erfolgten, dann verstummte das Maschinengewehr.

Mac stand bereits bis zu den Hüften im Wasser.

Verzweifelt rüttelte er an der Tür.

Aber da war nichts zu wollen. Er konnte nun auch nichts mehr sehen, weil angesichts der Schlagseite das Bullauge unter Wasser lag. Er war hilflos seinem Schicksal ausgeliefert.

Dolan hämmerte sich die Fäuste an der Stahltüre wund. Aber alles blieb vergebens.

Zu der Schräglage des Bootes kam noch, dass es plötzlich vorderlastig wurde.

Jetzt verwandelt sich das Ding auch noch in ein Unterseeboot, dachte Dolan mit kaltem Grauen.

Er hatte jede Hoffnung aufgegeben.

In diesem Augenblick wurde donnernd an die Tür geklopft, und eine scharfe Stimme fragte: „Ist hier jemand? Ist hier jemand?“

„Hallo, ich sitze hier gefangen!“, brüllte Mac Dolan. Rettet mich! Rettet mich doch! Es ist höchste Zeit!“

Sekunden später öffnete sich die Tür und die grobe Stimme brüllte: „Kommen Sie raus, Sir!“

Dolan watete durch das tiefe Wasser zu der kleinen Treppe und stand endlich an Deck.

Die Barkasse der Verbrecher lag bereits mit dem Vorschiff unter Wasser. Das Boot konnte jeden Augenblick kentern.

An Deck standen einige Polizeibeamte mit Korkwesten. Vier oder fünf tote Gestalten lagen auf den Planken und wurden vom Wasser umspielt. Offenbar hatte keiner der Verbrecher das Abenteuer überstanden.

Zwei Männer packten Dolan am Arm und sprangen mit ihm über Bord.

Vom Polizeiboot aus wurde eine Leine eingeholt und die drei Schwimmenden langsam an Bord gehievt.

Hinter Dolan tat sich ein hohles Gurgeln und Röcheln auf. Die Barkasse lag im Todeskampf und ging dann wie ein Stein unter.

Der Sog hätte die drei Männer beinahe auch noch mit ins Verderben gezogen.

Endlich stand Dolan, triefend nass, aber wohlbehalten an Deck. Ein Scheinwerfer leuchtete ihm ins Gesicht.

„Ja, wen haben wir denn da?“, fragte eine entgeisterte Stimme. „Ist das nicht unser lieber Mr. Underwood von gestern Abend? Sam Underwood, im Namen des Gesetzes, Sie sind verhaftet.“

Dolan überkam eine rasende Wut. Er war nahe daran, sein Inkognito zu lüften. Aber er wusste, er durfte das nicht tun.

„Ich bin Leutnant Keen von der Hafenpolizei!“, sagte die Stimme weiter. „Kommen Sie mit mir herunter, Mann. Ich gebe Ihnen etwas Tee. Sie zittern ja an Leib und Seele.“

„Hätten Sie doch noch fünf Minuten gewartet, Leutnant!“, erwiderte Dolan bitter. „Dann hätten Sie meine Leiche verhaften können. Das wäre erst eine Heldentat gewesen!“

„Halten Sie Ihr freches Maul. Wir sind hier auf See. Haben Sie Lust, einige Zähne aus Ihrem Unterkiefer zu verlieren? Ich habe wenigstens zehn Mann, die beschwören werden, gesehen zu haben, wie Sie sich an einer Tischecke stießen!“

Dolan wurde in eine einfach ausgestattete Kajüte geführt und bekam einen Becher mit dampfendem Tee.

Gierig trank er das heiße Gebräu, das mit viel Rum versetzt war, in einem Zug herunter. Dann war ihm wieder etwas besser.

Leutnant Keen war ein großer, schlanker Mann, etwa in Dolans Alter. Sein Gesicht zeigte Härte,

merkwürdigerweise gleichzeitig aber auch eine gewisse müde Resignation.

„Ich habe Ihnen mein Leben zu danken“, sagte Dolan. „Ich werde Ihren Männern die Rettung nicht vergessen. Aber welches sind die Beschuldigungen, die Sie gegen mich erheben?“

„Das werden Sie sofort erfahren“, erwiderte Keen scharf. „Zigarette?“

Dolan griff gierig nach dem bereits angezündeten Glimmstängel und rauchte in langen Zügen.

„Folgende Lage“, sagte der Leutnant. „Sie sind gestern Abend von Major Corble mit der ausdrücklichen Auflage entlassen worden, sich in Ihr Hotel zurückzuverfügen und sich zur Verfügung der Polizei zu halten. Das haben Sie nicht getan. Sie sind verschwunden. Nach Ihnen läuft bereits eine Fahndung. Ihre Festnahme erfolgt unter dem dringenden Verdacht, den FBI-Agenten Monje eben doch ermordet zu haben.“

„Sherlock Holmes hätte seine wahre Freude an Ihnen gehabt“, erwiderte Dolan bissig. „Wie kommen Sie bloß auf eine derart unsinnige Behauptung?“

„Furchtbar einfach“, erwiderte Keen grinsend. Er setzte sich und stützte sein Kinn in die gefalteten Hände.

„Ich reime mir die Dinge folgendermaßen zusammen, und so wirds auch gewesen sein: Sie haben Monje ermordet. Im Auftrag der Verbrecher, die auf dem Boot allesamt den Tod gefunden haben. Diese Verbrecher haben Sie nur als unnützes Werkzeug gebraucht und hatten nur so lange ein Interesse an Ihnen, so lange Monje lebte. Als er tot war, waren Sie eine latente Gefahr. Man hatte Sie schon einmal verhaftet, aber nicht weich gemacht. Aber die Verbrecher wussten auch, dass der amerikanischen Polizei Verhörmethoden zur Verfügung stehen, die selbst einem Betonpfeiler Tränen entlocken. Man wollte nicht noch einmal das Risiko eingehen, Sie in die Hände der Polizei fallen zu lassen. Man schleppte Sie auf die Barkasse und wollte Sie zu Lebzeiten der See übergeben. Nun, wenn wir Ihnen den Mord beweisen können, dann gehen Sie in die Gaskammer. Es ist Ihre Sache, zu entscheiden, was schöner ist: an Giftgas langsam zu ersticken, oder im Wasser ersäuft zu werden wie eine Katze.“

„Lassen Sie sich Ihre Phantasie schleunigst mit hunderttausend Dollar versichern“, erwiderte Mac Dolan. „Also, ich nehme von der Tatsache meiner Verhaftung Kenntnis. Ich denke gar nicht daran, irgendeine Aussage zu machen. Ihr seid mir einfach alle zu dumm, ihr Brüder!“

Der Polizeileutnant hielt Dolan für so windelweich, dass er nicht einmal eine Durchsuchung vornahm.

Das war dem FBI-Agenten mehr als recht, denn Keen hatte bei der Durchsuchung die Pistole gefunden und vermutlich Angaben über ihre Herkunft verlangt.

Wenn es ihm nicht tatsächlich gelang, sich auf gute Art aus der Verhaftung herauszuwinden, dann blieb ihm letzten Endes nichts anderes übrig, als sich zu erkennen zu geben. Genau das aber wollte der Agent unter allen Umständen vermeiden.

In der ersten Stunde des neuen Tages erreichte das Polizeiboot unter Leutnant Keens Führung den Pier vor dem Gebäude der Hafenpolizei.

Ganz vorsichtig wurde das Boot an seinen Anlegeplatz rangiert, dann schwiegen die Motoren still.

„Kommen Sie mit“, sagte Keen barsch. „Sie müssen sofort ins Warme. In der Untersuchungshaft bekommen Sie einen Sträflingsanzug. Der wird Ihnen guttun.“

„Werden Sie nicht doppelsinnig“, erwiderte Dolan.

Der Leutnant hörte schon gar nicht mehr hin. Über eine schmale Laufplanke lief er vor Dolan her zur Kaimauer.

Die anderen Polizisten hatten noch mit dem Festmachen des Bootes zu tun.

Dolan erkannte eine letzte Chance. Er sprang den Leutnant mit einem wahren Panthersprung an, gab ihm einen gekonnten Spezialschlag gegen die Nieren und schmetterte ihn ins Wasser.

Dann rannte er, was seine Lungen hergeben wollten, auf das finstere Land, wand sich zwischen einigen Schuppen durch und verschwand in Richtung Lewis Street.

Die Großstadt hatte ihn wieder.

Dolan taumelte weiter. Er wusste im Augenblick nicht, was er unternehmen sollte.

Ehe er einen Entschluss gefasst hatte, erregte seine triefend nasse Gestalt einiges Aufsehen.

Das hatte er in der Eile der Flucht nicht bedacht.

Eine große Menschenmenge begann sich um ihn zu sammeln, und einige Polizisten eilten herbei, um zu sehen, was es gebe.

In diesem Augenblick stoppte ein großer Wagen neben Dolan, und eine Tür öffnete sich.

„Los, steigen Sie ein!“, sagte eine freundliche Stimme.

Dolan blieb gar nichts anderes übrig. Er stieg in den Wagen und schmetterte die Türe hinter sich zu.

Der Fahrer gab Gas und brauste ab.

Dolan hatte die Stimme erkannt. Sie gehörte zu dem Betrunkenen, der ihm in der Nacht zuvor die Adresse von Muriel Easter gegeben hatte.

 

5

Unter Umständen bin ich aus dem Regen unter Umgebung der Traufe in den Misthaufen geraten, dachte Dolan.

Er blieb still und beobachtete besorgt nach hinten.

Offensichtlich hatte sich niemand an die Verfolgung des Wagens gemacht.

„Wer sind Sie, was wollen Sie von mir, wohin fahren wir?“, fragte Dolan kurz.

Details

Seiten
208
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931518
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (August)
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Titel: Wer zuletzt mordet…