Lade Inhalt...

Wenn die Hölle lacht ...

2019 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Wenn die Hölle lacht ...

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

Wenn die Hölle lacht ...

Western von Larry Lash

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 136 Taschenbuchseiten.

 

Umständlich gleitet Todd Tresor aus dem Sattel. Mit schwankenden Schritten betritt er die Veranda. „Gib den Weg frei!“, herrscht er den Sheriff an, der auf ihn zugeht. „Gleich wirst du eine Menge zu tun bekommen!“

Erst jetzt sieht Todd Red Simeon angespannt auf dem Vorbau stehen. Todds Hände kriechen in die Nähe der Revolverkolben - da geschieht es! Grell blitzt es bei Simeon auf, und lange Feuerzungen rasen auf Todd zu ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Tony Masero, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https//twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier

https//cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

1.

„Ich komme von den Black Sowo Mountains“, antwortete der Fremde.

Die Männer in der Runde rissen die Köpfe hoch, wie ein Rudel Hunde, das jählings witterte.

„Das wären genau dreihundert Meilen von hier ...“, murmelte einer der Treckmänner.

„Yeah, dreihundert Meilen, die dieser Wagenzug noch zurücklegen will.“

Der Fremde nickte.

Ein Stöhnen ging von Mund zu Mund ...

„Woher, zum Teufel, weißt du ...?“

„... dass ihr die Black Sowos zum Ziel habt?“, ergänzte der Fremde. „Nun, das ist ein verteufelt langer Song. Ich sagte bereits, dass ich von dort komme. Vor einigen Tagen bin ich aufgebrochen ...“

Wie Gewitterwolken brach es bei den Männern auf. Ein schwarzhaariger, groß gewachsener Mann, dem eine helle Messernarbe quer über das sonnenverbrannte, rotbraune Gesicht lief, beugte sich im Sattel vor, fauchte: „Das ist eine verdammte Lüge. Niemand kann dreihundert Meilen in einer so kurzen Zeit hinter sich bringen. Schaut euch nur diesen Ziegenbock von Pferd an! Wenn man ihn anpustet, bricht er zusammen. By Jove, Bursche, noch eine Lüge, und ich bin in der richtigen Stimmung, dir mein Blei unter die Haut zu setzen. Es fehlt nur noch, dass du behauptest, unsertwegen diesen Ritt gemacht zu haben.“

„Ich wüsste nicht, warum sonst“, klang es ruhig. „Es müsste euch eigentlich zu denken geben, dass ich über euer Reiseziel informiert bin.“

„Hölle und Teufel, in Fort Ambaster wusste es jeder Blaurock und jedes Kind“, grollte der Schwarzhaarige durch die Zähne. „Du bist uns von dort aus nachgeritten und willst dich jetzt in ein besonderes Licht stellen. Ah, das haben wir gerne, Buddy!“

Der Fremde wandte sein Pferd, warf über die Schulter: „Nun, dann bin ich wohl überflüssig und kann somit reiten, wohin ich will. So long ...“

„Halt, Bursche!“, kreischte der Schwarzhaarige. „So billig kommst du nicht davon!“

Der Fremde hielt seinen Bronco wieder an.

„Warum?“

„Weil wir dich noch einiges zu fragen haben und, yeah, weil wir dir nicht glauben. Du musst jedoch wissen, Spionage dulden wir nicht, Freund. Du bleibst!“

„Ah, dann bin ich wohl euer Gefangener?“

„Wenn du es so sehen willst, yeah“, fauchte der Schwarzhaarige erneut. „Ich denke, dass jeder Mann aus diesem Treck so denkt wie ich. Gerry, äußere du dich bitte auch hierzu“, wandte er sich an einen weißhaarigen Wagenlenker. Gerry blickte den Fremden forschend an.

„Ich möchte erst seinen Namen wissen“, sagte er vom Bock herunter.

„Nun, ich bin Todd Tresor, so steht es auch in meinen Papieren. In dieser Gegend jedoch gab man mir einen anderen Namen ...“

„Einen anderen Namen?“, spottete der Schwarzhaarige.

„Yeah ...“, nickte der Fremde, „es ist so, wie du sagst.“ Zum ersten Mal zeigte sich nun der Hauch eines Lächelns in seinen Mundwinkeln. Das währte jedoch nur einen Moment, dann erlosch es wieder.

„Man nennt mich hier Blizzard-Todd ...“

„Blizzard-Todd?“, schnappte der Schwarzhaarige, und die anderen Männer hoben sich, wie von unsichtbaren Fäden gezogen, halb in den Steigbügeln. „Wenn das nicht die größte Lüge ist, die ich jemals hörte, will ich meinen Stetson fressen. Gerry, dieser Mann lügt wie gedruckt.“ Er fauchte seine Worte wild heraus, heiser, brutal. Und seine Rechte sauste zum Colt. Doch bevor er die Waffe aus dem Futteral hatte, schwang der Fremde bereits die eigenen Waffen wie mit Zauberhänden ...

Ziehen und Schwingen ging so schnell, dass die Mündungen auf John Claiton, den Scout des Trecks, zeigten, bevor dieser seine Waffe in Anschlag bringen konnte.

„Ich würde es nicht auf einen Versuch ankommen lassen“, knurrte Todd ihn an.

„By gosh, Mann, wir könnten dich in Stücke schießen, und du wagst es, unserem Scout das Eisen zu zeigen?“, schnappte Gerry Samny verstört.

„Oh, einen nehme ich bestimmt mit auf den langen Trail“, sagte Todd ruhig. „Ich bin freiwillig hierhergekommen, und, by gosh, dieser Empfang ist ganz so, wie ich ihn mir vorstellte. Ich denke, dass ich John Claiton vor meinen Eisen habe.“

„Yeah, es ist Claiton“, grollte Gerry Samny bissig. „Woher, zum Teufel, jedoch, hast du seinen Namen?“

„Auch das ist ein langer Song, Oldtimer“, grinste Todd in die Runde. „Vielleicht hat mir der Wind etwas von dem berühmten Scout zugeflüstert ... oder die Sterne haben mir von seinen großen Taten erzählt. Vielleicht aber auch ging sein Name an den Campfeuern von Mund zu Mund. Ich kann mich im Moment nicht mehr auf Einzelheiten besinnen.“

„Gerry, dieser Kerl darf nicht davonkommen, wir werden ihn in Ketten legen“, zischte John Claiton, wobei sich seine Krallenfinger nur zögernd von den Kolben lösten. „Je länger ich ihn anschaue, umso sicherer bin ich, dass uns ein eigenartiger Vogel ins Garn gegangen ist. By gosh, schau hinter dich, Freund ... Vier Eisen sind auch dort auf dich gerichtet. Das Spiel ist aus, bevor es begann!“

 

*

 

„Dad, ich weiß nicht recht, aber ich hatte das Gefühl, als wenn er sich über euch alle lustig machte, als sei es für ihn eine Kleinigkeit, aus dem Ring, in den ihr ihn gestellt habt, auszubrechen. Er ist ein ungewöhnlicher Mensch!“

Laura Samny schaute durch die Plane des Prärieschoners auf die zusammengestellte Wagenburg. Inmitten des Kreises brannte ein hellloderndes Campfeuer, Frauen und Kinder saßen davor, wurden vom Flammenschein bestrahlt.

Gerry Samny war der Mann, der den Treck zusammengestellt und ins Rollen gebracht hatte. Auf ihm und John Claiton, dem Scout, seiner rechten Hand, lastete die Verantwortung. Hundertfünfzig Menschen und zehntausend Rinder standen in ihrer Obhut.

„Es ist ein wildes Land“, murmelte Gerry Samny. „Als wir im Frühling den Trail begannen, wussten wir alle, dass es nicht leicht sein würde, aber dass sich die Schwierigkeiten derart häufen würden, hätte ich nicht gedacht. Bei einem Indianerüberfall haben wir zehn Männer verloren und eine prächtige Herde Longhorns. By gosh, wenn wir auch mit Ach und Krach Fort Ambaster erreichten und glaubten, das Schlimmste hinter uns gebracht zu haben, so sehe ich mich nun veranlasst, das Gegenteil zu behaupten. Die Erscheinung des Burschen deutet Unheil an.“ Er sah an seiner Tochter vorbei zu dem Wagen hin, in dem sie Todd Tresor gefesselt hielten. Der kleine, struppige Braune war an der Deichsel festgemacht, hielt sein Maul tief in einem Hafersack verborgen, den man ihm um den Kopf gebunden hatte. Deutlich hob sich die Silhouette des Wächters an der weißen Planenwand ab.

Laura folgte dem Blick ihres Vaters.

„Vielleicht ist es ein Fehler, ihn festzuhalten. Er hat euch doch nichts getan ...“

„Nichts?“, grollte der Alte bissig. „Darling, du weißt nicht, dass wir allen Grund haben, jedem Menschen zu misstrauen und ihm ganz besonders. Er behauptet, dreihundert Meilen in drei Tagen geritten zu sein, wahrscheinlich, um uns zu warnen. Ich frage mich nun, welcher Mann nimmt eine solche Strapaze für Fremde auf sich? Und ich frage mich weiter, wie dieser hagere Bronco so etwas überstehen konnte. Nein, ich glaube nicht daran. Ein Mann muss schon einen verteufelt ernsten und zwingenden Grund haben, umso etwas zu unternehmen.“

„Dad, ihr habt ihm keine Gelegenheit gegeben, seine Gründe vorzubringen“, unterbrach ihn Laura sanft.

„Oh, Hölle, es ist auch nicht nötig, man braucht diesen Wolf nur anzusehen“, zischte Gerry die Tochter an, sog dabei heftig an seiner zernagten Pfeife. „Männer seines Formats kann man sich ohne Waffen nicht vorstellen. Die Art, wie er die Revolver geschnallt hat, wie er zu Pferde sitzt und wie er einen Menschen anschaut ... Wahrhaftig, all das sagt mir mehr als tausend Worte. Mir ist mehr als einmal bei seinem Anblick eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen.“

„Aber bedenke, Dad, er hätte John erschießen und einen Durchbruchsversuch starten können — er tat es nicht.“

„Hölle und Teufel, unsere Boys hätten ihn, noch bevor er einige Yards geritten wäre, aus dem Sattel geholt, das wusste der Bursche ganz genau.“

„Dad, so begreife doch, er hatte es nicht nötig, sich dem Treck zu nähern.“

Mit einer hastigen Handbewegung unterbrach Gerry die Ausführungen seiner Tochter, tiefernst wurde sein Gesicht.

„Ich will dir einmal etwas sagen, Darling. Dieser Fremde behauptet, Blizzard-Todd zu sein. Du selbst hast es gehört.“

„Yeah, und ...?“, unterbrach sie ihn erstaunt, schlug dann plötzlich, in schrecklicher Erkenntnis, die flache Rechte auf ihren Mund.

„O yeah, ich begreife, der Scout, der uns zum Fort Ambaster geführt hatte, hieß Blizzard-Todd.“

„Yeah, und er war der echte Blizzard-Todd, Tochter. Ein Kampfname wiederholt sich nicht so schnell.“

Eine heiße Blutwelle schoss in Lauras Wangen, ihre Augen weiteten sich.

„Nun, du sagst nichts mehr, Darling, ich will dir aber eine Erläuterung geben. Dieser Fremde ist ein Kerl, der auf eigene Faust operiert, der unser Vertrauen erschleichen will, um dann eines Tages mit dem, was er zum Leben in der Wildnis braucht, wie z. B. mit unseren Waffen, Munition, Decken und Ausrüstungsgegenständen, zu verschwinden. Wahrscheinlich würde er auch die besten Pferde mitgehen lassen. Nein, wir dürfen nicht die Augen verschließen, Laura. Kinder und Frauen sind unserem Schutz anvertraut, auf diesem Trail müssen wir hart sein. Yeah, hart und fest. Und wenn es manchmal auch grausam sein mag, dieses Land ist selbst hart und grausam und lässt uns keine andere Wahl. By gosh, vor uns liegt das Paradies, in dem Milch und Honig fließen soll, wie es in der heiligen Schrift heißt. Wer uns aus der Heimat gefolgt ist, brach alle Zelte hinter sich ab, ließ alles hinter sich, Freunde und Bekannte, alles, woran das Herz sonst hängen mag. Jeder war bereit, die neue Heimat zu suchen, und vertraute sich mir an. Und nochmals, Darling, Blizzard-Todd führte unseren Treck bis Fort Ambaster. Dort gab er seinen Posten an John Claiton ab. Yeah, wir können froh sein, Claiton angeworben und für uns gewonnen zu haben. Er ist ein guter Scout, und er kennt die Trailstrecke bis zu den Black Sowos genau. Und sei ehrlich, Darling, hatte unser Blizzard-Todd Ähnlichkeit mit dem Burschen, der heute in unsere Hände geriet?“ Er blinzelte, nahm die Pfeife aus dem Mund und lächelte schief. Seine Tochter erwiderte das Lächeln nicht.

„Sie haben keine Ähnlichkeit, Dad“, gab sie zu. „Nein, absolut keine. Im Gegenteil. Jener Blizzard-Todd war ein Hüne, ein Typ von einem Mann, der befähigt ist, mit den bloßen Händen Bäume aus dem Boden zu reißen.“

„Na also ...“

„Ich frage mich nur ...“

„Was, zum Teufel?“, explodierte ihr Vater ungeduldig, wobei er sich weit vorneigte und sie betroffen ansah.

„Ich frage mich, warum Blizzard-Todd uns eine Meile vor Fort Ambaster verließ.“

„Ah, wenn es nur das ist, was dir merkwürdig erscheint“, Gerry Samny lachte wie befreit, „dann will ich dir dafür die Erklärung geben. Er wollte nicht in das Fort, die Enge der Festung hätte seinen Atem erstickt. Männer wie Blizzard-Todd brauchen den Himmel über sich, brauchen die Weite. Wind und Regen. Sie sind wie die Natur selbst. Oh yeah, ich kann verstehen, dass er, als er uns in Sicherheit wusste, wieder seinen Trail ritt. Jedenfalls hat er uns an John Claiton verwiesen. Hölle und Teufel ...“ Seine Worte brachen ab, zugleich ruckte sein Kopf hoch, wandte sich dorthin, wo der Gefangene in einem Planwagen untergebracht war.

„Was ist los, Dad?“, fragte Laura verstört. Das Benehmen ihres Vaters setzte sie in Sorge. Unwillkürlich folgte sie seinem Blick, sprang wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe, stieß über die Lippen:

„Der Wächter ist fort, Dad.“

„Yeah, genau das sehe ich auch.“

„Ich sehe keinen Grund zur Aufregung, Dad.“

„Mädel, du irrst, ich habe Sam Moreshine verboten, auch nur eine Sekunde seinen Posten zu verlassen.“

„Ah, Sam wird gleich wieder erscheinen, Dad“, flüsterte Laura beruhigend. „Vielleicht ist er um den Wagen herumgegangen, um sich zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Es ist doch unmöglich, dass sich der Gefangene seiner Fesseln entledigt haben kann, oder?“

„Was Sam auch immer von seinem Posten gebracht haben mag, ich werde mir den Jungen höllisch scharf aufs Korn nehmen“, meinte der Oldtimer verbissen.

Trotz seines Alters war er noch sehr elastisch. Er schlug die Plane weiter zurück, kletterte über den Bock zur anderen Seite. Er schritt quer durch den Kreis der Wagenburg in Richtung des Wagens, in dem der Gefangene untergebracht war. Auf halbem Weg, gleich neben dem Campfeuer, traf er auf John Claiton. Dieser grinste ihn an, führte sein Reittier am Zügel.

„Mister Samny, Sie sollten schlafen“, er lächelte Gerry an. „Es sind nur wenige Stunden der Erholung für Mensch und Tier. Man sollte sie nicht ungenutzt lassen.“

Samny wollte schon sagen, warum er seinen Schoner verlassen hatte, als er vier Männer sah, die John in Ambaster eingestellt hatte. Sie gehörten zu der kleinen Sondertruppe von sieben Mann, die der Scout unter seinem eigenen Kommando hatte. Vier Männer dieser Sondertruppe kamen in das Lager geritten, stutzten bei Samnys Anblick, schwenkten ihre Reittiere sofort herum, so dass der Flammenschein des Campfeuers sie nicht anleuchten konnte. Trotzdem sah Gerry die schaumbedeckten Pferde.

„John, was bedeutet das?“, fragte er knapp, deutete mit einer schnellen Kopfbewegung zu den Reitern hin. Rau lachte John vor sich hin.

„Ich wollte es dir gerade mitteilen, Gerry. — Ein Rudel Rinder kam — der Teufel mag wissen aus welchem Grunde — in eine Stampede. Wir haben sie zurückgeholt, das ist alles.“

Gerry nickte zwar, doch sein Misstrauen war erwacht. Er hatte weder den Hufschlag der Herde gehört, noch glaubte er, dass so wenige Rinder in eine Stampede geraten konnten. Mit keinem Blick verriet Gerry Samny, was er dachte.

„Dann ist nun also alles in Ordnung?“, fragte er knapp.

„Ich denke doch“, gab John Claiton ihm schnell zur Antwort. „Die Herde ist jetzt ruhig. Es ist Zeit, sich aufs Ohr zu legen. Morgen ist wieder ein harter Tag. Wir werden zwei reißende Flüsse, den Snell River und den Glockshire River zu überqueren haben und alle Hände voll zu tun bekommen. Die Stromschnellen der beiden Flüsse sind gefürchtet.“

Ohne eine Entgegnung abzuwarten, schritt er davon, und auch Gerry setzte seinen Weg fort.

Die Unruhe in ihm wuchs, verstärkte sich mit jedem Yard. Er ging nicht direkt auf den Schoner zu, in dem sich der Gefangene befand.

Kalt und herb war die Nachtluft, der Hauch des kommenden Winters lag schon darin, die Warnung an Mensch und Tier.

„By gosh, Sam Moreshine ist immer noch nicht auf seinem Posten!“

Wie erschrocken blieb Gerry plötzlich stehen, kniff die Augen zusammen. Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Er strich eine Haarsträhne aus der rechten Schläfe und zögerte.

Nein, nichts deutete auf etwas Besonderes hin. Der braune, struppige Bronco des Fremden stand mit tief gesenktem Kopf an die Deichsel gefesselt und döste.

Gerry gab sich einen Ruck, ließ seine Rechte auf den nach außen gebogenen Kolben seines alten Trommelrevolvers fallen. Kühl und fest lag die Waffe in seiner Hand. Langsam zog er sie mit einem leichten Schwappen aus dem Futteral, hielt sie wie abwägend in der Hand, starrte einen Moment auf die dunkle, klaffende Mündung, duckte sich und schlich im Schatten der Planwagen und Pferde weiter, erreichte den kleinen Wagen von der Seite her.

Der struppige Bronco stellte plötzlich die Ohren und schnaubte, ließ die Augen hin und her rollen, warf den Kopf hoch.

In diesem Augenblick stolperte Gerry über einen Gegenstand, der quer vor ihm auf dem Boden lag. Er schlug lang hin, rollte zur Seite, tastete nach dem Hindernis, krallte seine Hände in Stoff.

Erschrocken zog er sich näher heran ... und dann sah er in das bleiche Gesicht Sam Moreshines.

„Sam ...“, raunte er. „Sam ...“

Wild rüttelte er an dem schlaffen Körper, der hin und her wankte. Dann erst sah er die gebrochenen Augen. Er brauchte nicht lange nach der Todesursache suchen. Die Mordwaffe, ein krummes, sichelförmiges Messer, steckte Sam noch im Rücken.

Gerry prallte zurück, schnappte: „Das ... das kann nicht möglich sein, nein ...“ Sein Blick verkrallte sich auf der ihm irgendwie bekannten Waffe. Seine Gedanken hetzten, aber er konnte sich nicht erinnern, bei wem er das Messer schon einmal gesehen hatte. Es musste wohl so sein, dass auf irgendeine Art der Gefangene sich in den Besitz der Waffe gebracht hatte, seine Fesseln löste und seinen Wächter tötete, um die Freiheit zu gewinnen.

„Gerry Samny“, tönte plötzlich eine kalte Stimme hinter ihm. „Ich wollte dir keine Sorgen bereiten ... und darum tischte ich dir die Lüge von der Stampede auf.“

„Du, John?“, zischte Gerry. „Mann Gottes, wir werden ...“

„Nichts tun“, unterbrach ihn John Claiton scharf. „Ich habe die Wachen informiert und meine Leute haben sich halbtot geritten. Der Bursche ist verschwunden, hat sich seiner Fesseln entledigt. Er wird wahrscheinlich durch die Wagen hindurch, an der Rinderherde vorbei, in den nächsten Wald gerobbt sein. Yeah, ich schätze, dass er nicht daran dachte, sich hier lange aufzuhalten, um sich ein Pferd zu ergattern. Er wird froh sein, mit dem nackten Leben davongekommen zu sein. By gosh, als ich ihn sah, ahnte ich nichts Gutes, und als er sich als Blizzard-Todd ausgab, ahnte ich, was wir von ihm zu erwarten hatten. Wir hätten ihn erschießen müssen, so wie ich es vorgeschlagen hatte. Wer weiß, was jetzt noch alles passieren wird.“

„Was soll schon passieren? Er hat kein Pferd, keine Waffen, keinen Proviant. Er dürfte nicht weit kommen in der Wildnis!“

„Irrtum, Gerry Samny! Männer seiner Art haben die Hölle im Blut. Ich würde mich nicht wundern, wenn er mit einem Rudel hartgesottener Burschen zurückkehrt, und dann, dann lacht die Hölle für uns“, schnitt John Claiton dem Älteren das Wort ab. „Yeah, wir hätten ihm eine Kugel oder den Strick geben müssen, das wäre das einzig Richtige gewesen“, wiederholte er störrisch.

„Nein, das hätten wir nicht tun können“, biss der Oldtimer zurück, drehte sich auf dem Absatz herum und schwang sich auf die Deichsel des Wagens, schlug die Plane zurück, so dass das Mondlicht hereinfallen konnte. Das zerfetzte Lasso lag auf dem Boden inmitten der Gerätschaften.

„Ich frage mich nur, wie das geschehen konnte“, murmelte Gerry leise.

Rau lachte John auf.

„Du hast einen Tiger ins Lager geholt“, schnappte er böse. „Einen verdammt kräftigen Tiger, den nur Eisenketten halten konnten. Sam Moreshine war ein guter Freund von mir, Fellow, ein verteufelt guter Kamerad, und seinen Tod schlucke ich nicht.“ Er brach ab, gelbe Lichter funkelten in seinen Augen. Lichter des Satans, aus der Hölle geboren. Pfeifend ging und kam sein Atem.

„Ich sehe verdammt schwarz, Fellow“, raunte er beschwörend. „Wenn das hier herauskommt, wird eine Art Panik entstehen. Wir müssen jeden Kummer vermeiden, und werden Sam in aller Heimlichkeit noch jetzt aus der Wagenburg schaffen und ihn beerdigen. Holy gee, wir müssen alles daran setzen, dass es keine Unruhe gibt!“

 

2.

Laura Samny schaute ihrem Vater nach. Deutlich sah sie, wie er sich mit John Claiton unterhielt, wartete, bis dieser mit seinem Reittier verschwand, dann verlor sie ihn aus den Augen.

„Er wird entdecken, dass ich nicht mehr gefesselt in meinem Wagen liege“, tönte es sanft aus dem Dunkel des Wagens zu ihr hin. „Und dein Vater wird entdecken, dass es einen Toten am Wagen gibt“, hauchte er hinterher.

Sie regte und rührte sich nicht, wagte kaum zu atmen. Kalt lief es ihr über den Rücken.

„Machen Sie keine Dummheiten, Madam“, tönte es wieder weich. „Es würde mir sehr leidtun.“

„Was wollen Sie?“, raunte sie explosiv. „Warum kommen Sie ausgerechnet hierher, warum zu mir in den Wagen? Man wird Sie in Stücke reißen, wenn man Sie hier findet.“

„Nicht vor den Augen einer schönen Frau“, unterbrach er sie sanft.

„Oh, verlassen Sie sich nicht zu sehr darauf. Wenn Sie sich schon befreit haben, warum nutzen Sie die Ihnen verbleibende Zeit nicht, um zu entkommen?“

„Damit wäre nur mir, sonst keinem Menschen, geholfen. Ich würde damit nur John Claiton und seinen Raureitern einen Gefallen erweisen.“

„Um Gottes willen, warum aber gab es einen Toten an Ihrem Wagen?“

„Es ist Sam Moreshine, Madam.“

„Der Wächter?“

„Yeah, genau der!“

„Sie haben ihn umgebracht?“, fauchte sie böse.

„Ich habe noch nie jemanden ermordet, obwohl ich nicht bestreiten kann, dass Männer, im Kampf von meinen Kugeln getroffen, aus den Stiefeln fuhren. Aber die Methode, den Rücken eines Gegners zur Zielscheibe zu nehmen, die mag ich nicht. Es ist nicht fair!“

„Um mir das zu sagen, sind Sie wahrscheinlich nicht hierhergekommen“, explodierte sie.

„Nein“, gestand er, wobei er aus dem Dunkel heraus näher zu ihr hintrat.

„Sie versuchen, ehrlich zu sein“, bebte es aus ihrem Mund.

„Ich bin es immer“, klang es dumpf. „Und dies ist es auch, was mich immer wieder in Situationen hineinbringt, die kaum zu bewältigen sind, die ich ohne Hilfe nicht meistern kann, und darum bin ich hier. Darum habe ich den Weg in die Freiheit, wie Sie es nennen, den mir John Claiton aufgebrochen hat, indem er nicht davor zurückschreckte, einem seiner eigenen Männer mit dem blanken Stahl den Rücken zu durchbohren, nicht benutzt - und werde es auch nicht.“

„Oh, was wollen Sie denn? Sie wagen es, hierherzukommen und von einem Toten zu berichten, den nicht Sie, sondern Claiton ermordet haben soll. Sie müssen zugeben, das klingt alles sehr unwahrscheinlich. Warum sollte Claiton das getan haben, warum?“

„Weil Ihr Vater nicht damit einverstanden war, mich zu hängen oder zu erschießen, weil Claiton damit rechnen muss, dass ich bei Ihrem Vater Gehör finde und ich die Lügen zerschmettern könnte, die von ihm aufgebaut wurden. Yeah, ich bin Blizzard-Todd. Und der Bursche, der sich bei Ihnen meinen Namen zulegte und den Treck bis Fort Ambaster führte, arbeitet mit John Claiton Hand in Hand. Es sind die größten Schurken, die jemals ihre Hand nach einem Treck ausstreckten. Yeah, ihr gemeines Spiel fädeln sie immer dann ein, wenn ... Aber wozu soll ich Ihnen das alles erzählen? Sie glauben mir nicht, und ich kann auch nicht verlangen, dass Sie es tun. Sie könnten mir erst dann glauben, wenn Sie die geplünderten Planwagen sehen würden, die alle auf das Konto dieser Burschen gehen.“

„Nein, ich glaube Ihnen nicht“, unterbrach sie ihn. „Nein und nochmals nein. Man reitet keine dreihundert Meilen, nur um andere vor einem Unglück zu bewahren, sozusagen aus Selbstlosigkeit.“

„Wer sagt denn, dass ich das getan habe, Madam?“, nahm er ihr das Wort. „Ich gebe zu, dass ich mir und meinem Pferd diese Strapaze erspart hätte, wenn nicht ...“ Er schwieg. Rau und abgehackt klang sein Lachen.

„Weiter, Stranger“, flüsterte sie heiser.

Sein Lachen brach ab.

„Nun gut, wo ist Jim Lensing, in welchem Wagen kann ich ihn finden?“, fragte er schleppend.

Sie hob den Kopf, murmelte: „Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie wegen eines Cowboys den Ritt unternahmen?“

„Genau das will ich. Ich weiß, dass er bei diesem Treck ist“, murmelte er.

„Er ritt als Cowboy bei Grill Meyering“, stieß sie dumpf heraus.

„Ritt?“

Nur ein Wort kam von seinen Lippen, leise, und doch unheimlich scharf, ein Flüsterlaut, der durch Mark und Bein ging.

„Yeah.“

„Und?“, forderte er. Zwingend, antwortheischend war diese Frage.

„Ich weiß nicht, was Sie von Jim Lensing wollen. Ich weiß nur eins, mag es gut oder schlecht sein, es wird ihm nicht mehr schaden oder helfen, denn Jim Lensing ist tot. Yeah, er fiel bei einem Indianerüberfall kurz vor Fort Ambaster.“ Ihre Stimme erstickte unter dem Eindruck dessen, was sie zu sehen bekommen hatte.

Der unheimliche Fremde zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen, von seinen Lippen kam ein dumpfer Seufzer. Ein Laut, der mehr verriet als tausend Worte.

„Er starb wie ein echter Mann“, sagte sie aus quälenden Gedanken heraus. „Sein Grab liegt am Trailweg. Wir setzten ihm einen Stein und legten seinen Stetson darauf. Mein Vater hielt ihm eine Grabrede. Nun sagen Sie doch endlich ein Wort! Stand er Ihnen nahe?“

„Yeah, so nahe, wie einem nur ein Sohn stehen kann“, klang es zurück.

„Er war Ihr Sohn?“, presste sie von ihren Lippen.

„Yeah, mein einziger.“

„Oh, das, das konnte ich nicht wissen. Aber er hieß doch Lensing, Jim Lensing.“

„Nun, er zog es vor, den Namen meiner Frau zu tragen, Madam. Er wollte nicht, dass man mich und ihn gegeneinander abwog. By gosh, er konnte es nie ertragen, einen berühmten Vater zu haben, einen Vater, der es nicht überwinden konnte, dass die Frau ihm den Sohn nahm. Yeah, er ging seine eigenen Wege, und jetzt endeten sie.“

„Vor Fort Ambaster“, ergänzte Laura Samny dumpf. Es war ihr, als sei plötzlich ein Licht in ihr aufgeflammt, jetzt verstand sie, dass ein Mann dreihundert Meilen wie im Flug hinter sich brachte, yeah, die Vaterliebe kannte keine Grenzen, schaffte das Wunder.

„Ich glaube jetzt, dass Sie Blizzard-Todd sind“, murmelte sie bedrückt.

„Es ist jetzt vollkommen nebensächlich, ob Sie mir glauben oder nicht“, meinte er leise. „Jim ist gegangen, und ich bin sicher, dass der Schuft, der sich meinen Namen zulegte, einige unangenehme Fragen über sich ergehen lassen musste. Fragen, die ihn dazu zwangen, Jim aus den Stiefeln zu bringen. Yeah, ich bin sicher, dass Jim ins Gras beißen musste, weil er den Plänen der Schufte zu gefährlich wurde. Nun, und da kam der Indianerüberfall wie gerufen. Eine Frage noch, Madam, welcher Stamm soll es gewesen sein?“

Sie überlegte nicht lange.

„Sioux-Oglala.“

„Sioux“, klang es schroff, wobei seine Nasenflügel bebten. „Wer sagte das, Madam?“

„Unser Scout, der Mann, der sich Blizzard-Todd nannte.“ Sie fühlte plötzlich, dass sie allen Schrecken vor diesem Mann verloren hatte. Sie sah ihm in das zerklüftete Gesicht, studierte es nachdenklich.

„Es waren weder Sioux noch Cheyennes“, klang es dunkel aus seinem Mund. „By gosh, Claiton wird den anderen Burschen zu Hilfe gekommen sein und ein Theater in Szene gesetzt haben. Hat irgendjemand die Redmen gesehen?“

„Nein, wir hörten nur ihr Geschrei und das Gewehrfeuer ihrer Vorderlader und Winchester. By Jove, die Wagenburg stand ungünstig, zu nahe am Dickicht. In kurzer Zeit verloren wir zehn Mann.“

„Der Mann, der sich Blizzard-Todd nannte, wird dafür gesorgt haben, dass die Wagenburg diesen ungünstigen Platz erwählte“, meinte Todd Tresor durch die Zähne. „Jetzt bin ich sicher, Madam, es waren keine Redmen, sondern Menschen mit der gleichen Hautfarbe wie Sie und ich, die den Wagenzug vor Fort Ambaster überfielen. Erinnern Sie sich noch an Einzelheiten ...?“

„Yeah, eine kleine Herde wurde abgetrieben. Zuchtstiere des Ranchers Grill Meyering, auf die er besonders stolz war. Eine neue Rasse. Hereford nannte er sie. Es waren große, schwere, kurzhornige Tiere, rot und weiß gescheckt. Nach Rancher Meyerings Schätzung eine der kostbarsten Herden, die jemals in einem Treck mitlief, ein Vermögen für einen Mann, der sie später züchten würde.“

„Und ausgerechnet diese Herde kam bei dem nächtlichen Überfall weg?“, schleppte seine Frage ihr zu.

„Mein Gott, woher wissen Sie, dass es nachts war?“

„Weil nachts alle Katzen grau erscheinen“, stieß der Fremde bitter durch die Zähne. „Redmen, vor allem die in dieser Gegend ansässigen Stämme, greifen aber in der Morgendämmerung und am Tag an. Jene Burschen, die den Überfall wirklich ausführten, wollten nicht zu genau gesehen werden. Außerdem hätten die Redmen auch die Longhorns nicht verschont. Für die Roten ist Rindfleisch ein Ersatz für die immer geringer werdenden Büffelherden, Madam.“ Er setzte sich ihr gegenüber auf eine mit Wäsche gefüllte Kiste. Das Mondlicht fiel auf sein kantiges Gesicht, zeitlos war es, es konnte alt und jung sein. Mit stoischem Gleichmut saß er da, so, als hätte nicht soeben eine Feuerlanze sein Herz aufgerissen. Nur tief in seinen Augen flackerte eine verlorene Traurigkeit.

„Ich hatte den Eindruck, als ob Sie Claiton schon kannten“, brach sie das Schweigen. „Habe ich richtig geurteilt?“

„Claiton hat einen Bruder in den Black Sowo Mountains. Ich konnte ein Gespräch dieses Mannes belauschen, der einen Boten abschicken wollte. Beide, der Bruder und der Bote waren Höllenschufte. Von ihnen erfuhr ich, was mit diesem Treck geschehen sollte und was für eine besondere Ladung in den letzten fünf Wagen untergebracht worden ist. Leider war Tem Claiton nur ein unbedeutender Mann in dem Verein, der sich oben in den Black Sowos zum Empfang niedergelassen hatte. Er wird nicht mehr mit John Claiton zusammentreffen, Madam, und sein Bote wird niemals hier erscheinen.“

„Sie sind ... tot?“

„Yeah, so tot wie man ist, wenn man kein Blei zwischen den Augen vertragen kann“, klang es dumpf zurück. Er brach ab und lauschte in die Nacht, wandte sich dann wieder seinem Gegenüber zu. „Wenn ich es recht sehe, so hat Claiton und der Bursche, der meinen Sohn auslöschte, sich zu einem privaten Fischzug zusammengetan, der den Hereford-Rindern galt. Vielleicht hatte Tem Claiton Ähnliches vor und wollte seinem Bruder einen Plan übermitteln, der für eine private Einnahmequelle oder eine Abzweigung der besonderen Ladung sorgen wollte, bevor der ganze Treck in die Klauen des Bandenbosses in den Black Sowos fiel. — Jedenfalls musste Tem genau darüber informiert sein, dass John über genügend Männer verfügt, die vor der Hölle und dem Teufel persönlich nicht zurückschrecken, und das bedeutet, dass er entweder ein Unterführer oder aber selbst ein Bandenchef ist, dessen Verbindungsmann — also jener Mann, der sich Blizzard-Todd nannte — in zwei Lagern steht. Und was das bedeutet, brauche ich Ihnen wohl nicht näher erklären, Madam?“

Sie biss die Zähne fest aufeinander, starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an, stammelte endlich mühsam: „Allmächtiger, wie soll das alles enden?“

„Das weiß nur der Himmel oder die Hölle, Madam“, klang es spröde von seinen Lippen. „Achtung ... es kommt jemand!“

„Mein Vater, rasch, klettern Sie hinter die letzte Kiste und ziehen Sie sich eine Decke über!“

Nur einen Augenblick brannten ihre Augen ineinander, dann nickte er, drehte sich lautlos um und tauchte wie ein Schemen im Wageninnern unter. Kaum hatte er sein Versteck erreicht, als die Stimme Gerry Samnys ertönte.

„Darling, schläfst du schon?“

„O nein, ich bin hellwach und habe auf dich gewartet, Dad“, beeilte sie sich zu sagen, beugte sich dabei durch die vom Wind leise hin und her schlagenden Decken des Planwagens. „Was ist los, Dad?“

„Die Hölle“, klang es flüsternd zurück.

Sie nagte an der Unterlippe, blickte ihren Vater fest an. Oh, Himmel, yeah, er sah verändert aus. Seine Stirn war umwölkt, und seine Schultern hingen herab. Unbewegt stand er an der Deichsel und blickte in die Runde, strich sich fahrig über die schweißnasse Stirn. Langsam wandte er ihr sein von Sorgen dunkel gewordenes Gesicht zu, kletterte über den Fahrersitz zu ihr unter den Planwagen.

„Sam Moreshine ist tot“, flüsterte er rau. „Und der Gefangene ist verschwunden. By gosh, ich hätte auf Claiton hören sollen. Ah, ich war ein Narr.“

„Nein, Vater, du hast wie immer richtig gehandelt. Man kann doch einen Menschen nicht ohne allen Grund und ohne jeden Beweis seiner Schuld in den Tod jagen, das ist doch noch jetzt deine Ansicht.“

Er hieb die Hand durch die Luft, schnupperte in die Runde.

„Darling, manchmal zweifelt ein Mann an sich selber, weiß dann nicht mehr, was ist falsch und was ist richtig. Hier geht es nicht um die Lauterkeit meiner Gesinnung, sondern um hundertfünfzig Menschen, zwanzig schwere Conestogawagen, um Dinge, die mir anvertraut wurden. Ich bin der Wagenboss, bin für alles verantwortlich.“

„Und dafür zuständig, dass die letzten fünf Wagen ihren Bestimmungsort auch erreichen“, nahm sie ihm das Wort.

„Beim Zeus, Mädel, wer hat dir von den letzten fünf Wagen etwas ins Ohr geflüstert?“, fauchte er, wobei sich seine Augen verkleinerten und ein böses Glitzern aufnahmen, „wer war es?“ Er hielt die Luft an, sah die Abwehr in ihrem hübschen Gesicht, hörte sie sagen: „Vielleicht hat es mir ein Vogel ins Ohr gesungen. Vielleicht!“

„Das muss ein Vogel ohne Federn gewesen sein“, grollte der Alte säuerlich. „Mädel, du hast mich wohl nicht richtig verstanden. Moreshine ist tot!“

„Ich habe nie mit dir darüber gesprochen, Dad, aber Moreshine gehörte zu den Männern, die in jeder Frau Freiwild sahen.“

„Und das sagst du jetzt erst?“, zischte er verhalten.

„Warum sollte auch ich dir noch den Kopf beschweren, Vater? Und außerdem - du bist nicht schnell genug mit den Eisen, Dad. Wenn du auch ein harter Mann bist, aber mit dem Colt hättest du Moreshine gegenüber keine Chance gehabt. Ich bin nicht die einzige Frau, der er sich näherte, der er unverschämte Redensarten zuflüsterte. Wenn du im Camp bei den jungen Frauen herumhörst, wirst du von vielen Seiten die Bestätigung meiner Worte vernehmen, Dad. By gosh, man soll über einen Toten nicht schlecht reden, aber Tatsache ist, dass er Meyerings siebzehnjährige Tochter verführte und sie ein Kind von ihm erwartet. — Sie hat sich mir anvertraut. Und yeah, Vater, was ich von ihr zu hören bekam, war mehr als die Hölle. Sie hat ihrem Vater nichts gesagt, und das aus den gleichen Beweggründen, die auch die anderen Frauen zum Schweigen verurteilten. Weil sie alle um ihre Väter und Männer fürchteten, weil sie genau wussten, wie brutal und skrupellos dieser Moreshine war, Vater.“

Er gab keine Antwort, starrte sie nur an und nickte dann schwer vor sich hin, stöhnte fast: „Das alles habe ich nicht gewusst, Darling. Herr im Himmel, jetzt sage nur noch, dass John Claiton diesen Burschen deckte?“

„Genau das, Vater. Claiton wusste von Moreshines Art. Alle, die sich bei ihm beschwerten, schickte er fort und grinste nur. Ein solches Benehmen für einen verantwortlichen Scout sollte bedenklich stimmen.“

Er antwortete nicht darauf, dachte nach. Yeah, ihm fielen eine Menge Begebenheiten ein. Dinge, die er für nebensächlich gehalten hatte, begannen nun in einem anderen Licht zu erscheinen. Deutlich entsann er sich, dass Moira Meyering, als sie die Wagenburg zusammenstellten, ihn so sonderbar, zweifelnd angesehen hatte, so, als halte sie ihn für einen Mann, der mit Schurken unter einer Decke stünde, und hell and devil, so musste es jedem Mann im Treck erscheinen. Jedem Mann, der von Tochter oder Frau über die Machenschaften Moreshines aufgeklärt wurde.

„Warum, zum Teufel, wurde mir keine Mitteilung gemacht?“, explodierte er nun.

An Stelle der Tochter tönte eine tief schwingende Stimme aus dem Hintergrund des Planwagens:

„Man wollte nicht, dass Ihnen die Augen aufgehen, Boss.“

Gerry Samnys Rechte patschte auf den Kolben seines Revolvers. Als er blankziehen wollte, legte sich die warme Hand seiner Tochter fest auf die hochschnellende Rechte, zwang ihn, die Waffe im Futteral zu lassen.

„Dad, ich möchte dir den echten Blizzard-Todd vorstellen“, sagte sie ohne jede Scheu und mit heller Stimme. „Yeah, er ist wirklich der Mann, der den Dreihundert-Meilen-Ritt gemacht hat.“

„Mädel, dann hätte sein Pferd Tag und Nacht laufen müssen. Hölle, Pest und Schwefel, du ...?“

Er schluckte schwer, starrte auf Todd Tresor, der sich hinter der Kiste erhob und mit einigen geschmeidigen Schritten über Kästen und Ballen setzte, neben dem zurückweichenden Oldtimer stehenblieb.

„Ah, du hast Moreshine dein Messer in den Rücken gerammt“, hetzte Gerry bissig hervor. „Du ...“

„Bevor du weitere Anklagen gegen mich ins Feld führst, Fellow, denke daran, dass ein Sichelmesser immer in der Scheide John Claitons steckte. Claiton aber hat mich in deiner Gegenwart bis auf die nackte Haut nach Waffen durchsucht.“

„Yeah, das hat er“, grimmte Gerry Samny durch die Zähne, riss seine Hand aus der Hand der Tochter, krallte sie Todd in das Hirschlederhemd.

„By Gosh, ich muss ein Narr gewesen sein. Als ich das Messer im Rücken des Toten sah, wusste ich nicht mehr, wo ich es schon gesehen hatte. Aber warum, zum Teufel, sollte John seinen eigenen Kumpan niederstechen, warum?“, klang seine gepresste Stimme.

Und die Antwort kam.

„Weil John Claiton ein Menschenleben nichts bedeutet, wenn es darum geht, ein Ziel zu verfolgen. Er musste mich tot oder aus dem Camp haben. Du verhindertest das Erstere. Nun gut, so musste ich Gelegenheit bekommen, mich aus dem Staub zu machen. Moreshine musste daran glauben, und yeah, ich war nun Freiwild. Er konnte mich also abknallen, wo und wann es ihm passte, eine glatte Rechnung, Oldtimer!“

„Eine Rechnung, die jedoch nicht aufgeht“, fügte der Alte hinzu. „Aber ich möchte jetzt mehr wissen. Du hast mir bereits Brocken zu schlucken gegeben, die ich kaum durch meine Gurgel bringen kann.“

„Dad, ich werde das für Todd Tresor besorgen“, mischte sich seine Tochter ein. „Wir können wahrhaftig dem Himmel danken, dass er bei uns ist.“

„Mädel, ich sehe eben die Hartgesottenen, die John Claiton in diesen Treck brachte, bei der Arbeit. Sie wollen Moreshine ohne Aufsehen begraben. Schaut hinaus, dort, zwischen den fünf Wagen mit der besonderen Fracht verschwinden sie gerade aus der Wagenburg.“

„Ein höllischer Trick, die Sache so hinzustellen, dass er das Lager nicht erschrecken will“, murmelte Todd verächtlich. „Ein Trick, der ihm jedoch wenig nützen wird, denn ab morgen werde ich den Treck führen.“

„Du?“

„Yeah, denn ich werde nicht zulassen, dass hundertfünfzig Menschen blindlings in eine tödliche Falle stolpern“, klang es heiser. „Es genügt, dass mein Sohn am Trailweg liegenblieb — Jim Lensing. Er war erst achtzehn Jahre alt, hatte das Leben noch vor sich.“

„Ah, er war ein Mann, Todd“, jagte der Oldtimer zu ihm hin. „Ein richtiger Mann, der sich vor Tod und Teufel nicht fürchtete. Er hatte sogar den Mut, sich in das Gebüsch zu schleichen, aus dem die Redmen feuerten.“ Er brach ab, konnte nicht mehr in die Augen Todd Tresors sehen, die sich eigenartig schmal zusammenzogen.

„Jim verließ die Wagenburg?“

„Yeah.“

„Und wer hat das gesehen?“

„Nur Claiton und ich.“

„Und ... Claiton blieb bei dir?“

„Nein, als er Jim fortschleichen sah, sagte er zu mir, der Junge hat den Teufel im Leib, ich werde ihn beschützen müssen.“

„Und was geschah dann?“, klang es tonlos wie ein eisiger Hauch.

Der Oldtimer löste seine Hand aus dem Hirschlederhemd des Gegenübers, ließ sie schlaff auf seine Knie fallen.

„Claiton kroch durch die Wagenräder hinter Jim her ...“

„Das genügt“, kam es schrill. „Jetzt weiß ich, wer Jims Mörder ist. Ah, kein anderer als John Claiton!“

„Allmächtiger, wenn ich es recht überlege, dann, nun, dann wird es wohl so gewesen sein,

denn Claiton brachte den toten Jim zurück ins Lager. Hölle, ich werde noch jetzt eine Versammlung abhalten, noch heute.“

„Achte darauf, dass du die Gespannführer und Männer so weckst, dass John Claiton vor die vollendete Tatsache gestellt wird, Fellow! Es könnte sonst sein, dass er sein Blei schneller an den Mann bringt, als es deiner Haut zuträglich ist. Viel Glück!“ Noch während er sprach, hatte sich der Oldtimer erhoben. Die Finsternis schwand aus seinem Gesicht und machte einer ernsten Entschlossenheit Platz. Hoch aufgerichtet stand er vor Todd.

„Todd Tresor, ich denke, dass der Posten des Scouts frei ist. Aber wie wird Claiton es hinnehmen? Er hat sieben scharfe Eisen ins Feld zu führen, Kerle, die hartgesotten und feuerfest sind.“

„Ich fürchte sie nicht, Fellow. Wecke die Männer, und dann erst lass die Campfeuer mit trockenem Holz speisen! By gosh, Licht werden wir nötig haben, schätze ich.“

„Ich weiß nicht, wie du dir das Ganze vorstellst, Todd Tresor. Aber ich denke, dass du dich nicht eher zeigen wirst, bis Claiton abgedankt und davongegangen ist. Er wird es trotz seiner Schießer nicht wagen, gegen den Willen aller zu bleiben.“

„Abwarten“, murmelte Todd, wobei er sich geschmeidig niederließ und an dem Alten vorbei auf Laura Samny schaute, deren dunkle Augen den Nachthimmel widerspiegelten.

„Yeah, abwarten, Fellow. Claiton ist nicht der Mann, der seine Ellbogen zurückhält, wenn er in die Enge getrieben wird.“

„Ah, zum Teufel mit ihm“, fauchte der Alte grimmig und schwang sich vorsichtig über den Bock auf die Radnabe, um gleich darauf wie ein gleitender Schatten im nächsten Wagen zu verschwinden.

„Was haben Sie vor?“, flüsterte das Mädchen erregt, beugte sich zu ihm hin.

Er gab keine Antwort, und sie konnte nicht weiterfragen, denn trockene, spröde Männerlippen verschlossen ihr mit einem leidenschaftlichen Kuss den Mund. Sie bäumte sich auf, stemmte ihre Fäuste gegen seine Brust, hämmerte wild auf ihn ein. Doch fester brannten seine Lippen, heiß und wild. Yeah, so heiß wie die Wüste selbst, so wild wie das Land. Ihr Widerstand zerbrach, schlaff hing sie in seinen Armen, da ließ er sie los.

„Du hast es doch auch gewollt, nicht?“, klang seine Stimme, in der noch der Gluthauch der Leidenschaft hing.

„Nein, nein ...“, schrie sie ihn an. „Ich ...“

„Ich werde dich lieben, Laura ...“, flüsterte er ihr zu, starrte dabei in die kalte Mündung eines kleinen Revolvers, den sie irgendwo aus den Falten ihres Kleides hervorgezaubert hatte, schaute von der Mündung weg in ihr zorniges, wild bewegtes Gesicht, das mühsam um Beherrschung rang. Ihre Brust hob und senkte sich stürmisch, spannte den Stoff.

„Wenn ich auch nicht weiß, ob es keine Redmen waren, die vor Fort Ambaster unseren Treck überfielen, so bin ich sicher, dass ich hier genau weiß, wer es war“, zischte sie. Und wieder schloss er ihren Mund, noch bevor sie Weiteres sagen, begreifen konnte, dass ihm die Mündung ihres Colts nicht imponierte, die sie ihm gegen die Rippen presste.

Als er sie losließ und sie nach Atem ringend an der Wagenwand lehnte, erschöpft, kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, klang es weich von seinen Lippen: „Ich habe auf Ihren Schuss gewartet, Madam ...“

„Allmächtiger, was, was sind Sie nur für ein Mensch“, bebte es von ihren Lippen.

„Ein bedauernswerter, Madam, ein Mann, der bei Ihrem Anblick den Verstand und seine Sinne verloren hat“, gab er offen zu. „Einer, der genau weiß, dass er nicht davon loskommt, Sie zu lieben.“

„Und das alles wollen Sie in der kurzen Zeit Ihres Hierseins herausgefunden haben“, zischte sie ihm zu.

Er nickte ernsthaft.

„Das Leben ist kurz in der Wildnis. Der Tod ist überall zu Hause. Yeah, man denkt anders in der Wildnis, Madam. Wozu andere Menschen Wochen, Monate oder Jahre brauchen.“

„Sie hatten eine Frau?“, unterbrach sie ihn kühl.

„Yeah, Sie erinnern mich im rechten Augenblick an die verlorenen Jahre meines Lebens“, nickte er. „So long!“

Bevor sie noch etwas sagen konnte, sprang er leicht und geschmeidig über den Bock vom Wagen. Für einen Moment sah sie ihn groß im hellen Mondlicht stehen, dann verschwand er wie ein Schatten. Und sie legte beide Hände auf ihr stürmisch pochendes Herz, schaute dorthin, wo die Waffen Todd Tresors gehangen hatten. Der Platz war leer, die schweren Trommelrevolver mitsamt dem Gurt und der breiten Bowieklinge waren verschwunden.

By gosh, sie wusste nicht, warum sie ausgerechnet in diesem Augenblick an Jim denken musste, an Jim Lensing, der für sie eine zarte Liebe und Verehrung gezeigt, sich ihr schüchtern genähert hatte. An Jim, der in kühler Erde ruhte und der, bevor er den feindlichen Kugeln zum Opfer fiel, ihr vieles aus seinem Leben anvertraute. Oh, Himmel, yeah, jetzt entsann sie sich. Jim hatte ihr davon berichtet, dass er sich von seiner Mutter getrennt habe und zu seinem Vater wollte. Dass er sich nur deshalb dem Treck zu den Black Sowos angeschlossen hatte, um seinen Vater zu sehen. Seinen Vater, der von der eigenen Mutter gedemütigt, erniedrigt wurde, die ihn verlassen und mit anderen Männern gelebt hatte, bis Jim erwachsen genug war, um sich eigene Gedanken darüber zu machen, um seine eigenen Wege zu gehen.

„Den Trail in den Tod“, hauchte es über Lauras zuckende Lippen. Sie schlug die Plane zurück. Weit und groß wurden ihre Augen. By Jove, etwas Neues war in ihr aufgegangen ... ein Gefühl, das nie zuvor in ihr gewesen war, das sie nie für möglich gehalten hätte.

War das die Liebe? Das, wovon die Frauen schwärmten, Mädchen mit heißen Lippen sich zuflüsterten? Liebe, die mit dem Wind kam, gewaltig ergreifend, Liebe, die alles aus den Angeln hob?

„Ich konnte nicht schießen, mein Gott, ich konnte nicht“, stammelte sie.

„Todd Tresor“, murmelte sie, „Todd Tresor, der Mann der Wildnis ...“

 

 

3.

Es war Mitternacht, Sterne standen gleich leuchtenden Blinklichtern am weit gespannten Himmelsdom. Das Muhen der schläfrigen Rinder mischte sich mit dem leisen Schnauben der vor der Wagenburg im Seilcorral abgestellten Pferde. Schattenhaft glitten die Gestalten aus den einzelnen Wagen. Überall wurde es lebendig. Männer strömten zur Kreismitte.

„Was soll das Theater? Eie, was soll das alles bedeuten?“, kreischte John Claitons Stimme von der Ausfahrt der Wagenburg her, wo er mit seinem Fuchswallach verhielt. Hinter ihm warteten seine Männer, die von der Beerdigung Moreshines zurückgekommen waren.

„Löscht sofort die Feuer und geht schlafen! By Jove, wer gab euch den Befehl?“

„Ich!“ Der Oldtimer trat nunmehr unerschrocken einen Schritt vor.

„Komm heran, John Claiton, und steig aus dem Sattel! Hör dir das an, was in unserer Versammlung beschlossen wird!“

Claiton trieb sein Tier näher heran, richtete sich steif in den Steigbügeln auf.

„Ich habe gesagt, dass das Feuer sofort zu löschen ist. Ich habe weiterhin gesagt, dass die Männer Ruhe brauchen, Mister Samny“, betonte er scharf, ohne seinen höllischen Blick von Gerry Samny zu nehmen.

Hinter ihm begannen seine Männer zu murmeln, tauschten schnelle Blicke aus, verstummten, als Gerry Samny sagte: „Du solltest dich erinnern, dass ich der Führer und Wagenboss bin ... und du der Scout.“

Für einen Moment erweckte es den Anschein, als wolle sich das Gesicht Claitons verdüstern, doch dann lachte er rau und abgehackt:

„Du besinnst dich reichlich spät auf deine Fähigkeiten“, zischte er so laut, dass ihn alle verstehen konnten.

„Nun, um das alles zu klären, sind wir hier zusammengekommen“, unterbrach ihn Gerry mit kalter Ruhe. „Die schlimmste Wegstrecke unseres Trails liegt noch vor uns. Ich werde ab sofort die Befehle geben, man wird nunmehr auf mein Wort achten müssen. Wem das nicht passen sollte, kann ausscheren und seinen Trail auf eigene Faust fortsetzen. Es wird ihn niemand daran hindern.“

„By gosh, Fellow“, unterbrach ihn Claiton. Seine Stimme überschlug sich fast vor Gehässigkeit. „Du fühlst dich also plötzlich stark genug, um diesen Treck bis zu seinem Bestimmungsort Grand Sulwig zu bringen?“

„Yeah, groß und stark genug!“

„Auch ohne einen Scout?“, lauerte Claiton. Die Stille wurde unheimlich. Alle Männer, die sich eingefunden hatten, schossen schnelle Blicke auf die beiden Sprecher ab. By Jove, es war für keinen Mann schwer, herauszufinden, dass es hier um eine Machtprobe ging. Sie schwiegen und warteten.

„Yeah, auch ohne einen Scout“, sagte Gerry in das unheilvolle Schweigen hinein. „Nun, dieser Entschluss ist endgültig!“

Claiton riss den Kopf hoch, schnappte förmlich nach Luft, riss sich das Halstuch los, als wäre es ihm plötzlich zu eng geworden.

„Du musst total übergeschnappt sein“, grollte er böse. „Ohne die Führung eines Scouts bist du und der ganze Haufen verloren.“

„Ich bin dessen nicht so sicher“, dehnte der Oldtimer.

„Ah, es ist meine feste Überzeugung“, brüllte Claiton seine Wut heraus. „Es wird euch allen Hab und Gut und nicht zuletzt den Kragen kosten. Du kannst mich nicht einfach hinauswerfen. Die Versammlung soll entscheiden!“

„Yeah, genau darum sind wir hier alle zusammengekommen“, stieß Gerry kurz hervor. „Du wirst hören, was dabei herauskommt. Übrigens, habt ihr Moreshine begraben?“

Wie eine Dynamitladung wirkte diese Frage. Bleich wurde der Scout. Die Stirn- und Halsadern schwollen ihm an. Stechend war sein Blick.

„Alter“, zischte er, gerade laut genug, dass nur Gerry ihn verstehen konnte. „Wenn du die Unbeliebtheit meines Partners dazu ausgenutzt hast, um das Feuer gegen mich zu schüren, werde ich, bevor ich dieses Camp verlasse, dir etwas zu schmecken geben, das du nicht so leicht verdauen kannst. Man stirbt langsam mit einer Kugel im Bauch, verstehst du?“

Details

Seiten
120
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931501
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497525
Schlagworte
wenn hölle

Autor

Zurück

Titel: Wenn die Hölle lacht ...