Lade Inhalt...

Die Fahrt nach Miami

2019 124 Seiten

Zusammenfassung


Die beiden Trucker Jim Sherman und Bob Washburn möchten nur ein paar Tage entspannen, doch Jims Ex-Ehefrau bittet ihn, sich um ihren Vater zu kümmern. Der Trucker-King hat sich in letzter Zeit sehr verändert und will sogar einen wichtigen Teil seines Unternehmens verkaufen. Alle, die ihn kennen, verstehen seine Handlungsweise nicht mehr. Jim besucht also den King, um mit ihm zu reden, doch auch er hat keinen Einfluss auf den Freund. Allerdings verschafft der King Jim und Bob eine neue Tour und spendiert ein paar Tage Urlaub in Miami für die beiden.

Leseprobe

Table of Contents

Die Fahrt nach Miami

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

Die Fahrt nach Miami

Roman von Frank Rehfeld

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 124 Taschenbuchseiten.

 

Die beiden Trucker Jim Sherman und Bob Washburn möchten nur ein paar Tage entspannen, doch Jims Ex-Ehefrau bittet ihn, sich um ihren Vater zu kümmern. Der Trucker-King hat sich in letzter Zeit sehr verändert und will sogar einen wichtigen Teil seines Unternehmens verkaufen. Alle, die ihn kennen, verstehen seine Handlungsweise nicht mehr. Jim besucht also den King, um mit ihm zu reden, doch auch er hat keinen Einfluss auf den Freund. Allerdings verschafft der King Jim und Bob eine neue Tour und spendiert ein paar Tage Urlaub in Miami für die beiden.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

 

Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

 

 

Die Hauptpersonen des Romans:

Jim Sherman und Bob Washburn - Ein Sonnenurlaub in Miami wird für unsere beiden Trucker zum Alptraum-Trip.

Luke Ryland - Er verschafft den beiden die Urlaubstour. Ob er wohl geahnt hat, was sie erwartet?

Candy Stevens - Eine Strandschönheit mit dunkler Vergangenheit.

Ex-Sheriff Bates - Ein alter Bekannter taucht wieder auf! Nicht als Gesetzeshüter, sondern als Urlauber. Aber auch in diesen Fall muss er sich natürlich einmischen ...

Allison Graham - Sie leitet eine Agentur besonderer Art: Sie vermietet Killer! Der neue Auftrag scheint kinderleicht: Zwei lästige Trucker sollen beseitigt werden ...

 

1

„Bitte, Carla Sue, ich habe nicht allzu viel Zeit“, sagte Jim. „Ich bin total erledigt. Also komm endlich zur Sache. Warum wolltest du mich unbedingt sprechen?“

„Du bist wieder mal Charme und Freundlichkeit in Person“, erwiderte Carla Sue Sherman, aber sie schien nicht verärgert zu sein, denn sie lächelte dabei. Sofort wurde sie jedoch wieder ernst. „Du hast recht, kommen wir zum Thema. Natürlich ging es mir auch darum, dich mal wiederzusehen, aber in erster Linie habe ich dich wegen Dad angerufen. Ich mache mir verdammt große Sorgen um ihn.“

Von daher wehte also der Wind, dachte Jim und kam gleichzeitig nicht umhin, seine Ex-Frau zu bewundern. Es lag noch nicht lange zurück, dass während eines Festes auf der Familienranch der Rylands in Riomedina von einem bislang unbekannten Attentäter aus ebenfalls unbekannten Gründen eine Zeitbombe gezündet worden war.

Carla Sue war bei dem Anschlag am schlimmsten verletzt worden und war seither an den Rollstuhl gefesselt. Dennoch dachte sie nicht daran zu resignieren. Sie war schon immer eine Kämpfernatur gewesen, nicht umsonst hatte sie das Blut des Trucker-Kings Luke Ryland in sich. Sie wollte nicht bemitleidet werden, nicht einmal von sich selbst.

Deshalb führte sie ihr Leben, so gut es ging, wie zuvor weiter, statt sich in Selbstmitleid zu ergehen. Sogar ihre Modeboutique „Marachi Mood“, in deren Büro sie sich gerade beide befanden, leitete sie weiterhin selbst.

Das nötigte ihr auch Jims Respekt ab. Und es war typisch für Carla Sue, dass sie auch in ihrer gegenwärtigen Lage nicht nur an sich selbst dachte, sondern sich um andere Sorgen machte.

Er runzelte die Stirn. „Der King? Was ist mit ihm?“

Carla Sue zögerte.

„Ich ... ich weiß nicht recht, wie ich es sagen soll. Er hat sich in den letzten Wochen verändert. Du müsstest es doch selbst auch mitbekommen haben.“

„Du weißt, dass ich viel unterwegs bin“, entgegnete Jim ausweichend. Natürlich stimmte das, aber obwohl er nicht allzu häufig in San Antonio war, hatte doch auch er mitbekommen, dass etwas mit dem King nicht in Ordnung war. Dazu brauchte er nicht einmal in der Stadt zu sein. Auch unterwegs erfuhr er einiges, schließlich traf er immer wieder Fahrer der RTC. Aus den Gesprächen mit ihnen war mehr als einmal unterschwellig hervorgegangen, dass sich das Klima innerhalb des Unternehmens mehr und mehr wandelte. Pat hatte einen schweren Unfall erlitten, und auch organisatorisch sollte trotz aller Bemühungen Ray F. Jordans einiges im Argen liegen.

Jim musterte seine Ex-Frau eindringlich. Sie wirkte sehr ernst, und ihr Blick überzeugte ihn, dass sie ehrlich besorgt war.

„Okay. Erzähle mir, was deiner Meinung nach mit dem King nicht stimmt“, forderte er sie auf und versuchte, seine Müdigkeit zu unterdrücken.

Eigentlich hatte er um diese Zeit bereits im Bett liegen wollen, um sich ein paar Stunden auszuruhen. Aber als er vor erst knapp einer Stunde mit Bob von einer Tour nach San Antonio zurückgekehrt war, hatte er Carla Sues Nachricht auf seinem Anrufbeantworter gehört, er möge sich so bald wie möglich mit ihr in Verbindung setzen. Er wollte sie zwar ohnehin am Abend besuchen, aber nachdem er zuvor mehrere Stunden am Steuer gesessen hatte, hatte er sich erst einige Stunden Erholung gönnen wollen. Ihre Nachricht jedoch hatte dringend geklungen, und so hatte er lediglich geduscht und sich frische Sachen angezogen, um sich dann direkt auf den Weg zu Carla Sue zu machen.

Er hatte sich mit ihr immer gut verstanden, auch nach der Scheidung. Schließlich war ihre Ehe ja auch nicht daran gescheitert, dass sie nicht miteinander ausgekommen wären, sondern daran, dass es Carla Sue nicht genügt hatte, ihn nur ein paar Tage im Monat zu sehen, weil er die übrige Zeit auf Achse war. Sie hatte ihn dazu gedrängt, einen sicheren und gutbezahlten Posten bei der Ryland Trucking Company, der Firma ihres Vaters, anzunehmen. Das wiederum hatte Jim nicht gewollt. Für ihn war es undenkbar, hinter einem Schreibtisch statt hinter dem Lenkrad des „Thunder“ zu sitzen. Aber das hatte an seinen Gefühlen für Carla Sue nichts geändert und vor allem nichts an den ihren, die sie noch immer für ihn hegte. Längst schon bereute sie die Scheidung und suchte immer wieder nach einem Vorwand, sich mit ihm zu treffen.

Auch diesmal war er sich zunächst nicht sicher gewesen, ob es sich nicht einfach nur wieder um einen ihrer Tricks handelte, mit dem sie ihn dazu bringen wollte, sich mit ihr zu treffen. Ihre Sorge schien jedoch echt zu sein. „Es ist... mehr ein Gefühl“, begann sie stockend. „Ich kenne Dad so gut, dass mir jede kleine Veränderung an ihm auffällt. Und in letzter Zeit... Er macht ständig einen etwas zerstreuten Eindruck, antwortet auf Fragen nur vage und ausweichend. Ich habe sogar das Gefühl, dass er mich bewusst meidet.“

„Vielleicht ist er nur etwas unsicher, wie er sich dir gegenüber verhalten soll“, wandte Jim ein. „Ich meine, manchmal fällt es nicht leicht ...“

„ ... mit einem Krüppel wie mir umgehen?“, fiel ihm Carla Sue ins Wort. „Meinst du das?“

„Ich hätte es etwas anders ausgedrückt“, murmelte Jim. „Aber wenn du es selbst so nennst... Auch ich fühle mich seit dem Unfall in deiner Gegenwart immer etwas befangen. Das ist eine ganz unterbewusste Reaktion.“

„Aber doch nicht bei Dad“, widersprach Carla Sue. „Du weißt doch selbst, dass der King mit so etwas nie Probleme hatte. Aber er zieht sich von allen zurück. Ich bin nicht die einzige, der das aufgefallen ist. Marilyn würde es nie so offen zugeben, aber auch sie hat Probleme, mit ihm klarzukommen. Weißt du, dass er sogar vorläufig aus dem gemeinsamen Eheschlafzimmer ausgezogen ist?“

Jim nickte.

„Marilyn hat es mir erzählt. Aber in jeder Ehe kriselt es einmal. Vielleicht ist auch gerade das der Grund, weshalb er sich dir gegenüber anders verhält.“

„Das glaube ich nicht. Ich habe mit Ray gesprochen. Auch in der Firma weht plötzlich ein ganz anderer Wind. Dad hat anscheinend allen Ernstes vor, die RTC-eigenen Frachtagenturen zu verkaufen.“

„Was?“ Jims Stirnrunzeln vertiefte sich. „Du musst dich täuschen. Das würde der King nie tun.“

„Genau das habe ich auch gedacht, aber es ist wahr. Noch vor ein paar Monaten wäre es unvorstellbar gewesen, aber jetzt ist er fest dazu entschlossen. Ray hat sich schon den Mund fusselig geredet, aber Dad lässt sich nicht umstimmen. Die Verträge sind bereits fertig ausgearbeitet und sollen in den nächsten Tagen unterschrieben werden.“

„Ich kann mir das einfach nicht vorstellen“, erwiderte Jim nachdenklich.

„Dann weißt du ja, wie ich mich fühle. Irgend etwas ist mit Dad passiert. Er klagt auch öfters über Kopfschmerzen. Anfangs habe ich gedacht, es wäre nur Stress, aber du weißt ja, wie er ist. Der fühlt sich höchstens unwohl, wenn er keine Arbeit hat.“

Jim schwieg einige Sekunden und überlegte.

„Aber was soll ich deiner Meinung nach machen?“, fragte er dann.

„Es wäre ganz gut, wenn du mal mit ihm sprechen würdest. Er respektiert dich. Vielleicht bekommst du heraus, was mit ihm los ist.“

Jim verzog das Gesicht.

„Warum sollte er ausgerechnet mir etwas sagen, wenn er selbst Marilyn und dir gegenüber schweigt? Und Ray respektiert er auch.“

„Trotzdem, das ist etwas anderes“, behauptete Carla Sue. „Dich betrachtet er als Freund, schon wegen deines Vaters.“

Wieder schwieg Jim eine Weile. Es stimmte schon, er hatte ein ganz besonderes Verhältnis zum King. Sein Vater war früher Rylands Shotgun gewesen.

„Also schön“, willigte er schließlich ein. „Ich wollte ohnehin ein paar Tage in San Antonio bleiben und hatte vor, Luke zu besuchen. Dann kann ich ihm bei der Gelegenheit ja direkt mal ein bisschen auf den Zahn fühlen. Aber versprich dir besser nicht zu viel davon. Ich denke gar nicht daran, ihn auszuquetschen oder ihm gar nachzuspionieren.“

„Das erwartet auch niemand“, sagte Carla Sue mit sichtlicher Erleichterung. „Ich möchte einfach nur, dass du mal mit ihm sprichst. Am besten so schnell wie möglich.“

„Das werde ich“, versprach Jim.

 

 

2

James Henley öffnete die Tür und lächelte zufrieden. Er war ein kleinwüchsiger, etwas übergewichtiger Mann Mitte vierzig, dessen Haar sich bereits stark lichtete. Dennoch wirkte sein Gesicht einigermaßen anziehend, nur versuchte er vergeblich, ihm durch einen Schnurrbart zusätzliche Männlichkeit zu verleihen.

„Sie sind pünktlich“, grüßte er. „Das schätze ich, Susan.“

„Ich bin eben immer die richtige Wahl“, erwiderte die junge Frau und zog ihre getönte Brille ab. Sie lächelte ebenfalls und trat ein. „In jeder Hinsicht.“

„Hat Sie jemand gesehen?“

„In der Eingangshalle ist mir ein Mann begegnet, der gerade aus dem Lift trat.“ Da Henley keine Anstalten machte, ihr zu helfen, schlüpfte sie allein aus dem Mantel und hängte ihn an die Garderobe. Darunter trug sie ein blutrotes, enganliegendes Kleid mit sündhaft tiefem Ausschnitt. „Aber das war bestimmt kein Privatdetektiv, falls Sie das fürchten. Sind Sie verheiratet?“

„Geht Sie nichts an“, knurrte Henley barsch. Gleich darauf zuckte er entschuldigend mit den Achseln. „Sie haben recht. Ich bin verheiratet, und meine Frau ist unglaublich eifersüchtig. Aber ich glaube nicht, dass sie so weit gehen würde, mir von einem Privatdetektiv nachspionieren zu lassen. Kommen Sie, Susan. Wie wäre es mit einem Glas Champagner zur Einstimmung?“

„Das klingt phantastisch.“

Während Susan ihm ins Wohnzimmer des kleinen Appartements folgte, überprüfte sie in dem Spiegel neben der Garderobe blitzschnell ihr Makeup und strich sich das lange schwarze Haar zurecht.

Henley zog die Champagnerflasche aus dem Eiskübel und öffnete sie umständlich. Es handelte sich um eine ziemlich billige Marke, stellte Susan mit einem raschen Blick auf das Etikett fest. Und zudem auch noch ein schlechter Jahrgang. Zweite Wahl, so wie alles bei Henley zweite Wahl zu sein schien, die sterile Einrichtung der Wohnung und auch ihn selbst mit eingeschlossen.

Nur bei ihr hatte er ausnahmsweise einmal Geschmack bewiesen. Das war kein Eigenlob, sondern eine Feststellung von Tatsachen. Schließlich kannte Susan selbst ihren Preis am besten, und wenn der nicht erstklassig war, dann wusste sie nicht, was sonst. Aber es war ja auch nicht Henleys freie Wahl gewesen. Als sie ihn am frühen Abend in der Bar gesehen hatte, war es für sie ein Kinderspiel gewesen, ihn so heiß zu machen, dass er unter allen Umständen mehr wollte, egal, zu welchem Preis. Zwar hatte er sich nicht getraut, mit ihr zusammen wegzugehen, aber er hatte ihr seine Adresse genannt und sie aufgefordert, ihm in einer Stunde unauffällig zu folgen. Nun, ihr konnte es nur recht sein. Sie wusste, warum er so viel Wert auf Heimlichkeiten legte.

„Wunderbar“, sagte sie mit rauchiger Stimme, nachdem sie mit ihm angestoßen und einen Schluck getrunken hatte.

„Ich habe öfter geschäftlich in New York zu tun“, erklärte Henley. „Da ist es auf die Dauer billiger, mir dieses Appartement zu halten, als ständig in Hotels zu wohnen.“

Und bequemer für die regelmäßigen Schäferstündchen mit deinen Callgirls, fügte Susan in Gedanken hinzu, lächelte dabei jedoch unverbindlich und schlug die Beine gekonnt übereinander, so dass das geschlitzte Kleid auseinanderklaffte und ihm freien Einblick bis über das Band ihrer schwarzen Seidenstrümpfe gewährte.

Henley schluckte.

„Du verstehst es wirklich, einen auf Touren zu bringen“, murmelte er. „Wollen wir dann nach nebenan gehen?“

Er schenkte sich ein weiteres Glas ein und stürzte es ebenso wie das erste in einem Zug hinunter. Was bei einem anständigen Champagner eine Todsünde gewesen wäre, war bei diesem Gebräu wohl das Zweitbeste, was man damit machen konnte.

Susan entschied sich für das Beste: Sie stellte das Glas einfach ab, nachdem sie nur leicht daran genippt hatte. Sie stand auf.

„Beginnen wir mit dem wirklich gemütlichen Teil des Abends“, sagte sie und schenkte Henley einen vielversprechenden Blick. „Aber erst sollten wir das Finanzielle hinter uns bringen. Fünfhundert Dollar, wie abgemacht.“

„Und das ist dein letztes Wort?“

„Ich bin nicht hier, um zu handeln“, antwortete Susan. „Es gibt genügend Männer, die sich nicht so anstellen. Ich verspreche dir, dass du es bestimmt nicht bereuen wirst. Aber wenn du nicht willst...“

„Schon gut, ich bezahle ja“, versicherte Henley hastig und öffnete seine Brieftasche. Er zappelte bereits so fest an ihrem Haken, dass er gar nicht mehr zurück konnte. „Ich wollte ja nur sagen, dass das wirklich eine ganze Menge Geld für eine einzige Nacht ist.“

„Aber was für eine Nacht“, hauchte Susan und steckte das Geld, das er ihr gab, in ihre Handtasche. „Ich habe ja schließlich auch eine ganze Menge zu bieten, und alles Gute hat nun mal seinen Preis. Dafür verspreche ich dir aber auch den Trip deines Lebens. Diese Nacht wirst du mit Sicherheit nie vergessen. Ich habe mir schon etwas ganz Besonderes für dich ausgedacht.“

„Das hoffe ich.“ Henley trat auf sie zu und begann, sie abzuküssen. Gleichzeitig betatschte er gierig ihren Körper, während er sie in Richtung Schlafzimmer drängte.

„Langsam“, bremste ihn Susan und befreite sich aus seiner Umklammerung. „Nicht so wild.“

Sie strich sich einige schwarze Haarlocken über die Schultern zurück.

„Ich werde dich richtig verrückt machen“, hauchte sie ihm ins Ohr. Sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen, und streifte es ihm ab.

Als er nackt war, drängte sie ihn mit sanfter Gewalt auf das Bett. Jetzt, da seine Kleidung es nicht mehr kaschierte, war deutlich zu erkennen, dass sein Körper von falscher Ernährung und zu vielen Drinks aufgeschwemmt war. Was soll’s, sagte sich Susan schulterzuckend. Schließlich war es nur ein Job.

„Streck die Arme aus“, bat sie. Sie öffnete ihre Handtasche und nahm mehrere Paar Handschellen heraus.

„He, was soll das?“, protestierte Henley irritiert.

„Nicht aufregen, ganz ruhig“, erwiderte Susan. Mit wiegenden Hüften trat sie auf ihn zu. „Du wolltest doch etwas ganz Besonderes erleben, und das habe ich dir versprochen. Also tu einfach, was ich dir sage.“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

Henley sträubte sich nicht länger. Widerstandslos ließ er sich mit Händen und Füßen an das Bettgestell ketten. Sein Atem ging schnell und keuchend.

Susan trat einen Schritt zurück.

„So, das hätten wir, Mister Henley“, sagte sie. Ihr Tonfall hatte sich verändert, ihre Stimme klang nun kalt wie Eis. „Oder soll ich lieber Senator Cross sagen?“

Die Augen des Mannes weiteten sich in ungläubigem Schrecken.

„Woher wissen Sie ... Was ... was haben Sie mit mir vor?“

Susan griff nach seinem Hemd, knüllte es zusammen und steckte ihm blitzschnell einen Teil davon als Knebel in den Mund.

„Es gibt ein paar Leute, denen Sie unbequem geworden sind“, erklärte sie im Plauderton. „Sehr unbequem. Diese Leute würden es sehr begrüßen, wenn Sie nicht länger unter den Lebenden weilen würden. Und sie waren sogar bereit, für die Erfüllung dieses Wunsches tief in die Tasche zu greifen. Genaueres weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht.“

Der Senator bäumte sich auf, warf sich auf dem Bett hin und her und zerrte erfolglos an den Handschellen. Er versuchte zu schreien, doch durch den Knebel bekam er nicht mehr als ein gedämpftes Stöhnen heraus.

„Erinnern Sie sich, was ich Ihnen versprach?“, fuhr Susan wie unbeteiligt fort. „Den Trip Ihres Lebens. Ich vergaß nur zu erwähnen, dass es auch Ihr letzter sein würde. Deshalb werden Sie auch keine Gelegenheit mehr haben, ihn jemals zu vergessen.“

Erneut öffnete sie ihre Handtasche. Als sie die Hand diesmal zurückzog, hielt sei ein beidseitig geschliffenes Messer in den Fingern.

Cross versuchte nicht einmal mehr, sich zu wehren. Wie gelähmt vor Entsetzen starrte er sie an, als sie zum Stoß ausholte.

 

 

3

„Sind Sie angemeldet, Jim?“, erkundigte sich Sharon Hayes, die langjährige Sekretärin Luke Rylands. Es war ihr sichtlich unangenehm, diese Frage zu stellen.

„Was?“, war das einzige, was dem blonden Texaner einfiel. Auf dem Rückweg von Carla Sue war er sofort zum Firmensitz der RTC gefahren. Jim war es gewohnt, ohne alle Formalitäten direkt zum King durchgelassen zu werden, wenn sich Ryland nicht gerade in einer Konferenz befand oder anderweitig wichtig beschäftigt war. „Was soll denn der Quatsch? Hängen hier jetzt vielleicht neuerdings noch Kästen, aus denen man Wartenummern ziehen muss?“

„Eine Anweisung von Mister Ryland“, erklärte die Sekretärin. „Ich darf niemanden ohne vorherigen Termin zu ihm hineinlassen.“

Durch die Tür des Büros waren aufgeregte Stimmen zu hören.

„Sagen Sie dem King, dass ich hier bin“, bat Jim. „Ich bin sicher, dass er sich freuen wird, mich zu sehen.“ Er lächelte spitzbübisch und deutete auf die Tür. „Scheint dicke Luft da drin zu herrschen.“

Wie stets war Sharon Hayes das Musterbeispiel einer korrekten, diskreten Vorzimmerdame.

„Mister Jordan befindet sich dort zu einer firmeninternen Aussprache“, erklärte sie, ohne auf Jims flapsigen Tonfall einzugehen. „Soll ich mit der Anmeldung noch etwas warten?“

Bevor Jim zum Antworten kam, wurde die Tür von innen aufgerissen. Mit wütendem, hochrotem Gesicht kam Ray F. Jordan, Schwiegersohn Rylands und Geschäftsführer der RTC, aus dem Büro gestürmt und wäre fast mit Jim zusammengeprallt.

„Was ist denn los?“, erkundigte dieser sich.

Ray zuckte mit den Achseln.

„Ich weiß auch nicht, was in letzter Zeit mit dem King los ist“, antwortete er aufgebracht. „Er lässt sich nicht davon abbringen, unsere Agenturen an diese Japaner zu verkaufen. Die Verträge sind fertig ausgearbeitet und sollen morgen oder übermorgen unterschrieben werden. Ich möchte nur mal wissen, warum er mich überhaupt zum Geschäftsführer gemacht hat, wenn mein Wort neuerdings nicht mehr das Geringste gilt.“ Jim klopfte ihm aufmunternd auf die Schultern.

„Soll ich fragen, ob Mister Ryland jetzt Zeit für Sie hat“, fragte Sharon Hayes.

„Nicht nötig“, entgegnete Jim. Bevor sie protestieren konnte, war er bereits an der Bürotür, die Ray nicht ganz hinter sich geschlossen hatte, klopfte und trat ein.

Luke Ryland saß in seinem ledernen Drehsessel hinter dem Schreibtisch. Unwillig schaute der schlanke Mann mit dem sonnengebräunten, schmalen Gesicht und dem silbergrauen Haar auf.

„Was ...“ Er brach ab und lächelte. „Jim, komm herein. Ich habe bereits erfahren, dass du heute nach San Antonio zurückkommst, und wollte dich nachher sowieso anrufen.“

„Zu spät.“ Jim grinste, nahm seinen Stetson ab und setzte sich. Irgend etwas irritierte ihn. Rylands Freundlichkeit wirkte eine Spur zu aufgesetzt, um wirklich echt zu sein, vor allem nach dem anscheinend handfesten Krach, den er gerade erst mit Ray Jordan gehabt hatte. „Du hast Meinungsverschiedenheiten mit Ray“, entschloss sich Jim, sein Ziel direkt anzusteuern, statt erst lange um den heißen Brei herumzureden.

Der Trucker-King seufzte. „Leider. Aber das ist rein geschäftlich. Ich hoffe nur, auch Ray begreift, dass es sich in keiner Form um persönliche Differenzen handelt.“

„Das dürfte ihm wohl klar sein. Er sagte etwas vom Verkauf eurer Frachtagenturen.“

„Dich hat wohl nicht zufällig irgend jemand zum Spionieren hergeschickt?“ Ryland stellte die Frage zwar in ironischem Tonfall und mit einem Lächeln, aber für einen kurzen Moment war Misstrauen in seinen Augen aufgeblitzt, wie Jim nicht entgangen war.

„Natürlich nicht“, antwortete er wie aus der Pistole geschossen, erst dann wurde ihm bewusst, dass es zumindest eine halbe Lüge war. Früher wäre ihm nicht einmal der Gedanke gekommen, seinen Ex-Schwiegervater zu belügen, aber irgend etwas war anders geworden. Was zwischen ihnen fehlte, war die vertraute Herzlichkeit. Aber eigentlich war er ja wirklich nicht zum Spionieren hier, und so fügte er wahrheitsgemäß hinzu: „Ich wollte nur mal wieder hereinschauen und sehen, wie es dir geht.“

„Im Grunde ganz gut, aber ich habe höllisch viel Arbeit. Von all den Zahlen und dem Papierkram bekomme ich in letzter Zeit schon dauernd Kopfschmerzen. Am liebsten würde ich mich mal wieder hinter das Lenkrad eines Trucks schwingen, den ganzen Kram hier hinter mir lassen und für ein paar Tage freie Highway-Luft schnuppern.“

„Aber die Zeiten sind vorbei“, stellte Jim fest. Das war wieder ganz der King, wie er ihn kannte. „Ich fürchte, Marilyn würde dich lieber mit Gewalt aus dem Führerhaus zerren, als dich noch einmal fahren zu lassen.“

Ryland nickte verdrossen. Er massierte kurz seine Schläfen und ließ seine Finger dann zu der Narbe an seiner Stirn wandern. Ein Andenken an den schweren Unfall, den er bei einem seiner letzten derartigen Ausflüge erlitten hatte. Mit einem Tanklaster war er vor einiger Zeit in Idaho einen Abhang hinuntergesaust. Die Explosion hatte er nur überlebt, weil er vorher aus dem Gefährt geschleudert worden war, aber er hatte sein Gedächtnis verloren und war fast ein halbes Jahr lang umhergeirrt, ohne zu wissen, wer er war.

Verständlich also, dass Marilyn ihn auf keinen Fall noch einmal ans Lenkrad eines Trucks lassen wollte. Auch wenn die Ärzte erklärt hatten, dass mit Ryland wieder alles in Ordnung wäre, waren auch Spätfolgen dieses Unfalls nicht ausgeschlossen. Die Kopfschmerzen, über die er in letzter Zeit gelegentlich klagte, konnten ein Zeichen dafür sein. Möglicherweise war dies sogar der Grund dafür, dass sich sein Verhalten in letzter Zeit verändert hatte.

„Was ist denn nun eigentlich mit den Agenturen?“, nahm Jim den Faden wieder auf. „Hast du ernsthaft vor, sie zu verkaufen?“

Immer noch massierte der King die Narbe an seiner Stirn. Nun ließ er die Hand sinken. „Habe ich“, bestätigte er.

„Aber warum? Ich begreife das nicht.“

„Weil sie nicht rentabel genug sind. Mit dem Geld habe ich etwas anderes vor, das einen wesentlich höheren Gewinn verspricht.“

Jim dachte daran, dass auch er und Bob schon manchen lohnenden Auftrag von den RTC-eigenen Frachtagenturen abgestaubt hatten.

„Mag sein, dass du mich für neugierig oder aufdringlich hältst, aber darf ich fragen, um was es sich handelt?“

Der King schwieg einen Moment. „Jim, du weißt, dass ich dich immer wie einen Sohn betrachtet habe und wie sehr ich deshalb deine Scheidung von Carla Sue bedauert habe. Außerdem hast du mir oft genug geholfen, so dass ich weiß, dass ich dir völlig vertrauen kann. Aber das ist etwas, das ich ganz allein durchziehen möchte. Selbst Ray habe ich nichts über diese Sache verraten, und er ist immerhin mein Stellvertreter bei der RTC. Deshalb ist er ja so aufgebracht. Sei mir also bitte nicht auch noch böse, wenn ich dieses kleine Geheimnis für mich behalten möchte.“

„Das muss aber schon ein ganz schön großes Geheimnis sein, wenn es nötig ist, dafür alle Agenturen zu verkaufen. Ich hoffe nur, du weißt, was du tust, King.“

„Das weiß ich, darauf kannst du Gift nehmen. Verlass dich nur auf mich. Bislang hatte ich immer den richtigen Riecher, sonst hätte ich es wohl kaum geschafft, diese Firma zu solcher Größe aufzubauen. Ich bin zwar keine Zwanzig mehr, aber so verknöchert und altmodisch, wie Curtis mir immer vorgeworfen hat, bin ich noch lange nicht.“ Er tippte sich an die Stirn. „Da drin steckt noch eine ganze Menge gesunder Unternehmergeist.“

„Das bezweifle ich nicht“, sagte Jim, obwohl er für einen Moment gar nicht mehr so sehr davon überzeugt war. Was, um alles in der Welt, hatte der King bloß für ein Süppchen am kochen? Es musste verdammt heiß sein. Hoffentlich verbrannte er sich daran nicht die Finger.

„Übrigens bekomme ich das sogar offiziell bestätigt“, sprach Ryland weiter. „In vier Tagen tritt der örtliche Handelsverband zusammen, um seinen Preis für den Unternehmer des Jahres zu verleihen. Es ist bereits das fünfte Mal, dass ich ihn seit der Gründung der RTC bekomme. Wie du siehst, gehöre ich noch lange nicht zum alten Eisen.“

„Dann schon mal im voraus herzlichen Glückwunsch“, gratulierte Jim. „Und was dein Vorhaben betrifft, so wünsche ich dir jedenfalls viel Erfolg dabei. Falls du aber doch noch irgendwelche Hilfe brauchen solltest...“

„Du und Bob, ihr habt in letzter Zeit schon viel zu viel für mich getan“, wehrte Ryland ab. „Mehr, als ich jemals gutmachen kann. Wenn ich nur an die Sache mit dem Brockway denke... Aber das ist einer der Gründe, weshalb ich ohnehin mit dir sprechen wollte. Eigentlich betrifft es Bob genauso, und deshalb wollte ich euch beide einladen, aber wenn du schon mal hier bist, kann ich es dir auch direkt sagen. Wie sieht es bei euch im Augenblick mit Frachtaufträgen aus?“

„Noch nichts Konkretes“, berichtete Jim. „Bob und ich wollten erst einmal ein paar Tage ausspannen und uns dann darum kümmern. Hier in San Antonio treiben wir immer etwas auf.“

„Ausspannen, aha. Wie wäre es denn, wenn ihr das in Florida tun würdet, in Miami? Phantastisches Wetter, Sonne, Strand, knackige Bikinischönheiten und dergleichen mehr. Wäre doch für einen kurzen Urlaub viel besser geeignet.“

„Warum nicht gleich Europa oder die Südsee?“, fragte Jim ironisch und fragte sich, worauf der King hinauswollte. „Im Prinzip wäre nichts dagegen einzuwenden, nur haben wir es leider nicht so dicke, dass wir es uns erlauben könnten, so mit dem Geld herumzuschmeißen.“

„Wer sagt denn, dass ihr Geld dabei ausgeben sollt?“, hakte Ryland mit einem hintergründigen Lächeln nach. „Ich spreche davon, dass ihr während dieser Zeit Geld verdienen sollt.“

„Ich fürchte, der Job muss erst noch erfunden werden, bei dem man mit faulenzen Geld verdienen kann.“ Jim musterte sein Gegenüber aufmerksam. „Mal heraus mit der Sprache, King. Du führst doch irgend etwas im Schilde.“

„Na klar“, bestätigte Ryland. „Ganz kurzfristig hat sich ein Frachtauftrag nach Miami ergeben, für den ich erst in einer Woche einen Anschlussauftrag habe. Jetzt suche ich jemanden, der die Tour übernimmt und bereit ist, auf Firmenkosten die Zwischenzeit da unten totzuschlagen. Ich könnte einen unserer Trucks schicken, aber lieber wäre mir, wenn ihr diesen Auftrag annehmen würdet.“

„Aber für die Zwischenzeit wird sich in der Gegend doch bestimmt...“ Jim verstummte. Natürlich wäre es kein Problem für die RTC, eine andere Fracht in Florida aufzutreiben und später auch eine andere, die wieder in diese Gegend gebracht werden sollte. Kein Frachtunternehmen könnte es sich unter normalen Umständen leisten, seine Fahrer eine Woche lang unbeschäftigt zu lassen.

Aber darum ging es gar nicht. Der King konnte ihnen schlecht anbieten, ihnen das Geld für einen Urlaub zu geben. Er wusste nur zu genau, dass sowohl er wie auch Bob dieses Angebot ohne Zögern ablehnen würden. Es stimmte zwar, sie hatten Ryland schon einige Male geholfen, aber dafür wollten sie nicht bezahlt werden. Auf gar keinen Fall würden sie vom King Geld annehmen.

Deshalb dieses etwas geschicktere Angebot. Damit schlug der alte Fuchs gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er konnte ihnen seinen Dank zeigen, und die beiden Frachtaufträge wurden ausgeführt, ohne dass er mit den Tourplänen herumjonglieren musste.

„Du steckst also mal wieder richtig in der Patsche“, sagte Jim grinsend. „Wie gut nur, dass du uns hast, damit wir dir da heraushelfen können. Um was für Frachten geht es denn?“

„Auf der Hinfahrt um Büromöbel. Auf der Rückfahrt habt ihr Maschinenteile zu transportieren. Zwar nicht direkt nach San Antonio, sondern nach Dallas. Aber das ist ja nur ein Katzensprung. Und die Zeit, die ihr in Miami untätig herumsitzt, bekommt ihr bezahlt. Schließlich wartet ihr ja auf eine Fracht.“

„Hört sich wirklich verdammt gut an. Ich kann das natürlich nicht allein entscheiden, sondern muss erst Bob fragen. Aber soweit ich weiß, hat er in den nächsten Tagen nichts Konkretes hier in San Antonio vor. Ich wüsste nicht, warum er nicht einverstanden sein sollte.“

„Er müsste ja schon ein Idiot sein, und der ist er bestimmt nicht. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken.“

„Aha“, machte Jim. Sollte er sich getäuscht haben, und der Auftrag war doch nicht nur eine großzügige Geste des Kings? Aber nein, Ryland würde nie versuchen, ihn übers Ohr zu hauen. „Und welchen?“

„Die Lieferung nach Miami ist ziemlich eilig. Keine direkte Terminfracht, bei der eine Konventionalstrafe droht, aber trotzdem. Da ihr mindestens zwei Tage bis nach Miami braucht, müsstet ihr morgen früh bereits aufbrechen.“

„Kein Problem.“ Jim atmete erleichtert auf. „Wenn wir schon als selbständige Trucker bezahlten Urlaub in Miami machen können, brauchen wir nicht vorher noch untätig in San Antonio herumzuhängen.“ Er stand auf, setzte seinen Stetson wieder auf und tippte sich an die Hutkrempe. „Ich rufe an, sobald ich mit Bob gesprochen habe. Und schönen Dank, King.“

„Wofür?“, gab sich Ryland unschuldig. „Wir haben doch nur ein Geschäft abgeschlossen, oder?“

 

 

4

Wohlig räkelte sich Susan in dem heißen Badewasser. Nach dem Mord an Senator Cross und der Beseitigung aller Spuren hatte sie sich unverzüglich in ihre Hotelsuite zurückbegeben und sich das Bad eingelassen. Noch immer meinte sie die Berührungen des schmierigen Politikers auf ihrer Haut zu spüren. Sie wollte sich vor allem die Erinnerungen daran abwaschen.

Mit der einen Hand spielte sie mit dem Schaum des sündhaft teuren französischen Badeöls, mit der anderen griff sie nach dem Glas Champagner, das auf dem Wannenrand stand. Veuve Cliquot, Jahrgang 1972. Das war etwas anderes als das billige Gesöff, das Cross ihr angeboten hatte. Es war ihr eine innere Befriedigung gewesen, von einem Teil des Geldes, das er ihr selbst gegeben hatte, die Flasche zu kaufen, den schlechten Geschmack im Mund wegzuspülen und auf den ausgeführten Auftrag zu trinken.

Susan spürte eine angenehme Müdigkeit in sich aufsteigen, ausgelöst durch das Gefühl des Erfolges und das heiße Wasser. Sie badete seit einiger Zeit prinzipiell in Wasser, in dem ein normaler Amerikaner das Gefühl hätte, sich zu verbrühen. Das hatte sie sich vor rund einem Jahr angewöhnt, als ein Auftrag sie nach Japan geführt hatte. Japaner machten aus dem Baden eine regelrechte Zeremonie, und dabei bevorzugten sie eben auch ungeheuer heißes Wasser. Susan hatte rasch die angenehmen Seiten dieser Sitte entdeckt. Man musste sich zwar erst langsam an das heiße Wasser gewöhnen, aber es lockerte die Muskeln und löste Verkrampfungen. So half es, Körper und Geist zu einer Einheit zu verschmelzen, und trug zu einem tiefen Wohlgefühl bei.

Nach einigen Minuten jedoch riss das Klingeln des Telefons Susan jäh aus ihren Gedanken. Missmutig verzog sie das Gesicht. Sie spielte einen Moment mit dem Gedanken, das Klingeln einfach zu ignorieren, dann aber siegte ihr Verantwortungsgefühl.

Sie stellte den Champagnerkelch ab und griff nach dem Funktelefon. Da es außerhalb des Hotels nur einen einzigen Menschen gab, der wusste, dass sie sich hier aufhielt, brauchte sie nicht erst zu rätseln, um wen es sich bei dem Anrufer handelte.

„Hallo, Allison“, meldete sie sich.

„Du weißt ganz genau, dass du keine Namen am Telefon nennen sollst“, vernahm sie die barsche Stimme ihrer Agentin.

„Schon gut, ich wollte dich nur ein bisschen ärgern. Der Anschluss wird mit Sicherheit nicht abgehört.“

„Trotzdem. Es wird allmählich Zeit, dass du erwachsen wirst und aufhörst, alles als ein Spiel zu betrachten.“

„Jawohl, Frau Lehrerin.“

„Hast du den Auftrag bereits ausgeführt?“

„Habe ich“, bestätigte Susan. „Senator Cross weilt seit etwa eineinhalb Stunden nicht mehr unter den Lebenden.“

„Wie ist die Aktion genau verlaufen?“

Susan berichtete mit leidenschaftsloser Stimme, wie sie sich an den Senator herangemacht und ihn schließlich überredet hatte, sie zu sich einzuladen, bis hin zu dem Mord. Als sie geendet hatte, schwieg auch ihre Agentin eine Weile.

„Dein Vorgehen war professionell wie immer“, sagte Allison dann. „Mit Ausnahme des Abschlusses. Wenn du ihn einfach so liegengelassen hast, kann sich jeder denken, auf welche Art du Kontakt zu ihm aufgenommen hast. Ein viel zu deutlicher Hinweis auf deine Arbeitsmethode. Was sollte der Unfug?“

Genau diese Reaktion hatte Susan erwartet, und gerade deshalb hatte sie wenig Lust gehabt, das Gespräch überhaupt erst anzunehmen.

„Niemand hat mich gesehen, als ich zu ihm gegangen bin“, verteidigte sie sich. „Es gibt keinerlei Spuren, alle Fingerabdrücke von mir habe ich sorgfältig abgewischt, das Glas, aus dem ich getrunken habe, habe ich abgespült. Wenn man Cross so findet, wird man zwar annehmen, dass ihn eine Frau ermordet hat, und da seine eigene sich bei den Kindern in Montana befindet, wird man eine Geliebte oder ein Callgirl vermuten. Na und? Was lässt das schon für Rückschlüsse zu?“

„Nicht viele, aber schon jede Kleinigkeit kann bedeutsam sein.“

„Nachdem dieser schmierige Kerl in der Öffentlichkeit immer so viel von Moral gepredigt hat, heimlich aber Dauergast bei den New Yorker Nutten war, konnte ich einfach nicht widerstehen. Es wird einen hübschen kleinen Skandal geben, wenn man ihn so findet.“

„Eben“, erklärte Allison. „Zusätzliches Aufsehen, genau das, was wir in diesem Geschäft nicht brauchen können. Persönliche Gefühle haben in diesem Beruf nichts, aber auch gar nichts zu suchen, selbst wenn sie noch so verständlich sein mögen. Wenn du nicht so verdammt gut wärst, hätte ich dich aufgrund deiner dauernden Eigenmächtigkeiten schon längst...“ Sie unterbrach sich und seufzte. „Aber lassen wir das. Es ist nun mal passiert. Jetzt ist es ohnehin zu spät, noch etwas zu ändern. Falls du Interesse hast, gleich einen weiteren Auftrag anzunehmen, hätte ich etwas für dich.“

Susan zögerte. Schon aus Sicherheitsgründen legte sie nach jedem Job erst einmal eine Pause von mehreren Wochen, manchmal sogar Monaten ein. Meist verbrachte sie diese Zeit sogar im Ausland. Das war eine der ersten Regeln, die Allison ihr beigebracht hatte.

Details

Seiten
124
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931389
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (August)
Schlagworte
fahrt miami

Autor

Zurück

Titel: Die Fahrt nach Miami