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Ich darf den Mann meines Herzens nicht lieben - Dr. Staffner packt aus #5

2019 97 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Ich darf den Mann meines Herzens nicht lieben

Copyright

Ohne eigene Schuld galt ich als Flittchen

Durch blindes Vertrauen geriet ich in eine fürchterliche Sexfalle

Den Mann, der meinen Körper so genau kannte, wollte ich nicht verlieren

Ich wollte doch nur sein Bestes

Die Schulden meines Mannes wuchsen mir über den Kopf

Ein Kind sollte mich vor der Einsamkeit bewahren

Für seine Mutter nahm mein Mann die Trennung von seiner Tochter und mir in Kauf

Ich habe den Tod eines Menschen verschuldet

Ich darf den Mann meines Herzens nicht lieben

Ich suchte die Freiheit und landete im Gefängnis der Ehe

Ich ließ mein Kind für das Verhalten meines Mannes büßen

Erst verzieh mir mein Mann, dann ließ er mich im Stich

Ich wurde auf gemeinste Weise hereingelegt

Ich darf den Mann meines Herzens nicht lieben

Dr. Staffner packt aus

Der Psychotherapeut und 13 wahre Fallakten

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 96 Taschenbuchseiten.

 

- Als Tanja nach kurzer Ehe überraschend von ihrem Mann verlassen wird,

glaubt ein verheirateter Freund, sie intensiv trösten zu müssen. Entrüstet weist sie ihn zurück. Dafür rächt sich der Gekränkte mit bösartigen Verleumdungen.

- Nach einer brutalen Vergewaltigung begibt sich Thea in die Behandlung eines Psychotherapeuten, der das Vertrauensverhältnis schamlos ausnützt. Und sie in noch tiefere Verzweiflung bis hin zu Selbstmordgedanken stürzt …

- Sabines Frauenarzt widersteht lange Zeit ihren Verführungskünsten. Doch als seine Frau ins Krankenhaus muss, gibt er seinen Widerstand auf. Doch er sieht es als vorübergehende Affäre. Damit ist Sabine nicht einverstanden …

Und 10 weitere Schicksalsgeschichten aus dem Leben

 

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut kamen viele Menschen zu mir, die ein Ereignis oder ihr eigenes Verhalten aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen hatte. Indem ich versuchte, ihnen zu helfen, erfuhr ich zum Teil erschütternde Lebensbeichten. Die Namen wurden selbstverständlich von mir geändert.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Ohne eigene Schuld galt ich als Flittchen

"Ich habe eine andere Frau kennengelernt", eröffnete Rolf mir eines Tages. "Wir passen ganz einfach besser zusammen. Ich bin sicher, dass du mich verstehst."

Nein, ich konnte es nicht begreifen, dass er mich nach vierjähriger Ehe von heute auf morgen verließ. Ich liebte ihn doch. Was sollte ich nur ohne ihn anfangen?

Hass verspürte ich nicht auf ihn, war ich doch überzeugt, dass er den raffinierten Verführungskünsten der anderen erlegen war. Warum musste sich diese Frau in meine Ehe drängen? Gab es nicht genügend unverheiratete Männer in unserer Stadt?

Ich lernte das Luder, das mir meinen Mann weggenommen hatte, flüchtig kennen. Es handelte sich um ein blutjunges Ding mit verheißungsvollen Kulleraugen, das freche Minis trug und sich aufdringlich schminkte. War es ein Wunder, dass da ein Mann den Kopf verlor?

Anfangs hoffte ich noch, Rolf würde die Oberflächlichkeit dieses Biestes bald durchschauen und zu mir zurückfinden, doch der Brief seines Scheidungsanwaltes zeigte mir, dass es ihm ernst war.

Zwar gab ich mir große Mühe, mir nach außen hin meine seelische Verfassung nicht anmerken zu lassen, aber Anke Bötig, eine Kollegin, durchschaute mich sofort.

"Kopf hoch, Tanja!", sprach sie mir Mut zu. "Nur nicht unterkriegen lassen. Es gibt Schlimmeres im Leben. Du bist noch so jung und gesund. Eines Tages findest du einen anderen, der dich verdient."

Sie hatte gut reden, war sie doch bereits seit 12 Jahren glücklich verheiratet und hatte eine goldige Tochter. Mir dagegen blieb nicht einmal ein Kind. Ich war, nachdem Rolf unsere gemeinsame Wohnung verlassen hatte, völlig allein.

"Sei froh", fand Anke. "Ein Kind würde alles noch viel schwerer machen. Kinder leiden bei einer Trennung der Eltern am meisten."

Damit hatte sie zweifellos recht. Aber mir fiel daheim die Decke auf den Kopf, wenn ich von der Arbeit kam. Ich wusste nichts mehr mit mir anzufangen.

Anke riet mir dringend, unter Menschen zu gehen.

"Du brauchst Ablenkung. Das ist die beste Medizin. Hast du denn keine Bekannten?"

Natürlich besaßen Rolf und ich einen Freundeskreis, doch diesen mied ich aus gutem Grund. Ich scheute die mitleidigen Blicke der anderen. Außerdem hielt ich es durchaus für möglich, dass Rolf mit seiner neuen Eroberung dort eines Tages auftauchte. Diese Peinlichkeit wollte ich allen ersparen.

Anke wusste auch hier einen Ausweg.

"Franz und ich gehen alle zwei Wochen zum Kegeln. Wir sind ein kleiner Club. Komme doch einfach mal mit! Das macht dir bestimmt Spaß."

Ich wollte sie nicht kränken. Anke gab sich solche Mühe mit mir. Also willigte ich ein, wenn ich auch schon im Voraus wusste, dass ich den anderen die ganze Stimmung verderben würde.

Es wurde aber doch recht nett. Kein einziger interessierte sich für meine privaten Probleme. Alle waren unbeschwert und fröhlich. Das steckte an.

"Na, also!", freute sich Anke. "Das machen wir jetzt öfter. Kannst du eigentlich segeln?"

Ich verneinte, aber sie schleppte mich trotzdem mit. Ihre ganze Familie verbrachte fast jeden Sonntag, sofern es das Wetter erlaubte, auf dem eigenen Boot. Die 10jährige Susi freute sich, dass ich mitkam. Nun war ich diejenige, die die wenigste Ahnung hatte, während sie in die Reihe der fortgeschrittenen Segler aufrückte.

Auf dem Wasser vergaß ich tatsächlich vorübergehend meinen Kummer. Die Bötigs waren allesamt so nett zu mir, und es machte Spaß, mit ein paar Handgriffen betraut zu werden, die meiste Zeit jedoch faul in der Sonne zu liegen und sich bräunen zu lassen. Ein wenig schmerzte es allerdings, wenn ich sah, wie harmonisch das Familienleben meiner neuen Freunde ablief. Was hatte ich nur falsch gemacht, dass es bei Rolf und mir schiefgegangen war?

Anfangs fürchtete ich, Ankes Mann könnte sich durch mich in seinen Gewohnheiten gestört fühlen, doch gerade Franz zeigte sich mir gegenüber so verständnisvoll, dass meine Bedenken rasch schwanden.

Das war ein Fehler. Ich merkte es, als mich Franz eines Sonntagmorgens mit dem Wagen zum Segeln abholte. Er kam etwas zu früh, und ich war noch nicht ganz fertig.

"Du siehst heute wieder besonders hübsch aus", meinte er, und sein Blick ruhte nachdenklich auf mir. Ich glaubte, er wolle mein Selbstbewusstsein stärken und mir Mut für eine neue Beziehung machen, doch er dachte dabei an sich selbst. Als er mich plötzlich in seine Arme riss, um mich zu küssen, war ich so überrascht, dass ich mich anfangs überhaupt nicht wehren konnte. Dann befreite ich mich energisch.

"Das finde ich gar nicht witzig", fauchte ich. "Wenn Anke das wüsste!"

"Ich werde es ihr sagen", antwortete Franz erregt. "Ich habe mich in dich verliebt, Tanja. Schon, als dich Anke zum ersten Mal zum Kegeln mitbrachte. Ich dachte, es wäre nur ein oberflächliches Gefühl, aber jetzt weiß ich, dass es tiefer sitzt. Sehr tief. Und du magst mich doch auch."

"Freilich mag ich dich", räumte ich verwirrt ein. "Als guten Freund. Aber du hast eine Familie. Vergisst du das etwa?"

Wir sprachen noch minutenlang miteinander, und ich bat ihn, mich bei Anke mit Kopfschmerzen zu entschuldigen. Damit hoffte ich, das unerwartete Problem aus der Welt geschafft zu haben. Natürlich würde ich in Zukunft nichts mehr mit den Bötigs unternehmen.

Am Montag merkte ich im Büro sofort, dass Franz offenbar den Verstand verloren haben musste. "Du mieses, kleines Flittchen!", schrie Anke mich vor den übrigen Kollegen an. "Schämst du dich gar nicht, dich an einen verheirateten Mann heranzumachen, der noch dazu ein Kind hat? Willst du dich damit für das rächen, was dir dein Rolf angetan hat?"

Ich versuchte, mich zu rechtfertigen, doch ich fand bei der Aufgebrachten kein Gehör. Kein Wunder, hatte doch Franz ihr erklärt, in mir die Frau für sein weiteres Leben gefunden zu haben. Nach seiner Darstellung erwiderte ich seine Gefühle. Ich rief ihn an und verlangte eine Richtigstellung. Er antwortete mir nur, dass er mich liebe und dass auch ich meine Meinung bald ändern würde. Dass er 14 Jahre älter sei als ich, sei doch heutzutage kein Hinderungsgrund mehr. Er wollte mich einfach nicht verstehen, ja, er besaß sogar die Frechheit, mich daran zu erinnern, dass ich doch schließlich lange genug auf Zärtlichkeit verzichtet hätte.

Schlimmer noch. Als ich nach Hause kam, wartete er schon vor meiner Tür. Mit einem Koffer. Er war daheim ausgezogen. Natürlich nahm ich ihn nicht bei mir auf, was ihn nicht hinderte, mich weiterhin mit seinen Liebesbeteuerungen zu bombardieren.

Mehr als einmal nahm ich ihn ins Gebet.

"Denke an deine Frau und deine Tochter! Du tust ihnen sehr weh. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Aber ich weiß auch, dass Anke ausschließlich mir die Schuld dafür gibt. Ich habe meinen Mann ja auch als Verführten gesehen."

"Das kann man nicht vergleichen", behauptete Franz. "Ich kann ohne dich nicht mehr leben. Du bist so ganz anders als Anke."

"Zehn Jahre jünger und ein bisschen schlanker", ergänzte ich bitter. Jedes Wort war vergebens. Der annähernd 50jährige war keinem Argument zugänglich.

Was blieb mir anderes übrig, als meinen Wohnort zu wechseln und mir dort einen neuen Job zu suchen. Ich wollte nicht warten, bis ich in der ganzen Stadt als Ehebrecherin verschrien war.

Monate vergingen. Ich lernte einen netten Kollegen kennen, der sich für mich interessierte, doch irgendwie wehrte ich mich gegen eine neue Beziehung. Das Gefühl, eine Ehe zerstört zu haben, wenn auch ohne Absicht, belastete mich schwer.

Da rief mich eines Tages völlig überraschend Anke an.

"Ich habe einige Zeit gebraucht, deine neue Adresse herauszubekommen", begann sie stockend. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich weiß jetzt, dass dich keine Schuld an Franz' Verhalten traf."

Eine Frage brannte mir auf der Seele.

"Werdet ihr euch scheiden lassen?"

Zu meiner Erleichterung verneinte sie.

"Wir haben uns gründlich ausgesprochen. Ich glaube, ich habe noch einmal Glück gehabt, dass er sich ausgerechnet in dich verguckte. Und du? Bist du immer noch allein?"

Ich fühlte mich unendlich befreit, als ich betonte: "Es gibt da einen Kollegen ..."

 

 

 

Durch blindes Vertrauen geriet ich in eine fürchterliche Sexfalle

Es war schrecklich. Der angetrunkene Kerl fiel mich von hinten an, zerrte mich in ein Gebüsch und warf mich auf den Boden. Dann zerfetzte er mir den Slip und verging sich auf brutalste Weise an mir. Mit einer Hand hielt er mir den Mund zu. Ich konnte in der Dunkelheit sein Gesicht nicht erkennen und später der Polizei keinen Hinweis auf seine Identität geben. Nach qualvollen Minuten, die mir wie Jahre erschienen, ließ er endlich von mir aber. Bevor er verschwand, trat er mir noch in den Unterleib und drohte mir, mich fertigzumachen, falls ich ihm Schwierigkeiten bereiten würde. Er besäße genügend Freunde, die sich gern um mich kümmern würden.

Ich blutete und wahnsinnige Schmerzen rasten durch meinen gepeinigten Körper, während in der Nähe ein Motor aufheulte und sich schnell entfernte.

Stöhnend schleppte ich mich heim. Seit meiner Scheidung lebte ich allein. Ich schämte mich so sehr, dass ich weder einen Arzt, noch meine Mutter ins Vertrauen zog, geschweige denn die Polizei verständigte.

Doch das demütigende Erlebnis war noch längst nicht überstanden. Jetzt kamen die Nächte mit ihren furchtbaren Träumen. Es war immer wieder dasselbe. Männer ohne Gesichter vergewaltigten mich und verhöhnten mich dabei. Andere warteten, dass sie endlich an die Reihe kämen. Diese Visionen verfolgten mich auch noch bei Tage.

Kein Wunder, dass ich bei der Arbeit als Verkäuferin überfordert war und oft extrem gereizt den Kunden gegenüber, besonders den männlichen, reagierte.

"Was ist mit dir los, Thea?", ermahnte mich meine Chefin. "Das geht nun schon eine ganze Zeit. Du vertreibst mir die Kundschaft."

Statt einer Rechtfertigung brach ich in Tränen aus und war kaum zu beruhigen. Bei einer Tasse Tee erzählte ich der Frau, was mir widerfahren war.

"Wenn ich einen Mann sehe", gestand ich, "ist das für mich wie ein rotes Tuch. Diese elenden Schweine. Am liebsten würde ich sie alle kastrieren." Wieder schluchzte ich und merkte gar nicht, wie mir meine Chefin übers Haar strich.

"Du musst dir helfen lassen, Kind", beschwor sie mich. "Ich kenne einen Psychotherapeuten. Ihm habe ich viel zu verdanken. Als mir vor vier Jahren ein Junge vor das Auto lief und ich nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, nahm mir Dr. Stöger die Schuldgefühle an dem Tod des Kindes. Ich rufe ihn gleich einmal an."

"Bitte nicht!" Unwillkürlich hob ich die Hände vor mein Gesicht. Der Gedanke, mich diesem fremden Mann offenbaren zu müssen, ihm Einzelheiten der Vergewaltigung preiszugeben, jagte mir erneute Angst ein. Aber meine Chefin ließ nicht locker.

"Sei nicht töricht! Diese Leute sind doch gerade für Frauen wie dich da. Er wird auch dir helfen, das schreckliche Erlebnis zu verarbeiten. Du bist noch zu jung, um für den Rest des Lebens alle Männer zu hassen."

Und so saß ich schon am nächsten Tag diesem Dr. Ulrich Stöger gegenüber. Er musste mir jedes Wort abbetteln. Nur widerstrebend sprach ich von jener Nacht, als ich von meinen Eltern kam, von den Träumen, die mich seither peinigten, und meinem Abscheu vor den Männern.

"Aber das war nicht immer so, nicht wahr?", fragte der Arzt behutsam. "Sie waren sechs Jahre verheiratet."

"Mein Mann hat mich betrogen", fauchte ich und sah auch ihn plötzlich als Ungeheuer, obwohl wir uns in aller Freundschaft getrennt hatten. "Sie sind alle gleich. Einer wie der andere."

Dr. Stöger vereinbarte mit mir weitere Termine, und meine Chefin sorgte dafür, dass ich keinen versäumte. Sie hatte nicht zu viel versprochen. Einen so einfühlsamen Mann wie ihn hatte ich noch nie erlebt. Nach zwei Wochen tat es mir richtig gut, mit ihm zu sprechen, und ich zuckte auch nicht mehr zusammen, wenn er seine Hand auf meine Stirn legte.

"Sie müssen Geduld haben", ermahnte er mich sanft. "Vor allem aber brauche ich Ihren Willen zur Mitarbeit. Ich allein kann nichts bewirken. Ich kann nur Impulse setzen und sie langsam aus der Schwärze des Hasses und des Misstrauens herausführen. Dazu müssen Sie mir Ihre Hand reichen und mir folgen. Überall hin."

"Ich bin bereit, Doktor", antwortete ich ohne große Hoffnung.

Er erklärte mir, dass es wichtig sei, dass ich meinen Körper, den ich beschmutzt und geschändet fühlte, wieder lieben lernte. "Eine biodynamische Therapie wird uns dabei helfen. Kommen Sie morgen um 20 Uhr wieder her. Dann kann ich mich Ihnen in Ruhe widmen."

Am nächsten Abend lag ich flach auf dem Fußboden. Dr. Stöger berührte mit den Fingerspitzen meine Schläfen.

"Dies ist dein Geist", sagte er mit einer Stimme, die beruhigend war und doch keinen Widerspruch duldete. "Du liebst deinen Geist. Habe ich recht?"

"Ja, Doktor", wiederholte ich schläfrig, "ich liebe meinen Geist."

Seine Hände wanderten zu meinen Wangen, zum Kinn und zum Hals. Über die Schultern erreichten sie schließlich meine Brüste.

"Dies ist dein Körper", murmelte er. "Er ist sehr schön, und du liebst ihn. Alle lieben ihn, Thea. Auch ich sehe, dass du sehr schön bist." Er begann, mich zu streicheln, und ich vermochte mich nicht dagegen zu wehren. Irgendwie wollte ich es auch gar nicht.

"Du brauchst dich deines Körpers nicht zu schämen", fuhr der Psychotherapeut fort, während er die Knöpfe meiner Bluse öffnete. "Er ist wundervoll. Deine Knospen sprießen jung und fest." Ich spürte seine Lippen auf meiner nackten Haut.

"Du liebst deinen Körper", flüsterte er hypnotisch. "Er schenkt dir höchste Glücksgefühle. Ist es nicht so?"

"Ja", bestätigte ich verwirrt.

"Es ist angenehm, wenn ich dich hier berühre." Er schob meinen Rock Stück für Stück nach oben. "Es ist nichts Schmutziges dabei, wenn sich zwei Menschen lieben. Dein Schoss ist eine wunderschöne Vase."

Ein Zittern durchlief meinen Körper, als er meine intimste Stelle liebkoste. Dabei hauchte er mir unentwegt zärtliche, ermutigende Worte ins Ohr. Schließlich spürte ich ihn in mir. Mit starken, beschützenden Armen hielt er mich umfangen, während er mich gekonnt dem Höhepunkt entgegenführte. Danach brachte er mich nach Hause.

"Du sprichst sehr gut auf die Therapie an", versicherte er mir, bevor er mich zum Abschied leidenschaftlich küsste. Ich glaubte ihm nicht, dass eine derartige Therapie üblich war, aber ich wusste mit einem Mal, dass ich ihn liebte. Kaum fuhr sein Wagen davon, als ich mich schon wieder nach seinen Zärtlichkeiten sehnte.

Ulrich hatte nichts dagegen, dass ich ihn von nun an häufiger konsultierte. Er ging ohne Umschweife zur Sache und war längst nicht mehr so rücksichtsvoll.

"Der Körper ist erwacht", redete er mir ein. "Er wird zu einem Vulkan. Spürst du es?"

Ich spürte nur seine Wildheit. Aber ich genoss sie, selbst wenn er mir wehtat. Grenzenloses Vertrauen verband mich mit diesem Mann, der mir ja nur helfen wollte.

Ulrich beschränkte sich nicht auf die üblichen Liebespraktiken.

"Du kennst deinen Körper noch längst nicht", betonte er. "Du musst herausfinden, wieviel Schmerzen er ertragen kann. Schmerzen können wundervoll sein. Wie gefällt dir das?"

Ich schrie auf, aber das reizte ihn nur noch mehr. Er ließ nicht von mir ab und war wie von Sinnen. "Ich heile dich, du miese, kleine Hure!", schrie er. Immer wieder klatschte der Lederriemen auf meinen Rücken.

"Sei doch lieb zu mir!", winselte ich kläglich. Da nahm er mich in die Arme, und es wurde so wundervoll wie bei seiner ersten 'Behandlung'.

So ging das über Monate hinweg. Ulrich schlug und liebte mich, und ich war außerstande, mich dagegen zu wehren. Ich war ihm regelrecht hörig. Die Schmerzen, die er mir zufügte, spürte ich am nächsten Tag kaum noch.

Seelisch allerdings ging ich dabei vor die Hunde. Als ich ihn eines Abends in seiner Praxis überraschte und ihn dort in eindeutiger Weise mit einer anderen Patientin antraf, erlitt ich einen Nervenzusammenbruch. Ich drehte durch, zerschlug eine Fensterscheibe und versuchte, mir mit den Scherben die Pulsader aufzuschneiden, was Ulrich verhinderte.

Wochenlang lag ich in einer Nervenklinik. Auch jetzt ist meine Verfassung noch schlimmer als damals nach der Vergewaltigung. Ich werde wieder psychotherapeutisch betreut. Diesmal allerdings von einer Ärztin. Sie hat in mir eine schwierige Patientin. Es wird wohl Jahre dauern, bis ich mit ihr meine entwürdigenden Erlebnisse mit Dr. Stöger verarbeitet habe, der meine Situation so schamlos ausnutzte. Und irgendwann werde ich hoffentlich auch nicht mehr nachts von Vergewaltigungen träumen.

 

 

 

Den Mann, der meinen Körper so genau kannte, wollte ich nicht verlieren

"Ganz locker bleiben", ermahnte mich Dr. Jörg Wieland mit ruhiger Stimme, als ich auf dem ominösen Stuhl lag, der für so viele Frauen die reinste Horrorvision darstellt.

Auch ich hatte noch vor kurzem Hemmungen, zu einem Frauenarzt zu gehen und über meine intimsten Beschwerden zu sprechen, doch seit ich aus beruflichen Gründen den Wohnort wechselte, änderte sich dies schlagartig.

Dr. Wieland machte auf mich sofort einen tiefen Eindruck. Zu dem reifen Mann, dessen behutsame Handgriffe nicht den geringsten Schmerz verursachten, fasste ich auf Anhieb Vertrauen. Mehr noch. Mit seiner sportlich elastischen Figur, dem unglaublichen Stahlblau seiner Augen und den schon leicht angegrauten Schläfen faszinierte er mich auf Anhieb. Ein ausgesprochener Frauentyp, der mein Herz bereits zum Rasen brachte, bevor er mich auch nur berührte. Er ahnte nicht, was ich bei seinen Untersuchungen empfand. Wenn ich in Erwartung seiner sanften Hände mit geschlossenen Augen vor ihm lag, stellte ich mir vor, wie es mit ihm sein könnte, wenn er nicht nur mein Arzt, sondern mein Liebhaber wäre.

Was für ein Mann! So zärtlich, so verständnisvoll, dazu atemberaubend attraktiv. Keiner meiner bisherigen Bekannten hielt dem Vergleich mit dem bereits fast Fünfzigjährigen stand.

Leider war er bereits seit Jahren verheiratet, und ich konnte nicht darauf hoffen, dass ihn mein jugendlich straffer Körper um den Verstand bringen würde. Als Gynäkologe betrachtete er mich mit rein fachlichen Augen.

Aber ich war entschlossen, das zu ändern. Ich hatte schon ganz andere Eisblöcke zum Schmelzen gebracht, aber noch nie einen Mann so heftig begehrt wie Jörg Wieland.

Da ich mich zur Zeit völlig gesund fühlte, musste ich einen Vorwand für eine Behandlung erfinden. Das war einfach. Wie sollte er beweisen, dass ich nicht tatsächlich ein Brennen in der Scheide spürte?

"Sie können sich sicher vorstellen, wie unangenehm das beim Verkehr ist", klagte ich verschämt. "Mein Freund nahm darauf leider keine Rücksicht. Deshalb habe ich mich von ihm getrennt. Die meisten Männer zeigen ohnehin kein Verständnis für uns Frauen. Sie dagegen sind ganz anders. Mit Ihnen kann man reden."

Er untersuchte mich, machte einen Abstrich, der negativ war, und verschrieb mir eine Creme. "Lassen Sie sich in drei Wochen wieder anschauen."

Ich war bereits drei Tage darauf erneut bei ihm. Mir war eingefallen, dass das angebliche Brennen bei meinem Vorhaben hinderlich war. In meinem Zustand würde er mich nie verführen. Aber ich konnte eine Krebsvorsorgeuntersuchung durchführen lassen.

Als er meine Brust abtastete, entrang sich mir ein Seufzen. Dr. Wieland tat, als hätte er es nicht gehört. Deshalb wurde ich massiver.

"Finden Sie mich eigentlich hässlich? Ich hätte gern einen größeren Busen. Männer mögen das, nicht wahr?"

Mein verlangender Blick brachte ihn in Verlegenheit. Er hatte es ziemlich eilig, mich aus dem Sprechzimmer herauszubekommen. Und doch wurde ich das Gefühl nicht los, dass er Feuer gefangen hatte.

Während der folgenden Wochen wurde ich seine treueste Patientin. Immer wieder fand ich einen Vorwand, ihn aufzusuchen, und schließlich gestand ich ihm, dass ich ihn liebte. Er wandte sich ab und forderte mich auf, mich wieder anzuziehen.

"Sie lieben mich so wie Schulmädchen für ihren Lehrer schwärmen", meinte er nachsichtig. "Das geht vorbei. Wenn Sie wollen, überweise ich Sie an eine Kollegin."

Ich trat dich an ihn heran, nackt, wie ich war.

"Du verstehst mich nicht", beschwor ich ihn. "Ich bin verrückt nach dir. Schicke deine Sprechstundenhilfe weg und lass mich bei dir bleiben!"

Er machte es genau umgekehrt, aber selbst als er mir die Tür öffnete, ließ er mich keinen Ärger spüren. Das ermutigte mich, meine Bemühungen fortzusetzen. Dieser spröde Mann hatte restlos von meinem Denken und Fühlen Besitz ergriffen. Ich wollte, ich musste ihn haben.

Inzwischen wusste ich, dass seine Frau alles andere als eine Sexbombe war. Ich fand sie eher unscheinbar. Außerdem machte sie einen kränklichen Eindruck auf mich. Das täuschte nicht. Karin Wieland hatte Nierenbeschwerden, und eines Tages musste sie ins Krankenhaus. Ich erfuhr dies im Wartezimmer ihres Mannes. Sofort stand mein Entschluss fest.

Nachdem ich meinen Wunsch geäußert hatte, die Pille abzusetzen und dafür lieber die Spirale zu versuchen, vertraute ich Dr. Wieland an, dass ich in meinem Büro wegrationalisiert worden sei und nun verzweifelt einen neuen Job suchte.

"Ich würde alles machen, bis ich etwas in meinem Beruf gefunden habe. Kinder betreuen, putzen, waschen, kochen, sogar Hunde ausführen. Ich bin schon ganz verzweifelt."

Er zögerte nur kurz, bevor er mir erzählte, dass er eine Haushaltshilfe brauchen könne, solange seine Frau im Krankenhaus sei. Wir wurden uns schnell einig, und ich versicherte, wie dankbar ich ihm wäre.

Von nun an arbeitete ich für den Mann, den ich liebte. Wenn er abends gestresst heimkam, konnte er sich an den liebevoll gedeckten Tisch setzen. Frische Wäsche lag für ihn bereit. Seine Wohnung blitzte vor Sauberkeit. Das gefiel ihm. Seine kranke Frau hatte in letzter Zeit ihre Pflichten nicht mehr perfekt erfüllen können. Vor allem aber hatte Jörg Wieland in sexueller Hinsicht einiges entbehren müssen. Aus diesem Grund setzte er meinen Verführungskünsten nur noch schwachen Widerstand entgegen. Jetzt war ich ja nicht seine Patientin.

Das erste Mal geschah es wie selbstverständlich. Jörg hatte geduscht, und ich brachte ihm ein neues Oberhemd aus dem Kleiderschrank. Mit einer Münze öffnete ich die verriegelte Badezimmertür, legte meine Hände auf seine noch dampfende Haut und liebkoste ihn. Da zog er mich an sich und küsste mich. Zärtlich kuschelte ich mich an ihn, bis er mich ins Schlafzimmer trug. Wenn ihn noch das schlechte Gewissen plagte, ich ließ es ihn in der folgenden Nacht vergessen.

Von nun an waren wir regelmäßig zusammen, und wir genossen es beide.

"Du bist eine wunderbare Frau, Sabine", betonte Jörg nach mehreren Wochen. "Aber morgen hole ich Karin aus dem Krankenhaus. Wir werden uns also nicht mehr treffen. Das siehst du hoffentlich ein."

Ich starrte ihn bestürzt an. Hatte ich wirklich gehofft, er würde meinetwegen seine Frau verlassen? Aber andererseits sah ich in ihrer Heimkehr auch keinen Grund, mit mir Schluss zu machen. Für mich bedeutete Jörg schließlich mehr als nur ein flüchtiger Flirt. Seit ich mit ihm geschlafen hatte, wusste ich erst, was wahre Leidenschaft ist. Ich liebte ihn rasend und wollte nie wieder auf die Zärtlichkeiten dieses Mannes verzichten.

"Karin ist krank", erinnerte ich ihn. "Was kann sie dir noch geben? Ich dagegen tue alles für dich. Du kannst mich nicht einfach wegwerfen. Wir gehören zusammen."

Jörg gab mir einen um Verständnis heischenden Kuss.

"Das kann ich Karin nicht antun. Wenn sie erfährt, dass du ..."

"Sie wird es erfahren", unterbrach ich ihn drohend. "Aber nur, wenn du mich dazu zwingst."

Ich drängte mich gegen ihn und riss ihm das Hemd vom Körper. Ich bin sicher, dass er diese Nacht niemals vergessen wird. Für mich war sie genauso schön, und deshalb gebe ich Jörg nicht frei. In seinen Armen fühle ich mich unbeschreiblich glücklich. Jörg ist ein atemberaubender Liebhaber. Nur manchmal meint er, dass wir uns trennen sollten. Ich tue es nicht gern, aber dann bin ich gezwungen, ihm die Konsequenzen vor Augen zu führen. Ist es meine Schuld, dass ich ohne Jörg nicht mehr leben kann?

 

 

 

Ich wollte doch nur sein Bestes

Dass es Eltern gibt, die sich mit ihren Kindern entfremden, habe ich nie verstehen können. Ich begreife es auch heute noch nicht. Am unfassbarsten aber ist für mich die Tatsache, dass ich selbst zu diesen Müttern gehöre.

Ich liebe meinen Sohn, habe ihn immer geliebt. Mehr als mein Leben. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Entbindung von Roland nur durch die Kunst der Ärzte überstanden habe. Wer will das im Nachhinein entscheiden?

Seit seinem ersten Atemzug war Roland mein kostbarster Besitz. Ich benutze dieses Wort nicht zufällig. Schließlich hat mir Dr. Kern vorgeworfen, keine Mutter, sondern eher eine Glucke zu sein.

Dr. Kern ist kein Mediziner. Er hat während des Prozesses Rolands Verteidigung übernommen. Ein fantastisch aussehender Mann, der nicht nur einer alleinstehenden Frau wie mir gefährlich werden könnte. Ich habe allerdings nichts zu befürchten, denn er ist mein erklärter Gegner.

Komme ich nie davon los? Schon damals, als der Arzt auf Rolands faltigen Po einen Klaps gab, fand ich, dass er nicht so derb hätte zuzuschlagen brauchen. Später widersetzte ich mich lange Zeit meinem Mann Werner, der es für vernünftig hielt, Roland in einen Kindergarten zu schicken. Er war der Ansicht, ein Kind brauche zu seiner gesunden Entwicklung den Kontakt mit Gleichaltrigen.

Ich dachte daran, wessen Kinder in dieser Tagesstätte betreut wurden, und fand, dass der Kleine in seinem schützenden Heim wesentlich besser aufgehoben sei. Schließlich setzte sich Werner aber doch durch.

Als ich Roland vier Tage später abholte und sein verschnupftes Näschen sah, fühlte ich meine Befürchtungen bestätigt. In diesem Kindergarten ließ man die Schutzbefohlenen offensichtlich in unzureichender Bekleidung im Freien herumlaufen. Ich meldete meinen Sohn spontan wieder ab.

Spielen konnte er auch zu Hause. Ich kaufte ihm doch so viele hübsche Sachen, für die ich von Roland jedes Mal einen dicken, feuchten Kuss erhielt.

Das Problem des ersten Schultags war schwerer zu bewältigen. Meine Versuche, den Jungen zurückstellen zu lassen, schlugen fehl. Diesmal wurde nicht er krank, sondern ich. Der Gedanke, dieses hilflose Kind in das grausame Leben schicken zu müssen, überstieg meine Kräfte. Ich wurde erst nach vier Wochen aus dem Krankenhaus entlassen.

Zu meiner Verwunderung gefiel es Roland in der Schule, doch mir war klar, dass das nicht lange gutgehen konnte. Er war doch so zart, und in seiner Klasse befanden sich Jungen, die sich lieber prügelten, als ihre Nasen in ein Buch zu stecken.

Roland sollte einmal etwas Ordentliches werden. Nicht nur ein Kraftfahrzeugmechaniker wie sein Vater. Er sollte es besser haben. Mir schwebte eine Bürotätigkeit für ihn vor. Auf jeden Fall würde er studieren.

Während der ersten Schuljahre lernte er auch sehr eifrig. Doch eines Tages wurde ich zum Lehrer bestellt, der mir eröffnete, dass Rolands Leistungen und bedauerlicherweise auch sein Lernwille rapide nachgelassen hätten. Seine Versetzung war in Gefahr.

Über die Ursache des plötzlichen Versagens machte ich mir weniger Gedanken. Sonst wäre ich vielleicht darauf gekommen, dass der Junge unter den Streitereien litt, die sich zwischen Werner und mir in letzter Zeit häuften. Viel wichtiger war für mich die Frage, wie ich ihn vorm Sitzenbleiben bewahren konnte. Die Antwort war schnell gefunden. Ab sofort büffelte ich jeden Tag mit ihm, holte Versäumtes nach und erklärte ihm Dinge, die mir selbst nur noch schwach im Gedächtnis hafteten.

Ganz klar, dass ich für Werner kaum noch Zeit aufbrachte. Das war aber nicht weiter schlimm. Werner brauchte mich nicht so dringend. Er war schließlich schon erwachsen. Wie erwachsen er war, zeigte er mir mit seinem Anruf, in dem er mir mitteilte, dass er in den nächsten Tagen seine Sachen abholen würde. Es hätte mit uns keinen Sinn mehr.

Das war ein kräftiger Schlag unter die Gürtellinie, den ich nur deshalb so gut verkraftete, weil mir Roland kurz zuvor sein Versetzungszeugnis vorgelegt hatte. Na also!

In der Folgezeit wurde Roland beängstigend einsilbig. Immer häufiger zog er sich in sein Zimmer zurück. Einmal ertappte ich ihn beim Betrachten alter Familienfotos.

"Kommt Vati nie mehr zurück?", fragte er und schluckte krampfhaft.

"Bestimmt schon bald", behauptete ich. Dabei hatte mir die Post längst den Brief seines Anwalts gebracht. Die endgültige Trennung war unabwendbar.

Werner zog in eine andere Stadt. Vermutlich hatte er so ein Flittchen ohne Verantwortungsbewusstsein gefunden. Na, wenn ihm das lieber war!

Ich kam ziemlich schnell darüber hinweg. Ich hatte ja den Jungen, und dass Roland mich jetzt noch dringender brauchte als vorher, stand für mich unverrückbar fest. Ich musste ihm nun auch den Vater ersetzen. Besser wurden seine schulischen Leistungen leider nicht mehr. Er quälte sich mit Ach und Krach durch die letzte Klasse. Das Abitur blieb ein Traum.

Ich tröstete ihn und verwies auf berühmte Männer, die während ihrer ersten Jahre auch keine Genies waren. Roland blickte mich so treuherzig an, als sei er ein Dackel, der nicht begriff, warum er seiltanzen sollte, obwohl die schönsten Baumstämme alle unten auf der Erde standen.

Anschließend überraschte er mich mit der Mitteilung, dass es ihm um das Abi nicht im Geringsten leid täte und dass er gerne eine Lehre beginnen wolle. Kraftfahrzeugmechaniker wollte er werden. Wie Vati!

Natürlich konnte das nicht sein Ernst sein. Er wollte mir wohl nur über die Enttäuschung hinweghelfen. Er war ja schon immer ein so lieber Kerl.

Es bereitete mir keine große Mühe, ihm sein Vorhaben auszureden. Stattdessen meldete ich ihn in der Fachoberschule an. Dort würde es ihm gefallen.

Warum er eines Tages den Wunsch äußerte, tanzen zu lernen, war mir unbegreiflich. Er war doch noch nicht einmal achtzehn und sollte wirklich an andere Dinge denken als an verräucherte Lokale oder gar an Mädchen. Doch ausgerechnet die schwirrten in seinem unerfahrenen Kopf herum. Das musste ich erkennen, als er eines Abends nicht pünktlich nach Hause kam und ich ihm bis zur Bushaltestelle entgegenging.

Ich kam nur bis zur nächsten Ecke. Dort stand Roland und hatte keinen Blick für seine Umgebung. Nur für die kesse Blondine, die wie ein Koalabär an seinem Hals hing.

Ein Blitzschlag hätte mich nicht empfindlicher treffen können. Ich war nahe daran, die Straße zu überqueren und das Früchtchen davonzujagen.

Zum Glück dachte ich daran, dass ich meinen Sohn damit in eine peinliche Situation bringen würde. Also schlich ich unbemerkt nach Hause zurück und spielte die Ahnungslose, als Roland fast eine Stunde darauf endlich eintraf.

Ich war gespannt, wie er versuchen würde, mir die Existenz dieses Mädchens beizubringen. Als ich später im Bett lag und nicht einschlafen konnte, war mir bewusst, dass er sein Geheimnis vor mir hütete. Mit keinem Wort hatte er die Blondine erwähnt und sogar noch eine Lüge für die angebliche Busverspätung gefunden. Dass ich diese fragwürdige Beziehung schleunigst unterbinden musste, brauchte mir niemand zu sagen. Ich fand durch geschickte Nachforschungen Name und Anschrift des Mädchens heraus und besuchte es.

Aus der Nähe betrachtet, machte Rosi einen recht sympathischen Eindruck. Deshalb akzeptierte sie auch, dass Roland noch zu jung für so etwas sei und erst an seinen beruflichen Werdegang denken müsse. Der Gedanke, er könnte auch in dieser Schule Pech haben, musste ihr unerträglich sein, falls sie wirklich etwas für ihn empfand.

Roland warf mir am nächsten Tag zwar einige merkwürdige Blicke zu, sagte aber nichts. Auf jeden Fall war ich sicher, dass er sich mit Rosi nicht mehr traf. Und das war die Hauptsache.

Der Junge war nun sehr vernünftig. Ich war stolz über jede gute Note, die er nach Hause brachte.

Dass er an diese Clique geriet, in der die meisten rauchten, war wohl nicht ihm zum Vorwurf zu machen. Vielleicht hatte ich ihn nicht eindringlich genug über lauernde Suchtgefahren aufgeklärt.

Details

Seiten
97
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931068
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v496109
Schlagworte
mann herzens staffner

Autor

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Titel: Ich darf den Mann meines Herzens nicht lieben - Dr. Staffner packt aus #5