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Zum Teufel mit der Zärtlichkeit

2019 74 Seiten

Zusammenfassung


- Nach einer Enttäuschung schwört Irma den Männern ab. Ein Jahr lang kommt ihr die Krone der Schöpfung nicht mehr ins Haus. Wetten? Ihre Freundin Wally hält dagegen – und weiß auch, warum…
- Ein getrennter Urlaub. Wieso war Rüdiger sofort damit einverstanden? Jutta ist überzeugt, dass er sie betrügen wird. Aber das kann sie auch. Nur leider läuft es in Spanien nicht so, wie sie das erhofft hatte…
- Udo könnte Carina durchaus gefährlich werden. Leider denkt er an eine Andere, und Carina soll ihm sogar noch helfen, die Unbekannte zu erobern. Das allerdings macht sie mit großem Geschick…
- Das soll Weihnachten sein? Karlheinz betrügt sie, und so ein Flegel schnappt ihr auch noch den schönsten Baum vor der Nase weg. Die Ente droht zu verbrennen, und überhaupt…- überhaupt kommt dann alles ganz anders
- Eine Liebeserklärung auf dem Anrufbeantworter bringt Julia völlig durcheinander. Die Stimme kennt sie doch. Aber sie kommt nicht auf den Namen. Doch nicht etwa der lästige Typ, der sie zu verfolgen scheint?

Fünf heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn.

Leseprobe

Table of Contents

Zum Teufel mit der Zärtlichkeit

Copyright

Was soll ich denn mit einem Mann?

Heilsame Lüge

Zum Teufel mit der Zärtlichkeit

Die Glocken läuten auch für dich

Die Stimme am Telefon

Zum Teufel mit der Zärtlichkeit

Fünf heiter-romantische Erzählungen

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

 

- Nach einer Enttäuschung schwört Irma den Männern ab. Ein Jahr lang kommt ihr die Krone der Schöpfung nicht mehr ins Haus. Wetten? Ihre Freundin Wally hält dagegen – und weiß auch, warum…

- Ein getrennter Urlaub. Wieso war Rüdiger sofort damit einverstanden? Jutta ist überzeugt, dass er sie betrügen wird. Aber das kann sie auch. Nur leider läuft es in Spanien nicht so, wie sie das erhofft hatte…

- Udo könnte Carina durchaus gefährlich werden. Leider denkt er an eine Andere, und Carina soll ihm sogar noch helfen, die Unbekannte zu erobern. Das allerdings macht sie mit großem Geschick…

- Das soll Weihnachten sein? Karlheinz betrügt sie, und so ein Flegel schnappt ihr auch noch den schönsten Baum vor der Nase weg. Die Ente droht zu verbrennen, und überhaupt…- überhaupt kommt dann alles ganz anders

- Eine Liebeserklärung auf dem Anrufbeantworter bringt Julia völlig durcheinander. Die Stimme kennt sie doch. Aber sie kommt nicht auf den Namen. Doch nicht etwa der lästige Typ, der sie zu verfolgen scheint?

 

Fünf heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Was soll ich denn mit einem Mann?

"Das schaffst du nie." Wally hob ihre Kaffeetasse und lächelte zweifelnd.

"Wetten?", trumpfte ihre Freundin Irma auf.

"Ein ganzes Jahr ohne Mann? Das glaubst du doch selbst nicht. Na schön, Reinhard hat sich dir gegenüber ausgesprochen mies benommen, aber so etwas kann man doch nicht verallgemeinern."

Irma winkte ab. "Wie du das nennst, ist mir völlig egal", erklärte sie hitzig. "Auf jeden Fall kommt mir kein Mann mehr ins Haus. Basta!"

"Und wenn doch?", bohrte Wally lauernd.

Irma lehnte sich im Sessel zurück und schlug selbstbewusst ihre Beine übereinander. "Dann zahle ich dir eine Kiste Sekt."

Wally lachte. "Da weiß ich etwas Besseres. Solltest du vor Ablauf der Jahresfrist rückfällig werden, musst du meine Wohnung renovieren. Das Material stelle ich, aber die Arbeit überlasse ich dir."

"Puh!", machte Irma entsetzt, entspannte sich aber sofort wieder und streckte ihre Hand aus. "Einverstanden! Meine Bude hat es nämlich auch demnächst nötig. Du kannst schon immer anfangen zu üben, denn diese Wette hast du bereits verloren."

"Abwarten", meinte Wally schmunzelnd. "In ein paar Wochen hast du deinen ganzen Ärger mit Reinhard vergessen."

Irma war ihrer Sache ganz sicher. Abgesehen von ihrer Enttäuschung, die sie nicht so schnell vergessen würde, hatte sie in den nächsten Monaten auch überhaupt keine Zeit für Männer. Sie wollte nämlich intensiv Fremdsprachen lernen und hatte sich für zwei Abendkurse angemeldet.

Tagsüber saß sie im Büro. Dazu kam der Haushalt. Hin und wieder erwarteten ihre Eltern einen Besuch, und ein wenig Ausgleichssport musste auch sein. Wann also, bitteschön, sollte sie Zeit für ein Rendezvous finden?

Wie nicht anders erwartet, brachte sie den ersten Monat hinter sich, ohne ein einziges Mal ins Wanken geraten zu sein. In der Firma musste sie zwar einige Körbe verteilen, doch das war sie gewöhnt. Manche Kollegen hielten sich nun einmal für unwiderstehlich.

Montags und mittwochs besuchte Irma die Volkshochschule und paukte französische und spanische Grammatik. Das lenkte ab und machte sogar Spaß.

Ein paar der Kursteilnehmer suchten meistens anschließend ein Lokal auf und plauderten noch eine Weile miteinander. Sie versuchten auch, Irma zu überreden, doch diese beeilte sich, nach Hause zu kommen.

"Ist dieser Platz noch frei?", wurde sie eines Abends gefragt.

Irma staunte. "Wollen Sie noch in den Kurs einsteigen? Dann müssen Sie aber eine Menge nachholen."

Der Mann lächelte gequält. "Ich war ein paar Wochen krank und möchte nicht bis zum nächsten Jahr warten. Glauben Sie, dass ich den Anschluss noch schaffe?"

"Das liegt an Ihnen. Der Platz ist frei. Ihre Vorgängerin hat schon nach der vierten Stunde das Handtuch geworfen."

Ihr neuer Nachbar hieß Julius Bösch und erwies sich zum Glück als unaufdringlich. Nur gelegentlich nahm er Irmas Hilfe in Anspruch.

"Sie sind wohl ein Sprachgenie?", meinte er nach dem Unterricht bewundernd. "Spanisch ist bestimmt noch schwerer als Französisch."

"Leichter", fand Irma. "Ich hoffe, dass ich die erworbenen Kenntnisse einmal nutzbringend in meinem Beruf anwenden kann. Und Sie? Lernen Sie Französisch nur zum Vergnügen?"

"Genau genommen, ja. Ich habe meinen letzten Urlaub in Südfrankreich verlebt und beträchtliche Verständigungsschwierigkeiten gehabt. Das soll mir im nächsten Jahr nicht wieder passieren." Er zögerte, bevor er fortfuhr: "Ich brauchte jemanden, der mit mir die ersten Lektionen durchpaukt." Er schaute Irma fragend an.

Unwillkürlich nahm sie eine abwehrende Haltung ein, doch dann sagte sie sich, dass sie diese Bemerkung bestimmt nicht als Annäherungsversuch zu werten hatte. Julius Bösch hatte sie bisher als ausgesprochen zurückhaltend kennengelernt. Das machte ihn richtig sympathisch.

Trotzdem sah sie keine Möglichkeit, seine unausgesprochene Bitte zu erfüllen. In ihrer Wohnung konnte sie den Nachhilfeunterricht nicht erteilen. Wally würde ihr sofort völlig andere Motive unterstellen. Zu ihm würde sie erst recht nicht gehen. Dazu kannte sie ihn zu wenig.

"Haben Sie schon einmal mit Herrn Holzner gesprochen?", fragte sie. Herr Holzner war der Kursleiter.

"Er hat keine Zeit. Sie sind sicher auch sehr beschäftigt, nicht wahr? Ich würde Sie natürlich für Ihre Mühe bezahlen."

Nun musste sie also Farbe bekennen, ohne ihn zu kränken. Keinesfalls ließ sie sich durch seine ein wenig unbeholfene Art umstimmen. Das wäre ja noch schöner!

"Eine Stunde nach dem Kurs könnte ich schon erübrigen", hörte sie sich zu ihrer eigenen Überraschung antworten. Was war denn in sie gefahren?

"Wirklich?", freute sich der Mann. "Das finde ich aber wahnsinnig nett. Könnten wir gleich heute...?"

So kam es, dass Irma und Julius nach dem Unterricht in eine Pizzeria übersiedelten, ein Glas Wein tranken und sich mit den Grundproblemen der französischen Sprache auseinandersetzten.

Jeden Morgen, wenn sich die Freundinnen in dem Versicherungsgebäude, in dem sie beide arbeiteten, trafen, musterte Wally die ebenfalls 27-jährige Irma kritisch und hoffte, Merkmale einer Verliebten festzustellen.

"Wer ist es?", fragte sie für gewöhnlich. "Kenne ich ihn?"

Irma stellte sich ahnungslos, obwohl sie natürlich genau wusste, worauf Wally hinaus wollte. "Was meinst du?"

"Ich habe dich gestern abend dreimal angerufen. Du warst nicht zu Hause."

"Ich hatte doch meinen Französischkurs", erinnerte Irma.

"Bis elf Uhr?", zweifelte die andere.

Irma versicherte ihr, dass sie sich keine Hoffnungen zu machen brauche. "Du wirst wohl oder übel deine Wohnung selbst auf Vordermann bringen müssen. Und meine noch dazu. Ich habe schon ganz tolle Tapeten entdeckt, die in mein Wohnzimmer passen würden."

"Wart's nur ab!", prophezeite Wally. "Das Jahr ist noch lange nicht vorbei. Wer zuletzt lacht, lacht am besten."

Irma schüttelte energisch den Kopf. "Was soll ich mit einem Mann? Als Single fühle ich mich so prächtig wie schon lange nicht mehr. Und so soll es auch bleiben."

Noch am gleichen Tag rief Julius Bösch bei ihr zu Hause an. "Tut mir leid, dass ich Sie schon wieder belästigen muss, Frau Hartwig, aber ich komme einfach mit der gestrigen Lektion nicht klar. Darf ich ganz kurz vorbeischauen?"

Das fehlte noch! Wally wollte ebenfalls kommen. Die würde gleich die unmöglichsten Schlüsse aus dem harmlosen Besuch ziehen.

"Können wir das nicht am Telefon klären?", schlug sie daher vor.

Julius Bösch versuchte, ihr sein Problem auseinanderzusetzen, und nach wenigen Sätzen sah Irma ein, dass sie so nicht weiterkamen.

"Treffen wir uns einfach wieder in der Pizzeria", bot sie an. "Ich habe aber nicht lange Zeit."

"Ich bin Ihnen ja so dankbar", beteuerte der Mann, als sie kurz darauf an seinen Tisch trat. "Wie kann ich mich nur für Ihre Hilfsbereitschaft revanchieren?"

"Indem Sie fleißig lernen und mir keine Schande bereiten", entgegnete Irma fröhlich und klappte das Lehrbuch auf.

Die Bedienung brachte die dritte Karaffe Wein. Irma blickte auf die Uhr. "O Gott! Schon so spät? Ich muss unbedingt telefonieren."

Sie erreichte Wally nicht mehr. Bestimmt läutete die Freundin in diesem Moment an ihrer Wohnungstür Sturm. Jetzt musste eine glaubwürdige Ausrede her.

Julius Bösch sah ihr entgegen, als sie vom Telefon zurückkehrte. "Schlimm?", erkundigte er sich. "Meine Schuld, nicht wahr?"

Irma seufzte. "Der Gelehrsamkeit müssen eben Opfer gebracht werden. Also, wie war das mit der korrekten Aussprache von 'fenĕtre'?"

Julius Bösch zerbrach sich fast die Zunge. "Ich lerne es nie", befürchtete er, beobachtete aber geduldig Irmas Lippen, während sie ein paar schwierige Wörter formten.

"Was machen Sie eigentlich beruflich?", wollte sie nach einer Weile wissen und erfuhr von seiner Tätigkeit als Zahntechniker.

"Ich müsste Sport treiben", sah er ein. "Das viele Sitzen ist Gift für den Körper."

"Und warum tun Sie es nicht? Ich schwimme zum Beispiel regelmäßig. Auch im Winter. Wir haben doch ein so schönes Hallenbad."

Das hatte er hoffentlich nicht als Wink mit dem Zaunpfahl aufgefasst. Jedenfalls fand sich Julius Bösch bereits am folgenden Tag im Schwimmbad ein.

"Ich habe Sie schon eine Weile beobachtet", gestand er. "Sie besitzen eine fabelhafte Technik."

Sollte sie ihm die etwa auch beibringen? Irma zog unwillkürlich die Augenbrauen zusammen, doch die entsprechende Bitte blieb aus.

Sein Schwimmstil war alles andere als perfekt. Ihm fehlte auch Kondition. Während Irma noch unermüdlich ihre Runden drehte, verließ Julius Bösch bereits das Becken und schaute vom Rand aus zu.

"Das Wasser macht hungrig", entschuldigte er sich. "Darf ich Sie zu einem Toast einladen?"

Irma lehnte ab. "Heute ist mein Salattag, und der taugt hier nichts."

"Salat?", wiederholte der Mann gedehnt. "Ich kenne ein Lokal, in das manche Gäste nur wegen seiner hervorragenden Salate gehen. Es ist gar nicht weit von hier. Machen Sie mir doch die Freude. Ich bin Ihnen noch so viel schuldig."

Irma ließ sich schnell überreden. Irgendwie fand sie den Burschen sympathisch. Er war so ganz anders als ihre von sich selbst überzeugten Kollegen. Vor allem aber unterschied er sich von Reinhard, an den sie in letzter Zeit immer seltener dachte.

Verlieben würde sie sich aber trotzdem nicht in Julius Bösch. Nicht nur wegen der Wette. Eines Tages würde es auch mit ihm so enden wie mit Reinhard. Das lag wohl in der Natur der Männer. Sie waren nun einmal so.

Dass sie ihm salatkauend gestattete, sie künftig beim Vornamen zu nennen, geschah nur der Einfachheit halber. Außerdem duzten sich im Spanischkurs auch alle Teilnehmer.

Manchmal argwöhnte sie, dass Julius ihren französischen Nachhilfeunterricht gar nicht mehr brauchte. Er aber protestierte energisch und verwechselte prompt ein paar simple Verben.

Entgegen ihrer früheren Gewohnheit stand Wally neuerdings des öfteren unangemeldet vor Irmas Wohnungstür. Ihr suchender Blick hielt dann nach Indizien Ausschau, die die kürzliche Anwesenheit eines Mannes verrieten. Zigarettenasche im Blumentopf zum Beispiel, ein Automagazin zwischen den Modezeitschriften oder gar eine zweite Zahnbürste im Bad. Jedesmal war ihr ihre Enttäuschung anzusehen, wenn sie auch kein Wort darüber verlor.

Irma ahnte, dass die überfallartigen Besuche der Freundin den einzigen Zweck besaßen, sie in flagranti zu erwischen. Wally wollte einfach nicht einsehen, dass sie die Wette verlieren würde.

Eines Tages, Irma legte gerade ihr übliches Pensum im Becken des Schwimmbades zurück, spürte sie, dass etwas Ungewöhnliches eingetreten war. Köpfe reckten sich aus dem Wasser, sämtliche Gespräche schienen schlagartig zu verstummen, und sogar die kesse Lilli, die ständig von zahlreichen Verehrern umgeben war, hielt offenbar den Atem an.

Irma spähte verwundert über den Beckenrand. Da sah sie ihn. Er stand oben auf dem Fünf-Meter-Turm, letzte Sonnenstrahlen ließen die Wassertropfen auf seiner gebräunten Haut aufblitzen. Ansehnliche Muskeln spielten an Brust und Armen. Sein Blick ging suchend in die Tiefe, bevor er sprang.

Er verursachte kaum einen Spritzer. Geschmeidig kam er wieder nach oben und stemmte sich aus dem Wasser. Lachend winkte er ab, als stürmischer Applaus für diesen meisterhaften Sprung aufklang. Er schien etwas zu suchen. Wahrscheinlich war er verabredet.

Irma hatte ihn hier noch nie gesehen. Sie hielt nach Julius Ausschau, der sich heute verspätete.

"Wer trainiert Sie?", wurde sie von hinten angesprochen.

Irma wandte ihren Kopf und blickte in zwei Augen, die fast so hell waren wie das Wasser im Becken. Und mindestens so blau. Der Supermann vom Sprungbrett.

"Meinen Sie mich?"

Der Mann nickte eifrig. "Sie schwimmen doch sicher im Verein", fuhr er fort. "Das sieht man gleich. Alle anderen paddeln doch nur so herum."

Sein Blick ruhte anerkennend auf ihrem Körper. Irma suchte darin vergeblich rein sportliches Interesse. Sie begann, unruhig zu werden.

"Sie werden lachen", gab sie zurück. "Auch ich paddle nur zu meinem Vergnügen. Sonst noch Fragen?"

"Eine Menge. Ich heiße Friedhelm Herzog. Und Sie?"

Irma schwieg verbissen. Was wollte der Typ von ihr?

"Hallo, Irma!", rief jemand. Sie erkannte Julius' Stimme.

"Also Irma", stellte Friedhelm Herzog strahlend fest. "Sehr hübscher Name. Er passt zu dir."

Sollte sie über diese plumpe Anmache wütend sein? Irma entschied sich dafür, das Ganze locker zu sehen. Die giftigen Blicke der übrigen Frauen in ihrer Nähe amüsierten sie. Sie alle würden jetzt liebend gerne mit ihr tauschen.

"Ich bin verabredet", stellte sie fest und winkte Julius zu.

Friedhelm Herzog drehte sich um. "Er kann doch mitkommen."

"Mitkommen? Wohin?"

"Ich lade euch beide ein. Einer meiner Freunde gibt eine Party. Du tanzt doch gerne? Na klar, bist du eine begeisterte Tänzerin. Mit so einer Traumfigur!"

Junge, Junge, der trug aber dick auf! Aber aus seinem Mund klang es völlig natürlich. Es gehörte eben zu seinem Stil.

Julius kam nur zögernd heran.

"Das ist Julius", stellte Irma ihn vor und nannte auch den Namen des Topathleten.

"Ich möchte nicht stören", sagte Julius.

"Wir sind eingeladen", verkündete Irma. "Tanzen ist fast so gesund wie schwimmen. Du hast doch Lust?"

So ganz glaubte sie noch nicht an die angebliche Party. Es war sicher kein Fehler, Julius mitzunehmen.

Große Begeisterung zeigte er nicht, aber Irma überredete ihn schließlich doch.

Es war eine Miniparty, aber der CD-Player gab die heißesten Rhythmen her. Irma tanzte fast ununterbrochen. Meistens mit Friedhelm, der ihre geschmeidigen Bewegungen lobte und sie so fest an sich zog, dass sie seinen Herzschlag spürte.

"Julius ist nett", fand er. "Dein Freund?"

Irma widersprach entrüstet. "Mit Männern habe ich nichts mehr im Sinn", betonte sie und schaute ihm dreist in die Augen.

Da war wieder dieser Blick, der ihr durch und durch ging. Sie war sicher, dass Tausende von Frauen nachts von einem solchen Mann träumten, und ausgerechnet sie hielt er in den Armen.

Natürlich tanzte sie auch mit Julius. Welch ein Unterschied! Er gab sich redliche Mühe, ihre Füße zu schonen, aber offenbar war er mit seinen Gedanken woanders.

"Du lernst wohl gerade deine Vokabeln für die nächste Stunde?", zog Irma ihn auf.

"Entschuldige! Ich bin ein bisschen aus der Übung, und die modernen Tänze begreife ich ohnehin nicht."

"Ach was! Die lernst du schon. Die Hauptsache ist, immer schön locker bleiben. Alles andere geht fast von selbst."

Julius seufzte. "Da müsstest du mir schon Unterricht geben. Aber in unserer Pizzeria ist das kaum möglich."

Irma musste lachen, sah aber auch keinen Ausweg. In ihre Wohnung kam Julius keinesfalls.

"Ich denke darüber nach", versprach sie.

Vorläufig fand sie dazu keine Gelegenheit, denn Friedhelm wollte unbedingt mit ihr einen Lambada tanzen.

Als sich die ersten Gäste verabschiedeten, schaute auch Julius verstohlen auf die Uhr. Er fühlte sich nicht wohl.

Irma dachte an ihren morgigen Arbeitstag. Es war wohl vernünftiger, sich noch ein paar Stunden Schlaf zu gönnen.

Als sie im Bett lag, klangen noch immer die südamerikanischen Melodien in ihr. Sie glaubte, Friedhelms Hände auf ihrem Rücken zu spüren. - Und Julius' Schuhe auf ihren Zehen.

An Wallys fragenden Blick am Morgen war sie nun schon gewöhnt. "Du siehst müde aus?", erkannte die Freundin, musste sich aber mit den üblichen Erklärungen zufrieden geben.

Friedhelm rief Irma im Büro an und wollte sich mit ihr verabreden.

"Ich muss zum Abendkurs", lehnte Irma ab und fragte sich, ob sie das bedauerte.

"Na?", begrüßte Julius sie im Unterrichtsraum. "Hast du es dir schon überlegt?"

Da sie nicht wusste, was er meinte, half er ihr auf die Sprünge: "Wo du mir das Tanzen beibringen willst. Wie du weißt, wohne ich in Untermiete, und meine Wirtin..."

"...sieht Damenbesuch nicht gerne", ergänzte Irma. "Bestimmt würde es sonst bei dir wie in einem Taubenschlag zugehen."

Julius schaute sie missmutig an. "Machst du dich über mich lustig?"

"Was ist denn heute mit dir los?", wunderte sich Irma.

Julius wurde einer Antwort enthoben, denn Herr Holzner begann mit dem Unterricht.

Sie beschlossen den Abend in der Pizzeria. Irma musste ihren Nachhilfeschüler mehrmals tadeln.

"Das habe ich dir doch schon mindestens dreimal erklärt. Ich glaube gar, du hast in Südfrankreich eine Freundin, an die du ständig denkst. Tröste dich. Ihr kannst du dich bestimmt auch ohne blendende Sprachkenntnisse verständlich machen."

Da Julius auch auf diesen Witz sauer reagierte, trennten sie sich bald, und Irma grübelte auf dem Heimweg, warum Julius plötzlich so komisch war.

Vor ihrer Haustür parkte Friedhelms Kabriolett. Er stieg aus, als er sie kommen sah, und wollte ihr ins Haus folgen.

"Nichts da!", wehrte Irma ab. "Es ist schon spät. Außerdem habe ich einen Schwur geleistet. In meine Wohnung kommt kein Mann."

"Ist das dein Ernst?", Friedhelm schüttelte sich vor Lachen. Dann nahm er sie kurzerhand in den Arm und küsste sie, dass ihr die Luft wegblieb. "Zum Glück bin ich flexibel", strahlte er sie an.

"Ein unmöglicher Frechdachs bist du", konterte Irma, immer noch verwirrt. Friedhelm küsste genauso atemberaubend, wie er aussah. Konnte man ihm böse sein?

"Er deutete auf seinen Wagen. "Steig ein! Dann fahren wir eben zu mir."

Irma schüttelte den Kopf. "Ich meine es ernst, Friedhelm. Wer so schwer enttäuscht wurde wie ich, fällt so schnell auf keinen Mann mehr herein, und wenn er ein noch so toller Typ ist."

Der Mann wirkte nicht frustriert, obwohl Abfuhren bei ihm bestimmt nicht zur Tagesordnung gehörten. "Ich kann unheimlich hartnäckig sein", warnte er mit einem Lächeln wie aus einer Zahnpastareklame.

Das bewies er während der folgenden Tage. Ständig brachte er sich durch Telefonanrufe in Erinnerung und schickte Blumen. Am Wochenende stand er wieder selbst vor der Tür und lud sie zu einer Ausflugsfahrt ein.

Ursprünglich hatte sie an diesem Sonnabend Julius in grundlegende Geheimnisse aktueller Tänze einweihen wollen. Ihr war die Idee gekommen, ihn zu ihren Eltern mitzunehmen. Dort konnten sie ungestört üben.

Doch sie hatte die ganze Woche nichts von ihm gehört. Sogar der letzten Unterrichtsstunde war er ferngeblieben. Sie erinnerte sich, dass er kürzlich ein Fachseminar erwähnt hatte.

Als sie Friedhelms Einladung ablehnte, machte er ein geheimnisvolles Gesicht. "Du wirst es bereuen. Dir entgeht eine tolle Modenschau."

"Daraus mache ich mir gar nichts", behauptete Irma.

Friedhelm grinste. "Das weiß ich aber besser, meine Liebe. Wally sagt, dass du..."

"Wally?", fiel ihm Irma ins Wort. Tiefe Falten gruben sich in ihre Stirn. "Ich wusste gar nicht, dass ihr euch kennt."

Ihm war anzusehen, dass er nach einer einleuchtenden Erklärung suchte. Aber die brauchte Irma nicht mehr. Sie wusste plötzlich Bescheid.

Also Wally hatte diesen Superknaben auf sie gehetzt. Mit seiner unwiderstehlichen Hilfe war sie sicher, die Wette für sich zu entscheiden. So eine Hinterlist!

Nun gut, wenn Wally mit derart unfairen Tricks arbeitete, dann wollte auch Irma ab jetzt mit gezinkten Karten spielen. Wally würde nie und nimmer erfahren, dass sie sich tatsächlich gegen ihren Willen verliebt hatte. Nicht in den Sunnyboy Friedhelm. Nein, sie vermisste Julius und hoffte, dass er sich endlich wieder meldete.

Nachdem Friedhelm wie ein begossener Pudel davongefahren war, rief Irma bei Julius an, doch es meldete sich nur seine Wirtin. "Herr Bösch ist nicht da", erklärte sie unwirsch und fragte nicht einmal, ob sie etwas ausrichten solle.

Am Montag erschien er wieder nicht zum Französischkurs. So lange dauerte kein Seminar. Irma suchte ihn nach dem Unterricht auf.

Sie ließ sich auch durch den feindseligen Blick der Wirtin nicht abschrecken. "Ich möchte zu Herrn Bösch", verlangte sie. "Wir sind verabredet."

Julius schoss aus seinem Sessel in die Höhe. "Du?"

"Krank bist du jedenfalls nicht", stellte Irma streng fest. "Herr Holzner hat nach dir gefragt."

"Ich habe den Kurs aufgegeben", eröffnete Julius. "Es hat ja doch keinen Zweck."

Details

Seiten
74
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738931037
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juli)
Schlagworte
teufel zärtlichkeit

Autor

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Titel: Zum Teufel mit der Zärtlichkeit