Lade Inhalt...

REDLIGHT STREET #44: Kesse Typen auf dem Liebesmarkt

2019 101 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Kesse Typen auf dem Liebesmarkt

Copyright

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

Kesse Typen auf dem Liebesmarkt

REDLIGHT STREET #44

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 101 Taschenbuchseiten.

 

Manfred und Klaus wollen es endlich zu Reichtum bringen. Sie beschließen, eine Marktlücke auszunutzen und sich Frauen in einem umgebauten Bus gegen Bezahlung anzubieten. Schnell finden sie Gefallen an ihrem neuen Beruf und das Geschäft läuft gut. Doch leider muss diese Tätigkeit in Unwissenheit ihrer Frauen geschehen - und dies gestaltet sich von Tag zu Tag schwieriger.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

1

Es war wieder einmal soweit!

Sie waren arbeitslos. Das war jetzt schon das fünfte Mal.

Vor ein paar Minuten waren sie beim Arbeitsamt gewesen.

»Das beste wird sein, wir schulen sie um. Dann haben Sie einen sicheren Job. Unqualifizierte Kräfte nimmt heute keiner mehr für längere Zeit in seinen Diensten auf.«

»Ja, meinen Sie?«, hatten sie zögernd geantwortet. »Dies geschieht auf unsere Kosten. Sie erhalten dabei eine Art Gehalt. Also der Unterhalt für die Familie ist gesichert.«

»Ach, dann ist das schon etwas ganz anderes.«

Sie lächelten sich an.

»Sollen wir es versuchen?«

Sehr viel Begeisterung konnten sie nicht dafür aufbringen. Denn sie dachten an das Wort „Schule“! Verdammt, sollte man vielleicht wieder büffeln bis einem die Buchstaben aus den Ohren herausfielen! Das hatten sie doch alles schon hinter sich. Schließlich waren sie dreißig und fünfunddreißig. Also im besten Alter, wie man immer so schön sagte.

Zugleich waren sie listig genug und wussten, sie durften den Vorschlag nicht rundheraus ablehnen. Das wäre nicht klug gewesen, dann hätte man ihnen womöglich die Unterstützung gekürzt.

»Sie bringen alle Ihre Papiere mit und dann sehen wir weiter. Wir suchen sehr sorgfältig aus, für welchen Beruf Sie geeignet sind.«

»Wir möchten aber zusammenbleiben! Wir machen alles zusammen«, war die Antwort.

Der Beamte lächelte ein wenig versteckt.

»Ich will sehen, was sich machen lässt.«

»Können wir jetzt gehen?«

»Ja! Kommen Sie nächste Woche um die gleiche Zeit wieder.«

»Danke!«

Sie schlenderten durch die langen Flure. Ein Mann kam ihnen nach. Aber sie achteten nicht auf ihn.

Als sie aus dem Gebäude traten, flutete ihnen die Sonne entgegen. Sie blinzelten ein wenig.

Es war Markttag und deshalb herrschte ein buntes Treiben auf dem Platz.

»Ich hole uns eine Zeitung. Oder musst du gleich wieder nach Hause?«

»Nein, denn dann muss ich bestimmt einkaufen oder irgendeinen Quatsch erledigen. Besser, wir gehen kurz vor dem Essen heim.«

»Sicher rechnen sie damit, dass wir wieder eine Arbeit haben. Was meinst du?«

»Natürlich, du kennst sie doch.«

»Ist ja auch zu blöde, immer so herumlungern. Das geht mir schon langsam auf die Nerven. Wir wollen ja arbeiten.«

»Ganz recht!«

Wenig später hatte jeder einen Teil der Zeitung in der Hand und blätterte ihn lustlos durch.

Da saßen sie nun, die beiden Unzertrennlichen, vereint auf dem Brunnenrand. Manfred und Klaus. Sie hatten sich kennengelernt, als sie zufällig ins selbe Haus gezogen waren. Auch ihre Frauen hatten sich gleich angefreundet. Sie taten alles gemeinsam. Wenn eine Wohnung neu hergerichtet werden musste, halfen sie einander. Sie verstanden sich auf viele Berufe. Sie waren so etwas wie Allerweltskerle. Bloß mit der Arbeit für andere wollte es nicht so recht klappen. Sie arbeiteten lieber selbstständig. Aber wie gesagt, wenn man keinen Beruf erlernt hatte, dann war das so eine Sache. Nicht lange und man wurde wieder entlassen.

»Findest du was Gescheites?«

»Nee!«

Da wurden sie angesprochen.

»Ich hab‘ Sie gerade im Arbeitsamt gesehen. Suchen Sie eine Arbeit?«

Sie sahen den Mann an.

»Wieso?«, fragten sie ein wenig ablehnend.

»Ich suche Kräfte, für den Augenblick.«

»Wir sollen umgeschult werden«, sagten sie würdevoll.

Der Mann grinste.

»Das ist doch kein Hindernis. Ich würde euch bezahlen, ohne dass die da hinten was erfahren.«

Sie blickten sich an.

»Das ist nicht zu verachten.«

»Sag ich ja!«

»Was meinst du? «

Manfred und Klaus überlegten.

»Was seid ihr denn von Beruf?«

»Och, so ungefähr alles. Nur Amme haben wir noch nicht gespielt.«

Sie lachten über diesen Witz.

»Ich bin der Bauer Wördemann.«

»Na, und was sollen wir tun?«

»Im Augenblick habe ich hier einen Stand auf dem Markt. Der müsste gleich abgebaut werden, wenn Schluss ist, versteht sich. Ja, dann hab‘ ich auf dem Hof eine Menge Arbeit. Ich sehe, ihr seid nicht arbeitsscheu.«

»Nein, das sind wir keineswegs. Aber das sagen wir gleich, wir haben es nicht gerne, wenn man uns pausenlos auf den Zehen herumtrampelt und blöde Fragen stellt.«

»Ihr könnt euch darauf verlassen, dass ich das nicht tun werde. Also sind wir uns einig?«

Sie schlugen ein.

»Dann man zu!«

Manfred und Klaus machten sich wacker an die Arbeit. Der Bauer hatte mit ihnen wirklich einen guten Fang gemacht. Anschließend fuhren sie mit zum Hof.

Die Bäuerin war vor einem halben Jahr gestorben. Die Kinder wollten den Hof nicht übernehmen. Aber er hing an seiner Scholle.

»Hübsches Höfchen«, sagte Klaus.

»Ja, eines Tages werden wir auch ein Haus im Grünen haben«, sagte Manfred.

»Das ist der Traum deiner Frau!«

»Dann will sie auch gleich ein Pferd haben, wie ich die kenne.«

Klaus sagte großartig: »Eines Tages werden wir uns das alles leisten können.«

»Ich koche uns erst einmal etwas zu essen«, sagte der Bauer.

»Kannste das auch?«

Manfred war Feinschmecker.

»Alles gelernt. Meine Alte war die letzten Jahre ständig krank. Da hat sie es mir beigebracht.«

»Dann sehen wir uns mal um.«

»Tut das.«

Der Maschinenpark schrie danach, überholt zu werden. Klaus hatte ganz glänzende Augen. Manfred war mehr für das Vieh und die Natur. Hier würde man einen Zeitvertreib haben und zusätzlich Geld verdienen können. Das war wirklich nicht schlecht. Vielleicht dauerte das noch mit der Umschulung.

Nach einer guten Stunde saßen sie unter dem alten Apfelbaum und schaufelten die Bratkartoffeln in sich hinein. Das schöne Stück Fleisch war auch nicht zu verachten. Danach lasen sie noch einmal die Zeitung.

Klaus fand einen Bericht über ein paar Nutten, die sich einen Bus zurechtgemacht hatten und damit jetzt übers Land zogen und das lange Geld machten.

»Die sind clever«, sagte er ein wenig neidisch. »In ein, zwei Jahren haben die so viel zusammen, dass sie nicht mehr arbeiten müssen. Man ist doch zu blöde.«

Manfred grinste ihn an und meinte: »Willste das vielleicht nachmachen? Ich glaube, unsere Frauen wären nicht damit einverstanden.«

»Bist du verrückt!«, sagte Klaus wütend. »Ich schick doch meine Hanne nicht auf den Strich. Schon wegen der Zuhälter würde ich das nie machen.«

»Sag ich doch. Also warum redest du dann so einen Quatsch, es nachzumachen.«

Klaus’ Gesicht bekam einen nachdenklichen Ausdruck. Manfred wusste ganz genau, dass Klaus jetzt nicht gestört werden wollte. So wandte er sich an den Bauern.

»Was liegt denn an? Ich meine die Arbeit. Deswegen sind wir ja gekommen.«

»Siehst ja selbst, liegt alles im Argen.«

»Soll das heißen, wir können ganz selbstständig loslegen?«

»Ja, so hab‘ ich mir das gedacht. Muss mal wieder Grund gemacht werden, nicht?«

Er grinste ihn an.

»Das kriegen wir hin. Ich glaube, das ist so richtig eine Arbeit nach unserem Geschmack.«

»Na, am Abend sehen wir dann mal, wie es läuft«, sagte Wördemann vorsichtig.

Klaus erhob sich. »Ich mach mir mal bei den Maschinen zu schaffen.«

Manfred verschwand um die nächste Scheunenecke. Hin und wieder tauchte der Bauer wie zufällig mal irgendwo auf. Er wunderte sich, dass die beiden so viel Eifer an den Tag legen. Klaus war hingebungsvoll bei der Arbeit und so wurde Stück für Stück gründlich überholt, gesäubert und dann auf den Hof geschoben. Was er nicht alles konnte! Sogar den uralten Traktor brachte er wieder zum Laufen.

»Dunnerlittchen«, sagte Bauer Wördemann anerkennend.

Manfred war aber auch nicht faul gewesen. Er hatte sich über die Ställe hergemacht, sie entmistet, hatte einen großen Eimer Farbe gefunden und hatten angefangen, die Wände zu weißen. Das hätte schon im letzten Jahr erledigt werden sollen.

In den wenigen Stunden, die die beiden bei ihm auf dem Hof waren, hatten sie viel getan. Wördemann rieb sich zufrieden die Hände. Die Kerle waren so ganz nach seinem Geschmack. Zwar würde er sie nicht immer halten können, dazu waren seine Einkünfte zu gering. Aber wie gesagt, wenn erst mal alles richtig in Schuss war, machte das Arbeiten auch wieder Spaß.

Sie erhielten noch ein deftiges Abendbrot und dann machten sie sich auf den Weg zum Bus.

»Morgen kommen wir wieder«, meinte Klaus.

Manfred sagte: »Wirklich?«

Klaus nickte heftig. »Der Hof kommt mir wie gerufen.«

»Wieso?«

Sie schlenderten an der Wiese entlang.

»Ich hab‘ eine Idee!«

»Ach nein«, sagte Manfred und zog eine Augenbraue hoch.

»Wir machen es ihnen nach.«

»Wem? Was? Ich versteh nur Bahnhof.«

»Na, den beiden Nutten. Was die können, können wir schon lange.«

Manfred blieb mitten auf dem Weg stehen.«

»Sag mal, bist du bekloppt? Unsere Weiber werden uns was!«

»Mensch, lass mich doch mal ausreden. Wir machen alles anders. Du, ich hab‘ so etwas wie eine Marktlücke entdeckt, Manfred.«

»Was hast du?«

»Ich weiß, was dringend gebraucht wird, aber noch nicht vorhanden ist!«

»Und das ist?«

»Ein Männerpuff!«

Manfred riss Mund und Augen auf.

»Waaas?«

Klaus stand breitbeinig auf dem Weg.

»Lass mich das nur machen. Wir kommen ganz groß raus, mein Lieber. Und dann können wir bald das Geld nur so scheffeln. Du, ich sage dir, dann brauchen wir uns auch nicht mehr umschulen zu lassen. Wir schaffen uns dadurch ein Grundkapital und daraus machen wir was Anständiges. Eine eigene Existenz, verstehst du!«

Manfred, der um einen Kopf größer war als sein Freund, beugte sich vor und beutelte Klaus kräftig.

»Du bist wohl bekloppt, Mensch, das mach ich doch nicht mit. Ich bin doch nicht vom anderen Bahnsteig! Brrr, das könnt ich nie im Leben.«

Klaus sah ihn verdutzt an.

»Wieso? Was meinst du damit?«

»Haste nicht gerade gesagt, wir machen einen Männerpuff auf, oder etwa nicht? «

Jetzt hatte Klaus kapiert.

Er lachte schallend.

»Ach, jetzt versteh ich dich erst einmal. Das haste die ganze Zeit geglaubt? Ach, du liebe Güte, das doch nicht. Nee, wir machen die Frauen glücklich! Verstehste?«

Bei Manfred fiel der Groschen in Pfennigen. Aber wenn mal etwas gefallen war, dann gründlich.

»Du meinst, fremdgehen und dafür noch kassieren?«

Klaus nickte eifrig.

»Das wäre vielleicht gar nicht so übel.«

»Sag ich doch die ganze Zeit.«

Manfred machte ein betrübtes Gesicht.

»Ursula wird es nicht wollen. Die kratzt mir die Augen aus, wenn sie erfährt, was wir vorhaben.«

»Musst du ihr denn alles erzählen?«

Manfred nagte an seiner Unterlippe.

»Aber werden sie es denn nicht erfahren?«

»Warum denn?«, sagte Klaus eifrig.

»Wir müssen doch von daheim fortgehen, was sollen wir denn da sagen? «

»Dazu wird mir schon noch irgendwas einfallen. Du weißt doch, dass du dich auf mich verlassen kannst.«

Manfred boxte ihn in die Seite.

»Du hast es wohl ganz dick hinter den Ohren, wie?«

Klaus grinste zurück.

»Och, ich hab‘ nur manchmal feine Ideen, das ist alles.«

Manfred meinte: »Wenn man sich das so richtig überlegt, an der Sache ist wirklich etwas dran. Ehrlich, und wenn ich noch bedenke, dass man dann später nicht mehr arbeiten muss, also ...«

»Komm, dort ist der Bus. Reden wir später weiter darüber, ja!«

 

 

2

Klaus und Manfred waren mit dem Bauern übereingekommen, dass er ihnen den Lohn zur Hälfte in Naturalien auszahlte. Die Frauen daheim waren ganz begeistert. So frische Hühner und Enten hatten sie schon lange nicht mehr bekommen. Die Männer schleppten auch jeden Tag Obst und Gemüse heran. Es war wirklich eine Freude.

Binnen vier Tagen hatten sie schon ziemlich viel geschafft. Für den Bauern brach eine schöne Zeit an. Jetzt hatte er auch endlich wieder jemanden auf dem Hof, mit dem er reden konnte. Sie waren zwar hin und wieder ulkige Gesellen, aber wer ist denn schon ohne Macke?

In jeder freien Minute sprachen sie über das neue Projekt. Manfred hatte noch immer viele Bedenken.

»Ich weiß nicht«, brummte er. »Das ist doch wirklich nicht einfach.«

»Doch, wir müssen uns nur einen alten Bus besorgen, den richte ich uns her und ab geht die Post. Du wirst sehen, das klappt.«

»Und die Zuhälter?«

»Du liebe Güte, du glaubst doch nicht, dass sie sich mit zwei strammen Jungens abgeben. Außerdem lassen wir kein männliches Wesen in den Bus rein. Sobald wir etwas Verdächtiges sichten, hauen wir ab.«

Bauer Wördemann lachte sich halb krank, als er erfuhr, worüber sich die zwei die ganze Zeit die Köpfe zerbrachen.

»Lach nur, du wirst schon sehen, es wird klappen.«

Ihm liefen noch immer die Tränen über das Gesicht.

Klaus fragte ihn: »Wenn wir den Bus haben, dürfen wir ihn dann hier stehenlassen und fertigbauen?«

»Von mir aus. Ich hab‘ ja Platz genug. Also daran soll es nicht liegen.«

»Bist ein feiner Kerl«, sagte Klaus.

Dann kamen Tage, an denen Manfred begeistert war und sich eine rosige Zukunft ausmalte. Er lief mit blanken Augen herum, sodass seine Ursula ihn schon verwundert betrachtete und fragte: »Hast du vielleicht im Lotto gewonnen und ich weiß noch nichts davon?«

»Nein, Schätzchen, aber der Klaus und ich, wir meistern das Leben.«

»Na ja, in letzter Zeit scheint euch ja die Arbeit zu gefallen. Sag mal, könnt ihr denn nicht immer dortbleiben?«

»Nein, nur für den Übergang. Zu mehr reicht es nicht. Aber in Zukunft werden wir unsere Sachen nur noch von Bauer Wördemann beziehen. Ein paar Stunden werden wir immer erübrigen, um ihm zu helfen.«

»Können wir nicht mal mitkommen? Du weißt doch, Hanne und ich sind doch so fürs Landleben.«

Manfred wollte schon einstimmen, doch da bekam er von Klaus einen Stoß in die Rippen.

»Später«, sagte er hastig.

Klaus wisperte ihm zu: »Bist du wahnsinnig, wenn Wördemann nun von unseren Plänen erzählt!«

»Daran hab‘ ich gar nicht gedacht.«

»Du und das Denken, das fällt dir immer schwer.«

Manfred war nun etwas beleidigt. Aber das hielt nie lange an.

»Wisst ihr«, sagte Klaus freundlich, »das ist so, der Bauer ist ein wenig scheu. Im Spätsommer, wenn er sich erst mal an uns gewöhnt hat, wird er bestimmt nichts dagegen haben.«

Die beiden Frauen sahen sich an.

»Nun ja«, meinte Hanne, »Hauptsache, ihr fühlt euch dort glücklich. Das ist es zwar nicht, was ich mir für dich vorgestellt habe, Klaus. Knecht, na ja!«

»Aber Schätzchen, wir werden doch in nächster Zukunft umgeschult. Du wirst sehen, dann werden wir mehr Geld verdienen. Vielleicht so viel, dass Manfred und ich eine Wirtschaft eröffnen können.«

»Na, darauf können wir noch eine Ewigkeit warten. Durch Arbeit ist man noch nie so reich geworden.«

»Wer weiß«, sagte Klaus und zwinkerte dem Freund zu.

 

 

3

Die beiden hatten die Frauen beschwichtigen können. Also konnten sie weiter an den geheimen Plänen spinnen. Manfred glaubte noch immer nicht so recht daran. Aber dann, ein paar Tage später, stand Klaus aufgeregt unten an der Bushaltestelle.

»Was ist los?«

»Ich hab‘ ihn.«

»Wen?«

»Den Bus natürlich. Hier, lies mal die Anzeige. Ein alter Bus wird verkauft.«

Manfred bekam für einen Augenblick weiche Knie. War es eigentlich nicht alles nur Spaß gewesen? Aber dann sah er Klaus an und da wusste er, dass es kein Spaß war und dass er jetzt auch nicht mehr kneifen konnte.

»Alter Bus, das wird was sein ...«

»Den werde ich wieder aufmöbeln. Du wirst sehen.«

»Und was soll er kosten?«

»Du fährst erstmal allein zum Bauern und ich seh‘ mir das Vehikel an. Später kann ich dir dann mehr erzählen.«

»Wenn du meinst!«

Nach drei Stunden war Klaus wieder da. Der Bus war soweit in Ordnung, er brauchte nur neue Farbe und selbstverständlich musste die Inneneinrichtung dem geplanten Verwendungszweck entsprechend umgebaut werden.

Der Bauer grinste stillvergnügt vor sich hin.

»Ihr wollt es tatsächlich verwirklichen?«

»Natürlich«, sagte Klaus. »Ich bin es leid, arm zu sein. Und das Arbeitsamt kann mir mit der Umschulung auch gestohlen bleiben.«

»Und womit willst du das bezahlen?«, warf Manfred ein.

Klaus sah ihn scharf an. »Jeder die Hälfte. Du hast doch auch noch Ersparnisse.«

»Ursula wird sie nie rausrücken«, sagte er dumpf.

»Hör mal zu, bei mir wird es ebenfalls so sein. Aber ich hab‘ dir doch schon gesagt, die Frauen dürfen nichts davon erfahren. Bis die es merken, haben wir das Geld doch wieder eingezahlt und noch viel mehr dazu.«

»Glaubst du wirklich, dass wir so viel Geld machen?«

»Hör mal, wir werden darin schwimmen. So wie wir gebaut sind! Die Weiber werden ganz happy sein.«

»Na ja, wenn man die Sache so sieht.«

»Also, hast du jetzt Courage oder nicht?«

»Du kriegst das Geld.«

Klaus sagte einlenkend: »Für mich ist das ja auch sehr riskant. Kennst doch meine Hanne!«

»Mit anderen Worten, wir sitzen beide im selben Boot.«

»Du hast es erfasst.«

Es war wirklich nicht so leicht, das Geld zu beschaffen. Aber dann gelang es ihnen doch und Klaus ging los und kaufte den Bus. Als er damit auf dem Hof ankam, war Manfred sichtlich enttäuscht.

»Ein wenig Farbe und du wirst das Ding nicht wiedererkennen.«

»Wie willste ihn denn anstreichen?«

»Rot!«, sagte Klaus.

»Waaas?«

»Er muss doch auffallen, verdammt noch mal. Aber jetzt rede nicht so viel, sondern hilf mir. Wir müssen die Bänke rausreißen. Dann bauen wir zwei Kabinen, mit Bett und allem Drum und Dran. Du wirst schon sehen.«

Ihr Tag war jetzt voll ausgefüllt. Die Hälfte der Zeit arbeiteten sie für den Bauern. Denn sie mussten ja noch immer Lebensmittel mit heimbringen, sozusagen als Tarnung. Aber die übrige Zeit wurde an dem Bus herumgebastelt. Klaus konnte alles gebrauchen und war ein Tausendkünstler. Manfred staunte immer mehr, wie das Innere zu einer gemütlichen Wohnhöhle wurde. Bald waren zwei Kabinen abgetrennt. Vorn hatte man einen weiteren Raum, einen Kontaktraum, wie Klaus ihn nannte.

Sie besorgten sich Teppichbodenreste und zimmerten breite Liegen und sie kauften von dem Rest des Geldes Matratzen und eine Decke und natürlich viele kleine Kissen. Schwieriger wurde es, als Manfred in seiner Kabine ein paar Bilder aufhängen wollte.

»Die kannste nur ankleben«, grinste Klaus ihn an.

»Gardinen brauchen wir auch«, sagte Manfred. »Ich arbeite nicht gern bei hellem Licht.« Er errötete sanft.

»Das habe ich mir auch schon gedacht. Also worauf wartest du noch?«

»Wie bitte?«

»Du wirst doch wohl ein paar Gardinen nähen können.«

»Ich kann es nicht!«

»Das dürfte doch wirklich nicht schwer sein.«

Bauer Wördemann hörte sich den Streit an und meinte hilfsbereit: »Also, eine Nähmaschine ist da.«

Manfred stellte sich störrisch.

»Den Frauen können wir doch diesen Auftrag nicht geben, verdammt noch mal!«

Bald wäre daran das ganze Unternehmen gescheitert.

Aber auch hier wusste Bauer Wördemann Rat.

»Ich hole die Rese. Na ja, ein paar Groschen müsst ihr der schon dafür geben. Aber sonst ist sie wirklich nicht übel.«

»Wer ist das denn nun schon wieder? Wird die nicht alles erzählen?«

»Ne. Ich hole sie mal. Dann könnt ihr sie selbst fragen.«

Rese war nicht gerade intelligent, aber sie konnte arbeiten wie ein Pferd. Sie grinste und war immer freundlich. Aber behalten konnte sie nicht sehr viel. Hauptsache, sie konnte mit der Nähmaschine umgehen. Manfred erhielt den Auftrag, die ganze Zeit neben Rese auszuharren und ihr immer wieder zu sagen, was sie machen sollte. Am Abend war er mit den Nerven völlig am Ende.

Sie saßen im Bus. Jeder hatte ein frisches Huhn in der Tasche.

»Ich bin fix und fertig.«

»Übermorgen haben wir es geschafft.«

Durch Manfred ging ein Ruck.

»Klaus ...«

»Sei still und mach mich jetzt nicht nervös!«

»Wieso, warum?«, stotterte er.

»Morgen sage ich dir mehr.«

 

 

4

An diesem Abend hatte Ursula ihre Mühe mit ihrem Mann. Alles musste sie zehnmal wiederholen, bis sie endlich eine Antwort erhielt.

Am Morgen wollte er gar nicht zur Arbeit. Aber Ursula war unerbittlich.

»Bring frisches Gemüse mit, hast du verstanden!«

»Ja, ja!«

Wenn die wüsste, dachte Manfred. Vielleicht sollte ich ihr alles erzählen, dann platzt die Sache und ich brauche nicht mitzumachen. Aber der Gedanke, dass sein ganzes Geld in dem Vorhaben steckte, hielt ihn davon ab.

Unterwegs im Bus hatte Klaus einige kleine Zettel ausgebreitet.

»Was ist denn das?«

»Die Frauen müssen doch irgendwie von uns erfahren, nicht?«

Manfred nahm mit zwei spitzen Fingern einen Zettel hoch.

»Die Mädchen geben doch Anzeigen in der Zeitung auf. Wir werden es genauso machen. Dies hier sind ein paar Inserate, die ich ausgeschnitten habe. Vielleicht können wir sie als Muster nehmen.«

»Nein«, sagte Manfred erschrocken.

»Aber wie sollen die Frauen denn wissen, dass wir sie glücklich machen wollen? Wie können sie es erfahren?«

Manfred überlegte eine Weile. Allmählich erschien ihm der Gedanke, eine Anzeige aufzugeben, gar nicht so abwegig. »Wir müssen sie irgendwie diskret, aber doch deutlich formulieren.«

»Natürlich, und es müssen alle wichtigen Angaben enthalten sein.«

Manfred grinste ihn an.

»Hast du dir auch schon mal Gedanken darüber gemacht, wo wir arbeiten werden?«

»Klar!«

»Und wo?«

»Bei den grünen Witwen.«

»Wie bitte?«

»Mensch, bei den Frauen in der Stadtrandsiedlung, in diesen großen Hochhäusern. Das ist doch sehr wichtig.«

»Wieso wichtig? «

»Du kannst dumm fragen! Also pass mal auf. Dort kennt doch keiner den anderen. Das muss so sein, sonst kommen sie doch nicht zum Bus. Und zum anderen gibt es dort Frauen in Massen. Also wird unser Geschäft blühen, ist das klar?«

»In der Tat, da wird die Kundschaft nicht ausgehen, was meinst du?«

»Sicher. Die beste Zeit wäre wohl der frühe Abend, damit wir mit den anderen Nachtvögeln nicht doch mal in Konflikt geraten.«

»Ja, ich glaube auch. Dann können uns immer die Frauen aufsuchen, die gerade offiziell Ausgang haben zum Kegeln etwa. Der Ehemann daheim merkt es ja nicht, wenn sie dort eine halbe Stunde später ankommen.«

»Und wenn jetzt doch mal Luden auftauchen?«

»Meine Güte, mit denen werden wir schon längst fertig. Hab doch keine Angst.«

Sie hatten ihr Ziel erreich und stiegen aus.

Heute hatten sie keine Lust, für den Bauern zu arbeiten. Außerdem waren sie ja in den letzten Tagen wirklich fleißig gewesen. Jetzt schaffte Wördemann es auch mal wieder allein.

Klaus sagte: »Wir dürfen doch jeden Abend den Bus hier in der Scheune abstellen?«

»Aber klar doch. Dafür helft ihr mir dann immer mit, wenn ich mal nicht weiterweiß. Hört mal, warum habt ihr denn nicht noch eine Kabine gebaut? «

»Wieso?«

»Na ja, dann hättet ihr doch auch ein flottes Mädchen an Bord nehmen können. Ich wär‘ dann gleich ihr erster Kunde geworden«, kicherte Wördemann.

Klaus war empört. »Mensch, ich will doch keinen Streit mit meiner Hanne. Wenn die das eines Tages vielleicht mal erfahren sollte und dann noch sieht, dass wir eine Dirne bei uns haben, dann wird sie doch glauben, wir brauchen sie selbst. Nee, lieber nicht.«

»Ohne Weiber ist das viel besser«, sagte auch Manfred.

»Na ja, war ja nur mal so eine Frage.«

»Geschenkt. Und jetzt müssen wir uns den Anzeigentext überlegen.«

Da saßen sie nun um den runden Tisch und dachten angestrengt nach.

Klaus hatte den ersten Satz schon aufgeschrieben: »Zwei kesse Typen haben Zeit für Sie. Kommen Sie und lassen Sie sich verwöhnen.«

Manfred grinste: »Was sollen wir mehr schreiben? Vielleicht noch ein paar verschlüsselte Angaben über Zeit und Ort. Die Frauen, die hier in der Gegend wohnen, kennen sich aus.«

»Hast recht. Wenn das nicht so hinhaut, dann können wir ja noch immer einen anderen Text aufsetzen. Also schreiben wir alles hübsch auf.«

Es dauerte doch noch eine gute Stunde bis sie mit dem Text endlich zufrieden waren und sich auf den Weg zur Anzeigenannahme machten. Sie kamen gerade noch rechtzeitig, sodass die Annonce am nächsten Tag erscheinen würde.

»Das haben wir hinter uns«, meinte Klaus erleichtert. Der seltsame Blick der Sekretärin, die die Anzeige entgegengenommen hatte, hatte ihn doch etwas verlegen gemacht.

»Jetzt müssen wir uns noch überlegen, wie wir unseren Frauen klarmachen, dass wir in Zukunft später nach Hause kommen«, sagte Manfred nachdenklich.

Klaus nickte. »Das habe ich mir auch schon durch den Kopf gehen lassen. Wir sagen ihnen am besten, wir würden ab morgen nur noch bis mittags beim Bauern arbeiten und gleich von dort aus zum Umschulungslehrgang fahren, der von nachmittags bis abends dauert. Wie findest du das?«

»Hm, nicht schlecht. Aber was sollen wir ihnen eigentlich erzählen, wenn sie fragen, was wir überhaupt werden?«

»Tja ... Maschinenbautechniker hört sich doch ganz gut an, finde ich. Das wird mir Hanne schon abnehmen. «

»Und ich sage Ursula natürlich, ich lerne das gleiche.«

»Damit die Sache echt aussieht, besorgen wir uns in der Buchhandlung dort vorne am besten gleich Fachbücher, Hefte und Zeichenmaterial.«

Sie entschieden sich für Bücher über Mechanik, Fertigungstechnik und ein Tabellenbuch. Damit konnten sie bei ihren Frauen gewisss Eindruck machen.

»Weißt du was«, meinte Klaus als sie die Buchhandlung verlassen hatten, »ich hab‘ noch etwas Geld übrig. Dafür kaufe ich jetzt eine Flasche Wein. Wir müssen doch den Beginn des Geschäftes begießen. Den Frauen sagen wir einfach, wir hätten die Flasche wegen guter Arbeit von Wördemann geschenkt bekommen und wir wollten damit den Beginn der Umschulung feiern.«

»Du liebe Güte, ich habe das Gemüse vergessen.«

»Das holen wir uns morgen. Los komm jetzt!«

Hanne und Ursula saßen zusammen und strickten, als die Männer heimkamen. Sie freuten sich über die gute Nachricht und tranken mit. Wenn sie wüssten, was wir vorhaben, dachten die beiden Männer. Ist das eigentlich fremdgehen? Nein, sie waren der Ansicht, dass es reines Geschäft war.

Am späten Abend wurde Manfred wieder sehr nervös. In dieser Nacht schlief er nicht sehr gut. Am Morgen wunderte sich Ursula darüber, dass er so lange in seiner Unterwäsche herumwühlte. Verdammt, daran haben wir gar nicht gedacht, fluchte er innerlich. Wir müssen doch anständig aussehen.

»Ist was?«

»Nein, nein. Wo ist mein Rasierwasser?«

»Da steht es doch.«

Das muss ich auch gleich mitnehmen, damit ich mir zwischendurch immer wieder mal was auf die Pelle kippen kann, dachte er. Frauen haben es ja gern, wenn wir gut riechen. Na ja, wir werden uns nachmittags beim Bauern duschen und ausruhen, damit wir am Abend fit sind. Gearbeitet wird dort nur noch bis mittags, sonst wird das zu anstrengend für uns.

Ursula kann auch nichts dabei finden, wenn ich Wäsche zum Wechseln mitnehme. Ihr erzähle ich, dass ich mich vor dem Unterricht frisch mache.

Manfred vergaß auch nicht, seine Schulbücher einzupacken.

Im Flur traf er Klaus, der an diesem Morgen ebenfalls eine Aktentasche dabeihatte. Die beiden grinsten sich an wie zwei Verschwörer. Aber ganz wohl war ihnen nicht bei dieser Sache.

Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Doch jeder wusste, womit sich die Gedanken des anderen beschäftigten. Schließlich fragte Manfred etwas zaghaft:

»Du, sag mal, wieviel sollen wir denn nehmen?«

»Du meinst, pro Person?«

»Ja, was soll ich denn den Damen abknöpfen?«

»Hmhm, wir dürfen die Preise schließlich nicht unterbieten, verstehst du!«

»Wie meinst du das?«

»Auf der Strichstraße verlangt man für gewöhnlich fünfzig. Das müssen wir auch nehmen.«

»Ehrlich?«

»Klar!«

»Du meine Güte, hätte ich mich immer auszahlen lassen bei Ursula, dann ...« Sie grinsten sich an.

»Einige Mädchen vom flotten Gewerbe verdienen bis zu tausend Mark an einem Tag.«

»Wirklich?«

»Wenn ich es dir sage! Viele kaufen sich Wohnungen und was weiß ich noch alles.«

Manfred bekam ganz blanke Augen.

»Ich habe dir doch gesagt, dass wir schnell reich werden. Hast du die Wohnsilos gesehen und davon haben wir ja vier in unserer Stadt. Also, wenn wir eins abgegrast haben, dann gehen wir zum nächsten.«

»Ich bin schon richtig aufgeregt.«

»Und ich erst mal.«

Bauer Wördemann sah sie feixend an. »Es soll also heute gegen Abend wirklich losgehen?«

»Aber ja!«

»Und wenn die Polizei kommt?«

»Das ist doch nicht verboten. Ich meine, wir stehen da mit dem Bus und tun doch sonst nix.«

»Ich möcht am liebsten mitfahren, so viel Spaß macht mir die Sache.«

»Nee, nee, Heini, du verscheuchst uns nur die Kundinnen, verstehst du!«

»Vielleicht wollen ein paar von ihnen auch ältere Herren?«, sagte er eifrig.

»Nein, du würdest nur einen Herzinfarkt kriegen.«

»Schade, aber ihr erzählt mir doch hinterher alles?«

»Natürlich.«

Den ganzen Tag über waren die beiden recht nervös. Als es endlich soweit war, ließ Klaus den Motor an. Es war Musik für seine Ohren. Er streichelte den Wagen.

»Bring uns viel Glück.«

Damit startete dieses Unternehmen.

 

 

5

Manfred starrte durch die Scheibe und hatte ganz feuchte Hände. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätten sie alles abgebrochen. Aber es sagen? Dann würde er für alle Zeiten als Feigling gelten. Klaus würde nie mehr ein Wort mit ihm reden. Das allein wäre schon eine schlimme Strafe, denn sie waren doch Freunde und gingen durch dick und dünn.

»Vielleicht kommt heute noch keine«, sagte er etwas stotternd.

»Warum nicht? Ich weiß gar nicht, was du hast?« Klaus war nun voller Tatendrang.

Um die gleiche Zeit klingelte im siebten Stock bei Elvira die flotte Helga.

»He, weißt du eigentlich, wie spät es ist?«

»Natürlich«, sagte Helga. »Aber sag mal, hast du auch diese Anzeige gelesen?«

Sie hielt ihr die Tageszeitung unter die Nase.

»Äh, ne«, sagte Elvira und griff danach. Dann las sie die Annonce und machte runde Augen.

»Haste noch nicht im Briefkasten nachgesehen? «

»Ne, war reichlich spät geworden.« Sie sah die Freundin an. »Komm rein, kannst gleich den Kaffee aufsetzen, wenn du schon da bist.«

»Mach ich!«

Helga war ein sehr attraktives Mädchen, mit blauen Augen und langem blondem, etwas lockigem Haar. Die hübsche dunkelhaarige Elvira bildete einen reizvollen Kontrast du ihr.

»Was meinste, was das zu bedeuten hat? Wollen die Kerle einen auf den Arm nehmen?«

»Glaub ich nicht«, rief Helga zurück.

Elvira kam aus dem Bad. »Oder ob sie vielleicht auf diese Art Material für Erpressungen sammeln wollen?«

Sie waren beide in einer Bar angestellt. Es blieb nicht nur beim Animieren, denn sie wollten auch schnell reich werden. Auch sie hatten den Wunsch, sich selbstständig zu machen und sie hatten schon festumrissene Vorstellungen. Aber leider fehlte ihnen noch das nötige Startkapital. Bewusst hatten sie auch jede in einem anderen Stockwerk eine kleine Wohnung gemietet. Sie kannten das Spießrutenlaufen, wenn man erst einmal erfuhr, dass sie dem horizontalen Gewerbe nachgingen.

»Quatsch, das glaub ich im Leben nicht.«

Helga deckte den Tisch.

»Warum dann diese Anzeige?«

»Vielleicht gibt es das wirklich?«

»Blöde Ziege, das habe ich noch nie gehört. Ehrlich, du bist bekloppt, wenn du das glaubst.«

Helga kicherte.

»Hör mal, wir sind uns doch schon lange einig, dass die braven Ehefrauen hier doch alle gern mal fremdgingen, wenn sie nur die Gelegenheit dazu bekämen. Mensch, warum sollen so ein paar schicke Bubis diese Marktlücke nicht entdeckt haben. Die sind bestimmt ganz schön clever. Schon die geschickte Angabe des Treffpunktes lässt darauf schließen.«

»Na, ich weiß nicht ...«

»Die haben an alles gedacht. Die Kundinnen können doch nicht erst lange loszocken. Weißt doch, die Frauen haben Rücksicht auf Kerlchen und Kinder zu nehmen.«

»Von mir aus«, murmelte Elvira und schlürfte den Kaffee in sich hinein.

»Du, ich seh‘ mir den Laden auf alle Fälle an!«

Elvira hätte fast ihre Tasse fallenlassen. »Bist du verrückt. Willst du vielleicht noch Geld dafür rausschmeißen? «

Helga sagte lachend: »Man kann doch auch mal Spaß machen. Du, das müssen wir uns einfach ansehen. Es muss zum Totlachen sein. Vielleicht können wir denen noch Tipps geben? «

Elvira erwärmte sich langsam für den Gedanken.

»Wir könnten denen doch auch einen Streich spielen.«

»Au ja, das ist noch feiner.«

»Aber die kommen ganz bestimmt nicht.«

»Warum haben sie dann diese Anzeige aufgegeben?«

»Wir werden ja sehen.«

Helga goss Kaffee nach.

»Eigentlich ist das sehr interessant, dass sie hierherkommen. Ist doch ein reines Glück für uns, oder?«

»Wie meinste das denn nun schon wieder?«

»Na ja, wir brauchen doch jetzt bloß aufzupassen, wer zu ihnen in den Bus steigt, dann gehen wir anschließend der Dame nach und wissen, um wem es sich handelt ...«

»Dann willste sie erpressen? Du, da mach ich aber nicht mit.«

»Quatsch«, sagte Helga grob. »Doch so etwas nicht. Aber für alle Fälle. Wenn sie mal merken, wer wir sind und Stunk machen, dann können wir doch den gewissen Damen erklären, wenn sie nicht dafür sorgen, dass wir hier wohnen bleiben dürfen, dann würden wir unser Wissen weitergeben.«

»Donnerlittchen, du bist aber wirklich raffiniert. Du denkst wohl immer an später?«

»Na klar, das muss man doch.«

Helga sah auf die Uhr.

»Ich muss mal sehen, ob sie schon eingetroffen sind. Gib mir mal rasch dein Fernglas!«

Sie stöckelte auf den Balkon, hob das Fernglas an die Augen und suchte den Parkplatz ab, der in einiger Entfernung versteckt hinter Bäumen lag. Doch sie konnte nichts erkennen.

»Wir müssen einen Spaziergang dorthin machen«, meinte sie.

Die beiden machten sich auf den Weg.

»Komm doch mal her, da steht der Bus wirklich«, flüsterte Helga.

Wieselflink kam Elvira ihr nach. Wahrhaftig, dort hinten auf dem Parkplatz, der hauptsächlich sonntags von Wanderern benutzt wurde, stand ein roter Bus mit gelben Gardinchen.

Die beiden Nutten sahen sich an.

»Na?«

Elviras Augen glitzerten mächtig.

»Komm, das müssen wir uns aus der Nähe betrachten.«

Sie schauten zurück zu den Hochhäusern und kicherten.

»Ob die Frauen sich wohl wagen?«

»Darauf kannst du Gift nehmen. Ein paar sind ganz scharf und du wirst schon sehen, in Kürze werden sie aus dem Haus gewackelt kommen. Aber beeil dich, wir sind dann die ersten. Dann sind sie noch mächtig frisch.«

Elvira kicherte.

»Ich möchte mal wissen, wie die das schaffen. Ich hatte mal einen Freund, wenn der dreimal hintereinander mit mir pennen sollte, dann keuchte der wie eine ausrangierte Lokomotive.«

»Na ja, so einfach wie wir haben die es ja nicht. Die halten das bestimmt nicht lange durch. Hach, es juckt mich direkt in den Fingern.«

»Was werden sie nehmen, was denkst du?«

»Och, ich weiß nicht, aber einen Blauen ist mir die Sache schon wert.«

»Vielleicht kriegen wir Rabatt, weil wir zusammenkommen?«

»Keine schlechte Idee.«

»Los, komm!«

 

 

6

Manfred stierte auf die Straße. »Du, wenn nicht bald welche aufkreuzen, dann hauen wir ab.«

Klaus kamen jetzt auch Bedenken. »Vielleicht haben doch nicht so viele Frauen abends Ausgang, wie wir geglaubt haben. Aber wenigstens ein paar müssten es doch sein. Ich versteh das nicht. War doch wirklich ein guter Gedanke.«

Manfred fühlte sich allmählich wieder wohler. Es sah so aus, als bliebe es ihm erspart, fremde Frauen zu beglücken. Sie kamen nicht. Nun ja, man würde den Bus halt umbauen, als Wohnwagen, und vielleicht konnten sie ihn dann teuer verscherbeln. Überhaupt war das eine feine Idee. Alte Busse aufkaufen, umbauen, dann verkaufen.

Gerade wollte er dem Freund die Sache schmackhaft machen, da sah er die beiden Mädchen. Die Augen fielen ihm bald aus dem Kopf.

Sie kamen über den Platz gestöckelt. Seine Lungen machten nicht mehr mit und er bekam fast kaum noch Luft. Aber das gibt es doch nicht, dachte Manfred, die sehen ja umwerfend aus. Du meinte Güte!

Klaus erblickte sie nun auch.

»Ob die wirklich zu uns wollen?«

»Es ... es sieht so aus«, stotterte Manfred.

Klaus rieb sich die Hände.

»Dunnerlittchen, mit denen wird es mir sogar noch Spaß machen. Welche willst du haben?«

»Äh ...«, stieß Manfred hervor.

Es klopfte an der Tür.

Manfred wollte seinen Freund mit Gewalt zurückhalten, aber dieser war schneller und so griff er ins Leere.

»Hallo?«, hörte er eine rauchige Stimme.

»Können wir reinkommen?«

»Aber klar«, sagte Klaus. Er öffnete die Tür und dann hängte er schnell das Schildchen »Besetzt« nach draußen.

Elvira und Helga sahen sich bewundernd um.

»Donnerwetter, das sieht ja direkt umwerfend bei euch aus. Das haben wir uns gar nicht so vorgestellt.«

»Das war meine Idee«, sagte Klaus stolz.

Helga trippelte auf Manfred zu. Wäre jetzt ein Fenster offen gestanden, er wäre geflüchtet.

»Hallo, du gefällst mir, ehrlich!«

Sie streichelte über sein Haar. Er hatte ganz weiche Knie. Instinktiv griff er nach dem Mädchen, denn sonst wäre er zu Boden gesunken.

»Holla, du bist wohl ein ganz Toller, wie?«

Ihre Augen und ihr Mund lockten unwiderstehlich. Manfred ahnte ja nicht, dass er hier eine Frau vor sich hatte, die ihr Handwerk verstand. Sein Verstand rastete aus. Das Blut jagte zum Herzen. Er hatte sich noch nie so seltsam gefühlt. Ihm war beinahe schwindlig vor Erregung.

Helga drehte sich herum.

»Elvira, also, ich habe mich entschieden, ich nehme ihn.«

»In Ordnung«, sagte die Freundin.

Helga wandte sich wieder ihrem Opfer zu. Sie hatte sofort begriffen, dass er hochgradig erregt war und konnte sich das Lachen kaum verkneifen.

»Wo ist denn deine Lusthöhle?«, flüsterte sie an seinem Ohr.

»Dddort...« stotterte er.

»Dann gehen wir doch. Ich bin scharf auf dich. Du weißt ja gar nicht, wie mein Mann mich vernachlässigt. Ich bin ja sooo einsam. Du musst richtig lieb zu mir sein. Ach, ich bin ja ganz happy, dass es jetzt auch so etwas für uns gibt.«

Elivra dachte: Die übertreibt mal wieder. Aber es klappt, er merkt es noch nicht mal. Wenn ich es genau ansehe, dann schleppt sie ihn ab und nicht umgekehrt.

»Na, wie ist es mit uns beiden?«

Klaus behielt seinen klaren Kopf.

»Zuerst die Patte«, sagte er und tat so, als wäre das das Normalste auf dieser Welt. »Das ist nun mal so in unserem Gewerbe.«

»Ja«, flötete Elvira, »das habe ich auch schon mal irgendwo gelesen. Was muss ich denn jetzt bezahlen? Denke aber daran, ich bin eine arme Hausfrau. Das ist mein Taschengeld.«

Klaus grinste sie an.

»Fünfzig«, sagte er tapfer.

Elvira dachte: Dafür würde ich keinen abschleppen. Da sieht man mal wieder, wie neu die sind. Aber das ist ja ihre Sache.

Sie reichte ihm den Schein.

Klaus war selig. Das erste Geld. Das Geschäft lief gut an. »Na, dann komm mal mit.«

Nebenan juckte Helga wild los.

Manfred hörte man nur keuchen.

Ehe sich Klaus versah, war aber auch schon Elvira über ihn hergefallen. Er konnte sich gar nicht so schnell ausziehen wie sie.

Details

Seiten
101
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738930283
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v494373
Schlagworte
redlight street kesse typen liebesmarkt

Autor

Zurück

Titel: REDLIGHT STREET #44: Kesse Typen auf dem Liebesmarkt