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Die Raumflotte von Axarabor - Band 96: Das Versteck in der Materiewolke

©2019 74 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 96

Zusammenfassung

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.
Prinz Tandem ist in offizieller Mission im Weltraum unterwegs. Aber nicht nur das. Er verbindet seine diplomatische Mission mit seinen Flitterwochen.
Die Jelzen greifen das Raumschiff an und nehmen Luk Tandem und seine Gattin als Geiseln gefangen und verschleppen sie zu einer geheimen Station.
Das Raumschiff strahlt einen automatischen Notruf aus.
Mirel Herzig und Asena aus dem Geschlecht Ast des Herzbaums von Iridani, zwei Agenten des Hochadmirals, empfangen diesen Notruf. Sie folgen der Spur der Jelzen in die Materiewolke.

Leseprobe

Table of Contents

Das Versteck in der Materiewolke

Copyright

1

2

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4

5

6

7

8

Das Versteck in der Materiewolke

Die Raumflotte von Axarabor - Band 96

von Roland Heller

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Prinz Tandem ist in offizieller Mission im Weltraum unterwegs. Aber nicht nur das. Er verbindet seine diplomatische Mission mit seinen Flitterwochen.

Die Jelzen greifen das Raumschiff an und nehmen Luk Tandem und seine Gattin als Geiseln gefangen und verschleppen sie zu einer geheimen Station.

Das Raumschiff strahlt einen automatischen Notruf aus.

Mirel Herzig und Asena aus dem Geschlecht Ast des Herzbaums von Iridani, zwei Agenten des Hochadmirals, empfangen diesen Notruf. Sie folgen der Spur der Jelzen in die Materiewolke.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author

© Bild: Axarabor 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Der erste Treffer saß punktgenau.

Die linke Antriebsdüse zerbarst in zahllose kleine Trümmerstücke und diese stoben in alle Richtungen auseinander. Einige von ihnen knallten in die rechte Antriebsdüse. Die wurde zwar nicht zur Gänze zerstört, aber es genügte, die Manövrierfähigkeit des Raumers arg zu behindern.

Hurgad knurrte zufrieden.

Seine klauenartige Hand schloss sich wieder um den Knüppel der Waffensteuerung.

Die Antennen des gegnerischen Schiffes für das Kommunikationssystem waren nun an der Reihe, zerstört zu werden.

Er zielte genau, doch durch die fehlenden Steuerdüsen schlingerte das gegnerische Schiff so gewaltig, dass der erste Schuss danebenging. Der nächste traf jedoch exakt ins Ziel.

Hurgad stieß einen Ruf des Triumphs aus. „Jetzt sind sie geliefert. Sie können uns nicht mehr entkommen!“ Triumphierend blickte er sich in der Zentrale des Raumers um. Hurgad nahm seine Klauen von dem Waffenknüppel und legte sie beglückt auf seinen runden Bauch.

Hurgad gehörte der Spezies der Jelzen an. Alles an seinem Aussehen erinnerte auf den ersten Blick an eine dicke, fette Kröte, vor allem der runde Körper und die Gesichtspartie entsprachen dem Idealbild, das sich die Abkömmlinge der Menschen von einer Kröte machten. Die Vorderbeine hatten sich zu gelenkigen Armen entwickelt, mit denen die Jelzen geschickt werken konnten. Anstelle der Finger hatte sich bei ihnen so etwas wie ein Mittelding zwischen Finger und Klaue entwickelt. An den Handballen wiesen sie zusätzlich so etwas wie Saugnäpfe auf. Sie hatten es nicht nötig, Gegenstände mit den Fingern zu umgreifen. Ihre Saugnäpfe hielten diese fest, solange es nötig war. Diese Sogwirkung konnten sie relativ genau steuern.

Damit endete jedoch die Ähnlichkeit mit einer Kröte. Die Beine der Jelzen hatten, wenn sie überhaupt jemals eine besessen hatten, jegliche Sprungkraft verloren. Ihre Beine wirkten sogar relativ schwach entwickelt. Aus diesem Grund trugen sie, wenn sie sich in einem kriegerischen Einsatz befanden, vermutlich einen Kampfanzug, der durch zusätzliche Stahlstreben verstärkt war, die vor allem ihren Unterkörper stützten.

„Jetzt könnt ihr das Schiff stürmen!“, sagte er zu den drei Jelzen, die neben ihm in der Zentrale bereits in ihren Raumanzügen saßen und nur darauf warteten, dass sie zum Einsatz kamen. „Es ist wehrlos! Ihr wisst, worauf es ankommt. Die beiden dürfen nicht sterben. Wenn die anderen nicht überleben, haben sie halt Pech gehabt.“

Die drei zischten Zustimmung, dann schlossen sie ihre Raumhelme und verließen die Zentrale, die sie hinter sich sorgfältig verschloss.

Das Schiff der Jelzen war namenlos und klein. Neben der Zentrale besaß es außer den technischen Räumen lediglich zwei weitere Räume. Einen davon bewohnten die Jelzen, aber die hielten sich die meiste Zeit ohnehin in der Zentrale auf, der andere war als Gefängnis gedacht.

Das namenlose Schiff war das Beiboot einer größeren Einheit, die in der Materiewolke auf Lauer lag.

 

*

 

Ohne jegliche Vorwarnung hatte der erste Treffer das Schiff erschüttert.

Prinz Luk Tandem schleuderte dieser erste Treffer aus seinem Sitz. Da nichts auf Gefahr hingedeutet hatte, hatte er ungesichert neben dem Bordpersonal gesessen und den Ausblick, den er über den Außenbildschirm erhielt, genossen. Da er sich – neben seiner Hochzeitsreise - auf diplomatischer Mission befand, wollte er ein echtes, selbst erlebtes Gefühl für den Weltraum erhalten, das er bei seinen Verhandlungen geschickt anzubringen gedachte.

Der Stoß warf ihn zu Boden und er konnte seinen Schwung nur mit Mühe abfedern, dennoch krachte er mit Wucht gegen den nächststehenden Maschinenblock.

An seine Mission dachte er jetzt natürlich nicht mehr.

„Was war das!“, brüllte er in seinem ersten Schreck, während er sich gleichzeitig bemühte, wieder auf die Beine zu kommen.

„Wir werden angegriffen!“, rief Corn Lister, der Schiffsführer, mit sich fast überschlagender Stimme erregt und griff zu den Kontrollen der Steuerdüsen. Er wollte retten, was es noch zu retten gab.

„Das sind Piraten!“

Gleichzeitig mit diesen Worten hieb der Funker auf die Nottaste, die automatisch einen Funkspruch mit den Positionsdaten auslöste.

Im selben Moment gellte der Alarm durch das Schiff. Der rief die gesamte Besatzung in die Zentrale

„Verdammt, sie haben unsere Steuerdüsen ...“, begann der Corn Lister. Er sprach nicht weiter, stattdessen versuchte er verzweifelt, mit den verbliebenen Steuereinrichtungen das Schiff aus dem Kurs der Angreifer zu bringen. Er brauchte nur wenige Sekunden, um die Sinnlosigkeit seines Tuns einzusehen.

„Die haben ganze Arbeit geleistet!“, rief er wütend. Er warf einen Blick auf den Außenschirm, der das gegnerische Schiff zeigte. Das Schiff wies keine Kennzeichnung auf. „Was wollen die von uns?“, murmelte er düster.

Seine Augen versuchten den Bildschirm regelrecht zu durchbohren, als könnte er auf diese Weise zusätzliche Informationen erlangen. Doch auch sein stechender Blick änderte nichts an der Situation. Er musste sich mit den Gegebenheiten abfinden.

„Empfangen wir einen Spruch?“, erkundigte er sich beim Funker.

„Negativ. Nichts. Weder eine Aufforderung zum Stoppen noch zum Öffnen der Außenschleuse.“

„Die Schleuse bleibt zu!“, rief Tandem.

„Verdammt, Prinz, haben wir diesen Überfall etwa Ihnen zu verdanken?“

„Der Angreifer ist ein Schiff der Jelzen“, stellte Tandem fest. „Meine Heimatwelt befindet sich so gut wie im Kriegszustand mit den Jelzen. Es kann also sein ...“

„Woher wissen die Jelzen denn, dass Sie auf diesem Schiff fliegen?“

„Der diplomatische Dienst hat meine Reise offiziell angekündigt.“

„Auch das noch“, schimpfte der Schiffsführer, dann blickte er Prinz Tandem scharf an. „Sie sollten sich in Ihre Kabine zurückziehen. Und raten Sie Ihrer Gattin, sich einen Raumanzug anzuziehen. Das gilt für Sie natürlich ebenso!“

 

*

 

Nachdem Hurgad das Boot bis auf wenige Meter an das axaraboranische Schiff heran manövriert hatte, begaben sich drei seiner Gefährten in die Schleuse.

„Funktioniert die Verständigung?“, informierte sich Hurgad.

„Wir hören dich einwandfrei“, erwiderte Sukresk

Die Schleuse glitt beiseite und gab den Blick auf das andere Schiff frei. Scheinbar bewegungslos schwebte es gar nicht so weit entfernt von dem Raumer der Jelzen.

„Wir setzen über“, sagte Sukresk, der erste des Kommandos, und stieß sich mit seinen Füßen vom Rand der Schleuse ab. Als er nur mehr wenige Meter von ihr entfernt war, setzte er hinzu:

„Nimm Kontakt mit ihnen auf. Sie sollen die Schleuse öffnen, sonst dringen wir gewaltsam ein!“

„Mach ich“, knurrte Hurgad.

Das Manöver seiner Männer konnte er vorerst auf keinem Bildschirm mitverfolgen, denn entweder war die entsprechende Kamera ausgefallen oder aus diesem Blickwinkel war nie eine Beobachtung vorgesehen.

Letzteres konnte er sich nicht vorstellen. Er schimpfte über den schlechten Zustand des Bootes. Die Jelzen selbst hatten keine eigenständige Raumfahrtindustrie entwickelt und versorgten sich über den öffentlichen Markt mit Raumern. Da auch sie auf günstige Angebote scharf waren, orientierten sie sich hauptsächlich auf dem Raumschiff-Gebrauchtmarkt. Veraltete, gebrauchte Maschinen und nicht mehr aktuelles Zubehör war bei ihren Schiffen beinahe schon Standard. Dementsprechend anfällig waren ihre Raumer. Das hinderte sie jedoch nicht daran, über die Geschäftsmethoden der Menschen zu schimpfen. Die Menschen speisten sie mit dem Letzten an Qualität ab und verlangten selbst dafür noch überhöhte Preise.

Aber das sollte sich bald ändern – zumindest für ihn!

Er öffnete den Funkkanal.

„Außenschleuse öffnen!“, brüllte er in das Mikro der Funkanlage, „sonst dringen wir gewaltsam ein! Und zwar gleich!“

Er schaltete den Funk gleich nach dem Spruch aus. Ihm stand verdammt nicht der Sinn danach, mit einem Menschen zu sprechen.

Das Geschehen auf den Außenbildschirmen interessierte ihn viel mehr, denn jetzt rückte sein Trupp endlich in das Bild. Ganz am rechten Rand eines Bildschirmes tauchte die erste Gestalt auf, vermutlich Sukresk. Er übernahm stets die Spitze. Er schwebte mit den Füßen voran auf die Schleuse zu. Die war noch immer geschlossen.

Nur einmal überlegte er kurz, ob er das axaraboranische Schiff nochmals anrufen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens wurde durch das gewaltsame Eindringen sicherlich verstärkt.

Jetzt schwebten alle drei vor der Schleuse.

„Aufsprengen!“, befahl Hurgad. „Aber das innere Schleusentor muss intakt bleiben.“

„Ich weiß, wir brauchen den Prinz lebend!“, antwortete Sukresk. „Wir sind doch nicht mehr im Kindergarten, dass du uns alles mehrmals erklären musst.“

„Dann handelt auch so, als wäret ihr erwachsen!“

„Wenn ich zurückkomme, zeige ich dir meine Meinung!“

„Die brauchst du mir nicht zu zeigen! Die kenne ich! Weshalb führe ich wohl dieses Schiff und nicht du?“

Mit einem Knurren antwortete Hurgad.

„Du ziehst wie immer den Kürzeren. Und jetzt spreng die Schleuse endlich auf!“, befahl der Kapitän des Kaperschiffes.

Hurgad vernahm im nächsten Moment nur mehr das schwere Atmen. Sukresk hatte seit ihrem kurzen Plausch ein irres Aggressionspotential aufgebaut, das ihn bedenkenlos töten ließ, wenn es notwendig war.

„Recht so“, sagte sich Hurgad, „da wird die Sache schnell ablaufen!“

In der Tat dauerte es nur wenige Sekunden, bis die kleine Sprengstoffkapsel an der Schleusenwand befestigt war. Ein rotes Licht begann zu blinken. Regelmäßig alle fünf Sekunden blitzte es einmal auf – immer eine Minute lang -, dann alle vier Sekunden, alle drei Sekunden …

Es wurde Zeit für die Jelzen, sich aus dem unmittelbaren Schleusenbereich zurückzuziehen.

In absoluter Lautlosigkeit spielte sich das Folgende dann ab. Eine grelle Lichtflut erleuchtete den Bereich vor der Schleuse, dann sah es aus, als wollte sich das Schleusentor aufblähen – und in der nächsten Sekunde klaffte ein fast meterbreiter Spalt in der Außenhaut des Menschenschiffes, breit genug, dass auch die kräftig gebauten Jelzen in das Schiff eindringen konnten.

In der Schleuse herrschte Dunkelheit. Die Explosion hatte offensichtlich auch die Stromversorgung gekappt. Die drei Jelzen störte das kaum, denn ihre Helmscheinwerfer leuchten das Innere vollständig aus.

„Das innere Schleusentor sieht intakt aus“, meldete Sukresk. „Hast du mit der Besatzung Kontakt?“

„Ihr sollt das Schiff erobern, nicht mit der Besatzung plaudern.“

„Dann verrate mir, wie ich die innere Schleuse aufbekommen soll, wenn hier die Energie ausgefallen ist.“

„Lass dir etwas einfallen.“

„Der hat gut reden“, schimpfte Sukresk und machte sich an die Untersuchung des inneren Schleusentores. Bald gab er das Zeichen, dass er den richtigen Kontakt gefunden hatte. In der Zwischenzeit befestigten die beiden anderen eine Folie an jener Stelle, an der die Außenschleuse geborsten war.

„Für eine halbe Stunde garantiere ich, dass sie hält“, rief er. „Öffne jetzt die Innentür!“

Das Schott fuhr zurück. Mit dem Öffnen strömte auch die Atmosphäre in die Schleuse, und damit das Trägermedium für Geräusche.

Ab nun wurde es gefährlich.

Wie gefährlich, erfuhren sie in der nächsten Sekunde, als ein Strahlschuss den am weitesten vorne stehenden Jelzen mitten in die Brust traf. Mit einem Aufschrei brach er zusammen. Die beiden anderen Jelzen erwiderten aber fast in der gleichen Sekunde das Feuer. Sie hatten damit gerechnet, dass man sie nicht so einfach in das Schiff eindringen ließ. Ohne Rücksicht setzten sie ihre Waffen ein und bald glich der Gang einer Gluthölle. Die Temperatur stieg auf mehrere hundert Grad – zu viel für ein ungeschütztes Lebewesen. Nach menschlichem Ermessen konnte das niemand überleben.

Diese Gluthölle setzte sich auch in den Schleusenbereich fort und schmolz die Folie, die sie vor die offene Schleuse gelegt hatten. Mit einem lauten Knall, der aber gleich verebbte, entschwand die verbliebene Luft. Der Sog wirbelte ihnen zwei Leichen entgegen.

Aus dem Inneren des Schiffes gab es natürlich keine Bildübertragung zu dem Schiff der Jelzen.

„Was geschieht bei euch!“, schrie Hurgad. Die Jelzen konnten seine Stimme vernehmen, aber keiner von ihnen achtete auf ihn.

Im Gang war es jetzt merkwürdig ruhig. Voraus konnten sie drei weitere Schotte ausmachen. Über jedem blinkte ein rotes Warnlicht.

„Wenn sie ohne Raumanzüge in der Zentrale sitzen ...“, mutmaßte einer und blickte den anderen an.

„Und wenn der Prinz auch keinen Raumanzug anhat ...“

Sukresk deutete auf einen Wandschrank. Der befand sich in der Nähe der Schleuse und enthielt im Normalfall die Druckanzüge für den Notfall.

„Wir können das Schott jederzeit erneut abdichten“, beruhigte er den anderen. „Lass uns jetzt das Schiff durchsuchen.“

Ohne Rücksicht auf die atmosphärischen Verhältnisse dahinter öffneten sie das erste Schott. Wie ein starker Wind kam ihnen die Luft entgegen. Der Gang bis zur nächsten Schleuse lag ungeschützt vor ihnen. Er führte in die unteren Ebenen, wo die Technik untergebracht war.

„Wir lassen das Schott offen. Wenn die Besatzung bislang noch nicht in ihre Druckanzüge gestiegen ist, sind sie dort gut aufgehoben.“

Wieder standen sie dann vor den beiden restlichen Schleusen, die mit rot blinkenden Warnleuchten gesichert waren.

„Eine führt in die Zentrale, die andere vermutlich in den Passagierbereich“, überlegte Sukresk. „Welcher Weg führt vermutlich in die Zentrale?“, fragte er den anderen.

„Geradeaus!“

„Genau, deshalb nehmen wir die andere Schleuse. Wir suchen nicht den Commander des Schiffes, sondern seine Passagiere.“

Eine Minute später standen sie vor Prinz Tandem und Irena, seiner jungen Frau.

Beide machten nicht den Eindruck, als wollten sie den Helden spielen.

„Wen haben wir denn da, und sogar schon reisefertig!“, sagte der Sukresk spöttisch. „Ihr kommt jetzt mit uns!“

„Was habt ihr mit uns vor?“

„Wir bringen euch auf unser Schiff. Gehorcht uns, dann geschieht überhaupt nichts. Solltet ihr allerdings aufsässig sein, müssen wir dieses Schiff mitsamt seiner Besatzung eliminieren.“

Prinz Luk und Irena Tandem blieb nichts anderes übrig, als den beiden Jelzen in ihr Schiff zu folgen.

Kaum hatten sich die beiden mit ihren Gefangenen eingeschifft, als Hurgad das Boot startete. Zurück blieb ein Schiff der Menschen, das mit einer offenen Schleuse mitten im gewaltigen Weltraum trieb.

 

 

2

„Es gibt Arbeit, Liebling.“

Mirel Herzig, einer der Agenten des gewählten Hochadmirals, blickte seine Partnerin, die gleichzeitig auch seine Herzensdame war, mit verliebten Augen an. Das, was er da vor sich sah, gefiel ihm außerordentlich, dabei war er sich natürlich bewusst, dass dies nur eine subjektive Empfindung war.

Seine Partnerin hörte auf den Namen Asena und gehörte jenem Geschlecht von Iridani an, das sich Ast des Herzbaums nannte. Sie war kein Mensch.

Asena glich äußerlich natürlich weitgehend den Menschen – wenn man nur flüchtig hinblickte. Bei genauerem Hinsehen fielen einige Abweichungen auf. Die am ehesten erkennbare, aber auch unwichtigste Abweichung war die Hautfarbe. Mirels Haut strahlte in einem warmen hellen Hautton, der irgendwo zwischen Gelb und Weiß angesiedelt war, Asenas Haut strahlte in einem kräftigen frischen Grün, das an die Farbe der Vegetation an einem Frühlingstag erinnerte. Von ihrer Statur her war sie kräftig gebaut, etwa zwei Köpfe kleiner als Mirel. Was ihr an Höhe fehlte, machte sie mit der Breite wett. Böse Zungen sprachen bei der Beschreibung der Eingeborenen von Iridani von einem breiten Brett, das sich zu bewegen gelernt hatte.

Ihr Gesicht jedoch konnte man tatsächlich als lieblich bezeichnen.

Doch all das waren reine Äußerlichkeiten. Und für Mirel und Asena zählten Äußerlichkeiten schon lange nicht mehr.

„Die Pflicht ruft“, meinte Mirel und wandte sich dem Kontrollpult zu, an dem Asena bereits eifrig Knöpfe drückte.

Ihre Tätigkeit hatte zur Folge, dass sich zwei Monitore erhellten und eine Reihe von Daten sichtbar machten.

„Automatischer Notruf aus dem Nachbarsektor“, sagte Asena. „Wir sind jenes Schiff, das am nächsten dran ist.“

„Also liegt es an uns, dem Ruf zu folgen“, stimmte Mirel zu. „Ist eine weitere Meldung gekommen?“

„Nichts. Der Ruf wurde nur einmal abgestrahlt, dann nichts mehr“

„Das klingt alles andere als erbaulich. Wahrscheinlich kommen wir zu spät. Aber es hilft nichts. Wir schauen nach.“

„Die KI hat gleich die genauen Koordinaten ermittelt.“

„Sollten wir gleich in Phase gehen?“

Asena lächelte plötzlich breit und strahlte Mirel an. „Ich bin immer bereit.“

„Okay. KI, wenn die exakten Daten vorliegen, starte das Schiff selbstständig!“

Auf dem Hauptbildschirm zeichnete sich das Bestätigungs-Zeichen der KI ab.

Neben dem Kontrollpult in der Zentrale stand ein Sitzmöbel, das breit genug war, damit Mirel und Asena nebeneinander Platz nehmen konnten. Sie begaben sich jetzt zu dem Sitzmöbel und setzten sich eng nebeneinander, ihre Oberkörper drehten sich einander zu, dann umarmten sie sich eng. Ihre Obergewänder wiesen in Schulterhöhe jeweils an den Seiten eine Öffnung auf, so dass sie mit den Händen Hautkontakt mit dem jeweils anderen herstellen konnten. Ihre Gesichter lagen Wange an Wange.

Sie spürten einander.

Mit jeder Sekunde intensivierte sich der Kontakt – dann trat auch ihr Bewusstsein in Kontakt.

Sie wurden eins.

Das Bewusstsein des jeweils anderen durchströmte sie in all seinen Facetten. Der Kontakt war total. In dieser Beziehung gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder Hass oder Liebe. Mirel und Asena hatten sich für die Liebe entschieden. Wer jede Faser des anderen, körperlich und geistig, so genau kannte, konnte nichts anderes als den anderen zu lieben.

Mirel und Asena gehörten zu den wenigen Mutierten, die sich bedingungslos dieser Liebe unterwarfen konnten.

Sie benötigten keine anderen Wesen, um glücklich zu sein.

Damit waren sie prädestiniert für den Dienst in der Raumflotte von Axarabor, zumal ihre phantastischen Fähigkeiten sie für den Außendienst auszeichneten.

Kaum war ihr Geist zu einer Einheit verschmolzen, flog das Bewusstsein der Spur des Funknotsignals nach. In der Phase gab es für das gemeinsame Bewusstsein weder eine Entfernung noch ein anders geartetes Hindernis. Die Funkspur führte sie direkt in das Schiff. Bereits nach wenigen Augenblicken hatten sie sich ein Bild von der Situation gemacht. Im Maschinenteil, im Heck des Schiffes, bemühten sich zwei Besatzungsmitglieder, eine Notschleuse zu errichten, mit deren Hilfe sie in die Zentrale vordringen konnten, wo drei weitere Raumfahrer mit der gleichen Absicht eine bewegliche Schleuse konstruieren wollten.

Wenn man ihnen genügend Zeit ließ, konnten sie dies durchaus schaffen.

Details

Seiten
74
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929874
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juli)
Schlagworte
raumflotte axarabor band versteck materiewolke
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Titel: Die Raumflotte von Axarabor -  Band 96: Das Versteck in der Materiewolke