Lade Inhalt...

Der Baron #8: Ein Girl zum Frühstück, Sir

2019 126 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Baron #8: Ein Girl zum Frühstück, Sir

Copyright

Das sind die Leute, die Sie kennenlernen sollten:

Prolog

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

Der Baron #8: Ein Girl zum Frühstück, Sir

von Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 126 Taschenbuchseiten.

 

Harry Quast wird des Mordes beschuldigt, nachdem man die Leiche seine Schwester am Adria-Strand gefunden hatte. Wollte er allein das Millionenerbe antreten? Der junge Mann behauptet hingegen, der Mörder Yvonnes sei Ricardo Melotte, ein zweifelhafter Geschäftsmann, der sich von dem Fotomodell gedemütigt gefühlt hatte. Der zuständige Kommissar Ambrosini zweifelt an den Indizien und bittet seinen alten Freund Alexander von Strehlitz um Hilfe, der derzeit in Italien weilt. Der Baron, wie von Strehlitz auch genannt wird, ist ein Menschenfreund, der mit seiner Crew stets bereit ist, sich für die gerechte Sache in ein Abenteuer zu stürzen ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Das sind die Leute, die Sie kennenlernen sollten:

Alexander von Strehlitz, genannt der „Baron“, 38 Jahre, 1,88 m groß, dunkelhaarig, gut aussehend, schlank und muskulös, sehr sportlich, abgeschlossenes Zoologiestudium, Hobbysegler und Hochseeschiffer mit Kapitänspatent für große Fahrt, bekannter Schriftsteller von Reiseberichten und Expeditionserlebnissen, Leiter von verschiedenen Expeditionen in Afrika und Südamerika, in Übersee durch seine Goodwillreisen zugunsten unterentwickelter Gebiete in Südamerika bekannt geworden, Sieger vom Indianapolis-Rennen für schwere Tourenwagen 1969, ebenso bekannt in Monte Carlo und der Jet-Society als brillanter Pokerspieler und Gesellschafter. Frauen vergöttern ihn, Männer schätzen ihn als prächtigen Partner und umsichtigen Leiter oft abenteuerlicher Unternehmungen.

Robert Burton, der Sekretär des Barons, 35 Jahre alt, 1,70 m groß, spärliches dunkelblondes Haar, korpulent, Brillenträger, gelernter Bankkaufmann, ein Mathematiker aus Passion, spricht sieben Fremdsprachen und hat ein fabelhaftes Gedächtnis, viel Sinn für Statistiken und Daten. Robert arbeitet seit Jahren für den Baron und weiß über dessen Finanzen besser Bescheid als der Baron selbst. Hat die Eigenart, immer dann französisch mit dem Baron zu sprechen, wenn es um Geldfragen geht.

Michel Dupont, genannt „Le Beau“, 28 Jahre alt, 1,75 m groß, drahtiger durchtrainierter Mann mit dunklem Haar, kantigem, nicht sehr schönem Gesicht mit zerschlagener Nase. Seit vielen Jahren dem Baron ein treuer Freund und Begleiter auf vielen abenteuerlichen Reisen. Le Beau ist gebürtiger Franzose, sehr leidenschaftlich, liebt Frauen und gutes Essen und Trinken, ist leicht zu erregen, ein ausgezeichneter Karatekämpfer, Motorbootfahrer aus Leidenschaft und begeisterter Reiter. Außer Frauen und Pferden liebt er auch rasante Wagen. Er ist gelernter Motorenschlosser und Flugzeugmechaniker.

James Morris, der Chauffeur des Barons, 31 Jahre alt, 1,94 m groß, sehr stark und breit, wiegt über zwei Zentner, Stirnglatze, sonst struppiges, dunkelblondes Haar, breites Gesicht mit Stupsnase. James war früher Artist, nämlich Untermann einer menschlichen Pyramide. Nach einer Knöchelverletzung verlor er sein Engagement und geriet in schlechte Kreise. Der Baron holte ihn gegen Kaution aus einem Lissaboner Untersuchungsgefängnis und fand in James den treuesten Anhänger, den ein Mensch sich denken kann. Wo James hinschlägt, blüht keine Blume mehr, aber gleichzeitig hat der Hüne ein friedliches gutartiges Gemüt, tut für den Baron alles, aber dass der Baron einen so mäßigen Autofahrer wie ihn zum Chauffeur gemacht hat, begreift James selbst nicht.

Das also sind der BARON und seine Freunde ROBERT, LE BEAU und JAMES. Ein echter und draufgängerischer Mann und seine Freunde. Ihr Feld ist die Welt, heute sind sie reich, morgen haben sie keinen roten Heller, und immer sind sie bereit, dem Teufel auf den Schwanz zu treten, wenn es gilt anderen zu helfen, die in Bedrängnis sind. Keiner von ihnen ist ein Tugendbold, aber wenn die Lage es erfordert, halten sie eiserne Disziplin. Sie sind vier knallharte Männer, und für manch einen sind sie die letzte Hoffnung. Sie lieben das Abenteuer, sie lieben das Leben. Ob im Orkan auf See, im dampfend heißen Urwald oder auf schillerndem Parkett des Casinos von Monte Carlo, sie sind überall zu Hause. Es gibt Zeiten, da trinken sie Sekt und essen Kaviar, und es gibt Situationen, da teilen sie sich den letzten Tropfen lauwarmen und brackigen Wassers und kauen auf harter Brotrinde. Und immer bleiben sie Kameraden und halten zusammen ... der Baron und seine Crew.

 

 

 

Prolog

Neapel (kkp) — In eine üble Klemme geriet dieser Tage der Sohn des deutschen Industriellen Quast, als er in Italien seinen Urlaub verbrachte. Quast junior wurde in einen Mordfall verwickelt, von der Polizei sogar der Täterschaft verdächtigt und glitt dann in eine schier ausweglose Situation, als eine internationale Bande ihn als Opfer ausersehen hatte, das ihr den großen Coup sichern sollte. Mit Hilfe eines fähigen und weithin anerkannten italienischen Kriminalisten konnte sich Quast junior schließlich die Unterstützung Baron Strehlitz’ sichern. Der Baron ließ sofort eine großangelegte Aktion abrollen, in deren Verlauf Harry Quast buchstäblich in letzter Sekunde vor dem Zugriff der Gangster gerettet wurde. Doch die Bande ließ nun ebenfalls härteste Mittel vom Stapel ...

 

1

Sie lag auf dem feinen weißen Sand, und ihre Haut leuchtete im Mondschein wie Alabaster, während ihr dunkles Haar wie schwarze Seide bis über ihre Schultern floss. Nichts verhüllte ihre Schönheit. Die Brüste ragten straff wie bei einer Sechzehnjährigen empor, die Taille umspannte ein winziges Kettchen aus Gold, Markzeichen, wann der Torte zu viel gegessen war. Aber das würde sie nie mehr brauchen.

Um ihre herrlich geformten Beine spülten die Ausläufer einer Welle, die wie flüssiges Silber über den Sand strömte, um dann wieder zurück in den Schoß des Mittelmeeres zu rinnen. Und über allem der Mond, hier fast rötlich und rund wie eine Scheibe. Roter Mond von Venezia. Aber Venedig lag gut achtzig Kilometer weiter.

Der Schatten des Mannes fiel dunkel und lang über den Körper des Mädchens hinweg. Eine Hand streckte sich dem Mädchenkopf entgegen, tippte ihn an, schob ihn zur Seite, und der Kopf klappte herum wie der einer Puppe.

Die Hand fasste den linken Arm des Mädchens, hob ihn an und ließ ihn wieder los. Der Arm klappte wie ein Pfahl herab und schlug in den Sand.

Der Mann richtete sich auf, wandte sich um und ging ein paar Schritte weit auf das umgekippte Schlauchboot zu, das schlaff und auf einer Seite völlig ohne Luft im Sande lag. Dort standen, reglos wie Statuen, zwei weitere Männer in Hut und Mantel, eine in dieser warmen Jahreszeit fast anachronistisch wirkende Aufmachung.

„Wir riskieren nichts“, sagte der Mann zu den beiden. „Das Meer steigt nicht weiter. Sie wird vor morgen Mittag nicht aufwachen. Fahren wir. Ich glaube, wir haben alles erledigt.“

„Und die Spuren, Ricardo?“

„Geht, ich erledige das auch noch … Passt auf, dass euch keiner sieht! Los, geht schon!“

Er wandte sich um, während die beiden quer über den Strand bis hin zu der sanften, kaum wahrnehmbaren Düne stampften, hinter der die Strandrestauration und der große Parkplatz lagen. Irgendwo dort mussten auch Tennisplatz und Minigolf sein.

Der Mann ging bis zu dem Mädchen, betrachtete es, wie es dort völlig entblößt lag, die Füße und Waden von Wellen umspült.

„Sie werden dich finden“, murmelte er. „Und sie werden auf dich spucken, auf dich, du Teufelin, die du uns alle zu deinen Sklaven machen wolltest. Spucken werden sie, verhöhnen werden sie dich! O Teufelin, du wirst alles abbüßen! Alles!“

Er spie aus, beugte sich über den Sand und wischte mit einem Handfeger geschickt die eigenen Spuren weg, ging dabei rückwärts und näherte sich einem Holzsteg, der längs des Strandes verlegt war. Als er auf ihm stand, steckte er den kleinen Handfeger wieder unter seinen Gabardinemantel, sah noch einmal zu der Nackten hinüber und zischte in ungedämpfter Wut:

„In allen Zeitungen wird es stehen. Und sie werden lachen, schallend lachen werden sie, aber es wird ein Lachen sein, das dich umbringt. Dich Teufelin, die vor Stolz und Gemeinheit gleichermaßen erfüllt war. Und ich werde frei sein, frei von meinem Hass.“

Er ging rasch über die Holzbohlen bis zum gepflasterten Weg, erreichte den Parkplatz, wo um diese Zeit nur ein einziges Auto stand, dessen leise laufenden Motor er bis hierher hören konnte. Er lief hin, und vor ihm wurde die Tür von innen auf gestoßen.

„Höchste Zeit“, sagte der Mann am Steuer, als sich die Tür hinter dem Eingestiegenen schloss. „Da hinten kommt ein Liebespärchen.“

Der Motor heulte auf, dann fuhr der große Wagen davon.

In diesem Augenblick blieb das vermeintliche Liebespärchen, das sich etwa fünfzig Meter weiter auf dem Fußweg zum Hotel „Stardust“ befand, stehen, und der Mann stieß einen schrillen, durchdringenden Pfiff aus. Eine schallende Stimme rief: „Sie sind weg! Am Strand ist es!“

Aus dem Dunkel eines Pinienwäldchens lösten sich zwei Gestalten, die über den hellen, vom Mond bestrahlten Sand des Strandes auf das Meer zuhasteten, während das „Liebespaar“ oben am Weg stehen blieb. Ein Handscheinwerfer blitzte grell auf und wischte wie ein riesiger Finger mit seinem Strahl über den Strand, erfasste erst die beiden laufenden Männer, die vielen zusammengeklappten Liegestühle, die Pfosten der Sonnenschirme, die gefaltet waren, und dann den Körper der leblos im Sand liegenden Frau. Im scharfen Licht wirkte ihre Haut wie weiß gepudert.

Die beiden Männer liefen auf diesen hellen Fleck zu, während der Mann oben, der den Scheinwerfer hielt, zu seiner Begleiterin sagte: „Das hätten wir Melotte versalzen. Komm, Christiane, sehen wir es uns an.“

„Sollen wir nicht lieber die Decken aus dem Auto holen? Yvonne wird sich erkälten.“

„Nein, dazu ist es nicht kalt genug. Außerdem hat Melotte sie bestimmt ganz schön unter Alkohol gesetzt. So was hält warm.“ Er lachte verhalten.

In diesem Augenblick rief einer der Männer unten: „Harry, komm mal schnell, ich glaube sie ist tot!“

„Was sagst du? Du bist ja verrückt!“ Der Mann und die Frau liefen hinunter. Aber als sie gerade vor der Nackten standen, die vom Handscheinwerfer grell erhellt wurde, rief oben bei den Pinien eine raue Stimme: „Da unten! Da sind sie! — He, da unten: Hände hoch! Keine Bewegung! Polizei!“

 

 

2

Kommissar Ambrosini war Mitte der Fünfzig, ein nicht mehr sehr schlanker, rotgesichtiger Typ mit einem breiten, Schläue verratenden Bauerngesicht. Sein kurz geschnittenes Haar erinnerte noch an Zeiten, da so etwas in Mode war. Auch sonst waren dies Zeiten, denen Ambrosini nachtrauerte. Denn damals, so pflegte er jungen Polizisten zu predigen, herrschte noch Zucht und Ordnung. Den Begriff 'Duce' vermied er geflissentlich, aber jeder, der Italiens Geschichte kannte, wusste, wovon er sprach.

Im Augenblick hatte er einen der Festgenommenen vor sich. Und dieser Mann, vielleicht fünfundzwanzig Jahre alt, repräsentierte haargenau den Typ Mensch, den Ambrosini nicht unter die Schlagworte Zucht und Ordnung einreihen konnte. Dieser Deutsche dort hatte lange blonde Haare, lang bis auf die Schultern. Er trug eine bis zu den Schenkeln reichende Wildlederweste mit langen Fransen und hatte seine engen Manchesterhosen unten in geschnürten Boots stecken. Zu allem Überfluss trug er noch eine Plakette mit der Aufschrift „Make love, no war — macht Liebe, keinen Krieg“.

Als Veteran der Bersaglieri, jener traditionsreichen Scharfschützen, war Ambrosini stolz auf Wehr und Waffen des geliebten Vaterlandes. Und Leute, die Liebe statt Krieg machen wollten, hätte er am liebsten nach Sardinien geschickt.

„Name?“, bellte Ambrosini den Blonden an. Seine etwas abgenutzten Hemdsärmel scheuerten über den grünen . Schreibtischbezug wie ein Schneepflug.

„Quast ... Harry Quast. Es ist meine Schwester, die Sie gefunden haben. Melotte hat sie gebracht, Melotte muss sie getötet haben ...“

„Wer ist Melotte?“, schnauzte Ambrosini und dachte daran, dass heute die Gasrechnung fällig wurde. Maria würde wieder keine Lira Geld übrig haben und ihm am Abend etwas vorjammern. Verdammtes Gehalt, dass es doch nie reichte!

„Ich habe gefragt, wer Melotte ist?“, fauchte Ambrosini ungeduldig. „Denken Sie, Leute Ihresgleichen können einfach hierher nach Italien kommen, Menschen umbringen und uns eine Menge Arbeit aufhalsen? Wir machen kurzen Prozess, mein Freund. Hippies mag ich nicht, haben Sie verstanden? Ich mag keine Gammler!“

„Wir sind keine Gammler. Ich bin Student, Carlo ebenfalls und auch Christiane.“

„Aber die Tote ist ein Fotomodell gewesen. Das nennt man heute so, nicht wahr? Wir wissen, wo sie sich herumgetrieben hat. Die großen Hotels zwischen Triest und Venedig waren ihr ein zweites Zuhause. Dort eine Nacht, da eine Nacht. — Eine bessere Prostituierte ist sie gewesen. Fotomodell! Dass ich nicht lache!“

„Ich protestiere und verlange einen Anwalt!“, rief Harry Quast. Er sprach ein sehr gutes Italienisch, aber dennoch sagte Ambrosini grinsend:

„Ich kann Sie unerhört schlecht verstehen, Signore: Sie haben so einen starken Akzent. Sie verzichten also auf einen Anwalt. Nun gut ...“

„Was Sie hier machen, ist eine Farce!“, schrie Harry Quast.

„Halten Sie Ihr Maul! Hier brüllt nur einer, und das bin ich! — Carabinieri!“ Ein Polizist kam herein, und Ambrosini sagte bissig: „Der Signore beschwert sich über zu milde Behandlung. Einen Tag Dunkelhaft, dann morgen zur gleichen Zeit erneut zum Verhör. Bringen Sie mir das Mädchen!“

 

 

3

Carlo personifizierte die Sorte Junge, von denen ein paar tausend Mädchen aus dem kühlen Norden heiß schwärmen konnten. Er war dunkelhaarig, und dieses Haar floss in weichen Wellen nach hinten. Sein Teint verriet etwas von der vielen Zeit in glühender Sonne, und sein Körper war ohne jedes Gramm Fett.

Dieser vierundzwanzigjährige Italiener hockte im Augenblick nicht ganz so hoffnungsvoll wie sonst auf einer Bank, und diese Bank stand in der muffigen Zelle 34 des Polizeikommissariats in Portogruaro. Es roch in der Zelle nach Urin, Fäulnis und Kot. Der Kübel stand, mit einer ramponierten Holzscheibe bedeckt, in der Ecke und duftete vor sich hin. An der abgeblätterten Wand hatten sich vom auszunüchternden Säufer bis zum Messerstecher Generationen kleiner und großer Spitzbuben durch Gemälde oder Namenszüge verewigt. Kernige Hinweise auf die Potenz des betreffenden Schreibers und seiner unerfüllten Sehnsucht nach Kontakt mit weiblicher Mitwelt dominierte vor anderen Mitteilungen an die interessierte Nachwelt.

Carlo hatte sich mit diesen Marksprüchen bisher noch nicht befasst. Er hockte auf der Bank, hatte die Beine angezogen, als würden ihm auf dem Boden die Füße nass, und haderte mit seinem Schicksal.

Der Kommissar hatte ihn vorhin verhört, aber Carlo wollte nachher nicht mehr und verlangte einen Anwalt. Seinen Vater wollte er auch sprechen, doch das verweigerte ihm der Kommissar.

Plötzlich hörte er wieder Schritte auf dem Gang. Sie klangen anders als die des Carabinieri, der vorhin noch bei ihm gewesen war. Stimmen sprachen dumpf. Schlüssel klirrten, und dann wurde der Riegel an der Zellentür mit einem energischen Ruck zurückgestoßen. Die Tür ging auf, nachdem der Betreffende durch die Sichtklappe gesehen hatte.

Sie waren zu zweit: der Kommissar und ein Fremder, den Carlo nicht kannte. Wer das war, erfuhr er sofort, denn der Kommissar sagte barsch: „So, da ist der Anwalt, den Sie sich gewünscht haben. Ihr Vater hat ihn selbst für Sie ausgewählt und hergebeten. Ich lasse Sie mit ihm allein. Machen Sie keine Zicken, Valetti!“

Der schlanke, etwa vierzigjährige Mann im hellgrauen Anzug lächelte dem Kommissar verbindlich zu, dann ging der Kommissar, schloss die Tür und Carlo war mit dem Fremden allein.

„Wir haben sonst immer Doktor Berelli“, wandte Carlo misstrauisch ein.

„Mein Kollege Berelli ist erkrankt, lieber Freund. Ihr Herr Papa hat mich gebeten, ihn zu vertreten. — Da wollen wir mal zur Tat schreiten ...“ Er setzte sich auf die Pritsche, öffnete seine schmale Aktentasche und entnahm ihr einen Schnellhefter. „Mein Name ist übrigens Cascuto. Ich bin in Venedig registriert und habe die Zulassung an die höchsten Gerichte Italiens. — So, nun zur Sache, lieber Freund. Es ist Ihnen doch klar, dass Sie sich in einer üblen Lage befinden.“

„Wenn es gerecht zugehen würde, wäre ich frei!“, sagte Carlo leidenschaftlich.

Cascuto sah ihn durch seine goldumrandeten Brillengläser skeptisch an. „Sie halten einen Kommissar für einen Hellseher und den Staatsanwalt für einen Wundergläubigen. — Ohne Beweise machen wir hier nichts. Ich habe mir das Protokoll der Polizei angesehen. Ich kenne auch den Obduktionsbericht über die Tote. Hören Sie, Signore Valetti: Alles spricht gegen die beiden Deutschen und Sie. Da beißt die Maus keinen Faden ab, und dabei könnten Sie ganz frei sein, auch die Deutsche, diese Christiane Scheller.“

„Aber wieso denn nur wir beide? Harry ist doch ebenso unschuldig wie wir!“, rief Carlo.

Der Anwalt lächelte nachsichtig. „Sie sind kameradschaftlich, lieber Freund, sehr schön. Aber von italienischen Gefängnissen wissen Sie gar nichts. Sehen Sie, bisher waren Sie unbestraft. Woher sollten Sie also unsere Strafjustiz kennen? Die werden Sie aber“, fuhr Cascuto schärfer fort, „bald kennenlernen, wenn Sie nicht vernünftig sind!“

„Mein Gott, begreifen Sie denn nicht? Das Mädchen ... Yvonne Quast, war doch schon tot, als wir hingekommen sind. Ich selbst habe das festgestellt, und ich bin vor allen anderen bei ihr gewesen. Wir haben doch gedacht, sie wäre nur betrunken gewesen, und Melotte hätte sie nur ausgezogen. Wir sind ihm gefolgt. Warum verhören Sie ihn nicht? Ist er der Polizei zu mächtig?“ Cascuto schwieg und begnügte sich damit, sein Gegenüber zu beobachten. Carlo fühlte sich dadurch ermuntert weiterzusprechen und sagte heftig: „Weiß die Polizei wenigstens, woran Yvonne gestorben ist? Und überhaupt: Welches Motiv sollte Harry denn haben, seine Schwester umzubringen?“

Cascuto lächelte plötzlich. „Auf beide Fragen habe ich eine Antwort für Sie. Die erste: Yvonne Quast starb an einem ganz profanen Gift, nämlich an Zyankali. Und zwar war sie bei Eintreffen der Polizei im Höchstfälle eine halbe Stunde tot, wenn es so lange gewesen ist. Das ist das eine. Dann die zweite Frage: Das Motiv von Harry Quast ist einfach: Er wollte die Ehre seiner Familie verteidigen, weil seine Schwester sich wie eine Dirne benommen hat.“

Carlo lachte heiser auf. „Sagt das etwa der Kommissar?“

Cascuto machte eine etwas säuerliche Miene. „Nein, er hat eine andere Ansicht. Dies hier ist die meine.“

„Und was sagt der Kommissar?“, fragte Carlo.

„Er hat anfangs auch so ähnlich gedacht wie ich, weiß jetzt aber, dass der Vater der Geschwister Quast todkrank ist, ein riesiges Vermögen besitzt, das gegenwärtig von einer Gruppe bevollmächtigter Bankleute verwaltet wird und nach Quast seniors Tod allein den beiden Kindern zufallen würde, denn die Mutter von Harry und Yvonne Quast ist seit Jahren tot. Nun aber das eigentlich Motiv nach des Kommissars Ansicht: Es ist bekannt geworden, dass dieses Vermögen nicht geteilt werden kann, ohne an Wert zu verlieren. Die Kinder müssten es gemeinsam verwalten. Harry Quast hatte aber zu seiner Schwester nicht das gute Verhältnis, um auf so etwas einzugehen.“

Carlo schwieg. Von Harrys Vater und dessen Reichtum wusste er. Auch dass Yvonne und Harry keinen guten Faden gesponnen hatten, war ihm bekannt. Vielleicht war es nach den Moralprinzipien des Kommissars oder dieses Anwalts Cascuto sogar richtig, wenn sie Yvonne als Amateurdirne bezeichneten.

Cascuto ließ Carlo nicht erst zum Reden kommen. Er spürte, dass er das, was zu sagen war, jetzt sagen musste.

Eine Nuance strenger und schärfer als eben, sagte er zu Carlo: „Ihr Vater will, dass ich Ihnen helfe. Er hat nicht gesagt, dass ich auch den beiden anderen Gefangenen Hilfe bringen soll. Und bei Harry Quast kann ich das überhaupt nicht. Sie werden jetzt tun, was ich Ihnen sage, sonst stecken Sie noch in zehn Jahren hinter Gitterfenstern. Also: Es mag durchaus sein, dass Sie die Sache so sehen, als sei Harry Quast unschuldig. Indessen sieht sich das für einen objektiven und außenstehenden Betrachter anders an. Nach eingehender Besprechung mit dem Kommissar habe ich diese Erklärung für Sie aufgesetzt, die Sie nur zu unterzeichnen brauchen ...“ Er entnahm seinem Schnellhefter ein Schriftstück, das er Carlo reichte.

Carlo nahm es, las und sah schon nach der Lektüre der Hälfte des Geschriebenen empört auf Cascuto. „Aber das ist doch nicht wahr! Ich weiß doch gar nicht, dass Harry ein Mörder ist, und gesehen habe ich das erst recht nicht! Das ist doch eine Lüge!“

Cascuto lächelte, und dieses Lächeln wirkte absolut nicht fröhlich, sondern eher wie eine Drohung. „Eine Lüge?“ Sein Gesicht wurde mit einem Male maskenhaft starr. „Wollen Sie damit sagen, Sie werden nicht unterschreiben?“

„Ich denke nicht daran!“, schrie Carlo aufgeregt.

Cascuto nickte, und schon glaubte Carlo, er nehme diese Ablehnung zur Kenntnis, um seine Verteidigung nun neu aufzubauen.

Nach einer Weile beiderseitigen Schweigens sagte Cascuto sehr ruhig, fast leise: „Sie denken also nicht daran. Nun, überlegen Sie sich doch einmal, was Ihr Vater täte, wenn er ziemlich unvermutet seine Stellung als Leiter des Gymnasiums verlöre ... Ja, und das Mädchen Christiane Scheller, das wird ja wegen Beihilfe zum Mord auch eingesperrt bleiben, nach unserem Recht gut und gerne drei Jahre lang. Sie wollten sie doch heiraten, diese hübsche Deutsche, nicht wahr?“

Carlo sah Cascuto zuerst verblüfft, dann wütend an. „Also Erpressung! Jetzt ahne ich etwas. Steckt die Mafia hinter Ihnen? Und Sie wagen es, mir zu sagen, mein Vater hätte Sie geschickt? Sie erzählen mir ... Nein, mehr sage ich nicht. Kein Wort!“ Er packte das Protokoll, das der Anwalt vorbereitet hatte, zerriss es und warf Cascuto die Schnitzel ins Gesicht. „Scheren Sie sich zum Teufel! Sie gehören in die Hölle. Ich denke nicht daran, so einen Wahnsinn zu unterschreiben.“

Cascuto blieb wider Erwarten eiskalt. Er ging mit stoischem Lächeln rücklings zur Tür und sagte dort: „Sie haben den größten Fehler Ihres Lebens gemacht, Carlo Valetti. Schlimm für Sie, noch schlimmer für jene, die mit dafür bestraft werden.“ Er klopfte, und sehr schnell wurde von außen geöffnet. Carlo hatte den Eindruck, der Wärter musste die ganze Zeit hinter der Tür gestanden haben.

Als sich die Tür wieder schloss, sank Carlo auf die Pritsche und stützte nachdenklich den Kopf in die Hände.

Ambrosini tippte gerade im Ein-Finger-System einen Bericht, als ihm Cascuto gemeldet wurde. Der Kommissar schob die alte Olivetti-Veteranin auf die Seite und gab seinem Drehstuhl einen Schubs, dass er beinahe um die volle Drehung gewirbelt wurde. Aber als der Stuhl zum Stillstand kam, saß Ambrosini so, dass er Cascuto genau an sehen konnte. Cascuto stand an der Barriere, die dieses etwas antiquierte Amtszimmer noch besaß.

„Ich war also bei ihm“, sagte Cascuto. „Er zeigt wenig Einsicht, und sein Vater wird denken, dass es an mir liegt.“

„Sie wollen sagen, er streitet ab, dass es Quast gewesen ist?“, fragte Ambrosini.

„Er gibt es zu, aber er weigert sich, das schriftlich zu bestätigen oder in der Öffentlichkeit zu bezeugen. Vermutlich falsche Kameraderie oder so.“

„Oder so“, wiederholte Ambrosini und stopfte sich seine Pfeife. Jetzt sah er aus wie ein Bergbauer, wie ein Pferdezüchter oder wie einer jener Thunfisch-Fischer, die Nacht für Nacht hinaus aufs Meer fuhren. Nur wie ein Kriminalbeamter sah er nicht aus, jedenfalls nicht, wie Kriminalkommissare im Film und Fernsehen meist aussahen.

Cascuto, der in Ambrosini einen halb gebildeten Menschen vermutete, verzog ein wenig verächtlich das Gesicht und fuhr fort: „Ich werde morgen wiederkommen, seinen Vater mitbringen, und da wird er sicher anderen Sinnes werden.“

Ambrosini zeigte nur eine ganz geringe Reaktion in seinem Gesicht, als er das hörte. Cascuto sah es nicht. Auch Ambrosinis Frage nach weiteren Beweisen wischte Cascuto auf leichte Art vom Tisch, indem er sagte:

„Wenn Sie Quast aufgrund von Valettis Zeugnis belasten, reicht das doch.“

„Und Christiane Scheller? Haben Sie die vergessen?“, fragte Ambrosini und sog an seiner Pfeife, dass dicke Wolken seinen massigen Kopf umhüllten.

„Das Mädchen? Nun, ich denke, die Scheller sollten Sie freilassen, Kommissar.“

Ambrosini nickte. „Also gut, und weiter? Sie wird dennoch Zeugin sein, und dann steht Zeugnis gegen Zeugnis.“

„Sie wird ganz sicher nicht aussagen, Kommissar. Sie wird sehr rasch in ihre Heimat fliegen. Man wird sie doch hier nicht aufhalten wollen.“ Cascuto lächelte vielsagend, und Ambrosini, der alte Fuchs mit dem Gesicht, das irgendwie an Chruschtschow erinnerte, lächelte auch.

Cascuto deutete das offenbar als Einverständnis und meinte: „Wir sind uns also einig. Das freut mich sehr für Sie, Kommissar, dann wird Ihr Schwiegersohn sich ganz bestimmt auch sehr freuen können. Dann bis morgen, Kommissar!“

„Moment!“, rief Ambrosini barsch, und nun wirkte er absolut nicht mehr so einfältig wie eben. „Was ist mit meinem Schwiegersohn?“

„Es war nur eine Bemerkung von mir. Es hatte nichts zu sagen“, erwiderte Cascuto schwach lächelnd, während er die Tür schon öffnete.

„Aha, dann also bis morgen!“, brummte Ambrosini, scheinbar beruhigt.

Cascuto lächelte befreit und ging in der Meinung, nun sei alles wieder in Ordnung.

Ambrosini aber stand auf, trat ans Fenster und starrte gedankenverloren hinaus. Dann zog er sein Notizbuch aus der Tasche, blätterte und hielt damit inne, als er den Namen Melotte las.

Er grübelte wieder, dann ging er zum Telefon. „Den Staatsanwalt, bitte“, sagte er. Es dauerte dann eine reichliche Minute, bis die Vermittlung die Verbindung hergestellt hatte. Der Staatsanwalt meldete sich, und Ambrosini sagte:

„Es ist die Sache Quast. Gegen das Mädchen Scheller liegen ja kaum Verdachtsmomente vor.“

„Richtig, das war es, weshalb ich Sie sowieso anrufen wollte. Ich denke auch, wir sollten die Scheller auf freien Fuß setzen und schnell in die Heimat fliegen lassen.“

„Ausweisung?“

„O nein, reguläre Ausreise.“

„Und die Zeugenaussagen?“

„Halten Sie die Aussage der Scheller für so wichtig?“, fragte des Staatsanwalts klangvolle Stimme. „Nach dem, was ich für die Unterlagen habe, können wir doch auf die verzichten. Da ist uns doch Carlo Valetti viel wichtiger.“

„In Ordnung, ich werde sie also heute noch zum Flughafen bringen.“

„Ja, das finde ich in Ordnung. Ich glaube, das ist eine kluge Entscheidung.“

„Wie bitte?“

„Wir haben uns schon verstanden, mein lieber Ambrosini. Bis ein andermal!“

Ambrosini legte den Hörer auf, starrte das Telefon an, als könnte aus ihm die Antwort auf den Berg von Fragen kommen, die ihm auf der Zunge brannten. Doch da fiel sein Blick auf die Zeitung, die neben dem Telefon lag. Er hatte vorhin ein paar Zeilen darin gelesen, war aber nachher abgelenkt worden. Nun sah er eine Notiz auf der zweiten Seite unten.

Er leckte sich mit der Zungenspitze über die Lippen, kratzte sich aufgeregt am Kinn und brummte begeistert: „Das ist es!“

Er nahm seinen Hut, verließ das Büro und rief im Vorbeigehen dem Sekretär im Vorzimmer zu: „Ich bin in der Stadt und komme in zehn Minuten wieder.“

Kurz darauf war er auf der Straße.

Die Sonne knallte mit aller Macht auf die kleine Stadt. Es wimmelte von Menschen, Autos, Fahrrädern und knatternden Motorrädern, Frauen in langen dunklen Kleidern neben Touristinnen in Shorts, Männer mit abgetragenen Sonntagsanzügen neben Leuten aus dem Norden, die so bunte Kleidung trugen, wie es das Leben und Treiben an diesem Markttage war.

Ambrosini dachte: Die Strände der Adria müssen doch leer gefegt und alle Touristen hier in der Stadt sein. Ein Glück, dass ich das Morddezernat habe und dies nur eine Außenstelle von Venedig ist. O Himmel, müsste ich bei dieser Hitze bei der Stadtpolizei Dienst tun ...

Er betrat eine kleine Bar, die mit Menschen vollgestopft war, aber jetzt war Ambrosini das nur recht. Er schob sich durch die Menge, die von ihm keine Notiz nahm, quetschte sich durch bis zur Telefonzelle in der hintersten Ecke des Gastraumes, und dann war er allein. Er verlangte eine Nummer in Caorle und musste warten, bis die Verbindung hergestellt war.

Ein Segen, dachte er, dass nicht gerade wieder die Post streikt.

Dann kam das Gespräch. Ein Hotel meldete sich.

„Ist Baron Strehlitz bei Ihnen zu Gast?“, fragte Ambrosini.

„Ja, aber er ist im Augenblick auf seiner Yacht, Signore. Können wir etwas ausrichten?“

„Ja, lassen Sie ihn wissen, dass er noch heute — so etwa gegen Abend — Besuch erhalten wird, auf den er warten sollte.“

„Und wen können wir da melden?“

„Sagen Sie nur, der Konkurrent von Toulouse käme. Dann weiß er Bescheid.“

Ambrosini legte auf, lächelte versonnen und rieb sich am Kinn. Zufrieden mit sich und der Welt arbeitete er sich zur Theke durch, um sein Gespräch zu bezahlen, aber das Mädchen hinter der Bar rief ihm zu: „Kommissar, bezahlen Sie es morgen, übermorgen, irgendwann, nur nicht jetzt! Haben Sie Erbarmen!“

Er nickte und verstand die überforderte Bedienung, nach der ein halbes Hundert Durstiger schrie. Also kehrte er zurück in sein Büro, ließ den Sekretär kommen und sagte:

„Wir werden die Scheller entlassen. Es gibt keinen Grund, sie festzuhalten, meint der Staatsanwalt. Ich bringe sie selbst nach Venedig. Ich will sicher sein, dass sie das Land verlässt. Treffen Sie die Vorbereitungen. In zwei Stunden will ich fahren.“

 

 

4

Sie kamen zu dritt durch die Hoteltür. Voran ein großer Mann, Ende dreißig, weißer Pullover, weiße Hosen, weiße Schuhe; die Haut war der Beweis für viele Sonnentage, und die Art, wie der Mann ging, bewies, dass er mehr als nur ein bisschen Trimm-dich-fit-Sport trieb. Ein Mann, dem die Frauen reihenweise nachblickten und von dem sich Männer wünschten, ihn zum Freund zu haben. Das war Baron von Strehlitz.

Hinter ihm trippelte mit kurzen Schritten seiner in etwas zu engen Segelhose steckenden X-Beine ein wesentlich kleinerer Mann. Schweiß perlte auf seiner Glatze, und er wischte sie sich gerade mit einem Tuch ab, doch das schien ein vergebliches Bemühen. Immer neue Schweißbäche rannen und strömten ihm über sein rundes Gesicht, seinen sonnenverbrannten Nacken und schienen sein Makkohemd zu füllen wie einen Schwamm. So unsportlich und so wenig attraktiv dieser Mann auch wirkte, er strahlte hohe Intelligenz aus, und das lag gewiss nicht allein an seiner Goldrandbrille. Und das war Robert.

Der dritte Mann im Bunde war jünger als die beiden anderen, hatte einen hageren, offenbar nur aus Muskeln und Knochen bestehenden Körper. Sein volles, etwas gewelltes dunkles Haar quoll verwegen unter einem Gebilde von Mütze hervor, mit dem sich jeder andere wie ein verirrter Karnevalist vorgekommen wäre. Le Beau hätte selbst in großväterlich langen Unterhosen ein gutes und männlich wirkungsvolles Bild abgegeben. Dass er weder besonders hübsch und dafür eher hart und etwas abenteuerlich wirkte, machte ihn bei einer besonderen Sorte junger Mädchen zum Idol ihrer traumlosen Nächte. Auch jetzt himmelten ihn gleich sechs auf einmal an, und er genoss das wie ein verspäteter römischer Triumphator.

„Herr Baron, ein Anruf ...“ Der Portier machte eine Handbewegung, und der Baron lenkte seine Schritte auf den Tresen der Rezeption zu.

Der Portier flüsterte etwas auf jene typische Art von Hotelportiers, wenn sie prominenten Gästen eine diskrete Mitteilung machen möchten. Dass es eine diskrete Nachricht sein sollte, begreift schließlich der im hintersten Winkel sitzende Gast, der das Getue des Portiers beobachtet.

Der Baron nahm es gelassen, wandte sich wieder ab und marschierte mit federndem Schritt auf den Lift zu, den der Boy vor Bewunderung seines zu erwartenden Fahrgastes gleich so weit aufriss, dass die Schiebetür und ihr Scherengitter gegen den Anschlag knallte, als sei in der Hotelhalle ein Granatwerfer abgefeuert worden.

Robert, der schon ahnte, dass wieder ein Fragenkomplex auf ihn zukam, sah den Baron aus seinen kleinen Computeraugen wartend an. Le Beau kaute auf einem Streichholz und summte die Melodie vom Schmetterling. Der Lift summte auch, und kurz bevor er im zweiten Geschoss hielt, meinte der Boy mit aufgeregt klingender Piepsstimme: „Ihre Etage, Signore.“ Er sah dabei nur den Baron an, und offenbar betrachtete er Robert und Le Beau als Domestiken.

Das übliche Trinkgeld wechselte den Besitzer, das Scherengitter und die Schiebetür gaben wieder den unvermeidlichen Schuss ab, dann tappten die Schritte der drei Männer über Kokosläufer, auf denen das Knirschen des Seesandes nicht gar so schlimm zu hören war.

„Wir unterhalten uns erst. Duschen können wir später“, sagte der Baron und dirigierte seine Begleiter mit in sein Zimmer. Im Ganzen hatte er fünf, das des Chauffeurs James inbegriffen. Aber James schlief in luftiger Höhe unter dem Hoteldach. Robert, der Sekretär, hatte 234, Le Beau, langjähriger Freund und Vertrauter des Barons, lebte und liebte auf 235. Der Baron selbst bewohnte 233 und 232. In dem einen Zimmer wohnte, im anderen schlief er. Manchmal tat er im letzten auch beides. Und dies geschah seit vierzehn Tagen. Seit dem Tage, als sie alle mit Le Beaus Yacht El Condor vom Schwarzen Meer zurückgekehrt waren, wo sie zusammen mit Engländern und Rumänen einen Abenteuerfilm gedreht hatten, von dessen Reinerlös der Baron einer kleinen Stadt in Norddeutschland ein Altersheim finanzieren wollte. Damit hier die Zeit nicht nutzlos vertan wurde und wieder etwas Geld für den Übergang in die Kasse geriet, gab der Baron in einem Freilichtkino Filme und Vorträge über seine Expeditionen in Südamerika zum Besten. Sie waren bisher immer gut besucht gewesen, besonders von jungen Pärchen, die hier Urlaub machten und nach dem Motto: „Wo stört uns keiner?“ herumknutschen konnten und so ganz am Rande auch da und dort im Unterbewusstsein etwas von anderen Erdteilen erfuhren. Immerhin unternahm Le Beau vormittags dann noch Rundfahrten mit der Yacht, und für das Mitfahren auf so einem Donnerfisch wie Le Beaus ehemaligem Schnellboot ließen valutaschwere Söhne von Rhein und Main schon etwas springen. Der Baron brauchte es nicht brennend, aber es kam ihm dennoch sehr gelegen.

Sie saßen sich in seinem Salon gegenüber. Le Beau rollte sich eine Zigarette, da er seine tintenschwarzen nicht bekommen hatte und italienische nicht mochte. Robert, Nichtraucher und Nichttrinker, harrte auf ein Wort des Barons. Aber der beschnitt ruhig und ohne jede Hast eine Zigarre, brannte sie umständlich an, und erst als sie dampfte, sagte er nach einem Zug: „Wissen Sie, Robert, wer der Konkurrent von Toulouse war?“

Le Beau hörte auf, seine Zigarette zu drehen und starrte gebannt auf Robert. Ihm war es eine immer wieder neue Freude, Robert beim Denken und Ausspucken der Antworten zu beobachten.

Und da kamen sie schon. „1964, Scharfschießen mit Langwaffen auf Natodistanz. Ihr größter Rivale war ein Kriminalbeamter aus Italien, ein gewisser Ambrosini. Er wurde Zweiter. Von hundertfünfzig möglichen Ringen erzielte er 144 und Sie 147.“

Le Beau grinste beglückt, sah den Baron an und sagte: „Es gibt IBM, es gibt Bull, Remington Rand und Siemens, alles Computerbauer. Wir haben Robert. Ist er nicht großartig? Alexander, und noch nie ist er kaputt gewesen!“ Der Baron lächelte anerkennend. „Ja, so genau hätte ich es nicht mehr gewusst. — Also dieser Ambrosini kommt ...“ Er sah auf die Uhr „... kommt in einer halben Stunde, wenn der Portier die Uhrzeit richtig mitbekommen hat. Also werden wir uns duschen, umziehen und dieses Schützenprinzen harren. Kann mir jemand einen Tipp geben, was der von uns will?“

„Eine Spende für unser Altersheim?“, meinte Le Beau grinsend. „Aber wenn ein italienischer, selbst unterbezahlter Beamter etwas für Deutsche spendet, von denen die Italiener allesamt glauben, das wären alles Millionäre, dann stimmt was nicht. Er wird also nicht spenden. Was dann? Robert, geliebter Computer, was sagst du?“

Robert lächelte verlegen. „Tut mir leid, woher soll ich ...“

Le Beau nickte ernsthaft. „Klar, ohne Programmierung keine Antwort. — Alexander, ich bin fürs Duschen!“

Der Baron nickte, wandte sich aber noch einmal an Robert: „Halten Sie uns James in Reichweite, Robert! Wer weiß, was uns die liebe Polizei da bringt!“

 

 

5

Es war schon Abend. Über den Pinienwäldern schimmerten jene Sterne an jenem südlichen Himmel, für den Völker nördlich der Alpen Jahr für Jahr schwärmen und Millionen harten Geldes über die Pässe schleppen. Auch die Mücken erfreuten sich dieser Romantik und summten und surrten um jene beiden Männer herum, die sich seitlich der Straße zwischen San Dona und Jesolo in einem Seitenweg getroffen hatten. Auf den Dächern ihrer Autos spiegelten sich Sterne und Mond, der hier zurzeit silbern und nicht rot war, wie es im Liede verlautete.

Die Männer rauchten, um die Mücken zu vertreiben, schließlich sagte der eine barsch: „Also ins Auto, mich machen die Biester wahnsinnig!“

Sie stiegen in den metallic schimmernden Fiat 130, der hintenan stand, und als die Tür wieder geschlossen war, fragte der Ungeduldige: „Was ist nun? Ist er nach Venedig oder nicht? Hören Sie, Cascuto, wir haben sieben Mann auf dem Flugplatz gehabt, auch der Junge vom Zoll, der zu uns gehört, hat sie nicht gesehen. Das ist einfach ein Unding. Ein Mensch wie Ambrosini allein wäre denen schon nicht entgangen, aber dazu noch mit der Deutschen ... Also auf dem Flughafen war er keinesfalls. Bleibt der Zug. Glauben Sie denn im Ernst, dass er sie mit dem Zug wegfahren lässt? Dazu hätte er sie doch nicht selbst hinzubringen brauchen. Das ist einfach blöde. Und eines ist Ambrosini nicht, Cascuto, das dürfen Sie sich merken: Er ist niemals blöde gewesen und wird es auch nicht sein. Das ist einer von den ganz ausgefuchsten Spürhunden. Alle unterschätzen ihn, und das ist vermutlich sein Trumpf. Ich muss wissen, wo er abgeblieben ist. — Spurt der Staatsanwalt?“

„Er hat Angst um das Gesicht seiner Frau.“

„Ambrosini ist so ein armes Schwein. Er kann sich kaum was leisten, aber ihn bekommt man nicht an die Kasse. Cascuto, Sie müssen herausfinden, wohin er sie wirklich gebracht hat. Und wenn er dabei umkommt, aber wir müssen es wissen. Sie ist die einzige Zeugin, die uns gefährlich werden kann. Klappt das mit Valetti?“

„Ich nehme den Vater morgen mit“, sagte Cascuto. „Sie zittern vor Angst. Die Familie wird den Jungen schon herumkriegen. Da habe ich keine Bedenken. — Fahren Sie heute noch, Don Ricardo?“

„Ja, auch wenn Ambrosini im Verhör mit diesem Quast getan hat, als hätte er meinen Namen noch nie gehört, ich traue ihm nicht. Er hat da ein bisschen zu naiv gefragt.“

„Vielleicht hat man es Ihnen aber auch nicht korrekt berichtet. Mir liegt ebenfalls nicht der geringste Hinweis darauf vor, dass Ambrosini etwas von Ihnen im Zusammenhang mit der Geschichte weiß.“

„Das ist es ja, und wieder fallen Sie auf ihn herein.“ Melotte zog sich den Hut noch tiefer in die Stirn. Wie in jener Nacht, als Yvonne Quast gefunden wurde, trug er trotz der Wärme einen Mantel, nun sogar eine Sonnenbrille, sodass von seinem Gesicht praktisch bei dieser Beleuchtung nichts mehr zu sehen war, an dem man ihn wiedererkennen konnte. Er sprach weiter: „Er kennt mich doch. Er weiß, wer Melotte ist, und das ist doch sein Fehler. Weil er sagt: Wer ist Melotte? Und weil er mit Ihnen einmal darüber spricht, dass Harry Quast das erwähnt hat, dass es einen eventuellen Täter namens Melotte gibt. Also, Cascuto: Ambrosini muss sagen, wo er das Mädchen hingeschafft hat. Habt ihr es, dann wollen wir uns von beiden trennen. Ich glaube, bei ihm wird es allmählich Zeit. Und macht mir um Himmels willen keinen Fehler mehr! — Ich muss jetzt weg. Wie ihr mich erreicht, wisst ihr ja. Eigentlich bin ich schon seit mittags auf See. — Steigen Sie aus, Cascuto, ich muss mich beeilen!“

„Aber, Don Ricardo, Sie sind doch gar nicht der Mörder! Ich begreife nicht, warum Sie Dinge tun, die Sie immer mehr in Verdacht bringen müssen. Wenn nun etwas misslingt und dieser Ambrosini wirklich dahinterkommt ...“

„Wenn das eintritt, Cascuto, ist es Ihr Fehler, ganz allein Ihrer“, erwiderte Melotte scharf. „Und dann wären Sie besser nie geboren worden. — Gehen Sie nun!“

 

 

6

Ambrosini tauchte so überraschend auf, dass sogar der Baron verblüfft war. Und noch mehr überrascht zeigte er sich bei Christiane Schellers Anblick.

Sie war groß, schlank wie eine Gerte und dennoch gut proportioniert. Ihr langes, goldblondes Haar floss weich bis über die Schultern. Ihre Augen bewiesen im Blick Intelligenz, und der Mund war geradezu penetrant herausfordernd schön. Langbeinig war sie wie eine Antilope, und das kam in dem etwas zerknautschten Strandkleid doppelt zum Ausdruck.

Ambrosini war kleiner als Christiane, dafür mindestens dreimal so breit. Er schob sie hastig vor sich her ins Zimmer, und sie sah sich scheu wie ein gejagtes Reh um.

Le Beau, der wie meist bei solcherart Empfängen in der Ecke stand und sich lässig gab, musterte dieses hochbeinige Wesen mit dem Interesse eines Experten für Feinschmeckereien, dem eine Neuheit präsentiert wird.

Robert nahm auf seine Weise Notiz von ihr, war aber viel zu distinguiert, um die Mitwelt etwas davon merken zu lassen, was er dachte.

Der Baron machte in Charme, und das ja immer in Gegenwart von Damen. Ambrosini machte sie alle mit Christiane bekannt und sagte: „Sie ist im Augenblick in einer ähnlichen Lage wie ein Hase auf der Treibjagd.“

„Die armen Jäger“, scherzte Le Beau, und der Baron gab Robert einen Wink, etwas Eisgekühltes einzuschenken. Ein paar Minuten später saß man um den runden Tisch. Nur James, der bullige Fahrer des Barons, hatte draußen auf dem Flur sein Nachtlager von Granada aufgeschlagen, um ungewünschte Besucher wieder in heimische Gegenden zurückzubefördern.

Ambrosini hielt sich nicht bei der Vorrede auf. Während Christiane ermüdet und infolge der schlaflosen Nächte der letzten Tage überanstrengt auf die Seite sank und einschlief, berichtete Ambrosini zuerst, wie es begonnen hatte. Und hier schon fing die Sache ungewöhnlich an.

„Wir bekamen einen Anruf“, sagte er. „Eine Denunziation, wie das oft hier geschieht. Am Strand, hieß es, läge eine nackte Tote. Die Mörder wären ganz in der Nähe. Ende. — Wir fuhren also hin. Dieses Mädchen hier und zwei Männer, ein Deutscher und ein Italiener, fielen uns neben der Leiche in die Hände. Außer deren Spuren keine anderen, die mit der Toten in Zusammenhang standen. Die Tote ist Yvonne Quast aus Düsseldorf in Deutschland, 23 Jahre alt, un beendetes Betriebswirtschaftsstudium, ein bisschen Tingeltangel, Fotomoden, dann ständige Begleiterin von diesem oder jenem. Zuletzt die von Ricardo Melotte, einem von der Sorte Geschäftsmann, die wir in Italien zu Tausenden haben und die den Ruf der guten und wirklichen Geschäftsleute in Italien bei aller Welt verdarben. Er handelt mit Waffen, Rauschgift, Menschen, aber immer steht er selbst sauber da, wenn die Polizei zuschlägt. Er hat indessen so viel Geld, ist in der Unterwelt so dick drin, dass er zum Teil auch die Polizei im Griff hat. Ich glaube auch, dass er direkte und innige Beziehungen zur Mafia pflegt. In anderen Worten, Baron Strehlitz, ich brauchte jemanden, der dieses Mädchen verbirgt und in Sicherheit bringt.“

„Weil sie in Gefahr schwebt“, sagte der Baron.

„Wenn Melottes Leute sie erwischen.“

„Im Augenblick ist mein Freund Le Beau hinter ihr her, Kommissar, und ich weiß nicht, ob das nicht auch eine ziemliche Gefahr ist“, meinte der Baron spöttisch.

Christiane, die wieder munter war, bekam einen feuerroten Kopf. Le Beau grinste unverschämt, und Robert tat, als habe er von alldem nichts vernommen. Ambrosini lächelte nachsichtig und sagte:

„Baron Strehlitz, ich bin da ohne Sorge. Am liebsten würde ich Ihnen auch noch die beiden anderen Gefangenen bringen, aber das geht leider nicht.“

„Und warum nicht?“

Ambrosini sah den Baron überrascht an. „Nun, dass ich Fräulein Scheller entlassen habe, war auch vom Staatsanwalt vorgesehen. Meine Art, wie sie entlassen wird, ist ganz bestimmt nicht im Sinne von Melotte, der auch den Staatsanwalt unter Druck gesetzt hat. Aber die anderen Gefangenen ...“

Der Baron beugte sich vor. „Lieber Freund, worum geht es Ihnen denn? Sie wollen trotz der Überlegenheit Ihrer Feinde beweisen, dass es noch ein Recht gibt. Sie wollen mit einem Trick diesem Recht zum Siege verhelfen. Aber das gelingt doch nicht, wenn die beiden Gefangenen der Willkür jedweder Erpressung ausgesetzt sind. Passen Sie auf: Die beiden anderen kommen aus dem Gefängnis heraus, hier zu uns aufs Schiff, und wir verschwinden. Was würde geschehen?“

„Melotte würde irgendwann herausfinden, wo die Gefangenen hingebracht wurden. Ihm geht es ganz offensichtlich darum, Quast unter Druck zu setzen.“

„Um ihn zu erpressen?“

„Vielleicht ihn, vielleicht den todkranken Vater, der im Gelde schwimmt.“

„Aha. Und darum hat er diese Yvonne umgebracht? Da ist doch etwas faul, lieber Ambrosini!“ Der Baron nahm einen Schluck eisgekühlten Martinis und sah Ambrosini eindringlich an. „Ich bin ja kein Kriminalist, mein Verehrtester, aber das haben Sie doch selbst schon lange gemerkt, dass hier ein gewisser Schuss logischer Konsequenz fehlt.“ Er wandte sich um und sah Christiane an, die noch immer verängstigt in einem Sessel hockte, Le Beaus Süßholzraspelei über sich ergehen ließ und in Wirklichkeit offenbar auf nichts anderes hoffte als auf ein Bett. Nachdem sie eben schon einmal eingeschlafen war und nun müde vor sich hinstarrte, vermittelte sie den Anschein, als verstünde sie kein Wort, obgleich sie fließend Französisch sprach. Und man sprach hier französisch, das allesamt beherrschten.

„Mein liebes Fräulein Scheller“, sagte der Baron nun, „Sie könnten uns allen doch mehr sagen. Sehen Sie, dass der Kommissar Ihnen im Grunde nichts als helfen wollte, selbst als er sie im Verhör angeblasen hat, haben Sie sicher inzwischen verstanden. Nun helfen Sie uns! Wie war das mit Melotte und Yvonne. Kann er sie umgebracht haben?“

„Nein, ich glaube nicht“, sagte Christiane. „Er war von ihr betrogen worden. Er wollte sie vielleicht blamieren, und er hat uns auch gesagt, dass er sie blamiert. Aber töten ...“

„Was sagen Sie, Kommissar?“, fragte der Baron und zündete sich eine Zigarre an.

„Ich habe Melotte für einen gerissenen Burschen gehalten, aber nicht für einen Mörder ... jedenfalls nicht für einen, der bei einem Mord nur auf einen Kilometer in der Nähe seines Opfers ist. Geschweige denn, dass er den Mord selbst begehen würde.“

„Aha, also lässt er das andere tun. Hier aber war es wie, Fräulein Scheller?“

Christiane sah den Baron aus geröteten Augen an. Sie war schön, aber nun tauchte aber doch eine Blässe der Erschöpfung auf, die sie etwas blutarm wirken ließ. „Wir haben ihn ja gesehen. Ihn und die beiden anderen. Wir sahen sie schon, als sie Yvonne aus Ricardos ... aus Melottes Haus schafften. Wir sind ihnen ja gefolgt, und wir waren nicht einmal böse. Yvonne war ein Biest. Sie hat sich auch Harry gegenüber gemein benommen. Als sie sich mit Melotte gestritten hatte und von ihm kein Geld mehr bekam, wollte sie von Harry welches. Aber er weigerte sich. Wir waren schließlich auf das angewiesen, das wir nebenbei verdienen konnten. Yvonne hingegen arbeitete nicht, sie gab einfach sich selbst und nahm dafür.“

Details

Seiten
126
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929768
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492916
Schlagworte
baron girl frühstück

Autor

Zurück

Titel: Der Baron #8: Ein Girl zum Frühstück, Sir