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Ferien – Zeit zum Träumen

2019 111 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Ferien – Zeit zum Träumen

Copyright

Immer nur Museen

Bitte einmal Sonne

Das Eiscafé im Teutoburger Wald

Urlaub mit der Patchwork-Familie

Nasse Paddeltour

Mit Frederike in das Elsass

Ausgerechnet Urlaub im Schwarzwald

Hannah in Not

Mit dem Ferienkurs ins neue Leben

Omas Reisebekanntschaft

Romantisches Budapest

Abenteuerlust im Alter

Ferien – Zeit zum Träumen

Zwölf Erzählungen von Eva Joachimsen

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Dieses Buch enthält die Erzählungen:

Immer nur Museen

Bitte einmal Sonne

Das Eiscafé im Teutoburger Wald

Urlaub mit der Patchworkfamilie

Nasse Paddeltour

Mit Frederike in das Elsass

Ausgerechnet Urlaub im Schwarzwald

Hannah in Not

Mit dem Ferienkurs ins neue Leben

Omas Reisebekanntschaft

Romantisches Budapest

Abenteuerlust im Alter

 

 

Ob Paris im Regen, wie Emma und ihre Freundin Lucie es erleben, oder Randis Tanzkurs mit ihrem Kollegen Alex, der zwei linke Füße hat, im heißen Andalusien oder eine Kur im Teutoburger Wald – mit Schmetterlingen im Bauch lässt sich alles leichter ertragen. Und was quengelnde Kinder an der Ostsee, eine Autopanne im Elsass, ein verschlafenes Nest im Schwarzwald, einem Heiratsschwindler ein Schnippchen zu schlagen und weitere heitere Geschichten rund um die schönste Zeit des Jahres gemein haben, ist, dass man nur gewinnen kann, wenn man das Beste aus allem macht ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Bild: Mara Laue

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Immer nur Museen

„Was machen wir bloß bei diesem Regenwetter?“, fragte Emma. Enttäuscht schaute sie aus dem Fenster ihres Hotelzimmers. Sie hatte sich so auf Paris gefreut, aber bei dem Dauerregen konnten sie unmöglich lange herumstreifen. Dabei hatten sie sich so viel vorgenommen, den Eiffelturm, Notre-Dame, Sacré-Coeur, und zwischendurch einfach im Café sitzen und bei einem Café au Lait entspannen.

Sie schaute zu den beiden Männern am Nachbartisch, die standen gerade gutgelaunt auf und starteten lachend in den Tag. Der eine gefiel ihr sofort. Er hatte dunkelblaue Augen mit ein paar Lachfalten und einen sinnlichen Mund. Dazu dunkle Locken und eine durchtrainierte Figur. Der andere hatte auch brünette Haare, aber ob er Wellen besaß, konnte sie bei dem kurzen Haarschnitt nicht erkennen. Obwohl er schlank war, fehlte ihm die Körperspannung.

„Macht doch nichts, wir wollten uns doch sowieso die Mona Lisa ansehen. Lass uns doch in den Louvre gehen. Es ist das Beste, was wir heute unternehmen können“, schlug Lucie gutgelaunt vor.

„Vorher will ich aber Notre-Dame sehen“, beharrte Emma. Damit war ihre Freundin einverstanden, auch wenn sie meinte, viele Bouquinisten würden sie wohl bei dem Wetter nicht an der Seine sehen.

Gleich nach dem Frühstück brachen sie auf. Um die Stadt zu entdecken, beschlossen sie, den Kilometer zu Fuß zu gehen. Doch bevor sie die Hälfte zurückgelegt hatten, waren ihre Schuhe durchweicht und auch ihre Wetterjacken hingen schon schlaff an ihnen herunter, da half auch kein Regenschirm.

„Mist, warum habe ich mein Fahrradcape daheim gelassen. Wer ahnt denn, dass es hier so gießt“, klagte Emma.

„Kein Problem, wir sind gleich im Trockenen“, tröstete Lucie. Doch es war wohl doch erheblich mehr als ein Kilometer, denn sie brauchten mehr als eine Stunde bis zur Kathedrale. Emma freute sich, endlich im Trockenen zu sein. Sie würde dadurch entschädigt, dass nur sehr wenige Besucher durch die Kirche strömten, deshalb konnten sie sich alles in Ruhe anschauen.

„So, jetzt suchen wir die Mona Lisa auf. Im Louvre gibt es sicher ein Café, dort können wir dann eine Pause machen“, meinte Lucie fröhlich.

Eigentlich hatte sich Emma ja ein typisch französisches Straßencafé vorgestellt, doch bei dem Wetter war es ihr so recht.

Die Schlange an der Kasse war kurz, dafür liefen sie ewig durch die Ausstellung, bis sie die Gemälde fanden. Der Weg dauerte noch länger, weil Lucie immer wieder vor einzelnen Bildnissen stehenblieb und sie bewunderte. Am Anfang tat Emma es ihr nach, doch bald schon weigerte sich ihr Kopf und sie konnte die Bilder nicht mehr unterscheiden. Da ein Heiliger und dort eine Venus oder was die Nackte sonst darstellen sollte und dort schon wieder. „Sind wir bald bei der Mona Lisa?“, fragte sie genervt.

Endlich erreichten sie das berühmte Bild. Emma war enttäuscht. So klein und dazu hinter dickem Panzerglas. So hatte sie es sich nicht vorgestellt. Außerdem kam sie kaum dazu, da Bild eingehend zu begutachten, denn es drängten sie schon nachfolgende Touristen zur Seite, dabei war das Museum doch fast menschenleer. Standen alle nur vor diesem einem Bild?

„Lass uns einen Milchkaffee trinken“, sagte sie enttäuscht.

„Nach dieser Abteilung“, erklärte Lucie und bewunderte die nächsten Kunstwerke. Klar, sie war auch viel kunstinteressierter als Emma, kein Wunder, sie malte selbst und stellte sogar aus.

Tapfer lief Emma hinter ihr her, die Bilder nahm sie kaum noch wahr. Ihr schwirrte der Kopf.

„Mein Magen knurrt“, sagte sie endlich, „ich brauche unbedingt etwas zu essen.“ Sie schaute auf die Uhr, „Himmel, es ist schon drei.“

Widerstrebend ließ sich Lucie zum Café schleppen. Doch nach einem Café au Lait und einem Croquet meinte sie, als Emma zum Aufbruch drängte: „Was willst du da draußen? Es regnet doch noch immer. Ich bleibe hier.“

Emma kämpfte mit sich, schließlich hatten sie einem gemeinsamen Urlaub geplant, aber mehr Kunst konnte sie nicht vertragen.

„Nein, ich laufe lieber durch den Regen und wenn es mir zu nass wird, lese ich halt im Zimmer ein Buch.“

So trennten sie sich. Niedergeschlagen suchte sich Emma einen Bus, der die Champs-Élysées entlangfuhr, denn bei dem Regen wollte sie die Strecke nicht laufen. Aber so richtigen Spaß hatte sie daran nicht. Das Wetter drückte ihre Stimmung und dass sie es jetzt allein unternahm, hellte die Laune auch nicht auf. Aus dem Bus mit seinen beschlagenen Scheiben konnte sie leider nur wenig sehen. Sie lief deshalb nicht wie geplant zum Arc de Triomphe, sondern fuhr zum Invalidendom, dort war sie wenigstens im Trockenen.

Am nächsten Tag regnete es immer noch. Lucie schlug das Museum von Eugène Delacroix vor und Emma stimmte zu. Doch danach reicht es ihr wieder an Kultur und sie ging nicht mehr mit ins Musée Auguste Rodin, sondern shoppte lieber in den Galeries Lafayette.

Sie stand staunend vor den französischen Spezialitäten. Mit ausgestreckten Arm versuchte sie, ein Selfie vor einer Fischtheke zu machen. Aber keins der Bilder gefiel ihr, es gelang ihr nicht, sich vor den Leckereien gekonnt in Szene zu setzen.

„Soll ich Sie knipsen?“, sprach ein Mann sie an. Irritiert sah sie ihn an, bis sie Begriff, dass er sie auf Deutsch angesprochen hatte.

„Sehe ich so deutsch aus?“, fragte sie verblüfft. Er lachte, dabei erschienen Grübchen auf seinen Wangen.

„Nein, aber Sie haben sich heute Morgen auf Deutsch mit Ihrer Freundin unterhalten“, erklärte er.

Sie musterte den sportlich aussehenden Brünetten. Daher kam er ihr so bekannt vor. Emma reichte ihm ihr Handy und als er ihr es wiedergab, meinte sie: „Ist das Wetter nicht blöd? Ich wollte auf den Eiffelturm und nach Montmartre, aber bei diesem Regen macht nichts Spaß.“

„Waren Sie schon auf dem Großmarkt Rungis?“, fragte er.

„Ist der interessant?“, Emma konnte es sich nicht vorstellen.

„Er soll es sein, er ist der Größte der Welt. Ich will ihn morgen besuchen. Kommen Sie doch mit.“ Und dann lud er sie in ein Restaurant ein.

Während des Essens erfuhr sie, das er mit seinem Bruder reiste, der aber ein paar berufliche Termine hatte. „Er muss ein paar Kunden besuchen. Hinterher hängen wir ein paar Tage in der Auvergne an“, erklärte Nico.

Emma klagte ihr Leid mit den Museen. „Ich schaue mir ganz gerne eine Ausstellung an, aber nicht tagelang. Irgendwann nehme ich gar nicht mehr wahr, was da an der Wand hängt.“ Sie verzog ihr Gesicht und griff leidend an ihren Kopf.

Er lachte.

Sie stellten fest, dass sie beide aus Norddeutschland stammten. Sie aus Hamburg, er aus Lübeck.

Der Großmarkt am nächsten Vormittag war interessant, obwohl sie extra dafür mitten in der Nacht aufstehen mussten. Sie sahen dem Treiben eine Weile zu. Anschließend schlug er vor, in Montmartre zu essen.

„Ich schaue, was meine Freundin macht“, meinte Emma schuldbewusst. Lucie hatte sich noch Picasso ansehen wollen. Sie checkte ihr Handy, aber die Freundin hatte sich nicht gemeldet. Deshalb nahm sie seine Einladung zu einem Imbiss ohne Gewissensbisse an.

Da der Regen inzwischen aufgehört hatte, besuchten sie Sacré-Coeur, bewunderten die Aussicht von dort oben auf die Stadt, bummelten durch die Gassen, beobachteten Straßenmaler, schauten in die Läden und setzten sich abends in ein kleines Bistro.

Erst spät fuhren sie zum Hotel zurück. Emma erzählte von ihrer Arbeit als Konditorin und er von seinem Job im Büro einer Ostseefähre.

Am nächsten Tag setzten sie sich beim Frühstück zusammen an einen Tisch. „Das Wetter ist trocken, ich möchte mir Versailles ansehen. Kommt ihr mit?“, fragte Nico die Runde.

Emma schaute ihre Freundin fragend an, Lucie war einverstanden. Das Schloss des Sonnenkönigs hatte auf ihrer Liste gestanden.

Selbst Stefan, Nicos Bruder wollte mitkommen. „Ich habe erst morgen Nachmittag einen Termin“, sagte er.

Emma genoss den Tag. Die beiden Brüder waren lustig und sie lachten viel. Und wenn Lucie wieder einmal stundenlang vor irgendwelchen Gemälden stand, lief sie mit den Männern weiter und schaute sich einfach nur die Räume an. Hinterher schlenderten sie durch den Park und warteten im Café auf Lucie.

Am nächsten Tag regnete es wieder, Stefan hatte einen Termin, Lucie beschloss erneut, die Museen aufzusuchen, daher schaute Nico Emma auffordernd an. „Wollen wir trotz des Wetters eine Stadtrundfahrt mit dem Bus machen, falls der Regen nachlässt, können wir auf den Eiffelturm steigen oder den Jardin des Tuileries aufsuchen.“

Dankbar nickte sie. Sie fragte lieber nicht, was sie machen wollten, falls es so nass blieb. Mit Nico würde sie sogar weitere Museen ertragen. Dank seiner witziger Art, wurde es ein gelungener Tag. Aber sie hatten Glück, am Nachmittag kam die Sonne heraus und sie bewunderten erst die Aussicht auf Paris und dann den Park.

Inzwischen kam es ihr vor, als würde sie Nico schon lange kennen. „Morgen fahren wir weiter“, sagte er. „Aber das Wetter soll gut werden, dann habt ihr eine schöne Rückreise.“

„Sehen wir uns wieder?“, fragte sie schüchtern.

„Natürlich!“ Er zog sie zu sich heran, nahm sie in seine Arme und küsste sie lange und leidenschaftlich. „In zehn Tagen bin ich wieder in Lübeck, dann besuche ich dich. Versprochen!“

 

 

Bitte einmal Sonne

Randi hustete hart. Sie zog sich ihren Schal enger an den Hals. Es wurde Zeit, dass es Frühling wurde. Sie sah vom Bildschirm auf. Die Hälfte der Arbeitsplätze war leer. Alle waren krank, auch die, die noch an ihrem Arbeitsplatz saßen, wie Randi. Dabei hatte die Firma die Grippeimpfungen für alle bezahlt. Aber das Gesundheitsamt hatte die falschen Krankheitserreger ausgesucht.

Alex brachte einen Becher Tee vorbei. „Für alle, die sich noch herschleppen“, meinte er spöttisch und stellte den vollen Becher zwischen dem Papierkram auf Randis Schreibtisch. „Nur noch anderthalb Tage, dann können wir uns eine Woche auskurieren.“

Randi nickte. „Habe ich auch nötig. Eigentlich wollte ich an die See fahren, mal raus aus der Großstadt.“

„Bei dem Wetter?“ Alex nickte in Richtung Fenster.

Draußen prasselte der Regen gegen die Schreiben. Schlimmer als die Nässe waren aber die Temperaturen. Bei gerade einmal zwei Grad war es besonders widerlich, gleich morgens durchnässt zu werden und den ganzen Tag triefend im Büro zu sitzen.

Während Randi weiter ihre Schadensmeldungen bearbeitete, überlegte sie. Sie hatte richtiges Verlangen nach Sonne und Wärme. Ihr Sparbuch war zwar nicht übervoll, aber auch nicht leer. Kurz entschlossen stürmte sie nach Feierabend in ein Reisebüro und fragte nach Last-Minute-Angeboten.

Mit einer Pauschalreise für eine Woche in Andalusien verließ sie den Laden, um gleich im Drogeriemarkt Minipackungen Sonnencreme, Shampoo, Lotion und andere wichtige Dinge zu besorgen. Daheim holte sie den Koffer und ihren Rucksack vom Dachboden und stürzte sich voller Begeisterung aufs Kofferpacken. Einen alten Reiseführer fand sie auch noch und zwei ungelesene Romane.

Der nächste Tag verging mit der Vorfreude wie im Flug. Beschwingt ging sie nach Hause.

„So schnell heute? Da komme ich ja kaum hinterher“, japste Alex.

„Klar, ich muss meine Wohnung noch flink putzen. Morgen früh geht es schon um sieben los.“

„An die See?“

„Ja, aber in Spanien, da ist das Wetter besser.“ Sie schwärmte von ihrem Last-Minute-Schnäppchen.

„Na, dann viel Spaß und gute Erholung. Pack bloß genug Taschentücher und Fiebermittel ein.“

An der S-Bahnstation trennten sie sich. Aber Randi nahm sich Alex Ermahnung zu Herzen und suchte am Bahnhof noch die Apotheke auf, um sich Nasenspray und Schmerzmittel zu besorgen. Dann hastete sie noch schnell in den Supermarkt, um etwas Proviant zu kaufen.

Das Putzen der anderthalb Zimmer ging schnell. Die Blumen würden eine Woche ohne sie auskommen und die Post würde Frau Schmied, ihre direkte Nachbarin, hereinholen.

Erwartungsvoll legte sich Randi schlafen. Erstaunlicherweise schlief sie trotz der Vorfreude schnell ein. Es klappte alles wie am Schnürchen. Ihr Bruder erschien pünktlich und brachte sie zum Flughafen. Während der Autofahrt aß sie das Brötchen, dass er seiner kleinen Schwester mitgebracht hatte, und trank den Kaffee, den ihre Mutter gekocht hatte. „Prima, dann muss ich am Flughafen nix Teures kaufen“, freute sie sich.

Die Schlange am Schalter war riesig. Zum Glück war sie rechtzeitig da. Und während des Flugs schlief sie. In Malaga wurde sie vom Shuttleservice des Hotels abgeholt.

Zwei Stunden später hatte sie ihren Koffer ausgepackt, ein Sommerkleidchen angezogen, sich eingecremt und lag mit dem Buch in der Hand am Pool. So ließ es sich leben!

Am Abend schaute sie sich im Speisesaal um. Am Fenster war ein Zweiertisch frei, sie hängte ihre Jacke über einen Stuhl und holte sich vom Büfett Essen. Als sie zurückkam, war der zweite Stuhl ebenfalls belegt. Hoffentlich war es jemand, der ihr sympathisch war. Etwas Unterhaltung war ja ganz nett, wenn man so allein reiste.

„Ich hoffe, ich darf mich zu dir setzen?“, fragte eine vertraute Stimme.

Randi schrak auf und sah hoch. Mit einem vollen Teller und einem Glas in der Hand stand Alex vor ihr.

„Wo kommst du denn her?“, rutschte es Randi heraus.

„Aus dem verregneten, kalten Hamburg“, erklärte er. „Du hast doch von diesem Hotel erzählt und da ich auch keine Lust mehr auf Kälte und Regen hatte, habe ich ebenfalls hier gebucht. Ich hoffe, du bis mir nicht böse, sonst sprechen wir uns ab, dass wir zu verschiedenen Zeiten essen gehen und dann siehst du mich nicht.“

„Blödsinn“, lachte Randi. „Komm, setzt dich endlich.“

„Wolltest du nicht zu deiner Schwester fahren“, fragte sie, als er endlich saß.

„Ja, aber die haben alle Grippe und ich habe kein Talent, Krankenschwester zu spielen.“

„Mit welchem Flieger bist du gekommen?“

„Ich bin erst gegen Mittag geflogen, aber ich habe mir ein Auto gemietet, damit ich etwas von der Gegend sehen kann. Morgen will ich nach Gibraltar. Hast du Lust, mitzukommen?“

„Eigentlich wollte ich mich erst einmal auskurieren, bevor ich auf Entdeckungstour gehe.“

„Soll ich den Ausflug auf Dienstag verschieben? Dann schaue ich mir morgen das Landesinnere an und du kannst dich noch erholen.“

Randi nickte. Da sie wirklich mit ihrer Erkältung kämpfte, ließ sie sich auch nicht zu einem Glas Wein überreden, sondern legte sich gleich ins Bett.

Am nächsten Morgen frühstückten sie verabredet zusammen, dann legte sich Randi wieder in den Garten auf einen Liegestuhl und Alex erkundete die Gegend. Erst am Abend aßen sie wieder gemeinsam.

Immerhin ging es Randi dank des geruhsamen Tages so gut, dass sie mit Alex zusammen den Liederabend in der Bar genoss. Vorsichtshalber trank sie nur eine Weinschorle.

Alex lästerte amüsant über die Sängerin, die zwar eine hübsche Stimme hatte, aber nicht sehr trittsicher auf ihren überlangen Highheels stand. Sobald sie ein paar Schritte lief, benötigte sie eine stützende Hand.

„Lieber ein paar Zentimeter weniger, dafür eleganter laufen,“ zischte Alex. Und Randi grinste. Sie dachte an die junge Frau Meyer aus der Personalabteilung.

Als ob Alex ihre Gedanken gelesen hätte, meinte er: „Wir haben auch so eine Kollegin, die niemanden aufsucht, sondern alle zu sich zitiert, weil sie nicht laufen kann.“

Randi verschluckte sich prompt an ihrer Schorle, als sie lachen musste.

Am nächsten Tag gingen sie in die Stadt und bummelten durch die Einkaufsstraße. Zwischendurch aßen sie Eis. Doch dann wollte sich Randi noch einmal hinlegen, bevor es zum Abendessen und dem anschließenden Flamencoabend ging.

Als sie wieder aufwachte, war es schon gegen sechs Uhr, halb sieben wollten sie sich beim Büfett treffen. Randi holte sich ihr neues T-Shirt und ihre helle Stoffhose heraus und da sie noch ein paar Minuten Zeit hatte, setzte sie sich auf den Balkon.

Unter ihr spazierte ein Pärchen und unterhielt sich anscheinend köstlich. Die Dame lachte immer wieder. Als Randi genauer hinschaute, erkannte sie Alex. War er so ein Frauenheld? In der Firma war er allgemein beliebt, aber er war ein Kumpeltyp. Alle mochten ihn, doch keine der Kolleginnen ging mit ihm.

„Komm, Randi, Alex ist schwer in dich verliebt“, hatte Lisa ihr schon mehrmals gesteckt, doch Randi ging es wie den anderen. Sie mochte Alex gern, er war ein Typ zum Pferdestehlen, aber keiner, in den man sich verliebte.

Doch jetzt gab es ihr einen Stich, als sie sah, wie er mit dieser fremden Frau flirtete. War er ihr doch wichtiger, als sie dachte? Oder war es nur verletzte Eitelkeit? Ob er morgen noch diesen Ausflug mit ihr unternehmen würde?

Sie schloss ihre Augen und atmete ein paarmal tief durch, dann ging sie zum Speisesaal. Sie hängte ihre Jacke über den Stuhl, auf dem sie normalerweise saß und holte sich ein paar Vorspeisen vom Büfett. Sie hatte die leckeren Häppchen schon fast aufgegessen, als Alex endlich eintraf.

„Ach, da bist du ja. Ich wollte dich in deinem Zimmer abholen, aber da warst du schon weg.“

Sie grinste ihn an. „Das Hotel ist so weitläufig, dass wir zum Essen schon unseren täglichen Sport machen. Übrigens, diese Häppchen sind sehr lecker.“

Sie bestellten eine Flasche Wein und unterhielten sich gut. Randi versuchte, die andere Frau zu vergessen und Alex wie immer zu behandeln. Aber vielleicht war es gar nicht gut. Vielleicht sollte sie lieber mit ihm spielen, statt auf Kamerad zu machen?

Gelegenheit dazu bot das Abendprogramm, denn es war ein Tanzabend und Randi tanzte ausgiebig mit einem älteren deutschen Herrn.

„Ist der dir sympathisch?“, fragte Alex.

Randi stutzte. „Hm, er tanzt hervorragend, deshalb finde ich ihn angenehm.“

Und als sie seinen gequälten Gesichtsausdruck sah, grinste sie. „Ich habe nicht vor, mit ihm eine Affäre zu beginnen. Wahrscheinlich ist seine Tochter erheblich älter als ich. Trotzdem ist er ein sehr guter Tänzer.“ Sie zog Alex auf die Fläche und schwofte mit ihm. Leider war er total verkrampft.

„Vielleicht sollten wir einen Tanzkurs machen.“ Sie stockte, dann grinste sie. „Morgen ist hier doch Salsa-Stunde, da gehen wir hin, dann können wir wenigstens einen Tanz zusammen aufs Parkett legen.“

Am nächsten Tag chauffierte Alex Randi durch die Gegend, die längere Tour nach Gibraltar hatten sie um zwei Tage verschoben, damit Randi sich noch erholen konnte. Sie sahen sich eine maurische Burg an, aßen einen großen Eisbecher und machten sogar noch eine kleine Bootstour. Als Randi fröstelte, zog Alex seine Jacke aus und legte sie fürsorglich um ihre Schultern.

„Du sollst doch nicht wieder krank werden.“

„Du musst gesund bleiben, wer fährt mich denn sonst spazieren“, wehrte sich Randi schwach.

„Oh, dann liege ich im Bett und du versorgst mich mit Kamillentee.“

„Das kann der Zimmerservice viel besser als ich“, erklärte Randi.

Alex lachte und zog sie dichter an sich heran.

Am Abend gingen sie gemeinsam in den Speisesaal. Die fremde Frau grüßte Alex und warf Randi einen giftigen Blick zu. Später setzte sie sich an den Nachbartisch. Aber so schnell wollte Randi sich nicht geschlagen geben und sie erzählte ein paar Anekdoten aus der Firma, zu denen Alex etwas beisteuern konnte.

„Gehen Sie auch zur Salsa-Stunde?“, fragte die Frau, als sie schließlich aufstand.

„Ja, wir beiden wollen endlich einen Tanz zusammen hinlegen können“, erklärte Alex und griff nach Randis Hand.

Sie drückte sie, erleichtert, von ihm eine klare Stellungnahme gehört zu haben.

In der folgenden Stunde musste sie viel Geduld haben. Alex war wirklich ein motorischer Analphabet.

„Tut mir leid, meine Schwester hat in der Tanzstunde voller Verzweiflung einen Klassenkameraden gefragt, ob er mit ihr tanzt, weil ich ihr ständig auf die Füße getreten bin“, gestand Alex.

Randi lachte. „Vielleicht hättest du lieber mit jemanden anderen üben sollen, als mit einer Schwester, die kein Blatt vor dem Mund nimmt.“

Er zuckte die Achseln. „Fußballspielen kann ich, aber Tanzen ...?“

Doch mit viel Geduld schafften sie wenigstens den Grundschritt und brachten eine Unterarmdrehung zustande.

„Vielleicht sollten wir daheim weiterüben?“, schlug Randi vor.

„Würdest du denn?“, fragte Alex und schaute ihr tief in die Augen.

Randi fühlte Schmetterlinge. Ja, Alex war ihr überhaupt nicht gleichgültig.

„Auf jeden Fall“, hauchte sie leise und war gar nicht überrascht, als Alex ihren Mund mit einem Kuss verschloss.

 

 

Das Eiscafé im Teutoburger Wald

Jenny lief langsam an der Saline entlang und versuchte tief einzuatmen. Interessiert betrachtete sie die Holzkonstruktion mit den dünnen Ästen. Ein feiner Sprühnebel benetzte ihr Gesicht und ihre Hände. Jetzt wurde ihr klar, warum der Fußweg so nass war.

Sie wich den alten Leuten aus, die ihr mühsam mit ihren Gehwagen und Stöcken entgegenkamen. Vielleicht war die Kur im Landesinneren doch keine so gute Idee gewesenen egal, so schlimm konnten die drei Wochen nicht werden. Auf dem Weg zur Klinik hatte sie schon einen großen Buchladen entdeckt, außerdem jede Menge Boutiquen und Geschenkeläden, dazu Eisdielen und Cafés, aber nur wenige Restaurants. Kein Wunder, die Kurgäste hatten Vollpension, aber anscheinend ruinierten sie die Diät am Nachmittag mit Sahnetorten.

Nachdem Jenny das Gradierwerk umrundet hatte, bezahlte sie Eintritt, zog einen Schutzmantel an und sah es sich von innen an. Interessant. So erfuhr sie, dass die Zweige vom Schwarzdorn stammten. Sie hatte von diesen Bäumen noch nie gehört, bis sie las, dass sie anderswo Schlehen genannt wurden. Aha. Sie merkte, wie die Luft ihren Bronchien guttat. Also tastete sie sich in den Vernebelungsraum. Die Senioren, die auf den Bänken saßen, erkannte sie erst, als sie sie fast berührte. Ebenso die Wand am Ende des Raums.

Wie anders waren ihre Urlaube in den letzten Jahren mit Jannis gewesen. Wegen ihrer chronischen Bronchitis waren sie immer an die See gefahren. Mal nach Sylt, mal nach Usedom oder Hiddensee. Sie hatten gebadet und Fahrradtouren unternommen. Aber vor einem halben Jahr hatte Jannis festgestellt, dass ihr Leben langweilig geworden war und er mehr erleben wollte. Er hatte gekündigt und war auf Weltreise gegangen. Allein und ohne sie vorher zu informieren. Und Jenny saß von einem Tag auf den anderen auf den Trümmern ihre Träume und einer viel zu großen Wohnung, die sie allein gar nicht bezahlen konnte. Vor lauter Kummer hatte ihre Bronchitis sich so verschlechtert, dass sie wochenlang krankgeschrieben wurde. Was natürlich noch schlimmer war, weil sie allein in der Wohnung hockte und vierundzwanzig Stunden am Tag an Jannis dachte. Schließlich hatte ihr Arzt sich erbarmt und für diese Kur gesorgt. Damit sie während des Aufenthalts nicht ständig an ihren Ex dachte, hatte sie eine Klinik im Teutoburger Wald ausgesucht. Und sie nahm sich fest vor, nicht nur im Zimmer Trübsal zu blasen, sondern jede Gelegenheit zu Ausflügen zu nutzen. Sie wollte unbedingt dieses hässliche Hermannsdenkmal sehen und die Externsteine und und und ...

Außerdem hatten ihre Freundinnen Charlotte und Greta versprochen, sie am Wochenende zu besuchen.

Die anderen Herrschaften hatten den Raum verlassen. Jenny beschloss, dass es für heute reichte und folgte ihnen hinaus. Sie konnte wirklich besser atmen. Sicher hatte die Kurklinik ähnliche Räume, ansonsten musste sie jeden Tag zur Saline gehen.

Zur Belohnung ging sie in die Eisdiele und bestellte sich einen großen Erdbeerbecher.

„Besuchen Sie hier jemanden?“, fragte der junge, schwarzhaarige Kellner, als er den Eisbecher auf den Tisch stellte.

„Nein, ich kure selbst.“

„Oh, die meisten sind schon etwas älter“, sagte er und grinste sie an.

Sie lächelte zurück. „Auch junge Menschen können krank sein.“

„Das sieht man ihnen nicht an. Eine Sportverletzung?“

„Nein, Bronchitis.“

„Ach so, ich glaube, die meisten Kurgäste haben Gelenkprobleme. Haut- und Atemwegsprobleme werden eher bei Einheimischen behandelt.“

„Fahren die meisten Patienten an die See?“

Er zuckte die Achseln. „Keine Ahnung. Wenn Sie mit jungen Menschen sprechen wollen, kommen Sie einfach hier vorbei. Wir sind fünf Geschwister und meine Eltern.“

Sie sah zur Eistheke, da stand wirklich eine junge dunkelhaarige Frau.

„Vier Schwestern. Können Sie sich vorstellen, wie schrecklich das ist?“ Er verzog sein Gesicht und sie lachte.

„Wahrscheinlich sind Sie entsetzlich verwöhnt worden.“

„Im Gegenteil, die haben ständig an mir herumerzogen.“

„Sie Armer!“, meinte sie spöttisch.

„Genau!“, erwiderte er mit einem Dackelblick.

Jenny lachte.

„Kommen Sie morgen wieder vorbei!“, schlug er vor.

Jenny zahlte und verabschiedete sich. Am nächsten Tag bekam sie ihr Programm: Sport, Inhalation, Gesprächstherapie. Ob sie bei diesen vielen Behandlungen dazu kommen würde, sich etwas anzusehen? Sie bereute schon, zur Kur gefahren zu sein. Dabei hatte sie sich so gefreut, als sie bewilligt worden war.

In den nächsten Tag lernte sie die Klinik und das Personal kennen. Außerdem schloss sie Freundschaft mit einer Frau in ihrem Alter und einer aufgeschlossenen herzlichen grauhaarigen Dame. Gemeinsam saßen sie im Speisesaal. Hilde, so hieß die alte Dame, erzählte von ihrem Leben, mehr noch von ihrer Malerei und ihrer Arbeit mit Flüchtlingen, denen sie Deutschunterricht gab und sie zu Ämtern begleitete.

Linda hatte eine Bäckerausbildung abgebrochen, weil sie Asthma bekommen hatte und schulte jetzt zur Erzieherin um.

Jede freie Minute saßen die drei zusammen, spielten Karten und Gesellschaftsspiele, lasen und unterhielten sich. Nachmittags gingen sie ins Eiscafé oder aßen Kuchen in einem Café. Jenny schaute immer nach Enrico, den jungen Italiener aus. Manchmal sah sie ihn und sie wechselten ein paar Worte. Doch er war meistens so beschäftigt, dass es bei ein paar Allgemeinplätzen blieb. Wenn sie genug Zeit hatten, fuhren sie in Jennys Auto durch die Gegend, besuchten die Externsteine, das Hermannsdenkmal und sogar die Porta Westfalica mit dem Kaiserdenkmal.

Jenny fühlte sich immer besser. Die Therapien zeigten Wirkung. Daheim würde sie weiter mit einem Inhalator dafür sorgen, dass ihre Bronchien sich nicht wieder entzündeten.

An einem Tag besichtigten sie am frühen Nachmittag in Bad Iburg das Schloss, anschließend fuhren sie zurück. Sie würden gerade rechtzeitig zu ihrer Gesprächstherapie ankommen.

Dachten sie, doch plötzlich stotterte der Motor und der Wagen blieb stehen.

„Mist, was ist denn jetzt los?“, jammerte Jenny. Da sie keine Ahnung von Autos hatten und der Motor trotz mehrerer Versuche nicht wieder ansprang, zog Hilde ihr Handy heraus. „Dann rufen wir den ADAC.“

Doch bevor sie wählen konnte, hielt ein kleiner Fiat neben ihnen und Enrico stieg aus.

„Habt ihr ein Problem?“, fragte er.

„Kannst du Autos reparieren?“

„Bedaure. Ich studiere Medizin und nicht Maschinenbau.“ Er schaute sich das Auto an, öffnete die Motorhaube, nur um sie wieder zu schließen. „Am besten nehme ich euch mit zur Klinik und ihr lasst das Auto von der Werkstatt abschleppen.“

Froh, die Therapie noch rechtzeitig zu erreichen, stimmten sie zu. Als sie ausstiegen, gab Enrico Jenny die Telefonnummer seiner Werkstatt. „Kommst du morgen mit in die Disco?“

„Hast du denn frei?“

„Wir schließen rechtzeitig, die Kurgäste essen abends kein Eis.“

„Ich muss aber früh zurück sein“, warnte Jenny.

„Dann musst du notfalls auf der Parkbank schlafen.“

„Das habe ich mir schon immer gewünscht“, antwortete sie grinsend.

Am nächsten Tag kümmerte sich die Werkstatt um das Auto. Der Tank war leer und die Tankanzeige kaputt. Jenny ärgerte sich, darauf hätte sie selbst kommen und sich die Werkstattrechnung sparen können.

Als Enrico sie abholte, erzählte sie ihm davon. Der wirkte überhaupt nicht überrascht.

„Hast du das gewusst?“, fragte sie misstrauisch.

Er grinste. „Nein, aber auch nicht ausgeschlossen.“

„Und warum hast du mich nicht zur Tankstelle gefahren?“

„Weil wir so eine halbe Stunde zusammen waren.“

Jenny verschlug es die Sprache. Als sie sich erholt hatte, boxte sie ihn auf den Oberarm.

„Komm, lass uns lieber tanzen gehen. Das kann ich besser als boxen.“ Er zog sie in seine Arme und küsste sie auf die Wange.

Ihr Ärger schmolz sofort und sie kuschelte sich an seine Brust. Die Kur im Teutoburger Wald war doch eine gute Idee gewesen.

 

 

Urlaub mit der Patchwork-Familie

„So gut gelaunt?“, fragte Frank, als Susi laut summend am Kopierer stand.

„Klar, morgen geht es in den Urlaub. Die Koffer sind schon gepackt.“

„Wohin geht es denn?“

„Nach Heringsdorf an die Ostsee, zwei Wochen in einem Appartement. Ich bin schon gespannt. Hoffentlich haben wir schönes Wetter“, erwiderte Susi fröhlich.

„Dann wünsche ich dir viel Spaß. Der Wetterbericht sagt uns eine Hitzeperiode voraus.“

Details

Seiten
111
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929669
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492582
Schlagworte
ferien zeit träumen

Autor

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Titel: Ferien – Zeit zum Träumen