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Die Raumflotte von Axarabor - Band 95 - Die große Phasenverschiebung

©2019 75 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 95

Zusammenfassung

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.
Ein Notruf kommt aus dem System VERENA, benannt nach ihrer Entdeckerin. Es gibt zwei besiedelte Planeten, von denen einer plötzlich eine unfassbare Katastrophe meldet. Sofort wird ein Hilfskonvoi entsandt...

Leseprobe

Table of Contents

Die große Phasenverschiebung

Copyright

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Die große Phasenverschiebung

Die Raumflotte von Axarabor - Band 95

von Wilfried A. Hary mit Marten Munsonius

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 76 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Ein Notruf kommt aus dem System VERENA, benannt nach ihrer Entdeckerin. Es gibt zwei besiedelte Planeten, von denen einer plötzlich eine unfassbare Katastrophe meldet. Sofort wird ein Hilfskonvoi entsandt...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /COVER 3000AD 123rf(dot)com Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Das Sonnensystem VERENA, benannt nach seiner Entdeckerin, hatte damals, vor der ersten Besiedlung, als ganz besonderer Glücksfall gegolten. Denn hier gab es nicht nur einen einzelnen bewohnbaren Planeten, sondern sogar zwei! Man nannte sie Verena-Hirschel und Verena-Eichhorn, benannt nach den anderen beiden Besatzungsmitgliedern des Scoutschiffes mit Kapitän Verena an Bord.

Das war jetzt ganze zweitausend Jahre her. Die beiden besiedelten Welten waren zwar als sogenannte Randwelten keine besonders wertvollen Mitglieder im riesigen Sternenbund von Axarabor, aber sie hatten ihre Schulden vorschriftsmäßig an Axarabor zurück bezahlt, die durch ihre Kolonialisierung entstanden waren, und trieben zumindest in der Folgezeit ein wenig Handel. Allerdings nur mit umliegenden Sonnensystemen, sofern diese ebenfalls Siedler beheimateten.

Um es schonungslos zu sagen: VERENA war ziemlich unwichtig, weshalb es keine echte Präsenz der Raumflotte von Axarabor gab. Eine solche hätten sich die Siedler von beiden Welten auch gar nicht leisten können. Nur von daher war es zu verstehen, dass die Raumflotte nicht sofort reagierte, als von Verena-Eichhorn ein Hilfeersuchen kam. Nicht für sich selber, sondern für die Zwillingswelt Verena-Hirschel: Dort sollte es zu einer besonders schlimmen Katastrophe gekommen sein. Es ging dabei nicht um militärische Hilfe, zunächst, sondern um humanitäre Unterstützung, weil es bedingt durch diese Katastrophe an allen Ecken und Enden am Nötigsten fehlte.

Leider waren die Angaben, diese Katastrophe betreffend, eher nebulös. Mit ein Grund, wieso die Raumflotte zunächst zögerte. Zumal sie ja anderweitig im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun hatte. Gemäß dem Sprichwort „es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“: Das Sternenreich von Axarabor hatte leider mehr als nur einen bösen Nachbarn bekanntermaßen. Und wenn es auf irgendeiner unbedeutenden Kolonialwelt irgendeine Katastrophe gab, die niemand näher bezeichnen konnte oder wollte, zögerte man zunächst, ehe man unnötig Kapazitäten von wirklich dringlicheren Angelegenheiten abzog.

Und dann wurde das Hilfeersuchen wiederholt und noch dringlicher gemacht.

Tenor: „Auf Verena-Hirschel hat sich eine schreckliche Katastrophe ereignet, die sich niemand erklären kann. Ein Fremdverschulden ist nicht auszuschließen. Bitte, es besteht eine Wahrscheinlichkeit von achtzig Prozent, dass es sich um den Angriff eines noch unbekannten Gegners handelt, dessen Motiv völlig unklar ist. Die Folge der Katastrophe ist der Zusammenbruch jeglicher Infrastruktur. Es droht allen Überlebenden der Hungertod.

Viele Kolonisten haben bereits versucht, von dort zu fliehen. Nur wenigen ist es gelungen, weil die entsprechenden Raumschiffskapazitäten fehlen. Die es trotzdem schafften, befinden sich nun auf Verena-Eichhorn. Das ganze Ausmaß der Ereignisse ist gar nicht absehbar, zumal die Verbindung abgerissen ist. Es wird dringend um Flottenhilfe gebeten! Nicht nur aus humanitären Gründen, sondern auch aus militärischen, ehe das Ganze noch auf Verena-Eichhorn überspringt und am Ende sogar das gesamte Imperium gefährdet.“

Das allerdings konnte jetzt nicht mehr länger ignoriert werden, und es ging hoch bis zum Gewählten Hochadmiral von Axarabor.

Letztlich kam es zur Blitzentscheidung im Parlament: Zehn Raumschiffe der Kreuzerklasse, militärisch in eindrucksvoller Weise präsent und zusätzlich voll beladen mit Hilfsgütern aller Art, wurden entsandt, unter dem Oberkommando von Kapitän Salpius Spyra und seinem Raumschiff GABIN. Es war sein erstes Kommando über einen kleinen Flottenverband, und er wusste diese Ehre sehr zu schätzen. Obwohl man ihm klar machte, dass man ihn nicht zufällig ausgewählt hatte: Mit an Bord der GABIN befand sich nämlich der Bionide TAC, der auf diese Weise sich im praktischen Einsatz bewähren sollte!

Dieser Bionide war kein gewöhnlicher Androide, zwar ebenfalls künstlich entstanden, aber erstens auf besondere Art und Weise Weise und zweitens war auf sein implantiertes Biogehirn der vollständige Bewusstseinsinhalt von Kapitän Salpius Spyra übertragen worden.

Das war neu in diesem Quadranten des Imperium von Axarabor, so neu, dass es lediglich Einzelfälle dieser Art bislang gab, und außer den Betroffenen war das kaum jemandem bekannt.

Man konnte auch sagen: TAC war sein Klon! Denn er sah genauso aus wie er, handelte so, wie man es von ihm kannte, und war dennoch ein selbstständiges Wesen. Das uralte Vorurteil, dass die Übertragung eines Bewusstseins Unsterblichkeit garantierte, war als überaus naiv entlarvt worden: Eine solche Übertragung schuf nur ein Bewusstsein der gleichen Art, wurde jedoch zu einem selbstständigen Wesen. Im Laufe der Zeit würden Original und Klon sich auseinander entwickeln, weil jeder natürlich seine eigenen persönlichen Erfahrungen machen musste, was ihn entsprechend prägte.

Der Pulk, bestehend aus zehn Raumkreuzern der Raumflotte von Axarabor, erreichte das System VERENA und steuerte auf Verena-Hirschel zu, während es die erste Verbindung gab mit Verena-Eichhorn.

„Die Funkverbindung mit Verena-Hirschel konnte wieder hergestellt werden!“, wurde ihnen berichtet.

Also funkte der Kapitän jetzt Verena-Hirschel direkt an.

Die Verbindung war ziemlich schwach. Sie reichte gerade so weit, dass es eine Kommunikation zwischen Verena-Hirschel und Verena-Eichhorn gab, und jetzt auch noch mit der GABIN, sobald sie nah genug heran war.

Der Kontakt war auf ein einziges Gerät begrenzt – und das wiederum funktionierte auch nur eingeschränkt:

„Hier spricht der Tower des Raumhafens von Verena-Hirschel!“

„Der Tower?“, echote Kapitän Salpius Spyra. „Was ist los bei Ihnen?“

„Leider weiß das niemand.“

„Es ist die Rede von einer schlimmen Katastrophe, die offenbar Ihre ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen hat und eine große Not leidende Bevölkerung hinterließ!“

„Ja, in der Tat: Ganze Landstriche verschwanden spurlos! Es gibt keine erkennbaren Ursachen. Es ist wie ein unsichtbarer Moloch, der…“

Die Verbindung riss ab. Ausgerechnet an diesem Punkt.

Kapitän Salpius Spyra wies seine zehn Kreuzer an, in einen Orbit um den Planeten herum einzuschwenken. Sein Funkoffizier versuchte derweil, die Funkverbindung erneut herzustellen.

„…ungeahnten Ausmaßes!“, drang es blechern und von Störungen überlagert aus dem Lautsprecher. Der verzweifelte Unterton war dennoch unüberhörbar.

„Was ist mit Ihrem Funk? Wir haben einiges nicht mitbekommen hier oben!“, rief der Kapitän.

„Tut mir leid, aber die Energieversorgung ist zusammengebrochen. Also die Energieversorgung allgemeiner Art. Und die Eigenversorgung des Raumhafens funktioniert nur eingeschränkt. Und irgendwie scheint da etwas zu sein, was den Funk behindert.“

„Was ist mit anderen Funkstationen? Sind die denn ausgefallen?“

„Diese Funkstation, hier im Towergebäude, ist die weitaus stärkste. Logisch, weil sie ja zum Raumhafen gehört. Falls es irgendwo noch andere geben sollte, sind sie einfach zu schwach. Wenn sogar unsere Funkstation hier nur eingeschränkt funktionieren kann und die gleichzeitige Übertragung von Bild und Ton völlig unmöglich geworden ist…“

Der Kapitän sah sich in der Zentrale um.

Keiner erwiderte den Blick, obwohl jeder mitbekommen hatte, was der Mann am Funk im Raumhafentower von Verena-Hirschel behauptet hatte.

Sie mieden seinen Blick, damit es ihm allein überlassen blieb, wie er sich zu entscheiden hatte: Was sollte er in dieser Situation tun?

Es gab einfach zu wenige Informationen, um sicher zu sein, die richtige Entscheidung treffen zu können. Von einer Katastrophe der beschriebenen Art jedenfalls hatte der Kapitän noch nie etwas gehört.

Der einzige, der schließlich seinen Blick erwiderte, war sein Klon TAC. Der Bionide lächelte allerdings nur. Er war offensichtlich froh darum, dass die Entscheidung einzig und allein seinem Original gebührte.

 

 

2

Der Kapitän wollte trotzdem seine Meinung hören.

TAC zuckte die Achseln.

„Glaubst du denn, meine Antwort würde anders lauten können als das, was dir vorschwebt?“

Der Kapitän lachte humorlos. Dann hob er seine Stimme:

„Alle herhören: Wir sind nicht nur aus militärischen Gründen hier, sondern auch zur humanitären Hilfe verpflichtet.

Was unseren militärischen Auftrag betrifft, unter Berücksichtigung eines möglichen Angreifers auf diese Welt, was natürlich nicht hundertprozentig sicher zu sein scheint: Erst einmal ist es wichtig, dass wir mehr Informationen erhalten. Also bleibt die GABIN im Orbit, um die Verbindung zu halten. Für alle Fälle. Sie dient als unsere Rückendeckung.

Und dann kommen wir zu der dringend nötig erscheinenden humanitären Hilfe: Wir können nicht von hier oben helfen. Ich werde das Kommando übergeben und mit einem Beiboot die Aktion leiten. Alle restlichen neun Kreuzer werden vorerst auf dem Raumhafen von Verena-Hirschel landen. Dort werde ich persönlich mich in den Tower begeben, um mehr zu erfahren. Vor allem, wo genau unsere Hilfe ansetzen muss. Von dort aus müssen möglicherweise alle neun gelandeten Schiffe ausschwärmen, um die bis dahin zu ermittelnden Brennpunkte anzusteuern.

An alle Besatzungsmitglieder aller Schiffe: Bleibt auf jeden Fall stets wachsam. Erhöhte Alarmbereitschaft. Alle neun Schiffe, die dort unten landen, müssen jederzeit startbereit bleiben. Gemäß den entsprechenden Richtlinien müssen alle Bordwaffen, sofern sie auf einer Planetenoberfläche benutzt werden dürfen, gefechtsbereit gehalten werden.

Das Gleiche gilt für die GABIN, die hier oben im Orbit verbleibt: Sie ist erhöht gefechtsbereit zu halten, um eventuelle Gegner sofort und ohne Nachsicht auslöschen zu können.

Wir sehen uns dann im Raumhafen von Verena-Hirschel!“

Kurz wandte er sich an seinen Klon.

„Du hast es gehört: Das Kommando gehört jetzt dir!“

TAC nickte nur und wartete, bis der Kapitän seinen Platz räumte, um an seine Stelle zu treten. Seine Befehle bellten knapp und präzise durch die Zentrale.

Die Gefechtsbereitschaft der GABIN war jedenfalls gewährleistet. Sie konnte jederzeit auch die Flucht antreten, falls es erforderlich werden würde.

Noch wies allerdings nichts auf eine wirkliche Gefahr hin. Die Planetenoberfläche wurde längst gescannt. Es gab nicht die geringsten Hinweise auf irgendeine Katastrophe, geschweige denn auf einen Gegner, der diese hätte verursachen können.

Aber war nicht behauptet worden, ganze Landstriche wären verschwunden, ohne jegliche Spuren zu hinterlassen? Also wäre es ja eher ungewöhnlich gewesen, wenn sie jetzt noch etwas hätten feststellen können.

Allerdings verrieten die Scans, dass die planetenweite Energieversorgung tatsächlich zusammengebrochen war und damit natürlich die gesamte Infrastruktur, die ja ohne Energie überhaupt nicht funktionieren konnte. Und etwas störte zusätzlich den Funk. Das konnte man zweifelsfrei an diffusen Spannungsfeldern erkennen, die zwar nicht sehr stark erschienen, aber doch um den ganzen Planeten herum geisterten. Wie Irrlichter, halt nur in unsichtbaren Frequenzbereichen.

Sie schienen jedenfalls allein schuld zu sein an den Funkstörungen.

Kapitän Salpius Spyra stieg mit äußerst gemischten Gefühlen in das Beiboot, wie angekündigt. Zwei Soldaten begleiteten ihn als eine Art persönliche Leibgarde.

Einerseits schienen sie sich dabei nicht sehr wohl in ihrer Haut zu fühlen, andererseits sah man ihnen an, dass sie es sich als hohe Ehre anrechneten, dass ausgerechnet sie ihren Kapitän zum Schutz begleiten durften.

Kapitän Salpius Spyra überdachte noch einmal seine Entscheidung, und irgendwie erschien sie ihm jetzt, im Nachhinein, fragwürdig. Irgendwie. War das wirklich richtig, dass neun Kreuzer im Raumhafen landeten, auf einer Welt mit dermaßen unerklärlichen Vorkommnissen? Obwohl sie ja auch aus humanitären Gründen hier waren und deshalb zwangsläufig auf dieser Welt landen mussten?

Doch dann beruhigte er sich, indem er dachte:

Noch ist ja nicht wirklich etwas bewiesen. Das Ganze ist irgendwie ziemlich eigenartig und ergibt nicht wirklich einen Sinn. Wieso sollten plötzlich ganze Landstriche im Nichts verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen? Und dann diese elektromagnetischen oder wie auch sonst gearteten Energiefelder, die durch die Atmosphäre dieser Welt geistern. Das ist etwas, wofür es eigentlich keine richtige Erklärung gibt. Die Felder sind zwar nicht sehr stark ausgeprägt, aber wie haben sie überhaupt entstehen können? Ganz von allein? Also nur ein noch unerklärliches Naturphänomen oder was?

Mithin war seine Entscheidung doch richtig gewesen, sich persönlich darum zu kümmern?

Was denn sonst?

 

 

3

Es war natürlich wesentlich einfacher, mit einem Beiboot zu landen als mit einem kompletten Raumschiff der Kreuzerklasse. Und dann auch noch ganze neun Kreuzer auf einmal. Außerdem gab es keinerlei Lotsenunterstützung von einem Tower, in dem anscheinend außer einer stark beeinträchtigten Funkanlage überhaupt nichts mehr funktionierte.

Kapitän Salpius Spyra parkte das Beiboot unweit des hinteren Haupteinganges. Es gab davon zwei: Einen auf der Vorderseite, den anderen eben hier auf der Hinterseite des Raumhafengebäudes, der aus dem Inneren der abgesperrten Zone hinaus führte, die für den Start und die Landung und natürlich für das Abstellen von Raumfahrzeugen aller Art vorgesehen war. Für Raumfahrzeuge, die überhaupt auf Planeten landen konnten. Es gab ja auch welche, die das nicht vermochten und im Orbit bleiben mussten.

Die neun Kreuzer gehörten nicht dazu. Sie konnten überall landen, wo sie wollten. In diesem speziellen Fall hieß das: Sie konnten überall dort landen, wo ihre Hilfsgüter am dringendsten benötigt wurden. Mitunter konnten sie diese auch an verschiedenen Stellen verteilen. So war das zumindest geplant. Sonst hätten sie sich ja nicht mit insgesamt zehn Kreuzern auf den Weg in das System VERENA machen müssen. Da hätte schon einer genügt, nämlich die GABIN.

Doch nun galt es zunächst herauszufinden, wo denn die Hilfsgüter überhaupt benötigt wurden. Bis jetzt war das noch nicht erkennbar.

Dinge, die dem Kapitän blitzschnell durch den Kopf gingen, nachdem ihm die Bord-KI des Beibootes gemeldet hatte, dass es keine erkennbare Gefahr gab. Dann stieg er aus, begleitet von den beiden Soldaten.

Er grübelte darüber nach, wie die beiden hießen. Er konnte sich nicht erinnern. Wie denn auch? Wenn man alle Besatzungsmitglieder zusammenzählte, die dann auch noch je nach Auftrag durch gewechselt wurden…

Er sah zum Gebäude empor. Es machte einen total verwaisten Eindruck.

Da öffnete sich das Portal und eine Art Delegation erschien: Zwei Männer und zwei Frauen in seltsam anmutenden bodenlangen Roben, die mit irgendwelchen Symbolen reich verziert waren, wie sie für den Kapitän überhaupt keinen Sinn ergaben.

Leider hatte der Kapitän nicht die Zeit gefunden, sich näher mit den Gepflogenheiten und Eigenheiten von Verena-Hirschel zu beschäftigen. Er hatte auch nicht die geringste Ahnung von der politischen Situation hier. Also wunderte er sich jetzt über die Aufmachung. War das denn hier, auf dieser Welt, normal, dass man so herumlief?

Er schritt ihnen energisch entgegen.

Sie blieben stehen und warteten auf ihn. Zwei Schritte vor ihnen blieb auch er stehen.

Ihre Gesichter waren sehr ernst, um anscheinend so etwas wie Würde auszudrücken, aber sie wichen seinen forschen Blicken nicht aus.

„Wir begrüßen Sie auf Verena-Hirschel!“, flötete die eine Frau, die sich damit zur Sprecherin der Delegation machte. Ja, sie flötete regelrecht.

„Kapitän Salpius Spyra!“, stellte er sich vor und erwartete natürlich, dass auch die vier Delegierten sich ihm vorstellen würden.

Weit gefehlt: Sie schienen gar nicht daran zu denken.

„Ja“, behauptete die Frau. „Wir haben Sie bereits erwartet, um Ihnen unser Anliegen zu erörtern.“

„Anliegen?“, wunderte er sich.

„Gehen wir recht in der Annahme, dass Sie Hilfsgüter für unser leidtragendes Volk mit sich führen?“

„Klar, tun wir!“, antwortete der Kapitän kurz angebunden. Er spürte den aufkeimenden Ärger ob des seltsamen Verhaltens der Delegierten und unterdrückte ihn erfolgreich. Noch gelang ihm das.

„Unser Anliegen ist die gerechte Verteilung. Wir sind hier, um das zu gewährleisten.“

„Aha? Und wer sind Sie?“

Verwundert tauschten die vier Blicke untereinander.

„Wir sind die vier Weisen von Verena-Hirschel!“, flötete die Frau in einer Art und Weise, als sei das ja wohl selbstverständlich und als müsste sie entrüstet darüber sein, wie wenig der Kapitän wusste.

„Gut, zur Kenntnis genommen, obwohl ich leider nicht weiß, was damit gemeint ist.“

„Wir sind die vier Weisen von Verena-Hirschel!“, betonte die Frau, anscheinend um dem Kapitän auf die Sprünge zu helfen.

Dieser kapitulierte und konnte jetzt seinen Ärger nicht mehr länger unterdrücken, als er entgegnete:

„Und das bedeutet nun was?“

„Wir sind die obersten Führer des Volkes von Verena-Hirschel!“

„Dann wissen Sie als einzige, was gut ist für Ihr Volk? Und deshalb wollen Sie die Verteilung der Hilfsgüter übernehmen? Und wie soll das aussehen?“

„Wir koordinieren die Aktion und delegieren die Schiffe mit den Hilfsgütern an die Stellen, wo man Hilfe am dringendsten benötigt!“, trumpfte die Frau auf.

„Das wissen Sie deshalb so genau, weil sie genau wissen, was passiert ist, wie die Katastrophe im Einzelnen aussieht, wer davon am meisten betroffen wurde und was genau dahinter steht?“

Abermals tauschten sie Blicke untereinander aus.

„Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“

Irrte er sich, oder klang das jetzt schnippisch?

Dem Kapitän platzte im wahrsten Sinne des Wortes der Kragen. Er dachte an die mögliche Bedrohung durch einen bislang unsichtbaren und auch völlig unbekannten Gegner. Er dachte daran, dass sie den weiten Weg hierhergekommen waren, um einer notleidenden Bevölkerung zu helfen. Und jetzt waren sie von einer Vierer-Delegation abgefangen worden, die alles an sich reißen wollte, einschließlich des alleinigen Befehls über die kleine Flotte, deren Kommandeur er war? Ohne selber überhaupt auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was genau auf ihrer eigenen Welt passiert war?

„Hören Sie mir gut zu, wer auch immer Sie sind, weil ich keine Lust dazu habe, mich unnötig zu wiederholen“, sagte er gefährlich leise: „Ich bin Kapitän Salpius Spyra, Oberkommandeur der Hilfsflotte, mit eventuellem Kampfauftrag gegen einen noch zu ermittelnden Gegner. Woher haben Sie diese Unverfrorenheit, mir das Kommando entziehen zu wollen?“

„Wir sind die Weisen von…“, wollte die Frau stereotyp entgegnen.

Details

Seiten
75
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929591
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juni)
Schlagworte
raumflotte axarabor band phasenverschiebung
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Titel: Die Raumflotte von Axarabor -  Band 95 - Die große Phasenverschiebung