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Nevada-Song

2019 211 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Nevada-Song

Copyright

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

Nevada-Song

Western von Larry Lash

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 211 Taschenbuchseiten.

 

Aus einer langen Kette vergangener Geschlechter blieb die seltsame Geschichte von Tex Crana erhalten. Er kam aus der großen Einsamkeit der schweigenden Wälder und in wild dramatischen Zügen war sein Leben eine Kette faszinierender Ereignisse, ein Strudel aufregender Geschehnisse, bis sich seine Spur verlor, dorthin, wo er einst herkam.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Edward Martin

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1.

Schwarze Wolkenberge türmten sich am Horizont, waren wie geschwinde Rosse, die sich sammelten, umeinander kreisten, auseinanderschossen, um dann wie riesige Segler die Weite zu suchen. Grelle Blitze zuckten durch die gespenstische Dunkelheit, und im dumpfen Krachen des Donners barst und splitterte es, rauschten die gewaltigen Böen der Regenmassen.

Fürwahr, die Hölle selbst war entfesselt, tobte sich in schrecklicher Art und Weise aus, mischte sich zum satanischen Inferno der Urkräfte, zum gigantischen Spiel unsichtbarer Titanen.

Yeah, der Höllenlärm riss einem das Wort von den Lippen - Jess Crana musste es erfahren. Er hatte weder die Zeit, noch war die Situation danach, um die grausige Schönheit des unheimlichen Schauspiels in seiner ganzen Größe zu ermessen. Nein, Jess konnte es nicht. Sein Herzschlag setzte aus, als der Blitzstrahl wie eine feurige, gleißende Lohe in den Stamm einer knorrigen Weißeiche hineinfuhr. Einem glühenden Schwert gleich teilte er den Stamm und ließ ihn gegen die nebenstehenden Stämme krachen.

Jess stemmte sich in die Zügel, setzte alle Kraft ein. Er tat es aus reinem Selbsterhaltungstrieb, aus einem nie begriffenen Instinkt heraus, der vor dem Denken kam, und einen Mann in höchster Gefahr handeln ließ.

By Jove, das schrille Wiehern der steigenden Pferde schluckte der Donner. Für Sekunden hoben sich die schweren Leiber der vorderen Gespanntiere, ihre Hufe sausten durch die Luft, krachten auf die Deichsel. Die rollenden Augen verkündeten das Entsetzen, und die flatternden Mähnen und Schweifhaare erfüllten Jess mit einer erstickenden Angst.

Ein Schrei brach von seinen Lippen - ein Schrei, so wild und qualvoll, dass er den Sturm und das Wiehern übertönte, und dann schlug er mit der Peitsche zu, hieb wie toll auf die Pferde ein, holte das Letzte aus ihnen heraus und brachte sie vor der dunklen Mauer des Waldes mit bebenden Flanken zum Halten. Für Sekunden blieb er wie betäubt auf dem Fahrersitz hocken. Er spürte nicht einmal, dass seine Hände zitterten, dass sie kaum noch fähig waren, die Zügel zu halten.

Mit einem Ruck wandte er sich um und spähte zum alten Büffelweg zurück, murmelte unverständliche Worte und sprang vom Bock. Der Regen peitschte auf ihn ein. Windböen schüttelten ihn, trotzdem gelang es ihm, die Pferde zu den tief hängenden Zweigen zu führen.

„Niemand gibt mir Ruhe“, presste es sich von seinen Lippen. „Niemand.“

Er hatte recht. Schon seine Flucht stand unter einem unglücklichen Stern. Bei Nacht und Nebel hatte er Nevada verlassen, hatte alles zurückgelassen, was ihm lieb war. Die Ranch, Rinder, die Weide. Er hatte sein Herz an all diese Dinge gehängt, weil sie das Leben eines Mannes ausmachen. Und nun?

Vielleicht löschte der Sturm die deutlich sichtbare Fährte des Prärieschoners aus, und seine Verfolger würden in die Irre reiten. Vielleicht?!

Ein bitteres Lächeln setzte sich in seinen Mundwinkeln fest.

Ha, um sein Leben gab er nichts, denn er hatte alle Höllen hinter sich. Der Gluthauch der Wüste hatte ihn ausgelaugt, ausgetrocknet, hatte seinem hohlwangigen Gesicht die Farbe dunklen Bienenhonigs gegeben. Seine Haut erinnerte an zerknittertes Pergamentpapier. Schmale Lippen und die in verzehrendem Feuer glühenden Augen gaben seinem Gesicht die Prägung. Yeah, seine Augen erinnerten an tanzende Irrlichter.

Er kannte den Norden und den Süden. Überall brannten seine Campfeuer. In der weißen Einsamkeit erstarrter Wälder des Nordens und in den hitzedurchglühten Lavabergen der Wüste, überall hatte er nach Gold gesucht. Jahre war er auf dem Trail. Immer auf der Jagd nach dem großen Glück. Ein hartes Leben diktierte er sich auf, denn, by Jove, seine Frau und seine beiden Jungen warteten auf die kärgliche Ausbeute - und was er fand, reichte kaum zum Leben. Aber er war jung und zäh, und eines Tages fand er genug, um die gaukelnden Traumbilder ungezählter Nächte in die Tat umzusetzen. Er wurde Rancher, trieb Viehzucht und besaß die fetteste Weide im Sud-Raelley-Valley. Gamma- und Blaugras gab es in Hülle und Fülle, und alles hätte gut sein können, wenn ...

Jess ballte in ohnmächtigem Zorn die Rechte zur Faust, hieb sie mit einem grimmigen Lachen durch die Luft, ganz so, als ob er einen unsichtbaren Gegner mit einem Schlag zerschmettern wollte. Dann stand er wie ein Schemen im prasselnden Regen, in der zwielichtigen Dunkelheit des Sturms, und seine geweiteten Augen schluckten die grellen Lichtexplosionen, die zwischen den hin und her gepeitschten Ästen der Bäume aufgrellten.

„Aus ... vorbei“, bebte es von seinen Lippen, und er schritt mit hängenden Armen um die Zugtiere herum. Sie standen mit tief gesenkten Köpfen eng beieinander im Geschirr. So würden sie stehenbleiben, bis der Sturm nachgelassen und der Regen aufgehört hatte. Es waren geduldige Pferde, Cimarrones von brauner Färbung, mit dicken Hälsen und langen Ohren. Er hatte sie selbst eingefangen und abgerichtet.

„Heh, Boss!“, fauchte eine Stimme aus der Tiefe des Planwagens, und die dunkle Silhouette eines bärtigen, vierschrötigen Mannes zeigte sich vor der grauen Plane, stockte mitten in der Bewegung.

„Boss!“, gellte es abermals, und nun erst gab Jess Crana Antwort. Heiser, abgehackt klang seine Stimme: „Hai, es ist kein Grund zur Aufregung. Die Pferde wurden scheu.“

„Ah, ich dachte schon ...“

„Ich sagte doch, kein Grund zur Aufregung“, unterbrach Jess, kletterte gewandt auf den Bock, und schlüpfte durch die ein wenig angelüftete Planendecke. Sofort ließ der Bärtige die Plane hinter ihm fallen. Seine keuchenden Atemzüge wehten Jess ins Gesicht. Es klickte metallisch.

„Dachte es mir gleich, dass etwas nicht in Ordnung ist, Boss.“

„Sicher ... und du hast sofort zur Rifle gegriffen ...“

„Du weißt, Boss, dass ich mit dem Eisen schlafe“, klang es ruhig zurück. „Sie werden uns keine Ruhe geben, bis ... nun, bis sie uns zur Hölle geschickt haben oder selbst beim Teufel landen.“

„Du konntest aussteigen, wie die anderen, Hai. Es war dein freier Wille, bei mir zu bleiben. Aber wenn du willst, kannst du deinen Weg alleine fortsetzen. Ich halte dich nicht.“

„No, zum Teufel, niemand drängt sich dir auf, Boss. Ich wäre ein Schuft, wenn ich vergessen würde, was sie der Crew angetan haben. By gosh, das ist genau so meine Sache, wie die deine. Wenn es zum Endkampf kommt, dann weiß ich wenigstens, warum mich der Teufel holt. Yeah, noch ist es nicht so weit. Höre, Rancher, du hast zwei Söhne ...“

„Yeah, und weil ich sie habe, bin ich auf den Trail gegangen und habe vor dem Endkampf gekniffen. Ich will nicht, dass sie sterben ... ich will nicht!“ Dumpf murmelte Jess die Worte vor sich hin und stierte in die Dunkelheit des Wagens hinein. Dort hinten, das wusste er, lagen Tex und Eric auf den Heuvorräten der Pferde in Decken gehüllt. Eric war 16 und Tex 14 Jahre alt. Beide stämmige, über ihr Alter hinaus entwickelte Burschen und in der Lage, mit einer Rifle und den Trommelrevolvern umzugehen. Doch die Strapazen der letzten Tage steckten nicht nur in den Kleidern. Jetzt schliefen sie. Ihre leisen Atemzüge zeigten ihre Erschöpfung an. Gewitter, Donner und Blitz, konnten sie nicht wecken.

„Boss, du hast getan, was du konntest. Du hast ehrlich gekämpft. Deine Gegner aber schlugen dich mit List und Tücke ...“, raunte Hai Newcon. Sein rasselndes Lachen tönte hinterher, durchdrang das trommelnde Getöse des Regens, geisterte durch die Dunkelheit.

„An der menschlichen Unzulänglichkeit bin ich gescheitert“, flüsterte Jess Crana zurück.

Seltsam, beide Männer schwiegen, hingen ihren Gedanken nach. Es mussten bittere Gedanken sein, die aus der Vergangenheit in die ungewisse Zukunft tasteten, hin und her glitten.

„Boss ... verdammt sei dieses Nevada“, stöhnte Hai Newcon. „Du hast in dieses frauenarme Land eine junge Frau gebracht ... und hast sie verloren ...“

„Alles habe ich verloren. Ethel war entschlossener als ich. Sie schoss auf Big Crowe, als er sie allein auf der Ranch fand. Sie tötete ihn, bevor Stuart Crowe, Bigs Bruder, die Waffe gegen sie hob. Und nun liegen acht Hügel im verlassenen Land. Acht Hügel, fellow!“ Jess Cranas Stimme erlosch. Man hörte es aus seinen Worten, dass er eine furchtbare Last mit sich herumschleppte. Eine Last, die selbst einen starken Mann zum Schluchzen brachte, ihn durchschüttelte. „Fellow, ich bin meiner Söhne wegen auf den langen Trail gegangen. Doch ich spüre es, sie werden uns stellen ... und dann ...“ Er brach ab. Eine Hölle stand hinter diesen Worten, die Verzagtheit eines Mannes, der einen tiefen Abgrund vor sich sah und keinen Ausweg mehr wusste. „Ich habe gehofft, Eric und Tex durchzubringen, habe gehofft, dass sie einmal Männer würden, die mit den Waffen umzugehen verstehen und die sich ihr Recht im Sud-Raelley-Valley zurückholen würden ...“

„Sie werden es, Boss“, unterbrach Hai. „Wenn es zum Endkampf kommt, dürfen sie sich nicht einmischen.“

„Ah, sie werden sich nicht abhalten lassen. Du wirst ihnen nicht verbieten können, ihre Eisen zu gebrauchen. Und ich weiß, dass die Crowe-Brüder wenig Rücksicht auf ihr Alter nehmen werden. Sie hassen alles, was meinen Namen trägt. Es sind kaltblütige Killer. Vergiss das nicht, fellow!“

Hai Newcon schlug die Plane zurück, schaute nach draußen. Bleich stand der Mond hinter ziehenden Wolken, kam ab und zu zum Vorschein. In der Ferne grollte es, flammte es über dem Wald. Der Regen ließ langsam nach.

„Boss, wir werden kaum mit dem Wagen über den aufgeweichten Büffelpfad kommen. Wir müssen ausspannen, den Präriewagen zurücklassen. Vielleicht können wir uns durch die Wälder schlagen.“

Mitten im Satz brach er ab, ruckte mit dem Oberkörper nach vorn.

„Was ist?“, forschte Jess Crana und sah fragend seinen Bestman an.

„Nun, wir brauchen nicht mehr auszuspannen, Boss“, klang es wie ein Hauch von dessen Lippen. „Es ist soweit ... es ist Holliday. Die Crowe-Brüder sind mit ihrer Mannschaft da.“

Schon bei den ersten Worten sprang Jess Crana mit einem irren Röcheln in die Höhe, taumelte nach hinten und riss seine langläufige Rifle an sich. Im gleichen Augenblick klatschte es auch schon neben ihm in der Planenwand, rollte es gegen eine Spante und einen Herzschlag später ertönte die Detonation des Schusses. Zwei Löcher klafften in der Zeltplane. Zwei Löcher nur - aber sie verkündeten den Tod. Yeah, draußen kam er heran.

Jess Crana umklammerte die Rifle, steilte hoch auf und fühlte im gleichen Moment, wie seine Knie weich wurden, wie kalter Schweiß seine Stirn bedeckte, hörte den Hinterlader Hai Newcons dumpf aufbrüllen, und im Krachen der Detonation trommelten Hufe, klang schmetterndes Pferdewiehern, und plötzlich wurde es still.

„Eric ... Tex!“

Hatte er die Worte in seiner Verzweiflung herausgeschrien? Ein Stöhnen antwortete. Hals Stimme knarrte.

„Sie sind abgesessen, Boss. Ha, sie wollen zu Fuß ran!“

„Dad ... Dad ...!“

Das war Eric. Schlaftrunken, leise kam sein Ruf. Jess brauchte keine Erklärung zu geben, denn die peitschenden Detonationen großkalibriger Trommelrevolver und das Bersten der Wagenplane war aufschlussreich genug.

Jess hatte sich fallen lassen, hörte das böse Zirpen der Geschosse über sich, hörte Kugeln in die zölligen Eichenbretter der Wagenplane schlagen. Aber er hörte auch das verstörte Keuchen seines Ältesten. Der heiße Atem des Jungen streifte sein Gesicht.

„Wir werden kämpfen, Dad!“, raunte es ihm zu.

Kämpfen? Yeah, jetzt wusste er, was er zu tun hatte. Jetzt erst wurde es ihm vollkommen klar. Die Angst um seine Jungen hatte ihn für Sekunden des Atems beraubt, hatte ihn in einen wilden Abgrund grausiger Gefühle gezogen und seinen Herzschlag aussetzen lassen. Er war nicht fähig gewesen, von sich aus einen Entschluss zu fassen.

Himmel und Hölle! Er liebte seine beiden ... liebte sie über alles.

„Herunter mit dir!“, flatterte es von seinen Lippen. Gleichzeitig streckte er die Hand aus, um seinen Ältesten hinter die schützenden Bretter zu zerren. „Du hältst dich raus. Vielleicht kommt ihr beide durch. Er wird euch nichts antun können. Ihr seid ja noch Kinder.“

„Du irrst, Dad, er wird uns wie Männer behandeln. Lass mich! Denke an das verlorene Land, an die Grabhügel unserer Crew ... und denke an unsere Mutter. Dieser Schurke hat sie ermordet. Er war gewissenlos genug, gegen eine Frau die Waffe zu erheben. Er wird auch uns nicht schonen.“

In der Tat, das waren reife Worte, und kein Mann hätte eine bessere Antwort geben können. Eric war tatsächlich über sein Alter hinaus gereift, und er wusste genau, was dieser Kampf zu bedeuten hatte, wusste, dass es hier um das nackte Leben ging.

„Stuart Crowe hat viel Dreck am Stecken. Er ist noch gemeiner als sein Bruder Big - und beide ...“ Jess verstummte und schob mit kalter Gelassenheit seine Rifle durch die klaffende Bretterlücke, hörte, wie sein Sohn das Gleiche tat und sofort schoss.

Hei hoh, jetzt war wirklich nicht die Gelegenheit, lange und schöne Reden zu führen. Jetzt hieß es, sein Herz in beide Hände zu nehmen, die Zähne zusammenzubeißen und kalt - eiskalt - zu sein. Jede Kugel musste ihr Ziel finden. Jedes Geschoss musste einen Gegner treffen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. So hieß das ungeschriebene Präriegesetz, und hier würde es sich in erschreckender Weise erfüllen.

Jess hatte mehr als einen Kampf bestanden. Sein Körper trug Narben jeder Art, und manche Kugel hatte ihre Spuren hinterlassen. Aber nie - nie war ihm ein Kampf derart an die Nieren gegangen. Hier stand er nicht nur für sich ein, nein - hier ging es um das Leben seiner Söhne. Und das war es, was in ihm die Hölle schuf, was ihn durch die Hölle gehen ließ.

Hai Newcons Hinterlader spuckte heißes Blei, dann wummerten Erics Geschosse und - Himmel und Hölle - deutlich hörte er in dem berstenden Feuerzauber den Klang einer kurzläufigen Schrotbüchse.

„Tex“, murmelte Jess mit bebenden Lippen.

Yeah, das war der Jüngste, und seltsam, nach der Schrotladung gellte sein jungenhaftes, helles Lachen durch die Nacht. Das war eigenartig und verwirrend.

„Sie kämpfen, meine Söhne kämpfen“, schluckte Jess. „Ich wusste nicht, dass sie schon zu Männern geworden waren. Ich wusste es wirklich nicht!“ Seine Augen brannten in verzehrendem Feuer. Sie erinnerten an tanzende, irrlichternde Nordlichter, an ewige Kälte, Eis und Schnee. Um sein Leben hatte er wahrhaftig keine Angst. Er war es gewöhnt, ständig von Gefahr umgeben zu sein. Yeah, jeder echte Cowboy und Weidereiter war so, konnte nicht anders sein. Jeder richtige Mann ging durch alle Höllen, setzte sich unbedenklich ein, wenn es darum ging, das Höchste zu gewinnen und zu erhalten: das Leben!

Das Land war rau und hart, unerschlossen, fast unberührt. Und die Männer darin mussten so sein, wie es ihnen die Natur aufzwang. Nur der Starke konnte sich durchsetzen, konnte sein Leben erhalten.

Jess war schwach gewesen . seiner Familie wegen. Und jetzt wollte er so sein, wie es sein Herz verlangte. Er würde bis zur letzten Patrone, bis zum letzten Schuss kämpfen, und er würde selbst dann noch schießen, wenn das Leben bereits im Verlöschen war.

Draußen stand die Nacht drohend, feindlich. Die abgesessenen Reiter hatten sich in Deckung gebracht. Hinter dem Wegknick standen ihre Pferde, man hörte das Schnauben und Stampfen der Tiere, aber man hörte auch das Rascheln im Gehölz. Die Feinde näherten sich, verdeckt, wie eine Meute wilder Bestien, bereit, Mord und Tod heranzubringen, bereit, den Trail eines echten Mannes zu beenden, der nur seiner Söhne wegen den Endkampf vermieden hatte. Der nun aber - gestellt - kämpfen musste, kämpfen und sterben, denn das war gewiss. In diesem Kampf gab es keine Chance.

Er, seine Söhne und Hai Newcon, der bleich und mit verzerrtem Gesicht Schuss um Schuss in das Gebüsch hineinfunkte, waren genau so verloren, verloren wie die, deren Gräber im verlassenen Land lagen. Sie standen auf verlorenem Posten, und hier sollten sie den letzten Kampf austragen. Im donnernden Prasseln der Geschossgarben hohnlachte der Tod, stieß der Teufel sein grässliches Lachen hervor.

 

 

2.

Yeah, sie servierten ihnen heiße Ladungen, sparten nicht an Munition. Ihre Mündungslichter flammten im Gebüsch, blitzten hier und da auf. Die Art ihres Vorgehens bewies die große Erfahrenheit im Kampf. Nach jedem Schuss änderten sie ihren Standort. Doch ihr Vorpirschen wurde durch die höllischen Schrottladungen aus Tex' Büchse gestoppt. Der irre Schrei eines Kerls jagte zu ihnen hin, dann erklang ein lautes Fluchen, und eine scharfe Stimme brüllte einige Befehle heraus. Die scharfumrissene Silhouette eines Mannes huschte hinter einem Gebüsch hervor, tauchte sofort in der samtschwarzen Dunkelheit vor den Stämmen unter.

Und dann war Ruhe.

Mit einem Schlag war aller Lärm verstummt. Eine gefährliche Spannung lag in dieser Ruhe. Selbst der Wald hielt den Atem an. Nichts war zu hören, nicht einmal das Schnauben der Pferde, nicht das metallische Klicken der Eisen, das Knatschen von Lederzeug.

„Boss, die Burschen werden unsere Pferde erledigen“, rasselte Hai Newcon. Halberstickt, rau, heiser war seine Stimme, erfüllt mit berstender Wut, einem Grimm sondergleichen. Es war seltsam, dass Hai Newcon derart bewegt war. Niemals hatte man irgendwelche Regungen an ihm wahrgenommen. Er war ein Mann, der sich eisern in der Gewalt hatte und seine Empfindungen hinter seinem Pokergesicht gut verbergen konnte. Jetzt konnte er es nicht mehr. Jetzt, im Angesicht des Todes, hatte er die Maske fallenlassen, die er sonst im Leben trug, um das Weiche seines Wesens tief im Innern zu verbergen. Jetzt brauchte er es nicht mehr, denn die nächsten Sekunden oder höchstens Minuten würden ihn aus den Stiefeln heben.

„Boss, ich hatte immer Befürchtungen und wollte es nie glauben, dass ich einmal in den Stiefeln sterben würde“, rasselte er herunter. „Aber es muss wohl so sein, und, by Jove, ich bin alt geworden, yeah, zu alt, um mich noch lange herumzuschlagen.“

„Was hast du vor?“, pfiff Jess ihn an. Er kannte den Oldtimer zu gut, wusste, dass er jetzt irgendetwas tun würde, vielleicht etwas Verrücktes, etwas, was den Kampf sofort entscheiden sollte.

„Ah, John Spencer ist uns nicht zur Hilfe gekommen, Boss. Wir haben vergeblich auf ihn gewartet. Und jetzt, heilige Mavericks, jetzt wird er auch nicht mehr auftauchen.“

„Lass Spencer aus dem Spiel!“, fauchte Jess Crana. „Spencer ist ein besonnener Mann. Er hat gewiss die Chancen gewogen und erkannt, dass er, wenn er uns beisteht, nur untergehen kann. Ah, ich kann ihn verstehen. Er hat eine Tochter und eine Ranch, die groß und mächtig werden wird. Jetzt ist er noch nicht stark genug, um sich gegen die Crowe-Sippe zu stellen.“

„Er ist stark genug“, widersprach Hai. Er blickte bei diesen Worten über die Plane, suchte mit wachen, zusammengekniffenen Augen das Gelände ab.

„Boss, John Spencer ist ein Kanonenschwinger. Die Eisen kommen ihm glatt aus dem Holster. Er ist eine höllisch scharfe Kanone und hat schon manchen Rowdy in die ewigen Jagdgründe geschickt. Wenn er bei uns wäre, ho, dann könntest du die Meute laufen sehen. Sie könnten uns nicht schnell genug die Absätze zeigen.“ Er brach ab, lauschte und kicherte dann in den Drahtverhau seines struppigen Bartes hinein.

„Sie schleichen heran, Boss, aber ich werde es ihnen versalzen.“

„Was soll's?“, zischte Jess Crana, und sein Gesicht verzog sich zur Grimasse.

„Sie dürfen nicht zu den Pferden. Noch haben wir eine Chance.“

Was er damit sagen wollte, erfuhr Jess einen Augenblick später. Ein scharfer Luftzug traf ihn, riss seinen Kopf herum. Die verschwommene Silhouette von Hai Newcon verschwand soeben, und die Zeltplane rauschte zu. Im gleichen Augenblick krachten Schüsse, rumorten die Trommelwirbel der Revolver ihre teuflische Melodie durch die Nacht. Flammenzungen explodierten aus den Büschen.

„Dad ... er ... er ist ... “

„Ein scharfes Eisen“, setzte Tex Crana den begonnenen Satz seines ältesten Bruders fort.

„Gott sei seiner Seele gnädig“, brach es aus Jess hervor. Nun wusste er es. Hai, der alte Weidereiter, sein einstiger Vormann, wollte sich für sie opfern. Ohne große Worte zu verlieren, einfach opfern.

Selbstmord war es, sich unter dem Beschuss auf den Bock zu schwingen - und Hai tat es. Kugeln umschwirrten ihn wie angreifende Hornissen. Er beugte sich vor, kicherte sein schreckliches Lachen, langte nach der Peitsche und ließ sie durch die Luft zischen. Mit einem Blick hatte er erkannt, dass man die Tiere bisher verschont hatte. Sie standen unruhig im Geschirr, warteten scheinbar darauf, dass sie angespornt wurden. Nun zogen sie an. Unter dem plötzlichen Ruck ihrer Leiber drohte das Geschirr zu sprengen, die Zugriemen zu reißen. Hoch auf bäumten sich die vorderen Gespanntiere, und die hinteren warfen mit rollenden Augen die Köpfe auf. Morast und Dreck spritzte unter ihren Hufen, und die abziehenden Wasser des Gewitters gurgelten unter den rasselnden Rädern, spritzten Fontänen nach den Seiten. Der Schoner rollte.

Himmel und Hölle, der Wutschrei aus den Büschen bewies, dass man mit einer derartigen Möglichkeit nicht mehr gerechnet hatte.

Flammenstöße zuckten nach dem wankenden Gefährt. Kugeln klatschten vor das Holzwerk, hackten Splitter heraus. Aus dem rasch laufenden Gefährt brüllten die Rifles, schmetterte die Schrotbüchse gehacktes Blei und siebte die unheimliche Ladung in die Büsche hinein.

Tex Cranas helles Jungenlachen schmetterte zwischendurch und, by Jove, es war stärker als das Getöse, durchdringender, war wie ein Signal.

Die Schrotladung war es, die sie davon abhielt, aus den Deckungen zu springen, zu ihren Pferden zu laufen, die Verfolgung sofort aufzunehmen.

„Jipieeeh“, gellte es grollend vom Bock. Hoch auf reckte sich die hagere Gestalt des Oldtimers, und seine Peitsche tanzte über die langgestreckten, geschwinden Pferdeleiber. Eine Kugel riss ihm den Stetson von den silbergrauen Haaren, ließ sie wie eine prächtige Mähne im Nachtwind flattern. Das Weiße in seinen Augen schimmerte im Mondlicht. Prächtig sah das aus – gewiss, dort stand ein Mann auf dem Bock, der um eine Chance kämpfte und der wusste, das diese in den nächsten Minuten wie eine Seifenblase zerplatzen würde. Trotzdem tat er es, gab sich keine Rechenschaft darüber. Ein unbekannter Impuls trieb sein Ich an, brachte es auf Touren, ließ ihn handeln, selbst die kleinste Möglichkeit nutzend. Er war hart, verwittert, knorrig, treu wie Gold, und die tiefe Liebe seines einsamen Herzens galt den beiden Söhnen seines Ranchers.

Niemals hatte er es gezeigt. Kein Mensch kann aus seiner Haut heraus. Jeder bleibt so, wie er es vom Schicksal mit der Muttermilch eingesogen hat. Auf seine Art hatte er Eric und Tex von der überströmenden Zärtlichkeit zu kosten gegeben und nur dann, wenn er ganz sicher war, dass kein Zuschauer in der Nähe war. Er hatte ihnen bunte, glitzernde Steine aus dem Creekbett geholt, hatte aus weichem Holz wunderschöne Flöten geschnitzt und hatte die Kinder auf seinem Pferd reiten lassen.

Ah, das lag alles weit zurück. Weit war die Erinnerung eines Mannes, der nun sterben würde, und es tat gut, eine solche Erinnerung mit sich nehmen zu können, by gosh.

Heiß brannte es über seine Schulter hinweg. Eine dritte Kugel sengte an seinem Oberschenkel entlang, durchschlug die Caps und nahm einen Streifen Haut mit sich.

Was tat's?

„Heh hopp, lauft zu!“, gellte es von den blutleeren Lippen des Oldtimers. Ein galliger Geschmack laugte seine Kehle, ätzte seine Zunge, würgte ihn.

„Kojoten“, hackte es von seinen Lippen. „Killer, Bestien, noch lebt Hai Newcon. Nehmt euch in Acht!“

Yeah, noch lebte er. Wie lange ...?

Rechts jagte die Mauer des Waldes vorbei, und zur Linken glitt das Buschwerk zurück, öffnete sich das Land, und weiter vorn, nahe dem alten Büffelweg, lag die meilenweite Mistlosung der Cimarrones, jener Wildpferde, die als Nachfahren einstiger Hauspferde galten. Der aufgeweichte Dung wirbelte unter den Hufen und Rädern durch die Luft. Dunstwolken von Schmeißfliegen, warmer und kalter Losung, von Pferde- und Büffelwechseln, die sich hier kreuzten, erfüllte die Luft mit einem erstickenden Odem, mit einem für menschliche Geruchsorgane penetranten Gestank.

Doch was tat dies alles? Weiter, weiter!

„Lauft zu!“, fauchte Hai den Gespanntieren zu. Seine Stimme überschlug sich, ging in dem Gerassel und Quietschen der Räder unter. Auf und nieder stampfte der Prärieschoner, hin und her schwankte er, drohte zu kentern, umzukippen, zu zerschellen. Und der Mann auf dem Bock reckte den mageren Hals dem Fahrtwind entgegen, schlug unaufhörlich auf die Tiere ein, ruckte ab und zu den Kopf herum. Yeah, die Gegner ließen nicht auf sich warten. Dort - hinter dem schlingernden Gefährt - wurden sie sichtbar. Weit vorgeneigt lagen sie auf den schwingenden Pferdehälsen. Die Spitze der Meute führte ein Rappe an. Selbst im ungewissen Zwielicht des Mondes war es zu erkennen, und diese Tatsache ließ Hai Newcon ausspucken.

Der Kerl auf dem Rappen musste Stuart Crowe sein. Stuart Crowe! Es gab keinen Mann, der ihm an Wildheit gleichkam. Es gab auch keinen Schießer, der so glatt und schnell mit den Kanonen umzugehen verstand, der so eiskalt war wie er.

Eine Frau hatte er auf dem Gewissen - und gute Boys, Männer der Weide, die für das Brandzeichen der Golden-Sporen-Ranch im Sud-Raelley-Valley geritten waren.

„Goldsporen-Ranch“, zischte Hai bitter aus seinen jagenden Gedanken heraus. Es gab keine Goldsporen-Ranch mehr. Sie war ausradiert - gestrichen. Jess Crana selbst hatte den roten Hahn gesetzt, als er sie fluchtartig verlassen musste. Vielleicht standen nur noch einige rauchgeschwärzte Balken, verkohlte Trümmer dort, und gleich daneben standen einfache Holzkreuze auf frisch aufgeworfenen Erdhügeln, und unter jedem Kreuz ruhte ein Reiter der Golden-Sporen-Ranch. Sie schliefen dem Jüngsten Tag entgegen und mit ihnen die Rancherin.

Schmal wurden Hai Newcons Lippen, wirkten wie Geißelschnüre. Fest pressten sie sich aufeinander. Ein röchelndes Stöhnen fetzte aus seiner Kehle. Schneller tanzte das Leder durch die Luft.

„Schießt Boys! Besorgt es ihm! Holt ihn vom Gaul“, krächzte Hai.

Yeah, die Jungens hörten seine Worte, schossen wie toll. Eric warf sich neben seinen jüngeren Bruder Tex, streckte die Rifle mit einer schnellen Bewegung von sich und spannte den Hahn.

„Bruder, schone das Pferd!“, keuchte Tex' Stimme ihm zu. „Stuart Crowe reitet einen Rappen. Bedenke, einen Rappen!“

Für Sekunden folgte keine Antwort. Eric musste die Worte erst verdauen, schluckte, würgte, konnte es kaum fassen, dass in einer solchen Situation der jüngere Bruder noch an Pferdeleben denken konnte, dass er darum bat, das Leben des Rappen zu schonen.

Rappen waren selten, rar, wurden wie Wundertiere von vielen Reitern bestaunt, und ihre Zähigkeit in Verbindung mit Schnelligkeit und größerer Gesundheit machte sie zu begehrten Reittieren.

„Ah, sie und ihre Tiere sollen zur Hölle fahren“, raunte Eric. „Halt darauf zu und schicke alles ins Jenseits! Alles!“ Ruckhaft wandte er sich seinem jüngeren Bruder zu, sah das blasse, schmale Gesicht des Jüngeren, sah die großen, dunklen Augen, die in einem seltsamen Feuer brannten.

„Du wirst den Rappen schonen, Eric“, klang es ruhig, seltsam eindringlich. „Du wirst das tun.“ Das Rasseln und Stampfen der Räder, der donnernde Hufschlag verschluckte seine weiteren Worte, ließ ihn verstummen und gleich seinem Bruder nur noch auf die Verfolger achten.

Der Rappe ließ die anderen Gäule zurück. Er war schneller, ausdauernder. Geballte Kraft steckte in seinen geaderten, an einen Schnellsegler gemahnenden Rumpf. Alles in allem, es war schon ein Klassepferd, und jedes Kennerherz musste bei seinem Anblick vor Freude höher schlagen.

Trotz der schrecklichen Situation konnte sich Tex an der geflügelten Karriere des Rappen nicht satt sehen. Es war seltsam und fast unbegreiflich, einfach nicht zu fassen.

Das Leuchten in seinen Augen verstärkte sich, und, by Jove, das schmale Jungengesicht zeigte einen gespannten, eigenartigen Ausdruck. Vielleicht hörte er nicht einmal das schnelle Schießen seines Vaters und seines Bruders.

Ah, er war jung - vierzehn Jahre, ein Kind noch. Genau wie Eric hatte er noch nie auf einen Menschen geschossen. Als er die erste Schrotladung hinausfeuerte, hatte er beide Augen geschlossen, hatte gegen eine aufsteigende, würgende Übelkeit ankämpfen müssen, doch dann war diese jäh verwischt. Crowes Killer-Crew fragte ja auch nicht danach, dass zwei Halbwüchsige im Wagen waren. Es hielt sie ja nicht davon ab, ihre mörderischen Bleigeschosse hinauszufeuern.

Das Blut hämmerte in seinen Schläfen, pochte in seinen Ohren. Kalter Schweiß stand auf seiner klaren Stirn. Schweißig waren die Handflächen, und das Hemd klebte fest an der Haut.

Wie gebannt starrte er auf den heranjagenden Rappenreiter, der dem Mördertrupp voranpreschte. Deutlich konnte er den breitschultrigen Hünen im Sattel erkennen. Seine Chaps flappten wie wild hin und her und verrieten die Schnelligkeit des Reittiers, zeigten, dass Pferd und Reiter wenige Augenblicke später in Revolverschussweite sein mussten.

Himmel und Hölle! Stuart Crowe scherte sich keineswegs um die ihn umschwirrenden Kugeln. Mit der flachen Hand hieb er auf den Rappen ein – immer, immer wieder. Das Mondlicht warf Silberlichter auf das heranjagende Tier, umflirrte den Reiter und hüllte das breitflächige Gesicht mit dem vorgeschobenen Kinn unter dem breitrandigen Stetson in tiefe Schatten, machte es zu einer teuflischen Kraterlandschaft des Grauens.

„Er hat die Mutter ermordet!“, flüsterte Tex, und die Blässe seines Gesichts verwandelte sich in ein verwaschenes Grau. Nur der Himmel wusste, was in diesen Minuten in den beiden Jungen vor sich ging. By Jove, die Hölle brannte in ihnen! Sie verloren mit einem Schlag die Kindheit.

Das war bitter, brannte sie aus, reifte sie weit über ihr Alter und machte sie zu entschlossenen Kämpfern.

Maskenstarr wurde Erics Gesicht, als er für Sekunden in Tex' Augen sah. Sie krallten ihre Blicke ineinander, und obwohl sie kämpfen wollten, lag eine wilde Verzweiflung in ihren Blicken, die Ahnung kommender, schrecklicher Geschehnisse. Das Grauen vor dem Tod war darin zu lesen und viele andere Gefühle. Heilige Mavericks, sie waren jung - zu jung, um dem Tod fest ins Auge zu schauen. Und das eine war gewiss, der Tod ritt mit ihnen. Seine Stimme mischte sich in das Rattern der quietschenden Räder, übertönte den Lärm der Rifles und der Revolver, die nun aufbrüllten.

Großer Gott, im Hin-und Herschlingern des rasenden Gefährts ertönte jählings das helle, unwirkliche Lachen Tex Cranas. Übertönte den Lärm und hieb zu dem Rappenreiter hin, riss diesen in den Steigbügeln auf. Das Mündungsfeuer seiner Eisen grellte Lichtexplosionen hervor. Stuart Crowe schoss seine Eisen leer. Eisen, mit großen Trommeln waren es, großkalibrig, gefährlich. Damals gab es noch keine Colts, sie waren noch nicht erfunden. Auch die Reichweite der Revolver war viel kürzer und dennoch ...

Schuss um Schuss schlug in das wankende, auf- und niedergehende Gefährt, fauchte surrend heran und splitterte Holzteilchen los.

„Tex, für unsere Mutter“, kreischte Eric. „Für unsere Mutter ...“ Aus seiner Rifle zuckte eine orangefarbene Zunge. Der Rückschlag der Waffe schleuderte ihn heftig gegen Tex, ließ ihn nach Luft ringen und hervorstoßen:

„Ich habe ihn nicht getroffen. Schieß, Tex! Brenn ihm gehacktes Blei auf! Auf diese Entfernung triffst du Ross und Reiter und machst sie zu Sieben.“

„Yeah, aber das will ich nicht, Eric ... der Rappe!“

„Sohn, schieß, lass dich durch den Rappen nicht aufhalten! Lass dich nicht aufhalten! Auf dem Rappen sitzt der Mörder deiner Mutter. Vielleicht schwenkt das Rudel ab, wenn Crowe aus dem Sattel fällt“, keuchte Jess Crana und dann, als keine Antwort erfolgte, murmelte er vor sich hin: „Er schweigt. Ich muss es selber versuchen. Damned, es wird ein unsicherer Schuss und die Munition ist knapp. Wir sind gleich am Ende!“ Er stierte auf den kleinen Berg leerer Patronenhülsen neben sich. „Sieben Schuss noch. Heh, Eric, kein Blei mehr verschwenden, wir brauchen es noch bitter nötig!“, warf er über die Schulter dem Ältesten zu.

„Allright, Dad“, tönte es rau, heiser, abgehackt.

„Kreuze im verlassenen Land ... “, raunte Jess. „Unter jedem Kreuz liegt ein guter Boy, und unter dem größten liegt meine Frau, die Mutter meiner Söhne. Ah, bald sind wir alle wieder miteinander vereint. Aber unsere Gräber werden schmucklos sein, glatt wie die Erde. Dunkel, wie das große Unbekannte aus dem wir geboren wurden. Wir kommen aus dem Unbekannten und gehen wieder dorthin zurück, das ist der Welt Lauf. Aber dich, Stuart Crowe, dich will ich mitnehmen.Schluck es!“

Über Kimme und Korn visierte er den Rappenreiter an. Nebelschleier wogten vor seinen Augen. Mehrere Male musste er absetzen, sich über die entzündeten Augen wischen, dann aber fauchte es aus seiner Rifle, bleckte die Flammenzunge heraus, und grauer Rauch kräuselte aus der Mündung, quoll in die Höhe. Mitten im fliegenden Galopp erhielt der prächtige Rappe einen Schlag. Er warf sich hochauf, riss den Kopf hoch und schrillte ein helles, trompetenhaftes Wiehern heraus. Man hatte den Eindruck, als ob der gestreckte Leib des Tieres sich schwerelos von der Erde lösen wollte, um gen Himmel zu fliegen. Aber das war eine Täuschung, denn schon einen Herzschlag später sauste Stuart Crowe aus den Steigbügeln, flog über den Rumpf des zusammenbrechenden Pferdes hinweg. Pferd und Reiter schluckte die Dunkelheit.

„Du hast den Rappen getroffen!“, klagte Tex' Stimme vorwurfsvoll.

„Sohn, es kommt nicht darauf an. Crowe saß darauf, und vielleicht hat er sich das Genick gebrochen. Ich wünschte es uns, yeah!“

„Ein Trugschluss, Dad. Crowe wird leben. Du hast nur den herrlichen Rappen erschossen, das schönste Tier, das jemals in Nevada zu sehen war.“

„Sohn, es ist aus. Es ist Holliday für uns. Schau, dort!“

By Jolly, Jess Crana brauchte keine Plane loszuzerren, um eine bessere Sicht zu haben. Die feindlichen Geschosse hatten es schon besorgt und der Wind sein übriges dazu getan. Überall hing die Plane in Fetzen herunter, flatterte, knallte, schlug rauschend gegen die Aufbauten.

Eric und Tex sahen die Reiter, die sich vom Trupp gelöst hatten und wie Schemengestalten links vom stampfenden Gefährt auftauchten, tief auf den Pferderücken lagen und ihre Sporen über Flanken und Weichen rissen, vorbeihuschten.

„Hai, gib Acht!“, schrie Jess in das Dröhnen der Räder hinein.

„Herunter mit dem Proviant, mit den Lasten“, keuchte es kaum hörbar zurück.

Yeah, daran hätte man früher denken müssen, nicht jetzt! Jetzt war es zu spät. Ah, ein verdammt bitteres Wort, dieses „Zu spät“. Bitter und niederträchtig. Jetzt gab es nichts mehr, keine Chance, und jetzt hätte Hai Newcon sich vom Bock schwingen und hinter den Aufbauten in Deckung bringen müssen. Er tat es nicht. Nein, der Oldtimer war ein Mann, der den Tod nicht fürchtete, dem es egal war, ob die Hölle sich öffnete oder der Himmel winkte. Er war ausgebrannt, leer, stand weit vorgebeugt auf dem auf- und abtanzenden Wagen, schwang die Peitsche wie besessen, ließ das Leder auf den Cimarrones tanzen. Dreck und Schweiß klebten in seinem Gesicht. Schaumflocken riss der Zugwind von den Nüstern der Tiere, spritzte sie umher.

Kalt und krumm hing die dünne Sichel des Mondes am Himmel, blinkten ungezählte Sterne aus unbegreiflichen Weiten.

„Jippieeeh“, gellte der Weidereiterruf aus der Kehle des alten Mannes „Jippieeeh ...“ Noch einmal hieb er den Ruf der Weide hinaus. Noch niemals war er so laut, so schmetternd über Hais Lippen gekommen. Er wusste, dass es sein letzter Ruf war, wusste es mit dem Ahnungsvermögen eines Mannes, der auf verlorenem Posten stand, der den Tod neben sich fühlte. Hart, kantig, ja steinern wurde sein von tiefen Furchen durchzogenes Gesicht. Mit einem Blick sah er die heranjagenden Schattenreiter von der Seite kommen, sah das Aufblitzen ihrer Eisen.

Ein Kugelregen prasselte auf die Zugtiere. Pferde wimmerten, stürzten im Geschirr. Der Tod riss ihnen die Beine unterm Rumpf fort. Und der Tod war es, der seine mächtige, geballte Faust gegen das Gefährt schmetterte. Hai wirbelte durch die Luft, schlug einen Salto. Ein stöhnendes Bersten war unter ihm, ein schrilles Krachen, und dann fand sich Hai Newcon im weichen Gras wieder, rappelte sich benommen hoch und wie mit Zauberhänden lüftete er seine im Hosenbund steckende Gürtelkanone an, riss sie mit einer blitzartigen Bewegung heraus und feuerte.

By gosh, er holte mit seinem glatten Schuss einen Reiter vom aufbäumenden Pferd, mit den nachfolgenden Geschossen zwang er weitere in die Flucht, zwang sie dazu, ihre Pferde herumzureißen. Dann wirbelte er zur Seite. Seine Augen weiteten sich vor Grauen. Sein Herzschlag stockte, und rote Feuerräder flimmerten vor seinen Augen. Dort - nur wenige Yards von ihm entfernt - lagen die Trümmer des Planwagens, lagen zuckende Pferdeleiber in einem Stangen- und Bretterknäuel. Jess Crana erhob sich gerade, schwankte, taumelte auf ihn zu, stoppte, stammelte: „Meine Söhne ... meine Söhne!“

Das Grauen der Welt lag in diesen Worten. Die wilde Erkenntnis eines Mannes, der das Letzte verloren hatte, woran sein Herz hing.

„Dad, ich lebe“, zischte Tex' Stimme, und aus dem Bretterberg erhob sich die schlanke Gestalt des Jüngsten. Mit einem Satz war Hai Newcon bei ihm, fetzte mit einem Tritt einige Bretter beiseite und gleichzeitig schoss er über die Schulter des Jungen auf die schnellen Schatten der Verfolger.

„Herrgott, wo ist Eric“, gurgelte Jess Crana.

„Boss, wir können ihm nicht mehr helfen. Was auch sein mag, komm! Der Wald kann uns vielleicht retten.“

„Nein, ich muss Eric finden“, raunte die Stimme des Ranchers. „Und sollte ich dabei zur Hölle fahren. Bringe du Tex in Sicherheit!“

„Dad, ich kämpfe ... ich“, jagte Tex über die Lippen und schwenkte entschlossen seine Schrotbüchse.

Hai Newcons Faust verkrallte sich in des Jungen Schulter, riss ihn zu sich herum.

„Komm“ sagte er nur. Yeah, nur das eine Wort kam über seine Lippen, und alles lag darin. Wilde Hoffnung, abgrundtiefe Verzweiflung. In dieser höllischen Situation konnte er dem Rancher nicht mehr beistehen, konnte ihm keine Befehle mehr erteilen, aber eins konnte er: Tex retten. Vielleicht schaffte er es - vielleicht. Es war eine Jagd nach dem Leben, ein Lauf, der die Entscheidung herantrug und sie vor den rettenden Bäumen erreichen konnte.

Er riss den Jungen mit sich, hetzte los, rannte zu der schwarz starrenden Mauer des Waldes hin.

Tex entfiel die Schrotbüchse. Er wollte sie aufheben, doch Hai Newcon verhinderte es, riss ihn weiter.

„Ich will kämpfen“, knirschte Tex.

„Später, später“, fauchte Hai mit erstickter Stimme. Im Feuerwerk der Gegner rannten sie weiter, rannten mit berstenden Lungen.

Himmel und Hölle, der dumpfe Hufschlag der Pferde funkte heran, war wie das drohende Verhängnis, trommelte den Totenreigen durch die Nacht. So sollten die Letzten der Golden-Sporen-Ranch untergehen, so erbärmlich, wehrlos, gehetzt, verloren!

Hai Newcons Stimme krächzte Tex zu: „Lauf weiter Junge! Lauf und schau dich nicht um, was auch geschieht! Vergiss uns nicht! Vergiss die Golden-Sporen-Ranch nicht!“

„Ich ...“ Tex konnte nicht weitersprechen. Panikartige Angst erfasste ihn, trieb ihn den Bäumen zu. Vierzehn Jahre war er alt - ein Kind noch. Ein Kind, das dem Tod begegnet war und seine Kälte fühlte. Und jetzt lief er, lief um das nackte Leben, lief vor ein paar Killern davon, die selbst Kinder nicht verschonten. Kinder, die Männer werden konnten und Rechenschaft verlangen würden.

Der Oldtimer an seiner Seite blieb zurück, lachte grell, seltsam laut. Er blieb zurück, weil der Blutverlust ihn arg geschwächt hatte, blieb zurück, um wenigstens einem eine Chance offen zu halten.

Einer musste am Leben bleiben, einer sollte aus dieser Hölle herauskommen, um zum Rächer zu werden Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dort, bei dem Trümmerhaufen des Prärieschoners, warf gerade Jess Crana beide Arme ruckartig in die Höhe, krümmte sich, fiel wie ein Klotz vornüber, blieb regungslos auf den Brettern liegen, und noch im Tode krallten sich seine Fäuste um sein Eigentum. Noch im Tode schienen diese Hände bestrebt zu sein, die Trümmer beiseite zu räumen, zu suchen und zu forschen, den ältesten Sohn aus dem Chaos zu befreien, ihm den Weg ins Leben zu öffnen.

Hai Newcon schluckte das. Er sah seinen Rancher fallen, sah aber auch die unersättliche Meute auf sich einstürmen. No, sie würden erst aufhören, wenn auch das letzte Leben erloschen war. Sie würden auch ihm keine Chance geben.

Ekel erfasste ihn. Grimm würgte ihm die Kehle zu. Drei Kugeln steckten noch in den Trommeln seiner Revolver. Das war nicht viel. Mit drei Kugeln konnte er die Meute nicht erledigen. Sie hatte Blut geleckt, ließ sich durch nichts mehr aufhalten. Hai stand bewegungslos, war wie zu Stein erstarrt.

Bei Gott, das hier war kein heroischer Kampf, kein Untergang mit fliegenden Fahnen. Nein, das hier war teuflisch, grauenhaft, und es ätzte sich in ihm ein, füllte ihn mit einem heiligen Zorn aus.

Jess war von Kugeln durchsiebt zu Boden gesunken, ohne auch nur die Hand zur Gegenwehr erhoben zu haben. Yeah, er hatte in der entscheidenden Minute nicht gekämpft, denn er wollte nur eins - seinen Ältesten bergen. Vielleicht hatte er gehofft, dass sie in einem Anflug von Großmut nicht schießen würden. Vielleicht hatte er darum seine Waffe nicht gebraucht. Doch sein Hoffen war vergebens gewesen. Nun war er tot. Und Eric? Nun, der war sicherlich unter den Trümmern aus Holz und Pferdeleibern begraben, war tot, reglos, still, wie sein Dad.

Nur Tex hatte noch eine Chance, und dies auch nur dann, wenn Hai blieb, wenn er sich den Feinden stellte, sie aufhielt. Drei Schuss jagte er hinaus. Tief an der Hüfte flammten die Mündungsfeuer, hieben in den Reitertrupp hinein. Ein Pferdeknäuel wälzte sich nur wenige Yards vor ihm. Ein Mann sprang aus dem Gräsermeer und flog mit einem Fluch auf ihn zu. Hai konnte sich ducken, wich schemenhaft zur Seite, schlug mit dem Kolben zu. Lautlos sackte der Gegner zu seinen Füßen zusammen, doch Hai Newcons Arme griffen zu, wuchteten ihn empor und stießen ihn gegen einen weiteren Angreifer. Im gleichen Augenblick streifte der linke Vorderhuf eines vorbeigaloppierenden Pferdes seinen Hals und seine Schulter, wirbelte ihn um die eigene Achse. Er verspürte heftige Schmerzen bis in die Endnerven hinein, stöhnte auf.

„Holliday“, flüsterte er wild, leidenschaftlich. Yeah, das war das Ende, der Untergang einer Crew. „Holliday ...“ Das Wort riss von seinen Lippen, erlosch. Ein Lasso schlang sich um ihn, brachte ihn zu Fall. Hart schlug er auf, stöhnte, wollte sich aufrappeln, doch grell flammte es vor ihm auf. Und dieses grelle Licht nahm er mit in die Ewigkeit. Er brauchte keine höllischen Qualen erdulden, war tot, bevor sein entseelter Körper über Wurzeln, Gras und Sand geschleift wurde.

Wie ein Tiger hatte er gekämpft, hatte versucht, so gut wie möglich Tex Crana die Flucht zu ermöglichen.

„Stuart, der Knabe ist uns entwischt“, grölte der Kerl, der Hai Newcon hinter seinem Pferd her schleifte.

„Ah, was macht das schon. In der Wildnis wird er nicht weit kommen. Wilde Tiere oder die Roten werden ihn zerreißen.“

„Well, damit erspart er uns die Arbeit, ihn zu suchen.“

„Sicher. Er ist ein Knabe, allein ohne Waffen, ohne ein Reittier. Er ist verloren. Los, lass uns reiten!“, kläffte Stuart Crowes heisere Stimme.

„Vielleicht sollte man die Trümmer beiseite räumen. Vielleicht hat Jess Crana noch Beutestücke, die man mitnehmen könnte“, knurrte ein pockennarbiger Kerl und schaute begehrlich zu der Stätte des Grauens hinüber.

Yeah, es waren Aasgeier, und mit jedem Wort und jeder Geste enthüllten sie mehr von ihrer schmutzigen Gesinnung und ihrer echten Wesensart. Das war keine raue Mannschaft, nein, das waren Leichenfledderer, der Abschaum der Menschheit. Kerle, die von allen Staaten gesucht wurden und die in Stuart Crowes Crew unterschlüpften. Klapperschlangen und Wölfe konnten nicht schlimmer, nicht tückischer sein wie dieses Rudel gewissenloser Killer.

„Gents, holt die Pfeile! Es soll so aussehen, als ob die Roten dieses hier besorgt hätten. Zu holen gibt es hier nichts. Wir haben Cranas Ranch ausradiert. Nun gibt es keine Golden-Sporen-Ranch mehr, und John Spencer kam zu spät. Gents, Los denn, aufgesessen! Es ist ein Glück, dass wir die Hufe unserer Pferde nicht mit Eisen beschlagen haben. Selbst ein großer Scout wird hier beim Spurenlesen versagen.

 

 

3.

Hierin irrte er sich. Gewiss, ein Laie und auch ein oberflächlicher Scout hätte auf Indianer geschlossen. Nicht aber John Spencer. Im Morgengrauen ritt er mit seinem Begleiter den alten Büffelpfad entlang. Die ganze Nacht hindurch waren sie unterwegs, hatten sich weder Rast noch Ruhe gegönnt, und mit jeder Meile wuchs ihre Unruhe.

„Boss, das Gewitter hat die Fährte zerstört, wir können nicht weiter“, murmelte Pas Stone bedrückt. Er wagte nicht, seinem Rancher in die Augen zu schauen, blickte beharrlich vor sich hin und stemmte die Rechte auf das Sattelhorn, zuckte mit den Schultern. Er war am Ende seines Lassos und gab es zu. Pas tat es nicht gerne, aber er wusste wirklich nicht mehr weiter. Breit und wuchtig hockte er auf seinem Falben, stieß mit dem Daumen den ausgefransten Stetson weit ins Genick, schüttelte den Kopf und schob die Rechte hinter den Kolben.

John Spencer glitt geschmeidig aus dem Sattel, prüfte den Boden, erwiderte mürrisch: „Die Fährte ist verwischt, aber ich gebe es nicht auf. Jess Crana ist mein Freund. Er ist in Not. Ich versteh nur nicht ... warum hat er nicht Hai Newcon oder einen anderen Boy seiner Crew zu mir gesandt. Wir hätten uns für ihn in die Sättel geschwungen und die Eisen angelüftet.“

„Yeah, aber er ist stolz, Boss. Wenn er etwas alleine ausfechten kann, dann tut er es und verlangt keine Hilfe“, gab Pas Stone grimmig zu verstehen.

„Sicher, er ist ein stolzer Mann. Aber das nützt ihm wenig im Sud-Raelley-Valley. Jetzt stehen nur verrußte Balken und Kreuze dort, wo einst seine Ranch stand. Er hätte uns benachrichtigen sollen. Er musste doch wissen, dass die Silver-Hitt-Ranch einen Freund nicht im Stich lässt, auch dann nicht, wenn es die Crowe-Sippschaft ist“, grimmte John Spencer.

Sein schmales, kantiges Gesicht zuckte. Er kniff die Augen zusammen, blickte in den verhangenen Morgen hinein, der grau und dunstig vor ihnen lag.

„Yeah, gewiss, unsere Boys hätten ihren Spaß gehabt, Rancher, sie warten schon lange darauf, die Eisen zu gebrauchen. Aber bedenke, dass auch du nicht groß genug bist, um gegen die Crowes vorzugehen. Ihre mächtige Hauben-Ranch ist mit einer Festung zu vergleichen. Sie haben sich darin eingekapselt, und niemand kann sie daraus vertreiben. Niemand!“, zischte Pas Stone. „Vielleicht hat uns Jess Crana sogar einen Boten geschickt, Boss.“

„Wie meinst du das, Pas?“, fragte John überrascht und warf den Kopf herum, musterte seinen Vormann kritisch. Der nickte vor sich hin, strich sich über das rote Haar.

„Man weiß es nicht und doch möchte ich behaupten, dass Crowes Killer auch hier ihre Hand im Spiel haben.“

Spencer gab keine Antwort darauf. Die Unruhe in seinem Gesicht verstärkte sich. Schmal, fest aufeinandergepresst standen die blutleeren Lippen in seinem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht. Helle Gletscher äugen hafteten auf dem Vormann, wurden plötzlich dunkel.

„Weiter, Buddy!“

Er schwang sich in den Sattel, ließ sein Tier anlaufen und trieb es neben den Wallach.

Zwei Männer ritten durch die Wildnis. Schweigend saßen sie auf ihren Pferden, bohrten ihre Augen in die Sträucher rechts und links des Trailwegs.

Kolkraben flogen mit krächzenden Schreien über den alten Büffelweg, verschwanden hinter der grünen Mauer wogender Gipfel.

Fern im Osten tanzten Lichtfinger in zarten Pastellfarben über den Horizont, verzauberten langsam die Welt und setzten goldene Kuppen auf weiße Federwolken.

Yeah, in der Nacht hatten sie beide noch vor den Resten der einstigen Golden-Sporen-Ranch ihre Pferde verhalten. Der Anblick hatte sie erschüttert. Sie hatten mit allem gerechnet, nur nicht damit. Und dann waren sie von den Pferderücken geglitten, standen vor den Erdhügeln im verlassenen Land und hatten ihre Stetsons abgenommen. Blass, mit verzerrten Gesichtern waren sie dann auf der Spur des Prärieschoners geritten. Und nun befürchteten sie, dass sie zu spät kamen. Nein, sie fanden keine Pferdefährte, keine Hufabdrücke schneller Reiter.

Die Nacht entschwand, der Morgen graute, dann stieg die Sonne aus der Lichtexplosion im Osten heraus und verstreute ihr goldenes Licht über die allmächtige Weite. Die Feuchtigkeit der Nacht wogte in bizarren, farbenprächtigen Wogen zwischen den Bäumen, glich ziehenden Schleiern, die auf und nieder tanzten und ein Sprühfeuerwerk gleißender Regenbogenfarben ausstreuten. Schön war diese Einsamkeit und Stille, und sie offenbarte dem Schauenden Wunderbilder, offenbarte die schöpferische nie versiegende Kraft der Natur.

Aber die beiden Männer im Sattel sahen nichts davon. Sie saugten ihre Blicke auf den Boden, und plötzlich stieß Pas Stone einen überraschten Pfiff aus.

„Redmen“, flüsterte er aufgeregt. „Schau dort, Boss, unbeschlagene Hufabdrücke.“

„Yeah, los denn“, fauchte John. Warf sich mit einem Ruck weit in den Steigbügeln vor, ratschte die großen Sporenräder über die vernarbten Flanken seines Grauschimmels, klatschte die flache Hand vor den auf- und niederpendelnden Hals des Tieres.

Seite an Seite jagten die Pferde, rasten der Spur nach, und wieder verlöschte sie, dort, wo die breiten Blätterkronen nicht mehr schützend überhingen. Trotzdem preschten sie weiter. Sie kannten jetzt die Richtung, ließen sich nicht mehr beirren.

Plötzlich wieherte der Falbe. Sofort hatte Pas Stone seinen Revolver angelüftet, schwang ihn empor. Im gleichen Moment senkte sich John Spencers Hand auf seinen Arm, drückte die Waffe nieder.

„Nicht schießen, Buddy!“, keuchte er aufgebracht.

Yeah, er hatte recht. Jeder Schuss konnte zum Verhängnis werden. Wegen eines Pumas schoss man kein heißes Blei durch die Gegend, machte man kein großes Theater. Nur wenige Yards vor den stampfenden, ausgreifenden Pferdehufen sprang der Puma - der Silberlöwe, wie man ihn auch nennt. Es war ein prächtiges Exemplar seiner Gattung. Ein ausgewachsenes Männchen. Die dichte, rotbraune Behaarung glänzte wie feuriges Kupfer in der Sonne. Geschmeidige Kraft und Schönheit lag in seinen Sprüngen. Bestimmt fürchtete er sich mehr als die Pferde, die mit aufgeworfenen Köpfen und rollenden Augen schnaubten, sich auf die Hinterbeine warfen und mit der Vorderhand durch die Luft angelten, von ihren Reitern ungestüm vorwärtsgetrieben wurden. Deutlich sah man den Behang, die helle Unterseite, die schwarzbraunen Flecken über und unter dem Auge des Jaguars. Der Kopf zeigte eine graue Färbung, wich in der Farbe ab. Mit einer geradezu verblüffenden Schnelligkeit sauste der Puma davon, brachte sich in dem urigen Wald zur rechten Hand in Sicherheit, war wie ein gelber Strich, wie ein Spuk verschwunden, bevor man es richtig begriff.

„Weiter, fellow!“

„Yeah, weiter.“

Schweißrinnen gruben sich durch die Staubschicht ihrer Gesichter, ätzten die Haut, brannten in den Augen. Und von den Nüstern der ausgepumpten Pferde flogen die Schaumflocken.

Weiter ... Einen Tag und eine Nacht saßen sie nun schon ununterbrochen im Sattel. Sie hatten das Letzte aus ihren Tieren herausgeholt, und es machte ihnen nichts aus, wenn sie unterm Sattel zusammenbrechen würden.

„Jess Crana ist in Not.“

Sie waren Trailpartner gewesen, gehörten zusammen und einer musste für den andern da sein, wenn es hart und rauchig wurde. By gosh, so musste es sein. Es gab in diesem rauen Land nur wenige gute Männer. Jess Crana gehörte zu den besten.

Der trommelnde Takt der Pferdehufe dröhnte in ihren Ohren, peitschte das Blut auf, scheuchte alle Müdigkeit aus den Gliedern.

Plötzlich riss Pas Stone die behandschuhte Rechte hoch, deutete über den Kopf seines Falben hinweg. Er sagte kein Wort, nichts. Allein diese Bewegung genügte, bedeutete mehr als tausend Worte.

„Mein Gott“, stöhnte John Spencer, indem er die Zügel an sich zerrte, den Kopf des Grauen hochriss und ihm dadurch eine andere Gangart aufdiktierte. „Mein Gott!“

Aus vollem Jagen heraus glitten sie aus den Sätteln, ließen die Tiere weiterlaufen, rannten zu dem Trümmerhaufen und prallten zurück, standen wie erstarrt.

„Nimm den Hut ab, Buddy! Nimm den Hut ab“, murmelte John Spencer mit zuckenden Lippen.

Unnötig waren diese Worte. Pas Stone hatte seinen Kopf bereits entblößt, knüllte den Stetson in den Fäusten, zerrte daran, als wollte er ihn in Stücke reißen.

Yeah, zwei Männer kamen zu spät.

Aufgetrieben waren die Pferdeleiber im Gespann, schrecklich anzusehen. Zerborstene Räder, gebrochene Deichseln lugten unter dem umgestürzten Planwagen hervor. Bretter lagen verstreut umher und auf dem Berg lag die stumme und stille Gestalt Jess Cranas. Drei Pfeile staken in seinem Rücken.

„Kiowas?“

„No“, knurrte John grimmig. „Ah, ich kenne das Land und war Scout gewesen, habe mich lange mit Indianern herumschlagen müssen, habe Jahre unter ihnen verbracht. Das hier ist faul, verdammt faul. Ich werde es mir genau ansehen. Bleib, bewege dich nicht! Jede Spur ist wertvoll und kann etwas Neues bringen.“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, atmete gepresst. Das Land war rau, und rau waren auch die Männer.

Jess Crana war tot. Nichts konnte ihn mehr ins Leben zurückrufen. Kein Gebet und kein Nachruf. Was in ihren Herzen vorging, behielten sie für sich, knirschten mit den Zähnen, und die Finsternis in ihren Augen nahm zu. So waren sie, wortkarg, schweigsam. Sie stülpten ihre Stetsons auf, um sich vor den sengenden Sonnenstrahlen zu schützen. Das Leben ging weiter.

Pas Stone hockte sich auf den Absätzen nieder, schaute wild in die Runde, sprang jäh auf und deutete wiederum vor sich hin.

„Boss, Hai Newcon“, klang es erstickt aus seiner Kehle. Unwillkürlich hatte er das Eisen aus dem Futteral gerissen, blickte eilig zu der schwarzen Wand am Wald hinüber, als ob dort in dem tintigen Schatten der Bäume verborgen der Feind lauerte.

„Newcon“, wiederholte Pas Stone kehlig. „Newcon, ah, sie haben ihn zu Tode geschleift. Sie haben ...“, er brach jäh ab, krampfte die Hände ineinander, stand steif und starr wie zur Bildsäule erstarrt, flüsterte wie im Selbstgespräch. „Ich mochte ihn gern. Er war treu wie Gold, ein guter Weidereiter und ein vorzüglicher Rindermann. Pas, präge dir das Bild ein! Vergiss es nie — nie“, murmelte John.

„Yeah, ich werde alle Rothäute ...“

„Pah, es waren keine Rothäute“, unterbrach John Spencer mit einem gurgelnden, wilden Lachen. „Es waren Weiße, so wie du und ich. Killer! Schau her, dieses Loch stammt von einer Kugel. Und hier ...“ Er beugte sich über den Toten, fuhr zurück, denn ein seltsames Stöhnen geisterte auf, erlosch.

„Was war das?“, schleppte Pas Stone. Seine Augen flackerten, irrten in die Runde. Beide Männer stierten sich an. Aber nur einen Moment, dann rasselte John seinem Vormann zu: „Es ist nichts. Acht oder neun Stunden ist es her, als der Überfall stattfand. Jess Crana und sein Oldtimer sind tot tot. Tot!““

Wieder geisterte das Stöhnen auf, und nun wussten es beide. Es drang aus den Trümmern, klang schwach und hilflos, ein verwehter Laut und doch deutlich hörbar. Ein Laut, der in die Hirne Alarmbereitschaft funkte, die Männer handeln ließ. Nein, dieser Laut glich nicht dem Krächzen der Geier, die kehlköpfig, mit schwabbelnden Gehängen und roten Basiliskenaugen ringsumher saßen, mit den Flügeln schlugen, hartnäckig wieder an ihre Opfer heranwollten, die sie beim Näherkommen der Reiter nur widerwillig verlassen hatten. Scheußlich waren sie, diese Ausgeburten der Hölle, Wesen der Unterwelt. Yeah, den Pferden hatten sie schon arg zugesetzt. Die aufgeschlitzten Decken bewiesen es, zeigten deutlich ihre Fressgier. Das blaugraue Eingeweide hing noch an ihren hornigen Schnäbeln.

Pas Stone starrte zu den geflügelten Todesboten hinüber, schüttelte sich vor Grauen und sah, wie sein Rancher mit einem Ruck Bretter und Spanten beiseite fegte. Dann griff auch er zu. Verbissen, wütend arbeiteten sie. Achteten nicht auf ihre Hände, nicht darauf, dass Splitter ihre Haut verletzten.

Sie verstanden es, hart anzufassen. Nur ab und zu verschnauften sie, schauten sich in die grauen, entstellten Gesichter und blieben stumm, sprachen nicht davon, was sie erwarteten oder befürchteten. Die Kehlen waren ihnen zugeschnürt und heftig wogten ihre Atemzüge.

Pas Stone benetzte oftmals seine spröden, zerrissenen Lippen, warf jäh die Frage auf: „Boss, es kann doch nicht möglich sein ... mein Gott, das wäre ...“

„Abwarten, Buddy“, knurrte John zurück. Eine wilde Berserkerwut schien ihn in den Krallen zu haben. Er schuftete für drei, wuchtete Bohlen und Planenfetzen beiseite, ließ sich auch jetzt nicht aufhalten.

„Ich kann es kaum schlucken“, fetzte es von Pas' Lippen. Mitten im Satz brach er ab, beugte sich weit vor, und nun überschlug sich seine heisere Stimme, wurde brüchig, erinnerte an eine zersprungene Saite. Jungenstiefel hatte er freigelegt. Schwarz, seltsam eindringlich saugten sie seine Blicke auf. John wirbelte herum, ließ langsam den schweren Balken aus seiner Hand fallen und trat rasch näher.

„Vorsichtig! Vielleicht …“

Alles sagte dieses Wort „vielleicht“. Es drückte eine Hoffnung aus, die jäh aufflammte. „Vielleicht“, by gosh, es war kaum anzunehmen, dass der Mensch unter den Trümmern noch lebte. Und so schnell wie die Hoffnung aufgeflammt war, so schnell drohte sie auch wieder zu verlöschen.

Es war schwierig für beide, doch sie schafften es, legten den Köper frei und stierten in das mit geronnenem Blut überkrustete Gesicht.

„Nein, erkennen kann man ihn nicht. Noch nicht“, flüsterte John.

„Es wird Eric sein“, hauchte Pas.

„Eric“, stammelte John Spencer bitter und schluckte, dachte daran, dass auch er ein Kind hatte. Wenn nun ... sein Kind so ... Er dachte nicht weiter, beugte sich rasch vor, nestelte die Knöpfe der Baumwollbluse auf und legte sein Ohr auf die Rippenwandung über dem Herzen, lauschte.

„Er lebt!“ Es war wie ein Aufschrei. „Pack an, Buddy! Heb, langsam, vorsichtig ...“

Vereint schleppten sie den Ohnmächtigen aus dem Trümmerfeld heraus, legten ihn zart, behutsam ins weiche Gras.

„Hol Wasser, schnell“, raunte John seinem Vormann zu. Seine Stimme bebte vor innerer Erregung. Noch wusste er nicht, ob die Verletzungen des Jungen einen Transport und eine Wiederbelebung zuließen. Nein, nichts war entschieden.

Pas kam mit den Feldflaschen zurück. Es stellte sich schnell heraus, dass Erics Gesicht von einer unbedeutenden Platzwunde blutüberkrustet war. Scheinbar hatte er weiter keine Verletzungen. Äußerlich waren einige Prellungen und Beulen zu sehen, aber wie sah es innerlich aus?

„Flöß ihm Wasser und etwas Brandy über die Lippen, Pas! Er muss zu sich kommen. Er muss!“

„Yeah, damit er uns bestätigt, dass die Crowe-Sippe diese höllische Arbeit ausgeführt hat“, keuchte Pas. „Massiere die Herzgegend, Boss!“

Es dauerte aber dennoch geraume Zeit, bis Eric Crana aus seiner tiefen Ohnmacht erwachte. Weit öffneten sich seine Augen, blickten starr in den blauen Himmel, wo Federwölkchen das azurne Blau schmückten, wo Habichte und Bussarde ihre Kreise zogen. Zwei Augenpaare beobachteten das, leuchteten auf.

„Dad ...“, klang es kaum hörbar, dann lauter, schriller. „Dad“, und mit einem Ruck flog der Kopf des jungen Crana hoch. Die Blauaugen irrten verständnislos zu den Männern, wanderten ab, suchten.

„Eric, du musst stark sein, mein Junge. Yeah, für uns alle kommt die Stunde, wo wir auf den langen Trail gehen und nicht zurückkommen. Du bist dem Teufel von der Gabel gesprungen. Du wirst gesund und wirst wieder über die Weiden reiten. Wenn es auch nicht die Golden-Sporen-Ranch ist. Die Silver-Hitt-Ranch ist auch nicht schlecht, mein Junge. Bedenke es - und jeder Cowboy wird für dich stehen.“

„Sie hätten das früher tun sollen“, murmelten die Jungenlippen, „viel früher ...“

Sechzehn Jahre war Eric alt, nur sechzehn Jahre, aber in der vergangenen Nacht war er hart und zum Mann geworden. Ein seltsamer Schimmer kam in seinen Augen auf und zugleich versuchte er, sich aufzustützen. Es gelang, und dann hockte er auf den Absätzen, hob sich schwankend in die Höhe, stand wie ein Trunkener vor den beiden Männern, die zu spät gekommen waren, zu spät, um Jess und Hai zu helfen.

„Boy, wir haben getan, was wir konnten.“, beschwichtigte Pas.

„Wir haben einen Boten abgesandt, Tude Singcob. Es war früh genug, um das Schlimmste zu verhüten. Gewiss lebte Mutter, lebten die Männer der Crew noch, und es war früh genug, um das Letzte hier zu verhindern“, scholl es anklagend.

Pas stützte den Schwankenden, wollte verhüten, dass der Junge die stillen Gestalten sah, grollte:

„Tude Singcob hat nie unsere Ranch betreten. Wir ... höre, Boy es kann nur sein, dass man ihn abgefangen hat, oder dass er mit der Crowe-Sippe unter einer Decke steckte, dass er von ihnen Lohn bekommt. Bist du sicher, dass Tude ...“

„Yeah, drei Broncos nahm er mit. Er war der beste Broncobuster und wendigste Reiter unserer Crew. Nur er hatte Aussichten, durch die Sud-Raelly-Valley zu kommen.“ Schwerfällig kamen diese Worte heraus. Eric musste bei jedem Satz immer wieder neu ansetzen. Man sah es ihm an, dass es ihm schwerfiel, sich auf diese Dinge zu konzentrieren, schwerfiel, da seine Gedanken bei seinem Dad und seinem Bruder Tex sowie bei dem Oldtimer Hai Newcon waren. Man sah es ihm an, dass wirre ungeklärte Gedanken sein Hirn durchkreuzten.

Und dennoch musste man ihn bewundern. Er zeigte die Haltung eines Mannes, der sich auf das Schlimmste vorbereitete. Und wahrhaftig, mit einer schnellen Bewegung entglitt er der stützenden Hand Pas Stones, schrie leise auf, dann war er ruhig, stand bewegungslos. Nur seine hellen Jungenaugen schwammen feucht, und Tränen rannen seine Wangen herunter.

Dieses stumme Weinen ergriff die Männer, ergriff sie mehr als Worte. Sie ließen ihn gehen, wussten, dass Eric Crana zu sich selbst finden musste. Gewiss, er würde zu sich selbst finden, wenn er von den stillen Gestalten Abschied genommen hatte, wenn er ihnen ein letztes „Cherio“ auf den langen Trail nachrief.

Immer und zu allen Zeiten lässt der Tod Lücken zurück, reißt er Wunden auf. Das war ein Naturgesetz, unumstößlich und jedem wurde es einmal serviert, und jeder hatte damit einmal fertig zu werden - auch Eric.

Er wurde schneller damit fertig, als es die beiden Männer erwarteten. Er kam schon nach wenigen Minuten zurück. Und dann stellte er die Frage, die sie schon lange erwartet und befürchtet hatten: „Wo ist Tex?“

Das war es. Yeah, das wussten sie auch nicht. Spurlos schien der Jüngste verschwunden zu sein. Unter den Trümmern war nichts mehr. Sie hatten alles durchforscht.

John Spencer biss sich auf die Lippen, schaute zu Boden, verschränkte beide Hände. Pas Stone wandte sich ab, wich beiseite, konnte seine Augen nicht in die des Jungen senken, konnte es nicht, denn die großen Knabenaugen heischten nach einer Antwort. Die konnte er nicht geben, auch John nicht. Aber John war der Boss, er sollte einen Ausweg suchen.

„Wir werden es noch feststellen“, sagte John, bemühte sich, seiner Stimme einen festen Klang zu geben. Es gelang ihm halbwegs. Er war froh darüber, denn er wusste genau, dass dieses Versprechen eine Lüge war - eine barmherzige Lüge jedoch.

„Komm, Boy! Dein Dad war mein Trailgefährte. Wir ritten Huf an Huf, Steigbügel an Steigbügel. Wir tranken nach Indianerart unser Blut und wurden Blutsbrüder. Deine Sache ist auch die meine. Und ich werde sie genau so vertreten. Doch im Augenblick ...“

„John Spencer, ihr seid Scout gewesen, könnt Spuren lesen. Lasst nichts unversucht!“

„Allright. Vielleicht entsinnst du dich, vielleicht kannst du einen Anhaltspunkt geben“, fragte John voller Hoffnung.

„Kaum. Ich ... ich war ohnmächtig, kann mich an nichts entsinnen, an gar nichts“, stammelte Eric leise, verzweifelt. Er setzte sich ins Gras, ließ den Kopf hängen.

Sonnenschein durchflirrte die Luft. Es war wie Hohn, dass die goldenen Strahlen eine so schreckliche Szene beleuchteten, dass sie den Tod in eindringlicher Weise zeigten, den Tod und seine Boten, die darauf lauerten, ihr grausiges Mahl fortzusetzen.

„Allright, Boy, ich werde mich an die Arbeit machen. Aber - Jess und Hai müssen unter die Erde gebracht werden. Sie sollen ein Westmannsgrab erhalten, und ich will ihnen Kreuze darauf stellen.“

„Ich werde mithelfen.“

„Du bist zu schwach. Ruhe dich aus, stärke dich, denn es wird ein harter Ritt werden!“

„No, es ist das Letzte, was ich für sie tun kann“, widersprach Eric.

„Nun, dann nur zu, Boy.“

Zwei Hügel entstanden. Dann suchte John nach Spuren und entdeckte einige Dinge, die ihm das Kampfgeschehen enthüllten. By Jove, für einen geschickten Fährtenleser war es nicht allzu schwer aus den vorhandenen Spuren wie in einem Buch zu lesen, war es nicht schwer, den Überfall zu rekonstruieren. Er fand auch Spuren von Tex, folgte ihnen zum Wald.

„Boss?“

„Bleib bei dem Boy, Pas! Achte auf ihn! Ich bin bald zurück.“

Nein, von seiner Entdeckung konnte er unmöglich Eric berichten. Er wollte keine falschen Hoffnungen aufkommen lassen, wollte den Jungen nicht unnötig erregen, denn eine trügerische Hoffnung konnte mehr Schaden anrichten als die Ungewissheit. Yeah, der Wald war urig, erstreckte sich über Meilen, bedeckte Täler und Höhen, weitete sich aus, und das raschelnde Blättermeer der wogenden Wipfel verkündete von einem unbegreiflichen Leben, von der Wildnis, von Kräften die darin schlummerten und verborgen lagen, bereit waren, lebendig zu werden.

Kein Reiter versucht, solche Wälder zu durchdringen. Man hat eine seltsame Scheu vor der schwarz starrenden Wand der Bäume, vor dem brodelnden Odem, und nur Trapper, Fallensteller, Scouts und Redmen begaben sich in solche Wälder, vertrauten sich der Wildnis an.

„Tex Crana ist verloren“, keuchte John Spencer. „Gott sei seiner Seele gnädig!“

Er schauerte zusammen, schaute sich scheu nach den Reittieren und dem Jungen um. Dann tauchte er unter den ersten Bäumen unter, folgte der gut sichtbaren Fährte und die Schatten nahmen ihn auf.

 

 

4.

Mit gezogenem Revolver drang John Spencer vorwärts. Im Blattgewirr der Bäume rasselte und raunte es. Lichtstrahlen durchflirrten die grüne Herrlichkeit, und auf moosbedecktem Grund sprangen Zauberteppiche tanzender Sonnenstrahlen vor seinen Stiefelspitzen. Knorrige, verwitterte Stämme reckten sich aus laubbedecktem Grund zur Höhe und alles war bestrebt, sich zum Licht zu entfalten. Zweigwerk und Äste, Farne, tropische Blumen, Gräser, schmückten die kleinen Lichtungen, über die Tex Cranas Spur lief, tiefer in den Wald wies, dorthin, wo abgestorbene Bäume einen bitteren Fäulnisgeruch verbreiteten.

Yeah, auch der Wald gebar immer Neues, und das Alte starb. John Spencer verlor in dem abgestorbenen Laubteppich für eine Weile die Spur, stand ratlos, suchte im Kreis, mühte sich, die weitere Fährte zu entdecken. Fand sie schließlich, und sie führte zu einem mächtigen Einschnitt. Überrascht blieb John stehen, atmete leise, lehnte sich gegen einen Baumstamm, schaute in die Runde. Vor ihm hatte der Tornado, der gefürchtete Wirbelwind, eine meilenweite Gasse in die Mauer des Waldes geschlagen. Entwurzelte, über- und untereinander getürmte Baumriesen mit verzweigtem Wurzelwerk, abgestorbenen Ästen bildeten ein verfilztes Labyrinth, Höhlen und Gänge. Hier endete die Fährte.

John nahm zum dritten Male seinen Stetson ab, und in seinen Augen verstärkte sich die düstere Traurigkeit, während sein Mund leise stammelte: „So long, Tex Crana, so long!“

Er war erfahren genug, um zu wissen, dass es jetzt einfach unmöglich sein würde, die Spur zu finden – unmöglich. Seine Schultern fielen herab. Unbeweglich blieb er stehen, unfähig sich zu rühren, einen Entschluss zu fassen.

Der Schatten eines Marders glitt über ihm durch die Äste. Wilde Truthähne kullerten, und Waldhühner ließen sich aus dem Dickicht vernehmen. Nur wenige Yards vor Johns Stiefelspitzen hüpfte ein scharlachroter Vogel, steilte auf ein Gebüsch zu, dort setzte er ein, schwellte seine Brust und schlug aufgeregt mit den Flügeln, sang - helle und dunkle Töne erzeugte der Kardinal, ähnlich wie eine Nachtigall.

„Ich darf nicht aufgeben, noch nicht“, murmelte John im Selbstgespräch. Sorgfältig fuhr er fort, weiter nach Anhaltspunkten zu suchen, drang in das Labyrinth ein, und jetzt umklammerte er das Eisen in seiner Rechten fester.

Ein Geräusch ließ ihn herumfahren, die Waffe hochreißen, doch dann senkte er sie, starrte auf das Dachspaar. Er war ein alter Bursche, und die Fähe trottete hinter ihm mit hochgestelltem Pürzel. Wie der Blitz befuhren sie die Röhre zu ihrem Bau und verklüfteten sich.

„By gosh, wenn das ein Skunkpaar gewesen wäre, dann ...“ Yeah, dann wäre es bitter geworden und nicht so harmlos. Eilig hastete John weiter fort, schwang sich über einen vermorschten Baum.

Yeah, er war immer bereit zu schießen, beiseite zu weichen, bereit, sein Leben auf die raue Art zu verteidigen. In diesem Irrgarten konnte jeder Augenblick zu einer Begegnung mit dem Schwarzbären führen, mit Wölfen oder mit dem Herrn der Wälder, dem furchtbaren Grizzly. Niemals sollte ein Mann alleine in die Einsamkeit der Wälder vordringen.

Tex Crana hatte es getan.

„So long, Tex!“

Yeah, es gab Wölfe und Bären. John stieß schon bald auf ihre kalten und warmen Losungen.

Wölfe waren weniger zu befürchten, denn jetzt um diese Jahreszeit schlossen sie sich noch nicht zu mörderischen Rudeln zusammen, um gemeinsam zu jagen. Jetzt gab ihnen die Natur noch in Hülle und Fülle, und sie drückten sich scheu, wenn sie dem großen Zweibeiner, dem Menschen, begegneten. Auch Schwarzbären verhielten sich nicht viel anders. Nur der Grizzly griff jederzeit an. Yeah, John hatte aus früheren Scoutjahren den Grizzly in unangenehmer Erinnerung und jetzt, genau vor seinen Füßen, sah er die Hufabdrücke eines riesigen, wohl an die neun Zentner schweren Tieres. Ein Schauer jagte über seinen Rücken, wachsam spähte er nach allen Seiten in die Runde, dann erst prüfte er die Fährte und fand sie heiß - frisch. Das gewaltige Tier musste in nächster Nähe sein. Vielleicht war es schon hinter ihm, setzte lautlos die Pranken und öffnete bereits die Tatzen zur tödlichen Umarmung.

Grizzlys waren unberechenbar, gefährlich und schnell. Gewiss war dieser zu Holze gegangen, ohne indes ein Camp zu suchen.

Johns Warngefühl verstärkte sich. Nach der Stärke des Tieres zu urteilen, musste es ein uralter Veteran sein, ein zottiger Bursche, dem das Alter die braunen, an den Endspitzen blassen Haare bereits gefärbt hatte. Er war sicher über zweieinhalb Meter groß, ein richtiger König des Waldes, dem eine Revolverkugel nichts anhaben konnte.

John wusste das aus übler Erfahrung. Narben an seiner rechten Schulter bewiesen es - und damals, vor Jahren, war es ein ganz junges Tier gewesen, das er im Winterlager aufgeschreckt hatte.

Er war tatsächlich versucht umzukehren, das Weite zu suchen. Doch der wilde Trotz in ihm gewann die Oberhand. Nein, noch wollte er nach Tex Crana suchen, wollte nicht aufgeben. Vorsichtig pirschte er weiter, achtete sorgfältig darauf, dass kein Zweig unter seinen Stiefelsohlen knackte und barst, dass das abgestorbene Laub nicht raschelte. Beim geringsten, undeutbaren Laut versteifte er sich, hob die Waffe an.

Nichts! Ein Spottvogel narrte ihn. Der Schatten eines Eichhörnchens trieb ihm den Schweiß aus den Poren. Im vermoderten, nackten Geäst des Tornadobruchs wucherten Schlingpflanzen, rankte Efeu, gaukelten Blumen leise hin und her, und ihre betörenden Düfte mischten sich mit den Fäulnisdünsten.

„Ich muss umkehren“, flüsterte er heiser vor sich hin, duckte sich dabei unter einem Baumast hinweg, der quer über drei anderen Stämmen lag und somit eine natürliche Überdachung bildete, dem Eingang zu einem quadratischen Raum, der lichtüberflossen inmitten der Einsamkeit einem herrlichen Blumengarten glich. Columbinen zeigten ihre tiefviolette Pracht, ergänzten die Farbensymphonie aus Rot und Weiß, Blau und Gelb.

Aber das war es nicht, was John Spencer zutiefst erschütterte, was ihn auf den Fleck bannte, ihm den Atem von den Lippen riss. Mitten auf dem Blumenteppich lag die zerrissene Cordjacke eines Knaben ausgebreitet. Das Blütenmeer trug das einfache Kleidungsstück, und es sah seltsam verloren aus, ließ Spencers Herz heftig gegen die Wandung seiner Rippen schlagen.

Wo war Tex?

Dort lag seine Jacke, doch von ihm selbst war keine Spur – nichts, nicht einmal eine Fährte. Weder Geiergekreische noch das Grunzen von Wildschweinen oder das abgehackte Grollen von Wölfen, das Brummen eines Bären beim Mahle - nichts war zu hören.

„Das ist das Ende“, raunte John, und zum dritten Mal fügte er heiser, mit verlöschender Stimme hinzu: „So long, Tex Crana, so long!“ Er nahm das Kleidungsstück an sich, und dann machte er kehrt, wollte zurück. Er hatte kaum den quadratischen Raum verlassen, als es seitlich im Unterholz raschelte. Nun gab es kein Zurück mehr, weder für John Spencer noch für den Bären, der seinen gewaltigen Körper durch das Gebüsch drängte.

Für den Bruchteil einer Sekunde setzte Johns Herzschlag aus. Würgende Angst schnürte ihm die Kehle zu, legte Eisenklammern um seinen Nacken, jagte Panikstimmung in sein Hirn.

Flucht?

Es würde wenig nützen. Ein Mensch konnte vor keinem Bären davonlaufen. Trotz der Masse war der Bär schneller, beweglicher und seine scheinbare Plumpheit täuschte. John versuchte es erst gar nicht. Wie hypnotisiert starrte er in die rötlich braune Iris der kleinen tückischen Augen, die sich fest auf ihn hefteten. Fast weiß war der Goliath, und sein zottiger Behang wies Kotspuren, Verunreinigungen auf. Deutlich sah man es, zu deutlich, denn jetzt richtete er sich zu seiner überragenden Größe auf, setzte sich auf die Pranken.

Yeah, in diesem Geschöpf steckte vitale Kraft. Selbst vor einem Bisonbullen würde dieser Goliath nicht flüchten.

John schluckte nicht nur das Bild des Bären, sondern schluckte im wahrsten Sinne des Wortes auch den penetranten Gestank, die stechende Ausdünstung, hörte gleichzeitig das tief aus der Brust kommende Knurren, Rollen, Brummen - jedenfalls Laute, die die Nerven zum Vibrieren brachten und Kälteschauer über den Rücken trieben.

Am Fang klebten Restspuren geronnenen Blutes ...

John Spencer war wahrhaftig nicht feige, doch jetzt möchte er schreien, das Untier anbrüllen. Doch kein Laut kam über seine Lippen. Er möchte fort, herumwirbeln und in dem tiefen Dickicht untertauchen, aber seine Glieder gehorchten nicht, er war wie erstarrt.

Auge in Auge stand er dem Bär gegenüber, und es schien, als wüsste der brummige Geselle genau, dass der Mensch ein Spielball seiner Launen war.

Rot bleckte der Fang. Gelbe Schneidezähne drohten, standen im Einklang mit den starken mit Leisten und Kanten versehenen Eckzähnen. Lässig hoben sich die Vordertatzen, und der hin und her pendelnde Grizzly wischte sich damit über die Nase, kam mit hochgerecktem Kopf und geöffneten Tatzen näher. John durchzuckte es siedend heiß.

Yeah, so gingen Bären zum Angriff über. Kein Grollen, kein wütendes Brummen, kein Anzeichen in dem zottigen Bärengesicht ließ auf einen Überfall schließen.

Der eklige Geruch der Bestie flog ihm zu, und er ahnte nun, dass er vielleicht eine Chance hatte, eine Rettung. Wie von selbst ruckte seine Waffe in die Höhe. Flammenstrahlen brachen auf, hieben zu dem Bären hin. Rauch stieg aus der Mündung, und über der ziehenden Rauchfahne stand das seltsam verzerrte Gesicht John Spencers. Wie ein Schemen huschte er zur Seite. Gerade früh genug, denn die geblendete Bestie stieß ein kreischendes Stöhnen aus, warf sich mit dem vollen Körpergewicht vor und die erbarmungslosen Tatzen schlugen dort durch die Luft, wo John gerade noch gestanden hatte. Ein einziger Tatzenschlag hätte ihn zermalmt, zertrümmert, aus dem Leben gewischt.

Dort, wo die Augen der Bestie saßen, lief nun eine blutig geronnene Masse aus klaffenden Höhlen in den Behang. Der brodelnde Atem der Bestie geiferte aus weit geöffetem Fang, und dieser grausige Kopf windet sich, sichert nach allen Seiten, nimmt die Witterung des Menschen wahr, zugleich wirft sich der muskelstrotzende Körper mit beinahe zu katzenhafter Gewandtheit herum. John konnte sich mit einem verzweifelten Satz aus dem Fangkreis bringen, doch dieses Mal erwischte eine Kralle sein Hemd und riss es ihm vom Körper.

Und wieder jagte John dem Untier heißes Blei entgegen. Er musste dabei den blitzschnellen Angriffen ausweichen, schoss, schoss, bis es metallisch aufklickte. Da wirft er in einem ohnmächtigen Zornanfall die nutzlose Waffe gegen die Bestie, hechtet im gleichen Augenblick zur Seite, und der keuchende Atem presst sich über seine Lippen. Nein, lange konnte er dieses Hetzen nicht durchhalten. Mit jedem Schuss hatte er den zottigen Körper getroffen, und keine sichtbare Wirkung war zu sehen. Bald musste das Ende kommen.

Noch immer umkrampfte John das Kleidungsstück des Jungen mit der linken Hand. Er dachte nicht daran, es fallen zu lassen. Warum? Nun, vielleicht wusste er es nicht einmal. Sein ganzes Denken konzentrierte sich auf den Bären.

Und nun musste es zu Ende sein. John war am Ende seiner Kräfte. Ringsherum war der Boden aufgewühlt, zerstampft, zertreten, wie nach einem Titanenkampf.

Rettung?

Nein, die gab es nicht. Pas Stone würde seine Scheu vor dem Wald nicht überwinden, und Eric Crana war zu jung, brauchte selbst Schutz.

Es gab keine Rettung. Das fauchende Brummen der Bestie, die rasenden Bewegungen zwangen John zum Wettlauf um sein Leben, zu einem grausigen Tanz, in dem er die tollsten Sprünge machte, hin und her glitt und immer in der ihm aufgezwungenen Arena bleiben musste.

Details

Seiten
211
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929492
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v491619
Schlagworte
nevada-song

Autor

Zurück

Titel: Nevada-Song