Lade Inhalt...

Scharfe Bombe, die nicht tickt

2019 106 Seiten

Leseprobe

image
image
image

Scharfe Bombe, die nicht tickt

image

Krimi von Thomas West

Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

Ein Unbekannter bittet FBI-Agent Jesse Trevellian um Hilfe und behauptet, er würde erpresst und sein Leben sei bedroht. Trevellian und sein Chef McKee glauben dem Mann und organisieren eine Überwachung, doch bevor er die erpressten Dokumente übergeben kann, explodiert er vor den Augen des FBI. Trevellian und seine Kollegen sind geschockt. Da meldet sich Nadja Mastok, eine skrupellose Söldnerin und frühere Gegenspielerin des Special Agents, und droht ihm, dass er auch in die Luft fliegen wird, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllt. - Als der G-Man kurz darauf nach Washington fliegt, schlägt ein Sprengstoffspürhund im Flughafen Alarm, doch bei einer Leibesvisitation wird kein Sprengstoff gefunden ...

image
image
image

Copyright

image

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

image
image
image

1

image

Ein koreanischer Imbiss in der Walker Street. Ich genehmigte mir zwei Frühlingsrollen, auf seinem Teller dampfte Huhn mit Reis. Er rührte sein Essen nicht an, redete ohne Luft zu holen: »Der günstigste Laden in ganz SoHo hier, Saddam geht jetzt der Arsch auf Grundeis, was für ‘n Bilderbuchwetter heute wieder ...« So ging das am laufenden Band. Draußen regnete es in Strömen.

Während er redete, kritzelte er die ganze Zeit auf seiner Serviette herum. Bis er sie wie aus Versehen neben meinen Teller schob und meinte: »Ein mieses Spiel haben die Globetrotters am Wochenende wieder hingelegt, sagen Sie selbst, Mister ...«

Die Basketballsaison hatte noch gar nicht begonnen, und die erste Zeile auf der Serviette lautete:

SIE WOLLEN MICH TÖTEN!

In großen, hastig hingeworfenen Lettern füllte der Satz das obere Drittel der zusammengefalteten Serviette aus wie eine Schlagzeile. Meine Frühlingsrolle blieb mir im Hals stecken.

Es ging noch weiter:

VIELLEICHT WERDE ICH BEOBACHTET! VIELLEICHT BESCHATTET! KÖNNEN WIR ÜBER EMAIL REDEN? BITTE! ICH BRAUCHE HILFE!!

Bis jetzt hatte ich versucht, den Mann zu ignorieren, jetzt betrachtete ich ihn mir genauer: kurzes, dunkles Stoppelhaar, schmales Gesicht, vielleicht Ende zwanzig, und er war ziemlich bleich. Wusste er, dass ich vom FBI war?

Er trug einen grauen Anzug, der nach Geld aussah. Broker, schätzte ich, vielleicht auch von irgendeiner Versicherung. Verkrampft starrte er auf sein Hühnerfleisch. Wahrscheinlich musste er sich anstrengen, um nicht zu mir zu schauen.

Und ich musste mich anstrengen, meinen Bissen endlich hinunterzuschlucken.

»Schmeckt’s Ihnen nicht?«, fragte ich so gleichgültig wie nur irgend möglich.

»Doch, doch ...« Endlich nahm er eine Gabel Reis mit Huhn.

»Aber mir nicht.« Ich schob den Teller von mir weg. »Außerdem wird’s Zeit fürs Büro.«

Während ich die Hand mit der Armbanduhr hob, spähte ich aus den Augenwinkeln nach rechts und links. Sieben oder acht Gäste standen schweigend an ihren Stehtischen und beschäftigten sich mit Produkten koreanischer Express-Küche, die meisten von ihnen Männer. Keiner machte den Eindruck, als interessierte er sich für den Mann neben mir.

Ich zog meine Brieftasche und wandte mich dabei ein wenig zum großen Fenster, so als bräuchte ich mehr Licht, um nach Kleingeld zu suchen. Fünf parkende Fahrzeuge konnte ich sehen, zwei auf unserer, drei auf der anderen Straßenseite. Hinter keinem Steuer saß ein Fahrer.

Wer, zum Teufel, sollte den Mann beobachten?

Mit dem Schein fingerte ich eine Visitenkarte aus der Brieftasche. Wieder sah ich mir meinen Tischnachbarn an. Jetzt aß er schweigend, starrte dabei mit gesenktem Kopf auf seinen Teller und zog die Schultern hoch, als würde hinter ihm einer die Peitsche schwingen.

Ein Verrückter?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich schob meine Karte unter die Serviette, zahlte und ging.

Während ich über den Bürgersteig der Walker Street zu meinem Sportwagen schlenderte, sah ich mich um. Vor keinem Schaufenster ein Mann oder eine Frau, die auffällig unauffällig herumstanden, in keinem Hauseingang irgendjemand zu sehen. Auch in den parkenden Fahrzeugen am Straßenrand entdeckte ich niemanden, der mir verdächtig vorkam.

Es gibt überall Paranoiker, oder? In Manhattan sowieso. Warum sollte einer von ihnen nicht zufällig an mich geraten?

Andererseits - ich hab einen guten Riecher für Wahnsinnige, doch der Mann eben hatte nicht den Eindruck eines Paranoikers auf mich gemacht. Wie zielstrebig er mit mir Kontakt aufgenommen hatte und dann die Plaudernummer, während er seinen Hilferuf auf die Serviette kritzelte - so etwas brachte nur einer zustande, der seine sieben Sinne beisammen hatte. Die Sache beunruhigte mich.

Ich stieg in meinen Sportwagen und fuhr Richtung Broadway. Als ich am Imbiss vorbeirollte, verließ er ihn gerade. Er sah zu mir herüber. Kannte er meinen Wagen?

Im Rückspiegel sah ich ihn in einen schwarzen Mercedes E steigen. Das rechte hintere Seitenfenster war irgendwie verklebt, mit Pappe, Kunststofffolie oder sonst was.

Einen Augenblick überlegte ich, ob ich wenden und ihm folgen sollte. Und was dann? Schriftliche Botschaften austauschen? Nein, lieber nicht. Ich überquerte die Kreuzung Church Street, danach verschwand er aus meinem Blickfeld.

Er hatte meine E-Mail-Adresse, und ich hatte durchblicken lassen, dass ich auf dem schnellsten Weg mein Büro ansteuern würde - wenn er also mit mir Kontakt aufnehmen wollte, brauchte er nur zu seiner Versicherung oder seiner Bank zu fahren und sich hinter seinen PC zu klemmen.

Der Weg zurück zur Federal Plaza erschien mir dreimal so lang wie sonst an diesem Nachmittag. Ich saß auf glühenden Kohlen, ehrlich. Je mehr ich mich dem FBI-Gebäude näherte, desto heißer brannten sie mir unter dem Hintern.

Mit quietschenden Reifen fegte ich in die Tiefgarage. Den Weg vom Wagen zum Lift legte ich im Laufschritt zurück ...

Ich stürmte in unser Büro, knallte die Tür hinter mir zu, warf mich in meinen Bürosessel. Milo, am Schreibtisch gegenüber, runzelte die Stirn. »Was für ’n Arbeitseifer! Hast du Kraftfutter getankt?«

Ich antwortete nicht, konzentrierte mich auf meine Maschine: E-Mail Programm aufrufen, einwählen, Mail Box leeren.

»Was ist los, Partner?« Milo beobachtete mich. »Kummer mit deiner neuen Flamme?«

Es gab eigentlich keine »neue Flamme« - jedenfalls nicht direkt. Nur eine reizende Lady, mit der ich ein paar Mal ausgegangen war. Die neue Assistentin meines Zahnarztes, sie hatte mir eine langwierige Behandlung versüßt.

»Kummer möglicherweise«, sagte ich. »Aber nicht mit Diane.« So hieß meine Trösterin mit dem Absaugrohr.

Drei neue Nachrichten schickte der Server, eine von ihr lautete:

Drei Tage ohne dich, wie schade! Ich denke an dich. Ruf mich an, wenn du in Washington bist! Diane.

»Gibt’s Probleme mit deinem Job im Hauptquartier?« Milo verdrehte die Augen. »Jetzt red doch endlich, Partner!«

»Gleich, Milo, gleich ...«

Ich öffnete die zweite Mail. Ein paar Zeilen aus dem Hauptquartier. Sie bestätigten meine Ankunftszeit, beschrieben mir den Weg zu meinem Hotel und die Agenten, die mich abholen sollten. Ernest Raul und Timothy Lennert. Ernie kannte ich von ein paar Kursen in Quantico.

In Washington sollte ich den Chef vertreten, bei einer Konferenz über Terrorismusbekämpfung. Mr. McKee schickte mich hin, weil ich die größeren Erfahrungen im Kampf gegen islamistische Fanatiker hatte und auch beide Seiten der Medaille kannte. Vor allem nach dem letzten Fall, den Milo und ich bearbeitet hatten. Da war ein Unschuldiger ins Visier übereifriger Polizisten geraten, nur weil er Moslem und arabischer Abstammung war.

Auch über diesen Fall sollte ich während meines Referats berichten und die Kollegen mahnen, in der Bekämpfung des islamistischen Terrors nicht allzu voreilig vorzugehen, denn nach den schrecklichen Anschlägen des 11. September 2001 waren leider auch wiederholt völlig Unschuldige in die Ermittlungen unserer Behörde verstrickt worden ...

In seinen Bürostuhl zurückgelehnt und mit vor der Brust verschränkten Armen beäugte mich mein Partner. Wahrscheinlich beunruhigte ich ihn ähnlich wie mich zwanzig Minuten zuvor der Mann im koreanischen Imbiss.

Ich rief die dritte Mail auf. Sie kam von einem Server der Chase Manhattan Bank. Richard Preacher hieß der Absender - nie gehört. In der Betreffzeile stand: Frühlingsrollen.

»Das ist er!«, rief ich. »Komm her, Milo, schau’s dir an!«

»Wer und was?« Milo stand auf, ging um die Schreibtische herum und beugte sich über meine Schulter.

»Hab den Mann eben bei dem Koreaner in der Walker Street getroffen. Er kritzelte mir einen Hilferuf auf die Serviette, aber lies selbst ...«

Der Absender kam sofort zur Sache, ohne Anrede:

Ich kenne Ihr Gesicht, Mr. Trevellian, und weiß, dass Sie Polizist sind. Es war Zufall, dass ich Ihren Wagen in der Walker Street sah.

Gestern rief ein Mann bei mir an: Ich sei verwanzt, ein Killer habe mich schon im Visier. Sie wollen von mir die Gebäudepläne der Bank. Wenn ich sie bis um 17 Uhr nicht besorgt habe, töten sie mich. Und wenn ich Polizei einschalte, auch. Gestern Abend, auf dem Heimweg nach Queens, zerschoss jemand das hintere Seitenfenster meines Wagens. Ich bin am Ende! Was soll ich tun?! Bitte helfen Sie mir!!!

Milo pfiff durch die Zähne, und ich las die Mail ein zweites und drittes Mal.

»Was ist das für ein Typ?«, fragte mein Partner. »Ernst zu nehmen? Oder ein Verrückter?«

Der Drucker spuckte das Schreiben aus.

»Er machte auf mich einen seriösen Eindruck. Ein ganz normaler Mann, obere Mittelschicht. Und kurz vor einem Nervenzusammenbruch.«

Während ich redete, tippte ich bereits die Antwort:

Bleiben Sie vor Ihrem PC! In spätestens 15 Minuten hören Sie wieder von uns. Versuchen Sie, eventuelle Anrufe aufzuzeichnen. Trevellian, FBI.

»Dann gehen wir lieber mal davon aus, dass an der Sache was dran ist.« Milo griff schon nach seinem Jackett.

»Sehe ich auch so.« Ich zog die Mail aus dem Drucker-Schacht.

Keine Minute später saßen wir beim Chef am Konferenztisch.

»Den Plan der Chase Manhattan Bank - hm ...« Jonathan D. McKee las die ausgedruckte E-Mail einmal, er las sie zweimal. »Bis um 17 Uhr ...« Mr. McKee las die Mail zum dritten und zum vierten Mal. »Jemand hat angeblich auf ihn geschossen.« Endlich ließ er das Papier sinken. »Und Sie sind sicher, dass eines seiner Autofenster kaputt war, Jesse?«

»Es war zugeklebt, mit Pappe, glaube ich. Daraus schließe ich, dass es zerbrochen ist.«

Mr. McKee nickte, sah mich an, überflog ein weiteres Mal die Zeilen der ausgedruckten E-Mail, sah mich wieder an. »Beschreiben Sie mir den Mann bitte noch einmal, Jesse.«

»Ein smarter Typ, wie gesagt. Rasierter Schädel, ziemlich knochiges Gesicht, höchstens Anfang dreißig. Sah aus wie die meisten dieser Start-up-Typen in der Wall Street. Roch nach Geld und Erfolg und hatte die Hosen gestrichen voll.«

Aufs Neue las der Chef die Mail, als suchte er in ihren Worten Anhaltspunkte, die meine Beschreibung bestätigten. »Er hat Angst, ja, keine Frage ...«

Jonathan D. McKee legte das Papier vor sich auf den Tisch, stützte die Ellenbogen auf und legte die Fingerbeeren zusammen. Leicht vornübergebeugt saß er eine Zeit lang so, betrachtete mich scheinbar, sah in Wirklichkeit aber durch mich hindurch.

Himmel, wie vertraut war mir diese Haltung! Man konnte förmlich sehen, wie die Entscheidung hinter seiner Stirn Konturen annahm.

Nach ein paar Sekunden blickte er auf die Uhr. »Gleich zwanzig nach zwei. Ich habe das Gefühl, wir täten gut daran, von einem echten Notfall auszugehen. Schon allein wegen der jüngsten Terrorwarnung der CIA.«

Das Weiße Haus hatte vor zwei Tage eine Warnung des Geheimdienstes veröffentlichen lassen. Angeblich gäbe es Anhaltspunkte für einen bevorstehenden Anschlag auf amerikanische Einrichtungen. Nun ja, wann gab es die mal nicht seit dem 11. September ...

Jonathan D. McKee nickte entschlossen. »Die Erpresser werden in den nächsten zwei Stunden bei ihm anrufen, da bin ich sicher. Sie werden ihm sagen, wo er die Pläne hinbringen soll. Oder sehen Sie das anders, Gentlemen?«

Weder Milo noch ich widersprachen.

Mr. McKee griff nach einem der drei Telefonhörer auf seinem Schreibtisch. »Seien Sie so freundlich und verbinden mich mit der Chase Manhattan Bank, Mandy. Ich muss jemanden aus der Geschäftsführung sprechen, Personalleitung vielleicht. Oder noch besser einen der Direktoren.«

Er hielt die Sprechmuschel mit der Hand zu.

»Scheuchen Sie einen unserer Techniker auf, Milo. Er soll sich schon mal auf den Weg zum Financial District machen. Das Gespräch, falls es denn stattfindet, muss unter allen Umständen mitgeschnitten werden.«

Er wandte sich an mich.

»Rufen Sie Clive an, Jesse. Wir brauchen Kontakt zu einem Deputy vom Police Department. Wir brauchen Scharfschützen, Observanzen und so weiter. Bis um fünf brauchen wir jeden Special Agent, der seinen Fall vorübergehend ruhen lassen kann.«

Milo und ich zogen unsere Mobiltelefone aus den Jackentaschen. Jeder verzog sich in eine andere Ecke des Chefbüros. Während ich mit Clive sprach, hörte ich mit halbem Ohr den Chef mit der Bank telefonieren.

»Ja, Mr. Rogers - FBI, Sie haben richtig gehört. Ich werde Ihnen den Grund meines Anrufes genau erklären. Zuvor bitte ich Sie aber um eine Art Vertrauensvorschuss. - Ja, Sir, es könnte sich um eine ernste Sache handeln ...«

Mit wenigen Worten schilderte ich Clive die Sachlage. Er begriff sofort, was sein Job war. Er hatte eine Sonderkommission zu bilden. Es war ein kurzes Gespräch.

Bei Mr. McKee dagegen schien es sich hinzuziehen, »... meine Frage: Was ist Ihr Eindruck von Ihrem Mitarbeiter Mr. Richard Preacher? - Nein, er hat sich nichts zuschulden kommen lassen, im Gegenteil. Sagen Sie mir einfach, ob er vertrauenswürdig ist oder nicht.« Der Chef drückte die Taste für den Lautsprecher.

»Ich würde meine Hand für ihn ins Feuer legen, Mr. McKee, ohne mit der Wimper zu zucken«, tönte eine Männerstimme aus dem Lautsprecher. »Sie ermitteln doch nicht etwa gegen ihn?«

»Nein, Mr. Rogers, absolut nicht, im Gegenteil!«, versicherte Jonathan D. McKee. »Eine Frage noch, bevor ich Sie in den Fall einweihe, Sir ...«

Er blickte auf die Uhr, und unwillkürlich tat ich es auch: 14 Uhr 22. Noch vier Minuten, dann waren die 15 Minuten abgelaufen, die ich Preacher zu warten gebeten hatte.

»Was würde Mr. Preacher nach Ihrer Einschätzung tun, wenn ihn jemand erpresste?«

»Erpresste ...?«, quäkte die Stimme aus dem Lautsprecher.

»Nun, ich meine, wenn jemand von ihm einen Schlüsselcode der Bank oder wichtige Firmen-Interna und so weiter erpressen wollte - wie würde Preacher reagieren?«

»Er würde zur Polizei gehen. Oder gleich zu seinen Vorgesetzten.«

»Sind Sie ganz sicher, Sir?«

»Ganz sicher.«

»Danke, Sir. Mr. Preacher hat ein echtes Problem, wir brauchen dringend ein Foto von ihm. Wenn Sie das schon mal in die Wege leiten würden. Ich schildere Ihnen die Situation sofort, einen Augenblick Geduld bitte.«

Wieder legte Mr. McKee die Hand auf die Sprechmuschel. Der Lautsprecher des Apparats war zwar eingeschaltet, jedoch nicht die Freisprechanlage. »Haben Sie den Techniker erreicht, Milo?«

Mein Partner nickte.

»Gut. Er soll seinen Instrumentenkoffer nehmen und so schnell wie möglich zur Chase Manhattan Bank fahren, mit Rotlicht am besten. Irgendjemand soll ihn begleiten.« Mit ausgestrecktem Zeigefinger deutete er auf Milo. »Und dass er kein Wort mit Preacher spricht! Schärfen Sie ihm das ein!«

Milo nickte erneut und verschwand ins Vorzimmer.

Mr. McKee räumte seinen Sessel. »Und Sie, Jesse, setzen sich vor meinen Computer und nehmen Kontakt mit Preacher auf. Mailen Sie ihm, dass ein Team von uns kommt. Er soll Ihnen sein Handy geben - ohne Kommentar. Wir werden einen Mikroempfänger einbauen.«

Ich ließ mich in seinen Bürosessel fallen und rief das Mail-Programm auf.

»Und schreiben Sie ihm auch, dass er in wenigen Minuten keinen Schritt mehr tut, den wir nicht beobachten. Beruhigen Sie ihn, so gut Sie können!«

Er nahm die Hand von der Sprechmuschel.

»Hier bin ich wieder, Mr. Rogers. Kann ich mich darauf verlassen, dass diese Informationen unter uns bleiben?«

»Selbstverständlich, Sir.«

»Also, hören Sie gut zu. Richard Preacher wird erpresst. Jemand bedroht ihn und hat ihm ein Ultimatum gestellt ...«

image
image
image

2

image

Keine vierzig Minuten später hielten sich mindestens sechzehn Kollegen im Chefbüro auf. Es war noch nicht ganz viertel nach drei.

Einige Agenten saßen um den Konferenztisch herum, andere standen hinter den besetzten Stühlen oder lehnten an der Wand. Clive Dillaggio und sein indianischer Dienstpartner Medina, genannt Orry, waren dabei, auch Jennifer Johnson und Annie Maxwell. Der Chef reichte Kopien von Richard Preachers Mail in die Runde und schilderte die Vorgeschichte, also meine Begegnung mit dem Mann in der Walker Street.

Ich hockte an seinem Schreibtisch, empfing Preachers Nachrichten aus der Chase Manhattan Bank und beantwortete sie. Seine fünfte oder sechste E-Mail lautete:

Ich hab die Hosen gestrichen voll, Mr. Trevellian. Ganz ehrlich, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Angst gehabt. Nicht einmal vor meinem ersten Sex. Glauben Sie, ich komm aus der Sache lebend raus? Oder soll ich mir einen Bestatter suchen? Bis um 5 habe ich ja noch Zeit.

Der Mann hatte sich immerhin so weit aus dem Sumpf seiner Panik gewühlt, dass er wieder zu einem gewissen Galgenhumor fähig war, alle Achtung! Ich versuchte, auf der gleichen Schiene mit ihm zu kommunizieren, damit er uns nicht zusammenkrachte, wenn es ernst wurde. Falls es ernst wurde.

Das erste Mal ist eine haarige Sache, was?, schrieb ich, nur um überhaupt etwas zu schreiben. Richtig gefährlich wurde es bei mir hinterher. Plötzlich standen der Bruder des Mädchens und zwei Kerle zwischen den Büschen. Ich war siebzehn, sie über zwanzig. Hab mich irgendwie rausgehauen. Und Sie werden wir auch raushauen, okay?

Okay, Mr. Trevellian, schrieb er. Ich vertraue Ihnen. Glauben Sie, die bluffen?

Schon möglich, antwortete ich. Der Schuss auf Ihren Wagen gibt mir ein bisschen zu denken. Wer auf so einen schönen Wagen schießt, dem ist alles zuzutrauen. Wir gehen also mal vorsichtshalber davon aus, dass die Kerle nicht bluffen. Hat man Ihnen die Pläne schon gebracht?

Die Antwort kam prompt:

Liegen hier in einem Aluminiumkoffer auf meinem Schreibtisch. Gut, dass Sie den Direktor eingeweiht haben. Wenn alles vorbei ist, lade ich Sie auf ein Bier ein. Mein Handy klingelt!!!

»Jemand ruft ihn an!«, rief ich.

Sofort verstummten die Gespräche am Konferenztisch. Augenblicke später drängten sie alle um Jonathan D. McKees Schreibtisch und mich. Quälend langsam krochen die Sekunden dahin.

Endlich das Telefon, der Chef nahm ab und stellte gleichzeitig den Lautsprecher an. »La Rocca«, meldete sich eine Männerstimme. »Die Erpresser haben angerufen.«

»Lassen Sie hören, Fred«, bat der Chef.

Fred La Rocca hatte unseren Spezialisten in die Bank begleitet. »Okay«, sagte Fred. »Hier ist die Aufnahme.«

Es knackte in der Leitung, es rauschte, dann eine tiefe Männerstimme. »Haben Sie die Pläne, Preacher?« Anderthalb Dutzend Köpfe senkten sich über das Telefon.

»Ja. Wer sind Sie?«

»Jemand, den Sie schnell wieder vergessen sollten, wenn Sie alles erledigt haben. Wie sieht die Tasche aus, in die Sie die Pläne stecken werden?«

»Ein kleiner Aluminiumkoffer.«

»Okay. Stift und Papier in der Nähe?«

»Ja.«

»Notieren Sie: 17 Uhr, Seaport, Fulton Fish Market. Haben Sie’s?«

»Ja.«

»Wenn Sie die Halle betreten, ist rechts gleich ein Stand mit Schalentieren Krebsen, Hummer und solchem Viehzeug. Der Händler heißt Galotti. Kapiert?«

»Ich hab es notiert.« Preachers Stimme klang gepresst und heiser.

»Sie stellen den Koffer auf die rechte Seite des Standes und schieben ihn mit dem Bein ein Stück unter die Auslagen. Dann kaufen Sie sich was Schönes zum Abendessen, verschwinden und vergessen die ganze Geschichte. Alles klar?«

»Ja, ja ...« Preacher räusperte sich. »Ich habe verstanden.«

»Davon geh ich aus«, sagte die Bassstimme. »Geht schließlich um Ihre Haut. Wenn wir merken, dass Sie falsch spielen - und wir würden es sofort merken -, wenn wir also irgendwelche Bullen am East River entdecken, oder wenn die Pläne getürkt sind, machen wir Sie fertig!« Es knackte in der Leitung.

»Hallo? Hören Sie ...?«

Und wieder ein Knacken. Fred meldete sich. »Das war’s, Sir. Und nun?«

Der Chef blickte in die Runde. Milo sprach als Erster aus, was alle dachten. »Was soll das? Laufen auf dem Fischmarkt seit Neuestem auch Nachmittagsgeschäfte?«

Jonathan D. McKee schüttelte den Kopf. »Vom frühen Morgen bis zum Mittag. Seit Adam und Eva.« Er setzte sich auf den Schreibtisch, konzentrierte sich auf Fred. »In was für einem Zustand ist Preacher?«, wollte er wissen.

»Ziemlich nervös, verkrampft. Er schwitzt, seine Hände zittern. Mehr kann ich nicht sagen. Wir haben ja die Anweisung, nicht mit ihm zu reden.«

»Gut, Fred. Dabei bleibt es auch. Wir halten den Kontakt mit ihm über E-Mail von der Federal Plaza aus.« Der Chef blickte auf die Uhr. »Gleich halb vier. Jesse wird ihm jetzt schreiben, dass er sich um vier auf den Weg machen soll. Sie und unser Techniker folgen ihm. Ein paar Kollegen werden sich ebenfalls an ihn hängen.«

»Nun, Sir, schon verstanden, aber in den Hallen läuft um die Zeit nichts mehr.«

»Egal. Vielleicht ein Trick, vielleicht ruft der Erpresser noch einmal an.« Jonathan D. McKee legte auf.

»Fragen Sie mich bloß nicht, was ich davon halte, Gentlemen, ich bin so ratlos wie Sie.« Er wandte sich an mich. »Los, Jesse. Schicken Sie eine Mail an Preacher. Wahrscheinlich hat er vor lauter Schreck vergessen, dass der Fulton Fish Market längst zu hat. Oder er kauft nie dort ein. 16 Uhr. Wir lassen ihn keinen Moment aus den Augen, schreiben Sie ihm das.« Er winkte die anderen hinter sich her zum Stadtplan an der Stirnwand seines Büros.

Ich hämmerte die Nachricht an Richard Preacher in die Tastatur und schickte sie auf die Reise. Die Antwort kam vier Minuten später:

In Ordnung, Mr. Trevellian. Um 4 Uhr mache ich mich auf den Weg. Ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann.

Kurz nach vier, noch fünf Stunden, bis mein Flug nach Washington ging. Der Chef empfahl mir, in mein Apartment zu fahren und meine Sachen zu packen. Ich aber wollte sehen, wie die Sache ausging. Immerhin war ich derjenige gewesen, bei dem Preacher um Hilfe geschrien hatte. Notfalls würde ich eine spätere Maschine nehmen.

Wir nahmen einen Dienstwagen, einen grauen Mercury. Mein roter Schlitten war einfach zu auffällig. Auf spezielle Verkleidung als Touristen oder Ähnliches hatten wir verzichtet - unser normales Dienst-Outfit unterschied sich nicht groß von den Business-Klamotten, in denen ein durchschnittlicher Manhattie abends sein Büro verlässt. Nur zwei Aktentaschen hatten wir uns besorgt ...

Gegen zwanzig nach vier fuhren wir den Broadway Richtung Battery Park entlang. »Die Kerle müssen sich ihrer Sache verdammt sicher sein«, sagte Milo. »Über drei Minuten lang haben sie mit Preacher telefoniert.«

»Und nicht einmal einen Stimmverzerrer benutzt.« Ich saß am Steuer des Mercury. Schnell erreichten wir den Park. Der Broadway mündet hier in die State Street. »Das sind keine Terroristen. Nicht einmal Profis, wenn du mich fragst.«

Unser Spezialist hatte eine Fangschaltung in Richard Preachers Handy installiert. Der Erpresser-Anruf war von einer Telefonzelle in der Innenstadt von Jersey City aus geführt worden. Die City Police dort war längst auf dem Plan. Doch keiner von uns gab sich Illusionen hin: Der Anrufer war längst im Feierabendgedränge untergetaucht.

Ich folgte der Linkskurve, die die State Street am Südzipfel Manhattans beschreibt, und fuhr in die Water Street hinein. Bewusst nahmen wir einen anderen Weg als Richard Preacher in seinem Benz E.

Aus dem Funkgerät hörten wir die Positionsmeldungen der einzelnen Teams: Scharfschützen bezogen Stellung auf dem Viadukt und auf den Piers vor der Markthalle, Agenten gesellten sich zu Souvenirhändlern und Eisverkäufern vor dem Schifffahrtsmuseum, andere schlenderten als Touristen über die Fulton Street und im Seaport Center herum.

»Medina an Einsatzzentrale«, tönte es zuletzt aus dem Empfänger.

»Preacher biegt eben in das Parkhaus an der Front Street ein. Fred folgt ihm mit seinem Dienstwagen. Ende.«

»Verstanden, Medina:« Das war die Stimme des Chefs. Jonathan D. McKee leitete den Einsatz persönlich von einem mit Kommunikationstechnik vollgestopften Van aus. Der stand irgendwo auf der Beekman Street an der nördlichen Seite des Seaport Center. »Fahren Sie zum Fish Market weiter und laden Sie Ihr Putzzeug aus. Lassen Sie sich Zeit. Ende.«

»Verstanden, Ende.«

Clive und Orry hatten es geschafft, sich auf die Schnelle den Firmenwagen eines Gebäudereinigungsunternehmens zu organisieren.

Als Fensterputzer getarnt sollten sie den Eingang zur ersten Halle im Auge behalten.

Wir überquerten die Kreuzung Fletcher Street. Ein Blick auf die Borduhr: zwanzig vor fünf. »Die Stunde der Wahrheit naht«, sagte Milo.

»La Rocca an alle«, schnarrte es aus dem Funkgerät. »Preacher verlässt jetzt das Parkhaus. Er hat den Koffer mit den Plänen dabei. Ende.«

»Einsatzzentrale an La Rocca. Kein neuer Anruf der Erpresser?«

»Nein, Sir. Ende.«

»Sie wollen ihn testen.« Ich setzte den Blinker und bog rechts in die St. Jonathan Street ein. »Einer, der einen geschlossenen Markt ansteuert, hat aus ihrer Sicht keinen Kontakt mit der Polizei aufgenommen.«

»Klingt ein bisschen nach Zweckoptimismus«, sagte Milo. »Wenn du recht hättest, bleibt Ihnen nicht mehr viel Zeit, um ihn noch umzuleiten.«

»Vielleicht auch nur eine Vorsichtsmaßnahme.« Die Wahrheit war: Ich hatte keine Erklärung.

Das Parkhaus schob sich in unser Blickfeld. Kurz vor der Kreuzung Front Street stoppte ich den Mercury im Halteverbot.

Den Viadukt und den East River konnten wir von hier aus sehen. Den Fulton Fish Market verdeckten die großen Gebäudekomplexe des South Street Seaport links von uns.

Wir spähten in die Front Street. Passanten strömten nach Norden zum Seaport. Milo sah auf Preachers Foto am Armaturenbrett und gleich wieder auf die Menge der Passanten. »Ist er das?«

Jetzt sah ich den Kahlkopf im grauen Anzug und mit dem Aluminiumkoffer auch. »Ja, das ist er.«

Mein Handy dudelte. Ich zog es hervor. »Trevellian!«

»Schätze, Sie werden ihn beobachten, Trevellian, was?«, sagte eine Bassstimme. »Dann schauen Sie jetzt ganz genau hin, was passiert.«

image
image
image

3

image

»Shit!« Ich brüllte vor Wut. »Verdammter Shit! Sie wissen, dass wir ihn beobachten!« Ich riss das Mikro aus der Halterung. »Trevellian an alle! Der Kerl hat mich angerufen! Sie wissen, dass wir hier sind!«

»Einsatzzentrale an Trevellian.« Der Chef. »Was hat er gesagt, Jesse?«

»Ich soll genau hingucken! Irgendwas wird gleich passieren!«

»McKee an alle! Auf verdächtige Fahrzeuge achten! Auf Schützen an Fenstern! Wer Sichtkontakt zu Preacher hat, raus aus der Deckung! Passanten in Sicherheit bringen und weg von der Straße mit dem Mann ...!«

Milo und ich setzten uns die Headsets auf, mit Kopfhörer und Bleistiftmikro. Gleichzeitig sprangen wir aus dem Wagen. Preacher lief etwa 150 Meter von uns entfernt über den Bürgersteig der Front Street. Wir rannten auf die Kreuzung und ...

Da geschah es!

Der Lichtblitz blendete meine Augen, mein Hirn aber weigerte sich, ihn für Wirklichkeit zu halten. Allein mein Instinkt zwang mich, auf den Explosionsdonner zu reagieren, und ich warf mich auf den Asphalt, verschränkte die Arme über dem Kopf.

Plötzlich schrien überall Menschen. Das konnte kein Albtraum, das musste die Wirklichkeit sein.

Ich hob den Kopf. Neben mir lag Milo. Und dort, wo eben noch Richard Preacher gewesen war, sah ich Leute, die sich auf dem Bürgersteig wälzten, sah Trümmer, Kleiderstücke, reglose im Rinnstein und auf der Straße liegende Körper.

Ich starrte sie an und begriff nicht. Der Wind spielte mit Papierfetzen. Nein, ich begriff überhaupt nichts.

»Er wollte sie ihnen doch bringen«, flüsterte Milo neben mir. »Er hat doch getan, was sie verlangt haben ...«

Er wusste nicht, was er stammelte, und ich begriff sein Gestammel nicht ...

image
image
image

4

image

Wir taumelten zum Ort der Verwüstung, zu den Toten und Verletzten, zu Glasscherben, Papierfetzen, Resten von Aktentaschen, Fotoapparaten und zerrissenen Kleiderstücken.

Kein Handy klingelte, keine Stimme meldete sich im Kopfhörer meines Headsets, unendlich allein kam ich mir vor, obwohl doch Milo neben mir ging.

Sirenen näherten sich, Menschen riefen um Hilfe, Menschen liefen von allen Seiten herbei. Ich erkannte Fred La Rocca, ich erkannte Orry, Clive und Jennifer Johnson.

»Warum höre ich nichts mehr, G-Men?« Die Stimme des Chefs in meinem Ohr zwang meinen Verstand, seine Arbeit wieder aufzunehmen. »Hat Preacher den Fischmarkt erreicht? Ist er endlich angerufen worden? Ich bitte um Meldung!«

»Er ist tot, Sir.« Clives tonlose Stimme. »Eine Bombe hat ihn zerrissen. Und nicht nur ihn. Preacher muss den Sprengstoff am Körper getragen haben.«

Schweigen zunächst. Dann sehr leise: »Ich bin sofort bei Ihnen.«

Es folgten Minuten, die weiter nichts als ein schwarzes Loch in meiner Erinnerung hinterließen. Natürlich weiß ich noch, dass wir Verletzte bargen, nach den Toten sahen und Menschen zu beruhigen versuchten, die geschockt und halb besinnungslos am Bordstein hockten oder mitten auf der Straße wankten.

Mein Verstand weiß es, mein Gefühl weiß nichts mehr. Ich habe diese Minuten verdrängt.

Als Ambulanzen und Streifenwagen die Front Street auf einer Länge von 30 Metern verstopften und sich Notärzte und Sanitäter um die Verletzten kümmerten, legte mir jemand den Arm um die Schulter und zog mich weg. »Kommen Sie, Jesse, kommen Sie mit mir ...«

Es war der Chef.

Jennifer erzählte mir später, ich wäre vor jedem Toten und Verletzten mindestens vier Mal in die Hocke gegangen, um nachzusehen, ob es sich eventuell um Richard Preacher handelte. Um die Überreste seiner Leiche hätte ich angeblich jedes Mal einen Bogen gemacht.

Bis der Chef mich vom Ort des Grauens wegführte.

Ich habe es Jennifer nie geglaubt. Bis heute glaube ich es nicht.

Das, was von dem jungen Broker noch übrig war, konnten unsere Pathologen erst Stunden später identifizieren.

image
image
image

5

image

Wir versammelten uns um die Einsatzzentrale, den Van mit der teuren Kommunikationstechnik, die Preacher nicht hatte retten können. Die Seitentür stand offen, einige saßen auf dem Trittbrett, andere im Wageninneren, die meisten standen einfach davor.

Lauter bleiche Gesichter, lauter zusammengepresste Lippen, über die kein Wort kommen wollte. Ich sah Kollegen mit Tränen in den Augen, ich sah Kollegen rauchen, die ich noch nie hatte rauchen sehen, und ich werde den Teufel tun, ihre Namen hier zu veröffentlichen.

Jonathan D. McKee brach das Schweigen als Erster. Was blieb ihm übrig, er war der Chef. Er atmete tief durch und sagte ungefähr Folgendes: »Es geht mir nicht anders als Ihnen, Ladys und Gentlemen - ich möchte schreien und fluchen, und ich werde es irgendwann nach Dienstschluss wahrscheinlich auch tun. Aber jetzt muss ich funktionieren, und Sie auch.« Mit einer Kopfbewegung deutete er auf die Einsatzfahrzeuge.

»Jetzt ist die Stunde der Spezialisten. Spurensicherung und Sprengstoffexperten tun ihre Arbeit. Bis wir ihre ersten Befunde auf dem Tisch haben, dauert es ein paar Stunden. Wir werden jetzt also zur Federal Plaza fahren und jede Minute der letzten drei Stunden analysieren.«

Er wandte sich an mich.

»Und Sie, Jesse, werden jetzt auf Staatskosten in Ihr Apartment fahren, Ihre Sachen packen und auf Staatskosten ein Taxi zum La Guardia Airport nehmen. Es muss ein Vertreter New York Citys an der Konferenz teilnehmen, da führt kein Weg dran vorbei.« Er blickte auf seine Armbanduhr. »Schon so spät. Fliegen Sie mit der Neun-Uhr-Maschine. Mandy wird das organisieren. Falls wir noch Fragen an Sie haben, rufen wir Sie an. Grüßen Sie mir den Direktor.«

Ich nickte. Wenn er mir gesagt hätte, ich sollte in den East River springen und nach Brooklyn hinüberschwimmen, hätte ich auch genickt.

Zusammenfassung

Ein Unbekannter bittet FBI-Agent Jesse Trevellian um Hilfe und behauptet, er würde erpresst und sein Leben sei bedroht. Trevellian und sein Chef McKee glauben dem Mann und organisieren eine Überwachung, doch bevor er die erpressten Dokumente übergeben kann, explodiert er vor den Augen des FBI. Trevellian und seine Kollegen sind geschockt. Da meldet sich Nadja Mastok, eine skrupellose Söldnerin und frühere Gegenspielerin des Special Agents, und droht ihm, dass er auch in die Luft fliegen wird, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllt. - Als der G-Man kurz darauf nach Washington fliegt, schlägt ein Sprengstoffspürhund im Flughafen Alarm, doch bei einer Leibesvisitation wird kein Sprengstoff gefunden …

Details

Seiten
106
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929461
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juni)
Schlagworte
scharfe bombe

Autor

Zurück

Titel: Scharfe Bombe, die nicht tickt