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Die Raumflotte von Axarabor - Band 89 - Hohepriester der Planetenfresser

2019 74 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Hohepriester der Planetenfresser

Copyright

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Hohepriester der Planetenfresser

Die Raumflotte von Axarabor - Band 89

von Stefan Hensch

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Der Enthüllungsjournalist Scott Nelsen ist einer ganz heißen Sache auf der Spur. Es geht um eine streng geheime Waffe der axaraborianischen Raumflotte. Als er klassifizierte Informationen zugespielt bekommt, nimmt seine Recherche rasant Fahrt auf. Doch Nelsen hat sich mit den falschen Kräften angelegt. Aber das versteht er erst, als er in Kontakt mit einer monströsen Spezies kommt …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /COVER 3000 AD 123rf STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Bar war gut besucht. Der süßliche Duft der Pfeifen hing in der Luft, vermischte sich mit dem schweren Parfüm der Nutten und Stricher. Passend dazu drang der zwitschernde Rhythmus der Daringa Bässe aus den Lautsprechern. Die Besucher hatten gute Laune. Sex hing in der Luft. Aber Scott Nelsen war deshalb nicht gekommen, nicht dieses Mal.

Sein Tisch stand in einer Nische, und gestattete dem Journalisten einen hervorragenden Rundumblick. Niemand kam in das kleine Lokal, ohne von ihm gesehen zu werden. Vor Nelsen stand ein dampfendes Glas Jalypso, dass er immer geschüttelt bestellte. Das Koffein der Jarrron-Frucht tat ihr übriges dazu, dass Nelsen wach blieb. Es war schon sein fünfter Jalypso, und wenn sein Kontakt nicht bald aufkreuze, würde es gleichzeitig auch das letzte Glas sein.

Interessiert beobachtete Nelsen eine Tänzerin in einem Käfig auf der anderen Seite der Tanzfläche. Eigentlich war er nicht gekommen, um sich entsaften zu lassen. Bei dem Anblick kam er aber ins Nachdenken. Kaffeebraune Haut, eine perfekte Stundenglasfigur und ein ziemlich attraktives Gesicht. Der Journalist musste sich innerlich zur Ordnung rufen. Auch wenn er generell gerne das Angenehme mit dem Nützlichen verknüpfte, heute war er aus rein dienstlichen Gründen gekommen. Missmutig nahm Nelsen einen tiefen Schluck Jalypso und schluckte die herbe Flüssigkeit herunter.

Am Eingang der Bar erschien ein etwas zu alter und ebenso auch zu fülliger Anzugträger. Spontan wusste der Journalist, dass dies sein Mann war. Grinsend stand er auf, winkte dem Mann. Wenn es doch nicht der Kontakt war, würde er jetzt eben zumindest einen neuen Menschen kennenlernen. Das war immer noch besser, als frustriert die Segel zu streichen.

Der Mann sah Scott, und kam schnurstracks auf den Tisch zu. „Sie sind Nelsen?“

Der Journalist lachte. „Aber nur, wenn Sie Havock sind!“

Die beiden Männer lachten. Bei Nelsen war es echt, bei dem anderen Mann nur gespielt.

„Setzen Sie sich doch bitte“, sagte der Journalist.

Augenblicklich kam eine leicht bekleidete Bedienung auf den Tisch zugesteuert. „Was zu trinken und etwas Gesellschaft?“

Hektisch sah Havock zu Nelsen, dann wieder zu der Bedienung. „Ähm, nein. Nur ein Fossner.“

Die Kleine nickte grinsend, und verschwand dann wieder.

„Seltsames Etablissement für ein Treffen.“

Nelsen nickte. „Es ist zugleich öffentlich, bietet aber genug Privatsphäre.“ Der Journalist hatte noch eine andere Bemerkung auf der Zunge, schluckte sie aber lieber herunter. Er wollte ja schließlich Informationen von dem Verwaltungsbeamten, da war es zweitrangig, was dieser mit seiner Bezahlung anfangen wollte.

Havock lecktete sich flüchtig über die Lippen. „Haben Sie das Geld dabei?“

Scott hatte damit schon gerechnet. Nichts war umsonst. Nutten, Informationen, Brot. Alles hatte seinen Preis, alles fand seinen Käufer. Aber er war vorbereitet. Lässig schob er Havock einen Briefumschlag zu. „Mehr als abgemacht, Sie hatten schließlich Unkosten.“

Havock legte grinsend seine fleischige Hand auf den Umschlag, zog ihn zu sich herüber. Ehe er ihn einsteckte, sah er sich verschwörerisch nach links und rechts um. Niemand beobachtete ihn, niemand richtete ein Objektiv auf ihn. Zumindest sah er definitiv nichts in der Richtung.

Die Kellnerin kam zurück und stellte das große Glas mit dem öligen Fossner auf die Tischplatte ab, zwinkerte dabei Havock zu. Gut für das Trinkgeld, gut für den Nebenerwerb.

„Also, was haben Sie für mich, Mister Havock?“

Ohne mit der Wimper zu zucken, schob der massige Mann einen Chip zu Nelsen herüber. Der kleine Datenträger klebte auf einem Notizzettel und war kleiner als ein Fingernagel.

Nelsen zog seinen Handcomputer aus der Innentasche des Sakkos, um ihn über den Chip zu halten. Der Computer erfasste die Daten. Sekunden später stellte das Gerät sie auf dem Display dar. Havock hatte Wort gehalten, es war ein verdammt großer Datenbestand. Beim Blättern über die Verzeichnisstruktur stellte der Journalist fest, dass es sich auch tatsächlich um die bestellten Informationen handelte. Soweit war alles gut. Blieb nur eine Frage.

„Sie wissen, dass Sie ein ziemlich hohes Risiko eingehen?“

Havock sah den Journalisten mit kritischem Blick an. „Aber Sie schützen mich doch?“

Nelsen unterdrückte ein böses Lächeln. „Von mir erfährt niemand etwas über Ihre Identität, Mister Havock.“ Er trank den Rest Jalypso. „Meist genügt aber einfache Deduktion bei den Behörden, um die undichte Stelle zu lokalisieren.“

Havock lachte. „Mister Nelsen, ihre Bemühungen in allen Ehren. Ich bin nicht bescheuert. Selbstverständlich habe ich Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“

Der Journalist nickte. Also würde ein Unschuldiger für den Geheimnisverrat von Havock bluten müssen. Er fragte sich, ob der Bedauerliche überhaupt erfahren würde, weshalb er einen Großteil seines Lebens zukünftig auf einem mineralstoffreichen Asteroiden mit Zwangsarbeit verbringen würde. Dann presste er seine Lippen zusammen. Was hatte er auch erwartet? Havock hatte nicht Karriere gemacht, weil er so ein netter Kerl war. Außerdem lebte Nelsen als Journalist gerade auch von solchen Arschlöchern. Manchmal war das Geschäft eben widerlich. Das traf wahrscheinlich auf fast jeden Beruf zu, bei dem man mit Menschen zu tun hatte. Journalisten waren aber letztlich wie Politiker nur Huren der öffentlichen Meinung. Beide lebten davon, dass die Menschen ihre Meinungen nur bestätigt haben wollten.

Havock setzte das Fossner an die Lippen und leerte es zur Hälfte. „Es war schön, mit ihnen Geschäfte zu machen.“

Nelsen nickte. Der Beamte ekelte ihn zwar an, aber er hatte das geliefert, wofür der Journalist ihn bezahlt hatte.

„Ich habe noch weitere Informationen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. Wenn Sie mal wieder Material für einen Artikel brauchen, lassen Sie es mich wissen.“ Havock kippte den Rest des Getränks herunter. Zum Abschied reichte er Nelsen seine Rechte.

„Vielen Dank. Ich komme auf Sie zurück, Mister Havock“, presste er hervor.

Der Beamte nickte, dann stand er auf und verließ zufrieden grinsend das Lokal. Auch er hatte bekommen, was er haben wollte.

 

 

2

Nelsen hatte sich noch etwas länger die Tänzerin im Käfig angesehen, dann hatte er die Bar ebenfalls verlassen. Auf der Straße standen zwei Robotaxis, also brauchte er sich keines zu rufen. Der Journalist entschied sich für den vorderen Wagen und stieg ein. Der Bordcomputer erkannte ihn als Scott Nelsen. „Wohin soll die Fahrt gehen, Mister Nelsen?“

Er nannte seine Adresse und das Taxi setzte sich in Bewegung. Nelsen grinste still vor sich hin. Das hier konnte das ganz große Ding werden. Als Journalist hatte er eine steile Karriere hingelegt. Zuerst hatte er auf eigene Kappe Artikel veröffentlicht, dann war eine kleine Redaktion auf ihn aufmerksam geworden. Von dort war es weiter und weiter gegangen, bis er zum Chronisten gekommen war. Sein Gehalt war gut, das Spesenkonto ebenfalls.

Als das Robotaxi unter einer Brücke herfuhr, sah er sein Spiegelbild in der Scheibe. Er wollte aber mehr. Viel mehr. Das ganze Sternenreich sollte ihn und seine Arbeit kennen. Vielleicht würde diese Story dazu beitragen. Nein, dachte Nelsen. Nicht vielleicht. Diese Geschichte war heiß, sogar verdammt heiß. Zum ersten Mal hatte er von dem Projekt gehört, als er ein Feature über die Offensive gegen die Neraner geschrieben hatte. Er hatte zwei Offiziere der Raumflotte belauscht, aber später wollte keiner der beiden etwas darüber gesagt haben. Projekt Sturmbringer, erinnerte sich der Journalist. Seitdem war er wie besessen davon.

Das Taxi bog auf den Beschleunigungsstreifen des Highways, der direkt zu dem Vorort führte, wo Nelsen wohnte. Der Wagen beschleunigte deutlich, während der Journalist seinen Handcomputer konsultierte.

 

*

 

Zuhause angekommen hatte sich Nelsen zuerst unter die Dusche gestellt. Seine Haut und seine Haare hatten immer noch nach dem süßlichen Dampf der Pfeifen aus der Bar gerochen. Er hasste diesen Geruch.

Danach hatte er sich seinen Bademantel übergeschmissen und sich die gekauften Daten weiter angesehen. Auch nachdem er einige detaillierte Stichproben ausgewertet hatte, wurde sein Optimismus keinesfalls geschmälert. Im Gegenteil, Nelsen glaubt sich unaufhaltsam seinem großen Triumph zu nähern. Doch je länger er sich mit dem Datenmaterial beschäftigte, desto deutlicher sah er auch ein Problem auf sich zukommen. Einige der Dateien stammten direkt aus den Werften auf Dentaris. Ebenso waren klassifizierte Analysen des Flottenoberkommandos vorhanden. Bevor er sich auf diese Quellen berufen konnte, musste er zuerst einen Termin mit der Rechtsabteilung des Chronisten machen. Andernfalls konnte er sich sehr bald vor einem Gericht des Sternenreichs wiederfinden. Hochverrat lautete in diesem Zusammenhang das Stichwort, gegen das auch Journalisten definitiv nicht immun waren.

Nach gut zwei Stunden fand er, wonach er angestrengt gesucht hatte. Triumph durchflutete den Journalisten und seine Augen leuchteten. Projekt Sturmbringer. Fasziniert las der Journalist die Projektbeschreibung, und die technischen Daten. Dabei klappte seine Kinnlade herunter. Das Projekt befand sich bereits in einer weiter fortgeschrittenen Phase, als er es vermutet hatte. Im Grunde stand die neue Technologie kurz vor Indienststellung. Nur der gewählte Hochadmiral musste noch sein Einverständnis erklären.

Fieberhaft las Nelsen weiter. Was in den Berichten formuliert wurde, war einfach unglaublich. Nein, verbesserte er sich. Ungeheuerlich!

So wie er die Akten verstand, ging es nicht um eine einzige Waffe, sondern einen ganzen Schiffsverband. Dieser Verband setzte sich aus modifizierten Fregatten und Kreuzern zusammen, die über ein kompliziertes Netzwerk miteinander in Verbindung standen. Eine Schlüsselrolle übernahm dabei das Flaggschiff des Verbands, ein schwerer Kreuzer. Auf Deck dieses Schiffs befand sich die Hauptenergiequelle für die neuartige Waffe des Projekts. Um einsatzbereit zu sein, mussten sich die anderen Schiffe in einer speziellen Formation um das Führungsschiff befinden. Sobald die Schiffe in die richtige Konstellation zueinander gegangen waren, emittierte das Flaggschiff einen gewaltigen Energiestoß auf zunächst zwei weitere Schiffe. Diese beiden Schiffe verteilten die Energie dann über zwei Prismen auf den übrigen Schiffsverband und steigerten dabei kontinuierlich die Stärke der Energie. Am Ende wurde der Strahl auf diese Weise maximalst fokussiert und auf das Zielobjekt gelenkt. Nelsen schluckte. Es handelte sich nämlich nicht eine Waffe, mit der Großkampfschiffe bekämpft werden sollten. Auch gegen Kleinstraumschiffe war der Einsatz der Waffe nicht vorgesehen. Anstelle dessen sollten mit dem Projekt Sturmbringer ganze Planeten angegriffen und vernichtet werden können.

Nelsen blätterte weiter auf seinem Handcomputer und kam zu einer zusammenfassenden Bewertung des Projekts. Der Verfasser der Studie war voll des Lobes über die unglaubliche Effektivität der Waffe. Dabei wurde ganz dezidiert eine Anwendung vorgeschlagen. Sollten Planeten des Sternenreichs dem Feind in die Hände fallen, könnte Projekt Sturmbringer als Alternative Z infrage kommen. Auf diese Weise würde dem Feind keine rohstoffreiche Welt hinterlassen werden, sondern nur noch verbrannte Erde. Die Befürwortung dieses Projekts wurde als alternativlos dargestellt.

 

 

3

Havock hatte eine etwas weitere Heimreise als Nelsen gehabt. Aber schlussendlich hatte auch er es geschafft. Er kam in den frühen Morgenstunden bei seinem Haus an. Der Regierungsbeamte kam aus keinem armen Elternhaus, hatte in der Bürokratie des Sternenreichs Karriere gemacht. Das sah man auch dem großzügigen Grundstück und dem Bungalow aus Synthoklast an. In seiner direkten Nachbarschaft gab es zwar ein größeres Gebäude, aber dennoch musste das Haus von Havock keinen Vergleich scheuen. Der gestrige Abend hatte den Beamten nicht ärmer gemacht, ganz im Gegenteil. Dafür war der beleibte Mann nun aber auch ganz schön erschlagen.

Müde öffnete er die Tür seines Eigenheims und trat ein. Havock bewohnte das Haus ganz allein, denn er hatte keine Familie. Anderen erzählte der hochrangige Beamte, dass sich eine Familie nicht mit seiner Karriere vertagen hätte. Aber das war eine Lüge. In Wirklichkeit hatte Havock niemals viel Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen gelegt. Für ihn war das nichts anderes als Zeitverschwendung. Anstelle dessen interessierten den Mann nur das Geldverdienen und die schnelle Bedürfnisbefriedigung. Bedürfnisse hatte Havock nämlich durchaus. Schon vor langen Jahren hatte er deren Befriedigung jedoch auf die Virtualität beschränkt. Dies war die Sphäre, in der sich der Beamte das holte, was ihm in der Realität fehlte. Im virtuellen Raum gab es kein Limit und kein Tabu, solange der User den Preis dafür zahlen konnte. Havock zahlte kontinuierlich wachsende Beträge für seine zumindest ungewöhnlichen Gelüste. Dafür bekam er von den Programmierern lebensechte Erfahrungen geliefert. Egal ob es um die Teilnahme an einem Krieg, das Foltern Unschuldiger oder Massenerschießungen ging – für einen zahlungswilligen Sadisten wie Havock war dort alles möglich.

Er drückte die Haustür hinter sich zu. Automatisch verriegelte sich die Tür mit den zahlreichen Sicherungsbolzen. Sicherheit war Havock nämlich besonders wichtig. Er brauchte einfach eine Rückzugsmöglichkeit, wenn er von einem anstrengenden Tag in der Administration nach Hause kam. Heute würde er sich nur noch kurz waschen, dann würde er in sein Bett fallen. Dies war zumindest sein Plan.

Doch da sah er Lichtschein in seinem Wohnzimmer. Hatte er etwa die ganze Zeit die Beleuchtung brennen lassen?

„Licht in Wohnzimmer ausschalten“, schnarrte Havock. Nichts passierte. Das System des Eigenheims schien seinen Befehl nicht mitbekommen zu haben, denn der Lichtschein bleib.

„Hauskontrolle“, versuchte es der Beamte erneut. Aber das System reagierte gar nicht. Verärgert ging er mit schnellen Schritten zum Wohnzimmer. Dann musste er eben das Licht manuell ausschalten. Morgen früh würde er dann mal die Hauskontrolle neustarten, heute brauchte er sie ohnehin nicht mehr.

Havock trat ins Wohnzimmer. Das Kontrollpanel befand sich direkt an der Tür. Doch plötzlich blieb Havock wie angewurzelt stehen.

Zuerst glaubte er zu halluzinieren. Dort saß jemand!

„Guten Abend, Mister Havock!“

Der Beamte verengte seine Augen zu Schlitzen. Er hatte den Mann noch nie gesehen. Der Kerl hatte ein absolutes Allerweltsgesicht und auch seine Kleidung war völlig unauffällig. So sahen tausende von Männern auf dem Planeten aus. Was wurde hier gespielt? Wie war dieser Typ in sein Haus gekommen?

„Was machen Sie hier? Ich werde die Polizei rufen!“

Der Fremde lachte. „Aber, aber. Ich bitte Sie, Mister Havock. Ich wollte mit Ihnen reden.“

Der Regierungsbeamte hörte etwas hinter sich. Es konnte keinen Zweifel geben, hinter ihm war jemand. Er bekam eine Gänsehaut, und sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

„Setzen Sie sich doch, Mister Havock.“ Der Typ machte eine Handbewegung in Richtung des Sofas. „Ich möchte mich nur mal ganz entspannt mit Ihnen unterhalten.“

Der Eigentümer des Hauses bewegte sich keinen Zentimeter. „Wer sagt Ihnen denn, dass ich mit Ihnen reden will?“

Der unangemeldete Besucher lächelte ein freudloses Lächeln. Sekunden später trat jemand Havock von hinten die Beine weg. Der gewichtige Mann schlug der Länge nach hin.

„Schön, dass Sie nähergekommen sind. Ich spreche ungern laut.“

Die Augen des Beamten richteten sich mit einem gefährlichen Glanz auf den Fremden. „Was wollen Sie von mir?“

Der rechte Zeigefinger des Fremden schnellte in die Höhe. Dann wackelte der Mann mit dem Finger in der Luft herum. Tadelnd schüttelte er den Kopf. „Na, na. Ich bin in Ihr Haus eingedrungen. Gerade in diesem Moment richtet einer meiner Leute seine Waffe auf Ihren Hinterkopf. Glauben Sie tatsächlich, dass Sie in der Position für Fragen sind?“

Havock presste seine Lippen zusammen und schwieg.

„Haben Sie das heute zum ersten Mal gemacht?“

Der Beamte überlegte fieberhaft. Dieser verdammte Journalist. Hatte er ihn am Ende verpfiffen? „Was meinen Sie?“

Der dicke Mann zuckte zusammen. Eine Hand packte seinen Hinterkopf und riss ihn nach hinten. Dann spürte er den kalten Stahl an seiner Kehle.

„Also, Premiere heute?“

Der Beamte wagte kaum zu atmen. „Ja“, presste er hervor.

Der Fremde nickte nachsichtig. „Natürlich. Sie hatten bisher ja nur Zugriff auf banalen Scheiß!“

Havock wurde es heiß und kalt. Was bedeutete das? Sein Blick fixierte den Mann auf dem Sofa.

„Ja, Havock. Dies war ein Test und Sie haben glorreich versagt.“

Die Hand krallte sich immer noch in seinem Haar fest, während sich das Messer an seiner Kehle um keinen Zentimeter senkte.

„Bitte  …“, flehte Havock.

Eine Augenbraue des Fremden schnellte in die Höhe. „Was bitte? Bitte machen Sie das Fenster zu? Bitte reden Sie nicht so laut? Was wollen Sie mir sagen, Havock?“

Der Beamte antwortete nicht sofort, denn er realisierte die Situation, in der er steckte.

„Bitte töten Sie mich nicht!“

Das Lachen des Fremden verhöhnte Havock, aber er ergab sich seinem Schicksal. Doch dann nickte sein Gesprächspartner.

„Sie haben sich bisher nichts zuschulden kommen lassen, Mann. So schnell wird niemand umgebracht.“ Der Mann stand mit einer fließenden Bewegung von seinem Platz auf und kam zu Havock, bückte sich. Die Augen der beiden Männer waren jetzt nur noch Zentimeter voneinander entfernt. „Ich muss die Informationen isolieren, das verstehen Sie doch?“

Havock wagte es nicht, zu nicken. „Ja“, sagte er anstelle dessen tonlos.

„Verraten Sie mir einfach, wem Sie die Informationen zugespielt haben, dann geht das hier für Sie glimpflich ab. Gut, eine Disziplinarstrafe wird es trotzdem geben.“

Er atmete tief ein, plötzlich war wieder Land in Sicht. In der Verwaltung hatte er viele Freunde. Freunde, die für eine milde Strafe sorgen würden. Was sollte schon passieren?

„Scott Nelsen. Es ist Journalist beim Chronisten.“

Ein Grinsen entstand auf dem Gesicht des Fremden. „Na also, war doch gar nicht schwer.“ Scheinbar mühelos schraubte sich der Mann in die Höhe. Auf eine fast schon banale Art und Weise nickte er der Person hinter Havock zu, dann verließ er das Wohnzimmer.

Für eine Millisekunde glaubte der Beamte, dass jetzt alles erledigt war. Das war auch tatsächlich der Fall, aber eben völlig anders als er dachte. Der Druck der Klinge am Hals von Havock wuchs stark an, dann wurde die Klinge brutal von links nach rechts gerissen. Haut wurde durchtrennt, dann zerfetzte die Klinge Muskeln, Knorpel und Blutgefäße. Havock stieß einen gurgelnden Schrei aus, als er haltlos nach vorne kippte. Blut spritzte in einem großen Schwall auf den Boden des geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmers. Die Hände des Beamten fuhren panisch zum Hals, als er sie auf die Schnittverletzung presste, um die Blutung zu stillen. Doch das würde ihm nicht gelingen. Sein Leben strömte unaufhaltsam aus seinem Körper heraus.

 

 

4

Scott Nelsen war über dem Studium der Akten auf seinem Handcomputer eingeschlafen. Er hatte reichlich verwertbare Informationen für seine Story gefunden, dann war er aber von der Müdigkeit übermannt worden. Als er am nächsten Morgen mit steifem Nacken aufwachte, fluteten die Erinnerungen an seinen prächtigen Fang in sein Bewusstsein. Neben all den Hintergrundinformationen hatte der Journalist noch einen echten Knüller in den gelieferten Daten gefunden. Es war nichts anderes als die Heimatbasis der Schiffe des Projekt Sturmbringer!

Das änderte natürlich alles. Nächste Woche war immer noch Zeit für den Termin mit dem Justiziar des Chronisten. Nelsen hatte Blut geleckt. Diese Story würde ihn ganz groß herausbringen. Jeder halbwegs intelligente Bürger des Sternenreichs würde ihn nach der Veröffentlichung seiner Reportage kennen.

„Robotaxi bestellen“, wies Nelsen das automatische Kommunikationssystem seiner Wohnung an. Dann stieg er unter die Dusche und erledigte seine Morgentoilette.

 

*

 

Das Taxi brachte den Journalisten auf schnellstem Wege zum Raumhafen. Wie viele andere Kollegen gönnte sich auch Nelsen eine eigene Weltraumyacht. Die NADIRA hatte er einem betagten Unternehmer zu einem Spottpreis abgekauft. Das Schiff bot genug Platz für drei Personen, doch Nelsen reiste für gewöhnlich lieber alleine. Das Schiff stammte von der Dynatech Corporation, und war bereits einige Produktzyklen alt. Dennoch verfügte die Yacht über einen leistungsfähigen Impulsantrieb und konnte ebenso für weitere Distanzen genutzt werden. Über Waffensysteme verfügte das Schiff nicht. Nelsen benutzte das Schiff aber auch nicht für offensive Zwecke, sondern lediglich als Transportmittel. Die Yacht brachte ihn ohne lästige Formalitäten zu jedem Ziel im ganzen Sternenreich. Natürlich kostete das Schiff eine ganze Stange Geld im Jahr, aber das war bei seinem Gehalt sekundär. Und so wie es aussah, würde die NADIRA nun entscheidenden Anteil daran haben, dass er seine monumentale Story möglichst effektiv recherchieren konnte. Die Schiffe des Projekt Sturmbringer waren auf einem Stützpunkt der Raumflotte im Monchi-System stationiert. Wenn Nelsen die Reise als Passagier unternehmen wollte, wäre er wahrscheinlich Tage unterwegs. Mit der NADIRA kam er in nur wenigen Stunden an seinem Ziel an.

Über seinen Handcomputer verschickte er Nachrichten an seine Kollegen und die Redaktion, dass er vermutlich bis zum morgigen Abend nicht auf dem Planeten erreichbar war. Für Journalisten war dies nicht ungewöhnlich.

Das Robotaxi erreichte den Raumhafen und hielt in einer Parkbucht. Nelsen öffnete die Tür, die hydraulisch verstärkt zuerst nach außen und dann nach oben glitt. Mit schnellen Schritten strebte er dem Liegeplatz der NADIRA entgegen.

Nach zwei Sicherheitskontrollen gelangte Scott in den inneren Bereich des Raumhafens. Die NADIRA besaß keinen dauerhaft stationären Liegeplatz, dafür wurde das Schiff zu wenig genutzt. Anstelle dessen wurde die Yacht in einem Laderaum unter dem Raumhafen zwischengelagert. Um an sein Schiff zu gelangen, musste er nur an einen Terminal treten, und sich dort identifizieren. Augenblicklich erschien ein Optionsmenü und der Journalist konnte sein Schiff per Fingerdruck aus dem unterirdischen Lager befreien. Genau das tat er. Um die kurze Wartezeit zu überbrücken, erschien eine Visualisierung des Transportvorgangs auf dem Display. Bisher hatte er sich immer gefragt, ob dieser abstrahierte Vorgang lediglich eine fertig programmierte Animation war, oder dem tatsächlichen Ablauf entsprach. Für Letzteres sprach die Tatsache, dass die Yacht immer exakt synchron in der Buch vor ihm erschien und auch auf dem Display ihr Ziel erreichte. So war es auch heute.

Der Anblick der NADIRA erinnerte den Journalisten immer an das, was er bisher schon erreicht hatte. Eigentlich war sein Weg schon durchaus mehr als bemerkenswert und ungewöhnlich. Aber Scott wollte sich damit einfach nicht zufriedengeben, konnte es nicht. Seine Augen wanderten über das Schiff. Die mattgraue Lackierung machte jedem klar, dass es zu geschäftlichen Zwecken gebaut worden war.

Automatisch öffnete sich die Einstiegsluke und die Gangway wurde ausgefahren. Nelsen musste grinsen, denn dieser Anblick erinnerte ihn immer wieder an einen anschwellenden Penis.

Zufrieden setzte sich der Journalist auf den Platz des Piloten. Alle Systeme signalisierten volle Einsatzbereitschaft. Mit einer Berührung des haptischen Interface aktivierte er die Navigationseinheit und selektierte das Monchi-System. Ohne Verzögerung stellte der Computer seine Berechnungen für die optimale Route durch den Subraum an. Gleichzeitig bediente Nelsen die Kommunikationskonsole und forderte eine Startfreigabe an. Es dauerte keine Minute, bis die Flugkontrolle ihm Startfreigabe erteilte. Anscheinend war heute nicht so viel los wie sonst, andernfalls hätte er länger auf einen Slot warten müssen.

Ansatzlos und ohne jedes Ruckeln wurde die Yacht auf ihrer Hebebühne nach oben transportiert. Während dessen fiel der Blick von Scott auf den Navigationscomputer. Er runzelte die Stirn. Für ein paar Sekunden glaubte er einige unbekannte Symbole auf dem Display gesehen zu haben. Dann waren sie verschwunden. In letzter Zeit hatte er vermehrt vom Auftauchen solcher Glichtes auf den Displays der Navigationssysteme gehört. Es war in den meisten Fällen harmloser Datenmüll, aber rein theoretisch könnten es laut Expertenmeinung auch Artefakte einer früheren Programmierung sein. Dies konnte unter Umständen dann schon zu einem Problem werden, wenn der Navigationsvorgang gestört wurde und am Ende fehlerhaft war. Doch in diesen Fällen waren die mysteriösen Symbole auch zum Abschluss der Kursberechnungen noch sichtbar. Auf dem Display war jetzt aber nur noch das zu sehen, was auch dort sein sollte. Also wischte Nelsen die Bedenken beiseite.

Die NADIRA erreichte ihre Startposition. Hinter dem Schiff klappte eine Schutzklappe in die Höhe und die Verriegelung am Rumpf der Yacht rastete ein.

Instinktiv schob Nelsen den Schubregler ganz nach vorne. Gänzlich ohne Verzögerung erreichte das Triebwerk am Heck seine volle Leistungsfähigkeit. Auf dem Hauptdisplay erschien eine knappe Statusmitteilung. Start.

Details

Seiten
74
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929409
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490898
Schlagworte
raumflotte axarabor band hohepriester planetenfresser

Autor

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