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Die Raumflotte von Axarabor - Band 92 - Sawyer lebt!

2019 93 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Sawyer lebt!

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Sawyer lebt!

Die Raumflotte von Axarabor - Band 92

von Stefan Hensch

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 93 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Superintelligenz Cranium wurde besiegt. Durch den heldenhaften Einsatz eines Teams der Sektion 4 konnte eine gigantische Bedrohung für das axaraborianische Sternenreich ausgeschaltet werden. Seitdem gilt Commander Nataly Sawyer als vermisst. Aber die Sektion 4 lässt niemanden zurück und entsendet eine Rettungsmission. Auf Pentara stellt sich heraus, dass die Strategen des Flottenoberkommandos einen schweren Fehler begangen haben. Ist Cranium wirklich besiegt?


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER 3000 AD 123rf STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Vor Jahrtausenden

Maxyn stand auf der Zitadelle und bewunderte die Schönheit, an der er maßgeblichen Anteil hatte. Siltanat war die schönste Stadt des ganzen Reichs. Psioniker wie Maxyn waren es gewesen, die die Insel aus den Tiefen des Ozeans aufsteigen gelassen hatten. Die psionisch begabten Männer und Frauen hatten dem Ozean einzig durch die Kraft ihrer Gedanken die Landmasse abgerungen.

Maxyn lächelte. Der Triumph der Psionik war nun nicht mehr zu bestreiten, hatten doch ihre Wirkungen die der Technik längst haushoch übertrumpft.

Wahrzeichen der Insel war der steil in den Himmel ragende Obelisk, der genau im Zentrum der Insel stand. Der Legende nach bestand die Spitze des monumentalen Bauwerks aus einem gigantischen Rubin. Maxyn musste lächeln. Manche Mythen stimmten eben einfach. Aber der Psioniker wusste noch mehr, viel mehr. Der Obelisk mit seinem riesigen Rubin war in doppelter Hinsicht ein Sinnbild für Siltanat. Auch der Obelisk existierte nur, weil es die Psioniker wollten. Die Gesetze der Physik hätten andernfalls schon längst dafür gesorgt, dass die Nadel eingestürzt wäre. Ebenso, wie auch die Insel wahrscheinlich wieder am Meeresgrund liegen würde, dachte Maxyn.

Die Nadel, dachte Maxyn. Die Menschen gaben allem und jedem eigene Namen. Im Fall des Obelisken war dieser Begriff sehr naheliegend, denn das monolithische Bauwerk sah auch tatsächlich wie die Nadel eines Zyklopen aus.

Der Psioniker ging wieder zurück in sein Arbeitszimmer. Wer an Siltanat dachte, dem kam zuerst die Schönheit der Insel in den Sinn. Doch heute würde auf der Insel im Talantic Geschichte geschrieben, und Maxyn war auch daran federführend beteiligt. Zusammen mit seinen Brüdern und Schwestern würde er die Menschheit in ein neues Zeitalter führen, frei von den Zwängen der Beschränkung und des Mangels.

 

*


Das Ritual fand auf dem großen Platz am Fuße des Obelisken statt. Die Fläche bot für diesen geschichtsträchtigen Moment die ideale Kulisse. Der Ort war Jahunna, der Göttin der Wissenschaften, geweiht worden. Zypressen, Kaluna und Orangenbäume erstreckten sich über das großzügige Areal, fassten es ein und spendeten im Sommer Schatten.

Im Zentrum des Platzes standen die dreizehn Psioniker und hielten sich an den Händen. Die Sonne stand hoch am Firmament und schenkte diesem denkwürdigen Tag wohlige Temperaturen. Hinter den Psionikern drängte sich die Bevölkerung von Siltanat, um später einmal diesen denkwürdigen Tag bezeugen zu können.

Maxyn genoss diesen Zeitpunkt mit jedem Atemzug. Er war es gewesen, der im Ätherraum auf die Erscheinung gestoßen war. Pure Energie, dachte der Psioniker begeistert.

In der Ferne schlug sanft die Glocke der Sankt Timotheus Kathedrale. Dies war das vorher verabredete Signal, um mit der Energiearbeit zu beginnen. Die Psioniker schlossen die Augen und begaben sich in Trance, öffneten sich gleichzeitig aber für Maxyn.

Der erfahrene Psioniker konnte die Fähigkeiten seiner Brüder und Schwestern einsetzen, wie es auch der beste fugranische Dirigent nicht besser konnte.

Die Menschenmassen bekamen von dem größten Teil des Geschehens nichts mit, denn sie waren blind für diese Ebene der Realität. Dafür spürten sie aber ganz deutlich, dass vor ihren Augen irgendetwas Bedeutsames vor sich ging.

Maxyn bündelte die Energien der anderen Psioniker, und fokussierte sie mit seiner eigenen Kraft in den Ätherraum. Er ging dabei bis an die Grenze seiner eigenen Belastbarkeit. Schweiß begann sich auf seiner Stirn zu bilden und lief an seinem Gesicht herunter. Er keuchte vor Anstrengung!

Einige der Zuschauer hielten das Schauspiel für Aufschneiderei. Doch das änderte sich schon bald. Im Park wurde es unnatürlich still. Kein Vogel wagte es mehr zu singen, kein anderes Tier gab mehr einen Laut von sich. Auch die leisen Gespräche der Menschenmassen verebbten. Die Spannung in der Luft war jetzt schon fast greifbar.

Maxyn spürte plötzlich Widerstand. Irgendetwas stellte sich ihren Bemühungen in den Weg. Irritiert intensivierte er seine Anstrengungen nochmals. Mehr von seiner Psikraft konnte er nun nicht mehr einsetzen, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre. Als Mensch war Maxyn weiterhin auf seinen Körper angewiesen, und der ertrug nur ein bestimmtes Belastungsniveau. Ging er über diese Grenzen hinaus, würde sein Körper oder sein Geist Schaden nehmen.

Ein Keuchen drang aus seinem Mund. Er schwankte.

Die Zuschauer hörten es zuerst. Es war ein ansteigendes Rauschen, wie das Brausen eines großen Sturms. Auch Maxyn hörte das Geräusch. Es beruhigte ihn, wusste er doch nun, dass seine Bemühungen nicht erfolglos sein würden.

Das Geräusch wurde lauter und lauter, stieg immer weiter an. Die Menschen wurden unruhig. Maxyn wusste, dass er nun etwas tun musste. Eine Panik konnte niemand gebrauchen. Er öffnete die Augen.

Was haben wir getan, fragte er sich selbst. Der Himmel über Siltanat hing voller schwarzer Wolken. Bis vor kurzem war es angenehm warm gewesen, nun blies kalter Wind über die Insel. In der Ferne blitzte es sogar. Aber von dem Objekt aus dem Ätherraum sah er immer noch keine Spur. Was war hier los?

Aus den Augenwinkeln sah der Psioniker die Bewegung. Er sah genauer hin und erschauerte. Ihnen musste ein schrecklicher Fehler unterlaufen sein. Sie kamen von jeder Seite auf die Insel zu: Turmhohe Wellen!

Maxyn dachte angestrengt nach. Hatte es irgendwo ein Seebeben gegeben? Er wusste es nicht, aber letztlich war es auch egal.

Panik brach unter den Zuschauern aus. Das laute Brausen hatte sich zu einem Tosen gesteigert. Es war, als würde sich der Ozean öffnen, und die Insel verschlingen. Schlagartig wurde es dunkel. Die Wellen erreichten die Insel und schlugen über ihr zusammen. Bevor Maxyn starb, durchzuckte ihn ein Gedanke. Sie hatten grenzenlose Energie für die ganze Menschheit ermöglichen wollen. Doch das hätte zu einem Machtüberschuss geführt. Das musste nicht nur die Bevölkerung von Siltanat erkennen, sondern alle Menschen auf dem Planeten … Der Geist des Psionikers zerbrach, eher er seinen letzten Atemzug tat. Etwas abgrundtief Schwarzes griff nach ihm. Was hatte er sich da nur angemaßt?

 

 

2

Netaris-System, Planet Pentara

Das Kommandounternehmen unter der Führung von Nataly Sawyer hatte durchschlagenden Erfolg gehabt. Die kleine Einheit der Sektion 4 war unbemerkt ins Hauptquartier der Superintelligenz Cranium eingedrungen. Dort waren sie aber von den Einheiten des Kollektivs umstellt worden. Eine Flucht war unmöglich geworden. Anstelle zu kapitulieren hatte Commander Sawyer die Haftladungen gezündet. Damit war Cranium praktisch enthauptet worden. Jedoch sah es auch nicht gut für das Kommando aus. Es gab keine Exit-Strategie, anstelle dessen wurden die Spezialkräfte unter den Trümmern des Gebäudekomplexes verschüttet.

Kaum waren die Detonationen verklungen, da breitete sich bleierne Stille auf dem ganzen Planeten aus. Jeder Bewohner des Planeten trug ein Implantat in seinem Gehirn, das ihn zu einem Teil des Cranium-Kollektivs gemacht hatte. Im Kollektiv war niemand allein gewesen, niemals hatte Stille geherrscht. Doch das war jetzt vorbei.

In der Nähe des Hauptquartiers der Superintelligenz hatte sich eine Einheit Elitesoldaten für den anstehenden Einsatz bereitgemacht. Die Männer trugen die roten Uniformen des Kollektivs und waren mit schweren Waffen ausgerüstet. Aber keiner der Soldaten regte sich mehr. Jeder Einzelne wirkte völlig verloren, war wie abgeschaltet.

Der Wind fegte über den Platz, wehte Staub und andere Partikel von der Einsturzstelle zu den Soldaten herüber. Die Partikel legten sich auf die Haare und die Kleidung der Soldaten, wurde von diesen eingeatmet. Niemand blinzelte, niemand hustete. Die Menschen hatten sich in lebende Schaufensterpuppen verwandelt.

Doch das war nur das Augenscheinliche. Auf einer anderen Ebene der Wirklichkeit war noch etwas völlig anderes passiert. Dies konnte aber nur ein ausgebildeter Psioniker wahrnehmen. Die Detonation der Ladungen hatte zu einem psionischen Blackout geführt. Das Bewusstsein des Kollektivs war einfach abgeschaltet worden. Dieses Kollektiv wurde jedoch von Millionen Menschen gebildet und war deshalb entsprechend stark. Das Echo im Ätherraum blieb deshalb keinesfalls ungehört, stellte es doch eine der größten Erschütterungen der letzten tausend Jahre in diesem Quadranten des Alls dar. Die Schockwellen breiteten sich durch die ganze Galaxis aus und jeder Psioniker konnte die Erschütterung des Äthers spüren.

Einige der Wesen im Ätherraum blieben neutrale Beobachter dieses Events. Andere waren außer sich vor Wut, da sie die Entwicklung als ungeheuerliche Störung des energetischen Gleichgewichts betrachteten.

Aber es gab noch andere Perspektiven. Im Ätherraum gab es auch Wesen voller Gier, die auf jede sich bietende Gelegenheit warteten, um ihre psionische Fähigkeiten auszubauen. Eines dieser Lebewesen war niemand anderes als Maxyn, der mächtigste Psioniker von Siltanat.

Der Preis für seine Anmaßungen war grauenhaft gewesen. Er hatte tausend Jahre in einer Zwischenwelt vor sich hinvegetieren müssen. In absoluter Dunkelheit und absoluter Stille war er völlig isoliert gewesen. Doch auch diese monströse Strafe war vorübergegangen. Nun war der Ätherraum das Zuhause des körperlosen Wesens. Die Zeit hatte ihn verändert, ja er war sich sogar selbst fremd geworden. In Maxyn war schon vor langer Zeit ein Wunsch aufgekeimt, seitdem suchte er auf eine Gelegenheit.

Selbstverständlich hatte auch er das Echo des gigantischen Blackouts im Ätherraum verfolgt. Das Geistwesen erkannte Millionen gleißende Fäden am Schweif des energetischen Abbilds, dass den Blackout im Ätherraum darstellte. Jeder dieser Fäden führte zu einem der beteiligten Lebewesen. Es mussten Millionen von ihnen sein. Millionen Lebewesen, die nun in der grobstofflichen Welt zu einer Hülle geworden waren. Maxyn sah genau hin. Menschen, dachte er. Das war genau das, wonach die alte Seele suchte. Körper. Energie. Macht!

Lauernd und Meter für Meter bewegte sich Maxyn der Quelle des faszinierenden Echos entgegen. Die Zeit im Exil hatte aus Maxyn ein schwaches Wesen gemacht. Er besaß durchaus noch die Kraft für einen Wechsel in die grobstoffliche Dimension, aber dabei würde er es belassen müssen. Wenn die andere Dimension ihm keine neue Energie anzubieten hatte, würde er auf ewig dort bleiben müssen.

In Maxyn steigerte sich die Gier ins Unermessliche. Dort wo das Echo herkam, gab es Menschen. Wo es Menschen gab, da war auch Lebenskraft. Energie, die er konsumieren konnte. Der frühere Psioniker frohlockte. Dies war die Chance, auf die er gewartet hatte. Das Geistwesen strebte dem Ende der glänzenden Fäden entgegen und damit auch der Welt, aus der das Echo zu ihm gedrungen war…


3

An Bord der DUFALACHAN, Hauptquartier der Sektion 4

Die Stimmung im Konferenzsaal war angespannt. Der Kontakt zur LAAB, war abgerissen. Das Team unter Commander Nataly Sawyer war mit seiner Statusmeldung längst überfällig. Allen Anwesenden war klar, was das bedeutete.

„Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir von einem Totalverlust ausgehen!“, brachte es Admiral Andrew Van Doren auf den Punkt.

Eiskaltes Schweigen breitete sich im Konferenzsaal aus. Jeder Verlust tat weh, aber im Fall von Commander Sawyer und ihrem Team traf das umso mehr zu. In Zeiten wie diesen brauchten die Menschen Helden dringender als irgendetwas anderes. Nataly Sawyer war gleich in mehrfacher Hinsicht eine Heldin. Als Kampfpilotin war sie ein Ass gewesen und hatte etwas geschafft, was in Fachkreisen als unmöglich galt: die sichere Landung einer Jagdmaschine ohne Antrieb. Das die betreffende Maschine vorher von Sawyer im Handstreich vom Feind erbeutet worden war, stand auf einem anderen Blatt. Als Kommandantin eines Großkampfschiffs hatte sie im Krieg mit den Neranern gleich drei der legendären neranischen Supergroßkampfschiffe ausgeschaltet, und somit auch ihre Besatzung gerettet. Danach war Sawyer in die Dienste der Sektion 4 getreten, jener mysteriösen Organisation innerhalb des Verwaltungsbezirk der Raumflotte, die sich ausschließlich mit die brisantesten Missionen befasste. Admiral Andrew Van Doren war der Leiter der Sektion 4 und unterstand nicht dem örtlichen Flottenoberkommando, sondern direkt dem gewählten Hochadmiral.

„Ist Pentara bereits gesperrt worden?“, riss Colonel Said den Admiral aus seinen Gedanken.

Van Doren nickte. „Kein Schiff der Raumflotte darf sich dem Planeten ohne ausdrückliche Sondergenehmigung nähern.“ Der Admiral faltete seine Hände auf der Tischplatte zusammen. „Die SHULACO wird soeben für einen Rettungseinsatz ausgerüstet. Wir lassen keinen unserer Leute dort draußen zurück!“

Alle Beteiligten waren sich in diesem Punkt einig. Generell war dies eine gültige Regel innerhalb der Raumflotte von Axarabor, aber die Sektion 4 fühlte sich diesem Grundsatz ganz besonders verpflichtet. Das galt selbst dann, wenn nur noch die sterblichen Überreste von Kameraden zu bergen waren.

„Wer ist der kommandierende Offizier dieser Mission?“, fragte Doktor Delorean.

„Commander James Baxter und Lieutenant Commander Catrina Knox.”

Colonel Said sah den Admiral irritiert an. „Ist das wirklich die richtige Mission für so einen wildgewordenen Cowboy wie Baxter?”

Andrew Van Doren nickte langsam. „Baxter hat Mist gebaut. Bei der letzten Mission wäre er beinahe vor dem Kriegsgericht gelandet, aber gleichzeitig hat er mit seinem unkonventionellen Vorgehen Menschenleben gerettet.“ Van Doren hob beide Hände. „Außerdem wird er von Catrina Knox begleitet.“

Der Colonel zuckte mit den Schultern. „Der Junge soll auch eine Chance zur Rehabilitation bekommen, keine Frage.“

Was der Colonel wirklich meinte, war Van Doren und Delorean klar. Höchstwahrscheinlich würde die SHULACO im besten Fall nur Blechsärge zurückbringen können. Aber diese Mission hatte einen symbolischen Wert, der nicht durch unüberlegtes Vorgehen gefährdet werden sollte.

„Wenn Baxter sich bei dieser Mission einen vermeidbaren Schnitzer erlaubt, landet er sehr weit draußen auf einem Außenposten. Dafür werde ich sorgen!“

 

*

 

Jason Mind war nicht tot. Der Psioniker erinnerte sich sogar an den letzten Moment, bevor alles um ihn herum schwarz geworden war. Er hatte Nataly Sawyer angesehen und gewusst, was passieren würde. Der harte Ausdruck um ihren Mund hatte gar keinen anderen Schluss übrig gelassen. Die Anführerin des Sektion 4 Kommandos wollte die Mission um jeden Preis abschließen, denn ein Scheitern konnte das Ende des Sternenreichs bedeuten. Cranium war ein Gegner, wie ihn Axarabor bisher niemals zuvor gehabt hatte. Die Superintelligenz hatte einen Plan und handelte ohne Rücksicht auf Verluste. Im Netaris-System hatte sich das Kollektiv so effektiv und unaufhaltsam wie ein Virus ausgebreitet. Diese Krankheit musste jetzt gestoppt werden, und Sawyer war bereit, alles für dieses Ziel zu opfern.

Dann war der Daumen der Kommandantin in Richtung des Auslösers gezuckt. Sekundenbruchteile später detonierten die Haftladungen. Fomin hatte das Pech gehabt, direkt im Explosionsradius einer Ladung zu stehen. Mind hatte gesehen, wie der ehemalige Raumlandeinfanterist in zwei Stücke gerissen wurde. Dann stützte das Gebäude über ihnen zusammen und begrub sie unter sich. Zuerst hatte es ganz gut ausgesehen, denn der Psioniker hatte sich in einem Hohlraum befunden. Doch dann schlug ihm irgendetwas gegen den Kopf. Das war das bisherige Ende gewesen. Seitdem befand er sich im Ätherraum. Wie lange er schon hier war, wusste der Lieutenant Commander nicht, denn Zeit war im Äther noch irrealer, als in der grobstofflichen Dimension.

Zum ersten Mal war Mind während seiner Ausbildung bei der Sektion 4 in den Ätherraum gekommen. Vorher war der junge Mann Erster Offizier gewesen. In den Wirren des Krieges gegen die Neraner war sein Schiff in eine Falle im Subraum geraten. Dort gestrandet, hatte die Besatzung der es dann mit Wesenheiten zu tun bekommen, die jeder Beschreibung trotzten. Am Ende war es ein Team der Sektion 4 gewesen, das den Ersten Offizier vor einem furchtbaren Schicksal gerettet hatte. Ironischerweise war der Psioniker eine der Hauptakteure gewesen, ohne das er den Grund dafür kannte. Es waren seine psionischen Fähigkeiten, die für die Monstren so attraktiv gewesen waren . Er selbst hatte hingegen absolut nichts von seiner Veranlagung geahnt. Nach seiner Rettung waren diese Fähigkeiten dann auch mehr als nur interessant für die Sektion 4. Admiral Andrew Van Doren hatte ihm ein Angebot gemacht, das er einfach nicht ablehnen konnte. Kurz darauf hatte der junge Offizier an einem harten Training teilgenommen, dass die Beherrschung seiner Fähigkeiten als Ziel hatte. Jason Mind hatte dieses Training bestanden, war aber immer noch vom Ausmaß seiner ungeahnten Fähigkeiten überrascht. Von einer vollständigen Kontrolle seines Potenzials konnte also definitiv noch keine Rede sein.

Während der Anfangszeit bei der Sektion hatte er auch den Transfer in den Ätherraum beigebracht bekommen. Zu Anfang war es eine nervenzerfetzende Geduldsprobe gewesen, hatte dann aber immer besser funktioniert. Dennoch war der Wechsel in den Äther aber immer eine bewusste Entscheidung gewesen. Auf Pentara hatte er diese Entscheidung nicht getroffen, er hatte einfach das Bewusstsein verloren. Irgendetwas hatte also für ihn entschieden, und ihn hierher gebracht. Mind würde herausfinden, wer oder was dafür verantwortlich war!

Einmal mehr sah sich der Psioniker die Spur der Erscheinung an. Das große Geheimnis des Ätherraums war, was dieses Reich überhaupt wirklich war. Offiziell existierte der Äther nicht, denn er konnte nicht von profanen Wissenschaftlern erforscht werden. Zur Erforschung dieser Welt wurde demzufolge ein psionisch begabter Mensch benötigt. Bisher fanden nur bei der Sektion 4 Experimente und Forschungen zu diesem Thema statt. Eine der momentan gängigen Theorien ging davon aus, dass der Ätherraum eine Art Resonanzraum war, auf den sich Ereignisse aus der grobstofflichen Welt auswirken konnten. Aber auch das Gegenteil war seiner Meinung nach wahr. Veränderungen im Ätherraum hatten teils massive Einflüsse in der grobstofflichen Welt.

Die Erscheinung, die Mind ganz in ihren Bann zog, war lediglich ein Abbild oder ein Symbol für etwas in der grobstofflichen Welt. Egal was es gewesen war, es musste gigantisch gewesen sein!

Mind besaß auch im Äther sein gewohntes Aussehen, nur war es um einiges grobschlächtiger, als in der materiellen Welt. Im Äther ging es um eine Entsprechung zum Kern der Dinge, nicht um Oberflächlichkeiten. Deshalb haftete dieser Dimension stets etwas Traumartiges an.

Schritt für Schritt folgte der Psioniker der Spur der Erscheinung. Während der ganzen Zeit sah er die Signaturen anderer Wesen, die den Äther bevölkerten. Neben diesen sichtbaren Bewohnern dieser Dimension gab es noch zahlreiche andere, die Mind nicht sehen konnte. Dieser Effekt hatte mit der Entwicklungsebene eines jeden Individuums zu tun. Hochentwickelte Lebewesen waren nur in der Lage, Ihresgleichen wahrzunehmen. Umgekehrt galt dasselbe. Da Zeit völlig irrelevant war, versuchte Mind sie gar nicht erst zu messen. Irgendwann würde er sein Ziel unweigerlich erreichen. Und so war es dann auch. Mitten im energielosen Nichts des Ätherraums stieß er auf die Erscheinung.

Mind erkannte die absurde Dimension des Objekts. Es war so groß, dass er dazu keinerlei Entsprechung finden konnte. Wie alles andere auch, war der Erscheinung deutlich die Abstraktion des Äthers anzusehen. Was er da vor sich sah, wirkte auf ihn wie ein gigantischer goldener Komet. Dieser Komet zog einen prächtigen Schweif hinter sich her, der vielleicht aus Myriaden einzelner Fasern bestand. Aber letztlich war das Aussehen völlig sekundär, denn Mind beschäftigte gerade etwas völlig anderes.

Energie, dachte der Psioniker. Die Erscheinung war mit einer unglaublichen Fülle von Energie verknüpft. Diese Energie befand sich aber nicht hier im Äther, sondern in der grobstofflichen Dimension.

Voller Neugierde trat Mind an das Symbol heran. Fasziniert sah er die Millionen glitzernder Schnüre an, die von der Erscheinung wie ein gigantischer Schweif hinter sich hergezogen wurde.

Plötzlich wusste er, womit er es hier zu tun hatte. Woher er die Erkenntnis nahm, wusste der Psioniker nicht. Jede haardünne Schnur symbolisierte die Verbindung eines Menschen mit dieser Erscheinung.

Auch die nächste Information stellte sich offenbar spontan ein. Psionische Energie war freigesetzt worden, in einer fast schon absurden Dimension. Aber es stellte sich noch eine andere Gewissheit ein. Was auch immer die psionische Energie erschaffen hatte, es war auch der Grund für seine Anwesenheit im Ätherraum!

In diesem Moment wurde das gleißende Leuchten der Erscheinung von einem Schatten verdunkelt. Mind trat überrascht ein paar Schritte zurück. Aber das war nichts, was für diesen Schatten verantwortlich war ...

Zumindest nichts, was ich sehen kann, dachte Mind. Er war jetzt ganz aufmerksam, wollte jeden Eindruck aufsaugen. Vielleicht kam er auf diese Weise hinter die Identität des Wesens, dass hier ganz eindeutig die Fühler nach der Erscheinung ausgestreckt hatte.

Dann war der Schatten wieder so schnell verschwunden, wie er auch gekommen war. Mind stand allein in der Nähe der Erscheinung. Er spürte einen kalten Hauch, den er vorher nicht wahrgenommen hatte. Um wen es sich auch immer gerade gehandelt hatte, es handelte sich definitiv nicht um eine der guten Seite zugewandten Kreatur!

Mind fröstelte es. Er hatte bereits einmal eine ähnliche Empfindung gehabt. Es war damals im Subraum gewesen, als sein Schiff dort festgesessen hatte. Der Psioniker hatte die furchtbaren Kreaturen gewittert, die dort draußen ihr Unwesen getrieben hatte. Doch das Wesen, das gerade seinen Schatten auf die symbolische Erscheinung geworfen hatte, war anders. Seine bösartige Ausstrahlung stellte einfach alles in den Schatten, sogar die widerlichen Monstren des Subraums. Mind presste die Lippen aufeinander. Um was es sich auch immer bei dem Wesen gehandelt hatte, wenn sie erneut aufeinandertreffen würden, würden sie dies als Feinde tun. Der Psioniker war bereit, denn dies war genau die Art von Einsatz, für die er von der Sektion 4 ausgebildet worden war.

Doch da tauchte plötzlich die gefährliche Frage aus einem Unterbewusstsein auf, die alles in den Schatten stellte. Was war, wenn Jason Mind in der grobstofflichen Welt schon längst das Zeitliche gesegnet hatte? War der Psioniker dann für immer und ewig ein Gefangener dieser Dimension?

 

 

4

Netaris-System

Die SHULACO war offiziell kein Schiff der Raumflotte von Axarabor, sondern Eigentum der Löwenstein Agentur. Durch eine Direktive des Flottenoberkommandos wurden dem privaten Raumschiff aber sämtliche Privilegien eingeräumt, die auch jedes Schiff der Raumflotte besaß.

Böse Zungen behaupteten, dass es sich bei der Löwenstein Agentur um eine Söldnerfirma handelte. In diesem Fall waren diese Zungen nicht nur böse, sondern auch noch auf die Desinformations-Kampagne der axaraborianischen Administration hereingefallen. Die Löwenstein Agentur erhielt tatsächlich höchste Summen, um militärische Probleme zu lösen. Der Clou an der Sache war aber, woher dieses Geld wirklich kam, und welchen Interessen die Agentur tatsächlich diente. Die Einheiten des privaten Militärdienstleisters wurden nämlich überall dort eingesetzt, wo der Einsatz regulärer Truppen der Raumflotte nicht opportun oder zumindest delikat war. Dabei handelte es sich oftmals um Einsätze im Hoheitsgebiet des Sternenreichs, zum Beispiel wenn ein ranghoher Offizier unter Korruptionsverdacht stand. Die Löwenstein Agentur führte die Befehle ihres Auftraggebers direkt und ohne Nachfragen aus. Somit konnten sich die höchsten Kreise des Sternenreichs sicher sein, dass sie auch im dichtesten Filz stets die Kontrolle behielten.

Die Besatzung der SHULACO bestand ausschließlich aus ausgeschiedenen Offizieren der Raumflotte, schließlich bezahlten private Unternehmen deutlich mehr als das Sternenreich.

Commander James Baxter war den Avancen der Löwenstein Agentur sehr früh erlegen. Bei der Schlacht von Modera hatte er durch seine ebenso cleveren wie auch rücksichtslosen Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt. Kurze Zeit später war die Sektion 4 auf ihn zugekommen und hatte für den Rest gesorgt. Offiziell war Baxter aus dem Dienst ausgeschieden, faktisch tat er immer noch seinen Dienst in der Flotte.

Auf der Brücke des leichten Kreuzers herrschte betriebsame Stille. Baxter saß auf seinem Platz und beobachtete die Anzeige des taktischen Interface. Im System wimmelte es nur so von axaraborianischen Einheiten. Die meisten der Schiffe waren mit der Bergung der Cranium Schiffe beschäftigt. Auch diese Operation erfolgte auf Initiative der Sektion 4. Die Technologie des Kollektivs war so effektiv gewesen, dass sie genauer analysiert werden musste.

Es gab aber auch Schiffe, die zur Sicherung der Bergungsoperation abgestellt worden waren. Einige von ihnen hatten die SHULACO misstrauisch mit ihren Sensoren erfasst und überprüft. Es handelte sich schließlich um ein privates Raumschiff. Sobald aber das Schiff automatisch identifiziert worden war, wurde die hohe Sicherheitsfreigabe und die Sondererlaubnis für den Anflug auf Pentara angezeigt. Damit war dann die Aufgabe der Sicherungseinheiten beendet, und sie konnten mit der Suche nach unberechtigten Eindringlingen fortfahren.

Der Zugang zur Brücke öffnete sich. Ohne hinzuschauen, wusste Baxter wer es sein würde. Aber der blonde Commander sah trotzdem hin.

Was Baxter sah, gefiel ihm. Catrina Knox hatte die Brücke betreten. Die Augen des Commanders strichen über das porzellanfarbene Gesicht der Rothaarigen und verharrten auf ihrem schlanken und zugleich auch sehr femininen Körper. Ein schmales Lächeln erschien um seine Mundwinkel. Die Uniform der Raumflotte hätte diesen wunderbaren Körper fast schon zu sehr verhüllt. Da bot die deutlich besser geschnittene Uniform der Löwenstein Agentur doch eine wesentlich angenehmere Erscheinung.

„Erste Offizierin auf der Brücke“, meldete sie.

„Das sehe ich“, kommentierte Baxter und nickte Catrina zu.

„Gab es besondere Vorkommnisse?“

Jim Baxter schüttelte den Kopf. „Nur jede Menge Einheiten der Raumflotte, die den Müll von Cranium wegräumen.“

Die grünen Augen von Knox ruhten auf Baxter. Auf dem Schiff war es kein Geheimnis, dass der Commander und die Erste Offizierin wohl niemals mehr ihre Freundschaft zueinander entdecken würden.

„Es dürfte sich dabei wohl kaum um Müll halten, Commander. Van Doren hofft aus dem Equipment wertvolle Informationen für die Entwicklung eigener Projekte zu gewinnen.“

Baxter presste seine Lippen fest zusammen. So sehr dem jungen Offizier das Äußere seiner Stellvertreterin gefiel, umso mehr stieß ihn die konservative und völlig spaßbefreite Art dann auch wieder ab. „Sie haben natürlich wie immer recht, Lieutenant Commander.“

Damit war das Gespräch beendet. Baxter hatte keine Muße mehr, um sich von der Ersten Offizierin belehren zu lassen. In Kürze würde sich diese Episode aber sowieso erledigt haben. Admiral Van Doren hatte beschlossen, Catrina Knox ein eigenes Kommando zu geben. Die junge Offizierin wusste noch nichts davon. Baxter hatte beschlossen, dass er ihr die Information nach diesem Einsatz geben würde. Er war gespannt, wer ihr Nachfolger werden würde.

Der Blick des Kommandanten der SHULACO wanderte wieder zum taktischen Display. Das Schiff näherte sich unaufhaltsam einem einzelnen blauen Kontakt. „Gibt es schon etwas von der LAAB zu sehen, Mister Suko?“

„Aye, Sir“, antwortete der Sensoroffizier und legte eine hochauflösende Aufnahme der LAAB auf den Hauptschirm.

„Was für eine Schiffsklasse ist das nochmal?“

Baxter lächelte in sich hinein. Also gab es doch noch etwas, was seine altkluge Erste Offizierin noch nicht wusste.

„Die LAAB ist ein Prototyp“, antwortete der Kommandant.

„Wow, ich habe davon gehört. Aber warum hat das Schiff seinen Tarnmodus nicht aktiviert?“

Baxter runzelte die Stirn. Wusste Knox das wirklich nicht, oder wollte sie nur etwas seinen Bauch pinseln? „Der Tarnmodus ist extrem energieaufwendig. Deshalb kann er nicht unbegrenzt eingesetzt werden.“

Die Erste Offizierin betrachtete konzentriert den Videoschirm. Ästhetik und Funktionalität konnten also doch auch gelegentlich Hand in Hand gehen!

„Scan der LAAB, Mister Suko.“

Es dauerte eine Weile, dann antwortete der Sensoroffizier. „Das Schiff ist funktionsfähig, Reaktorkerne sind intakt. An Bord der LAAB befindet sich niemand.“

Genau das hatte Baxter erwartet. Von dem Kommando unter Commander Sawyer gab es weiterhin keine Spur. „Sie bleiben an Bord, Lieutenant Commander. Ich sehe mir die LAAB mal etwas genauer an.“

Knox wollte protestieren, doch da hörte Baxter schon gar nicht mehr zu. Er war von seinem Platz aufgestanden und trat von der Brücke. Dies war das Privileg des Kommandanten, auch wenn die Vorschriften hinsichtlich der Außeneinsätze vielleicht eine etwas andere Perspektive hatten.

 

*

 

Baxter und drei seiner Sicherheitsleute betraten in Raumanzügen die LAAB. Kaum hatten sie das Schiff betreten, untersuchten die außen an den Anzügen angebrachten Sensoren die Atemluft. Sie war frei von Krankheitserregern und Schadstoffen. Baxter nahm sofort den Helm ab. Seine Männer folgten seinem Beispiel.

Mit schnellen Schritten durchquerte das Außenteam die LAAB. Das Schiff war deutlich kleiner als die SHULACO, deshalb kamen sie schnell in der Kommandozentrale an. Genau dort wollte Baxter auch hin, denn er suchte nach Antworten.

Mit geschickten Bewegungen navigierte der Commander durch das Logbuch der LAAB und fand auch assoziierte Aufnahmen der Kameras, die zur Planetenbeobachtung und damit auch zur Dokumentation der Mission eingesetzt worden waren. Die ersten Aufnahmen zeigten den Start des Landungsschiffs und seinen Flug in Richtung der Planetenoberfläche. Es folgten einige kurze Detailaufnahmen, die den Verlauf der Mission dokumentierten. Zuletzt stieß Commander Baxter auf eine Luftaufnahme. Wenn er sich nicht ganz täuschte, musste es sich um das eigentliche Zielgebiet handeln. Der junge Offizier kniff seine Augen zusammen. Im Zentrum des Bilds war deutlich ein Hochhaus zu erkennen. Es war von zahlreichen Infanterieeinheiten und gepanzerten Fahrzeugen umstellt.

Aus diesem Kasten gibt es kein Herauskommen mehr, dachte Baxter. Und so war es auch. Eine Serie starker Explosionen schleuderte Staub und andere Partikel in die Höhe, dann stürzte das Hochhaus in sich zusammen.

„Mission erfüllt“, sagte er leise.

„Was haben Sie gesagt, Sir?“, fragte Knox per Funk.

Doch Baxter hörte gar nicht auf die Stimme in seinen Ohrhörern. Anstelle dessen starrte er auf das Display. Obwohl das Haus gerade zusammengestürzt war, blieben die Bodeneinheiten an Ort und Stelle. Sie bewegten sich um keinen einzigen Zentimeter. Da durchfuhr es den Kommandanten der SHULACO. Den Menschen erging es nach dem Kollaps von Cranium genauso wie den Raumschiffen des Kollektivs. Sie waren Offline. Ein Leben als permanenter Bestandteil der Gemeinschaft hatte sie zu lebensunfähigen Individuen gemacht. Hilflos. Schutzlos. Anstelle sich die richtigen Umstände zu erschaffen, waren sie nun rettungslos den äußeren Umständen ausgeliefert.

 

*

 

Stille hatte sich auf Pentara wie ein Flächenbrand ausgebreitet. Eine Explosion hatte das Kollektiv beendet. Überall auf dem Planeten waren die Antennen errichtet worden, die als Transmitter für das drahtlose Netzwerk von Cranium dienten. Nun waren sie vollkommen sinnlos, denn sie wurden von keinem Signal mehr gespeist. Kein Empfänger erhielt mehr irgendwelche Daten mehr aus der Zentrale des Kollektivs, egal ob es sich um die Steuereinheit eines Fahrzeugs, einen Androiden oder ein Implantat im Gehirn der Menschen handelte. Von der einen zur anderen Sekunde war alles offline gegangen.

Das Regiment der Cranium Garde verharrte regungslos neben dem Ort des Unglücks für das Kollektiv. Die Superintelligenz hatte die Garde als letzte Sicherungsmaßnahme bis zuletzt in der Hinterhand gehalten, doch die Künstliche Intelligenz hatte sich an irgendeinem Punkt drastisch verkalkuliert. Dem feindlichen Kommando war ein Volltreffer in das Herz der Infrastruktur des Kollektivs gemacht. Die Superintelligenz war enthauptet worden. Nun existierte Cranium nicht mehr, sein Kollektiv lag in Trümmern.

In den letzten Tagen hatte es geregnet. Die Gardisten waren bewegungsfähig stehengeblieben. Doch irgendwann hatte es begonnen, denn kein Mensch kann regungslos tagelang an einem Platz stehen. Der Reihe nach waren die Männer zusammengeklappt. Übermüdung, Hunger und Durst hatte ihren Körpern den Rest gegeben. Dann war wieder die Sonne aufgegangen und trocknete die durchnässten Uniformen.

Doch die Wärme änderte nichts am Zustand der Soldaten. Regungslos lagen sie im Sonnenschein, gefangen in einem Bereich zwischen Traum und Wachheit. Erneut ging die Sonne unter. Die Schatten wurden wieder länger, die Temperaturen sanken und gleichzeitig begann es wieder zu regnen. Dieses Mal blieben die Männer nicht allein. Der Gestank nach Urin und Kot lockte die ersten Tiere an. Ratten. Zuerst beschnupperten sie die regungslosen Körper nur neugierig, blieben auf Distanz. Mit der Zeit trauten sich die Nagetiere aber näher heran, stupsten die Körper mit ihren Schnauzen an. Zuerst nur äußerst vorsichtig, denn die intelligenten Tiere spürten die Atmung und Wärme der Körper. Als ihre Berührungen keine Reaktionen auslösten, wurden sie aufdringlicher und ihre Berührungen deutlicher.

Details

Seiten
93
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929379
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490894
Schlagworte
raumflotte axarabor band sawyer

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor -  Band 92 - Sawyer lebt!