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Die Raumflotte von Axarabor - Band 93: Donnegans Planet

2019 74 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Donnegans Planet

Copyright

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Donnegans Planet

Die Raumflotte von Axarabor - Band 93

von Bernd Teuber

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Dooley Donnegan beendet nach dreißig Jahren seine Dienstzeit bei der Raumflotte von Axarabor. Er denkt aber nicht daran, dass Leben eines Pensionärs zu führen. Von seinen Ersparnissen kauft er sich ein Raumschiff, um einen rohstoffreichen Planeten zu finden, den er ausbeuten kann. Doch die Sache ist nicht ganz ungefährlich.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

„Heyaaah! Ist das nicht ein irrer Anblick?“, rief Dooley Donnegan, während er mit dem ausgestreckten Arm nach vorne auf den Panoramabildschirm deutete. „Wahnsinn. Mein eigener, unbewohnter Planet.“

„Ja, Herr“, sagte der Roboter, der neben ihm auf dem Platz des Copiloten saß. „Ein höchst erfreulicher Fund.“

„Nicht zu groß, nicht zu klein. Wie steht‘s mit der Atmosphäre? Was meinst du, Junge?“

Der Roboter betätigte einige Tasten auf der Konsole. Sekunden später erschienen die angeforderten Daten auf dem kleinen Bildschirm.

„93,8 Prozent Oxy-Norm-Atmosphäre. Einwandfrei atembar für euch, Herr. Jedenfalls nicht übel.“

„Nicht übel?“, wiederholte Donnegan. „Also los, du wertloser Schrotthaufen. An die Arbeit, bring uns in den Orbit! Wir schauen uns das mal aus der Nähe an. Okay?“

Schon mehrmals hatte Donnegan geglaubt, einen geeigneten Planeten gefunden zu haben. Doch immer wieder erwiesen sich die Hoffnungen als verfrüht. Erst vor fünf Tagen Bordzeit hatte er ein System angeflogen. Es besaß eine matte Sonne, die wie ein Opal schimmerte und acht kleine Planeten besaß. Unermüdlich flog er jeden der Planeten an, ging in den Orbit und ließ sich Zeit für die erforderlichen Analysen. Es war eine zermürbende Arbeit.

Einmal war die Verlockung besonders groß. Er hatte einen Planeten entdeckt, der über eine ähnliche Atmosphäre wie seine Heimatwelt Elathir verfügte. Rings um seinen Äquatorgürtel herrschten gemäßigte Temperaturen. Zudem war er offenbar unbewohnt und mit Wasserquellen und Pflanzenwuchs bestens versorgt. Nur etwas stimmte nicht. Die Schwerkraft lag bei weniger als einem G. Das war zu wenig.

Trotzdem entschloss sich Donnegan, auf dem breiten schneeweißen Sandstrand zu landen. Hochragende Bäume mit großen leuchtend roten Früchten wiegten sich in der Meeresbrise. Die Blätter waren riesengroß. Eines hätte genügt, um das Dach einer Hütte abzudecken. Aber das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln und das Rollen der Brandung waren so vertraut, dass Donnegan der Versuchung nicht widerstehen konnte und aus der Landefähre stieg.

Hinzu kamen noch die frische Luft und die herrlichen Temperaturen. Donnegan wollte von Bord gehen, doch infolge der geringen Schwerkraft verpasste er die Rampe und stürzte. Aber er tat sich nicht weh. Die geringe Schwerkraft minderte seinen Sturz. Auf dem Sandstrand versuchte er, zu gehen, doch bei jedem Schritt kam er ins Hüpfen. Wie ein Gummiball wurde er hochgeschleudert und drei bis vier Meter weit getrieben.

Vielleicht kann man sich daran gewöhnen, dachte er und schlurfte ganz vorsichtig an den Strand auf ein kleines Felsenriff zu. Als er den Fischreichtum in dem klaren Wasser sah, lockte ihn der Aufenthalt auf diesem Planeten noch mehr. Aber schon beim Umdrehen, als er zurückgehen wollte und für einen Moment die veränderte Schwerkraft vergessen hatte, wurde er wieder hochgeschleudert und landete im anbrandenden Wasser.

Er konnte sich ohne Mühe daraus retten. Schwimmen war dort kein Problem. Man trieb von selbst oben und brauchte nicht nachhelfen. Doch jede Bewegung an Land war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Die geringste Unbesonnenheit führte zu einem unkontrollierten Sprung. Nein, sagte er sich, das hat keinen Sinn. Damit komme ich nie und nimmer zurecht. Außerdem verspürte er eine seltsame Euphorie, ein Gefühl von krankhafter Hochstimmung. Es war ihm, als könne er Bäume ausreißen.

Dabei hatte er so wenig Kraft, wie jemand auf Elathir, der im Wasser schwimmt. Es war eine niedrige Schwerelosigkeit mit all ihren Problemen. Als dann noch eine Herde von großen Amphibien mit dicken Saugnäpfen an den Füßen gekrochen kam und sich ins Wasser der Brandung begab, reichte es ihm. Die Tiere beachteten ihn zwar nicht und waren vielleicht sogar völlig harmlos, aber im Zustand dieser geringen Schwerelosigkeit war er hilflos und damit allen Gefahren ausgesetzt. Das wollte und durfte er nicht riskieren.

Also musste er wieder zu seinem Schiff zurückkehren, um einen anderen Planeten zu suchen. Donnegan betrat die Kommandozentrale, nahm den Deckel des Reparatursets ab und zog eine bauchige Flasche hervor. Er öffnete sie und trank in gierigen Schlucken. Der hochprozentige Alkohol löste ein intensives Wärmegefühl in seinem Magen aus. Donnegan setzte die Flasche ab und holte tief Atem, dann trank er abermals. Er verschluckte sich und musste heftig husten.

„Ist alles in Ordnung?“, erkundigte sich der Roboter.

„Nein, ist es nicht“, erwiderte Donnegan. „Irgendwo muss es doch einen Planeten geben, den ich in Besitz nehmen kann.“

„Nur Geduld. Wir werden schon einen finden.“

Donnegan stand breitbeinig da, die Flasche in der Hand. „Geduld?“, wiederholte er. „Ich habe aber keine Geduld. Ich bin alt, verdammt noch mal. Ich habe nicht mehr viel Zeit. Ich muss bald einen geeigneten Planeten finden, sonst ist es zu spät. Kapierst du das?“

„Selbstverständlich, Herr.“

Donnegan presst die Lippen zusammen. Er holte aus und schmetterte dem Roboter die Flasche an den Kopf. Ein dumpfes Geräusch ertönte. Gleich darauf folgte ein weiteres, als die Flasche zu Boden fiel. Der Kopf des Roboters wies keinen sichtbaren Schaden auf. Er bestand aus einem extrem widerstandsfähigen Metall. Nur ein Treffer aus einer Energiewaffe konnte ihn ernsthaft beschädigen.

„Gar nichts kapierst du“, brüllte Donnegan. „Du bist nur ein dämlicher Roboter mit einem Rübenkopf.“

„Natürlich, Herr.“

Rübenkopf?

Donnegans Wut verflog genauso rasch, wie sie gekommen war. Unwillkürlich musste er grinsen. Wieso war ihm dieser Name plötzlich eingefallen? So hatten sie früher ihren Vorgesetzten genannt. Natürlich nur hinter seinem Rücken, wenn er nicht anwesend war. Niemand hätte sich getraut, ihn als „Rübenkopf“ zu bezeichnen. Eigentlich hieß er Keran Wolsky und war Kommandant der COBALT. Den Spitznamen verdankte er der Tatsache, dass sein runder Kopf mit der spärlichen Haarlocke entfernt an eine Rübe erinnerte.

Wolsky galt als fähiger und fairer Mann, der sich bedingungslos für seine Leute einsetzte. Er hatte nur eine Charakterschwäche. Wolsky war Abstinenzler. Auch von seinen Untergebenen verlangte er, dass sie keinen Alkohol tranken. Zumindest nicht an Bord des Schiffes.

Anlässlich seines vierzigsten Geburtstags wollte Donnegan eine kleine Party veranstalten und hatte zu diesem Zweck drei Kisten allerfeinsten Whisky an Bord geschmuggelt. Natürlich war diese Tatsache Captain Wolsky nicht verborgen geblieben. Als Donnegan an diesem Tag den Befehl erhielt, sich bei seinem Vorgesetzten zu melden, war er völlig ahnungslos. Er wusste nicht im geringsten, was ihn dort erwartete.

Erst als Wolsky ihm mit einem ernsten Gesicht zum Geburtstag gratulierte, wurde er misstrauisch. Bisher hatte sich der Captain nie um die Geburtstage seiner Leute gekümmert. Wahrscheinlich kannte er die entsprechenden Daten überhaupt nicht. Und ausgerechnet Dooley Donnegans Geburtsdatum sollte er kennen?

„Nehmen Sie bitte Platz, Leutnant!“, forderte ihn Wolsky auf. Der ernste Ausdruck auf seinem Gesicht blieb.

Donnegan ließ sich vorsichtig auf der vorderen Kante des Sessels nieder und blickte seinen Vorgesetzten fragend an.

„Was halten Sie eigentlich von Partys?“, fragte Wolsky mit verdächtiger Sanftmut in der Stimme.

Donnegan errötete nicht. Dazu war ein Mann seines Schlages gar nicht fähig. Er war das Relikt einer vergangenen Zeit, in der es nicht so sehr auf technisches Wissen, als auf Kampfesmut und Unerschrockenheit angekommen war. Diese romantischen Zeiten gehörten der Vergangenheit an. Aber natürlich gab es auch Ausnahmen.

„Partys?“, fragte er scheinheilig und zwar absichtlich so übertrieben ahnungslos, dass Wolsky es für ratsam hielt, sofort zum eigentlichen Thema zu kommen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Glauben Sie bloß nicht, dass Sie mich verschaukeln können!“, brüllte er. „Ich weiß genau, dass Sie drei Kisten Whisky an Bord geschmuggelt haben. Und zwar für Ihre Geburtstagsparty!“

Als Donnegan nicht antwortete, lief Wolsky rot an.

„Was haben Sie dazu zu sagen, Leutnant?“

„Stimmt“, entgegnete Donnegan seelenruhig.

Wolsky schluckte hörbar.

„Nur, damit Sie nicht glauben, eines der Besatzungsmitglieder hätte Sie verraten: Die Kisten wurden gefunden, weil der Bordcomputer eine plötzliche Gewichtszunahme registrierte, für die es zunächst keine Erklärung gab. Daraufhin ließ ich den betreffenden Bereich kontrollieren. Und dabei wurden die Kisten gefunden.“ Er lächelte, als ein Schatten über Donnegans Gesicht huschte. „Ja, so ist das, wenn man sich für besonders schlau hält.“

Donnegan fasste sich wieder und gähnte hinter vorgehaltener Hand.

„Sie erhalten zehn Tage verschärften Arrest, den Sie sofort anzutreten haben. Außerdem wird eine Rüge in Ihre Akte eingetragen und selbstverständlich werden die drei Kisten beschlagnahmt.“

„Jawohl, Captain!“, murmelte Donnegan.

„Sie können gehen!“, schnauzte Wolsky ihn an.

Donnegan salutierte und verließ den Raum. Es war nicht das erste Mal, dass er sich Ärger einhandelte. Mit den Vorschriften nahm er es nicht so genau. Für ihn waren sie eher so eine Art Orientierungshilfe, aber kein Regelwerk, das man unbedingt befolgen musste. Aus diesem Grund geriet er während seiner Dienstzeit immer wieder in Konflikte mit seinen Vorgesetzten, die selbstverständlich eine ganz andere Sichtweise hatten. Aber wenn es um die Erfüllung militärischer Aufträge ging, war er immer mit vollem Einsatz dabei. Das war auch der Hauptgrund, weshalb man ihn nicht unehrenhaft entließ.

Donnegans Gedanken kehrten wieder zu seiner Suche nach einem geeigneten Planeten zurück. Einige Tage später fand er eine Welt, die in zwei Teile getrennt war, in eine helle und eine dunkle Seite, eine heiße und eine kalte. Sein Raumschiff schwebte über dem Planeten, am Rande des Lichts.

„Diese Welt ist ein Monstrum“, sagte er zu dem Roboter. „Trotzdem werde ich mich dort umsehen.“

Zahllose Sterne beleuchteten den Planeten mit der Kraft eines Mondes. Die Felsen reflektierten das Sternenlicht.

„Hat dieser Planet einen Namen?“, erkundigte er sich.

„Nein, nur eine Nummer. M-836. Möchten Sie ihm einen Namen geben?“, fragte der Roboter.

„Ich werde hinuntergehen. Den Computeranalysen zufolge hat der Planet eine atembare Atmosphäre und eine Gravitation von einem knappen G“, sagte Donnegan. „Es gibt also keinen Grund, weshalb ich auf einen kleinen Spaziergang verzichten sollte.“

„Es könnte gefährlich werden“, gab der Roboter zu bedenken. „Dieser Planet ist ungewöhnlich. Er hat eine helle und eine dunkle Seite, aber keine Rotation. Trotzdem verfügt er über eine Atmosphäre – sogar eine Sauerstoffatmosphäre. Und er hat Pflanzen. Er ist unheimlich.“

„Und du bist ein Schwarzseher.“

„Ich mag Dinge und Welten, die entweder der einen Kategorie angehören oder der anderen.“

„Du bist ein Roboter“, erwiderte Donnegan. „Dieser Kategorie gehörst du an. Wir werden einige Zeit hierbleiben. Ich steuere die Tagesseite an. Dort ist die Vegetation viel dichter.“

„Aber die Tagesseite ist heiß, sumpfig und leicht vulkanisch. Die Oberflächentemperatur beträgt um die 60 Grad.“

Plötzlich hatte Donnegan eine Vision von der anderen Seite.

„Ich werde auf der Nachtseite landen.“

„Das halte ich für keine gute Idee“, erwiderte der Roboter.

„Wer hat dich denn gefragt?“

„Die Sensoren zeigen eine hohe Energiekonzentration an.“

„Ja, eben. Und ich möchte die Ursache herausfinden.“

„Aber es könnte gefährlich sein.“

„Du gibst mir zu denken, Roboter. Was hindert mich eigentlich daran, dich in den Weltraum hinauszuwerfen?“

„Sie können mich nicht hinauswerfen“, gab der Roboter zurück. „Sie brauchen mich. Irgendjemand muss das Schiff steuern, während Sie den Planeten erkunden.“

„Na, da hast du aber Glück gehabt.“

Donnegan erhob sich aus dem Pilotensitz und ging in den hinteren Bereich des Schiffs. Dort gab es einen Hangar, in dem eine Landefähre untergebracht war. Donnegan betrat das Cockpit und setzte sich hinter die Steuerkonsole. Seine Hände glitten über die Tasten. Die Rampe wurde eingefahren und das Schott geschlossen. Donnegan aktivierte das Triebwerk. Ein leichtes Zittern lief durch die Fähre.

„Ich bin startbereit“, meldete er seinen Copiloten über das interne Kommunikationssystem.“

„Verstanden“, bestätigte der Roboter.

Das Schott des Hangars glitt zur Seite. Dicht vor ihm, so unglaublich nahe, dass er fürchtete, dagegen zu stoßen, sobald er startete, befand sich der Planet. Eigentlich war es nur ein dunkles kreisförmiges Gebilde, das sich nicht von der Schwärze des Weltraums abhob. Donnegan startete. Die Fähre schoss aus dem offenen Hangar hinaus. Er zog sie in eine sanfte Kurve und steuerte direkt auf den Planeten zu. Hinter ihm blieb das Schiff zurück und verschwand aus seinem Sichtfeld.

Donnegan war ein erfahrener Pilot. Innerhalb weniger Sekunden hatte er die Maschine auf Kurs gebracht. Er näherte sich dem Planeten und verlangsamte die Geschwindigkeit. Gleichzeitig behielt er den Ortungsschirm im Auge. Die Energiekonzentration war immer noch sehr hoch. Die Fähre drang in die obersten Schichten der Atmosphäre ein. Der Schutzschirm begann zu glühen. In fünfzehn Kilometern Höhe ging er zum Horizontalflug über und drosselte die Geschwindigkeit. Das Flackern des Schutzschirms erlosch.

Als er nur noch achthundert Meter von der Oberfläche entfernt war, schaltete er die beiden Außenscheinwerfer ein. Die Einzelheiten waren nun deutlich sichtbar. Es handelte sich um Gebäudekomplexe, die von Transportbändern unterbrochen wurden. Donnegan ging tiefer und zog dicht über die Fabrikanlagen hin. Nirgendwo gab es eine Spur von Aktivitäten. Er konnte nicht einmal sicher sein, ob es hier überhaupt Leben gab.

Schließlich näherte er sich einem riesigen Raumhafen, der kreisförmig zwischen den Gebäuden lag. Mehrere Frachter standen umher, aber niemand ent- oder belud sie. Sowohl die Rampen als auch die Transportbänder waren nicht mehr in Betrieb. Am Rande des Landefeldes erhoben sich einige auffallende Kuppeln. Sie waren sehr hoch und durch schmale Gebäude verbunden. In der Mitte ragte eine Antenne empor. Donnegan ging tiefer, ohne zu ahnen, was ihn dort unten erwartete.

Mit einem sanften Ruck setzte die Fähre auf. Donnegan wollte das Triebwerk ausschalten, um Energie zu sparen, doch dann überlegte er es sich anders. Er wusste nicht, was ihn dort draußen erwartete. Unter Umständen musste er schnell von hier verschwinden. Donnegan nahm einen Handscheinwerfer, verließ die Fähre und näherte sich den Transportbändern, die zu den Schiffen führten. Es mussten mehr als dreihundert sein. Der Anblick drohte ihn fast zu überwältigen.

„Das ist ja unglaublich“, flüsterte er. „Unvorstellbar, diese Ausmaße.“

Er ging zu den Hallen, in denen Einzelteile für Raumschiffe gestapelt waren. Der Betrieb stand still. Die Teile lagen so da, wie sie angekommen waren – und es kamen auch keine neuen dazu. Hier wurden schon seit vielen Jahren keine Raumschiffe mehr gebaut. Die Maschinen und Fertigungsanlagen wiesen Rostspuren auf. Donnegan erkannte, dass die Anlage seit Langem brachliegen musste. Einige Konstruktionen waren bereits zusammengebrochen, und andere würden bald das gleiche Schicksal erleiden. Anzeichen von Leben entdeckte er nicht. Es gab auch keinen Hinweis darauf, wer diese Anlage erbaut hatte. Sicher war nur, dass sie nicht menschlichen Ursprungs war.

Donnegan verließ die Halle und wanderte mehr oder weniger ziellos durch die Ruinen. Er hoffte immer noch, etwas zu finden, das einen gewissen Wert hatte und das man verkaufen konnte. Plötzlich hörte er Lärm, der aus einem zum Teil zerstörten Gebäude kam. Er blieb stehen. Es war schwer, über die Ursache der Geräusche Vermutungen anzustellen, trotzdem kam er nicht von der Vorstellung los, dass irgendjemand im Innern des Gebäudes arbeitete. Vielleicht gab es außer ihm noch andere Lebewesen.

Er wollte schon mit Rufen auf sich aufmerksam machen, als ihm einfiel, dass auch jemand für den Lärm verantwortlich sein konnte, der ihm gegenüber feindlich eingestellt war. Er konnte sich zwar nicht vorstellen, was er innerhalb des Gebäudes tat, aber Donnegan entschloss sich zu einer vorsichtigen Annäherung. Der Weg war an dieser Stelle mit Trümmern verschüttet, sodass er über einige Hindernisse klettern musste, um näher an sein Ziel heranzukommen.

Nun hörte er den Lärm ganz deutlich. Als er schließlich den Eingang erreichte, musste er feststellen, dass er durch ihn nicht in das Gebäude eindringen konnte. Ein Geröllberg versperrte ihm den Weg. Donnegan war schon fast entschlossen, sich mit beiden Händen eine Gasse freizuschaufeln, änderte aber dann seine Meinung. Wenn er hier zu arbeiten begann, konnte man ihn im Innern des Gebäudes hören, wer immer sich dort aufhielt. Zweifelllos besaß dieses Haus auch auf der anderen Seite Eingänge, und dort gab es vielleicht keine Zerstörungen.

Donnegan umrundete das Gebäude. Er entdeckte zwei kleinere Zugänge und ein Haupttor auf der Rückseite. Auch von hier aus waren die Geräusche zu hören. Ein Flügel des Haupttores stand einen Spaltbreit offen, als wäre erst kürzlich jemand in das Haus gegangen, ohne ihn wieder zu schließen. Donnegan näherte sich langsam. Den Strahl seines Handscheinwerfers hatte er gedimmt, um sich nicht sofort zu verraten. Vorsichtig schlich er bis zum halboffenen Tor. Eine Zeitlang blieb es still, dann begann der Lärm von Neuem. Es hörte sich an, als würde Metall auf Metall schlagen. Der Raum hinter dem Tor schien verlassen zu sein.

Donnegan schob sich geräuschlos durch den Spalt. Mit angehaltenem Atem blieb er stehen. Im Licht der Lampe erkannte er einige größere Gegenstände. Mitten im Raum befand sich eine Säule. Rechts vom Eingang führte ein Korridor tiefer ins Innere des Gebäudes. Links lagen weitere Eingänge. Der Lärm kam aus dem Korridor oder aus dem Raum, in den er mündete. Donnegan glaubte, einen schwachen Lichtschimmer zu sehen. Trotzdem wartete er geduldig, bis er sicher zu sein glaubte, dass niemand seine Anwesenheit bemerkt hatte.

Auf Zehenspitzen durchquerte er die Vorhalle. Nach jedem Schritt leuchtete er den Boden ab, denn er befürchtete, dass überall Dinge herumlagen, über die er stolpern konnte. Als er den Strahl nach vorne richtete, blieb er ruckartig stehen, denn vor ihm befand sich eine zweite Lichtquelle. Er brauchte einige Sekunden, um zu erkennen, dass es sich um den Strahl seines Handscheinwerfers handelte, der von einem Spiegel reflektiert wurde. Links davon befand sich eine Tür. Dort hinter wurde der Lärm erzeugt, den Donnegan hörte und für den er noch keine Erklärung gefunden hatte.

Seine Hoffnung, jemand reden zu hören, erfüllte sich nicht, sodass er annahm, dass ein einzelnes Wesen an der Arbeit war. Vielleicht handelte es sich um einen der Erbauer dieser Anlage. Nur zögernd drang er in den Korridor ein, denn er war sich darüber im Klaren, dass dieser Bereich des Gebäudes zu einer Falle für ihn werden konnte. Donnegan bewegte sich dicht an der Wand entlang. Seine Sinne waren gespannt, und er war bereit, beim geringsten Anzeichen einer Gefahr sofort zu schießen.

Donnegan brachte sein Gesicht dicht an die Tür. Er blickte durch den Spalt und sah vor sich eine große, fast völlig zerstörte Halle. Unmittelbar vor ihm, nur einen Meter vom Eingang entfernt, stand eine Maschine. Ein Teil war von der herabgebrochenen Decke begraben. Am anderen Ende der Halle, die früher offenbar als Lager für wabenförmige Behälter gedient hatte, war die gesamte Wand eingestürzt. Sternenlicht fiel durch die Öffnung. Aus der Maschine ragte ein mehrfach gebogenes Rohr in die Höhe, das durch den Wind hin und herbewegt wurde und in regelmäßigen Abständen gegen einen Teil der Wand schlug.

Minutenlang regte Donnegan sich überhaupt nicht, sogar der Fluss seiner Gedanken war ins Stocken geraten, als er den Urheber des Geräuschs entdeckte. Er hatte alles Mögliche erwartet, nur kein simples Metallrohr. Enttäuschung spiegelte er sich auf seinem Gesicht. Aber hatte er wirklich gehofft, ein fremdes Wesen anzutreffen? Diese Anlage war seit Jahrzehnten, vielleicht auch Jahrhunderten verlassen. Und er war das einzige lebende Wesen, das sich hier aufhielt.

Donnegan wandte sich den wabenförmigen Behältern zu, die auf der linken Seite standen. Sie waren aus einem ihm unbekannten, extrem harten Material gefertigt. So sehr er sich auch bemühte, er fand keine Möglichkeit, um sie öffnen. Auch etwaige Schriftzeichen, die ihm einen Hinweis auf die ursprünglichen Besitzer geliefert hätten, konnte er nirgendwo entdecken. Er klopfte jeden Behälter ab. Sie klangen hohl. Donnegan zog seinen Blaster aus dem Holster, richtete ihn auf einen der Kästen und versuchte, ein Stück aus der Ummantelung herauszuschneiden. Doch es funktionierte nicht. Das Material wurde nicht einmal heiß. Nach einigen Minuten gab er seine Bemühungen auf. Donnegan schaltete den Handscheinwerfer wieder auf Normallicht und leuchtete nach oben durch das Loch in der Decke.

Viel konnte er nicht erkennen, außer, dass in dem darüberliegenden Raum weitere Behälter standen. Donnegan ließ den Strahl der Lampe umherwandern und suchte nach einer Treppe oder etwas Ähnlichem, über die er in das darüberliegende Stockwerk gelangen konnte, doch er fand keine. Aufgeben wollte Donnegan aber auch nicht. Er war davon überzeugt, hier etwas Wertvolles finden zu können, wenn er nur lange genug danach suchte.

Donnegan kletterte über die eingestürzte Wand nach draußen und ging zu einem der kleineren Gebäude. Dort angekommen, stellte er fest, dass die Außenwand keinerlei Nähte und Fugen aufwies. An einer Seitenwand bemerkte er einen schmalen Schlitz. Aus der Öffnung ragte die Spitze einer kugelförmigen Konstruktion, die schon stark verrostet war. Das Material bröckelte ab, als Donnegan die Kugel berührte. Er konnte allerdings nicht feststellen, um was es sich handelte.

Eine Seite des Bauwerks bestand fast ganz aus einer Metallplatte, die in das Material eingelassen war. Nirgendwo gab es eine Tür. Donnegan zog seinen Blaster und schmolz eine rechteckige Öffnung in die Platte. Offenbar war dieses Material nicht so widerstandsfähig, wie jenes, aus dem die wabenförmigen Behälter bestanden. Neugierig starrte er ins dunkle Innere und wartete auf das Abkühlen des Metalls. Außer der versengten Stelle an der Rückwand des Innenraums konnte er jedoch nichts erkennen. Als er aber dann durch die Öffnung hineinkletterte, fand er einen riesigen Raum, angefüllt mit verrottetem Gerät. Außerdem entdeckte er eine große Maschine, die wie ein Generator aussah.

Runde Türen führten in angrenzende kleinere Räume. Nach den Abmessungen der Türen und Gänge zu schließen, musste das Ganze für Lebewesen von beträchtlicher Größe angelegt worden sein. In einem Raum entdeckte Donnegan zahlreiche Konsolen mit Tasten und Hebeln. Er probierte einige davon aus. Zuerst geschah nichts, doch dann erwachten die Tasten zum Leben. Einige blinkten ununterbrochen, während andere in einem dunklen Rot leuchteten. Gleichzeitig ertönte ein schrilles Jaulen.

Donnegan konnte nur vermuten, dass es sich um eine Alarmvorrichtung handelte. Mochte der Himmel wissen, was als Nächstes geschehen würde. Er hatte jedenfalls keine Lust, das herauszufinden. So schnell er konnte, verließ er das Gebäude. Nur wenige Schritte von ihm entfernt erfolgte plötzlich eine Explosion und riss einen Krater in den Boden. Donnegan schaltete den Handscheinwerfer aus und ließ sich fallen. Eine heiße Druckwelle fegte über ihn hinweg. Gleichzeitig hörte er das unverwechselbare Geräusch von Energiesalven.

Als er vorsichtig den Kopf hob, sah er ein Strahlengeschütz aus dem Boden emporragen, das unablässig feuerte. Offenbar war die Zieloptik beschädigt, denn die Schüsse jagten mehrere Meter an ihm vorbei. Einige bohrten sich in einen vier Meter hohen Kubus, von dem einige Leitungen abgingen. Ein knisterndes Geräusch ertönte. Blaue Funken sprühten. Dann erfolgte die Explosion. Der Boden vibrierte. Donnegan ging wieder in Deckung und presste die Hände schützend auf seinen Kopf.

Trümmerteile wurden nach allen Seiten davongeschleudert. Donnegan blieb glücklicherweise unverletzt. Seine Ohren dröhnten. Als er den Kopf hob, sah er, dass der Kubus nicht mehr existierte. An seiner Stelle befand sich ein tiefer Krater, aus dem Flammen emporschossen und den gesamten Bereich in ein geisterhaftes Licht tauchten. Das Geschütz feuerte jedoch unablässig weiter. Donnegan bemerkte, dass das Rohr in einem intensiven, leuchtenden Rot zu glühen begann. Vermutlich war nicht nur die Zieloptik defekt, sondern auch die automatische Abschaltvorrichtung, die dafür sorgte, dass sich die Waffe nicht überhitzte.

Ihm konnte es nur recht sein. Je eher der Beschuss aufhörte, desto schneller konnte er von hier verschwinden. Vorausgesetzt natürlich, es gab keine anderen bösen Überraschungen. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, explodierte das Geschütz. Ein rotgelber Feuerball stieg empor. Metallteile wurden in alle Richtungen geschleudert. Donnegan blieb noch einige Sekunden in Deckung, bis der Trümmerhagel aufgehört hatte. Dann richtete er sich auf, schaltete den Handscheinwerfer ein und trat den Rückweg zur Fähre an.

Die Dunkelheit machte es für ihn nicht einfach, sich zu orientieren. Doch schließlich sah er in der Ferne die leuchtenden Scheinwerfer der Maschine. Donnegan beschleunigte seine Schritte. Gleichzeitig spürte er ein scharfes Stechen in den Lungen. Sein Atem kam rasselnd. Wieder einmal wurde er sich bewusst, dass er nicht mehr der Jüngste war. Vollkommen erschöpft erreichte er die Fähre, kletterte ins Innere und nahm auf dem Pilotensitz Platz. Dann startete er die Maschine.

Als er abhob, sah er durch die transparente Kanzel, dass unter ihm weitere Geschütze aus dem Boden emporfuhren. Er brummte etwas Unverständliches und beschleunigte. Fast wäre die Fähre gegen einen spitzen Turm geprallt, doch Donnegan riss das Steuer im letzten Augenblick zurück, sodass die Maschine an Höhe gewann und über das gefährliche Hindernis hinwegraste.

Im selben Moment öffnete sich auf der Oberfläche des Planeten ein kreisförmiger Teil des Bodens. Darunter kam ein spärlich beleuchtetes Loch zum Vorschein, aus dem mehrere kleine Kampfjäger hervorschossen und die Verfolgung aufnahmen. Donnegan sah fünf leuchtende Punkte auf dem Ortungsschirm. Seiner Schätzung nach betrug die Länge der Jäger höchstens zwei Meter. Deshalb vermutete er auch, dass es sich um computergesteuerte Maschinen handelte. Lebewesen hätten im Cockpit nicht genug Platz gehabt, schon gar nicht die Urheber dieser Anlage.

Einer der Jäger begann zu schlingern, verharrte für einige Sekunden regungslos in der Luft und stürzte dann zurück auf den Planeten. Ein greller Blitz schoss in die Höhe. Weißer Qualm folgte dichtauf. In Sekundenschnelle entfaltete sich der Feuerpilz einer mittelschweren Kernexplosion. Die Kampfjäger waren offenbar im selben verrotteten Zustand wie die Anlagen. Donnegan glaubte nicht, dass sie ihm gefährlich werden würden. Doch das war ein Irrtum.

Der Schutzschirm leuchtete auf. Von den Verfolgern her züngelten mehr als ein Dutzend grellgelbe Lichtbündel auf ihn zu. Donnegan gab noch mehr Energie den Schutzschirm. Die Fähre wurde durchgeschüttelt. Der Schirm hielt die energetische Einwirkung der Salve fern, aber der mechanische Impuls übertrug sich durch das Feld hindurch. Donnegan beschleunigte. Das Triebwerk heulte auf. Eine zweite Salve jagte wirkungslos über ihn hinweg. Er ging auf Steigflug. Senkrecht schoss die Maschine in die oberen Schichten der Atmosphäre.

Die Schirmfelder flackerten, als die dünnen Luftmassen an ihren Grenzflächen ionisierten. Ein zweiter Jäger brach die Verfolgung ab und stürzte auf den Planeten. Abermals blitzte es auf. Ein weiterer Feuerpilz wuchs empor. Mittlerweile brannte es an verschiedenen Stellen der Anlage. Wahrscheinlich würde sie völlig zerstört werden. Die übrigen drei Maschinen blieben Donnegan auf den Fersen. Die meisten Salven verfehlten ihr Ziel, und diejenigen, die trafen, wurden von dem Schutzschirm absorbiert. Noch während Donnegan versuchte, den Energiestrahlen der Verfolger auszuweichen, nahm er Funkverbindung mit seinem Copiloten auf.

„Bereite die Triebwerke für einen Schnellstart vor!“, brüllte er in das Mikrofon. „Wir müssen verschwinden!“

„Ist etwas passiert?“, erkundigte sich der Roboter.

Details

Seiten
74
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929362
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490889
Schlagworte
raumflotte axarabor band donnegans planet

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor -  Band 93: Donnegans Planet