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SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 5 - Als Rezo vom Himmel fiel

2019 74 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Als Rezo vom Himmel fiel

Copyright

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Als Rezo vom Himmel fiel

SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 5

von Stefan Hensch

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

 

Jim Rezo war der einzige Überlebende seiner Staffel und befand sich auf dem Rückflug zu seiner Basis. Doch er zweifelte daran, dass er es schaffen würde. Seine Fliegerkombi war feucht und es war weder Schweiß und ganz sicher auch kein Urin. Es war Blut. Das Leben strömte kontinuierlich aus ihm heraus. Er brauchte medizinische Hilfe, besser sofort als später!

Die Basis war aber noch ein ganzes Stück entfernt. Dennoch wollte Rezo den Flieger in einem Stück zurückbringen...

Der Pilot eines Kampfjets wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und stürzt ab. Doch der Bewusstlose wird gefunden und ins nächste Krankenhaus gebracht. Was niemand ahnt: Captain Jim Rezo ist im Besitz von brisanten Informationen, die ein völlig neues Bild auf die Geschehnisse in den USA werfen. Wird er dieses Geheimnis noch teilen können?

In den USA tobt ein unerbittlicher Krieg. Die Fronten sind ebenso undurchsichtig, wie auch die Identität der unterschiedlichen Kriegsteilnehmer.

Band 5 der Near-Future Thrillerserie!

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Titelbild: Nach Motiven von 123RF und Steve Mayer, 2019

Sezessionskrieg 2.0 – die Serie nach einer Idee von Marten Munsonius, 2019

Serienausführung - Created by Wilfried A.Hary, Stefan Hensch & Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die F/A-18C Hornet war schwer beschädigt. Die Rakete eines gegnerischen Flugzeugs war viel zu dicht an ihrem linken Flügel explodiert. Scharfkantige Metallfragmente waren in Flügel und Rumpf eingedrungen, hatten große Löcher gerissen. Einen Luftkampf würde die Maschine definitiv nicht mehr überstehen, aber wenigstens war sie noch in der Luft, was man von der übrigen Staffel wohl eher nicht behaupten konnte. Eigentlich hatte es ein ganz einfacher Auftrag werden sollen, doch dann war alles anders gekommen. Jim Rezo war aber ein erfahrener Pilot und behielt seinen Jet unter Kontrolle, auch wenn das permanente Korrekturen am Höhenruder erforderte.

Doch nicht nur das Kampfflugzeug hatte etwas abbekommen, sondern auch Rezo selbst. Als die Staffel im Tiefflug auf das Ziel zugeschossen war, waren sie von Warthogs angegriffen worden. Die wendigen A10 Thunderbolts waren von der linken Seite auf sie zugeschossen. Rezo hatte blitzschnell reagiert, aber eines der Projektile aus der Bordkanone eines Warthogs hatte das Cockpit durchschlagen und ihn dann in den Unterbauch getroffen. Der Pilot wollte sein Ziel aber dennoch ausschalten, er war schließlich bereits in Schussweite. Doch dann war das Unglaubliche passiert. Doch darüber mussten sich besser bezahlte Männer als er ihre Köpfe zerbrechen!

Nun war der Pilot der einzige Überlebende seiner Staffel und befand sich auf dem Rückflug zu seiner Basis. Doch er zweifelte daran, dass er es schaffen würde. Seine Fliegerkombi war feucht und es war weder Schweiß und ganz sicher auch kein Urin. Es war Blut. Das Leben strömte kontinuierlich aus ihm heraus. Er brauchte medizinische Hilfe, besser sofort als später!

Die Basis war aber noch ein ganzes Stück entfernt. Dennoch wollte Rezo den Flieger in einem Stück zurückbringen.

„Foxhound 3, hier Tower“, hörte er die Stimme des Operators aus seinen Kopfhörern dringen. „Wie geht es ihnen?“

Rezo unterdrückte einen ironischen Spruch. „Nicht besonders. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“

Es knackte kurz in seinen Kopfhörern. „Sie schaffen das, Captain. An der Landebahn wartet schon ein Krankenwagen auf Sie!“

Die Stimme des Operators wurde leiser und leiser und der Kopf des Piloten füllte sich mit Watte. Doch er schüttelte energisch den Kopf und versuchte sich auf seine Atmung zu konzentrieren. Jetzt nur nicht einpennen, dachte Rezo.

„Foxhound 3? Sind Sie noch da?“

„Roger, Tower. Ich kämpfe mich durch!“

„Wir zählen auf Sie, Foxhound 3.“

Rezo presste die Lippen zusammen. Er war da nicht so optimistisch. Kurz streifte sein Blick den Auslöser des Schleudersitzes. Einen Notausstieg würde er wahrscheinlich eher überleben, als einen Absturz. Aber was dann? Momentan war der Luftraum gesperrt, es würde kein Rettungsteam bei ihm eintreffen, ehe er verblutet war. Da konnte er genauso gut auf volles Risiko setzten. Gegebenenfalls würde der Pilot bei einem Absturz draufgehen, aber dann hatte er wenigstens alles versucht.

Um sich zu beschäftigen, begann Rezo die unterschiedlichen Instrumente in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Höhenmesser, Entfernung zum Stützpunkt, Treibstoffverbrauch und Geschwindigkeitsmesser. Immer und immer wieder checkte er die Daten. Plötzlich sah er den Höhenmesser doppelt und das grünliche Head-Up-Display begann vor seinen Augen zu tanzen.

Stoßweise sog der Pilot die Luft durch die Nase ein, und atmete durch den Mund wieder aus. Langsam normalisierte sich sein Zustand wieder, aber wie lange konnte er das noch durchhalten? Einmal mehr überschlug er seine Optionen und kam nochmals zum selben Ergebnis. Er hatte nur die Möglichkeit, den Vogel heil auf der Landebahn des Stützpunkts zu landen. Alles andere würde der erfahrene Pilot nicht überleben.

Wobei, so ganz stimmte das nicht. Er musste eigentlich nur bis zum Stützpunkt kommen, denn in direkter Nähe konnte er auch den Schleudersitz aktivieren. Dann konnte er sich wenigstens die Landung sparen. Das sahen auch die Vorschriften vor. Ein Notausstieg kam auch dann infrage, wenn eine Landung aus unterschiedlichen Gründen zu gefährlich war.

Rezo grinste. Es gab nur ein winziges Problem dabei. Nur bis zum Stützpunkt kommen. Das hörte sich so leicht an, so unproblematisch. Doch die verbliebene Wegstrecke glich einem Marathonlauf. Einem Marathonlauf mit einer klaffenden Wunde, verbesserte sich der Pilot und seine Hand legte sich fester um den Steuerknüppel. Er musste an die unzähligen Vorträge in seiner Ausbildung über Blackouts denken. Das Gehirn hatte nicht mehr genug Blut, weil es in der Peripherie des Körpers versackte. Genau das passierte gerade auch bei Rezo, nur dass das das Blut nicht in seinem Körper versackte, sondern vom Druckanzug aufgesogen wurde. Langsam, aber unaufhaltsam.

Wenn sich sein Blick verdunkelte, war es bereits zu spät. Noch bemerkte er nichts davon, dafür wurde seine Müdigkeit immer mächtiger.

Krampfhaft riss sich der Pilot zusammen. Aber auch seine Instrumentenroutine funktionierte nicht mehr. Wenn sein Blick auf einem der Instrumente lag, konnte er ihn kaum noch davon lösen. Rezos Augen wurden schwerer und schwerer. Sein Herzschlag beschleunigte sich und er registrierte, was passierte. Die Pumpe strengte sich an, um seinen Körper mit genug Blut zu verfügen. Der Haken war aber, dass wahrscheinlich nicht mehr genug Blut in einem Kreislauf war. Unglücklicherweise sorgte die gesteigerte Herzleistung auch noch zusätzlich für einen schnelleren Blutverlust. Er würde die Hornet nicht mehr zum Stützpunkt bringen können, er hatte nur noch wenige Minuten. Dann würde er kollabieren!

Panisch blickte Rezo aus der Kanzel und suchte den Boden ab. Dann fand er, was er suchte. Einen Highway!

„Foxhound 3 an Tower. Mayday, ich muss auf dem Highway landen. Ich wiederhole: Mayday, ich muss sofort notlanden!”

Während sein Herz ihm in den Ohren wie ein Presslufthammer hämmerte, zwang er sich zur Ruhe. Mit fahrigen Bewegungen reduzierte er den Schub, klappte die Landklappen auf und fuhr das Fahrwerk raus.

„Roger, Foxhound 3. Wir schicken ein Team zu Ihrer Position. Viel Glück!“

Der Höhenmesser ratterte herunter, denn im Gegenzug zu Linienflugzeugen hatten Kampfjets nur ein erbärmliches Segelflugverhalten. Aber der Anflugsvektor stimmte. Rezo korrigierte vorsichtig die Stellung der Landeklappen. Alles lief wie am Schnürchen. Der Highway war auch für einige Meilen kaum befahren. Eine bessere Chance bekam er nicht, wenn das denn überhaupt eine war …

Meter um Meter senkte sich der Jet der Fahrbahn entgegen. In der Ferne sah Rezo einen Pick-up auf der Gegenfahrbahn auftauchen.

 

 

2

Der Ford Raptor hatte Crosset nun schon hunderte Kilometer hinter sich gelassen. An Bord waren die Journalistin Carol Collins und der Professor für Rechtswissenschaften Jack Kincaid. Während ihrer Flucht vom Lake Moss waren Jack und Carol auf einen liegengebliebenen Tesla gestoßen. Wie sich herausgestellt hatte, gehörte der Wagen Carols Bruder Nick. Nick Collins war Abgeordneter der Republikaner und hatte zusammen mit seiner Freundin Madison Durden hautnah die Angriffe auf Washington D.C. miterlebt. Doch das war nur der Auftakt zu einer Serie brutaler Entwicklungen gewesen, die letztendlich zu einer Flucht aus der Hauptstadt der USA geführt hatten. Da sie kein besseres Ziel hatten, wollten Madison und Nick dem Moss Lake einen Besuch abstatten, da dort Carol mit ein paar Freunden ein verlängertes Wochenende verbrachten. Doch weder Nick, noch Madison ahnten, in was für einen Höllentrip sich der Urlaub für Carol und die anderen entwickelt hatte. Die Urlaubsgesellschaft war das Ziel des Ku-Klux-Klan geworden, was bis auf Carol und Jack alle mit dem Leben bezahlt hatten.

Nachdem sie sich auf dem nächtlichen Highway in Texas wiedergefunden hatten, wollten sie sich zur Ostküste durchschlagen. Dabei hatten sie im Radio eine Durchsage der Armee gehört, die Schutzsuchende aufforderte, zu einem Stützpunkt in Fort Worth zu kommen. Doch eben dieser Stützpunkt war Ziel eines massiven Luftangriffs der Air Force geworden. Es hatte ein unbeschreibliches Massaker unter den Schutzsuchenden gegeben.

Kurze darauf hatten sie dann aber dann eine weitere widerliche Facette des Krieges kennenlernen dürfen. Plünderer! Eine organisierte Gruppe von mehreren hundert Männern wollte wie die Ratten über den zerstörten Stützpunkt herfallen, um Ausrüstungsgegenstände und Fahrzeuge zu stehlen. Doch von dem Überlebenden Master Sergeant Steve Harris hatten sie erfahren, dass sich unter dem Stützpunkt ein Depot mit Waffen befand, die keinesfalls in die Hände von Unbefugten fallen durften. Harris hatte die Zugänge gesprengt, niemand kam jetzt noch ohne schweres Gerät an die Waffen. Die Überlebenden des Stützpunktes in Fort Worth hatten per Radio die Aufforderung bekommen, sich in einem Stützpunkt in New Orleans zu sammeln, deshalb hatten sich die Wege der Gruppe schnell wieder getrennt.

Der Ford Raptor hatte nun Alabama erreicht und Jack Kincaid steuerte ihn südlich von Huntsville entlang. Eigentlich hatten sie die Highways meiden wollen, doch die Bundesstraße war durch einen Unfall unpassierbar gewesen. Ein Tanklaster stand ausgebrannt quer auf der Fahrbahn. Jack hatte den SUV wenden müssen, um zur nächsten Auffahrt des Highways zurück zu kommen. Doch zu ihrer Überraschung schien der Highway wie ausgestorben, so dass sie sehr schnell Kilometer in Richtung Osten machen konnten. Aber dennoch gab es ein Problem. Die Tanknadel stand gefährlich nahe links und kratzte bereits an der Reserve. Die letzten beiden Tankstellen waren zwar geöffnet gewesen, verkauften aber keinen Sprit mehr. Angeblich warteten die Tankstellen händeringend auf die Tankwagen. Jack verschwieg in den Gesprächen, dass er einen davon bereits auf dem Weg gesehen hatte.

Nun waren sie wieder auf dem Highway und Jack hielt die Motordrehzahl sehr tief. Außerdem war die Klimaanlage ausgeschaltet und es war brüllend heiß im Raptor. Auf diese Weise gewannen sie aber vielleicht einige wertvolle Kilometer, bis der Tank völlig leer war. Jeder der Überlebenden hoffte auf eine Tankstelle, die wenigstens noch ein paar Gallonen Diesel zu verkaufen hatte.

„Ich musste gerade an DiNozzo denken, Madison.“

Die Ärztin sah Nick an. Der Mann vom Nachrichtendienst der Army war schwer verletzt und hatte das Bewusstsein verloren, nachdem er Madison das Leben gerettet hatte. Daraufhin hatten sie den Bewusstlosen in ein Washingtoner Krankenhaus gebracht.

„Das ist ein extrem zäher Hund“, antwortete Nick und lächelte schief. „Den kriegt so schnell nichts klein. Der beißt sich durch!“

Madison hoffte es. Sie fühlte sich noch immer in der Schuld des Mannes, schließlich würde sie nicht hier sitzen, wenn er nicht eingegriffen hätte. Sie sah gedankenverloren durch die Windschutzscheibe. Dann runzelte sie plötzlich die Stirn. „Was ist das da vorne?“

„Oh shit“, entfuhr es Jack. „Der will auf dem Highway landen!“

Carol saß auf dem Beifahrersitz und beugte sich etwas nach vorne. Jack hatte recht, da hielt ein Kampfjet direkt auf die Fahrbahn auf der Gegenseite zu. Hektisch versuchte die Journalistin abzuklären, ob dort eine Kollision mit dem fließenden Verkehr drohte. Aber so sah es eigentlich nicht aus, denn bis auf vereinzelte Fahrzeuge war dort ebenfalls niemand unterwegs. „Das könnte tatsächlich klappen!“

Doch das würde es nicht. War der Jet bisher geometrisch völlig korrekt in Richtung der Fahrbahn heruntergesunken, kippte er nun über die rechte Tragfläche nach unten und sackte ab. Irgendetwas musste schiefgegangen sein.

Instinktiv rechnete Jack schon mit einer Explosion, doch die blieb aus. Anstelle dessen schlug der Jet im stumpfen Winkel auf das Feld neben der Fahrbahn auf und zog eine tiefe Furche hinter sich her, ehe er im weichen Boden zum Stehen kam. Reflexartig trat Jack das Bremspedal durch und hielt den Raptor an.

Carol sah den Fahrer an. „Wir wissen nicht, mit wem wir es da zu tun haben, Jack!“ Sie schluckte. „Es könnte einer der Männer sein, die für das Abschlachten in der Air Base verantwortlich war.“

Doch Jack zuckte nur mit den Schultern. „Kann sein, oder aber auch nicht. Eines steht aber fest, er braucht unsere Hilfe!“

Dann stieß Jack die Fahrertür auf, sprang über die Mittelleitplanke und rannte über die Gegenfahrbahn. Madison folgte ihm, sie war schließlich Ärztin. Nick und Carol sahen sich kurz an. Der Blick von Nick wanderte zu dem steckenden Zündschlüssel. Doch dann stieß er ebenfalls die Tür auf und lief den anderen hinterher.

„Scheiße“, zischte Carol und zog den Zündschlüssel ab. Dann folgte sie ihrem Bruder und den anderen zum abgestürzten Flugzeug.

 

*

 

Jack war schon auf den Flügel geklettert und machte sich an der Kanzel des Jets zu schaffen. Es war eine Hornet. In seiner Zeit bei den Army Ranger hatte er bereits einmal bei einer Bergung mitgeholfen und wusste, wie sich die Kanzeln der Jets im Notfall auch von außen öffnen ließen.

Madison erschien neben Jack, als die Kanzel gerade nach oben geklappt wurde. Sie sah den bewusstlosen Piloten und das Blut.

„Der hat einen direkten Treffer abbekommen“, murmelte Jack.

Sie beugte sich zu dem Piloten in die Kanzel und tastete am Hals nach seinem Pulsschlag. Er war beschleunigt, aber gut tastbar.

Madison nickte. „Wahrscheinlich hat ihn sein Druckanzug bisher gerettet. Aber er braucht dringend Hilfe.“

Jack sah erneut zum Piloten und dann nochmal zu Madison. „Kannst du ihn stabilisieren?“

„Ich muss die Blutung stoppen. Aber ich habe keine Ahnung, wie viel Blut er schon verloren hat und ob das bis zum nächsten Krankenhaus hält!“

In Jack Kopf arbeitete es. Sie hatten in den letzten Tagen erlebt, wozu Menschen in Ausnahmezuständen fähig waren. Aber von dem Mann hier wussten sie nichts. Vielleicht hatte er bereits ähnliche Taten wie in Fort Worth zu verantworten, vielleicht aber auch nicht. Noch lebte er und brauchte Hilfe. Das war das Einzige, woran sie sich jetzt orientieren konnten. Zumindest dann, wenn sie sich einen Rest Humanität bewahren wollten.

„Kannst du den Koffer von Madison aus dem Wagen holen, Nick?“

„Wir haben kaum noch Diesel, Jack!“

Der Rechtswissenschaftler nickte. „Und der Kerl hier hat kaum noch Blut. Noch lebt er aber!“

Ein flammender Blick von Carol traf Jack, doch er hielt ihm stand. „Die Abfahrt Holly Pond ist nur noch knapp eine Meile entfernt. Dort gibt es ein Krankenhaus und vielleicht auch Diesel!“

Carol nickte resignierend. Jack hatte bereits entschieden. Wahrscheinlich war es sowieso egal. Wenn es in Holly Pond keinen Treibstoff gab, gab es an der nächsten Tankstelle wahrscheinlich ebenfalls keinen Sprit!

 

 

3

Holly Pond war nicht viel mehr als ein Kaff. Dafür war die Stadt im Cullman County fast schon klinisch sauber und mit Kriminalität schien man ebenfalls kein Problem zu haben. Der Weg zum Krankenhaus war auch bestens ausgeschildert, so dass sie reibungslos bis direkt vor den Eingang der Notaufnahme geleitet wurden.

Jack stieg aus dem Wagen aus und verschwand in der Notaufnahme, während sich Madison um den Schwerstverletzten im Fond kümmerte. Das Herz des Piloten schlug noch immer, so als würde es sich weigern das Unvermeidbare zu akzeptieren. Wenn die Ärztin den Fall nüchtern beurteilte, glich der Fall fast schon einem Wunder. Ebenso wie die Tatsache, dass immer noch Sprit im Tank war. Dabei handelte es sich natürlich um eine Koinzidenz, aber dennoch fand Madison diesen Umstand interessant.

Die Türflügel der automatischen Tür glitten auseinander. Zwei Männer in weißen Kitteln kamen zusammen mit Jack und einer rollbaren Trage heraus, steuerten direkt auf den Raptor zu.

Die Tür wurde aufgerissen und starke Arme packten den Piloten, zogen ihn sanft aus dem Wagen. Madison half von innen nach. In Windeseile lag der Pilot auf der Liege und wurde ins Innere des Krankenhauses geschoben.

Madison und Jack folgten den Männern und kamen bis zur Notaufnahme, wo schon ein Arzt wartete. Er trug blaue OP-Kleidung und ein Stethoskop um den Hals.

„Sie sind also die Kollegin, die sich bislang um den Patienten gekümmert hat?“

Madison nickte stumm.

Der Arzt öffnete dem Piloten nacheinander die Augen und leuchtete mit einer Kugelschreiberleuchte hinein, um die Reflexe seines Patienten zu überprüfen. Dann sah der Arzt das Blut auf dem Druckanzug des Piloten.

„Ich kann hier für gar nichts garantieren, Frau Kollegin. Sie haben aber verdammt gute Arbeit geleistet!“

Der Mediziner ging zum Tresen der Notaufnahme und nahm ein Klemmbrett. Seine Augen überflogen es kurz, dann nickte er.

„OP 2 ist frei. Rein mit ihm!“ Abschließend nickte er Madison zu und verschwand mit den Pflegern hinter der Tür, die zu den OPs führte.

Als die Tür zuschlug, sah Madison Jack an. „Das Lob gilt auch für dich. Du hast den Wagen angehalten.“

Jack zuckte mit den Achseln. „Hätte das nicht jeder getan?“

„Carol und auch Nick sind da wohl anderer Meinung!“

„Wie hättest du entschieden, Madison?“

Die Ärztin schüttelte sachte den Kopf. „Ich weiß es nicht, aber es war gut so!“

Nebeneinander verließen sie die Notaufnahme.

„Ich muss den Wagen irgendwo abstellen. Wir haben nur noch wenige Tropfen Diesel im Tank!“

Doch es sollte anders kommen. Als Jack den Raptor wieder auf die Straße steuerte, sahen sie am Ende der Straße das leuchtende Schild einer Tankstelle.

 

*

 

„Nein, Sir. Tut mir leid. Wir haben weder Super, Bleifrei und auch keinen Diesel mehr. Der Tankwagen ist seit Montag überfällig!“

Jack seufzte und sah den Tankwart an. „Können wir den Wagen denn wenigstens hier bei ihnen stehen lassen?“

Der etwa zwanzig Jahre alte Kerl nickte. „Stellen Sie den Raptor neben die Waschanlage. Lange werden wir ja höchstwahrscheinlich nicht auf Sprit warten müssen.“

Der Rechtswissenschaftler bewunderte den Optimismus des Jünglings, konnte ihn sich aber nicht so recht erklären.

„Haben Sie nicht die Förderpumpen am Stadtrand gesehen? Die gehören Jet-Pep. Notfalls könnten wir uns damit auch selbstversorgen.“

Jack musste aufpassen, nicht laut loszulachen. Er war zwar nur Rechtswissenschaftler, aber das man einen Wagen nicht ohne raffinierten Kraftstoff fahren konnte, war selbst ihm klar. Vielleicht sollte man das auch wissen, wenn man genau in diesem Business tätig war?

„Haben Sie denn mal bei der Mineralölgesellschaft angerufen?“

Der Junge lachte. „Nee, Sir. Die Telefone gehen ja immer noch nicht. Auch das Internet nicht. Fernsehen und Radio sind auch tot.“

Also ist immer noch alles beim Alten, dachte Jack. „Die werden das sicher ganz schnell wieder im Griff haben“, sagte er aber anstelle dessen, auch wenn er davon alles andere als überzeugt war.

Der Tankwart sah ihn misstrauisch an. Dann blickte er verschwörerisch nach links und rechts, um sich davon zu überzeugen, dass kein anderer Kunde im Geschäftsraum der Tankstelle war. „Wissen Sie, was man sich so erzählt?“

Jack trat einen kleinen Schritt dichter an den Tresen heran. „Nein, was?“

Der Tankwart beugte sich zu Jack herüber. „Freimaurer. Das ist die große Verschwörung gegen die USA, an der sie schon seit Jahrhunderten arbeiten. Das hat jetzt alles angefangen. Am Ende haben wir alle einen Chip im Körper!“

Jack nickte bestätigend. „Was macht der Chip?“

Im Blick des Tankwarts flackerte es. „Überwachung, Mister. Die totale Überwachung!“

Jack kannte diese Stories. Verschwörungstheorien. Urbane Legenden. Aber waren sie wirklich so unsinnig und realitätsfern, wie er das immer gedacht hatte? Wie unrealistisch war das, was gerade in diesem Land passierte?

„Lassen Sie sich auf keinen Fall einen Chip verpassen, Mister.“

„Auf gar keinen Fall, keine Sorge!“

Der Tankwart nickt beruhigend. „Das ist nämlich das Mal des Satans. Damit wird seine Herde markiert.“

Jack sah zu, dass er aus der Tankstelle herauskam. Aber leider konnte er das Gerede des Tankwarts auch nicht vollends abtun. Früher hätte er es als Schwachsinn bezeichnet, ersonnen von blödsinnigen Autoren für ein noch blödsinnigeres Publikum. Aber konnte er sich da wirklich sicher sein? Was wusste er denn überhaupt von dem, was gerade um ihn passierte?

 

 

4

„Was für ein mieses Gefühl“, sagte Carol nüchtern.

Jack verriegelte die Türen des Ford Raptor mit der Funkfernbedienung. Der Wagen stand jetzt neben der Autowaschanlage der Tankstelle und würde erst mal nirgends mehr hinfahren. Sie hatten Jim Rezo, den Piloten der Hornet, im Krankenhaus abgeliefert. Aber in der ganzen Stadt gab es nicht einen Tropfen Sprit. Sie waren gestrandet.

Jeder der vier Passagiere des Raptor trug eine Stofftasche mit seinen wichtigsten Habseligkeiten bei sich. Dazu gehörten pro Person auch eine Heckler & Koch MP7 Maschinenpistole, die sie von Master Sergeant Steve Harris aus den Beständen des Stützpunktes in Fort Worth bekommen hatten. Die Waffen hatten ihnen gegen die Plünderer gute Dienste geleistet und würden ihnen auch hier im Notfall hilfreich sein.

Unschlüssig sahen sich die Gestrandeten an. Dann war es Nick, der das Wort ergriff. „Wie sieht es mit euch aus? Ich könnte ein anständiges Mittagessen und ein Bier gebrauchen.“

Da es den anderen ebenso erging, entfernten sie sich schlendernd von der Tankstelle. In gut einhundert Metern gab es einen Burgerladen auf der rechten Seite.

„Haben wir eigentlich einen Vegetarier unter uns?“, wollte Nick wissen. Als keiner sich meldete, nickte er zufrieden. „Dann sehen wir uns doch mal die erlesene Auswahl an Burgern in diesem Etablissement an!“

Das Moe`s war vor einigen Jahren sicherlich mal relativ hip gewesen, doch jetzt hatte es wohl schon seit einigen Jahren einen dezenten Modernisierungsbedarf. Dennoch war das Schnellrestaurant ziemlich voll. Das lag dann aber wohl definitiv eher an den Burgern von Moe, nicht an der Retro-Innenausstattung.

In einer Nische an der Wand fand Nick noch einen freien Tisch mit einer einladenden Eckbank. Nachdem die Taschen unter der Sitzbank verstaut waren, setzten sie sich darauf. Nick ließ seinen Blick wandern und sah einen roten Aufkleber auf der Speisekarte. Achtung, Preisänderungen! Neugierig nahm er eine der in ledergebundenen Karten und klappte sie auf. Der Gast wurde von einem anscheinend ebenso kürzlich wie dem Aufkleber hinzugefügten Ausdruck begrüßt. Aufgrund der schwierigen Versorgungslage müssen wir unsere Preise anpassen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis!

Als Nick die Preise sah, stieß er einen Pfiff aus. Jemand vom Personal hatte die alten Preis mit kleinen Aufklebern überklebt, und darauf die neuen Preise aufgetragen. Es gab keinen Burger unterhalb der zwanzig Dollar Marke.

„Tut mir leid, Sir. Die Preise sind wirklich hoch, aber anders können wir den Betrieb nicht aufrechterhalten.“

Überrascht sah Nick von der Karte auf. Er hatte die blonde Kellnerin gar nicht kommen gehört. Cindy, las er auf ihrem Namensschild.

„Ich war nur überrascht“, sagte Nick mit einem berufsmäßigen Lächeln. „Bekommen Sie denn noch Waren von außerhalb der Stadt?“

Die Bedienung schüttelte den Kopf. Nick erkannte, dass sie gerade mal zwanzig sein mochte. „Nee, Sir. Alles sozusagen aus heimischer Produktion. Der Fleischpreis ist in den letzten Tagen förmlich explodiert!“

„Und was ist mit dem Bier?“

Die Blondine lachte. „Davon haben wir noch genug im Keller. Der Boss will nächste Woche aber mal rüber nach Cullman fahren – wenn die ganze Sache dann immer noch nicht ausgestanden ist.“

Nick zuckte mit den Achseln. „Wird bestimmt nicht mehr nötig sein.“ Dann bestellte er sein Mittagessen und die anderen folgten seinem Beispiel.

Die Portionen waren groß und sehr köstlich, aber der Preis war leider auch entsprechend hoch. Dieses Mal bestand Nick darauf, die anderen einzuladen und mit seiner Kreditkarte zu zahlen.

Gesättigt verließen die Vier das Moe`s. Als Jack die Tür öffnete, drang ihnen frische Luft entgegen. Das war eine willkommene Abwechslung gegenüber der verbrauchten Luft im Inneren des Restaurants.

„Was machen wir jetzt?“, wollte Nick wissen und sah sich um. Holly Pond bestand im Wesentlichen aus vier Straßen, die vom Ortsrand nach innen ins Stadtzentrum führten.

„So wie es aussieht, werden wir wohl zumindest diese Nacht nicht von hier wegkommen, Bruderherz“, meinte Carol.

Damit hatte sie natürlich recht, das wusste jeder der anderen.

Details

Seiten
74
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738929348
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490885
Schlagworte
sezessionskrieg band rezo himmel

Autor

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Titel: SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 5 - Als Rezo vom Himmel fiel