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Als Dirne auf der Messe: Redlight Street #86

©2019 120 Seiten

Zusammenfassung

von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 91 Taschenbuchseiten.

Mariella ist eine flotte Dirne, die sich ihr Geld auf Messen verdient. Sie gibt sich als Geschäftsfrau aus, die sich kurzfristig in einer prekären finanziellen Situation befindet, woraufhin sich die Herren recht großzügig erweisen – nach einer unvergessliche Nacht mit der vermeintlichen Unternehmerin. In einem Luxushotel in Nürnberg begegnet die Startülle Chris Kirster und seinem Freund Achim Wintgasser, die dort mit ihren Sekretärinnen ein paar vergnügliche Tage zu verbringen hoffen. Dummerweise sind ihnen ihre Ehefrauen auf die Schliche gekommen und zum Hotel gefolgt. Nun müssen die beiden Schwerenöter alles daransetzen, sich ihrer Gespielinnen zu entledigen …

Leseprobe

Als Dirne auf der Messe: Redlight Street #86


von G. S. Friebel


Der Umfang dieses Buchs entspricht 91 Taschenbuchseiten.


Mariella ist eine flotte Dirne, die sich ihr Geld auf Messen verdient. Sie gibt sich als Geschäftsfrau aus, die sich kurzfristig in einer prekären finanziellen Situation befindet, woraufhin sich die Herren recht großzügig erweisen – nach einer unvergessliche Nacht mit der vermeintlichen Unternehmerin. In einem Luxushotel in Nürnberg begegnet die Startülle Chris Kirster und seinem Freund Achim Wintgasser, die dort mit ihren Sekretärinnen ein paar vergnügliche Tage zu verbringen hoffen. Dummerweise sind ihnen ihre Ehefrauen auf die Schliche gekommen und zum Hotel gefolgt. Nun müssen die beiden Schwerenöter alles daransetzen, sich ihrer Gespielinnen zu entledigen …



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de


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Die Hauptpersonen:

Mariella - blonde Stardirne, fährt von einer Messe zur anderen, um sich dort an zahlungskräftige Kavaliere heranzumachen.

Achim Wintgasser und Chris Kirster - zwei sehr unterschiedliche Freunde, fahren zur Messe und wollen sich dort gründlich amüsieren.

Gitta Almusch - ist in ihren Chef verliebt, nun scheinen sich ihre kühnsten Träume zu erfüllen.



1

Sehnsüchtig betrachtete der Mann das Mädchen. Er fühlte, wie seine Hände feucht wurden. Sie bemerkte es und lächelte insgeheim. Seine Blicke durchbohrten fast ihren knallroten Schlüpfer. Ganz langsam strich sie sich mit den Fingerspitzen über die Hüften. Dabei ließ sie den Mann nicht aus den Augen.

»Was ist?«, fragte sie, als könne sie kein Wässerlein trüben.

Er schluckte.

Sein Adamsapfel hüpfte rauf und runter. Seine Zigarre fiel auf den Teppich. Beide bemerkten es nicht.

»Nun?«

»Du meine Güte! Perfekter kann es nicht sein«, keuchte er.

Ihre Augen ließen ihn nicht los.

»Komm!«

Sie lockte!

Ihr Körper war wie eine Verheißung.

Dabei hatte er sich so fest vorgenommen, seiner Frau treu zu bleiben. Immerhin war er zum vierten Mal verheiratet.

Er rutschte auf den Knien zu dem Mädchen und umschlang es stöhnend. »Du!«, gurrte er heiser. Sie blickte auf seine halb mondförmige Glatze und lächelte verächtlich. Er sah es nicht, küsste ihre Knie und zitterte vor Begierde.

Du Trottel, dachte sie bei sich. Du merkst nicht mal, dass alles nur Spiel ist. Männer wollen betrogen werden, sonst sind sie nicht glücklich.

»Komm, mach mich glücklich! Ich brenne darauf! Schnell, ich halte es nicht mehr aus!«

Sie stöhnte lustvoll auf.

Dabei schielte sie auf die Uhr. Wenn ich ihn schnell schaffe, habe ich es in einer Stunde überstanden. Und dann? Sie lächelte geheimnisvoll und warf die blonden, wolligen Haare zurück. O ja, sie war sich ihrer Macht bewusst!

Keuchend erhob sich der Mann. Sein dicker Bauch war ihm dabei ziemlich hinderlich.

»Ja, ja, Häschen«, seufzte er. »Ja, ich komm ja schon! Dich werd ich fertigmachen, fix und fertig!«

Sie ließ sich auf das breite Bett fallen. Und dann liebten sie sich, hingebungsvoll und angestrengt. Denn Mariella wusste sehr wohl, wenn sie ihn nicht völlig auspumpte, würde er sie nochmals wollen. Und Männer zweimal auf Touren zu bekommen, war Schwerstarbeit.

Ihr Bück hing an dem hübschen Geldschein auf dem Nachttisch. Sie kraulte dem Mann den Rücken und stieß dabei ekstatische Schreie aus.

Er fühlte sich wie im Himmel.

Endlich war alles vorbei.

Wie ein müdes Walross lag er an ihrer Seite und schnaufte nur noch. Mariella dachte bestürzt, er wird mir doch keinen Herzinfarkt bekommen? Das fehlte mir noch! Dann kann ich mich in dem Hotel nicht mehr blicken lassen.

Geschmeidig erhob sie sich, ging ins Bad und holte einen nassen Waschlappen. Den presste sie auf die Herzgegend des Mannes.

»Ist es so besser?«

»Du kleine Schlange!«

Er küsste ihre Fingerspitzen.

Sie schnurrte wie ein Kätzchen.

Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte er so noch viele Stunden verbringen können. Sie spielte auf hungrig. Er erhob sich ächzend.

»Können wir uns denn nicht was raufbringen lassen? Wir sind schließlich hier in einem Luxushotel«, bemerkte er.

»Willst du, dass sie was merken?«, fragte Mariella.

Er blickte sie an.

»Wieso?«, fragte er erschrocken.

»Ich bin eine ehrbare Frau, und du möchtest doch sicher auch nicht, dass man dich bei mir sieht, oder?«

»Ja, ja! Du hast recht!«

Er stand vor ihr.

»Warum sind Ehefrauen nicht so wie du?«

Sie lachte gurrend.

»Tja, das ist wirklich eine schwierige Frage. Warum?«

»Weiß der Teufel! Man kleidet sie, überhäuft sie mit Geschenken, tanzt nach ihrer Pfeife und erhält statt Liebe nur flüchtige Zärtlichkeit. Die Welt ist wirklich ungerecht. Ehrlich! Warum habe ich dich nur nicht früher getroffen?«

Das junge Mädchen blickte ihn erstaunt an.

»Aber wir hatten doch heute Zeit genug!«

»Nein, nein, ich meine vor Jahren. Dann hätte ich dich geheiratet. Aber jetzt bin ich gerade verheiratet. Du weißt ja gar nicht, wie teuer so eine Scheidung ist.«

Sie lachte zärtlich und bedankte sich für das Angebot. Bei sich dachte sie aber: Das wird ja immer schöner! Warum wohl, du alter Bock, führe ich dieses Leben? Doch nur, um reich und unabhängig zu sein. Ja, was glaubst du denn? Bist du tatsächlich der Ansicht, ich würde noch so schnurren, wenn ich deine Frau wäre? Dann brauchte ich es doch nicht mehr! Dann säße ich doch im Fettpott!

Er zog sich an und verabschiedete sich von ihr.

»Sehen wir uns noch?«

»Aber die Messe dauert doch nur noch drei Tage«, sagte sie lachend.

»Wunderbar!«

Sie schloss die Tür hinter ihm ab. Rasch verschwand der Geldschein in ihrem Täschchen.

»Blöder Hund«, murmelte sie vergnügt. »Du glaubst, es mit einer kapriziösen Geschäftsfrau zu treiben, die gerade mal in Geldnot ist, und merkst noch nicht mal, dass ich eine Startülle bin!«

» Eine von der ganz besonderen Sorte, mein Lieber!«

Dieser Trick war ihr einst gekommen, als sie noch einfache und seriöse Sekretärin war. Da hatte sie mit ihrem Chef eine Messe besuchen müssen. Dort hatte sie dann die Geschäftsleute gesehen. Es wimmelte nur so von reichen Männern. Und dann das herrliche Leben in den Luxushotels! Wer da einmal geschnuppert hatte, konnte nicht wieder in den grauen Alltag zurückkehren. Für Mariella war das unmöglich. Sie sprach drei Sprachen perfekt und war bildschön. Das hatte man ihr mehrfach unmissverständlich zu verstehen gegeben. Aber in Gegenwart ihres Chefs hätte sie es natürlich nicht gewagt, zu flirten. Und dann verlangte ihr Chef auch noch, dass sie mit ihm schlief. Sie tat es begeistert, weil sie glaubte, jetzt habe ihre große Stunde geschlagen. Pustekuchen! Nur kleine Geschenke waren der Lohn!

Das hatte ihr gestunken.

Ihr Boss hatte nie verstanden, warum sie damals so schnell gekündigt hatte. Jetzt war sie frank und frei und war bei jeder Messeeröffnung dabei. Bis jetzt war man ihr noch nicht auf die Schliche gekommen.

Sie besaß den Katalog mit den Terminen für alle Messen des In- und Auslands. Und dauernd reiste sie, getarnt als Geschäftsfrau. Hatte sie einen Fisch an der Angel, spielte sie das hilflose, sich nach Liebe sehnende Weibchen, das gerade in Geldnöten steckte. Und sie zahlten!

Fünfhundert für ein paar Stunden! Einen Tausender für die ganze Nacht. Und oft sprang auch noch ein feudales Essen dabei heraus. Sie lebte jetzt nicht nur ein fesches Leben, nein, sie konnte auch noch erhebliche Ersparnisse machen.

»So«, dachte sie befriedigt, »die Nacht ist noch jung! Also gehen wir mal auf Fischfang!« Nun musste sie schon vorsichtiger sein. Denn in diesen Städten war die Konkurrenz auch nicht untätig. Dass die Mädchen nicht in den Hotels stehen durften und auch nicht auf dem Messegelände direkt, war Mariellas Vorteil. Aber außerhalb dieses Gebietes musste sie sehr vorsichtig sein. Sie hatte nämlich keine Lust, sich mit einem Luden anzulegen. Und schon gar nicht wollte sie ihr Geld mit jemandem teilen.

Mariella zog sich an und schminkte sich.

Dann fuhr sie mit dem Lift nach unten.

In der Halle stieß sie auf ein kleines Männchen. Er hatte sie gleich auffallend gemustert und sie mit den Augen förmlich ausgezogen.

Sie lächelte ihn kühl an. Mariella spürte sogleich, wenn ein Mann allein reiste. Die Einsamen langweilten sich mächtig. Viele hatten keine Lust, auf die Dirnen zurückzugreifen. Sie wollten einfach nur die Zeit totschlagen, das war alles.

Der Mann lud sie zu einem fürstlichen Essen ein.



2

»He, läufst du immer durch Leute hindurch?«

Achim Wintgasser blieb stehen. Er befand sich in der Fußgängerzone und war auf dem Weg zu seinem Wagen. Er hatte es gar nicht gern, wenn man ihn so unvermutet ansprach.

Vor ihm stand ein Mann und lachte ihn an.

»Achim, schäm dich!«

Da lachte Achim auch.

Vor ihm stand sein Freund Chris Kirster.

»Du siehst aber gar nicht taufrisch aus!«

»Ich war den ganzen Morgen bei der Bank und auf verschiedenen Behörden.«

»Du Ärmster! Aber sag mal, da wir uns nun schon getroffen haben, gehst du mit mir essen? Dann können wir ein wenig miteinander reden.«

Wintgasser ließ sich gerne mitziehen. Wenig später saßen die beiden Freunde in einem eleganten Restaurant.

»Weißt du was? Du musst mal aus deinem Trott raus! Du siehst ja richtig angenagt aus!«

»Ich hab viel Aufregung im Werk.«

»Und dein Liebesleben?« Kirster war und blieb ein lockerer Vogel.

»Anni, du weißt doch«, sagte Wintgasser zögernd.

»Meine Güte, doch nicht Anni, alter Gauner! Man muss sich mal entspannen. Du weißt wohl gar nicht, wie gut das tut, wie? Ich glaube, es wurde höchste Zeit, dass ich dich traf, mein Lieber! Ich werde mich mal ein wenig um dich kümmern. Das bin ich dir einfach schuldig!«

»Ich brauche keine Hilfe, wirklich nicht«, beteuerte Achim.

»Quatsch doch nicht so einen Blödsinn! Du brauchst Abwechslung! Du bist jetzt in dem Alter, wo du anfängst, dich selbst zu bemitleiden.«

Verdutzt blickte Wintgasser den Freund an. Wenn er ehrlich sein wollte, dann stimmte das wirklich. Er hatte sich vorhin auf der Straße bemitleidet, über sein Alter nachgegrübelt und deswegen auch Chris übersehen.

»Weißt du vielleicht ein Wundermittel dagegen?«

Chris Kirster lachte.

»Aber natürlich weiß ich eins! Ich versuche doch die ganze Zeit, dir dieses Mittel anzupreisen.«

»Davon habe ich aber noch nichts mitbekommen.«

Chris lachte.

»Du bist naiv!«

»Geschenkt, das sagst du schon lange. Was soll ich jetzt deiner Meinung nach tun?«, fragte Achim.

»Ich sage nur: Frauen!«

Wintgasser starrte ihn an.

»Die Frauen sind es doch, die uns auslaugen.«

»Die meine ich doch nicht, sondern den Nervenkitzel! Es ist jetzt ungemein wichtig für dich, dass man dich für einen Supermann hält. Wirklich! Du weißt gar nicht, wie dich das beschwingt. Es bringt dich hoch! Es macht dich wieder zum Jüngling!«

»Aber man kennt mich in dieser Stadt! Ich will keinen Skandal.«

»Hast du ein Verhältnis mit deiner Sekretärin?«

»Nein!«

»An deinen Augen sehe ich aber, dass du es gern möchtest. Warum fängst du also keines an?«

»Sie will schon! So senil bin ich nun auch nicht, dass ich das nicht merke!«

»Also, worauf wartest du dann noch?«, fragte Chris.

»Ganz einfach, ich möchte mich nicht blamieren!«

Kirster blickte Achim treuherzig an.

»Ja, das kann ich verstehen.«

»Man ist in unserem Alter nicht mehr so wild. Verstehst du? Ich bring das einfach nicht mehr!«

Nein, dachte Kirster, du bringst es nicht mehr, weil du zu vernünftig bist. Du hast zu viel Arbeit um die Ohren, und du denkst nur an das Werk, sonst ist für dich nichts erstrebenswert. Er kriegt eine Stange Geld, also muss er auch etwas dafür leisten. Und ich sehe mal wieder etwas anderes als nur meinen Schreibtisch. Ja, und dass es so gekommen ist, daran ist ein kleines lustiges Mädchen schuld. Wir haben uns auf der Weihnachtsfeier im Betrieb getroffen. Sie war nur eine kleine Packerin, aber unendlich süß. Und jetzt machen wir uns nette Stunden, und ich fühle mich bestimmt um zwanzig Jahre jünger. Der Nervenkitzel war es, der mich wieder hochriss. Wenn man wieder das Gefühl bekommt, man kann noch lieben! Ich werde noch geliebt. Wir Männer sind nun mal so erschaffen. Was ist da schlimmes daran?

Ich lebe wieder!

Ich kann mich wieder an kleinen nichtigen Dingen erfreuen.

»Wann gehst du auf Geschäftsreise?«, fragte Chris.

»Nächste Woche. Wieso?«

»Wohin?«, fragte Chris weiter.

»Nach Nürnberg, warum?«

Kirster lachte auf.

»Aber Junge, das ist deine Rettung!«

»Sag mal, Chris, du hast nicht zufällig schon was getrunken?«, wollte Achim nun seinerseits wissen.

»Habe ich etwa eine Fahne?«

»Nein!«

»Na also! Nein, ich habe nichts getrunken. Ich bin nur aufgekratzt. Aber Junge, ich glaube, du weißt noch immer nicht, dass du gerettet bist.«

»Nein, tut mir leid. Ich scheine heute ziemlich blöd in deinen Augen dazustehen. Aber mir macht das nichts. Mach nur weiter, du sprichst in Rätseln. Das macht mir nichts, fast gar nichts.«

Kirster lachte wieder auf.

»Deswegen mag ich dich ja so sehr, Achim, weil du nie beleidigt bist.«

Achim lachte.

»Also, was ist mit Nürnberg?«

»Stichwort: Groschenbett!«

Achim hatte jetzt langsam wirklich das Gefühl, sein Freund würde eine andere Sprache sprechen.

Kirster brach in helles Gelächter aus.

In dem vornehmen Lokal sahen sich alle Gäste nach ihnen um, und auch der Ober runzelte die Stirn.

»Wir fallen auf!«

Kirster konnte sich das Lachen kaum verkneifen.

»Schade, dass du dich jetzt nicht sehen kannst! Ich sehr schon, du hast keine Ahnung!«

»Tut mir leid.«

Chris beugte sich wieder vor.

»Also, mein guter Freund, dann werde ich dir jetzt das Geheimnis von Nürnberg erklären. Vielleicht gibt es das auch noch in anderen Städten. Ich habe es noch nicht erforscht. Aber in Nürnberg gibt es Groschenbetten für müde Geschäftsmänner, die mit ihren Sekretärinnen unterwegs sind.«

»Waaas?«

Kirster lachte.

»Also das ist ganz einfach. Da steht ein Bett, und wenn man Groschen einwirft, dann fängt es an zu rütteln. Verstehst du mich?«

»Nein!«

»Junge, es rüttelt natürlich so, dass deine Holde denkt, du bist es!«

Achim lehnte sich zurück.

Sein Mund war geöffnet.

»Nein«, sagte er baff.

»Ich will dir die Wahrheit sagen. Also, als ich den Einwurfschlitz am Bett entdeckte, wusste ich von nichts. Ich steckte das Geld rein. Ich dachte, es ist ein Bett mit Musik oder Ähnlichem. Und dann legte es los. Ich flog nur so heraus, weil ich ja nicht darauf gefasst war.«

Jetzt brach Wintgasser in Gelächter aus.

Chris grinste mit.

»Na, dann hab ich es mir vom Geschäftsführer erklären lassen. Und dann habe ich meine Sekretärin mitgenommen.«

»Und?«

»Seitdem steht mein Ruf in der Firma wieder!«

Wintgasser kicherte.

»Ich sage dir Achim, es macht dich um Jahre jünger. Ehrlich!«

»Es ist also ganz einfach?«

»Aber das sage ich dir doch! Und damit es ihr wirklich nicht auffällt, geh vorher mit der Frau groß essen und sorge dafür, dass sie auch einen kleinen Schwips hat.«

»Also, so vertrottelt bin ich nun wirklich noch nicht, dass ich nicht weiß, wie man eine herrliche Nacht vorbereitet.«

»Wunderbar!«

»Sie ist wirklich toll?«, wollte Chris wissen.

»Ja, das ist sie.« Achim nickte verträumt.

»Bin ich jetzt ein Freund oder nicht?«

»Bist du!«

»Na, dann darfst du auch das Essen bezahlen.«

Chris erhob sich.

»Ich habe jetzt keine Zeit mehr.«

»Aber!«

Chris zwinkerte Achim zu.

»Die Folgen des Rüttelbettes!«

Achim lachte.

Bevor sein Freund endgültig ging, drehte er sich noch einmal um: »Also, mein Lieber, du wirst mir erzählen, wie es war, nicht wahr?«

»Ein Kavalier genießt und schweigt!«

»Meine Güte, ich meine doch das Groschenbett! Wie es auf sie gewirkt hat!«

»Ach so! Gut, einverstanden!«

Dann trennten sich die Freunde.



3

Im Büro ging Achim sogleich zu seiner Sekretärin.

»Ich muss nächste Woche nach Nürnberg. Sie werden mich begleiten, Frau Almusch!«

Gitta errötete tief.

»Jawohl, Herr Wintgasser«, meinte sie beflissen.

Das kleine Tippmädchen kicherte, als Wintgasser aus dem Zimmer verschwunden war.

»Was gibt es da zu lachen?«, fragte Gitta.

»Na ja, Dienstreise!«

»Herr Wintgasser ist sehr viel auf Dienstreisen!«

»Sicher, sicher, und ich weiß auch, wie sehnsüchtig Sie darauf warten, mitgenommen zu werden.«

Gitta Almusch war ein hübsches Mädchen, langbeinig, aber ein wenig zu kühl. Sie wollte Karriere machen, egal wie. Und wenn man auf dieser Welt etwas werden wollte, musste man gute Freunde haben.

Sie mochte Wintgasser. Er war nicht so skrupellos wie andere Männer. Gitta machte sich keine Illusionen. Er würde sich nie von seiner Frau trennen. Dazu war er viel zu korrekt. Aber sie hoffte inbrünstig, und wenn er erst mal ihr Geliebter wäre, dann würde sie schon dafür sorgen, dass sie nicht zu kurz käme.

Gitta hatte alles versucht, um ihren Chef auf sich aufmerksam zu machen. Sie bot sich ihm wie eine reife Frucht an.

Jetzt endlich hatte es geklappt.

»Na ja, wenn Sie so was mögen!«

»Wie meinen Sie?«

Das Tippmädchen lächelte.

»Ich bin mehr für jüngere Männer!«

»Reife Männer haben viel mehr Erfahrung, meine Liebe!«

»Erfahrung? Du liebe Güte!«

»O ja!«

»Na, ich weiß nicht. Wenn ich mir den Wintgasser so anschaue! Also, der lockt keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.«

»Sie sollten nicht so abfällig über Ihren Arbeitgeber reden!«

»Tu ich ja gar nicht. Ich denke nur laut.«

»Sie sind ja nur neidisch, dass er Sie nicht mitnimmt!«

Nun müsste sie doch lachen.

»Mich? Meine Güte, ich will doch nicht, dass er sich einen Herzinfarkt holt.«

»Warum sollte er?«

»Ich will was von der Liebe haben. Meine Männer müssen was leisten. Ich will auf meine Kosten kommen.«

Gitta lächelte kühl.

»Das werde ich auch!«

»Vielleicht steigen Sie nobel ab. Aber sonst!«

»Nächste Woche werden wir es wissen.«

»Ehrlich?«

Gitta starrte sie an.

»Werden Sie mir ganz bestimmt erzählen, wie es abgelaufen ist?«

»Warum nicht?«

»Na, dann werden wir ja noch viel Spaß miteinander haben, meine Liebe!«

Jetzt wandten sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Wenn Wintgasser geahnt hätte, wie man jetzt schon über ihn sprach, dann hätte er bestimmt alles wieder rückgängig gemacht.

Er war ja direkt stolz auf sich, dass er es so leicht über die Lippen gebracht hatte. Wer wusste denn auch schon, dass er seine Anni noch nie betrogen hatte! Und auch jetzt saß er an seinem Schreibtisch und grübelte darüber nach.

Vielleicht war es doch nicht richtig.

Doch dann mussten Briefe unterschrieben werden. Und eine Besprechung war auch angesagt. Als er endlich wieder zu sich kam, war es schon so spät, dass er nur noch den Wunsch hatte, so schnell wie möglich heimzukommen, die Schuhe auszuziehen und es sich gemütlich zu machen.

Anni wartete schon mit dem Essen auf ihn.

»Du siehst müde aus!«

»Ich bin auch müde«, gab Achim zu.

Dann schwiegen sie. Das Essen wurde von der Haushälterin gebracht. Danach gingen sie in den Salon und versuchten, vor dem Fernseher wach zu bleiben.

Achim musterte sein angetrautes Weib. Sie war noch immer hübsch. Und sie verstand es, sich vorzüglich zu kleiden. Er konnte mit ihr Staat machen. Er fragte sich, was suche ich eigentlich noch? Ich bin alt, ich sollte es endlich einsehen.

Schon wieder das Selbstmitleid!

Chris hatte recht. Ich bemitleide mich andauernd. Nur weil ich jetzt ein wenig müde bin?

»Was gibt es Neues im Werk?«

»Ach ja, bevor ich es vergesse, ich muss nächste Woche nach Nürnberg.«

Anni runzelte die Stirn.

»Ach, wirklich?«

»Ja, zwei, drei Tage wird es wohl dauern.«

»Du hättest es mir wirklich früher sagen können, Achim! Jetzt muss ich alles umwerfen!«

Er blickte sie groß an.

»Ich verstehe dich nicht, Anni! Ich muss doch nach Nürnberg. Haben wir vielleicht in der Woche wieder eine Party?«

»Aber nein, doch nicht um diese Zeit. Da würde ja niemand kommen. Nein, keine Party. Aber Achim, ich werde dich begleiten! Keine Sorge, ich werde meine Termine schon absagen können.«

Achim blickte sie so sprachlos an, dass selbst sein Eheweib bemerkte, dass da etwas nicht stimmte.

»Nürnberg wollte ich mir schon immer mal ansehen. Es soll ja ein bezauberndes Städtchen sein. Ich werde genug Zeit zum Einkaufen haben.«

Er blickte sie noch immer mit offenem Mund an.

Sie runzelte die Stirn.

»Was ist denn mit dir?«

»Du ... du willst mit?«, stotterte er verdattert.

Sie lachte leise auf.

»Aber Achim, du tust ja wirklich so, als wärst du darüber entsetzt!«

»Entsetzt? Ich? Aber nein!«, log er hastig.

»Na, siehst du? Du selbst hast mir doch neulich gesagt, wie langweilig es für dich immer ist, allein auf Reisen gehen zu müssen. Und überhaupt kannst du so schlecht Koffer packen und dergleichen. Na ja, andere Männer in deiner Position nehmen ihre Sekretärinnen mit. Ach, weißt du, meine Freundin hat mir neulich noch ihr Leid geklagt. Aber du bist ja nicht so. Und weil es dir nicht behagt, habe ich mir vorgenommen, jetzt wo die Kinder alle aus dem Haus sind, dich zu begleiten, wenn es mir in den Kram passt. Mal sehen wie es mir gefällt. Du siehst, Achim, ich tue wirklich mein Bestes!«

Er schluckte tapfer.

»Aber Liebes, das kann ich einfach nicht von dir annehmen, wirklich nicht.«

Sie lächelte ihn an.

»Du bist einfach zu gut, Achim. Das sag ich immer. Du meldest dich nicht. Auch jetzt, du bist so müde. Warum nimmst du dir keinen Geschäftsführer?«

Er konnte ihr darauf keine Antwort geben, denn er war mit seinen Gedanken bei seiner Sekretärin.

Das war ja furchtbar!

Einfach schrecklich!

»Du brauchst dich wirklich nicht zu überstürzen, Anni! Ich muss ja noch so oft fort. Wirklich!«

»Hör mal, du redest so, als würdest du mich plötzlich nicht mehr mithaben wollen!«

Er lachte kurz auf.

Sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber das durfte er ihr doch nicht sagen!

»Nein, nein«, meinte er hastig. »Ich bin nur so verblüfft. Weißt du, ich hab ...«

»... es nicht erwartet, nicht? Ach weißt du, Achim, es wird mir auch ganz gut tun, wenn ich mal rauskomme. Ja, ich habe auch schon mal daran gedacht, im Werk zu arbeiten. Jetzt wo die Kinder mich nicht mehr brauchen. Schließlich bin ich ja ausgebildete Dolmetscherin!«

Achim brach langsam der Schweiß aus.

»Werden die anderen Männer auch ihre Frauen mitbringen, Achim?«

»Wie? Das weiß ich nicht, das ist nie bisher vorgekommen, ich weiß es auch nicht.«

»Da kann man mal wieder sehen, wie wenig Ahnung du hast! Man muss doch die Sekretärinnen von den Ehefrauen unterscheiden können.«

»Natürlich, sicher, aber ich habe noch nie darauf geachtet.«

»Du bist aber heute wirklich durcheinander«, stellte Achims Frau fest.

Um sich nicht doch noch zu verraten, griff er hastig zu einem Buch. Jetzt hatte er Ruhe vor Anni. Hinter dem aufgeschlagenen Buch konnte er jetzt in aller Ruhe über seine neue Situation nachdenken.

Eines hatte Chris wirklich geschafft, nach langer Zeit fühlte Achim sich mal wieder wie ein Bub, den man bei einem Streich ertappt hat. Um Himmels willen, dachte er jetzt bestürzt, wenn sie morgen die Sekretärin anruft, um vielleicht von ihr einiges zu erfahren?

Die Buchstaben tanzten vor seinen Augen.

Was sollte er nur machen?

Chris, du hast mir das eingebrockt! Und plötzlich hatte Achim eine sehr gute Idee. Chris hatte ihn vor ein paar Stunden noch gefragt: »Wir sind doch Freunde, Achim, nicht wahr?«

Ein richtiger Freund half in jeder Lebenslage.

Langsam beruhigte Achim sich wieder.

»Ich gehe schlafen«, sagte er zu seiner Frau.

»Ich komme auch gleich«, versprach sie ihm.



4

Es ist doch wirklich zu einfach, dachte Mariella. Ich verstehe einfach nicht, warum nicht schon andere Mädchen auf diese Idee gekommen sind.

Oder vielleicht doch?

Mariella blickte sich vorsichtig um. Doch sie erkannte keine, die in Frage käme.

Das spindeldürre Männchen war im siebten Himmel, als es endlich begriff, dass Mariella nichts dagegen hatte, wenn es zur Sache käme. Der Mann schluckte tapfer. Wieso tat so eine schöne Frau ihm den Gefallen? Ein wenig misstrauisch wurde er schon.

Mariella lächelte ihn strahlend an.

»Das verstehen Sie nicht?«

»Nein, ehrlich gesagt nein! Ich habe sonst kein Glück bei Frauen, müssen Sie wissen.«

»Sehen Sie, so ähnlich ist es auch bei mir. Als ich noch Geld genug hatte, da wimmelte es um mich herum nur so von Freunden, die sich anbiederten. Aber jetzt? Sie sehen, Einsamkeit ist wirklich eine scheußliche Sache.«

»Sie sind einsam?«

Mariella lächelte müde.

»Ja, leider!«

Er betete sie an.

»Werden wir, hmhm, den Rest der Messe zusammenbleiben? Ich meine ...«, sein Atem stockte. Er wagte nicht, sich ihr aufzudrängen.

Mariella säuselte: »Wie liebend gern würde ich das tun! Aber ich muss leider abreisen. Meine finanzielle Lage lässt es nicht zu, dass ich auch nur einen Tag länger hier im Hotel bleibe.«

»Ah, ich verstehe!«

Er dachte: Nun, ich werde dann wenigstens eine Nacht haben. Wenn das nichts ist!

Und das Mädchen dachte:

»Du bist wirklich naiv! Du wirst meine Rechnung begleichen, mein lieber Freund. Du weißt es nur noch nicht.

»Gehen wir rauf? Hier unten ist es so unpersönlich«, fragte Mariella scheinheilig.

»Wenn Sie es wünschen, dann bestelle ich etwas zu trinken aufs Zimmer?«

»Aber gern!«

Sie fuhren mit dem Lift nach oben. Mariella nahm ihn mit in ihr Zimmer. Aus Sicherheitsgründen, wie sie sich immer sagte, und auch, weil sie hier mehr aus ihrem Typ machen konnte als in einem fremden Hotelzimmer.

»Bitte setzen Sie sich! Sie sind mir doch nicht böse, wenn ich mich ein wenig freimache? Diese Kleider sind so unbequem.«

»Aber nein!«

Mariella entschwebte ins Bad.

Dort stand schon alles bereit. Rasch schlüpfte sie aus dem hochgeschlossenen Kleid in einen hauchzarten Morgenmantel. Er umschmeichelte ihre Figur und zeigte recht viel von ihren Reizen. Und dazu noch die kleinen goldenen Pantöffelchen. Natürlich durfte sie auch das Parfüm nicht vergessen. Das machte die Männer besonders schwach und hingebungsvoll.

Dann kam Mariella aus dem Bad heraus.

Der Sekt war inzwischen gebracht worden. Der Mann, er hieß Hermann mit Vornamen, drehte sich um, und dann sah er sie!

Er war total von den Socken.

Geschmeidig, sich in den Hüften wiegend, kam Mariella näher. Der Morgenmantel klaffte an den richtigen Stellen auf. Die Augen des Mannes stierten das süße dunkle Dreieck zwischen den schlanken Schenkeln an, und er wurde knallrot.

»Danke«, sagte sie mit sinnlicher Stimme und nahm ihr Glas entgegen.

Sie legte sich seitlich auf ihr Bett.

»Kommen Sie doch!«

Seine Hände zitterten. Er konnte gar nicht trinken, er konnte sie nur anstarren.

Die zarten Brüste zeigten sich, aber nur andeutungsweise. Das war es ja, was so schön war. Man sah eigentlich nichts und ahnte alles. Von solchen Wesen träumte jeder Mann.

Mit weichen Knien ließ er sich an ihre Seite gleiten und blickte sie gierig an.

Sie trank ihr Glas leer und lächelte perlend.

»Haben Sie Angst?«

Details

Seiten
120
Jahr
2019
ISBN (ePUB)
9783738927399
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (April)
Schlagworte
dirne messe redlight street
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Titel: Als Dirne auf der Messe: Redlight Street #86