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Die Raumflotte von Axarabor - Band 66: Entscheidung im Netaris-System

2019 78 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 66

Zusammenfassung

von Stefan Hensch

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Der Krieg mit dem Sternenreich von Neran tritt in seine entscheidende Phase. Der Raumflotte von Axarabor ist nach einem verlustreichen Feldzug die Blockade der Zentralwelt Neran nahezu gelungen, als die neranische Führung unter Kaiser Mohamed Al Faroukis alles auf eine Karte setzt, um das Kriegsglück doch noch zu ergreifen. Dabei spielt ausgerechnet das Netaris-System eine zentrale Rolle, in dem vor kurzem ein Raumschiff der Raumflotte verschollen ist. Kann die Raumflotte dennoch siegreich bleiben?

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor - Band 66: Entscheidung im Netaris-System


von Stefan Hensch


Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Der Krieg mit dem Sternenreich von Neran tritt in seine entscheidende Phase. Der Raumflotte von Axarabor ist nach einem verlustreichen Feldzug die Blockade der Zentralwelt Neran nahezu gelungen, als die neranische Führung unter Kaiser Mohamed Al Faroukis alles auf eine Karte setzt, um das Kriegsglück doch noch zu ergreifen. Dabei spielt ausgerechnet das Netaris-System eine zentrale Rolle, in dem vor kurzem ein Raumschiff der Raumflotte verschollen ist. Kann die Raumflotte dennoch siegreich bleiben?



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



1

Wheeler-System

Krieg. Der Vater aller Dinge hatte im Wheeler-System Einzug gehalten und herrschte dort bereits seit Monaten. Dem bewaffneten Konflikt war eine Kette von Ereignissen vorausgegangen, die sich in ihrer Intensität immer weiter gesteigert hatten. Am Ende hatte das neranische Sternenreich Tatsachen geschaffen, indem in ein benachbartes System einfiel. Da es sich um einen wichtigen Alliierten des Sternenreichs von Axarabor gehandelt hatte, war ein Krieg unausweichlich gewesen. Nun brannte das System, die Neraner hatten Sturm geerntet.

Lieutenant Troy Wilco war zusammen mit seiner Staffel seit Beginn des Konflikts dabei. Zu Anfang hatten die Chancen nicht sehr gut ausgesehen, denn die riesige Flotte der Neraner mit ihren Super-Großkampfschiffen war ein mehr als nur ernstzunehmender Gegner gewesen. Die Flotte hatte zahlreiche Schiffe verloren und auch aus der Staffel waren einige Piloten gefallen. Wilco schluckte hart, als er an die Toten denken musste. Aber dann hatte das Oberkommando der Raumflotte die Strategie des Feldzugs verändert. Anstelle die neranische Flotte weiterhin frontal anzugreifen, hatte Operation Hochsprung begonnen. Das Prinzip dahinter war radikales Planetenspringen, um die neranische Marine von ihren Rohstoffquellen abzuschneiden. Aber auch der konkrete Job von Wilco und seinen Kameraden hatte sich verändert. Hatten sie zuerst im Staffelverband Angriffe geflogen, vereinten sie sich nun mit mehreren anderen Geschwadern zu einem deutlich größeren Verband, der mit einer ähnlich großen Gruppe von Jagdmaschinen jeweils eines der neranischen Super-Großkampfschiffe von zwei unterschiedlichen Seiten aus in die Zange nahm. Gleichzeitig griffen dann zwei Kreuzer der Raumflotte von vorne an.

Exakt das würde auch jetzt wieder passieren. Wilco flog als Wingcommander mit zwei Flügelmännern in einem Verbund von dreißig Jagdbombern. Die Mission war einfach. Mit Höchstgeschwindigkeit auf die STOLZ VON NERAN zu fliegen, in Waffenreichweite alle Raketen abfeuern und zum Trägerschiff zurückfliegen. Dort bekam die Maschine dann neue Raketen verpasst und die Prozedur begann von vorne, so oft wie es eben nötig war. Der komplizierteste Teil dieser Einsätze war das Überleben. Anders als die Dreadnaughts der Raumflotte waren die neranischen Großkampschiffe kein gefundenes Fressen für flinke Jagdmaschinen und definitiv auch nicht auf eine Eskorte angewiesen. Dafür sorgte eine ausgeklügelte Abwehrphalanx aus Geschütztürmen, Automatikgeschützen und Minenwerfern.

Die Deflektoren der Jagdbomber absorbierten einige Treffer der Schiffsabwehr, aber dann waren die kleinen Maschinen zum Abschuss freigegeben. Wilco selbst war bereits zweimal Gevatter Tod von der Schippe gesprungen. Einige seiner Kameraden hatten jedoch weniger Glück gehabt. Ellis Ripley hatte ein Automatikgeschütz förmlich die Maschine zerschossen, nachdem seine Deflektoren kapituliert hatten. Jackson hingegen war während eines Ausweichmanövers in ein Minenfeld geraten und in Stücke gerissen worden.

„Angriff!“, lautete das simple Kommando aus seinem Ohrhörer.

Wilco erhöhte die Geschwindigkeit des Jagdbombers auf das Maximum und das Triebwerk setzte seinen Befehl sofort um.

In der Ferne erschien die STOLZ VON NERAN als kleiner Punkt, wurde dann aber rasch größer. Der Zielcomputer markierte das Super-Großkampfschiff auf der Kanzel des Jägers mit einem grünen Kasten und blendete daneben die Entfernungsangaben ein. Automatisch erschien ein Kreis in dem Kasten um das Raumschiff, als sich der Computer aufgeschaltet hatte.

Die Hand von Wilco schloss sich etwas fester um den Steuerknüppel. Der Knopf für den Nachbrenner war unterhalb seines Zeigefingers angebracht. Sobald seine Maschine ihre zerstörerische Last abgefeuert hatte, würde der Nachbrenner ihn wieder aus der Reichweite des Super-Großkampfschiffs bringen. Wenn er dann noch lebte…

Das Ziel der ersten Angriffswelle waren primäre Schiffsfunktionen wie Antrieb, Lebenserhaltung und Navigation. Ein angeschlagenes Schiff war immer ein leichterer Gegner. Wilco musste an diese verdammte Heldin Nataly Sawyer denken, der es in einem der ersten Kämpfe gegen die Neraner gelungen war, gleich zwei dieser verdammt großen Schiffe auszuschalten. Zuletzt hatte Sawyer ihr eigenes Schiff als Waffe genutzt und hatte den Feind damit frontal gerammt. Seitdem war Sawyer verschwunden, aber dieses Manöver hatte das Leben ihrer Crew gerettet, da sie die NAKAMURA vorher evakuiert hatte.

Wilco und seine Flügelmänner kamen in die Waffenreichweite der STOLZ VON NERAN, denn überall um ihre Jagdbomber herum zerplatzten jetzt explosive Projektile und zugleich ertönte die vertraute Geräuschkulisse, die aus relativ harmlosen Ploppgeräuschen bestand. Wilco fühlte sich immer an Sektkorken erinnert, zumindest solange, bis sich die vereinzelten Geräusche in einen Donnerhagel verwandelten.

Dies geschah genau in diesem Moment. Seine Maschine wurde gleich mehrfach getroffen, aber der Frontdeflektor steckte die Treffer mühelos weg.

„Kurs halten. Feuern, wenn in Reichweite“, befahl der Pilot seinen Flügelmännern. Dann wurde das Feuer noch wilder und konzentrierter, zusätzlich zuckten nun auch Lichtblitze durch das Weltall, das Super-Großkampfschiff setzte seine Energiewaffen ein.

Ein akustisches Signal ertönte und ein Kreuz erschien in der Markierung um die STOLZ VON NERAN. Reflexartig betätigte Wilco den Abzug und hielt ihn gedrückt. Als das Waffensystem den Abschuss aller Raketen meldete, zwang der Pilot seine Maschine in eine steile Linkskurve und schaltete den Nachbrenner ein. Seine Maschine wurde von zahlreichen Schüssen erwischt, dann bracht sein Frontdeflektor zusammen. Doch Wilco hatte die Maschine gewendet und flog jetzt mit absoluter Höchstgeschwindigkeit ihrem Trägerschiff entgegen. Die letzten Treffer schlugen ohne Schadenswirkung in seinen vollständig geladenen Heckdeflektor ein, dann verließ sein Jagdbomber die Waffenreichweiter der STOLZ VON NERAN wieder.

Wilco atmete tief ein. Auf seinem taktischen Display sah er die beiden Punkte, die ihm leicht versetzt auf beiden Seiten der Maschine folgten. Auch seine Flügelmänner hatten es geschafft. Der Raumkampf tobte weiter, aber für Wilco und seine Kameraden war er fürs Erste beendet. Als er den Anflug auf die TIGERKLAUE einleitete, ging ihm eine Frage durch den Kopf. Wie oft noch? Wie oft würde er dem Tod noch in sein wurmzerfressenes Antlitz blicken müssen? Und… wie oft würde er es weiterhin überleben?



2

An Bord der TIBERLY

Admiral Reese Howard stand auf der Brücke des Zerstörers und betrachtete lächelnd den großen Videoschirm. Die Strategie der Raumflotte von Axarabor war aufgegangen, dabei stützte sie sich lediglich auf rudimentären Grundzügen der Kriegsführung. Truppen jeglicher Art mussten versorgt werden, sonst wurden sie zuerst in ihrer Mobilität und Kampfkraft eingeschränkt, bis sie schließlich vollständig für den Einsatz ausfielen.

Durch das Planetenspringen der Raumflotte war die neranische Marine ins Hintertreffen geraten, noch bevor deren Admiralität es überhaupt bemerkt hatte. Letzte Woche hatte es ein Schiffsverband der Raumflotte geschafft, mehrere Super-Großkampfschiffe zu einem gewaltigen Umweg zu nötigen. Den befehlshabenden Offizieren war aber nicht klar gewesen, dass es in ihrem Zielsektor keinerlei Raumstationen oder Planeten mehr unter neranischer Kontrolle gab. Da die Schiffe schon gesprungen waren, strandeten sie manövrierunfähig im freien Raum, wo sie von einigen Fregatten der Raumflotte erwartet wurden. Ein Kommandant zog die Selbstzerstörung seines Schiffs vor, während die beiden anderen Offiziere sich kooperativer gezeigt und kapituliert hatten.

Howard setzte sich auf seinen Sitz und schlug das rechte Bein über sein linkes Knie, um seinen unteren Rücken etwas zu dehnen. Währenddessen beobachtete er weiter aufmerksam die Veränderungen auf dem taktischen Display. Die neranische Marine hatte sich zwar durch die Operation Hochsprung austricksen lassen, hatte aber niemals irreal gehandelt. Dies hatte sich in den letzten Stunden deutlich verändert und der Admiral glaubte, hier den wachsenden Einfluss des Kaisers spüren zu können. Mit etwas Weitsicht ausgestattet, hätte jedem Befehlshaber schon vor Tagen klar sein müssen, dass die Raumflotte von Axarabor die Zentralwelt des Sternenreichs von Neran einkesseln würde. Darauf konnte es lediglich zwei rationale Optionen geben. Entweder wurde jede mögliche Energie für einen Ausbruch aufgewendet, oder man kapitulierte. Aber die Geschichte war voll von Verblendeten, die lieber bis zur sprichwörtlich letzten Kugel kämpfen wollten und somit ihr Humankapital sinnlos verheizten. Nun zog sich jedoch der Ring gnadenlos enger und enger um Neran zusammen und es würde höchstwahrscheinlich zu einer gigantischen Entscheidungsschlacht kommen, die von den Neranern gnadenlos verloren werden würde.

Die TIBERLY führte als Flaggschiff den Schiffsverband an, der den Frontalangriff auf die Zentralwelt des neranischen Sternenreichs ausführen sollte. Exakt das würde auch in Kürze passieren. Howard wusste, dass diese Operation die Krönung seiner bisherigen Karriere darstellte. Wenn er der verantwortliche Offizier der Raumflotte war, der Kaiser Mohammed Al Faroukis gefangen nahm, dann würde sein Name in Stein gemeißelt werden. Davon abgesehen würde er natürlich auch einige hübsche Souvenirs aus den kaiserlichen Gemächern für sich abzweigen können. Aber soweit war es natürlich noch nicht.

Als Offizier hatte Howard schon sehr viel gesehen und wusste, dass auch die Gegenseite vielleicht den einen oder anderen Trumpf in den Händen halten konnte.

„Sir, vier Super-Großkampfschiffe haben soeben ihre Antriebe aktiviert und gehen auf Kollisionskurs!“, meldete der Sensoroffizier.

Augenblicklich wurden die Informationen auch auf dem taktischen Display als Vektoren der Schiffe dargestellt. Eine Sekunde später blendete das Interface nun für alle Großkampfschiffe Vektoren ein, die genau auf die nahende Streitmacht aus Axarabor gerichtet waren. Howard wusste was das zu bedeuten hatte und knirschte mit den Zähnen.

„Videoverbindung an den ganzen Schiffsverband öffnen“, befahl Howard.

„Online“, meldete der Kommunikationsoffizier.

Der Admiral nickte in die Kamera. „Wir stehen im Krieg mit dem Sternenreich von Neran vor einem historischen Sieg. Der Feind hat sich entschlossen, seine Schiffe in einen Kamikaze-Einsatz gegen uns zu entsenden, um sie als Waffen zu opfern. Dies wird ihm jedoch lediglich etwas Zeit verschaffen. Das Sternenreich von Axarabor wird siegen. Vergessen Sie nicht, das es sich nur um einen Krieg in diesem Quadranten unseres Sternenreiches handelt. Wir sind ihnen auf lange Sicht weit überlegen. Versuchen Sie deshalb den feindlichen Schiffen nach Möglichkeit auszuweichen!“

Dann war die Übertragung beendet. „Commander Perry, bringen Sie die TIBERLY hinter diese lebensmüden Neraner und heizen Sie ihnen ein“, befahl Howard.

Während die restlichen Schiffe der neranischen Marine Schiff an Schiff in einer engen Formation auf die Hauptstreitmacht der Raumflotte zusteuerte, begannen diese in einer koordinierten Aktion auseinander zu fächern und die Blockade um Neran kurzfristig zu öffnen.

Die Fregatte KORY hatte jedoch andere Pläne. Anstelle vom Kollisionskur mit einem Super-Großkampfschiff abzuweichen, aktivierte der Commander lediglich die Deflektorschilder.

„Admiral Howard, die Fregatte KORY befindet sich weiter auf Kollisionskurs mit einem der neranischen Schiffe!“, meldete der Sensoroffizier an Bord der TIBERLY.

Dieser verdammte Jason Sinclair, dachte der Admiral.

„Veranlassen Sie Commander Sinclair zu einer Kursänderung!“

„Die KORY antwortet nicht!“

Die Augen von Howard hefteten sich auf den Videoschirm, auf dem die beiden Symbole der Schiffe gerade miteinander kollidierten. Dann schüttelte er schweigend den Kopf.

„Sir, eines der Super-Großkampfschiffe bricht aus“, meldete der Sensoroffizier und markierte die Position des Schiffs auf dem Videoschirm. „Es ist das Flaggschiff des Feinds, die KRONE VON NERAN. Sie fliegt mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Kampfgebiet heraus!“

Howard schluckte, also gab es tatsächlich doch noch einen Ausbruchsversuch aus dem Kessel. Allerdings nur für den Kaiser, der seine Vasallen und Bürger hilflos zurückließ.

„Kurs auf die KRONE VON NERAN, wir sind schneller und sie werden uns nicht entkommen!“

„Aye, Sir!“

Erneut hefteten sich die Augen des Admirals auf den Videoschirm und er beobachtete, wie die TIBERLY einen Kurs zur Verfolgung des Super-Großkampfschiffs setzte und ihm folgte. Das neranische Schiff war zwar größer und schwerer bewaffnet als die Liberty, aber eben auch langsamer. Zusätzlich waren bereits zwei weitere Kampfschiffe von der anderen Seite des Systems in Richtung der KRONE VON NERAN unterwegs und würden sie abfangen.

Howard entspannte sich und beobachtete, wie die Distanz zum fliehenden Schiff kontinuierlich schrumpfte. Dann verschwand die KRONE VON NERAN plötzlich vom taktischen Interface.

„Was ist da los, Lieutenant? Hat der Gefechtscomputer eine Fehlfunktion?“, wollte Howard wissen.

Der Sensoroffizier überprüfte seien Anzeigen und schüttelte dann den Kopf. „Die KRONE VON NERAN hat soeben einen Hyperraumantrieb aktiviert und ist aus dem System gesprungen!“

Das Herz des Admirals begann zu rasen. Neran besaß offiziell keine Überlichtantriebe. War ihre Forschung in kürzester Zeit also so schnell fortgeschritten, dass sich dies nun grundlegend geändert hatte? Oder hatte sie jemand damit versorgt?

„Lassen Sie den Computer die Raumvektoren analysieren, Mister Mathers! Ich will wissen wohin sie sind“, presste Howard hervor und schlug mit seiner Faust auf die Armlehne seines Stuhls.



3

An Bord der UROBOROS, Flaggschiff der axaraborianischen Raumflotte

Admiral Wolkow, der Vorsitzende des Oberkommandos der Raumflotte von Axarabor für diesen Quadranten des Reiches, stand mit ernstem Gesicht am Kopf des Konferenztischs. Die Verärgerung stand dem Offizier ins Gesicht geschrieben, aber daraus machte er auch keinen Hehl.

„Während der Belagerung von Neran konnte ein Super-Großkampfschiff der neranischen Marine die Belagerung durchbrechen und entkommen. Unser Nachrichtendienst hat momentan keine Informationen über den Verbleib des Kaisers.“

Wolkow machte eine Pause und sah in die Runde. „Dann aktivierte die KRONE VON NERAN ihren Hyperraumantrieb und verschwand aus dem Netaris-System.“

Stille breitete sich im Konferenzsaal aus und die berühmte Stecknadel wäre im Fallen definitiv hörbar gewesen. Allen anwesenden Offizieren stand eine Frage ins Gesicht geschrieben. Wieso verfügt ein neranisches Sternenschiff über einen Hyperraumantrieb?

„Wir werden noch ermitteln, woher die Neraner plötzlich einen funktionsfähigen Überlichtantrieb genommen haben. Ich fürchte jedoch, dass die Antwort auf diese Frage nicht besonders angenehm für uns sein wird!“

„Haben Sie anhand der Vektoren das Flugziel des Schiffs berechnen können?“, wollte Admiral Van Kinsbergen wissen.

Wolkow nickte, schwieg aber verbissen.

„Was ist los, Wolkow? Wollen Sie uns auf die Folter spannen?“

Es dauerte einige Sekunden, dann zuckte Wolkow mit seinen Schultern. „Die KRONE VON NERAN“ ist ins Netaris-System gesprungen.“

Einer der Offiziere im Konferenzsaal kicherte hektisch, ansonsten war nichts zu hören.

„Ja, ausgerechnet ins Netaris-System“, fuhr Wolkow fort. „Ausgerechnet dorthin, wo wir vor kurzem eines unserer Schiffe verloren haben. Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass es sich dabei um keinen Zufall handelt.“

Hinter dem Admiral erschien auf dem Videoschirm eine Karte des Netaris-Systems.

„Was geht denn nun genau in diesem System vor sich?“, fragte Admiral Sebastian.

Wolkow sah den anderen Offizier schweigend an. Sebastian war erst seit kurzem Mitglied des Oberkommandos in diesem Quadranten und Wolkow wusste nur, dass er an der Erprobung neuartiger Ausrüstung beteiligt war. „Leider wissen wir fast nichts. Die Subraumkommunikation zur gescheiterten Mission wurde aus unbekannten Gründen massiv gestört.“

„Das müssen dann wohl atmosphärische Störungen gewesen sein“, versuchte einer der Admirale die Situation aufzulockern.

„Wir haben also bereits ein Schiff verloren und wissen immer noch nicht, worauf wir uns bei einem Eindringen in dieses System einlassen würden. Das ist doch die Lage, oder?“, fasste Admiral Sebastian zusammen.

„Dies ist die Situation, Admiral“, bestätigte der Vorsitzende des Oberkommandos.

Die linke Augenbraue von Sebastian wanderte in die Höhe. „In diesem Fall hätte ich dem Oberkommando einen Vorschlag zu unterbreiten!“

„Dann legen Sie mal los, Sebastian.“

Der schlaksige Admiral stand auf und schlenderte zum Kopf des Tischs, wo sich der Platz von Wolkow befand. Die Augen der Anwesenden richteten sich auf das neue Mitglied des Oberkommandos, neugierig darauf, was der Offizier vorhatte.

„Dürfte ich mich an Ihrer Konsole authentifizieren?“

Wolkow nickte dem Offizier zu und deutete auf das Bedienfeld neben sich. „Mein Computer ist Ihr Computer!“

Sebastian gab schnell hintereinander eine komplizierte Tastenfolge ein, dann hatte er sich im Computer angemeldet. Der Admiral navigierte sich schnell durch die Benutzeroberfläche, dann erschien das Foto eines schnittigen Raumschiffs. Auf den ersten Blick konnte man das Schiff für eine Jagdmaschine halten, doch dazu fehlte die typische Bewaffnung eines Jägers.

„Was sie hier sehen, ist als Projekt Adlerauge bekannt. Die XC-9 ist schneller als jedes uns bekannte Raumschiff und verfügt zudem über einen Hyperraumantrieb“, begann Sebastian.

„Aber bewaffnet ist das nette Schiff nicht?“, fragte einer der Offiziere.

„Sie haben vollkommen recht, Herr Kollege. Die XC-9 verfügt über keinerlei Bewaffnung. Dies ist der Geschwindigkeit geschuldet, aber im Ausgleich verfügt das Schiff über eine ganze Palette ausgeklügelter elektronischer Gegenmaßnahmen.“ Sebastian fuhr sich mit der rechten Hand durch sein dichtes Haar. „Der Plan ist einfach. Wir entsenden eine XC-9 ins Netaris-System. Der Bordcomputer führt einen kompletten Sensorscan durch und kehrt dann sofort wieder zurück.“

„Und wie der Zufall es will, hätten Sie natürlich auch einen Piloten für diesen Flug ins Ungewisse parat?“, wollte Wolkow wissen.

Auf dem Gesicht von Sebastian erschien ein breites Lächeln, das makellose Zähne entblößte. „Er steht vor Ihnen!“



4

Wheeler-System, Planet Neran

Der Flächenbrand im Wheeler-System hatte die Zentralwelt des neranischen Sternenreichs erreicht und die Flammen leckten an ihr. Nach der Flucht der KRONE VON NERAN hatte die Raumflotte die Reste der ehemals stolzen Marine von Neran förmlich in Stücke gerissen. Waren die Würfel im Weltraum bereits gefallen, konnte man davon auf der Planetenoberfläche jedoch noch nichts spüren. Die neranische Armee gab den Angreifern keine Handbreit nach und schien weiterhin über einen unerschütterlichen Willen zum Kampf zu verfügen.

Sergeant Chris Scofield drückte sich in seinem Exoskelett fest gegen die Wand des Schützengrabens, als ganz in der Nähe donnernd eine Granate einschlug und den Boden erzittern ließ. Der Gleiter der Houfox-Einheit hatte es bis auf etwa 20 Kilometer an den kaiserlichen Palast heran geschafft, dann hatte eine Boden-Luft-Rakete das Triebwerk erwischt. Der Pilot hatte die Meisterleistung vollbracht, den Gleiter unter Kontrolle zu behalten und nicht sofort auf der Planetenoberfläche zerschellen zu lassen. Eine Notlandung war zwar unvermeidbar gewesen, aber auch die hatte der Pilot hinbekommen. Danach war aber die Hölle über die Männer der Houfox-Mannschaft und die Crew des Gleiters hineingebrochen. Eine Einheit der neranischen Armee hatte die Absturzstelle eingekesselt, während zusätzlich eine Artilleriestellung zu feuern begonnen hatte.

Scofield und seine Houfox des 6. Infanterieregiments hatten sich mithilfe ihrer Androiden eingraben können, aber das hatte ihnen lediglich Zeit verschafft. Wenn seine Männer hier lebend rauskommen sollten, musste der Sergeant dringend etwas unternehmen. Sein Herz raste und er hatte Angst, die durch jede Faser seines Körpers zirkulierte. Fluchend kam er wieder auf die Beine und sah über den Rand des Schützengrabens hinweg, genau in die Richtung der Artilleriestellung. Erneut blitzte es auf und Scofield ging schnell wieder in die Knie.

Dieses Mal war der Treffer näher, sogar viel näher als zuvor. Dreck und Sand spritzten fontänenartig in die Höhe und spritzten auf Scofield herunter. Es machte fast den Eindruck, als würde sich der Schütze des Artilleriegeschützes mit jedem einzelnen Schuss besser einschießen. Der Sergeant drehte seinen rechten Unterarm um, so dass er auf den dort festgeschnallten Gefechtscomputer sehen konnte. Mit zwei Klicks markierte er die Stellung des Artilleriegeschützes, damit sich die Jungs mit den schweren Kanonen darum kümmern konnten.

„Wir müssen hier weg, Sarge! Entweder werden wir von der Artillerie in Stücke gesprengt, oder die neranische Armee rückt uns auf die Pelle“, hörte er Hawkins über Funk sagen.

„Verstärkung ist auf dem Weg, Position halten!“, befahl Scofield über Funk.

Die Frage war nur, wann der Luftschlag erfolgte. Die Piloten der Bomber hatten momentan alle Hände voll zu tun, während die ansonsten eingesetzten Drohnen immer wieder von der neranischen Armee vom Himmel geholt wurden. Doch der Sergeant wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, denn der Himmel verfärbte sich rötlich, dann hämmerte massives Laserfeuer auf die Planetenoberfläche herunter, genau auf den Standort des Artilleriegeschützes.

Nicht schlecht, dachte Scofield. Anstelle Luftunterstützung aus der Luft zu bekommen, erfolgte sie dieses Mal sogar aus einem der im Orbit stationierten Schiffe.

Der Gefechtscomputer blinkte und das Symbol für das Geschütz erlosch. Das Sperrfeuer aus dem All hatte die Artillerie ausgeschaltet, blieb noch die Einheit der neranischen Armee. Unglücklicherweise befand sich der Gegner weiterhin in einer taktisch besseren Position. Die Neraner mussten nur warten, bis die Houfox aus dem Schützengraben kletterten und konnte sie dann erledigen wie die Ziele auf einem Schießstand. Einzig ihre Exoskelette boten den Houfox einen Vorteil und den wollte Scofield natürlich ausnutzen.

„Houfox, Kraftsprung aus dem Graben heraus und Angriff. Und los!“, der Sergeant regulierte die Kraft seines Exoskeletts und machte einen Satz aus dem Graben heraus. Um ihn herum machten das auch die übrigen Mitglieder seiner Einheit und nun hieß es alles oder nichts.

Details

Seiten
78
Jahr
2019
ISBN (ePUB)
9783738926804
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (März)
Schlagworte
raumflotte axarabor band entscheidung netaris-system

Autor

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