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Die Raumflotte von Axarabor - Band 68: Gefährliche Begegnung für die Raumagentin

©2019 78 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 68

Zusammenfassung

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Danza ist eine Agentin im Auftrag einer der Raumflotte von Axarabor feindlich gesonnenen Geheimorganisation. Nachdem der Planet DORIEN 2 schwer verwüstet wurde, entsendet sie die Organisation, um ihre dortige Basis zu untersuchen. Sie hat keine Ahnung, was sie dort erwarten wird...

Leseprobe

Die Raumflotte von Axarabor - Band 68: Gefährliche Begegnung für die Raumagentin


von Wilfried A. Hary


Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Danza ist eine Agentin im Auftrag einer der Raumflotte von Axarabor feindlich gesonnenen Geheimorganisation. Nachdem der Planet DORIEN 2 schwer verwüstet wurde, entsendet sie die Organisation, um ihre dortige Basis zu untersuchen. Sie hat keine Ahnung, was sie dort erwarten wird...



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000 AD 123rf STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Danza war eine Person, die es offiziell überhaupt nicht gab. Anfragen wären nicht beantwortet worden. Obwohl Danza als Vollmitglied der Raumflotte von Axarabor galt. Schon länger. Und sie hatte sich einiger Verdienste zum Wohle von Axarabor schuldig gemacht.

Dabei wusste noch nicht einmal die Raumflotte von Axarabor selbst, ob sie überhaupt ein Mensch war.

Konnte man den Gerüchten glauben, die da besagten, sie sei nur zur Hälfte menschlich und zur anderen Hälfte ein Alien?

Menschen, die irgendwie mit ihr zu tun bekamen, also wohl in erster Linie Angehörige der Raumflotte, falls es sich um mehr oder weniger freundliche Begegnungen handelte – und andere Begegnungen verliefen sowieso allzu oft tödlich, so dass da niemand mehr davon berichten konnte -, reagierten verwirrt, wenn man sie nach ihr fragte. Als würden sie vergeblich versuchen, sich an Einzelheiten zu erinnern, was ihnen einfach nicht gelingen wollte.

Danza. Selbst für ihre Verbündeten mehr als unheimlich. Nicht unheimlich so wie bei einem echten Monster, sondern anders, weil gleichzeitig auch… faszinierend.

Allein ihre Erscheinung: Sie öffnete stets nur ein Auge. Sie sah dabei immer schläfrig aus, mitgenommen, als wäre sie nicht so recht bei der Sache. Und dann steckte sie sich auch noch eine altertümlich anmutende Zigarette an, lang, weiß und ohne Filter. Sehr unangenehm für jeden normalen Menschen – und niemand wusste eigentlich, dass sie das tun musste, weil es sich um ganz spezielle Zigaretten handelte: Sie enthielten ätherische Stoffe, die sie ganz entscheidend belebten, weil sie eben tatsächlich nur zur Hälfte ein Mensch war und zur anderen Hälfte der Abkömmling eines Außerirdischen, der eine für jeden normalen Menschen auf Dauer tödlich giftige Atmosphäre gewöhnt gewesen war.

Danza konnte zwar auch sehr gut in einer normalen Atmosphäre überleben – solange sie ihre speziellen Zigaretten mit dabei hatte. Ansonsten fühlte sie sich zumindest unwohl, wenn nicht sogar irgendwie… geschwächt. Obwohl diese Zigaretten erst nötig geworden waren, als ihre außerirdische Hälfte vollends erwacht war, damals, in der jetzt bereits so weit entfernten Vergangenheit, vor Tausenden von Jahren.

Doch genau das wusste ja so gut wie niemand: Dass Danza tatsächlich Jahrtausende alt war. Sonst wäre jedem klar gewesen: Selbst wenn sie als halber Mensch geboren worden war: Das konnte sie schon ziemlich lange nicht mehr sein, denn welcher Mensch wurde so alt wie sie?

Und wenn man dann bedachte, dass sie sich an alles dies, was sie in ihrem unvorstellbar langen Leben bereits erlebt hatte, noch erinnern konnte, erschien das erst recht nicht menschlich.

Zum Beispiel daran, dass sie einst von einer Geheimorganisation mit sehr großer Macht instrumentalisiert worden war. Sie nicht allein. Sie hatte im Auftrag dieser Geheimorganisation Mitstreiter rekrutiert. Zum Beispiel den PSI-Agenten Romano Steen, definitiv kein Mensch aus dem Sternenreich von Axarabor, sondern Angehöriger eines Volkes, das es schon damals nicht mehr gegeben hatte: Dieses Volk war ausgelöscht worden von den LOOLOLAY, und ausgerechnet Danzas Vater war ein Lokoolay gewesen!

Das hatte ihren gemeinsamen Anfang zwar erschwert, aber daraus war dann trotzdem eine Freundschaft geworden.

Oder Ledernacken Branompur, den sie und Romano gemeinsam im System TRUMAR aufgegabelt hatten.

Romano, der natürlich nicht wirklich so hieß, sondern sich nur so nannte, hatte ein eigenes Schiff, das er seinem Volk gestohlen hatte, um rechtzeitig sich in Sicherheit zu bringen, bevor es untergegangen war.

Ledernacken hatte ihn dafür anfangs für einen Feigling gehalten, aber man konnte das auch positiv sehen: Er war schlauer gewesen als die übrigen seines Volkes. Sonst wäre er nämlich genauso tot gewesen wie diese.

Manchmal, aber nur manchmal, öffnet sich für kurze Zeit das zweite Auge Danzas. So wie jetzt, da sie mal wieder in ihren Erinnerungen schwelgte – in ihren Erinnerungen als Agentin der TATANTA-SCA, den damaligen Todfeinden genau jenes Imperiums, für das sie in der Gegenwart kämpfte.

Schrecklich, dieses zweite Auge!

Blutunterlaufen und an den Rändern gelb!

Wenn man hineinblickte, kamen einem unwillkürlich die Tränen. Dann schloss sich das Auge wieder – und egal, wie lange sie an der Zigarette saugte, danach den beißenden Rauch ausstoßend, über den Mund und viel mehr noch über die Nase, nicht wieder öffnete sie ihr zweites Auge, wenn auch nur für einen Augenblick.

Nur wenige hatten jemals sogar das seltene Glück besessen, dabei zusehen zu dürfen, wie etwas Tränenflüssigkeit aus dem geschlossenen Auge lief. Ganz dünn, ganz langsam, so wie Honig und auch so gelb – fast wie Bernstein.

Und in der Luft hing der Duft von Anis, stärker sogar als der beißende Rauch dies überdecken konnte. Man bekam eine Ahnung davon, dass diese Bernsteinflüssigkeit nicht nur eine besondere Konsistenz haben musste, sondern auch… eine besondere Wirkung. Obwohl noch niemals jemand Zeuge davon geworden war. Es sei denn, es hatte ihn persönlich betroffen. Wie jene primitive Wühlmaus, die ursprünglich von normalen Schiffsmäusen abstammte, sich aber auf das Überleben in einem trockenen Wüstenboden spezialisiert hatte. Neugierig hatte sie ihr Köpfchen ins Freie gestreckt, als ein Tropfen der Tränenflüssigkeit direkt in diesem Mäulchen gelandet war. Mit ungeahnten Folgen: Nicht nur, dass sie echte Intelligenz entwickelt hatte, sondern sie hatte sogar PSI-Fähigkeiten dadurch erworben.

Danza hätte die Maus gern mit an Bord genommen, als sie mit ihren beiden Begleitern damals weiter gezogen war, doch die Maus hatte in ihrer neuen Heimat bleiben wollen, um ihr Volk in ein besseres Leben zu führen. Das hatten sie respektiert.

Die Erinnerung an damals wurde übermächtig. Jeder Zug ließ die Zigarettenspitze aufglühen, was sie gar nicht mehr bewusst wahrnahm. Ein kurzzeitiger heißer, orangefarbener Schein, der gleich darauf wieder in Schwärze überging.

Wenn Danza sich nach vorn beugte, dann knirschten die Gelenke. Oder war es eher ihre Kleidung? Sie trug nämlich immer und überall so etwas wie eine lange Lederjacke, eigentlich schon eher ein Mantel, aus besonderem Leder - sehr selten und fast unbezahlbar - so alt, dass nur wenige Personen sich so etwas überhaupt noch leisten konnten.

Woher sie diese Jacke – oder besser gesagt dreiviertellangen Mantel – letztlich her hatte? Wusste sie das überhaupt noch selber nach so langer Zeit?

Natürlich wusste sie das. Dieser Mantel erinnerte sie stets an Ledernacken, und sie hatte ihn schon damals haben wollen…

Danza war wahrlich eine spindeldürre Erscheinung. Ihr Haar lag aalglatt an den Schläfen an, sah auch am Hinterkopf wie angeklebt aus, bewegte sich kaum, selbst wenn Sie eine schnelle Kopfbewegung machte…

Ihre Finger waren lang. Noch länger als man erwarten würde bei ihrer sowieso schon imposanten Körpergröße. Manchmal rieb sie den Zeigefinger und den Mittelfinger aneinander. Das machte sie gern dann, wenn Sie die „Bernsteinflüssigkeit“ aus ihrem Auge weg wischte und dann beide Finger in den Mund steckte, während sie die Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand nach oben streckte und mit den restlichen Fingern eine Faust bildet.

Der Körper sah eher wie der Torso eines Toten aus. Deshalb hatte wahrscheinlich niemals jemand Danza nackt gesehen, seit sie den Mantel besaß, denn dieser Mantel verdeckte fast alles – dieser Mantel aus Leder, der flatternd den spindeldürren Körper umhüllte.

Nur falls er sich dann wirklich einmal in einem unbedachten Augenblick etwas öffnete und den Blick für ganz kurze Zeit frei gab auf das, was sich darunter befand, konnte man es sehen: Der Oberkörper leuchtete regelrecht – und inmitten der sich undeutlich abzeichnenden Rippen pulsierte etwas in samtenem Dunkel, bernsteinfarben: Das Herz!

Konnte es denn sein, dass der Mantel nicht nur ein Schutz vor Blicken war, sondern auch ein Schutz gewissermaßen nach innen? In welcher Weise? Wie war das jemals nötig geworden?

Damals, vor so vielen Jahren, die sich inzwischen zu Jahrtausenden summiert hatten, als sie drei mit dem goldenen Pyramidenraumer des Nebelmannes und PSI-Agenten Romano Steen ihrem nächsten Auftrag entgegengeflogen waren:

„Sehen Sie nach, was auf DORIEN 2 geschehen ist! Und seien Sie vorsichtig, denn es ist zu erwarten, dass es vor Ort Kriegsschiffe gibt der Raumflotte von Axarabor!“

Denn damals war sie ja als Agentin der TATANTA-SCA ein Todfeind der Flotte gewesen. Da waren noch nicht die Ereignisse eingetreten, die nicht nur dafür gesorgt hatten, dass Danza zur Trägerin dieses geheimnisvollen Ledermantels sondern später auch noch überzeugtes Mitglied genau dieser Raumflotte geworden war.



2

Vergangenheit

Sonnensystem: DORIEN

Zielwelt: DORIEN 2, zweiter Planet des Systems


Sie war bereits vor Ort, wie befürchtet: Die Raumflotte von Axarabor. Drei Kriegsschiffe. Es wäre viel zu gefährlich gewesen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Wie gut daher, dass der goldene Pyramidenraumer Romanos die perfekte Tarnung beherrschte.

Dieses Raumschiff hatte bereits bestanden, als noch niemand überhaupt etwas von Axarabor geahnt hatte, dass es dies jemals geben würde. Und es war bereits alt gewesen, als Romano es gestohlen und für seine eigenen Zwecke missbraucht hatte, wobei es um sein blankes Überleben gegangen war. Und dennoch strahlte es nach wie vor wie neu.

Falls man es überhaupt sehen konnte! Und das konnte man jetzt natürlich nicht mehr. Auch wenn die Kriegsschiffe der Raumflotte speziell auf das Schiff geachtet hätten, wäre es ihnen nicht aufgefallen, weil natürlich auch sämtliche Ortungsmöglichkeiten versagten.

Dieses Schiff war zumindest im Sternenreich von Axarabor eine Ausnahme und würde es nach Sicht der Dinge auch noch lange so bleiben. Zumal eben niemand etwas darüber wusste. Außer den TATANTA-SCA, und die hatten ein waches Interesse daran, dies tunlichst nicht zu ändern. Zumal sie derzeit noch die alleinigen Nutznießer von Schiff und Besatzung waren.

Obwohl Danza in der letzten Zeit große Zweifel gekommen waren an der Richtigkeit der Motive, die ihre Auftraggeber bewegten. Sie war bei denen durch eine regelrechte Gehirnwäsche gegangen. Man hatte sie nicht nur zur loyalen Kriegerin trainieren wollen, die ihre herausragenden Fähigkeiten nur in ihrem Sinne einsetzen durfte, sondern alles dafür getan, sie niemals abtrünnig werden zu lassen. Dafür war sie den TATANTA-SCA einfach zu wertvoll erschienen.

Deshalb waren sie jetzt hier vor Ort. Weil die TATANTA-SCA offenbar nur ihnen zutraute, die Lage zu klären.

Viele Informationen hatte man ihnen leider nicht mit auf den Weg gegeben. Zu den Daten, den Planeten DORIEN 2 betreffend, waren lediglich Verlautbarungen der Raumflotte hinzu gekommen, die man gesammelt hatte. Danach war es auf dieser Welt zu einer schrecklichen Katastrophe gekommen. Seitdem fehlte jeglicher Kontakt mit möglichen Überlebenden. Die Apokalypse schien vollkommen zu sein, jegliches Leben war offenbar ausgelöscht worden. Und niemand wusste bisher, was denn überhaupt passiert war.

Obwohl man durchaus glaubte, einen Schuldigen ausmachen zu können: Das Raumschiff QUASIM war hier gelandet. Das war sehr schnell bekannt geworden. Eigentlich wusste man das im gesamten Imperium und auch noch darüber hinaus, weil die QUASIM lange genug im Fokus gestanden hatte. Erstens einmal, weil auf die Ergreifung der Besatzung zehn Millionen ausgesetzt worden waren, tot oder lebendig wohlgemerkt. Außerdem hatte diese Besatzung ein wertvolles Artefakt gestohlen, das der Eigentümer unbedingt zurück haben wollte: Er würde die Zurückgabe wiederum mit zehn Millionen belohnen.

Es war klar, dass die QUASIM auf ihrer Irrfahrt durch die halbe Galaxis viele Tote und noch mehr Zerstörung hinterlassen hatte. Also wertete man es nicht gerade als Zufall, dass es hier zu einer Art Finale gekommen war, indem sie doch tatsächlich einen ganzen Planeten vernichtet hatten.

Wie das zu schaffen gewesen war, wusste niemand. Die hier angewendeten vernichtenden Energien waren völlig unbekannt. Es konnte auch keinerlei Strahlung gemessen werden nach der vollkommenen Zerstörung der Planetenoberfläche, obwohl es diese Strahlung unbedingt geben musste.

Handelte es sich gar um dieselbe Energie, die auch das Schiff vorher geschützt hatte? Denn die QUASIM hatte die Hatz durch die halbe Galaxis nur deshalb überstanden, weil sie irgendwie unangreifbar geworden war. Es wurde gemunkelt von einem grellweißen Glühen, das permanent das Schiff umhüllt und jeglichen Angriff unmöglich gemacht hatte.

Mit anderen Worten: Niemand konnte die ausgelobten Summen für sich bislang in Anspruch nehmen, weil es niemandem gelang, an sie heran zu kommen. Deshalb war zwar ihre Landung auf DORIEN 2 registriert worden, doch niemand hatte es gewagt, ihnen auch nur nahe zu kommen.

Es war jetzt auch nicht mehr feststellbar, ob es diese QUASIM überhaupt noch gab. Aber auf der Weltkarte hatte man für Danza, Branompur und Romano den Landeplatz markiert. Vielleicht ein wichtiger Ansatzpunkt für sie, wenn sie jetzt ihrerseits versuchten, mehr in Erfahrung zu bringen? Denn falls die QUASIM wirklich für die Apokalypse dort unten verantwortlich war, musste sich dieser Landepunkt als Ausgangspunkt für die Katastrophe erkennen lassen.

Soweit jedenfalls die Theorie. Die ersten Scans waren bereits abgeschlossen, die Auswertung lief in Rekordgeschwindigkeit. In jeder Sekunde kamen auch noch weitere Daten hinzu.

Alles Daten, die eine vollkommen vernichtete planetare Oberfläche zeigte. Die gesamte Welt war nur noch eine wie mit Ruß geschwärzte Ebene. Höchste Gipfel waren glatt abrasiert worden, Hügel regelrecht eingeebnet. Allerdings gab es noch die Meere und meisten Flüsse. Das war feststellbar trotz der weltweiten Wolkenbank, die eine direkte Sicht auf die Oberfläche verhinderte. Nur elektromagnetische Wellen eines relativ schmalen Bereiches konnten diese Wolkendecke durchdringen und selbst das nur unvollkommen, weil innerhalb des wahren Wolkenmeeres viel Unordnung herrschte, was sich in gewaltigen elektrischen Ladungen äußerte, die deutlich machten, dass dort unten mit Sicherheit an der Oberfläche niemand überlebt haben konnte. Und wenn doch, herrschte dort ein globales Klima, wie es auf einem ehemals bewohnbaren Planeten nicht mehr hätte mörderischer sein können.

Dass nicht auch der goldene Pyramidenraumer sich wieder abwandte, weil es sinnlos erschien, dort unten noch nach irgendwem zu suchen, lag nur daran, dass sie die Information hatten: Dort gab es zwei Geheimbunker der TATANTA-SCA! Sie hatten es geschafft, den gesamten Planeten bereits weitgehend lückenlos zu überwachen, ohne auch nur im Geringsten in Erscheinung zu treten. Jeder dieser Bunker hatte eine Stammbesatzung von mindestens zehn Agenten. Selbst wenn es niemand geschafft haben sollte, in den Bunkern Zuflucht zu suchen, ehe die Apokalypse alle an der Oberfläche heimgesucht hatte, musste es in beiden Bunkern zumindest noch diese Stammbesatzungen geben.

Also versuchte jetzt der goldene Pyramidenraumer durch gebündelt abgestrahlte und punktgenau ausgerichtete Funkimpulse Kontakt zu bekommen mit diesen Bunkern. Der genaue Standort beider war ja bekannt. Sie konnten ihre Funkanfrage so ausrichten, dass die drei im System lauernden Kriegsschiffe der Raumflotte das genauso wenig mitbekamen wie die wenigen noch intakten Satelliten im Orbit um diese Welt.

Spätestens nach einer Stunde zeichnete sich für die drei klar ab, dass jegliche Kontaktaufnahme unmöglich geworden war.

Lag das jetzt daran, dass es auch die Besatzungen der Bunker dahin gerafft hatte, oder gab es tatsächlich noch eine restliche Strahlung, die diesen Kontakt verhinderte?

Das wusste von ihnen zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Sie bemühten sich weiter.



3

Nach weiteren Stunden konnten sie sämtliche Bemühungen als aussichtslos abschließen. Zumindest was Bemühungen aus dem Orbit heraus betraf. Eine Landung auf dieser Welt erschien ihnen als äußerst riskant.

„Aber einer von uns muss nun einmal dort hinunter, um vor Ort weiter zu forschen!“, sagte Danza eindringlich. „Die TATANTA-SACA will das so. Nicht nur, weil ihnen die Besatzungen am Herzen liegen, sondern vor allem, damit diese geheimen Einrichtungen auch weiterhin geheim bleiben können. Wir müssen Überlebende bergen, und falls es keine Überlebende gibt, müssen wir die Bunkeranlagen soweit zerstören, dass sie keine Rückschlüsse mehr auf die TATANTA-SCA zulassen.“

„Falls es sie noch gibt!“, gab Romano zu bedenken. „Denn leider sind ja auch unsere Ortungs- und Scanbemühungen äußerst eingeschränkt. Wir können zwar erfassen, dass der Planet an der Oberfläche vollkommen zerstört ist, aber nicht, wie weit das in die Tiefe reicht. Ob nur wenige Millimeter oder bis wohin, bleibt ein Geheimnis.“

„Umso wichtiger wäre es, jetzt selber hinunter zu gehen!“, beharrte Danza.

„Mit dem Beiboot?“, mischte sich Ledernacken Branompur ein. Der dreiviertellange, uralt aussehende Ledermantel, den er trug wie eine zweite Haut, hatte ihm diese Bezeichnung eingebracht: Ledernacken.

Romano schüttelte den Kopf.

„Ich bezweifele, dass damit überhaupt noch eine Landung möglich wäre. Zwar ist es nicht möglich, sogar mit den überlegenen technischen Mitteln meines Schiffes nicht, herauszufinden, was da noch für eine Reststrahlung herrscht, doch wir wissen jetzt zumindest, dass sie die Übertragung elektromagnetischer Signale zumindest stark behindert. Also, das sind meines Erachtens nicht nur die elektromagnetischen Entladungen im Wolkenmeer, die es schwierig machen, mehr zu erfahren.“

„Du meint, das Beiboot könnte abstürzen?“, vergewisserte sich Danza.

„Eine Annahme, aber wenn wir das genauer erfahren wollen, schicken wir doch einfach einmal eine Nanosonde hinunter.“

„Ich habe mich schon gewundert, wieso das bis jetzt noch nicht geschehen ist!“, meinte Ledernacken.

Romano nickte ihm zu.

„Eben weil ich zu der Meinung neige, dass jede Sonde abstürzen wird.“

„Willst du es jetzt dennoch riskieren?“, fragte Danza.

Romano nickte nur und wandte sich an die Bord-KI, um den entsprechenden Befehl zu erteilen.

Dann konnten sie mit verfolgen, wie die Nanosonde sich der planetaren Oberfläche näherte. Alles ging gut, bis sie dieses dichte Wolkenmeer erreichte. Dieses Wolkenmeer riss immer wieder an einzelnen Stellen auf, verursacht durch mächtige Wirbelstürme, die das Land verwüstet hätten, ja, wäre da überhaupt noch etwas zu verwüsten übrig gewesen. Diese Stellen musste die Nanosonde natürlich tunlichst vermeiden, weil sie gegen einen so mächtigen Wirbelsturm nicht gefeit gewesen wäre.

Eine ruhigere Stelle wurde ausgesucht, eine also, in der es nur weniger mächtige elektrische Entladungen gab, die ebenfalls die Sonde hätten zerstören können.

Es wurde dennoch ziemlich turbulent, sobald die Sonde in die Wolkendecke eintauchte. Beinahe riss die Verbindung zum Schiff sogar ab.

Doch noch bevor die Unterseite des Wolkenmeeres erreicht wurde, tat diese unbekannte und planetenweit wirkende Strahlung ihre Wirkung. Innerhalb von Sekundenbruchteilen riss nicht nur der Kontakt endgültig ab, sondern es wurde klar, dass die Sonde selbst unbrauchbar wurde und abstürzte.

Romano nickte seinen beiden Gefährten zu.

„Damit steht fest, dass eigentlich nur einer dort unten hin kann, nämlich ich.“

„Das gefällt mir nicht!“, gab Danza zu.

„Kann ich mir lebhaft vorstellen, Danza, und ich denke, Ledernacken hätte diesen Part auch gern übernommen, trotz des tödlichen Risikos, das sich damit verbindet, aber es geht nun einmal nicht anders: Es gibt kein technisches Mittel, das in diesem Strahlengewitter noch funktioniert. Wir müssen damit rechnen, dass dies auch auf die Einrichtungen unterhalb der Planetenoberfläche zutrifft.“

„Du meinst also, Romano, die beiden Bunker sind längst tot, und diejenigen, die darin Schutz finden sollten, dadurch erstickt oder sonst wie ums Leben gekommen?“

Romano nickte abermals.

„Ja, Danza“, bestätigte er, „das meine ich in der Tat.“

„Vielleicht sollten wir doch einfach abdrehen und all unsere Erkenntnisse, die wir bis jetzt haben sammeln können, unseren Auftraggebern mitteilen?“, schlug Ledernacken vor.

Details

Seiten
78
Jahr
2019
ISBN (ePUB)
9783738926798
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (März)
Schlagworte
raumflotte axarabor band gefährliche begegnung raumagentin
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Titel: Die Raumflotte von Axarabor - Band 68: Gefährliche Begegnung für die Raumagentin