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Alle sehen in mir nur die Ehebrecherin - Dr. Staffner packt aus

2019 72 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Alle sehen in mir nur die Ehebrecherin

Copyright

Der geliebte Mann blieb für mich ein Fremder

Ich habe nie gelernt, unglücklich zu sein

Mein Mann hatte vor mir ein unglaubliches Geheimnis

Ich war ein Kinderstar – und jetzt?

Alle hielten mich für eine Diebin

Alle sehen in mir nur die Ehebrecherin

Weil er an mich glaubte, fühlte ich mich stark

Alle hielten mich für verrückt, als ich meine finanzielle Versorgung aufs Spiel setzte

Ich glaubte nicht mehr an die zweite Chance für meine große Liebe

Meine Mutter ist eine Ladendiebin

Mein Partner lässt mich durch einen Detektiv überwachen

Erst an seinem Grab habe ich bereut

Ein Sohn sollte meine Ehe retten

Alle sehen in mir nur die Ehebrecherin

Dr. Staffner packt aus

Der Psychotherapeut und 13 wahre Fallakten

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

 

- Er ist die Liebe ihres Lebens. Doch während Bettina als Juristin sehr erfolgreich ist, hadert ihr Mann Mark mit seinem Beruf als Lehrer, in dem ihm seine Schüler auf der Nase herumtanzen. Sie spricht ihm zwar ständig Mut zu, aber die wahren Hintergründe erfährt sie zu spät …

- Marietta ist ein Glückskind. Alles gelingt ihr. Die Männer reißen sich um sie, und auch im Beruf ist sie erfolgreich. Als sie schließlich Zwillinge erwartet, ist ihr größter Wunsch in Erfüllung gegangen. Doch dann schlägt das Schicksal grausam zu, und darauf ist sie nicht vorbereitet …

- Erst nach dem Tod ihres Mannes erfährt Rosemarie, dass er ein uneheliches Kind hatte, zu dem er sich aber zu Lebzeiten nicht bekannte. Dieses Unrecht möchte sie wieder gutmachen, stößt aber bei der Mutter des Mädchens auf unversöhnliche Ablehnung …

Und 10 weitere Schicksalsgeschichten aus dem Leben.

 

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut kamen viele Menschen zu mir, die ein Ereignis oder ihr eigenes Verhalten aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen hatte. Indem ich versuchte, ihnen zu helfen, erfuhr ich zum Teil erschütternde Lebensbeichten. Die Namen wurden selbstverständlich von mir geändert.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Der geliebte Mann blieb für mich ein Fremder

Vor ein paar Jahren war alles noch ganz einfach für Mark und mich. Wir genossen unser Studentenleben, schmiedeten Zukunftspläne und waren uns einig, immer füreinander da sein zu wollen, was auch geschehe.

Tatsächlich heirateten wir, sobald Mark eine Anstellung als Lehrer gefunden hatte. Ein halbes Jahr später schloss ich mein Jurastudium ab und verdiente mir meine ersten Sporen als Scheidungsanwältin.

Diesen Job übte ich allerdings nur kurze Zeit aus. Die ständige Konfrontation mit den kaputten Ehen nervte mich zu sehr. Warum konnten zwei erwachsene Menschen nicht zu ihrem gegebenen Versprechen stehen? Wieso brachten sie so wenig Verständnis für die kleinen Unzulänglichkeiten ihrer Partner auf?

Nein, das war auf die Dauer nichts für mich. In meinem Beruf wollte ich Positives erleben. Deshalb ging ich in die Wirtschaft. Hier wurden immer fähige Juristen benötigt.

Bereits nach kurzer Zeit erwies sich meine Entscheidung als richtig. Es gelang mir, für eine kleinere Firma den Prozess gegen einen mächtigen Konzern zu gewinnen. Darauf wurden die dortigen Verantwortlichen auf mich aufmerksam und unterbreiteten mir ein Angebot, künftig für sie zu arbeiten.

Bevor ich zusagte, beriet ich mich mit Mark. Immerhin würde ich künftig beruflich stark ausgelastet sein und wohl auch gelegentlich reisen müssen.

Mark nahm mich lachend in den Arm. Er freute sich mit mir über meinen Erfolg. So eine Chance dürfe ich mir keineswegs entgehen lassen.

Ich bereute diesen Schritt auch nie und fand das Leben herrlich, besaß ich doch alles, was sich eine Frau in meinem Alter von inzwischen 28 Jahren nur wünschen konnte. Kinder, da war ich mit Mark von Anfang an einig, wollten wir nicht.

Mark hatte beruflich weniger Glück als ich. Er musste nach zwei Jahren eine Klasse mit Fünfzehnjährigen übernehmen, die alles Mögliche im Kopf hatten, nur nicht die Schule. Oft kam er völlig frustriert heim und haderte mit seinem Schicksal. Er hatte es sich so schön vorgestellt, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten, aber er fand einfach keinen Zugang zu ihnen. Monster und Chaoten nannte er sie entnervt. Sie tanzten ihm auf der Nase herum und waren zweifellos für ein Magengeschwür verantwortlich, an dem Mark laborierte.

Ich war von seinen Fähigkeiten überzeugt und sprach ihm immer wieder Mut zu. So ein Schuljahr ging schließlich schnell vorbei. Danach würde er andere Schüler bekommen.

Die bekam er zwar, aber besser wurde es deswegen auch nicht. Hinzu kam wohl, dass Mark Schwierigkeiten mit den bürokratischen Zwängen der Schulbehörde hatte. Wenn er seine pädagogischen Vorstellungen umsetzen wollte, fand er bei seinen Schülern keinerlei Echo und von seinen Vorgesetzten nicht die erhoffte Rückendeckung. Kurzum, er wurde von Woche zu Woche grämlicher, schluckte immer mehr Pillen und haderte mit Gott und der Welt.

Trotz meiner beruflichen Anspannung nahm ich mir immer wieder Zeit für ein ausführliches Gespräch. Schließlich liebte ich Mark und wollte ihn glücklich sehen.

Eines Tages glaubte ich dann auch, den wahren Grund für seine Unzufriedenheit erkannt zu haben. Sein Lehrergehalt war erheblich niedriger als meine Einkünfte. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass ihn das wurmen könnte. War es nicht völlig nebensächlich, wer von uns wieviel Geld heimbrachte? Es kam doch ohnehin alles in einen gemeinsamen Topf, aus dem sämtliche Ausgaben bestritten wurden.

Leisten konnten wir uns eine Menge. Wir unternahmen herrliche Reisen, und während dieser Wochen erlebte ich Mark wie umgewandelt. Wenn wir uns liebten, wurde ich an die erregende Zeit unseres Kennenlernens erinnert. Ja, sexuell verstanden wir uns auch nach vier Ehejahren noch blendend.

Kaum heimgekehrt, verließ Mark jeglicher Enthusiasmus. Er wurde immer wortkarger, und ich gab es schließlich auf, ihn mit meinen Fragen zu bedrängen. Es war ja doch immer das gleiche Lied.

Warum ging er denn nicht auf meinen Vorschlag ein, sich um einen Job als Privatlehrer zu bemühen? Da könnte er sich nicht nur seine Schüler selbst aussuchen, er würde sogar erheblich mehr verdienen, wenn ihm das schon so wichtig war.

Aber Mark wollte davon nichts wissen. Heranwachsende seien alle gleich, urteilte er düster. Am liebsten würde er noch einmal ganz von vorn anfangen. Mit einem anderen Beruf.

Wenn er so redete, hielt ich dagegen, dass es überall einmal Ärger gäbe. Auch ich blieb nicht von Misserfolgen verschont. Da musste man einfach durch.

Ich hätte es mit erwachsenen Menschen zu tun, widersprach Mark. Mit denen könne man vernünftig reden oder sie notfalls vor den Kadi zerren. Kinder dagegen hätten Narrenfreiheit, er aber müsse jedes Wort auf die Goldwaage legen, um nicht selbst vor den Richter zitiert zu werden. Das läge einfach am System.

Was sollte ich erwidern? Ich baute darauf, dass er eines Tages über seine augenblicklichen Probleme lachen würde.

Vorläufig allerdings wurde Mark immer in sich gekehrter. Ich ertappte ihn dabei, dass er bei unseren Unterhaltungen geistig abwesend wirkte. Woran dachte er? Gab es da etwa eine andere Frau?

Dieser Gedanke erschreckte mich und ergriff Besitz von mir. Eifersüchtig bestürmte ich Mark mit Verdächtigungen. Ich wusste von einer äußerst attraktiven Sportlehrerin an seiner Schule.

Je entrüsteter er jeden Seitensprung bestritt, umso argwöhnischer wurde ich. Irgendetwas stimmte doch da nicht. Man konnte ja kaum noch vernünftig mit ihm reden. Immer brauste er gleich auf und behauptete, ich würde ja sowieso nicht zuhören.

Zu seinem Geburtstag überraschte ich ihn mit einem besonderen Geschenk. Mark wünschte sich doch schon seit Jahren ein kleines Motorboot. Zu meiner Enttäuschung hielt sich seine Freude jedoch in Grenzen. Solche Geschenke könne er mir freilich nicht machen, meinte er gepresst.

Himmel, wieder das blöde Geld! Warum freute er sich nicht einfach? Das konnte doch nur an dieser Frau liegen.

Als er am nächsten Tag nicht heimkam, erhärtete sich mein Verdacht. Natürlich war er bei ihr. Wo sonst? Sein Unterricht war seit Stunden beendet.

Entschlossen fuhr ich zu ihrem Haus. Ich wollte mich dort nur auf die Lauer legen, um den letzten Beweis zu erhalten. Sie war aber offensichtlich allein, denn sie mähte den Rasen in ihrem kleinen Garten. Ich verließ mein Versteck und ging zu ihr.

Sie kannte mich vom Sehen und begrüßte mich völlig unbefangen, um aber gleich darauf ernst zu werden. Das sei wirklich eine dumme Sache, in die Mark da hineingeraten sei. Einen Schüler zu ohrfeigen, könne unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen, selbst wenn die Lehrkraft provoziert worden sei.

Ich war bestürzt. Von diesem Zwischenfall hatte Mark mir gar nichts erzählt. Aber sicher ließ sich das wieder reparieren. Noch heute wollte ich das mit ihm besprechen.

Doch Mark kam die ganze Nacht nicht nach Hause, und am Morgen fand ihn ein Jogger im Stadtwald. Erhängt.

In seiner Tasche steckte ein kurzer Abschiedsbrief an mich. Er könne diese ewigen Demütigungen in der Schule nicht länger ertragen, schrieb er. Und ich sei in letzter Zeit immer so weit fort. Er hoffe, ich könne ihm verzeihen.

Ich konnte es nicht fassen, begriff aber, dass ich ihm hätte helfen müssen. Nicht mit klugen Sprüchen. Vor allem mit Verständnis.

Mein Arzt erklärte mir, dass Mark offensichtlich unter schweren Depressionen gelitten hatte. Das habe ich, obwohl ich ihn doch so sehr liebte, nicht erkannt.

Heute würde ich vieles anders machen, aber es ist zu spät. Ich habe als seine Partnerin versagt. Das kann ich mir mein ganzes Leben lang nicht verzeihen.

 

 

Ich habe nie gelernt, unglücklich zu sein

Ich war immer ein Glückspilz. dass ich hübscher aussah als meine nur ein knappes Jahr ältere Schwester Evelyn, behaupte nicht ich, das versicherten alle, die uns kannten.

Evelyn nahm das nicht tragisch. Wir waren nicht nur Geschwister, sondern vor allem die engsten Freundinnen. An einen Streit zwischen uns kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.

Dabei hätte sie zumindest einmal Grund gehabt, mir tüchtig böse zu sein. Das war, als Roland zu uns nach Hause kam, um Evelyn zum Tanzen abzuholen.

Sie hatte Roland im Sportverein kennengelernt. Er sah noch phantastischer aus, als sie ihn mir in ihrer Begeisterung geschildert hatte. Als er mich begrüßte, brachte ich vor Verwirrung kaum ein Wort heraus.

Wir könnten doch alle drei gemeinsam gehen, schlug er unbekümmert vor. Ich lehnte ab, aber Evelyn war von dem Einfall so angetan, dass sie nicht nachgab, bis sie mich in mein schönstes Kleid gesteckt hatte.

Meine Befürchtung, mich als drittes Rad am Wagen zu langweilen, bestätigte sich nicht. Kaum hatten wir an einem kleinen Ecktisch Platz genommen, als sich auch schon zwei Bewerber um meine Gunst in den Haaren lagen. Jeder behauptete, mich zuerst aufgefordert zu haben.

Wie die Auseinandersetzung ausging, kann ich nicht berichten, denn ich ließ mich von einem rothaarigen Jüngling auf die Tanzfläche ziehen, der hinter den Streithähnen aufgetaucht war.

Mein Rotschopf war nicht nur ein erstklassiger Tänzer, sondern auch ein geistreicher Plauderer. Der Abend versprach ein voller Erfolg zu werden.

Roland fühlte sich offenbar zu einem Anstandstanz mit mir verpflichtet. Ich warf Evelyn einen fragenden Blick zu, aber diese lachte nur übermütig. Ich würde schon merken, wie anstrengend Roland sei. Vorsichtshalber sollte ich Schuhe mit Stahlkappen anziehen, falls mir etwas an heilen Füßen läge.

Ganz Unrecht hatte sie nicht. Die lateinamerikanischen Tänze zählten nicht gerade zu seinen Stärken. Doch dann spielte die Band einen Langsamen Walzer, und ich hatte plötzlich das Gefühl, auf einer Wattewolke zu schweben.

Am Ende des Tanzes zog mich Roland noch dichter zu sich heran und küsste mich völlig überraschend, dass mir die Luft wegblieb.

Das mit Evelyn sei ein Irrtum gewesen, flüsterte er mir zärtlich ins Ohr. Er würde viel lieber mit mir zusammenbleiben.

Ich war wie betäubt und fühlte mich unendlich glücklich. Keine Sekunde dachte ich daran, wie unglücklich dagegen meine Schwester sein musste.

Dass ich doch nur ein Jahr mit Roland zusammenblieb, war seine eigene Schuld. Er nahm mich nämlich zu seinem Verein mit. Dort stellte sich schnell meine Begabung im Tennis heraus. Binnen erstaunlich kurzer Zeit brachte ich es zur niedersächsischen Vizemeisterin. Mit wachsendem sportlichen Erfolg nahm auch die Zahl meiner Verehrer zu. Ich fand bald einen Typ, der besser zu mir passte als Roland. Ihn heiratete ich wenig später.

Sebastian war genau der Mann, von dem ich immer geträumt hatte. Er sah nicht nur blendend aus, er erwies sich auch als intelligent und erfolgreich in seinem Beruf. Über Geldsorgen hatten wir von Anfang an nicht zu klagen.

Ich hatte nichts weiter zu tun, als mich von ihm verwöhnen zu lassen, meinen geliebten Sport auszuüben und die Zeit auf nutzlose Weise totzuschlagen, bis Sebastian von der Arbeit nach Hause kam. Vor der Langeweile fürchtete ich mich nicht.

Als Sebastian eines Abends mit mir ein Spielcasino besuchte, schob er mir einige Chips in die Hand. Ich sei doch so ein Glückspilz, stellte er schmunzelnd fest. Fortuna könne mir bestimmt nicht widerstehen, und schlimmstenfalls würde uns der Verlust der paar Euro nicht an den Bettelstab bringen.

Es war mir völlig egal, ob ich gewinnen würde oder nicht. Ich benötigte das Geld ja nicht. Vermutlich setzte ich aus diesem Grund auf so unsinnige Weise, dass alten Roulettehasen vor Entsetzen die Haare senkrecht standen.

Doch dann fiel innerhalb von zehn Coups gleich sechsmal die Zahl, auf die ich jeweils den Höchstbetrag gesetzt hatte, und ich verließ das Casino mit einem atemberaubenden Scheck in der Tasche.

Sebastian freute sich und riet mir, das Geld gewinnbringend anzulegen. Ich kaufte daraufhin eine Boutique und fand als Geschäftsführerin neue Erfüllung.

Es dauerte kein Jahr, da war ich erfolgreicher als Sebastian. Ich war jedoch der Ansicht, dass es keine Rolle spielt, wer in einer Ehe das meiste Geld nach Hause bringt. Vertrauen und Zuneigung wiegen wesentlich stärker.

In dieser Beziehung konnte ich mich ebenfalls nicht beklagen. Alle Frauen, die ich kannte, beneideten mich um meinen Mann, der mich förmlich auf Händen trug. Selbst nach vierjähriger Ehe waren wir noch das Liebespaar vom ersten Tag.

Natürlich wünschten wir uns irgendwann auch Kinder. Zwei wollten wir haben. Ein Mädchen und einen Jungen. Dass es damit nicht klappen wollte, entsprach so gar nicht meinem schon sprichwörtlichen Glück. Sebastian war auch fest überzeugt, dass ich ihm schon bald seinen sehnlichsten Wunsch nach einem Sohn erfüllen würde. Er schlug einen Klimawechsel vor. Eine Reise nach Italien könnte ich doch gleich mit Modeeinkäufen für mein Geschäft verbinden.

Ich war sofort Feuer und Flamme und freute mich auf Mailand. Zu ärgerlich, dass der Flug schon ausgebucht war. Mit meinem Glück war es wohl doch nicht so weit her. Nun mussten wir mit dem Auto fahren.

Über dieses kleine Missgeschick dachte ich anders, als wir erfuhren, dass es bei der Landung des Flugzeugs ein Unglück gegeben hatte. Durch den Bruch des Fahrwerks waren viele Passagiere zum Teil schwer verletzt worden. Da hatten wir wieder einmal einen Schutzengel gehabt.

Wir blieben nur fünf Tage in Italien. Länger konnte es Sebastian nicht einrichten. Danach blieb meine Regel aus, und kurze Zeit später hatte ich die freudige Gewissheit: Ich war schwanger.

Nun war unser Glück vollkommen. Sebastian wurde noch zärtlicher und fürsorglicher, obwohl das schon kaum noch möglich war.

Bald erfuhr ich, dass ich Zwillinge erwartete. Die Ultraschalluntersuchung ergab, dass es sich um ein Pärchen handelte. Genau, wie wir es uns erhofft hatten. Sebastian beteuerte mir, der glücklichste Mensch unter der Sonne zu sein.

Doch diese Sonne verfinsterte sich. Das Schicksal schlug zu. Es erschien in Gestalt einer dunkelblauen Limousine, die mit überhöhtem Tempo heranraste, als wir vom Arzt kamen.

Sebastian wollte mich zwar noch zurückreißen, doch es war zu spät. Ich wurde vom Kotflügel erfasst und durch die Luft geschleudert.

Zwischen weißen Kissen kam ich wieder zu mir. Alle waren sehr freundlich zu mir. Die Ärzte, die Schwestern und natürlich auch Sebastian.

Er erklärte mir allerdings, dass ich operiert worden sei und noch einige Wochen im Krankenhaus bleiben müsse. Er bedauerte, dass er ausgerechnet jetzt dienstlich verreisen müsse, versprach aber, mich am Wochenende zu besuchen.

Er rief täglich an und versuchte, mich zu trösten. Für den Verlust unserer ungeborenen Kinder gab es aber keinen Trost, zumal sich der Chefarzt nicht festlegen wollte, ob ich jemals wieder ein Baby bekommen könnte.

Mit der nächsten Hiobsbotschaft brachte man mir schonend bei, dass mein rechtes Bein steif bleiben würde. Den Tennisschläger und meine sportlichen Erfolge durfte ich vergessen.

Ich war verzweifelt. Zum ersten Mal in meinem Leben ging es mir wirklich schlecht. Am liebsten wäre ich eingeschlafen und nie wieder aufgewacht. Was sollte ich denn noch auf der Welt? Ohne Kinder. Für immer gehbehindert. Es war zum Verzweifeln!

Wie beneidete ich meine Bettnachbarin. Silke hatte lediglich beide Arme gebrochen. Sie würde wieder völlig gesund werden. Vor allem aber erhielt sie regelmäßig Besuch. Ich dagegen war allein und musste schon froh sein, wenn Sebastian anrief und wenigstens an den Wochenenden kommen konnte.

Silkes Bruder Thomas schien Mitleid mit mir zu haben. Er versuchte immer wieder, mich zu trösten und seelisch aufzurichten. Was sei schon ein Bein?, meinte er behutsam. Das könne man in eine schicke Hose stecken. Meinem Gesicht sei doch nichts passiert, und so etwas Hübsches, Bezauberndes habe er noch nie zuvor gesehen.

Ich gewann tatsächlich den Eindruck, dass er sich ein bisschen in mich verliebt hatte, zeigte er mir doch immer wieder deutlich seine Zuneigung und bot mir auch seine Hilfe bei meinen ersten Gehversuchen an. Wie sollte ich ihm nur klarmachen, dass ich niemals einen anderen Mann als meinen Sebastian lieben würde, ohne ihn zu verletzen?

Dabei musste ich ihn wirklich bewundern. Ihn hatte das Schicksal ausgesprochen grob angepackt. Nach einer schweren Krankheit, die er nur durch seinen unbeugsamen Willen überstand, ließ ihn seine Frau im Stich. Eine zweite Beziehung scheiterte ebenfalls. Aber Thomas ließ sich nicht unterkriegen.

Nun hoffte er offensichtlich auf meine Liebe, doch mehr als Zuneigung konnte ich ihm nicht geben.

Als seine Schwester entlassen wurde, löste sich das Problem von selbst. Nun würde ich auch Thomas nicht mehr wiedersehen. Ich brauchte ihn auch nicht. Wirklich helfen konnte er mir ja doch nicht. Das konnte keiner. Zu viel hatte ich verloren.

Doch es kam noch dicker. Viel dicker. Als mich Sebastian nach über zwei Monaten endlich nach Hause holte, ließ ich mich von ihm sofort zu meiner Boutique fahren. Ich hoffte, dass Kerstin während meiner Abwesenheit einigermaßen zurechtgekommen war. Wichtige Fragen hatten wir ja telefonisch abgeklärt.

Kerstins mitleidiger Gesichtsausdruck, als sie mich mit der Krücke ins Geschäft kommen sah, versetzte mir einen schmerzhaften Stich. Alles konnte ich jetzt brauchen, nur kein Mitleid.

Sie zeigte mir stolz die Kollektion, die sie eingekauft hatte. Ich traute meinen Augen nicht. Ich sah lauter Fetzen, die ich schon vor zwei Jahren kaum noch hätte verkaufen können. Sie hatte ein Vermögen für Ladenhüter ausgegeben.

Natürlich telefonierte ich sofort nach Italien, um den Kauf rückgängig zu machen. Zu spät! Die Lieferfirma war in Konkurs gegangen. Der Besitzer hatte sich ins Ausland abgesetzt. Das war das finanzielle Ende meiner Boutique.

Ich machte Kerstin heftige Vorwürfe. Diesen Fehler hätte ich nicht einmal einer blutigen Anfängerin verziehen. Ihre Rechtfertigung klang lahm. Umso aggressiver ging sie zum Angriff über. Ich solle lieber erst einmal mein eigenes Privatleben in Ordnung bringen, bevor ich mich zu ihrem Schulmeister aufspielte, meinte sie spitz.

Ich forderte empört eine Erklärung von ihr, aber sie warf mir die Laden- und Kassenschlüssel auf die Verkaufstheke und rauschte davon.

Die Erklärung erhielt ich am Abend von Sebastian, dem ich von Kerstins unerhörtem Benehmen erzählte.

Er wirkte nervös, als er um Verständnis heischte. Lange wäre es mit uns doch ohnehin nicht mehr gegangen, murmelte er. Es sei auf die Dauer ziemlich anstrengend, mit einem Menschen verheiratet zu sein, den das Glück so begünstige wie mich. Er gehöre nun einmal nicht zu den Männern, die im Schatten ihrer Frau stehen können. Er hätte lange Zeit gehofft, durch die Kinder würde sich vieles ändern. Aber jetzt ...

Ob er denn eine andere habe, wollte ich bestürzt wissen. Ich konnte es nicht glauben.

Doch er nickte und vermied, mich dabei anzusehen. Das habe nichts mit meinem Unfall zu tun, beteuerte er. Sie hätten schon früher erkannt, dass sie zusammengehören.

Details

Seiten
72
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738926484
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Februar)
Schlagworte
alle ehebrecherin staffner

Autor

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Titel: Alle sehen in mir nur die Ehebrecherin - Dr. Staffner packt aus