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Die Raumflotte von Axarabor #65: Die Jagd nach dem Artefakt

2018 120 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 65

Zusammenfassung

Die Raumflotte von Axarabor - Band 65

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 67 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Mannschaft des Plündererschiffes QUASIM hat einen großen Fang gemacht: Ein Sarkophag, der angeblich von der Erde stammt. Doch niemand will ihnen den Sarkophag abkaufen und ehe sie sich versehen, ist ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt.

Leseprobe

Die Jagd nach dem Artefakt

Die Raumflotte von Axarabor - Band 65

von Wilfried A. Hary


Der Umfang dieses Buchs entspricht 67 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Mannschaft des Plündererschiffes QUASIM hat einen großen Fang gemacht: Ein Sarkophag, der angeblich von der Erde stammt. Doch niemand will ihnen den Sarkophag abkaufen und ehe sie sich versehen, ist ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt.



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD 123rf STEVE MAYER

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de



1

Der Versuch, die Tarnvorrichtungen der QUASIM zu aktivieren, scheiterte. Es gab lediglich eine Funktionsmeldung der Bord-KI: „Außer Betrieb!“

So etwas hatte keiner an Bord jemals erlebt, zumal die Instrumentierung tadellos zu sein schien. Wie war es möglich, dass eine Installation als fehlerfrei angezeigt wurde, aber nur so lange man sie nicht aktivierte? Das wäre ja gerade so wie bei einem Fahrzeug, bei dem die Räder spurlos verschwanden, sobald man damit fahren wollte.

Jedenfalls hatte Brumar Tolzipen dieses ungewöhnliche Beispiel vorgebracht. Da war durchaus etwas Wahres dran.

Also durften sie sich jetzt niemals mehr irgendeiner Welt nähern?

Innerhalb des Sternenreiches zumindest, in dem sie die Meistgesuchten überhaupt waren, nachdem der selbsternannte Großmogul mit Namen Davier Seidoom inzwischen sogar das Kopfgeld erhöht hatte: Zehn Millionen auf ihre Personen – tot oder lebendig! Und weitere zehn Millionen auf das Artefakt, dem sie dies alles zu verdanken hatten: Der reich verzierte Sarg, in dem angeblich der letzte König der Erde lag. Obwohl überhaupt niemand wusste, ob es die Erde wirklich jemals gegeben hatte oder ob sie doch nur ein Gründungs-Mythos war. Geschweige denn, dass jemand von irgendeinem König der Erde jemals etwas gehört hatte. Zumindest nicht vorher, bevor im gesamten Imperium nach diesem verfluchten Sarg gefahndet worden war.

Der vielleicht noch nicht einmal ein richtiger Sarg war! Er hatte zwar das entsprechende Gewicht, unter Einbeziehung der Möglichkeit, dass vielleicht doch eine vermoderte Leiche darin lag, aber es gab keine Möglichkeit, ihn zu öffnen. Das Einzige, was sie inzwischen überhaupt herausgefunden hatten darüber, war, dass es unmöglich erschien, das Material, aus dem er bestand, zu bestimmen. Deshalb war es ja auch nicht möglich, das Innere zu scannen. Da ging einfach nichts hindurch. Man hätte den Sarg zerstören müssen, um an den Inhalt heran zu kommen.

Inzwischen erschien es auch schwierig, das Ding überhaupt zerstören zu wollen. Seit sie ihn irgendwie… aktiviert hatten. In einer Anomalie mitten im Nichts, im Leerraum zwischen den Sternen. Etwas, was sie vorher für völlig unmöglich gehalten hatten und in dem sie vorübergehend gefangen gewesen waren, ohne Chance, zu entkommen.

Bis eben dieser verfluchte Sarg aktiviert worden war. Seitdem leuchtete er weißglühend, und keiner von ihnen wagte es mehr, auch nur in seine Nähe zu kommen. Obwohl dieses weiße Glühen auch das Schiff erfasst hatte und ihnen in keiner Weise zu schaden schien, ja, es hatte ihnen sogar ermöglicht, dieser eigentlich unentrinnbaren Falle doch noch zu entkommen.

Was den möglichen Schaden betraf, den dieses Glühen vielleicht doch noch anrichtete: Höchstens indem es eben nicht mehr möglich war, die Tarnvorrichtungen zu aktivieren!

„Außer Betrieb!“

Und was sollten sie jetzt tun?



2

Kommandant Cheron Sohl, die Superblondine, die aussah wie aus einem Modemagazin entsprungen und trotzdem einstimmig von ihnen zum Kommandanten gewählt worden war, sah sich ernst in der Runde um.

„Wir haben keine Wahl!“, sagte sie unheilschwanger. „Wir müssen irgendwo landen, um unsere Vorräte aufzurüsten. Sonst geht uns irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes erst der Saft, dann die Luft aus.“

„Vielleicht auf einer Welt außerhalb des Sternenreichs?“, erkundigte sich Donar Kasim bang. Eine Laune der Natur hatte ihn zum Zwitter gemacht. Oder hatte sich die Natur einfach mal nicht entscheiden können? Seitdem entschied er selber: Wahlweise trat er als Mann mit knabenhafter Figur auf oder als gertenschlanke exotische Schönheit. Derzeit war er ein Mann, und eigenartigerweise veränderte das auch seine Stimme. Ob er das nun bewusst oder unbewusst tat: Jetzt klang diese Stimme tatsächlich wie die eines jungen Mannes kurz nach der Pubertät.

Und er bewegte sich als Mann auch anders, eben wie ein richtiger Kerl.

Es sei denn, er hatte Bedenken, so wie jetzt. Da wirkte er eher wie ein ängstlicher Kerl.

„Logisch!“, versetzte ihm ihr gewählter erster Offizier – abgekürzt EO – Ronodar Persein. In dieser vierköpfigen illustren Runde wirkte er irgendwie deplatziert als schwarzhaariger, bärtiger Don Juan ohne entsprechende potenzielle weibliche „Opfer“, obwohl er es zum Amüsement von Brumar Tolzipen und Donar Kasim immer wieder versuchte, bei ihrem Kommandanten zu „landen“… Das war allerdings ungefähr so unmöglich zu erreichen, wie von hier aus zu Fuß nach Axarabor quer durch den Weltraum zu gelangen.

„Und wohin dann unter diesem Gesichtspunkt?“, hakte Donar Kasim nach, ohne überhaupt Ronodar eines Blickes zu würdigen. Seine Augen waren auf Cheron gerichtet.

Diese schürzte die vollen Lippen, wie so oft, wenn sie nachdenklich war.

„Da gibt es einige Variablen“, wich sie aus. „Also Welten, die nicht zum Imperium gehören wollen und sich selbst teilweise sogar Freie Welten nennen.“

„Du meinst, ausgerechnet dort wird man nicht versuchen, uns auf der Stelle umzubringen, um uns diesen scheiß Sarg abzuluchsen?“, rief Brumar Tolzipen aus. Sie nannten ihn gern den kleinen Dicken, was er zwar überhaupt nicht ausstehen konnte, aber ohne zu murren hinnahm. Er war nun einmal tatsächlich ein kleiner Dicker. Na und? Wenn es darauf ankam, war er wieselflink und ein nicht zu unterschätzender Kämpfer sowieso. Da sollte sich niemand etwas vormachen.

„Zumindest sehe ich dort größere Chancen, ungeschoren davon zu kommen“, hielt ihm Cheron entgegen. „Immer vorausgesetzt, dass wir wirklich keine andere Wahl mehr haben, ehrlich!“

„Das muss ich leider bestätigen!“, sagte Donar. „Ich habe alles mehrmals durchgerechnet, für Cheron, aber auch für mich selber, um ganz sicher zu sein. Jeder Tag, den wir länger abwarten, macht es für uns gefährlicher. Zumal unsere Waffensysteme jetzt schon darunter zu leiden haben. Sie haben schlichtweg zu wenig Energie, um voll wirksam zu sein. Zwar benötigen die Torpedos nicht so viel Energie…“

„Würdest du dieses Spezialgebiet nicht lieber demjenigen überlassen, der dafür verantwortlich ist als Waffen- und Verteidigungsoffizier, nämlich mir?“, unterbrach Brumar ihn ärgerlich.

Er wandte sich wieder an Cheron.

„Ich hätte da übrigens einen Vorschlag: TODALIS!“

Auf der makellos hübschen Stirn Cherons erschien eine senkrechte Falte, was ihrer makellosen Schönheit in keiner Weise Abbruch tat. Ganz im Gegenteil: Das ließ sie sogar noch interessanter wirken.

„TODALIS?“, echote sie verblüfft.

„Was ist daran jetzt schon wieder auszusetzen?“, regte sich Brumar auf.

„Was bist du so nervig, Kleiner?“ Cheron schüttelte den Kopf.

„Ach was, nervig, mir geht das alles dermaßen auf den Zeiger…“

„Was denn speziell?“

„Na, was wohl: Dieser scheiß Sarg, der vor sich hin glüht, als wollte er jeden verbrennen, der es wagt, ihm zu nah zu kommen. Ja, das ganze Schiff glüht sogar. Zwar nur außenherum, aber immerhin… Dann können wir uns nicht mehr tarnen, was die Verteidigung extrem erschwert. Nicht zu vergessen, alle wollen unseren Tod. Und dann müssen wir trotzdem auf irgendeinem verlausten Planeten landen? Und ich gehe davon aus, dass jede in Frage kommende Zielwelt eine Zumutung ist für uns. Warum also nicht ausgerechnet TODALIS?“

„Wer denkt sich nur immer dermaßen bescheuerte Namen aus?“, murmelte Ronodar Persin fassungslos.

Brumar fuhr herum.

„Wie bitte? Soll das etwa heißen, du meinst, ich hätte das jetzt erfunden? Verdammt noch einmal, diese Welt gibt es tatsächlich – und sie heißt nun einmal so. Was weiß denn ich, wer sich solch idiotische Namen einfallen lässt. Ist mir aber auch völlig schnurzpiep egal.“

„Schnurzpiep?“

Brumar wollte sich noch mehr aufregen, doch dann wurde ihm bewusst, wie er sich verhielt, und er schaltete von einer Sekunde zur anderen sämtliche Gänge wieder zurück. Mit anderen Worten: Er wurde schlagartig wieder ruhig und wirkte wie meistens: Dick und gemütlich!

„Ja, schnurzpiep!“ Jetzt lachte er sogar, als hätte er damit einen gekonnten Witz gemacht.

„Na, dann…“ Ronodar grinste flüchtig. Dann sagte er: „Tatsächlich, ich habe noch niemals von einer solchen Welt gehört. Kennt sie sonst noch jemand hier?“

Alle verneinten, außer eben Brumar.

„Ich war einmal dort, bevor ich euch gekannt habe“, räumte er ein. „Die Bewohner haben irgendwann aufgehört, sich weiter zu entwickeln, sowohl technisch als auch wissenschaftlich. Eine Kultur ohne Raumfahrt. Sie interessieren sich ganz einfach nicht dafür, wie sie selber behaupten. Deshalb wollen sie auch kein Mitglied des Sternenreiches von Axarabor werden. Im krassen Widerspruch dazu steht allerdings die Tatsache, dass TODALIS zu einer illegalen Handelswelt wurde.“

„So wie der Planet OMAHN?“, erkundigte sich Cheron.

„Nein, bei weitem nicht so spektakulär. Zwar ist TODALIS illegal, weil dort ja angeblich keinerlei Raumschiffe erwünscht sind, aber dieses Verbot scheint lediglich die Raumflotte von Axarabor zu betreffen, was den Schluss nahe legt, dass die Todaliser die hundertprozentige Kontrolle behalten wollen, ohne jegliche Einmischung von außen. Alle, die dorthin kommen, sind bereits vor ihrer Landung völlig ohne Rechte. Wer sich nicht im Sinne der Todaliser benimmt, wird rigoros zur Rechenschaft gezogen. Was nicht heißen soll, dass es gefährlich ist, dort zu landen. Es ist halt angebracht, dass man die Gepflogenheit vor Ort kennt und sie zu hundert Prozent akzeptiert. Die Todaliser sind zwar nicht ausgesprochen kleinlich und sehen durchaus auch mal über Kleinigkeiten hinweg, vielleicht nicht ohne entsprechende Belehrung, aber wenn ihnen jemand aus irgendeinem Grund meint, auf die Nerven gehen zu müssen…“

„Gut, und du meinst, wenn wir irgendwo eine Landung wagen müssen, dann am besten auf TODALIS? Besteht denn nicht gerade auf einer solchen Welt die Möglichkeit, dass man uns eliminiert, um den Sarg zu klauen und die Belohnungen zu kassieren?“

„Das würde dem Kodex der Todaliser widersprechen, denn wenn man dort landet, verliert man nicht nur vorübergehend sämtliche Rechte, sondern ist gegenüber sämtlichen anderen gewissermaßen Rechtslosen gesichert. Die Todaliser selbst interessieren sich für nichts, was sich außerhalb ihrer Welt abspielt. Mit anderen Worten: Eigentlich ist TODALIS die perfekte neutrale Zone!“

Donar blies die Wangen auf und ließ die Luft pfeifend entweichen, bevor er das Gehörte kommentierte mit:

„Na, dann! Nehmen wir doch Kurs auf diese neutrale Zone!“

Cheron betrachtete Brumar, als würde sie ihn jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. Misstraute sie ihm etwa ob seiner Ausführungen?

Brumar bemerkte es durchaus und ärgerte sich darüber, doch er quittierte es lediglich mit einem Achselzucken und den Worten:

„Wer mir nicht glauben will, kann ja dagegen stimmen. Ansonsten ist es leider unmöglich, zu beweisen, was ich sage, weil es verständlicherweise keinerlei wirklich brauchbare Informationen über TODALIS gibt. Außer eben, dass sie keinerlei Kontakt wünschen. Jedenfalls ist offiziell kaum mehr verfügbar.“

„Was ja eigentlich nur auf die Raumflotte von Axarabor gemünzt ist – von wegen keinerlei Kontakt und so?“, ergänzte Cheron.

„Ganz genau!“

Seufzend wandte sich Cheron Ronodar zu, der ja nicht nur ihr EO, sondern ihr erster Pilot war.

„Dann sollten wir tatsächlich unser neues Ziel anvisieren!“

Da keiner einen anwendbaren Gegenvorschlag vorbringen konnte oder wollte, fügten sie sich wortlos. Ronodar nahm seine Arbeit als Pilot auf.



3

Im direkten Anflug auf TODALIS versuchte Ronodar erneut, die Tarnvorrichtungen zu aktivieren. Ohne Erfolg, wie ja schon zu erwarten.

„Verdammt noch eins, ich darf gar nicht dran denken, was uns das alles gekostet hat. Nur dass es jetzt nicht mehr funktioniert, ohne den geringsten Hinweis, woran es liegen könnte?“, fluchte er.

„Woran denn wohl?“, meinte Brumar lapidar: „Es liegt an diesem verfluchten Artefakt. Irgendwie verhindert diese Strahlung, das unser ganzes Schiff umhüllt, die Funktion jeglicher Tarnvorrichtung.“

„Immerhin können wir trotzdem alle anderen Instrumente benutzen“, meinte jetzt Donar. „Meine Ortungsinstrumente beispielsweise. Wie sieht es mit den Waffensystemen aus, Brumar?“

„Das werde ich wohl erst endgültig sagen können, wenn ich sie benutzt habe.“

„Male bitte nicht den Raumteufel an die Wand!“, rief Donar erschrocken.

Im nächsten Augenblick ließ Donar jedoch verlauten:

„Und da ist er auch schon, der Raumteufel, wenngleich nicht an der Wand, sondern im direkten Anflug!“

„Wie bitte?“ Cheron sah auf die Bilddarstellung, die Donar vor ihr erscheinen ließ. Dort war in der Vergrößerung ein Handelsschiff zu sehen. Zwar die übliche Bauweise eines nicht sehr großen Transporters, aber es gab verdächtige Aufbauten, die alles andere als üblich erschienen. Waren das getarnte Waffensysteme? Die Besatzung legte anscheinend keinerlei Wert auf sonstige Tarnung. Entweder weil sie sich besonders sicher fühlte oder als besonders kampfstark – oder beides.

„Sie haben uns entdeckt und funken uns an!“, berichtete Donar.

„Verdammt noch eins“, schimpfte jetzt Ronodar. „Das sieht ja gerade so aus, als hätte man uns bereits erwartet. Das ist doch nicht möglich.“ Ein giftiger Blick in Richtung Brumar. „Kannst du dir das erklären?“

Brumar gab zunächst keine Antwort. Er schien angestrengt nachzudenken.

„Ich habe keine Ahnung, woher die das wissen wollen, dass wir ausgerechnet hierher kommen. Es ist eigentlich völlig unmöglich.“

„Na, dann…“, meinte Cheron wenig überzeugt und befahl Donar:

„Melde dich ohne Kennung und vor allem ohne Schiffsnamen. Das geht die nichts an, wer wir sind. Wir wollen in die neutrale Zone, also auf TODALIS landen. Mehr brauchen sie nicht zu erfahren. Und von TODALIS werden sie wohl kaum stammen, falls die es sich nicht doch noch inzwischen anders überlegt und sich Raumschiffe angeschafft haben.“

Sie hörten mit, was Donar zu reden hatte. Auf Bildgebung verzichtete sie dabei, genauso wie ihr Gesprächspartner, der ebenfalls die Kennung unterdrückte.

„Unbekanntes Schiff: Wer seid ihr?“, tönte es zunächst aus den Lautsprechern.

„Was soll die Frage?“, blaffte Donar zurück. „Wer seid denn ihr? Was wollt ihr überhaupt? Dieses Sonnensystem ist neutral. Eigentlich sollten Sie gar nicht hier sein.“

„Genauso wenig wohl wie Sie!“, konterte das andere Schiff, während es rasend schnell auf sie zu schoss. Es würde nach Donars Messung in spätestens zwei Minuten ihre Flugbahn kreuzen, falls niemand den Kurs änderte. Sollten sie ausweichen?

Ein fragender Blick zu Cheron, die sogleich wusste, was Donar von ihr hören wollte. Cheron schüttelte einfach nur den Kopf. Das genügt Donar.

„Ändern Sie sofort den Kurs!“, sagte er mit schneidender Stimme. „Sie wollen doch nicht wirklich mit uns kollidieren.“

„Und wenn doch? Geben Sie sich zu erkennen. Haben Sie Probleme?“

„Wieso Probleme?“

„Nun, Ihr Schiff glüht weiß, hell wie eine Minisonne. Als würde es jeden Augenblick zerfetzen. Sind Sie Opfer eines energetischen Beschusses oder was?“

„Nichts dergleichen. Uns geht es gut und unserem Schiff geht es gut. Also keine weiteren Fragen. Ändern Sie endlich den Kurs.“

„Und wenn nicht?“

„Was soll das Ganze überhaupt? Wieso haben Sie uns aufgelauert? Sind Sie ein Pirat? Rauben Sie anfliegende Schiffe aus oder was?“

„Blödsinn, doch nicht in einer neutralen Zone, und dazu gehört ja nicht nur der Planet, sondern eben das gesamte System.“

„Was sonst?“

„Wir wissen, wer Sie sind: Raumschiff QUASIM!“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Wir wurden vorgewarnt.“

„Vorgewarnt? Vor uns?“

„Ja, wir wurden in Kenntnis gesetzt darüber, dass Sie sich im Anflug auf TODALIS befinden. Jetzt sind Sie hier, und bevor wir noch weitere Zeit verschwenden: Geben Sie auf und überlassen Sie uns das Artefakt!“

„Ach ja? Und woher wollen Sie das alles wissen? Sehen Sie in Ihrer Erfassung irgendein Kennzeichen oder was? Sagten Sie nicht gerade, dass unser Schiff weiß glüht? Wie erklären Sie sich das?“

„Ist uns eigentlich egal, aber man hat uns darauf hingewiesen. Das genügt. Was ist nun mit dem Artefakt?“

„Der Sarg des letzten Königs von der Erde ist unbezahlbar und wird natürlich von uns nicht übergeben.“

„Dann geben Sie also zu, die QUASIM zu sein?“

„Woher wollen Sie eigentlich so genau Bescheid wissen? Wer hat ihnen das gesteckt?“

„Großmogul Davier Seidoom persönlich! Sie sind anscheinend nicht auf dem Laufenden, QUASIM. Er hat Sie genauso beschrieben, wie Sie jetzt aussehen. Geben Sie Gegenschub und erlauben uns, beizudrehen.“

Donar musste lachen, aber es klang nicht echt.

„Das würde Ihnen wohl so passen: Uns alle umbringen und sich den Sarg unter den Nagel reißen. Glauben Sie denn wirklich, dass wir so dämlich sind? Und wenn es sich herausstellen sollte, dass wir gar nicht die Gesuchten sind?“

„Das zu leugnen kommt deutlich zu spät. Es hätte euch außerdem von vornherein nichts genutzt, denn es ist halt zu offensichtlich.“

Donar unterbrach die Funkverbindung und wandte sich ihren Gefährten zu.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738926187
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Februar)
Schlagworte
raumflotte axarabor jagd artefakt

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #65: Die Jagd nach dem Artefakt