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HK Greiff und die stummen Zeugen

©2019 70 Seiten

Zusammenfassung


- Simones Mann ist schrecklich eifersüchtig und bedroht sie sogar, falls er sie in flagranti erwischt. Trotzdem erklärt sie sich bereit, den Fremden das kurze Stück zum nächsten Krankenhaus zu fahren. Ein verhängnisvoller Fehler …
- Als Ulf die Tasche mit dem vielen Geld neben dem Toten im Unfallfahrzeug entdeckt, steht für ihn fest, dass er es behalten wird. Aber seine Freundin ist strikt dagegen. Sie will ehrlich bleiben. Also muss er sich wohl von ihr trennen. Zu seinem Bedauern mit Gewalt …
- Ein Ehemann und ein Geliebter, da ist einer zu viel. Das findet jedenfalls Katja und ist entschlossen, das zu ändern. Leider ist sie keines Mordes fähig. Also müssen die Beiden das selbst erledigen. Einer als Täter, der andere als Opfer …
Und 10 weitere spannende Kurzkrimis

Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen.

Leseprobe

Table of Contents

HK Greiff und die stummen Zeugen

Copyright

Das Messer an der Kehle

Kein Platz für Mörder auf Jamaica

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Heiße Ware aus Bangkok

Tod im Atelier

Stumme Zeugen

Ein Killer kann nicht alles wissen

Der Mann im Schrank

Hilfe von einem Toten

Job für einen schrägen Vogel

Frau über Bord!

Es gibt für alles eine Lösung

Bankräuber mit starken Nerven

HK Greiff und die stummen Zeugen

Kriminalerzählungen von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.

 

- Simones Mann ist schrecklich eifersüchtig und bedroht sie sogar, falls er sie in flagranti erwischt. Trotzdem erklärt sie sich bereit, den Fremden das kurze Stück zum nächsten Krankenhaus zu fahren. Ein verhängnisvoller Fehler …

- Als Ulf die Tasche mit dem vielen Geld neben dem Toten im Unfallfahrzeug entdeckt, steht für ihn fest, dass er es behalten wird. Aber seine Freundin ist strikt dagegen. Sie will ehrlich bleiben. Also muss er sich wohl von ihr trennen. Zu seinem Bedauern mit Gewalt …

- Ein Ehemann und ein Geliebter, da ist einer zu viel. Das findet jedenfalls Katja und ist entschlossen, das zu ändern. Leider ist sie keines Mordes fähig. Also müssen die Beiden das selbst erledigen. Einer als Täter, der andere als Opfer …

Und 10 weitere spannende Kurzkrimis

 

Als Hauptkommissar bei der Mordkommission bin ich zwar nur für die Verbrechen gegen das Leben zuständig. Aber von den Kollegen der anderen Ressorts erfahre ich auch von Einbrüchen, Vergewaltigungen oder Drogendelikten. Eins haben alle Verbrechen gemeinsam: Früher oder später werden sie aufgeklärt, auch wenn die Täter es noch so raffiniert anstellen.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Das Messer an der Kehle

"Du bist ja verrückt." Ärgerlich zündete sich Simone Burger eine Zigarette an, um sie im nächsten Augenblick wieder auszudrücken. Sie wollte sich ja das Rauchen abgewöhnen, wie sich so manches in ihrem Leben ändern sollte.

Aber hatte nicht auch Victor von guten Vorsätzen gesprochen? Seine krankhafte Eifersucht ertrug sie einfach nicht länger. Es musste endlich etwas geschehen.

"So?", fauchte der 40-jährige erbost, während er zornig seine Fäuste ballte. "Verrückt nennst du meine Liebe zu dir also. Ich schufte mich ab, damit ich dir ein unbeschwertes Leben mit allen Annehmlichkeiten bieten kann, und was tust du? Du betrügst mich auf Schritt und Tritt."

"Das ist nicht wahr", verteidigte sich die um acht Jahre Jüngere, die in ihrem eng geschnittenen Kostüm ausgesprochen attraktiv wirkte. Dass sich die Männer die Köpfe nach ihr verdrehten, war nicht zu leugnen. Doch das konnte Victor doch nicht ihr zum Vorwurf machen.

Als sie ihn vor anderthalb Jahren heiratete, war er für sie die große Liebe gewesen. Dass er als Besitzer einer Elektronikfirma nicht unvermögend war, spielte nur eine nebensächliche Rolle bei ihrem Jawort. Doch inzwischen gab es Momente, an denen sie ihren Schritt zu bereuen begann. Victor dichtete ihr ein Verhältnis mit dem Postboten, dem Zeitungsverkäufer und vor allem mit dem jungen Typ aus der Nachbarvilla an, dabei konnte sie diesen blasierten Kerl nicht ausstehen.

Ihr Mann konnte sich trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen nicht beruhigen.

"Eines Tages geschieht ein Unglück, das schwöre ich dir. Und wenn ich dafür ins Gefängnis gehen muss."

"Gehe lieber zu einem Arzt", empfahl Simone ironisch. "Du bist doch krank. Es vergeht kaum ein Tag, an dem du mir keine Szene machst. Dabei stützt du dich ausschließlich auf haltlose Vermutungen. Warum bringst du mich nicht gleich um? Aber du wärst ja sogar noch auf den Leichenbestatter eifersüchtig, weil er mich im Nachthemd sehen könnte."

"Du täuschst mich nicht", grollte Victor Burger. "Aber ich warne dich. Irgendwann hilft dir das ganze Leugnen nichts mehr. Dann hast du dir die Folgen selbst zuzuschreiben."

Simone war froh, als ihn sein Terminkalender endlich zwang, von ihr abzulassen. Vom Fenster aus sah sie ihn davonfahren. Sie seufzte. Wie schön könnte das Leben ohne diesen Wermutstropfen sein!

Sie ging zum Friseur und erwog danach den Besuch bei einer Freundin. Da sah sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Mann, der ihr während der letzten Zeit bereits häufiger aufgefallen war. Er lächelte zu ihr herüber. Gut sah er aus. Er mochte in ihrem Alter sein. Simone spürte ein seltsames Kribbeln in der Magengegend. Ob er wohl wusste, dass sie verheiratet war? Sie sehnte sich plötzlich danach, sich mit ihm zu unterhalten und seine Komplimente zu hören.

Bist du noch zu retten?, schalt sie sich. Victor brächte dich glatt dafür um, wenn er es erführe.

Aber das müsste er ja nicht, überlegte sie weiter, während sie zögernd zu ihrem Wagen ging. Victor verhandelt in diesem Moment mit seinen Geschäftspartnern, und ein harmloser Flirt ist doch schließlich kein Verbrechen.

Jetzt überquerte der Fremde tatsächlich die Fahrbahn und hielt auf sie zu.

"Verzeihen Sie, dass ich Sie anspreche. Das ist sonst nicht meine Art, aber ich befinde mich in einer ziemlichen Verlegenheit. Ich müsste dringend einen Krankenbesuch machen, kann aber weit und breit kein Taxi entdecken. Würde es Ihnen etwas ausmachen ...? Es dauert höchstens zehn Minuten."

Simone schmunzelte in sich hinein. Sie glaubte ihm kein Wort. Ob er schon viele Bekanntschaften mit dieser Masche begonnen hatte? Sie willigte ein und ließ sich den Weg beschreiben, der in die Innenstadt führte.

"Steigen Sie aus!", befahl der Mann, als sie vor einem Schreibwarengeschäft hielten.

"Bitte?" Sein plötzlich rauher Ton gefiel Simone ganz und gar nicht.

Er zog ein Messer aus der Tasche.

"Und zwar ein bisschen fix", drängte er. "Und immer hübsch lächeln, damit wir nicht unangenehm auffallen. Sie wollen doch nicht, dass ich das Ding hier benutze?"

Sie begriff schlagartig, dass sie an einen Ganoven geraten war. Sein Charme war verschwunden. Brutale Entschlossenheit kennzeichnete seine Züge.

Während sie gehorchte, überlegte sie, was er mit ihr vorhaben mochte. Vergewaltigung? Bei diesem Gedanken geriet sie in Panik.

Er schloss die Ladentür zu, nachdem sie den Verkaufsraum betreten hatten, und brachte sie in das angrenzende Büro. Von hier aus versuchte er, ein Telefongespräch zu führen.

"Bei Ihnen daheim meldet sich nur der Anrufbeantworter", murrte er und blickte Simone an, als wäre das ihre Schuld.

"Ich bin nicht zu Hause", meinte sie sarkastisch.

"Aber Sie möchten doch wieder in Ihre schicke Villa zurück, oder?" Er grinste gemein und ließ den Daumen über die Messerklinge gleiten. "Unter welcher Nummer erreiche ich jetzt Ihren Mann?"

Sie sagte ihm den Büroanschluss. Es meldete sich die Sekretärin.

"Herr Direktor Burger befindet sich außer Haus. Wünschen Sie einen Termin?"

"Hat er ein Handy?", wollte der Kidnapper wissen.

"Das schon, aber er wollte sich mit einem Kunden treffen. Wie ist denn Ihr Name? Kann ich etwas ausrichten?"

"Ich rufe wieder an." Er knallte den Hörer auf die Gabel und wandte sich an Simone. "Wo kann er jetzt sein?"

Sie hob ihre schmalen Schultern.

"Ich kenne seine Termine nicht. Was wollen Sie überhaupt von ihm?"

"Eine Million", erklärte er unumwunden. "Ich bin so gut wie pleite. Wenn ich das Lebenswerk meines Vaters retten will, brauche ich eine kräftige Finanzspritze, und die hole ich mir von Ihrem Alten. Er wird doch zahlen?"

Wieso kamen ihr auf einmal Zweifel? Victor liebte sie doch, und wenn er nicht so eifersüchtig wäre, könnten sie das herrlichste Leben führen.

"Sie bringen sich in Teufels Küche", warnte sie mit erzwungener Ruhe und suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Ihr war klar, dass der Kidnapper sie nicht am Leben lassen konnte. Sie wusste, wer er war.

"Hoffen Sie nur nicht auf einen Fehler von mir", spottete der Gangster. "Ich habe den Coup wochenlang vorbereitet."

Jetzt wusste sie auch, warum er ihr in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen war. Der Lump hatte sie genau beobachtet und den geeigneten Zeitpunkt abgewartet. Sie besaß keine Chance.

"Sprechen Sie Ihre Forderung auf den Anrufbeantworter", schlug sie vor. "Mein Mann hört bei seiner Heimkehr das Band ab."

Der Verbrecher ließ mit wenigen Worten keinen Zweifel an den tödlichen Konsequenzen, falls sich der Industrielle zu zahlen weigerte. Danach durfte Simone einen Gruß sprechen. Dabei spürte sie das Messer an ihrer Kehle. Ein verräterischer Hinweis hätte sie auf der Stelle das Leben gekostet.

Anschließend wurde sie gefesselt und geknebelt und auf das Ledersofa gebunden.

"Ich fahre jetzt zu Ihrer Villa. Falls Ihr Mann die Polizei einschaltet, hat er Ihren Tod zu verantworten."

Und mit diesem Strolch hätte sie beinahe einen Flirt begonnen. Simone schauderte. Wie konnte ein Mensch nur so verkommen sein? Warum glaubten so viele Menschen, ihre Probleme nur mit Gewalt lösen zu können?

Der Geiselnehmer verließ sein Geschäft. Ein Mann trat mit raschen Schritten auf ihn zu.

"Wusste ich es doch", fauchte er. "Sie ist bei dir, du Mistkerl. Ich habe euch genau beobachtet, aber ihr setzt mir keine Hörner auf. Mir nicht. Er riss eine Pistole aus der Tasche und feuerte auf sein Gegenüber.

Passanten wurden aufmerksam. Einem gelang es, den Rasenden zu entwaffnen. Eine Polizeistreife war rasch zur Stelle.

Victor Burger war sehr blass, als er seine Aussage zu Protokoll gab. Schuldbewusst schaute er zu Simone hinüber.

"Wirst du mir jemals verzeihen können?", murmelte er.

Sie konnte schon wieder lächeln.

"Deine Eifersucht hat mir das Leben gerettet", sah sie ein und dachte insgeheim: Nie wieder werde ich auf den verträumten Blick eines anderen Mannes hereinfallen.

Sie wandte sich an den Kommissar: "Muss mein Mann mit einer hohen Strafe rechnen?"

Dieser wollte dem Gerichtsurteil nicht vorgreifen.

"Da er in der Aufregung aber so schlecht gezielt und nur eine Fleischwunde verursacht hat, wird er bestimmt Bewährung kommen."

"Die bekommst du bei mir auch, Liebster", flüsterte Simone erleichtert.

 

 

 

Kein Platz für Mörder auf Jamaica

"Stop!", schrie Claudia mitten in das sanfte Brummen des Automotors hinein. "Da vorn ist etwas passiert."

Ulf hatte die Limousine, die ihre Motorhaube gegen den massiven Stamm einer Linde knautschte, im gleichen Moment gesichtet und auf die Bremse getreten. Kurz darauf kam der Wagen zum Stehen.

"Verdammte Raserei!", schimpfte er, während sich seine Begleiterin unverzüglich um den Unglücksfahrer bemühte. "Wahrscheinlich betrunken."

"Er ist tot", murmelte die 24-jährige erschüttert und brach in Tränen aus. Der romantische Wochenendausflug in die Sächsische Schweiz war ihr gründlich verdorben. "Es muss erst vor kurzem geschehen sein."

Ihr fünf Jahre älterer Freund stand unschlüssig daneben, bevor er die Reisetasche auf dem Beifahrersitz des Toten entdeckte. Er öffnete sie und bekam Stielaugen.

"Das ist ja ein Vermögen", würgte er hervor. "Lauter Hunderteuroscheine. Was machen wir damit?"

"Wir müssen ohnehin die Polizei über den Unfall verständigen", schluchzte Claudia. "Die werden den Hinterbliebenen das Geld aushändigen. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Geschäftsmann. Toller Wagen, als er noch heil war!"

Ulf überlegte nicht lange.

"Abgeben? Kommt nicht in Frage, Schatz! Der arme Teufel braucht den Zaster nicht mehr, und seinen Erben hinterlässt er ohnehin genug. Siehst du den Stempelaufdruck hier auf der Innenseite der Tasche? Direktor Dr. Ferdinand Meißner, Immobilien. Es trifft also keinen Armen. Wir dagegen können die Mäuse dringend brauchen. Es gibt keine Zeugen. So eine Gelegenheit bietet sich uns nie wieder."

"Das wäre Diebstahl, Ulf", mahnte Claudia entrüstet. "Lieber arm, aber ehrlich."

"Blödsinn!", widersprach der Mann ungeduldig. "Wer weiß, wen dieser Typ alles begaunert hat." Er griff nach der Tasche und hob sie heraus.

"Da mache ich nicht mit", entschied Claudia aufgebracht. "Ich will ruhig schlafen können. Lass uns zur nächsten Ortschaft fahren und die Tasche abliefern."

Ulfs Augen wurden schmal. Er empfand seine Freundin plötzlich als Hemmschuh. Wie spießig sie war! Wer so eine Chance sausen ließ, gehörte doch auf den Mond geschossen. War Claudia vielleicht die einzige hübsche Puppe auf dieser Erde? Mit der Kohle in der Tasche konnte er doch ganz andere Tussis aufreißen.

"Das sind mindestens zweihunderttausend", sagte er heiser. "Vermutlich sogar noch mehr. Weißt du, was das heißt? Bermudas, Malediven, eine schicke Karre so wie diese hier, vielleicht auch die Anzahlung für ein eigenes Haus mit Pool und Sauna und allen Schikanen."

"Nein, das heißt ein Leben lang ein schlechtes Gewissen", hielt Claudia dagegen. "Schlimmstenfalls aber Gefängnis. Ohne mich!"

"Ohne dich?", wiederholte Ulf drohend. "Dann hau doch ab!"

Sie starrte ihn entgeistert an. Aus ihren hübsch geschwungenen Lippen wich jeder Tropfen Blut. "Das ist nicht dein Ernst. Wir lieben uns doch."

Der Mann lachte auf.

"Liebe ist, wenn man zusammenhält." Er versetzte ihr einen Stoß, weil sie ihm die Tasche entwinden wollte. Claudia taumelte zurück.

"Du schlägst mich? Ich lasse nicht zu, dass du zum Dieb wirst."

"Und wie willst du das verhindern?", erkundigte Ulf sich höhnisch. "Beabsichtigst du, mich bei der Polizei zu verpfeifen?" Seine Stimme wurde kalt. Ihm war auf einmal klar, dass Claudia eine Gefahr für ihn darstellte. Sie allein kannte die Wahrheit. Er würde sie nie überzeugen können.

Blitzschnell bückte er sich nach einem faustgroßen Stein. Claudia wich entsetzt zurück.

"Was hast du vor? Um Himmels willen, Ulf, tu's nicht!"

Er schlug zu. Zweimal, dreimal. Dann wuchtete er die Tote auf den Beifahrersitz des demolierten Fahrzeugs. Es sah nun so aus, als wäre sie ebenfalls bei dem Unfall ums Leben gekommen.

Niemand wusste etwas von ihrem gemeinsamen Ausflug, und Claudia war dafür bekannt, dass sie gelegentlich als Anhalterin fuhr. Es konnte also keiner Verdacht schöpfen, weil sie im Wagen eines wildfremden Geschäftsmannes den Tod gefunden hatte.

Ulf wunderte sich selbst, wie unberührt ihn der Mord ließ. Mit Geld war man eben unversehens ein anderer Mensch.

Er wuchtete die Reisetasche ins eigene Auto und fuhr davon. Irgendwann verließ er die kaum befahrene Landstraße und reihte sich in die endlose Schlange des Autobahnverkehrs ein. Dabei überlegte er, wie der überraschende Reichtum sein Leben verändern würde.

Zunächst wollte er sich ein Flugticket in die Karibik besorgen und auf einer der Trauminseln Claudia vergessen und sich mit ein paar Superfrauen auf erfreulichere Gedanken bringen. Später würde er seinen miserabel bezahlten Job als Einrichter in einer Werkzeugschleiferei aufgeben und irgend etwas Lukratives beginnen.

Ein einziges Mal während der Heimfahrt zuckte er zusammen, als hinter ihm ein Martinshorn ertönte. Dabei handelte es sich nur um einen Rettungswagen. Die karibische Sonne würde seinen Nerven sicher guttun.

Daheim packte er einen Koffer und versteckte den größten Teil des Geldes, da die Banken am Wochenende geschlossen hatten, zwischen altem Gerümpel im Keller. Wie eine hastige Kontrolle ergab, handelte es sich um eine halbe Million. Mit dem Rest machte er sich auf den Weg zum Flugplatz.

"Haben Sie noch irgendeinen Last Minute Flug in die Karibik? Ich habe überraschend Urlaub bekommen."

Die freundliche Dame am Schalter befragte den Computer.

"19 Uhr 26 nach Montego Bay oder 21 Uhr 57 nach Punta Cana", schlug sie vor.

"Lieber Jamaica", entschied sich der Mörder für den früheren Termin. Ihm war erst richtig wohl, wenn er sich in der Luft befand.

Er zahlte den geforderten Preis und musste sich einen Moment gedulden, bis das Ticket ausgedruckt wurde.

Zwei Männer traten von hinten an ihn heran. Schwer legte sich eine Hand auf seine Schulter. "Machen Sie keine Dummheiten!", warnte eine frostige Stimme, während er nach Waffen durchsucht wurde. "Es war ein Fehler, mit dem erbeuteten Geld zu bezahlen. Die Nummern der Hunderteuroscheine wurden notiert. Außerdem konnten wir uns denken, dass Sie versuchen würden, sich ins Ausland abzusetzen."

Ulf begriff noch immer nicht, wie sie ihm auf die Spur kommen konnten. Es gab mit Sicherheit keinen Zeugen für die Tat. Claudia und Meißner waren tot. Wo lag der Fehler?"

In einem Polizeifahrzeug wurde er in die Stadt zurückgebracht. Hier wurde er einem Mann gegenübergestellt, den er noch nie gesehen hatte.

"Erkennen Sie seine Stimme wieder, Herr Dr. Meißner", wurde dieser vom Hauptkommissar gefragt. Der andere hob die Schultern. "Am Telefon klingt die Stimme anders", gab er zu bedenken. "Außerdem hat sie der Schuft zweifellos verstellt, als er das Lösegeld für meine entführte Schwester forderte." Er stürzte auf Ulf zu und packte ihn am Kragen. "Wo ist Nadine?", schrie er ihm ins Gesicht. "Was hast du mit ihr gemacht?"

Der Beschuldigte beteuerte verzweifelt, nichts mit dem Kidnapping zu tun zu haben. Ihm war aber auch klar, dass er erklären musste, wie er zu dem Lösegeld in Meißners Tasche gekommen war. Und das kam aufs Gleiche heraus.

 

 

 

Zwei Fliegen mit einer Klappe

"Er weiß alles, Liebster", klang Katja Reinfelds Stimme verzweifelt aus dem Telefonhörer. "Was soll ich nur tun? Eugen hat gedroht, mich umzubringen, wenn ich mich nicht von dir trenne."

"Nur die Ruhe bewahren", empfahl Markus Steffen. "Er kann überhaupt nichts wissen. Wir waren immer so vorsichtig. Wahrscheinlich wollte er nur auf den Busch klopfen. Du hast doch nicht etwa alles zugegeben?"

"Leugnen war sinnlos", kam es mühsam. "Er wusste sogar deinen Namen und kannte verschiedene Orte, an denen wir uns in der letzten Zeit getroffen haben. Er muss einen Detektiv beauftragt haben, mich zu beobachten. Ich habe ihn auch im Verdacht, dass er meine Telefongespräche abhören lässt. Deshalb rufe ich jetzt von der Zelle aus an. Ich habe Angst."

"Das brauchst du nicht", versuchte Markus Steffen sie zu beruhigen. "Wir finden schon einen Ausweg. Verzichten werde ich keinesfalls auf dich. Lieber würde ich sterben."

"Sterben?", schrie Katja Reinfeld. "Du? Warum nicht er?"

"Du meinst, es würde ihm das Herz brechen, dich endgültig zu verlieren?"

Die Frau lachte auf.

"Dazu ließe er es nicht kommen", war sie sicher. "Er kann so brutal sein, wenn es nicht nach seinem Willen geht. Als Vorstandsmitglied fürchtet er einen Skandal, der seiner Karriere schaden könnte. Er ist eine Gefahr, Liebster, glaube es mir."

Markus Steffen schwieg sekundenlang, bevor er sagte: "Du meinst also, es wäre besser, wenn er ..."

"Du bist doch Arzt", fiel sie ihm erregt ins Wort. "Du kennst sicher ein Mittel, das sich nach dem Tod im Körper nicht nachweisen lässt."

"Ich denke darüber nach", versprach der Mann. "Verliere nicht die Nerven!"

Ein paar Tage darauf trafen sie sich in einem abgelegenen Dorf.

"Ist dir jemand gefolgt?", forschte Markus Steffen.

Katja Reinfeld verneinte. "Jedenfalls habe ich nichts bemerkt."

"Deine Sorge ist bestimmt völlig unbegründet."

Sie nahm die Sonnenbrille ab und blitzte ihn mit ihren dunklen Augen an, von denen das eine violett umrahmt war.

"Unbegründet?", flüsterte sie hasserfüllt. "Er hat mich geschlagen. Ich halte das nicht länger aus. Hast du dir meinen Vorschlag durch den Kopf gehen lassen?"

Der Arzt nickte und nahm ein Glasröhrchen aus der Sakkotasche.

Details

Seiten
70
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738926026
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
greiff zeugen

Autor

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Titel: HK Greiff und die stummen Zeugen