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Die Raumflotte von Axarabor #59: Das Raumschiff in der Zeitschleife

2018 78 Seiten
Reihe: Axarabor

Leseprobe

Das Raumschiff in der Zeitschleife

Die Raumflotte von Axarabor - Band 59

von Roland Heller


Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Eine Raumschlacht, welche die Ortungsgeräte der ACCOUNT anzeigen, veranlasst das Trägerschiff, seinen Kurs zu ändern und nach dem Rechten zu schauen. Dabei gerät die ACCOUNT in eine Zeitschleife. Die gegnerischen Kräfte des Planeten stehen vor der Wahl: UNTERGANG oder STILLSTAND DER ZEIT.



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

„Starke Energieechos voraus!“, meldete Adrian Kabaniuk.

Die Stimme des Orters durchdrang in einer Lautstärke, die eigentlich weder üblich noch notwendig war, solange sich das Schiff weder in einem Gefecht noch sonst in einer Gefahrensituation befand, die Zentrale der ACCOUNT. Auf jeden Fall bewirkte sie, dass ihr augenblicklich die Aufmerksamkeit gewährt wurde.

Im Prinzip mussten Raumfahrer geduldige Menschen sein. Die immensen Entfernungen brachten es mit sich, dass jeweils längere Flugetappen zwischen den einzelnen Zielen zurückzulegen waren – und da spielte es sich auch ein, dass diese Zeit jeweils durch individuelle „Ablenkungen“ überbrückt wurde. Der Mann an den Ortungsgeräten zum Beispiel suchte nicht nur den unmittelbaren Bereich in der Flugrichtung ab, sondern sondierte in weitem Umkreis die Umgebung des Schiffes. In diesem Sinn war die Bezeichnung „Voraus“ nicht absolut korrekt, aber niemand an Bord scherte sich darum. Jede Abwechslung wurde dankbar angenommen.

Commander Eneim trat sogar interessiert an das Pult des Orters und studierte aufmerksam die zahlreichen Echos, die ein Bildschirm in grafische Symbole umwandelte.

„Was geht hier draußen vor?“, sinnierte der Orter. „Wer verschleudert hier so viel Energie?“

„Das sieht nach einer Raumschlacht aus“, meinte Eneim und deutete auf die grafische Darstellung. Wenn die Energieblitze korrekt abgebildet wurden, konnte man von zwei Schlachtlinien sprechen, die sich gegenseitig zu vernichten trachteten.

„Welcher Sektor liegt geradeaus?“, fragte Eneim. „Verfügen wir über Informationen?“

Die restlichen Stationen in der Zentrale hatten sich natürlich längst in das Geschehen eingeklinkt. Eneim musste demnach keine weiteren Erklärungen abgeben.

„Eine gelbe Sonne vom Standard-Typ. Auf dem dritten Planeten – er heißt Horuns - sollte eine Kolonie bestehen, es gibt allerdings keine näheren Informationen darüber.“

„Die Energieechos halten an!“, verkündete der Orter

„Wenn es wirklich eine Raumschlacht ist ...“, sagte Eneim, ließ den Satz aber unvollendet. „Wir sind es uns schuldig, der Sache nachzugehen“, sagte er fest. „Wir ändern geringfügig den Kurs und steuern Horuns an.“


*


Ein nur schwach spürbarer Stoß rüttelte die ACCOUNT wenige Lichtminuten vor dem System und brachte die künstliche Schwerkraft für einen Augenblick ins Wanken. Was von den meisten Besatzungsmitgliedern nicht einmal bemerkt wurde, zeichneten die Sensoren, die überall im Schiff angebracht waren, natürlich auf.

In der Zentrale bemerkte Orter Adrian Kabaniuk lediglich ein rot blinkendes Licht auf seinen Konsolen. Es hatte sicherlich seit mehreren Sekunden seine Blinkzeichen von sich gegeben, ehe der Orter darauf aufmerksam wurde, doch nun reagierte er erstaunlich schnell. Ein paar wenige Handgriffe, dann erschienen auf seinem Bildschirm lange Reihen von Zahlen und schließlich das Ergebnis einer Analyse in für jedermann verständlichen Schriftzeichen.

„Wir haben soeben eine Barriere durchflogen!“, gab Kabaniuk durch und legte das Bild seines Monitors zusätzlich auf das Kommandopult von Eneim.

Eneim warf nur einen Blick darauf, dann sagte er barsch: „Kannst du dich etwas deutlicher erklären? Barriere ist ein dehnbarer Ausdruck.“

„Tut mir leid, mehr verraten mir meine Geräte nicht. Die Barriere liegt wie eine Glocke um den dritten Planeten. Offensichtlich soll sie etwas abhalten.“

„Für feste Materie ist sie jedenfalls nicht gedacht. Dazu ist sie zu schwach“, stellte Eneim befriedigt fest „Gibt es gar keinen Hinweis auf die Struktur der Strahlung?“

„Sie schwingt im hochenergetischen Bereich und ist extrem kurzwellig. Wenn wir uns nicht gerade stundenlang im Zentrum aufhalten, ist sie für uns absolut unschädlich.“

„Du bist dir sicher?“

„So sicher wie die Ergebnisse, die mir meine Geräte liefern.“

„Versuche es weiter. Vielleicht lässt sich die exakte Struktur feststellen. Ich wüsste gerne, womit wir es zu tun haben.“

„Nicht nur Sie. Ich unternehme mein Möglichstes“, versprach der Orter. „Aber vorerst sollten wir darauf achten, nicht in die Schusslinie zu geraten. Da stehen sich tatsächlich zwei feindliche Gruppen gegenüber und liefern sich eine Raumschlacht.“

Der Orter legte das Bild seines Monitors auf den Hauptschirm. Trotz der relativen Nähe zeigte das Bild aber lediglich die zahlreichen Energieblitze, die deutlich sichtbar von zwei Linien ausgingen und aufeinander zuschossen. Die meisten dieser Linien verpufften irgendwo in der Weite des Raumes, hier und da trafen die Blitze anscheinend auf ein Hindernis, dann fächerte der Blitz plötzlich blumenartig auf und umfloss ein Gebilde, das sehr wohl ein Raumschiff sein konnte. In den meisten Fällen blieb es bei diesem Schauspiel.

Ein Gongschlag unterbrach das Gespräch des Commanders mit dem Orter und lenkte die Aufmerksamkeit auf den großen Bildschirm.

„Wir bekommen exaktere Daten!“, erklärte Kabaniuk.

Obwohl das Bild hauptsächlich den dunklen Weltraum zeigte, starrte die Zentralebesatzung gebannt darauf. Immer wieder blitzten helle Lichtpunkte auf. Deutlich ließen sich zwei Linien ausmachen, von denen die Lichtblitze ausgingen und die dann aufeinander zuschossen, so schnell, dass das Augen den einzelnen Bewegungen kaum zu folgen vermochte.

Die ACCOUNT befand sich noch zu weit entfernt, um Genaueres feststellen zu können, aber der Verdacht, dass sich hier zwei feindliche Kräfte gegenüberstanden und sich eine Raumschlacht lieferten, verdichtete sich.

Die meisten der Lichtkaskaden verpufften ohne sichtbare Wirkung und verloren sich irgendwo im All. Ihre Lichtintensität ließ nach knapp einer Minute rapide nach. Der Treibstoff schien aufgebraucht zu sein. Ein paar wenige trafen jedoch ihr Ziel und konnten ihre Vernichtungskraft ausspielen, denn dann blähte sich das Licht zu einem gewaltigen Ball auf, überstrahlte für kurze Zeit alles andere, ehe es in tausende Lichtsplitter zerfiel. Der Vorgang ähnelte der Explosion einer Supernova, erschreckend in seiner Auswirkung, aber faszinierend in seiner gewaltigen Schönheit, wenn der Feuerball das gesamte Farbspektrum durchlief, ehe er zu Nichts verpuffte.

„Commander, sollen wir in den Kampf eingreifen?“

Eneim schüttelte den Kopf.

„Nicht aktiv, vorerst jedenfalls nicht. Aber vielleicht sollten wir beide Seiten dazu veranlassen, ihre Kampfhandlungen einzustellen, zumindest bis wir exakte Informationen sammeln können, was sich hier tatsächlich abspielt.“

„Sie sind mit sich selbst beschäftigt“, sagte Ramon Pavlovic, der an den Kommunikationsgeräten saß und den Raum nach Funkmeldungen abhorchte. „Sie haben uns noch nicht entdeckt.“

„Dann lassen wir sie noch eine Weile in dem Glauben, dass sie unentdeckt sind.

Orter, was sagen die Waffenanalysen? Wie weit können wir uns nähern, ohne das Schiff selbst in Gefahr zu bringen?“

„Eine Lichtminute ist jederzeit noch drin“, meinte Kabaniuk. „Ihre Waffentechnik hinkt etwas unserem Stand nach, soweit ich das sehe. Circa 40 Prozent, das sind jene, welche wir auf dem Bildschirm sehen können, sind Energiewaffen, der Rest besteht aus konventionellen Feststoffen, die vermutlich in Form von Torpedos auf den jeweiligen Gegner zuschießen.“

„Lässt sich bereits etwas über die Defensivwaffen sagen?“

„Negativ. Entweder sind wir noch zu weit entfernt, um sie anzumessen – oder es gibt dort drüben keine Schutzschirme. Das erklärt vielleicht auch, weshalb der Kampf recht verlustreich zu sein scheint.“

„Raumschiff! Stopp!“, befahl Eneim.

Die ACCOUNT war kein Kriegsschiff. Aus diesem Grund war der Befehl des Commanders das Vernünftigste, was er in dieser Situation befehlen konnte. Die ACCOUNT war ein riesiger Trägerraumer, der zwischen den beiden Kugelelementen, die Zentrale und Antriebseinheit enthielten, an einem fast 500 Meter langen Dorn Andockbuchsen für nahezu hundert Raumer der verschiedensten Klassen bot.

Ursprünglich dazu gedacht, ein möglichst großes Raumgebiet nach verlorenen Kolonien abzusuchen - die ACCOUNT flog das jeweilige Zielgebiet an und die kleinen, wendigen Scoutboote schwärmten wie ein Hornissenschwarm aus und untersuchten sämtliche Sonnen und ihre Planeten, die sich in einer Kugel von zehn Lichtjahren befanden -, hatte sich ihr Einsatz erweitert und nun fanden sich neben den Scoutbooten auch bewaffnete Einheiten an Bord.

Sie vor allem wollte Eneim jetzt einsetzen.

Bevor er die Lage nicht genauer einschätzen konnte, hatte es wenig Sinn, die ACCOUNT einer Gefahr auszusetzen, der sie nicht gewachsen war. Als Trägerschiff besaß sie naturgemäß kräftige Antriebseinheiten, aber was das Beschleunigungsvermögen und die Höchstgeschwindigkeit betraf, zählte sie zu den langsameren Einheiten der Raumflotte von Axarabor.

Drei Boote sandte Eneim los. Sie sollten sich den feindlichen Flotteneinheiten so weit wie möglich nähern und Informationen sammeln.


*


„Dann sehen wir uns einmal an, was die zu bieten haben“, meinte Dorit Asher, die blonde Pilotin des kleinen Kampfraumers ARLIN, als sie die Systeme des Raumbootes hochfuhr.

Neben ihr setzte sich Hank Russi vor seine Kontrollen.

„Endlich wieder ein hübscher Anblick“, murmelte er so laut, dass es niemand überhören konnte.

„Wen meinst du?“, stichelte Ken Osura.

„Oder was?“, hinterfragte Aldo Sonntag.

Ohne zu überlegen deutete Hank auf Dorit, die ihm mit einem breiten Lächeln entgegensah.

„Vergiss nicht, dass dein Blick eigentlich auf etwas anderes konzentriert sein sollte“, sagte sie. „Wir sind jetzt im Einsatz.“

„Zu anderen Zeiten bekommt man dich ja kaum zu sehen.“

„Ich habe einen anderen Partner gewählt, Hank. Akzeptiere es einfach – und lass mich angezogen.“

Anstatt einer Antwort grinste Hank nur wie ein Schuljunge.

„Lass deine Augen bei dir“, meinte Dorit. „Die Einsatzmontur sollte dich ja nicht gerade verlocken!“

„Die Montur nicht unbedingt, aber das, was drinsteckt.“

„Anschnallen!“, befahl Dorit. „Es geht los.“

Sie kannte das Spiel, das ihre Besatzung jedes Mal startete, wenn ein Einsatz bevorstand, und sie kannte auch die schnellste Lösung, dieses Spiel augenblicklich zu beenden.

Sie koppelte das Schiff ab. Ein kurzer Schub der Seitendüse. Die ARLIN drehte sich in einem Winkel von 90 Grad vor der ACCOUNT. Die Heckdüsen wiesen nun nicht mehr auf das Schiff. Im nächsten Moment röhrte das Hecktriebwerk einmal kurz auf. Der kurze Schub genügte, die ARLIN von ihrem Trägerschiff zu lösen und genügend Abstand zu gewinnen, damit die Haupttriebwerke eingesetzt werden konnten, ohne das Mutterschiff zu gefährden.

„Kursangabe“, verlangte Dorit.

Hank gab die Daten durch. Richtig geschäftsmäßig lief der Vorgang nun ab.

„In zehn Minuten sollten wir Sichtkontakt haben“, meldete Aldo.

„Die Flotte dort drüben hält absolute Funkstille ein“, meldete Ken Osura. „Meine Geräte fangen nicht einen einzigen Spruch auf.“

„Vielleicht haben sie keinen Funk?“, mutmaßte Aldo.

„Irgendwie müssen sie sich ja verständigen“, brummte Hank.

„Aber nicht über Funkwellen“, beharrte Ken.

„Vielleicht steht auf jedem Schiff ein Melder mit den verschiedensten Flaggen?“, überlegte Aldo.

“Mach dich nicht lächerlich. Das sieht doch keiner bei diesen Verhältnissen.“

„Lasst euch überraschen“, riet Dorit. „Vielleicht haben sie einen Wellenbereich entdeckt, der uns unbekannt ist – oder einen anderen Träger für die Übermittlung.“

„Hm“, brummten Hank und Aldo fast gleichzeitig.

„Es geht jetzt tatsächlich los!“, sagte Dorit.

Im nächsten Moment presste sie ein leichter Andruck in ihre Sitze. Die tatsächlichen Kräfte, die auf sie einwirkten, wurden von den Absorbern fast vollständig abgefedert, das Gefühl der Bewegung und der Kraft, die in den Triebwerken steckte, war jedoch stets präsent.

Der kleine Kampfraumer richtete seine Nase in die angegebene Richtung und beschleunigte stetig.

Als Kampfboot verfügte das Boot über keine direkte Sicht nach draußen. Sichtscheiben gehörten zu den empfindlichsten Teilen eines Bootes. Zu leicht konnten sie von den Kampfstrahlen des Gegners als Ziel angepeilt werden, denn dort, wo eine massive Stahl- oder Kunststoffhülle den Rumpf schützte, war ein Teil der Außenhülle, die nur den Bruchteil der Schutzfunktion der eigentlichen Schiffswand erfüllte, ein lohnendes Ziel. Über die Bildschirme verfolgte die Besatzung die Annäherung.

Anfangs tat sich erwartungsgemäß nichts. Die Bildschirme zeigten lediglich die Schwärze des Weltraums, die diffus leuchtenden Sterne, deren Licht nicht ausreichte, dass man irgendetwas tatsächlich erkennen konnte.

Doch nach etwa zehn Minuten Flug zeigten die Bildschirme erste Variationen des monotonen Bildes.

Das Laserfeuer der feindlich sich gegenüberstehenden Raumer erleuchtete die Umgebung. In diesem Licht konnte die Besatzung der ARLIN die ersten Einzelheiten erkennen. Die beiden anderen Boote, die ebenfalls der Kampfzone zusteuerten, fächerten ab.

Die Schiffe waren klein. Sie boten höchstens zwei Mann Platz, vermutlich wurden sie jedoch nur von einem Mann oder einer Frau geflogen. Sie gleichen in ihrer Zigarrenform der billigsten Variante einer Kampfrakete. Zwei Typen ließen sich unterscheiden. Der Bug des ersten Typs zeigte deutlich erkennbar die Austrittsöffung einer Strahlwaffe. Sie war anscheinend starr eingebaut. Das hieß, der Pilot musste mit seinem Raumschiff zielen. Der größte Teil des Bootes befand sich hinter der transparenten Kuppel, durch die man deutlich den Kopf des Piloten erkennen konnte. Wenn man berücksichtigte, dass der unförmige Raumanzug den Körper nicht deutlich erkennen ließ, konnte man von dem allgemeinen Eindruck jedoch durchaus auf einen humanoiden Körperbau schließen.

Der zweite Schiffstyp trug unter dem Pilotensitz eine deutlich erkennbare Abschussrampe für raketenförmige Geschosse.

Was der Besatzung der ARLIN noch auffiel: Beide Parteien verfügten über nahezu die gleichen Waffensysteme. Das ließ natürlich den Schluss zu, dass hier zwei rivalisierende Gruppen auf einer technologisch gleichwertigen Entwicklungsstufe aufeinander getroffen waren.


*


Die drei Kampfboote der ACCOUNT näherten sich frontal der Kampflinie und konnten bald Einzelheiten mit bloßen Augen erkennen.

Zwei in etwa gleich starke Einheiten standen sich gegenüber. Die kleinen Raumschiffe wirkten auf den ersten Blick träge, erwiesen sich aber als erstaunlich beweglich und wendig, wenn es galt, den gegnerischen Torpedos auszuweichen. Nur den Energiestrahlen konnten sie wenig entgegensetzen. Diese kamen zu schnell auf sie zu. Glücklicherweise waren nur die wenigsten Boote damit ausgerüstet, offensichtlich stellten sie die neueste Baureihe dar. Doch auch hier kam es darauf an, wo die Strahlen trafen. Es zeigte sich, dass auf beiden Seiten die Boote relativ robust waren und einen Treffer ohne Weiteres wegstecken konnten, wenn nicht gerade der Antriebsteil getroffen worden war.

Etwa fünfzig Boote standen sich jeweils gegenüber. Wie viele es ursprünglich gewesen waren, ließ sich nicht mehr genau eruieren, aber die zahlreichen Wracks, die zwischen den noch kämpfenden Einheiten trieben, ließen vermuten, dass die Stückzahl ehemals fast doppelt so hoch war.

Mit brutaler Rücksichtslosigkeit, die Piloten schienen auf das eigene Leben anscheinend überhaupt nicht zu achten, flogen die kleinen Kampfboote ihren Einsatz.

Und all das geschah in gespenstischer Stille.

Die Besatzungen der Kampfboote der ACCOUNT hörten wie gewohnt sämtliche Frequenzen ab, doch alle Kanäle blieben stumm. Die Boote verfügten offensichtlich über keinen Funk. Das hieß gleichzeitig, dass die Bodenkontrolle mit den Piloten ebenfalls nicht in Kontakt treten konnten.

Aber auch sie hatten keine Möglichkeit, mit den Piloten in Kontakt zu treten.

Wie sollten sie ihre Friedensmission nun erfüllen?

Bald waren die drei Boote nahe genug, dass sie auch von den Piloten der Kämpfenden gesehen werden konnten.

Beide Gruppen vermuteten in ihnen wahrscheinlich einen Trick des Gegners bzw. eine überraschend neue Kampfbootvariation.

Plötzlich stellten die Kampfboote der ACCOUNT das Ziel dar.

Die Torpedos suchten konzentriert ein gemeinsames Ziel. Der Schutzschirm des ersten voranfliegenden Kampfbootes flackerte auf. Die erste Salve konnte der Schirm noch abwehren, dann durchschlug ein Torpedo inmitten des auftreffenden Laserfeuers den Schirm der LANTA und schlug mit verheerender Wucht in das Kampfboot ein. Die aufgeregten Stimmen und Schreie der Besatzung konnte über Funk in den beiden anderen Booten vernommen werden.

„Wir versuchen eine Landung“, vernahmen die Besatzungen noch, dann sahen sie, wie das Boot in einem Feuerball explodierte.

Plötzlich hatte Dorit alle Hände voll zu tun, um den heransausenden Torpedos zu entgehen. Nach dem erfolgreichen Abschuss des ersten Bootes konzentrierten sich die Piloten der kämpfenden Verbände mit vermehrter Vehemenz auf die beiden weiteren Kampfboote. Kurioserweise bildeten die beiden verfeindeten Einheiten in diesen Sekunden so etwas wie eine Kampfeinheit.

Aber ohne Kommunikationsmöglichkeit gab es keine Chance, das Missverständnis aufzuklären.

„Wir setzen uns ab!“, gab Hank Russi dem anderen Boot Bescheid.

Dorit nickte nur und drückte den Beschleunigungshebel bis zum Anschlag. Sie entkam mit atemberaubenden Manövern dem feindlichen Beschuss. Auch das zweite Boot konnte sich absetzen.

Der Triebwerksleistung der Schiffe von Axarabor konnten die Planetarier nichts entgegensetzen.

In einer weiten Schleife näherten sich die Kampfboote von Axarabor erneut dem Kampfgebiet.

„Ich werd` verrückt!“, sagte Aldo Sonntag. „Die Wahnsinnigen vernichten sich schon wieder gegenseitig.“

„Verdammt!“, stimmte Hank zu. „Was geht hier wirklich vor?“

„Krieg!“, sagte Dorit. „Da sitzen zwei Gruppen, die nicht mehr miteinander reden können. So hat es zumindest den Anschein. Anstatt zu reden, schießen sie aufeinander.“

„Kann man die stoppen?“, meinte Ken Osura.

“Wie denn, wenn man sie nicht erreichen kann.“

„Wir werden einen Weg finden“, zeigte sich Dorit überzeugt.

„Aber es muss rasch gehen. Wenn sie so weitermachen, ist die Schlacht in einer halben Stunde entschieden“, sagte Hank Russi.

Es dauerte nicht einmal mehr eine halbe Stunde.

Sowie die eine Seite eine deutliche Übermacht verzeichnen konnte, verschob sich das Kräfteverhältnis zusehends, denn ab diesem Zeitpunkt warfen sich regelrecht bis zu drei Maschinen auf einen Gegner. Der besaß gegen diese Übermacht keine Abwehrmöglichkeit mehr.

Zehn Minuten später verringerte sich die Zahl der sichtbaren Energieblitze zusehends. Ein Teil der siegreichen Flotte wandte sich bereits von dem Kampfgeschehen ab und steuerte den Planeten an.

„Sie haben den Gegner komplett aufgerieben“, stellte Hank Russi stoisch fest.

„Wir sollten ihnen auf den Planeten folgen“, sagte Dorit. „Ich fürchte Schlimmeres.“

„Du meinst …?“ Aldo Sonntag blickte die Pilotin fragend an.

„Ja“, sagte sie, „das meine ich. Nachdem sie die Schlacht im Weltraum gewonnen haben, werden sie ihre Macht wohl auch auf dem Planeten festigen wollen.“

Ihre Stimme klang fest – und nur mühsam unterdrückte sie das Zittern ihrer Stimmbänder, aber es klang für alle hörbar durch.

„So grausam können sie doch nicht sein“, hoffte Aldo.

„So grausame Beispiele gibt es leider genug in unserer Geschichte“, antwortete Dorit und lenkte das Kampfboot in die Atmosphäre von Horuns.

Die Jäger der Eingeborenen hatten vor dem Eintritt in die Atmosphäre die Geschwindigkeit stark gesenkt, trotzdem glühten die Nasen der Torpedoschiffe hellrot auf. Die laserbestückten Schiffe gehörten anscheinend einem neueren Typus mit verstärktem Hitzeschild an, denn sie befanden sich bereits tief in der Atmosphäre.

Die ARLIN hatte um ihren Rumpf längst den Energieschild gelegt. Sie brauchte keine Rücksicht darauf zu nehmen, dass sie beim Eintritt in die Atmosphäre verglühen könnte.

So kam sie rechtzeitig in Bodennähe, um mitzubekommen, dass die erste Rotte der zurückgekehrten Raumschiffe eine Stadt angriff und sie systematisch in Schutt und Asche legte.

Details

Seiten
78
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738925920
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
raumflotte axarabor raumschiff zeitschleife

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #59: Das Raumschiff in der Zeitschleife