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Hallo, ich bin Ihre Ehe-Hostess! Redlight Street #63

©2018 120 Seiten

Zusammenfassung

REDLIGHT STREET #63

von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

Ihr Mann hat sie mit der jüngeren Lizzi betrogen. Nun ist Leonore geschieden und lebt mit ihrem kleinen Sohn in einer kleinen Wohnung. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr und nimmt ihr auch den Jungen. Ihre Arbeitskollegin Elisabeth nimmt sich der niedergeschlagenen Leonore an. Und bald erfährt diese, welcher Nebenbeschäftigung Elisabeth am Abend nachgeht. Noch kann sie sich mit dem Vorschlag der Freundin nicht anfreunden, selbst eine Ehe-Hostess zu werden ...

Leseprobe

Hallo, ich bin Ihre Ehe-Hostess!

REDLIGHT STREET #63

von G. S. Friebel


Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.


Ihr Mann hat sie mit der jüngeren Lizzi betrogen. Nun ist Leonore geschieden und lebt mit ihrem kleinen Sohn in einer kleinen Wohnung. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr und nimmt ihr auch den Jungen. Ihre Arbeitskollegin Elisabeth nimmt sich der niedergeschlagenen Leonore an. Und bald erfährt diese, welcher Nebenbeschäftigung Elisabeth am Abend nachgeht. Noch kann sie sich mit dem Vorschlag der Freundin nicht anfreunden, selbst eine Ehe-Hostess zu werden ...



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Leonore Gessner hatte ziemlich lange dazu gebraucht, um es wirklich zu begreifen, um einzusehen: Alles ist zu Ende, vorbei! Ich kann nichts mehr ändern. Nun ist es soweit!

Anfangs war es für sie sehr schrecklich gewesen. Sie hatte oft geweint, war so hoffnungslos gewesen und hatte, obwohl sie erst fünfundzwanzig Jahre alt war, gedacht: Das Leben ist für mich sinnlos geworden. Was soll ich nur tun?

Aber da war noch Uwe. Er brauchte sie. Sie musste sich um ihn kümmern. Sie durfte nicht mehr so viel weinen, das machte ihn auch ganz krank. Uwe war fünf Jahre alt und ihr Sohn. Seit zwei Wochen war sie jetzt geschieden. Ihre Lider zitterten noch immer, wenn sie daran dachte.

Sechs Jahre Ehe, sechs Jahre Zusammensein, das konnte man nicht so einfach aus seinem Leben löschen. Und sie war ja so ahnungslos gewesen, sie hatte mit keiner Silbe gesagt: Ich will allein sein. Aber es hatte ja auch nicht an ihr gelegen.

Gerd hatte sie betrogen, schamlos und gemein. Mit einer Kollegin aus dem Büro. Leonore konnte es noch immer nicht fassen; sie war doch auch jung, hübsch, hatte ihm alles gegeben, was er nur wollte, und es war noch immer nicht genug.

Mit achtzehn Jahren hatte sie ihn kennengelernt. Sie hatten sich gleich ineinander verliebt und sehr schnell geheiratet. Gert hatte den Sohn haben wollen. Und wie stolz war er gewesen, als Uwe auf die Welt kam. Leonora liebte ihn auch leidenschaftlich. Er war ja so hilflos und so klein. Aber ein ganz klein wenig war sie damals auch wehmütig gewesen, denn sie hatte ihre Stelle als Anwaltsgehilfin aufgeben müssen, und sie hatte so gern gearbeitet. Es war interessant gewesen, und sie hatte so viel Abwechslung gehabt. Aber jetzt war das Kind da, und sie musste sich ihm ganz widmen. Gerd verdiente nicht schlecht, und sie besaßen auch eine hübsche Wohnung. Urlaub, Auto, all das konnten sie sich leisten. Leonore war eine fabelhafte Frau und gute Gastgeberin. Viele beneideten Gerd um sie, und Leonore wusste das und freute sich darüber.

Uwe machte ihr viel Freude, und sie hatte ja jetzt so viel Zeit für ihn.

Gerd kam erst abends nach Hause. So lag stets ein langer Tag vor ihr, und ein fünfjähriger Junge muss nicht mehr so gehegt werden wie ein Säugling. Aber sie versuchte auch jetzt noch einen Sinn in ihr Leben zu bringen und freute sich immer, wenn Gerd heimkam. Sie war aber auch bemüht, ihn nicht zu sehr an sich zu ketten. Er sollte nicht das Gefühl haben, von ihr völlig in Beschlag genommen zu werden. Gerd nutzte das schamlos aus und ging oft abends noch fort, geschäftlich, sagte er immer. Aber es stimmte nicht.

Leonore war sich seiner sicher, sie machte ihm niemals Vorwürfe. Und wenn es dem Esel zu wohl geht, begibt er sich aufs Eis - das ist schon ein altes Sprichwort. Er flirtete gern, und so blieb es nicht aus, dass Lizzi ihn einfing, und das so gründlich, dass er die Scheidung einreichte.

Lizzi war das größte Biest in der Firma. Sie war achtzehn Jahre alt, hatte feuerrotes Haar. Sie hatte den Teufel im Leib. Sie verstand nichts von der Hausarbeit, sie wollte nur von den Männern begehrt werden. Gerd Gessner gefiel ihr, und sie streckte ihre langen roten Krallen nach ihm aus und fing ihn mit Sex!

Gerd war ihr verfallen, er war süchtig nach Lizzi, und so musste Leonore gehen.

Sie hatte nicht gekämpft. Sie fand das alles so gemein, so widerwärtig. Schweigend hatte sie ihren Sohn genommen, hatte die gemeinsame Wohnung verlassen, ja, sie war so stolz, dass sie auf eine Unterstützung verzichtete. Sie zog in eine kleine Wohnung. Gerd musste für Uwe zahlen, versprach auch, ihn oft zu besuchen, aber nicht einmal das tat er.

Nach langem Suchen erhielt sie dann auch eine Stelle als Verkäuferin in einem Geschäft. Sie musste die meiste Zeit Ware in die Regale packen. Leonore war oft sehr verzweifelt.

Uwe war tagsüber im Kinderhort und sehnte sich nach der Mutter. Er war noch so klein und begriff das alles gar nicht. Jetzt hatte sie kaum noch Zeit für ihn. Erschöpft und müde kam sie abends heim, und dann musste auch noch der Haushalt gemacht werden, die Wäsche und was so anfiel. Später fiel sie wie ein Stein ins Bett und schlief traumlos ein. Sie hatten jetzt kein Auto mehr, unternahmen keine wundervollen Reisen, es gab keine Partys, keine Freunde, und das war eine große Umstellung.

Leonore litt sehr. Sie magerte ab und war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und dabei war sie doch erst fünfundzwanzig Jahre alt, und sie war sehr hübsch mit dem schwarzen Haar, den großen, dunklen Augen, der geschmeidigen Figur.

Sie litt still und versuchte die glücklichste Zeit ihres Lebens zu vergessen. Aber es ging eben nicht. Man hatte ihr zu viel angetan. Leonore konnte einfach nicht begreifen, was sie falsch gemacht hatte.

Bis sie eines Tages Elisabeth kennenlernte.

Sie arbeitete im selben Geschäft wie Leonore, aber auf dem Büro. Leonore musste von ihr die Lieferscheine holen, die Listen, und war oft dienstlich mit ihr zusammen. Elisabeth merkte schnell, dass Leonore mehr konnte als nur Ware einpacken. Es dauerte auch nicht sehr lange, da erfuhr sie von Leonore, dass diese früher bei einem Anwalt gearbeitet hatte. Aber in der heutigen Zeit war es nicht so einfach, eine Stelle zu bekommen. Man musste schon froh sein, wenn man einen gut bezahlten Job erhielt, egal in was für einer Branche.

»Aber das muss Sie doch kränken«, sagte Elisabeth.

Leonore zuckte die Schultern.

Elisabeth war ein Rasseweib, blond, vollbusig und langbeinig. Sie war nicht verheiratet und war bestimmt schon etwa achtundzwanzig Jahre alt. Sie hatte eine rauchige Stimme, besaß einen Sportwagen und war immer lustig.

Leonore verstand das nicht. Wieso konnte sie sich das alles von ihrem Gehalt leisten? Aber vielleicht hatte sie eine Erbschaft gemacht oder hatte begüterte Eltern. Das ging sie aber nichts an. Sie war noch nie neugierig gewesen, und eine Klatschtante schon gar nicht.

Sie konnten sich nur immer ein paar Minuten unterhalten, dann musste Leonore wieder ins Geschäft. Elisabeth mochte sie seltsamerweise. Immer wenn Leonore den Kopf hob, sah sie Elisabeth hinter der dicken Glasscheibe sitzen und ihr zulächeln. Leonore fühlte sich dann irgendwie geborgen. Da gab es einen Menschen, mit dem sie sich hin und wieder unterhalten konnte. Das war für sie unendlich viel. Denn Eltern hatte sie auch nicht mehr, und die Verwandten von Gerd hatten sich sofort von ihr zurückgezogen. So ist das ja immer bei einer Scheidung. Der Mann behält seinen Bekanntenkreis, aber die Frau wird ausgestoßen. Die anderen Frauen haben Angst, sie einzuladen. Sie fürchten, sie könnte sich nun womöglich an die Männer in ihrem Bekanntenkreis heranmachen. Deshalb brechen sie die Verbindung einfach ab.

Leonore war einsam und verzweifelt und verstand die Welt nicht mehr. Uwe wurde ein störrisches Kind und ließ sich nichts mehr sagen. Er war nicht mehr der liebe kleine Junge, und was noch viel schlimmer war, er sprach jetzt immerzu vom Vater, wollte zu ihm hin, hielt die Mutter für böse. Er glaubte, sie sei es gewesen, die den Vater fortgeschickt hatte. Mit dem Vater war alles viel schöner, toller, einfach besser gewesen, und er wollte zu ihm.

Leonore litt sehr darunter. Sie wollte nicht auch noch ihren kleinen Jungen verlieren, denn dann hatte sie gar nichts mehr, worüber sie sich freuen konnte.

Uwe wurde im Kinderhort bösartig und gemein, und Leonore wurde immer wieder zur Leiterin bestellt. Aber sie wusste nicht, was sie tun sollte. Leonore verstand Uwe. Er war auch verzweifelt und einsam und wusste nicht, dass sie sich jetzt nichts mehr leisten konnten, er auch kein schönes Kinderzimmer mehr besaß, sondern eine ganz kleine Kammer, wo gerade ein Bett und ein Schrank hineinpasste. Hinzu kam ja auch noch, dass sie in eine ganz andere Gegend gezogen waren. So hatte er auch Abschied von den früheren Spielkameraden nehmen müssen.

Sein Vater hatte sich auf elegante Art und Weise verzogen und hatte es Leonore überlassen, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. Mit fünf Jahren aber begriff man noch nichts, und weil die Mutter es gewesen war, die ihn aus der alten Wohnung mitgenommen hatte, glaubte er jetzt mit Recht, sie sei die Schuldige.

Verzweifelt wartete er auf den Vater, um mit ihm wieder fortzugehen. Leonore konnte dieses stumme Leiden kaum mit ansehen. Es ging bald über ihre Kräfte.

Und dann hielt sie es nicht mehr aus und rief Gerd im Betrieb an. Er meldete sich auch sofort. Als sie seine Stimme hörte, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen.

»Kannst du nicht mal den Jungen besuchen? Oder ihn für ein paar Stunden holen? Er ist so verzweifelt und möchte dich wiedersehen. Du hast es doch versprochen. Es ist doch auch dein Kind.«

Gerd zögerte.

»Ja, weißt du ...«

»Er ist verzweifelt, Gerd, er ist doch noch so klein, er versteht das nicht. Wenn du kommst und es ihm erklärst, vielleicht begreift er dann.«

»Gut«, sagte er. »Ich werde ihn am Sonntag holen, gleich nach dem Frühstück.«

Und sie hatte sich noch bedankt!

Ach, hätte sie damals schon in die Zukunft blicken können, sie hätte alles anders gemacht, alles! Aber man weiß ja eben nicht, was ein paar Tage später sein wird. Und sie hatte für Uwe doch nur das Beste gewollt.

Als sie ihn abends vom Kinderhort abholte und ihm sagte, am Sonntag würde der Papi kommen und ihn mitnehmen, da war er wie ausgewechselt und überglücklich. Zum ersten Mal nach langer Zeit hörte sie ihn wieder lachen und singen.

Leonore fühlte einen Stich im Herzen. Aber auch jetzt litt sie schweigend. Wem hätte sie sich auch anvertrauen sollen?

Viel später erfuhr sie, dass Gerd mit seiner jungen Frau wegen des Kindes seinen ersten Streit hatte. Lizzi konnte mit Kindern nichts anfangen und hatte geschimpft.

»Du zahlst doch für ihn, also, was will sie noch?«

Gerd musste damals schon gemerkt haben, wie herzlos sie im Grunde war, wie kalt und egoistisch. Er hatte Uwe auch lieb, aber er hatte ihn über den wilden Sex mit Lizzi eine Zeit vergessen. Aber jetzt, nachdem Leonore ihm gesagt hatte, Uwe brauche ihn, war er irgendwie wieder wach geworden.

»Ich werde den Jungen am Sonntag holen. Ich habe es versprochen, und außerdem ist es auch mein Kind, verstehst du!«

»Na schön, dann mache ich einen Bummel, gehe ins Kino, und vielleicht hat Lilo Zeit, dann können wir uns den Sonntag vertreiben.« Mit anderen Worten, sie wollte nicht daheim bleiben. Gerd hatte nur geschwiegen. Gleich nach dem Frühstück war er dann losgefahren.

Seit sieben Uhr hatte Uwe am Fenster gestanden und auf die Straße geblickt. Man konnte wirklich zu Tränen gerührt werden, wenn man die kleine einsame Gestalt dort stehen sah. Aber dann bog das Auto um die Ecke. Er sah es sofort,, und mit einem Schrei stürzte er nach draußen.

Gerd war wirklich sehr betroffen, als er den kleinen Kerl so verändert vorfand. Leonore ließ sich nur für einen kurzen Augenblick sehen. Auch sie hatte sich verändert, und er fühlte sich tief beschämt. Zwei Menschen hatte er todunglücklich gemacht, aus lauter Egoismus. Er hatte die ganze Zeit nur an sich gedacht, sich nie erkundigt, wie es ihr ginge, ob sie auch zurechtkäme. Ja, er hatte sich noch nicht einmal Gedanken darüber gemacht, wie schäbig es doch von ihm war, die ganze Wohnung zu behalten, ohne dass sie auch nur ein Stück für sich in Anspruch genommen hätte. Und dabei hatten sie damals doch alles gemeinsam zusammengetragen. Sie hatte doch auch noch eine Zeitlang gearbeitet und so Geld verdient.

In diesem Augenblick ging ihm so vieles auf, und er schämte sich wirklich. Und er erinnerte sich auch an vergangene Zeiten, in denen er sich noch wirklich der Familie gewidmet hatte, als man zusammen am Sonntag etwas unternommen hatte. Im Winter zum Beispiel war man rodeln gefahren und im Sommer segeln oder einfach wandern. Sie hatten Picknicks veranstaltet und so viele kleine lustige Feste mit den Freunden abgehalten. In diesem Augenblick, als er in die strahlenden Augen seines Sohnes blickte, da wusste er erst, dass die wirklichen Freunde sich auch von ihm zurückgezogen hatten. Er war ein Schuft gewesen!

Schmal, zerbrechlich, mit blassem Gesicht stand sie in der Haustür und fragte leise: »Wann bringst du ihn wieder? «

»Um sechs?«

»Ja, ich werde dasein.«

Strahlend kletterte Uwe zu ihm ins Auto, und gleich plapperte er los und wollte so vieles von ihm wissen. Von den alten Freunden auf der Straße, ob sie auch auf ihn warteten. Und so vieles, wovon er keine Ahnung hatte.

Gerd hatte vorgehabt, mit den Jungen eine kleine Fahrt zu unternehmen, irgendwo dann auszusteigen, zu essen, einen kleinen Spaziergang zu machen, und dann würde es wohl schon wieder soweit sein, dass man ihn nach Hause bringen musste. In diesem Augenblick nahm er sich vor, ihn jetzt öfters zu besuchen, auch wenn Lizzi dagegen war. Sie musste sich einfach daran gewöhnen. Und außerdem hoffte er, wenn sie erst einmal älter wurde, würde sie auch anders werden. Nicht mehr so flatterhaft. Er war zwölf Jahre älter als sie und kam sich manchmal in ihrer Gegenwart uralt vor. Das missfiel ihm auch. Bis jetzt hatte er nie an seiner Männlichkeit gezweifelt, hatte sich für einen tollen Hecht gehalten, aber was Lizzi ihm abforderte, das war zu viel. Da konnte auch der stärkste Mann nicht mehr mithalten. Er musste ja auch am nächsten Tag fit sein, er konnte sich nicht verschlafen an den Schreibtisch setzen und vor sich hindösen. Er brauchte auch einmal Ruhe, aber dann maulte sie und schmollte und nannte ihn einen wehleidigen Burschen. Gerd bereute schon ganz tief im Herzen, dass er diesen Schritt getan hatte.

Uwe wollte aber nicht durch die Gegend kutschiert werden, er wollte in die alte Wohnung. In seinem kleinen Köpfchen hatte er ja alles noch nicht verarbeitet, und so konnte er sich auch einfach nicht vorstellen, dass dort vielleicht alles ganz anders war.

Lizzi hatte eine ganze Menge umgeräumt; im Wohnzimmer zum Beispiel. Und das alte Schlafzimmer war ihr nicht gut genug gewesen. Sie hatte es kurzerhand verkauft und eine französische Spielwiese erworben, Glasschränke und dicke Teppiche. Gerd hatte damals nur gelacht und sich glücklich gefühlt, eine so tolle und unternehmungslustige Frau zu besitzen. Neben Lizzi war ihm Leonore so fade erschienen, darum hatte er sie ja auch so schnell verlassen können. Er war Lizzi regelrecht verfallen. Wie andere vom Rauschgift abhängig werden, so war er von dieser Frau besessen gewesen. Und seine Besessenheit hatte er mit Liebe verwechselt. Jetzt fragte er sich manchmal, ob Lizzi überhaupt in der Lage war, andere Menschen zu lieben, zum Beispiel ihn!

An den betroffenen Augen des Kindes merkte er erst einmal, wie verändert seine Wohnung jetzt war. Und es fiel ihm jetzt erst auf, dass sie längst nicht mehr so gemütlich war wie früher. Ja, und dann war auch das Kinderzimmer verschwunden. Uwe stand auf der Schwelle und starrte in den leeren Raum. Langsam liefen ihm die Tränen über die eingefallenen Wangen.

Gerd wusste sich nicht anders zu helfen, er sagte rasch: »Die Sachen stehen alle auf dem Speicher, weißt du, ich wollte die Wände neu anstreichen. Wenn alles neu ist, hole ich sie herunter.«

Er wollte ihn nur trösten und dachte bei sich: Morgen hat er das schon wieder vergessen. Aber genau das Gegenteil war der Fall!

Uwe war sofort getröstet, ja, er lächelte ihn sogar glücklich an und sagte: »Ich hab ja gewusst, dass du mich noch lieb hast. Ich weiß es ja, und jetzt krieg ich sogar ein feines Zimmer. Was haste denn für Tapeten ausgesucht, Papa?«

Ihm wurde der Kragen zu eng. Gerd hatte schon so manche schwierige Unterhaltung im Betrieb gemeistert, so schaffte er es auch jetzt, den Jungen bald von diesen Gedanken abzubringen. Da Uwe nicht essen gehen wollte, musste Gerd selbst etwas zubereiten und stellte dabei fest, wie heiter und glücklich die Stunden vergingen. Er hatte seinen Spaß an Uwe und nahm sich wirklich fest vor, ihn öfters zu holen.

Gerd dachte auch jetzt nur an sich, nicht an Leonore, die an diesem Tag ganz allein in ihrer kleinen Wohnung saß und unglücklich war. Nun hatte er ihr auch noch den Buben genommen.

Die Zeit ging wirklich sehr schnell vorbei, und er wunderte sich darüber. So vieles hatte er dem Buben versprochen, sich so prächtig mit ihm unterhalten, und als er jetzt ganz plötzlich sagte: »So, jetzt müssen wir uns aber beeilen, sonst kommen wir noch zu spät«, da hatte Uwe ihn groß angesehen.

»Wohin zu spät?«, hatte er gefragt.

»Aber Uwe, ich muss dich doch jetzt zur Mami zurückbringen. Hast du das vergessen?«

Uwe blickte ihn entgeistert an.

»Aber ich bleib doch jetzt bei dir! Hier wohnen doch alle meine Freunde. Ich will nicht mehr zurück, Papa, so versteh mich doch! Dann muss ich den ganzen Tag in den Hort, und so eine feine Wohnung hat die Mutti auch nicht. Und meine Freunde, ich will sie morgen alle begrüßen.«

Schluchzend verbarg er sich in einer Ecke und wollte freiwillig die Wohnung nicht mehr verlassen. Da habe ich mir ja was eingebrockt, dachte Gerd. Wenn er jetzt immer so ein Theater macht, dann kann ich ihn unmöglich so oft holen.

Langsam verlor Gerd die Geduld.

»So geht das nicht. Ich habe dir alles genau erklärt, hörst du. Ich bringe dich jetzt zurück, und wenn du mir nicht gehorchen willst, dann hole ich dich gar nicht mehr, Uwe.«

Riesengroße Augen starrten ihn an. Uwe verstand die Welt nicht mehr.

»Warum kann ich denn nicht bei dir bleiben?«, fragte er zitternd. »Warum denn nicht?«

»Junge, Bub, es hat sich so vieles geändert, hörst du, es geht nicht mehr.«

»Du hast mich also nicht mehr lieb«, sagte er leise, »du willst mich nicht mehr haben.«

»Komm jetzt, ich habe der Mama versprochen, dich pünktlich abzuliefern, und ich habe noch anderes zu tun.« Gerd nahm ihn bei der Hand und zog ihn die Treppe hinunter.

»Das nächste Mal bringe ich dir auch ein Spielzeug mit, das verspreche ich dir ganz bestimmt.«

Uwe ging neben ihm die Treppe hinunter. Wie oft war er hier hinuntergehopst, fröhlich, glücklich. Für ihn hatte alles so ausgesehen, als würde man immer glücklich sein.

Auf der Straße stand das Auto. Uwe sah es, und er wusste, er sollte wieder dahin, wo es gar nicht schön war. Und mit letzter Verzweiflung wollte er noch einmal versuchen dazubleiben.

Dann ging alles so schnell. Später konnte Gerd gar nicht mehr richtig sagen, wie es gekommen war. Uwe hatte sich ganz plötzlich von seiner Hand gerissen und war auf die Straße gelaufen. Vielleicht hatte er zum Spielplatz gewollt, man hat es nie erfahren. Er lief direkt in ein Auto hinein. Obwohl der Fahrer in letzter Sekunde verzweifelt versuchte, den Wagen zum Stehen zu bringen, überrollten die Räder ihn doch.

Gerd stand einen kurzen Augenblick wie erstarrt da und sah nur noch Uwes Beine und sonst nichts. Dann stürzte er mit einem gurgelnden Aufschrei nach vorn. Der Fahrer war herausgesprungen. Er war ganz weiß im Gesicht.

»Lassen Sie ihn liegen! Die Polizei und der Arzt kommen gleich«, wurde ihm gesagt.

Man hielt ihn fest.

»Es ist mein Junge«, schrie er immer wieder. »Sie müssen mich zu ihm lassen, bitte!«

Die Straße war voller Menschen. Dann waren auch die Polizei und der Notarztwagen zur Stelle. Uwe lebte noch, war aber nicht bei Bewusstsein. Es sah nicht gut für ihn aus. Mit höchster Geschwindigkeit brachte man ihn in das nächste Krankenhaus. Wenig später war alles vorbei. Gerd stand da, nicht vernehmungsfähig, er konnte nur auf den dunklen Fleck starrten. Da war Blut auf der Straße. Noch eben hatte der Junge an seiner Hand hier gestanden.

»Ich bin an allem schuld«, sagte er gequält.

Aber man versicherte ihm immer wieder, dass das nicht seine Schuld wäre. Er blickte die Leute an und dachte: Ihr wisst ja gar nicht, was für ein Schuft ich bin.

Dann dachte er an Leonore. Er musste es ihr sagen, sie zum Krankenhaus fahren. O mein Gott!

Leonore hörte ihn kommen und ging zur Tür. Er war ganz weiß im Gesicht.

»Wo ist Uwe?«

»In der Klinik.«

Sie griff sich ans Herz.

»O nein!«, sagte sie leise. »Was ist denn passiert?«

»Er ist vor ein Auto gerannt. Komm mit, wir müssen gleich zu ihm.«

In diesen Stunden hatte er seine zweite Frau vollkommen vergessen. Sie gehörten wieder zusammen, er und Leonore. In der Klinik wies man sie gleich auf die Unfallstation. Ja, sie durften zu ihrem Kind. Es lag allein in einem Zimmer. Der Kopf war verbunden, eine Infusion war an seinen Arm angeschlossen. Sein Gesicht wirkte bläulich.

Wenig später kam auch ein Arzt zu ihnen.

»Wir können nicht mehr viel für ihn tun. Es handelt sich nur noch um Stunden. Er wird keine Schmerzen haben, das kann ich Ihnen versichern.«

Leonore wurde fast hysterisch, und nur mit Gewalt konnte man sie von dem Kind fernhalten. Man gab ihr eine Spritze, danach wurde sie ruhiger. Der erste große Schock war überwunden. Wie gelähmt saß sie an dem Bett und hielt die Hand ihres kleinen Buben. Aber er spürte nichts mehr davon.

An der anderen Seite saß Gerd, gebrochen, erschöpft und völlig von Selbstvorwürfen zerrissen.

»Erzähl mir alles!«, sagte sie tonlos. »Ich will wissen, wie es geschehen ist.«

Seine Stimme klang schuldbewusst. Aber Gerd sprach, und sie fühlte, wie ihre Verzweiflung wuchs. Sie hatte es mit Uwe so gut gemeint. Ach, hätte sie auch nur einen Augenblick lang geahnt, wieviel Hoffnung der Kleine in diesen Besuch gelegt hatte, ganz bestimmt hätte sie Gerd nicht angerufen. Sie hatte es dem Kind leichter machen wollen.

Verzweifelt hatte der Junge sich dagegen aufgelehnt, hatte geglaubt, man könne das Rad der Zeit zurückdrehen. Und dann war er einfach blindlings losgelaufen.

»Es ist meine Schuld«, sagte Gerd. Er sagte dies mehr in der Hoffnung, dass sie ihn trösten möge.

Leonore sagte: »Ja, es ist deine Schuld. Du hast uns zerbrochen, endgültig, erst ihn, dann mich. Jetzt hast du mir alles genommen.«

Stille!

Gerd duckte sich zusammen. Er schämte sich furchtbar, er wagte es nicht, sie anzublicken.

Leonore sagte mit zerbrechender Stimme: »Kannst du mir mal sagen, worin ich gefehlt habe? Habe ich nicht alles für dich getan? Alles? Habe ich dich nicht geliebt, dir den Sohn geschenkt, den du dir gewünscht hast, habe ich nicht deinetwegen meine Selbständigkeit aufgegeben, habe ich dir nicht ein gemütliches Heim geschaffen? Was hätte ich denn noch alles tun müssen, was denn?« Ihre Nerven waren wieder auf Äußerste gespannt. »Was haben wir beide getan, dass du uns so verstoßen konntest, Gerd, was denn?«

Ihm kam immer deutlicher zu Bewusstsein, wie schäbig er gehandelt hatte, und in diesem Augenblick wusste er, dass er nie mehr glücklich sein würde, dass er keine Ruhe finden würde.

Leonore wollte gar keine Antwort, sie war nur so verzweifelt. Und sie musste weinen, unaufhaltsam weinen.

Kurz vor zweiundzwanzig Uhr hörte das kleine Herz auf zu schlagen. Uwe war tot!

Leonore hatte keine Tränen mehr. Sie war innerlich ganz ausgehöhlt, versteinert. Sie erhob sich und ging fort.

»Soll ich dich nicht heimfahren?«

Sie ging einfach weiter, mit starrem Gesicht, leeren Augen. Gerd blieb zurück.

»Sie müssen noch einige Angaben machen.«

»Ja«, sagte er demütig.



2

Elisabeth bot ihr eine Zigarette an.

»Hier, rauchen Sie mal, das hilft.«

»Ich rauche nicht.«

»Ich weiß, aber in manchen Situationen ist es gut, und diesen Schnaps trinken sie auch mal.«

Leonore war so weit, dass sie einer Fremden gehorchte. Sie konnte gar nicht mehr anders. Es brannte heiß in ihrer Kehle, und Tränen traten ihr in die Augen.

»Und jetzt erzählen Sie mal!«

Draußen waren die anderen Verkäuferinnen an der Arbeit. Elisabeth hatte die Tür geschlossen und ihnen gesagt, dass sie jetzt nicht gestört werden wolle. Als sie das verzweifelte Gesicht Leonores gesehen hatte, hatte sie sofort gewusst, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Aber so schlimm, das hatte sie sich nicht ausgemalt. Sie hatte gedacht, da wäre ein Ärger mit einem neuen Mann gewesen.

Und nun erzählte Leonore alles, was sich gestern zugetragen hatte. Sie sprach über alles, über die Ehe, das Kind und über ihre grenzenlose Verlassenheit. Und auch darüber, wie sehr Uwe unter der Scheidung gelitten hatte.

»Er hat es jetzt besser. Das Kind hat sich die ganze Zeit gequält und war unglücklich. Und weil er das alles nicht verkraften konnte, war er eben das böse Kind. Für Uwe war alles so schrecklich, er hat ihn so lieb gehabt.«

Aber Elisabeth wusste auch, dass Leonore sich jetzt vor der einsamen Wohnung fürchtete. Bis jetzt war noch das Kind dagewesen, hatte sie gezwungen zu arbeiten, sich zu regen. Aber wenn sie jetzt nach Hause kam, würde alles tot und leer sein.

»Es ist gut, dass Sie mir das gesagt haben«, sagte Elisabeth. »Heute komme ich mit zu Ihnen. Wir werden uns ein Abendbrot machen, das heißt, ich werde es zubereiten, und Sie sitzen einfach da. Und dann werden wir reden.«

»Ich«, sagte sie hilflos, »ich ...«

»Schluss, ich sage, ich kümmere mich ein wenig um Sie.«

Leonore erhob sich und sagte: »Ich muss jetzt wohl wieder an meine Arbeit gehen.«

Elisabeth sagte: »Wir sehen uns in der Pause.«

Wie sie diesen Tag überlebte, wusste sie später auch nicht mehr. Elisabeth Böhme aber war ihr eine große Hilfe, und sie kümmerte sich wirklich um die verzweifelte Frau, während die anderen Angestellten sie nur scheu von der Seite anblickten und nicht wussten, was sie sagen sollten.

Elisabeth fuhr sie nach Hause und war erschüttert, als sie die kleine triste Wohnung sah. Zuerst einmal kümmerte sie sich um die Sachen des Jungen. Sie packte sie kurzerhand ein und stellte sie auf den Speicher.

»Man soll sich nicht mit Gewalt ein blutendes Herz machen«, sagte sie. »Und jetzt koche ich, und du legst dich hin und ruhst dich ein wenig aus.« Sie war einfach zum Du übergegangen. Leonore bemerkte es noch nicht einmal.

Wenig später klingelte es an der Haustür. Elisabeth ging hin und kam kurz darauf mit einem grimmigen Gesicht zurück.

»Wer war das?«, fragte Leonore schwach.

»Dein früherer Mann. Ich hab ihm den Marsch geblasen und ihm gesagt, er solle bleiben, wo der Pfeffer wächst, ob er noch immer nicht begriffe, was er alles angestellt hat.«

»Was hat er denn gewollt?«

»Er wollte sehen, ob du ihn brauchst.«

Ihre Lippen zitterten, und sie fühlte Tränen in sich hochsteigen. Elisabeth ließ sie allein und ging in die Küche zurück. Aus dem Geschäft, in dem sie beide arbeiteten, hatte sie Lebensmittel mitgebracht. Daraus bereitete sie jetzt eine köstliche Mahlzeit, und sie stellte auch eine Flasche Wein auf den Tisch.

»So, und jetzt lange mal tüchtig zu.«

»Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich anfangen soll«, schluchzte sie.

»Hör zu, du hast nur im Augenblick ein Tief, das geht vorüber. Ich werde mich jetzt ein wenig um dich kümmern. Du wirst nicht untergehen. Du wirst an so einem Kerl nicht zerbrechen. Du wirst sehr schnell begreifen, dass man auch selbst sein Leben einrichten kann. Vor allen Dingen wirst du ihm zeigen, dass du ihn nicht brauchst.«

Leonore vergaß einen Augenblick ihren Schmerz und blickte die junge Frau an.

»Du sagst das alles so, als hättest du das auch schon mal mitgemacht. Darum auch dein Verständnis für mich, Elisabeth.«

Diese nickte grimmig.

»O ja, das stimmt, ich habe es auch schon mitgemacht, da hast du recht, und ich war auch kurz vor dem Zerbrechen, aber ich habe mich noch gefangen, und das wirst du auch tun. Zuerst musst du endlich lernen, dass wir keine Sklaven sind, dass wir uns nicht zu unterwerfen haben. Schau, all die Jahrhunderte waren wir Frauen ein Nichts, ein Dreck. Die Arbeit, ja, die durften wir tun. Wir waren angeblich das schwache Geschlecht, aber wir haben am meisten leiden und schuften müssen. Man hat sogar angenommen, wir hätten weniger Gehirn, Leonore. Hast du das auch gewusst? Ich sage dir, wenn die Welt von Anfang an von Frauen genommen worden wäre, ich meine regiert, du, ich glaube, dann sähe jetzt vieles anders aus. Wir sind viel mehr wert als diese Kerle, und das sage ich dir, eines Tages werden wir uns erheben, wie die Schwarzen in Afrika, wir lassen uns nichts mehr gefallen. In kleinem Maße tun wir es ja schon, und es ist richtig. Uns gebührt jetzt ein Platz, und langsam bekommen sie das Muffensausen, die Männer. Denn zu ihrem Schrecken müssen sie feststellen, dass wir alles, aber auch wirklich alles können. In jedem Beruf stehen wir unseren Mann, wir brauchen nur zu wollen. Wenn du damals selbstbewusster gewesen wärst, dann hättest du jetzt nicht dieses Leid. Pah, sich für einen Mann zu opfern, du siehst ja selbst, wohin das führt.«

»Aber was hätte ich denn tun sollen?«, sagte sie verzweifelt. »Was denn? Ich habe doch schon alles getan, alles, und du siehst, es hat nichts genützt.«

»Du hättest ihn mit der besten Waffe bekämpfen müssen, so wie diese Lizzi, dann hättest du ihn unterjocht, dann hätte er dir aus der Hand gefressen. Er hätte dich niemals vernachlässigt, er wäre dir wie ein kleines Hündchen nachgelaufen und hätte alles getan, wirklich alles.«

»Welche Waffe meinst du denn?«, fragte sie atemlos. »Ich verstehe dich nicht.«

»Denke bloß jetzt nicht an die Liebe«, sagte Elisabeth hohnvoll. »Das ist vielleicht für den Anfang ganz gut, oder für Schwärmer, für kleine Mädchen und Jungen, die das Leben erst beschnuppern. Aber für eine reife Frau gibt es nur ein Mittel, wenn sie ihren Mann halten will: Sex!«

Leonore zuckte unwillkürlich zusammen und starrte sie entgeistert an.

»Nein«, brachte sie mühsam über die Lippen. »Nein, dazu bin ich mir zu schade.«

»Wirklich? Ich habe dich für klüger gehalten.«

»Wenn ihn nicht so halten kann, dann soll er gehen, dann bin ich gern allein und verzweifelt. Ich verkaufe mich nicht, dazu bin ich mir zu wertvoll.«

Elisabeth lachte.

»Du denkst wie die übrige Masse. Wenn du das Wort Sex hörst, meinst du, du müsstest dich erniedrigen, nicht wahr, so ist es doch? Du krümmst dich innerlich, Leonore, gib es zu!«

»Ja«, sagte sie mit schwacher Stimme.

»Siehst du, das ist der größte Quatsch, Leonore, und daran kranken wir Frauen im Augenblick. Dadurch lassen wir uns immer wieder unterjochen. Begreife doch endlich, warum lernst du denn nicht aus der Geschichte? Alles ist doch schon mal dagewesen, alles wurde uns vorgespielt, damit wir daraus lernen. Aber was tun wir, wir schließen die Augen.«

»Ich verstehe nicht«, flüsterte sie leise.

Elisabeth schenkte ihr nach.

»Auf der ganzen Welt gibt es Beispiele dafür. Sieh mal, du brauchst nur nach Frankreich zu gehen. Die großen Mätressen, die haben es vorzüglich verstanden, Sex und Macht zu verbinden. Und sind sie so schäbig wie du behandelt worden? Im Gegenteil, sie wurden geachtet, geehrt und gefürchtet! Sie waren auch keine primitiven Frauen, ganz im Gegenteil. Sie waren klug und gerissen und schön. Das nutzten sie vollkommen aus, und der Mann war ihnen untertan.«

»Aber das ist doch etwas ganz anderes«, sagte sie verzweifelt. »Du begreifst das nicht, wenn man verheiratet ist, dann kann man sich doch nicht erniedrigen, dann ...«

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738925739
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
hallo ihre ehe-hostess redlight street
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