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Die Raumflotte von Axarabor #57: Das Artefakt der Erde

von Wilfried A. Hary (Autor:in) Marten Munsonius (Autor:in)
2018 78 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 57

Zusammenfassung

Die Raumflotte von Axarabor - Band 57

von Wilfried A. Hary mit Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 71 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Für das Sternenreich von Axarabor gilt die Erde als unbedeutender Mythos. Doch es gab jene Schatzjäger, die mit dem Mythos Kasse machen wollten, obwohl das mit erheblichen Gefahren verbunden war…

Leseprobe

Das Artefakt der Erde

Die Raumflotte von Axarabor - Band 57

von Wilfried A. Hary mit Marten Munsonius


Der Umfang dieses Buchs entspricht 71 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Für das Sternenreich von Axarabor gilt die Erde als unbedeutender Mythos. Doch es gab jene Schatzjäger, die mit dem Mythos Kasse machen wollten, obwohl das mit erheblichen Gefahren verbunden war…



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



1

„Raumschiff im Anflug auf fünf Uhr!“, rief Donar Kasim von der Ortung herüber. Eine Laune der Natur hatte ihn zum Zwitter werden lassen, halb Frau und halb Mann. So konnte er praktisch in jede Geschlechterrolle schlüpfen. Als Mann hatte er eine knabenhafte Figur, als Frau war er eine exotische Schönheit. Derzeit bevorzugte er die männliche Rolle. Das konnte sich jedoch von heute auf morgen ändern.

Er schaute zu Brumar Tolzipen hin, dem kleinen Dicken, wie sie ihn gern nannten, wenn er nicht mit dabei war. Er wirkte gemütlich. Das war er auch, falls er nicht in irgendeinen Kampf verstrickt war oder man ihn sonst wie reizte. Dann konnte er sogar sehr ungemütlich werden. Kein Wunder, dass er an Bord der QUASIM zuständig war für Waffen und Verteidigung.

„Was will der von uns?“, erkundigte sich ihr Kommandant Cheron Sohl. Sie war wohl das, was man landläufig eine Vollblutblondine nannte. Das durfte man allerdings nicht in ihrem Beisein sagen. Sie reagierte darauf mindestens so empfindlich wie Brumar Tolzipen auf „klein und dick“.

„Keine Reaktion auf meine Anrufe!“, berichtete Donar Kasim weiter. Wenn er als Mann auftrat, klang seine Stimme viel dunkler. Die anderen hielten das immer noch für ein Phänomen, genauso wie die Tatsache, dass er noch kein Interesse an einer Behandlung gezeigt hatte, um sich endlich im Geschlecht festzulegen. Allerdings wagte ihn auch niemand darauf anzusprechen. Niemand wusste, wie er darauf reagieren würde. Letztlich war es ja auch seine persönliche Entscheidung, die ihm niemand abnehmen konnte. Höchstens seine Eltern hätten das tun können, als er noch ein Kind gewesen war. Sie hatten ihn so aufwachsen lassen, wie er war, und dafür war er nach eigenem Bekunden sogar dankbar. Andererseits war er vielleicht ein normaler Vertreter seiner Menschenart. So genau wussten sie es nicht.

„Ich aktiviere Schutzschirme!“, meldete Brumar Tolzipen.

„Also“, machte ihr erster Offizier Ronodar Persein gedehnt. Er war das, was man einen Schönling nennen durfte: Schwarzharig, glutäugig, schlank-muskulös, ein echter Frauentyp eben, der allerdings vollkommen vergeblich immer wieder versuchte, bei ihrem Kommandanten Cheron Sohl zu landen. Den anderen hatte er versucht einzureden, Cheron Sohl sei wohl lesbisch, weil sie nicht auf ihn einging. Was Donar Kasim und Brumar Tolzipen allerdings nur amüsierte. Irgendwie gönnten sie es ihrem Ersten, dass er keine Chance hatte bei Cheron Sohl.

Jetzt wiederholte er, während er noch einmal seine Kontrollen überprüfte: „Also… Wenn ich das richtig sehe, ist der Typ dieses Raumschiffes nicht eindeutig, als würde der Pilot eine Art Tarnkappe verwenden.“

„Tarnkappe?“, rief Donar belustigt. „Ja, so kann man es auch nennen. Aber eigentlich versucht der Pilot damit sein Raumschiff unsichtbar zu machen.“

„Versucht?“

„Ja, meinst du etwa, Ronodar, ich sei hier zum Spaß als Funk- und Ortungsoffizier eingesetzt? Natürlich habe ich Möglichkeiten, eine solche Maßnahme sozusagen zu durchschauen. Das macht zwar die Einordnung unseres Gegners ein wenig vage, aber dafür können wir ihn zumindest sehen. Wobei er anscheinend immer noch glaubt, wir wären ahnungslos.“

„Dann müsste er schon ziemlich blöd sein!“, widersprach Cheron ihm. „Hast du ihn denn nicht schon angefunkt?“

„Ja, klar, als fremdes Schiff und so.“

„Also müsste ihm doch längst klar sein, dass wir ihn sehen können!“

„Auch wieder wahr.“

„Und wieso ist er dann mit unverminderter Geschwindigkeit trotzdem auf Kollisionskurs?“

Brumar wusste eine mögliche Erklärung: „Um nah genug zu kommen für den günstigsten Abschuss? Denn ihr wisst ja wahrscheinlich genauso gut wie ich: Je näher man am Gegner ist, desto verheerender wirken die Treffer. Und wenn er noch ein bisschen näher kommt, nutzen uns die Schutzschirme auch nichts mehr.“

„Er ist halt einfach nur blöd!“, trumpfte jetzt Donar auf. „Denn sonst würde er nämlich die Tarnung abschalten und dafür die Schutzschirme hoch fahren.“

„Und worauf warten wir dann noch?“, begehrte Brumar auf. „Ich habe ihn im Visier. Ich brauche nur noch zu feuern. Und wenn wir noch länger zögern, kommt er vielleicht doch noch darauf, dass ihm die Tarnung nichts nutzt, und schaltet tatsächlich die Schutzschirme ein. Dann kommt es nur noch darauf an, wer zum richtigen Zeitpunkt schießt – nicht zu früh und nicht zu spät. Der sieht nämlich mindestens so kampfstark aus wie wir.“

„Feuer frei!“, befahl daraufhin Kommandant Cheron Sohl knapp.

Fast gleichzeitig schoss Brumar.

Der Torpedo war bereits auf dem Weg, als das anfliegende Raumschiff regelrecht zu flimmern begann.

Donar rief: „Oh, es ist schon soweit. Er hat es begriffen. Er schaltete die Tarnvorrichtung ab.“

„Wird ihm nichts mehr nutzen“, meinte Brumar grimmig. „Bis er die Schutzschirme hochgefahren hat, ist der Torpedo bereits am Ziel.“

„Eigentlich schade“, seufzte Schönling Ronodar. „Ich hätte ihn gern noch gefragt, was das eigentlich soll. Wieso er uns ohne Vorwarnung angreift.“

„Das ist doch logisch“, begehrte jetzt Brumar auf. „Wenn er uns vorgewarnt hätte, dann hätte er uns nicht mehr überraschen können.“

„Kann er sowieso nicht!“

„Ja, aber das hat er ja offensichtlich nicht rechtzeitig genug kapiert.“

Kaum hatte er ausgesprochen, kreuzte sein Torpedo die Bahn des fremden Raumschiffes. Alles wurde genauestens aufgezeichnet für die spätere Auswertung. Eigentlich wurde auch jedes Wort aufgezeichnet, mit dem vorgeschriebenen Zeitcode versehen. Das war wichtig, falls die Behörde ihres Zielplaneten den Abschuss recherchieren sollte. Damit klar wurde, dass sie in Notwehr handelten und nicht etwa mit kriminellen Absichten.

Die Detonation äußerte sich im Vakuum des Weltraums nur als grelle Leuchterscheinung. Die auseinanderstiebenden Trümmer und Gase, die dabei frei wurden, waren nicht lange verfolgbar. Sie zogen keine sichtbare Spur hinter sich her wie sie es innerhalb einer Atmosphäre getan hätten. Als die Leuchterscheinung wieder verblasste, war die Stelle im Weltraum… einfach nur noch leer.

„Die Auswertung läuft!“, rief Donar. „Leider erlosch die Tarnung erst vollständig Sekundenbruchteile vor der Vernichtung.“

„Meinst du, wir kriegen trotzdem noch die Kennung des Schiffes mit?“, erkundigte sich Cheron.

„Ich hoffe es!“, antwortete Donar vorsichtig.

Sie warteten bang ab. Dann meldete Donar Vollzug, schneller noch als erwartet: „Scheiße, den haben wir gekannt!“

Er projizierte das Bild des untergegangenen Raumschiffes auf den Hauptschirm. Alle sahen hin.

Der Erste ächzte: „Dieser scheiß Crawfort und seine Crew… Der hat uns aufgelauert, um uns zu töten!“

„Ist ja nicht wirklich ein Wunder“, räumte Cheron Sohl ein, „immerhin haben wir ihn mächtig übers Ohr gehauen, Leute. Ist zwar schon über ein Jahr her, aber ich nehme mal an, so lange hat er nichts anderes getan, als uns zu suchen.“

„Und wieso hat er uns dann hier aufgelauert? Woher kann er überhaupt gewusst haben, dass wir ausgerechnet jetzt hierher kommen?“, rief Ronodar erzürnt.

„Das allerdings“, meinte Cheron lapidar, „wäre eine äußerst interessante Frage, die wir noch klären müssen. Wie ich das sehe, müssen wir nur noch vorher landen. Angekündigt sind wir ja schon…“

„…und irgendein Scheißkerl hat das mitbekommen und an Crawfort weitergegeben!“, knurrte Brumar. Es klang wie von einem gereizten Bären.

„Wie gesagt“, vertröstete ihn Cheron, „das werden wir erst erörtern können, wenn wir gelandet sind. Zuvor aber müssen wir unsere Aufzeichnungen übermitteln. Denn wenn die das mitbekommen haben, dass wir ein Schiff abgeschossenen haben, wollen sie wohl Einzelheiten wissen, und wenn wir denen nicht schon vorab alles zusenden, warten die mit Handfesseln und Fußfesseln auf uns.“



2

Der Planet OMAHN. Eine ganze Welt wie ein Handelsmarkt. OMAHN schien tatsächlich nur dem Handel in diesem Quadranten des Sternenreiches zu dienen. Überall, wohin man auch kam, und wo es Bewohner gab und ihre Kunden. Und hier wurde wirklich alles gehandelt. Dinge, die nicht alle legal waren. Manche behaupteten sogar, dass die legalen Waren eher die Ausnahme bildeten.

Überhaupt hatte OMAHN eine ziemlich merkwürdige Auffassung von Gesetz und Ordnung. Diese Welt war nicht Mitglied im Imperium von Axarabor, die Raumflotte von Axarabor würde sich niemals auch nur in die Nähe verirren. Es gab noch nicht einmal so etwas wie eine planetare Verteidigung, und dennoch war diese Welt noch niemals angegriffen worden. Weil eben jeder von ihr profitierte und sich niemand seiner eigenen Grundlage berauben wollte.

Nur wenn ein Raumschiff am Rande des Sonnensystems abgeschossen wurde… Da verstand man keinen Spaß. Denn natürlich gab es trotz der scheinbaren Gesetzlosigkeit dieser Welt so etwas wie eine Sicherheitsbehörde. Die Angehörigen dieser Behörde arbeiteten überwiegend im Verborgenen. Sie waren das einzige Regulativ, das die Führung dieser Welt zuließ. Eine Führung im Übrigen, die monarchistisch orientiert war. Der regierende König gab sein Amt irgendwann einem seiner Söhne weiter. Obwohl auch da das Gerücht umging, der König sei lediglich eine Gallionsfigur und hätte nichts zu sagen. Die eigentlichen Fäden wurden hinter den Kulissen gezogen.

Mit anderen Worten: Eigentlich war OMAHN so etwas wie eine Mafiawelt mit entsprechenden Mafiaregeln. Wer diesen Regeln nicht folgen wollte, für den war es besser, niemals hier zu landen.

„Dieser scheiß Crawfort“, regte sich Brumar gerade wieder auf, „der hat eigentlich gegen die bestehende Grundregel verstoßen!“

„Und die wäre?“, erkundigte sich Donar ahnungslos und schloss seine Arbeit an den Kontrollen ab, um sich den anderen anzuschließen, die sich bereits anschickten, das Raumschiff QUASIM zu verlassen.

„Gegenseitiger Respekt!“, antwortete Brumar wichtig.

Donar musste lachen.

„Du weißt ja durchaus, dass wir ihn dermaßen beschissen haben, dass es ein Wunder ist, wieso er überhaupt noch Geld genug besaß, sein Schiff zu halten?“

„Na und?“

„Wir haben ihn bescheißen können, weil er nicht ganz so hell war im Kopf!“

„Worauf willst du überhaupt hinaus?“

„Und weil er nicht so hell war im Kopf, war er nicht wirklich gefährlich für uns.“

„Er wollte uns abschießen – immerhin!“

„Ja, wollte, aber was geschah stattdessen? Na? Ich helfe dir gern auf die Sprünge: Wir haben ihn unsererseits abgeschossen!“

„Nein, haben wir nicht, denn das war ich allein!“

Jetzt lachten alle, außer Brumar.

Cheron klopfte ihm auf die Schulter.

„Na, komm schon, Brumar, rege dich nicht so künstlich auf. Schauen wir mal, was die Behörde für Sicherheit so dazu meint, nicht wahr? Ich gehe ja fest davon aus, dass wir nichts zu befürchten haben.“

„Mehr noch“, mischte sich Ronodar ein: „Die werden sich sicherlich auch fragen, von wem Crawfort den Tipp hatte, um uns auflauern zu können. Außerdem hatte er eine Tarnvorrichtung an Bord, die logischerweise für den privaten Gebrauch verboten ist.“

Donar lachte wieder herzhaft.

„Genauso verboten wie mein Ortungsgerät, das diese Tarnung locker knacken konnte!“

„Das ist ja nicht der Punkt…“

„Ja, natürlich nicht, weil das hier sowieso niemand interessiert. Aber dass es jemanden gibt bei der Raumhafenkontrolle, der offensichtlich einem Crawfort den entsprechenden Tipp gegeben hat, das wird die Sicherheitsleute wohl dennoch interessieren.“

„Mindestens genauso wie uns!“, betonte Ronodar.

Sie konnten die Außenschleuse verlassen und gingen ein paar Schritte, bis das farblich gekennzeichnete Transportfeld sie erfasste und regelrecht zum Raumhafengebäude hinüber saugte. Dort öffnete sich ebenfalls eine Außenschleuse. Das Gebäude war mehrfach gesichert und konnte zusätzlich hermetisch verriegelt werden. Falls es jemals zu einer Katastrophe kommen würde, konnte dieses Gebäude ausreichend Schutz bieten für alle, die sich dort rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

Sie traten ein und wurden bereits von fünf grimmig dreinschauenden Uniformierten erwartet.

Cheron reichte ihnen stumm die elektronischen Einreiseunterlagen zur Überprüfung. Es wurde kein Wort gesprochen.

Die vier Besatzungsmitglieder der QUASIM konnten sich eines unguten Gefühls nicht erwehren. Vor einer Minute noch waren sie sehr zuversichtlich gewesen, doch diese Zuversicht schwand von Sekunde zu Sekunde immer mehr.

Bis der eine der fünf Uniformierten die elektronischen Unterlagen endlich wieder zurückreichte und ein breites Grinsen aufsetzte: „Da hat anscheinend jemand verbotene Ortungsinstrumente installiert, wie?“

„Äh, wie kommen Sie denn darauf?“, erkundigte sich Donar Kasim, der sich dafür zuständig sah.

„Nu, wir haben uns doch sehr gewundert, als da etwas ziemlich heftig detonierte im Weltraum. Das konnte ja nur ein Schiff gewesen sein, und dann kamen eure Aufzeichnungen. Also, wir wären nicht in der Lage gewesen, die Tarnung zu durchschauen, ihr aber schon, sonst hättet ihr diesen Crawfort nicht rechtzeitig abschießen können, ehe er dasselbe mit euch tun konnte. Reife Leistung!“ Er nickte anerkennend.

„Sie haben ihn vorher nicht orten können?“, wunderte sich jetzt Donar. „Aber wir haben diese Instrumente doch von hier gekauft!“

Der Uniformierte lachte wie über einen guten Witz.

„Das mag ja sein, aber diese Dinger sind unerschwinglich teuer. Glaubt denn jemand im Ernst, dass wir von der Behörde uns so etwas leisten könnten? Wir verkaufen das allzu teure Zeug lieber. Dann hat jeder mehr davon.“

„Genauso wie die Tarneinheit, die Crawfort benutzte und die eindeutig nicht für den zivilen Nutzen zugelassen ist?“

„Ha, das ist ja der springende Punkt: Wir verkaufen beides: Eine sündhaft teure Tarneinheit – und dann auch noch ein Ortungsinstrument, durch das eine solche Tarneinheit nichts mehr wert ist. So kassieren wir doppelt.“

Er wollte sich jetzt schier ausschütten vor Lachen, aber auch die anderen vier Uniformierten feixten um die Wette und wollten sich gar nicht mehr beruhigen.

„Und – äh – was bedeutet das jetzt für uns?“, erkundigte sich Cheron Sohl vorsichtig.

„Ach ja, Verzeihung, hätte ich ja beinahe vergessen zu erwähnen: Sie können natürlich passieren. Alle vier. Und seien Sie ganz besonders herzlich willkommen geheißen. Immerhin haben Sie ja bewiesen, dass Sie zahlungskräftig sind. Wir wünschen dann noch gute Geschäfte und einen angenehmen Aufenthalt!“

Während die fünf Uniformierten immer noch lachend zurück blieben, ging die Crew weiter.

Jetzt hatten sie zwar kein ungutes Gefühl mehr, aber irgendwie fühlten sie sich ziemlich verschaukelt.

So war das eben auf OMAHN. Wer das nicht mochte, sollte besser fern bleiben…



3

Cheron Sohl war zwar eine hochgewachsene Blondine mit strahlend blauen Augen, vollem Mund, langbeinig und vollbusig, doch niemand sollte sie je unterschätzen. Kein Wunder, dass sie von ihrer Crew zur Kommandantin gewählt worden war, einstimmig. Nur die Gewinne teilten sie sich zu gleichen Teilen. Ansonsten sahen sie sich selbst als „Jäger der verlorenen Schätze“, an die man allerdings selten auf legale Weise kam. Was ihnen ja nur recht sein konnte, denn dann verdienten sie entsprechend mehr dran. Und wer nach verlorenen Schätzen suchte, war auf OMAHN genauso gut aufgehoben wie jemand, der verlorene Schätze los werden wollte.

Schließlich war genau das ja der Grund für ihr Hiersein. Sie hatten nämlich in ihrem Lagerraum im Bauch des Schiffes QUASIM einiges an Artefakten, die eine neue Bestimmung suchten. Dinge allerdings, die nur für denjenigen von Wert waren, die ihn zu schätzen wussten. Zum Beispiel Gemälde, die offiziell schon vor Jahrhunderten als gestohlen gemeldet waren und die deshalb niemand offen aufhängen durfte, aber auch antike Waffen, die angeblich direkt von den ersten Kolonien der Erde stammten. Zwar war die Erde für sie selbst bloß ein Mythos, was sie jedoch nicht daran hinderte, mit diesem Mythos Geld verdienen zu wollen. Denn was war leichter zu zertifizieren als ein Gegenstand aus mythologischer Quelle?

Erst aber mussten sie sich um die tödliche Begegnung mit ihrem alten Konkurrenten und Erzfeind Crawfort kümmern, was sie allerdings erst näher besprechen konnten, wenn sie sicher waren, nicht abgehört zu werden.

Sie stiegen also in eines der autonomen Gleitertaxis vor dem Raumhafengebäude und ließen sich zu einem Hotel bringen, das sie nicht zum ersten Mal besuchten. Das ALLIANZ-PREMIUM war ein Mittelklassehotel, wie es sie auf den meisten Welten gab, die schon länger als fünfzig Jahre besiedelt waren. Zuviel Luxus zog nur unnötig Diebe an – und weniger als das ALLIANZ-PREMIUM bot, wollten sie sich nicht zumuten. Die Hauptstadt von OMAHN, die sich uninspiriert OMAHN-CITY nannte, war sowieso eher ein Dreckloch als eine richtige Stadt. So etwas wie eine Bauverordnung hatten die Menschen und anderen Völker, die sich hier tummelten, wohl noch nie gesehen. Die Besiedlung war unorganisiert verlaufen. Jeder baute gerade so, wie er wollte. Kein Wunder also, dass es hier überall aussah wie auf einem Basar, mit viel zu engen und verwinkelten Gassen und Gässchen, Plätzen mit ineinander regelrecht verstrickten Zelten und Baracken, die dem Verkauf dienten, und dazwischen – in dieser Kulisse irgendwie unpassend wirkend - solche festen Gebäude wie das des ALLIANZ-PREMIUM.

Das Gleitertaxi landete auf dem Dach des zehnstöckigen Gebäudes und ließ sie aussteigen. Allerdings erst nachdem Cheron mit der hier üblichen Währung in bar bezahlt hatte: Omahn-Kronen, die irgendwie aussahen wie lange holzige Gebilde, allerdings winzige Erkennungschips eingebaut hatten, die fälschungssicher waren. Wurde jedenfalls behauptet. Obwohl keiner aus der Crew jemals etwas anderes hatte feststellen müssen. Ihr Kronenvorrat würde noch einige Tage reichen, um hier recht gut über die Runden zu kommen. Bis dahin allerdings mussten sie sich neue Geldquellen erschlossen haben, sonst wurde es doch noch eng für sie.

Das ALLIANZ—PREMIUM hatte eine Besonderheit, außer dass es zur Mittelklasse gehörte: Hier galt das Gesetz der Unantastbarkeit. Das hieß, es gab keinerlei Abhöreinrichtungen, niemand durfte hier Geschäfte abwickeln, niemand durfte auch nur bestohlen werden, geschweige denn getötet. Jeder, der sich nicht an diese Regel hielt, wurde geächtet, was eigentlich nichts anderes bedeutete als sein sicheres Todesurteil. Selbst beim geringsten Vergehen wohlgemerkt.

Soweit die Crew wusste, hatte es noch kein einziges Mal in den vergangenen Jahren einen Regelverstoß gegeben. Wenn doch, war der Täter wohl so schnell gestorben, dass man es hatte vertuschen können. Also durften sie sich hier sicher fühlen. Selbst Crawfort hätte sich an die Regeln gehalten, wären sie ihm hier begegnet. Kein Wunder also, dass er sie lieber draußen im Weltall hatte abfangen wollen. Anschließend hätte er einfach nur weiterzufliegen brauchen. Niemand hätte ihn jemals für den Mord an ihnen belangen können. Höchstens auf OMAHN, aber natürlich nur dann, wenn er es wagte, hierher so bald wieder zurückzukehren.

Nun, es war alles ganz anders gekommen. Zu ihrem Glück und zu seinem Nachteil.


Details

Seiten
78
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738925708
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Januar)
Schlagworte
raumflotte axarabor artefakt erde

Autoren

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #57: Das Artefakt der Erde