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Mein Mann behandelt mich wie eine Hure - Dr. Staffner packt aus

2019 90 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Copyright

Meine eigene Familie hat mich für verrückt erklärt

Ich wurde von dem geliebten Mann menschlich schwer enttäuscht

Ein schlimmer Verdacht hätte fast meine Zukunft zerstört

Viel zu lange merkte ich nicht, was mit meiner Tochter geschah

Was habe ich bei Thorstens Erziehung nur falsch gemacht?

Ich war auf den Erfolg meiner Frau eifersüchtig

Ich habe panische Angst vor dem Alter

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Nur wegen des Babys habe ich die ungeliebte Frau geheiratet

Mit eisernem Willen besiegte ich meine süße Lust

Ich hoffte, meinen Neffen durch Liebe zu ändern

Um mein Kind lieben zu lernen, musste ich durch die Hölle gehen

Ich wollte doch nur, dass meine Tochter glücklich wird

Mein Mann behandelt mich wie eine Hure

Dr. Staffner packt aus

Der Psychotherapeut und 13 wahre Fallakten

von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 90 Taschenbuchseiten.

 

- Als Rosalie im Lotto gewinnt, erhoffen ihre Verwandten größere Zuwendungen von ihr, die sie nicht erfüllen kann und auch nicht will. Daraufhin versuchen ihre Angehörigen alles, um sie für unzurechnungsfähig zu erklären.

- Obwohl sie aus Erfahrung von den Männern nicht viel hält, lernt Maren während einer Reha mit Helmut die Liebe ihres Lebens kennen. Doch sie muss erfahren, dass auch er sich nicht von allen anderen unterscheidet.

- Barbara wird zu Unrecht eines Diebstahls bezichtigt und verliert dadurch nicht nur ihren Arbeitsplatz. Auch viele Bekannte wenden sich von ihr und ihrem ebenfalls verdächtigtem Freund ab. Als sie schon nicht mehr damit rechnet, wird der wahre Sachverhalt geklärt…

Und 10 weitere Schicksalsgeschichten aus dem Leben...

 

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Psychotherapeut kamen viele Menschen zu mir, die ein Ereignis oder ihr eigenes Verhalten aus dem seelischen Gleichgewicht geworfen hatte. Indem ich versuchte, ihnen zu helfen, erfuhr ich zum Teil erschütternde Lebensbeichten. Die Namen wurden selbstverständlich von mir geändert.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Meine eigene Familie hat mich für verrückt erklärt

Oft stehe ich am Fenster und blicke in die Ferne. Bei klarem Wetter kann ich über den Baumwipfeln die Spitzen der Berge erkennen, jener Berge, die ich in jüngeren Jahren gemeinsam mit meinem Mann erwandert habe. Nun ist Gustav schon seit sieben Jahren tot, und ich fühle mich entsetzlich allein.

Damit, dass ich meine geliebten Berge nur noch von weitem sehen kann, habe ich mich abgefunden. Schlimmer sind die Gitterstäbe vor dem Fenster. Doch ich will die Hoffnung nicht aufgeben, eines Tages hier wieder herauszukommen. Diese Hoffnung ist alles, was mir geblieben ist.

Dabei könnte es mir gut gehen, ja, ich könnte sogar glücklich sein. Doch dieses Eingesperrtsein kann ich nicht ertragen. Sie nennen es Klinik, aber ich weiß, dass es sich um eine Nervenheilanstalt handelt. Ein Irrenhaus!

Besuch bekomme ich sehr selten. Meine Verwandten sind sauer auf mich, weil ich mich nicht so verhielt, wie sie das gern gesehen hätten. Nur gut, dass Gustav nicht mehr erleben muss, wie Gerlinde, Herbert und Katrin ihre Tante behandeln.

Gleich nach seinem Tod haben sie sich nicht viel um mich gekümmert. Damals war ich 61 und hoffte, bei einem von ihnen wohnen zu können. Ich hätte mich gern nützlich gemacht und natürlich auch angemessen von meiner Rente zum Lebensunterhalt beigesteuert.

Doch leider machte mir das Herz zu schaffen. Eine kränkelnde Frau wollte sich niemand aufbürden. Mit der hatte man nur Ungelegenheiten. Außerdem war meine Rente nicht so hoch, dass sie einen Anreiz dargestellt hätte. Große Sprünge konnte ich mir nicht erlauben.

So war ich oft auf die Hilfe fremder Leute angewiesen, wenn ich zu einem Arzt gefahren werden musste oder irgend etwas Dringendes zu besorgen war. Meine Verwandten fanden nur selten Zeit.

Ich wurde manchmal das Gefühl nicht los, dass ich für sie eine Last bedeutete, die sie am liebsten losgeworden wären.

Doch das änderte sich eines Tages. Ich landete nämlich im Lotto einen Treffer. Als Gustav noch lebte, hatten wir immer davon geträumt. Wir hätten uns ein wenig von der Welt angesehen und mit dem Rest die Familie meines Bruders unterstützt, der damals noch lebte.

Jetzt dachte ich nicht mehr ans Reisen. Dafür kam mir der Geldsegen, es handelte sich um 143.000 Euro, als Aufbesserung meiner Altersversorgung gerade recht. Freudestrahlend erzählte ich meinem Neffen und den beiden Nichten von meinem Glück und erkundigte mich nach ihren Wünschen, denn natürlich wollte ich jedem von ihnen eine kleine Freude bereiten.

Gerlinde erwartete, dass ich die Hypothek auf ihrem Haus ablöste. Herbert wollte sich ein Wohnmobil mit allen Schikanen kaufen, und sein Sohn wünschte sich brennend ein schweres Motorrad. Katrin schließlich fand, dass sie sich nun endlich selbständig machen könnte. Mit 120.000 Euro wäre ihr schon geholfen.

Aber nicht nur sie schockten mich mit ihren kostspieligen Wunschvorstellungen. Die Nachricht von meinem Lottogewinn sprach sich in Windeseile bei der Verwandtschaft herum, und plötzlich tauchte sogar meine Halbschwester wieder auf, die schon seit Jahren aus nichtigem Anlass kein Wort mehr mit mir redete. Ein Cousin meldete seinen Besuch an, und alle zeigten mir überschwänglich, wie gern sie mich doch hätten.

Um alle Wünsche zu erfüllen, hätte ich mindestens eine Million zur Verfügung haben müssen. Das versuchte ich, ihnen klarzumachen. Ich erinnerte daran, dass ich wahrscheinlich eines Tages gezwungen sein würde, in ein Altersheim zu gehen. Dafür musste ich eine Geldreserve zurücklegen. Wer sonst hätte wohl die hohen Kosten übernehmen sollen?

Das wollten sie nicht einsehen. Über das Altersheim brauchte ich mir doch jetzt noch nicht den Kopf zu zerbrechen. Da würde sich schon eine Lösung finden. Aber jetzt müsste ich ihnen helfen. Sie seien doch meine einzigen Verwandten. Rund 50.000 Euro stünden jedem von ihnen zu, rechnete mir mein Neffe vor, indem er den Betrag großzügig aufrundete.

Meine Halbschwester und mein Cousin merkten schnell, dass für sie wohl nichts abfallen würde. Ihre Freundlichkeit schwand. Kurz darauf waren beide wieder abgereist.

Aber Gerlinde, Herbert und Katrin pochten auf ihr Recht, wie sie sich ausdrückten. Sie hätten schon beim Tod ihrer Eltern so gut wie nichts geerbt und wollten nicht warten, bis das schöne Geld eines Tages dem Finanzamt in die Hände fiel.

Ich war bestürzt über ihre Geldgier. Nein, ich ließ mich doch nicht unter Druck setzen. Sie befanden sich ja nicht in Not, und das Geld gehörte schließlich mir. Wenn sie mit wenigem nicht zufrieden waren, bekamen sie eben gar nichts. Ich kannte genug alte Leute, denen kaum das Existenzminimum zur Verfügung stand. Sie hatten ein paar Hunderter nötiger.

Es machte mir Spaß, hier und dort Glücksfee spielen zu können. Nebenbei überlegte ich mir jedoch, wie ich meinen Gewinn möglichst sicher anlegen sollte.

Meine Verwandten zeigten offen ihr Unverständnis. Hinter meinem Rücken erklärten sie anderen Leuten gegenüber, Tante Elisabeth sei offenbar nicht mehr ganz richtig im Kopf. Bei mir müsse man damit rechnen, dass ich Papierschiffchen aus den Banknoten herstelle und sie den Bach hinunterschwimmen ließe.

Zugegeben, der unerwartete Geldsegen ließ mich nicht kalt. Viel mehr aber verwirrte mich die Herzlosigkeit jener Menschen, zu denen ich mich am stärksten hingezogen fühlen müsste. Manchmal glaubte ich wirklich, dass alles nur ein böser Traum sei.

Ich erfuhr, dass sie nach einer Möglichkeit suchten, mich entmündigen zu lassen und sich dadurch mein Geld zu sichern. Bestürzt sprach ich mit meinem Arzt darüber, der mich aber beruhigte. So einfach sei eine Entmündigung nicht. Da müssten schon handfeste Gründe vorliegen.

Dann fing das mit den Anrufen an. Manchmal läutete das Telefon mitten in der Nacht. Eine mir unbekannte Stimme fragte mich, ob ich schon tot sei. Ein andermal behauptete jemand, die Milch, die ich am Vortag gekauft hatte, sei vergiftet. Es war furchtbar.

An einem späten Abend erhielt ich eine telefonische Schreckensnachricht. Anita, das einzige Kind meiner Nichte Katrin, sei von einem Auto angefahren worden. Ich solle schnellstens zur Jakobi-Brücke kommen.

Aufgeregt nahm ich mir ein Taxi, doch an der bezeichneten Stelle hatte es überhaupt keinen Unfall gegeben, und als ich Katrin anrief, rief sie verständnislos ihre quicklebendige Tochter an den Apparat. Ob ich langsam Gespenster sähe, wurde ich gefragt. Diese mysteriösen Anrufe, von denen ich in letzter Zeit erzählte, bildete ich mir doch zweifellos nur ein.

Manchmal glaubte ich es selbst. Wieso passierten nur mir diese verrückten Dinge? An jenem Freitag zum Beispiel. Es hatte den ganzen Tag geschneit. Ich saß beim Abendbrot und ließ nebenbei den Fernseher laufen. Da klingelte das Telefon. Mit tränenerstickter Stimme, die ich kaum verstehen konnte, berichtete meine Nachbarin, ihre Katze sei über den Kirschbaum im Garten auf mein Hausdach geklettert und traue sich nun nicht wieder herunter. Es sei doch so bitterkalt und ob ich sie nicht einfangen könne. Sie selbst läge leider mit einer schweren Erkältung im Bett.

Ich mochte die freundliche und stets hilfsbereite Frau Bülicke gern und ihre Katze Muschi ebenfalls. Also zog ich mir rasch eine warme Jacke über und ging zum Speicher, um das Dachfenster zu öffnen. Viel konnte ich bei der Dunkelheit nicht erkennen, doch am Kamin entdeckte ich etwas Schwarzweißes. Das musste Muschi sein.

Auf mein Locken reagierte sie nicht. Also musste ich wohl oder übel aufs Dach klettern. Sicherheitshalber band ich mir eine Wäscheleine um den Bauch, denn auf den Dachziegeln war es glatt.

Als ich die Hand nach der Katze ausstreckte, fuhr unten das Auto meines Neffen vor. Was, um alles in der Welt, ich bei dieser Temperatur auf dem Dach verloren hätte, fragte er erschrocken. Da die Katze, oder was auch immer es gewesen war, plötzlich verschwunden war, kletterte ich wieder ins Haus und öffnete Herbert die Tür. Als ich ihm den Grund für meinen luftigen Ausflug erklärte, schüttelte er nur den Kopf. Langsam mache er sich Sorgen um mich. Das sei doch nicht mehr normal.

Tatsächlich wusste Frau Bülicke nichts von einem Anruf. Sie war auch nicht krank, und Muschi schnurrte neben der Heizung. Sollte ich mir alles nur eingebildet haben? Ich nahm mir vor, mit meinem Arzt darüber zu reden.

Das erübrigte sich aber, denn ich lernte Carl Petrich kennen. Er kaufte im gleichen Supermarkt ein wie ich und wohnte in der Nachbarschaft, wie ich erfuhr. Er trug meine Tasche bis vors Haus, und unterwegs bekannte er, dass ich in der Gegend ein häufiges Gesprächsthema sei. Spontan schlug er sich auf meine Seite und gab mir recht, dass sich meine Verwandten schämen sollten. Er äußerte sogar den Verdacht, sie könnten hinter den geheimnisvollen Anrufen stecken, und er hatte auch gleich eine Erklärung dafür.

Ich wollte es nicht glauben. War es denn denkbar, dass ihnen jedes Mittel recht war, um meine angebliche Unzurechnungsfähigkeit zu beweisen? Oder wollten sie mich wirklich um den Verstand bringen.

Ich wünschte mir, dieses Geld, das sie unbedingt haben wollten, nie gewonnen zu haben. Andererseits zeigte mir ihr Verhalten in erschreckender Deutlichkeit, dass ich auf ihre Hilfe nicht zu hoffen brauchte, wenn ich eines Tages pflegebedürftig war. Ich musste selbst finanziell vorsorgen.

Carl Petrich machte ein nachdenkliches Gesicht. Ich solle nur auf der Hut sein. Falls ich wirklich entmündigt würde, kämen meine Verwandten auch an mein Bankkonto heran. Ob ich nicht ein sicheres Versteck wüsste. Da brächte das Geld zwar keine Zinsen, aber es könnte mir auch nicht abgegaunert werden.

Ich dachte nach. Im Haus würden sie es früher oder später finden. Carl Petrichs Vorschlag, es irgendwo zu vergraben, hörte sich da schon besser an. Eine geeignete Stelle wollte er mir allerdings nicht nennen. Das müsse ich schon allein entscheiden, sonst sei es ja kein sicheres Versteck mehr.

Da hatte er recht, und er zeigte mir dadurch gleichzeitig, dass er mich nicht etwa betrügen wollte. Dabei hätte er eine Finanzspritze recht gut brauchen können. Sein Sohn hatte sich mit einem Kredithai eingelassen, und nun drohte der Gerichtsvollzieher.

Geld wollte er von mir nicht nehmen. Nicht einmal geliehen. Wie schön, dass ich diesen uneigennützigen Menschen kennengelernt hatte.

Später vergrub ich ein in Wachstuch eingewickeltes Päckchen unter den Rhododendronbüschen im Garten. Vom Küchenfenster aus konnte ich die Stelle tagsüber im Auge behalten. Das beruhigte mich.

Tage darauf erhielt ich erneut eine jener gemeinen Morddrohungen. Sobald ich aus dem Haus käme, würde es mich erwischen, prophezeite eine heisere Stimme. Mein Herz schlug bis zum Hals. Ich brauchte dringend meine Tropfen.

Doch da sah ich Carl Petrich durchs Fenster auf der Straße. Ich klopfte heftig gegen die Scheibe und öffnete das Fenster, während der Anrufer weiter seine Drohungen ausstieß. Auf mein Zeichen lauschte nun auch Carl Petrich in den Telefonhörer, aber es war wie verhext, plötzlich erzählte der Unbekannte völlig harmlose Dinge.

Als ich Carl Petrichs zweifelnde Miene sah, brach ich in Tränen aus und konnte mich nicht mehr beruhigen. Der Mann verständigte einen Arzt, der mir eine Spritze gab.

Ich hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten. Am nächsten Tag verfrachtete mich mein Neffe in sein Auto und fuhr mit mir zu der Klinik, in der ich seitdem lebe. Ich musste alle möglichen Tests über mich ergehen lassen, Fragen beantworten und all das tun, was man offenbar von einer Geistesgestörten erwartete.

Gerlinde und Katrin, die mir ein paar persönliche Sachen brachten, beteuerten, dass alles zu meinem besten geschähe und dass ich sicher bald wieder entlassen werden könne, doch ich glaube ihnen kein Wort. Sie zwinkern sich heimlich zu, und in ihren Augen lese ich die Gier nach meinem Geld.

Hatte ich erwartet, der freundliche Carl Petrich, der die ganze Zeit auf meiner Seite gewesen war, würde zu meinen Gunsten aussagen, sah ich mich enttäuscht. Er redete meinen Verwandten das Wort. Es konnte nicht anders sein, als dass sie ihn dafür bezahlt hatten, mich vollends zu verwirren. Ich war auf seine selbstlose Art hereingefallen

Den Beweis erhielt ich bald. Ich war entschlossen, mir einen Rechtsanwalt zu nehmen, der mich hier herausholen sollte. Den besten, den ich bekommen konnte. Dazu brauchte ich das Geld unter dem Rhododendron.

Dr. Hartfeld hörte sich meine Geschichte an und war bereit, das Geld zu holen. Meine Nachbarin Frau Bülicke nahm er als Zeugin mit, kam aber mit leeren Händen zurück. An der von mir bezeichneten Stelle sei nichts gewesen, und Carl Petrich schwöre jeden Eid, mir niemals geraten zu haben, mein Geld zu vergraben. Das sei absurd.

Dr. Hartfeld kannte ich zu wenig, doch Frau Bülicke hätte mich niemals betrogen. Jemand musste mich beim Vergraben des Geldes beobachtet und es später gestohlen haben. Ich brauchte nicht lange zu raten, wer dafür in Betracht kam.

Der Anwalt riet mir, mich einer ärztlichen Behandlung zu unterziehen. Es sei ja nicht für immer.

Für immer? Welch furchtbarer Gedanke! Ich bin doch nicht verrückt. Ich muss hier raus. Aber wie?

Gelegentlich bekomme ich Besuch. Dann versuchen Gerlinde, Herbert oder Katrin, von mir zu erfahren, wo ich mein Geld habe. Ja, zum Glück hatte ich bereits 100.000 Euro als Festgeld angelegt, bevor ich auf Carl Petrichs hinterhältigen Rat hereinfiel und den Rest vergrub. Meine größte Sorge ist nun, dass meine Verwandten meine Entmündigung doch noch durchsetzen, bevor die Festlegungsfrist für das Geld abläuft. Ich bete jeden Tag, dass dies nicht geschieht und dass ich bald entlassen werde.

Dann will ich in ein Altersheim gehen und von einem Notar ein Testament aufsetzen lassen. Es soll sicherstellen, dass nach meinem Tod meine Verwandten keinen Cent mehr bekommen sollen. Falls noch etwas von meinem Vermögen übrig ist, soll damit in Not geratenen alten Menschen geholfen werden.

 

 

Ich wurde von dem geliebten Mann menschlich schwer enttäuscht

Eigentlich hatte ich nie heiraten wollen. Zu viele Ehen in meinem Bekanntenkreis waren gescheitert oder bildeten ein abschreckendes Beispiel von ständigem Streit oder Eintönigkeit. Ich hatte meinen Beruf, verdiente als Verwaltungsangestellte genug, um finanziell unabhängig zu sein, und war im großen und ganzen recht zufrieden.

Nun ja, ein Kind hätte ich ganz gern gehabt, aber mich nur deswegen an ein ewig nörgelndes Ekel zu ketten, kam mir nicht in den Sinn. Mit meinen 37 Jahren dachte ich realistisch genug, mich mit dem, was mir das Leben zu bieten hatte, zu bescheiden. Alles konnte man nun einmal nicht haben.

Zu diesen Einschränkungen gehörte leider auch meine Gesundheit. Es war zum Glück nichts Besorgniserregendes. Mein Kreislauf machte mir nur hin und wieder zu schaffen. Die Ärzte behaupteten, daran würde ich wohl mein ganzes Leben laborieren. Offenbar hatte ich in jüngeren Jahren eine Grippe verschleppt, was diese Spätauswirkungen zur Folge hatte.

Manchmal spürte ich monatelang nichts. Doch dann lag ich plötzlich auf der Nase, bekam Angstzustände und war zu keiner geistigen oder körperlichen Arbeit fähig.

In gewissen Abständen wurde ich aus diesem Grund zur Kur geschickt, und tatsächlich besserte sich dadurch mein Befinden für längere Zeit.

Im Büro wurde jedes mal vorher gewitzelt, von wegen Kurschatten und so. Ich winkte nur ab. An einem Vierwochenflirt lag mir nichts, und ausgerechnet zwischen Massagen und Bädern den Mann fürs Leben aufzuspüren, erschien mir mehr als unwahrscheinlich.

Und doch passierte mir im Allgäu genau dieses Wunder. Es hieß Helmut und unterschied sich grundlegend von allen Männern, die ich bisher kennengelernt oder von denen ich gehört hatte.

Nicht nur, dass er sehr gut aussah, er war auch rücksichtsvoll und charmant, trotz seines angeknacksten Herzens immer gutgelaunt und, obwohl er keinen Hehl daraus machte, dass ich ihm gefiel, keine Spur aufdringlich.

Nach einer Woche hatte ich mich bis über beide Ohren in ihn verliebt, obwohl er kein Geheimnis daraus machte, verheiratet zu sein und einen 16jährigen Sohn zu haben.

Helmut vertraute mir an, dass seine Ehe schon seit längerer Zeit nur noch auf dem Papier bestünde. Seine Frau Jutta ließ jeglichen Unternehmungsgeist vermissen und war auch im Kurzwarengeschäft ihrer Eltern keine große Hilfe. Die ganze Arbeit blieb an Helmut hängen, denn die alten Herrschaften hatten sich aus gesundheitlichen Gründen fast völlig zurückgezogen. Trotz aller Anstrengungen blieb der Umsatz eher mäßig, was Jutta Anlass zu fortwährenden Vorhaltungen gab. Kein Wunder, dass Helmuts Herz eines Tages schlapp gemacht hatte. Nein, dieses Leben hielt er nicht länger aus.

Und da war ich gekommen. Es war ihm ähnlich ergangen wie mir. Sympathie auf den ersten, Liebe auf den zweiten Blick. Ich sei die beste Medizin für sein Herz, versicherte er.

Nun, ich war kein Teenager mehr und schaffte es, leidlich vernünftig zu überlegen. Helmut war 45 und nicht der Gesündeste. Außerdem hatten schon viele Männer geschworen, sich von ihrer Frau trennen zu wollen, wenn sie eine andere herumkriegen wollten.

Aber bei Helmut hatte ich nie das Gefühl, er sei auf eine Eroberung aus. Wir führten lange Gespräche, entdeckten viele gemeinsame Interessen und lernten uns auf diese Weise immer besser kennen, ehe es endlich zum ersten Kuss kam.

Er war natürlich nicht die erste Beziehung in meinem Leben, doch bei ihm spürte ich sofort ganz deutlich: Der ist es, mit dem kannst du dir ein ganzes Leben vorstellen.

Wir begannen, Zukunftspläne zu schmieden. Das Leben erhielt eine völlig neue, wunderschöne Perspektive. Zum ersten Mal liebte ich wirklich.

Helmut beendete seine Kur drei Tage vor mir. Wir verabschiedeten uns in dem Bewusstsein, uns schon bald wiederzusehen. Helmut wollte unverzüglich mit einem Scheidungsanwalt sprechen.

Als ich zu Hause eintraf, wartete er bereits auf mich. Seine Frau hatte ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt, als sie von mir erfuhr. Ob er vorübergehend bei mir bleiben könne, bis er eine eigene Wohnung gefunden hätte.

Selbstverständlich war ich einverstanden. Ich fand es höchst überflüssig, zwei Mieten zu bezahlen. Wir gehörten ja ohnehin zusammen.

Hinzu kam, dass es Helmut gesundheitlich ziemlich schlecht ging. Sein Sohn musste sich, aufgehetzt durch die Mutter, ihm gegenüber sehr mies aufgeführt haben. Und Jutta hatte wohl gedroht, ihn finanziell zu ruinieren. Jedenfalls war der Kurerfolg dahin. Er brauchte jetzt meine Pflege und Fürsorge.

Als Patient nahm mich Helmut ziemlich in Anspruch. Nach Büroschluss hielt er mich ganz schön in Atem. Aber irgendwie konnte ich das verstehen. Hatte er nicht jahrelang wirkliche Liebe entbehren müssen?

Mit seinem Sohn Jochen hatte er sich nie besonders gut verstanden. Das lag wohl an den Schwiegereltern, die sich einen anderen, einen studierten Vater für ihren Enkel gewünscht hätten. Trotzdem fehlte Helmut der Junge, und es schmerzte ihn, dass der Sechzehnjährige sich kein einziges Mal nach seinem Befinden erkundigte.

Ich lernte, dass Helmut keineswegs nur Schokoladenseiten besaß, war jedoch fest entschlossen, auch all seine kleinen Fehler und Schwächen zu lieben. War denn ich eine Superfrau? Auch er würde mir manches nachsehen müssen.

Helmut erwies sich als ungeduldig. Nicht nur was seinen Gesundheitszustand betraf, auch dass er sich bis zur Scheidung über ein Jahr würde gedulden müssen, regte ihn auf. Er schimpfte auf seine Frau, auf die Behörden, und manchmal auch mit mir, weil ich ihm nach seiner Meinung zu wenig Verständnis entgegenbrachte.

Ich schluckte die Vorwürfe hinunter. Sollte ich mit ihm streiten? Er war ja krank. Nach seiner Genesung würden wir uns wieder blendend verstehen, da war ich ganz sicher.

Ein Brief vom Anwalt seiner Frau, in dem ihre finanziellen Forderungen aufgeführt waren, regte ihn dermaßen auf, dass er einen zweiten Herzinfarkt erlitt. Meinen Schreck und meine Angst um ihn kann ich nicht beschreiben. Ich weiß nicht, wie viele Nächte ich kein Auge schloss, bis mir die Ärzte endlich versicherten, dass das Schlimmste überstanden sei und keine akute Gefahr für Helmuts Leben mehr bestünde.

Jeden Tag fuhr ich nach der Arbeit ins Krankenhaus und sprach ihm Mut zu. Er durfte sich doch nicht unterkriegen lassen. Nicht von seiner Krankheit, vor allem aber nicht von seiner hasserfüllten Frau, die ihn kein einziges Mal besuchte oder sich wenigstens telefonisch nach seinem Befinden erkundigte.

Am besten konnte ich ihn seelisch aufrichten, wenn ich von unserer gemeinsamen Zukunft sprach. Er fürchtete wohl insgeheim, dass ich ihn verlassen könnte, weil er doch so krank und manchmal auch ein bisschen unausstehlich war.

Nein, ich wollte immer bei ihm bleiben, was auch geschah. Ich war entschlossen, nicht nur die guten Stunden mit Helmut zu verbringen. Ich liebte ihn ja so sehr.

Dass mir bei all der Aufregung und Doppelbelastung mein Kreislauf wieder zu schaffen machte, kam mir gar nicht zum Bewusstsein. Wenn ich wirklich einmal stöhnte und das Gefühl hatte, vor Schwäche zusammenbrechen zu müssen, schüttelte Helmut ungläubig den Kopf. Ich dürfe mich nicht so gehen lassen, fand er. Gemessen an ihm sei ich doch kerngesund.

Da hatte er wohl recht, der Ärmste. Ich riss mich also zusammen und lauschte seinen Wunschträumen, die sich um ein eigenes Geschäft drehten, das wir eines Tages gemeinsam führen wollten.

Auch mir gefiel dieser Plan. Ein Spielwarenladen schwebte mir vor. Auf diese Weise würde ich viel mit Kindern zu tun haben. Plötzlich regte sich wieder die Hoffnung in mir, vielleicht doch noch selbst Mutter zu werden. Das würde sicher auch Helmut ein wenig über den Bruch mit seinem Sohn hinwegtrösten. Wir würden eine richtige glückliche Familie sein.

Die Trennung von ihm nach seinem Krankenhausaufenthalt fiel mir unheimlich schwer. An den Wochenenden besuchte ich ihn im Kurort und wir erinnerten uns, wie uns an ähnlicher Stelle das Schicksal zusammengeführt hatte.

Eine heimliche Angst, über die ich nicht sprach, trug ich in mir. Helmut brauchte einen Herzschrittmacher. Das bedeutete eine weitere Operation mit ungewissem Ausgang. Die Vorstellung, ihn womöglich eines Tages zu verlieren, brachte mich fast um den Verstand. Deshalb ertrug ich auch beinahe freudig seine kleinen Launen, die sich mehrten, je näher der Tag seiner Scheidung rückte. Er fürchtete, Jutta könnte die Trennung noch im letzten Moment verhindern, um seinem Glück im Wege zu stehen.

Doch in dieser Beziehung gab es keine Probleme. Lediglich seine Unterhaltsverpflichtungen waren enorm. Jochen, der nie eine Geistesleuchte gewesen war, sollte auf Wunsch seiner Mutter studieren, damit Helmut möglichst lange zahlen musste. Wie sehr musste er all die Jahre unter dem Charakter dieser Frau gelitten haben.

Aber das gehörte nun der Vergangenheit an. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Für uns beide.

Unser Plan, ein Geschäft zu pachten, nahm konkrete Gestalt an. Damit die erzielten Gewinne nicht die Unterhaltsforderungen seiner geschiedenen Frau noch weiter in die Höhe trieben, ließen wir die Firma auf meinen Namen laufen. Helmut trat als mein Angestellter in Erscheinung. In Wahrheit aber waren wir natürlich völlig gleichberechtigt.

Tatsächlich brauchten wir diesen Schritt in die Selbständigkeit nicht zu bereuen. Der Laden befand sich in einer verkehrsgünstigen Lage. Wir machten erfreuliche Umsätze. Helmut war wieder ganz der Alte. Immer bestens gelaunt. Besonders wenn Kundschaft zu bedienen war.

Als er den Herzschrittmacher eingesetzt bekam, musste ich noch einmal einige bange Wochen durchstehen. Würde es keine Komplikationen geben? War uns unser Glück vergönnt?

Am liebsten hätte ich Helmut noch vor diesem Eingriff geheiratet, sah aber ein, dass ihn der damit verbundene unumgängliche Trubel zu sehr aufgeregt hätte.

Während seiner Abwesenheit musste ich allein im Laden zurechtkommen. Es klappte erstaunlich gut. Die Arbeit lenkte mich nicht nur von meinen Ängsten ab, sie machte mir auch einen Riesenspaß. Wenn ein Kind mit seiner Mutter durch die Tür trat, wurde mein Wunsch nach einem eigenen Baby immer drängender. Ich konnte es kaum noch erwarten, Helmut endlich wieder bei mir zu haben.

Er überstand die Operation gut und fühlte sich, wie er mir augenzwinkernd versicherte, gleich um 20 Jahre jünger. Das nahm ich prompt zum Anlass, nun endlich auf unsere Trauung zu drängen. Ich erinnerte Helmut, dass ich in meinem Alter nicht mehr allzu lange warten durfte, wenn es mit dem Nachwuchs noch klappen sollte.

Er aber fand, dass ich doch noch so jung sei und dass er sich jetzt vorrangig um das Geschäft kümmern müsse. Es sei doch in letzter Zeit eine ganze Menge unerledigt geblieben. Sein leichter Vorwurf war nicht zu überhören.

Dachte er denn gar nicht daran, wie oft ich ihn besucht hatte und wie weit ich manchmal fahren musste, um seine ausgefallenen Buchwünsche zu erfüllen? Trotzdem war der Laden von mir keineswegs vernachlässigt worden.

Ich ließ nun nicht mehr locker. Ich wollte, dass alles seine Richtigkeit hatte, mit Trauschein und so. Diesen Schritt würde ich nie bereuen. Also warum noch warten?

Da Helmut aber immer neue Ausflüchte fand, kam mir ein schrecklicher Gedanke. War es möglich, dass er sich wieder mit seiner früheren Frau aussöhnen wollte? Fehlte ihm Jochen so sehr, dass er fürchtete, ohne ihn nicht wirklich glücklich sein zu können?

Zufällig erfuhr ich von einer Bekannten, wie schlecht Jutta über ihren Verflossenen redete. Das beruhigte mich auf seltsame Weise, war hier doch offensichtlich keine Bereitschaft zur Aussöhnung vorhanden.

Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass Helmut mir immer stärker auswich, wenn ich vom Heiraten redete, und auch von einem Baby plötzlich gar nicht mehr begeistert war. Er führte alle möglichen Argumente dagegen an, die mich keineswegs überzeugten. Bis er mich eines Tages mit der Wahrheit konfrontierte.

Ich starrte ihn fassungslos an. Das konnte er doch nicht ernst meinen. Er hatte sich erneut verliebt? In eine unserer Kundinnen?

Diese Anke, die ihn offensichtlich um den Verstand gebracht hatte, war fast zehn Jahre jünger als ich und sah unheimlich sexy aus. War es das, was er wollte? Hatte er denn vergessen, was ich all die Monate für ihn getan hatte? Das konnte er doch nicht einfach unter den Tisch kehren. Ich wollte weiß Gott keinen Dank dafür, aber ich liebte ihn doch. Für mich war er alles.

Aber Helmut hatte sich für die andere entschieden. Er könne nichts dagegen tun, versuchte er zu erklären, als er bei mir auszog und mich mit all den Schulden, die wir für das Geschäft übernommen hatten, sitzenließ. Sein neuer Herzschrittmacher vermittelte ihm offenbar das Gefühl, wieder jung, gesund und belastbar zu sein. Mich brauchte er nicht mehr.

Gerade ihm hätte ich das nie zugetraut. Jetzt musste ich erkennen, dass er auch nicht besser war als all die anderen Männer, von denen ich wusste.

Das Geschäft werde ich wohl aufgeben. Das ist nicht so schlimm. Nur die Enttäuschung über Helmuts Handlungsweise werde ich nicht so schnell verkraften. Sie hat mich völlig aus dem Gleichgewicht geworfen.

Was nützt die Überzeugung, dass auch seine Beziehung zu dieser Anke nicht von langer Dauer sein wird? Von einem Menschen, dem man so bedingungslos vertraut hat, betrogen und verlassen zu werden, hinterlässt einen Schmerz, den ich wohl auch nach Jahren noch spüren werde. Jetzt bin ich froh, dass ich von Helmut kein Kind haben werde.

Eines weiß ich genau, eine neue Bindung kommt für mich nicht mehr in Betracht. So leichtgläubig kann ich nur einmal im Leben sein, nur einmal so glücklich wie in jenen Monaten und nur einmal so verzweifelt wie jetzt.

 

 

Ein schlimmer Verdacht hätte fast meine Zukunft zerstört

Einesteils war ich stolz, als mir mein Chef zum ersten Mal die Tageseinnahme anvertraute, um sie nach Geschäftsschluss zur Bank zu bringen. Andererseits ärgerte ich mich über den unpassenden Zeitpunkt. Ausgerechnet heute hatte ich pünktlich nach Hause kommen wollen, weil ich mit Clemens verabredet war. Wir wollten übers verlängerte Wochenende an die Mosel fahren.

Ich rief ihn an, um ihm mitzuteilen, dass es nun doch etwas später werden würde. Mein Freund war sauer und ließ sogar Zweifel anklingen. Schließlich wusste er, dass Köbenich bisher immer selbst das Geld zum Nachtsafe gebracht hatte. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass Köbenich seine Maschine nach Mailand nicht versäumen wollte, Clemens aber fand, dass dann eine der älteren Kolleginnen zuständig wäre. Er wollte einfach nicht begreifen, wie ich mich über den Vertrauensbeweis freute, arbeitete ich doch erst seit vier Monaten in dem Konfektionsgeschäft.

Natürlich würde ich mich beeilen. Bis zur Bank war es ja nicht all zu weit, und mein Fahrrad stand im Hof. Mehr als vierzig Minuten würde es nicht dauern.

Ich war immer noch ein bisschen sauer über Clemens' Vorwürfe, während ich in die Pedale trat. Wahrscheinlich reagierte ich deshalb auf der Rheinbrücke zu hektisch, als vor mir ein kleiner Lieferwagen eine Kiste mit Äpfeln verlor. Ich riss den Lenker herum und versuchte, auf den Fußweg auszuweichen. Die Bordsteinkante wurde mir jedoch zum Verhängnis. Kopfüber stürzte ich, während mein Rad, das ich mir erst kürzlich gekauft hatte, gegen einen Brückenpfeiler knallte.

Benommen blieb ich liegen, während sich um mich Passanten scharten, die mir auf die Füße helfen wollten.

Ich blutete aus der Nase, und mein rechter Arm war von der Hand bis zum Ellbogen aufgeschrammt. Auch mein Knöchel tat höllisch weh. Hoffentlich war nichts gebrochen!

Zu meiner Erleichterung tauchte auch Clemens in der Menge auf und kümmerte sich um mich. Da müsse unbedingt ein Arzt her, meinte er. Womöglich hätte ich eine Gehirnerschütterung. Ich solle ganz ruhig liegen bleiben.

Zum Glück wurde nichts Ernstliches diagnostiziert. Doch ich war keineswegs erleichtert. Meine Tasche!, fuhr es mir jäh durch den Kopf. Die Tasche mit der Geldkassette!

Sie war nicht mehr da. Dabei hatte ich sie extra an den Fahrradlenker gehängt, um sie immer im Auge zu haben.

Entsetzt fragte ich die Umstehenden, ob sie die Tasche gesehen oder vielleicht beobachtet hätten, wer sie an sich genommen hätte. Niemand wusste etwas. Nur eine Frau erinnerte sich, dass sich ein junger Mann ziemlich eilig mit einer Tasche vom Unfallort entfernt hatte. Sie glaubte, Clemens wiederzuerkennen. Dieser widersprach ganz energisch.

Es war eine Katastrophe. Natürlich würde mich mein Chef für den Verlust des Geldes, wie ich später von ihm erfuhr, handelte es sich um über zwanzigtausend Euro, verantwortlich machen. Ich hätte besser darauf aufpassen müssen und vor allem nicht mit dem Fahrrad fahren dürfen.

Aber es kam noch viel schlimmer. Als Köbenich aus Mailand zurückkam und sich die Tasche mit dem Geld immer noch nicht angefunden hatte, sagte er mir auf den Kopf zu, dass ich den angeblichen Unfall nur inszeniert habe, um meinem Freund die Möglichkeit zu geben, mit dem Geld zu verschwinden. Warum wäre er wohl sonst so schnell zur Stelle gewesen? Hatte ich ihn nicht gleich angerufen, nachdem ich erfahren hatte, dass ich diesmal zur Bank gehen sollte?

Ich war völlig vor den Kopf geschlagen. Eines Diebstahls hatte mich noch nie jemand bezichtigt, und auch Clemens traute ich eine solche Tat keinesfalls zu. Ich glaubte seine Darstellung, dass ihn die Eifersucht getrieben habe. Er wollte sich davon überzeugen, ob ich mich nicht vielleicht nur deshalb verspätete, weil mich der Chef noch zu einer Tasse Kaffee eingeladen hatte.

Details

Seiten
90
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738925616
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v455226
Schlagworte
mein mann hure staffner

Autor

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Titel: Mein Mann behandelt mich wie eine Hure - Dr. Staffner packt aus