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Texas Wolf #42: Der Schatz der Roten Lola

2019 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Der Schatz der Roten Lola

Klappentext:

Roman:

Texas Wolf

 

Band 42

 

Der Schatz der Roten Lola

 

Ein Western von Glenn Stirling

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover 2018: Tony Masero

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappentext:

Der mächtige Rancher Harold Vaughn liegt im Sterben. In seinen letzten Stunden hat er beschlossen, sein Testament zu ändern. In der Form, dass ein Großteil seines Vermögens nicht an die eigenen Kinder geht, sondern an Lola Hopkins und deren Tochter Josy. Das passt natürlich überhaupt nicht ins Bild, und Claire Vaughn wil deshalb mit allen Mitteln verhindern, dass Lola Hopkins in den Genuss dieses Erbes kommt. Das will sie mit angeheuerten Revolvermännern erreichen. Sie weiß jedoch nicht, dass Josy ihre Halbschwester ist und dass Lola Hopkins noch einen Bruder hat: Old Joe. Und der ist gerade mit seinem Freund und Partner, dem Texas Ranger Tom Cadburn auf dem Weg zu ihr …

 

 

 

Roman:

„Geht es ihm schlecht?“, fragte der weißhaarige Notar und blickte über die Ränder seiner Kneiferbrille hinweg auf den greisen Mexikaner.

„Er liegt im Sterben“, erwiderte der Majordomus Enrico. „Er will Sie sehen, Senor O’Neill!“

Bernie O’Neill, der Notar, nickte. „Irgendwann ist es für uns alle soweit“, erwiderte er. „Leidet er sehr?“

„Ich glaube nicht. Sie sind alle bei ihm.“

„Seine Kinder?“, wollte der Notar wissen und nahm seine Tasche, steckte einige Papiere hinein und wandte sich dann wieder dem Majordomus zu.

„Ja, Fred, Charly und Claire. Fred und Charly haben ihre Frauen mitgebracht. Das sind die Schlimmsten. Sie kommen mir wie Geier vor. Wie Geier, die um einen Sterbenden herumsitzen und auf seinen Tod lauern und nichts gieriger erwarten als das, was er hinterlässt.“

„Hinterlässt?“, fragte der Notar. „Wir haben das Testament doch schon vor drei Jahren gemacht.“

„Er möchte es ändern“, sagte der Majordomus leise. „Und Sie sollen rasch kommen. Ich glaube, wir müssen uns sehr beeilen.“

Als sie das Haus verließen und auf die sonnenüberflutete, staubige Straße traten, da fragte der Notar: „Sag mal, wieso will er es ändern? Weißt du, zu wessen Gunsten?“

„Ich glaube, ich weiß es“, erwiderte der greise Mexikaner. „Aber ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich darf es Ihnen nicht sagen.“

„Rede doch keinen Unsinn! Ich muss mich doch schon etwas darauf vorbereiten. Vielleicht spricht er so leise, dass ich ihn kaum verstehe.“

„Er möchte der Roten Lola etwas geben, glaube ich“, erwiderte der Mexikaner.'

Der Notar zog überrascht die Brauen hoch und sah Enrico verblüfft an. „Der Roten Lola?“, fragte er erstaunt. „Was hat er mit der Roten Lola zu tun?“

Der Mexikaner lächelte. „Er hatte sehr viel mit ihr zu tun. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber ich weiß es.“

„Natürlich, wer sonst außer dir sollte es wissen. Du bist ja sein Vertrauter, sein Haushofmeister, sein Sekretär und derjenige, der alle seine Geheimnisse hütete. Nun gut, wir sind ja gleich da.“

Lone Place war eigentlich ein kleines Nest am Rande der Berge, trostlos und von der Natur nicht gerade verwöhnt. Das einzige, was man im Überfluss hatte, waren Sonne und Staub. Aber aus dieser Trostlosigkeit erhob sich das weiße, im spanisch-maurischen Stil gebaute Herrenhaus. Einst der Besitz mexikanischer Großgrundbesitzer und nun seit drei Jahrzehnten das Eigentum von Harold Vaughn, dem ungekrönten König dieses Gebietes hier.

Vor dem Gebäude standen einige Kutschen, die Pferde waren ausgespannt. Man bereitete sich offensichtlich auf einen längeren Aufenthalt vor.

„Er hat ein zähes Leben“, sagte der Majordomus ergriffen. „Er kämpft seit Tagen mit dem Tod. Aber der Tod wird Sieger sein.“

„Ja, Enrico, ihr seid ja fast in einem Alter. Ich glaube, du bist noch etwas älter als er.“

„Nein“, erwiderte Enrico. „Wir sind im selben Jahr geboren. Und ich glaube, mich ruft es auch bald hinüber in diese andere Welt.“

„Das hat dich ja ganz schön gepackt“, meinte der Notar. „Also gut, gehen wir hinein.“

Drinnen im Haus war es kühl. Es war ein sehr feudal eingerichtetes Gebäude, dem man den Reichtum seines Besitzers allerorten ansah. Nichts war zweitklassig, minderwertig. Dennoch wirkte alles im Augenblick sehr trostlos. Der Geruch von Weihrauch schwängerte die Luft, und die Schritte der beiden Männer hallten unwirklich laut, wie der Notar meinte, von den Wänden wider.

Als der Majordomus eine der großen Türen öffnete, wurde der Weihrauchgeruch nahezu penetrant.,Im ersten Augenblick sah der Notar nur die Rücken einiger Menschen, die ihm den Blick auf das Bett des Sterbenden verdeckten. Außer dem Murmeln des mexikanischen Padres, der neben dem Bett des Sterbenden stand, war zunächst kein Geräusch zu hören. Aber der Majordomus schloss die Tür, und ihr Knarren schreckte die Umstehenden auf. Sie drehten sich wie auf ein Kommando um und blickten in einer Mischung aus Befremden, Abneigung und unverhohlener Neugier auf den Notar.

Ihm waren die Gesichter alle vertraut. Der älteste Sohn von Harold Vaughn, der kahlköpfige und dickbäuchige Fred Vaughn, dessen Froschaugen in gieriger Erwartung den Notar ansahen. Neben ihm seine kleine, vor Neid und Geiz früh alt gewordene Frau. Außerdem waren Charly Vaughn, der etwas jüngere Bruder von Fred, und seine trotz ihrer dreißig Jahre noch immer kindlich wirkende Frau, die Bernie O’Neill ansah wie ein Kind den Knecht Rupprecht.

Auch Claire war gekommen. Claire, zweiundzwanzig Jahre jung, blond, sehr selbstbewusst bis zur Arroganz, in einem Kleid, das der Mode letzter Schrei war und ein kleines Vermögen gekostet haben dürfte. Claire, so wusste der Notar, war immer des Alten Liebling gewesen. Sein Nesthäkchen, das er sich was kosten ließ. Ganz zuletzt allerdings soll es zwischen den beiden öfters Streit gegeben haben. Auch Claire hatte jemand mitgebracht, und auch den kannte der Notar flüchtig. George Doolin war ihm vor ein paar Wochen schon einmal vorgestellt worden. Ein dunkelhaariger, geschniegelt wirkender Mann, der Bernie O’Neill eher an einen Spieler oder einen Salonlöwen erinnerte als an einen biederen Geschäftsmann, der George Doolin angeblich sein wollte.

Außerdem war der mexikanische Padre gekommen, zu dem der Alte großes Vertrauen hatte. Die beiden Messnerjungen standen mit ihren Weihwassergefäßen an der Kopfseite des Bettes: Und im Bett lag der Alte.

Das Gesicht des Sterbenden wirkte wie Leder, wie altes, furchiges Leder, mürbes und von Wetter, von Nässe vergilbtes, verwaschenes Leder. In seinen Augen begann der Glanz, der den Blick, der Harold Vaughn immer ausgezeichnet hatte, allmählich abzustumpfen, und die Lippen schienen schon blutleer zu sein. Aber er lebte noch, und nun, da er seinen alten Freund Bernie O’Neill gewahrte, da raunte er etwas, das allerdings nur der Padre verstehen konnte, weil er neben dem Bett in Kopfhöhe des Sterbenden stand.

„Senor O’Neill“, sagte der Padre, „der Patron möchte Sie sprechen.“

Er war hier der Patron, in dieser Siedlung, in dieser Gegend. Er war der Herr. Und sogar der Padre nannte ihn Patron.

O’Neill trat an das Bett, beugte sich etwas vor und fragte:

„Na, wie geht es dir, alter Junge?“

Der Alte runzelte die Brauen und raunte: „Vergeude nicht unsere Zeit! Ich habe nicht mehr viel davon. Ich will, dass du das Testament änderst. Hier, angesichts der Kinder, sage ich das. Sie sollen es alle hören.“

Der Notar blickte sich um, sah in die fragenden, verblüfften Gesichter, deren Ausdruck allein schon die Antwort auf die Frage war, ob sie die Worte des Alten verstanden hatten oder nicht.

„Bernie“, fuhr der Alte fort, „ich will, dass du die Kassette Miss Hopkins gibst, Miss Lola Hopkins! Hast du verstanden, Bernie?“

„Ich habe es verstanden. Ich soll also die Kassette Lola Hopkins geben.“

Der Alte nickte kaum merklich. „Und ihr Kind wird das bekommen, was in der Kassette liegt, verstehst du? Sie wird das bekommen, was in der Kassette liegt.“

„Du meinst Josy, ihre Tochter Josy?“, fragte der Notar.

Der Alte nickte. „Ich meine Josy. Du hast den Schlüssel von der Kassette, Bernie“, murmelte der Alte, der jetzt schon immer schlechter zu verstehen war. Und es kostete ihn offenbar übermenschliche' Anstrengung, diese wenigen Worte zu sprechen. „Du hast den Schlüssel, Bernie. Gib die Kassette und den Schlüssel Lola! Und die Kassette ist schwer, es ist viel drinnen. Das Wichtigste aber ist ein Stück Papier, eine Urkunde. Und wenn Lola sie hat, soll sie Josy das geben, was auf der Urkunde steht. Hast du mich verstanden, Bernie?“

Der Notar nickte. „Natürlich habe ich dich verstanden.“ Er blickte über die Schulter zurück. „Ich nehme an, die anderen haben dich auch verstanden, alter Junge.“

Als der Notar die Umstehenden anblickte, da sah er, dass sie verstanden hatten. Ihre Gesichter waren ein einziger stummer Protest. Aber sie schwiegen noch. Doch in ihren Blicken zeigte sich plötzlich ein Hass, eine Empörung, die sich jeden Augenblick Luft machen musste.

Besorgt fragte der Notar: „Hast du dir auch alles genau überlegt, Harold?“

„Ganz genau. Ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kraft, Bernie. Das glaubst du doch?“

„O ja, Harold, das glaube ich. Ich kenne dich lange genug. Also gut, Lola Hopkins wird die Kassette bekommen. Und die Urkunde, die unter anderem darin ist, die bekommt Josy.“

Der Alte nickte zufrieden, schloss die Augen und murmelte: „Leb wohl, Bernie, leb wohl. Jetzt habe ich ... meine ganze Energie ...“ Er vollendete den Satz nicht. Sein Atem ging schwer, die Nasenspitze wurde käsig. Der Notar sah, wie seine Lider flatterten.

Als sich der Notar aufrichtete, drängte ihn jemand zur Seite. O’Neill wollte schon protestieren, da erkannte er den Arzt, der offenbar unbemerkt von ihm eingetreten war. Der Doktor beugte sich über den Sterbenden, während der Notar zurücktrat und wie gebannt in das verfallende Antlitz dieses großen Alten blickte, eines Mannes, der sich hier in der Wildnis ein Imperium aufgebaut hatte und vielen Mächten trotzen musste, bis das errichtet war, was man jetzt das Reich von Harold Vaughn nannte. Ein Reich, dem in kurzer Zeit der Verfall drohte. Denn die Söhne und die Tochter, das wusste der Notar, waren nicht imstande, das Erschaffene zusammenzuhalten.

Sie standen alle lautlos zehn Minuten lang um das Bett herum. Und dann kam der Augenblick, da der Arzt sich aufrichtete. Und als sie an ihm vorbei auf das Gesicht des Toten blickten, da waren die Lider geschlossen, da regte sich kein Muskel, kein Nerv mehr. Und sie hörten den Arzt mit trockener Stimme sagen: „Er ist sanft entschlafen.“

Vielleicht ahnte niemand in diesem Augenblick, dass der Hinweis auf den Tod des Alten der Auftakt war zu einem gnadenlosen, blutigen Kampf und zu einer erbarmungslosen Jagd, in der die niedrigsten Triebe des Menschen deutlich werden sollten.

 

*

 

Clara, das zottige, betagte Maultier Old Joes, zockelte gemächlich den schmalen Pfad von den Bergen herunter ins Tal, genau auf die beiden weiß gekalkten Gebäude zu, über deren rotbraunen Dächern eine Rauchwolke zum Himmel kräuselte.

Old Joe hockte in der Haltung eines Kamelreiters im Sattel, pfiff eine Melodie und hatte unternehmungslustig seinen verbeulten, zerknautschten Hut ins Genick geschoben. Sein grauer Dachsbart wippte bei jeder Bewegung des Pferdes, und die hellen Augen blickten erwartungsvoll auf die Gebäude hinab, denen sich Maultier und Mann näherten.

Old Joe erkannte neben dem Haus eine Frau, die Wäsche aufhängte. Und je näher er kam, um so deutlicher sah er, wer es war. Aber er war dennoch im Zweifel, ob das Josy sein konnte.

Meine Güte, dachte er, jetzt bin ich fünf Jahre nicht hier gewesen, und schon hat sich Josy zu einer Frau entwickelt. Oder ist es gar nicht Josy?

Die junge Frau hatte sich umgedreht und blickte ihm entgegen. Ihr kupferrotes Haar leuchtete in der Sonne wie Feuer. Ihr etwas blasser Teint stand im faszinierenden Kontrast zu ihrer dunklen Bluse. Josy war schön, und es war Josy. Aber sie hatte Old Joe ebenfalls erkannt und rief mit heller Stimme:

„Onkel Joe!“ Sie wandte sich um, und Old Joe hörte sie zum Haus hin rufen: „Mama, Onkel Joe kommt! Und er hat immer noch Clara.“

Kurz darauf trat eine rothaarige, ein wenig zur Fülle neigende Frau aus der Tür des größeren Hauses heraus, hielt die Hand schirmend über die Augen und blickte Old Joe entgegen. Der hatte Clara gezügelt, riss jetzt sein Sharps-Gewehr aus dem Scabbard, hielt es gen Himmel und drückte ab. Ein donnernder Schuss löste sich aus der Büchse, und dann sprengte Clara wie ein Vollbluthengst auf die Häuser zu. Old Joe schrie dabei wie ein angreifender Indianer, schwenkte das Gewehr über dem Kopf, parierte dann dicht vor den beiden Frauen das Maultier, schwang das rechte Bein dann über Claras Kopf und stieg aus dem Sattel wie von einem Sessel. Er sprang vor Josy auf die Füße, als wäre er ein Achtzehnjähriger.

Josy fiel ihm sofort um den Hals, küsste ihm die Wangen und rief: „Du hast dich überhaupt nicht verändert, Onkel Joe!“

Old Joe löste sich von Josy und blickte die rothaarige Frau an, lächelte und fragte: „Na, wie geht es dir, Schwesterherz? Ich glaube, es ist fünf Jahre her, dass wir uns zum letzten Male gesehen haben.“

„Josy hat wirklich recht, du hast dich kaum verändert, Joe.“

Old Joe schwieg. Er wollte seiner Schwester nicht sagen, dass sie sich sehr verändert hatte. Das einstmal so glänzende, herrliche, lange rote Haar wirkte strähnig, war an den Schläfen grau geworden. Aber das wäre noch das wenigste gewesen. Ihr Gesicht zeigte die Runen des Alters. Jetzt war sie fünfzig, und der Glanz, der Flair von einst waren erloschen. Geblieben waren die Mahnmale und Spuren der Sünden von früher. Geblieben war jener Charme in ihrer Stimme, in ihrem Blick, und sie gewann, wenn sie sprach. Doch im Grunde war Old Joe erschrocken.

„Ich habe geglaubt, diese Farm hier leer zu finden.“

„Wieso?“, fragte die Frau. „Wir haben die ganze Zeit hier gewohnt, warum sollten wir jetzt plötzlich nicht mehr hier wohnen?“

„Ganz .einfach“, erwiderte Old Joe. „Ich hatte gehofft, du wärest meinem Rat gefolgt und von hier weggegangen.“

„Aber Onkel Joe, hier ist unser Zuhause, warum sollen wir von hier weggehen?“

Old Joe achtete nicht auf seine Nichte. Er sah nur seine Schwester an. Er erkannte den Kummer in ihrem Blick. Und er entdeckte noch mehr Spuren der Leiden aus vergangener Zeit.

„Wir sprechen nachher darüber“, sagte er.

„Bist du deshalb gekommen?“, fragte seine Schwester.

„Nein! Ich habe dein Haus zum Treffpunkt gemacht. Zum Treffpunkt mit einem Freund, mit dem ich dann weiterziehen werde.“

„Deine Freunde kenne ich“, meinte seine Schwester. „Pokerspieler, Revolvermänner.“

Old Joe lachte. „Du irrst dich, er ist ein Texas Ranger, ein prächtiger Bursche und noch jung.“ Old Joe sah Josy an. „Für dich wäre er etwas“, fügte er verschmitzt grinsend hinzu.

„Nun hört bloß auf! Erst warst du immer der mahnende Ratgeber, und nun spielst du auch noch den Kuppler, was?“, fragte seine Schwester. „Du änderst dich nie. Komm rein! Einen Freund als Texas Ranger!“ Sie schüttelte den Kopf und ging vor ihm her ins Haus.

Old Joe ließ sie gehen, denn er hatte sich erst um Clara zu kümmern. Als er damit fertig war, wandte er sich Josy zu, die die ganze Zeit bei ihm gestanden hatte. Er wollte gerade etwas zu ihr sagen, als Clara den Kopf hob und hinauf zur Anhöhe blickte, die das Tal umsäumte. Old Joe, der auf Clara eingestellt war, wusste, dass sich da jemand nähern würde. Er blickte auf, sah aber noch nichts. Kurz danach tauchten zwei Pferde mit einem leichten Federwagen auf.

„Besuch?“, meinte Old Joe. Josy, die das noch gar nicht wahrgenommen hatte, fuhr herum, blickte empor zum Hügel und meinte: „Wer könnte das denn sein?“ Und dann rief sie zum Haus hin: „Mama, da kommt jemand mit einem Wagen von der Stadt her!“

Aus dem Haus antwortete es: „Was soll schon aus Lone Place kommen, was Gutes bestimmt nicht!“

Old Joe brauchte Clara nicht an die Leine zu legen oder in einen Pferch zu sperren. Sie blieb dort, wo er war. Er ließ das Maultier laufen, nachdem es gesoffen hatte, und es begann zu grasen. Indessen näherte sich der Wagen.

„Ich weiß immer noch nicht, wer es ist“, erklärte Josy, die die ganze Zeit über zum Wagen hingesehen hatte.

Lola Hopkins trat aus dem Haus, spähte zum Wagen hinauf und sagte: „Die Pferde, diese beiden Braunen, sind das nicht die Pferde vom Notar?“

„Was sollte denn Mr. O’Neill hier wollen?“, erwiderte Josy.

„Aber es sind seine Pferde“, meinte die Mutter. „Ich kenne sie doch. Zwei herrliche braune Hengste mit Blessen. Und diese beiden sehen genauso aus. Natürlich, der sie fährt, hat weiße Haare.“

„Das sieht nur so aus“, meinte Josy. „Was sollte denn der Notar bei uns wollen?“

Der Wagen kam näher, und dann rief Josy: „Du hast recht, Mama! Es ist wirklich Mr. O’Neill.“

„Eigenartig, was mag er sich wieder ausgekocht haben?“

„Mr. O’Neill?“, fragte Josy.

„Er doch nicht! Nein, Mr. Vaughn natürlich!“

„Siehst du“, sagte Old Joe, „du kommst nie davon los. Ich hab’ dir doch gesagt, geh von hier weg. Ich hab’ es dir immer gesagt, weil ich wusste, dass er dich nicht loslässt, dass er dich quälen wird, solange du in seiner Nähe bist.“

„Hör auf, davon verstehst du nichts! Er hat gut für uns gesorgt, er hat immer gut für uns gesorgt!“

„Wovon sprecht ihr?“, fragte Josy und sah erst ihre Mutter, dann Old Joe an.

Die beiden erwiderten ihren Blick und schwiegen mit einem seltsamen Einverständnis.

Als der Wagen mit den beiden herrlichen Hengsten heranfuhr und dann anhielt, blickten alle drei auf den dunkel gekleideten Notar, dessen silbernes Haar im Sonnenlicht wie Perlmutt schimmerte.

Old Joe kannte den Notar nicht, aber seine Schwester machte sie beide miteinander bekannt. Und dann sagte Bernie O’Neill: „Ich möchte mich gar nicht lange aufhalten, ich muss sofort wieder zurück zur Stadt. Aber ich habe eine traurige Pflicht zu erfüllen. Heute in den Mittagsstunden ist Mr. Harold Vaughn gestorben. Unmittelbar vor seinem Tod und noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte hat er mich vor Zeugen beauftragt, Ihnen etwas zu übergeben.“ Der Notar blickte Lola Hopkins beschwörend an und fuhr fort: „Mrs. Hopkins, es handelt sich um etwas, das Ihr Leben möglicherweise total verändern wird. Andererseits aber kann ich nicht verhehlen, Ihnen zu sagen, dass Sie Neider haben. Schon in dem Augenblick der Testamentsänderung, kurz vor Mr. Vaughns Tod, habe ich erkannt, dass Sie etwas erben, das zugleich eine gewisse Gefahr für Sie in sich birgt.“

Lola Hopkins stand wie versteinert. Obgleich sie von der Krankheit Harold Vaughns in seinen letzten Tagen gehört hatte, kam sein Tod für sie dennoch hart und überraschend.

Old Joe blickte seine Schwester an, voller Mitgefühl und doch in seinem Inneren erleichtert, dass es nun vorbei sein würde. Denn er wusste von der Liebesbeziehung seiner Schwester zu Harold Vaughn, die fast anderthalb Jahrzehnte lang wie ein loderndes Feuer gebrannt hatte. Damals war Harold Vaughn noch verheiratet gewesen mit einer Frau, mit der er sich auseinandergelebt hatte, von der er sich aber aus religiösen Gründen nicht trennen konnte, zumal sie auch die Mutter seiner legitimen Kinder war. Es war eine Zeit gewesen, die Lola Hopkins nicht missen wollte. Und dennoch hatte sie seither die Anfeindung sehr vieler Mitmenschen zu spüren bekommen, ganz besonders die von Fred, Charly und Claire Vaughn, der rechtlichen Kinder des großen, alten Mannes in diesem Gebiet.

„Mrs. Hopkins“, fuhr der Notar fort, „hier ist die Kassette, die Ihnen Mr. Vaughn hinterlassen hat. Und hier ist der Schlüssel dazu.“

Bernie O’Neill hob eine goldschimmernde, handliche Kassette unter dem Sitz hervor und hielt sie Lola Hopkins entgegen. Aber die streckte die Hände erst nach einer ganzen Weile und auch sehr zögernd danach aus, nahm die Kassette an sich und starrte darauf wie auf etwas, das ihr wenig Freude machte.

„Lass sie nicht fallen!“, sagte Old Joe. „Wissen Sie, was darin ist?“ wandte er sich an den Notar.

„Ja, ich weiß, was darin ist. Und leider wissen das zu viele Leute. Denn er hat zumindest von der Urkunde gesprochen, bevor er starb.“

„Was für eine Urkunde?“, fragte Lola Hopkins mit Tränen in den Augen.

„Bevor ich Ihnen das erkläre“, meinte Bernie O’Neill, „möchte ich Ihnen folgendes sagen: Sie haben die Möglichkeit, dieses Erbe abzulehnen. Ich weiß, dass es verrückt klingt, was ich sage. Andererseits weiß ich, ich bin absolut sicher sogar, dass Sie um den Besitz dieser Kassette und dem, was darinnen ist, kämpfen müssen. Man wird versuchen, es Ihnen streitig zu machen. Ganz besonders was das angeht, was auf der Urkunde steht. Aber darüber spreche ich gleich. In dieser Kassette befinden sich zwei Schuldurkunden auf zwei Anwesen in Lone Place. Darüber hinaus eine Grundstücksurkunde, die allein für Ihre Tochter Josy bestimmt ist.“

„Für mich? Was hab’ ich mit Harold Vaughn zu tun?“, rief Josy.

Bernie O’Neill blickte mit säuerlichem Lächeln in Josys Richtung, wandte sich dann wieder Lola Hopkins zu und fragte: „Weiß sie nichts?“ ,

Lola Hopkins schüttelte nur den Kopf, und bevor Josy Fragen an sie richten konnte, winkte sie ab und sagte: „Bitte, Mr. O’Neill, sprechen Sie weiter.“

„Diese Urkunde macht Ihre Tochter Josy zur Besitzerin der Quelle des Blue Springs Creeks.“

Old Joe wusste nicht, was das bedeutete und blickte fragend von einem zum anderen. Auch Josy schien keine Ahnung zu haben. Aber Lola Hopkins wusste offenbar, was das bedeutete. Sie starrte den Notar verblüfft an und platzte dann heraus: „Die Blue Springs Creek-Quelle, das bedeutet doch, ihr gehört das gesamte Wasser, das hier über die Weiden fließt und in den Ort.“

„Genauso ist es“, bestätigte Bernie O’Neill. „Und Sie kennen ja Mr. Vaughns oft ausgefallene Ideen. Er hat zwar seinen Söhnen und seiner Tochter dieses gewaltige Gebiet an Ländereien vererbt. Die Ranches, die Schaffarmen, die Rinderherden, all das. Und Ihnen, beziehungsweise Ihrer Tochter, hat er nur vergleichsweise wenig von der Fläche her vermacht, aber diese ganzen Ländereien sind nichts wert. Das Land würde verdorren. Und weder Schaf- noch Rinderherden könnten darauf leben, wenn dieses Wasser nicht wäre, das jetzt Ihrer Tochter gehört. Sie hat das Recht, und das steht ausdrücklich in dieser Urkunde drinnen, für das Wasser, das aus dieser Quelle kommt, eine Art Zoll zu verlangen. Und dieses Geld soll ihr praktisch den Lebensunterhalt sichern. Denn Mr. Vaughn hat in der Urkunde festgelegt, wie hoch die Gebühren sind, die Ihre Tochter verlangen kann. Und zwar ist die Höhe der Gebühr an den Goldwert angepasst. Im Augenblick ist das so viel, dass man sagen kann, Miss Josy, Sie werden bald sehr reich sein.“

Er sah Josy an, aber sie freute sich nicht. Sie machte ein völlig fassungsloses Gesicht, wandte sich dann ratlos an ihre Mutter, aber die war ebensowenig imstande, dieses plötzlich auf sie eingestürmte Geschehen zu verarbeiten.

„Dann hat ja der alte Kerl im letzten Augenblick doch noch ein Herz gezeigt“, sagte Old Joe, der genau wusste, wie das damals gewesen war, und deshalb immer wollte, dass seine Schwester die Gegend hier verließ.

„Ja“, bestätigte der Notar, „er hat sich seiner Tochter Josy erinnert.“

„Was sagen Sie?“, rief Josy. „Seiner Tochter Josy? Ich bin doch nicht Harold Vaughns Tochter? Mama“, wandte sie sich an ihre Mutter, „sag, dass das Unsinn ist!“

Lola Hopkins schüttelte den Kopf. „Ich habe es dir nie gesagt, ich habe immer erzählt, dass dein Vater sich von mir getrennt hat. Aber es ist nicht richtig. Getrennt waren wir eigentlich immer. Trotzdem haben wir uns sehr geliebt, nur eben, dass er verheiratet gewesen ist. Harold Vaughn war dein Vater.“

„Mrs. Hopkins“, meinte der Notar, „man hat Sie beschimpft, man hat Sie als die Rote Lola verleumdet und Ihnen Dinge angehängt, die nicht stimmen. Harold Vaughn hat es offensichtlich zu schätzen gewusst, dass Sie in der Nähe geblieben sind, dass Sie dieses kleine Anwesen, das er vor zwanzig Jahren für Sie finanziert hat, nie verlassen haben. Und aus diesem Grund befindet sich noch etwas in der Kassette außer den beiden Schuldbriefen und der Urkunde über die Quelle, nämlich Bargeld in Geldnoten im Werte von fünfzehntausend Dollar. Und außerdem kann ich Ihnen mitteilen, dass der Grund und Boden, den Sie bewohnen und der bis jetzt noch Harold Vaughn gehört hat, in Ihren Besitz übergegangen ist.“

„Du bist nun eine vermögende Frau geworden, Lola“, meinte Old Joe.

Der Notar hob einschränkend die Hände. „Vergessen Sie bitte nicht, dass die beiden Söhne und auch die Tochter von Mr. Vaughn durchaus damit nicht einverstanden sind. Es hat schon unmittelbar nach dem Tod von Mr. Vaughn Proteste gegeben, und die Stimmung in Lone Place ist im Augenblick derartig gegen Sie aufgeheizt, Mrs. Hopkins, dass ich mit dem Schlimmsten rechnen muss. Ich wollte Ihnen deshalb den Rat geben, das Land, zumindest vorübergehend, so schnell wie möglich zu verlassen. Die Gelder, die aus der Wasserbenutzung kassiert werden, kann ich mit Hilfe des Sheriffs eintreiben. Dafür brauchen Sie nicht hierzubleiben. Und es ist vielleicht ganz gut, dass Sie zufällig hier sind und Ihrer Schwester in dieser schwierigen Sitation zur Seite stehen können.“

Old Joe nickte. „Darauf können Sie sich verlassen. Hat man gesehen, dass Sie hierher gefahren sind?“, fragte er.

„Nein, das hat man nicht. Ich habe bewusst so etwas wie einen kleinen Konvoi zusammengestellt aus bewaffneten Männern, die den Eindruck erwecken sollen, als brächten sie diese Kassette auf Umwegen zu Ihnen. Ich selbst bin dann geradewegs hierher gefahren, und man hat mich auch nicht verfolgt. Wahrscheinlich konnte man nicht glauben, dass ich es wagen würde, diesen hohen Wert mutterseelenallein zu begleiten. Aber Sie sehen, es hat geklappt. Ich habe noch etwas vorbereitet. Dieser Konvoi aus insgesamt sieben Schwerbewaffneten erwartet Sie vier Meilen von hier entfernt in der alten Poststraße nach El Paso, dort, wo die drei einzelnen Bäume stehen. Wissen Sie, wo das ist?“

Lola Hopkins nickte. „Josy und ich kennen den Weg“, erwiderte sie.

„Und bis dahin bin ich bei ihnen“, erklärte Old Joe. Er deutete auf seine beiden Gewehre, die neben dem Sattel an der Hauswand lehnten. Seine Sharps-Büchse und das langläufige, gewaltige Hawken-Gewehr, jenen Vorderlader, die zusammen mit Old Joe in Süd-Texas bereits legendär geworden waren.

„Und die beiden“, fuhr Old Joe fort, „sind auch dabei.“

„Aber wohin sollen uns die Männer begleiten?“, fragte Lola Hopkins.

„Sie werden Sie nach El Paso bringen. In der Stadt sind Sie sicher. In El Paso leben einfach viel zu viele Leute, dort glaubt man nicht mehr an Hexen und solchen Unsinn, der jetzt besonders von Claire Vaughn wieder angerührt wird. Ich weiß, dass sich der Padre darüber ärgert, dass er sogar von der Kanzel herunter vor diesem Unfug gewarnt hat, aber was schert es Claire Vaughn. Wir kennen sie ja. In ihrer Hysterie kann sie sogar die Frauen von Fred und Charly Vaughn mitreißen. Und diese drei zusammen im Verein mit einer Gruppe anderer übergeschnappter Weiber, die werden es schon fertigbringen, den letzten Bewohner von Lone Place gegen Sie zu mobilisieren, Mrs. Hopkins. Es heißt also nichts wie weg! Und hinzu kommt noch etwas, das ich Ihnen unbedingt sagen möchte: Fred Vaughn und Claires Freund George Doolin haben unmittelbar nach dem Begräbnis eine längere Besprechung gehabt. Und ein paar Stunden später sah ich George Doolin mit Joe Ballantine zusammen. Sie wissen, wer das ist?“

„Ein Spieler und Revolvermann“, erwiderte Lola Hopkins. „Einer von den ganz Kaltblütigen.“

„Und George Doolin“, sagte der Notar,, „ist auch ein Spieler. Und man sagt ihm auch nach, er sei ein Revolvermann. Joe Ballantine und George Doolin zusammen wären sogar eine harte Nuss für dieses kleine Aufgebot, das ich für Sie engagieren konnte.“

„Er hat recht“, meinte Old Joe. „Machen wir, dass wir jetzt wegkommen.“

„Überzeugen Sie sich aber erst noch, ob das in der Kassette ist, was ich Ihnen, gesagt habe“, verlangte Bernie O’Neill.

„Nun gut, aber dann verschwinden wir hier wirklich. Und wie lange, glauben Sie, müssen wir hier wegbleiben?“, fragte Lola Hopkins.

Bernie O’Neill zuckte die Schultern. „Einer der Männer, die Sie begleiten, hat einen Brief für den Sheriff von El Paso. Darin steht auch, wo man Sie unterbringen kann. Erwarten Sie dort meine Nachricht. Es kann Wochen dauern, es kann vielleicht nur Tage dauern. Wenn Sie Bescheid bekommen, kehren Sie zurück. Aber solange Sie von mir nichts hören, bleiben Sie dort. Denn Sie können ganz sicher sein, dass man versuchen wird, Ihnen die Besitzurkunde der Quelle wegzunehmen. Und ich bitte Sie auch, sofort nach Ihrer Ankunft in El Paso diese Urkunde im Tresor der Bank zu deponieren.“

„Das werde ich auch tun“, erwiderte Lola Hopkins. „Und jetzt nutzen wir die Zeit.“

„Ja, nutzt die Zeit, ihr habt wenig genug davon“, rief der Notar, ließ die Peitsche knallen und fuhr aus dem Gehöft.

 

*

 

Sie waren zu viert und hatten sich an der Stelle postiert, wo der Wagenweg an einem verwitterten, rostroten Felsen vorbeiführte. Von hier aus konnte man zwar das Tal nicht einsehen, wohl aber die letzte halbe Meile des Wagenweges, bevor er hier an den Felsen vorbeiführte. Und in diese Richtung spähten die vier Männer, die ihre Pferde hinter Gestrüpp versteckt hatten und hier auf der Lauer lagen, ihre Gewehre gespannt und entsichert, die Gesichter hart und entschlossen.

Der blonde, wuschelköpfige Charly Vaughn lag ganz außen links, neben ihm befand sich der ebenfalls blonde, kleine und abgrundhässliche Art Carson, ein Schießer, dessen Name auf den Listen der Texas Rangers weit oben aufgeführt war, gesucht wegen Mordes.

Rechter Hand von Art Carson döste George Doolin, dessen Spielerhände sich um den Lauf des Gewehres schlangen wie um eine Stange. Doolin, der Verlobte von Claire Vaughn, hatte ein hartes Gesicht und einen eiskalten Blick.

Rechts außen lag der Mann, der einmal der Ranchboss von Harold Vaughn gewesen war, den der Großgrundbesitzer aber wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten gefeuert hatte. Dieser Tatsache ungeachtet, war Joe Ballantine immer der Freund von Harold Vaughns Söhnen und seit einiger Zeit auch von George Doolin gewesen. Joe Ballantine galt besonders unter den Mexikanern, denen er offene Verachtung zeigte, als ein harter, brutaler Mann. Aber er war mehr. Er war auch ein gefährlicher Revolverschütze und hatte sich seit seinem Rausschmiss in Lone Place als Spieler niedergelassen. Der alte Vaughn verbot ihm die Stadt, aber Joe Ballantine blieb dennoch. Und daran ließ sich ablesen, dass die Macht des Alten nachgelassen hatte. Harold Vaughn brachte niemanden auf die Beine, der es gewagt hätte, Joe Ballantine aus der Stadt zu treiben. Im Gegenteil, immer mehr Männer und voran die Söhne von Harold Vaughn scharten sich um den ehemaligen Ranchboss, immer trotziger begegneten viele dem großen alten Harold Vaughn. Und nun, da der Alte tot war, schlug die Stunde der Wahrheit in Lone Place.

„Die haben schnell aufgegeben, was?“, meinte Charly.

Joe Ballantine sah ihn an. Sein Gesicht war von einem Unfall beim Bränden der Jungstiere gezeichnet. Es war ein hässliches, ein verunziertes Gesicht, verstümmelt durch eine Narbe, die schräg übers Gesicht hinzog. Auch die Nase hatte ihr Teil davon abbekommen und ähnelte einer aufgeplatzten Kartoffel. Mit diesem Gesicht konnte man Kinder erschrecken.

„Ja“, erwiderte Joe Ballantine. „Diese Jungs reiten für Bezahlung, aber der Heldentod ist im Preis nicht mit inbegriffen. Es war klug von ihnen, so schnell aufzugeben. Und für uns hatte es auch seine Vorteile. Man weiß nie, wie so etwas ausgeht. Wenn ich Kampf vermeiden kann, vermeide ich ihn. Nur ein Narr sucht den Kugelregen.“

„So ein Narr wäre der Notar“, erklärte Charly Vaughn. „Dieser Idiot! Warum musste er sich hier so sehr einsetzen? Er hätte die Kassette in seinem Büro lassen können, und wir konnten mit ihm ...“

„Man kann nicht mit ihm verhandeln, wenn du das meinst“, widersprach Joe Ballantine. „Er ist ein Mann, der sich für einen senkrechten Typ hält. So ein Wahrheitsbolzen, ein Fanatiker, und im übrigen, das sollten wir nicht unterschätzen, war er mit deinem Vater gut befreundet.“

„Hoffentlich schmort der Alte schon in der Hölle“, meinte Charly. „So eine Gemeinheit, diesem Luder die Quelle zu vermachen, die Quelle, von der wir alle abhängig sind. Und dann kann sie Wasserzoll verlangen, überleg sich das mal einer. Das war auch so ein Streich. Meiner Mutter hat er Streiche gespielt mit diesem Hurenstück, dieser Roten Lola, und jetzt will er uns alle miteinander verschaukeln, indem er dem Bastard von der Roten Lola die Quelle vermacht hat. So etwas kann man doch gar nicht zulassen. Im Grunde ist das ja sogar gegen das Gesetz.“

„Rede doch keinen Unsinn!“ rief Joe Ballantine. „Gegen das Gesetz, da hatte der alte Mann doch mehr Ahnung als du. Ich hab’ dir gleich gesagt, das lässt sich nur auf eine einzige Art regeln, und zwar schnell und radikal.“

Charly lachte. „Die Alte könnte hier als Hexe verbrennen, aber die Kleine, die würde ich schon mal ganz gerne vernaschen.“

„Du Idiot, lass das bloß nicht deine Frau hören!“, knurrte Art Carson. Er hatte eine eigenartig klingende, schrille Stimme.

„Und außerdem ist sie deine Halbschwester. Hast du daran gedacht?“, meinte Joe Ballantine.

„Seid still, ich höre etwas!“, rief George Doolin. Und sie schwiegen und lauschten.

„Der Wagen kommt“, murmelte Joe Ballantine. „Los, die Köpfe runter! Lasst ihn ja nahe genug herankommen!“

Es dauerte doch noch eine Weile, bis die Pferde mit dem leichten Wagen auftauchten, auf dem Bernie O’Neill saß. Er ahnte nichts, und nichts warnte ihn. Er fuhr in diese tödliche Falle hinein, aus der es für ihn kein Entrinnen mehr geben sollte. Und dann, als er auf etwa zweihundert Schritt heran war, da sah er es noch unmittelbar neben dem Felsen aufblitzen. Aus vier Gewehrmündungen zuckten die Mündungsflammen, aber das war zugleich die letzte Wahrnehmung im Leben des Notars.

Von drei der vier Kugeln getroffen, wurde der alte Mann vom Bock gestoßen, blieb noch einen Augenblick auf der kurzen Kofferpritsche des Wagens liegen, rollte dann herunter, während seine Pferde sich aufbäumten, zur Seite austraten, nachdem das vierte Geschoss das Handpferd gestreift hatte.

Der Alte stürzte in den Staub, überschlug sich und blieb dann reglos liegen, während sich seine Pferde in den Strängen verhedderten, in wildem Galopp zur Seite hin davonjagten, dass der Wagen hochsprang. Und dann schlug das linke Vorderrad gegen einen Felsbrocken, zerbarst regelrecht unter dem Anprall, und zugleich stürzte der Wagen um. Die Pferde, noch mehr in den Strängen und Zügeln verheddert, rasten dennoch weiter, dann stürzte das Sattelpferd, überschlug sich richtig, das andere konnte nicht mehr weiter, stürzte ebenfalls, beide Tiere kamen wieder auf die Beine, waren aber so hoffnungslos in den Strängen verschlungen, dass sie nicht weiterzugehen vermochten.

Ballantine war aufgestanden, blickte kurz zu den Pferden hinüber und sagte: „Art, kümmere du dich um die Tiere, lass sie einfach laufen! Und wir begraben den Notar irgendwo dort hinten im Gestrüpp, wo ihn so leicht keiner findet.“

„Und die Kutsche?“, fragte Charly.

„Die Kutsche zerren wir dahinten zwischen das Dornengestrüpp, da sucht sie niemand. Da packen wir alle mit an, und dann nichts wie hin, hinunter zur Roten Lola, dieser verdammten Hexe. Hoffentlich ist die nicht schon abgehauen mit ihrem Bastard.“

 

*

 

Als Old Joe die Reiter bemerkte, die ihnen folgten, hatten er, seine Schwester und Josy bereits die Poststraße nach El Paso erreicht. Es waren keine fünfzig Schritt mehr bis hin zu diesen drei mächtigen Sykomoren, die wie ein Naturdenkmal aus der Ebene der Hochfläche herausragten. Aber dort konnte Old Joe niemanden entdecken. Nicht jene Männer, die angeblich hier auf sie warten sollten. Statt dessen kamen von hinten vier Reiter, und Old Joe wurde sich nicht darüber klar, ob sie nun Verfolger waren oder jene Begleitung darstellten, die eigentlich schon hier warten sollte.

Die Unsicherheit über die Zugehörigkeit jener vier Reiter ließ Old Joe eine Entscheidung fällen. „Los, schnell!“ rief er seiner Schwester Lola zu, die zusammen mit Josy auf dem Farmerwagen saß, der von einem dürren Klepper gezogen wurde.

Lola blickte sich um, sah die vier Reiter in der Ferne und begriff. Sie schwang die Peitsche, und der fuchsfarbene Klepper setzte sich ein wenig schneller in Bewegung.

Sie erreichten den Schatten der Bäume, als es Old Joe bei einem der vier Reiter aufblitzen sah. Und im gleichen Augenblick klatschte schon ein Schuss in den Stamm der größten der drei Sykomoren.

„Runter vom Karren!“, schrie Old Joe. „Los, Deckung! Das sind keine Freunde von uns!“

Er selbst zog seine Gewehre aus den Sattelschuhen, sprang ab, während Clara weiter lief und sich schutzsuchend hinter einen der Stämme stellte. Sie war schon ein schlaues Tier. Der Klepper hingegen stand so richtig in der Schussrichtung, und als wieder zwei Schüsse aufblitzten, da traf es ihn. Er machte einen Satz nach vorn, gerade in dem Augenblick, als Lola Hopkins vom Wagen steigen wollte. Sie stürzte mit einem Aufschrei und blieb verkrümmt liegen. Josy, die vorher abgestiegen war, beugte sich über sie, sah dann zu Old Joe auf und rief: „Ihr Bein! Sie muss ihr Bein gebrochen haben!“

Old Joe konnte sich jetzt nicht um sie kümmern. Er sah seine Schwester liegen, und damit war sie vorerst in relativer Sicherheit.

„Halt den Kopf unten!“, rief er Josy zu. „Kümmere dich um sie!“ Und dann hatte er schon seine Hawken in Anschlag gebracht. Die Reiter waren weit weg, und bisher war das das Glück von Lola Hopkins, ihrer Tochter und Old Joe gewesen, denn die Schüsse, die auch jetzt wieder von dort aus fielen, waren unsauber gezielt und lagen zu hoch.

Old Joe wusste, welch Kunststück es war, vom dahinjagenden Pferd aus zu schießen. Er aber brachte jetzt die Hawken genau in die Richtung auf den Reiter, der sich links außen befand. Er hatte ihn genau im Visier, dann drückte er ab. Das gewaltige Projektil der Hawken fuhr aus dem Lauf, eine mächtige Stichflamme zuckte aus der Mündung, eine dicke Rauchwolke quoll auf, aber Old Joe sah noch, dass er getroffen hatte.

Er verzichtete nun darauf, das Vorderladergewehr aufzuladen und ergriff die Sharps. Während er ein Ziel suchte, sah er, was seine erste Kugel angerichtet hatte. Der Mann war aus dem Sattel gerissen worden, schien aber mit dem Fuß im Steigbügel hängengeblieben zu sein und wurde von dem durchgehenden, in Karriere dahinpreschenden Pferd wie eine angehängte Puppe mitgeschleift.

Die drei anderen hatten ihre Tiere jetzt pariert. Und da fasste Old Joe ein zweites Ziel und drückte ab. Aber der Zufall wollte es, dass eines der drei Pferde dort vorn im gleichen Augenblick den Kopf hochwarf, so dass der Schuss dem Tier in den Schädel fuhr und nicht den Reiter dahinter traf.

Das Pferd brach wie vom Blitz gefällt zusammen. Der Reiter stürzte über den Kopf des Pferdes hinweg zu Boden, rollte sich wieselflink zur Seite, während nun auch die beiden anderen Reiter aus den Sätteln sprangen.

Old Joe lud das Seitenhammer-Gewehr nach, zielte auf einen der Männer, die sich eiligst eine Deckung verschaffen wollten, aber er konnte nicht verfolgen, ob der abgefeuerte Schuss auch getroffen hatte. Nun schossen die Gegner zurück. Sie besaßen mehrschüssige Gewehre. Und mit ihren Schüssen deckten sie Old Joe ein, der dadurch gehandikapt war, dass er nur Einzelladergewehre besaß. Während zwei seiner Gegner ihn mit ihren Schüssen in Deckung zwangen, versuchte der dritte von dort wegzukommen. Und tatsächlich gelang es ihm, bis zu einem der Pferde hinzukriechen, die ein Stück weit weggelaufen waren, gelangte in den Sattel und preschte jetzt davon.

Old Joe hatte mittlerweile die Hawken neu aufgeladen, bei einem Vorderlader eine umständliche Prozedur. Der Reiter glaubte sich wohl weit außer Schussweite und versuchte nun in weitem Bogen den Gegner zu umgehen, um die Baumgruppe möglicherweise von der anderen Seite her anzugreifen. Old Joe hatte die Hawken in Anschlag, hielt etwas vor, und dann drückte er ab. Aber in dem gleichen Augenblick, da wiederum die Pulverwolke aufquoll, begann Old Joe zu fluchen. Er hatte zu weit vorgehalten und wiederum das Pferd und nicht den Mann getroffen. Das Tier stürzte, katapultierte den Reiter aus dem Sattel, und Old Joe konnte ihn nicht mehr sehen. Zwar konnte Old Joe damit zufrieden sein, die Gefahr, in die Zange genommen zu werden, mit seinem Schuss gebannt zu haben, andererseits befanden sich seine Gegner nicht mehr an derselben Stelle, sondern lagen verteilt.

Und tatsächlich begann jener Mann, der aus dem Sattel geflogen war, auf Old Joe zu schießen. Er hatte sich hinter sein gestürztes, totes Pferd gelegt und befand sich da in einer relativ guten Deckung. Die beiden anderen schienen sich ebenfalls mit den Händen eingegraben zu haben, so dass sie Old Joe nur sehr schlecht ausmachen konnten.

Von zwei Seiten aus beschossen, musste Old Joe mit einem Hinziehen des Kampfes rechnen, zugleich war ihm klar, dass er auf die Dauer drei Gegner nicht niederhalten konnte, im Gegenteil, die Situation konnte noch verzweifelt unangenehm werden, sollte es einem der drei glücken, doch noch in seinen Rücken zu gelangen.

Sie schossen jetzt relativ genau und zwangen Old Joe, in Deckung zu bleiben. Er kroch zwar ein Stück zurück, versuchte von einer anderen Position aus das Feuer zu erwidern, aber nun machte sich entscheidend der Nachteil der Einzelladergewehre bemerkbar. Die Winchesters seiner Gegner waren einfach feuerstärker, mochten sie nicht so zielgenau sein und auch nicht so weittragend wie Sharps und Hawken, sie waren schneller und konnten je nach Typ zwischen sechs und vierzehn Schüssen abgeben. Dagegen war Old Joe noch in Sorge um seine Schwester und deren Tochter. Als er sich nach den beiden umsah, entdeckte er, dass Josy das Bein ihrer Mutter untersuchte.

„Was ist damit?“, fragte er.

„Es ist gebrochen, direkt unterm Knie!“

„Verdammt!“, fluchte Old Joe. „Ich wollte, mein Freund wäre in der Nähe und könnte die Schüsse hören.“

Lola Hopkins sah ihren Bruder aus glänzenden Augen an. In ihrer Stimme schwang Verzweiflung mit, als sie sagte: „Joe, nimm einen weißen Lappen und übergib ihnen die Kassette. Es ist ja alles, was sie wollen.“

„Das können sie sich nicht erlauben. Sie müssen uns umbringen. Sie können keinen Zeugen hinterlassen.“

„Wir sind doch Frauen“, begehrte Lola Hopkins auf.

„Hast du denn alles vergessen wie es damals war, als Harold Vaughns Frau von zwanzig Jahren diesen Hassfeldzug gegen dich ins Leben gerufen hat? Als sie schon einmal ausgezogen waren, um dich, die Rote Lola, wie eine Hexe auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen wie in einem religiösen Wahn?“

„Ich habe es nicht vergessen“, erwiderte Lola Hopkins. „Aber die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht mehr so wie vor zwanzig Jahren.“

„Es ist noch haargenau so“, widersprach Old Joe. „Nichts hat sich geändert.“ Er blickte zu Josy hin, die jene goldene Kassette neben sich auf dem Boden stehen hatte.

„Was können wir denn tun?“, fragte Josy.

„Das ist es ja“, knurrte Old Joe, „die haben uns hier festgenagelt. Aber warte, ich werde versuchen, sie wenigstens eine kurze Zeit zu beschäftigen. Während dieser Zeit, Josy, bist du unsere einzige Chance. Wenn du Clara nimmst, dann kannst du von hier wegkommen, könntest Hilfe holen!“

„Hilfe holen!“, rief Lola Hopkins bitter. „Wo soll sie denn Hilfe holen für die Rote Lola?“

„Auf der Schaffarm von Pablo Carpentero könnte ich Hilfe bekommen. Die Carpenteros haben Vaughn und seine Männer immer gehasst. Es sind alles Mexikaner. Und die Mexikaner sind nicht auf seiten von Vaughns Leuten!“, rief Josy. „Doch, ich werde es versuchen. Was muss ich tun, Onkel Joe?“

„Nimm die Kassette!“, erwiderte er. „Die musst du auch mitnehmen. Aber erst, wenn ich dir Bescheid sage. Versuch einmal bis hinter den Baumstamm zu kriechen, wo Clara steht. Und wenn ich es dir zurufe, dann steig in den Sattel und jage los. Clara sieht aus wie ein alter Besen, aber sie kann verdammt schnell sein, ich weiß es. Sie hat mehr drauf, als man ihr ansieht.“

„Ja, Onkel Joe. Ich werde alles tun, was du sagst. Aber warum soll ich die Kassette mitnehmen?“

„Nimm sie mit, dann ist sie schon einmal fort.“

„Aber das ist doch Unsinn! Sie werden uns doch nicht umbringen, wenn wir ihnen die Kassette geben“, meinte Lola Hopkins.

Old Joe schüttelte den Kopf. „Hast du eine Ahnung! Die müssen uns umbringen. Die können sich etwas anderes gar nicht erlauben. Und dass du das nicht einsehen willst!“

Old Joe hatte sein Gewehr, diesmal die Sharps, in Anschlag, und er sah plötzlich den Kopf eines seiner Gegner. Es war einer von den beiden, die da drüben zusammen waren. Er zielte und schoss. Urplötzlich zuckte dieser Kopf nach unten, war wieder unsichtbar. Aber Old Joe war sicher, getroffen zu haben. „Josy!“ rief er über die Schulter zurück. „Jetzt!“

Er hatte schon wieder eine Patrone im Lauf der Sharps und feuerte noch einmal in dieselbe Richtung, ohne drüben ein genaues Ziel zu haben.

Josy wagte sich im Schutz des Baumstammes aufzurichten, ergriff Claras Sattel, zog sich hinauf, packte die Zügel und hörte Old Joe rufen: „Clara! Pronto! Pronto, Clara!“

Das Maultier stieß einen trompetenden Schrei aus, wie es Maultiere und Esel tun, dass es durch Mark und Bein ging. Und dann preschte Clara wie ein edler Renner davon. Sie war nicht so langbeinig wie ein Pferd, aber sie konnte doch ganz gut laufen, und sie gab ihr Bestes.

Old Joe versuchte seine Gegner zu beschäftigen. Aber das gelang ihm nur kurze Zeit. Plötzlich hatten sie erkannt, dass es dem Mädchen gelungen war, der Falle zu entkommen. Sie quittierten das mit einem wütenden Gewehrfeuer, das allerdings nur aus zwei Gewehren kam. Das dritte Gewehr, das noch vorhin geschossen hatte, schwieg. Und daran meinte Old Joe erkennen zu können, dass er diesen Mann getroffen zu haben schien. Aber er irrte sich. Kurz darauf schossen wieder drei Gewehre.

Plötzlich, nach einem Hagel von Schüssen, hörte Old Joe ein eigenartiges Geräusch aus Lolas Richtung. Aber er war gerade mit Nachladen des Vorderladers beschäftigt und konnte nicht zu ihr hinsehen. Er war mit dem Laden fertig, sah drüben, wie einer der Männer sich ein wenig aus der Deckung aufrichtete, zielte und feuerte. Er sah, wie es den Gegner regelrecht in die Luft hob, wie es ihn zurückstieß und zu Boden warf.

Details

Seiten
120
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783738925593
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v455223
Schlagworte
texas wolf schatz roten lola

Autor

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Titel: Texas Wolf #42: Der Schatz der Roten Lola