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Die Loge des Gehenkten Tony Ballard Nr. 140

2018 130 Seiten

Leseprobe

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER MICHAEL SAGENHORN

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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Die Loge des Gehenkten Tony Ballard Nr. 140

von A.F.Morland












Schleichend schob sich der Septembernebel über die Gräber. Aus dem nächtlichen Friedhof wurde eine gespenstische, irreale Welt. Unheimlich klang der Ruf eines Käuzchens durch den späten Abend, und die Grabfiguren warfen lange, trübe Schatten.

Schon oft war Nebel in den Friedhof eingefallen, doch noch nie hatte sich diese gefährliche Kraft in ihm befunden. Diesmal war in den schwebenden Schwaden etwas Besonderes. Etwas, das aus der Hölle kam. Etwas, das Tote wecken konnte…

Kenny Fitzpatrick, der Totengräber, hatte keine Angst vor der Nacht, und er fürchtete sich nicht vor den Toten.

Manchmal nannte er sie scherzhaft seine »schlafenden Freunde«. Man hatte sie hierher gebracht und zur Letzten Ruhe gebettet - den Hochschulprofessor, der im vergangenen Jahr beim Kirschenpflücken von der Leiter gefallen war und sich den Hals gebrochen hatte, die Dirne, mit der ihr Beschützer nicht zufrieden gewesen war und der deshalb zum Messer griff, die alte Jungfer, die nach einem langen, einsamen Leben vom Herrn abberufen worden war.

Sie alle waren hier friedlich vereint, jene, die verunglückt oder ermordet waren, und jene, die eines natürlichen Todes starben.

Und Kenny Fitzpatrick hatte für sie alle die Gräber ausgehoben - ihr allerletztes Zuhause.

Es gehörte zum Klischee, daß Totengräber tranken, und das tat auch Fitzpatrick. Er hatte keine Ahnung, warum seine Kollegen zur Flasche griffen - ob sie es aus Furcht taten oder weil ihnen Tag für Tag die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen geführt wurde.

Er trank, weil es ihm schmeckte und weil er sich daran gewöhnt hatte. Es war für ihn ein angenehmes Gefühl, leicht benebelt zu sein, wie auf Wolken zu schweben.

Alles war dann immer so einfach, und es gab keine Probleme, denn sie ertranken in Unwichtigkeit. Wenn Kenny Fitzpatrick an seinem Flachmann nuckelte, war er gut gelaunt, und die Arbeit ging ihm flott von der Hand.

Wenn er seinen Whisky hatte, fühlte er sich pudelwohl und stark. Der Schnaps machte ihn zu einem anderen. Vielleicht war es das, was er sein wollte - ein anderer, jemand, mit dem er zufrieden sein konnte.

Ein Pfundskerl.

Jetzt ächzte dieser Prachtbursche, der er zu sein glaubte, richtete sich auf und kratzte sich im grauen Bart. Er war ein hagerer Mann mit sehnigen Händen, die kräftig zupacken konnten.

Schweißtropfen glänzten auf seiner hohen Stirn, und er holte den Flachmann heraus. Der Korken quietschte, als er ihn aus dem Flaschenhals zog.

Dieses vertraute Geräusch war Musik in seinen Ohren. Ein freundlicher Ausdruck breitete sich über seine Züge, und er lachte leise.

»Ein Tröpfchen in Ehren kann niemand verwehren«, sagte er und setzte die Flasche an die Lippen.

Der Whisky rann in seine Kehle, die trocken geworden war. Man muß sie regelmäßig schmieren, dachte er. Dann drückte er den Korken wieder in den Flachmann, damit der Schnaps nicht verdunstete. Der Nebel schob sieh heran und breitete sich über das Grab, in dem Kenny Fitzpatrick stand.

Der Totengräber griff nach der Schaufel. Als sich seine Finger um den glatten Holzstiel legten, irritierte ihn etwas. Langsam hob er den Kopf.

Was war das?

Befand sich ein gespenstisches Wispern und Raunen in diesem Nebel?

Blödsinn, sagte er sich unwillig. So etwas gibt es nicht, du bildest dir das ein. Der Friedhof ist dein zweites Zuhause. Wieso reagierst du heute so komisch auf den Nebel, der nicht anders ist als sonst? Hast du zuviel getrunken? Oder… zuwenig? Letzterem kann leicht abgeholfen werden.

Er hatte gleich wieder einen Grund für einen weiteren Schluck, und als er danach mit angehaltenem Atem in den Nebel lauschte, hörte er nichts, absolut nichts.

Er nickte zufrieden. »Na also.«

Aber nicht weit von ihm entfernt

***


Vicky Bonney war von einem Londoner Literaturzirkel eingeladen worden. Man wollte sie, die erfolgreiche Schriftstellerin, herzeigen, und das schmeichelte ihr, deshalb hatte sie die Einladung erfreut angenommen.

Sie hatte mich mitnehmen wollen, doch ich hatte sofort abgewunken. »Ich habe dort nichts zu suchen, Schatz.«

»Aber du gehörst doch zu mir.«

»Ich finde, das geht nur uns beide etwas an. Du kennst mich. Ich bin nicht für diesen Publicity-Hummel.«

Vicky hatte gelacht. »Ich weiß, du blühst lieber im Verborgenen.«

»So ist es.«

»Tony Ballard, der gefürchtete Geisterschreck, ist im Grunde seines Herzens ein schüchterner Mensch… Bringst du mich wenigstens hin?«

»Sehr gern«, antwortete ich.

»Vorschlag«, sagte meine blonde Freundin. »Ich mache es so kurz wie möglich. Zwei Stunden müßten reichen, danach verabschiede ich mich. Irgendeine gute Ausrede wird mir schon einfallen.«

»Davon bin ich überzeugt.«

»Nach diesen zwei Stunden holst du mich ab, und wir gehen noch ganz fein aus. Stößt mein Vorschlag auf Gegenliebe?«

Ich lächelte. »Du hast großartige Ideen.«

Es wurde Zeit, Vicky bei ihren Fans abzuliefern. Während der Fahrt fragte sie: »Was wirst du die zwei Stunden machen? Nach Hause zu fahren zahlt sich nicht aus.«

»Oh, mach dir deswegen keine Gedanken. Ich werde in deiner Nähe sein, bei Freunden.«

Vicky schaute mich mit ihren veilchenblauen Augen fragend an.

»Bei wem?«

»Bei Roxane und Metal«, antwortete ich.

Zwei Minuten später stoppte ich meinen scharzen Rover vor dem grell beleuchteten Eingang eines Nobelhotels in der City. Ein gutaussehender Mann im schwarzen Smoking erwartete Vikky.

Er sah fast ein wenig zu gut aus, und sein strahlendes Lächeln gefiel mir nicht. Ihm war der Erfolg, den er bei Frauen hatte, anzusehen.

Sein Auftreten war dementsprechend selbstsicher, und er hatte nur Augen für meine Freundin, die er mit Komplimenten überhäufte, als sie ausstieg.

Mich würdigte er keines Blickes. Wahrscheinlich nahm er an, ich wäre Vickys Chauffeur. Sie wandte sich mir noch einmal zu, bückte sich und schaute zum offenen Fenster herein.

Meine Augen verloren sich in der Tiefe ihres attraktiven Ausschnitts, und ich wünschte mir, sie hätte ein hochgeschlossenes Kleid getragen.

»Hör mal, laß dich von Mr. Don Juan nicht verschlingen«, sagte ich. »Der Bursche hat so einen hungrigen Blick.«

»Sei unbesorgt, er wird hungrig bleiben«, versicherte mir meine Freundin.

»In zwei Stunden bin ich wieder zur Stelle.«

»So lange kann ich seinem umwerfenden Charme leicht widerstehen. Ich liebe dich, Tony.«

Ich grinste. »Meine Antwort gebe ich dir nach dem Essen - in Naturalien.«

Vicky senkte die seidigen Wimpern. Ihre Stimme wurde dunkler, als sie sagte: »Ich freue mich darauf.«

Sie richtete sich auf, und ich fuhr weiter. Im Rückspiegel beobachtete ich, wie der Mann meiner Freundin galant seinen Arm bot, und ich hoffte, daß er sich zu sonst nichts hinreißen ließ.

***


An einer Stelle verdichtete sich der Nebel, und der Wind vermochte ihn nicht weiterzuschieben. Die feuchte Luft krallte sich ins Erdreich und weichte es auf.

Sie hatte ihr Ziel erreicht, und nun sickerte die geheimnisvolle Kraft, die sie mitgebracht hatte, in das alte Grab.

Höllentau hatte sich auf den eingesunkenen Hügel gelegt, gesandt von bösen Mächten, damit nicht länger ruhte, was man hier vor langer Zeit bestattet hatte.

Nasse Schwärze überzog das Grab und sickerte langsam in die Tiefe. Sie mußte den Toten erreichen, ihn berühren, ihn benetzen, ihn beleben!

Der Tod eines Menschen ist keine endgültige Sache, wenn die Hölle es nicht will. Nicht nur Gutes kann auferstehen, auch das Böse kann sich erheben, wenn die Zeit dafür reif ist, und das war sie.

Lange hatte Nero Quater in der finsteren Tiefe seines Grabes warten müssen, doch nun war der Zeitpunkt seiner Wiederkehr gekommen.

Er hatte gewußt, daß ihn die Hölle nicht im Stich lassen würde, war stolz und hoch erhobenen Hauptes in den Tod gegangen, voller Vertrauen in die Kraft des Satans.

Der Priester hatte ihn aufgefordert, in der Stunde seines Todes zu bereuen, doch er hatte den Geistlichen ausgelacht. »Bereuen, Pfaffe? Was sollte ich bereuen? Was ich getan habe, hat mir Spaß gemacht, und ich würde es immer wieder tun.«

»Gleich stehst du vor Gott, unserem Herrn…«

»Mein Herr ist der Teufel«, hatte Nero Quater auf dem Galgengerüst so laut geschrien, daß alle es hörten und sich erschrocken bekreuzigten. »›Was ihr dem geringsten meiner Brüder antut, das tut ihr mir an.‹ Steht es so nicht in der Bibel? Dieser Spruch hat nicht nur für Gott, sondern auch für den Herrscher der Finsternis Gültigkeit. Ihr hängt hier nicht Nero Quater, sondern den Teufel, und der wird sich eines Tages dafür rächen!«

Der Henker wurde aufgefordert, seines Amtes zu walten. Alle, die gekommen waren, um der Hinrichtung auf dem Dorfplatz beizuwohnen, sahen, wie der große, kräftige Mann an den Delinquenten herantrat.

»Der Herr sei deiner armen Seele gnädig«, sagte der Priester.

»Halt dein Maul!« schrie Quater zornig. »Ich will von deinem Herrn nichts mehr hören. Sag, Henker, wie viele Menschen hast du schon am Halse aufgehängt?«

Der Henker antwortete nicht. Er griff nach der Schlinge, die über dem Delinquenten baumelte, und streifte sie ihm über den Kopf.

»Was ist das für ein Gefühl?« fragte Nero Quater grinsend. »Was empfindet man dabei? Kommst du dir nicht wie ein Mörder vor? Hast du kein Mitleid mit den Menschen, die du tötest? Du bekommst Geld dafür. Ja, du bist noch schlimmer als die, die du vom Leben zum Tod beförderst. Nicht alle sind so stark wie ich. Bestimmt haben viele schon dich angewinselt, es nicht zu tun. Vielleicht waren sogar einige dabei, die bis zuletzt ihre Unschuld beteuerten, und wer weiß, vielleicht war der eine oder andere tatsächlich unschuldig, aber das bewegte dich nicht. Du hast ihnen die Schlinge um den Hals gelegt und sie aufgehängt, weil man dich dafür bezahlte. Weißt du was, Henker? Du stehst sogar noch ein paar Stufen unter mir.«

»Gott möge mir vergeben«, sagte der Mann wie immer und schob den dicken Knoten seitlich an Nero Quaters Hals.

Der Delinquent lachte rauh. »Mag sein, daß dir der Herr vergibt, ich aber gewiß nicht.«

Der Henker trat zurück.

»Du knüpfst den Teufel auf, das wird sich rächen!« rief Nero Quater. »Die Hölle wird euch grausam bestrafen!« rief er mit erhobener Stimme, »Ihr könnt mich nicht töten, denn ich stehe unter Asmodis’ Schutz. Die Mächte der Finsternis werden mir die Rückkehr ermöglichen - irgendwann. Dann wird dieses Dorf und werden deine Nachkommen, Henker, für das bezahlen, was ihr mir angetan habt! Und nun, verdammter Bastard, walte endlich deines Amtes. Befördere mich in die Hölle, damit ich vor Satan, meinen Herrn, treten kann!«

Der Henker zog an einem Hebel, und unter Nero Quaters Füßen öffnete sich die Falltür.

Als sich der Strick mit einem harten Ruck spannte, stockte den Menschen der Atem.

Das war auf den Tag genau vor hundert Jahren geschehen.

Im Jahre des Herrn 1787…

***


Mein Einsatz auf der Todesinsel lag zwei Wochen zurück. Die Verschnaufpause danach hatte ich dringend nötig gehabt. Mehr aber noch hatte sie mein amerikanischer Freund Noel Bannister gebraucht.

Er hatte sich danach in ein Sanatorium begeben, zum »Runderneuern«, wie er sagte. Heute morgen hatte er die Klinik verlassen und mich angerufen. Er fühlte sich wieder großartig, und es freute mich, das zu hören.

»Der Kampf geht weiter«, sagte Noel. »Was die mir auf dieser Hawaii-Insel angetan haben, hat mich irgendwie härter gemacht. Die Jagd wird erbitterter, gnadenloser werden.«

»Übertreib’s nicht«, riet ich dem CIA-Agenten, »Und bleib vor allem objektiv, damit dir kein Fehler unterläuft.«

»Ich werde meine Abteilung straffer organisieren. Wir müssen wirksamer als bisher zuschlagen. Die Ereignisse auf der Todesinsel dürfen sich nicht wiederholen.«

»Freut mich, daß du wieder obenauf bist«, sagte ich.

»Hast du etwa daran gezweifelt? Ich schlage der Hölle ein Loch und hänge dem Teufel geweihte Konservendosen an den Schwanz, damit er nirgendwo mehr unbemerkt auftauchen kann.«

Ich lachte. »Deine großen Sprüche haben mir gefehlt.« Es war für mich beruhigend, zu wissen, daß Noel im Kampf gegen die schwarze Macht wieder voll seinen Mann stehen konnte.

Wir beendeten das Gespräch. Langsam bog ich mit dem Rover um die Ecke, und wenig später ließ ich den Wagen vor dem Haus ausrollen, in dem Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, und Metal, der junge Silberdämon, wohnten.

***


Gehenkt hatte man Nero Quater Anno Domini 1787, und nun schrieb man das Jahr 1887. Hundert Jahre hatte sich die Hölle Zeit gelassen.

Zeit spielte für die schwarze Macht keine Rolle, schließlich währte sie ewig. Der Mensch, dem nur siebzig, achtzig Jahre Leben gegönnt sind, muß in anderen Dimensionen denken.

Für die Hölle sind hundert Jahre eine geringe Zeitspanne.

Und sie vergißt nichts und verzeiht nie… Sie richtete es so ein, daß Quaters Körper verweste, die Knochen aber blieben, und zu diesen Gebeinen sickerte nun der schwarze Lebenssaft hinab.

Er fand einen Weg zu Nero Quaters Skelett, rann über die bleichen Knochen und färbte sie schwarz. Die schwarze Kraft setzte sich darin fest und belebte die Gebeine des Mannes, der vor hundert Jahren den Teufel angebetet und zusammen mit seinen Schwestern Raquel und Claire blutige Rituale gefeiert hatte.

Unschuldige Menschen hatten ihr Leben lassen müssen, und als sie gekommen waren, um ihn und seine teuflischen Schwestern zu holen, war er allein gewesen.

Sie hatten das Tor aufgebrochen und sich auf ihn gestürzt. Er hatte sich nicht gewehrt. Sie fragten ihn nach seinen Schwestern, doch er verriet nicht, wo Raquel und Claire waren.

So stellte man ihn allein vor Gericht und verurteilte ihn zum Tode. Seine Schwestern aber machten weiter. Sie fanden im nahen Wald Unterschlupf, betörten Fremde mit ihrer Schönheit, betäubten sie mit Gift und feierten schreckliche Feste.

Bald nannte man sie die »Blutschwestern«, und es wurden hohe Belohnungen für ihre Ergreifung in Aussicht gestellt. Dennoch verging mehr als ein halbes Jahr, ehe man ihrer habhaft wurde.

Und wieder waltete der Henker seines Amtes.

Auch die »Blutschwestern« gingen ohne Furcht in den Tod, auch sie sprachen von ihrer Wiederkehr, doch da hundert Jahre lang nichts geschah, glaubte niemand mehr daran.

Aber der Quater-Schwur war nicht vergessen…

Pechschwarz war Nero Quaters Skelett geworden, und nun begann es sich zu regen. Zunächst zuckten die Knochenfinger, und dann ging ein jäher Ruck durch das ganze Gerippe.

Es fing an zu arbeiten, wühlte sich durch das feuchte Erdreich, stemmte, drückte und schob sich nach oben.

Die schwarze Kraft war dem Skelett dabei behilflich. Sie spaltete die Erde, trieb einen unsichtbaren Keil voran, und wenig später entstand im eingesunkenen Grabhügel ein tiefschwarzer Riß.

Die Hölle befreite ihren Diener…

***


Bevor ich ausstieg, schob ich mir ein Lakritzenbonbon zwischen die Zähne, dann verließ ich meinen schwarzen Rover und läutete an der Haustür.

Das Gebäude gehörte weder Roxane noch Metal. Tucker Peckinpah war der Besitzer. Der reiche Industrielle, mein Partner, hatte es Mr. Silver zur Verfügung gestellt, damit er darin mit seiner Familie wohnen konnte - mit der Hexe Cuca und mit Metal.

Vieles hatte sich seither geändert. Cuca war fortgegangen, wir vermuteten sie irgendwo in der Hölle. Metal hatte sie gesucht und Roxane gefunden. [1]

Wo sich der Ex-Dämon Mr. Silver befand, wußten wir nicht…

Metal öffnete und ließ mich ein. Roxane befand sich im Livingroom, ein bildschönes Mädchen mit langem schwarzem Haar und meergrünen Augen.

Obwohl Cuca Metals Mutter war, fand ich, daß Roxane viel besser zu Mr. Silver paßte. Ich sagte ihnen, wo sich Vicky befand, und daß ich zwei Stunden Zeit hätte.

Es freute sie, daß ich diese zwei Stunden mit ihnen verbringen wollte.

Vor vierzehn Tagen war dieses Haus ein Trauerhaus gewesen. Die meisten unserer Freunde waren hier gewesen, um sich von dem vermeintlich toten Silberdämon zu verabschieden.

Unter Einsatz ihres Lebens hatte Roxane den aufgebahrten Silberdämon mit einem Hexenschock geweckt. Die Kraft eines blauen Kristalls hatte Metal außer Gefecht gesetzt und seinen Scheintod bewirkt. [2]

Wenn Roxane ihm nicht geholfen hätte, hätten wir Metal begraben, ohne zu wissen, daß er noch lebte.

Der Zeitkristall des schwarzen Druiden Reenas befand sich seither in Lance Selbys Händen. Der Kristall hatte unseren Freund Mr. Silver in eine andere Zeit befördert, und wir wußten nicht, in welche.

Es war mir gelungen, Reenas den blauen Kristall zwar abzunehmen, aber keiner von uns wußte, wie man ihn aktivierte, und das wäre nötig gewesen, um Mr. Silver zu folgen.

Seit zwei Wochen experimentierte Lance Selby im parapsychologischen Institut mit dem Kristall herum, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Etliche Professoren hatten ihn bei seinen Bemühungen schon unterstützt, doch der Erfolg hatte sich bis jetzt nicht eingestellt.

»Irgendwelche Neuigkeiten, Tony?« fragte Metal.

Ich wußte, was er gern gehört hätte, doch damit konnte ich ihm leider nicht dienen.

»Ich habe heute nachmittag mit Lance telefoniert«, sagte ich. »Er arbeitet unermüdlich, geht nicht nach Hause, schläft im Institut. Was immer er bisher in die Wege geleitet hat, fruchtete nicht. Dennoch behauptet er, mit seiner Weisheit noch lange nicht am Ende zu sein. Er ist felsenfest davon überzeugt, diese ›blaue Nuß‹, wie er den Kristall nennt, knacken zu können.«

»Glaubst du, er hat wirklich Chancen?« fragte Roxane.

Ich hob die Schultern. »Ich weiß nur, daß Lance nicht so bald das Handtuch werfen wird. Vielleicht kommt ihm der Geistesblitz noch.«

Metal boxte mit der geballten Rechten gegen die offene Linke. »Wenn ich ihm nur helfen könnte.«

»Lance ist ein störrischer Bursche. Wenn der sich in eine Sache verbeißt, gibt er nicht auf, bis das Rätsel gelöst ist, und Oda unterstützt ihn dabei nach besten Kräften.«

Oda war eine weiße Hexe gewesen. Ihre Seele befand sich in Lances Körper, dadurch standen ihm Hexenkräfte zur Verfügung.

Metals Blick verdüsterte sich. Er sah seinem Vater sehr ähnlich. Auf den ersten Blick gab es eigentlich nur einen Unterschied zwischen den beiden: Mr. Silvers Haar war glatt, Metals Haar war gewellt.

Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. »Wir finden Mr. Silver, daran glaube ich ganz fest, und das solltest du auch tun.«

»Reenas wird kräftig dazwischenfunken«, sagte Metal.

»Das glaube ich nicht. Der schwarze Druide war nur stark mit seinem magisehen Kristall. Er weiß, daß er erledigt ist, wenn er sich jetzt blicken läßt.«

»Und was, wenn es ihm gelingt, sich den Kristall wiederzuholen? Dann erfahren wir nie, in welche Zeit es meinen Vater verschlagen hat.«

»Du solltest nicht an die schlimmste aller Möglichkeiten denken, Metal.«

»Was bringt es, sie zu ignorieren?«

»Auf jeden Fall mehr Vertrauen in die Zukunft«, antwortete ich.

Der junge Silberdämon seufzte. »Na schön, Tony, vielleicht gelingt es uns wirklich, meinen Vater zu finden. Aber er befindet sich in diesem Eisblock, den Zero geschaffen hat, und wir wissen nicht, ob er noch lebt.«

»Ich weiß es!« warf Roxane ein.

»Du glaubst, es zu wissen«, verbesserte sie Metal.

»Mein Gefühl sagt mir, daß der Mann, den ich liebe, nicht tot ist«, sagte Roxane.

Metal nickte. »Eben. Es ist nur ein Gefühl, nichts weiter, und Gefühle können irregeleitet und falsch sein.«

***


Kenny Fitzpatrick beendete die Arbeit. Er griff nach der Handlampe, die ihm bis jetzt Licht gespendet hatte, stellte sie neben dem Grab auf den Boden und kletterte aus der Grube. Das Werkzeug ließ er, wo es war.

Er war hier noch nicht ganz fertig, hatte jedoch keine Lust mehr, weiterzugraben. Morgen ist auch noch ein Tag, sagte er sich. Die Beerdigung des größten Geizkragens, der je gelebt hat, findet erst morgen nachmittag statt. Mir steht also noch der ganze Vormittag zur Verfügung. Jesus, war dieser Pamberton gezig. Nicht einmal sich selbst gönnte er was. Sein Leben lang hat er immer nur gespart, und nun graben wir einen reichen Mann ein. Gehabt hat er nichts davon. Mitnehmen konnte er sich auch nichts, denn das Totenhemd hat keine Taschen. Seine Erben lachen sich jetzt ins Fäustchen und profitieren von der Sparwut des Verblichenen. Ob das im Sinne des Erfinders war?

Ein Schluck Whisky war noch im Flachmann. Der Totengräber gönnte ihn sich.

»Wenn ich Erben hätte, würden sie dumm aus der Wäsche gucken, sobald ich den Löffel abgegeben habe«, murmelte Kenny Fitzpatrick. »Bei mir gibt’s nichts zu holen. Kein Mensch käme auf die Idee, ungeduldig zu fragen: ›Wann geht denn der alte Sack endlich von uns?‹ Das einzige, was ich hinterlasse, sind ein paar leere Whiskyflaschen. Prost.«

Der Totengräber grinste.

Da drang plötzlich ein leises Knirschen an sein Ohr. Er drehte den Kopf zur Seite und fragte unsicher in den Nebel hinein: »Ist da jemand?«

Er bekam keine Antwort.

Fitzpatrick entfernte sich vom offenen Grab. Er verzichtete darauf, es so abzusichern, daß niemand hineinfallen konnte. Nachts hatte niemand etwas auf dem Friedhof zu suchen, und am Tag war das offene Grab ja zu sehen.

Die Handlampe schwang am Bügel ächzend hin und her und ließ die Schatten der Grabsteine tanzen.

Dort, wo Nero Quater und seine Schwestern beerdigt waren, in der Arme-Sünder-Ecke des Friedhofs, stand der Nebel wie eine Wand, dicht und kalt.

Als Kenny Fitzpatrick darauf zuging, löste sich die feuchte Luft auf, und der Totengräber sah den Riß in Nero Quaters Grab. Er hob die Handlampe, um besser zu sehen, blieb stehen und glaubte, zu erkennen, wie etwas aus der Erde kroch.

Etwas Schwarzes.

Schwarze Würmer?

Dann sah er genauer hin. Es waren… schwarze Knochenfinger! Eine rabenschwarze Skeletthand schob sich aus dem Riß!

Fitzpatrick fuhr sich mit der Hand über die glasigen Augen. Hatte er heute zuviel Whisky erwischt? Hatte er zum erstenmal Halluzinationen?

Nachdem er sich über die Augen gewischt hatte, blickte er sofort wieder auf das alte Grab. Verflucht, das war kein Irrtum.

»Himmel!« stöhnte der Totengräber. »Nero Quater steht auf!«

***


Ich war pünktlich zur Stelle, um Vicky Bonney abzuholen. »War’s ein Erfolg für dich?« erkundigte ich mich.

»Ich habe ein paar nette Freunde gewonnen.«

»Gehört auch dieser unverschämt gutaussehende Heini dazu, der dich hier erwartete?«

Vicky lachte. »Seinetwegen brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Er hat für Frauen nichts weiter als ein warmes Lächeln übrig.«

»Oh, das finde ich aber jammerschade«, sagte ich erleichtert.

Während ich losfuhr, kraulte Vicky meine Nackenhärchen. »Eifersüchtig?«

»Doch nicht auf den verkehrt Gestrickten.«

»Und bevor du’s wußtest?«

»Kein Kommentar«, sagte ich. »Wohin fahren wir eigentlich?«

Vicky schlug ein Restaurant in der Nähe vor. Es war eines der besten.

»Das wird teuer«, sagte ich.

»Das macht nichts. Geld ist schließlich dazu da, um ausgegeben zu werden. Ich lade dich ein.«

»Dann werde ich das Billigste auf der Speisenkarte nehmen.«

»Wenn du das tust, beleidigst du mich.«

»Na schön, ich nehme das Teuerste.« Das Essen schmeckte selbstverständlich vorzüglich, und die Bedienung war sehr aufmerksam. Wir fühlten uns sehr Wohl. Vicky erzählte mir von dem Literaturzirkel, und ich erzählte ihr von meinem Gespräch mit Roxane und Metal.

»Die beiden würden alles tun, um Mr. Silver wiederzubekommen«, sagte Vicky.

»Jeder von uns«, bemerkte ich. »Ich habe so eine merkwürdige Ahnung, seit ein paar Tagen schon.«

»Wieso hast du mit mir noch nicht darüber gesprochen?«

»Ich weiß nicht. Vielleicht befürchtete ich, daß sie sich dann nicht erfüllen würde.«

»Und heute?« fragte Vicky.

»Heute denke ich, ich sollte nicht so abergläubisch sein.«

»Was ist das für eine Ahnung?« wollte Vicky wissen.

»Ich glaube, Lance steht kurz davor, die Lösung zu finden.«

»Du meinst, es ist möglich, daß er den magischen Kristall bald aktivieren kann? Tony, das wäre großartig. Dann ließe sich herausfinden, wohin es Mr. Silver verschlagen hat.«

Ich nickte. »Wir würden sofort dorthin aufbrechen.«

»In diese andere Zeit - Vergangenheit oder Zukunft.«

»Entweder mit Hilfe des Kristalls oder mit Metals Unterstützung«, sagte ich, »das wäre mir egal.«

Vicky legte mir ihre schmale Hand auf den Arm. »Hoffentlich ist es morgen schon soweit, Tony.«

»Ja, das hoffe ich auch, damit das nervtötende Warten endlich aufhört.«

Wieder warf mir Vicky einen ihrer unnachahmlichen Blicke unter halb gesenkten Lidern zu. »Sollte ich dir nicht noch irgend etwas beweisen?« fragte sie kehlig.

Ich grinste. »Nicht irgend etwas, sondern etwas ganz Bestimmtes.«

Vicky winkte dem Kellner und verlangte die Rechnung…

***


In der Dorfkneipe hingen immer dieselben Typen herum. Trinkfreudige Gesellen, die nicht gern zu Hause waren. In der Kneipe führten sie das große Wort, lachten über zotige Witze und ließen an niemandem ein gutes Haar -nicht einmal an ihren eigenen Frauen.

Besonders wohl fühlte sich in dieser Runde Lorne Caney. Daheim hatte er nämlich nicht viel zu reden, weil ihm sein zänkisches Weib immer gleich das Wort abschnitt.

In der Kneipe aber spuckte er große Töne, und es gefiel ihm, zu erzählen, wie ihm seine »bessere Hälfe« aus der Hand fraß. Obwohl alle wußten, daß es eher umgekehrt war, ließen sie es unwidersprochen. Bei ihnen durfte er Held und Despot sein.

»Wenn meine Alte nicht spurt, hau ich mal kräftig auf den Tisch, und schon weiß sie, was es geschlagen hat«, pflegte er gern zu sagen.

Auch an diesem Abend saßen sie in der Kneipe - der Apotheker Quincey York, der Tischler Andrew Field und der Klempner Lorne Caney. Ihre Laune konnte nicht besser sein, und sie leerten einen Krug Wein nach dem anderen, »Heute gehe ich etwas früher nach Hause«, sagte Field. »Gestern graute ja schon fast der Morgen, als ich heimkam.«

Caney grinste breit. »Hat dir deine Frau die Ohren langgezogen?«

»Quatsch«, erwiderte Field.

»Auf den Knien kam sie angerutscht«, sagte York lachend.

Caney lachte ebenfalls. »Ja, weil er sich unter dem Bett verkrochen hatte.« Jetzt lachten sie beide.

»Mann, ihr habt einander dringend nötig«, brummte Field. »Denn einer allein könnte nicht so blöd sein.«

Caney und York lachten noch lauter. Der Klempner wieherte vor Vergnügen und schlug sich auf die Schenkel.

»Ach… ach, Andrew«, stieß er abgehackt hervor. »Mir kommen… Mir kommen vor Lachen die Tränen.«

Die Kneipentür flog auf, und Kenny Fitzpatrick stolperte herein.

»Seht nur, wie unser Totengräber aussieht!« rief Caney amüsiert. »Als wäre ihm ein Geist erschienen.«

»Leute!« krächzte Fitzpatrick. »Nero Quater ist wiedererwacht!«

Caney tippte sich an die Stirn. »Nach hundert Jahren.«

»Kenny hat ’nen Vogel«, stellte Andrew Field trocken fest.

»Na klar«, gab Quincey York seinen Senf dazu. »Sonst wäre er nicht Totengräber geworden.«

***


Ich »stärkte« mich mit einem doppelten Pernod. Vicky hatte sich inzwischen zurückgezogen, und sobald ich mein Glas geleert hatte, würde ich ihr folgen, aber ich beeilte mich nicht mit dem Drink. Vicky sollte genügend Zeit für sich haben.

Boram, der Nessel-Vampir, leistete mir Gesellschaft. Auf Hawaii hatte er wieder einmal eine wichtige Rolle gespielt und uns wertvolle Dienste geleistet.

Er war zumeist sehr wortkarg, antwortete nur, wenn er gefragt wurde, und faßte sich immer sehr kurz. Deshalb war es auch nicht einfach, sich mit ihm zu unterhalten.

Dennoch mochte ich ihn sehr, und ich schätzte seine Geradlinigkeit und seine Zuverlässigkeit. Diese Vorzüge waren mehr wert, als wenn er den ganzen Tag wie ein Wörterbuch geplappert hätte.

Wieder einmal hatte er bewiesen, wie wertvoll er für uns war, und wir hatten ihn als gnadenlosen Kämpfer erlebt. Kaum zu glauben, daß er einst geschaffen worden war, um mich zu töten.

Heute betrachtete er sich als mein Diener, von dem ich alles, wirklich alles verlangen konnte.

Ich erwähnte den blauen Kristall des schwarzen Druiden, denn dieses Thema beschäftigte mich zur Zeit am meisten. »Kannst du nichts zu einem Erfolg beitragen?« fragte ich.

»Ich fürchte, nein, Herr«, kam es hohl und rasselnd aus dem Mund des weißen Vampirs.

»Der magische Kristall leistet bei den Tests Widerstand«, sagte ich. »Kannst du den nicht schwächen?«

»Vielleicht könnte ich das, aber dann würde der Kristall in seiner Gesamtheit schwächer werden.«

»Und die verbleibende Kraft würde uns dann nicht mehr den Weg zu Mr. Silver zeigen«, sagte ich.

»Das wäre zu befürchten«, pflichtete mir die graue Dampfgestalt bei.

»Na schön, dann müssen wir eben versuchen, ohne deine Hilfe auszukommen.« Ich nahm einen Schluck vom Pernod, ließ die scharfe Flüssigkeit um meine Backenzähne kreisen und schluckte sie genießend. »Soll ich dir etwas verraten, Boram? Ich vermisse Mr. Silver. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich nur noch die Hälfte wert. Metal… Er sieht aus und kämpft wie sein Vater, und ich vertraue ihm auch, seit er die Fronten gewechselt hat, aber er ist für mich kein vollwertiger Ersatz für Mr. Silver. Frag mich nicht, woran das liegt. Ich weiß es nicht. Es ist einfach so.«

Wieder nippte ich an meinem Drink. Bald war das Glas leer, und ich fühlte mich blendend.

Das sollte Vicky zugute kommen.

***


Nero Quater sprengte die Enge seines Grabes und erhob sich - ein großes, schwarzes Skelett, dessen Bewegungen im Moment noch ungelenk waren. Immerhin hatte seine Gebeine hundert Jahre unter der Erde gelegen.

Er war wieder da - nach hundert Jahren!

Er sah jetzt zwar anders aus, aber sein Name war immer noch Nero Quater, und er hatte damals, als sie ihn aufhängten, etwas gesagt, das immer noch Gültigkeit hatte.

Obwohl man ihn ein halbes Jahr vor seinen Schwestern hingerichtet hatte, wußte er, daß man sie links und rechts von ihm beigesetzt hatte, und sie warteten wie er darauf, zu neuem Leben erweckt zu werden.

Die Kraft, die zu ihm hinabgedrungen war und seine Gebeine schwarz gefärbt hatte, würde ausreichen, um auch Raquel und Claire aus ihren Gräbern zu holen.

Und dann würde das Knochentrio in Angriff nehmen, was getan werden mußte. Nero Quater und seine Blutschwestern würden einen Mantel aus Grauen, Angst und Tod über das Dorf breiten.

Niemand würde vor ihnen sicher sein. Ein Alptraum, wie er schrecklicher nicht sein konnte, sollte die Menschen peinigen, deren Vorfahren es gewagt hatten, die Quater-Geschwister hinzurichten.

Das schwarze Skelett hob die Arme und streckte sie seitlich aus. In seinen leeren Augenhöhlen glomm ein höllisches Feuer. Der rötliche Schein legte sich auf die Gräber der Blutschwestern, und Nero Quater sandte einen schwarzmagischen Impuls in die Erde, einen dämonischen Befehl, der die hundertjährige Totenstarre zerbrach.

Raquel Quater reagierte als erste. Es dauerte nicht lange, bis zu sehen war, daß sie sich bewegte. Auch über ihr riß die Erde der Länge nach auf.

Sie wühlte sich nach oben, und wenig später stieß ihre Knochenhand hoch. Ihre Gebeine hatten sich nicht verfärbt, Hand und Arm waren bleich.

Ihre Schulter wurde sichtbar, dann der Brustkorb, Hals und Kopf. Schließlich entstieg sie ihrem irdischen Gefängnis - ein Skelett mit langen blonden Haaren. Eine Laune der Hölle, ihr das Haar zu lassen.

Raquel trat auf ihren Bruder zu, und nun erhob sich auch Claire Quater. Auch ihr war das Haar geblieben. Lang und schwarz floß es ihr auf die knöchernen Schultern.

Als Claire vortrat, war das Trio des Schreckens komplett.

***


Ich betrat unser gemeinsames Schlafzimmer. Vicky lag bereits im Bett und lächelte mich vielversprechend an. Ihr Nachthemd war ein zartes Nichts, unter dem ich die dunklen Spitzen ihrer Brüste sah. Vickys Anblick erregte mich, mein Puls beschleunigte, und als ich mein Jackett auszog und daranging, die Knöpfe des Hemds zu öffnen, flüsterte sie: »Komm her, laß mich das tun.«

Details

Seiten
130
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738925555
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
loge gehenkten tony ballard

Autor

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Titel: Die Loge des Gehenkten  Tony Ballard Nr. 140