Lade Inhalt...

Tony Ballard #134: ​Die Spinne und die Hexe

2018 120 Seiten

Leseprobe

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER MICHAEL SAGENHORN

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

w ww.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

​Die Spinne und die Hexe Tony Ballard Nr. 134

von A.F.Morland










Das Mädchen war eine Augenweide. Sie hatte eine phantastische Figur mit prächtigen Rundungen, und sie geizte nicht damit. Greg Lupus lachte das Herz im Leibe.

Er hatte die Kleine in einem Tanzschuppen aufgegabelt, vor einer Stunde erst, und jetzt war sie bereits bei ihm im Motel, in dem er als Dauergast wohnte.

Tja, heute kommt man schneller zur Sache als zu Opas Zeiten, dachte Lupus, der Gangster, während er mit hungrigen Augen zusah, wie Barbara ihr schwarzes Korsett öffnete.

Plötzlich schien er überzuschnappen, denn er federte aus dem Sessel hoch, rammte das Mädchen zur Seite, riß die Schranktür auf und griff nach der Maschinenpistole, die er dahinter versteckt hatte.

»Sind Sie sicher, daß er da drinnen ist?« fragte Inspektor Peter Layton, ein unscheinbarer Mann um die Fünfzig, kahlhäuptig, mit großen, wasserhellen Augen und einer Nase, die einem Eispikkel glich.

»Absolut«, antwortete sein Informant. »Ich habe ihn selbst reingehen sehen. Danach habe ich Sie sofort angerufen. Wenn er nicht verduftet ist, während ich mit Ihnen telefonierte, muß er noch drinnen sein. Er hat keine Ahnung, daß Sie sein Versteck kennen, und er hat ein Mädchen bei sich. Ich glaube nicht, daß er so bald wieder herauskommen wird. Das Girl ist nämlich verdammt heiß.«

»Ein Mädchen? Er hat ein Mädchen bei sich?« fragte der Inspektor nervös. »Verdammt, das erschwert die Sache.«

»Diesmal kriegen Sie ihn«, brummte der Informant. »Das Motel ist umstellt, die Ratte sitzt in der Falle. Sie weiß es nur noch nicht.«

»Sie wird wild um sich beißen.«

»Es liegt bei Ihnen, das zu verhindern.«

»Warum hassen Sie Lupus eigentlich so sehr?« fragte Layton.

Der Informant kniff grimmig die Augen zusammen. »Er hat meinen besten Freund umgelegt. Keine Chance hat er ihm gelassen. Greg Lupus ist schlimmer als der Teufel, deshalb wünsche ich ihm den Tod. Sie haben ringsherum Ihre Spezialisten postiert. Sollte er auch nur den Versuch machen zu fliehen, werden sie auf ihn schießen, und wenn er fällt, werde ich aufatmen, denn dann ist der Tod meines Freundes gesühnt. Erst dann. Solange Greg Lupus lebt, werde ich mich mit Rachegedanken tragen, und wenn ihr ihn nicht umlegt, tue ich es vielleicht demnächst.«

»Sie wissen, daß Sie das nicht dürfen, Bain«, sagte der Inspektor.

»Irgend jemand muß der Gerechtigkeit schließlich zu ihrem Recht verhelfen.«

»Niemand darf sich selbst zu Richter und Henker ernennen. Das würde zur totalen Anarchie in unserem Land führen«, sagte Inspektor Layton.

»Haben Sie ›Ein Mann sieht rot‹ gesehen, Inspektor?« fragte Martin Bain, der Informant.

»Ein gefährlicher Film«, sagte Peter Layton.

»Ich finde, Charles Bronson hat das einzig Richtige getan. Als man seine Frau und seine Tochter vergewaltigte, nahm er das Gesetz, das die Verbrecher nicht zu bestrafen vermochte, selbst in die Hand.«

»Das ist ja die gefährliche Tendenz«, sagte der Inspektor. »Kein Schicksalsschlag, und wenn er noch so schlimm ist, gibt Ihnen einen Freibrief fürs Töten in die Hand, Mr. Bain! Würden Sie sich jetzt bitte zurückziehen? In wenigen Augenblicken wird es hier vermutlich heiß hergehen.«

»Ich will Lupus’ Niederlage miterleben, Inspektor. Nur deshalb habe ich Sie verständigt. Ich töte ihn, ohne den Finger am Abzug zu haben. Ich bediene mich einer Waffe, die sich Polizei nennt.«

»Ich fürchte, ich muß Sie enttäuschen, Bain. Wenn es sich vermeiden läßt, werden wir keinen einzigen Schuß abgeben.«

Martin Bain lachte. »Ich kenne Greg Lupus. Er wird Sie zwingen zu schießen.«

Layton beauftragte einen Sergeant, den Informanten in Sicherheit zu bringen. Widerstrebend ging Martin Bain mit dem Beamten. Peter Layton fuhr sich mit der Hand über die schweißglänzende Glatze.

Seit Jahren war er hinter Greg Lupus her. Endlich hatte er ihn gestellt. Lupus war ein Räuber, ein Mörder, ein Dieb. Es gab kaum ein Verbrechen, das er noch nicht begangen hatte.

Bisher war es ihm immer wieder gelungen, sich einer Festnahme zu entziehen. Er war schlüpfrig wie ein Stück nasse Seife. Wenn man zupackte, flutschte er davon.

Doch diesmal hatte Inspektor Layton mehr Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Da Lupus’ Gefährlichkeit allseits bekannt war, hatte man dem Inspektor sogar Scharfschützen bewilligt.

Sie waren um das Motel herum postiert und warteten auf Laytons Schußbefehl. Sie würden aber auch dann schießen, wenn Greg Lupus als erster das Feuer eröffnete.

»Dann wollen wir es mal im guten versuchen«, sagte der Inspektor. »Gebt mal her die Flüstertüte.«

Man reichte ihm das Megaphon, damit er sich bemerkbar machen konnte, aber das war nicht nötig. Greg Lupus wußte bereits, daß die Polizei da war.

***


Barbara Benedict, das schwarzhaarige Mädchen im aufregenden Korsett, stieß einen erschrockenen Schrei aus, als Lupus sie zur Seite rammte, und fiel auf das breite Doppelbett.

Sie hatte ohnedies nicht mehr besonders sicher auf den Beinen gestanden, weil ihr der spendable Greg eine Menge Whisky eingeflößt hatte, um es ein bißchen leichter bei ihr zu haben. Eine Rechnung, die problemlos aufgegangen wäre, wenn nicht die Bullen dazwischengekommen wären.

Barbara hatte Greg von Anfang an brutal-animalisch gefunden, und das hatte sie geradezu magisch angezogen. Sie hatte damit gerechnet, daß er sie hart anfassen würde, aber das hätte ihr nichts ausgemacht.

In Barbaras Augen war Greg ein richtiger Mann, der ihr im Bett den Himmel und die Hölle bescheren würde. Erwartungsvoll und erregt zitternd blieb sie auf dem Bett liegen.

Sie glaubte, Greg mit ihrer kleinen Darbietung auf Touren gebracht zu haben, so daß er nun unvermittelt zur Sache kommen wollte. Sie spürte ein heißes Verlangen in sich, und ihr Atem ging schneller, wodurch sich ihre großen Brüste rasch hoben und senkten.

Aber Greg Lupus zeigte kein Interesse mehr für all die Schönheit, die ihm geboten wurde. Die Frucht wäre reif gewesen, er hätte sie nur noch zu pflücken brauchen. Alles hätte er von Barbara haben könne, als sie aber sah, daß er eine Maschinenpistole aus dem Schrank holte und entsicherte, sah sie ihn verdattert an.

»Greg!«

»Halt’s Maul!«

»Ich hab’ ja schon die verrücktesten Dinge getan, aber was soll eine MPi dabei?«

»Zieh dich an, es läuft nichts mehr!«

»Aber Greg! Du kannst mich doch nicht einfach…«

»Bist du schwerhörig oder schwer von Begriff?« herrschte der Gangster das Mädchen an. »Du ziehst dich jetzt an, und damit basta!«

Verständnislos und ärgerlich fischte Barbara nach ihrem Kleid, während Greg Lupus zum offenen Fenster rannte. Er hatte gute Ohren und scharfe Augen, und er schaltete niemals völlig ab.

Selbst als Barbara angefangen hatte, sich auszuziehen, war er wachsam geblieben. Obwohl er dem Fenster den Rücken zugekehrt hatte, war ihm aufgefallen, daß draußen irgend etwas Ungewöhnliches lief.

Der dreiteilige Spiegel hatte es ihm verraten, und auf außergewöhnliche Dinge reagierte Greg Lupus auf seine Weise.

Er sah jetzt die Polizeifahrzeuge und die Männer, die sich dahinter verbargen, und er ließ sofort seine Maschinenpistole rattern, um sich Respekt zu verschaffen.

Barbara glaubte, einem Verrückten in die Hände gefallen zu sein, und das war ihr nun nicht mehr angenehm. Hastig zog sie sich an, und dann saß sie zitternd auf dem Bett und wußte nicht, wie sie sich verhalten sollte.

Nach der zweiten Garbe, mit der Lupus einen Polizeibeamten verletzte, schossen Laytons Kollegen zurück. Der Stahlhagel, der zum Fenster hereinflog, hieb Löcher in die Wand, zerfetzte die Sesselpolsterung und zertrümmerte zwei Teile des Spiegels.

Blinkende Splitter fielen klirrend aufs Bett, von dem sich Barbara schreiend herunterfallen ließ. Sie hatte auf einmal schreckliche Angst um ihr Leben und verkroch sich bibbernd unter dem Bett.

Greg Lupus schoß wieder, und Inspektor Layton meldete sich durch das Megaphon: »Lupus, geben Sie auf! Sie sind kein Dummkopf! Sie wissen, daß Sie keine Chance haben!«

»Richtig!« schrie Lupus zurück. »Ich bin kein Dummkopf! Aber ihr seid ein Haufen von Idioten, denen ich es zeigen werde! Ihr kriegt mich nicht!«

»Das Motel ist umstellt! Ich kann nicht glauben, daß Sie darauf versessen sind, von unseren Kugeln durchsiebt zu werden, Lupus! Geben Sie auf! Jeder Widerstand ist zwecklos! Er verschlechtert nur Ihre Situation!«

»Ich finde meine Situation nicht so schlecht! Sowie ich einen Bullen sehe, knalle ich ihn ab. Es wird mir ein Vergnügen sein, so viele wie möglich von euch ins Jenseits zu befördern! Rechnet nicht damit, daß mir die Munition ausgeht. Ich habe mich gut eingedeckt. Sie reicht für euch alle.«

»Lupus, so seien Sie doch vernünftig!«

»Nichts zu machen, Mann! Wenn ihr mich haben wollt, müßt ihr mich holen, und das wird verdammt schwierig für euch werden.«

»Na schön, Lupus, wenn Sie den totalen Krieg wollen, können Sie ihn haben. Wir haben keine Angst davor.«

»Ich fürchte mich auch nicht!« gab Greg Lupus zurück.

»Sie haben ein Mädchen bei sich!«

Lupus lachte. »Donnerwetter, seid ihr gut informiert.«

»Lassen Sie sie gehen!« verlangte der Inspektor.

»Damit ihr Tränengas einsetzen könnt? Nichts da! Die Lady bleibt bei mir! Und jetzt Schluß mit der Debatte!« Der Gangster feuerte wieder, und als er einen Polizisten zusammenbrechen sah, lachte er laut.

Barbara lag zitternd unter dem Bett und hielt sich die Ohren zu. Lupus rannte zum Schrank und holte Munition. Das Mädchen sah seine Schuhe, und es sah in den Schrank, als Lupus zum Fenster zurückkehrte.

Dutzende Waffen befanden sich im Schrank. Ein regelrechtes Waffenarsenal hatte Greg Lupus hier angelegt. Barbaras nervöser Blick ruhte auf einer Pistole.

Wenn sie sich die holte und auf Greg schoß, war der Krieg zu Ende. Er würde nicht merken, wenn sie die Pistole aus dem Schrank nahm, denn er mußte sich auf die Polizei konzentrieren.

Während er die Angreifer vom Motel fernhielt, konnte sie die Waffe auf ihn richten und abdrücken. Die Kugel würde seinen Rücken treffen, und er würde zusammenbrechen… schwer verletzt oder gar tot.

Aber Barbara Benedict hatte noch nie eine Waffe in der Hand gehabt. Sie wußte nicht, wie man damit umging, wie man eine Pistole entsicherte, wie man sich davon überzeugte, daß sie geladen war.

Wenn sie abdrückte, und es klickte nur, würde sich Greg umdrehen, und dann würde die MPi in seinen Händen häßlich hämmern…

Nein, Barbara brachte den Mut nicht auf, sich zu bewaffnen. Sie wollte leben, und unter dem Bett war sie vorläufig einigermaßen sicher.

Der Whisky, den sie getrunken hatte, wirkte nicht mehr. Sie war jetzt stocknüchtern, und sie hoffte, daß die Polizei nichts tat, was ihr Leben gefährdete.

Lupus feuerte auf alles, was sich bewegte, und es machte ihm auch höllischen Spaß, mehrere Polizeifahrzeuge kaputtzuschießen. Und dann stellte er unvermittelt das Feuer ein.

»So, Kameraden, das reicht!« schrie er. »Ich möchte jetzt, daß ihr euch verzieht!«

»Kann ich zu Ihnen reinkommen, Lupus?« fragte Inspektor Layton.

»Wozu?«

»Ich möchte mit Ihnen reden.«

»Reden Sie. Ich verstehe Sie sehr gut, oder möchten Sie mir ein Geschäft Vorschlägen, von dem Ihre Kollegen nichts wissen dürfen? Mit wem spreche ich eigentlich? Was ist das denn für eine Unart? Ich kenne nicht einmal Ihren Namen.«

»Ich bin Inspektor Layton.«

»Ah, Layton! Treten Sie vor, damit ich Sie umnieten kann!«

»Ich weiß, daß Sie das gern tun würden…«

»Furchtbar gern sogar!« rief Greg Lupus. »Ich kann Sie ebensowenig leiden wie Sie mich, Inspektor.«

»Dennoch besteht zwischen uns beiden ein gravierender Unterschied, Lupus: Ich bin nicht so rachsüchtig wie Sie. Mir würde es genügen, Sie hinter Schloß und Riegel zu bringen.«

»Tut mir leid, daß ich Ihnen die Freude nicht machen kann, Inspektor, aber ich gehe nicht ins Gefängnis. Ich habe andere Pläne, die Sie nicht durchkreuzen können.«

»Wie lange wollen Sie noch wie ein Wahnsinniger um sich schießen, Lupus?«

Der Gangster lachte. »Bis keiner mehr von euch am Leben ist.«

»Wenn es sein muß, bleiben wir eine ganze Woche hier, ist Ihnen das klar? Sie können es noch so lange hinauszögern - wir befinden uns in der besseren Position. Irgendwann werden Sie aufgeben müssen. Warum also nicht gleich? Sie sind allein, Lupus. Mit der Zeit werden Sie müde werden. Was dann? Wir lassen Sie nicht schlafen, geben Ihnen so lange keine Ruhe, bis Sie mürbe sind.«

»Ich weiß, daß Sie eine verdammt lästige Filzlaus sind, Layton. Deshalb habe ich auch keine Lust mehr, mich noch länger mit euch herumzubalgen. Sie werden so nett sein, mir einen vollgetankten Wagen vor die Tür zu stellen, Inspektor, und Sie werden mir freies Geleit gewähren.«

»Sie haben vielleicht Wünsche. Denken Sie, daß ich Ihnen die erfüllen werde?«

»Haben Sie eine Wahl? Können Sie es verantworten, daß ich meine Geisel umlege?«

Barbara schluchzte entsetzt auf, als sie das hörte. Sollte sie das hier heil überstehen, würde sie nie wieder mit einem Mann gehen, das schwor sie sich.

»Die Presse würde Sie in der Luft zerreißen, wenn Sie das Leben des Mädchens leichtfertig aufs Spiel setzen, Inspektor!« rief der Gangster höhnisch. »Das können Sie sich gar nicht leisten. Sie würden Ihren Job verlieren. Und einen miesen Prozeß würde man Ihnen auch noch anhängen.«

Um Zeit zu gewinnen, erbat sich der Inspektor Bedenkzeit, doch Greg Lupus ging nicht darauf ein.

»Verdammt noch mal, was gibt’s denn da zu überlegen, Inspektor?« brauste der Gangster auf. »Sie tun, was ich sage, und damit hat es sich!«

»Na schön!« knurrte Peter Layton. »Sie kriegen den Wagen.«

Der Verbrecher lachte. »Hört sich schon besser an. Kopf hoch, Inspektor. Ihre Stimme klingt so deprimiert. Man kann nicht immer gewinnen. Man muß auch mal mit Anstand verlieren können.«

Layton schwieg.

Greg Lupus lehnte neben dem Fenster an der Wand und schaute Barbara höhnisch grinsend an. »Du hättest dir wohl nicht träumen lassen, daß der Abend so aufregend verlaufen würde, was? Los, komm unter dem Bett hervor. Es wird nicht mehr geschossen - höchstens noch von mir. Wir machen jetzt eine kleine Spazierfahrt.«

»Wohin?« fragte Barbara mit dünner Stimme.

»Einfach ins Blaue. Laß dich überraschen.«

Barbara schob sich unter dem Bett hervor. Staub, Putzbrocken und Glassplitter bedeckten den Boden.

»Du siehst aus, als würdest du gleich losheulen«, sagte der Gangster mitleidlos. »Aber solche Krokodilstränen berühren mich nicht im mindesten. Du stehst doch auf harte Männer. Nun, ich bin der härteste von allen.«

***


Der vollgetankte Wagen stand vor der Tür, und Inspektor Layton hatte auf Greg Lupus’ Verlangen sämtliche Scharfschützen abgezogen. Der Verbrecher nahm an Waffen und Munition mit, was er tragen konnte. Er schob das schlotternde, bleiche Mädchen vor sich zur Tür hinaus. Zwei Revolver befanden sich in seinen Händen, die MPi hatte er geschultert.

»Bravo!« rief Inspektor Layton gallig. »Das ist wirklich sehr mutig, Lupus. Sie verstecken sich hinter einem wehrlosen Mädchen, das vor Angst beinahe umkommt. Ich habe Sie immer schon für eine feige Kreatur gehalten. Heute beweisen Sie, daß ich recht habe.«

»Der Zweck heiligt die Mittel, Layton.«

»Wären Sie mit einem Tausch einverstanden? Lassen Sie das Mädchen laufen, und nehmen Sie mich als Geisel.«

»Aber Inspektor, was wäre das denn für ein schlechter Tausch? Sie sind ein Mann, und außerdem sind Sie nicht einmal annähernd so hübsch wie Barbara. Ich habe vor, mich mit der Kleinen zu vergnügen, sobald wir in Sicherheit sind. Mit Ihnen wüßte ich nichts anzufangen.«

Lupus lachte dreckig und stieg mit Barbara in den Wagen. Er startete den Motor und fuhr los. Niemand hinderte ihn daran, aber er rechnete damit, daß Layton ihm folgen würde. Er hatte den Inspektor zu sehr beleidigt und gereizt. Das ließ Layton mit Sicherheit nicht auf sich sitzen.

Und da tauchte auch schon eine schwarze Limousine im Rückspiegel auf. Sie war als Polizeifahrzeug nicht zu erkennen, aber Greg Lupus wußte, daß sie von Layton gelenkt wurde.

Er fuhr im Zickzack durch die Stadt, kam nach Soho, wo er sich gut auskannte, und er rechnete damit, daß es ihm hier, im winkligen Gassengewirr, gelingen würde, den Inspektor zu »verlieren«.

Lupus bog in eine schmale, düstere Straße ein.

Plötzlich weiteten sich seine Augen.

Mitten auf der Fahrbahn stand ein seltsamer Mann - groß und breitschultrig, mit Flügelhelm und Brustpanzer. Der Gangster konnte nicht ahnen, daß er Zero, einen gefährlichen, mächtigen Magier-Dämon, vor sich hatte.

***


Er war einer der Grausamen 5, deren Heimat die Prä-Welt Coor war, aber sie dehnten ihren Machtbereich ständig aus, deshalb konnte inan ihnen auch auf anderen Welten begegnen.

Seit geraumer Zeit trugen sie sich mit dem Gedanken, auf der Erde einen Stützpunkt zu errichten, doch immer wieder gab es Wichtigeres zu tun, so daß die Realisierung dieses Plans aufgeschoben werden mußte.

Doch aufgeben würden sie ihn nicht Was die Grausamen 5 einmal beschlossen hatten, führten sie in der Regel auch aus. Es kam nur hin und wieder vor, daß sie den Zeitpunkt verschoben, denn die Zeit hat für Dämonen keine allzu große Bedeutung. Schließlich war den meisten von ihnen ja ewiges Leben garantiert.

Noch waren sie unschlüssig, wo sie ihren Stützpunkt errichten sollten - auf welchem Erdteil, in welchem Land, in einer einsamen Gegend oder in dicht besiedeltem Gebiet.

Zero war gekommen, um sich umzusehen.

Es gab aber noch einen anderen Grund, weshalb er ausgerechnet jetzt und ausgerechnet nach London gekommen war. Er verfolgte mit seinem Erscheinen einen hinterlistigen Plan.

Als er mit Höllenfaust, dem Anführer der Grausamen 5, darüber sprach, hatte dieser gegrinst und ihm erlaubt, die schwarze Wolkenburg auf Coor zu verlassen.

Nun befand er sich in Soho, und die Ereignisse, in die er verstrickt wurde, waren ihm willkommen. Er wußte, daß er mit Flügelhelm und Brustpanzer zu sehr auffiel, und wenn er es für nötig hielt, würde er sich so kleiden, daß niemand auf die Idee gekommen wäre, ihn für keinen Menschen zu halten, doch im Moment gefiel es ihm, sich so zu präsentieren, wie er auf Coor auftrat.

Ein Wagen war um die Ecke gebogen und kam auf ihn zu, doch er rührte sich nicht von der Stelle.

***


»Sieh dir diesen Irren an!« rief Greg Lupus. »Wie der aussieht. Wie ein Überbleibsel aus der Ritterzeit.«

Die Scheinwerfer stemmten sich gegen Zero, der keinen Schritt zur Seite wich. Lupus hupte. Zero regte sich dennoch nicht.

»Na schön, du armer Narr!« rief Greg Lupus. »Wenn du es nicht anders haben willst!«

»Halt an!« schrie Barbara. »Du kannst diesen Mann doch nicht einfach über den Haufen fahren!«

»Wieso nicht? Er ist mir im Weg, und er verschwindet nicht von der Fahrbahn.«

»Vielleicht kann er nicht…«

»Er hat zwei Beine, und er strotzt vor Kraft - aber nicht mehr lange.«

Anstatt zu bremsen, gab Lupus Gas. Barbara griff ihm ins Lenkrad. Er stieß sie zurück und gab ihr eine Ohrfeige.

»Tu das nicht noch mal!« brüllte er sie an. »Sonst kannst du was erleben!«

Zero hob beide Hände, als wollte er sich gegen den Wagen stemmen, und im nächsten Augenblick blieb der Wagen stehen, der Motor starb ab.

»Verdammt!« schrie Lupus zornig. Er versuchte den Wagen wieder in Gang zu bringen, aber es war nicht möglich. »Das hat dieser Kerl getan!« schrie der Verbrecher. »Ich weiß nicht wie, aber er hat es getan. Das soll er mir büßen. Der verfluchte Hund wird sich gleich wünschen, mir nie begegnet zu sein!«

Lupus sprang aus dem Wagen und riß die Maschinenpistole von seiner Schulter. Er richtete die kurzläufige Waffe auf Zero.

»Dann tanz mal schön zur Musik, die meine Knarre macht!« rief er und zog durch.

Während es vor der MPi-Mündung wetterleuchtete, hallte ein hämmerndes Stakkato zwischen den Häusern. Die ersten Kugeln verfehlten den Magier-Dämon, aber der Rest trommelte hart gegen den Brustpanzer.

Blitze zuckten auf, und Lupus sah, daß die Kugeln den Brustpanzer nicht durchschlagen konnten. Wütend fragte er sich, aus welchem Material der Panzer bestand. Daß es sich um einen magischen Schutz handelte, konnte der Verbrecher nicht wissen.

Lupus zielte auf die ungeschützten Körperstellen. Zu seiner grenzenlosen Verwirrung vermochte er den Fremden aber auch dort nicht zu verletzen.

Das war dem Gangster unbegreiflich. Ihm ging es so wie allen Menschen, die zum erstenmal mit dem Phänomen der geheimnisvollen Magie konfrontiert werden.

Zero, dessen obere Gesichtshälfte vom Helm verdeckt war, grinste diabolisch. Er richtet seinen Blick durch die Sehschlitze auf den Verbrecher, und sein Mund öffnete sich.

Laut schallte sein grausamer magischer Ruf, mit dem er Greg Lupus bestrafen wollte und der diesem zum Verhängnis werden sollte.

»Aaaiiiyyysss!« röhrte er das gewaltige Wort aus der Dämonensprache heraus, und es traf Greg Lupus voll.

Der Gangster brüllte auf, als ihn ein frostklirrender Schmerz packte. Tausende Eisstacheln schienen ihn zu durchbohren, schienen sich in ihm aufzulösen, auf eine unerklärbare Weise von ihm Besitz zu ergreifen.

Die unnatürliche magische Kälte ließ ihn erstarren und erfrieren!

Greg Lupus, der Gangster, erfror in einer milden Sommernacht im Herzen von Soho…

***


Doch damit nicht genug. Es gefiel dem Magier-Dämon, den Mann, der es gewagt hatte, auf ihn zu schießen, zu seiner dämonischen Marionette zu machen.

Eine unglaubliche Umwandlung vollzog sich mit dem Verbrecher. Der Körper des Mannes wurde zu glitzerndem Eis. Es gab keine Knochen und kein Fleisch mehr, nur noch Eis - durch und durch!

Barbara bekam das alles hautnah mit, und es war kein Wunder, daß sie an ihrem Verstand zweifelte. Sie hatte nicht den Mut, den Wagen zu verlassen, rutschte auf dem Beifahrersitz zitternd so tief wie möglich nach unten und bedeckte ihr Gesicht mit schweißfeuchten Händen.

Zero setzte sich rückwärts ab. Die Luft flimmerte kurz, und dann war er nicht mehr zu sehen. Der grausame Magier-Dämon hatte einen Menschen getötet - mit einem einzigen Wort!

Das bewies einmal mehr, wie gefährlich die Grausamen 5 waren.

Der Mann aus Eis drehte sich langsam, mit eckigen Bewegungen, um.

Barbara Benedict hörte, wie die Wagentür geöffnet wurde, und schluchzte verzweifelt auf. Sie glaubte sich verloren, wagte nicht einmal, die Hände vom Gesicht zu nehmen und aufzublicken.

Sie wollte das Eismonster, das sie bestimmt töten würde, nicht sehen. Eine Hand berührte sie, und ihr Herzschlag setzte aus, doch dann begriff sie, daß die Hand nicht kalt, sondern warm war.

»Miß!« flüsterte jemand. »Kommen Sie! Schnell!«

Es war Inspektor Layton. Er hatte alles gesehen, konnte sich aber nichts erklären. Greg Lupus hatte den Mann mit dem Flügelhelm getroffen, doch der Unbekannte war auf den Beinen geblieben.

Und was danach passiert war, überstieg Laytons geistiges Fassungsvermögen bei weitem. Er wußte nur eines: daß er das Mädchen in Sicherheit bringen mußte.

Er zog Barbara aus dem Auto. Sie war ungeschickt und karaftlos, hängte sich schwer an den Inspektor. Er stemmte sieh ächzend mit ihr hoch.

»Gehen Sie! Laufen Sie!« raunte er ihr zu. »Es sind nur ein paar Schritte bis zu meinen Leuten! Dann sind Sie in Sicherheit! Sie schaffen das!«

Er drückte sie von sich, und Barbara wankte davon.

Im nächsten Moment fiel eine granitharte Hand auf die Schulter des Inspektors und riß ihn herum.

Das Eismonster packte zu! Eisfinger legten sich um Peter Laytons Hals!

Er wehrte sich, stieß seine Fäuste gegen den Körper des Gegners, doch er erzielte damit keine Wirkung. Es war so, als hätte er gegen einen Eisblock geschlagen.

Ein Schmerz stach durch âie ganze Faust bis ins Handgelenk, und der Druck der Hände wurde immer unerträglicher. Layton versuchte den verwandelten Killer von sich zu stoßen.

Seine Finger berührten dabei einen der beiden Revolver, die Greg Lupus am Gürtel stecken hatte.

Er riß die Waffe heraus, richtete sie gegen den Verbrecher und drückte ab, doch die Wirkung war gleich Null. Das Eismonster war unverwundbar!

Erschüttert ließ Peter Layton die Waffe fallen. Er begriff, daß er auch mit einem zweiten Schuß nichts erreichen würde. Seine Männer eilten ihm zur Hilfe. Vier, fünf Mann stürzten sich auf Lupus und kämpften um das Leben des Inspektors.

Es gelang ihnen, Lupus von Layton zu trennen, doch sie schafften es nicht, das gefährliche Eismonster niederzuringen. Er schlug jeden zu Boden, der das versuchte.

Dann sprang er in den Wagen, dessen Motor nicht mehr magisch blockiert war, und raste davon.

Der Fall hatte sich in Dimensionen ausgeweitet, die Inspektor Layton nicht mehr erfassen konnte. Er brauchte Hille, und er bekam sie.

***


Der reiche Industrielle Tucker Peckinpah, mein Partner, hatte angerufen und mir nichts Erfreuliches erzählt.

Es war im Kampf mit dem dämonischen Wissenschaftler Mortimer Kull zu einer Neuauflage gekommen, und ich hatte mich nach meiner Rückkehr aus Amerika auf ein bißchen Ruhe und Erholung gefreut, doch daraus wurde wieder einmal nichts, weil ein neues Problem aufgetaucht war, dem ich unverzüglich zuleibe rücken mußte.

Was mir Peckinpah berichtet hatte, war alarmierend gewesen: Einer der Grausamen 5 war in Soho aufgetaucht!

Was er getan hatte, ließ mich darauf schließen, daß es sich um Zero handelte, denn die »Arbeitsweise« der anderen kannte ich bereits.

Die Grausamen 5… Wieder einmal tauchte dieser Begriff auf. Seit langem waren mir diese Magier-Dämonen bekannt, und sporadisch hatte ich mit ihnen schon zu tun gehabt, doch besonders massiv waren sie noch nicht in Erscheinung getreten, und dafür war ich ihnen dankbar.

Wenn sie andere Dimensionen heimsuchten, konnte ich es nicht verhindern. Ich schaffte es ja nicht einmal, die Schwarzblütler von meiner Welt fernzuhalten.

In diesem immerwährenden Kampf gegen das Böse, den kein Mensch jemals gewinnen konnte, mußte ich es schon als Erfolg ansehen, wenn es mir gelang, dafür zu sorgen, daß es dem Bösen nicht möglich war, unsere Welt zu überwuchern und das Gute unter sich zu ersticken.

Zero in London!

Das war wirklich keine erfreuliche Nachricht.

Er war allein gekommen - vielleicht als Vorhut. Es war denkbar, daß die anderen auch bald eintreffen würden: Thoran, Vulkan, Radheera und Höllenfaust, der Anführer der Grausamen 5.

Er trug derzeit meinem magischen Ring. Mein einstiger Freund Frank Esslin mußte ihn ihm überlassen. Höllenfaust hatte daran Gefallen gefunden, und was er haben wollte, durfte man ihm nicht vorenthalten, sonst war man des Todes.

Frank Esslin hatte sich mit dem Ring Höllenfausts Wohlwollen erkauft. In schwarzen Kreisen hielt sich hartnäckig das Gerücht, daß die Grausamen 5 Pläne mit unserer Welt hatten, und daß sie die Absicht hatten, Frank Esslins Dienste in Anspruch zu nehmen.

Nach Tucker Peckinpahs Anruf hetzte ich durch mein Haus, um so rasch wie möglich fortzukommen. Mitten in meine Hektik platzte der Ex-Dämon Mr. Silver.

Man sah es meinem hünenhaften Freund an: Es ging ihm zur Zeit nicht gut. Er hatte Bekanntschaft mit Yoras Seelendolch gemacht, und seither hatte er auf übernatürlichem Gebiet nichts mehr drauf.

Es hatte den Anschein, als hätte Yora seinen magischen Nerv durchtrennt. Ohne seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, die ihn zu einem gefährlichen Feind der schwarzen Macht gemacht hatten, war er genau genommen nur noch ein Mann von einer anderen Welt.

Nichts Besonders mehr. Und diesen Umstand hatten sich Frank Esslin und sein Begleiter, der Lavadämon Kayba, zunutze machen wollen. Frank Esslin hatte gedacht, die Gelegenheit, Mr. Silver das Höllenschwert, seine stärkste Waffe abnehmen zu können, wäre nun besonders günstig.

Aber der Ex-Dämon hatte die Feinde ausgetrickst. Er hatte sogar Kaybas grausamer Folter getrotzt.

Als er meine Nervosität bemerkte, fragte er: »Wovon halte ich dich ab, Tony?«

»Ich will nicht unhöflich sein, aber ich muß dringend weg«, antwortete ich. »Ich komme mit.«

»Du weißt ja nicht einmal, wohin. Vielleicht habe ich ein Rendezvous mit einem schönen Mädchen.«

»Das wäre erst recht ein Grund für mich, dich zu begleiten, und hinterher würde ich dich bei Vicky Bonney verpetzen.«

»Und so etwas hat man zum Freund«, seufzte ich.

»Sind Schwierigkeiten mit der schwarzen Seite zu erwarten?« wollte Mr. Silver wissen.

»Ja, deshalb wäre es gut, wenn du nach Hause gehen würdest.«

Der Ex-Dämon sah mich mit seinen perlmuttfarbenen Augen traurig an. »Hast du mich abgeschrieben, Tony?«

»Machen wir uns nichts vor, Silver«, sagte ich ernst. »Wir wissen beide, was mit dir los ist. Du bist so schwach, daß dir sogar Shavenaar nur noch widerwillig gehorcht.«

»Ich bin so stark wie ein Mann von meiner Größe. Meine Muskelkraft ist der deinen noch überlegen, und mir ist auch meine Kampferfahrung geblieben. Ich lasse mich nicht aufs Abstellgleis schieben, Tony. Ich will wieder aktiv in das Geschehen eingreifen.«

»Alle deine Gegner wissen von deiner Schwäche«, gab ich zu bedenken. »Warum bleibst du nicht in der Versenkung und wartest, bis deine übernatürlichen Kräfte zurückkehren? Eines Tages wirst du die Wirkung des Seelendolchs überwunden haben.«

»Das dauert mir zu lange. Ich habe keine Geduld, kann und will nicht so lange warten.«

»Dann warte wenigstens auf Metals Rückkehr«, sagte ich.

Mr. Silvers Sohn hatte sich auf die Suche nach Cuca, seiner Mutter, begeben. Wir hofften alle, daß er die Hexe finden und zurückbringen würde, damit Mr. Silver an einem Krafttrank, den sie ihm braute, wiedererstarkte.

Sie kannte eine Menge Rezepte, und wir bauten auf dieses Wissen.

»Was ist, wenn Metal sie nicht findet?« fragte der Ex-Dämon. »Wirst du mich dann weiter aus deinem Leben ausschließen?«

»Nur aus dem gefährlichen Teil«, gab ich zurück.

»Du erinnerst dich sicher daran, daß ich schon einmal eine Schwächeperiode durchmachte. Daran waren die Höllenpeitschen von Magos Schergen schuld. Diesmal ist es Yoras Seelendolch.«

»Ich finde, daß es dich diesmal schlimmer erwischt hat«, sagte ich.

»Ich kann kämpfen wie du, und ich kann schießen. Sind wir nicht mehr Freunde?«

»Was soll der Quatsch, Silver«, sagte ich unwillig. »An unserer Freundschaft wird sich nie etwas ändern.«

»Dann mach mir die Freude und akzeptiere mich wieder als Kampfgefährten«, verlangte Mr. Silver. »Wir sind ein Team, Tony. Wir gehören zusammen - in guten wie in schlechten Zeiten. Wenn du nein sagst, gehe ich zu Daryl Crenna und seinen Freunden und schließe mich dem ›Weißen Kreis‹ an. Ich habe dieses Herumsitzen satt. Kannst du das nicht verstehen? Ich will kämpfen, und ich werde wieder kämpfen- Entweder an deiner Seite oder mit einem anderen Freund.«

»Du setzt mir das Messer an die Brust, das ist nicht fair.«

Der Ex-Dämon grinste. »Ich weiß, wie man dich nehmen muß.«

»Okay«, seufzte ich. »Du hast gewonnen. Ich habe keine Zeit, mit dir noch langef zu debattieren.«

Ich holte meinen Reservecolt, den ich kürzlich erst meinem amerikanischen Freund Noel Bannister geliehen hatte, drückte ihn dem Ex-Dämon mit einer Schachtel Munition - es handelte sich um geweihte Silberkugeln - in die Hand und forderte ihn auf, mir zu folgen.

»Erfahre ich auch, worum es geht?« erkundigte sich Mr. Silver.

»Später«, antwortete ich knapp und holte meinen schwarzen Rover aus der Garage.

***


Es war nicht vereinbart worden, daß Höllenfaust und die anderen ebenfalls in London eintreffen würden. Zur Zeit verfolgte der Anführer der Grausamen 5 Interessen besonderer Art.

Seine dämonischen Komplizen verfolgten das mit mißtrauischen Blicken. Höllenfaust war nicht mehr so uneingeschränkt wie früher für sie da. Sie wären mit seinen Entscheidungen nicht mehr rückhaltlos einverstanden.

Höllenfausts frühere Entschlüsse waren durchdacht und unübertrefflich gewesen, doch heute kam es zu mancher Fehlentscheidung, die niemand zu kritisieren wagte, denn Höllenfaust war gefährlich aufbrausend und jähzornig, und er liebte es nicht, kritisiert zu werden.

Wer ganz genau hinschaute, erkannte erste Zerfallserscheinungen. Die Grausamen 5 rückten allmählich voneinander ab. Noch hielt Höllenfaust sie mit Strenge und Härte zusammen, aber er ließ seine dämonischen Freunde jetzt häufiger allein agieren.

Das hatten sie immer schon getan. Sie waren nicht immer geschlossen aufgetreten, denn jeder hatte sein bevorzugtes Gebiet gehabt, in dem er tätig sein wollte, doch in jüngster Vergangenheit gingen die Grausamen 5 häufig getrennte Wege.

Das schwächte zwar die Gesamtheit, aber es tat den Kräften des Einzelnen keinen Abbruch.

Schuld an dieser neuen Entwicklung war Agassmea, die Tigerfrau. Höllenfaust war von ihrer Schönheit fasziniert, und er widmete ihr sehr viel von seiner Zeit.

Von einer kostbaren Zeit, die er anderweitig besser hätte nützen können, wie seine schwarzen Komplizen meinten, doch niemand wagte ihm das ins Gesicht zu sagen.

Thoran und die anderen befürchteten, daß Agassmea den Anführer der Grausamen 5 so sehr umgarnen könnte, daß er sich von ihr beeinflussen ließ.

Von Höllenfaust nahmen sie Befehle entgegen, doch wenn aus ihm eines Tages Agassmea sprechen sollte, würden sie sich gegen ihn auflehnen, denn sie waren nicht bereit, die Befehle einer Frau zu akzeptieren.

Auch dann nicht, wenn es sich um Agassmea hancfelte…

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738925494
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
spinne hexe tony ballard

Autor

Zurück

Titel: Tony Ballard #134: ​Die Spinne und die Hexe