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Uksak Top Western-Roman 3 Bellfort schickt Hilfe

2018 0 Seiten
Reihe: Uksak Top Western, Band 3

Leseprobe

Bellfort schickt Hilfe

Western von Heinz Squarra


Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.


In Crisbee gehen die Uhren anders, denn der Gründer der Stadt, Douglas Crisbee, will weder eine Lehrerin, noch einen Marshal, noch die allgemein gültige Gesetze dulden. Für den US-Marshal Clark Howard und die neue Lehrerin Miss Miller ist es ein harter Weg, Recht und Ordnung in die Stadt zu bringen - ein Weg, der mit dem plötzlichen Tod enden kann. Niemand kann sagen, zu welchen Mitteln Crisbee noch greifen wird.



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

w ww.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Mary Miller benutzte die Überlandpost. Eine der ständig rollenden Postkutschen, die unterwegs immer wieder die Gespanne wechselten, brachte sie in dreiunddreißig Stunden genau zweihundert Meilen nach Südwesten.

Langsam senkte sich der Abend über das weite, eintönige Land. Die Sonnenstrahlen wurden schräger und länger. Sprunghaft tanzten die Schatten der Kutsche über Sand und Steine. Ein leichter Wind kam auf, der durch das offenstehende Fenster drang. Aber er brachte den eingepferchten Menschen keine Kühlung. Er trieb vielmehr die Gluthitze der nackten Felsgiganten von den fernen Rocky Mountains heran.

Plötzlich wurde das ständige Schlagen und Stoßen der Kutsche, das die Fahrgäste durcheinander geschüttelt hatte, unterbrochen. Das Mahlen der Räder verebbte. Eine wohltuende Ruhe breitete sich aus, die nur von dem Schnauben der Pferde gestört wurde.

„Noch zwanzig Meilen bis Crisbee. Zehn Minuten Aufenthalt für einen Drink und ein neues Gespann!“, rief der Fahrer, indem er sich vom Bock beugte und in den Kasten hinter sich lugte.

Steif kletterten die Reisenden aus dem schwankenden Gefährt. Die Fahrt durch das Red-River-Valley war heiß gewesen.

„Darf ich Ihnen helfen, Madame?“, fragte ein junger Mann artig. Er saß Miss Miller seit Laredo gegenüber und versuchte die junge Frau mit gewürzten Geschichten zu unterhalten.

Mary Miller streckte ihm lächelnd, aber etwas abgespannt, wie es schien, ihre Hand entgegen.

„Natürlich, Mister Howard, warum nicht?“

Nebeneinander gingen sie auf das Stationsgebäude zu, das zugleich Gasthaus und Handelstore darstellte.

Seufzend befreite sich noch aus dem Türrahmen der Chaise eine dicke Farmersfrau, der ein Whiskyreisender folgte.

„Qualvoll, diese Post!“, sagte die Frau. Der Whiskyreisende nickte ergeben. Er zog ein riesiges, großkariertes Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte über seine Glatze.

Im Inneren der Station fanden sie ein kaltes Büfett vor, an dem belegte Brote, Kaffee, Tee und auch schärfere Sachen zu haben waren.

Clark Howard bestellte bei dem unansehnlichen Mädchen hinter dem Schanktisch einen Kaffee für Miss Miller und einen Whisky für sein eigenes Wohlergehen. Von einem Messingteller langte er einige Brote, die mit Wurst belegt waren.

Der Whiskyreisende setzte sich ans Ende der Tafel und zog den ganzen Teller zu sich hinüber.

„Sie gestatten doch“, grunzte er dazu mit einer Stimme, die jeden Widerspruch der anderen Gäste im Keime erstickte. Laut schmatzend begann er zu kauen. Er stürzte seinen Schnaps über die Zunge und schnippte das Glas über die Theke.

„Los, Kleine! Noch einen Whisky! Er taugt zwar nicht viel, aber ich muss mir den Staub dieses verdammten Landes aus der Kehle spülen!“

Das farblose Mädchen schenkte wortlos ein. Clark Howard glaubte plötzlich zu wissen, dass ihr Leben auf dieser einsamen Station bestimmt hart und bitter sein musste.

Dann blickte er Mary Miller an. Sie war blond und eine sportliche Erscheinung, die im Allgemeinen nicht ohne Eindruck auf die Männer blieb.

„Sie sind also die neue Lehrerin von Crisbee?“

„Ja.“

„Ich habe gehört, dass Crisbee eine harte, raue Stadt sein soll. Douglas Crisbee, dem die Stadt ihren Namen verdankt, soll ein Diktator sein, der von der Schule nichts wissen will. Schätze, Sie werden einen schweren Stand haben.“

Mary blickte den Mann von der Seite her an.

„Sind Sie nicht erstaunlich gut informiert, Mister Howard?“

Der Mann zuckte die Schultern.

„Was ich weiß, wissen viele Menschen in Südtexas. Der Richter von Crisbee, Hugh Förster, hat über die seltsamen Methoden des tonangebenden Ranchers Crisbee einen langen Bericht nach Bellford gesandt. Es dürfte sich also mit der Zeit herumgesprochen haben!“

Die Frau staunte.

„An wen wurde dieser Bericht geschickt?“

„An Colonel White!“, gab Clark Howard bereitwillig Auskunft.

„Und woher wollen Sie davon wissen?“

„Ich habe den Brief gelesen. Sie dürften es wirklich sehr schwer haben. Crisbee ist nicht gegen die Schule im Allgemeinen, sondern gegen den Unterricht unserer Zeit. Er ist ein alter Pionier, der die Comanchen vertrieben hat und die Stadt vor über dreißig Jahren gründete. Er kann nicht verstehen, dass sie heute nicht mehr seine Stadt sein soll.“

„Der Colonel hat Ihnen also den Brief zu lesen gegeben?“

Clark Howard lächelte über die Beharrlichkeit, mit welcher das Mädchen beim eigentlichen Thema blieb.

„Ja, er hat ihn mir gezeigt. Es war nichts als ein einziger Hilferuf des Richters.“

„Und was gedenkt der Colonel gegen diesen Machthunger eines einzelnen Ranchers zu unternehmen?“

Clark Howard wurde der Antwort enthoben. Der Postfahrer betrat die Gaststube und forderte die Reisenden auf, ihre Plätze in der Kutsche wieder einzunehmen, da er vor Mitternacht Crisbee erreichen wollte.

Clark Howard lächelte etwas verlegen. Umständlich massierte er sein markantes Kinn. Er begleitete Mary Miller an die Kutsche, half ihr beim Einsteigen und reichte der verdutzten Frau die Hand durch das Fenster.

„Bis später!“, sagte er und zog seinen Sattel vom Dach des Gefährts.

„Wollen Sie hierbleiben? In dieser Wildnis?“

Clark nickte.

„Ich habe die Absicht. Aber wir werden uns sicher wiedersehen, spätestens in zwei Tagen, wenn nicht schon morgen.“

Der Kutscher trat neben ihn. Langsam folgte noch ein anderer Mann, der Stationsvorsteher.

„Sie wollen hierbleiben?“

Clark nickte.

„Kann ich ein Pferd kaufen?“, fragte er den Stationsvorsteher leise.

Der Mann antwortete ebenso leise.

„Ja, einen Gaul können Sie kaufen.“

Der Kutscher stieg wieder auf seinen Bock, ließ ein anfeuerndes Schnalzen hören und knallte mit der Peitsche.

„Los!“, kam es donnernd aus seiner heiseren Kehle.

Der Fahrer gab die langen Zügel für die beiden Führungstiere frei. Holpernd und schwankend verschwand das Gefährt in der mit Bodenwellen bedeckten Landschaft. Langsam wurde es Nacht.

Clark Howard ging in den Stall der Poststation. Der Knecht, ein gutmütig aussehender untersetzter Mann, folgte ihm.

„Suchen Sie sich einen Gaul aus, Mister.“

Clark nickte, ging an den Boxen entlang und musterte die Tiere. Vor einem Braunen blieb er schließlich stehen.

„Was soll dieser hier kosten?“

Der Stallknecht besah sich das Pferd, rieb sich die Nase und meinte: „Achtzig Dollar, Mister, wenn Sie gleich bezahlen.“

Als Clark Howard das Pferd gesattelt hatte, führte er es aus dem Stall und schlang die Zügelenden um die Halfterstange vor der Station. Er lauschte in die Runde.

Aus der Ferne dröhnte noch das dumpfe Rollen der Kutsche, sie arbeitete sich eben einen steilen Pass hinauf, hinter dem Crisbee liegen sollte.

Clark Howard trat von dem Pferd weg und ging langsam in das Lokal zurück. Der Raum war leer, nur durch die angelehnte Küchentür drang gedämpft das Klappern von Schüsseln und anderen Gerätschaften. Er zog sich die Whiskyflasche über den Schanktisch und verabreichte sich selbst ein großes Glas des harten Getränkes.

Und dann stand das Mädchen plötzlich in der Türfüllung. Sie lächelte, was ihr Gesicht nur noch halb so hässlich erscheinen ließ, und kam näher. In der Hand hielt sie einen flachen Teller. Clarks Augen wurden groß. Ein Steak dampfte ihm entgegen.

„Sie werden noch Hunger haben“, sagte das Mädchen einfach und setzte den Teller auf die Theke. Clark Howard schwang sich auf einen der hohen Hocker und sah sie fragend an.

„Mein Vater hat mir gesagt, dass Sie dageblieben sind!“, fügte sie erklärend hinzu.

„Ach so“, Howard nickte.

Dann war er wieder allein. Er kaute und trank von dem warmen Whisky, seine Gedanken eilten seinem Weg voraus. Er musste unerkannt nach Crisbee kommen. Der hartgesottene Rancher würde inzwischen herausgefunden haben, dass Hugh Förster Colonel White berichtet hatte. Er würde sicher alle Hebel in Bewegung setzen, um den zu erwartenden US-Marshal abzufangen. Nach Clarks Meinung war die Postkutsche beschattet, sobald sie in die Stadt einfuhr. Crisbee würde innerhalb einer Stunde seine ganze Corona auf die Beine bringen und gegen ihn ansetzen können. Deshalb war Clark Howard ausgestiegen. Er brauchte wenigstens einen halben Tag, um sich unerkannt in der Stadt umsehen zu können.

Unbemerkt war der Stationsvorsteher neben ihn getreten.

„Wer war diese Dame?“, fragte er neugierig, indem er seinen Gast von unten heraus anblinzelte.

„Miss Miller, die neue Lehrerin von Crisbee!“

„Was ...?“ Der Mann vergaß seinen Mund zu schließen. „Crisbee bekommt wieder mal eine Lehrerin?“

Clark nickte ungerührt.

„Warum nicht?“

„Ich glaubte, es würde sich niemand mehr finden, nachdem Miss Drakon vor zwei Jahren so unsanft abgeschoben wurde.“ Der Mann lachte schallend. „Kennen Sie die Geschichte? Miss Drakon lehrte die Kinder Dinge, die nicht unmittelbar mit dem ABC zusammenhingen. Douglas Crisbee ließ die Dame daraufhin in eine Kutsche verfrachten und nach Laredo bringen. Dort stand sie vor der Wahl, freiwillig mit der Eisenbahn abzudampfen, oder von dem Muskelmann Ben Fraser in der Kutsche weiterbefördert zu werden. Sie entschied sich damals für die Eisenbahn.“

Clark schob seinen Teller zur Seite, wischte über den Mund und sah den Vorsteher an.

„Schätze, das wird sich mit Miss Miller nicht wiederholen.“

„Dann muss sie sich an das halten, was Douglas Crisbee ihr sagt!“

Howard schüttelte seinen Kopf.

„Nein, auch das wird nicht nötig sein. Sie kann in der Schule ruhig von der neuen Staatsordnung sprechen, genauso wie es Miss Drakon getan hat.“

„Wollen Sie ihren Schutz übernehmen?“

Clark nickte.

Der Stationsvorsteher musterte den Mann nun genauer.

„Dann hätten Sie aber in der Kutsche bleiben müssen, Mister.“

„Ich hatte meine Gründe, den Dampfer hier zu verlassen. Denke, das Pferd wird mich auch in die Stadt bringen können.“

Der Mann wunderte sich. Genaugenommen verstand er kein Wort mehr. Wenn der Gent nach Crisbee wollte, warum war er dann beim letzten Pferdewechsel ausgestiegen? In der Stadt konnte er doch bedeutend billiger ein Pferd erwerben?

Clark Howard sah keinen Grund, dem Mann eine lange Erklärung für sein Verhalten zu geben. Früh genug würde es sich herumsprechen, was es mit seinem seltsamen Benehmen auf sich hatte. Er drehte sich von seinem Hocker, warf ein Geldstück auf die Theke und marschierte sporenklirrend auf die Glastür zu.

„So long“, murmelte er, dann schwang die Tür hinter ihm zu.



2

Mary Miller bewies schon sehr bald, dass sie nicht gewillt war, sich in ihre Methoden hineinreden zu lassen.

James Crisbee, der um zehn Jahre jüngere Bruder des mächtigen Weidekönigs, musste diese traurige Erfahrung machen, als er ihr einen Kompromissvorschlag unterbreiten wollte.

„Wir bieten Ihnen zweitausend Dollar, Miss Miller, wenn Sie die Stadt umgehend wieder verlassen“, sagte er.

Die Frau lächelte. Es war ein Lächeln, das ihre Mundwinkel hart erscheinen ließ. Aber ehe sie etwas sagen konnte, hob James wieder die Hand.

„Bedenken Sie, zweitausend Dollar, dafür müssen Sie ein ganzes Jahr arbeiten!“

Mary Miller wischte die Worte mit einer Handbewegung aus der Luft.

„Sparen Sie Ihre Reden, Mister Crisbee! Das Gesetz ordnet an, dass jede Stadt ihre Schule haben muss. Wenn ich also abreise, wird in Kürze eine andere Lehrerin eintreffen.“

James Crisbee machte eine hilflose Bewegung.

„Gehen Sie jetzt!“, sagte die Frau und hielt die Tür des Schulraumes auf, der in einem Hinterzimmer des primitiven Stadthauses untergebracht war.

James Crisbee drehte seinen Hut ratlos über den Zeigefinger. Er verschwand.

Wenig später erschien Hugh Förster.

„Was wollte er?“

„Er bot mir eine Abstandssumme an!“

„Ah, das hab ich mir doch gedacht.“ Er stampfte in dem Schulzimmer auf und ab. „Wenn doch nur endlich eine Nachricht von Colonel White kommen würde. Ich hab ihn dringend um Hilfe gebeten. Es kann in der Stadt nicht mehr so weitergehen. Die Bürger wagen nicht einmal mehr den Kopf zu heben. Crisbee hat sie vollkommen unter dem Pantoffel!“

Mary Miller ging langsam zum Fenster.

„Er ist also brutal?“

Der Richter blieb stehen.

„Douglas ist ein alter Pionier, er hat dieses Tal für die weiße Rasse erschlossen, aber er betrachtet es als sein alleiniges Eigentum. Er duldet einfach nichts anderes als seine Stimme. Nun hat er noch so verschiedene Gesellen um sich versammelt, die stark über das Ziel hinausschießen. Ben Fraser zum Beispiel, ein übler Revolvermann. Vielleicht ist er sogar derjenige, dem Crisbee seine Macht noch immer verdankt. Der Kerl hat die Angewohnheit, erst zu ziehen und dann zu fragen. Oft konnten seine Gegner keine Antwort mehr geben. Sie waren tot!“

Mary Miller nickte. Sie blickte in das trostlose, zerfurchte Gesicht des alten Mannes, der wahrscheinlich der letzte war, der dem mächtigen Crisbee Widerstand entgegenstellte. Es war ein Mann, der den Kampf um das Gesetz mit der Verfassung ausfechten wollte und darüber alt geworden war. Wie viele Fragen mochten den Richter mit den eisgrauen Haaren bewegen, auf die er nur teilweise antworten konnte? Sicher gab es mehrere Dinge, die er zwar klar übersah, von denen er aber nicht wusste, wie er sie in richtige Bahnen lenken sollte.

Die Männer der Stadt zitterten vor Douglas Crisbee und vor seinem verlängerten Arm Ben Fraser. Er unterjochte die ganze Stadt, wollte die Lehrerin mit zweitausend Dollar aus der Umgebung locken, und tat auch sonst alles, um seine Macht wenn möglich noch zu vergrößern.

Die Frau glaubte plötzlich genau zu wissen, dass Hugh Förster einige Jahrzehnte lang versucht hatte, dem Rancher im Guten, durch bloßes Zureden, von seiner Idee abzubringen. Nun, wo anscheinend zu viel Blut geflossen war, hatte er die Polizeitruppe von Texas zu Hilfe gerufen.

An dieser Stelle fiel ihr der junge Mann wieder ein. Ruckartig hob sie den Kopf.

„Colonel White haben Sie um Hilfe gebeten?“

„Yeah!“

„Und wie, glauben Sie, soll diese Hilfe aussehen?“

Die Augen des Richters glänzten plötzlich.

„White ist ein alter Freund von mir. Wir haben immer für die gleiche Sache gekämpft, allerdings mit sehr verschiedenen Mitteln. – Ich hoffe zuversichtlich, dass er mir einen seiner Reiter schickt!“

Mary Millers Augen schlossen sich zu schmalen Schlitzen. Wie hatte doch Clark Howard gesagt, als er sich so plötzlich an der Kutsche von ihr verabschiedete? „Bis später“ und „wir werden uns sicher wiedersehen, spätestens in zwei Tagen, wenn nicht schon morgen!“ Er kannte Colonel White, kam aus Bellford und wusste auch sonst noch eine Menge Dinge, die als streng vertraulich behandelt wurden. Mary biss sich auf die Unterlippe. Clark Howard war ihr also nicht rein zufällig begegnet. Er musste sehr genau gewusst haben, mit welcher Kutsche der Überlandpost sie fahren würde. Woher aber konnte er diese Informationen haben? Doch nur von Hugh Förster, er allein wusste, wann Mary Miller ankommen würde.

„Haben Sie dem Colonel mitgeteilt, wann ich in die Stadt kommen werde?“

Der Richter nickte, er war keine Spur verlegen.

„Yes, das habe ich. Ich hoffte, White würde einen Mann zu Ihrem Schutz in der gleichen Chaise verstauen. Leider hat er es nicht getan.“ Der letzte Satz wurde von einem Seufzen begleitet.

„Warum brauche ich Schutz?“

„Es hat sich längst herumgesprochen, dass Sie ankommen. Crisbee war es zuzutrauen, dass er Sie unterwegs ab fangen lässt und wieder nach Laredo bringt.“

„Weiß dieser Mister Crisbee auch, dass Sie einen Marshal erwarten?“

Hugh Förster nickte kleinlaut.

„Ich habe ihm im Zorn damit gedroht. Seine Männer haben seitdem die Gegend, vor allem aber die Post, nicht mehr aus den Augen gelassen. Es war ein großer Fehler von mir!“

„Aha“, machte Mary und strahlte plötzlich. Nun war ihr klar, dass Howard der US-Marshal war und sich wahrscheinlich um diese Stunde bereits in Crisbee befand. Er musste vorausgesehen haben, dass die Poststation bewacht wurde. Vielleicht ritt er zu der gleichen Zeit, als vor dem Office das Entladen der Kutsche argwöhnisch beobachtet wurde, an einer ganz anderen Stelle zwischen die Häuser.

Mary Miller fühlte sich nun gar nicht mehr einsam. Mit doppelter Kraft wollte sie jetzt an ihre Aufgabe gehen. Die Kinder von Crisbee sollten rechnen und schreiben lernen, und sie würde sie zu aufgeschlossenen Menschen erziehen, die ihre Rechte in der demokratischen Staatsordnung kennen. Genau das sollten sie wissen, was Douglas Crisbee ihnen hartnäckig verweigerte.



3

Douglas Crisbee lehnte seine wuchtige, untersetzte Gestalt gegen den Stützpfeiler des Alkoven. Er beschattete die Augen mit der flachen Hand und blickte angestrengt nach der kleinen Staubwolke, die sich von der Stadt her näherte.

„Er kommt!“, sagte hinter ihm eine dunkle Stimme, die dem Vormann der Ranch gehörte.

Douglas Crisbee nickte mechanisch. Langsam ließ er die Hand sinken.

„Geh zu den anderen.“

Der Weidereiter drehte sich wortlos um und verschwand durch die luftige Halle. Die weichen Kokosmatten dämpften seine harten Schritte.

Douglas Crisbee stelzte steifbeinig die drei Stufen hinunter. Mit der Stiefelspitze schleuderte er einen Stein zur Seite, dann schob er seinen breitkrempigen Stetson in die Stirn und wartete.

Aus der Staubwolke schälte sich nun ein Reiter, der sich schnell als James Crisbee entpuppte. Er sprengte durch das primitive Ranchtor, von dessen oberen Pfosten zwei Buchstaben herabhingen, die aus Ästen gefertigt waren. DC besagten die Initialen.

James Crisbee zügelte sein Pferd. Sein Bruder sprang hinzu, um das Tier zu halten.

„Du bliebst lange, Bruder!“, stellte der Rancher fest. Abwägend betrachtete er James.

Der Jüngere nickte. Sein Gesicht war verkniffen. Er sagte nur ein einziges Wort: „Aussichtslos!“

Douglas Crisbee rief nach einem Cowboy, übergab diesem das Pferd und stolzierte in das Haus. Er ging direkt in das behagliche Wohnzimmer, warf sich in einen bequemen Ohrenstuhl und zog seine staubigen Stiefel von den Füßen. Missmutig feuerte er sie in eine Ecke.

„Berichte!“, sagte er knapp.

James räusperte sich verlegen, kratzte über seine Bartstoppeln, und versuchte ein Lächeln der Aufmunterung, was allerdings missglückte.

„Well, es gibt nicht viel zu sagen. Ich hab ihr zweitausend Bucks angeboten, wenn sie wieder verschwindet, und sie hat abgelehnt. Damned, es ist ein hochnäsiges Weib, aber sie muss eine ordentliche Portion Grips im Kopfe haben!“

Douglas Crisbee fluchte lästerlich.

„Sicher hast du dich wieder angestellt wie ein Bär. Schätze, ich muss Ben mal hinschicken!“

James marschierte im Zimmer auf und ab.

„Ben“, sagte er herablassend. „Er kann doch weder lesen noch schreiben. Denke, mit ihm wird sie sich gar nicht unterhalten.“

Douglas lachte dröhnend.

„Ben Fraser hat besondere Manieren. Er hat mir schon eine Lehrerin vom Halse geschafft, wir hatten zwei Jahre Ruhe.“

James schüttelte den Kopf.

„Diese Frau ist anders. Sie wird in Laredo bestimmt nicht in den Zug steigen, sondern den Sheriff benachrichtigen. Außerdem scheinst du den Marshal vergessen zu haben, den Hugh Förster erwartet!“

„Marshal.“ Douglas verzog seinen breiten Mund abfällig. „Er wird auch nur ein Mensch sein. Vielleicht zerbricht er schon, wenn er an Ben gerät!“

Er stand auf und lief in Strümpfen durch die Stube.

„Oder auch nicht!“, stellte James trocken fest. Er war am Fenster stehengeblieben, drehte sich nun um und blickte seinen älteren Bruder fest an.

„Was hast du eigentlich gegen die Schule? Du machst dir doch nur Unannehmlichkeiten. Wir haben hier alles, was wir brauchen; Geld, eine Menge Rinder, ein wunderbares Haus – einfach alles! Du kannst doch zufrieden sein. Außerdem hast du auch lesen und schreiben gelernt, warum willst du anderen dieses Recht streitig machen?“

Der Rancher warf sich wieder in seinen Sessel, verdrehte komisch die Augen und grunzte: „Wie oft muss ich dir das noch erklären? Ich bin nicht gegen die Schule, die Kinder sollen ruhig das ABC lernen, obwohl sie es nicht gebrauchen können, aber das muss nicht ausgerechnet so eine revolutionäre Person aus dem Osten besorgen. Wir haben es doch erlebt mit dieser Drakon. Was hat sie die Kinder und Erwachsenen gelehrt? He, nichts als Unfug von Demokratie, Selbstbestimmung und solche neumodischen Sachen, auf die unsere Männer auch prompt hereingefallen sind. Fast hätte es damals einen Bürgerkrieg in unserer Stadt gegeben, wenn wir die saubere Miss nicht eben noch rechtzeitig abgeschoben hätten. Nun ist es wieder soweit, verdammt, Förster ist nicht zu belehren.“

„Und wenn schon, uns geht doch nichts verloren!“, beharrte James eigensinnig.

Der Weidekönig wischte durch die Luft.

„Crisbee ist meine Stadt! Du warst noch sehr jung, Sonny, als wir dieses Tal erkämpft haben. Es hat außer uns kein Mensch überlebt. Die anderen sind alle viel später gekommen. Sie hatten ein kärgliches Bündel unter dem Arm, als wir schon eine große Herde auf dem Hof hatten. Sie benehmen sich auch danach, nur dieser Förster nicht, und ausgerechnet ihn hab ich zum Richter und Sheriff gemacht!“ Douglas Crisbee schlug sich an die Stirn, er verstand die ganze Welt und sich selbst nicht mehr.

„Nun willst du also deinen Bluthund auf die Fährte setzen?“

Die Augen des Ranchers zogen sich gefährlich zusammen. Böse funkelte er seinen Bruder an.

„Wie nennst du ihn?“

„Merkwürdig, du weißt doch genau, wen ich meine. Die ganze Stadt nennt Ben so. Keiner der Männer steht auf deiner Seite, sie fürchten nur deine Stiefel, die sie eventuell zertreten könnten.“

„Fraser hatte noch nie meinen Befehl, zu töten!“

„Natürlich, aber du hattest die Macht, ihm die Zügel anzuziehen. Vielleicht wäre verschiedenes unterblieben!“

Douglas Crisbee stelzte zum kalten Kamin und stellte ein Bein auf die Feuerstelle. Er kaute an seinem Fingernagel und sann vor sich hin, wie er seine Stadt für sich erhalten konnte. Es wollte ihm kein Einfall kommen. James schien sich nicht die geringste Mühe zu geben, ihm auf die Sprünge zu helfen.

„Ich kann auch nicht verstehen, warum du Brown, unseren letzten Nachbarn, unbedingt aus dem Tal verdrängen willst. Er hat dir doch nichts getan!“, sagte James.

Der Rancher warf sich herum.

„Brown ist ein elender Parzellenbauer. Er hat kaum mehr als dreißig Rinder.“

„Hatten wir mehr, als wir in dieses Land kamen?“

„Du willst dich wohl langsam aus dem Lager schlagen, he? Bist du etwa eine Ratte, die den Untergang riecht?“ Douglas Crisbees Gesicht verzog sich hasserfüllt.

„Nein, ich bin keine Ratte, ich will dir nur helfen, den richtigen Weg zu finden, ehe es zu spät ist, du bist doch schon ein alter Mann!“

„Es ist meine Stadt!“, beharrte der Rancher. „Und daran wird niemand etwas ändern.“

James zuckte die Schultern. Langsam, beinahe schwerfällig ging er hinaus. Leise klirrten seine Sporen, als er durch die Hintertür auf den Hof schritt.

Douglas Crisbee sah seinen Bruder über den Hof gehen. Ruckartig wandte er sich ab und starrte auf den Rost im Kamin, er war angekohlt und von Harz vollkommen verklebt.

Der mächtige Rancher konnte sich nicht mit dem Gedanken befreunden, dass er eines Tages die Zügel über die Stadt verlieren würde. Dass er schon jetzt seine Macht Männern vom Schlage Ben Frasers verdankte, darauf kam er nicht.

Währenddessen marschierte James Crisbee über den Hof. Er schlenderte am Geräteschuppen vorbei und blieb bei den Cowboys stehen, die im Schatten des Bunkhauses saßen und Brandeisen reinigten. James nickte den Männern zu, langte seine Tabakdose aus der Hosentasche und drehte sich geschickt eine Zigarette.

„Übermorgen beginnt das Brennen“, sagte der Vormann. „Gibt einen mächtigen Auftrieb in diesem Jahr.“

James nickte.

„So an zweitausend Rinder“, fuhr der Vormann fort, während er mit seinem Bowiemesser in den Rillen des Brenneisens kratzte.

„Eine Menge Zeug“, sagte der junge Crisbee. Er musste plötzlich an Hugh Försters Idee denken, die Eisenbahn nach Crisbee zu bringen, die von seinem Bruder wie das Feuer bekämpft wurde. Wäre es nicht eine bedeutende Erleichterung der jetzigen Arbeit? Sicher! Aber Douglas war dagegen, er hatte eine starke Crew, die seine Rinder treiben konnte, so wie es von alters her üblich war.

„Unsere Boys werden alle Hände voll zu tun haben. Wir werden wieder mehr Staub als Whisky in die Kehle kriegen.“ Larry, der Vormann, lachte. „Werden Sie auch dabei sein?“

„Yeah, ich werde dabei sein“, sagte James. Er lehnte sich an die niedrige Fenz und steckte seine Zigarette in Brand.

,,Ben, komm zu mir!“ schallte plötzlich ein heiserer Ruf über den Ranchhof.

Ein mächtiger Koloss von einem Cowboy wischte über sein Gesicht und erhob sich gemächlich. Er grinste breit, zeigte ein steinbruchartiges Gebiss und sagte: „Der Alte will mir Vorschuss geben, damit ich morgen zum Fandango gehen kann.“

James Crisbee drehte sich um, schnippte seine Kippe über die Fenz und blickte über die glänzenden Felle der Rinder, die in dem Corral standen. Es waren die Tiere, die für den Trail

ausgesucht waren und gebrannt werden sollten.

Ben Fraser stiefelte über den Hof, verschwand im Ranchhaus.

Von der Küchenbaracke tönte der Gong, der die Männer zum Essen rief. Sie legten ihre Arbeitsgeräte beiseite und standen hastig auf. Einer nach dem anderen verschwanden sie im Bunkhaus und kamen wenig später mit klappernden Blechnäpfen wieder zum Vorschein.

„Werden Sie zum Fandango kommen, Mister Crisbee?“, fragte der Vormann.

James nickte.

„Sicher.“ Er stemmte sich vom Zaun ab und ging langsam zum Pferdecorral.



4

Clark Howard war noch vor dem Morgengrauen in die Stadt gekommen, und niemand hatte ihn bemerkt. Hinter den ärmlichen Hütten am Rande von Crisbee lag er versteckt und erwartete den Morgen. Dann war er in die Hauptstraße geritten, hatte sich den Saloon – es gab nur einen – angesehen und die ehrbaren Bürger der Stadt über dieses und jenes ausgeholt, was ihn brennend interessierte. Gegen Mittag endlich ritt er zum Richter, zeigte seinen Pass und machte somit seinen offiziellen Antrittsbesuch. Als er zwei Stunden später wieder auf sein Pferd stieg, wusste er so ungefähr alles, was mit Douglas Crisbee und der Stadt zusammenhing und für ihn von Bedeutung sein konnte. Er ritt zum „Wigwam“, wo er sich ein Zimmer bestellt hatte, ließ sich ein Abendessen zubereiten und verschwand im Obergeschoss.

Clark Howard packte seinen Mantelsack aus. Er streifte sich das graue Hemd der Staatenreiter über und steckte seinen Marshalstern an die Brusttasche. Langsam nahm er die Lampe vom Tisch und ging damit zum Spiegel. Er hielt sie dicht neben sein Gesicht und sah sich in der halb erblindeten Scheibe an. Es war ein hartes Gesicht, das ihm da entgegenschaute. Dann wandte er sich ab, stellte die Lampe wieder an ihren Platz und prüfte mit aller Genauigkeit die Trommeln seiner beiden schweren Colts. Er füllte die Schlaufen seines Kreuzgurtes mit Munition und drückte die Türklinke nach unten.

„Es kann wieder einmal losgehen, Clark Howard. Du stehst am Beginn einer neuen Aufgabe, Marshal!“, sagte er zu sich, dann ging er entschlossen die Stufen hinunter.

In dieser Sekunde hatte der Marshal die neue Spur aufgenommen. Nichts würde den eisenharten Burschen mit den freundlichen Augen, die kalt blicken konnten wie glitzernder Stahl, jetzt noch abhalten. Er würde nicht eher ruhen, als bis er in Crisbee das durchgeführt hatte, was er als seine Aufgabe ansah. Und seine Aufgabe bestand darin, in Crisbee das Recht der Staaten zu verkünden und dessen praktische Durchführung genau zu überwachen. Colonel White hatte diese Aufgabe fest umrissen. Er vertraute sie in Clark Howard einem Mann an, der zu den besten seiner Truppe zählte.

Marshal Howard erreichte die unterste Treppenstufe, ehe die Männer im Saloon ihn kommen sahen. Das Geraune und heisere Gemurmel erstarb in ihren durstigen Kehlen. Eine Gruppe Cowboys, die an der Bar lümmelten, blickte sich fragend um und machte lange Gesichter. Clark Howard schlug der Geruch von Alkohol, Schweiß und Pferden entgegen.

Betont langsam und gleichgültig ging der Marshal an einen Tisch und setzte sich. Zögernd drehten sich die Männer wieder ihren scharfen Getränken zu. Nur Bill Weller, der Wirt, vergaß, seinen Mund zuzuklappen.

Clark drehte sich mit ruhigen Fingern eine Zigarette und steckte sie in Brand, ohne die Gäste aus den Augen zu lassen. Er blies den Rauch über den Tisch und belächelte die Mühe des Keepers, der den Gesprächsfaden wiederzufinden bestrebt war. In der Küchentür erschien ein Saloonmädchen mit Howards Abendessen. Sie kam an den Tisch, lächelte schüchtern und setzte die Schüsseln ab.

„Guten Appetit, Marshal!“, sagte sie.

Clark nickte ihr zu und machte sich über das Abendessen her. Von der Bartheke löste sich eine schmierige Gestalt und versuchte, möglichst ungesehen den Saloon zu verlassen.

In diesem Moment wusste Clark, dass Crisbees Spitzel unterwegs war. Es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der steinreiche Rancher mit dem ausgeprägten Machtbestreben aufkreuzen würde.

Und Douglas Crisbee kam. Wutschnaubend betrat er den Schankraum und pflanzte sich breitbeinig mitten im Saloon auf. Er hakte die Daumen in die Armausschnitte seiner Weste und funkelte den Stern an.

Clark Howard, der inzwischen seinen Platz gewechselt hatte und an der Bar saß, wusste sofort, wen er vor sich hatte.

Die Männer rückten auseinander. Hinter dem Schanktisch ging Bill Weller in Deckung.

„Was wollen Sie in meiner Stadt, Marshal?“, presste der Rancher durch die Zähne.

Clark trank zunächst ruhig seinen Whisky aus, stellte das Glas behutsam auf die Theke und lächelte.

„Warum interessiert Sie das, Mister Crisbee? Sie sind doch Mister Crisbee, wenn ich nicht irre?“

Der Weidekönig schnaufte.

„Kennen Sie mich nicht?“ Er konnte sich nicht vorstellen, dass es noch Menschen gab, denen Douglas Crisbee kein Begriff war.

„Ich hatte noch nicht die Ehre“, sagte Clark noch immer höflich. Man merkte ihm keinerlei Gemütsbewegung an. Im Stillen musste er sich eingestehen, dass er sich in der Person dieses Mannes getäuscht hatte. Seiner Vorstellung nach musste Crisbee ein großer klotziger Mann sein, der das Gesicht eines Bullen trug und einen Stiernacken mit sich herumschleppte. Stattdessen sah er einen zwar breitschultrigen, aber untersetzten Patron vor sich, der die Unterlippe wie schmollend vorgeschoben hatte.

Clark Howard glaubte sicher, dass Crisbee nicht der Mann war, der zum Colt griff. Zumindest jetzt noch nicht.

Der Rancher trat einen Schritt näher.

„Was wollen Sie in meiner Stadt? Was haben Sie hier zu suchen?“

Der Marshal zuckte die Schultern. Seine Stimme wurde um eine Nuance schärfer als vorher.

„Ich möchte verhindern, dass Sie wieder auf die blödsinnige Idee kommen, eine Lehrerin abzuschieben, die die Kinder der Stadt etwas Brauchbares lehren will!“

Vorsichtig brachte Bill Weller seinen Kopf wieder über die Kante des Schanktisches. Als er merkte, dass anscheinend nicht geschossen würde, riskierte er, sich ganz zu erheben. Er nahm das Glas, das Clark Howard auf die Theke gestellt hatte, und wollte es füllen. Zufällig begegneten seine Augen einem Blick Douglas Crisbees – er war kalt und abschätzend. Schnell ließ der Wirt das Glas sinken, als habe er eine glühende Kohle zwischen seinen Fingern gehalten.

Aber auch der Marshal hatte das kalte Funkeln in den Augen des Ranchers gesehen.

„Geben Sie mir noch einen Drink, Weller!“, sagte er, ohne hinzusehen. Dann wandte er sich wieder an Douglas Crisbee.

„Noch etwas, Mister: Kommen Sie besser nicht auf den absurden Gedanken, mich aus der Stadt jagen zu wollen. Ich würde mich nicht scheuen, mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen Sie vorzugehen, so wie Sie es dann verdient haben. Ich hoffe, Sie beherzigen diese Worte!“ Es kam eindringlich aus dem Munde des Marshals.

Doch Crisbee winkte verächtlich ab. Ein höhnisches Lachen entstellte seine Züge.

„Ich habe mehr als dreißig Cowboys. Die Jungens machen Hackfleisch aus Ihnen, wenn ich nur ein Kommando dazu gebe! Schätze, Sie tun gut daran, den Mund nicht zu voll zu nehmen. Verschwinden Sie aus meiner Stadt, diesen Rat gebe ich Ihnen, wenn es geht, etwas plötzlich!“ Damit drehte er sich auf dem Absatz um und stampfte wie eine Dampfwalze zur Tür des Saloons hinaus.

Clark Howard sah dem Mann versonnen nach. Eines stand nunmehr fest, sicher war er in dieser Stadt keine Minute mehr. Er musste damit rechnen, den Männern zu begegnen, denen Douglas Crisbee mit Hilfe seiner Dollars seine Macht verdankte.

„Wie ist es nun mit dem Whisky?“, fragte Clark den Keeper, indem er sich herumschwang und seine Ellenbogen auf die Theke stemmte. In seinem Gesicht stand ein geringschätziges Lächeln.

Weller hustete, wischte verlegen über seine Stirn und nickte eifrig.

„Natürlich, Marshal!“

Clark Howard blieb noch zwei volle Stunden an der Bar sitzen. Durch den großen Spiegel, der zwischen den Regalen hing, blickte er unverwandt auf die Tür. Aber es zeigte sich niemand mehr. Auch die Cowboys, die bei seinem Eintritt an der Theke standen, waren verschwunden. Mit der Zeit hatte er sogar ein Gespräch mit seinem Nachbar in Gang gebracht, der zögernd nähergerückt war.

Da verkündete der Wirt plötzlich, dass er sein Lokal nun schließen würde, weil am nächsten Tag das große Fest vor dem Brennen der Rinder stattfinden würde, das schon am Mittag beginnen sollte.

Clark warf ein goldenes Dollarstück auf den Schanktisch, nahm sein Wechselgeld in Empfang und drehte sich von dem Hocker. Langsam stieg er die knarrenden Stufen hinauf.

Vor seiner Zimmertür verhielt er lauschend den Schritt. Immer und überall musste er auf Überraschungen gefasst sein. Und jetzt fühlte er das seltsame Kribbeln den Rücken hochsteigen, welches mitunter als Sechster Sinn bezeichnet wird.

Zusammenfassung

Western von Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

In Crisbee gehen die Uhren anders, denn der Gründer der Stadt, Douglas Crisbee, will weder eine Lehrerin, noch einen Marshal, noch die allgemein gültige Gesetze dulden. Für den US-Marshal Clark Howard und die neue Lehrerin Miss Miller ist es ein harter Weg, Recht und Ordnung in die Stadt zu bringen - ein Weg, der mit dem plötzlichen Tod enden kann. Niemand kann sagen, zu welchen Mitteln Crisbee noch greifen wird.

Details

Seiten
0
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738925104
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
uksak western-roman bellfort hilfe

Autor

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Titel: Uksak Top Western-Roman 3 Bellfort schickt Hilfe