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Grainger und die Jade-Prinzessin: Western

2018 120 Seiten

Zusammenfassung

Der Botschafter des japanischen Kaisers ist in den USA, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auszubauen. Auch die Tochter des Kaisers ist mitgekommen, und als Gastgeschenk hat sie eine wertvolle Statue aus Jade mitgebracht. Gewissenlose Halunken haben die Tochter mitsamt der Staue entführt, und nun eskaliert die gesamte diplomatische Situation. Es gibt nur noch eine Lösung: John Cutler muss sich dieser Sache annehmen. Und wenn Cutler einen neuen ALAMO-Auftrag annimmt, dann tut er alles, um ihn erfolgreich auszuführen. Das müssen die Entführer der Prinzessin bald am eigenen Leib erfahren ...

Leseprobe

Grainger und die Jade-Prinzessin: Western

Western von Jasper P. Morgan

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.


Der Botschafter des japanischen Kaisers ist in den USA, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auszubauen. Auch die Tochter des Kaisers ist mitgekommen, und als Gastgeschenk hat sie eine wertvolle Statue aus Jade mitgebracht. Gewissenlose Halunken haben die Tochter mitsamt der Staue entführt, und nun eskaliert die gesamte diplomatische Situation. Es gibt nur noch eine Lösung: Grainger muss sich dieser Sache annehmen. Und wenn Grainger einen neuen ALAMO-Auftrag annimmt, dann tut er alles, um ihn erfolgreich auszuführen. Das müssen die Entführer der Prinzessin bald am eigenen Leib erfahren ...



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover: Werner Öckl, 2020

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

»Du wirst mich niemals an den Galgen bringen, Grainger! Du nicht!«

»Will ich auch nicht«, gab Grainger ruhig zurück. Gemächlich trabten die beiden Pferde durch die Senke. Grainger saß lässig im Sattel und hielt die Zügel locker. Sein »Begleiter« hingegen war angespannt. Ein lauernder Ausdruck lag auf seinem Gesicht.

»Wozu dann der ganze Aufwand? Du jagst mir wochenlang hinterher, stöberst mich in diesem Kaff auf, prügelst dich wegen mir durch den ganzen Saloon, holst mich von einem Flittchen runter... Und dann willst du mich nicht mal hängen sehen?«

»Ich übergebe dich dem US Marshal in Stockton. Der und der Richter werden über dein Schicksal entscheiden.«

»Wenn wir bis dorthin kommen ...«

Grainger begriff den Sinn der Worte erst, als er die drei Reiter vor sich sah. Wie selbstverständlich tastete er nach dem Remington, denn die Männer vor ihm machten keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck.

Sie hatten ihre Pferde am Rande der Senke gezügelt. Ohne Regung beobachteten sie, wie sich Grainger und sein Begleiter dem dürren Baum in der Mitte der Senke näherten. Die knorrige Pinie ragte mit weit ausladenden Ästen einsam aus dem Büffelgras auf.

»Sieht aus wie ein Galgenbaum«, meinte Graingers Begleiter. »Ich frage mich, ob sie hier schon mal jemanden aufgeknüpft haben.«

»Du wirst es nie erfahren, Cabot«, meinte Grainger.

Er konzentrierte sich auf das Empfangskomitee. Die Männer saßen unbeweglich auf ihren Pferden, schienen ihm nicht die geringste Beachtung zu zeigen.

Unter der Pinie zügelte Grainger seinen Schecken. Er hätte jetzt die Winchester aus dem Scabbard ziehen können, wollte aber nicht noch unnötig provozieren. Vielleicht waren die Männer vor ihm ja ganz harmlos. Man sollte sich nicht vom Äußeren blenden lassen.

Je näher sie kamen, desto konzentrierte wurde Grainger. Er zog den Schecken herum und entfernte sich von seinem Gefangenen.

Grainger ging einige Yards entfernt in Deckung.

Die drei Männer verfolgten seine Vorbereitungen und fächerten auseinander.

In der Mitte ritt ein etwa fünfzigjähriger Mann mit verwittertem Gesicht und Tränensäcken unter den Augen. Eine mächtige Säufernase dominierte sein Gesicht. Seine beiden Begleiter waren deutlich jünger. Der Mann zur Linken trug einen dunklen Schnauzbart, dessen Enden er zusammengedreht hatte. Das Gesicht des Hombres zur Rechten war von Pockennarben übersät.

»Howdy«, rief der Mann mit den Tränensäcken und spuckte einen Strahl Kautabaksaft aus.

Grainger nickte zur Begrüßung.

Er betrachtete die Männer genau. Sie waren zwar wie Cowboys gekleidet. Aber alle drei hatten die Revolvergurte sehr tief geschnallt. Dem Kerl mit dem Zwirbelbart ragten zwei Colts aus den Holstern, die an den Schenkeln festgebunden waren. Die Griffe der Colts waren abgenutzt.

»Sie haben wohl einen langen Weg hinter sich, Mister«, sagte der Mann mit dem Riesenzinken.

»Weit genug.«

»Pech für Sie. Ihr Weg ist hier zu Ende.«

Grainger schaute sich demonstrativ um. »Nein, da geht’s doch weiter, Hombre.«

Die tränenfeuchten Augen des Alten verengten sich zu Schlitzen. »Wohl Clown im Zirkus gewesen, was?«

»Wieder falsch, Mister.«

Der Alte spuckte abermals aus. »Mag sein, dass wir Sie weiterreiten lassen. Aber ohne Ihren Freund.«

»Was wollen Sie, Alter?«

»Ihren Begleiter. Und Ihren Revolver. Und Ihr Pferd, Mister. Und dann noch Ihre Stiefel.« Er schaute sich um. »Bis Stockton könnten Sie es zu Fuß schaffen, Mister.«

»Und was ist, wenn ich diesen Handel nicht eingehe?«

»Überleg mal!« Er lachte dreckig. »Wir sind zu dritt und du allein.«

Grainger ging darauf nicht ein. »Alter, Sie und Ihre Männer haben mir genug Zeit gestohlen. Mein Freund und ich werden jetzt weiterreiten. Also lasst die Waffen stecken!«

Die Hand des Pockennarbigen fiel auf den Coltgriff. »Runter vom Gaul, Mister!«

Grainger zeigte sich unbeeindruckt. Er schwang sich langsam aus dem Sattel und zog, noch bevor er den Boden erreicht hatte.

Der Pockennarbige riss ebenfalls den Revolver heraus.

Grainger war schneller. Seine Kugel hieb hoch in die Brust des Gegners und warf ihn aus dem Sattel, bevor er abdrücken konnte.

Sofort duckte sich Grainger und richtete den 38er auf die beiden anderen Reiter.

Der Alte feuerte, während der Zwirbelbart sein Pferd mit einem Satz nach vorn schnellen ließ und Hoby Cabot, Graingers Gefangenen, einen Colt zuwarf.

Grainger zog durch. Sein Geschoss furchte dem Tränensack über den Arm. Dann nahm er den Zweihandmann unter Feuer, der ebenfalls die Kugeln sprechen ließ.

Grainger traf den Schnauzbärtigen in die Schulter und sah, wie der Zwirbelbart zusammenzuckte und deshalb in den Himmel schoss.

Bei dem Alten blitzte es erneut auf. Die Kugel schrammte heiß über Graingers Rücken. Er ging zu Boden, richtete sich auf ein Knie auf und zog den Revolver herum, doch er kam nicht mehr zum Schuss.

Hoby Cabot feuerte zweimal. Eine Kugel sauste an Graingers Kopf vorbei, die zweite versetzte ihm einen heftigen Schlag. Er wurde hochgerissen, herumgeworfen und zurückgetrieben.

Mit einem heiseren Stöhnen brach Grainger zusammen.

»Dem hab ich es aber gezeigt, was, Pa?«, rief Hoby Cabot und stieß einen Jubelschrei aus. Wild feuerte er in die Luft. »Das Stinktier hab ich sauber abgeknallt.«

»Schlimm genug, dass du so dämlich warst, dich von ihm schnappen zu lassen«, zischte der Alte und beugte sich über das Narbengesicht. »Wegen dir haben wir Delbert verloren. Und Barney hat es auch böse erwischt. Er muss dringend zum Doc. Übel ist auch, dass du zweimal schießen musstest, um den Kerl zu erledigen, verdammt! Was ist nur aus dir geworden, Hoby? Ein Saufbold, Herumtreiber und Hurenbock, der sogar verlernt hat, mit dem Schießeisen umzugehen?«

»Ach, Pa.«

»Du bist ein Schlappschwanz geworden, Hoby! Pack Del auf den Sattel. Er wird ein anständiges Begräbnis erhalten.«

Hoby befreite sich von seinen Fesseln und gehorchte. »Und was machen wir mit dem?« Er zeigte auf Grainger.

»Lass ihn liegen. Für die Geier.«

Hoby warf Graingers regloser Gestalt einen verächtlichen Blick zu und spuckte aus.

Als die Cabots abgezogen waren, ließ sich ein Geier flatternd auf einem Ast der Pinie nieder und beäugte den reglosen Körper im vertrockneten Gras.



2

Ein dumpfer Schlag im Rücken holte Grainger aus seiner Bewusstlosigkeit. Er spürte einen Druck auf seinem Körper, hörte das Flattern der Vogelschwingen und ein heiseres Krächzen.

Der Geier tapste ungelenk hin und her, um einen besseren Stand auf dem reglosen Körper zu bekommen ...

Grainger nahm alle Kraft zusammen und wälzte sich herum. Seine Hand fand den Revolver, der neben ihm im Gras lag.

Kreischend und flatternd flüchtete der Geier, konnte aber Graingers Kugel nicht mehr entgehen. Sie hieb in den Körper des großen Vogels und holte ihn aus der Luft.

Der große Mann stöhnte. Irrsinnige Schmerzen rasten durch seinen Schädel. In seiner Schulter brannte ein alles verzehrendes Feuer, das bis in die Zehen abstrahlte. Vorsichtig betastete er seinen Kopf. Fühlte die Furche, die die Kugel verursacht hatte.

Es dauerte lange, bis Grainger in der Lage war, sich aufzurichten. Vorsichtig stützte er sich auf die Ellbogen, schaffte es dann in eine sitzende Stellung. Jede noch so geringe Bewegung trieb neue Schmerzwellen durch seinen Körper.

Irgendwann gelang es ihm, auf die Beine zu kommen. Der Schweiß lief ihm in Bächen am Körper entlang. Zitternd vor Anstrengung blieb er stehen und bemühte sich, den Atem unter Kontrolle zu kriegen.

Er schob den Revolver ins Leder und setzte sich langsam, mit taumelnden Schritten, in Bewegung. Sein Ziel war der Rand der Senke.

Grainger brauchte unendlich lange, bis er die leichte Anhöhe erreicht hatte. Unbarmherzig brannte die Sonne auf ihn nieder und verstärkte seine Schmerzen noch. Am Fuß der Steigung kippte Grainger entkräftet um. Er keuchte.

Auf Händen und Knien kroch er durch das Büffelgras, schob sich die Anhöhe hinauf und rollte sich über den Rand, wo er stöhnend liegenblieb.

Zwischen den roten und schwarzen Nebeln, die vor seinen Augen waberten und ihn in die Bewusstlosigkeit abdrängen wollten, erkannte Grainger Hoby Cabots grinsendes Gesicht. Unbändiger Zorn erfüllte ihn, verdrängte für Augenblicke den Schmerz und gab ihm neuen Auftrieb.

Grainger kam wieder hoch und stolperte weiter. Er merkte nicht, wohin er seine Schritte setzte. Er wusste nur eines: Er musste überleben, wollte er Hoby Cabot wieder einfangen!

»O mein Gott!«, hörte Grainger eine helle Frauenstimme und strauchelte im selben Augenblick, als er in einen Erdhörnchenbau stieß. Er fiel zur Seite, rollte herum und blieb stöhnend auf dem Rücken liegen.

Die Stimme, die durch das Rauschen in seinen Ohren drang, klang weit entfernt, ebenso wie das Knarren von Wagenrädern und das Stampfen schwerer Hufe. Er wollte den Kopf wenden und nachsehen, woher die Stimme kam, schloss aber sofort wieder gequält die Augen, als neue Schmerzwellen durch seinen Körper rollten.

Grainger fühlte, wie er sanft ins Gras zurückgedrückt wurde. Wie durch einen Schleier sah er ein schmales, blasses Gesicht über sich. Er konnte es nur undeutlich erkennen.

»Helft mir, ihn auf den Wagen zu legen!«, forderte die helle Stimme.

Er merkte, wie er hochgehoben und weggetragen wurde, nur um gleich darauf auf ein weiches Lager gebettet zu werden. Wieder knarrte Holz. Graingers Lager schwankte.

Der Wagen hatte sich in Bewegung gesetzt.

Grainger verdrehte die Augen und gab der fordernden Kraft der Besinnungslosigkeit nach.

»Hier, trink, Bruder!« Die Worte waren deutlicher zu verstehen. Grainger hielt die Augen noch geschlossen.

Eine sanfte Hand glitt in seinen Nacken und hob den Kopf an. Ein heißer Becher wurde an Graingers Lippen geführt. Der belebende Duft kräftiger Rinderbrühe stieg ihm in die Nase. Wie von selbst öffneten sich seine trockenen Lippen, und er schluckte das heiße Getränk.

»Nicht zu viel am Anfang, Bruder. Trink noch ein wenig und schlaf dann. Es wird dir gut tun.«

Grainger seufzte tief und glitt in die Dunkelheit zurück. Aber diesmal war es keine Bewusstlosigkeit, sondern ein erschöpfter Schlaf, der ihn übermannte.

Als sich Grainger das nächste Mal aufrichtete, waren die Schmerzen in seinem Körper schon viel erträglicher geworden. Er öffnete die Augen und blickte durch eine Öffnung in der Wagenplane auf einen stemenübersäten Nachthimmel.

Er rollte sich vorsichtig herum. Kalte Nachtluft traf seine Haut und ließ ihn einen Moment lang frösteln. Sein Oberkörper war nackt. Verbandszeug verhüllte teilweise Brust und Schulter.

Auch sein Kopf war bandagiert.

Unter leisem Ächzen schob sich Grainger zum Ende des Wagens, stieg über das Abschlussbrett hinweg und blieb einen Augenblick lang schwankend stehen. Er bekämpfte die aufsteigende Übelkeit. Ein dünner Schweißfilm lag auf seiner Haut. Er tastete sich am Wagen entlang, bemerkte vor sich den zuckenden Schein eines Lagerfeuers.

»Aber du solltest doch liegenbleiben!«, deklamierte die Frauenstimme, die ihm bereits bekannt war. »Du bist noch viel zu schwach, Bruder. Ich bringe dich sofort zurück ins Bett!«

Grainger sah die zierliche Frau auf sich zuhasten. Sie ergriff seinen Arm, um ihn in den Wagen zurückzuführen.

Sanft befreite sich Grainger aus ihrem Griff und wankte zum Feuer. »Ist schon gut«, murmelte er.

Rund um das Lagerfeuer erkannte er eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen. Da waren zwei Frauen, die einfache, aber saubere Kleider trugen und ihr Haar unter hellblauen Hauben verbargen. Drei Männer in schwarzen Baumwollanzügen und weißen Hemden saßen in ihrer Nähe.

Auf der anderen Seite des Feuers bemerkte Grainger mehrere dunkelhäutige Gestalten, die farbenfroh gekleidet waren. Einige Frauen trugen Kopftücher, die Männer Pumphosen. Ihre dichten Schnauzbärte sahen alle gleich aus. Genauso wie die Westen.

Ein junges, hübsches Mädchen strahlte Grainger an. Ihre vollen, roten Lippen waren zu einem Lächeln verzogen. Langes, schwarzes Haar verdeckte teilweise ihren Ausschnitt.

Und zwischen diesen unterschiedlichen Menschen saß ein schmächtiges, schlankes Kerlchen, das in einem grauen Anzug der neuesten Mode, einem weißen Rüschenhemd und einem grauen, niederen Filzzylinder wie ein Modegeck aus dem Osten erschien.

Grainger schaute sich um und bemerkte erst jetzt, dass insgesamt vier Wagen neben dem Feuer standen. Auf dem vordersten, einem großen Kastenwagen, waren die Worte Milos Wanderzirkus und Theater zu lesen.

»Du solltest dich schonen, Bruder.« Grainger vernahm die eindringlichen Worte der Frau.

»Ich fühle mich schon viel besser«, erwiderte Grainger ausweichend und ging neben dem Feuer in die Hocke. »Haben Sie einen Schluck Kaffee für mich?«

»Aber sicher. Er wird neue Kräfte in dir wecken.«

Schweigend schluckte Grainger das heiße Gebräu.

»Wie kommt es, dass du in deinem Zustand allein durch die Prärie wandert, Bruder?«, fragte die Frau.

»Judith, du solltest den Bruder nicht mit aufdringlichen Fragen belästigen«, tadelte einer der Männer.

»Verzeiht, Bruder. Ich wollte nicht neugierig erscheinen.« Sie senkte verlegen den Blick.

»Es hat nichts mit Neugier zu tun, wenn man wissen will, wen man sich ins Lager holt«, murmelte Grainger. »Ich wurde angeschossen. Die Kerle dachten, ich sei tot. Sind mit meinem Pferd abgehauen.«

»Waren es Banditen?«

Grainger nickte, was seinem Kopf nicht besonders gut bekam. »So könnte man es ausdrücken, Ma’am.«

»Wohin wolltest du, als wir dich fanden, Bruder?«

»Den Kerlen nach.«

»Zu Fuß und in deinem Zustand? Du hättet sie niemals eingeholt.«

Grainger nickte wieder und nippte an seinem Becher. »Möglich. Aber den Versuch war es wert.« Er tastete an seinem Verband entlang. »Haben Sie die Kugel rausgeholt, Ma’am?«

Judith lächelte und schüttelte den Kopf. »Das war Jamina. Sie kennt sich damit sehr gut aus.«

Grainger schaute zu der glutäugigen Zigeunerin, die ihn nun offen anlächelte.

»Ich muss mich bei euch allen bedanken«, sagte er. »Sieht so aus, als hättet ihr mich dem Teufel von der Schippe geholt.«

Judith wurde blass. »Es ist nicht gut, vom Teufel zu sprechen. Wenn du aber sagen willst, wir hätten dir das Leben gerettet, hast du wohl recht, Bruder.

»Manchmal muss man die Dinge beim Namen nennen, Ma’am. Was führt Sie in diese Gegend?«

»Wir sind Quäker, Bruder«, antwortete sie mit Stolz in der Stimme. »Unser Glaube gebietet uns, Gewalt zu verachten und den Brüdern und Schwestern beizustehen, wenn sie in Not sind, Bruder.«

»Das ehrt Sie, Ma’am. Aber es beantwortet nicht meine Frage. Ich habe noch nie Quäker getroffen, die mit einem Wanderzirkus unterwegs waren.«

»Wir sind auf dem Weg nach Norden. In Oregon wollen wir uns ein neues Heim schaffen. Unterwegs trafen wir auf Bruder Milo. Er war so freundlich, uns zu erlauben, ihn zu begleiten. Er sagte, so könnten wir sicherer reisen.«

Milos dichter Schnauzbart zuckte, als er Grainger zuwinkte. Der hatte allerdings den Eindruck, dass Milo die Anwesenheit der Quäker für seine Zwecke nutzen konnte. Wer vermutete schon einen Betrüger und Scharlatan in jemandem, der mit rechtschaffenen und gottesfürchtigen Quäkern durch das Land reiste?

»Und ich, Sir, darf mich ebenfalls vorstellen«, ergriff der Modegeck das Wort. »Mein Name ist Thaddäus Percival Dunwoody, aus Manchester, England. Die Ladies und Gentlemen ermöglichen es mir, kostengünstig den Westen Ihres Landes zu bereisen. Als Reporter ist meine Reisekasse recht knapp bemessen, wenn ich so sagen darf. Nun, ich fühle mich geehrt, Ihre Bekanntschaft zu machen, Sir. Sie werden mir sicherlich erlauben, Ihnen später einige Fragen zu stellen. Vor allem über diese Banditen, die Sie überfallen haben.«

»Bruder Thaddäus!«, ermahnte Judith. »Du willst Kapital aus seinem Schicksal schlagen?«

»Lassen Sie gut sein, Ma’am. Er soll ruhig seine Fragen stellen. Wo wollen Sie von hier aus hin?«

»Nun, zunächst wird uns wohl der Weg an Stockton vorbeiführen. Wir werden jedoch nicht durch die Stadt kommen, sondern der Bahnlinie nach Norden folgen. Bruder Milo zieht es vor, mit seiner Truppe in kleineren Orten aufzutreten.«

Grainger nickte. »Wenn wir Stockton erreichen, werde ich mich von Ihnen verabschieden«, erklärte er und erhob sich. Seine Hand glitt dabei zur Hüfte und suchte den Revolver, fand ihn aber nicht.

»Deine Waffe ist im Wagen, Bruder. Unser Glaube verbietet uns den Gebrauch einer Schusswaffe, außer zur Jagd. Ich hoffe, du respektierst dies und lässt die Kanone im Wagen.«

»Sicher, Ma’am. Wenn Sie das wünschen.«

»Sie haben uns Ihren Namen noch nicht genannt, Sir. Wir würden gern wissen, mit wem wir es zu tun haben.«

Grainger drehte sich um und wollte dem Reporter antworten, als er zum ersten Mal Jaminas dunkle Stimme hörte. »Er heißt Grainger«, sagte sie ruhig.

»Sind wir uns schon mal begegnet, Lady?«, fragte da der große Mann leise.

Die unergründlichen Augen ließen ihn nicht los. »Man kennt deinen Namen im Westen, Grainger. Außerdem hast du im Fieber gesprochen.«

Grainger nickte und kehrte in den Wagen zurück, wo er erschöpft auf sein Lager sank. Von draußen hörte er, wie der Engländer die hübsche Zigeunerin mit Fragen bestürmte. Er wollte alles über Grainger wissen.

Mit dem gebräunten Gesicht seiner Retterin vor Augen schlief Grainger ein.



3

»Hoby, du bist ein Schlappschwanz!« Die Frauenstimme klang so unfreundlich, dass wohl nicht mal Grainger in dieser Situation seinen Mann gestanden hätte. Und das sollte schon was heißen.

Das blonde Saloongirl bewegte sich widerwillig unter ihm. Mit ihren Gedanken war sie ganz weit weg.

Ein lautes Klopfen unterbrach Hoby Cabots Anstrengungen.

»Verdammte Scheiße!«, heulte er. »Ausgerechnet jetzt!« Er wälzte sich von dem Saloongirl und zog seine Hosen hoch. »Bleib so liegen, Schätzchen«, forderte er. »Bin gleich wieder bei dir, und dann geht die Post ab!«

»Na hoffentlich«, murmelte die Blonde und schlug die Beine übereinander. Sie sah keine Veranlassung, ihren nackten Körper zu bedecken.

Hoby Cabot eilte zur Tür und riss sie auf. Gleich darauf taumelte er nach hinten und stieß gegen das Bettgestell. Er schüttelte den Kopf, um sich von der Wirkung des Faustschlages zu befreien. Als er sah, wer in der Tür stand, wirbelte er herum und stürzte zu seinem Revolvergurt, der über einer Stuhllehne hing.

Der Mann im Türrahmen war Grainger!

Bevor Hoby Cabot den Colt ziehen konnte, krachte Graingers Faust gegen sein Kinn. Sein Kopf flog in den Nacken, und Hoby fiel rücklings über den Stuhl.

Die Blonde stieß einen spitzen Schrei aus und rollte sich zusammen. »Tun Sie mir nichts, Mister! Ich habe nichts mit ihm zu schaffen! Er hat bezahlt, und ich habe ihm etwas dafür geboten. Mehr ist nicht zwischen uns, glauben Sie mir!«

Grainger griente und ließ seinen Blick über ihre weichen Rundungen wandern. »Keine Sorge, Lady«, meinte er beruhigend. »Ich schlage keine Frauen. Außerdem bin ich nur mit meinem Freund’ Hoby verabredet.« Er leckte sich über die Lippen und ließ seine interessierten Blicke über ihren nackten Körper wandern. »Aber das kann sich ja noch ändern.«

Die Angst verschwand aus ihrem Gesicht und wurde von einem erwartungsvollen Ausdruck abgelöst. Sie musterte den Mann, der ihr Liebesspiel so abrupt unterbrochen hatte.

Und was sie sah, gefiel ihr.

Nein, Angst hatte sie jetzt keine mehr. Der große Mann war ein Gentleman und wusste, wie man Frauen behandelte. Und ein Schlappschwanz wie Hoby war er mit Sicherheit nicht. Sie kannte die Männer. Dieser hier war ein ganz Wilder, da war sie sich ganz sicher.

Cabot kam vom Boden hoch und versuchte erneut, seinen Colt zu erreichen, aber Graingers Stiefelspitze traf sein Handgelenk.

Neuer Versuch. Cabot packte den Stuhl und wuchtete ihn Grainger entgegen!

Grainger duckte sich gewandt. Der Stuhl segelte samt Revolvergurt über ihn hinweg und krachte gegen die Wand.

Cabot warf sich auf Grainger. Seine gesamte Wut lag in der Bewegung, aber Graingers Zorn war stärker.

Cabot lief genau in Graingers Fäuste. Hart trafen ihn die Schläge, trieben ihn quer durch das Zimmer.

Da sich Hoby nicht ergab, drosch Grainger weiter auf ihn ein, stieß ihn hoch und warf ihn quer über das Bett. Cabot rollte sich über die ächzende Matratze ab, kam auf der anderen Seite des Bettes wieder hoch und zerrte die Blonde zu sich heran. Er benutzte das nackte Girl als Schutzschild und schob sich zur Seite. Dorthin, wo sein Colt am Boden lag.

»Du hättest krepieren sollen, Grainger. Aber jetzt krieg ich dich eben hier. Du wirst mich nie wieder schlagen, du Stinktier. Dich mach ich alle!« Cabots Stimme überschlug sich.

Grainger folgte ihm langsam zur Seite, bis er durch eine Kommode aufgehalten wurde. Er überlegte, ob er einen Schuss wagen sollte, wenn Cabot zum Revolver griff. Aber er verwarf den Gedanken wieder. Die Gefahr, dabei das Mädchen zu treffen, war zu groß.

Cabot befand sich nun in Reichweite seines Revolvergurts. Langsam ließ er sich hinter dem nackten Mädchen zu Boden sinken, fischte den Colt aus dem Holster und kam wieder in die Höhe.

Er wollte seinen Triumph auskosten.

»Du bist erledigt, Großer!«, zischte er und stieß ein glucksendes Lachen aus. Seine Hand glitt über den nackten Körper des Girls. »Mit dir befasse ich mich später, Schätzchen!«

Und dann ging alles blitzschnell.

Cabot hob den Colt. Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht.

Im nächsten Sekundenbruchteil würde er schießen!

Sein Grinsen verschwand sofort, als Grainger ihm die Petroleumlampe ins Gesicht schleuderte und zur Seite hechtete.

Cabot verriss den Schuss. Die Kugel bohrte sich schräg hinter Grainger in die Wand.

Hoby stieß einen gellenden Schrei aus. Das Petroleum brannte wie Feuer in seinen Augen und den Wunden.

Grainger brauchte nicht zu schießen. Er stand vor Cabot und ließ seine Schläge auf den Revolvermann prasseln. Cabot verlor den Colt und brach unter Graingers Hieben schluchzend und wimmernd zusammen.

Grainger durchsuchte Hoby Cabots Taschen, zog ein Bündel Dollarnoten hervor und warf sie auf das Bett. Er packte den Ganoven am Kragen und schleifte ihn zur Tür. »Bin gleich wieder bei dir, Lady. Halte solange die Kissen warm«, sagte er.

Die Augen der Blonden blitzten erwartungsvoll. »Beeil dich, Cowboy«, sagte sie und dachte: Wenn der nur halb so gut im Bett ist, wie er mit den Fäusten umgehen kannst, dann habe ich auch was von dem Langen.

Grainger schleifte Cabot die Treppe in den Schankraum hinunter, über die Straße und zum Büro des Marshals. Er stieß die Tür auf und ließ Hoby vor dem Schreibtisch zu Boden fallen.

»Wen schleppen Sie denn da an?«, fragte der Marshal. »Und warum?«

»Er hatte was gegen einen Besuch bei Ihnen. Ich musste ihn erst überreden.«

Der Ordnungshüter beugte sich über den Mann. »Wenn der Bursche gewaschen ist, könnte er eine gewisse Ähnlichkeit mit Hoby Cabot haben«, murmelte er.

»Gratuliere, Marshal. Sie kennen sich aus.«

»Dann wollen wir unseren Staatsbesuch mal in die Präsidentensuite verfrachten.« Der Marshal hievte Cabot hoch und schob ihn in den Zellenraum. »Kopf hoch, mein Junge, auch wenn der Hals dreckig ist. Du kriegst ein Bett auf Staatskosten. Und das bestimmt für die nächsten zwei Jahrzehnte.«

Grainger marschierte zum Telegrafenbüro, gab ein Telegramm an seine ALAMO-Kontaktleute in Washington auf und meldete Cabots Festnahme. Dann ging er zum Saloon zurück.



4

Grainger hatte eine ausgezeichnete Pflege unter den Händen der Quäkerin und der Zigeunerin genossen. Seine Kräfte waren wieder zurückgekehrt. Und die Lust auch. Grainger war wieder ins Leben zurückgekehrt.

Auf dem Weg nach Stockton hatten sie nichts von den Cabots gesehen oder gehört. Erst, als sich Grainger von seinen Begleitern trennte und in der Stadt nachforschte, war er auf Hobys Spuren gestoßen.

Das war Vergangenheit. Vor ihm lagen die Zukunft und die hübsche Blonde.

Sie drehte sich beim Knall der zufallenden Tür um und lächelte breit.

»He, Cowboy, du hast dich aber beeilt. Du wirst es nicht bereuen.«

Sie hieß Linda. Als sie sich aufsetzte, klaffte der Seidenmantel wie zufällig auf. Die dunkelbraunen Brustwarzen starrten den großen Mann erwartungsvoll an.

Grainger konnte nicht anders. Er spürte, wie sein Blut in Wallung geriet und ihn dieses immer gleiche Fieber packte. Er öffnete bereits auf dem Weg zu Linda seine Kleidung. Und dann flogen die Stiefel, die Jacke, das Hemd!

Es konnte ihnen trotzdem nicht schnell genug gehen, bis sie sich endlich spürten. Haut auf Haut. Das Pochen der Herzen, die Hitze des Partners. Und Linda kannte sich aus, hatte keine Hemmungen. Sie packte zu, nahm sich, was sie wollte und führte den großen Mann dorthin, wo sie es am liebsten hatte und ihn am stärksten brauchte.

»Mensch, Langer, so einen wie dich habe ich noch nie gehabt.« Sie bäumte sich unter ihm auf und stöhnte wohlig, kommentierte jeden Ruck mit einem Ooohhhh! oder Aaahhh! »Ja!«, rief sie. »Ja, du kannst es Cowboy, da glühen einem die Schenkel. Mit dir würde ich es auch umsonst treiben! Weiter! Jaaahh!! Endlich hab ich auch mal was davon. Nicht wie bei diesen kleinen Spritzern, die schon fertig sind, ehe ich richtig liege ...«

Grainger wechselte die Stellung. Er war in der Stimmung, es noch lange auszuhalten. Ihr Körper bockte jetzt unter ihm wie eine wildgewordene Stute. Grainger hatte alle Mühe, im Sattel zu bleiben.

Er hatte Linda auf den höchsten Gipfel getragen, und im selben Augenblick legte sich dieses entspannende Lächeln auch über sein Gesicht.

Was war jetzt? Die Blonde schrie, aber diesmal nicht vor Lust. Ihr Blick war auf ein ernstes, finster dreinblickendes Gesicht gefallen, das hinter Grainger erschienen war. Sie hatte den Tod vor Augen. Den Heidenspaß löste von einer Sekunde auf die andere entsetzliche Todesangst ab.

Ehe Grainger reagieren konnte, legte ihm dieser Jemand den rasiermesserscharfen Stahl gegen seinen Kehlkopf.



5

Die beiden Gestalten, die ihn aus Lindas Armen gerissen hatten, erschienen Grainger wie Figuren aus einem Albtraum. Ihre Gesichter hatten einen blassen Teint. Eine der Gestalten hatte das pechschwarze Haar zu einem Zopf geflochten, der in der Mitte des Schädels nach oben stand. Die zweite Person trug das lange Haar offen.

Sie trugen dunkelbraune, mit Nieten versehene Ledergewänder. Die Arme waren nackt, die Beine mit Pumphosen bekleidet. Ihre nackten Füße steckten in flachen Sandalen, deren Lederriemen bis weit über die Waden reichten.

Grainger hörte harsche Worte in einer fremden Sprache. Hart wurde sein Kopf zurückgerissen. »Du begleitest uns«, zischte eine heisere Stimme.

Die Stimme erinnerte Grainger an das Kauderwelsch, das er in den Chinesenvierteln der größeren Städte schon oft gehört hatte.

Er wurde vom Bett gezogen und zu dem Stuhl gestoßen, auf dem seine Kleider lagen. Er bemerkte, wie die jüngere der beiden Gestalten eine Augenbraue hob, während sie seinen Körper betrachtete. Abrupt wandte sie sich um.

Als Grainger seinen Revolvergurt umschnallen wollte, sauste eine blitzende Klinge auf ihn zu. Grainger erkannte ein kurzes, schwertartiges Messer, dessen Spitze fast seine Kehle berührte. Er ließ die Finger vom Revolvergurt.

Mit einer blitzschnellen Bewegung nahm der Zopfträger den Gurt auf und schlang ihn über seine Schulter. Dann bedeutete er Grainger, zur Tür zu gehen.

Grainger verabschiedete sich von Linda mit einem Achselzucken. Mit einer flirrenden Bewegung ließ der Zopfträger sein Messer im Gürtel verschwinden und folgte Grainger breitbeinig.

Die Gruppe zog die Blicke aller im Saloon auf sich. Man führte den großen Mann zum Bahnhof, zu einem wartenden Zug, in den man ihn verfrachtete. Hier harrte er nun der Dinge, die auf ihn zukommen sollten. Dabei kehrten seine Blicke immer wieder zu seinen asiatischen Bewachern zurück.

Ein Mann, den Grainger auf Ende Fünfzig schätzte, betrat in Begleitung zweier Leibwächter den luxuriös eingerichteten Privatwaggon.

Der Endfünfziger setzte sich auf den Ledersessel hinter dem massigen Schreibtisch, der in einer Ecke stand, und betrachtete den Entführten.

»Mr. Grainger, wie ich annehme?«, fragte der Gentleman.

Grainger nickte kaum merklich.

»Sie müssen diese Einladung entschuldigen, aber wir stehen vor einem Problem und wollten nicht unnötig Zeit vergeuden.«

»Ihre Probleme gehen mich nichts an.« Grainger stand auf, griff nach seinem Revolvergurt und wollte gehen.

Die blitzende Schwertklinge eines Bewachers wirbelte durch die Luft.

»Setzen Sie sich, Grainger«, befahl der Mann gleichzeitig und nahm eine Zigarre aus einem Kästchen. »Möchten Sie rauchen?«

»Ja, aber ich habe mein eigenes Rauchzeug«, erklärte er und drehte sich einen Glimmstengel.

»Es geht um eine Angelegenheit von höchster diplomatischer Bedeutung«, begann der Gentleman. »Ich bin Joshua Hellman vom Außenministerium. Dieser Zug steht nicht zufällig im Bahnhof von Stockton. Er beherbergt eine Delegation des Kaisers von Japan.«

Grainger ließ seinen Blick zu den beiden Lederwämsen gleiten. Ihm wurde klar, dass diese seltsamen Figuren tatsächlich Japaner waren.

»Und was, bitteschön, habe ich mit dem Außenministerium zu tun, Hellman? Geschweige denn mit einem Kaiser vom anderen Ende der Welt?«

»Sie können mir vertrauen, Mr. Grainger. Ich bin in gewisse Dinge eingeweiht. Was Sie jetzt erwartet, ist ein neuer ALAMO-Auftrag. Nun, der Botschafter des japanischen Kaisers ist dabei, wirtschaftliche und politische Abkommen auszuhandeln. Prinzessin Mitsuku wird für ihren Vater die Verträge unterschreiben. Als Gastgeschenk hat sie unserem Präsidenten« - er deutete auf das Bild hinter ihm - »eine Jadefigur mitgebracht. Es handelt sich dabei um das Abbild einer Prinzessin, die als vom Himmel gesandt galt und die japanische Kaiserfamilie mitbegründete. Die Prinzessin und die Jadefigur sind seit zwei Tagen verschwunden.«

Der langhaarige Bewacher ließ einen Wortschwall vom Stapel. Sein Begleiter übersetzte ins Englische.

»Äh, ja«, beeilte sich Hellman zu sagen. »Genauer gesagt, die Prinzessin wurde entführt und die Jadefigur dabei entwendet. Eine diplomatische Katastrophe, die es so schnell wie möglich zu bereinigen gilt.«

»So schnell wie möglich«, wiederholte Grainger.

»Sie, Mr. Grainger, sind unsere einzige Hoffnung«, sagte Hellman und senkte den Blick.

»Wie komme ich zu der Ehre?«

»Man hat Sie uns empfohlen, Mr. Grainger. Man hält in gewissen Kreisen in Washington große Stücke auf Sie Und wir setzen unsere Hoffnung in Ihre Fähigkeiten. Und in die nächste Geheimmission ALAMO.«

Grainger nickte.

»Man hat uns unterrichtet, dass Sie sich in dieser Gegend aufhalten, Grainger. Wir hätten nicht gedacht, Sie so schnell zu finden. Es war ein ausgesprochener Glücksfall für uns, denn seit dem Überfall sind gerade zwei Tage vergangen.«

»Ich weiß ja noch nicht mal, wo ich mit der Suche beginnen soll«, gab Grainger zu bedenken.

Der langhaarige Aufpasser fauchte etwas auf Japanisch und wirbelte das Schwert vor Grainger herum.

Grainger zeigte sich unbeeindruckt. »Sagen Sie diesem Burschen, dass er aufhören soll, mir mit seinem Spielzeug vor der Nase herumzufuchteln. Sonst nehme ich es ihm weg.«

Hellman räusperte sich. »Dieses Spielzeug ist ein Samuraischwert aus bestem Stahl. Und der Bursche ist Miss Yukiko Suma, die Tochter des Befehlshabers der kaiserlichen Samuraitruppen.«

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738924978
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Februar)
Schlagworte
jade-prinzessin cutler geheimauftrag alamo band

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Titel: Grainger und die Jade-Prinzessin: Western