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Die Raumflotte von Axarabor #50: Das größte Übel

2018 78 Seiten
Reihe: Axarabor, Band 50

Zusammenfassung

Die Raumflotte von Axarabor - Band 50

von Stefan Hensch

Der Umfang dieses Buchs entspricht 86 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Kolonisten des Citoyen-Systems brechen über Nacht die bisherige Kommunikation ab. Das Oberkommando der Raumflotte befürchtet ein Unglück dahinter oder aber den Willen zur Abspaltung vom Sternenreich und startet eine diplomatische Mission, um einen bewaffneten Konflikt in letzter Minute zu vermeiden. Doch das Raumschiff der Raumflotte von Axarabor wird in einen Hinterhalt gelockt und es kommt zur Konfrontation mit einem schier übermächtigen Gegner!

Leseprobe

Das größte Übel

Die Raumflotte von Axarabor - Band 50

von Stefan Hensch


Der Umfang dieses Buchs entspricht 86 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die Kolonisten des Citoyen-Systems brechen über Nacht die bisherige Kommunikation ab. Das Oberkommando der Raumflotte befürchtet ein Unglück dahinter oder aber den Willen zur Abspaltung vom Sternenreich und startet eine diplomatische Mission, um einen bewaffneten Konflikt in letzter Minute zu vermeiden. Doch das Raumschiff der Raumflotte von Axarabor wird in einen Hinterhalt gelockt und es kommt zur Konfrontation mit einem schier übermächtigen Gegner!



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

An Bord der UROBOROS, Flaggschiff der axaraborianischen Raumflotte des Quadranten

Die Stimmung unter den Offizieren des Flottenoberkommandos hatte sich seit der letzten Sitzung deutlich verbessert. Der Konflikt mit dem Neranischen Sternenreich schien kurz vor einer militärischen Lösung entschärft worden zu sein. Beide Seiten waren in intensive Verhandlungen getreten, so dass die Chancen auf eine dauerhafte Sicherung des Friedens deutlich gestiegen waren. Doch die Raumflotte konnte sich keine Nachlässigkeiten leisten, denn den Bedürfnissen des Sternenreichs von Axarabor mussten permanent entsprochen werden.

„Eigenart eines ständig expandierenden Sternenreichs ist die Tatsache, dass ständig neue Außenränder entstehen. Gerade in diesen noch jungen Welten ist oftmals sehr viel Dynamik und Pioniergeist zu verzeichnen.“

Auf dem Videoschirm erschien eine Sternenkarte des Citoyen-Systems. „Doch dies bringt auch Probleme mit sich, denn wenn zu viel Dynamik entsteht, besteht auch immer die Gefahr eines latenten Separatismus. Eben dies müssen wir meiner Meinung nach nun leider für das Citoyen-System annehmen, denn die bisherige Subraum-Kommunikation wurde abgebrochen.“

„Dann müssen wir eben einen Kampfverband in das System schicken, um die Verantwortlichen an ihre Pflichten gegenüber Axarabor zu erinnern!“, schlug Admiral Blunell kaltschnäuzig vor.

Admiral Wolkow hob beide Hände. „Aus diesem Grund befindet sich das Citoyen-System auf unserer heutigen Tagesordnung.“ Dann sah der Flottenoberkommando vorstehende Admiral in die Gesichter der anwesenden Admiräle des Raumquadranten und ihrer Stabsoffiziere. „Wir sind uns sicherlich alle völlig darüber einig, dass die Infrastruktur des Systems und die dazu benötigten Mittel vollumfänglich der Besitz des Sternenreichs sind.“

Wolkow erntete zustimmendes Gemurmel und fuhr dann fort. „Eine militärische Intervention wäre definitiv eine Alternative, zumal die Neraner momentan anscheinend wieder zur Vernunft gekommen sind. Dennoch würde eine militärische Intervention vor allem die mühselig installierte und zudem kostspielige Infrastruktur gefährden.“

„Völlig korrekt, Admiral Wolkow. Wir bezahlen quasi noch einmal für etwas, was uns bereits jetzt rechtmäßig und moralisch zusteht. Was also ist ihr Vorschlag?“, stimmte Admiral Van Kinsbergen zu.

Wolkow zuckte mit den Schultern und gleichzeitig vergrößerte sich die Sternenkarte hinter seinem Rücken, so dass die benachbarten Systeme ebenfalls erschienen. Insgesamt grenzten drei benannte andere Systeme an das Citoyen-System.

„Wie Sie sehen, grenzen neben dem Vegas-System auch das Ger-System und das Corax-System an das Citoyen-System. Durch unsere diplomatische Bemühungen und die Bedrohung durch das Neranische Sternenreich wurden bereits Assoziierungsabkommen zwischen unserem Sternenreich und dem Vegas-System geschlossen, die ganz klar die Aufnahme des Systems unter das Sternenbanner von Axarabor zum Ziel haben. Das Corax-System hingegen wird vor allem von Piraten bevölkert, während das Ger-System die Heimat eines stark expandierenden, nicht humanoiden Volkes darstellt. Auf kurz oder lang werden die Separatisten also definitiv Probleme an den Außengrenzen ihres Systems bekommen.“

„Sie wollen die Kolonisten erpressen?“, fragte Admiral Newman mit einem bösen Grinsen.

„Mitnichten! Ich will einen Raumkreuzer entsenden, auf dem den Verantwortlichen des Citoyen-Systems während einer Konferenz einige Aspekte grundlegender Astropolitik nähergebracht werden.

„Glauben Sie denn ernsthaft, dass die Gegenseite seine Führung zu einer Konferenz auf einem unserer Schiffe schicken wird?“, fragte Admiral Schneider.

„Für die Dauer der informellen Gespräche bin ich durch eine Autorisation des Hochadmirals dazu ermächtigt worden, den Kolonisten einen vollständigen Nichtangriffspakt anzubieten und mit ihnen zu verhandeln.“

Stille breitete sich im Oberkommando aus.

„Und wenn sich die Vertreter des Citoyen-Systems querstellen?“

Wolkow sah Blunell an. „Dann werden wir ein Exempel statuieren, dass zukünftig als Lehrbeispiel für unsere Kolonien dienen wird!“

Blunell nickte, denn ihm gefiel der Plan. Das Sternenreich streckte seine Hand aus, um seinen Kolonisten in den Weiten des Weltalls helfend zur Seite zu stehen. Wurde dieses Angebot jedoch abgelehnt, würde es mit seiner Faust zuschlagen.

Blunell nickte. „In diesem Fall kann ich ihren Vorschlag nur absolut unterstützen, Herr Kollege!“

„Welches Schiff wollen Sie mit dieser eher diplomatischen Mission betreuen?“

Wolkow sah den hageren Offizier an. „Aufgrund unserer diplomatischen Erfolge in den Verhandlungen mit dem Neranischen Kaiser kann ein Teil unserer Verstärkungseinheiten wieder verlegt werden. Aus diesem Kontingent halte ich die Fregatte ICARUS unter dem Kommando von Commander J. T. Rollins für besonders geeignet.“

Allgemeine Zustimmung zeichnete sich unter den Admirälen ab. „Dürfte ich dann um eine Abstimmung über meinen Antrag bitten?“

Die diplomatische Mission im Citoyen-System wurde einstimmig ohne Enthaltung angenommen. „Dann können wir wohl über weitere Anträge in dieser Frage verzichten“, kommentierte Wolkow und sah abwartend in die Runde. Als keine Wortmeldung erfolgte, nickte Wolkow.

„Kommen wir zum nächsten Punkt auf unserer Tagesordnung. Die Regierung des bereits angesprochenen Vegas-System hat den Hochadmiral ersucht, einen Träger-Verband dorthin zu verlegen. Trotz der sich abzeichnenden Entspannung traut man dort wohl den Neranern weiterhin nicht so recht über den Weg. Aus diesem Grund bitte ich um eine Aussprache zu dieser Anfrage, damit das Flottenoberkommando dem Hochadmiral eine Empfehlung aussprechen kann.“



2

Durban-System, Hoheitsgebiet des Neranischen Sternenreichs

Die SALA hatte sich weit genug von den bewohnten Planeten des Durban-Systems entfernt, um mit ihrer Mission beginnen zu können. Der Zerstörer war bereits vor einiger Zeit außer Dienst gestellt worden, doch nun hatten die verantwortlichen Stellen einen anderen Plan mit dem betagten Schiff.

Entspannt saß Commander Hank Crockett auf seinem Platz. Wenn er das Aggregat im Bauch der SALA nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, hätte er es nicht geglaubt. Die Kontakte des neranischen Geheimdienstes zu Kräften innerhalb der Raumflotte von Axarabor hatten Früchte getragen, denn in der SALA war nun ein funktionstüchtiger Hyperraumantrieb eingebaut worden und machte den Zerstörer somit zum einzigen Schiff in der ganzen neranischen Flotte, das Axarabor in nur einem einzigen Wimpernschlag erreichen konnte. Doch die SALA war für eine völlig andere Mission vorgesehen.

Nachdem die ehemaligen axaraborianischen Kolonisten jeden Kontakt mit dem Sternenreich verloren hatten, waren sie vollkommen auf sich alleine gestellt gewesen. Während im axaraborianischen Sternenreich die Wissenschaft des überlichtschnellen Reisen erschlossen wurde, hatten die Neraner völlig andere Technologien entwickelt. Während sie ebenfalls einige verblüffende Entdeckungen gemacht und diese auch technisch nutzbar gemacht hatten, waren sie jedoch auch einer Gefahr auf die Spur gekommen, die vielleicht mit Fug und Recht als Strafe Gottes bezeichnet werden konnte.

Commander Crockett selbst war in die Untersuchung des betreffenden Phänomens involviert gewesen und wusste deshalb genauestens über das Bescheid, was unter der Bezeichnung Das größte Übel unter Verschluss gehalten wurde. Und dieses Übel würde Hank Crockett auf den verhassten Feind loslassen, der auch noch so einfältig war, an einen Frieden zu glauben! Ein hämisches Lächeln huschte über das Gesicht des neranischen Offiziers, denn er würde die Büchse der Pandora öffnen. Vielleicht würden die Axaraborianer ja sogar gegen diese Herausforderung bestehen, aber auf absehbare Zeit war zwischen den beiden Sternenreichen zumindest somit eine Art Gleichheit der Waffen hergestellt. Dies würde der Kaiser nutzen, um die verräterischen Völker zu strafen, die mit dem Sternenreich von Axarabor kollaborierten.

„Meldung aus der Technik, Commander. Die Vortex-Bombe ist einsatzbereit!“, sagte einer der Brückenoffiziere.

„Aktivieren Sie den Hyperraumantrieb mit dem modifizierten Algorithmus, Mr. Parker!“

Crockett hatte von den vielen verschwundenen Kameraden gehört, die den Hyperraum ohne adäquate Technik betreten und scheinbar nie wieder verlassen hatten. Für den Commander der SALA waren es Helden des Neranischen Reichs, die ihr Leben für den Kaiser geopfert hatten. Auch diesen Männern und Frauen gebührte der Sieg über das verhasste axaraborianische Sternenreich!

Das Triebwerk aus axaraborianische Fertigung funktionierte tadellos. Der Umriss der SALA wurde kurz unscharf, dann verschwand das Schiff aus dem bekannten und erforschten Raum-Zeit-Kontinuum, um im mysteriösen Raum zwischen den Dimensionen wieder zu materialisieren. Dieser Raum war als Hyper- oder Subraum bekannt und noch nahezu unerforscht. Für gewöhnlich nutzten Raumschiffe diese Dimension lediglich als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten, denn der Hyperraum erstreckte sich entgegen unserem Verständnis von Raum und Zeit zwischen und durch unsere Dimension. Doch der Hyperraum war unendlich viel mehr als nur eine Transferzone, doch davon hatten die Wissenschaftler der Raumflotte von Axarabor so gut wie keine Ahnung. Dies sah ausgerechnet bei den neranischen Wissenschaftlern, die ohne funktionierende Hyperraumtechnologie auskommen mussten, völlig anders aus. Doch der Grund dafür war wohl das bestgehütete Geheimnis des Neranischen Sternenreichs. Die SALA hatte auf der Basis der neranischen Forschungsergebnisse einen Sprung direkt in die rätselhafte Kontinuum hinein gewagt, denn dort hatte Commander Crockett eine strenggeheime Mission zu erfüllen.

„Wir befinden uns im Hyperraum!“

Commander Crockett nickte. „Außenkameras auf den Videoschirm!“

Sofort zeigte das Display auf der Brücke der SALA die Bilder der unterschiedlichen Außenkameras. So sieht also der Hyperraum aus, dachte der Commander. Auf dem Videoschirm erschienen verzerrte Bilder, weil das Programm Schwierigkeiten hatte mit der Darstellung. Es war wenig zu erkennen und der Hyperraum schien noch leer, aber das würde sich in Kürze radikal ändern. Dann wäre die SALA dann hoffentlich wieder aus dem Hyperraum verschwunden!

„Stoßen Sie die Bombe aus, Mr. Daemi. Countdown T minus 30 Minuten!“

„Aye, Sir!“

Auf dem Videoschirm verfolgte Crockett aufmerksam das Manöver. Die Vortex-Bombe hatte etwa die Größe eines Shuttles und war bis auf die kreisförmigen Dellen an ihrer Außenseite kugelrund. Ein Leuchtfeuer in ihrer Mitte half Crockett dabei, die Flugbahn der Bombe im Hyperraum zu verfolgen. Zu lange wollte der Commander aber nicht in dieser Dimension bleiben.

„Bringen Sie uns hier wieder weg, Mr. Parker.“

„Aye, Sir. Initialisiere Sprung!“

Auch dieses Mal tat das Aggregat der Raumflotte von Axarabor im Bauch der SALA tadellos seinen Dienst und der neranische Zerstörer dematerialisierte aus dem Hyperraum.

Zurück blieb das blinkende Gebilde, das bereits seit Jahren theoretisch in den Labors des Neranischen Sternenreichs existiert hatte. Von Zeit zu Zeit wurde die Bombe von unterschiedlichen Strömungen des Hyperraums erfasst und umher gewirbelt. Dann lief der Countdown ab und die Bombe schien sich plötzlich um ein Vielfaches aufzublähen. Während das geschah, glich sie einem Luftballon, in den einfach viel zu viel Luft hineingepumpt worden war. Dann lief der gegenteilige Prozess in rasend schneller Geschwindigkeit ab und die Bombe verschwand mit einem Krachen. Blaue Blitze zuckten durch den Hyperraum, dann begannen die umhertreibenden Partikel im Hyperraum auf einer geordneten Kreisbahn zu rotieren. Die Rotation wurde schneller und schneller, bis es zu einer gigantischen Explosion kam. Ein Energieball dehnte sich in alle Seiten aus und erzeugte einen Riss im Hyperraum. Hinter diesem Riss lauerte das pure Böse und wurde nun von dem Zugang in den Hyperraum angezogen, wie die Motten vom Licht…



3

An Bord der Fregatte ICARUS, Hoheitsgebiet des Sternenreichs von Axarabor

Aus den Augenwinkeln betrachtete Commander J.T. Rollins, wie sein Erster Offizier den Aufzug verließ und sich zu seinem Platz begab. Lieutenant Commander Mind hatte verdächtig lange von seiner Kabine bis zur Brücke gebraucht.

„Hoffentlich haben wir Sie nicht bei etwas Wichtigem gestört, Nummer 1?“

Ein diebisches Lächeln erschien auf dem Gesicht von Mind und er schüttelte den Kopf. „Alles erledigt, Sir!“

Der Commander schmunzelte und nickte dann gutmütig. „Jetzt, wo wir vollzählig sind, ist es Zeit für die Einsatzbesprechung.“ J.T. Rollins nickte dem Kommunikationsoffizier zu. „Auf den Videoschirm, Mr. Zarkov!“

Auf dem Videoschirm erschien eine Sternenkarte des Citoyen-Systems. „Meine Damen und Herren, anstelle zu einer Kampfmission in das Durban-System entsendet uns das Oberkommando der Raumflotte auf eine diplomatische Mission das Citoyen-System.“ Commander Crockett machte eine rhetorische Pause und sah in die Runde. „Bis vor einigen Monaten bestand eine regelmäßige Subraum-Kommunikation mit den dortigen Kolonisten, die nun aber einseitig aus dem Citoyen-System verweigert wird.“

Mind spürte von seinem Platz aus, dass der Kommandant zwiegespalten in der Sache war. Jonathan Thomas Rollins stammte selbst von einem Planeten am Rande des Sternenreichs und konnte sich vermutlich deshalb relativ gut mit den Siedlern identifizieren. Ebenso war er jedoch auch aus Überzeugung Offizier der Raumflotte und seine Loyalität galt voll und ganz dem Hochadmiral.

„Unsere Mission besteht lediglich darin, als Austragungsort für eine diplomatische Konferenz zu dienen. Zu diesem Zweck begleitet uns eine Delegation hochrangiger Diplomaten aus dem Hauptquartier der Flotte. Für die Dauer der Mission hat das Sternenreich dem Citoyen-System einen Nichtangriffspakt angeboten.“ Commander Rollins machte eine Pause und sah seine Offiziere an. „So wie ich das sehe, wird dies zur Abwechslung mal eine sterbenslangweilige Mission.“

Der letzte Satz löste Heiterkeit bei der Crew aus, denn die letzten Wochen hatten voll und ganz im Zeichen der Kriegsvorbereitung gegen die Neraner gestanden.

Dann stand Rollins ruckartig von seinem auf. „Mr. Mind“, sprach er den Ersten Offizier an. „Kommen Sie bitte auf ein Wort ins Kapitänszimmer!“

Als sich Mind ebenfalls erhob, wandte sich Commander Rollins an den Navigationsoffizier. „Mr. Tanner, setzten Sie Kurs auf das Citoyen-System. Die Brücke gehört Ihnen!“


*


Rollins bot seinem Ersten Offizier einen Platz vor dem wuchtigen Schreibtisch aus massivem Holz an und setzte sich selbst dann dahinter. Rein äußerlich wirkte Rollins ruhig und abgeklärt, aber Mind spürte die Sorge seines Kommandanten, konnte sie sich aber nicht so recht erklären.

„Erinnern Sie sich noch an die Testreihe der Raumflotte vor einigen Monaten, an der alle Besatzungsmitglieder teilnehmen mussten?“

Der Erste Offizier nickte, denn die Testreihen waren relativ aufwendig gewesen und seinen Informationen nach hatten die Untersuchungen auf allen Schiffen der Raumflotte in diesem Quadranten stattgefunden. Manch einer hatte schon geargwöhnt, dass es sich dabei um eine perfide Hexenjagd auf Verräter innerhalb der Reihen der Raumflotte gehandelt haben könnte.

„Die Parameter der Mannschaft entsprechen allesamt der Norm, lediglich ihre Werte müssen an verantwortlicher Stelle für großes Interesse gesorgt haben.“

„Was bedeutet das, Sir?“

Rollins zuckte mit seinen Schultern. „Das kann ich nicht genau sagen. Für die nächste Zeit wird diese Mission aber ihr letzter Flug mit der ICARUS sein. Ich habe heute Morgen ihren Marschbefehl zugesendet bekommen. Nach unserer Mission im Citoyen-System sollen sie sich unverzüglich auf dem Flottenstützpunkt von Colossus Prime zum Dienst melden.

Das Gesicht des jungen Offiziers wechselte die Farbe.

„Das ist alles andere als im Zentrum des Sternenreichs. Ich wusste überhaupt nichts von einem Stützpunkt auf diesem Planeten. Was soll ich dort tun?“

Mind erkannte es in den Augen seines Vorgesetzten, bevor dieser erneut die Schultern hob. Rollins kannte die Antwort nicht. „Diese Information ist klassifiziert und ich habe mit meiner Sicherheitsfreigabe keinen Zugriff darauf.“

„Das sind wahrlich rosige Zukunftsaussichten“, sagte Mind lakonisch.


*


„Starten Sie den Hyperraumantrieb, Mr. Adams“, befahl Commander J.T. Rollins und die ICARUS trat ihre Reise durch den Hyperraum an. Augenblick dröhnten Warnsirenen auf der Brücke los.

„Statusbericht. Was zur Hölle ist hier gerade passiert?“, presste Commander Rollins hervor. Im gleichen Moment erzitterte das ganze Schiff wie unter einer starken Explosion.

„Sir, die Hyperraumnavigation ist abgestürzt. Ich empfange völlig sinnlose Daten über die Messgeräte“, sagte Tanner mit krächzender Stimme.

„Wo sind wir, verdammt?“

Tanner bearbeitete wie wild seine Konsole, dann sah er alarmiert zu Commander Rollins. „Wir sind im Hyperraum, aber unsere Computer sind aus und unsere Sensoren registrieren völlig andere Umgebungsvariablen. Hier stimmt irgendetwas nicht!

Der Erste Offizier musste sich gegen die Angst abschotten, die von den Offizieren der Brücke empfunden wurde. Zum ersten Mal dachte er in diesem Moment darüber nach, ob er vielleicht nicht ganz normal war. Seine Eltern hatten ihn immer als hypersensibel bezeichnet, aber traf diese Bezeichnung überhaupt noch zu, wenn er die Emotionen anderer Menschen sogar aus einigen Metern Entfernung spüren konnte?

„Bringen Sie uns schnellstens hier raus, Mr. Tanner!“

Erneut bearbeitete der Navigationsoffizier seine Konsole mit rasend schnellen Fingern, dann schüttelte er den Kopf. „Das ist momentan völlig unmöglich, Commander.“

„Erklären Sie es mir so, dass ich es verstehe!“

Tanner nickte und überlegte kurz. „Wenn Sie auf einem Planeten von A nach B reisen wollen, müssen sie nicht nur den Endpunkt B kennen, sondern auch wissen, wo sich ihr Startpunkt A befindet. Die Systeme wissen momentan aber weder wo wir sind, noch wo unser Ziel sein könnte. Es ist, als wäre der Hyperraum in Bewegung geraten und als gäbe es keine Fixpunkte mehr!“

„Also hängen wir hier fest?“

„Zumindest solange, bis unsere Computer neu gestartet sind!“

Das klang für Commander Rollins alles wie ausgemachter Blödsinn, hörte sich aber formal zumindest logisch an. Außerdem hatte er keine andere Option. „Kümmern Sie sich um alles Nötige, Tanner!“

In diesem Moment spürte Mind es. Sie waren nicht allein hier, da draußen im Hyperraum war etwas. Etwas abgrundtief Böses und es war auf dem Weg zu ihnen!

„Sir, wir haben einen Kontakt dort draußen!“

Rollins nickte stumm seinem Sensoroffizier zu, der dann das Bild auf den Videoschirm legte. Dann glaubte die Brückenbesatzung der ICARUS ihren Augen nicht mehr trauen zu können. Auf dem Videoschirm erschien eine Art gigantisches Loch, das den Blick auf einen violett schwarzen Raum im Hyperraum freigab.

Walsh lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Er war zwar definitiv kein Astrophysiker, aber dies konnte nur eine Bedeutung haben: etwas oder jemand hatte das Raum-Zeit-Gefüge des Hyperraums schwer in Mitleidenschaft gezogen. Doch das war noch nicht alles, denn aus dem Riss im Gefüge des Hyperraums drang ein gigantisches Raumschiff in diese Dimension ein. Aber stimmte das überhaupt? War dieses organisch anmutende Ungetüm wirklich ein Raumschiff, oder handelte es sich um irgendein fremdartiges Lebewesen? Der Erste Offizier rief sich innerlich zur Ordnung, denn was für ein Lebewesen konnte im freien Raum überleben?

Mind dachte über das Gefühl nach, dass der Anblick dieses Objekts in ihm auslöste. Dann wusste er, was das für ein Gefühl war: Ekel. Abgrundtiefer Ekel. Das Raumschiff stellte größenmäßig sogar die schweren Großkampfschiffe in den Schatten. Das war aber immer noch nicht die größte Besonderheit des Schiffes, denn alles an ihm wirkte völlig organisch, so als würde es lebendig pulsieren. Der Blick des Ersten Offiziers saugte sich an dem Schiff fest, dass an seinen Außenseiten sogar über so etwas wie überschüssige Hautlappen besaß, die feucht glänzten.

„Was zur Hölle ist das?“, sagte Rollins und starrte wie gebannt auf den Videoschirm. Dann löste er sich von dem Bild. „Schilde hoch und Waffensysteme aktivieren!“

„Sir, das Schiff geht auf Kollisionskurs!“

„Ausweichkurs, Mr. Decker“, befahl Rollins dem Steuermann.

„Das fremde Schiff verfolgt uns und erhöht seine Geschwindigkeit!“

„Volle Kraft, Mr. Decker!“

„Aye, Sir!“

„Sir, das Schiff kommt weiter näher“, meldete der Sensoroffizier mit zitternder Stimme.

„Feuer frei. Grillen Sie dieses Ding mit unseren Torpedos!“


*


Aus dem Rumpf der ICARUS löste sich eine Salve von fünf großen Raumtorpedos, die mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung des Verfolgers davon rasten. Das Raumschiff blieb jedoch auf seinem Kurs und die Torpedos trafen fast zeitgleich das unförmige Schiff, ohne das erkennbarer Schaden angerichtet wurde. Anstelle dessen schlugen die Flugkörper in die weiche, organische Außenhaut des Schiffes ein, wurden abgekapselt und die Detonationen waren lediglich durch eine leichte Blasenbildung erkennbar an der Außenseite erkennbar.

„Was ist das für ein Ding? Eine verdammte Qualle im Weltall?“

Der Erste Offizier sah seinen Kommandanten an. „Mich erinnert es eher an einen Kraken. Aber egal was es ist, es strahlt absolute Bösartigkeit aus!“

Commander Rollins verengte die Augen zu Schlitzen. Was sagte sein Erster Offizier da für komisches Zeug?

„Energiewaffen volle Breitseite, Feuer!“

Die Fregatte feuerte aus ihren Hauptgeschützen auf den immer noch näher kommenden Gegner, dessen Umrisse anscheinend durch die hohe Geschwindigkeit an einigen Stellen sichtbar deformiert wurden. Commander Rollins schüttelte den Kopf, denn wie konnte das im Weltall möglich sein?, fragte er sich.

Die Strahlen der Energiewaffen schlugen an zahlreichen Punkten des Raumschiffes ein. Das Gewebe begann unter ihrem Einfluss zu brodeln und verfärbte sich dann schwarz, als würde es absterben.

„Ist das überhaupt noch ein Raumschiff, oder ist das irgendein Monstrum?“, entfuhr es J.T. Rollins.

„Es ist kein Monster, Commander. Es sind Millionen Monster, ich kann sie spüren!“

Während er die abermals Worte seltsamen von Mind hörte, sah der Commander vor sich das unfassbare. Die Spuren der Energiewaffen wurden in rasender Geschwindigkeit von diesem fremdartigen Schiff repariert. Doch dann korrigierte Rollins seinen Eindruck. Da fand keine Reparatur statt, sondern eine Heilung!

„Das Schiff unterschreitet die Distanz für unsere Energiegeschütze!“

„Lösen Sie Schiffsweiten Alarm aus. Alle Mann auf die Kampfstationen!“

Dann hatte das fremde Schiff mit seinem organischen Aussehen die fliehende ICARUS erreicht. Für Sekunden flogen die Raumschiffe im Paarflug nebeneinander her, dann schossen pfeilschnelle Tentakel aus des Rumpf des organisch anmutenden Raumers hervor und wickelten sich um die Außenhaut der Fregatte, fixierten es an seinen wesentlich größeren Körper.

Blitzschnell bildeten sich Dorne aus gehärtetem Horn und durchdrangen gewaltsam die Außenhaut der Fregatte und zerstörten deren Integrität. Doch die ICARUS sollte nicht zerstört werden, deshalb wurde gleichzeitig extrem schnell härtendes Sekret von speziellen Drüsen gebildet und dichtete die Zugänge zur Fregatte ab. Dann begann das Kapermanöver und der pure Horror brach auf der ICARUS aus.



Details

Seiten
78
Jahr
2018
ISBN (ePUB)
9783738924930
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
raumflotte axarabor übel

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor #50: Das größte Übel