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Die Raumflotte von Axarabor #47 Das Komplott von Gordo

2018 78 Seiten
Reihe: Axarabor

Leseprobe

Das Komplott von Gordo

Die Raumflotte von Axarabor - Band 47

von Wilfried A. Hary


Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Der Mord an einem Polizisten in ferner Vergangenheit soll in der Gegenwart alles ändern auf der Welt namens GORDO – zum Besseren…



Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Ohne Waffe! Mirtan Saluk, seines Zeichens Polizeikommissar, obwohl man das auf GORDO eigentlich ein wenig anders bezeichnete, konnte sich eines äußerst unguten Gefühls nicht erwehren. Aber er hatte ja von vornherein gewusst, was so ein Job als verdeckter Ermittler so mit sich bringen würde. Den, den er jetzt treffen sollte im Auftrag des Syndikats, würde jede Waffe an seinem Körper missverstehen und ihn gleich umlegen lassen.

„He!“, rief jemand leise.

Mirtan erkannte trotzdem die Stimme und blieb stehen. Er wandte sich nicht um, sondern wartete, bis der andere aufgeholt hatte.

„Was ist los? Wieso bist du hier?“, zischte Mirtan ärgerlich.

„Kleine Planänderung.“

„Aha?“ Er konnte den schmierigen Dealer nicht ausstehen, mit dem er nun schon seit zwei Jahren zusammenarbeiten musste. Obwohl er es genau diesem überhaupt verdankte, innerhalb der Hierarchie des Syndikats höher gestiegen zu sein. Immerhin war es eine große Sache, wenn man ausgerechnet ihn zu einem Treffen mit einem anderen Syndikat schickte, um mit diesem Friedensverhandlungen einzuleiten.

Friedensverhandlungen? Eigentlich ging es ja eher um Übernahmeverhandlungen. Er sollte doch tatsächlich das konkurrierende Syndikat dazu überreden, sich ihnen anzuschließen.

Bei allem, was Mirtan Saluk hatte in Erfahrung bringen können, ein völlig unmögliches Unterfangen.

Und jetzt sollte ausgerechnet auch noch dieser schmierige Tubur Lomanow mit von der Partie sein? Wem fiel denn so ein Schwachsinn ein?

Mirtan betrachtete ihn. Das schummrige Licht hinter den Lagerhallen jenseits des Raumhafens von GORDO ließ nicht wirklich Einzelheiten erkennen.

„Keine Bange!“, knurrte der Dealer. „Ich soll dich nicht unterstützen, sondern lediglich für Rückendeckung sorgen.“

Und ich bin unbewaffnet!, dachte Mirtan Saluk zerknirscht und ging einfach weiter. Wenn das Syndikat das so wollte, konnte er es auch nicht mehr ändern. Er hatte eingewilligt als eine Art Vorbote für weitere Verhandlungen. Weil ihm nichts anderes übriggeblieben war. Anschließend hatte er seinen Kontaktmann von der Polizei gefragt, ob es nicht besser wäre, genau an dieser Stelle auszusteigen. Immerhin hatte er genügend Hinweise sammeln können, um das Syndikat nachhaltig zu schwächen. Aber sein Kontaktmann hatte ihm klar gemacht, dass er zumindest diesen einen Schritt noch tun musste. Es war besonders wichtig, zu erfahren, ob solche Verhandlungen tatsächlich von Erfolg gekrönt sein könnten. Wenn ja, hatte das weitreichende Folgen auch für das weitere Vorgehen gegen das Syndikat. Denn eine Zusammenarbeit mit dem ärgsten Konkurrenten im Geschäft mit Drogen und Prostitution würde das Syndikat entscheidend stärken. Es würde trotz der wertvollen Hinweise wesentlich schwerer werden, ihm zu schaden.

Das hatte Mirtan Saluk zähneknirschend einsehen müssen. Obwohl es für ihn bedeutete, dass dies ein Todeskommando war. Denn falls dem gegnerischen Verhandlungsführer – vielleicht sogar dem Syndikatsboss selber? – auch nur seine Nase nicht gefiel, kam er da nicht mehr lebend heraus.

Mirtan hörte, dass ihm Tubur Lomanow im Abstand von wenigen Schritten folgte. Wie ein treuer Hund. Nur wesentlich unangenehmer für Mirtan…



2

Ein meterhoher Zaun umgab das Freigelände, auf dem eine irre Anordnung von haushohen Schwerlastregalen, Kisten, Kästen und offenen Maschinenteilen lagerten. Zwischen den gestapelten Teilen und den vollgestopften Regalen gab es ein wahres Labyrinth von schmalen Gängen, gerade breit genug, um die vollautomatischen Stapelmaschinen hindurch zu lassen. Es war für den Polizisten Mirtan Saluk ein bleibendes Rätsel, wie die Stapelmaschinen alles dies überhaupt auseinanderhalten konnten. Er wusste ja nichts davon, dass jedes Teil hier einen elektronischen Aufkleber besaß, der eine eindeutige Zuordnung zuließ. Allerdings die Kisten und Kästen nur außen, ohne Angabe des wahren Inhaltes. Auf jeden Fall gehörte das Freigelände einem führenden Mitglied des konkurrierenden Syndikats. Das hieß, normalerweise war der Zutritt für seinesgleichen streng untersagt. Es kam einer Grenzverletzung gleich. Und dann auch noch sogar zwei Eindringlinge, weil ja auch Tubur Lomanow mit von der Partie war…

Jedenfalls sollte hier das Treffen stattfinden. Im Zentrum des Geländes, wo es einen freien Platz gab. Darauf steuerten die beiden jetzt zu.

Mirtan war sich bewusst, dass sie unterwegs nicht unbeobachtet blieben. Wahrscheinlich wurden auch Scanner eingesetzt, um zu gewährleisten, dass keiner von ihnen beiden Waffen bei sich trug.

So erreichten sie schließlich ihr Ziel. Der Platz wurde nur dürftig beleuchtet. Und er war leer.

Suchend sah Mirtan umher. Eigentlich war er gut in der Zeit. Aber wieso zeigte sich niemand?

In diesem Moment hörte er in seinem Rücken ein typisches Geräusch: So hörte es sich an, wenn an einer Handfeuerwaffe der Sicherungsbügel herum gelegt wurde, um die Waffe somit schussbereit zu machen.

Unwillkürlich spürte er eine Gänsehaut im Nacken und wandte sich langsam um.

Tubur Lomanow, die Ratte, hatte eine Waffe in der erhobenen rechten Hand, deren Mündung unzweideutig genau auf den Kopf von Mirtan Saluk zeigte. Lomanow stand zu weit entfernt, als dass Mirtan Saluk hätte riskieren können, nach der Waffe zu greifen, und zu nah, um sein Ziel verfehlen zu können. Und hier, inmitten des freien Platzes, gab es auch keinerlei Deckungsmöglichkeiten.

„Was soll das?“, entfuhr es Mirtan.

„Ganz einfach, scheiß Bulle: Du bist ein Verräter, und Verräter werden bei uns mit dem Tode bestraft. Und weil ich derjenige war, der dich ins Syndikat einführte, werde ich auch dein Henker sein.“

„Und wieso hast du nicht schon längst geschossen?“

„Weil wir natürlich unter Beobachtung stehen. Wir werden überwacht, seit wir das Gelände betreten haben. Von unseren Gastgebern.“

„Dann wollten die sich gar nicht mit mir hier treffen, sondern es war eine Falle?“

„Aha, Schnellmerker! Natürlich wird es Verhandlungen geben, allerdings erst, wenn du nicht mehr lebst. Ich bin hier, um unseren zukünftigen Freunden zu zeigen, wie wir mit Verrätern verfahren.“

„Es wird dir nichts nutzen, Tubur Lomanow. Gut, ich kann es wohl nicht mehr länger leugnen, obwohl ich mich frage, wie du es überhaupt herausgefunden hast: Ich bin ein Polizeispitzel. Aber ich handele hier nicht nur im Auftrag des Syndikats, sondern natürlich auch im Auftrag der Polizei.“

Tubur Lomanow lachte meckernd, was Mirtan Saluk durchaus stutzig machte.

„Im Auftrag der Polizei? Welche Polizei meinst du denn? Der Teil, der für das Syndikat arbeitet und dich verraten hat, oder meinst du den kümmerlichen Rest von Polizisten, die wir noch nicht auf unsere Seite gezwungen haben?“

Noch einmal lachte er meckernd, und Mirtan sah dabei wie in Zeitlupe, wie sich der Finger des schmierigen Dealers zu krümmen begann.

Blitzschnell ließ er sich zur Seite fallen, kam hart mit der Schulter am Boden auf, rollte sich sofort ab, sprang wieder auf…

Der erste Schuss ging prompt ins Leere. Der zweite Schuss zwar ebenfalls, aber er war schon sehr viel näher am Ziel.

Mirtan war nicht nur unbewaffnet, er hatte noch nicht einmal eine Schutzweste angezogen. An seinem Körper befand sich gar nichts, außer seiner Kleidung. Das war die Grundbedingung für das Treffen gewesen.

Seine Gedanken rasten durch seinen Kopf, dass es ihm allein schon von daher schwindlig wurde.

Der Teil der Polizei, der für das Syndikat arbeitete? Und sein Kontaktmann, der ausdrücklich darauf bestanden hatte, dass er sich hierher begeben sollte?

Ihm fiel es sozusagen wie Schuppen von den Augen: Das war von vornherein eine verdammte Falle gewesen für ihn. Hier und jetzt sollte er sterben.

Warum wohl? Weil er bereits zu viel wusste über die Machenschaften des Syndikats und dies sogar beweisen konnte?

Ohne ihn als Zeugen waren sämtliche Beweise nur noch die Hälfte wert, und in den Händen von korrupten Kollegen sowieso völlig wertlos.

Zwei Jahre unter Einsatz seines Lebens. Und wofür? Nur um hier regelrecht hingerichtet zu werden.

Er wollte mit einem gewaltigen Satz sich in Sicherheit bringen zwischen zwei hoch aufragenden und vollgestopften Regalen, doch er blieb mitten in der Luft hängen.

Plötzlich war die Zeit gefroren. Alles wurde zur Momentaufnahme.



3

Er konnte trotzdem noch klar denken? War er denn von diesem radikalen Stopp nicht selber betroffen?

Erstaunt wandte er den Kopf. Er schaute an sich hinab. Er hing mitten in der Luft, in der Tat, war mitten im Sprung.

Der nächste Blick ging in Richtung des Mordschützen.

Die dritte Kugel war abgefeuert, und Tubur Lomanow bewies, dass er ein geübter Schütze war. Das hätte Mirtan dem schmierigen Dealer gar nicht zugetraut. Die Kugel war bereits auf dem Weg, nur noch einen halben Meter entfernt. Mirtan Saluk konnte sie deutlich sehen, wie sie da in der Luft stehengeblieben war. Nur für diesen Moment, der sich zu einer schieren Ewigkeit dehnen wollte.

Die Kugel hatte ein eindeutiges Ziel: Seine Brust! Dort, wo sich sein Herz befand. Wenn die Kugel traf, war das tödlich.

Es war eine reine Reflexbewegung, als Mirtan Saluk zur Seite hin auszuweichen versuchte und dabei mit beiden Füßen am Boden landete. Er wich weiter aus, weiter zur Seite hin, und warf dann erst einen Blick zurück – um nun von sich aus zu erstarren, weil er seinen Augen nicht trauen wollte:

Er sah sich selbst, noch mitten im Sprung, nach wie vor an derselben Stelle hängend, die Kugel bereits bedenklich nah, ohne die geringste Chance, dieser noch ausweichen zu können.

Aber wie war das denn möglich? Wie konnte er sich sozusagen verdoppelt haben?

Oder war er jetzt nur noch so eine Art Geist, der seinen Körper verlassen hatte, um seinem eigenen Sterben zuzuschauen?

Unwillkürlich tastete er sich ab.

Dieselbe Kleidung, derselbe Körper. Nein, kein Geist, sondern nach wie vor aus Fleisch und Blut.

Er stierte auf die Szene und zweifelte an seinem Verstand. Träumte er dies alles denn nur? Lag er in Wahrheit irgendwo im Bett und dies alles war gar nicht die Wirklichkeit?

Nein, er konnte sich an jedes Detail erinnern. An den Zuspruch seines Kontaktmannes, der so getan hatte, als würde alles davon abhängen, wenn er doch bloß diesen letzten Job hier wahrnahm…

Es war eine tödliche Falle, gleichzeitig ein Exempel, das an ihm statuiert wurde. Auf dem Gelände der Konkurrenz, um dieser zu demonstrieren, wie man mit Polizeispitzeln umging.

Vielleicht war es für den schmierigen Tubur Lomanow tatsächlich die eigene Rettung, wenn er die Hinrichtung selber vollzog? Nun, das würde Mirtan Saluk nicht mehr in Erfahrung bringen können, als toter Mann.

Aber er war doch noch gar nicht tot! Er hing da in der Luft, mitten im Sprung, der ihn in Sicherheit hatte bringen sollen, der ihn aber genau in die Schusslinie gebracht hatte.

Wäre die Zeit nicht angehalten worden…

Die Zeit wurde angehalten?

Suchend schaute Mirtan umher. Das war doch überhaupt nicht möglich. Nichts und niemand konnte die Zeit anhalten. Und selbst wenn: Wie war es dann noch zu erklären, dass er hier stand, außerhalb der Schusslinie, während er gleichzeitig dort in der Luft hing, einen winzigen Sekundenbruchteil vor seinem eigenen Tod?

Kaum hatte er sich diese Fragen gestellt, lief die Zeit weiter, und er sah zu, wie er schwer getroffen zu Boden fiel.

Zumindest war es ein rascher Tod, ohne groß leiden zu müssen.

Grimmig ließ Tubur Lomanow die Waffe sinken und schlenderte näher. Den starr vor Entsetzen da stehenden Mirtan Saluk beachtete er dabei gar nicht. Er hatte nur noch Augen für die zusammengekrümmt am Boden liegende Leiche, unter der sich eine stetig größer werdende Blutlache bildete.

Lomanow wog wie prüfend seine Pistole in der Hand. Dann beugte er sich über die Leiche und tastete nach der Halsschlagader.

Als er sich wieder aufrichtete, rief er laut:

„Auftrag erledigt!“

Aus dem Hintergrund lösten sich mehrere Gestalten. Als sie ins Licht traten, erkannte Mirtan Saluk die oberste Führung des konkurrierenden Syndikats.

„Beeindruckend!“, sagte ihr Boss und klatschte in die Hände. „Und du wirst also die Vorverhandlungen führen? Aber erst, wenn du die Waffe fallengelassen hast.“

Tubur Lomanow kam grinsend der Aufforderung nach, hob anschließend die leeren Hände in Schulterhöhe, um zu demonstrieren, dass er seinerseits verhandlungsbereit war – und niemand achtete derweil auf den lebenden Mirtan Saluk, der auf seine eigene Leiche stierte und nicht das Geringste kapierte.



4

„Es ist Zeit zu gehen!“, sagte jemand neben Mirtan und ließ ihn herumfahren.

Gerade noch hatte niemand auf ihn geachtet – jetzt aber doch? Und er hatte es versäumt, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen!

Obwohl es absolut absurd anmutete: Sie würden ihn mit Sicherheit auch ein zweites Mal töten.

Ein zweites Mal töten? Das war ein Satz, der ihn nur noch mehr verwirrte.

Bis er den Mann sah, der zu ihm gesprochen hatte.

Er war in ein seltsames Gewand gekleidet, wie ein Zauberer aus irgendeinem Fantasy-Film. In den Augen von Mirtan Saluk eigentlich absolut lächerlich.

Und der Fremde hatte keine Waffe in den Händen!

Jetzt lachte er freundlich.

„Keine Bange, die anderen können dich nach wie vor nicht sehen, Mirtan Saluk. Nur ich. Aber wir müssen wirklich von hier verschwinden, weil es hier für uns nichts mehr zu tun gibt.“

„Aber wieso…?

„Du bist eigentlich tot. Du siehst es selber. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass dies kein angenehmer Anblick ist. Und wenn die dann deine Leiche entsorgen… Wirklich, glaube mir, das möchtest du nicht wirklich mit ansehen müssen.“

„Aber wieso lebe ich noch? Ist das irgendwie das Leben nach dem Tode oder was? Dann haben die Religiösen vielleicht doch recht mit allem?“

Der seltsam gekleidete Mann, anscheinend mittleren Alters und auf jeden Fall mittlerer Größe, lachte amüsiert.

„Mit einem Leben nach dem Tode hat das nicht das Geringste zu tun. Ich habe lediglich die Zeit angehalten und deinen Tod verhindert. Aber als die Zeit dann weiterlief, bist du trotzdem gestorben. Ein Paradoxon mithin. Schon mal was davon gehört, Mirtan Saluk?“

„Nein!“, antwortete der Polizist wahrheitsgemäß.

„Dachte ich mir… Nun, Mirtan Saluk, du bist ein genialer Polizist, der nur den einen Fehler begangen hat, nämlich den Falschen zu vertrauen. Das hat dich schließlich das Leben gekostet. Was du allerdings überhaupt nicht drauf hast, ist so etwas wie Naturwissenschaft, Mathematik…“

„Bloß nicht!“, stöhnte Mirtan Saluk prompt.

Der Fremde nickte lächelnd.

„Trotzdem will ich dir ein paar kurze Erläuterungen geben, deine Situation betreffend. Auch auf die Gefahr hin, dass du nichts davon verstehst.“

Er deutete eine Verbeugung an.

„Gestatten, ich bin der Zeitreisende.“

„Der Zeitreisende?“, echote Mirtan Saluk verblüfft. „Gibt es nicht!“

Abermals dieses amüsierte Lachen.

„Aha, deshalb liegt ja auch dort deine Leiche im Dreck, während du dich quicklebendig mit mir hier unterhältst, was keiner der weiteren Anwesenden zu bemerken scheint?“

„Äh…“

Der Zeitreisend winkte ab.

„Gut, weiter, nachdem dies geklärt ist: Ich habe dich gerettet, was ein Paradoxon bedeutet. Dabei erzeugte ich nicht etwa eine Art Paralleluniversum, wie allzu naive Gemüter es vermuten, sondern nur eine Phasenverschiebung. Wir befinden uns jetzt in einer parallelen Phase. Man kann auch sagen Zeitlinie, was allerdings nicht wirklich der Wahrheit entspricht, obwohl es vielleicht anschaulicher ist.“

Mirtan schüttelte nur den Kopf.

„Gut“, seufzte der Zeitreisende ergeben, „doch keine genauere Erklärung. Wozu auch? Es ist, wie es ist. Wer es nicht versteht, sollte es einfach so akzeptieren, wie es ist, nicht wahr? Kommen wir lieber zu meinem Motiv für diese Maßnahme: Du bist von ungeheurer Wichtigkeit!“

„Aha, bin ich das?“, zweifelte Mirtan Saluk.

„Ja, in der Tat. Deshalb reiste ich hierher, in die ferne Vergangenheit…“

„Ferne Vergangenheit?“

„Ja, von der Gegenwartslinie aus gesehen einige Jahrtausende sogar, um ein bisschen genauer zu sein.“

„Einige tausend Jahre? Dann behauptest du also, aus der Zukunft zu stammen?“

„Von dir aus gesehen: Ja!“

„Aber wieso?“

„Aha, ich sehe mit Genugtuung, dass du nicht wieder sagst: unmöglich! Und noch einmal: Weil du von ungeheurer Wichtigkeit bist! So wichtig immerhin, dass ich meinen eigenen Kodex brechen musste, nur deinetwegen.“

„Was für ein Kodex?“

„Mich möglichst niemals einzumischen. Weißt du, es gibt für mich keinerlei Beschränkung von Raum und Zeit, bis zur natürlichen Gegenwartslinie selbstverständlich, über die hinaus sogar ich nicht gelangen kann. Obwohl ich ein Wesen bin außerhalb von Raum und Zeit.“

„Aber du siehst aus wie ein Mensch!“, gab Mirtan Saluk zu bedenken.

„Ja, so ungefähr habe ich wohl vor einigen Millionen Jahren ausgesehen, bevor ich mich von meinem eigenen Volk trennte, weil ich sogar innerhalb meines eigenen Volkes ein Außenseiter war, eine Ausnahme, eine Laune der Natur, wenn man so will.“

„Als Zeitreisender?“, vermutete Mirtan Saluk.

„Ganz genau! Ich habe mich also distanziert und bin für immer in den Tiefen des Weltraums verschwunden. Aber da bemerkte ich das Problem, das ich fürderhin hatte.“

„Problem?“

„Ja, als Wesen außerhalb von Raum und Zeit gibt es für mich praktisch keinerlei Beschränkung. Ich kann überall hin und zu jeder Zeit.“

„Bis zur natürlichen Gegenwartslinie?“

Details

Seiten
78
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738924725
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (September)
Schlagworte
raumflotte axarabor komplott gordo

Autor

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Titel: Die Raumflotte von Axarabor  #47 Das Komplott von Gordo