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Raumschiff RUBIKON 3 Die Perle Chardhin

2018 250 Seiten

Leseprobe

Raumschiff RUBIKON 3 Die Perle Chardhin

Alfred Bekker

Im Zentrum der Milchstraße stößt die RUBIKON auf ein bislang verborgenes Sternenreich, das von den käferartigen Treymor regiert wird. Stecken sie hinter der Entvölkerung der CHARDHIN-Perle jenseits des Ereignishorizonts des Super Black Holes? Eine Kommandomission soll darüber Aufschluss geben. Zeitgleich tauchen in Jeltos hydroponischem Garten Artefakte auf, deren Sinn und Zweck erforscht werden muss – bevor es zu spät ist.






Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfredbooks und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay, Adelind, Steve Mayer

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1. Kapitel

An Bord der RUBIKON



Er war eins mit dem Schiff, dessen feine Sensoren zu seinem Auge und Ohr geworden waren, die rochenförmige Konstruktion zur Verlängerung des eigenen Körpers.

Du hast die Kontrolle über die Steuerung der Rubikon zurück!, signalisierte Sesha.

Was ist mit Fontarayn?, fragte John Cloud.

Er hat seinen Sarkophag verlassen, lautete die Antwort der KI.

Cloud war etwas verwirrt. Wollte er uns nicht zu den Koordinaten des verborgenen Saskanensystems führen?

Sesha bestätigte dies. Das hat er getan!, erklärte die KI. Die Positionsdaten sind eingegeben. Sie stehen jederzeit zur Verfügung, ganz gleich, wer die Steuerung der RUBIKON übernimmt.

Cloud fragte sich, weshalb Fontarayn seinen Sarkophag eigentlich verlassen hatte. Kurz zuvor schien es diesem androgyn wirkenden, vollkommen haarlosen Humanoiden, den die RUBIKON-Crew aufgelesen hatte, noch sehr wichtig gewesen zu sein, den Kurs zu bestimmen. Er konnte seine körperliche Gestalt auflösen und in pure Energie verwandeln. In dieser Form war er auch in der Lage, fremde technische Systeme zu infiltrieren und zu übernehmen. Nachdem sein Schiff, mit dem er von Andromeda aus in die Milchstraße gereist war, havarierte, befand sich nun an Bord der einstigen Foronenarche. Inzwischen wussten Cloud und die anderen an Bord, dass er einem Volk angehörte, dass sich als »Gloriden« bezeichnete und ein kosmisches Netz so genannter Chardhin-Perlen verwaltete, mit deren Hilfe die Nullzeit-Reise von Galaxis zu Galaxis möglich war.

Sesha schien zu erraten, was Cloud durch den Sinn ging.

Fontarayn gab an, ein Regenerationszeitquantum nehmen zu wollen!, erklärte die KI.

Was soll das sein?, wollte Cloud wissen.

Seshas Antwort war ernüchternd: Tut mir Leid. Über den gloridischen Metabolismus, ihre Kultur schlechthin, sind bislang in meinen Datenspeichern so gut wie keine Informationen verfügbar.

Ich verstehe, übermittelte Cloud.

Ich nehme an, es handelt sich bei deiner letzten Gedankenübermittlung um eine Botschaft mit verborgenem Hintersinn!, glaubte die KI.

Wie kommst du denn darauf?, erwiderte John Cloud beinahe amüsiert.

Weil deine Botschaft inhaltlich nicht den Tatsachen entsprechen kann!, erläuterte die Künstliche Intelligenz der Rubikon. Es ist unmöglich, dass du verstehst, weshalb Fontarayn seinen Sarkophag verließ, um ein so genanntes Regenerationszeitquantum zu nehmen, weil dir sämtliche zur Beurteilung dieses Sachverhalts relevanten Informationen fehlen – genau wie mir.

Wer wird denn so spitzfindig sein?, erwiderte Cloud.

Darauf ging Sesha nicht weiter ein. Stattdessen meinte sie: Vielleicht interessiert dich noch, dass Fontarayn um eine Möglichkeit bat, geringe Mengen an Energie abzuzapfen, um seinen energetischen Status stabil zu halten.

Dagegen hatte Cloud nichts einzuwenden.

Ein anderer Stein lag ihm auf dem Herzen. Ich hatte gedacht, wir wären uns einig darüber, dass deine Loyalität ausschließlich dem Kommandanten der RUBIKON gilt, stellte er fest.

Sesha bestätige dies. Das ist richtig.

Dann verstehe ich nicht, weshalb du einfach seinen Befehlen folgen konntest und mir jegliche Kontrolle entzogen wurde, als er die Rubikon schnurstracks in das zentralgalaktische Black Hole steuerte!

Diese Frage beschäftigte Cloud schon seit längerem.

Seshas Antwort war verblüffend einfach.

Ich hatte nicht die Möglichkeit, mich dagegen zur Wehr zu setzen, gestand die KI beinahe kleinlaut.



John Cloud lag in einem der sarkophagähnlichen Kommandositze, die ursprünglich für die sieben Hohen der Foronen vorgesehen gewesen waren. Aber die Zeiten, da John Cloud mit den Anführern der Foronen um die Herrschaft über die RUBIKON hatte streiten müssen, waren längst vorbei. Sesha, die allgegenwärtige KI hatte ihn längst als Schiffsführer anerkannt, sodass er die uneingeschränkte Herrschaft über das Schiff inne hatte.

Die RUBIKON bewegte sich mit Hilfe der überall im Weltall vorkommenden Dunklen Energie vorwärts. Seine Ressourcen waren – gemessen an menschlichen Vorstellungen – schier unermesslich.

Was für eine seltsame Odyssee liegt hinter dir!, ging es ihm durch den Sinn. Die eigenartigste und phantastischste Reise, die je ein Mensch unternommen hatte, durch Raum und Zeit. Von der Erde des 21.Jahrhunderts war er in jene Epoche gerissen worden, in der man die Menschen Erinjij nannte und sie als eroberungssüchtige Geißel der Galaxis betrachtete. Von dort aus hatte ihn sein Weg – mehr oder minder als Gefangener der Foronen – in die Große Magellansche Wolke geführt, wo sie auf die alten Feinde der Foronen, die Virgh, gestoßen waren.

Jetzt befand sich das Rochenschiff unweit des galaktischen Zentrums.

Boreguir, der außerirdische Felide mit der eigenartigen Fähigkeit, sich selbst bei Bedarf vergessen zu machen, hatte seine letzte Ruhe auf seiner legendären Heimatwelt Saskana finden sollen, deren Position er auf einer primitiven Sternenkarte in der RUBIKON hinterlassen hatte.

John Cloud nahm mit den Sinnen der RUBIKON den umgebenden Raum wahr: Die Sonnen, die in dieser galaktischen Region ausgesprochen dicht beieinander lagen. Gigantische Materieansammlungen, die Fusionsprozesse von unvorstellbarer Intensität in Gang hielten. Die Lichter der einzelnen Gestirne waren oft gar nicht voneinander zu unterscheiden und bildeten riesige Leuchtfeuer.

Aber da war auch diese gut achtzehn Lichtjahre durchmessende Zone der Leere, in der sich scheinbar nichts befand.

Genau dort aber lag die Position der saskanischen Heimatwelt, die Boreguir angegeben hatte. Ein Landeteam der RUBIKON-Crew war bereits mit einer der speziellen Bordkapsel dort gewesen, um Boreguir das letzte Geleit zu geben.

Anschließend hatte sie eine abenteuerliche Odyssee hinter den Ereignishorizont des galaktischen Super Black Hole geführt. Der an Bord genommene Fontarayn hatte plötzlich die Kontrolle über die RUBIKON übernommen und sie in dieses Land der Albträume vorstoßen lassen, aus dem es unter normalen Umständen eigentlich keine Rückkehr gab.

Nicht einmal das Licht konnte der gewaltigen Gravitation eines Schwarzen Lochs entkommen. Alles, was jenseits des Ereignishorizonts gelangte, war für gewöhnlich rettungslos verloren und wurde unaufhaltsam vom großen dunklen Schlund im Zentrum der Milchstraße angezogen, verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Die Gloriden jedoch schienen Mittel und Wege zu kennen, diese Kräfte zu beherrschen oder zumindest nicht von ihnen vernichtet zu werden.

Fontarayn hatte die Perle Chardhin angesteuert – jene geheimnisvolle Gloridenstation, die Teil eines universalen Netzwerks war.

Aber die Perle war entvölkert gewesen, und Fontarayn verfing sich in einer Falle, die offenbar nur für einen einzigen Zweck konstruiert worden war: um Gloriden auszuschalten.

Nur dem Eingreifen der Rubikon-Besatzung hatte Fontarayn seine Befreiung zu verdanken. Jetzt hatte er das Rochenschiff zurück in die Leerzone geführt, in dem das verborgene Heimatsystem der Saskanen zu finden sein sollte.

Genau dorthin steuerte die RUBIKON nun.

Fontarayn schien keine Schwierigkeiten zu haben, die Koordinaten wiederzufinden, obwohl Sonne und Planeten weder sicht- noch ortbar waren. Es war so, als existiere für ihn die Tarnung überhaupt nicht ...

Unter Beibehaltung der gegenwärtigen Geschwindigkeit werden wir die angegebene Zielposition in etwa drei Stunden erreichen, übermittelte Sesha per Gedankenbotschaft.

Danke, gab Cloud zurück. Kurs und Geschwindigkeit beibehalten.

Ein schnelleres Erreichen des Zielpunktes wäre unter geringfügiger Veränderung einiger Parameter durchaus möglich, belehrte ihn die KI. Wird eine Optimierung gewünscht?

Nein, entgegnete Cloud. Es ist ganz gut, wenn wir uns erst über das weitere Vorgehen einigen können, bevor wir die Zielregion erreichen.

Ich bin überzeugt davon, dass wir uns sehr schnell über das weitere Vorgehen einigen könnten, Cloud, erklärte Sesha.

Cloud musste innerlich über diese Äußerung der KI schmunzeln. Wir beide würden uns mit Sicherheit schnell einigen, meinte er, aber ich möchte auch die anderen Besatzungsmitglieder in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

Seshas Reaktion ließ überraschend lange auf sich warten.

Ich verstehe, gab die KI schließlich ein Signal der Bestätigung. Aber Cloud kannte sie inzwischen gut genug, um zu wissen, dass da noch etwas anderes war. Etwas, das sie nicht verstand.

Übernimm die Steuerung!, wies er die KI an.

Steuerung übernommen!, meldete Sesha. Ich hätte eine Frage an dich, John Cloud. In deiner Erwiderung auf meine Feststellung, dass wir beide uns sicher schnell über die weitere Vorgehensweise einigen würden, schwang ein Bedeutungsgehalt mit, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn richtig erfasst habe.

Ironie?, erwiderte Cloud.

Genau das schien es zu sein, womit Sesha Schwierigkeiten hatte.

Was ist Ironie?, fragte die KI.

Aber Cloud hatte jetzt keine Lust, sich mit Sesha über die Feinheiten menschlicher Kommunikation auszutauschen. Wir unterhalten uns ein anders Mal darüber.

Seshas Erwiderung überraschte Cloud. Auf deine Verantwortung!, äußerte die KI.

Wieso auf meine Verantwortung?, fragte Cloud irritiert.

Nun, falls durch mein mangelndes Wissen über ein Phänomen, das du Ironie nennst, unsere Kommunikationsbasis fehlerhaft sein sollte, liegt die Verantwortung für daraus resultierende Probleme bei dir!, erklärte ihm die KI mit bestechender Logik.

Diese Verantwortung übernehme ich!, war Clouds trockene Erwiderung, wobei ihm erst im Nachhinein bewusst wurde, dass auch in dieser Gedankenbotschaft etwas von jener für Sesha offensichtlich verwirrende Bedeutungsebene mitschwang.

Aber im Moment gab es Wichtigeres, als die Optimierung des Verständnisses zwischen der Schiffs-KI und ihrem Kommandanten.

Cloud öffnete den sarkophagähnlichen Pilotensitz der RUBIKON und erhob sich daraus.



John Cloud ließ den Blick durch die Zentrale der RUBIKON schweifen. Den Großteil der Reise in diese Region des Alls hatte die Besatzung im Staseschlaf verbracht, während das Energiewesen Fontarayn, das unterwegs an Bord genommen worden war, Sesha den Weg gewiesen hatte.

Aber Sesha hatte Cloud und seine zusammen gewürfelte Mannschaft an Bord der RUBIKON deutlich vor Erreichen des Zielgebietes geweckt, was auch sinnvoll schien. Schließlich musste zunächst über das weitere Vorgehen nach Erreichen von Saskana, der Heimatwelt der Saskanen, beraten werden.

Insbesondere ging es auch darum, das Schicksal von Jiim zu klären, dem nargischen Gefährten, der beim ersten Vorstoß auf Saskana zurückgeblieben war.

Es war völlig unklar, was aus ihm geworden war. Möglicherweise lebte er gar nicht mehr.

John Cloud machte einen Schritt nach vorn, auf das senkrechte Holorama der RUBIKON zu. In die Pixel erfüllte Säule ließen sich beliebige Ausschnitte – Fenster – einblenden, die das Außenpanorama wiedergaben, Details heranzoomten oder Bordräume zeigten.

Nur eine einzige Person befand sich außer Cloud im Moment in der Zentrale: Scobee.

Sie war Teil eines Klonprogramms der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gewesen und hatte Cloud vom Beginn einer erstaunlichen Odyssee an begleitet; mitunter waren seine Gefühle ihr gegenüber durchaus ambivalent gewesen. Aber das gehörte ebenso der Vergangenheit an wie die Regierung der seit mehr als zweihundert Jahren nicht mehr existenten Erdstaaten oder das damalige GenTec-Programm zur genetischen Optimierung der Menschen – es war von einem weitaus perfekteren und ausgeklügelteren Klonverfahren der Jay’nac und deren »Statthalter auf Erden«, der Keelon-Master, abgelöst worden.

Die Klonfrau mit der sportlichen Figur und den charakteristischen Tätowierungen, die bei ihr die Augenbrauen ersetzten, stand an einer Konsole und war darin vertieft, sich Messdaten aus der unmittelbaren Umgebung der RUBIKON anzeigen zu lassen, sodass sie Cloud im ersten Moment gar nicht zu bemerken schien.

»Wir müssen entscheiden, was wir tun, sobald wir Saskana erreichen«, stellte Scobee schließlich fest und sah auf.

Cloud nickte. Sein Blick hing an dem Ausschnitt des Weltalls, den die Holosäule naturgetreu wiedergab. Man hatte das Gefühl, tatsächlich nur ein paar Schritte tun zu müssen, um wie durch eine offene Tür in den freien Raum hinausschreiten zu können.

»Ich bin für einen erneuten Kapselvorstoß«, bekannte Scobee unverblümt.

John Cloud hob die Augenbrauen. »Dir ist schon klar, dass die Anzahl der Rettungskapseln an Bord der RUBIKON begrenzt ist und für einen sehr, sehr langen Zeitraum reichen muss?«, fragte er.

Scobee hob leicht die Schultern und bedachte Cloud mit einem nachdenklichen Blick. »Ich sehe keinen anderen Weg, um herauszufinden, was mit Jiim passiert ist. Und dass wir ihn einfach so zurücklassen, ohne uns darum zu kümmern, was aus ihm geworden sein mag, wirst du ja wohl nicht ernsthaft in Erwägung ziehen!«

»Natürlich nicht. Aber es macht auch keinen Sinn, erneut ein Landeteam auf die Saskanenwelt zu schicken, dessen Mission dann genauso zum Scheitern verurteilt ist, wie es beim ersten Mal der Fall war.«

»Ach – und wie lautet die Alternative?«

John Cloud atmete tief durch. »Schon gut, aber wir müssen diesmal wenigstens sicherstellen, dass unser Einsatzteam mehr Erfolg hat. Vielleicht ist tatsächlich ein Kapselvorstoß die einzige Möglichkeit, herauszufinden, was mit Jiim passierte und gleichzeitig mehr über Saskana selbst in Erfahrung zu bringen.«

»Unser Wissen über Boreguirs Heimatwelt ist mehr als lückenhaft«, pflichtete sie ihm bei. »Wir wissen weder, was es genau mit diesen Angriffen von Flugmaschinen auf die Dörfer der Saskanen auf sich hat, noch haben wir ein Mittel, dem wir bedenkenlos vertrauen können, was den gefährlichen Schwingstaub betrifft. Wobei ...« Sie stockte kurz. » ... ich glaube, dass Sesha, was das angeht, durchaus erfinderisch genug ist, uns mit etwas auszustatten, das eine erneute Schwächung sowohl unserer Technik als auch parapsychischer Begabungen verhindert. Falls du in Erwägung ziehst, erneut auf Algorian zurückzugreifen.«

Cloud wiegte unentschlossen den Kopf. Ihr Optimismus, Sesha betreffend, irritierte ihn ein wenig. Die KI war durchaus kein absoluter Garant für die Sicherheit eines zweiten Außeneinsatzes. Auch sie stand einem ungelösten Phänomen gegenüber.

»Ich weiß, was du denkst«, behauptete Scobee. »Ich kann es dir von der Stirn ablesen.« Sie deutete auf die Anzeigen ihrer Konsole. »Aber ich habe mir von Sesha bereits verschiedene Varianten von Schutzfeldern durchspielen lassen, die den schädlichen Einfluss des Schwingstaubs neutralisieren sollen. Die Resultate sind bislang zwar noch etwas durchwachsen, aber ...«

»Versuch nichts schönzufärben, was einfach nicht funktioniert – oder nicht in ausreichendem Umfang wirkt«, sagte er.

»Wobei ich anmerken möchte, dass ich dabei bin, sämtliche Fehlerquellen auszumerzen«, meldete sich eine künstliche Stimme aus dem Off. »Die Verfügbarkeit eines nahezu perfekten Schutzes ist nur eine Frage der Zeit.«

Cloud musste unwillkürlich schmunzeln. Für einen Moment hatte er den Eindruck gewonnen, Sesha würde beinahe beleidigt klingen – und händeringend nach Argumenten suchen, um ihrem Status als fast allwissendes Bordhirn gerecht zu werden.

»Wie viel Zeit?«, fragte er.

»Ich verwende derzeit etwa zwanzig Prozent meiner Rechnerkapazitäten darauf, eine zufrieden stellende Lösung anzubieten«, erwiderte Sesha – was Clouds Frage aber keineswegs beantwortete.

Einige Augenblicke lang herrschte Schweigen.

Scobee hatte auf ihrer Konsole ein Display aktiviert. Es zeigte den verborgenen Planeten Saskana, dessen Darstellung auf den Scan-Daten beim ersten Besuch der RUBIKON basierte. Saskana befand sich mitten in der Zone scheinbarer Leere, die jedem Betrachter sofort als für das galaktische Zentrum vollkommen untypisch auffallen musste. Achtzehn Lichtjahre pures Nichts inmitten der größten und dichtesten Materiezusammenballung um Umkreis von mehreren hunderttausend Lichtjahren – das widersprach einfach zu sehr allen Gesetzen der Masseverteilung, als dass man es als gegeben hinnehmen konnte.

Es waren nur die groben Konturen der Oberfläche auf dieser Projektion zu sehen. In Äquatornähe war ein Punkt rot markiert. Die Markierung blinkte rhythmisch auf. Scobee deutete darauf und sagte: »Genau an dieser Position befindet sich die von korallenartiger saskanischer Vegetation überwucherte Foronenstation ...«

»Womit das Ziel unseres Kapselvorstoßes vorgegeben ist«, sagte Cloud. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: »Wenn wir einen neuerlichen Ausflug unternehmen, müssen wir das Außenteam klein halten.«

»Um das Risiko zu minimieren?«

»Ja.«

»An wen hast du gedacht?«

»Wiederum Algorian.«

»Eine gute Wahl – falls wir den Staub in den Griff bekommen. Und sonst?«

»Jarvis. Ich bin überzeugt, dass wir seinen Nanokörper am ehesten vollumfänglich gegen den Schwingstaub schützen können. Außerdem ...«

» ...war er, wie Algorian, schon ersten Mal dabei.«

Cloud nickte. »Wo ist eigentlich Fontarayn?«

Scobee lächelte flüchtig. »Unser gloridische Gast hat sich zurückgezogen, kurz nachdem du die Steuerung via Sarkophag übernommen hattest. Und da er momentan auch nicht als Lotse vonnöten ist ....« Sie zuckte die Achseln. »Ich habe keine Ahnung, ob Wesen dieser Art irgendein Ruhebedürfnis haben.«

Cloud nickte. »Sesha, ich möchte mit Fontarayn sprechen.«

»Ich lokalisiere ihn«, erwiderte die KI.

In der Holosäule erschien ein dreidimensionales Abbild der RUBIKON. Der Raum, in dem sich der Gloride befand, war markiert. »Den bioenergetischen Werten nach scheint unser Gast aktiv zu sein«, stellte Sesha fest. »Allerdings fehlen mir in diesem Fall die Vergleichsparameter, sodass die Irrtumswahrscheinlichkeit recht hoch angesetzt werden muss.«

»Ich werde mich zu ihm begeben«, sagte Cloud und ging auf einen der Türtransmitter in der RUBIKON-Zentrale zu. Augenblicke später war er entmaterialisiert.



Fontarayn hatte die Gestalt eines androgynen Humanoiden angenommen, als John Cloud sein Quartier betrat. Der Gloride hatte darauf verzichtet, diesen Bereich nach seinen Bedürfnissen modifizieren zu lassen, was ohne weiteres möglich gewesen wäre.

Cloud erinnerte sich in diesem Augenblick an das erste Zusammentreffen mit dem Energiewesen. Die RUBIKON hatte einen Notruf empfangen und wenig später einen zylindrischen »Gegenstand« an Bord genommen.

Aber schon in den nächsten Augenblicken hatte Fontarayn seine Gestalt verändert und seinem Körper – wenn das denn der richtige Ausdruck dafür war – eine quasi-humanoide Form gegeben, mit der er sich möglicherweise an seine Umgebung angepasst hatte.

Das Wesen hatte sich vorgestellt und gleich darauf aufgelöst. Wie sich sehr schnell herausstellte war es in das Schiff selbst hineingesickert und hatte problemlos Sesha übernommen, ohne, dass es irgendwelche spürbaren Hindernisse gegeben hätte.

Die Fähigkeiten des Gloriden waren beängstigend, aber da er nicht bestrebt schien, erneut die Macht an Bord an sich zu reißen, sondern sich mit der Rolle eines hilfreichen Gastes zufrieden gab, sah Cloud derzeit keinen Anlass zur Besorgnis. Zumal sie auf die Unterstützung des Gloriden durchaus angewiesen waren ...

»Sei gegrüßt, John Cloud«, sagte Fontarayn. »Ich habe mir erlaubt, mich etwas zurückzuziehen, nachdem meine Anwesenheit auf der Brücke zeitweilig entbehrlich schien.«

»Wenn wir das Rätsel der Saskanenwelt lösen wollen, werden wir deine Hilfe benötigen.«

»Ich bin ein Gast – aber ich helfe gerne.«

Er hätte jederzeit die Macht, mehr zu sein, als nur ein Gast!, ging es Cloud durch den Sinn. Über diesen Punkt gab er sich keinerlei Illusionen hin. Aber er verzichtet darauf. Jedenfalls im Moment ... Offenbar verfolgt er seine eigenen Absichten. Es wäre vielleicht nicht schlecht, mehr darüber zu wissen ...

»Uns interessiert, was mit unserem Gefährten Jiim auf der Saskanenwelt geschehen ist. Vielleicht ist er tot, und unsere Bemühungen sind vollkommen umsonst. Aber ich habe die Hoffung nicht aufgegeben, dass er lediglich in Gefangenschaft geraten ist.«

»Das ist nachvollziehbar für mich«, sagte der Gloride.

»Diese Leere, die wir durchfliegen, ist ebenso ein Rätsel wie Saskana selbst.«

»Leere in einem Gebiet mit derart hoher Materiedichte ist ein absolut unnatürlicher Zustand«, bestätigte der Gloride, der sich Cloud nun ein Stück weit näherte. »Aber vielleicht kann ich mit eurer Hilfe dazu beitragen, es zu lösen.«

»Was hättest du selbst davon?«

»Es ... wäre auch mir wichtig.«

Er weicht aus!, erkannte Cloud.

»Wichtig?«, echote Cloud. »Wichtig wofür und weshalb?«

»Wichtig für mich«, erklärte der Gloride. »Die Möglichkeit eines erneuten Kapselvorstoßes, wie er schon einmal erfolgte, könnte ich nur begrüßen.«

Er muss zwischenzeitlich Kontakt zu Sesha gehabt haben!, erkannte Cloud. Anders war es nicht erklärlich, dass er von diesem Plan offenbar bereits wusste.



Jarvis’ Körper war humanoid und schien sich aus Milliarden winzigster Insekten zusammenzusetzen. Und diese Insekten gerieten manchmal allesamt in Bewegung, um sich umzustrukturieren, eine neue Form zu bilden, ganz nach Bedarf des Bewusstseins, das ihnen innewohnte, seit der originale Körper des GenTec gestorben war und er diese »Hightech-Prothese« erhalten hatte.

Die einmal die Rüstung eines Foronen-Hohen gewesen war. Monts Panzerung aus Nanopartikeln. Inzwischen hatte Jarvis gelernt, seinen Ersatzkörper und dessen erstaunliche Möglichkeiten zu handhaben. Einzig und allein sein Denken war menschlich geblieben.

Und seine Gefühle, seine Sehnsüchte?

Je länger er in der Nanohülle steckte, desto mehr fragte er sich, was der Begriff »menschlich« in Bezug auf ihn eigentlich noch bedeutete.

Letztlich war ihm nichts anders übrig geblieben, als die Tatsachen zu akzeptieren und anzuerkennen, dass seine Existenz als Geschöpf aus Fleisch und Blut ihr Ende gefunden und danach etwas Neues begonnen hatte. Etwas, das vielleicht mit nichts vergleichbar war, was je zuvor einem Menschen widerfuhr.

Nun war er Jarvis – der einzige seiner Art. Ein Wesen, das mühelos seine Gestalt wandeln oder Wände durchdringen konnte. Selbst im freien Weltraum vermochte er zu überleben.

In der Decke über ihm bildete sich ein trichterförmiger Fortsatz. Ein Blitz zuckte daraus hervor, und im nächsten Moment umgab Jarvis’ Körper eine Lichtaura, die jedoch in den nächsten Augenblicken so weit wieder verblasste, dass sie kaum noch wahrnehmbar war.

»Dieses körpernah anliegende Energiefeld müsste dich ausreichend von dem schädlichen Einfluss des Schwingstaubs abschirmen«, erklärte Seshas Kunststimme aus dem Off. »Ich habe das Feld speziell auf die Struktur deiner Nanopartikel kalibriert. Es könnten vielleicht noch ein paar Feinabstimmungen nötig sein, aber davon abgesehen denke ich, dass ...«

»Wie deaktiviert man dieses ... ›Ding‹!«, brummte Jarvis.

»Du kannst es selbst tun«, erklärte Sesha. »Der Projektor wurde in deine Körpersubstanz integrier und ist umhüllt von deinem Nanogewebe. Ich gebe zu, die Implantierung geschah etwas zu schnell, aber wenn du deine Cyber-Sinne einen Augenblick lang die immanente Fließstruktur deines Nanokörpers entlangfahren lässt, wirst du es erkennen.«

»Ja ...«, bestätigte Jarvis.

Er streckte die Pseudoarme aus, als würde er sich strecken.

Die Struktur seiner Hülle hatte sich seit der Aktivierung des Feldes durch Sesha merklich verändert.

Die zuvor chaotisch wirkenden Ströme, die ohne Richtung durcheinander zu fließen schienen, wie sich gegenseitig durchdringende Heerzüge winziger ameisenähnlicher Tiere, von denen jedes einzelne einem unvorstellbar kleinen schwarzen Punkt glich, hatte sich umgeordnet. Die Ströme, die die Winzlinge jetzt bildeten, wurden größer und breiter. Es gab wenige Abweichungen von den großen Hauptlinien. Das Chaos war einem bestimmten Muster gewichen.

Jarvis fand den Projektor, den Sesha mehr oder minder in ihn hineingeschossen hatte, ohne dass dabei allerdings Schaden an Jarvis’ amorphem Körper entstanden war oder er beeinträchtigt worden wäre.

Es handelte sich um ein quaderförmiges Modul, das nun gänzlich von den Nanoteilchen eingehüllt und von diesen als neuer Bestandteil von Jarvis’ Körper anerkannt wurde. Auch das gehörte zu seinen gemessen an menschliche Möglichkeiten erstaunlichen Fähigkeiten: Die problemlose Integration von neuen Bauteilen. Zumal es sich in beiden Fällen um Foronentechnologie handelte. Es dauerte nur einen Augenblick und der Projektor war Teil seiner selbst geworden.

Jarvis deaktivierte das Feld.

Die Nanoströme auf der Oberfläche seines Körpers fielen in ihre althergebrachte Strukturen zurück.

»Wir werden tatsächlich noch einiges daran modifizieren müssen«, meinte Jarvis kritisch.

Er hatte die Veränderung seiner Nanoströme spüren können. Das Energiefeld, dessen Aufgabe es war, ihn von den schädlichen Auswirkungen des Schwingstaubs zu schützen, hatte offenbar den Partikeln seine spezifische Feldstruktur aufgezwungen, was Jarvis im ersten Moment fast aus dem Gleichgewicht gebracht hätte.

Für ihn war es zuerst fast wie ein k.o.-Schlag gewesen. Nur mit äußerster Mühe hatte er das Bewusstsein und die Kontrolle über seinen Nanokörper aufrechterhalten können.

»Dieses Feld muss sofort nach der Ankunft auf Saskana aktiviert werden«, erläuterte Sesha.

Scobee hatte die Szene mit skeptischem Gesicht beobachtet, enthielt sich aber eines Kommentars. Auf einer der Anzeigen ihres Holodisplays wurde mit einer schematischen, dreidimensionalen Darstellung veranschaulicht, wie groß der Abstand zur Position des Systems noch war, in dem Saskana unsichtbar um seine gleichfalls unsichtbare Sonne kreiste. Die RUBIKON hatte den Zielort nahezu erreicht. Es wurde also Zeit, dass für die noch ungelösten Probleme praktikable Lösungen gefunden wurden.

»Ich werde jetzt die Feinjustierung des Projektors vornehmen«, erklärte Sesha.

»Bitte nicht mit der Brachialmethode wie eben!«, erwiderte Jarvis, den die Prozedur wohl doch etwas mehr mitgenommen hatte, als er zugeben wollte.

»Keine Sorge. Die eigentliche Kalibrierung musst du ohnehin selbst vornehmen. Der Projektor ist schon zu sehr Teil deines Nanokörpers geworden«, erklärte Sesha.

Ein schnurgerader, gebündelter Lichtstrahl fuhr aus derselben trichterförmigen Vorrichtung in der Decke, mit der auch der Projektor in Jarvis’ Körper implantiert worden war.

Es war ein Datenstrahl, der die noch zu justierenden Feineinstellungen an dem Gerät vornahm. Das Ganze dauerte nur ein paar Sekunden, dann verblasste der Strahl.

Jarvis Körperform löste sich auf. Er schien in sich zusammenschmelzen, bildete zunächst ein klumpenförmiges Etwas, das wie ein ungeheuer dicht gedrängter Insektenschwarm wirkte, bevor sich die humanoide Körperform, die er bevorzugte, rekonstruierte.

Jarvis aktivierte den Feldprojektor.

Im nächsten Moment umflorte ihn erneut die rasch verblassende Lichtaura. Es war deutlich sichtbar, dass sich die Ströme seiner Nanopartikel auch diesmal neu konfigurierten – aber die Differenz zu der vorherigen, chaotisch wirkenden Struktur war nicht so gravierend wie beim ersten Mal.

»Die Anpassung ist abgeschlossen«, bestätigte Jarvis und deaktivierte das Feld wieder. »Wenn ich dadurch sicher sein kann, dass mich dieser Schwingstaub nicht wieder außer Gefecht setzt, nehme ich die geringfügigen Nebenwirkungen im Hinblick auf die Integrität meines Nanokörpers gerne in Kauf.«

Wenn jemand, dessen Körper aus feinsten, im Zweifelsfall autonom agierenden Partikeln besteht, von der Integrität seiner Gestalt spricht, kann man das ja wohl nur als pure Ironie auffassen!, ging es Scobee durch den Sinn.

Ein mattes Lächeln glitt über ihr Gesicht.

Fast ein Reflex.

Aber dieses Lächeln erstarb, als sich die Vorderseite von Jarvis’ Kopf, sein »Gesicht«, in ihre Richtung wandte.

Augenlos.

Ein wimmelndes amorphes Etwas, das mit einem menschlichen Antlitz nicht mehr das Geringste zu tun hatte. Dementsprechend fehlte für Scobee auch jegliche Möglichkeit, sich anhand mimischer Regungen über die genaue Bedeutung von Jarvis’ Worten rückzuversichern.

Wir sind einmal gleich gewesen, dachte sie beklommen. Klone des GenTec-Programms. Was ihm zugestoßen ist, hätte auch mir widerfahren können.

Sesha erlöste sie beide aus der Verlegenheit.

»Ich habe eine ähnliche Apparatur für Algorian vorgesehen, dessen Psi-Fähigkeiten durch die Auswirkungen es Schwingstaubs ja ebenfalls stark beeinträchtigt wurde«, erklärte die Schiffs-KI. Die Wiedergabe der Holosäule veränderte sich. Eines der eingeblendeten Fenster, das bislang einen Überblick über die fortlaufend durchgeführten Scans der näheren Raumumgebung präsentiert hatte, schmolz in sich zusammen und wich einem kugelförmigen Gebilde, das sich innerhalb von Sekundenbruchteilen in ein Abbild des Aorii Algorian verwandelte. Eine schlanke, humanoide und völlig haarlose Gestalt mit blaugrün schimmernder Haut. Am Gürtel trug sie ein quaderförmiges Modul, das jetzt von Sesha näher herangezoomt wurde.

Ja, dachte Scobee. So müsste das funktionieren.

In diesem Moment rekonfigurierte sich abrupt jener Abschnitt der Holosäule, in der die Ortungsscans angezeigt wurden.

Ein Alarmsignal schrillte.

»Unbekanntes Objekt nähert sich mit halber Lichtgeschwindigkeit!«, meldete Sesha.



Algorian ging in dem mit Pflanzen aller Art bewachsenen Raum auf und ab. Er holte zu einer entschiedenen Geste aus. »Ich kann mich nur wiederholen«, sagte er. »Dieser dunkle Schemen, der Jiim quasi vom Himmel pflückte, hat gedacht. Da bin ich mir hundertprozentig sicher – trotz meiner nur schwach ausgebildeten telepathischen Begabung.«

Algorian atmete tief durch und blickte zu seinen beiden Gesprächspartnern. Da war zum einen das zehnjährige Mädchen Aylea und zum anderen der Florenhüter-Klon Jelto, in dessen Raum sie sich aufhielten. Die besondere Verbindung zu Pflanzen spiegelte sich in der »Einrichtung« überdeutlich wieder. Jelto war in der Lage, mit Pflanzen auf empathischer Ebene zu kommunizieren. Jene Flora, um die er sich seinerzeit auf der Erde kümmern musste, hatte er als »seine Kinder« betrachtet und die Trennung von ihnen war für ihn ausgesprochen schwierig gewesen. Schließlich war er zu nichts anderem ausgebildet worden, als sie zu beschützen, sie zu hegen und zu pflegen. Allein das Abreißen des geistig-emotionalen Bandes zu diesen Pflanzen hatte ihm regelrechte körperliche Beschwerden verursacht. Zeitweilig hatte er sich in einem Zustand befunden, der dem Wahnsinn sehr nahe kam.

Doch inzwischen hatte sich sein Zustand längst stabilisiert.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Umstand, dass er an Bord der RUBIKON Pflanzen halten konnte. Ein zweiter stabilisierender Faktor war die Freundschaft zu dem Mädchen Aylea, die ihren Anfang wohl schon während ihrer gemeinsamen Odyssee durch das Getto 1 genommen hatte, wohin die Ausgestoßenen verbannt worden waren.

Aber das alles schien ihrem Gefühl nach lange zurückzuliegen. Es war fast wie eine Erinnerung aus einem anderen Leben, die mit ihrer jetzigen Existenz kaum noch etwas gemein hatte. Eins stand jedenfalls fest: Weder Jelto noch Aylea konnten hoffen, die Erde jemals wiederzusehen.

»Konntest du etwas von diesen ›Gedanken‹ näher spezifizieren?«, fragte Jelto in die entstehende Stille hinein.

Algorian hob leicht den Kopf. »Nein«, sagte er.

»Und doch bist du dir sicher, dass du Gedanken wahrgenommen hast?«

»Ja. Ich weiß, dass das widersprüchlich klingt, aber so ist es nun einmal. Leider besitze ich nicht das überragende Psi-Talent meines Hassbruders Rofasch. Ich bin nur ein Zweitling ...«

»Es kommt nichts dabei heraus, wenn wir Algorian nach den feinsten Nuancen seiner Wahrnehmung löchern«, meldete sich nun eine Stimme zu Wort, die direkt aus dem dichten Gewirr des künstlich angelegten Dschungels kam. Ein Rascheln folgte, dann eine Bewegung. Auf den ersten Blick war der Sprecher gar nicht als solcher erkennbar gewesen, was sich nun änderte. Der Aurige Cy kam zum Vorschein. Ein intelligentes Pflanzenwesen, das auf den ersten Blick wie ein wuchernder Strauch wirkte, aber nicht durch Wurzeln an die Erde gekettet war, sondern sich bestens fortzubewegen wusste. Dutzende von Sinnesknospen musterten Algorian aufmerksam. »Wenn wir alles bedenken, was wir bislang über Jiims Verschwinden wissen, können wir nur zu der Feststellung gelangen, dass nichts davon sicher ist. Was also war das für Schemen? Wirklich eine denkende Lebensform? Algorian konnte keine verwertbaren Gedanken empfangen. Aber könnte es nicht einfach so sein, dass er die Gedanken dieses Wesens nur nicht ... versteht?«

In diesem Augenblick ertönte ein Kommunikationssignal, und dann meldete sich Seshas Stimme. »Begebt euch unverzüglich zur Zentrale«, verlangte die KI. »Das ist eine Anweisung des Kommandanten. Es gilt höchste Alarmbereitschaft!«


2. Kapitel

Rückkehr



Nach und nach fand sich die komplette gegenwärtige Besatzung in der Kommandozentrale der RUBIKON ein.

»Maximaler Zoomfaktor«, meldete Sesha. In der Holosäule der RUBIKON wurde eine entfernt humanoide Gestalt sichtbar. Sie war in eine golden schimmernde Rüstung gehüllt und hatte ... Flügel.

»Das ist Jiim!«, stieß Algorian hervor. »Daran kann es überhaupt keinen Zweifel geben.«

»Sesha! Identität noch einmal überprüfen!«, forderte Cloud.

»Identitätsprüfung abgeschlossen«, meldete sich Sesha nur Augenblicke später. »Sämtliche aus dieser Distanz messbaren Parameter stimmen mit den Vergleichswerten von Jiim aus dem Volk der Nargen überein.«

»Lebenszeichen?«

»Sind vorhanden«, bestätigte Sesha. »Allerdings fehlen mir die Vergleichswerte, um beurteilen zu können, ob sie für nargische Verhältnisse im tolerablen Rahmen liegen. Die Wahrscheinlichkeit dafür setze ich allerdings nur mit zwanzig Prozent an.«

In einem Holofenster wurde die aktuelle Geschwindigkeit des armierten Körpers eingeblendet.

Scobee schüttelte fassungslos den Kopf.

»Halbe Lichtgeschwindigkeit! Mein Gott, wie kann er dermaßen schnell sein? Er rast ja geradezu auf uns zu!«

John Cloud wandte sich an Fontarayn. »Hast du eine Erklärung dafür?«

Der Gloride wich einer konkreten Antwort aus, wie Cloud es zuvor schon das eine oder andere Mal bemerkt hatte. »Letztlich ist die Geschwindigkeit eines Körpers im All nur von einem kinetischen Ausgangsimpuls abhängig!«

Damit mochte er Recht haben.

»Objekt wird in wenigen Sekunden aufprallen«, meldete Sesha. »Ausweichmanöver ist unmöglich, da eine permanente Angleichung an unseren Kurs vollzogen wird. Schutzschirm wurde aktiviert. Es besteht auf Grund der erheblichen relativen Geschwindigkeit des Objekts die Gefahr, dass die Außenhülle durchschlagen wird!«

Wie ein Geschoss von unvorstellbarer Wucht würde Jiim gegen die RUBIKON-Ummantelung schlagen.

»Maximale Beschleunigung!«, forderte Cloud. »Und dann: Parallelkurs!«

»Ausweichmanöver unmöglich«, war die lapidare Antwort der Schiffs-KI. »Immer noch exakte Kursangleichung durch das Objekt. Maßnahmen gegen den Aufprall wurden ergriffen. Es besteht keine ernstzunehmende Gefahr für den Bestand des Schiffes.«

Und für Jiims Bestand?, dachte Cloud düster.

Doch es kam anders.

Sekunden ergingen.

»Geschwindigkeit sinkt«, stellte Scobee plötzlich fest.

Sie deutete dabei auf die Anzeigen.

Kurz bevor der Körper des Nargen in seinem goldenen Nabiss auf die RUBIKON prallen konnte, bremste der Narge abrupt ab.

Seine relative Geschwindigkeit zur RUBIKON sank auf Null.

»Das ist vollkommen unmöglich«, stellte Jarvis fest. »Was ist mit den Gesetzen der Trägheit. Befinden wir uns etwa in einem Raumsektor, in dem die nicht mehr gelten?«

»Auch ein paar andere Naturgesetze scheinen es sich hier etwas schwerer zu tun, als im Rest des Universums«, ergänzte Scobee und spielte damit auf die nur scheinbare Leere an, die das Gesicht dieses Sektors prägte.

»Jiim soll sofort an Bord genommen werden!«, verlangte Cloud.

In der Holosäule wurde von Sesha schematisch dargestellt, wie ein Traktorstrahl den frei im All schwebenden Jiim durch die Hauptschleuse der RUBIKON an Bord zog. Dann schaltete die KI auf Realsicht um, und sie wurden Zeuge, wie die bordeigenen Spinnenroboter den Nargen in Empfang nahmen.



Über einen der Türtransmitter gelangten Cloud, Jarvis und Algorian in den Haupthangar.

Jiims Körper befand sich zunächst in einer Art Leichenstarre. Allerdings wurde durch einen durch Sesha durchgeführten medizinischen Sofortscan festgestellt, dass alle Lebensfunktionen des Nargen intakt waren und offenbar keine akute Lebensgefahr bestand.

Die Spinnenroboter hatten bereits die Anweisung zum Abtransport in die Medostation erhalten, als sich plötzlich ein Flügel des Nargen leicht bewegte. Er hob sich schwach. Als nächstes rührte sich ein Bein. Die Erstarrung, die seinen Körper befallen hatte, wich von ihm. Sesha registrierte penibel, dass sich die Atemtätigkeit des geflügelten Wesens normalisierte.

Jiim rang dennoch sichtbar nach Luft. Sein vom Helm des Nabiss bedeckter Kopf wandte sich in Clouds Richtung.

»Ich danke dir«, erklärte er. Ein Augenblick des Schweigens folgte, ehe er fortfuhr: »Es ist schön, wieder an Bord zu sein.«

»Wir haben uns große Sorgen um dich gemacht«, ergriff Algorian das Wort, noch ehe Cloud etwas hatte sagen können. »Was ist geschehen? Ich habe nur einen undeutlichen Schemen bemerkt, der irgendwie ...«

»Ja?«, hakte Jiim nach, als der Aorii stockte.

Algorians Blick war von einer Sekunde zur anderen nach innen gewandt. Er schien durch die anderen hindurch zu sehen und sich auf irgendetwas sehr stark zu konzentrieren. Einen Moment später schloss er sogar die Augen, um eine noch bessere Konzentration zu gewährleisten.

»Kannst du seine Gedanken wahrnehmen?«, fragte Cloud den Aorii-Zweitling.

»Ich kann immerhin bestimmen, dass er nachgedacht hat. Allerdings nicht worüber und zu welchem Zweck. Aber ich weiß, dass wir keinen Fremden an Bord geholt haben.«

»Du musst uns berichten, Jiim!«, forderte Cloud den Nargen auf.

»Das werde ich tun!«, versprach der so unverhofft Wiedergekehrte.

Er erhob sich langsam. Betastete mit seinen Händen, die aus den Flügeln hervortraten, als gehörten sie nicht recht dazu, die glatte, metallisch wirkende Außenhülle des Nabiss. Er stand auf. Algorian half ihm dabei. Die Flügel zuckten einmal heftig und falteten sich dann auf Jiims Rücken zusammen.

»Bringen wir ihn in die Zentrale!«, schlug Algorian vor.

»Ja«, stimmte Cloud zu. »Denn er hat uns einiges zu erzählen ... und zu erklären ...«




3. Kapitel

Jiims Geschichte



Da war die undeutliche Erinnerung an einen dunklen Schemen und eine Kraft, die ihn umschloss, gefangen hielt, fesselte ... Es war unmöglich, dafür einen Begriff zu finden, der auch nur annähernd das auszudrücken vermochte, was Jiim im Zusammenhang mit dieser Erinnerung empfand.

Danach war jedenfalls zunächst einmal alles dunkel gewesen. So als hätte jemand einfach ein Stück aus seinem Leben herausgetrennt und gelöscht.

Jiim erwachte.

Er stellte fest, dass sein Körper nach wie vor vom Nabiss bedeckt war und ihm niemand die golden schimmernde Rüstung abgenommen hatte. Offenbar war demjenigen, der ihn gefangen genommen hatte, nichts über die Kräfte bekannt, die dem Nabiss innewohnten. Kräfte, mit deren Hilfe sich auch massive Steinwände durchdringen ließen ...

Umso besser, überlegte der Narge in der Hoffnung, nicht lange in diesem Gefängnis zubringen zu müssen – wer auch immer ihn hier eingesperrt haben mochte. Und dass es sich bei seiner Umgebung tatsächlich nur um ein Gefängnis handeln konnte, daran bestand für ihn von der ersten Sekunde des Erwachens an nicht der geringste Zweifel.

Der Raum, in dem er sich befand, war kahl, die Wände schimmerten glatt. An der Decke leuchtete eine mäßig helle Lichtquelle. Einen Ausgang schien es nicht zu geben, was nur bedeuteten konnte, dass er sehr geschickt verborgen worden war.

Der Narge bewegte sich leicht, setzte sich auf und entdeckte in der anderen Ecke des etwa dreißig Quadratmeter großen Raumes eine kauernde Gestalt. Sie befand sich zunächst im Schatten, sodass Jiim nicht viel mehr als die ausgefahrenen Rückenstacheln sowie die Umrisse des feliden Kopfes erkennen konnte.

Ein Saskane!, erkannte Jiim sofort, den der Fremde sofort an den verstorbenen Boreguir erinnerte.

Der Katzenartige erhob sich und musterte Jiim mit einem Blick, der nach Interpretation des Nargen zunächst einmal Misstrauen ausdrückte.

Jiim fiel auf, dass sich die Kleidung des Saskanen, mit dem er seine Zelle und das Schicksal als Gefangener teilte, deutlich von dem martialischen Äußeren unterschied, das für Boreguir so kennzeichnend gewesen war. Statt der Montur eines Kriegers trug dieser Saskane eine weit fallende Tunika aus grauem Stoff, die allerdings auf dem Rücken über spezielle Öffnungen für die ausfahrbaren Stacheln verfügte.

Schließlich unterlag das Ausfahren dieser Rückenstacheln bei Saskanen nicht immer der willentlichen Kontrolle, sondern geschah oft einfach aus einem Reflex heraus.

Der Saskane kam jetzt aus seiner Ecke hervor und näherte sich Jiim zögernd. Als er in den Schein der Lichtquelle trat, fiel Jiim auf, dass die Haut des Feliden einen Farbton angenommen hatte, der dem Grau seines Gewandes ähnelte.

Möglicherweise, so glaubte Jiim, war dies darauf zurückzuführen, dass sein Zellengefährte schon sehr lange in diesem Verlies vor sich hin vegetierte und für lange Zeit kein Sonnenstrahl seine Haut berührt hatte.

»Ich bin Jiim«, stellte sich der Narge vor. Er benutzte dabei die Sprache Boreguirs, deren Wortschatz und Grammatik auf dem Übersetzungschip gespeichert waren, den Sesha in Jiims Rüstung integriert hatte.

Die Reaktion des Saskanen verlief jedoch alles andere als wunschgemäß. Er wich ein Stück zurück und stieß einen unartikulierten Laut aus, den Jiim als einen Ausdruck der Furcht interpretierte.

Vielleicht gehört die Gruppe, der dieser Saskane zuzuordnen ist, einem anderen Dialekt an, überlegte Jiim. Es konnte also sein, dass seine als freundliche Begrüßung gemeinten Worte von seinem Gegenüber völlig missverstanden wurden.

Eine andere Möglichkeit war die, dass dieses Wesen schon dermaßen lange hier gefangen gehalten wurde, dass es jegliches Vertrauen – gleichgültig ob in sich selbst oder in andere – verloren hatte.

Jiim hob die von seinem Nabiss bedeckten Hände.

Geöffnete und augenscheinlich waffenlose Hände waren als universelles Friedenszeichen kaum misszuverstehen, glaubte Jiim. Gleichzeitig bewegten sich aber auch seine Flügel ein wenig, was den Saskanen sehr zu beunruhigen schien. Er kauerte in einer Haltung da, die man nur als Abwehrhaltung auslegen konnte. Offenbar war er jedoch keine Kämpfernatur wie Boreguir. Zumindest deutete nichts an ihm darauf hin.

Jiim war klar, dass er sehr behutsam vorgehen musste und seinen Zellengenossen wohl zunächst einmal am besten einfach in Ruhe ließ, bis dieser sich einigermaßen beruhigt hatte.

Unterdessen versuchte Jiim die Zeit zu nutzen, in dem er sein Gefängnis mit Hilfe des Nabiss erkundete.

Zumindest versuchte er es.

Aber erschrocken stellt er fest, dass die Rüstung einfach nicht zu ihrer gewohnten Machtentfaltung kam.

Es war ihm unmöglich, mit ihrer Hilfe die massiven Steinwände zu durchdringen, ja, er vermochte noch nicht einmal einen kleinen Teil ihrer verborgenen Kräfte zu aktivieren. Irgendetwas hinderte Jiim daran, die Rüstung so einzusetzen, wie er es gewohnt war.

Das ist also der Grund dafür, dass man mir das Nabiss gelassen hat!, erkannte er schaudernd, denn nun wurde dem Nargen zum ersten Mal bewusst, dass dieses Gefängnis für ihn tatsächlich bis auf weiteres die Endstation bleiben würde.

Noch einmal versuchte er, die Kräfte des Nabiss wachzurufen. Seine von der Rüstung bedeckte Hand prallte mit einem metallischen Geräusch gegen die Wand, aber mehr als einen Kratzer hinterließ sie dort nicht.

Jiim stieß einen Laut der Wut aus, ein heftiges Schlagen der Flügel folgte, woraufhin sie sich jedoch sogleich wieder auf dem Rücken zusammenfalteten.

Jiim fühlte den halb misstrauischen, halb interessierten Blick seines saskanischen Zellengenossen auf sich ruhen.

»Das ist sinnlos«, stellte der Saskane schließlich nach längerem Schweigen fest. »Was du tust ist sinnlos.«

Da Jiim die Sprache des Saskanen mit Hilfe des in seine Rüstung integrierten Übersetzungschips mühelos verstand, stand auch fest, dass dieser Bewohner Saskanas kein anderes Idiom benutzte als seinerzeit Boreguir.

»Vielleicht hast du Recht«, sagte Jiim schließlich, sichtlich darum bemüht, beim zweiten Versuch einer Kontaktaufnahme etwas behutsamer vorzugehen. Schließlich waren sie beide in gewisser Weise aufeinander angewiesen. Bislang hatte Jiim nicht die geringste Ahnung, was eigentlich mit geschehen war – und vor allem warum! Was war die Absicht desjenigen, der ihn gefangen genommen und in dieses Verlies gesperrt hatte?

Gut möglich, dass der Saskane ebenso ahnungslos ist, wie ich es bin, überlegte Jiim. An den Gedanken, hier womöglich für lange Zeit festgehalten zu werden, wie er es im Fall seines Zellengenossen vermutete, wollte sich Jiim erst gar nicht gewöhnen.

Es musste einen Weg hinaus geben, so sagte er sich. Und er nahm sich vor, alles zu unternehmen, um ihn zu finden.

»Mein Name lautet Jiim«, erklärte der Narge noch einmal, da er glaubte, jetzt ein günstigeres Gesprächsklima vorzufinden.

»Jiim aus dem Volk der Nargen.«

»Du wiederholst dich«, war die kühle, überraschend abweisende Erwiderung.

Das Kommunikationsbedürfnis des Saskanen schien fürs Erste vollkommen gestillt zu sein. Jedenfalls setzte er sich in seiner Ecke nieder und wandte demonstrativ den Kopf zur Seite. Eine Geste, die kaum irgendwelchen Spielraum für Interpretationen ließ. Im Moment hatte er einfach genug von dieser Unterhaltung.

Jiim kam zu dem Schluss, dass er dies akzeptieren musste. Wenn seine Annahme stimmte, und dieser Saskane vielleicht tatsächlich schon unsagbar lange Zeit in dem Kerker verbracht hatte, so war seine Reaktion sogar verständlich.

Er scheint die Gesellschaft anderer gar nicht mehr gewöhnt zu sein, wurde es Jiim klar. Ich werde Geduld mit ihm haben müssen. Viel Geduld.

Mit ihm und auch mit mir selbst.



Die Zeit floss so zäh dahin wie ein erkaltender Lavastrom - und drohte in Jiims subjektiver Wahrnehmung ebenso langsam aber sicher zu erstarren. Es geschah buchstäblich nichts.

Mehr als ein paar misstrauische Blicke tauschte er mit seinem saskanischen Zellengenossen nicht aus. Dieser schien dem Nargen von Grund auf zu misstrauen, und wenn er näher darüber nachdachte, so fand Jiim, dass er es ihm auch kaum verübeln konnte.

Der Narge dachte daran, was wohl aus seinen Gefährten geworden war, den anderen Mitgliedern des Außenteams, die mit einer Kapsel der RUBIKON auf der verborgenen Saskanenwelt gelandet waren. Jarvis, Scobee, Algorian ...

Hatten sie sich retten und vielleicht sogar an Bord der RUBIKON zurückkehren können – oder wurden sie an anderer Stelle gefangen gehalten?

Die Tatsache, dass er zur vollkommenen Untätigkeit verurteilt war, ärgerte Jiim und machte ihn innerlich fast rasend. Aber in diesem Punkt musste er den Worten seines Zellengenossen zumindest vom Verstand her Recht geben. Im Moment hatte es keinen Sinn, mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen. Die Grenzen, die ihm die Mauern seines düsteren Gefängnisses zogen, musste er zunächst einmal schlicht und einfach akzeptieren, bevor er seine Chance suchen konnte, sie zu überwinden.

Aber träumte davon der Saskane mit dem aus Sonnenmangel grau gewordenen Gesichtszügen nicht ebenfalls schon seit langer Zeit und hatte es doch nie geschafft?

Ein deprimierender Gedanke.

Je weiter die Zeit fortschritt, desto schwerer spürte Jiim die wachsende Lethargie auf seinem Bewusstsein lasten. Er fühlte sich wie lebendig begraben. Langsam aber sicher schien jegliche Hoffnung dahinzusiechen. Wie hatte der Saskane, dessen finsteres Schicksal er nun zwangsweise teilte, es so lange aushalten können, ohne vollständig den Verstand zu verlieren, fragte sich Jiim irgendwann und war sich nicht mehr sicher, ob er seinen Zellengenossen wegen dem, was hinter ihm lag, bedauern oder seiner mentalen Stärke wegen bewundern sollte.



Ein Geräusch riss Jiim aus der Lethargie heraus und sorgte auch bei dem Saskanen dafür, dass er augenblicklich aktiv wurde und aufsprang.

Nach Jiims subjektiver Empfindung war seit seinem Erwachen in diesem Kerker eine unermesslich lange Zeitspanne vergangen. Die Zeit schien sich auf groteske Weise gedehnt zu haben und jeder einzelne Augenblick zu einer schieren Ewigkeit zu zerfließen. Genau das Gegenteil wurde durch das Geräusch ausgelöst. Alles schien sich auf einmal zu beschleunigen - bis hin zu den Biofunktionen des Nargen.

Das Geräusch wiederholte sich noch einmal. Es glich einem Schaben, so als würde Stein an Stein reiben und sich irgendwo eine Tür öffnen.

Jiim ließ den Blick schweifen. Nirgends war allerdings auch nur eine Öffnung erkennbar. Der Raum war so kahl, leer und rundherum geschlossen wie zuvor.

Was geht hier vor?, fragte er sich. Wollte man ihn und seinen Mitgefangenen zum Narren halten?

Aber der Saskane wusste natürlich mehr über die Bedeutung des Geräuschs. Er sah Jiim an. In seinen Augen blitzte es herausfordernd. »Beunruhigt?«, fragte er.

»Was war das?«, wollte Jiim wissen und erkannte sogleich, dass er wieder einmal zu ungeduldig im Umgang mit seinem Zellengenossen gewesen war.

Der Saskane wich – wie schon zuvor bei anderer Gelegenheit – einer direkten Antwort aus. Stattdessen sagte er: »Du wirst sehen, es ist nicht schlimm.«

»So?«

»Nein. Das nicht.«

»Eine Tür ist aufgegangen.«

»Keine Tür. Nur eine kleine Öffnung.«

»Wo ist sie?«

»Du kannst sie nicht sehen. Noch nicht ...«

Einige Augenblicke angespannten Schweigens folgten. Dann deutete der Saskane plötzlich auf eine der Wände, in der sich eine Öffnung gebildet hatte, die vom Boden aus etwa zwanzig Zentimeter hoch lag. Zwei zylinderförmige Behälter waren offenbar durch diese Öffnung geschoben worden.

»Wieso habe ich die Öffnung vorhin nicht wahrgenommen?«, fragte Jiim.

Der Saskane vollführte mit seinem rechten Arm eine Geste, deren Bedeutung Jiim natürlich nicht bekannt war und die ihm auch der Sprachchip in seiner Rüstung nicht näherzubringen vermochte.

»Sie haben ihre Tricks«, erwiderte der Saskane einsilbig.

»Und wer sind sie

Jiim erhielt keine Antwort.

Der Saskane trat auf die beiden auf dem Boden stehenden, oben offenen Behälter zu, nahm sie beide an sich und wandte sich anschließend Jiim zu. Erneut ertönte das schabende Geräusch.

Die Öffnung war wieder verschwunden.

Einen kurzen Moment nur hatte Jiim sich nicht konzentriert ...

Der Saskane trat jetzt auf den Nargen zu. Langsam, fast zögernd – und in jeder Hand einen Behälter, von denen er einen Jiim überließ.

»Unsere Nahrung«, kommentierte der Saskane diese Geste und zog sich sofort wieder einen Schritt zurück.

Jiim warf einen Blick in das Gefäß. Darin befanden sich keksähnliche Brocken in rechteckiger oder dreieckiger Form.

Der Saskane hatte sich bereits eines der Dreiecke genommen und es verschlungen.

Wenig später ertönte noch einmal das Geräusch, das das Öffnen der Tür ankündigte, welche die meiste Zeit über unsichtbar war.

Diesmal gab es zwei Krüge, in denen sich Wasser befand, und ganz offensichtlich war wiederum je einer für Jiim und den Saskanen bestimmt. Das Nahrungsangebot wurde offenbar nicht nach Spezies unterschieden. Was das Wasser anging, so war es die Basis aller organischen Lebensformen, aber davon abgesehen konnte Jiim nur hoffen, dass die Nährstoffe, die für den Saskanen genießbar waren, auch ihm gut taten.

Zögernd biss er Narge in eines der keksartigen Dreiecke hinein. Es hatte keinerlei Geschmack. Aber wählerisch konnte Jiim hier nicht sein. Es ging ums nackte Überleben – und das war ohne ausreichende Nahrungszufuhr nun mal nicht gesichert. Während Jiim bereits den zweiten dreieckigen Keks verzehrte, überlegte er, in wie weit die ungesunde Hautfarbe des Saskanen möglicherweise auch durch eine mangelhafte Ernährung verursacht worden sein könnte.

Der Saskane beendete sein Mahl schließlich. Anschließend ging er an eine bestimmte Stelle an der Wand und ritzte mit Hilfe einer seiner Krallen eine Markierung in den Stein. Das Geräusch, das dabei entstand, war unangenehm und wie man den Krallen des Saskanen ansehen konnte, waren sie eigentlich nicht hart genug für diese Arbeit.

Was ihn aber nicht hinderte.

Jiim sah auch schnell den Grund dafür. Offenbar setzte der Saskane nach jeder Essensausgabe eine Markierung, weil das die einzige Möglichkeit für ihn war, die Zeit zu messen und einigermaßen den Überblick darüber zu behalten, wie lange er schon hier war. Und auch das nur unter der Vorrausetzung, dass die Nahrungsmittel- und Trinkwasserausgaben regelmäßig durchgeführt wurden.

Der Saskane bemerkte Jiims Interesse. Er machte eine Geste, die Jiim nach anfänglichem Zögern so interpretierte, dass er sich nähern sollte.

»Viel Zeit ist vergangen«, sagte der Saskane und deutete auf die Markierungen, die er bereits in die Wand geritzt hatte. »Mächtig viel Zeit ...«

Ging man davon aus, dass die Nahrungsmittelausgabe täglich stattfand, befand sich der Saskane bereits seit mehr als einem halben Saskana-Jahr in Gefangenschaft.

»Mein Name ist Voscaguir«, erklärte der Saskane schließlich.

Endlich fasst er Vertrauen, dachte der Narge.

»Und ich bin Jiim.«

»Du wiederholst dich.«

»Ein Gebot der Höflichkeit, wenn man sich gegenseitig vorstellt.«

»Ich verstehe nicht, was du sagst. Aber wir sind beide lebendig in diesem Kerker begraben. Da sollten wir wenigstens den Namen des anderen kennen.«

»Dem stimme ich zu.«



Das Schweigen dauerte diesmal bis zur nächsten Essens- und Trinkwasserausgabe, die sich exakt genauso abspielte, wie beim ersten Mal. Voscaguir machte die nächste Markierung und Jiim fragte sich, ob er vielleicht auch damit anfangen und sich darauf einstellen sollte, vielleicht Monate oder Jahre in diesem kahlen Raum zuzubringen.

»Du siehst seltsam aus«, erklärte Voscaguir in die Stille hinein und benannte damit vielleicht auch den Grund für die anfängliche übergroße Scheu, die er vor dem Nargen gezeigt hatte. »Wie ein Geschöpf der Legenden, die erzählt werden um junge Saskanen zu erschrecken, von denen aber jeder Erwachsene eigentlich weiß, dass es nur Ausgeburten der Fantasie sind.«

»Und du dachtest anfangs auch, ich sei eine Ausgeburt der Fantasie?«, fragte Jiim.

»Ja. Ich war die ganze Zeit allein, dann erwache ich und finde dich in ein- und demselben Kerker wieder wie ...«

» ... wie was?«

»Es liegt nicht in meiner Absicht, dich zu beleidigen. Magst du äußerlich von ausgesprochener Hässlichkeit sein, so wünscht man selbst dem schlimmsten Monster aus Legenden nicht das, was uns in diesem Kerker widerfährt ...«

Jiim rief sich ins Gedächtnis, dass bis zu dem Zeitpunkt seiner Entführung noch kein Erstkontakt zwischen den Saskanen und dem Landeteam der RUBIKON stattgefunden hatte. Da Voscaguir ja ohnehin bereits seit mehr als einem halben Jahr in Gefangenschaft war, konnte er noch weniger als jeder andere Saskane von der Existenz der Fremden wissen, die seinen saskanischen Heimatplaneten betreten hatten.

»Du musst von sehr weit her kommen – denn du bist eine Missgeburt, die direkt einen Albtraum entsprungen ist. Zuerst hielt ich dich für einen bösen Geist, mit dem meine Entführer mich zu peinigen suchten.«

»Was hat dich davon überzeugt, dass ich kein böser Geist bin?«, fragte Jiim.

»Die Tatsache, dass du offenbar in der Lage bist, dieselben Nahrungsmittel zu dir zu nehmen wie ich«, erklärte Voscaguir. »Geister essen nichts. Sie nehmen keine Nahrung zu sich und trinken auch kein Wasser.«

»Ich kann mir deine Angst gut vorstellen«, erklärte Jiim nachsichtig. »Schließlich unterscheiden wir uns schon rein äußerlich in einigem.«

»Das kann man laut sagen!«, stieß der Saskane hervor und ließ einen tiefen, kehligen Laut folgen, bei dem sich Jiim nicht sicher war, ob es sich um einen Ausdruck der Erleichterung oder Belustigung handelte. Vielleicht war es auch eine Mischung von beidem.

»Ich versichere dir, dass ich genau wie du ein Gefangener bin«, sagte Jiim.

»Dann kommst du von weit her. Aus einer abgelegenen Gegend? Einem abgelegenen Tal oder von einer entfernten Insel, auf der sich die Missbildung auf deinem Rücken über die Generationen ausbilden konnte, ohne dass man davon irgendwo anders etwas erfuhr.«

»Das ist keine Missbildung auf meinem Rücken.«

»Es erinnert entfernt an Flügel, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ...«

»Warum nicht?«, unterbrach Jiim seinen Gesprächspartner. »Es handelt sich tatsächlich um Flügel – auch wenn es dir schwer zu fallen scheint, dies zu glauben.«

»Und du vermagst damit auch zu fliegen?«

»Natürlich – allerdings ist dies ein denkbar schlechter Ort, um es dir vorführen zu können.«

»Funktioniert es so wie bei den Tlamarillas der südlichen Täler?«

Jiim musste zugeben, von diesen Tlamarillas noch nie etwas gehört zu haben. Die Aufenthaltsdauer des Außenteams war im Übrigen auch viel zu kurz gewesen, um sich bereits eingehend mit Fauna und Flora der Saskanenwelt befassen zu können, zumal das Ziel der Mission ja auch ein ganz anderes gewesen war.

Aber Jiims saskanischer Mitgefangener schien inzwischen mehr und mehr Vertrauen gefasst zu haben. Es sprudelte nur so aus ihm heraus. In blumigen, bildhaften Worten beschrieb Voscaguir eine Spezies, die Insekten von etwa einem Meter Größe ähnelte und offensichtlich flugfähig war.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass du in der Lage bist, deine so genannten Flügel schnell genug zu bewegen, um dich damit in die Lüfte zu erheben.«

Jiim versuchte seinem staunenden Gegenüber zu erklären, dass sich sein Flugstil von dem insektenähnlicher Flieger erheblich unterschied und nicht auf schnellen Bewegungen hauchdünner Flugmembranen basierte. Jiim war ein Gleitflieger.

Für den Saskanen schien dieses Flugprinzip jedoch schwer nachvollziehbar zu sein.

Jiim versuchte das Gespräch auf ein anderes, ergiebigeres Terrain zu lenken. Schließlich wollte er so viel wie möglich an Informationen sammeln. »Es gibt mehr Möglichkeiten, sich in die Lüfte zu erheben. Die Tlamarillas, von denen du sprachst, haben die ihre, ich die meine und dann gibt es da ja noch diese Flugmaschinen, die eure Dörfer angreifen.«

Aus irgendeinem Grund ging Voscaguir darauf nicht näher ein. Jiim fragte sich, was der Grund dafür sein mochte. Befanden sie sich möglicherweise in einer vom Landepunkt des Außenteams weit entfernten Region Saskanas, in der noch niemand von den Flugmaschinen wusste?

Oder wollte Voscaguir ganz einfach nicht über diese Sache sprechen – aus welchen Gründen auch immer?

Jiim fiel noch eine dritte mögliche Antwort ein. Es schien auch denkbar, dass das Problem mit den angreifenden Flugmaschinen vor etwas mehr als einem halben Jahr, als Voscaguir in Gefangenschaft geriet, noch nicht virulent gewesen war.

Eine Phase des Schweigens begann. Sie dauerte bis zur nächsten Nahrungsausgabe.



»Die Einsamkeit treibt einen langsam aber sicher in den Wahnsinn«, bekannte Voscaguir, nachdem er sich gesättigt hatte. »Deswegen bin ich froh, dass du da bist – auch wenn dies für dich ein Unglück bedeutet. Aber bedenke eines: Du bist zwar ein Gefangener, aber ich war ein Gefangener, der allein in seiner Zelle leben musste, während du wenigstens Gesellschaft hast.«

Ein schwacher Trost!, dachte Jiim, während der Saskane ihm mit umständlichen und zunächst nur schwer verständlichen Umschreibungen deutlich zu machen versuchte, dass er bereits daran gedacht hatte, sich selbst das Leben zu nehmen. Seine seelische Verfassung war offenbar mehr als schlecht.

Jiim nahm sich daher vor, im Hinblick auf seinen Zellengenossen vorsichtiger und bedachter zu agieren. Erneut entstand längeres Schweigens.

Diesmal war es Jiim, der es brach. »Wie bist du hierher geraten?«, fragte er Voscaguir. »Und kennst du den Grund, warum man dich hier festhält?«

»Zwei Fragen. Die Antwort auf die erste ist leicht. Ich war auf der Jagd, folgte einem Korallenläufer in die tiefsten Verästelungen eines Matang ...«

»Was ist ein Matang?«

Offenbar kannte nicht einmal der Übersetzungschip eine Entsprechung dafür, die Jiim verstanden hätte.

»Das ist schwer zu erklären. Stell dir eine Höhle aus pflanzlichem, wurzelartigem Material vor. Korallenläufer benutzen sie als Wohnstätte. Zumeist sorgen sie dafür, dass ein Matang zwei Ausgänge besitzt, um eine Möglichkeit zur Flucht zu haben. Ich folgte dem Korallenläufer, aber er war zu schnell für mich. Er war durch den hinteren Ausgang verschwunden. Ich erreichte diesen Ausgang, bemerkte noch Bewegung ... dann sah ich einen Schatten, der sich von hinten über mich senkte. Mehr weiß ich nicht mehr. Die nächste Erinnerung ist mein Erwachen in dieser Zelle.«

Nach einer kurzen Pause, in der Voscaguir auf einem dreieckigen Keks herumgekaut hatte, fragte er: »Du hast mir noch immer nicht gesagt, wo du eigentlich herkommst.«

Eine schlichte Feststellung.

Eigenartig, dachte Jiim. Es schien den Saskanen mehr zu interessieren, wo er herkam, als dass er die näheren Umstände seiner Gefangennahme erfahren wollte.

»Ich wurde auf ganz ähnliche Weise überwältigt«, sagte Jiim. »Ist dir irgendwann gesagt worden, weshalb das geschehen ist und was man mit dir vorhat?«

»Nein.«

»Hast du ein Verbrechen begannen oder ein Tabu verletzt?«

»Nein.«

»Bist du irgendwann hier in diesem Kerker jemandem begegnet, der ...«

»Ich bin nie irgendjemandem begegnet, außer dir, Fremder.«

»Fremder …« Jiim hob leicht den Kopf. »Oh, ich komme von noch viel weiter her, als du dir auch nur vorzustellen vermagst, Voscaguir!«, bekannte Jiim.

»Von einem fernen, unerforschten Kontinent?«

»Nein, weiter ... Ich komme von einem Schiff, das zwischen den Sternen zu reisen vermag. Wir nennen es Raumschiff. Mit ihm sind wir in die Nähe dieser Welt geflogen.«

Der Saskane schien Mühe zu haben, Jiims Worte zu begreifen. »Du sprichst von einem… fliegenden Schiff?«

»Wenn du es so ausdrücken willst, ja. Dieses Schiff vermag von einem Stern zum nächsten zu reisen.«

»Warum schwimmt es nicht? Der Himmel ist blau und unsere Weisen haben immer schon behauptet, dass dort die Urflut des Himmels zu finden sei, die nur vom löchrigen Firmament davon abgehalten wird, vollständig herunterzuregnen.«

»Nein, das entspricht nicht den Tatsachen«, erwiderte Jiim. »Da draußen zwischen den Sternen ist das Nichts. Man nennt es das Vakuum des Alls. Unser Schiff ist in der Lage, durch diese Leerräume zu kreuzen.«

»Ist dieses Schiff deine Heimat?«, fragte Voscaguir.

»In gewisser Weise ist es das – im Augenblick zumindest«, erwiderte Jiim nachdenklich. »An Bord befinden sich Wesen von verschiedenen Welten.«

»Welten?«, echote der Saskane. »Gibt es denn mehr Welten, als diese eine, auf deren Scheibe wir alle stehen?«

»Viele der Sterne, die du siehst, wenn du in der Nacht zum Himmel aufschaust, sind die Gestirne, um die Welten kreisen, die der euren ähneln!«

Details

Seiten
250
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738924299
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452780
Schlagworte
raumschiff rubikon perle chardhin

Autor

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Titel: Raumschiff RUBIKON 3 Die Perle Chardhin