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Circle C-Ranch #31: Die Gezeichneten kommen!

2018 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Die Gezeichneten kommen!

Klappentext:

Roman:

CIRCLE C-RANCH

 

Band 31

 

Die Gezeichneten kommen!

 

Ein Western von Bill Garrett

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author / Cover 2018: Tony Masero

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Auf den umliegenden Ranches in der Gegend von Tucson häufen sich die Viehdiebstähle. Es heißt, dass die Marek-Sippe dafür verantwortlich sein soll. Die meisten Familienmitglieder sind erst seit kurzem hier, und viele von ihnen wirken sehr herunergekommen und verarmt. Deswegen hält man sie natürlich zuerst für die Schuldigen. Aber Buster Tom Copper von der Circle C-Ranch hält nichts von Vorurteilen., sondern möchte die Wahrheit herausfinden. Schon wenig später erkennt er, dass jemand ganz anderes seine Finger im Spiel hat – jemand, den er sehr gut kennt und mit dem er schon des öfteren Ärger hatte: Morrison, der Boss der Wagenrad-Ranch. Aber ihm das Handwerk zu legen, ist alles andere als einfach ...

 

 

Roman:

Hep Waller, Cowboy der Circle C Ranch, wusste nicht, was kneifen ist. Er hatte es nicht gelernt. Als sich im Central Saloon von Tucson statt des einen Fremden gleich alle drei erhoben, war ihm das auch recht. Er war über die Beleidigung des jungen Burschen so in Fahrt geraten, dass er es glatt mit einem Dutzend dieser Sorte aufgenommen hätte.

Bevor die übrigen Gäste in Rip O’Hagans Saloon überhaupt begriffen, worum es ging, war eine wilde und wütende Schlägerei im Gange, flogen im Central Saloon von Tucson die Fetzen.

Hep verlor nicht ein einziges Wort mehr, zog sich den Hut in die Stirn und ließ sich aus dem Stand heraus fallen. Er bewegte sich mit einer Schnelligkeit, die ihm keiner der drei jungen Burschen zugetraut hatte. Er explodierte förmlich vor Wut. Bevor die Fremden begriffen, was über sie hereinbrach, lag der erste von ihnen schon auf dem Gesicht. Hep traf ihn so hart auf den Mund, dass er bis zur Tür flog, sich dort überschlug und liegenblieb. Kaum lag er dort, griff Hep schon über den Tisch, um den zweiten Fremden herüberzuziehen.

Doch dieser Mann war schwerer, als Hep vermutet hatte. Als sich Heps Fäuste in seine Jacke krallten, warf er sich zurück und zog Hep über den Tisch. Der andere drehte sich flink und hämmerte Hep beide Fäuste in den Nacken. Dann krachten sie alle drei zu Boden, rissen den Tisch und die Stühle mit und wälzten sich prügelnd und schnaufend über die Dielen in Richtung des Tresens.

Rip O’Hagan, der ehemalige US Marshal von Tucson, hatte gerade ein Tablett Gläser zu einem der Tische gebracht.

„Verdammt, seid ihr verrückt geworden!“, brüllte er.

„Hol den Marshal, Rip!“ rief jemand.

„Ach was, Rip!,“ rief ein anderer. „Halte nur die Tür auf, damit Hep Waller diese fremden Bastarde hinausprügeln kann.“

Rip O’Hagan hinkte keuchend durch den Saloon. „Aufhören!“, brüllte er. „Hört auf! Wollt ihr wohl aufhören, ihr hergelaufenen ...“

Was er sagte, ging im Getöse unter. Hep war am Tresen auf die Beine gekommen und hatte einen der Fremden mit einem schweren Leberhaken zu Boden geschickt. Der andere aber hatte sich bereits von ihm gelöst und warf einen Stuhl nach ihm.

Hep duckte sich blitzschnell. Der Stuhl sauste über ihn hinweg und krachte hinter dem Tresen in das Regal, wo der Spiegel und eine Reihe von Flaschen in Trümmer gingen. Es krachte und splitterte, Flaschen zerplatzten mit sattem Klirren auf dem Boden. Es war eine Lampe aus Schmiedeeisen mit schweren Ketten. Hep griff hinter sich in diesen Wirrwarr von Glas und Ketten hinein, holte aus und schlug die Lampe einem der Fremden auf den Kopf, dass er die Augen verdrehte und auf der Stelle zusammenbrach. Für den Bruchteil einer Sekunde sah es so aus, als wäre es das gewesen. Doch da kam der erste Fremde schon wieder hoch.

Hep stieß einen wütenden Schrei aus und rannte auf ihn zu. Dabei warf er Tische und Stühle zur Seite. Dann drosch er den Mann förmlich zur Tür hinaus.

Als die Schwingtüren zurückflappten, bekam sie Hep direkt ins Gesicht. Er kippte hintenüber und krachte auf den Rücken, wollte sofort wieder aufstehen, streckte sich aber und schloss die Augen.

Augenblicke lang herrschte tiefe Ruhe in Rip O’Hagans Saloon, bis die Tür ging und Cliff Copper, der Marshal, von draußen hereinkam.

Cliff Copper blieb unter der Tür stehen, blickte auf den Cowboy seines Vaters hinab und sah sich dann um.

„Was ist denn hier los, Rip? Das ist ja am frühen Morgen ein Radau wie am Abend des Unabhängigkeitstages!“

„Ja, ich weiß auch nicht“, sagte Rip O'Hagan und blickte zum Tresen hinüber, hinter dem alles in Trümmer gegangen war. „Hep Waller hat sich mit den Fremden unterhalten, und dann sind sie sich in die Haare geraten.“

„Diese drei Kanonensöhne haben Hep einen Gnom genannt und ihn als mistigen Kuhtreiber bezeichnet“, rief jemand. „Dann sind sie über ihn hergefallen.“

Die Gäste sprachen nun von allen Seiten auf den Marshal ein.

Der Marshal hob die Arme. „Ruhe, verdammt! Mal langsam, nicht wahr! Schafft alle zu mir ins Office hinüber, und einer kann zu Doc Mills gehen. Hep blutet aus Mund und Nase. Da muss ja einer der Fremden einen Schlag wie ein Pferd haben.“

„Hep wurde von der Tür außer Gefecht gesetzt“, sagte jemand.

„Ich habe einen Schaden von mindestens zweihundert Dollar!“, knurrte Rip O’Hagan.

Cliff Copper wedelte ungeduldig mit der Hand. „Also los! Fasst schon an!“ Dann trat er zur Seite und sah mit Rip O’Hagan zu, wie die Männer die vier Bewusstlosen, einen nach dem anderen, aus dem Saloon trugen.

„Ich verstehe dich nicht, Rip“, sagte Cliff, als die Türflügel hinter dem letzten Bewusstlosen zuschwang. „Du hast doch eine Flinte hinter dem Tresen liegen. Warum bist du nicht dazwischengegangen?“

„Es ging alles so schnell“, beteuerte Rip O’Hagan. „Ich war gerade dort drüben. Ich hätte ja Flügel haben müssen, um an meine Flinte zu kommen.“

Einer der Gäste, der geholfen hatte, die Männer wegzuschaffen, kam in den Saloon zurück.

„Diese Fremden, Marshal, die sollten Sie sich anständig vornehmen. Die Kerle gehören nämlich zu den Mareks, die sich nördlich der Ranch Ihres Vaters niedergelassen haben. Das ist ein ziemlich übles Volk, voller Dreck und Ungeziefer. Und ich habe auch noch einen von diesen Mistkerlen anfassen müssen. Ich gehe gleich, um ein Bad zu nehmen. Ich halte jede Wette, dass der Viehdiebstahl, den Morrison gemeldet hat, von dieser Brut verübt worden ist. Von diesen Habenichtsen!“

„Jaja!“, versetzte Cliff Copper. „Ich sehe mir die Galgenvögel schon an.“

Er tippte Rip O’Hagan vor die Brust und setzte sich in Bewegung. „Komm! Wir müssen ja nun die Rechnung aufmachen. Das beste, du bist gleich dabei.“

„Zweihundert Dollar!“, brummte Rip O’Hagan. „Vielleicht auch dreihundert. Der Spiegel allein hat mich ein Vermögen gekostet.“

Sie verließen den Saloon und gingen zum Marshal Office hinüber.

 

*

 

Jimmy Copper, Bruder des Marshals von Tucson und jüngster Sohn des Circle C- Ranchers, trat müde und verschlafen aus dem Ranchhaus, blinzelte in die Sonne und stapfte quer über den Platz zu dem ummauerten Brunnen, über dem das große hölzerne Flügelrad unter dem Druck des Windes leierte und ächzte. Es war Mittag, und das hohe Gerüst warf nicht einen Strich Schatten auf den harten und festgestampften Boden. Jimmy schaute lange ins Wasser, das aus der Ablaufrinne lief, ehe er den Kopf eintauchte, um sich zu erfrischen.

„He!“, rief da Pedro vom Dach herunter, als sich Jimmy prustend und schnaufend das Wasser aus dem Gesicht wischte. „Da kommt ein Wagen! Sie bringen Hep!“

Jimmy schaute zu Pedro hinauf. „Sie bringen Hep? Wer denn? Warum?“

„Er liegt wie tot hinten auf der Ladefläche“, rief Pedro.

Jimmy band das Halstuch ab und trocknete sich Gesicht und Nacken. Dabei blickte er in Richtung der Holzbrücke, über die er den Wagen bereits fahren hörte.

Sten kam aus dem Stall, lehnte die Mistgabel an die Wand und blickte ebenfalls dem Wagen entgegen. „Wer ist tot?“, fragte er.

„Mit Hep ist etwas nicht in Ordnung“, erklärte Jimmy. „Sie bringen ihn auf dem Wagen.“

Sten grinste. „Ihm ist bestimmt der Knorpel verrutscht. Vom Saufen!“

„Mach keine Witze!“, erwiderte Jimmy ernst und setzte sich in Bewegung. Der Wagen fuhr um das Haus herum in den Hof. Auf dem Bock saßen zwei junge Mexikaner aus der Stadt. Hep lag tatsächlich auf der Ladefläche. Sein Pferd lief hinter dem Wagen her.

Die Mexikaner hielten vor dem Haus und stiegen ab. Jimmy und Sten traten an den Wagen und blickten auf Hep, der den Kopf hob und dabei schmerzhaft das Gesicht verzog. Er sah übel aus. Sein Gesicht war geschwollen, die Lippen dick und aufgeplatzt, und er wirkte bleich und elend.

„Mann, was ist denn mit dir los?“, fragte Sten mitfühlend.

Hep wies auf den Mund. „Ich kann ... noch gar nicht ... richtig sprechen“, sagte er. Mit jedem Wort kam ein kurzer hoher Pfeifton aus seinem Mund.

„Wie ist denn das passiert?“, fragte Jimmy.

„Er hatte im Central Saloon eine Schlägerei mit drei Fremden“, sagte einer der Mexikaner.

„Was!“, staunte Sten. „Mit drei Mann?“

Der Mexikaner grinste und nickte. „Well, Senor. Die Burschen liegen im Marshal-Büro. Als wir losfuhren,lagen sie alle drei noch flach.“

Hep deutete an, dass er vom Wagen wollte. Der Mexikaner klappte das Bordbrett herunter. Jimmy und Sten griffen zu. Sie wollten Hep herunterheben und ins Mannschaftshaus tragen. Doch Hep bestand darauf, dass sie ihn nur stützten. So halfen sie ihm herunter und führten ihn über den Hof zum Mannschaftshaus, wo sie ihn auf der Pritsche niederließen. Die beiden Mexikaner waren ihnen gefolgt.

„Dr. Mills hat gesagt, Senor Waller habe eine schwere Gehirnerschütterung erlitten“, erklärte einer. „Es wäre besser, er würde mindestens drei Tage fest liegenbleiben.“

„Quatsch!“, brummte Hep. Dabei pfiff es wieder.

Jimmy bedankte sich bei den Mexikanern, die sich daraufhin verabschiedeten und kurz darauf wiederzurück fuhren.

„Mensch, dir fehlen ja ein paar Zähne“, sagte Sten.

Hep nickte niedergeschlagen. „Ja, oben sind einige hin.“ Er hob den Kopf und zog die Oberlippe ein Stück mit den Fingern hoch, da er auf andere Art dazu nicht imstande war.

Jimmy verzog das Gesicht. „Das sieht vielleicht aus!“

„Wie willst du denn damit noch futtern?“, erkundigte sich Sten.

„Die Burschen müssen ja Fäuste haben wie Schmiedehämmer“, sagte Jimmy. „Was waren denn das für Halunken?“

Hep schüttelte den Kopf. „Die Tür!“, zischelte er.

Jimmy und Sten sahen sich verständnislos an. „Was denn für eine Tür?“, fragte Jimmy.

„Ich hatte sie schon alle am Boden“, sagte Hep pfeifend. „Da kam einer noch einmal hoch. Ich habe ihm eine geschmiert, dass er durch die Tür gesegelt ist, wie ein Schoner im Sturm. Auf die gleiche Weise kam die Tür zurück. Ich bin fast bis zum Tresen geflogen.“

Sten grinste trocken. „Na, wenigstens bist du Sieger geblieben. Wenn du jetzt beim Quatschen wie eine Lokomotive pfeifst, wissen wir im Dunkeln wenigstens, dass du es bist, der redet.“

Hep sah ihn einen Moment lang an. Doch dann machte die Blässe in seinem verquollenen Gesicht einer wilden flammenden Röte Platz.

„Hör mal zu, du verdammter Giftmischer!“, zischelte er und griff nach dem Stiefelknecht, der unter seiner Pritsche stand. „Ich habe heute schon drei Mann durch den Wind gelassen. Da kommt es mir auf einen vierten nicht mehr an.“

Er holte aus und warf den Stiefelknecht hinter Sten her. Doch Sten war schon draußen, und der Stiefelknecht krachte donnernd gegen die Tür.

„Reg dich nicht auf, Hep“, sagte Jimmy.

„Dieser verdammte Hundesohn!“, schnaufte und pfiff Hep.

„Leg dich hin“, sagte Jimmy. „Ich setze ihm den Hut gleich gerade. Verlass dich darauf!“

Hep schwang die Beine hoch und legte sich lang. Da ging die Tür auf, und Matt Jackson, der Ranchvormann, kam herein. Matt Jackson war ein großer Mann von fünfzig Jahren mit grauen Haaren und einem hageren, faltigen Gesicht. Er ging schon etwas gebeugt.

„Was macht ihr denn für einen Lärm?“, fragte er. „Wird hier etwas verteilt?“

„Ja, Staubzucker!“, zischelte Hep und drehte den Kopf zur Tür.

Matt Jackson trat heran und furchte die Brauen, als er Hep auf der Pritsche liegen sah. „Was, ist der schon wieder besoffen?“, wandte er sich an Jimmy. Doch da sah er Heps verquollenes Gesicht. „Junge, wie ist das passiert?“

Jimmy berichtete Matt Jackson. Der Vormann schüttelte den Kopf. „Hast du denn die Tür nicht zurückkommen sehen?“

„Rip O’Hagan hat doch so neumodische Flügeltüren an seinem Laden, die hinaus und herein schwingen, wenn sie gut geschmiert sind“, sagte Hep. „Ich habe die Türflügel draußen gegen die Hauswand krachen hören und geglaubt, sie würden davonfliegen. Aber nicht in meine Richtung.“

Matt Jackson schüttelte den Kopf und grinste.

„Er hat eine Gehirnerschütterung und muss liegen!“, sagte Jimmy.

„Hoffentlich fehlen den anderen auch ein paar Zähne“, sagte Matt Jackson. „Was waren das denn für Kerle?“

„Sie sollen zu den Mareks gehören“, zischelte Hep. „Das sind die Burschen, die der Wagenradrancher wegen Rinderdiebstahl verklagen will.“ Er blitzte Jimmy vorwurfsvoll an. „Und solche Strauchritter duldet dein Vater im Norden.“

„Verdammt!“, polterte Matt Jackson. „Uns fehlen auch Rinder. Fünf Stück. Deshalb bin ich zur Ranch gekommen. Wo steckt der Boss, Jimmy?“

Da hörten sie den Rancher draußen brüllen.

„Komm, Jimmy!“, sagte Matt Jackson schnell und schob den Jungen zur Tür. „Ruh dich aus, Hep! Deine Zähne sollen gerächt werden.“

„Wenn du etwas brauchst, sag es nur“, sagte Jimmy noch über die Schulter.

 

*

 

Tom Copper, der Boss der Circle C-Ranch, den alle Leute in dieser Gegend nur Buster Tom nannten, stand im Hof, die Fäuste in die Hüften gestemmt und das Gesicht dunkel vor Zorn.

„Wo kommt ihr beiden denn her?“, brüllte er los, als er den Vormann und Jimmy erblickte. „Wir reißen uns da draußen fast den Arsch ab, weil wir nicht wissen, wie wir mit der Arbeit fertig werden sollen, und hier rennt alles im Schatten spazieren. Wo steckt denn Hep, dieser Herumtreiber? Seit wann ist Sten sein persönlicher Pferdepfleger?“

„Ach Herrje!“, sagte Jimmy ergeben und sah Matt an.

Matt Jackson verzog das Gesicht und streckte die Hand vor. „Also nun mal langsam, Tom, nicht wahr? Hier geht niemand spazieren und schon gar nicht im Schatten. Wir sind hier, weil Hep dort drinnen mit einer ganz schönen Gehirnerschütterung liegt, und weil uns fünf Rinder fehlen. Und rate mal, wo?“

Matt Jackson war einst mit Buster Tom in dieses Land gekommen, und sie beide hatten die Circle C aufgebaut. Matt Jackson, der Vormann, war der einzige von den Leuten, der den Rancher duzte und mit ihm so gut wie befreundet war.

Buster Tom klappte den Mund auf und zu und blickte verwirrt von einem zum anderen. Er war ein großer schwerer Mann, mit einem faltigen Hals und einem harten wettergebräunten Gesicht. Seine hellen und wachsam dreinblickenden Augen verrieten viel von der Energie, die .auch jetzt noch, im fortgeschrittenen Alter, in ihm steckte. Er war ein leicht aufbrausender Mann. Aber er war fair und gerecht. Im Zorn, wenn einmal etwas nicht klappte, war er imstande, seine Söhne, den Vormann und die Cowboys unangespitzt in den Boden zu rammen. Doch nicht zuletzt war er der Mann, der mit jedem, der auf der Circle C lebte, sein letztes Hemd zu teilen imstande war. Was die Prämienverteilung nach dem alljährlichen Rinderauftrieb stets bewies. Er hatte auch schon mehrmals demonstriert, dass er bereit war, allein und mit bloßen Fäusten die Hölle anzugreifen, wenn es darum ging, einen seiner Leute da herauszuholen. Doch dieses Land hatte ihn geprägt, und seine Sorge galt zu allererst jenem Bestand, der ihnen allen das Leben garantierte. Deshalb kam erst das Rind und dann der Mann. Was die Reihenfolge seiner Fragen bewies.

„Was?“, polterte er mit Stentorstimme. „Uns fehlen Rinder? Wieso liegt Hep da im Haus mit einer Gehirnerschütterung?“

Jimmy, der eine andere Generation verkörperte und in jenem Frieden groß geworden war, um den dieser alternde Mann einst Tag für Tag gekämpft hatte, sah die Dinge freilich anders. Er berichtete zuerst von Heps Missgeschick, ehe er Matt Jackson wegen der fehlenden Rinder zu Wort kommen ließ.

Buster Tom hörte sie beide geduldig an.

„Die Mareks, Tom, haben die Rinder gestohlen“, schloss Matt Jackson. „Da wette ich! Morrison hat auch schon Verluste gemeldet.“

Auf Buster Toms Stirn zeigten sich Unmutsfalten. „Die Mareks! Du bist ja verrückt, Matt! Wie willst du denn das beweisen? Außerdem musst du mir erklären, wie du festgestellt haben willst, dass uns genau fünf Rinder fehlen. Bei dem ungebrannten Bestand, den wir im Augenblick haben!“

„Tom, ich weiß, du bist dafür, dass sich die Mareks im Norden ansiedeln. Dann sind wir dort oben gegen die Apachen nicht mehr allein“, sagte Matt Jackson. „Aber ich habe die fünf Häute gefunden. Dort im Norden. Außerdem fehlt laufend Vieh in der Gegend, seit die Mareks da sind.“

„Deswegen müssen es nicht die Mareks gewesen sein!“, brummte Buster Tom unwillig.

„Reiten wir doch hin!“, meinte Matt Jackson.

„Wir haben anderes zu tun!“, donnerte Buster Tom. „Und Vieh, Matt, ist hier schon immer gestohlen worden. Nicht erst, seit die Mareks da sind.“

„Gestatte wenigstens, dass ich hinreite und frage, wie ihnen unser Fleisch schmeckt“, warf Jimmy ein.

Buster Tom starrte seinen Sohn verärgert an. „Grünschnabel! Und wenn sie die Rinder gestohlen haben! Was ist dabei? Die Circle C geht deswegen nicht in die Knie. Weißt du, was die Mareks durchgemacht haben? Hast du eine Ahnung davon?“

„Ein Dieb ist ein Dieb!“, sagte Jimmy. „Und ein Rinderdieb ist ein ganz besonderer Dieb.“

„Deine Geduld mit dem Pack verstehe ich wirklich nicht“, sagte auch Matt.

Buster Tom tippte sich vor die Brust. „Weil ich sie kenne. Weil ich mit ihnen gesprochen habe, und weil ich weiß, was sie durchgemacht haben. Matt, melde mir nicht noch einmal einen Rinderdiebstahl, wenn sich die Mareks von unserer Weide etwas Fleisch geholt haben. Hast du mich verstanden?“

„Etwas Fleisch nennst du das?“, meinte Jimmy aufbrausend. „Fünf Rinder!“

Buster Toms Blick zuckte von einem zum anderen. „Bin ich verstanden worden?“

Da kam Sten vom Stall herüber. „Wir bekommen Besuch!“, rief er. „Ratet mal. wer? Soll ich das Gästebuch holen?“

Die drei blickten sich um und schauten in die Richtung, in die Sten wies. Von Süden näherten sich der Ranch ein Dutzend Reiter.

„Verdammt, das ist ja Morrison! Der Wagenradrancher!“, sagte Matt Jackson betroffen.

Pedro neigte sich auf dem Haus über die Brustwehr. „Da kommen Reiter! Es ist Morrison!“

Jimmy winkte hinauf. „Schon gesehen, Pedro!“, rief er.

„Das ist wirklich seltener Besuch“, schnaufte Buster Tom und zog sich den Hut in die Stirn. „Da will ich doch verdammt sein, wenn dieser Besuch etwas Gutes zu bedeuten hat.“

„Vermutlich nicht“, sagte Jimmy laut. „Morrison wird sicherlich Verbündete gegen die Weidediebe suchen. Aber das kann dir ja nicht gefallen, Vater.“

Buster Tom warf Jimmy einen gereizten Blick zu. „Schert euch an die Arbeit!“, knurrte er. „Die Jungs warten draußen.“ Dann ging er dem Wagenradrancher entgegen, der mit der Hälfte seiner Leute am Rand des Santa Cruz River Arroyo zur Ranch geritten kam. Buster Tom blieb am Ende des Stalles stehen und blickte den Reitern entgegen. Jimmy und Matt Jackson folgten ihm und warteten dann hinter ihm.

 

*

 

Morrison war ein schwerer, zur Fettleibigkeit neigender Mann mit einem Stiernacken und scharf und misstrauisch dreinblickenden kleinen Augen. Seine Wagenradranch war der größte Ranchbetrieb in Südarizona. Er war reich und mächtig. Entsprechend war sein Auftreten.

Er hielt, grüßte knapp und stieg aus dem Sattel, während sich seine Männer hinter seinem Pferd stauten und die Coppers und Matt Jackson abwägend musterten. Die Hälfte der Reiter waren mexikanische Schafhirten, für die Morrison eine besondere Vorliebe hatte, da sie gewohnt waren, Befehle prompt auszuführen, ohne irgendwelche Fragen zu stellen.

„Sie werden nichts dagegen haben, Copper, dass wir über Ihr Land geritten sind, aber ich habe mit Ihnen zu reden“, sagte Morrison.

Buster Tom gab seine nachträgliche Einwilligung mit einer kurzen Handbewegung kund.

Morrison biss sich auf die Lippe, sah Jimmy an und Matt Jackson, dann wandte er sich Buster Tom wieder zu. „Es gibt ein Problem, das uns hier alle angeht“, sagte er. „Und das sind die Mareks im Norden.“

Buster Tom machte schmale Augen.

„Ich wüsste gar nicht, wieso die Mareks ein Problem sein sollten. Und auch noch für uns! Da kann ich Ihnen nicht folgen.“

„Hören Sie mal zu, Copper“, schnarrte Morrison, „Sie werden mir doch jetzt nicht klarmachen wollen, dass sich diese hergelaufenen Habenichtse mit Ihrer Billigung im Norden angesiedelt haben.“

„Dazu benötigen die Mareks keine Einwilligung von mir“, erwiderte Buster Tom. „Ich habe sie Mr. Marek trotzdem gegeben, weil er hier gewesen ist und mich praktisch gefragt hat.“

Morrisons Gesicht färbte sich dunkel. „Das überrascht mich. Aber dann wissen wir ja alle, an wen wir uns hier zu halten haben, wenn Sie diese Bande von Nichtstuern und Viehdieben da oben dulden.“

„Ich hätte nicht das Recht, sie zu verjagen, und ich würde es auch nicht wollen“, sagte Buster Tom mit Schärfe in der Stimme.

Morrison wandte sich ab und ging zu seinem Pferd. „Nun gut, Copper! Wir werden auch ohne Sie zurechtkommen.“

„Wollen Sie die Leute etwa vertreiben?“, fragte Buster Tom und folgte ihm einen Schritt.

Morrison schwang sich in den Sattel und ordnete die Zügel. „Ich will nicht Leute vertreiben, sondern Viehdiebe. Das ist ein Unterschied.“

Er gab seinem Pferd die Sporen und jagte los. Die Reiter schlossen auf. Die Kavalkade sprengte im gestreckten Galopp an den drei Männern vorüber, donnerte über die Brücke und stob den Fahrweg nach Norden hinauf.

„Ja, ich weiß nicht!“, meinte Matt Jackson nach einer Weile. „Aber, ist er nicht im Recht? Schließlich wird hier auf einmal wieder Vieh gestohlen.“

Buster Tom fuhr herum. „Rede nicht, Matt!“, polterte er und wies nach Norden. „Ist dir jetzt nicht klar, was dahintersteckt? Morrison! Morrison, sage ich dir! Weiß der Kuckuck, was er gegen diese Leute hat.“

„Sie haben ihm Vieh gestohlen“, warf Jimmy ein. „Wie uns! Jetzt wird er ihnen klarmachen, wie ein Mann, wie er darauf reagiert.“

„Uns Vieh gestohlen!“, donnerte Buster Tom. „Fehlen euch denn die Tassen im Schrank? Matt! Fünf Rinder! Abgehäutet! Das kann doch nur heißen, dass die Leute das Fleisch essen wollen. Die Mareks sind gerade sieben oder acht Menschen. Sie können nicht einmal ein Rind auf einmal hinunterwürgen. Von diesen fünf Rindern würden ihnen vier und ein halbes glatt verkommen. Oder wisst ihr vielleicht nicht, wo wir hier sind?“

„Sie können das Fleisch einsalzen“, meinte Matt.

Buster Tom tippte sich vor die Stirn. „Du verkalkst auch langsam! Morrison fehlen angeblich zwanzig Rinder. Uns fehlen fünf! So viele Fässer gibt es in ganz Südarizona nicht. Sattelt mein Pferd, verdammt.“

„Willst du Morrison nachreiten?“, fragte Jimmy. „Halte dich da heraus!“

„Geh du an die Arbeit!“, polterte Buster Tom. „Komm, Matt! Zeig mir die Stelle, wo die Rinder geschlachtet worden sind. Das muss ich mir ansehen.“

Jimmy machte auf dem Absatz kehrt, holte sein Pferd aus dem Schatten des Haupthauses und jagte davon. Buster Tom und Matt Jackson ritten kurz darauf nach Westen in das Land hinein.

 

*

 

Es war schon weit über Mittag, als Morrison mit seinen Leuten jenen Fleck erreichte, auf dem sich die Mareks niedergelassen hatten. Er hielt mit seinen Männern auf dem kahlen Höhenrücken an und schaute in den Kessel hinunter, in dessen Mitte zwei große Planwagen standen, in denen die Mareks noch hausten. Sie sahen dort unten zwei Frauen und einige Kinder. Rechts von den Wagen waren zwei Männer dabei, eine Hütte zu errichten. Davor erkannten sie einen Brunnen, dessen Rand bereits ummauert worden war. Ein Gerüst stand darüber, auf dem sich schon das Windrad drehte. Hinter der Hütte entdeckten sie noch einen Mann, der mit Hacke und Schaufel einen Graben vom Brunnen her zog.

„Wasser!“, sagte Pickett, einer der Revolvermänner, die Morrison neu angeworben hatte. „Die haben tatsächlich Wasser hier oben. Sehen Sie sich das an, Boss! Und es ist auch nicht nur ein verdammter Wagen da, sondern bereits deren zwei. Die kommen wie die Heuschrecken ins Land.“

Morrison nickte. „Stimmt, Pickett! Und wie dieses Ungeziefer werden wir sie auch vertreiben.“

Er brachte sein Pferd wieder in Gang und die Männer schlossen auf.

Die Mareks sahen sie kommen, ließen die Arbeit liegen und versammelten sich vor der halbfertigen Hütte.'

„Die Gewehre heraus, Jungs!“, befahl Morrison seinen Cowboys und Schafhirten. „Die sollen gleich wissen, dass wir nicht erscheinen, um sie willkommen zu heißen.“

Die Männer kamen dem Befehl sofort nach. Ein Dutzend Gewehrläufe blinkte mit einem Mal in der Sonne. Daraufhin zogen sich die Frauen mit den Kindern sofort auf die Wagen zurück.

„Wer von euch ist Marek?“, fragte Morrison laut, als sie vor den drei Männern hielten.

Der Älteste von ihnen trat nach vorn. Die anderen waren jünger. Das war auch der einzige Unterschied, denn sie wirkten genau so ärmlich und heruntergekommen wie der Alte.

„Ich bin Marek!“, sagte der Oldtimer und sah Morrison furchtlos an. „Dieses Land hier, das gehört mir. Ich habe es von der Regierung erworben.“

„Langsam!“, bellte Morrison. „Jetzt rede erst einmal ich. Von wem Sie das Land erworben haben, das interessiert mich einen Dreck. Mich interessiert einzig und allein, wo meine Rinder geblieben sind.“

„Ich habe das Land von der Regierung erworben“, wiederholte der alte Marek. „Billig! Das gebe ich zu. Aber das heißt nicht, dass ich mir gefallen lassen muss, dass Sie hier mit einem Dutzend Gewehrschützen angeritten kommen. Zumal es sich nicht um einen nachbarlichen Besuch handelt.“

Morrison neigte sich aus dem Sattel. „Sie wissen nicht, mit wem Sie reden, Marek!“

„O doch!“, versetzte der Oldtimer. „Ich kann es mir jedenfalls denken.“ Er wies auf die Gewehrläufe. „Hier soll nur einer so vorgehen, wie ich gehört habe.“

„Schön, dass Sie von mir gehört haben!“, fauchte Morrison. „Und nun zur Sache. Ich suche meine zwanzig Rinder. Finde ich davon hier auch nur einen Kopf, hängen war euch drei an den Sparren eures neuen Hauses auf. Das ist dann ein Leichenhaus.“

Auf ein Zeichen von ihm schwangen sich die Männer aus den Sätteln.

„Halt!“, rief Marek und legte die Faust auf den Revolverkolben. „Stehenbleiben! Niemand geht auch nur einen Schritt weiter!“

Morrisons Männer verharrten. Pickett sah den mächtigen Rancher an und grinste.

Marek bewegte sich langsam rückwärts, die geballte Hand oben auf der Waffe. Die beiden etwas jüngeren Männer schienen zu glauben, dass sie und Marek mit den Eindringlingen fertigwerden konnten und schlugen die Hände um die Revolverkolben, um die Waffen zu ziehen und sie Morrison vorzuhalten. Doch so weit kamen sie gar nicht.

Pickett duckte sich, als er ihre Bewegung erkannte, zog und feuerte. Seine Waffe hämmerte, spie plötzlich Feuer und Rauch. Er schoss zweimal. Schnell hintereinander, dass die beiden Schüsse wie einer klangen. Jede Kugel erreichte ihr Ziel. Die Männer links und rechts von Marek stürzten getroffen zu Boden und blieben liegen. Der eine war sofort tot.

Die Gesichter der Frauen verschwanden unter der Wagenplane. Ein Kind begann laut zu weinen.

Morrison blickte kurz zu den Wagen hinüber und verzog das Gesicht. Dann sah er schon den alten Marek wieder an, der voller Entsetzen die Arme hochgenommen hatte und bestürzt auf die blutenden Männer blickte.

Pickett richtete sich aus seiner geduckten Haltung auf und schob den Colt in die Halfter zurück. „Sie werden nichts dagegen haben, Boss, dass ich mich eben nicht erschießen ließ.“

„Nein!“, versetzte Morrison. „Ganz und gar nicht! Ich bin da eher der Ansicht, dass diese Leute begreifen sollen, wie wir hier mit Pack umspringen. Los, durchsucht alles!“

Die Männer setzten sich in Bewegung. Nur Pickett und dessen Freund Aldy blieben bei Morrison. Alle drei beobachteten Fraser, der mit einer halben Rinderhaut abgestiegen war und diese in den Graben neben der halbfertigen Hütte fallen ließ, wo sie andere kurz darauf auch prompt fanden. Fraser ließ sich die Haut geben und alle kamen zurück. Fraser warf Marek das Leder vor die Füße.

„Da!“, sagte er. „Was ist das?“

„Ist das eine Rinderhaut, Fraser?“, fragte Pickett laut.

„Von einem Elefanten ist sie nicht!“, erwiderte Fraser bissig. „Oder haben wir Elefanten auf der Wagenradranch?“

„Was haben Sie dazu zu sagen, Marek?“, schnarrte Morrison.

Marek blickte auf das Stück Rinderhaut, sah Morrison wieder an und schüttelte den Kopf. Der alte Mann war so entsetzt und bestürzt, dass er nicht ein Wort hervorbrachte.

„Hängt ihn auf, den Viehdieb!“, befahl Morrison.

Vier Männer stürzten vorwärts und warfen sich auf den alten Mann, der sich verzweifelt wehrte, ihnen aber nicht gewachsen war. Ein anderer ging zu seinem Pferd, schnallte das Lasso ab, lief zur Hütte und warf die Schlinge über einen Dachsparren.

Während die Männer Marek in die halbfertige Hütte schleiften, um ihn dort aufzuknüpfen, kamen die beiden Frauen von den Wagen herübergelaufen. Sie schrien und weinten und rannten auf die Männer zu. Dann schlugen sie blindlings auf die Männer ein, die sich fluchend und mit Tritten wehrten. Die Frauen waren beide sehr jung. Die eine war blond und die andere schwarz. Die blonde Frau bekam einen Schlag auf den Mund, dass sie zurückflog und liegenblieb. Die andere wurde von zwei Schafhirten gepackt und zur Seite gezerrt.

„Pickett!“, rief Morrison.

Pickett lief los und jagte einen Schuss in die Luft.

Die Männer verharrten und sahen auf Morrison.

Morrison trieb sein Pferd an und ritt dicht an die halbfertige Hütte. Marek trug die Lassoschlinge bereits um den Hals.

„Ich lasse dich laufen, Alter!“, sagte Morrison. „Aber nur, damit du mit deinem Ungeziefer verschwinden kannst. Lasst ihn frei! Dann schlagt alles zu Kleinholz. Sappo, das Schwarzpulver in den Brunnen.“

Das war eine Arbeit von drei Minuten. Als Sappo die Zündschnur in Brand steckte, saßen die Männer wieder auf den Pferden. Sappo sprang als letzter in den Sattel. Dann ritten sie davon.

Ein dumpfer Donnerschlag zerfetzte hinter ihnen die Stille. Dunkle Rauchwolken schossen aus der Erde. In diesen Wolken brach das hölzerne Gerüst mit dem Windrad zusammen und versank darin.

„Aus diesem Brunnen wird niemand mehr Wasser schöpfen“, meinte Pickett.

„Jedenfalls nicht heute oder morgen“, erwiderte Morrison.

Sie brachten die Pferde in Galopp und jagten aus dem Kessel. Morrison war zufrieden. Er hatte in dieser Gegend immer dafür sorgen können, dass sich keine lästigen Konkurrenten breitmachten. Die einzige Ausnahme war die Circle C-Ranch gewesen. Wie oft schon hatte sich das als Nachteil für ihn erwiesen. Und er war schließlich nicht der Mann, der einen Fehler gleich zweimal beging. Das würde er sich selbst nicht verzeihen.

 

*

 

Sie ritten zunächst direkt auf Tucson zu, um die Straße zu erreichen. Als sie in deren Nähe kamen, sahen sie einen mit Bauholz beladenen Karren mit drei Männern von Tucson die Straße entlanggefahren kommen.

Morrison ließ sofort halten. Pickett kam an seine Seite. „Das sind die drei Halunken, die heute Morgen den Copper-Cowboy verprügelten und dabei Rip O’Hagans Saloon demolierten. Ich schätze, Cliff Copper hat sie wieder laufenlassen.“

In Morrisons fleischigem Gesicht zuckte es. „Und die gehören auch zu den Mareks? Seid ihr sicher?“

Pickett drehte sich im Sattel. „Sappo! Die gehören doch auch zu den Mareks. Stimmt’s?“

Sappo trieb sein Pferd heran. „Warum fragen wir sie nicht? Auf jeden Fall haben sie Bauholz geladen. Das sieht doch ein Blinder! Und jetzt verlassen sie die Straße.“

Morrison machte schmale Augen. Der Kutscher hatte das Gespann herumgezogen. Der Karren verließ die Straße und fuhr nordwärts.

Pickett sah Morrison grinsend an. „Wir suchen doch Rinderdiebe, Boss. Ich schlage vor, wir laden denen den Karren mal ab. Vielleicht kommt eines unserer Rinder darunter zum Vorschein.“ Morrison nickte nur.

Sie ritten an und galoppierten hinüber. Die drei hielten den Karren sofort an, als sie sahen, dass sich die Reiter näherten. Kurz darauf rissen Morrison und seine Männer die Pferde in den Stand. Sie umringten den Wagen sofort. Sie umringten den Wagen sofort.

„Ihr gehört zu den Mareks?“, schnarrte Morrison, während er dicht an den Wagen ritt, um sich die Ladung näher zu betrachten.

Die drei sahen sich voller Unbehagen um. Einer wie der andere hatten aufgeschlagene, verquollene und grün und blau verfärbte Gesichter.

„Well, wir gehören zu den Mareks“, antwortete der Kutscher, während er sich zur Seite neigte, um Morrison zu beobachten, der an der Ladung zu zerren und zu reißen begann. „He, was soll das bedeuten, Mister?“

„Halt’s Maul, du dreckiger Sklaventreiber!“, rief Pickett. „Wir haben euch Mareks überführt. Ihr seid Rinderdiebe!“

Morrison kam nach vorn geritten. „Absteigen!“, befahl er mit schnarrender Stimme. „Und dann ’runter mit dem Plunder, Pickett!“

Gewehre flirrten aus den Scabbards. Die drei Mareks standen auf und hoben die Arme.

„Wir protestieren!“, rief der Kutscher. „Dazu habt ihr kein Recht.“

Er hatte Peitsche und Zügel weggelegt und wollte nach dem Gewehr greifen, das er auf der Sitzbank liegen hatte. Doch Pickett jagte eine Kugel haarscharf an seinem Kopf vorbei, dass er die Pfand erschrocken zurückriss.

Details

Seiten
120
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738924060
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
circle c-ranch gezeichneten

Autor

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Titel: Circle C-Ranch #31: Die Gezeichneten kommen!