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Bolthar, der Wikingerfürst Band 6: Krieg der Berserker

2018 100 Seiten

Leseprobe

Bolthar, der Wikingerfürst Band 6: Krieg der Berserker

Tomos Forrest

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Bolthar, der Wikingerfürst Band 6: Krieg der Berserker

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TOMOS FORREST

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IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: 123 RF mit Steve Mayer, 2018

Created by Thomas Ostwald mit Jörg Martin Munsonius, 2018

Lektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2018 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Klappentext:

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ES IST EIN UNGLAUBLICH raues, geradezu grausames Kriegervolk, dem sich Bolthars Männer stellen müssen. Über den kräftigen Oberkörpern tragen sie Wolfsfelle. Sie scheinen keinen Schmerz zu kennen und wehren sich selbst noch mit schwersten Verwundungen bis zum letzten Atemzug. Von einem Zauberkundigen erfährt der Jarle, dass es sich um berserkir (Berserker) handelt, nahezu unbesiegbare Krieger. Auch Fringa gerät bei ihrer Suche nach ihrem Gefährten Garpur an diese mächtigen Krieger, deren Anführer, Andvardi, etwas ganz Besonderes ist ...

***

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1.

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TANNGNJOSTR UND TANNGRISNIR jagten am fast nachtschwarzen Himmel entlang, wurden immer wieder von Thor angetrieben, und laut lachend schleuderte der Gott seinen Hammer Mjölnir. Der Donner grollte laut und tief über dem Meer, Blitz nach Blitz fuhr in das gischtgekrönte Wasser, und das Langboot wurde wie von Riesenhänden immer wieder gepackt, in die Höhe gerissen und in das nächste Wellental geschleudert, als sollte es dort unten zerschellen, von den Wassermassen zerdrückt.

Längst hatte keiner der Ruderer auch nur noch einen trockenen Faden am Leib, die Brecher kamen immer wieder über den Bug oder seitlich zwischen den Schilden am Bordrand und durchnässten die Männer mit dem eiskalten Wasser. Doch dieses Langboot, ein þritugsessa mit jeweils dreißig Ruderern auf jeder Seite, war nicht durch Zufall in dieses Unwetter gekommen. Im Heck stand eine riesige Gestalt und hatte seine mächtigen Arme um das Steuerruder geschlungen. Die nassen Haare klebten an seinem Kopf, aus dem Bart floss ihm das Salzwasser, und trotzdem stieß der Mann ein wildes Gelächter aus, als sein Boot erneut in ein tiefes Wellental gerissen wurde.

Und wieder rasten Thors Ziegenböcke über die Männer dahin, Thor schleuderte Mjölnir, Blitz und Donner folgten Schlag auf Schlag. Der Hüne am Steuer sah aus wie ein Hrimthurse, ein Eisriese, und sein Lachen schien selbst noch Thors Donnern zu übertönen.

„Wir packen sie an den Eiern, bevor sie überhaupt ahnen können, dass wir da sind!“, schrie er gegen den Sturm über die Köpfe der Männer, die ihre Ruder geschickt nutzten, sobald das Langboot wieder aus dem Wellental nach oben stieg.

„Diese verfluchten Níðs werden diesen Tag nie wieder vergessen!“

Wie zur Bestätigung fuhr ein langer Blitz unmittelbar neben dem Langboot ins Wasser, und die Männer sahen zu ihrem Jarle auf, der erneut laut auflachte. Níð war in diesem Zusammenhang ein übles Schimpfwort und konnte ehrlose Krieger ebenso bezeichnen wie zwei Männer im gleichgeschlechtlichen Akt. In diesem Falle kam es nicht wirklich darauf an, was Bolthar in seinem Zorn laut herausschrie. Seine Gefolgsmänner würden in jedem Falle diese Bezeichnung für ihre verachteten Feinde gebrauchen.

Denn sie waren bei diesem Unwetter unterwegs, um Rache zu nehmen.

Fürchterliche, blutige Rache, denn vor einer knappen Woche war ihr Dorf überfallen worden, als sie selbst unterwegs zum Vejle Fjord waren, um ein Bündnis mit dem neuen König Harald zu schließen, der seinen Vater, König Gorm, entmachtet hatte (vgl. Bolthar, der Wikingerfürst Band 5, Tod eines Feiglings). Als sie zurückkehrten, fanden sie ihr Dorf niedergebrannt, die alten Männer und Frauen auf bestialische Weise abgeschlachtet, die Kinder und jungen Frauen verschleppt.

Nur der alte Gnýfeti überlebte das Gemetzel, allerdings schwer verletzt. Er hatte seinem Namen, der ‚Schnellfuß‘ bedeutet, alle Ehre gemacht, denn trotz einer Schwertwunde am Oberarm und einem Schlag auf den Schädel, der zwar seine Kopfhaut aufplatzen ließ und ihn vorübergehend ausschaltete, war er zu dem Nachbardorf gelaufen und hatte Alarm geschlagen. Dadurch erfuhren die Männer schon vor ihrer Ankunft, was sie in ihrer Heimat erwarten würde. Man hatte ein kleines Boot bemannt, den Mast mit dem Segel aufgerichtet und war dem þritugsessa entgegengefahren.

Doch die Ehre gebot, zunächst die Toten in einer würdigen Feier zu verbrennen, bevor man seiner Rache folgen konnte. Bolthar selbst war zunächst noch im Fjord geblieben und etwas später mit einem anderen Boot gefolgt, um sich mit weiteren Langbooten an der Küste von Møn zu treffen. Der Jarle war zu einem der wichtigsten Heerführer für König Harald geworden, sollten sie doch während des Baus der gewaltigen Brücke für den Handelsweg auf der Insel Jelling weitere Übergriffe der Krieger von König Rauðgrani unterbinden. Der Rotbart herrschte auf der Insel Björkör und soll sich dort ein großes, befestigtes Steinhaus errichtet haben.

Bolthar unterbrach sofort seine Fahrt und nahm an der Feier für die Toten teil.

Man brachte die Leichen in die Überreste eines Hauses, das einst das Versammlungshaus war. Vor dem Angriff hatten die Dorfbewohner Wasser über das Dach gegossen und damit verhindert, dass es beim Beschuss mit Brandpfeilen in Flammen aufging. Bei den anderen Häusern war das nicht der Fall, die Boote kamen zu schnell heran und hatten ihre alles vernichtende Fracht an Land gekippt, noch bevor die alten Frauen mit den Kindern fliehen konnten. Die anderen Dorfbewohner waren mit allem bewaffnet, was sie finden konnten. Die alten Männer holten ihre rostigen Schwerter hervor, hatten ihre im Kampf zerhackten Schilde aufgenommen und die Speere ergriffen, als die wilde Schar über sie hereinbrach.

Der Zustand ihrer zerfetzten Körper sprach für ihren Widerstand, und als Bolthars Krieger jetzt halfen, alle zusammen in das Haus zu tragen, stieß mancher der kampferprobten Männer laute Flüche aus.

Auch einige der Frauen hatten sich gewehrt.

Neben ihren misshandelten und zerstückelten Leichen lagen noch die Waffen, die für die Feinde keine wertvolle Beute darstellten und deshalb verschmäht wurden. Die Angehörigen der Toten schworen blutige Rache, als die Flammen, genährt vom ausgegossenen Walrosstran, endlich an den Balken hinaufleckten und schließlich alles in einer dicken, schwarzen Rauchwolke verschwand.

Die Männer wussten, was sie gleich, wenn die Körper brannten, erwarten würde. Auch diese Leichen waren mit dem Tran übergossen worden, aber noch bevor sich der süßliche Geruch ausbreiten konnte, hatten sie die Boote wieder ins Wasser geschoben und verließen den Strand. Noch lange Zeit war die steil aufsteigende, schwarze Wolke erkennbar, und die Männer an Bord ruderten mit vor Wut verkniffenen Gesichtszügen, bis plötzlich ein Sturm aufkam und Thor seine Geißböcke antrieb.

Tanngnjostr und Tanngrisnir hatten ihre Namen erhalten, weil sie mit ihren Zähnen knirschend die Geräusche nachahmten, die von den Blitzen erzeugt wurden. Deshalb nannte man sie Zähneknisterer und Zähneknirscher, und schon die Kinder in Bolthars Dorf Skagen kannten die Geschichten, die man sich von den Asen erzählte. Aber sie fürchteten den Gott des Donners, während ihn die Krieger zu ihrem Schutz anriefen. Thor war ein sehr mächtiger Gott, Odins Sohn, Lokis Bruder. Und er war nicht ohne Weiteres bereit, seinen Schutz zu gewähren. Thor verlangte regelmäßig Blutopfer, und in der Schlacht gab es dazu reichlich Gelegenheiten.

Als der Sturm losbrach, übernahm Bolthar das Steuerruder und gab Bent ein Zeichen. Der Unterführer hatte zwar keinen Erfolg mit seiner List am Strand vom Vejle Fjord gehabt, wo er Fringa eine Falle gestellt hatte. Denn ausgerechnet der Schwächling Kátur, der als Lockvogel dienen sollte, hatte sie rechtzeitig gewarnt (vgl. Bolthar, der Wikingerfürst Band 5, Tod eines Feiglings). Bent verstand den stummen Wink seines Jarle, zog seinen Sax heraus und stieß ihn dem Gefangenen durch den Hals. Der vollkommen Überraschte hatte keine Gelegenheit zur Gegenwehr. Bent hielt seinen Oberkörper so, dass das Blut aus der grässlichen Halswunde ins Wasser spritzte, damit auch der Meeresgott Njörd seinen Anteil erhielt, während Bolthar laut Thor anrief und ihn um seinen Schutz bei dem Krieg gegen König Rauðgrani bat. Und Thor hatte geantwortet, lange, sehr lange. Jetzt war er nicht mehr unterwegs, aber noch tobte das aufgewühlte Meer, das fast schwarze Wasser hatte noch immer weiße Gischkronen, als das Langboot in die schmale Bucht einlief. Die typischen Querwellen der Ostsee hatten hier kaum noch Gewalt über das Fahrzeug.

Die Männer zogen die Ruder ein und ankerten ihr Boot in sicherer Entfernung vom Strand.

Längst war die Nacht dem Sturm gefolgt, tiefe, mond- und sternenlose Dunkelheit lag über allem, als die Krieger so geräuschlos wie möglich an Land gingen. Sie trugen Speere und Schilde in den Händen, bereit, sofort einen Schildwall zu bilden, sollte sich trotz der späten Stunde und des schlechten Wetters ein Feind zeigen. Aber Bolthar behielt recht.

Der Feind ahnte nichts von ihrer Annäherung.

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2.

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THOR HATTE SIE ERHÖRT.

Der Sturm trieb die schwarzen Wolken vor sich her, und immer öfter fiel etwas von dem fahlen Mondlicht auf das Land. Die Männer rückten in einer breiten Kette vor, stets bereit, sofort auf einen Angriff zu reagieren. Jeder von ihnen kannte seinen Platz im Schildwall, und aus diesem Grund gingen die jüngsten Krieger auch in der vordersten Reihe.

Sie hatten die Aufgabe, den Feind aufzuhalten und die hinter ihnen stehenden, erfahrenen Krieger mit ihren Rundschilden zu schützen. Während sie die Angreifer mit ihren Schilden und Waffen aufhielten, hieben und stachen die hinter ihnen Stehenden zwischen den Schilden hindurch, schossen ihre Pfeile ab und waren bei der ersten Angriffswelle relativ gut geschützt. Alles kam letztlich darauf an, wie lange die erste Reihe der Schildträger standhalten konnte und keinen Schritt nachgab.

Bolthar war die letzten hundert Schritte vorangestürmt, seine mächtige Axt mit beiden Händen haltend.

Jetzt ragte er in der Dunkelheit vor den Kriegern wie ein Fels auf, groß, dunkel und ein Vorbild für alle. Keiner sprach, alle starrten durch die Dunkelheit auf die Palisade, die sich hinter ihrem Jarle erhob. Es gab auch ein paar Türme an den Ecken, von denen man die nächtlichen Angreifer mühelos mit Pfeilen beschießen konnte.

Wenn man denn aufmerksam in die Nacht gespäht und sich nicht dem Schlaf hingegeben hätte.

Wieder waren dicke Wolken weitergezogen, und für wenige Momente brach das Mondlicht auf die Anlage herunter und zeigte den Männern den richtigen Weg. Als nun der Mond wieder von Wolken verdeckt wurde, kletterten die Gefolgsleute Bolthars über die Palisade, töteten lautlos die ersten Wächter, auf die sie trafen, und fielen in die Häuser ein.

Bolthar hatte sich zielsicher das größte herausgesucht und war enttäuscht, dass es sich nur in der Größe, nicht aber in der Bauweise von den anderen unterschied. Hier gab es kein einziges Haus aus Steinen, alles war in der herkömmlichen Weise errichtet worden. Holz, Flechtwerk, Lehm und Stroh für die Dächer. Aber trotzdem verzog er sein Gesicht zu einer höhnischen Grimasse, als er daran dachte, wie rasch das alles brennen würde.

Gefolgt von fünf Kriegern trat er die Tür des Langhauses ein und schlug den ersten Mann mit einem einzigen Axthieb nieder, als der von seinem Lager aufspringen wollte. Doch schneller als gedacht formierte sich in der Dunkelheit dieses Hauses der Widerstand. Überall sprangen Gestalten von den langen Erdbänken auf, die sich an den Wänden befanden. Stahl klirrte auf Stahl, als Bolthars Männer plötzlich fünf Kriegern gegenüberstanden, die sofort und unbarmherzig auf sie einschlugen.

Bolthar fällte den ersten mit einem gewaltigen Axthieb, der dem Mann den Schädel spaltete und die Axt bis in den Rumpf trieb.

Er bekam sie jedoch nicht schnell genug wieder heraus, um einem weiteren Gegner auf gleiche Art zu begegnen. Blitzschnell musste er sich drehen, um dessen Speerstoß auszuweichen und den Mann an sich vorüberzulassen. Schließlich hatte er seinen Sax gezogen und hieb ihn dem Mann auf den Rücken. Das geschah alles so schnell, dass Bolthar ihn nur noch halb erwischte, die Klinge fuhr über den Rücken des Mannes und zog einen tiefen Schnitt. Doch der wirbelte ebenso rasch wie zuvor Bolthar auf den Füßen herum und griff erneut an.

Bolthar blockte seinen Arm, mit dem er gerade einen Überkopfschlag gegen ihn ausführen wollte, mit der linken Hand und stieß ihm den Sax in die Seite, riss ihn gleich darauf wieder heraus und vernahm das Brüllen des Verwundeten. Doch der Mann war noch nicht am Ende, hatte plötzlich sein eigenes Schwert aus der Scheide gerissen und hieb damit nach Bolthar.

Diesmal war der Jarle nicht schnell genug, er spürte, wie der Schlag gegen das Eisen seines brynja (Kettenhemd) prallte und die Wirkung dadurch gemildert wurde. Aber der Hieb war trotzdem so heftig, dass er unwillkürlich seinen Sax sinken ließ und spürte, dass der Schlag seine Muskelkraft lähmte.

Schon erfolgte der nächste Angriff, und Bolthar fragte sich, wie dieser schwerverletzte Krieger noch so aktiv sein konnte. Er wehrte den nächsten Angriff mit einem Tritt in dessen Unterleib ab, der den Mann zusammenklappen ließ. Dann machte er einen halben Schritt zur Seite und entging damit der nächsten Schwert-Attacke. Jetzt reichte es ihm, aber Bolthars Angriff wurde erneut gestoppt, als der Mann seinen Arm hochriss und den Schwerthieb damit parierte. Kurz spürte er Widerstand, als seine Schwertklinge auf den Knochen traf, diesen jedoch sauber durchtrennte und ihn im nächsten Augenblick ein dicker Blutstrahl aus dem Stumpf direkt ins Gesicht traf und ihn blendete.

Mit einem gurgelnden Schrei sprang ihn der Mann noch einmal an, taumelte aber dabei und stürzte schließlich vor die Füße Bolthars, der sich das Blut auf den Augen gewischt hatte und instinktiv sein Schwert nach unten stieß, direkt in den Rücken des Mannes.

In der Zwischenzeit war es dem Kämpfer neben ihm kaum besser ergangen. Bei der Enge des Raumes war es kaum möglich, jedem Angriff auszuweichen, aber der Krieger hatte seinem Gegner schon längst einen Hieb auf die Schulter verpasst, der tief in das Gelenk drang und auch ihm den halben Arm abtrennte. Doch der Mann griff zur Handaxt in seinem Gürtel und führte sie mit der anderen Hand auf so gefährliche Weise, dass nur ein schnelles Eingreifen Bolthars seinen Gefolgsmann rettete.

Den Moment, in dem Bolthar Luft bekam, riss er seine Breiðöx-Axt aus der Leiche zu seinen Füßen und schlug sie von unten nach oben dem Gegner bis unter das Kinn. Eine blutige Spur zeichnete sich auf dessen Brust aus, und als die Axt krachend auf die Kinnlade traf und sie bis zur Nasenwurzel zerteilte, spuckte der Mann Blut und Zähne aus, hieb aber mit dem Schwert noch einmal nach seinen Feinden, bevor er lautlos in sich zusammensackte.

Jetzt drängten weitere Krieger mit Fackeln in den Händen in das Langhaus. Sie waren um ihren Jarle besorgt, denn die Schreie und der Kampflärm waren trotz der eigenen Kämpfe in dem befestigten Dorf zu ihnen gedrungen. Die restlichen Verteidiger waren rasch niedergemacht, und als man in einem Haus mehrere Frauen antraf, die sich schweigend in einer Ecke zusammengeschart hatten und den Kriegern zwei alte Speere mutig entgegenstreckten, war der Kampf im übrigen Dorf bereits beendet.

„Lokis Arsch!“, schrie Bent, der hinter Bolthar in das Langhaus geeilt war und Zeuge wurde, wie der letzte Verteidiger buchstäblich in Stücke gehackt wurde, bevor er tot zusammenbrach. „Was sind das für Krieger? Man hackt ihnen den Arm ab, und sie kämpfen mit dem anderen weiter! Man schlägt ihnen die Axt bis zur Hälfte in den Körper, und sie kämpfen weiter! Haben wir gegen Götter gekämpft?“

Vor Anstrengung keuchend verließen die Krieger hinter Bolthar und Bent das Langhaus. Einer griff ein Scheit von dem wieder angefachten Wachfeuer auf und warf ihn in das Haus. Durch die Decken und Kleidungsstücke in dem Langhaus verbreitete sich das Feuer rasch und erfasste die Balken und schließlich das Dach mit dem Stroh. Hell leuchteten die Flammen in die schwarze Nacht und brachten den Eroberern die Erkenntnis, dass sie im Handstreich ein gut befestigtes Dorf eingenommen hatten. Fragen an die wenigen Überlebenden, die überwiegend Frauen waren, ergaben, dass es sich zwar um ein Dorf des Rotbartes handelte, der König selbst aber hier nicht lebte. Björkör war noch Tagesreisen von hier entfernt!

Doch als diese Mitteilung Bolthar erreichte, war er gerade sehr beschäftigt.

Er hatte als Erster das Haus mit den Frauen betreten, das ihm von seinen Gefolgsmännern bezeichnet wurde. Mächtig schwer fielen seine Schritte auf dem gestampften Boden aus, und als die beiden Speere auf ihn gerichtet wurden, griff er nach dem ersten und entriss ihn den schwachen Händen, die ihn verzweifelt gehalten hatten. Der Speer fiel weit hinten unschädlich in eine Ecke, und als die zweite Frau die Gelegenheit nutzte, um einen Angriff auf Bolthar zu starten, packte er ebenfalls den Schaft, und stieß damit die angreifende Frau zurück, sodass sie gegen die anderen stürzte und zwei weitere von ihnen mit sich riss.

Während die anderen Männer ihm folgten, hatte er der eben gestürzten Frau das Kleid von den Schultern gerissen und trennte es von der Brust bis zum Saum mit einem einzigen Schnitt seiner scharfen Messerklinge auf. Ihre vollen, weißen Brüste lagen frei, und erneut schrie sie auf. Die Frau wehrte sich heftig und versuchte, ihm das Knie zwischen die Beine zu rammen.

Bolthar lachte dröhnend, während die anderen Frauen von seinen Kriegern hochgerissen wurden und ein ähnliches Schicksal erlitten.

„Mach weiter so, meine Wildkatze, so ist es viel schöner!“, rief er der Frau zu, die sich mit Händen und Füßen gegen Bolthar wehrte. Doch mit seinen Beinen zwang er ihre auseinander, spreizte sie weit und war im nächsten Augenblick so heftig in sie eingedrungen, dass sie erneut laut aufschrie. Aber das stachelte nur seine Lust an, und während er mit scharfen, harten Stößen auf sie einhämmerte, bäumte sie sich immer wieder auf, kratzte mit den Händen in seinem Gesicht und musste schließlich erleben, dass er mühelos ihre Hände hielt, während sein Glied ihr Inneres umzukrempeln schien. Plötzlich erlahmte ihr Widerstand, eine warme Welle flutete von ihrem Rücken zum Nacken hinauf, sie versuchte, sich aufzurichten und presste sich jetzt gegen das harte Ding, das noch immer in ihr auf und ab fuhr und ihr jetzt eine unbekannte Lust erzeugte, die sie erregte und zugleich beschämte. Aber dagegen konnte sie sich nicht wehren, und während sie keuchend unter dem brutalen Wikingerfürsten lag, wünschte sie sich in diesem Augenblick den Tod.

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3.

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WIR HABEN DEN fjölkunnigur (Zauberer) des Dorfes gefunden, Jarle Bolthar!“, vermeldete einer der Krieger, der einen alten, weißhaarigen Mann in einem seltsamen Gewand zu ihrem Anführer gebracht hatte. Bolthar richtete sich von seinem Lager auf und betrachtete den Zauberkundigen neugierig.

„So, du bist also der fjölkunnigur? Nun, dann bitte ich dich, neben mir Platz zu nehmen. Ich möchte gern einiges von dir über dieses seltsame Dorf erfahren!“

Der alte Mann war unter den Toten gefunden worden. In der Dunkelheit konnte man kaum Freund oder Feind unterscheiden, und so erhielt auch der alte Mann einen Schlag auf den Kopf. Glücklicherweise hatte er nicht mehr als eine Beule davongetragen, schien aber deshalb nicht sonderlich erbost zu sein, als er zu Bolthar geführt wurde.

Es war doch immerhin ein Risiko, sich einen Zauberkundigen zum Feind zu machen.

Ohne Weiteres nahm der Alte Platz und sah sich nach etwas Trinkbarem um.

Bolthar bemerkte seinen Blick und rief nach einem Becher Met oder Bier. Der kostbare Met war nicht mehr vorhanden, aber Bier gab es noch ausreichend, sodass der fjölkunnigur gleich darauf voller Genuss und laut schlürfend seinen Becher leerte, während Bolthar ihn aufmerksam betrachtete.

Der Mann hatte eine uralte, zerschlissene und völlig verdreckte Tunica an, mit zahlreichen kleinen Knöchelchen und Federn besetzt, deren ursprüngliche Farbe unter all dem Dreck, der daran haftete, kaum noch erkennbar war. Als der Zauberer seinen Becher absetzte, krabbelten ihm mehrere Läuse durch den Bart, und angewidert musste Bolthar sich sofort jucken.

Dabei fiel sein Blick auf die Decke neben seinem Lager, unter der sich noch der Körper der Frau abzeichnete. Er stieß dagegen und erhielt als Antwort einen Knurrlaut, aber sonst bewegte sich nichts.

Bolthar musste unwillkürlich grinsen, wenn er an die vergangene Nacht dachte, doch dann ließ er die Frau in Ruhe. Eine in ihrem Schicksal ergebene Thrall, eine Sklavin, das hatte nicht viel zu bedeuten.

„Du kommst von Jylland, Jarle!“, sagte plötzlich der Alte mit brüchiger Stimme. „Und du bist gekommen, um den Rotbart zu töten. Aber hüte dich, denn der König ist mächtig und verfügt über Kräfte, von denen du nichts wissen kannst!“

Bolthar war keineswegs von dieser Aussage beeindruckt.

Der fjölkunnigur mochte andere beeindrucken, er selbst hielt nicht viel von den Künsten eines Zauberers. Trotzdem gebot es die Vorsicht, freundlich mit diesen Männern zu sein, denn zweifellos verfügten viele von ihnen über besondere Fähigkeiten. Bolthar selbst hatte in seiner Jugend einmal einen sehr überzeugenden Zauberer erlebt, der direkt mit den Göttern gesprochen hatte. Dabei wand sich der Mann vollkommen nackt auf der Erde, hatte Schaum vor dem Mund und verdrehte seine Augäpfel, sodass nur das Weiße zu sehen war. Aber er sprach zu den Umstehenden von ein großes Unglück, und das ereilte das Dorf dann auch im nächsten Winter, als sich ein Teil der Vorräte als verdorben herausstellte, der Schnee tagelang fiel, die Kälte viel zu lange anhielt und die Jagd fast unmöglich wurde. Auch das Wild litt, und die Jäger waren froh, wenn sie ein Tier stellen konnten, das erschöpft und mit an der harten Schneedecke zerschundenen Läufen nicht mehr fliehen konnte.

„Ich habe schon in der Nacht eine Probe davon bekommen, fjölkunnigur. Erzähle mir mehr über die Krieger in diesem Langhaus, das wir niedergebrannt haben.“

Der Alte schenkte ihm einen belustigten Blick.

„Das waren gewiss Krieger, wie ihr sie noch nie erlebt habt!“

Es hörte sich ein wenig nach Prahlerei an, wie er das herausbrachte, und unwillig antwortete ihm Bolthar:

„Ich rate dir, mir rasch zu antworten, meine Geduld ist sehr klein und ich habe auch keine Angst vor einem Zauberkundigen.“ Bei diesen Worten fuhr seine rechte Hand unwillkürlich zu dem silbernen Mjölnir an seinem Hals, und der Alte bemerkte das natürlich.

„So, du stehst wohl unter dem besonderen Schutz Thors, ja? Dann täusche dich mal nicht, Bolthar, ich weiß mehr über dich, als du glaubst!“

„Du kennst meinen Namen?“, antwortete der Wikingerfürst erstaunt.

„Mehr noch, Bolthar, mehr noch!“, kicherte der Alte vergnügt und sprach mit einer womöglich noch höheren Stimme. „Ich kann für dich das Orakel befragen, denn du hast viele Sorgen und viele Fragen, das sehe ich in deinen Augen!“

Jetzt war es genug.

Bolthars Faust fuhr vor und packte den alten Mann so derb an der Brust, dass dabei sein schmutziges, altes Hemd zerriss.

„Hör mir gut zu, Zauberer!“, zischte er so nahe am Gesicht des Alten, dass der von einem Spuckeregen eingedeckt wurde. „Versuche mit mir keine Spielchen! Ich habe meine Gründe, dich am Leben zu lassen, und du solltest mir dafür dankbar sein! Mit deinen Tricks kannst du mich nicht täuschen. Du hast meinen Namen von meinen Kriegern gehört, und weißt vielleicht von einem Skalden, was ich in den vergangenen Jahren getan habe. Und jetzt erzähle mir etwas über diese Krieger, die trotz schwerer Verletzungen nicht aufgeben, sondern kämpfen, bis der letzte Atemzug ihren zerhackten Körper verlassen hat!“

Der Alte wackelte bedenklich mit seinem hageren Kopf, der auf einem verschrumpelten Hals saß und bei dieser Bewegung den Eindruck erweckte, gleich herunterzufallen. Dann kicherte er auf eine seltsame Weise und antwortete, als Bolthars Hand sich bereits um den Griff seines Schwertes legte:

„Hast du noch nie etwas von den berserkir gehört, Jarle Bolthar? Hast du noch nie zuvor einen von ihnen kämpfen gesehen?“

„Nein, und dafür bin ich Thor dankbar. Was ist ein berserkir? Wo lebt dieser Stamm? Ich würde gern solche Krieger anwerben, sie sind von großer Kampfstärke!“

Wieder lachte der Alte.

„Anwerben? Stamm? Du weißt also wirklich nichts, Jarle!“

„Bei Odin, es reicht!“, schrie Bolthar erbost und sprang auf, das Sax in der Hand.

„Nicht so schnell, Bolthar, du könntest es bereuen, wenn du mich jetzt tötest!“, rief der Alte mit vor Angst kreischender Stimme aus.

Aber der Wikingerfürst machte einen Schritt auf den alten Mann zu und setzte ihm die Spitze seines Schwertes direkt über der Brust auf die Fetzen seines Hemdes.

„Es könnte sein, dass ich tatsächlich bereue, was ich gleich tun werde. Aber dann werde ich mir sagen, ich habe nur einen alten Sack voller Knochen und Blut durchstochen, und das Blut ist versickert und der alte Sack wird vermodern!“

„Jarle!“, bat jetzt der Alte in plötzlich jämmerlichen Ton. „Nicht, ich werde dir das Geheimnis der berserkir erklären. Schone mein Leben, es ist ohnehin nicht mehr viel davon vorhanden. Aber ich gestehe, dass ich daran hänge. Hör mir zu, Jarle Bolthar, und du wirst erfahren, wie du solche Kämpfer für dein Heer bekommst!“

Unwillkürlich gehorchte Bolthar dem Zauberer und neigte sich leicht nach vorn, um dessen hastig herausgestoßenen Worten folgen zu können. Je länger der Alte sprach, desto vergnügter wurde Bolthar, bis er sich zum Schluss auf die Schenkel klopfte.

Sollte das wahr sein, was ich gerade erfahren habe, dann haben mich die Götter auserwählt!, dachte Bolthar und warf einen Blick über seine Gefolgsleute, die eben damit begonnen hatten, die Beute aus den nun ebenfalls angezündeten Häusern in die Mitte des Platzes zu tragen.

Berserkir! Na, bei Thor, man würde sehen!

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4.

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IN DIESER NACHT HÄTTE nicht viel gefehlt, und der siegestrunkene Bolthar wäre in die große Halle zu seinen Vorfahren gegangen. Sie hatten ihren Aufenthalt im Dorf verlängert, weil der alte fjölkunnigur noch sein Mittel zubereiten musste, das aus einem normalen Krieger einen berserkir machen sollte. Den Tag über mussten seine Krieger die gesamte Umgebung absuchen, ob sich noch Flüchtlinge in den Wäldern verborgen hielten, die man als Sklaven verkaufen konnte. Bei diesen Streifzügen entdeckten die Männer eine weitere Siedlung, die aber leichter zu Wasser erreichbar war. Der Landweg schien umständlich und um mehrere Sumpfgebiete zu verlaufen. Also beschloss Bolthar, dass man noch auf den Zauberer und die Beendigung seiner Arbeit warten wollte, dann aber in zwei getrennten Gruppen durch das Land ziehen und mit den Booten vom Wasser aus vorgehen wollte.

Bei dem niedergebrannten Dorf befand sich eine Weide mit einem halben Dutzend der ausdauernden, kleinen Pferde. Die teilte Bolthar für sich und seine Unterführer ein und suchte sich die Männer aus, die ihn auf dem Landweg begleiten sollten. Der Rest konnte auf dem Meer die Küste entlangfahren und bis zum Eintreffen der Landgruppe draußen ankern.

Am Abend war der Zauberer bereit, sein Mittel vorzuführen, und trat ohne Weiteres an das Langboot heran, in dem er Bolthar wusste. Entweder hörte er bereits sehr schlecht oder es war ihm egal, was der Jarle dort gerade mit der Sklavin machte, die er seit dem Überfall an seiner Seite hatte.

Der Alte ergriff die Bordkante und zog sich mühsam herauf. Als er es endlich geschafft hatte, kicherte er vor sich hin. Da bewegten sich die weißen Hinterbacken des Jarle auf und ab, und das Stöhnen der beiden war nicht zu überhören. Endlich rollte sich Bolthar herunter, während die Frau mit gespreizten Beinen liegen blieb und schwer atmete.

„Was willst du, fjölkunnigur? Kann ich nicht auf meinem Boot in Ruhe so lange kneppen (vögeln), wie mir das Spaß macht? Oder hast du das verlernt und guckst lieber bei anderen zu?“

Der Alte grinste nur breit und deutete auf das Tongefäß, das er mitgebracht hatte.

„Wenn du davon nimmst, Jarle, wirst du verstehen, dass ich die einfachste Sache der Welt niemals verlernen werde.“

Bolthar nahm die Schale entgegen und schnüffelte misstrauisch daran.

„Was ist das für ein Zeug, das du da zusammengemischt hast?“

Wieder kicherte der Alte und legte seinen Kopf schief, um Bolthar einen bösen Blick zu schenken. Doch der hatte es bemerkt und sofort den Arm des Zauberers ergriffen.

Details

Seiten
100
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783738923810
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451255
Schlagworte
bolthar wikingerfürst band krieg berserker

Autor

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Titel: Bolthar, der Wikingerfürst Band 6: Krieg der Berserker